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  • Die Religion in England im 17. Jahrhundert
    Der Wachtturm 1961 | 15. November
    • wider. Bunyans größter Schatz war seine Bibel, und das war auch das Buch, das so vielen die Kraft gab, für die Freiheit zu kämpfen. Als daher im Jahre 1960 eine dreihundertjährige Bibel entdeckt wurde, die in der Mauer eines Landhäuschens in Wrotham, Kent, verborgen gewesen war, erinnerte dies kraftvoll daran, wie sehr man einst die Bibel geschätzt hatte, als man sich einer religiösen Verfolgung gegenübergesehen hatte.

      DAS PENDEL RELIGIÖSER EINSTELLUNGEN

      Das siebzehnte Jahrhundert tritt wegen seiner vielen Wechsel hervor. Man fiel von einem Extrem ins andere. Unter Erzbischof Laud durfte man nur das Gebetbuch benutzen, unter Oliver Cromwell dagegen war das Gebetbuch verboten. Beide Seiten entzogen Geistlichen ihr Pastorat, als sie die Zügel in der Hand hatten. Im Jahre 1604 verjagte König Jakob etwa 300 Geistliche, die als die „zum Schweigen gebrachten Brüder“ bekanntwurden. Im Jahre 1643 kam die Reihe an die anglikanischen Geistlichen, als 2000 ihres Pastorats verlustig gingen, was in jenen Zeiten für eine Familie eine ernste Sache war. Um das Jahr 1662 war die anglikanische Kirche wieder an der Macht, und nun wurden unter dem „Uniformity“-Gesetz 2000 Nonkonformisten beraubt.

      Die Erklärung, „Book of Sports“ genannt, hilft uns ebenfalls, religiöse Einstellungen zu verstehen. Sie erlaubte Sonntagsspiele nur, wenn man die Kirche besucht hatte. Die Puritaner bekämpften dies kraftvoll, trotz einer Geldbuße von zwölf Pence, die für jede Absenz von der Kirche angesetzt war. Mägde weigerten sich sogar, am Sonntag das Geschirr abzuwaschen.

      Dann wendete sich das Blatt, und die Puritaner kamen an die Macht. Das Parlament schaffte im Jahre 1647 Weihnachten, Ostern, Pfingsten und die Festtage der Heiligen ab. Der Grund, den man dafür angab, zeigt, wie sehr man wünschte, zu den wahren christlichen Lehren zurückzukehren. Hugh Martin legt ihn in den Worten dar: „Wir sollten die wahre Behauptung der Puritaner nicht übersehen, nach der viele Traditionen in bezug auf diese Festlichkeiten eher heidnisch als christlich waren, wiewohl wir denken, daß es möglich ist, manchmal sogar von den Heiden etwas zu lernen. Die Bibel ermächtigt nicht zur Beobachtung dieser Tage; die apostolischen ‚Väter‘ erwähnen sie nicht, und viele der frühen christlichen Schreiber, wie Chrysostomos, Sokrates, der Geschichtsschreiber, und Origenes, sind in bezug auf deren Beobachtung sehr kritisch. Es gibt eine stattliche Zahl von Beweisen, daß viele der christlichen Feste absichtlich auf heidnische Festtage übertragen wurden.“5

      Wechselnde Einstellungen spiegelten sich auch in der Stellung des Kommunionstisches wider. Sollte dessen lange Seite von Norden nach Süden oder von Osten nach Westen laufen? Laud bestand auf dem ersteren, das heißt „altarähnlichen“. Aber mit dem Sturz Lauds brachte man die Tische voller Freude wieder in ihre frühere Stellung zurück. Die Rache für Lauds Taten zeigte sich darin, daß man viele Kirchen oder „Kirchturmhäuser“, wie man sie nannte, zertrümmerte. In Norwich zerschlug man das Innere der Kathedrale; die Orgelpfeifen, die Meßgewänder, die Priesterröcke, die Chorhemden und Andachtsbücher wurden auf den Marktplatz gebracht, wo man sie in Brand steckte, während die Volksmengen die Kathedrale in eine Bierschenke verwandelten.

      In der kurzen Zeit, in der die Presbyterianer an der Macht waren, wurde die „Solemn League and Covenant“ (Feierliche Liga und Bund) eingeführt. Wegen des militärischen Beistandes, den Schottland gewährte, war das Parlament bereit, in England die Kirche zu reformieren; es setzte eine Kirchenregierung nach presbyterianischem Muster ein. Die berühmte Westminster Assembly kam zusammen, um alle Einzelheiten festzulegen, doch tat man in Wirklichkeit nur wenig, und der presbyterianische Glaube gewann in England nie viel Macht. Statt dessen waren es die Independenten oder Nonkonformisten, die besonders während der Zeit Cromwells eine Grundlage schufen, welche ihre weitere Existenz sichern sollte.

      Oliver Cromwell ist immer noch eine der umstrittensten Gestalten in der englischen Geschichte. Im Laufe seiner Herrschaft gewann eine tolerante Haltung gegenüber religiösen Meinungsverschiedenheiten die Oberhand. Cromwell dachte, alle seine Taten würden von Gott gelenkt, eine Vorstellung, die viele Menschen in jenen Tagen hatten. Dies führte manchmal zu unglücklichen Behauptungen. Bei der Einnahme von Drogheda in Irland ordnete Cromwell ein scheußliches Gemetzel an und rechtfertigte es mit den Worten: „Ich bin davon überzeugt, daß das ein gerechtes Gottesgericht an diesen nichtswürdigen Barbaren ist.“6 Die Schlacht von Dunbar beschreibend, bei der Cromwell auf die religiösen Schotten stieß, bemerkt Winston Churchill verständnisvoll: „Beide Seiten riefen voll Vertrauen Jehova an; und der Höchste, der nur wenig Glauben und Eifer bei ihnen vorfand, auf Grund dessen er sich für diese oder jene Seite hätte entscheiden können, muß zugelassen haben, daß rein militärische Faktoren den Ausschlag gaben.“7

      Mit der Wiederherstellung der Monarchie war die anglikanische Kirche wieder vorherrschend, und die Verfolgung der Puritaner wurde in vielen Teilen des Landes von neuem kraftvoll weiterbetrieben. Aber die Nonkonformisten waren jetzt stärker, sie waren ihrer Ideen und Ziele sicherer. Mit dem Tode Karls II. schwang das Pendel rapid nach der anderen Seite, als Jakob hier und dort und überall Römisch-Katholische ins Amt einsetzte. Durch den Versuch, die Dissidenten für seine eigenen Zwecke zu gewinnen, trieb er sie ins anglikanische Lager. Seine Absichten waren allzu offenbar, und er floh nach Frankreich, als Wilhelm von Oranien eingeladen wurde, in England zu landen.

      Wilhelm war nicht damit einverstanden, ohne Gottesdienstfreiheit zu regieren. Im Jahre 1689 machte das Toleranzgesetz vielen Leiden, die man in religiösen Dingen um des Gewissens willen auf sich genommen hatte, ein Ende, obwohl vereinzelte Fälle immer noch viel Haß und Bitterkeit enthüllten.

      Kein einziges Mal zeigte das Pendel im siebzehnten Jahrhundert eine wirklich christliche Handlungsweise der Regierung und des Volkes an. Es war eine Ära, die durch Furcht, Bigotterie, Verfolgung, Bestechung und Günstlingswesen gekennzeichnet war. Die Verbindung von Kirche und Staat führte zu einer großen Beschränkung der Freiheit für viele, und in der Folge heckte man ein Gesetz nach dem andern aus, um Andersdenkende in Fesseln zu legen. Ein solches Blatt der Geschichte kann uns heute zur Warnung dienen. Einem ähnlichen Wege zu folgen würde bedeuten, daß man den gesunden Rat des Apostels verwirft, der vor neunzehnhundert Jahren gegeben worden ist: „Andrerseits ist die Frucht des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Glaube, Milde, Selbstbeherrschung. Wider solche gibt es kein Gesetz.“ — Gal. 5:22, 23, NW.

      QUELLENNACHWEIS

      1 England Under the Stuarts, von G. M. Trevelyan, Seite 28.

      2 The Scottish Covenanters, von J. Barr, Seite 98.

      3 A Collection of the Sufferings of the People Called Quakers, von J. Besse, 1753, Band I, Seite 460.

      4 The Church and the Puritans, von H. O. Wakeman, Seite 133.

      5 Puritanism and Richard Baxter, von H. Martin, Seite 111.

      6 Cromwell’s Letters and Speeches, von T. Carlyle, Brief 98, 17. September 1649.

      7 A History of the English-speaking Peoples, von W. S. Churchill, Band 2, Seite 235.

  • Kannst du dich noch erinnern?
    Der Wachtturm 1961 | 15. November
    • Kannst du dich noch erinnern?

      Hast du die letzten Ausgaben des Wachtturms sorgfältig gelesen? Wenn ja, dann solltest du folgende wichtige Punkte erkennen. Prüfe dich.

      ● Wie kam es, daß Jesus niemals einen Fehler machte, während Adam und Eva, die doch auch vollkommen waren, solche begingen?

      Jesus machte niemals einen Fehler, weil er eine starke Liebe zu Jehova hegte und ihm stets gehorchte, und Gottes Weg ist immer recht. Ferner übte Jesus sein Wahrnehmungsvermögen aus, zog das Ende eines Weges in Betracht, ehe er ihn betrat, und wählte dann den Weg, durch den er Gott verherrlichen würde. Adam und Eva versagten in allen diesen Punkten. — S. 392.a

      ● Was ist eine Laufbahn? Was muß man also im Predigtdienste tun, damit er eine Lebenslaufbahn sei?

      Eine Laufbahn ist ein Lauf beständigen Fortschritts oder fortschrittlicher Leistungen auf einem gewissen Gebiet oder in einer gewissen Tätigkeit.

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