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Wachstum — von Jehova bewirktDer Wachtturm 1969 | 1. März
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diese Dinge sollten keine so große Rolle spielen, sondern man sollte seine Aufmerksamkeit auf das Königreich richten. „Hört auf, das Werk Gottes bloß der Speise wegen niederzureißen.“ (Röm. 14:20) Dieser Grundsatz ist aber nicht nur auf die Speise anzuwenden. Eifrige Brüder mögen von der Wahrheit so sehr erfaßt sein, daß sie andere fortwährend zu vermehrter Tätigkeit drängen und diese nicht selbst entscheiden lassen, wieviel Zeit sie den einzelnen Dienstzweigen, an denen sich die Versammlung beteiligt, widmen möchten. Gehe nur so weit, wie die Bibel geht. (1. Kor. 4:6) Räume anderen das Recht ein, ihren Verpflichtungen, von deren Erfüllung du vielleicht nichts verstehst oder von denen du vielleicht nichts weißt, nachzukommen. Hilf ihnen, wo du kannst, aber dränge sie nicht. „Die Weisheit von oben ... ist vor allem keusch, dann friedsam, vernünftig, zum Gehorchen bereit, voller Barmherzigkeit und guter Früchte.“ — Jak. 3:17.
SCHÄDLICHE BEGIERDEN — AUSSERHALB DES BEREICHS DER VERNUNFT
15. Was herrscht außerhalb des Bereichs der Vernunft vor? Wäre es weise, der Masse und ihren Ideen zu folgen?
15 Im gegenwärtigen System der Dinge läßt sich der Mensch von Begierden leiten und beherrschen. Die wie ein Explosivstoff wirkenden Einflüsse haben zur Folge, daß es immer schwieriger wird, Menschen zu finden, die so handeln, wie es in Titus 3:2 empfohlen wird, wo es heißt, man solle ‘von niemand nachteilig reden, nicht streitsüchtig sein, sondern vernünftig, indem man allen Menschen gegenüber alle Milde an den Tag legt’. In der Welt ist man darauf bedacht, an sich selbst zu denken und vorwärtszukommen, um so schnell wie möglich jemand zu sein. Dieser Geist wird in 1. Johannes 2:16 treffend beschrieben: „Denn alles in der Welt — die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und die auffällige Schaustellung der Mittel, die jemand zum Leben hat — stammt nicht vom Vater, sondern stammt von der Welt.“ Zu diesen schädlichen Begierden gehört vieles. Modetorheiten und ausgefallene Ansichten breiten sich unter gewissen Bevölkerungsschichten aus wie eine Seuche und verschwinden erst wieder beim Herannahen der nächsten Welle von Extremen. Welcher vernünftige Mensch wollte an den unzähligen Dingen, die Jehova Gott zur Freude des Menschen geschaffen hat, hastig vorbeigehen und sich dann bei dem Gedankenprodukt niedriggesinnter, unvollkommener Menschen aufhalten? Die Mode ist darauf abgestimmt, den Sex herauszustellen. Die einst nützlichen und notwendigen Augengläser trägt man heute, um aufzufallen. Das Essen und das Trinken dient nicht mehr nur seinem ursprünglichen Zweck, sondern ist zum Kult geworden.
FURCHT — AUSSERHALB DES BEREICHS DER VERNUNFT
16. Was alles fürchtet der Mensch, und was würdest du zur Überwindung solcher Furcht empfehlen?
16 Menschenfurcht wirkt hemmend; sie kann das geistige Wachstum eines Dieners Gottes aufhalten und ihn so weit bringen, daß er untätig wird. Warum solltest du, wenn du die biblischen Grundsätze kennst und danach lebst, Menschen fürchten, ja warum solltest du die Meinung deines Bruders fürchten? Furcht ist ein Zeichen dafür, daß man nicht weiß, was recht ist, oder daß man nicht dementsprechend handelt. Wer weiß, was recht ist, und danach handelt, ohne sich davor zu fürchten, was andere denken, wächst heran. Jesus sagte: „Achtet gut darauf, daß ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen beobachtet zu werden.“ (Matth. 6:1) Wir sollten uns vielmehr bemühen, den Segen zu erwerben, den die Furcht Jehovas mit sich bringt, über die wir in Sprüche 15:33 lesen: „Die Furcht Jehovas ist Unterweisung zur Weisheit“, und in Psalm 145:19: „Er tut das Verlangen derer, die ihn fürchten.“ Die Vernünftigkeit macht uns also frei von Furcht vor anderen Göttern, von abergläubischer Furcht und von der Furcht vor Unglück, und wir können sagen: „In Frieden werde ich sowohl mich niederlegen als auch schlafen; denn du, Jehova, allein lässest mich in Sicherheit wohnen.“ (Ps. 4:8) Wir fürchten den Tod nicht mehr, denn wir vertrauen auf die Verheißung, daß wir nun bald von dem befreit werden, der die Macht des Todes hat. (Hebr. 2:14, 15) Wenn wir anderen mit der angemessenen Würde und Achtung begegnen und nicht feige oder furchtsam sind, können wir viele Probleme vermeiden: „Menschenfurcht legt einen Fallstrick.“ — Spr. 29:25.
17. Woran sollte der demütige Mensch immer denken?
17 Das Leben ist kompliziert genug; man sollte es nicht noch komplizierter machen, indem man Probleme verursacht, die andere daran hindern, geistig zu wachsen, oder die unser eigenes geistiges Wachstum aufhalten. Erfreue dich des Lebens, während du Jehova dienst. Doch ganz gleich, wie viele Dienstvorrechte du genießt, wie tüchtig und leistungsfähig du sein und wie gut organisiert du vorgehen magst, solltest du dich nie auf deine eigene Fähigkeit zu wachsen verlassen, sondern immer daran denken, daß es ‘Gott ist, der es wachsen läßt’. — 1. Kor. 3:7.
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Ein Leben, reich an Segnungen im Dienste JehovasDer Wachtturm 1969 | 1. März
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Ein Leben, reich an Segnungen im Dienste Jehovas
Von Athan Doulis erzählt
MEIN Leben begann, menschlich betrachtet, in ärmlichen Verhältnissen, und es hatte auch den Anschein, als ob sich in der Zukunft nichts daran ändern würde. Geboren bin ich in einem kleinen Bergdorf in Nord-Epirus (Albanien). Meinen Vater kannte ich nicht, weil er drei Monate vor meiner Geburt starb. Meine Mutter war, soweit ich mich erinnern kann, eine gottesfürchtige Frau und hielt an dem, was sie gelernt hatte, streng fest. Sie starb, als ich erst acht Jahre alt war. Meine einzige Schwester heiratete, und mein einziger Bruder und ich wurden ausgebürgert und kamen nach Istanbul.
Ich wurde von einem Onkel aufgenommen, der griechisch-orthodox war und mich in seinem Glauben aufzog. Er ging im Patriarchat ein und aus und besuchte viele Kirchen in Istanbul. Er nahm mich überallhin mit, wahrscheinlich in der Annahme, das würde eine allgemeine Ausbildung ersetzen. Ich fühlte mich jedoch benachteiligt, weil ich nicht wie andere Jugendliche geschult wurde. Glücklicherweise fand ich einige alte Schulbücher, die mein Cousin nicht mehr brauchte, und so begann ich einen Selbstunterrichtskurs.
Im Jahre 1923 kam ich als Flüchtling nach Saloniki. Zwei Jahre später fuhr ich nach Albanien, um meinen Bruder zu besuchen. Als ich in der alten Heimat ankam, fand ich meinen Bruder nicht zu Hause, denn er arbeitete etwa 200 Kilometer weiter weg. Ich fand aber die Zeitschrift Der Wachtturm, die Bibel, sieben Bände der Schriftstudien und verschiedene Broschüren über biblische Themen. Einige Überschriften, wie „Die Hölle“ und „Unseres Herrn Wiederkunft“, fesselten meinen Blick, und ich begann zu lesen. Meine Schwägerin versuchte, mich davon abzuhalten, indem sie sagte: „Du wirst genauso dumm werden wie dein Bruder, der nicht mehr in die Kirche
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