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Das Gleichgewicht bewahren im Umgang mit unseren MitmenschenDer Wachtturm 1969 | 15. Januar
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die ihnen zuteil wird, macht sie oft überheblich. Vergessen wir aber nicht, daß jemand, der christliches Gleichgewicht hat, „in Demut die anderen höher achtet“ als sich selbst. — Phil. 2:3.
22. Was bedeutet es, demütig gesinnt zu sein und andere höher zu achten als sich selbst?
22 Was bedeutet es denn, demütig zu sein und andere höher zu achten als sich selbst? Es bedeutet zum Beispiel nicht, daß ein geübter Geigenspieler denken sollte, ein Freund, der noch nie eine Geige in der Hand gehabt hat, könne besser spielen als er. Es ist ganz klar, daß dies nicht der Fall ist. Manche Leute haben eine gute Ausbildung genossen oder sind besonders begabt und sind anderen, die diese Ausbildung nicht genossen haben oder nicht so begabt sind wie sie, deshalb überlegen. Das heißt aber nicht, daß sie deswegen mehr seien als andere. Sie sollten sich darauf nichts einbilden und deswegen nicht auf andere herabsehen. Die Bibel nimmt hier auf die geistige Einstellung eines Menschen Bezug, und ein aufrichtiger Christ sollte so eingestellt sein, daß er andere höher achtet als sich selbst. Er sollte nicht denken, er sei mehr als andere und sie müßten ihn deshalb bedienen. Bestimmt hätte Jesus alles, was die Apostel zu tun unternahmen oder zu tun beabsichtigten, weit besser tun können. Dennoch diente er ihnen demütig, ja er wusch ihnen sogar die Füße!
23. Worin unterscheiden sich Christen, die das richtige Gleichgewicht haben, von vielen Weltmenschen?
23 Wie erfrischend und angenehm ist es doch, mit Menschen zusammen zu sein, die diese demütige Gesinnung bekunden! Sie haben das richtige Gleichgewicht und beweisen es durch ihr Verhältnis zu ihren christlichen Brüdern. Sie sind ganz anders als Personen, die zum gegenwärtigen System der Dinge gehören. Selbst wenn sie mehr Geld haben oder begüterter sind als andere, denken sie nicht, sie sollten besonders beachtet werden. Sie wissen, daß Geld sie nicht über andere Menschen erhebt, und sie handeln auch entsprechend. (1. Tim. 6:17) Auch denken wahre Christen nicht, sie seien besser als andere, weil sie eine bestimmte Hautfarbe haben oder einer bestimmten Nation angehören. Sie bleiben demütig und achten selbst Angehörige weniger beliebter Rassen oder Nationen höher als sich selbst. — Röm. 10:12.
24, 25. Wer sollte im Erweisen von Liebe und im Bekunden von Demut besonders mit gutem Beispiel vorangehen?
24 Diese demütige Gesinnung sollten besonders die ernannten Aufseher, die Dienstamtgehilfen und andere, die in der Christenorganisation mit besonderen Dienstvorrechten betraut sind, haben. Die übrigen Glieder der Versammlung werden zwar angespornt, mit denen, die die Führung innehaben, zusammenzuarbeiten und ihren Glauben nachzuahmen, doch diese sollten nicht denken, sie seien mehr als andere, weil sie die Zusammenkünfte leiten, vielleicht bessere Redner oder Organisatoren sind oder weil sie dem Dienst Jehovas mehr Zeit widmen können. (Hebr. 13:7, 17) Der Apostel Petrus gebot, nachdem er die jüngeren Männer aufgefordert hatte, den älteren Männern, die die Herde Gottes hüten sollten, untertan zu sein: „Ihr alle aber, gürtet euch mit Demut gegeneinander, denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber verleiht er unverdiente Güte.“ (1. Petr. 5:5) Niemand ist ausgeschlossen. Alle, auch die, die die Führung innehaben, sollten sich mit Demut gürten. „Seid einander untertan in der Furcht Christi“, gebietet die Bibel. — Eph. 5:21.
25 Der Aufseher sollte durch seine Bescheidenheit und Demut mit gutem Beispiel vorangehen. Jesus Christus, der rechte Hirte, tat dies. Er bemühte sich sehr, durch sein Beispiel seinen Nachfolgern zu zeigen, daß sie Liebe haben und demütig sein sollten. Das sollte auch der Aufseher tun. Er ist kein Chef, sondern ein Diener seiner Brüder. (Matth. 20:25-27) Das sollte er stets im Sinn behalten. Ja jeder Christ sollte sich dies gut einprägen, denn wenn wir im Umgang mit unseren Brüdern das richtige Gleichgewicht bewahren wollen, müssen wir sie lieben und dürfen nie denken, wir seien mehr als sie. — 1. Joh. 4:21; Phil. 2:2-4.
26. Was sollte uns anspornen, jetzt christliches Gleichgewicht zu bewahren?
26 Versetze dich im Geiste einmal in die Zeit, da alle Menschen diese wohltuende Gesinnung haben werden! Welch herrliche Wohnstätte die Erde dann sein wird! Ihre Bewohner werden vollkommen „mit der innigen Zuneigung des Erbarmens, mit Güte, Demut, Milde und Langmut“ und ganz besonders mit Liebe gekleidet sein. (Kol. 3:12-14) Ja alle werden dann Jehova Gott mit ganzem Herzen, ganzem Sinn, ganzer Seele und ganzer Kraft lieben und zu ihren Brüdern die Liebe haben, die Christus bewiesen hat. Welch ein Ansporn, jetzt das Gleichgewicht zu bewahren, um diese Zeit zu erleben!
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‘Als vortrefflicher Soldat am Erleiden von Ungemach teilnehmen’Der Wachtturm 1969 | 15. Januar
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‘Als vortrefflicher Soldat am Erleiden von Ungemach teilnehmen’
Von Gerhard Oltmanns erzählt
„WIR [werden] um jeden Preis Gottes Gebote befolgen ... uns versammeln ... ihn anbeten und ihm dienen ... Wenn Ihre Regierung oder Ihre Regierungsbeamten uns Gewalt antun, ... werden [Sie] Gott, dem Allmächtigen, Rechenschaft ablegen müssen.“ Das waren die abschließenden Worte einer Resolution, die am 7. Oktober 1934 bei der Reichskanzlei einging. Hunderte von Briefen mit dieser Botschaft gingen von Versammlungen der verbotenen „Ernsten Bibelforscher“ (in anderen Ländern als Zeugen Jehovas bekannt) ein.
Ich werde diesen Tag nie vergessen. Pünktlich um 10 Uhr morgens versammelten wir uns zum Gebet und beschlossen dann nach einer Besprechung einmütig, der Hitlerregierung diese Botschaft zu senden. Wir hätten Hitler niemals als Führer anerkennen und ihm folgen können, denn wir hatten uns bereits als ‘vortreffliche Soldaten Christi Jesu’, des wahren von Gott eingesetzten „Führers und Gebieters für die Völkerschaften“, verpflichtet. (2. Tim. 2:3; Jes. 55:4, NW) Für mich war dies damals ein besonders begeisterndes Erlebnis.
Meine erste Begegnung mit den Bibelforschern hatte ich im Mai 1924. Ich half einem Berufskollegen beim Umzug. Da kam mir eine alte Mandoline in die Hände, die nur noch die G-Saite hatte. Ich begann — warum, weiß ich eigentlich heute noch nicht —, das Lied „Lobet den Herrn, den mächtigen König der Ehren“ darauf zu spielen; das war alles. Doch im Nu war eine Diskussion über die Bibel im Gange. Es stellte sich heraus, daß mein Berufskollege ein Bibelforscher war. Als Lutheraner erzogen, widersprach ich ihm natürlich, aber im stillen staunte ich über seine Bibelkenntnisse.
Danach kamen mit der Post nacheinander die sieben Bände der Schriftstudien von Charles T. Russell. Zunächst las ich nur gelegentlich darin, doch dann nahm ich mir mehr Zeit, um sie zu studieren. Schließlich las ich oft bis spät in die Nacht hinein. Manchmal ärgerte ich mich über die Bloßstellung des lutherischen Glaubens. Oft stimmte ich jedoch mit dem Verfasser völlig überein.
Um diese Zeit folgte ich auch der Einladung zu einer Veranstaltung, bei der ein katholischer Priester, ein bekannter Kanzelredner, zu einigen jungen Männern sprach, die den Ersten Weltkrieg miterlebt hatten. Er rühmte sich seiner Taten als Feldgeistlicher, besonders dessen, wie er sich bemüht hatte, die Seelen der Soldaten in den Schützengräben zu retten. Was er aber über einen jungen Mann sagte, der sich sogar in seiner Sterbestunde weigerte, seine Hilfe anzunehmen,
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