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  • Was ist die „Grüne Revolution“?
    Erwachet! 1972 | 8. November
    • Was ist die „Grüne Revolution“?

      VOR wenigen Jahren wurde gemeldet, daß in verschiedenen Ländern Millionen Menschen hungern und täglich Tausende verhungern.

      Das traf besonders auf Indien zu. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren — 1965 und 1966 — blieb dort der Regen aus; die Folge war eine Dürre, der ein großer Teil der Ernte zum Opfer fiel. Zahllose Menschen verhungerten. Nur dadurch, daß andere Länder große Mengen Getreide nach Indien verschickten, konnte das Allerschlimmste abgewendet werden.

      Darauf prophezeiten verschiedene Fachleute eine Welthungerkatastrophe. Einige vermuteten, daß es um die Mitte der 1970er Jahre soweit sein werde. Es gab sogar Fachleute, die erklärten, die Welthungersnot habe schon begonnen.

      Doch heute hört man nicht mehr soviel von Opfern des Hungers. Jetzt erfahren wir sogar, daß es in einigen Ländern, in denen noch vor wenigen Jahren Nahrungsmangel herrschte, Nahrungs„überfluß“ gibt.

      Was ist der Grund für diesen Wandel? Eine Revolution, die auf dem Gebiet der Getreideerzeugung vor sich gegangen ist. Dieser Wandel gilt als so bedeutungsvoll, daß man den Ausdruck „Grüne Revolution“ dafür geprägt hat.

      In Verbindung mit dieser Revolution erheben sich aber auch folgende Fragen: Wie ist es zu dieser „Grünen Revolution“ gekommen? Sind Gefahren damit verbunden? Wirkt sie sich tatsächlich zum Segen der Armen und Hungernden unter der Weltbevölkerung aus? Kann man damit das Ernährungsproblem der Menschheit lösen? Wir wollen diese Fragen der Reihe nach näher prüfen.

      Wie sie begann

      Mit dem Ausdruck „Grüne Revolution“ wird eigentlich die erfolgreiche Entwicklung ertragreicherer Weizen- und Reissorten bezeichnet. Sie ist von großer Bedeutung, weil diese beiden Getreidearten, besonders der Reis, die Hauptnahrungsmittel für den größten Teil der Weltbevölkerung darstellen.

      Der Siegeszug dieser neuen Getreidesorten begann um das Jahr 1965. Doch eigentlich begann alles viel früher, nämlich, als man in Mexiko ein von der Regierung und der Rockefellerstiftung finanziertes gemeinsames Programm für die Weizenverbesserung in Angriff nahm.

      Die ersten Erfolge erzielte ein Team von Landwirtschaftsexperten unter der Leitung von Dr. Norman E. Borlaug, nachdem es etwa zwanzig Jahre lang experimentiert hatte. Diesen Wissenschaftlern war es gelungen, Weizensorten zu entwickeln, die eine Steigerung der bisherigen Getreideerträge um das Vierfache brachten.

      Bei der neuen Weizensorte handelte es sich um Kurzstrohweizen, das heißt um Weizen mit kurzem, kräftigem Halm. Ein solcher Halm ist wichtig, denn die Pflanze vermag dann aufrecht stehen zu bleiben, obwohl ihre Ähren mehr Körner tragen. Ferner war dieser Weizen unempfindlich in bezug auf die Tageslichtdauer. Das bedeutete, daß er auch in Gegenden der Erde angebaut werden konnte, die eine andere Tageslichtdauer hatten als das Gebiet, in dem diese neue Sorte gezüchtet worden war. Ferner sprach er auf Düngung und Bewässerung sehr gut an.

      Ungefähr zur gleichen Zeit entwickelte das Internationale Reisforschungsinstitut auf den Philippinen eine neue, ertragreichere Reissorte. Diese Züchtung wirkte sich auf den Reisanbau ebenso aus wie die in Mexiko vorgenommenen Versuche auf den Weizenanbau.

      Im Jahre 1965 wurden die neuen Getreidesorten auf größeren Versuchsfeldern in Asien angebaut. Mehrere hundert Hektar wurden damit bepflanzt. Heute, nur sieben Jahre später, werden in verschiedenen Gebieten der Erde Millionen von Hektar Ackerland damit bestellt. Besonders in den Weizenanbaugebieten Indiens und Pakistans werden diese neuen Sorten verwendet. Auf den Philippinen und in anderen Reisanbaugebieten Südostasiens geht man auch mehr und mehr zum Anbau der neuen Reissorten über.

      Wie groß sind die Erfolge?

      Die Getreideproduktion hat durch diese neuen Sorten eine große Veränderung erfahren. In mehreren Ländern ist eine große Steigerung der Ernteerträge erzielt worden. In der Zeitschrift BioScience, Ausgabe vom 1. November 1971, konnte man lesen, daß durch die neuen Getreidesorten, besonders in Indien und Pakistan, „die drohende Gefahr einer weitverbreiteten Hungersnot gebannt oder wenigstens um etwa ein Menschenalter [33 Jahre] hinausgeschoben“ worden wäre.

      Im Erntejahr 1964/65 — dem besten Jahr in jener Zeit — erntete man etwa 89 Millionen Tonnen Getreide. Aber im Jahr 1970/71 betrug die Ernte rund 107 Millionen Tonnen. Die größte Ertragssteigerung erzielte man bei der Weizenernte. Im Jahre 1965 betrug sie etwa 11 Millionen Tonnen, 1970 dagegen 23 Millionen Tonnen. Die Reisproduktion konnte nicht im gleichen Maße gesteigert werden. Doch zuständige Stellen in Indien sagten voraus, daß im Jahre 1972 genügend Reis zur Deckung des Eigenbedarfs erzeugt werde.

      Diese große Steigerung der Ernteerträge hat bewirkt, daß krisenanfällige Gebiete, die früher riesige Getreidemengen einführen mußten, jetzt so viel erzeugen, daß der Eigenbedarf gedeckt und sogar noch etwas exportiert werden kann. Der Erfolg mit den neuen Getreidesorten hat immer mehr Bauern veranlaßt, jedes Jahr ihr Land damit zu bepflanzen.

      Aus alldem könnte man den Schluß ziehen, daß die Wissenschaft nun doch den Schlüssel zur Lösung des Ernährungsproblems des Menschen gefunden habe. Es hat den Anschein, als brauchten die hungernden Völker der Welt, um ihrem Nahrungsmangel abzuhelfen, lediglich diese neuen Weizen- und Reissorten anzubauen.

      Eine Warnung

      Doch viele Landwirtschaftsexperten warnen vor einer solchen Schlußfolgerung. Sie sagen, daß die „Grüne Revolution“ das Ernährungsproblem der Menschheit jetzt nicht löse und auch in Zukunft nicht lösen werde.

      In dem Buch The Survival Equation kann man zum Beispiel in einem Aufsatz, verfaßt von dem Agrarwissenschaftler Wolf Ladejinsky, folgendes lesen:

      „In einigen landwirtschaftlich unterentwickelten Ländern Asiens ist die ,Grüne Revolution‘ seit fast fünf Jahren im Gange. Als sie in den traditionsgebundenen Agrargesellschaften Fuß faßte, wurde verkündet, sie widerlege die düsteren Prophezeiungen, nach denen großen Gebieten der Welt eine Hungersnot drohe.

      Außerdem glaubten diejenigen, die über den bevorstehenden Umschwung jubelten, sie sei das Mittel, mit dem die Armut der groben Mehrheit der Bauernbevölkerung besiegt werden könne. ...

      Doch da es nicht leicht ist, die Voraussetzungen für die Anwendung der neuen Agrartechnik zu schaffen, kann sie sich nicht ungehindert ausbreiten und entwickeln. Außerdem hat die Revolution da, wo sie erfolgreich gewesen ist, zu vielen politischen und sozialen Problemen geführt. Kurzum, die Grüne Revolution kann sich, wie Dr. Wharton in ,Foreign Affairs‘, Ausgabe vom April 1969, treffend sagte, als Füllhorn und als Büchse der Pandora erweisen.“

      Warum warnen viele Fachleute vor einem übertriebenen Optimismus, während doch die „Grüne Revolution“ im Gange ist? Was für Probleme bringt sie mit sich? Wie beeinflussen diese Probleme die Möglichkeit, durch die „Grüne Revolution“ des Hungers und der Armut Herr zu werden?

      Eines dieser Probleme birgt eine große Gefahr in sich, die mit dem genetischen Material der neuen Getreidesorten zusammenhängt.

  • Gefahr: zuviel von der gleichen Sorte
    Erwachet! 1972 | 8. November
    • Gefahr: zuviel von der gleichen Sorte

      VOR kurzem wurde in der Zeitschrift Bio-Science folgende Warnung veröffentlicht: „Mit der ,Grünen Revolution‘ ist auch das Schreckgespenst einer verheerenden Seuche verbunden.“ Wieso?

      Wenn große Flächen mit der gleichen Getreidesorte bebaut werden, droht der ganzen Ernte große Gefahr. Wird das Getreide von einer neuartigen Insekten- oder Pilzkrankheit befallen, kann sich das auf die ganze Anbaufläche, die mit diesem Getreide bestellt ist, auswirken. Werden aber verschiedene Getreidesorten angebaut, ist das gewöhnlich nicht der Fall.

      Die Experten sagen übereinstimmend, daß das bei den neuen hochertragreichen Getreidesorten möglich ist. Diese neuen Sorten stammen von einer sehr schmalen genetischen Grundlage, d. h., sie sind hochgezüchtet. Die Rockefellerstiftung berichtet, daß die ganze Familie der Weizensorten, mit denen jetzt größere Flächen Asiens bebaut werden als mit irgendeiner anderen Sorte, von einer einzigen Rasse abstamme.

      Doch weil die neuen Sorten so ertragreich sind, gibt man ihnen den Vorzug. Die Bauern wollen zu Geld kommen. Sie bauen die Sorten an, mit denen sie das am schnellsten erreichen können. Daher bestellen sie immer größere Flächen mit der hochertragreichen Sorte anstelle der einheimischen Getreidesorten, die weniger ertragreich sind. Doch man weiß nicht, wie widerstandsfähig die neuen Varietäten, die nicht in der Gegend entwickelt worden sind, in der sie angebaut werden, gegen bestimmte Krankheiten sind.

      Deshalb veröffentlichte die in London erscheinende Zeitschrift New Scientist folgende Warnung: Es würde sich verheerend auswirken, wenn die wenigen neuen Sorten einer Krankheit zum Opfer fallen würden. Eine Zeitlang gäbe es keinen Ersatz dafür, da es Zeit erforderte, neue Sorten zu entwickeln, die gegen die neue Krankheit resistent wären. Der Artikelschreiber kam zu folgendem Schluß: Der Mensch habe dadurch, daß er der Natur ins Handwerk pfusche, die Möglichkeit einer Katastrophe vergrößert anstatt verringert.

      Ist das schon einmal geschehen?

      Sind solche Befürchtungen unbegründet? Nein, denn solche Katastrophen hat es schon in der Vergangenheit beim Anbau hochgezüchteter Nutzpflanzen gegeben.

      Ein Beispiel dafür ist die Seuche, die die Kartoffelanbaugebiete im vergangenen Jahrhundert heimsuchte. Sie war als Kraut- und Knollenfäule bekannt. Im Jahre 1845 wurden die Kartoffelanbaugebiete Europas davon befallen. Auch im Jahre 1846 fiel der größte Teil der Kartoffelernte dieser Krankheit zum Opfer, was sich besonders in Irland katastrophal auswirkte.

      Die Iren hatten den größten Teil ihres Landes mit Kartoffeln bestellt, und zwar zogen sie vorwiegend eine einzige Sorte. Die Kartoffelfäule zerstörte die gesamte Kartoffelernte. In dem Werk The World Book Encyclopedia wird folgendes darüber berichtet: „Die Kartoffelfäule, die in den 1840er Jahren die Ernte vernichtete, verursachte die größte Katastrophe in der Geschichte Irlands. ... etwa 750 000 Personen verhungerten oder starben zufolge körperlicher Schwäche an einer Krankheit. In diesen Jahren wanderten Hunderttausende von Iren aus.“

      Etwas Ähnliches ereignete sich vor rund zwanzig Jahren. Haferfarmer in den Vereinigten Staaten begannen eine neue, hochertragreiche Hafersorte anzubauen. Es handelte sich um Kreuzungen in einer Haferfamilie, die „Victory“ genannt wird. Diese Sorten wurden von vielen Farmern angebaut. Aber darauf vermehrte sich ein bestimmter Pilz, dem ein großer Teil der Haferernte zum Opfer fiel. Nach zwei Jahren war dieser Pilz so verbreitet, daß man den „Victory“-Hafer nicht mehr gefahrlos anbauen konnte.

      In den 1930er Jahren wurde eine Weizensorte entwickelt, die man „Hope Gene“ nannte. Diese Züchtung versprach, gegen Halmrost resistent zu sein. Schon nach wenigen Jahren wurden im Westen der Vereinigten Staaten, von Texas bis Norddakota, große Gebiete damit bestellt. Aber gegen Ende der 1940er Jahre kam eine neue bösartige Pilzkrankheit auf. Weder der Brotweizen noch der Durumweizen, der in den Vereinigten Staaten und Kanada angebaut wurde, war dagegen resistent. Die neue Pilzkrankheit verbreitete sich rasch in den wichtigsten Weizenanbaugebieten und vernichtete einen großen Teil der Ernte. Das hatte zur Folge, daß mehrere Jahre lang die Durumweizenerzeugung in den nördlichen Präriegebieten im Westen der USA fast zum Stillstand kam.

      Die neuesten Rückschläge

      Im Jahre 1971 brachte die New York Times folgende Schlagzeile: „Ein Triumph der Genetik droht Katastrophe auszulösen“. In dem beigefügten Aufsatz wurde über verbesserte Bastardmaissorten, die 1950 in den Vereinigten Staaten eingeführt worden sind, berichtet. Dadurch konnten die Ernteerträge je Hektar mehr als verdoppelt werden.

      Aber im Jahre 1970 gab es unerwartet einen Rückschlag zufolge einer furchtbaren Pilzkrankheit (southern corn leaf blight). Das offenbarte die Schwäche des spezialisierten Maises, den die meisten Farmer anbauten. Im Jahre 1970 fielen dieser Krankheit vom Juli bis zur Ernte etwa 21 Millionen Tonnen Mais zum Opfer! Das waren 15 Prozent der gesamten Maisernte, und sie stellten einen Wert von etwa einer Milliarde Dollar dar!

      Über diese Maiskatastrophe schrieb die New York Times:

      „Die eigentliche Schwäche liegt in der Tatsache begründet, daß alle Farmer gleichzeitig die besten Sorten jeder Feldfrucht anbauen wollen. Zufolge dieser Einheitlichkeit ist jeweils die ganze Ernte in Gefahr, wenn ein neuer Schädling — wie der, der die Pilzkrankheit [southern corn leaf blight] verursacht hat — auftaucht.

      Wie auf vielen anderen Gebieten der modernen Welt, so ist es auch hier; das, was auf kurze Sicht wirtschaftlich vernünftig erscheint, ruft auf lange Sicht ökologische und wirtschaftliche Probleme hervor.“

      Hat der Anbau der neuesten Getreidesorten einen ähnlichen Rückschlag erlitten? Ja. In Verbindung mit der neuen Reissorte hat es solche Probleme bereits gegeben. In dem Buch The Environmental Crisis wird berichtet: „Dieses Problem hat den Bauern, die die IR-8-Reissorten anpflanzen, bereits schwer zu schaffen gemacht, dabei werden sie in noch weiträumigeren Monokulturen angebaut.“

      „Monokultur“ ist der jahrelange Anbau der gleichen Pflanzen auf den gleichen Feldern. Obwohl man also damit Probleme hat, werden in der Regel noch größere Flächen mit dem gleichen Getreide bebaut, weil die Bauern schnell zu Geld kommen möchten.

      Im Februar 1972 veröffentlichte der Landesrat für Ernährung und Landwirtschaft neue Zahlen über die Situation auf den Philippinen. Sie zeigten, daß 57 000 Hektar Reis auf Luzon und auf Mindanao einem gefährlichen Pflanzenvirus, tungro genannt, zum Opfer gefallen sind. Präsident Ferdinand Marcos erklärte dem philippinischen Kongreß: „Für die philippinische Landwirtschaft war dieses Jahr [1971] ein Katastrophenjahr.“

      Dank der hochproduktiven Reissorten, die von 1966 an auf den Philippinen angebaut worden waren, erntete man bis 1970 so viel Reis, daß der Landesbedarf gedeckt werden konnte und noch ein kleiner Überschuß blieb. Aber im vergangenen Jahr, 1971, mußten die Philippinen 460 000 Tonnen Reis einführen. Und die Regierung prophezeit, daß das Land auch im Jahre 1972 etwa 640 000 Tonnen Reis werde einführen müssen und ungefähr die gleiche Menge im Jahre 1973.

      Es ist somit eine gefährliche Methode und auch kurzsichtig, immer größere Flächen mit Getreidesorten zu bestellen, die eine so schmale genetische Grundlage haben. Aber das ist nicht das einzige Problem, das mit den neuen Getreidesorten verbunden ist.

      [Bild auf Seite 6]

      Unterschied zwischen Bastardmais (rechts), der von einer Pilzkrankheit befallen ist, und gesund gebliebenem gewöhnlichem Mais (links).

  • Wer zieht den größten Nutzen aus der „Grünen Revolution“?
    Erwachet! 1972 | 8. November
    • Wer zieht den größten Nutzen aus der „Grünen Revolution“?

      ZU WELCHEM Schluß kommt der Mann auf der Straße, wenn er liest, welche Steigerung der Ernteerträge durch die „Grüne Revolution“ möglich geworden ist? Er glaubt, dadurch werde es möglich, immer mehr der hungernden Menschen ausreichend zu ernähren.

      Ist das zutreffend? Leider nicht. Von der „Grünen Revolution“ profitieren nicht in erster Linie die Ärmsten. Wir verstehen, warum das so ist, wenn wir von Landwirtschaftsexperten erfahren, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um mit dem neuen Saatgut solche Ertragssteigerungen zu erzielen.

      Dean Fraser, Professor der Virologie an der Universität von Indiana, erklärte, daß das neue Saatgut nur dann größere Erträge bringe, „wenn intensiv gedüngt“ werde. Den Bauern muß also auch Dünger zur Verfügung stehen. Aber in unterentwickelten Ländern ist Dünger nicht immer in größeren Mengen vorhanden.

      Doch selbst wenn genügend Dünger zur Verfügung stände, würde das nicht bedeuten, daß der Bauer die erforderliche Menge kaufen könnte, denn in unterentwickelten Ländern sind die meisten Bauern arm. Daher erzielt nur der bessergestellte Bauer, der sich Dünger leisten kann, größere Ernten und nicht der Bauer, der bereits am meisten unter Hunger und Armut leidet.

      Eine Voraussetzung, die noch schwerer zu erfüllen ist

      Außerdem ist etwas erforderlich, was noch mehr mangelt als Dünger. F. R. Frankel schreibt in dem Buch India’s Green Revolution: „Für den erfolgreichen Anbau von Zwergweizen ist eine gesicherte Wasserversorgung noch wichtiger. Man kann nur hohe Ernteerträge erzielen, wenn während der Vegetationszeit der Weizen in ganz bestimmten Abständen bewässert wird.“ Und Reis benötigt noch mehr Wasser als Weizen.

      Künstliche Bewässerung ist nicht dasselbe wie Regen. Bei unregelmäßigen Regenfällen gedeihen die neuen Sorten nicht. Sie erfordern eine regelmäßige Bewässerung. Eine wichtige Voraussetzung für hohe Erträge ist daher eine gesicherte Wasserversorgung. Zum Bewässern des Getreides kann Wasser aus den Flüssen dienen, das man den Feldern durch Kanäle zuleitet. Aber in ärmeren Ländern fehlen häufig solche Kanäle. Meistens sind auch Pumpen erforderlich, um das Grundwasser an die Oberfläche zu fördern.

      Doch alles das geht nicht ohne Technik; Maschinen sind notwendig, um Kanäle zu graben, und Fabriken, um Pumpen herzustellen. „Ferner sind“, wie Frankel schreibt, „mit den neuen Weizensorten nur dann optimale Erträge zu erzielen, wenn bessere Landmaschinen benutzt werden: bessere Pflüge und bessere Eggen zum Lockern und Einebnen des Ackerbodens [sonst wäre die Bewässerung nicht praktisch]; Sämaschinen und Düngerstreuer sowie Maschinen und Geräte zur Schädlingsbekämpfung.“

      Wer kann sich solche Geräte leisten? Nur der Bauer, der bereits wohlhabend ist.

      Man beachte, daß Maschinen und Geräte zur Schädlingsbekämpfung erforderlich sind. Die neuen Getreidesorten benötigen eine intensive Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Solche Mittel kosten Geld, und außerdem fördern sie die Verschmutzung erheblich. Die intensive Anwendung von Pflanzenschutzmitteln wird jedoch mit dem Hinweis entschuldigt, es sei das kleinere von zwei Übeln. Man meint, wer hungere, kümmere sich wenig um Schäden, die im Laufe der Zeit schließlich entstehen könnten. Der Hungernde möchte seinen Magen füllen. Doch später wird man dafür büßen müssen.

      In der Zeitschrift U.S. News & World Report werden diese Voraussetzungen wie folgt zusammengefaßt: „Das neue Saatgut allein vermag jedoch die Landwirtschaft nicht zu revolutionieren. Das genetische Potential dieser neuen Sorten kann nicht voll und ganz realisiert werden ohne künstliche Bewässerung und ohne die intensive Anwendung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln.“ Alles das kostet Geld. Daher können es sich die Armen und Hungernden nicht leisten.

      Ungleich verteilt

      Aus den erwähnten Gründen wird in dem Buch India’s Green Revolution erklärt: „Der Gewinn aus der Anwendung der modernen Agrartechnik ist ganz ungleich verteilt worden.“

      Diese Schlußfolgerung wird in dem Buch The Survival Equation gestützt, wo wir lesen:

      „Die Revolution ist, ehrlich gesagt, im höchsten Grad ,selektiv‘ ... Man braucht nur daran zu erinnern, daß drei Viertel der landwirtschaftlich genutzten Bodenfläche Indiens nicht bewässert werden und daß der ,trockene‘ Ackerbau vorherrscht. Allein schon aus diesem Grund sind große Gebiete des Landes von der modernen Agrartechnik völlig unberührt geblieben, und in einem ebenso riesigen Gebiet wird sie nur auf ,kleinen Inseln‘ angewandt. ...

      Die Grüne Revolution wirkt sich nicht auf die Mehrheit der Bauern aus, sondern nur auf wenige, nicht nur wegen der Umweltbedingungen, sondern weil es den meisten Bauern an den nötigen Mitteln fehlt ... Dadurch, daß viele darauf warten, an dieser Revolution teilzuhaben, jedoch umsonst, entstehen beunruhigende soziale, wirtschaftliche und politische Spannungen. Das ist bei einer Bewertung der Grünen Revolution die Kehrseite der Medaille.“

      Die Gesamternteerträge und das Gesamteinkommen mögen steigen, doch sie sind nicht gleichmäßig verteilt. In zwei der wichtigsten Weizenanbaugebiete Indiens, in den Staaten Bihar und Uttar Pradesch, besitzen schätzungsweise 80 Prozent aller Bauern weniger als drei Hektar Land. Das bedeutet, daß sie gewöhnlich nicht die Mittel haben, sich die neue Agrartechnik zunutze zu machen. Sie kommt somit einer verhältnismäßig kleinen Zahl Bedürftiger zugute. In ganz Indien sollen 185 Millionen Personen auf Bauerngütern leben, die nicht größer als zwei Hektar sind.

      In manchen ärmeren Ländern haben auch viele Bauern das Land nur von einem Grundherrn gepachtet. Und in den letzten Jahren ist der Wert des Landes stark gestiegen. Der Wert des Landes in der Nähe von Gebieten, in denen die neuen, hochproduktiven Weizensorten angebaut werden, ist manchmal um das Drei-, Vier- oder Fünffache gestiegen. Deshalb sind auch die Pachtgebühren in die Höhe geschnellt, so daß die Pächter in noch größere Schwierigkeiten gekommen sind. Und einige Landeigentümer haben angefangen, das Land selbst zu bewirtschaften, nachdem sie gesehen haben, welche Gewinne man mit den neuen Getreidesorten erzielen kann. So verlieren die Pächter ihr Land und vermehren das besitzlose Landproletariat.

      Die Zahl der landwirtschaftlichen Bevölkerung ohne Bodenbesitz ist unerhört hoch. Allein in Indien soll sie über hundert Millionen betragen. Dazu kommen noch die Millionen Armen, die das Elendsproletariat in den Städten ausmachen.

      In Indien ergibt die Zahl der Landlosen zusammen mit den 185 Millionen Bauern, die weniger als zwei Hektar Boden besitzen, fast 300 Millionen! Das ist die Mehrzahl der indischen Landbevölkerung. Und der größte Teil lebt in unvorstellbarer Armut. Das Durchschnittseinkommen beträgt im Jahr nur 200 Rupien (etwa 21 Dollar).

      Das Ergebnis? In dem Buch India’s Green Revolution wird gesagt, daß sich die „wirtschaftliche Lage“ der armen Bevölkerung „zusehends verschlechtert hat“. Ein Wirtschaftsexperte schreibt in dem Buch The Survival Equation, daß die Reichen reicher und die Armen ärmer würden.

      Somit hilft die „Grüne Revolution“ gerade der Bevölkerung, der sie eigentlich hätte helfen sollen, am wenigsten. Das ist in den unterentwickelten Ländern der Welt ein gewaltiges Problem.

      Die „Grüne Revolution“ könnte sich in eine „Rote“ verwandeln

      Man kann die Größe des Problems ermessen, wenn man erfährt, was Indiens Premierminister, Frau Indira Gandhi, äußerte. In einer Ansprache an die Oberhäupter aller indischen Staaten erklärte sie: „Die Vorgänge sind eine Warnung für uns, daß die Grüne Revolution nur grün bleibt, wenn gleichzeitig eine Revolution stattfindet, die auf sozialer Gerechtigkeit beruht.“

      Damit wollte sie sagen, daß sich aus der „Grünen Revolution“ eine „Rote“ entwickeln könnte, d. h. eine kommunistische, als Reaktion auf die ständige Armut, den ständigen Hunger und die ständige Ungerechtigkeit. Das ist in Ländern, in denen die Armen zusehen mußten, wie sich ihre Situation verschlechterte, während andere, besonders Reichere, aus der neuen Agrartechnik Nutzen zogen, schon geschehen.

      Man sollte nun nicht den Schluß ziehen, das seien nur Einzelfälle. Diese Verhältnisse sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Ein Beamter des kolumbianischen Landwirtschaftsministeriums erklärte den Teilnehmern einer Konferenz für Ernährungsfragen in seinem Land: „Die ,Grüne Revolution‘ übergeht den Teil der Bevölkerung, der sie am dringendsten benötigt. Sie vertieft die Kluft zwischen den ,Besitzenden‘ und den ,Besitzlosen‘.“

      Auch in der australischen Wochenzeitschrift The Bulletin wurde erklärt: „Daß die Nahrungsmittelerzeugung mit dem Bevölkerungszuwachs nicht Schritt halten kann, ist nicht in erster Linie ein landwirtschaftliches, sondern ein wirtschaftliches Problem. Die große Masse der Bevölkerung kann sich nämlich keine besseren Nahrungsmittel kaufen, selbst wenn sie zur Verfügung stünden.“ Das ist sogar in den Vereinigten Staaten so, wo die Regierung die Farmer dafür bezahlt, daß sie einen Teil ihres Bodens nicht bepflanzen, während gleichzeitig Millionen Amerikaner unterernährt sind, weil sie es sich nicht leisten können, die für eine gute Gesundheit erforderliche Nahrung zu kaufen.

      A. H. Boerma, Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, faßte diese Situation vor kurzem wie folgt zusammen: „Das zusätzliche Einkommen in der Landwirtschaft ist seither noch ungleicher verteilt; demzufolge ist die Zahl der Hungernden und Unterernährten im Laufe der Jahre noch größer geworden.“

      [Bild auf Seite 8]

      In dem Buch „India’s Green Revolution“ (Indiens Grüne Revolution) wird gesagt, daß nur eine kleine Minderheit von dieser Revolution profitiere und daß der größte Teil der Armen noch ärmer werde.

  • Ist das Ernährungsproblem allein durch die „Grüne Revolution“ zu lösen?
    Erwachet! 1972 | 8. November
    • Ist das Ernährungsproblem allein durch die „Grüne Revolution“ zu lösen?

      DAS Ernährungsproblem ist schon heute groß, aber die Experten stimmen darin überein, daß es noch größer werden wird.

      Wieso? Weil es noch einen Faktor zu berücksichtigen gilt. Und dieser Faktor wird als größtes aller Probleme betrachtet.

      Der Ernährungsspezialist Professor Georg Borgstrom von der Michigan State University wies auf das größte aller Probleme wie folgt hin: „Wer meint, der gegenwärtige Proteinmangel in der Welt werde vorübergehen und das Problem werde sich von selbst lösen, sollte folgendes bedenken: Die Hungrigen in der Welt vermehren sich doppelt so schnell wie die Satten.“

      Aus einem vor kurzem veröffentlichten UN-Bericht geht hervor, daß die hungernden Völker der Welt sich zweieinhalbmal schneller vermehren als die satten. Während also die Zahl der Personen, die sich satt essen können, größer wird, weil die Bevölkerung der „Wohlstands“länder wächst, nimmt die Zahl der Bevölkerung in den armen Ländern, die sich nicht satt essen kann, viel schneller zu. Das ist es, was den Fachleuten, wenn sie von einer „Bevölkerungsexplosion“ sprechen, am meisten Sorgen bereitet.

      Die „Grüne Revolution“ löst somit das Hungerproblem nicht. Wir lesen in der Zeitschrift U.S. News & World Report (Ausgabe vom 6. März 1972): „Das Wachstum der Weltbevölkerung verrät kein Nachlassen, ja in den kommenden Jahren wird es sich noch steigern. ... Die Weltbevölkerung nimmt jetzt jährlich um 75 Millionen zu — diese Zahl würde ausreichen, um in zwölf Monaten ein neues Bangladesh zu schaffen. ... Die Bevölkerung wächst so explosiv, daß Bevölkerungsexperten in vielen Entwicklungsländern eine weitverbreitete Hungersnot befürchten.“

      Indien hat gegenwärtig 570 Millionen Einwohner, und jedes Jahr steigt diese Zahl um etwa 14 Millionen. Darüber schreibt die New York Times: „Wenn Indien den Bevölkerungszuwachs nicht bedeutend reduziert, wird es im Jahre 2000 eine Milliarde Einwohner haben; das Bevölkerungswachstum würde also jegliche Steigerung der Nahrungsproduktion übertreffen.“

      Von anderer Seite wird jedoch davor gewarnt, daß es nicht genügen würde, wenn Indien in den kommenden Jahren die „außerordentliche Leistung vollbringen könnte, die Zahl der Geburten auf die Hälfte zu reduzieren“. Seine Bevölkerung würde dennoch bis um das Jahr 2000 auf über eine Milliarde ansteigen!

      Doch das Problem besteht nicht darin, daß die Erde keine 3 1/2 oder 4 Milliarden Menschen ernähren könnte — sie könnte noch mehr ernähren. Aber die wirtschaftliche, soziale und politische Ordnung der Welt ist so aufgebaut, daß sie jedes Jahr mehr Menschen in das Elend der Armut und des Hungers hineintreibt.

      Keine „Wunder“ mehr zu erwarten

      Einige Fachleute sind auch besorgt, weil sie erkennen, daß es in Zukunft schwieriger sein wird, die Nahrungsmittelproduktion zu steigern. In den Entwicklungsländern werden die neuen Getreidesorten bereits auf einem großen Teil des besten Kulturbodens angebaut.

      Deshalb sagte Lester R. Brown vom Übersee-Entwicklungsrat, eine anerkannte Autorität auf dem Gebiet der „Grünen Revolution“: „Durch die ,Grüne Revolution‘ ist uns eine kurze Atempause geschenkt worden, aber wir können die Nahrungsmittelerzeugung nicht fortgesetzt vergrößern. Die Ertragssteigerung hat ihre Grenzen.“ Und Professor Fraser schreibt in dem Buch The People Problem:

      „Ich befürchte, daß viele glauben, die vorübergehende Verbesserung der Welternährungslage sei ein Beweis dafür, daß die Wissenschaft uns immer aus der Klemme helfen werde. ...

      Es wird weitere Verbesserungen geben, aber keine spektakulären Ertragssteigerungen mehr. Die Genetiker ... haben entschieden erklärt, daß man in Zukunft mit keinen ,Wundern‘ rechnen könne, während die gegenwärtigen voll und ganz vorauszusehen waren.“

      Selbst in den vergangenen Jahren, in denen die „Grüne Revolution“ ihre größten Erfolge erzielt hat, ist die Weltbevölkerung so schnell gewachsen, daß durch die Steigerung der Nahrungsproduktion kein Vorsprung erzielt wurde. Und was geschieht, wenn die Zeit kommt, da man in den ärmeren Ländern den Ertrag je Hektar nicht mehr steigern kann, die Bevölkerung aber weiter explosiv wächst?

      Der Chemotechniker Norbert Olsen sagte zu Beginn des Jahres 1972: „Ich könnte 24 Stunden täglich daran arbeiten, Düngemittel zu schaffen und neue Methoden zu finden, um Nahrungsmittel zu erzeugen, dennoch würde der Bedarf nicht gedeckt.“ Und in der Zeitschrift Chemical Week, Ausgabe vom 15. März 1972, wird berichtet: „Ein Team von vier Wissenschaftlern am Massachusetts Institute of Technology [in Cambridge, USA] ist zu dem Schluß gekommen, daß der Mensch die nächsten 100 Jahre nur überlebt, wenn die Bevölkerungszahl sich auf eine gleichbleibende Höhe einpegelt und die Industrieproduktion nicht mehr steigt.“

      In gewissen Gebieten sind bereits große Landflächen durch Übernutzung zu Wüsten gemacht worden. Es wird berichtet, daß in Westindien durch das Abholzen des Waldes und die Überbestoßung von Weideland Staubwüsten entstanden sind. Und viele Grundstücke sind durch fortgesetzte Besitzteilung im Laufe von Generationen so stark zersplittert worden, daß sie nicht mehr geteilt und dennoch rentabel bewirtschaftet werden können.

      Die in Australien erscheinende Zeitschrift The Bulletin behauptet: „In weniger als einem Jahrhundert werden sich die Wüsten in der Welt zufolge von Übernutzung (und die Zerstörung geht weiter) verdoppelt haben, während die Bauern (und die Industrie) auf jedem Kontinent die Vorräte des lebenswichtigen Rohstoffes Wasser anzapfen, um ihre Felder zu bewässern; manchmal geschieht die Wasserentnahme in gefährlichem Umfang.“

      Hatte Malthus recht?

      Die Zeitschrift The Bulletin schreibt abschließend: „Somit behält der Schwarzseher des 18. Jahrhunderts, Thomas Malthus, doch noch recht. Seit der Zeit, da er seine Warnungen veröffentlichte, ist sehr viel neues Land urbar gemacht worden, und die Wissenschaft hat eine spektakuläre Steigerung der Ernteerträge ermöglicht; dennoch gibt es heute mehr Menschen, die hungern oder verhungern, als je zuvor.“

      Auch in dem Buch The Environmental Crisis wird gesagt: „Heute gibt es auf diesem Planeten mehr hungernde und unterernährte Menschen als im Jahre 1850 lebten.“ In jenem Jahr gab es auf der Welt eine Milliarde Menschen!

      Wie viele Menschen sterben heute als Folge von Hunger? Paul Ehrlich von der Stanford-Universität sagte: „Wenn wir unsere Berechnung der Menschen, die jährlich verhungern, aufgrund der einzig vernünftigen Definition von ,verhungern‘ — Tod durch Nahrungsmangel — anstellen, erhalten wir eine unerhört hohe Zahl: 5 bis 20 Millionen.“ Das bedeutet, daß täglich fast 55 000 Menschen verhungern!

      Natürlich würden gewisse Amtspersonen sich gegen eine solche Interpretation der Lage wehren. Aber wie wir wissen, geben wenige Regierungen gerne zu, daß viele von ihrem Volk Hungers sterben. Doch in den armen Ländern ist die Zahl derer, die gemäß der Statistik an irgendeiner Krankheit, in Wirklichkeit aber an den Folgen von Nahrungsmangel gestorben sind, groß. Wären sie ausreichend ernährt gewesen, hätten sie nicht vorzeitig sterben müssen.

      Doch wie steht es mit der „Grünen Revolution“? Übersehen besorgte Wissenschaftler wie Ehrlich die Fortschritte, die bis jetzt erzielt worden sind? Er antwortet:

      „Wir haben eine Generation von Landwirten hervorgebracht, die das Land in Iowa wunderbar bewirtschaften kann; diese Landwirte können wunderbar Pressemeldungen herausgeben, aber sie können nicht rechnen und erkennen die weltweite Lage nicht. ...

      Auf Konferenzen stehen sie auf und sagen: ,Bitte, wir haben diese und jene Hochleistungssorten.‘ Darauf erwidere ich: ,Wenn es Ihnen möglich ist, jetzt 3,5 Milliarden Menschen zu ernähren, dann wollen wir darüber sprechen, wie man 7 Milliarden ernähren kann. Bis dahin setzen Sie sich bitte, und schweigen Sie still, denn Sie können nicht helfen.‘“

      Das erinnert an die Vorhersage der Landwirtschaftsexperten W. und P. Paddock. In ihrem Buch Famine — 1975! erklärten sie, daß es Mitte der 1970er Jahre unweigerlich zu einem Welthunger kommen werde. Aber dann weckte die „Grüne Revolution“ neue Hoffnung, und viele kritisierten diese Äußerungen über eine bevorstehende Hungersnot.

      Doch jetzt ist den Fachleuten das Lachen vergangen. Ein Mitarbeiter der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen gab das realistische Urteil ab: „Wir sind immer noch nicht sicher. ... Vielleicht werden wir noch feststellen, daß die Paddock-Brüder recht behalten, nur haben sie die Hungersnot früher erwartet.“

      Viele teilen die Meinung Ehrlichs, der sagte: „Über den eigentlichen Zeitpunkt zu diskutieren ist Wortklauberei. ... Ich persönlich bin außerordentlich pessimistisch. Die Leute sagen zu mir: ,Was meinen Sie, wie groß unsere Chancen sind [daß keine Welthungersnot eintritt]?‘ Darauf antworte ich: ,Die Chance, daß das nicht geschieht, steht jetzt 2 zu 100, und wenn wir uns sehr anstrengen, mögen wir erreichen, daß sie 3 zu 100 steht.‘“

      Bedeutsam ist die Tatsache, daß diese düsteren Prophezeiungen jetzt, während die „Grüne Revolution“ im Gange ist, geäußert werden. Außerdem hat es in den letzten paar Jahren verhältnismäßig gute Ernten gegeben, da es ausreichend geregnet hat. Aber diese günstigen Witterungsverhältnisse sind nicht die Regel. Von Zeit zu Zeit gibt es solche Dürrejahre, wie Indien sie 1965 und 1966 erlebt hat. Da die Weltbevölkerung, besonders die Armen, seit jenen Jahren stark zugenommen hat, würden ähnliche Dürrejahre in Zukunft eine ungeheure Katastrophe heraufbeschwören.

      Wie das Problem lösen?

      Nein, die „Grüne Revolution“ vermag das Problem des Welthungers nicht zu lösen. Das geben nicht nur Landwirtschaftsexperten zu. Eine weit höhere Instanz, der Schöpfer des Menschen, Jehova Gott, erklärt, daß dieses Problem so nicht zu lösen sei.

      In Gottes Wort, der Heiligen Schrift, sind viele Prophezeiungen zu finden, aus denen hervorgeht, was die Zukunft uns bringen wird. In den Prophezeiungen der Bibel wird unsere Zeit als die „letzten Tage“ bezeichnet. (2. Tim. 3:1) Sie erwähnen viele Dinge, die diese bedeutsame Zeit in der Menschheitsgeschichte kennzeichnen. Unter anderem wird für diese Zeit vorausgesagt: „Es wird Lebensmittelknappheit ... an einem Ort nach dem anderen geben.“ — Matth. 24:7.

      Der Erfolg, den man mit den neuen Getreidesorten erzielen mag, wird von kurzer Dauer sein. Dem gegenwärtigen Herrschaftssystem der Nationen wird es nicht gelingen, Hungersnöte auf die Dauer abzuwenden. Aber Hungersnöte wird es dennoch bald nicht mehr geben! Jehova Gott versichert uns in seinem Wort, daß er die Probleme der Menschheit bald endgültig lösen wird, auch das Problem des Hungers.

      Als erstes ist eine neue Regierung für die Erde und ihre Bewohner erforderlich. Der die Völker entzweiende Nationalismus und der von Selbstsucht geprägte Handel müssen verschwinden, und die Kriege mit ihrer ungeheuren Verschwendung müssen aufhören, so daß die Reichtümer der Erde zum Wohle der Menschheit gebraucht werden können.

      Wie wird Gott das tun? Indem er in die Angelegenheiten der Menschen eingreifen wird. In seinem Wort wird verheißen, daß er alle Herrschafts- und Wirtschaftssysteme der gegenwärtigen Ordnung der Dinge vernichten wird. Dadurch wird der Weg frei für eine ganz neue Ordnung auf der Erde. Die Regierung in dieser neuen Ordnung wird von Gottes Königreich ausgeübt werden, der himmlischen Regierung, um die Jesus Christus seine Nachfolger beten lehrte. Gott wird dieses himmlische Königreich dazu benutzen, alle Königreiche, die heute bestehen, zu „zermalmen und ihnen ein Ende [zu] bereiten“. — Dan. 2:44; Matth. 6:9, 10.

      Den Menschen, die dann auf der Erde leben, wird unter der Herrschaft des Königreiches Gottes ein „Festmahl von Gerichten, reich an Öl“, bereitet; in jener Zeit wird sich auch die Verheißung erfüllen: „Nation wird nicht gegen Nation das Schwert erheben, auch werden sie den Krieg nicht mehr lernen.“ Die himmlische Regierung Gottes gewährleistet eine gerechte Verteilung der Reichtümer der Erde. — Jes. 25:6; 2:4.

      Laß dich daher nicht durch die Behauptung täuschen, es werde den Menschen gelingen, das gewaltige Ernährungsproblem zu lösen, denn sie werden es nicht zu lösen vermögen. Er, „der Himmel und Erde gemacht hat“ — und nicht die Wissenschaftler und ihre „Grüne Revolution“ —, wird die Bedürfnisse der ganzen Menschheit stillen. (Ps. 146:6, 7) Wann? Nach der Verheißung in seinem Wort wird das bald geschehen. Noch zu Lebzeiten dieser Generation wird Gottes Königreich allein herrschen, was allen, die den wahren Gott anbeten, für immer zum Segen sein wird. — Matth. 24:34.

  • Erwägst du, nach Südamerika auszuwandern?
    Erwachet! 1972 | 8. November
    • Erwägst du, nach Südamerika auszuwandern?

      Vom „Awake!“-Korrespondenten in Ecuador

      WENN du den Reiz des Neuen liebst, wird dir Südamerika gefallen. Unbekannte Orte, interessante Menschen und fremdländisches Essen: alles das findest du hier vor. Immer mehr Menschen entdecken diese Reize, wenn sie nach Südamerika ziehen.

      Es gibt verschiedene Gründe, warum die Leute hierherziehen: Einige werden von ihrer Firma hierherversetzt, andere möchten, nachdem sie pensioniert worden sind, hier ihren Lebensabend verbringen, und wieder andere ziehen aus gesundheitlichen Gründen hierher. Dann gibt es aber auch Personen, die, von einem christlichen Missionsgeist beseelt, hierherziehen. In Verbindung mit diesem Schritt gibt es gewisse Dinge zu erwägen, ganz gleich, aus welchen Gründen man ihn tut.

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