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  • Jehovas Zeugen und die Blutfrage
  • Erwachet! 1978
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  • Viele zeigten Verständnis
  • Broschüre wurde begrüßt
  • Negative Reaktionen
  • Es geht oft auch ohne Blut
Erwachet! 1978
g78 22. 3. S. 21-23

Jehovas Zeugen und die Blutfrage

„HERZOPERATIONEN ohne Spenderblut“ war die Überschrift einer Meldung in dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel vom 3. Oktober 1977. Unter anderem hieß es: „Der texanische Star-Chirurg Denton A. Cooley hat in den letzten zwei Jahrzehnten 542 Zeugen Jehovas, die aus religiösen Gründen Bluttransfusionen ablehnen, am Herzen operiert. Mehr als 90 Prozent überlebten den schweren Eingriff.“

Als diese Meldung erschien, waren Jehovas Zeugen im Begriff, die letzten Vorbereitungen zu treffen, um alle Leiter von Krankenanstalten, alle Ärzte, Krankenpfleger und -pflegerinnen, Rechtsanwälte und Richter aufzusuchen und ihnen eine 64seitige Broschüre, betitelt Jehovas Zeugen und die Blutfrage, zu überbringen. Im Monat November 1977 ist diese Aktion in vielen Teilen der Erde, auch in deutschsprachigen Ländern, mit Erfolg durchgeführt worden. Jehovas Zeugen beabsichtigten damit nicht, anderen ihre Auffassung aufzudrängen. Jeder Mensch hat das Recht, hinsichtlich medizinischer Behandlungsmethoden seine eigene Entscheidung zu treffen. Sie hatten auch nicht die Absicht, zu der Indikation von Bluttransfusionen vom medizinischen oder wissenschaftlichen Standpunkt aus Stellung zu nehmen. Sie wünschten einfach, die Gründe für ihre eigene Einstellung darzulegen, die in erster Linie biblischer oder religiöser Natur sind, um in einem Notfall in medizinischen und juristischen Kreisen Verständnis und Hilfe zu finden (1. Mose 9:3, 4; Apg. 15:28, 29).

Viele zeigten Verständnis

Fast überall wurde ihr Anliegen mit Verständnis aufgenommen. Aus Hannover wird berichtet: „Nur ein ganz geringer Prozentsatz lehnte die Informationsschrift ab.“ In Tübingen, wo ungefähr 700 Personen mit der Broschüre besucht wurden, hieß es: „Die meisten Ärzte waren sehr freundlich und versicherten häufig spontan, daß sie unseren Standpunkt gegebenenfalls respektieren würden.“

Selbst Ärzte, die die Meinung der Zeugen Jehovas in medizinischer Hinsicht nicht teilen, haben trotzdem Verständnis für ihren Standpunkt gezeigt. So schrieb zum Beispiel Dr. med. Erwin Odenbach, Geschäftsführender Arzt der Bundesärztekammer, Abteilung Fortbildung und Wissenschaft: „Die Erzwingung einer Bluttransfusion bei einem Patienten, der diese grundsätzlich ablehnt, wird von uns nicht vertreten. Hier zitieren Sie zu Recht auf Seite 31 [der besagten Broschüre] den Hamburger Chirurgen Dr. G. Haenisch, der auch ärztlich für richtig gehaltene Eingriffe gegen den Willen des Patienten kompromißlos ablehnt. Dr. Haenisch ist viele Jahre Vorsitzender des Krankenhausausschusses der Bundesärztekammer gewesen. In dieser Hinsicht also gibt es keine Meinungsverschiedenheiten.“

Professor Dr. med. H. Gänshirt (Klinikum der Universität Heidelberg) schrieb: „Die religiösen Gründe sind selbstverständlich zu respektieren, und sie werden es auch. Das ganze Problem, wie weit der Arzt mit seinen Behandlungsmaßnahmen gehen darf, und das Recht des Patienten, über sich selbst zu entscheiden, auch bis zu dem Punkt Leben oder Tod, wie es in der mir zugesandten Schrift dargestellt ist, findet meinen ungeteilten Beifall.“

Broschüre wurde begrüßt

Viele Ärzte waren für diese Auskunft sehr dankbar. Ein Oberarzt der Hämatologie in Erlangen sagte, er sei sehr dankbar dafür, daß er den Standpunkt der Zeugen in der Blutfrage schriftlich vorliegen habe, denn er habe bisher nur die Tatsache gekannt, daß sie Blut ablehnten. Über ihre Beweggründe habe er nichts gewußt. Ähnlich äußerte sich ein Facharzt für innere Krankheiten aus Berlin: „Ich finde diese Ausführungen von großer Wichtigkeit und Bedeutung für alle Ärzte. Erst jetzt habe ich Ihre Handlungsweise richtig verstanden, und ich habe sie schätzengelernt, und ich weiß sie jetzt zu würdigen.“

Ein Zeuge Jehovas, der bei der Verwaltung eines Kreiskrankenhauses in Schleswig-Holstein tätig ist, schrieb seine Erfahrung: „Ich ging als erstes zu dem leitenden Arzt der Inneren Abteilung. Seine erste Reaktion war, daß er unser Vorhaben begrüße, damit er sich ein klares Bild machen könne, warum Jehovas Zeugen eine Bluttransfusion ablehnten, denn am Krankenbett sei nicht immer die Zeit da, um sich ausführlich mit diesem Problem zu beschäftigen. So ließ ich mir dann von ihm einen Termin geben, wann er mit seinen Ärzten anzutreffen sei. Als ich kam, waren alle versammelt und von dem leitenden Arzt unterrichtet, daß ich kommen würde. Ich hatte meine Broschüren unter dem Arm und dachte, daß ich jetzt bei dieser Zusammenkunft einige Worte zu den Ärzten sagen sollte. Aber so kam es nicht. Der Arzt, mit dem ich das erste Gespräch hatte, übernahm das Wort und sagte, daß Jehovas Zeugen eine Broschüre herausgegeben hätten, die den Standpunkt der Zeugen Jehovas zeige, aus welchem Grunde eine Bluttransfusion ihrerseits abgelehnt werde, und er es sehr begrüße, weil dadurch die Spannung zwischen Patient und Arzt abgebaut würde. Er machte die Arbeit für mich. Da ich mehr Broschüren bei mir hatte, als Ärzte anwesend waren, bat er mich, diese Exemplare dort zu lassen, denn diese wollte er seinen Stationsschwestern geben. Nach einigen Tagen traf ich einen der Stationsärzte, der mich gleich auf diese Broschürenaktion ansprach. Er sagte zu mir: ,Nachdem Sie fort waren, sagte unser Chefarzt zu uns, er wünsche, daß jeder anwesende Arzt diese Broschüre lese, damit ein jeder darüber informiert sei. Außerdem wünsche er nach einer gewissen Zeit noch ein Abschlußgespräch mit seinen Mitarbeitern.‘“

Obwohl in der Bundesrepublik Tausende von Broschüren abgegeben wurden, wurden zusätzliche Exemplare nachbestellt. Der Chefarzt der Medizinischen Abteilung eines Osnabrücker Krankenhauses schrieb: „Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir noch etwa 10 Exemplare dieser kleinen Schrift zusenden könnten, damit ich zumindest den Chefärzten des Hauses noch einmal diese Schrift übergeben könnte.“

Eine Lehrschwester einer Krankenpflegeschule in Eckernförde bat um 30 weitere Exemplare der Broschüre für ihre Schülerinnen. Sie sagte, sie wolle den Stoff in der Schule verwenden, damit auch die Schülerinnen — später sind es selbständige Schwestern — von dem Standpunkt der Zeugen Jehovas unterrichtet seien. Auch die Bitte einer Schule in Frankfurt um Zusendung von 50 Exemplaren zu Unterrichtszwecken ging bei der Wachtturm-Gesellschaft in Wiesbaden ein.

Negative Reaktionen

Natürlich gab es auch negative Reaktionen. Einige Personen haben die Broschüre nicht einmal als Geschenk angenommen. Ein Rechtsanwalt aus München fühlte sich sogar veranlaßt, an die Wachtturm-Gesellschaft in Wiesbaden zu schreiben: „Lassen Sie doch bitte die Hände von Ihrem Aberglauben.“ Er schrieb, daß er selbst vor kurzem am Herzen operiert worden sei und dabei viele Liter Blut bekommen habe, ohne die, wie er schrieb, „ich vielleicht schon ins Reich der Herrlichkeit eingegangen wäre“. Jehovas Zeugen respektieren seinen Standpunkt. Sie freuen sich, daß es so viele Menschen gibt — wenn auch nicht alle —, die ihre Überzeugung ebenfalls respektieren.

In mindestens einem Fall ist bekanntgeworden, daß einem Zeugen Jehovas früher ohne sein Wissen eine Blutübertragung gegeben wurde, und zwar in einem Krankenhaus, wo der Chefarzt sagte, er würde, wenn notwendig, eine Bluttransfusion so vornehmen, daß der Patient nichts davon merken würde. Ein Arzt im Ruhrgebiet, der direkt gefragt wurde, ob er auch so handeln würde, gab als Antwort: „Das würde ich nie tun; dann wären wir ja Betrüger.“ So denken auch Jehovas Zeugen. Es ist schwer, einen Arzt zu respektieren, der nicht einhält, was er seinem Patienten versprochen hat. Wenn ein Arzt es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, ohne Blut operieren zu müssen, wäre es dann nicht besser, er würde die Durchführung der Operation ablehnen? Dafür hätten Jehovas Zeugen Verständnis, denn Offenheit und Ehrlichkeit werden unter Menschen stets geschätzt.

Es geht oft auch ohne Blut

Im Gespräch haben viele Ärzte bestätigt, daß Operationen oft ohne Bluttransfusionen durchgeführt werden können, selbst wenn ein Arzt in aller Aufrichtigkeit meint, sie wären erforderlich. Ein Krankenpfleger im Raum Bad Mergentheim sagte zum Beispiel: „Ich kenne diese Sache; man ist heute nicht mehr so scharf auf Bluttransfusionen.“ Der Chefarzt der Chirurgie in einem Frankfurter Krankenhaus sagte: „Die Tendenz in dieser Frage geht sowieso zu Ihren Gunsten.“ Und was die rechtliche Lage betrifft, sagte ein Jurist aus Tübingen: „Die Rechtsprechung ist auf Ihrer Seite.“

Professor Dr. med. E. S. Bücherl, Direktor der Chirurg. Univ.-Klinik und Poliklinik im Klinikum Westend, Berlin, schrieb in einem Brief: „Ich glaube, es besteht überhaupt keine Diskussion, daß jeder seine Behandlungsmethode frei wählen kann. Der Arzt ist kein Vollzugsbeamter, der vorschreiben kann, in welcher Form es gemacht werden muß. Er wird im Ernstfall natürlich die möglichen Formen der Behandlung aufzeigen und vielleicht den Rat geben, welche im gegebenen Fall die beste ist. Aber die Entscheidung liegt nach wie vor beim Patienten. Zu Ihrer Information: Wir haben eine Reihe von Patienten, die Zeugen Jehovas sind, auch mit der Herz-Lungen-Maschine operiert, d. h. große Operationen ausgeführt, und dabei stets auf die Einstellung zur Bluttransfusion Rücksicht genommen.“

In Frankfurt brachte eine Ärztin zum Ausdruck, daß sie Bluttransfusionen nicht besonders empfehlen könnte, „da ich“, wie sie sagte, „schon zu viele Folgeerscheinungen erlebt und behandelt habe“. Sie sagte: „Sie lehnen eine Bluttransfusion aus biblischen Gründen ab und ich eben aus medizinischen.“

Eine Krankenschwester aus Hannover, die Zeugin Jehovas ist, schrieb über ein Gespräch mit dem Chefarzt in dem Krankenhaus, wo sie beschäftigt ist: „Er berichtete von einem 76jährigen Zeugen Jehovas, der einen Tumor im rechten Lungenflügel hatte. Der Patient war mit einer Operation einverstanden, erklärte aber, daß er Zeuge Jehovas sei und kein Blut nehmen werde. Der Professor suchte ihn zu überzeugen, daß eine solche große Operation ohne Blut nicht möglich sei. Aber der alte Herr bestand darauf: kein Blut! Also versprach der Professor ihm, sein Bestes zu tun und ihn ohne Blut zu operieren. Der Tumor lag sehr günstig, so daß der Blutverlust nur gering war, und die Operation verlief ohne Komplikationen. Zum größten Erstaunen der Ärzte und der Schwestern — so erzählte der Chefarzt wörtlich — ,galoppierte der Patient schon nach vierzehn Tagen wie ein Rennpferd über die Station‘.“

Jehovas Zeugen freuen sich, daß viele Ärzte und Rechtsgelehrte, selbst wenn sie ihre biblische Überzeugung nicht teilen mögen, ihren Standpunkt doch respektieren. Sie hoffen, daß die durchgeführte Aktion mit der Broschüre Jehovas Zeugen und die Blutfrage noch mehr Menschen dazu bewegen wird.

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