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Wie handelst du, wenn du etwas borgst?Erwachet! 1972 | 8. März
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Brüder zu mißbrauchen. Insbesondere sollten sie sich davor hüten, Personen in dieser Hinsicht auszunutzen, die sich noch nicht lange mit der biblischen Wahrheit befassen.
Auch sollte man darauf achten, was man borgt. Eine Sache, die unersetzlich ist, wie ein seltenes oder kostbares Stück oder etwas, das beim Besitzer Liebhaberwert hat, sollte man sich nicht ausleihen.
Ferner sollte man darauf achten, daß man das Geborgte zurückgibt, und zwar pünktlich. Wenn der Entleiher keine bestimmte Zeit für die Rückgabe festgesetzt hat, solltest du das tun und dich auch daran halten.
Was tust du, wenn du etwas zurückbringen möchtest, dann aber feststellst, daß der Entleiher nicht zu Hause ist? Lege es ihm nicht vor die Tür oder in den Hof. Bringe es ihm zurück, wenn er zu Hause ist, so daß du dich persönlich dafür bedanken kannst. Oder was machst du, wenn du bei deinem Nachbarn schon mehrmals etwas geborgt hast und du es jetzt wieder borgen möchtest, der Nachbar aber nicht zu Hause ist? Nimmst du es dir dann einfach? Nein, es sei denn, er habe dir das ausdrücklich erlaubt.
Es trägt zu guten Beziehungen bei, wenn man in bezug auf die Rückgabe von Geborgtem gewissenhaft ist. Das gelingt einem besser, wenn man sich für das Geborgte verantwortlich fühlt. Erweise dich dankbar dafür, daß man dir etwas geliehen hat, indem du es nicht nur pünktlich zurückbringst, sondern indem du darauf achtest, daß du es auch in dem gleich guten oder in einem noch besseren Zustand zurückbringst, in dem es war, als du es geborgt hast. Vielleicht hast du dir ein Kleidungsstück geliehen. Warum dich dafür nicht dankbar erweisen, indem du es, bevor du es zurückgibst, wäschst oder chemisch reinigen läßt? Wenn du dir ein Werkzeug borgst, dann gib es so sauber und so scharf oder überhaupt in so gutem Zustand zurück, wie es war, als du es dir geborgt hast, oder in noch besserem. Gehörst du zu den Hausfrauen, die gelegentlich bei der Nachbarin Zucker, Eier, Butter oder etwas anderes borgen müssen, weil es ihnen aus irgendeinem Grund unverhofft ausgegangen ist? Dann erweise dich dankbar, indem du das Geborgte nicht nur so schnell wie möglich zurückbringst, sondern indem du auch etwas mehr, als du geborgt hast, zurückgibst oder indem du ein paar Kekse, etwas Obst oder eine Süßigkeit dazutust. Wenn du sozusagen mit Zinsen zurückgibst, was du geborgt hast, festigst du die Freundschaft, denn das zeigt, daß du dankbar bist, und einem dankbaren Menschen tut man gerne etwas Gutes.
Überlege nun: Hast du etwas geborgt und es noch nicht zurückgegeben? Dann bringe es sogleich zurück! Schiebe es nicht auf!
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Im Banne der orientalischen TanzkunstErwachet! 1972 | 8. März
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Im Banne der orientalischen Tanzkunst
Vom „Awake!“-Korrespondenten auf Ceylon
DIE orientalische Musik ist sehr ausdrucksvoll. Der Tanz dagegen bringt Empfindungen zur Geltung, die Musik allein nicht auszudrücken vermag. Er kündet den Ruhm der Götter und Menschen, die in Ehren gehalten werden; er legt Zeugnis ab von der Kraft, Schönheit und Geschmeidigkeit des menschlichen Körpers, ja er verrät die Sehnsucht des Herzens. Das sind einige der Gründe, warum mich die orientalische Tanzkunst fesselte.
Meine Liebe zur Tanzkunst wurde geweckt, als ich in ganz jungen Jahren begann, Ballettunterricht zu nehmen. Das Tanzen fesselte mich mehr und mehr. Schließlich widmete ich fast meine ganze Zeit dieser Kunst.
Ausbildung in der orientalischen Tanzkunst und Aufführung solcher Tänze
Eines Tages wohnte ich einer Vorstellung orientalischer Tänze bei. Die faszinierende Gebärden- und Bewegungssprache dieser Tänze zog mich in ihren Bann. Obwohl mein Vater von methodistischen Missionaren bekehrt worden war und meine Mutter der anglikanischen Kirche angehörte, war ich immer noch Singhalesin, ein Mädchen der östlichen Welt. Und war nicht ihre Kultur und ihr Erbe weit älter als die des Abendlandes?
Nachdem ich meine Schulbildung abgeschlossen und den Widerstand meiner Eltern überwunden hatte, ließ ich mich auf Ceylon und in Indien im Tanzen ausbilden. Ich war noch sehr jung, als ich auf Ceylon ein Diplom für den Kandyertanz erwarb. Das ist der berühmteste der ceylonesischen Tänze. Kandy ist eine sehr schöne Stadt inmitten des Berglandes von Ceylon. Es war die letzte Hauptstadt der singhalesischen Könige. Diese Könige heirateten jeweils Prinzessinnen aus Südindien. Sie waren daher weitgehend dafür verantwortlich, daß diese Tänze auf Ceylon heimisch wurden und der Hinduismus Einfluß gewann.
Danach ließ ich mich in Indien im Tanzen ausbilden und erhielt als erste Singhalesin und „Christin“ ein Diplom für den Bharat-Natyam-Tanz. Dieser Tanz hält sich eng an den Sanskrittext Natya Shastra, den ältesten Sanskrittext über das Sanskritdrama (Natya = „Tanz“; Shastra = „Lehre“). Darin sollen die vier Weden, die heiligen Schriften der Hindu, ihren Höhepunkt erreichen. Dieser Tanz ist hoch entwickelt und schwierig auszuführen, denn er vereinigt in sich alle Bewegungen der Tanzkunst: sehr viele verschiedene Gesichtsausdrücke, Hand- und Armgebärden und rhythmische Bewegungen. Dieser Tanz wird in Verbindung mit vielen Hymnen für die Hindugötter getanzt.
Die enge Beziehung zwischen den religiösen Riten des Ostens und dem Tanz machten einen tiefen Eindruck auf mich. „Warum können wir Christen das nicht tun?“ fragte ich mich. Warum nicht Motive aus dem Leben der Singhalesen, ihrer Tradition und Kultur mit dem Christentum verweben? Der Nationalrat der christlichen Kirchen auf Ceylon unterstützte meine Bemühungen in dieser Richtung, und meine enge Verbindung mit dem YMCA (Christlicher Verein junger Männer) war ebenfalls eine Hilfe. Mit der Unterstützung dieser beiden Organisationen unternahm ich eine Reise ins Ausland, wo ich Vorträge hielt und Tänze vorführte.
Im Jahre 1957 wurde ich von der Vereinigten Christlichen Universität von Tokio eingeladen, bei den Vorführungen anläßlich des Kulturtages mitzuwirken. Man zeigte mir auch viele Sehenswürdigkeiten Japans. Durch einen Freund meines Vaters erhielt ich die Einladung, die kaiserlichen Hofmusiker zu besuchen, wo ich den Prinzessinnen Chikibu und Mikasa vorgestellt wurde; die beiden Prinzessinnen hatten mich im Fernsehen tanzen sehen und waren fasziniert von der Vielfalt der Tänze, die ich vorführte.
Die Tanzkunst, durch die ich berühmt geworden war und deshalb zur Prominenz zählte, wurde allmählich der Inhalt meines Lebens. Ich lebte nur noch für den orientalischen Tanz. Bis Juni 1961 war mein ganzes Leben eine einzige liebliche Melodie. Von den Nöten der Welt wußte ich nichts, da ich nichts anderes kannte als den Tanz, die Tanzschule und religiöse Dramen. Da meine Tanzkunst so eng mit Religion verbunden war, nahm ich an, nicht nur durch meine Kunst, sondern mehr noch durch mein Leben Gott zu dienen.
Etwas Wichtigeres als Tanzen kennengelernt
Dann traf mich plötzlich ein schweres Unglück. Dunkle Wolken des Schmerzes umgaben mich; ich fühlte mich grausam enttäuscht. Dennoch war ich überzeugt, daß es einen Gott
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