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    Erwachet! 1976 | 22. August
    • Hoffnung für behinderte Kinder

      ZU DEN kostbarsten Gaben, mit denen der Schöpfer uns Menschen ausgestattet hat, gehört die Gabe, unsere Art hervorzubringen, also Kinder zu haben. Die Geburt eines Kindes bereitet den Eltern große Freude. Jesus, der große Lehrer, sagte: „Eine Frau hat Kummer, wenn sie gebiert, ... doch wenn sie das kleine Kind hervorgebracht hat, so denkt sie nicht mehr an die Drangsal, vor Freude darüber, daß ein Mensch in die Welt geboren worden ist“ (Joh. 16:21).

      Aber manchmal ist diese Freude von allzu kurzer Dauer. Wann denn? Wenn ein kleines Kind, das geboren wird, irgendwie behindert ist — geistig, psychisch oder physisch. Zur Zeit soll es in den Vereinigten Staaten sieben Millionen Kinder geben, die in dieser oder jener Form behindert sind. Für die Eltern ist es besonders dann ein unvorstellbarer Schlag, wenn sie erfahren, daß ihr Neugeborenes an einer Form des Schwachsinns, zum Beispiel an Mongolismus, leideta.

      Vor Jahren gab es nur wenige Stellen, an die sich Eltern wenden konnten, um von Fachleuten beraten und unterstützt zu werden, damit sie für ein solch zurückgebliebenes Kind das Liebevollste und Nützlichste tun könnten. Doch heute ist die Situation anders, besonders in den größeren Städten. Sie hat sich so sehr geändert, daß es heißt, die Gegenwart könne ohne weiteres „der Anbruch eines goldenen Zeitalters für geistig Zurückgebliebene“ sein.

      Unter den in letzter Zeit abgefaßten Berichten ist einer, der in der Zeitschrift Psychology Today (April 1975) erschien und in dem von der Tendenz die Rede ist, für behinderte Kinder soweit wie möglich in enger Gemeinschaft mit Durchschnitts- oder normalen Kindern zu sorgen. Statt all solche behinderten Kinder in besonderen Heimen zu lassen, wie es üblich gewesen ist, werden jetzt immer mehr so versorgt, daß sie mit Durchschnittskindern zusammen sein können. Das hat sich als sehr nützlich erwiesen.

      Verbesserte Methoden

      Charakteristisch für die verbesserte Art und Weise der Behandlung behinderter Kinder ist das vom amerikanischen Ministerium für Gesundheit, Bildung und Wohlfahrt geförderte Washingtoner Programm. Es sieht vor, Kinder aus Heilanstalten herauszunehmen, ihnen eine Sondererziehung zu geben und sie gleichzeitig allmählich von Medikamenten abzubringen, die nämlich in Heilanstalten bei der Behandlung geistig zurückgebliebener oder anderer geisteskranker Patienten reichlich verwendet werden. Infolgedessen können viele dieser Kinder in allgemeine Schulen aufgenommen werden, und Jugendliche können sich an einem Arbeitsplatz bewähren.

      Heute gibt es überall in den Vereinigten Staaten „Entwicklungsprogramme für Kleinkinder“, um geistig zurückgebliebenen Kindern zu helfen. In einem Bericht heißt es, daß es diesen „Kindern irgendeines Intelligenzgrades möglich ist, sich zu entwickeln und zu lernen, wenn die Sondererziehung, die sie benötigen, früh genug beginnt“. Noch ermutigender ist der Standpunkt, den man im Pacific State Hospital in Pomona (Kalifornien) einnimmt, nämlich „daß es keine Stufe gibt, auf der Kinder ,ein hoffnungsloser Fall‘ sind“.

      Man hat festgestellt, daß die meisten Babys begierig sind, ihre Umgebung zu entdecken, und daß sie sich daher geistig und physisch selbständig entwickeln können, auch wenn ihre Umwelt nicht ideal ist. Doch kann es dazu kommen, daß sie zurückbleiben, wenn die Umgebung wirklich sehr schlecht ist. Deswegen muß das geistig zurückgebliebene Kind mit Geduld und Liebe angetrieben werden, wenn sich sein Verstand entwickeln soll. Ja, seine Mutter muß damit die ganze Zeit verbringen, die sie überhaupt erübrigen kann. Das bedeutet, mit dem Kind zu sprechen, es zu unterhalten und es zu ermuntern, sich körperlich zu betätigen.

      Wie man am wirkungsvollsten an diese Aufgabe herangeht, muß man erst durch Anleitung und Schulung lernen, und dazu haben Mütter in vielen größeren Städten die Möglichkeit. Einige dieser Einrichtungen bieten Hilfe durch Fachkräfte; Mitarbeiter verbringen wöchentlich eineinhalb Stunden damit, sowohl die Mutter als auch das Kind direkt daheim zu unterrichten. In einigen Städten besteht auch die Möglichkeit, geistig zurückgebliebene Kinder in solchen Unterrichts- und Schulungsstätten zu lassen. Personen, die sich mit dieser Arbeit befassen, sagen, es sei eine Tragödie, ein geistig zurückgebliebenes Kind aufzugeben und es in ein Heim zu geben.

      Die Wichtigkeit körperlicher Betätigung für geistig zurückgebliebene Kinder wird in einem Bericht hervorgehoben, den ein Komitee der amerikanischen Akademie für Kinderheilkunde abgefaßt hat. Ein solches Kind braucht mehr körperliche Betätigung als das normale Kind, doch hat es wahrscheinlich weniger. Nachlässigkeit auf diesem Gebiet verschlimmert seine geistige Behinderung und schadet ihm auch körperlich, da dies zu einem schlechten Reaktionsvermögen und zu Fettleibigkeit führt. Eine private Beratungsstelle in Philadelphia (Pennsylvanien) ermuntert Mütter, ihren mongoloiden Kindern schon Unterricht zu geben, wenn sie erst fünf Wochen alt sind.

      Neue, erfolgreiche Methoden

      Eine andere Behandlungsart, die bei geistig zurückgebliebenen Kindern in schweren Fällen überraschende Ergebnisse gezeitigt hat, ist als die „Ball-Vogel-Stock“-Methode bekannt. Sie geht davon aus, daß alle Buchstaben des Alphabets entweder aus einem Kreis (einem Ball), einem Dreieck (einem Vogel) oder einer geraden Linie (einem Stock) bestehen. Mit dieser Methode konnten Psychologen Kindern mit einem Intelligenzquotienten von nur zwanzig oder dreißig das Lesen und Schreiben beibringen. Und mit dieser geistigen Besserung kommt es oft zu einer Verbesserung der Persönlichkeit.

      Typisch ist der Fall eines geistig sehr zurückgebliebenen achtzehnjährigen Mädchens, das ständig Wutanfälle bekam, wenig von sich aus sprach und den größten Teil des Tages damit verbrachte, in einem Schaukelstuhl zu schaukeln. Dank der „Ball-Vogel-Stock“-Methode spricht sie jetzt freimütig, hat selten Wutanfälle, verbringt den Tag nicht mehr mit Schaukeln und hat einen gewissen Sinn für Humor entwickelt. Ja, in der Regel zeigt sich bei geistig zurückgebliebenen Personen, die durch diese Methode geschult werden und von denen einige bis zu neunundvierzig Jahre alt sind, eine große Verbesserung in der Persönlichkeit; ihre eingefallene Haltung wird aufrecht, und sie verbringen den Tag nicht mehr im Schaukelstuhl. Außerdem zeigen sie Interesse für ihre Erscheinung und möchten angenehm aussehen. Das alles sind gesunde Zeichen. Die Mitarbeiter solcher Einrichtungen berichten, daß diese geistig Zurückgebliebenen, die — soweit es die Verständigung mit ihnen betrifft — zuerst „keine Menschen“ zu sein schienen, zufolge einer solchen Schulung anderen jetzt auf eindrucksvolle Weise zeigen, daß sie doch Menschen sind.

      Eine weitere erfolgreiche Methode bei Personen, die entweder durch Mongolismus oder irgendeinen Gehirnschaden geistig behindert sind, bedient sich der Musik. Der Begründer dieser Methode, Richard Weber aus Peoria (Illinois), hat ein musikalisches System angewandt, durch das viele geistig zurückgebliebene Kinder lernen, ein Instrument zu spielen. Ein Kind, mit dem es unmöglich war auszukommen und das anscheinend überhaupt nicht lernen konnte, wurde mit Hilfe dieses Systems bald ziemlich normal. Durch Webers Methode (die er „Musicall“-Methode nennt) sind Hunderte von Kindern, von denen einige geistig sehr zurückgeblieben waren und noch nie ein Wort gesprochen hatten, so weit gebracht worden, daß sie „lernen zu lernen“. Über diese Methode sagte der Leiter einer Einrichtung für die Behandlung geistig zurückgebliebener Kinder: „Webers Neuerungen zerstören eine Reihe schablonenhafter Vorstellungen. Seitdem wir seine Methode anwenden, sehen wir, wie Kinder, die vorher dahinvegetierten, zu Personen werden.“

      Überaktive Kinder

      Das zuvor erwähnte kleine Kind, mit dem man anscheinend nicht auskommen konnte, war in Wirklichkeit überaktiv. Unter Überaktivität (auch als Hyperkinese bekannt) leiden immer mehr Kinder, zumeist Jungen. Sie zeichnet sich durch extreme Unruhe und verminderte Konzentrationsdauer aus, denn solche überaktiven Kinder können ihren jungen, sich entwickelnden Sinn nicht lange genug bei einer Sache verweilen lassen, um ihr Wissen zu vergrößern. Was die Sache noch verwickelter macht, ist die Tatsache, daß solche Kinder leicht unlenksam und eigensinnig sind und, verglichen mit anderen Kindern, mit fünfmal so großer Wahrscheinlichkeit an eine Flasche mit giftigem Inhalt geraten. Sie sind für ihre Eltern wirklich ein Problem.

      Die üblichste und verbreitetste Methode, diese Kinder zu behandeln, besteht darin, sich verschiedener Arzneimittel zu bedienen, und zwar solcher, die, so merkwürdig es ist, auf Erwachsene anregend wirken, aber diese Kinder zu beruhigen scheinen. Doch werden immer mehr Stimmen laut, die sich dagegen wenden, dieses Problem mit Arzneimitteln zu lösen. Zum einen besteht immer die Gefahr, daß Kinder süchtig werden und dann auch als Erwachsene auf Arzneimittel angewiesen sind. Zum anderen besteht das Problem des Schadens, den diese Mittel verursachen können. Und außerdem täuschen sie leicht über Persönlichkeitsprobleme oder -störungen hinweg, die der Überaktivität oft zugrunde liegen. Aus diesem Grund empfehlen immer mehr Kinderpsychiater den Eltern, im Umgang mit solchen Kindern eine feste Hand zu haben.

      Leider ist es auch so, daß, wie ein Psychiater beobachtete, die Körperuntersuchung oft vernachlässigt wird, obwohl sie in Wirklichkeit der allererste Schritt sein sollte. Immer wieder hat dieser Psychiater festgestellt, daß die Überaktivität des Kindes auf irgendeinen physischen Mangel zurückzuführen war, zum Beispiel auf einen Herzklappenfehler oder auf irgendeine Stoffwechselstörung. Wie er sagt, „hat es wissenschaftlich keinen Sinn, die Überaktivität mit Arzneimitteln zu unterdrücken, ohne das zugrundeliegende medizinische oder physiologische Problem zu diagnostizieren und dann zu beheben“. Zum Beispiel zündete ein überaktiver Junge immer wieder die Familiencouch an. Nachdem man ihm Arzneimittel verabreicht hatte, hörte er damit auf. Aber was tat er, als die Behandlung mit Medikamenten eingestellt wurde, weil man ihn als geheilt ansah? Er brannte die Garage ab!

      Verschiedene „somatische“ Programme

      Noch eine andere Methode, und zwar eine, die sich immer wieder als äußerst wirksam erwiesen hat, basiert auf der Ernährung. So merkwürdig es ist, wird die Überaktivität eines Jungen immer wieder von zu niedrigem Blutzucker, bekannt als Hypoglykämie, verursacht. Dieser Zustand läßt sich mit einer sehr strengen Diät behandeln, die reich an Proteinen und arm an Kohlenhydraten ist und bei der insbesondere alle für den Körper wertlose Nahrung gemieden wird, zum Beispiel Limonaden, Süßigkeiten, die Feinzucker enthalten, und Kartoffelchips. Zu dieser Stoffwechselbehandlung gehört auch, dem Kind größere Mengen von bestimmten Vitaminen sowie wichtige Spurenelemente zukommen zu lassen. Eine solche Behandlung ist auch bei Kindern wirkungsvoll gewesen, die am Gegenteil von Überaktivität litten, nämlich an Autismus, und sogar bei schizophrenen Kindern.

      Etliche Psychiater haben auch festgestellt, daß Lebensmittelzusätze, wie zum Beispiel künstliche Farbstoffe, Aromastoffe und Antioxydantien (die den Lebensmitteln zugesetzt werden, damit sie nicht verderben), die Ursache dafür sein können, daß ein Kind überaktiv wird. Als die überaktiven Kinder Speisen ohne solche Zusätze aßen, wurden sie normal. Dies bereitet kein geringes Problem, denn etwa 90 Prozent der Nahrung, die die Kleinen mögen, enthalten solche Stoffe; am schlimmsten ist es bei heißen Würstchen.

      Während des vergangenen Jahres hat man mit der Überaktivität bei Kindern einen weiteren Faktor als wahrscheinliche Ursache in Verbindung gebracht, nämlich die künstliche Beleuchtung, besonders Leuchtstofflampen. Zum Beispiel hat ein Psychiater festgestellt, daß die überaktiven Kinder normal wurden, wenn er die Beleuchtungskörper veränderte, so daß das natürliche Spektrum der Lichtstrahlen erhalten blieb, während die Kinder vor den Röntgenstrahlen geschützt wurden, die gewöhnlich von den Kathodenenden dieser Lampen ausgehen.

      Auch sollte man nicht die Methode übersehen, die der Nobelpreisträger Nicholas Tinbergen für einige Arten psychischer Probleme empfiehlt. In der Zeitschrift Science vom 5. Juli 1974 berichtet er von dem Nutzen der Muskelbehandlung, die man als eine leichte, doch spürbare, richtig angewandte Massage von Kopf bis Fuß bezeichnen könnte, durch die Spannungen im Körper beseitigt werden, so daß die Muskeln und Nerven normal arbeiten. Einerseits war Tinbergen erfreut, zu erfahren, wie viele Männer, die wegen ihres großen Wissens bekannt sind, sich günstig darüber äußerten, doch war er andererseits bestürzt, „weil wir festgestellt haben, daß in diesem Bereich der Psychiatrie Verwirrung herrscht, und weil wir gefunden haben, daß viele, die unbestreitbar Fachleute sind — Ärzte, Lehrer und Therapeuten —, neuen Ideen, ja Tatsachen gegenüber so wenig zugänglich sind“.

      „Punkt“-Methoden

      All die bisher beschriebenen Wege, Überaktivität zu behandeln, könnte man als „somatische“ Methoden bezeichnen, weil dabei das Problem vom Körper her angefaßt wird. Einen Gegensatz dazu bildet das „Punkt“-Programm, bei dem psychologische Mittel angewandt werden, nämlich Erziehungs- und Unterrichtsmethoden. Bei diesem neuen Lehrprogramm bekommen die Kinder verschiedene Punkte, je nachdem, wie gut sie sich benehmen und wieviel sie leisten, und dadurch können sie sich bestimmte Belohnungen aussuchen. Hierbei ist seitens der Lehrer viel Geduld und Verständnis erforderlich, denn jedem einzelnen Kind muß ständig Aufmerksamkeit geschenkt werden. Etwa 80 Prozent der überaktiven Kinder werden in etwa achtzehn Monaten wieder normal; bei den übrigen dauert es etwas länger.

      Aus alledem geht deutlich hervor, daß es jetzt mehr Hoffnung für Kinder gibt, die entweder geistig zurückgeblieben oder überaktiv sind. Nicht nur haben ihre Eltern die Wahl zwischen vielen Arten fachmännischer Hilfe, sondern sie können auch selbst viel tun, was sich als sehr nützlich erweisen könnte.

      [Fußnote]

      a Mongolismus wird durch einen Chromosomendefekt verursacht; dabei hat der Zellkern 47 statt 46 Chromosomen. In den Vereinigten Staaten ist von je sechshundert geborenen Kindern eines mongoloid.

  • ‘Unter einen Schatten kommen’
    Erwachet! 1976 | 22. August
    • ‘Unter einen Schatten kommen’

      Der Schatten, den ein Fels, eine Wolke, ein Gebäude, ein Baum oder irgend etwas anderes wirft, kann einen angenehmen Schutz bieten, zum Beispiel vor der heißen Sonne. Deshalb bedeutet der biblische Ausdruck ‘unter den Schatten von etwas kommen’ soviel wie, an eine Stätte des Schutzes, der Sicherheit oder der Zuflucht zu gelangen. Zum Beispiel sagte Lot zu den Männern von Sodom über die Engel, die bei ihm zu Gast waren: „Nur diesen Männern tut nichts, denn eben deshalb sind sie unter den Schatten meines Daches gekommen“ (1. Mose 19:8). Siehe auch Jesaja 32:1, 2.

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