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Herodes Antipas, „jener Fuchs“Der Wachtturm 1954 | 15. März
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Jawohl, Antipas fuhr fort, Johannes gern anzuhören, bis er sich bei einer Geburtstagsfeier unwillentlich zur Hinrichtung des Johannes verpflichtete, dies aber nur, weil es ihm wichtiger war, seinen Ruf als das Leben eines Gerechten zu retten. „In Anbetracht der Eide und der an seinem Tische Liegenden“ gab er also Befehl, Johannes zu enthaupten, um der Forderung zu entsprechen, die seine Stieftochter Salome auf das Geheiß ihrer Mutter Herodias gemacht hatte. — Mark. 6:21-28, NW.
Als Antipas von den Wundern hörte, die Jesus wirkte, folgerte er, Johannes sei aus den Toten auferstanden, und er war begierig, ihn zu sehen. (Matth. 14:1, 2; Luk. 9:7-9) Als gewisse Pharisäer Jesus Schrecken einjagen wollten, indem sie ihm sagten, Antipas suche ihn zu töten, gab er ihnen eine scharfe Antwort, die sie Antipas, „jenem Fuchs“, übermitteln sollten. — Luk. 13:31, 32.
Herodes Antipas kam schließlich tatsächlich dazu, Jesus zu sehen, als Pilatus die Verantwortung, Jesus Recht widerfahren zu lassen, abzuwälzen suchte, indem er ihm Jesus zusandte. Seine Neugierde wurde aber nicht befriedigt, denn Jesus wirkte keine Wunder; in der Tat, Jesus beantwortete nicht einmal seine Fragen. Enttäuscht und die heftigen Anklagen bemerkend, welche die jüdische Geistlichkeit gegen Jesus erhob, machte Antipas mit, als seine Soldaten sich über Jesus lustig machten, und darauf sandte er seinen Gefangenen an Pilatus, die höhere Instanz, soweit es Rom betraf, zurück. Bis zu jener Zeit waren Pilatus und Herodes Antipas Feinde gewesen, offenbar wegen gewisser Anklagen, die Antipas aus Neid wider Pilatus erhoben hatte; jetzt aber wurden sie schnell Freunde. — Luk. 23:7-12.
Wiederum hatte Antipas zugelassen, daß zufolge seines Wunsches, Menschen zu gefallen, ein Diener Jehovas geopfert wurde, und diesmal kein Geringerer als Gottes Sohn.
Während die Jahre vergingen, ermattete Antipas in seinem Bemühen, den Königstitel und weiteres Gebiet zu gewinnen, nicht aber Herodias. Als sie bemerkte, daß ein neuer Kaiser, Kaligula, in Rom zur Macht kam, ließ sie ihrem Gatten keine Ruhe, bis er einverstanden war, es nochmals zu versuchen. Statt aber mehr zu gewinnen, verlor er alles. Berichte, die darauf anspielten, Antipas schmiede Verrat, erreichten den Kaiser zur gleichen Zeit, da Antipas und Herodias eintrafen. Weil sie die Anklagen nicht befriedigend widerlegen konnten, wurde Antipas verbannt und sein Vermögen und Gebiet anderen gegeben. Herodias erwählte es sich aus freien Stücken, mit ihrem Mann zu gehen, doch muß ihm dies ein kleiner Trost gewesen sein in Anbetracht der Tatsache, daß sie es gewesen war, die zu seinem Sturz geführt hatte. Er hatte zu oft auf sie gehört!
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Herodes Agrippa, ein Verfolger der ChristenDer Wachtturm 1954 | 15. März
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Herodes Agrippa, ein Verfolger der Christen
IN DEM Bericht über König Herodes Agrippa I. wird die Tatsache betont, daß Jehova ein Gott ist, der „ausschließliche Ergebenheit fordert“; er hat also nicht nur an jenen kein Gefallen, die Geschöpfe anbeten, sondern auch an jenen, die Anbetung von anderen annehmen. — 2. Mose 20:5, NW.
Der Vater dieses Agrippa war einer der Söhne Herodes’ des Großen, die er auf den Verdacht des Aufruhrs hin in den letzten Jahren seines Lebens umbringen ließ. Agrippa wurde in Rom aufgezogen, und sein Los pendelte jahrelang zwischen Wohlfahrt und Widerwärtigkeiten hin und her. Als er sich einst allein wähnte, äußerte er offen den Wunsch, daß sein Freund Kaligula Kaiser sei. Als der Kaiser Tiberius davon hörte, ließ er Agrippa gefangensetzen, und sein Leben war monatelang beständig in Gefahr. Beim Tode des Tiberius kam Kaligula auf den Thron, und er setzte Agrippa nicht nur in Freiheit, sondern machte ihn zudem zum König über gewisse untergeordnete Gebiete in Palästina.
Als Kaligula Herodes Antipas unter dem Verdacht des Aufruhrs verbannte, gab er Agrippa dessen Gebiete von Galiläa und Peräa. Später, als Klaudius Kaligula folgte, belohnte Klaudius den Agrippa für gewisse wertvolle Dienste, die er ihm geleistet hatte, indem er Judäa und Samaria seinem Gebiet hinzufügte, so daß nun Herodes Agrippa I. König von ganz Palästina wurde, gleichwie sein Großvater Herodes der Große es gewesen war.
Wie sein Großvater und die meisten seiner Onkel gab sich Agrippa I. der Bau-Liebhaberei hin, doch im Gegensatz zu ihnen bekannte er große Hingabe an das Judentum, nahm in religiöser Weise an den Zeremonien und Festlichkeiten teil und tat, was er nur konnte, um das auf den Juden lastende römische Joch zu erleichtern. Seine Aufrichtigkeit hierin könnte in Frage gezogen werden, denn es wird uns gesagt, er habe „heidnischen Sitten und Bräuchen beträchtliche Zugeständnisse gemacht“, und besonders weil er auf die Verfolgung der Christen drang, nur weil er sah, daß dies den Juden gefiel, wie Lukas es uns sagt. — Apg. 12:1-19.
Einige Zeit nachdem er Jakobus, den Bruder des Johannes, umgebracht und nachdem der Engel den Apostel Petrus aus seinen Klauen befreit hatte, erschien Agrippa I. im Jahre 44 an einem Fest zu Ehren des Kaisers Klaudius. Laut Josephus war er in ein silberdurchwirktes Gewand gekleidet, das im Glanz der Morgensonne funkelte, so daß das Volk beim Klange seiner Stimme die in der Bibel wiedergegebenen Worte ausrief: „Eines Gottes Stimme und nicht eines Menschen.“ In diesem Augenblick aber „schlug ihn der Engel Jehovas, weil er den Ruhm nicht Gott gab, und er wurde von Würmern gefressen und verschied“. (Apg. 12:20-23, NW) Schon früh während seiner Regierung, noch in deren Blütezeit, wurde also König Herodes Agrippa I. gar ‚bald von seinem Schöpfer hinweggenommen‘, weil er im Geben schmeichlerischer Titel mitmachte. — Hiob 32:21, 22.
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Herodes Agrippa II. widerstrebt der BekehrungDer Wachtturm 1954 | 15. März
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Herodes Agrippa II. widerstrebt der Bekehrung
GEMÄSS Geschichtsberichten war der letzte der als Herodes bekannten Herrscher Herodes Agrippa II., der Sohn von Herodes Agrippa I. Wenn er auch nicht bekannte, dem Gesetz Moses ebenso ergeben zu sein wie sein Vater, so zeigt sich doch aus seiner Behandlung des Apostels Paulus, daß er weit mehr vom Geist dieses Gesetzes besaß, wie er in der „Goldenen Regel“ zum Ausdruck kommt: „Alles daher, was ihr wollt, daß Menschen euch tun, sollt ihr ihnen gleicherweise tun.“ — Matth. 7:12, NW.
Zufolge der Tatsache, daß Agrippa II. erst 17 Jahre alt war, als sein Vater so plötzlich starb, wurde der römische Kaiser von seinen Ratgebern überredet, dem Jüngling nicht seines Vaters Herrschaft über ganz Palästina anzuvertrauen. Somit gab der Kaiser ihm nur die Herrschaft über das kleine Fürstentum Chalkis am Westabhang des Antilibanon-Gebirgszuges, zusammen mit der Oberaufsicht über den Tempel in Jerusalem und dem Recht, den Hohenpriester zu ernennen. Indes wurde ihm im Laufe der Jahre mehr Gebiet gegeben.
In der Bibel wird unsere Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt wegen des Zeugnisses, das der Apostel Paulus ihm zur Zeit gab, da Agrippa II. und seine Schwester Bernice dem Statthalter Festus einen Höflichkeitsbesuch abstatteten. Paulus, der zu dieser Zeit ein Gefangener des Festus war (eine Last der Verantwortung, die Festus von seinem Vorläufer Felix übernommen hatte), sagte, er sei glücklich, seine Verteidigung vor jemand zu machen, der mit jüdischen Bräuchen so gut vertraut sei.
Dem beredten Zeugnis des Paulus widerstrebend, sagte Agrippa zu Paulus: „In kurzem würdest du mich überreden, ein Christ zu werden.“ Paulus, der seine dringende Ermahnung fortsetzte, erwiderte: „Ich könnte vor Gott wünschen, daß über kurz oder lang nicht allein du, sondern auch alle, die mich heute hören, Menschen würden, wie auch ich bin, ausgenommen diese Bande.“ Der Vater Agrippas II. hätte Paulus wohl zur Bestrafung den Juden ausgeliefert; er aber erwiderte: „Dieser Mensch hätte freigelassen werden können, wenn er sich nicht auf den Cäsar berufen hätte.“ — Apg. 26:1-32, NW.
Während der Lebenszeit Agrippas II. geschah es, daß der Aufstand der Juden gegen Rom schließlich zu ihrem nationalen Selbstmord führte. Josephus berichtet von einem
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