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  • Wie ist dein Herz?
    Der Wachtturm 1971 | 1. Juni
    • Herz in geistiger Hinsicht entwickeln und schützen und wie unser Herz uns beeinflußt, ist wichtig, denn aufgrund dieser beiden Faktoren entscheidet Gott, „der die Herzen wägt“, ob wir in dem gerechten neuen System der Dinge, das er herbeiführt, leben oder ob wir in den ewigen Tod gehen werden, weil unser Herz in geistiger Hinsicht versagt hat. — Spr. 4:23; 21:2; 24:12.

      TIEF IN DAS HERZ SCHAUEN

      5. Gehört das „Herz“ zum Sinn? Begründe deine Antwort.

      5 Wo befindet sich dein Herz, und was ist es? Du magst fragen: „Was für ein Herz ist denn damit gemeint?“ Du weißt, daß du ein Herz in der Brust hast, das das Blut durch deinen ganzen Körper pumpt und jede einzelne Zelle mit diesem Lebenssaft versorgt. Hast du aber auch noch ein „sinnbildliches Herz“ im Kopf? Gehört dieses „Herz“ zum Gehirn, oder ist es jene abstrakte Fähigkeit des Gehirns, die wir „Sinn“ nennen? Nein, das Gehirn, wo sich der Sinn befindet, ist etwas anderes als das Herz in unserem Brustkorb, das der Ausgangspunkt unserer Beweggründe ist.

      6. Wie gebraucht die Bibel das Wort „Herz“?

      6 Mit wenigen Ausnahmen bezieht sich das Wort „Herz“ in der Bibel auf die Funktionen des menschlichen Herzens, das gewissermaßen das Kraftwerk unserer Wünsche, Gefühle und Neigungen ist, der Ausgangspunkt unserer Beweggründe. Die Bibel spricht ebensowenig von einem symbolischen oder geistigen Herzen im Unterschied zum organischen oder buchstäblichen Herzen, wie sie von einem symbolischen Sinn spricht. Wir möchten daher nicht wie viele heutige orthodoxe Physiologen den Fehler machen und das buchstäbliche Herz lediglich als eine Blutpumpe betrachten. Die meisten Psychiater und Psychologen neigen zu der Ansicht, der Sinn sei etwas für sich; sie schreiben dem organischen Herzen wenig, wenn überhaupt irgendwelchen Einfluß zu und betrachten das Wort „Herz“, wenn es sich nicht auf das Organ bezieht, das das Blut durch unseren Körper pumpt, lediglich als symbolischen Ausdruck.

      7, 8. (a) Beschreibe die Wechselbeziehung zwischen dem Herzen und dem Sinn des Menschen. (b) Welchen Einfluß übt das Herz auf unsere Persönlichkeit aus?

      7 Das Herz ist aber durch das Nervensystem innig mit dem Gehirn verbunden und mit unzähligen Empfindungsnervenendigungen durchflochten. Die Empfindungen des Herzens werden vom Gehirn registriert. Hier läßt das Herz seine Wünsche und Neigungen auf den Sinn einwirken, so daß Schlußfolgerungen gezogen werden, die bestimmten Beweggründen entsprechen. Umgekehrt, nährt der Sinn das Herz mit verarbeiteten Sinneseindrücken und mit Schlußfolgerungen, die aufgrund von Kenntnissen gezogen werden, die entweder im Augenblick erlangt oder die aus dem Gedächtnis geschöpft wurden. Es besteht eine enge Wechselbeziehung zwischen dem Herzen und dem Sinn, obwohl sich die beiden voneinander unterscheiden und an verschiedenen Stellen liegen. Das Herz ist eine wunderbar konstruierte Muskelpumpe. Es ist aber, was noch erstaunlicher ist, auch der Sitz unserer Fähigkeit, Gefühle und Beweggründe zu entwickeln. Liebe, Haß, Wünsche (gute und schlechte), die Bevorzugung einer Sache vor einer anderen, Ehrgeiz, Furcht — ja alles, wodurch wir in Verbindung mit unseren Neigungen und Wünschen beeinflußt werden, hat seinen Ausgangspunkt im Herzen.

      8 Die Bibel macht einen deutlichen Unterschied zwischen dem Herzen und dem Sinn. Jesus sagte zum Beispiel, wir müßten Jehova lieben mit unserem „ganzen Herzen“ und mit unserem „ganzen Sinn“. (Matth. 22:37) Was wir im Herzen sind, bestimmt weitgehend, was für eine Persönlichkeit wir sind. Der Apostel Petrus sprach in diesem Zusammenhang von der ‘verborgenen Person des Herzens im unvergänglichen Gewand des stillen und milden Geistes, die in den Augen Gottes von großem Werte ist’. — 1. Petr. 3:4.

      9. Abgesehen davon, daß das Herz eine Blutpumpe ist, haben einige Wissenschaftler in Verbindung mit dem Herzen was festgestellt?

      9 Betrachten wir zunächst einige interessante Einzelheiten in Verbindung mit dem Organ in unserer Brust, dem Herzen, das auf hebräisch lew und lewáw und auf griechisch kardía heißt (wovon wir unter anderem das Wort „Kardiogramm“ ableiten). Es gibt Wissenschaftler auf dem Gebiet der Medizin und auch Psychiater, die glauben, daß das Herz nicht nur Blut pumpt, sondern noch weit mehr leistet. Dr. D. E. Schneider, ein Neurologe und Psychiater in New York, weist zum Beispiel darauf hin, daß bei der Entwicklung des menschlichen Embryos das Herz und das Gehirn von derselben Zone her entstehen und daß das Herz teilweise aus Nervengewebe besteht und auch die Fähigkeit hat, gewisse hochwirksame Chemikalien zu erzeugen und zu speichern, die, wie er bei seinen Untersuchungen festgestellt hat, auf den Organismus und auf das Gehirn eine regulierende Wirkung haben. Er kam deshalb zu dem Schluß, daß es „eine Wechselbeziehung zwischen Sinn und Herz geben muß“ und daß der Sinn nicht nur das Herz beeinflußt, sondern daß „das Herz [jawohl, das organische Herz in unserer Brust] auch den Sinn wesentlich beeinflußt“. Andere Forscher sind zu ähnlichen Schlußfolgerungen gekommen.

      10. Was verursacht bei Patienten nach Herztransplantationen offenbar die schweren psychischen Störungen?

      10 Es ist bezeichnend, daß sich bei Patienten nach Herztransplantationen — bei denen die Nerven, die das Herz mit dem Gehirn verbinden, durchtrennt werden — ernste psychische Störungen einstellen. Das neue Herz kann zwar als Pumpe arbeiten, da es seine eigene Kraftversorgung und seinen eigenen Steuerungsmechanismus hat, unabhängig vom allgemeinen Nervensystem, das den Herzmuskel erregt; aber so, wie es jetzt nur träge auf äußere Einflüsse reagiert, gibt es — wenn überhaupt welche — dann nur wenige deutliche Daten an das Gehirn weiter. In welchem Ausmaß die Nervenendigungen des Körpers und das neue Herz mit der Zeit gewisse Verbindungen herstellen können, weiß man nicht genau, aber es ist nicht ausgeschlossen, daß dies einer der verschiedenen Faktoren ist, auf die die schweren psychischen Störungen und Verwirrtheitszustände zurückzuführen sind, die Ärzte bei Patienten nach Herztransplantationen beobachtet haben. Diese Patienten haben zwar eine dem Spender entnommene Blutpumpe; erfüllt diese aber alle Voraussetzungen, so daß man sagen könnte, sie hätten ein „Herz“? Eines steht fest: Durch den Verlust ihres eigenen Herzens wurde ihnen das genommen, was das „Herz“ in ihnen im Laufe der Jahre geschaffen und was dazu beigetragen hatte, daß sie das wurden, was sie als Persönlichkeit waren.

      11, 12. (a) Was wird über das Verhalten von Patienten nach Herztransplantationen berichtet? (b) Abgesehen davon, daß das Herz eine Blutpumpe ist, wird über seine Beschaffenheit und seine Funktion was noch gesagt?

      11 Unter dem Titel „Wie wirkt sich ein neues Herz auf das Gehirn aus?“ berichtete die Zeitschrift Medical World News (23. Mai 1969) folgendes: „In der Universitätsklinik von Stanford empfing letztes Jahr ein 45jähriger Mann ein neues Herz von einem 20jährigen Spender. Kurz darauf teilte er allen seinen Freunden mit, er feiere seinen zwanzigsten Geburtstag. Ein anderer Herzempfänger beschloß, dem makellosen Ruf seines Spenders — ein angesehener Bürger — entsprechend zu leben. Ein dritter, der das Herz einer Frau empfangen hatte, befürchtete zu verweiblichen, war dann aber etwas beruhigt, als er erfuhr, daß Frauen länger leben als Männer. Nach den Worten des Psychiaters Donald T. Lunde, eines Beraters des Herztransplantationsteams des Chirurgen Norman Shumway in Stanford, handelt es sich bei diesen Fällen um einige der weniger schweren Fälle von psychischen Störungen [Kursivschrift von uns], die bei den in den letzten 16 Monaten von Shumway vorgenommenen 13 Transplantationen beobachtet wurden.“ Weiter heißt es in dem Artikel: „Fünf Patienten der Transplantationsserie lebten Anfang dieses Monats noch, und vier von ihnen führten zu Hause ein ziemlich normales Leben, drei wurden geisteskrank, bevor sie letztes Jahr starben. Zwei weitere wurden dieses Jahr geisteskrank.“

      12 Während Dr. Lunde das Medikament Prednison und die den Geist schwächende Wirkung einer schweren Operation und einer langen Bettruhe unter Intensivpflegebedingungen als Hauptursache dieser merkwürdigen Persönlichkeitsveränderungen ansieht, ist es interessant festzustellen, daß Dr. Schneider, „ein New Yorker Psychiater und Neurologe, der die Herz-Gehirn-Wechselwirkung untersucht, andere Faktoren für ausschlaggebend hält. Er modifizierte dadurch Dr. Lundes Erklärung der Psychosen, von denen die Herztransplantationsserie von Shumway betroffen wurde. Dr. Schneider ... sagt: ,Das Herz ist mehr als nur eine Pumpe — es ist eine neuroendokrine Batterie. Es hat sein ganz eigenes kleines Gehirn, den Sinus- und den Atrioventrikularknoten und das Reizleitungsbündel. Die von diesem Bündel ausgehenden kleinen Schwingungen können zusammen mit jedem Herzschlag auf dem EKG [Elektrokardiogramm] unterschieden werden. Darüber hinaus mag die ausgiebige Produktion und Speicherung von Katecholaminen den Spiegel dieser Neurohormone im Hypothalamus beeinflussen‘“ (Ebd., Seite 18). Dr. Schneider beobachtete, daß viele Patienten, denen kein Herz verpflanzt wurde, die aber Prednison erhielten oder über lange Zeit bettlägerig waren, keine Psychosen bekamen.

      13. (a) Wieso kann ein Mensch leben und dennoch in Gottes Augen tot sein? (b) In welch bedeutungsvollerem Sinne kann vom Herzen gesagt werden: „Von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens.“?

      13 Was die Medizin auch hinsichtlich des menschlichen Herzens noch erkennen mag, die Bibel macht auf jeden Fall einen Unterschied zwischen Sinn und Herz. Da das Herz eine solch bedeutende Rolle spielt, ist es nicht nur wichtig, daß wir es durch Selbstbeherrschung beim Essen und auch sonst in physischer Hinsicht schützen, sondern daß wir auch darauf achten, was für Eindrücke ihm zufolge der Wechselwirkung zwischen Herz und Gehirn durch unsere Sinne vermittelt werden. Wenn das Herz stillsteht und den Körper nicht mehr mit dem lebengebenden Blut versorgt, sterben wir und damit auch die Fähigkeiten unseres Herzens und unsere geistigen Fähigkeiten. Aber selbst als Lebende würden wir Jehova, dem Lebengeber, nicht gefallen, wenn aus unserem Herzen nicht ständig gute Beweggründe, Wünsche und Neigungen hervorgingen. „Jene aber, die auf sinnliche Befriedigung ausgeht, ist tot, obwohl sie lebt.“ (1. Tim. 5:6) Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, erhalten die Worte „Von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens“ noch eine weit größere Bedeutung. Das Herz treibt uns dazu an, Gott anzubeten und ihm zu dienen. „Mit dem Herzen übt man Glauben zur Gerechtigkeit.“ (Röm. 10:10) Wir müssen Jehova lieben mit ganzem Herzen und müssen ihn „mit Geist und Wahrheit anbeten“. (Joh. 4:24) Als Jehova den Menschen schuf, schuf er sich in dessen Herzen einen besonderen Platz, den jeder hegen und pflegen sollte. Der Unverständige oder Tor „spricht in seinem Herzen: Es ist kein Gott!“ Man kann, wenn man will, Gott in seinem Herzen natürlich durch andere Personen, Gegenstände oder Vorstellungen ersetzen; von Natur aber hat der Mensch in seinem Herzen das Bedürfnis, seinen Schöpfer anzubeten. — Ps. 14:1; Spr. 3:1-7.

      14. Welche Verbindung besteht zwischen dem Herzen und unseren Gefühlsregungen?

      14 Interessant ist ferner festzustellen, daß das Herz eines der Organe ist, die als erste auf Gefühlsregungen reagieren. Unser Herz hüpft vor Freude. Bei plötzlicher Gefahr beginnt es, unbändig zu schlagen. Furcht bewirkt Herzklopfen. Kummer und Sorgen bereiten ihm Schmerzen. Von der höchsten Freude bis zur tiefsten Verzweiflung, vom höchsten Glück bis zum tiefsten Schmerz — alle Empfindungen des Herzens verspüren wir im ganzen Körper. Nicht umsonst gibt es so viele Ausdrücke und Redewendungen, in denen das Wort „Herz“ vorkommt. Einige davon sind: zu Herzen nehmen, herzhaft, weichherzig, hartherzig, von ganzem Herzen, herzzerreißend, am Herzen liegen, herzerquickend, unbeschwerten Herzens usw.

      DAS HERZ IM GEGENSATZ ZUM SINN

      15. Beschreibe die Fähigkeiten unseres „Sinnes“.

      15 Unter dem deutschen Wort „Sinn“ versteht man den Verstand oder den Sitz des Denkens, die Tätigkeit des Verstandes oder den Ort der Gedanken. Der Sinn kann Informationen, die er durch sein Auffassungs- und Wahrnehmungsvermögen empfängt, miteinander verbinden, so daß Vorstellungen und Muster entstehen. (2. Tim. 1:13) Wenn die einzelnen Informationen richtig zusammengefügt sind, können wir sagen, daß wir über etwas Erkenntnis erlangt haben. Weisheit und Verständnis sind das Ergebnis der Fähigkeit, diese Erkenntnis nützlich anzuwenden und deutlich zu sehen, wie die Einzelheiten zusammen in das Ganze hineinpassen, was sie bedeuten, warum sie nützlich und wie sie anwendbar sind.

      16. Was zeigt uns der Bibelbericht über die Israeliten in der Wüste in bezug auf den Einfluß, den das Herz ausüben kann?

      16 Das organische Herz dagegen ist eng mit unseren Neigungen und Beweggründen verbunden. Der Psalmist schrieb: „In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, auf daß ich nicht wider dich sündige.“ (Ps. 119:11) Daß das Herz den Sinn und die Handlungsweise des Menschen beeinflußt, sehen wir an dem Verhalten der Israeliten, als das Zelt der Zusammenkunft in der Wüste vorbereitet und errichtet wurde. In dem Bericht heißt es, daß „ein jeder, dessen Herz ihn drängte“, ja daß alle, „deren Herz sie trieb“, sowohl Materialien als auch ihr Geschick und ihr Können zur Verfügung stellten. (2. Mose 35:21, 26, 29, NW) Gerade weil das Herz die Fähigkeit hat, den Menschen zu einer bestimmten Handlungsweise zu bewegen, verrät es dadurch, was der Betreffende in seinem Innern wirklich ist, und das nannte der Apostel Petrus die „verborgene Person des Herzens“. — 1. Petr. 3:3, 4.

      17. Veranschauliche den Unterschied zwischen Sinn und Herz.

      17 Ein einfaches Beispiel wird uns helfen, die unterschiedliche Rolle, die das Herz und der Sinn spielen, zu erkennen. Fast jedermann kann sich durch Studium und Praxis gewisse technische Kenntnisse aneignen. Wer aber in seinem Herzen keine Liebe zu Maschinen entwickelt hat, wird kaum den Drang verspüren, sich Kenntnisse über Motoren anzueignen, und wenn sein Wagen einmal stehenbleibt, weiß er wahrscheinlich nicht, wo er mit der Reparatur beginnen soll. Der Betreffende mag jedoch ein begabter Musiker, ein hervorragender Rechtsanwalt oder mit Leib und Seele Hausfrau sein — jeder mag seine Arbeit lieben und ihr nachgehen, weil er sich in seinem Herzen für diesen Beruf entschlossen hat. Würde man aber das Leben eines tüchtigen Mechanikers zurückverfolgen, so würde man wahrscheinlich feststellen, daß er immer gern mit Motoren zu tun hatte und schon als Junge von allem wissen wollte, wie es funktioniert. Zu hören, wie ein starker Motor anspringt und dann ruhig läuft, ist für seine Ohren Musik. Wovon sprechen wir in diesem Fall? Jawohl, vom Herzen, von den Neigungen, Beweggründen und Wünschen des Betreffenden, nicht nur von seiner geistigen Fähigkeit, sich technische Kenntnisse anzueignen.

      18, 19. (a) Auf welche Weise arbeiten Sinn und Herz zusammen? (b) Wie beeinflußt das, was dem Sinn zugeführt wird, das Herz?

      18 Obwohl also die Bibel zeigt, daß zwischen Herz und Sinn ein Unterschied besteht, läßt dies dennoch eine enge Wechselbeziehung und gegenseitige Abhängigkeit sowie eine gegenseitige Beeinflussung zu. Dein Herz kann durch deinen Sinn genährt werden, denn das Gehirn nimmt auf, was wir mit unseren Augen und Ohren sowie mit unseren anderen Sinnesorganen wahrnehmen. Andererseits kann dein Sinn, der sich im Gehirn befindet, durch dein Herz angetrieben oder angeregt werden.

      19 Schon in der Jugend übt der Sinn einen starken Einfluß auf das Herz aus. Wenn ihm die richtige Art Aufschluß zugeführt wird, entstehen richtige Vorstellungen und Eindrücke, die, wenn sie ins Herz hinabdringen, dort einen guten Einfluß ausüben, indem sie die Beweggründe, Wünsche und Neigungen entsprechend formen, steuern und überwachen. Wird dem Sinn aber schlechter Aufschluß zugeführt, so entstehen falsche Vorstellungen, und das hat zur Folge, daß Vorurteile, Haß, Furcht, Stolz, Habsucht, Widerspenstigkeit und andere verwerfliche Eigenschaften im Herzen Wurzel schlagen und sich in der Persönlichkeit des Betreffenden zeigen, besonders wenn diese falschen Vorstellungen und Eindrücke schon früh im Leben entstanden sind. Darum muß jemand, wenn er ein Christ wird, ‘umgewandelt werden durch die Neugestaltung seines Sinnes’. Paulus gibt uns den ernsten Rat: „[Werdet] erneuert ... in der Kraft, die euren Sinn antreibt.“ Diese neue Kraft unseres Sinnes entsteht dadurch, daß wir Gottes Wort fest in unseren Sinn einpflanzen und uns dann vollständig von Gottes Geist leiten lassen und sorgfältig darauf achten, daß unser Sinn nicht verdorben wird, „hinweg von der Aufrichtigkeit und der keuschen Reinheit, die dem Christus gebühren“. — Röm. 12:2; Eph. 4:22-24; 2. Kor. 11:3.

      20. Beschreibe die Umwelteinflüsse, die heute das Herz und den Sinn der meisten Menschen formen.

      20 Die meisten Kinder wachsen heute in einem Elternhaus oder in einer Umgebung auf, deren Einfluß die Lernbereitschaft nicht begünstigt. Die nachsichtige Erziehung zu Hause und in der Schule hat eine rebellische, sensationshungrige Generation hervorgebracht. Was Kinder an schlechten Dingen lernen und tun, prägt sich ihrem Sinn so tief ein und wirkt sich so verderblich auf ihr Herz aus, daß sie, wenn sie älter sind, schließlich einfach das tun, was sie zu tun gewohnt sind. Das Unnormale wird normal. Sex ist etwas für den Nervenkitzel geworden und etwas, worüber man schmutzige Witze macht. Man sieht den Geschlechtsakt nicht mehr als die von Gott auf die Ehe beschränkte reine und beglückende Vereinigung an, die dem Zweck dienen soll, Kinder hervorzubringen. Genieße das Leben; verdiene viel Geld; sieh zu, daß du vorankommst; werde etwas; laß dich von anderen nicht verdrängen; nimm es nicht so genau; stiehl, wenn es niemand sieht — das sind nur einige der Ansichten und Neigungen, die dem Herzen der Menschen durch ihre Umwelt schon von Jugend auf tief eingepflanzt werden.

      21, 22. (a) Wie wird das Herz derer, die sich von Gott abgewandt haben, beschrieben? (b) Was geht dagegen im Herzen derer vor sich, die für das Wort Gottes empfänglich sind?

      21 Von jeder Generation — vor allem von der heutigen — haben sich die meisten von Gott abgewandt und sind ‘hohlköpfig geworden in ihren Überlegungen, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert worden’, so daß ‘Gott sie entsprechend den Begierden ihrer Herzen der Unreinheit überlassen hat’. Sie handeln so, wie die meisten Bewohner Judas handelten, von denen Jehova sagte, ihre Sünde sei wie mit diamantener Spitze „eingegraben in die Tafel ihres Herzens“. Weil Gott die Bösen nicht sogleich vernichtet, „darum ist das Herz der Menschenkinder in ihnen voll, Böses zu tun“. (Röm. 1:18-32; Jer. 17:1; Pred. 8:11) Erfreulicherweise hat es aber zu allen Zeiten auch einige wenige gegeben, die trotz großer Schwierigkeiten bemüht waren, in ihrem Herzen Liebe zu Gott und zur Gerechtigkeit zu entwickeln. Selbst heute, wo wir in der „Zeit des Endes“ schon weit vorgerückt sind, finden Jehovas Zeugen immer noch Tausende von Menschen, deren Herz für Gottes Wort empfänglich ist und die den Rat beachten: „Legt darum alle Unsauberkeit ab und jenes Überflüssige, moralische Schlechtigkeit, und nehmt mit Milde die Einpflanzung des Wortes an, das eure Seelen zu retten vermag.“ „Was jenes [den Samen] auf dem vortrefflichen Boden betrifft, das sind die, welche das Wort, nachdem sie es mit einem edlen und guten Herzen gehört haben, festhalten und mit Ausharren Frucht tragen.“ — Jak. 1:21; Luk. 8:15.

      22 Obwohl dies oft erfordert, daß die Betreffenden ihre Lebensweise gründlich ändern — daß sie zum Beispiel einen unsittlichen Wandel aufgeben, gegen Jähzorn ankämpfen, eine andere Laufbahn einschlagen, absolut ehrlich sind und Gott eifrig dienen —, gehen sie mutig daran, diese Änderungen vorzunehmen. All denen, „die den Herrn aus reinem Herzen anrufen“ und sich bemühen, ein gutes Herz zu bekommen, verheißt Jehova zu helfen, ein solches Herz zu haben. — 2. Tim. 2:22.

      23. In welcher Beziehung sollten wir unser Herz ehrlich prüfen?

      23 Wie ist also dein Herz? Soweit dir bekannt ist, mag es vom medizinischen Standpunkt aus zur Zeit gesund sein. Noch wichtiger aber ist die Frage: Wie ist dein Herz, wenn du es nach den Beweggründen, Neigungen und Wünschen beurteilst, die daraus hervorgehen? Was stellst du fest, wenn du es im Lichte des Wortes Gottes prüfst? Beeinflußt es dich in der rechten Richtung, und entspringen ihm rechte Wünsche und Neigungen? Bist du, wenn du irgendwelche Mängel feststellst, in der Lage, dein Herz und deinen Sinn zu erneuern und zu stärken, um richtige Schlüsse zu ziehen und um den Neigungen des unvollkommenen Fleisches und den auf dich eindringenden Versuchungen zu widerstehen? Obgleich du in dieser Hinsicht schon ziemlich erfolgreich sein magst, solltest du dein Herz weiterhin stärken und behüten.

  • Das menschliche Herz ist verräterisch
    Der Wachtturm 1971 | 1. Juni
    • Das menschliche Herz ist verräterisch

      „Das Herz ist verräterischer als sonst irgend etwas und ist heillos. Wer kann es kennen? Ich, Jehova, erforsche das Herz, ... um einem jeden zu geben gemäß seinen Wegen, gemäß dem Fruchtertrag seiner Handlungen.“ — Jer. 17:9, 10, NW.

      1. Was sagt die Bibel ganz offen über die Neigung des Menschenherzens?

      UNSERE eigenen Erfahrungen und die Erfahrungen anderer erinnern uns tagtäglich daran, daß wir nicht mit einem guten Herzen und nicht mit einem zur Gerechtigkeit neigenden Sinn geboren wurden. Ein neugeborenes Kind ist zwar noch unschuldig; dennoch haben Sünde und Unvollkommenheit schon seit seiner Zeugung an ihm gewirkt. Der Psalmist David drückte dies folgendermaßen aus: „Siehe, in Ungerechtigkeit bin ich geboren, und in Sünde hat mich empfangen meine Mutter.“ (Ps. 51:5) Selbst gewissenhafte Eltern, die bestrebt sind, ihre Kinder „in der Zucht und im autoritativen Rate Jehovas“ aufzuziehen, müssen leider immer wieder feststellen, daß „Narrheit ... gekettet [ist] an das Herz des Knaben“ und daß sie „die Rute der Zucht“ auf verschiedene Art anwenden müssen, um „sie davon [zu] entfernen“. (Eph. 6:4; Spr. 22:15) Jehova weiß um dieses traurige Erbe, das Eltern an ihre Kinder weitergeben; das bewies er, als er das Opfer, das Noah und seine Angehörigen ihm nach der Sintflut darbrachten, barmherzig annahm und sagte: „Nie wieder werde ich des Menschen wegen Übles auf den Erdboden herabrufen, weil die Neigung des Menschenherzens böse ist von seiner Jugend an.“ — 1. Mose 8:21, NW.

      DAS HERZ KANN TRÜGERISCH SEIN

      2. (a) Wieso ist „das Herz ... verräterischer als sonst irgend etwas und ... heillos“? (b) Welche Tatsache erkannte der Apostel Paulus an, selbst nachdem er seinen Sinn neugestaltet hatte?

      2 Das Herz ist arglistig. Wenn wir nicht vorsichtig sind, können wir das Opfer einer Selbsttäuschung werden. Die Bibel warnt uns mit den Worten: „Das Herz ist verräterischer als sonst irgend etwas und ist heillos. Wer kann es kennen?“ (Jer. 17:9, NW) Ein verräterischer Mensch zeichnet sich dadurch aus, daß er das Vertrauen anderer mißbraucht und sein Wort nicht hält; er ist treulos und unzuverlässig, ja er übt Verrat. Stell dir vor, jeder von uns hat in seinem unvollkommenen Zustand so etwas wie einen Verräter in seiner Brust! Sind wir nicht manchmal entsetzt oder sogar beschämt über etwas, was in unserem Herzen aufkommt? Wenn das Herz etwas unbändig verlangt, kann uns dies in große Schwierigkeiten bringen. Wir müssen dann unbedingt sogleich Schritte unternehmen, um diese neuen Neigungen zu unterdrücken und diese plötzlich aufsteigenden Wünsche zu verdrängen. Der Apostel Paulus gab zu, daß sein erneuerter Sinn von den schlechten Wünschen, die in seinem Herzen aufkamen, bekämpft und von der Last, die ihm sein unvollkommenes Fleisch auferlegte, beschwert wurde: „Ich habe wirklich Lust an dem Gesetz Gottes gemäß dem Menschen, der ich innerlich bin aber ich sehe in meinen Gliedern ein anderes Gesetz, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich gefangennimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.“ (Röm. 7:22, 23) Er erkannte an, daß wir nur von Jehova durch Christus aus diesem elenden Zustand befreit werden können. Würden wir unseren eigenen Plänen überlassen sein, so würden wir bestimmt oft irregehen. „Viele Pläne sind im Herzen eines Mannes, aber der Rat Jehovas, der wird bestehen.“ — Spr. 19:21, NW.

      3. Was kann, obwohl der Sinn in der Lage ist, das Herz durch vernünftige Schlußfolgerungen zu beeinflussen, geschehen, wenn das Herz nicht geneigt ist zu hören?

      3 Wie wir bereits erfahren haben, hört das Herz nicht immer auf den Sinn. Manchmal überwältigt das Herz den Sinn trotz dessen Fähigkeit, logisch zu schlußfolgern. Wir dürfen nicht vergessen, daß auch das Herz die Fähigkeit hat, Schlüsse zu ziehen, nur daß es dies weniger aufgrund von logischen Überlegungen tut, sondern mehr aufgrund der Neigungen, Wünsche und Beweggründe, die es entwickelt und die mit zunehmendem Drang auf ein bestimmtes Ziel gerichtet sind — entweder auf etwas Gutes oder auf etwas Böses. David betete: „Laß ... das Sinnen meines Herzens wohlgefällig vor dir sein, Jehova.“ Im Gegensatz dazu sagte Jesus: „Aus dem Herzen [kommen] böse Überlegungen.“ (Ps. 19:14; Matth. 15:19) Der Sinn ist in der Lage, das Herz zu beeinflussen und ihm vernünftige Empfehlungen zu machen, an das Herz zu appellieren, es — vielleicht aufgrund gewisser Erfahrungen — zu warnen und es in gewissen Fällen sogar zu einer bestimmten Handlungsweise zu drängen, da ihm die damit verbundenen Gefahren bekannt sind. Erstarkt aber ein Verlangen oder eine Neigung im Herzen, so kann das Herz den Sinn bezwingen.

      4. Veranschauliche, wie der Sinn und das Herz zusammenwirken, wenn es darum geht, einen neuen Anzug oder ein neues Kleid zu kaufen.

      4 Folgendes mag dies veranschaulichen: Angenommen, du stehst vor der Frage, ob du einen neuen Anzug oder ein neues Kleid kaufen solltest oder nicht. Zuerst wird der Sinn vor gewisse Tatsachen gestellt. Vielleicht sind die Kleider, die du hast, schon ziemlich abgetragen, oder du solltest aus einem anderen stichhaltigen Grund etwas Neues haben. Dann meldet sich auch das Herz zum Wort, denn gut auszusehen ist ein Herzenswunsch. Herz und Sinn sind sich also darin einig, daß ein neues Kleid oder ein neuer Anzug gekauft werden muß. Der Sinn sammelt nun Angaben über Preise, Qualität, Machart usw., so daß du, wenn du einkaufen gehst, ziemlich genau weißt, was für einen Anzug oder was für ein Kleid du kaufen solltest. Doch bevor du das Geschäft betrittst, siehst du im Schaufenster etwas, was deinen Blick fesselt und was nur noch auf einen Impulskäufer wartet. Es ist eigentlich für dich nicht praktisch; es ist viel teurer; es ist ziemlich auffallend, aber du spürst, wie dein Herz von einem heißen Verlangen danach ergriffen wird. Es ist der Traum deines Herzens!

      5. Was müssen wir tun, wenn wir Jehovas Willen ungeteilten Herzens tun möchten?

      5 Was geschieht nun weiter? Wie wirst du dich entscheiden? Für das, was praktisch ist und was du dir ausgedacht hast, oder für das, was dein Herz jetzt auf einmal begehrt? Wenn du nicht sehr achtgibst, wird das Herz den Sinn bezwingen, und du magst veranlaßt werden, entgegen deiner besseren Entscheidung zu handeln. Dein Herz mag aber auch, wie das manchmal der Fall ist, nur einen Augenblick im Zwiespalt sein. Seine guten Beweggründe und Neigungen mögen überwiegen und dich veranlassen, dich richtig zu entscheiden, so daß du das Kleidungsstück kaufst, das für dich am praktischsten ist und deinen Bedürfnissen am ehesten entspricht. Um aber immer richtig zu entscheiden, muß man sein Herz im voraus stärken und im Rate Jehovas unterweisen. „Wer auf sein Herz vertraut, der ist ein Tor; wer aber in Weisheit wandelt, der wird entrinnen.“ Wenn die Wünsche, die jemand entwickelt hat, um die Interessen und Grundsätze Jehovas in seinem Leben an die erste Stelle zu setzen, stärker sind, können sie brennende Wünsche und fesselnde Interessen, die im Herzen plötzlich aufkommen mögen, verdrängen. — Spr. 28:26.

      6. Warum ist es notwendig, unverzüglich zu handeln, wenn unrechte Wünsche im Herzen Wurzel zu schlagen beginnen?

      6 Gehen wir bei unseren Überlegungen noch einen Schritt weiter, und betrachten wir noch einige ernstere Situationen, die sich im Leben ergeben mögen. Wie reagiert unser Herz, wenn wir in Versuchung kommen, unsittlich zu handeln, zu stehlen oder jemandem Schaden zuzufügen? Noch schwerwiegender ist die Frage: Wozu führt es, wenn man zu überlegen beginnt, wie man die Wünsche seines Herzens befriedigen könnte? Ist dein Herz stark genug, um dich von einer verkehrten Handlungsweise abzuhalten, oder wird es unterliegen und heimlich die Möglichkeit erwägen, sich den Begierden des Fleisches hinzugeben? Sich nicht sogleich richtig zu entscheiden kann sehr gefährlich sein. Wenn das Herz zu erwägen beginnt, wird eine ungeheure Kraft erzeugt, die Gefühle werden erregt, und das Fleisch beginnt, sich auf die verkehrte Handlungsweise vorzubereiten. „Jeder wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde [die im Herzen aufkommt] fortgezogen und gelockt wird. Wenn dann die Begierde befruchtet ist, gebiert sie Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollbracht ist, bringt den Tod hervor.“ — Jak. 1:14, 15.

      7. Veranschauliche, wie das Herz siegen und eine den Argumenten des Sinnes entgegengesetzte Entscheidung treffen kann.

      7 Betrachten wir zum Beispiel einen Verheirateten, der versucht ist, Ehebruch zu begehen. Aufgrund seines Studiums und aufgrund dessen, was er schon gehört und gesehen hat, mag er in seinem Sinn Aufschluß gespeichert haben, der ein Gegengewicht gegen eine solche Handlungsweise bildet. Wenn er an die Folgen denkt, die eine solche Handlungsweise für andere gehabt hat, und in Betracht zieht, zu welchen Schwierigkeiten und Problemen sie unweigerlich führt, mag sein Sinn Argumente hervorbringen, die übermächtig in eine Richtung weisen, die der Versuchung entgegengesetzt ist, die ihm dringend empfehlen, die Gefahrenzone zu verlassen. Was aber, wenn das Herz des Betreffenden nicht den Wunsch hat, sich von der Versuchung abzuwenden? Dann trifft es eine Entscheidung, die dem Vorschlag und der Empfehlung des Sinnes entgegengesetzt ist; es sagt dann zum Sinn gleichsam: „Nein, sondern das werden wir tun.“ Die Kraft der Gefühle des Herzens veranlaßt den Betreffenden, in der Gefahrenzone zu bleiben, entgegen dem Rat und den Überlegungen des Sinnes.

      8. Wie beschreibt die Bibel die Fähigkeit des Herzens, den Weg eines Menschen zu bestimmen?

      8 Diese Fähigkeit des Herzens, zwischen verschiedenen Wegen zu wählen und sein Verlangen auf einen davon zu richten, erklärt, weshalb es in der Bibel heißt, daß das Herz eines Menschen ‘Pläne macht’ und ‘seinen Weg ausdenkt’, das heißt den Weg, über den der Sinn zuerst nachgedacht hat und der dann dem Herzen gefällt. (Spr. 19:21; 16:9, NW) Das ist besonders der Fall, wenn es um sittliche und geistige Dinge geht.

      9. Was kann geschehen, wenn das Herz ein starkes Verlangen hat, falsch zu handeln, und seinen Einfluß auf den Sinn ausübt?

      9 Das Herz kann aber den Sinn auch dazu bewegen, falsche Überlegungen anzustellen, um Vorwände oder Entschuldigungen für eine verkehrte Handlungsweise zu suchen. Der Betreffende mag eine Sünde begehen, und zur selben Zeit, während er sündigt, mag sein Herz seinen Sinn veranlassen, eine Rechtfertigung auszudenken. Mit den Worten: „Gott ist sehr barmherzig; er wird mir vergeben, weil mein Fleisch schwach ist“ mag er auf Gottes liebende Güte pochen und weitersündigen. Er wird dann wie der Böse, der „in seinem Herzen [spricht]: Gott vergißt; er verbirgt sein Angesicht, niemals sieht er’s!“ (Ps. 10:11; vergleiche Römer 1:21, 24.) Kein Wunder also, daß es in der Heiligen Schrift warnend heißt, das Herz des sündigen Menschen sei „verräterischer als sonst irgend etwas und ... heillos“. — Jer. 17:9, NW.

      10, 11. (a) Was sagte Jesus, um zu zeigen, daß ein Mann Ehebruch in seinem Herzen begehen kann? (b) Wie kann ein verheirateter Mann so weit gehen, daß er in seinem Herzen Ehebruch begeht, ohne eine fremde Frau anzurühren?

      10 Das hilft uns auch verstehen, warum Gott jemand so betrachtet, als habe er Ehebruch begangen, obwohl der Betreffende die Person um die es dabei geht, nicht einmal berührt haben mag. Ein verheirateter Mann mag eine fremde schöne Frau sehen und auf den ersten Blick, fast bevor er Zeit zum Überlegen hat, in seinem Herzen sagen: „Eine hübsche Frau!“ An diesem flüchtigen Gedanken braucht nichts Sündhaftes oder Unreines zu sein; wenn er aber diese Frau ‘fortwährend ansieht’, so entsteht in seinem Herzen unweigerlich ein Verlangen, das sich zu einer Leidenschaft zu ihr entwickelt. Jesus sagte warnend: „Ich aber sage euch, daß jeder [Verheiratete], der fortwährend eine Frau ansieht, um so in Leidenschaft zu ihr zu entbrennen, in seinem Herzen schon mit ihr Ehebruch begangen hat.“ — Matth. 5:28.

      11 Der Betreffende mag den eigentlichen Geschlechtsakt nicht vollzogen haben, weil die Umstände dafür nicht geeignet waren oder weil er befürchtete, nicht „ungeschoren davonzukommen“. Vielleicht hat ihn sein Sinn davor gewarnt. Würden sich aber die Verhältnisse ändern, würden sie günstig erscheinen und wüßte er, wie er den schwerwiegenden Folgen entgehen könnte, dann wäre sein Herz bereit, dann hätte es den Wunsch, soweit zu gehen. Der Antrieb ist also da — nur die Gelegenheit fehlt. In Gottes Augen ist der Betreffende bereits schuldig. (Vergleiche Jakobus 1:13-15.) Auf diese Weise könnte man sich auch des Diebstahls oder sogar des Mordes schuldig machen. (1. Joh. 3:15) Sehen wir nun ein, warum es so wichtig ist, daß wir den Unterschied, den die Bibel zwischen Sinn und Herz macht, deutlich erkennen und verstehen, daß nicht der Sinn, sondern das Herz der Sitz der Beweggründe ist?

      12. Wie ließ David im Gegensatz zu Joseph zu, daß sein Herz ihn auf Abwege führte?

      12 Von David wurde gesagt, er sei ein Mann nach dem Herzen Gottes. Eines Tages sah er aber von seinem Hause aus, wie in einiger Entfernung Bathseba, wahrscheinlich völlig arglos, sich badete. Statt sich abzuwenden, bevor erotische Gedanken in seinem Herzen aufkommen konnten, ließ er seinen Blick auf ihr ruhen und entwickelte so eine Leidenschaft zu ihr. Das führte dazu, daß er mit ihr Ehebruch beging und dann auf geschickte Weise dafür sorgte, daß ihr Mann getötet wurde, damit er sie zur Frau nehmen konnte. Joseph dagegen floh, als ihn die wollüstige Frau seines Herrn verführen wollte. Er kam deswegen zwar aufgrund falscher Anschuldigungen ins Gefängnis, wurde also eine Zeitlang seiner Freiheit beraubt, aber er bewahrte sein gutes Gewissen und seine Stellung vor Gott.

      JEHOVA KENNT DAS HERZ UND DESSEN BEDÜRFNISSE

      13. Wie zeigt die Bibel, daß Jehova das Herz genau kennt?

      13 Wer kann das menschliche Herz kennen? Nun, wir müssen zugeben, daß wir in unserer Unvollkommenheit nicht völlig dazu in der Lage sind. Wie dankbar können wir daher sein, daß Jehova es kennt! „Denn Jehova sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf das Äußere, aber Jehova sieht auf das Herz.“ „Ich, Jehova, erforsche das Herz, ... um einem jeden zu geben gemäß seinen Wegen, gemäß dem Fruchtertrag seiner Handlungen.“ „Du hast mein Herz geprüft, hast mich des Nachts durchforscht; du hast mich geläutert.“ (1. Sam. 16:7; Jer. 17:10, NW; Ps. 17:3) Jesus kennt die Wirksamkeit des menschlichen Herzens ebenfalls genau. „Was ... aus dem Munde herauskommt, kommt aus dem Herzen, und dieses verunreinigt einen Menschen.“ (Matth. 15:18) Was kommt alles aus dem Herzen?

      14. (a) Wozu ist das Herz gemäß Jesu genauer Analyse fähig? (b) Verfolgen wir ein unerreichbares Ziel, wenn wir uns bemühen, ein gutes Herz zu haben?

      14 Während das menschliche Herz die Triebfeder zu den edelsten und erhabensten Werken sein kann, gehen daraus auch die schmutzigsten, widerlichsten Dinge hervor. Jesus zählte einige davon auf: „Von innen her, aus dem Herzen der Menschen, gehen schädliche Überlegungen hervor: Hurereien, Diebstähle, Mordtaten, Ehebrüche, Taten der Habsucht und der Bosheit, Betrug, ein zügelloser Wandel und ein neidisches Auge, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. [Matthäus erwähnt in seinem Bericht noch „falsche Zeugnisse“.] Alle diese bösen Dinge kommen von innen

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