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Der Papst ist nicht unfehlbarDer Wachtturm 1968 | 15. Oktober
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Der Papst ist nicht unfehlbar
ERST auf dem Vatikanischen Konzil des Jahres 1870 wurde das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche für unfehlbar erklärt, und zwar, wenn es offiziell als Oberhaupt der Kirche in Sachen des Glaubens und der Sitten spricht. Aber die Tatsachen beweisen, daß das Oberhaupt nicht unfehlbar ist. Selbst katholische Kirchenführer erhoben Einwände gegen diese Behauptung, als auf dem Vatikanischen Konzil im Jahre 1870 einen Monat lang über die Unfehlbarkeit debattiert wurde.
Newman aus England, der später Kardinal wurde, sowie Erzbischof Kenrick von St. Louis stellten sich gegen die Annahme der päpstlichen Unfehlbarkeit, ebenso Bischof Strossmayer von der führenden kroatischen Universität und der deutsche Bischof Hefele, um nur einige wenige zu erwähnen. Bischof Hefele sagte, er habe dreißig Jahre lang nach dem Beweis für die päpstliche Unfehlbarkeit gesucht, habe aber nichts finden können.
Die Erklärung des Unfehlbarkeitsdogmas gründet sich auf die Annahme, der Apostel Petrus sei von Jesus Christus zur Grundlage der christlichen Kirche erwählt worden und die Päpste seien seine gesetzmäßigen Nachfolger. Peter Canisius Van Lierde, einst päpstlicher Sakristan und Generalvikar des Papstes für die Vatikanstadt, schreibt in seinem Buch The Holy See at Work auf Seite 55: „Unser Herr hat alles, was mit dem Glauben und den Sitten zusammenhängt, festgelegt, jenen unvergleichlichen Schatz, den er zum Zwecke der Erhöhung und des geistigen Lebens und des Glücks der Menschen der Kirche anvertraut hat. Dieses väterliche Erbe ist für die Menschheit von solcher Bedeutung, daß Christus den Wunsch hatte, dessen Bewahrung durch die Jahrhunderte hindurch dem Beistand des Heiligen Geistes anzuvertrauen, der Petrus und seinen Nachfolgern Unfehlbarkeit verlieh.“ Diese grundlegende Annahme ist falsch, und aus diesem Grund ist die daraus abgeleitete Schlußfolgerung, daß der Papst unfehlbar sei, ebenfalls falsch. Ziehe die folgenden Tatsachen in Betracht.
PETRUS NICHT DAS HAUPT DER KIRCHE
Anstatt die Behauptung zu stützen, daß Petrus durch Jesus Christus zum Haupt der christlichen Kirche gemacht wurde, zeigt die Heilige Schrift, daß Jesus selbst diese Stellung innehat und sie niemand anders anvertraut. Viele Jahre nach Jesu Auferstehung schrieb der Apostel Paulus gemäß dem Wortlaut der katholischen Übersetzung von Hamp, Stenzel, Kürzinger: „Christus [ist] das Haupt der Kirche.“ (Eph. 5:23) Es gibt keinen biblischen Beweis für die Behauptung, daß Petrus das Haupt der Kirche war. Daß er es nicht war, geht klar aus den Aufzeichnungen über das erste Kirchenkonzil hervor, das um das Jahr 49 u. Z. in Jerusalem abgehalten wurde. Petrus führte nicht den Konzilsvorsitz, sondern er selbst rief dieses Konzil an, wie es auch Paulus und Barnabas taten, und Jakobus war derjenige, der die zur Diskussion stehende Angelegenheit zusammenfaßte und die Empfehlung unterbreitete, der sich das Konzil anschloß. — Apg. 15:6-29.
Nicht Petrus schrieb die meisten Briefe, die in der Urkirche der Unterweisung in Sachen des Glaubens und der Sitten dienten. Er schrieb nur zwei Briefe, während der Apostel Paulus vierzehn Briefe schrieb. Daß der Apostel Paulus Petrus nicht als ein von Gott eingesetztes Haupt der Kirche betrachtete, geht aus dem hervor, was er in Galater 2:9 (HSK) zum Ausdruck bringt: „Jakobus, Kephas und Johannes, die als Säulen in Ansehen stehen, [gaben] mir und Barnabas die Hand der Gemeinschaft.“ Somit wurde Kephas oder Petrus von Paulus, der den heiligen Geist empfangen hatte, nicht als Grundlage und Haupt der Kirche betrachtet, sondern lediglich als einer von denen, die „als Säulen in Ansehen stehen“. Später rügte er Petrus, weil dessen Verhaltensweise sich nicht für einen Apostel geziemte. — Gal. 2:11-14.
Man mag jedoch fragen: Wie steht es mit der von Jesus in Matthäus 16:18 (HSK) getroffenen Feststellung? Dort heißt es: „Ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ Die Annahme, daß es sich bei der von Jesus erwähnten Felsgrundlage um Petrus handelt, ist falsch. Petrus selbst bezeugt, wer diese Grundlage ist, wenn er in 1. Petrus 2:4-8 (HSK) sagt, die Glieder der Christenversammlung würden „als lebendige Steine“ aufgebaut werden „zu einem geistigen Haus, für ein heiliges Priestertum“. Dann bezieht er sich auf Jesus als den „Stein, den die Bauleute verwarfen“. und zeigt, daß dieser ein „Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“ ist, und fügt hinzu: „Die dem Wort nicht glauben, stoßen sich daran.“ Somit bekennt Petrus klar, daß der Herr Jesus Christus jener Fels oder Grundeckstein ist, auf dem die Kirche aufgebaut ist.
Als Jesus den Glauben des Petrus anerkennend hervorhob, sagte er, er würde seine Kirche aufbauen, nicht auf Petrus, sondern auf sich selbst, dem Christus, den Petrus soeben als Sohn des lebendigen Gottes bezeichnet hatte. Das stimmt mit Epheser 2:20 (HSK) überein, wo Christus als „der Eckstein“ bezeichnet wird. Da Petrus nicht die Grundlage und nicht das Haupt der Kirche war, konnte er keine Nachfolger haben. Der Papst hat somit für seinen Anspruch auf den Primat und die Unfehlbarkeit keine autoritative Grundlage.
PÄPSTE HABEN SICH GEIRRT
Durch eine offizielle Proklamation verkündete Papst Pius XII. das Dogma, daß Maria nach Beendigung ihres Erdendaseins mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden sei. Diese Erklärung steht aber in offenem Widerspruch zu den inspirierten Schriften und ist somit falsch. Die Bibel läßt klar erkennen, daß kein Fleischesleib in die himmlische Herrlichkeit eingehen kann, und das ist in Übereinstimmung mit der vernünftigen Überlegung, daß menschliche Fleischesleiber erschaffen wurden, um hier auf der Erde unter deren Atmosphäre und nicht in dem Reich der Geistgeschöpfe zu leben. Mit gutem Grund heißt es somit in der Bibel, in 1. Korinther 15:44, 45, 50 (HSK), hinsichtlich der Auferstehung der Glieder der Kirche Christi: „Gesät wird ein sinnenhafter Leib, auferweckt ein geistiger Leib. Gibt es einen sinnenhaften Leib, so gibt es auch einen geistigen Leib. So steht ja auch geschrieben: ‚Der erste Mensch Adam wurde zu einem lebenden Sinnenwesen‘, der letzte Adam zum lebendigmachenden Geist. Das aber sage ich, Brüder: Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben.“
Papst Pius IX. erklärte offiziell, Maria sei vor jedem Makel der Erbsünde bewahrt geblieben. Auch diese Aussage ist falsch, denn sie steht im Widerspruch zu Gottes Wort der Wahrheit. Ein von Gott inspirierter Ausspruch, der mehr als zwanzig Jahre nach der Himmelfahrt Jesu aufgezeichnet wurde, lautet: „Wie daher durch einen einzigen Menschen die Sünde in die Welt kam und durch die Sünde der Tod ... [so ging] der Tod ... auf alle Menschen ... über ..., weil a l l e sündigten.“ (Röm. 5:12, HSK) Maria bildet keine Ausnahme. Nachdem sie Jesus geboren hatte, brachte sie sogar in Verbindung mit ihrer Reinigung ein Sündopfer dar. (Luk. 2:22-24; 3. Mose 12:8) Wie jeder andere Mensch, der von Adam abstammt, wurde Maria in Sünde geboren, und es gibt keinen Bibelschreiber, der etwas anderes schreibt. Der Apostel Johannes wendet sich an Nachfolger Christi, zu denen auch Maria gehörte, mit den Worten: „Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ — 1. Joh. 1:8, HSK.
Zieht man die Tatsachen in Betracht, so ist klar zu erkennen, daß der vom Papst erhobene Anspruch auf Unfehlbarkeit offensichtlich eine Lüge ist, die dazu angetan ist, Menschen irrezuführen. Über religiöse Führer, die andere Menschen irreführen, sagt die Bibel: „Solche Menschen sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen.“ (2. Kor. 11:13) Wie Jesus im voraus warnte, ist es sehr gefährlich, sich der Führung solcher Männer blind anzuvertrauen. — Matth. 15:14.
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Fragen von LesernDer Wachtturm 1968 | 15. Oktober
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Fragen von Lesern
● Auf welchen Sacharja bezog sich Jesus, als er von ‘Sacharja, dem Sohne Barachias’, „den ihr zwischen dem Heiligtum und dem Altar ermordet habt“, sprach? — H. R., Kanada.
Jesu Worte waren gegen die religiösen Führer seiner Tage gerichtet, als er sagte: „Damit alles gerechte Blut über euch komme, das auf der Erde vergossen worden ist, vom Blut des gerechten Abel an bis zum Blut Sacharjas, des Sohnes Barachias’ ’, den ihr zwischen dem Heiligtum und dem Altar ermordet habt.“ (Matth. 23:35) Im Lukasevangelium sind die Worte „des Sohnes Barachias’“ ausgelassen. (Luk. 11:50, 51) Im Codex Sinaiticus erscheinen sie auch im Matthäusevangelium nicht. Aus der Mehrzahl der Bibelmanuskripte ist jedoch zu schlußfolgern, daß Jesus tatsächlich „Sacharja, den Sohn Barachias’“, meinte.
Die Frage liegt nahe, welchen Sacharja Jesus meinte, da in den Hebräischen Schriften mehr als zwanzig Männer namens Sacharja erwähnt werden. Einige Kommentatoren sind der Ansicht, daß Jesus den Propheten „Sacharja, den Sohn Berekjas“, meinte, der das Buch Sacharja geschrieben hat; es deutet jedoch nichts darauf hin, daß dieser ermordet worden wäre. — Sach. 1:1.
Die verbreitetste Meinung ist, daß Jesus sich auf „Sekarja [oder: Sacharja], den Sohn Jojadas, des Priesters“, bezog, denn dieser wurde in den Tagen des Königs Joas zu Tode gesteinigt. (2. Chron. 24:20-22) Diese Schlußfolgerung wird durch die Tatsache gestützt, daß die Bücher Chronika in dem traditionellen jüdischen Kanon an letzter Stelle stehen, so daß auf diese Weise in den Hebräischen Schriften Abel als der erste Gerechte erwähnt wird, der ermordet wurde, und Sekarja oder Sacharja als der letzte. Auch die Stelle, wo dieser Sekarja ermordet wurde, nämlich „im Hofe des Hauses Jehovas“, entspricht der Angabe Jesu über den Ort dieses Ereignisses: „zwischen dem Heiligtum und dem Altar“.
In beiden Fällen, bei Abel und Sekarja oder Sacharja, wurde vorausgesagt, daß dem Blutvergießen eine Abrechnung folge. (1. Mose 4:10; 2. Chron. 24:22) Außerdem bestehen auffallende Parallelen zwischen den Umständen und Ereignissen der Tage Sekarjas, des Sohnes Jojadas, und jenen der Generation der Tage Jesu. Bald nach dem Tode des Priesters Sekarja oder Sacharja wurde Juda von einer syrischen Streitmacht beraubt, und an Joas wurde Gericht geübt. (2. Chron. 24:23-25) Nachdem Jesus die Blutschuld derer, an die seine Worte gerichtet waren, beschrieben hatte, sagte er: „Dies alles wird über diese Generation kommen.“ (Matth. 23:36) Diese Worte gingen in den Jahren 70 bis 73 u. Z. an Jerusalem und Judäa in Erfüllung.
Wer war nun der Vater dieses Sacharja, war es Barachias oder Jojada? Einige vertraten die Ansicht, daß es sich bei dem betagten Priester Jojada (2. Chron. 24:15) in Wirklichkeit um Sekarjas oder Sacharjas Großvater handelte und daß sein Vater (Barachias) nicht in den Hebräischen Schriften erwähnt wird, obwohl sein Name in den Geschlechtsregistern der Priester bewahrt worden sein mochte. Eine andere Annahme ist, und diese scheint sehr vernünftig zu sein, daß Jojada, der Vater des ermordeten Sacharja, zwei Namen hatte, was auf viele in der Bibel erwähnte Personen zutrifft. (Vergleiche Matthäus 9:9 und Markus 2:14.) Interessanterweise ähnelt die Bedeutung des Namens Barachias (Jah segnet) sehr der Bedeutung des Namens Jojada (Jehova weiß oder beachtet). Auf jeden Fall konnte sich Jesus mit Recht auf den ungerechten Mord an Sacharja beziehen und damit die Verfolger der Diener Gottes seiner Tage verurteilen.
● War der Apostel Paulus jemals verheiratet? — L. B., USA.
In der Bibel wird zu dieser Frage keine direkte Erklärung abgegeben, obwohl aus dem, was Paulus schrieb, die Schlußfolgerung gezogen werden könnte, daß er, während er Christ war, ein Witwer war.
Eine Grundlage für diese Schlußfolgerung ist die Art und Weise, wie er sich bei der Verteidigung seines Apostelamtes in seinem Brief an die Korinther ausdrückte. Er wies darauf hin, daß er gewisse Rechte nicht in Anspruch nahm. Erst einmal nahm er von
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