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  • Japanische Gärten sind ganz anders
    Erwachet! 1979 | 8. Mai
    • Er wurde 1397 von Joschimitsu, dem dritten Aschikaga-Schogun, angelegt. Der Pavillon brannte 1950 ab, wurde aber danach wieder aufgebaut. Der Teich und der ihn umgebende Garten erinnern an das glanzvolle Leben, das die damals herrschende Klasse führte.

      Diese alten japanischen Gärten sind erhalten geblieben, weil ihre wichtigsten Bestandteile Steine, Sand und Steinornamente sind. Bäume werden alt, Bambuszäune und Strohdächer verfallen, aber Steine in Form von Steinbrücken, Steinlaternen, Wasserbecken und Trittsteinen auf den zum Teehaus führenden Wegen bleiben erhalten.

      Hausgärten auf kleinstem Raum

      Über die Gärten des einfachen Volkes in alter Zeit ist wenig bekannt, doch wir wissen, daß die Japaner schon immer eine tiefe Liebe zur Natur hatten. Ihre Vorfahren, die dem Schintoismus anhingen, verehrten Berge, Bäume, Flüsse und Seen sowie die Sonnengöttin. Sogar heute kann man noch ganz alte Bäume sehen, um deren Stamm ein Strohseil gewickelt ist, was andeutet, daß der betreffende Baum als heilig angesehen wurde.

      In der Neuzeit legen sich die Japaner Gärten auf allerkleinstem Raum an. Es können einige wenige sorgfältig angeordnete Steine sein, ein schiefgewachsener Nadelbaum und ein kleiner Strauch. Doch was machen die Leute, die in eines der vielen Hochhäuser gezogen sind? Wie können sie die Freuden eines eigenen Gartens genießen? Hier kommt nun die Miniaturisierung ins Bild.

      Kannst du dir auf einem 50 × 30 Zentimeter großen Brett eine Landschaft mit Bergen und dem Meer vorstellen? Das nennt man bonkei, was „Miniaturlandschaft auf einem Brett“ bedeutet. Eine solche Landschaft wird dargestellt mit einem kleinen, etwa 10 Zentimeter hohen Stein, der die Form eines Berges hat und zu einer zerklüfteten Küste an einem mit Inseln übersäten Meer mit weißen Wellenkämmen abfällt. Man sieht sogar Boote darauf und Fischer, die mit haarfeinen Leinen fischen. Oder auf einem solchen Brett mag der schneebedeckte Fudschijama dargestellt sein, an dessen Fuß sich ein kleines strohgedecktes Häuschen mit winzigen Schiebetüren schmiegt. Ferner gibt es Darstellungen von einem Garten mit Laternen, Sträuchern und Bäumen, die nicht höher sind als drei Zentimeter. In solchen Miniaturgärten bestehen Meer, Flüsse und Teiche aus Sand. Sie wirken aber so realistisch, daß der Hochhausbewohner sogar im Hausflur das Gefühl hat, aufs Meer zu schauen oder den Blick auf eine idyllische Landschaft zu genießen.

      Bonsai ist eine weitere Kunst, in der die Japaner Meister sind. Unter bonsai versteht man Bäume und Sträucher, deren Zwergwuchs durch sorgfältiges Beschneiden der Zweige und Wurzeln erreicht wird. In einer Schale — so klein, daß sie in eine menschliche Hand paßt — mag ein kleines Ahornwäldchen stehen. Oder eine bizarr gewachsene 50 Zentimeter hohe Kiefer kann ein Alter von 150 Jahren haben. Diese Zwergbäume und -sträucher werden vielfach als kostbarer Familienbesitz von einer Generation auf die andere vererbt.

      Ein Besuch im Gioengarten

      Aber warum nicht einmal im November mit uns den viel größeren Gioengarten in Schindschuku besuchen? Dieser über 50 Hektar große Park liegt in einer der verkehrsreichsten Gegenden Tokios. Vom Schindschuku-Bahnhof aus erreicht man ihn zu Fuß in 15 Minuten. In seiner Nachbarschaft stehen einige der höchsten Wolkenkratzer Tokios, in denen sich große Kaufhäuser und unterirdische Einkaufszentren befinden. Wie überrascht ist man beim Betreten des Gioenparks, große grüne Rasenflächen, Hunderte von Bäumen, Sträuchern und Rosenbeeten zu sehen! Der französische Gartenbauarchitekt Henri Martinet ist der Schöpfer des in westlichem Stil angelegten Teils des Gartens. Hier stehen Tulpenbäume, Platanen, Magnolien und prächtige Himalajazedern. Diese Zedern sind zum Teil 50 bis 60 Meter hoch, und ihre ausladenden Äste spenden den vielen Besuchern, die den Park besichtigen oder mit Angehörigen und Freunden auf den großen Rasenflächen Erholung suchen, Schatten.

      Wir setzen unseren Rundgang fort und kommen zu einem kleinen Teich mit einer Brücke, die zu einer Insel führt. Die Steinlaterne in der Mitte der Insel verrät, daß wir den in westlichem Stil angelegten Teil des Gartens verlassen haben und uns nun in dem Teil befinden, der in charakteristisch japanischem Stil gehalten ist.

      Neben dem Teich steht eine offene Hütte mit Dach und Wänden, die aus Bambus geflochten sind. Mit ihrer purpurfarbenen Verzierung eignet sich diese Hütte vorzüglich als Ort für eine Chrysanthemenschau. Und welch wundervolle Pflanzen hier zu sehen sind! Die Pflanzen sind so gezogen, daß sie kuppelförmig aussehen, und über 350 wunderschöne gelbe Blüten kommen aus dem Hauptstengel. Auf unserem Spaziergang sehen wir noch weitere ähnliche Schaubeete mit weißen sowie hell- und dunkelroten Blumen. Es ist ein Wunder, daß eine einzige Pflanze so viele Blüten hervorbringen kann. Nun macht der Weg eine Biegung; dahinter kommen wir zu weiteren Hütten, und in jeder ist eine andere Varietät dieser Blumen ausgestellt. Einige Pflanzen haben Hunderte von kleinen Blüten, die wie Kaskaden etwa zwei Meter herabfallen, während andere nur etwa 30 bis 40 Zentimeter hoch sind und durch ihre zarten Farben — blaßrosa, gelb und weiß — außerordentlich zierlich wirken. Nun gibt es etwas ganz anderes zu bewundern: je eine einzelne prachtvolle Blüte auf einem Stengel. Jede dieser Zentralblüten ist ungefähr so groß wie eine Untertasse; die einen haben breite, spiralig aufgerollte Blütenblätter, die anderen ganz feine, spinnwebartige. Auf den Rabatten im Freien blühen Blumen in den verschiedensten Farben. In diesem Park hat man schon über 800 verschiedene blühende Pflanzen gezogen — ein Beweis für die Kunst der japanischen Gärtner.

      Während wir über eine Bogenbrücke gehen, bemerken wir, daß sich das Wasser im Teich zu kräuseln beginnt. Hier tummeln sich Fische — rot-, goldgelb-, schwarz- und silberngesprenkelte Karpfen. Einige sind etwa 50 Zentimeter lang. Wenn die Karpfen menschliche Stimmen hören, kommen sie an die Oberfläche — auch eine neugierige Schildkröte schließt sich ihnen an — und erwarten, daß die Besucher sie füttern. Kein Wunder, daß diese Fische lange leben! Einige sollen über 16 Jahre alt sein.

      Der Rundgang im Gioenpark hat uns gefallen, vor allem deshalb, weil wir die Schönheit eines westlichen Gartens mit der Schönheit eines japanischen Gartens vergleichen konnten. Die Anlage solcher Gärten ist nur möglich, weil unser Schöpfer so viel für uns getan hat. Er hat uns mit einem Schönheitssinn ausgestattet und hat unzählige verschiedene Pflanzen geschaffen, die ihren Teil zur Befriedigung unseres Schönheitssinnes beitragen.

  • „Harmattan“ — Segen oder Fluch
    Erwachet! 1979 | 8. Mai
    • „Harmattan“ — Segen oder Fluch

      VOM „AWAKE!“-KORRESPONDENTEN IN DER REPUBLIK ELFENBEINKÜSTE

      „KNACK!!!“ Das Geräusch kam aus dem Zimmer nebenan. Erschrocken blickte ich mich um. Von den andern schien niemand etwas gehört zu haben.

      „Was war das?“ fragte ich leicht nervös meinen Gastgeber.

      Er blickte kaum vom Tisch auf und entgegnete, während er seelenruhig mit dem Löffel im Kaffee rührte: „Der Harmattan.“

      Ich, ein Missionar der Zeugen Jehovas, war erst vor kurzem in der Republik Elfenbeinküste eingetroffen. Neugierig geworden, schaute ich aus dem Fenster. Der Himmel sah gefährlich aus. Er war wie von einem Schleier bedeckt, durch den die Sonne blutrot leuchtete.

      „Es wird heute so früh dunkel“, sagte ich beklommen. „Wird es einen Wirbelsturm oder etwas ähnliches geben?“

      „Oh, das ist nur der Harmattan“, erwiderte mein Gastgeber gleichmütig. Er trat auf den Balkon, fuhr mit dem Finger über das Geländer und zeigte mir den roten Staub an seiner Fingerspitze. Plötzlich mußte er heftig niesen, worauf er meinte: „Auch das ist der Harmattan.“

      Vielleicht fragst du dich nun dasselbe, was ich mich gefragt habe: „Was ist denn das — ,Harmattan‘?“ Leute, die hier wohnen, erwidern, das sei ein trockener, staubführender Wind. Er wird auf dem glühendheißen Sandmeer der Sahara geboren und erreicht als Nordostwind die westafrikanische Küste. Gewöhnlich weht er im Dezember, Januar oder Februar tage- oder auch wochenlang.

      Wie entsteht er?

      In der Sahara kann das Thermometer im Schatten auf über 50 °C klettern. Auch hat man schon Sandtemperaturen von über 90 °C gemessen. Die durch den glühendheißen Sand erhitzte Luft steigt rasch hoch. Wenn sie auf kühlere Luftmassen stößt, entsteht große Turbulenz. Dadurch wird der Staub in Höhen gewirbelt, die weit über den Bergen liegen. Von Dezember bis Februar strömt diese mit Staub beladene Luft in südwestlicher Richtung bis an die nördliche Küste des Golfes von Guinea.

      Kühl und trocken

      In der Harmattanperiode sinken die Temperaturen beträchtlich. Aus Sierra Leone, einem Land, das zwischen Guinea und Liberia liegt, berichtet ein Missionar der Zeugen Jehovas: „Wegen der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit in diesem Gebiet müssen wir uns täglich mehrere Male umziehen. Wir erinnern uns noch gut daran, wie überrascht wir waren, als wir die Harmattanperiode zum erstenmal erlebten. In nur wenigen Stunden sank die Temperatur um fast 15 Grad. Wegen des frischen kühlen Windes, der in unser Schlafzimmer blies, begannen wir zu frieren. Wir brauchten Wolldecken, um uns warm zu halten.“

      Sobald dieser Wind weht, sinkt die Luftfeuchtigkeit stark ab. Die große Lufttrockenheit schafft sogar in bewaldeten Gegenden wüstenhafte Verhältnisse. Wie sich die plötzliche Lufttrockenheit auswirkt, zeigt folgender Bericht aus Sierra Leone:

      „Als ich mich eines Morgens während der Harmattanperiode im Büro an die Schreibmaschine setzte und nach einem ganz gewöhnlichen Bogen Schreibmaschinenpapier langte, fühlte es sich an wie Pergament. Ich holte ein Blatt Kohlepapier heraus. Es rollte sich um meinen Finger. Darauf spannte ich Briefbogen und Kohlepapier in die Schreibmaschine ein, die ganz neu war. Da fiel mir auf, daß sich am Zeilenschalter das Chrom abzulösen begann.

      Wahrscheinlich die größte Überraschung erlebte ich, als der Harmattan schon eine Zeitlang kräftig geweht hatte. Mitten in der Nacht riß uns, meine Frau und mich, ein lautes Krachen aus dem Schlaf. Es hörte sich an wie ein Gewehrschuß. Wir sprangen aus dem Bett und suchten im Haus nach Anzeichen von Dieben. Aber wir fanden nichts. Am darauffolgenden Morgen entdeckten wir die Ursache des Krachs. Ganz erstaunt betrachteten wir den Schreibtisch in unserem Zimmer: Die Platte war geborsten! Wie wir dann erfuhren, bewirkt die große Lufttrockenheit, von der die Harmattanperiode begleitet wird, häufig, daß an Stellen, wo Bretter zusammengeleimt sind, Risse entstehen. Auch Schubladen, die während des größten Teils des Jahres eher etwas klemmen, werden während dieser Periode leichtgängig.“

      In Abidjan, der Hauptstadt von Elfenbeinküste, wird die Luft so trocken, daß Holzschnitzereien sich verbiegen und rissig werden. Der eingangs erwähnte laute Knack stammte von dem Bücherbrett, das in dem Augenblick barst. Glücklicherweise schließen sich die Risse wenn die für diese Gegend normale hohe Luftfeuchtigkeit wiederkehrt.

      Der Staub, den der Wind mitführt, trübt die Luft dermaßen, daß für die Flugkapitäne und für die Navigatoren keine geringen Probleme entstehen. Auch Fischer können durch den Harmattan in Schwierigkeiten kommen, denn sie sind es gewohnt, sich bei ihrer Arbeit nach gewissen Anzeichen — z. B. kreisende Vögel über einem Fischschwarm — zu richten. Ferner ist es schon vorgekommen, daß sich Fischer an der westafrikanischen Küste während der Harmattanzeit verirrt haben, weil sie gewisse Landmarken nicht mehr sehen konnten.

      Segen oder Fluch?

      Der Harmattanperiode sieht man mit gemischten Gefühlen entgegen. Der Wind trocknet die Schleimhäute aus, so daß man einen rauhen Hals bekommt, husten und niesen muß. Die Lippen springen auf, und die Haut wird trocken und spröde. Manchmal werden auch die Fingernägel und das Haar brüchig. Man versteht ohne weiteres, warum die Einheimischen lange weite Gewänder und einen Kopf- und Gesichtsschleier tragen.

      Der Harmattan kann sich auch nachteilig auf die Ernte auswirken, es sei denn, man bewässert die Felder in dieser Zeit. Besonders lästig ist der Staub. Die Hausfrauen klagen, daß sie immerzu Staub wischen müßten, denn kaum hätten sie die Möbel sauber gewischt, seien sie wieder von einer dicken Staubschicht bedeckt. Der feine rote Staub dringt überall ein. Er findet den Weg in die Falten der Kleider und hinterläßt rote Flecken; er gelangt in Augen und Ohren und sogar in die Nahrung.

      Dennoch wird der Harmattan in ganz Westafrika wegen seiner nützlichen Begleiterscheinungen begrüßt. Er trocknet beispielsweise stehende Gewässer wie Teiche und Tümpel, die von der Regenzeit herrühren, aus. Dadurch werden die Brutplätze der Fiebermücke, die die Malaria überträgt, vernichtet, wodurch der Ausbreitung dieser Krankheit sowie anderer Krankheiten entgegengewirkt wird.

      Auch die Hausfrauen sehen etwas Positives an diesem Wind. Sie freuen sich, daß das Salz wieder gut aus dem Salzstreuer rieselt, das Brot und andere Nahrungsmittel nicht so schnell verschimmeln und am Waschtag die Wäsche schneller trocknet. Auch verschwindet aus den Kleiderschränken die Feuchtigkeit und Muffigkeit. Besonders angenehm ist es, daß man in einer kühleren und weniger feuchten Luft arbeiten kann.

      Alles in allem schätzen die Westafrikaner die Harmattanperiode, weil sie nach der Schwüle der Regenzeit Erleichterung bringt. Die Mehrheit sieht im Harmattan eher einen Segen als einen Fluch.

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