Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Das Ziel verfehlen — Lauterkeit
    Der Wachtturm 1954 | 15. Juni
    • Das Ziel verfehlen — Lauterkeit

      „Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes.“ — Röm. 3:23, NW.

      1. Von welcher Art eines Gottes ist Jehova, und mit wem verbindet er sich?

      JEHOVA, unser Gott, ist ein heiliger, allweiser Gott, ein König von erhabenster Majestät. Er ist absolut lauter, rein, gerade, fleckenlos und gänzlich der Gerechtigkeit ergeben. Unlauterkeit, Unreinheit, Befleckung und Personen, die Gesetzlosigkeit pflegen, werden von ihm völlig verabscheut. Dieser absolut heilige und reine Gott kann sich einzig und allein mit solchen verbinden, die rein und heilig sind und ihre Lauterkeit ihm gegenüber bewahren. (Ps. 41:11, 12) Ihm allein gebührt zu Recht ausschließliche Ergebenheit, Liebe und Dienst. Zu Israel sagte er: „Denn ich bin Jehova, euer Gott; und ihr sollt euch heiligen, und ihr sollt euch selbst als heilig erweisen, denn ich bin heilig.“ David sprach: „Denn nicht ein Gott bist du, der an Gesetzlosigkeit Gefallen hat; bei dir wird der Böse nicht weilen.“ — 3. Mose 11:44, NW; Ps. 5:5.

      2. Hat Jehova die Fähigkeit, zu segnen und glücklich zu machen? Weshalb ja oder nein?

      2 Dieser heilige Gott-König ist auch der glückliche Gott. (1. Tim. 1:11, NW) Er ist stets in einem Zustand vollständigen Glücks. Dieser Majestätische ist daher der eigentliche Quell wahren Glücks. Von ihm her kommt jeder Segen und jedes vollkommene Geschenk. Als der „Vater der himmlischen Lichter“ ist Jehova allezeit auf der Höhe seiner Macht, um den mit ihm Verbundenen Glück und Segen zu bringen. Bei ihm gibt es keinen Aufstieg bis zur höchsten Machtstellung noch irgendwelchen Niedergang aus dieser Zenitstellung herab. Dieser „Vater der himmlischen Lichter“ ist nicht wie unsere buchstäbliche Sonne, die auf einer Sonnenuhr einen Wechsel des Schattens hervorruft, wenn sie von ihrem Aufgang im Osten emporsteigt bis zu ihrer höchsten Stellung, zur Zenitstellung droben am Himmel, und dann niedergeht zu ihrer Stellung des Untergangs im Westen. Über Jehovas absolute Zenitmacht, von der aus er segnen und glücklich machen kann, und damit wir volles Vertrauen haben können, daß er es auch tut, schreibt Jakobus: „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk ist von oben her, da es herabkommt vom Vater der himmlischen Lichter, und bei ihm ist keine Veränderung von wechselndem Schatten.“ — Jak. 1:17, NW.

      3. Wem gewährt Jehova gesetzliche Anerkennung, und warum?

      3 Der heilige, glückliche Gott ist auch ein freundlicher Gott, ein treuer Helfer. Ja, er ist in der Tat der Freund aller jener, die in Beziehung zu ihm heilig und gerecht sind. Er ist der vertrauenswürdigste Freund. Er handelt ausschließlich mit jenen, die seine Freunde bleiben. Seine Freunde sind gekennzeichnet durch ihre Treue, ihre ausschließliche Ergebenheit und Lauterkeit gegen ihn als Person und als König. Seinen erprobten Freunden gewährt Jehova theokratische, gesetzliche Anerkennung, Gunstbezeugungen und Segnungen als solche, die in seiner glücklichen Organisation Mitverbundene sind. (Röm. 11:2) Wir beachten den Fall Abrahams, dem als erprobtem Freunde Gottes gesetzliche Anerkennung gewährt und der so durch Glauben gerechtfertigt wurde. „‚Abraham glaubte an Jehova, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet‘, und er wurde ‚Jehovas Freund‘ genannt.“ Israel war als Nation glücklich, als Jehova ihr freundlicher Helfer war. „Glücklich bist du, o Israel! Wer ist wie du, ein Volk, das sich der Rettung in Jehova erfreut? Ein Schild ist dein Helfer, und der ein Schwert ist, ist dein Erhabener.“ — Jak. 2:23; 5. Mose 33:29, NW.

      4. Worauf zielt Gott mit Bezug auf seine Freunde ab? Beschreibe es bitte!

      4 Worauf zielt der Gott theokratischer Freundschaft ab? Dieser, unser größter Freund, zielt auf das Gute ab, das, was ihm selbst als Gott-König und auch allen jenen, die in heiliger Einheit und Harmonie mit ihm sind, nie endendes Glück und Freude bringt. Der heilige Gott äußert sein Vorhaben des Guten seinen Dienern gegenüber, indem er ihnen Gelegenheiten schenkt, sich von einer Zeit des frohen Daseins zur anderen eines fortschreitenden Zustandes des Glücks zu erfreuen. In irgendeinem Zeitabschnitt ist der wahrhaft glückliche Zustand ein Zustand völliger Zufriedenheit, der Wonne und belebender Fröhlichkeit wegen der Menge guter Dinge, die von dem glücklichen Gott zur Lust und Freude derer immer neu geschaffen werden, die durch gesetzliche Verbundenheit mit ihm seine Freunde sind. „Nun wissen wir, daß Gott alle seine Werke zum Guten derer zusammenwirken läßt, die Gott lieben, derer, die nach seinem Vorsatz die Berufenen sind.“ — Röm. 8:28, NW.

      EINE WEGLEITUNG FÜR DEN FREIEN WILLEN

      5. Wie offenbart sich Jehova als ein liebender Vater, und weshalb?

      5 Der heilige Gott ist auch ein liebender Vater. Als der erste und höchste Vater weiß er am besten, wie er seine familienähnliche Organisation freundlicher, gehorsamer Kinder zu leiten hat. Alle Geistgeschöpfe und der erste Mensch Adam wurden, als sie in Vollkommenheit erschaffen wurden, Söhne Jehovas. Da sie im Bilde und Gleichnis Gottes gemacht waren, hatte jeder von ihnen die wunderbare Gabe des freien Willens empfangen. Diese Gabe des freien Willens war etwas heilig Anvertrautes, das weislich verwendet werden mußte. Das einzelne Geschöpf, sei es ein Engel oder Mensch, konnte seinen freien Willen entweder auf gute Art anwenden, was zu fortgesetzter Heiligkeit und ewigem Leben führt, oder es konnte ihn auf schlechte Weise anwenden, was zu Verderbtheit, Unreinigkeit und schließlicher Ausrottung führt. Von Anfang an unternahm der Schöpfer und Vater Schritte, um seine Kinder, die einen freien Willen haben, auf dem wünschenswerten Wege zu leiten, dem Wege dauernden, vollkommenen Glücks. Wären sie freiwillig einem Wege der Lauterkeit gefolgt, so wären die Geschöpfe mit dem heiligen Gott, dem wirklichen Quell des Glücks und alles Guten, vorsatzgemäß, freudig und eng verbunden geblieben. — Ps. 25:21; Spr. 11:3; Luk. 3:38; 1. Mose 1:26.

      6. Welche Schritte unternahm Jehova, um den ihm Unterordneten den rechten Weg zu weisen?

      6 Welchen Schritt tat also der Gott der absoluten Freiheit, um den ihm Untergeordneten freien Willens den rechten Weg zu weisen? Er setzte ein Ziel der Lauterkeit oder Unsträflichkeit fest, das anzeigte, ob jemand seinem höheren Wohltäter, dem Gott-König, ausschließliche Ergebenheit zollte oder nicht, ein Ziel, das gewissen Handlungen eine gesetzliche Grenze setzte, über die hinaus es, gemäß der göttlichen Anordnung, kein Geschöpf wagen durfte, seinen freien Willen zu betätigen. Bestimmt hatte Jehova als der allmächtige Gott das absolute Recht, die sicheren Grenzen der relativen Freiheit für die von ihm erschaffenen Untergeordneten zu bestimmen. Dann sollten diese bekanntgegebenen gesetzlichen Grenzen das Geschöpf auch beständig an seine untergeordnete Stellung erinnern, die eine Stellung der Abhängigkeit war, und es sollte stets darauf bedacht sein, den göttlichen Willen seines souveränen Höheren zu ermitteln, gleichwie Jesus Christus das tat, als er auf Erden weilte. (Matth. 26:39) Überdies bedeuteten solch gesetzliche Einschränkungen für Gottes Geschöpfe kein Ungemach, indem sie ihnen etwas versagt hätten, was für ihr unmittelbares glückliches Dasein unerläßlich gewesen wäre. Auch enthielt Gott seinen Kindern nicht etwas vor, worauf sie ein gesetzliches Recht hatten. Und schließlich hatte Jehova das Recht, seine Freunde in bezug auf das Tun des Guten zu prüfen, gleichwie Abrahams Freundschaft geprüft wurde, als Gott ihn seinen einzigen Sohn opfern hieß, was das Gute darstellte, das Jehova durch die Darangabe seines eigenen Sohnes als Lösegeld zu tun vorhatte. — 1. Mose 22:1-14.

      7. Wie müssen Gottes Diener sein Doppelamt respektieren? Wie tun sie die Herrlichkeit Gottes kund?

      7 Jehova ist für alle in seiner Organisation sowohl der heilige Gott als auch der absolute König. Kraft seines Doppelamtes ist er berechtigt, ausschließliche Ergebenheit, vollkommenen Gehorsam und kundigen Dienst zu fordern. Diese Dienstleistung ausschließlich ihm gegenüber ist ein Ausdruck vollständiger Lauterkeit oder Unsträflichkeit. Dadurch, daß Geschöpfe das gesetzliche Ziel der Lauterkeit respektieren, das von dem Gott-König festgesetzt ist, bekunden sie ihre Loyalität und Treue gegen diesen wahrhaft Heiligen. Indem sie dieses festgesetzte Ziel dessen erreichen, was Gott als Bekundung von Freundschaft ansieht, stehen sie vor ihm in einer gesetzlich anerkannten Stellung. Da es Gottes Vorhaben ist, Geschöpfe hervorzubringen, die aus eigenem freiem Willen und aus Liebe Jehovas Willen tun möchten, bereiten ihm jene, die diesem göttlich vorgezeichneten Muster folgen, dadurch Lobpreis und Ruhm. Indem ein treues Geschöpf so das Ziel, Lauterkeit und Unsträflichkeit, erreicht, kann von ihm gemäß der Schrift auch gesagt werden, es offenbare die Herrlichkeit Gottes in ausschließlicher Ergebenheit. (1. Kön. 9:4; Ps. 26:1-11; 12) Als Bestätigung hierfür äußerte Josua die wahren Worte: „Er ist ein Gott, der ausschließliche Ergebenheit ihm gegenüber fordert.“ — Jos. 24:19, NW.

      SÜNDE

      8, 9. Was ist Sünde? Welcher Sinn liegt dem Wort „Sünde“ im Griechischen und Hebräischen zugrunde?

      8 Was nun, wenn das Ziel ausschließlicher Ergebenheit, vollkommenen Gehorsams und des Bewahrens der Lauterkeit mißachtet (verletzt) wird? Dies bedeutet ein Verfehlen des Zieles. Es wird zu einer offenkundigen Verletzung des Gesetzes Gottes. Es hat zur Folge, daß jemand der Herrlichkeit Gottes ermangelt. Und vor allem wird es zur Treulosigkeit, zum Verrat gegen den Gott-König. All dies nennt man Sünde. All dies verdient die Todesstrafe, gleichwie Verrat innerhalb der Nationen heute die höchste Sanktion oder Strafe, den Tod, über einen Verräter bringt. In einer solchen Stellung der Unheiligkeit befinden wir uns heute alle. Paulus sagte mit Recht: „Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes.“ — Röm. 3:23, NW.

      9 Der Apostel Paulus sprach zu Griechisch redenden Zuhörern. In Griechisch bedeutete das Wort für Sünde (griechisch: hamartía) ursprünglich verfehlen, wie zum Beispiel seinen Weg verfehlen. Dann wurde es auch für den Begriff gebraucht, etwas zu tun zu verpassen, seinen Zweck zu verfehlen, einen Punkt nicht zu treffen, fehlzugehen. Nun war Paulus aber ein Hebräer, und im hebräischen Teil der Bibel, aus dem er vorlas, bedeutete das Tätigkeitswort sündigen (hebräisch: חטא, chatá) ursprünglich ebenfalls nicht treffen, also verfehlen. Zum Beispiel lautet Richter 20:16 (NW): „Von all diesen Leuten waren siebenhundert auserlesene Männer linkshändig. Jeder derselben war ein Steinschleuderer, der ohne zu fehlen auf Haaresbreite traf.“ Auch in Sprüche 19:2 heißt es: „Es nützt nichts, zu handeln, bevor man denkt: mit Hastigsein verfehlt man das Ziel.“ (Mo) Man beachte ferner Sprüche 8:36: „Wer aber mich [die Weisheit] verfehlt, tut seiner Seele Gewalt an [schadet sich, AÜ]; alle, die mich hassen, lieben den Tod.“ (Fußn.) Sünde ist also ein Verpassen oder Verfehlen, nach dem Willen und Gesetz Gottes zu handeln. „Jeder, der Sünde pflegt, pflegt auch Gesetzlosigkeit, und so ist Sünde Gesetzlosigkeit.“ „Alle Ungerechtigkeit ist Sünde.“ — 1. Joh. 3:4; 5:17, NW.

      10. Gibt es irgendeinen Beweis, daß Engel geprüft wurden? Wenn ja, wann und wie?

      10 Gibt es irgendwelche biblische Beweise, daß Engel dadurch geprüft wurden, daß ihnen das Ziel vollkommener Lauterkeit gesteckt war? Ja. Petrus erwähnt Engel, die in Noahs Tagen „sündigten“ oder das Ziel verfehlten, und zeigt, daß Gott nicht zurückhielt, sie wegen ihrer Gesetzlosigkeit zu bestrafen. (2. Pet. 2:4, 5) Welchem Wege des freien Willens folgten jene Engel, die ein Verbot überschritten, das offenbar für ihren Lebenslauf aufgestellt war, und die so einen Mangel an ausschließlicher Ergebenheit offenbarten? Die Bibel antwortet uns hierauf. „Und es geschah, als die Menschen an Zahl zuzunehmen begannen auf der Oberfläche des Erdbodens und ihnen Töchter geboren wurden, da begannen die Söhne Gottes [die Engel] zu bemerken, daß die Töchter der Menschen schön waren, und sie nahmen sich zu Weibern von allen, die sie sich auslasen.“ (1. Mose 6:1, 2, NW) Jahre später offenbarte Jesus einen Teil dessen, was die vernünftigen Grenzen ausmachte, die Gott Engeln gesteckt hatte. Jesus sagte, daß treue, heilige Engel im Himmel weder heiraten noch verheiratet werden. (Matth. 22:30) Somit verfehlten all die Engel vor der Flut der Tage Noahs, die den Töchtern der Menschen beiwohnten, das Ziel vollkommenen Gehorsams. Diese übelgesinnten Engel erwiesen sich nicht als wahre Freunde Gottes, und zusammen mit ihrem Anführer, Satan dem Teufel, sind sie als Feinde aus Jehovas himmlischem Haushalt hinausgeworfen worden. Dadurch schlugen sie aus freiem Willen einen Lauf der Schlechtigkeit ein, wodurch sie Unglück über sich brachten, was mit ihrer gänzlichen Vernichtung enden wird. — Luk. 8:31.

      DAS ZIEL ODER MERKMAL DER LAUTERKEIT IN EDEN

      11. Welches war das Ziel der Lauterkeit, das Gott in Eden gesteckt hatte?

      11 Was aber ist über den ursprünglich vollkommenen Menschen zu sagen? Was war das gesetzliche Ziel der Lauterkeit, das ihm gesteckt wurde, damit er vor seinem göttlichen Freund und Wohltäter, Jehova Gott, einen weisen Lauf einschlage? Es war ein klar festgelegtes, ausdrückliches Gesetz, dessen Verletzung Gott als einen Akt der Unfreundlichkeit, des Verrats und somit als Sünde betrachten mußte, und es wurde in bestimmter Weise dem vollkommenen Adam und seinem schönen Weibe vor Augen gehalten. „Und Jehova Gott auferlegte dem Menschen dieses Gebot: ‚Von jedem Baume des Gartens darfst du zur Sättigung essen. Aber was den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen betrifft, davon sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du davon ißt, wirst du gewißlich sterben.‘“ In bezug auf dieses Ziel war nichts unbestimmt gelassen. Das Gebot war leicht zu verstehen und auch leicht zu halten. Die Folgen eines Verfehlens dieses Zieles wurden ebenfalls deutlich erklärt, daß nämlich der Mensch für einen solchen Akt des Verrats „gewißlich sterben“ werde. — 1. Mose 2:16, 17, NW.

      12, 13. Warum war Gott berechtigt, dieses Ziel Adam und Eva vor Augen zu halten?

      12 Jehova Gott hatte unbedingt das Recht, dem Menschen zu seinem Wohl dieses Ziel der Lauterkeit zu stecken. Er kannte den Menschen besser, als der Mensch sich selbst kannte, denn Jehova war der Schöpfer des Menschen. Wie Jehova wohl wußte, gereichte es dem Menschen zum Guten, durch dieses Ziel beständig daran erinnert zu werden, daß er von seinem Schöpfer abhängig und ihm, dem Höherstehenden, untergeordnet war. Tatsächlich bekundete Jehova als der Gott der Liebe wahre Liebe, indem er solch einen Wegweiser zwischen Gott und Mensch aufstellte. Diese gesetzliche Einschränkung verursachte Adam und seinem Weib kein Ungemach, denn es wurde ihnen dadurch nichts vorenthalten, was sie zu einem glücklichen Leben im Paradiesesgarten benötigt hätten. Sie besaßen das gesetzliche Recht, die Frucht von den anderen Bäumen zu essen, doch was diesen besonderen Baum betraf, war sie ihnen vorenthalten.

      13 Ein überaus wertvolles Geschenk war für Adam bereit, sofern er bewiese, daß er dessen würdig sei. Jehova Gott hatte Adam und Eva in einem weitausgedehnten Besitztum im östlichen Teil einer Gegend der Erde, Eden genannt, untergebracht. Dieses große Besitztum war in hohem Grade kultiviert und von Gott zu einem prächtigen Paradiese, einem Gartenpark, bestimmt und angelegt worden. Außerdem war dieses Besitztum reichlich versehen mit zahmen Tieren von jeder Familienart. Ebenso war es wohl bepflanzt mit fruchttragenden Bäumen und Pflanzen von jeder Art. In der Tat sollte dieses Besitztum lediglich der Zugang zu dem schließlich noch ausgedehnteren Besitz des ganzen Erdballs sein, der unbeschreiblich reiche Mineralschätze birgt. Hier, inmitten begeisternder Schönheit, inmitten von Frieden und Harmonie und großem Reichtum der Natur fanden Adam und Eva eine glückliche Heimat. Sicherlich hatte der erhabene Gott und Geber jeder vollkommenen Gabe das Recht, Adam auf die Probe zu stellen, bevor er ihm als einem erprobten Freunde solch wertvolle Rechte auf dauernden Besitz verlieh. Wer würde heute eine unschätzbare Gabe an Besitztum freigebig einem Feinde vermachen? Niemand, der recht bei Sinnen ist, tut so etwas. Ebenso war es im Falle Gottes. Der Mensch mußte sich zuerst als ein loyaler, vertrauenswürdiger Freund des Gott-Königs erweisen. In Übereinstimmung mit diesem Grundsatz prüfte Jehova Gott später Jesus hier auf Erden auf seine Eignung und Würdigkeit, König der neuen Welt zu sein. — 1. Mose 2:8; Heb. 2:18.

      14. Aus welchem weiteren Grunde wurden Adam und sein Weib vor Jehova geprüft?

      14 Adam und Eva wurden ursprünglich ohne bestimmte Lebensfrist in dieses wunderbare Besitztum eingesetzt. Es scheint, daß allen anderen Arten animalischen Lebens, die auf der Erde gedeihen, eine begrenzte Lebensfrist gesetzt wurde. (2. Pet. 2:12) Jede besondere Tierart sollte eine gewisse Zeit leben und dadurch beitragen zum wachsenden Wohlstand der Erde, worauf sie ihr Dasein mit dem Tode beschlösse und ihre Nachkommen die Lebensarbeit, die dieser Rasse oder Art von Geschöpfen zugewiesen ist, fortsetzen ließe. (Beiläufig bemerkt, konnte Adam beobachten, wie die Tiere ihr Dasein beschlossen, und dies mußte dem Wort „Tod“, das Jehova gebraucht hatte, um ihm die Strafe für ein Verfehlen des Zieles der Unsträflichkeit anzukündigen, weiteres Gewicht gegeben haben.) Was aber Adam betrifft, bestimmte ihm Jehova Gott seine Lebensspanne nicht. Vielmehr wurde sein Leben unbefristet gelassen, und die Lebensdauer hing davon ab, ob er das gesetzliche Ziel der Loyalität erreichte. Indes war der Organismus des Menschen ursprünglich so erschaffen, daß er imstande gewesen wäre, ewig zu leben. So hatte Gott das weitere Recht, Adam und seine Nachkommen zu prüfen auf ihre Würdigkeit, sich der größten aller Gaben zu erfreuen, nämlich der Gabe einer nicht endenden Lebenszeit, des ewigen Lebens. Diese noch größere Gabe stand in Beziehung mit einem anderen gesetzlichen Wegweiser im Garten, der als „der Baum des Lebens“ bekannt ist. — 1. Mose 3:24, NW.

      GUT UND BÖSE

      15, 16. (a) Wozu sollte offenbar dieses Merkmal der Unsträflichkeit dienen, und weshalb? (b) Was für Beispiele anderer gesetzlicher Symbole gibt es?

      15 Was scheint dadurch angezeigt zu sein, daß das Merkmal der Unsträflichkeit oder Lauterkeit mit dem „Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen“ zusammenhing? Es scheint, daß durch die buchstäbliche Berührung dieses verbotenen Baumes oder das Essen davon kein körperlicher Nutzen oder Schaden erwuchs. Vielmehr schien das Handeln in Verbindung mit diesem Baume das Gewissen in Mitleidenschaft zu ziehen. Wir sehen, daß die Bibel, als Adam und Eva später von der Frucht dieses Baumes aßen, nicht von einer körperlichen Reaktion berichtet, sondern andeutet, daß ihr Gewissen unverzüglich ein Schuldbewußtsein registrierte. „Dann wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie erkannten, daß sie nackt waren.“ (1. Mose 3:7, NW) Das Öffnen ihrer Augen hätte sich, nicht auf ihre physischen Augen beziehen können, denn diese müssen zur Zeit, da sie die ungesetzliche Tat begingen, offen gewesen sein. Somit waren es die ‚Augen ihres Herzens‘ oder Gewissens, die reagierten, und nicht, daß sie eine physisch größere Gehirnkapazität erhielten, die mit göttlicher Weisheit erfüllt worden wäre. (Eph. 1:18, NW) Eine weitere interessante Tatsache: Stets ist es ein Herrscher, der „erkennt“ oder beurteilt, was recht und falsch, d. h. gut und böse ist. Dies ist ersichtlich in Gottes Erklärung über Adams Austreibung aus dem Garten, woraus abgeleitet wird, daß Adam beschlossen hatte, selbst Beurteiler zu sein im „Erkennen“ dessen, was „gut“ und „böse“ ist. Durch dieses Handeln verwarf er die himmlischen, obrigkeitlichen Gewalten. „Und Jehova Gott fuhr fort zu sagen: ‚Der Mensch hier ist geworden wie einer von uns, zu erkennen Gutes und Böses.‘“ Diese Bemerkungen führen uns zu der Folgerung, daß der Baum als ein gesetzliches Signal, Symbol oder Wegweiser zwischen dem Gott-König und dem Menschen in ihrem Handeln miteinander als Regierender und Regierte diente. — 1. Mose 3:22, NW.

      16 Was diesen Baum als eine Art Wegweiser betrifft, haben wir etwas von ähnlichem Sinn im Falle des Zeugnishaufens oder Steinhaufens, der in Galed als ein gesetzliches Zeichen zwischen Laban und Jakob aufgerichtet wurde und das gesetzliche Verhalten des einen zum anderen bestimmte. (1. Mose 31:48-53) Ein anderes Beispiel, ein solches der Neuzeit: Wenn ein sehr wichtiges gesetzliches Dokument in einen Briefumschlag gelegt und dieser dann mit Siegellack offiziell versiegelt wird, wird die Mitteilung, die einer ganz besonderen Adresse gilt, verletzt, wenn eine nicht dazu ermächtigte Person das Siegel erbricht. Nicht das buchstäbliche Aufbrechen des Siegels ist das Vergehen, sondern der gesetzwidrige Versuch, über ein verbotenes Siegel hinwegzugehen, das nur ein gesetzliches Sinnbild ist oder ein Verbot darstellt, in das einzudringen, was sich innerhalb des Umschlages befindet, ist das Vergehen.

      17, 18. (a) Erkläre die Begriffe „gut“ und „böse“. (b) Wer bestimmt, was gut ist? Wodurch wird dies bestätigt?

      17 Als nächstes fragen wir: Was ist „gut“ und was ist „böse“? Gut ist das, was recht, vollständig und in Harmonie mit Jehovas Richtlinien und Grundsätzen des richtigen Verhaltens ist. Böse ist das direkte Gegenteil. Es ist das, was unrecht und nicht in Übereinstimmung ist mit den Regeln und Grundsätzen des richtigen Verhaltens. Gott als Schöpfer erklärte und urteilte, daß die Ergebnisse verschiedener Schöpfungstage „gut“ seien. (1. Mose 1:10, 12, 18, 21, 25) Ist ein unreifer Mensch oder ein Kind in der Lage, Regeln des richtigen Verhaltens aufzustellen und somit zu bestimmen, was gut und böse ist? Nein, natürlich nicht. Aus diesem Grund müssen irdische Väter ihre Kinder in Zucht nehmen, um sie zu veranlassen, sich an die Maßstäbe des Guten zu halten, die von einer höheren Autorität festgesetzt werden. (Heb. 12:7-11) Nicht der Untergeordnete bestimmt die Richtlinien für das Gute, sondern der gesetzgebende Höhere tut dies. Jehova Gott ist der endgültige Richter und Herrscher, der in Tat und Wahrheit bestimmt, was gut und was böse ist.

      18 Ein gewisser Mensch kam zu Jesus und fragte ihn, was gut sei. Jesus gab ihm die richtige Antwort, indem er ihm zeigte, daß Jehova Gott der einzige ist, der festlegt, was gut ist; und die Geschöpfe müssen das befolgen, was Gott befiehlt, weil Gott stets das Rechte befiehlt. „Nun, siehe! es trat einer zu ihm und sprach: ‚Lehrer, was für Gutes muß ich tun, um ewiges Leben zu erhalten?‘ Er sagte zu ihm: ‚Warum fragst du mich darüber, was gut sei? Da ist e i n e r, der gut ist. Doch wenn du ins Leben eingehen willst, so beobachte fortgesetzt die Gebote.‘“ — Matth. 19:16, 17, NW.

      19, 20. (a) Wie wurde die Sünde auf dieser Erde eingeführt? (b) Weshalb betraf die ursprüngliche Sünde nicht den Verkehr der Geschlechter als etwas Unerlaubtes?

      19 Das Recht Gottes Jehovas, zu bestimmen, was gut ist, wurde von Satan, dem Teufel, in Eden vor ungefähr sechstausend Jahren auf gemeine Weise in Frage gestellt. Er gab Eva einen falschen Gedanken ein und erweckte in ihr, der Untergeordneten, den unrechten Wunsch, ihrem souveränen Herrscher Jehova zu trotzen und selbst zu beurteilen, was gut und böse sei. „Denn Gott weiß, daß am selben Tage, da ihr davon eßt, euch die Augen aufgehen sollen und ihr wie Gott werden sollt, erkennend Gutes und Böses.“ Dieser üble Wunsch in Eva wurde befruchtet, und sie schritt zur Tat und aß von dem verbotenen Baum. „Demzufolge sah das Weib, daß die Frucht des Baumes gut war zur Speise, und daß sie eine Lust für die Augen war, ja, daß den Baum anzuschauen begehrenswert war. So begann sie, von seiner Frucht zu nehmen und davon zu essen. Danach gab sie auch ihrem Manne davon, als er bei ihr war, und er begann davon zu essen.“ Hier verfehlten Adam und Eva zu ihrer ewigen Schande Gottes Ziel des vollkommenen Gehorsams und der Unsträflichkeit. Von derselben Stunde an schlugen sie einen Lauf des Unglücks ein, der Gesetzlosigkeit, Unreinheit und des schließlichen Todes. Sie hatten der Herrschaft und dem Worte der souveränen Majestät selbst getrotzt und so eine Tat des Hochverrats begangen. — 1. Mose 3:5, 6; Jak. 1:14, 15, NW.

      20 An diesem Punkte muß gesagt werden, daß Adams ursprüngliche Sünde nicht den Verkehr einbezog, der unerlaubt gewesen wäre, wie dies von gewissen Sekten der Christenheit behauptet wird. Geschlechtsverkehr war nicht der strittige Punkt, dieser war nicht das für den Menschen festgesetzte Ziel, denn es war durch ein früheres Gebot erlaubt worden, daß ein Ehemann mit seiner Frau Geschlechtsbeziehungen hat. (Siehe 1. Mose 1:28.) Die ursprüngliche Sünde, die Adam beging, war seine böse Tat, das gesetzte Ziel zu verfehlen. Sie bestand in seiner treulosen Verwerfung Jehovas als des Gott-Königs, indem er einen anderen Maßstab für das, was gut und böse war, annahm.

      UNHEILIGE FOLGEN

      21, 22. Welches waren die Folgen der Sünde Adams? Was ist Familien-Unzulänglichkeit?

      21 Die Folgen dieser einen treulosen Tat willentlicher Sünde erwiesen sich als verheerend, nicht nur für Adam, sondern weltweit für die entstehende adamische Familie, „gleichwie durch einen Menschen Sünde in die Welt kam und Tod durch Sünde, und sich der Tod so über alle Menschen ausbreitete, weil sie alle gesündigt hatten“. (Röm. 5:12, NW) Adam, der nun ein Gesetzesübertreter und Feind seines früheren Gott-Königs war, wurde von Jehova sogleich vor Gericht geladen und zusammen mit dem Weibe und der von Satan beherrschten Schlange als schuldig befunden und verurteilt. Adam und sein Weib waren von da an als Verräter aus Gottes heiliger Organisation entlassen. Der Mensch wurde aus dem vollkommenen Garten Eden hinausgesandt, es wurde ihm eine begrenzte Lebenszeit gegeben, die mit dem Tode enden sollte, und er war gezwungen, im unkultivierten Teil der Erde Aufenthalt zu nehmen, um seinen Lebensunterhalt im Schweiße seines Angesichts zu verdienen. (1. Mose 3:16-19) Da Jehova Gott nun nicht mehr ihr liebender Freund und weiser Berater war, und da sie sich nicht mehr in Einheit befanden mit Gottes Organisation, waren Adam und Eva in ihrer Unerfahrenheit mit ihrem unreifen Urteil nun ganz auf sich selber angewiesen. Die Anstrengung und Anspannung, welche harte Arbeit mit sich brachte, die Enttäuschungen und herzzerbrechenden Erfahrungen in der von Menschen gemachten Organisation, ja die furchtbare Tragödie, den ersten Menschen sterben zu sehen, ihren eigenen Sohn umgebracht von einem mörderischen, erbosten Bruder — all diese Prüfungen trugen dazu bei, die Funktionen des einst vollkommenen menschlichen Organismus zu stören, d. h. seine Tätigkeit aus dem Gleichgewicht zu werfen. Krankheiten entwickelten sich, und schließlich war Tod die Folge. Man denke daran, wie die furchtbare Beanspruchung des Nervensystems des vollkommenen Menschen Jesus, als er am Stamme hing, seinen Tod beschleunigte.

      22 Kinder ererben die Vorzüge und Mängel ihrer Eltern. Da Adam als unheiliger, verräterischer Verworfener starb, als einer, der das Besitzrecht auf den lieblichen Garten Eden nicht erworben und keinerlei Recht auf eine unbegrenzte Lebensspanne erlangt hatte, ererbten seine Nachkommen diese Unzulänglichkeiten oder Nachteile. So brachte Adam als patriarchalisches rebellisches Haupt Familien-Unzulänglichkeiten über das ganze Menschengeschlecht.

      23, 24. (a) Welches Ausmaß erreichte die Sünde während der ersten 1600 Jahre? (b) Wie waren diese Folgen, von Jehovas Gesichtspunkt aus gesehen?

      23 Da sich Adam nach seiner Austreibung auf eine unheilige, unvollkommene Beurteilung dessen, was gut und böse war, stützen mußte, verfehlte er in der verbleibenden Zeit seines 930 Jahre dauernden Lebens immer mehr, Gottes ursprüngliches Ziel wahrer Lauterkeit und Unsträflichkeit zu erreichen. Diese abwärtsführende Neigung zum Schlechten mußte bei seinen Nachkommen in einer Generation nach der anderen zu einer noch größeren Entartung führen. Schließlich wurden die Menschen nach etwa 1600 Jahren so unheilig und entartet und verfehlten das Ziel vollkommener Lauterkeit in solchem Grade, daß Jehova es bedauerte, daß er Menschen auf Erden gemacht hatte, und sich in seinem Herzen verletzt fühlte. Nur Noah erwies sich in hohem Grade als gerecht. Noah war nicht so entartet wie seine Zeitgenossen, obwohl auch ihm, weil er als Sünder geboren worden war, Gottes ursprüngliches Merkmal der Vollkommenheit fehlte. — Ps. 51:5.

      24 „Somit sah Jehova, daß die Schlechtigkeit des Menschen groß geworden war auf der Erde, und jede Neigung der Gedanken seines Herzens war allezeit nur böse. Und Jehova empfand Bedauern, daß er Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es schmerzte ihn in seinem Herzen. So sprach Jehova: ‚Ich werde die Menschen, die ich geschaffen habe, von der Oberfläche des Erdbodens hinwegtilgen, vom Menschen bis zum Haustier, bis zum kriechenden Tier und zum fliegenden Geschöpf der Himmel, denn ich bedaure, daß ich sie gemacht habe.‘ Noah aber fand Gunst in den Augen Jehovas … Noah war ein gerechter Mann. Er erwies sich als untadelig unter seinen Zeitgenossen; Noah wandelte mit dem Gott.“ (1. Mose 6:5-9, NW) Einige mögen fragen: Da doch Gott in der Flut der Tage Noahs alle vernichtete, ausgenommen acht gute Menschen, was sind denn seither die Aussichten des Menschen gewesen, zur Vollkommenheit emporgehoben zu werden? Siehe die Antwort auf diese Frage bitte im nachfolgenden Artikel.

  • Der Weg, auf dem der Mensch zu vollkommener Lauterkeit gelangt
    Der Wachtturm 1954 | 15. Juni
    • Der Weg, auf dem der Mensch zu vollkommener Lauterkeit gelangt

      1. Wer wird in das wiederhergestellte Paradies auf Erden eingehen?

      IM VORANGEGANGENEN Artikel haben wir gesehen, wie der Mensch das Paradies verlor, weil er seine Lauterkeit Gott gegenüber verletzte und so das Ziel verfehlte. Nun werden wir studieren, wie das wiederhergestellte Paradies von den erkauften Nachkommen des Sünders Adam wieder erlangt werden soll. Daß sie in das wiederhergestellte Paradies auf Erden eingehen, bedeutet keine allgemeine Rückkehr bis zum letzten Glied der ersten Familie Adams. Statt dessen werden wir sehen, daß dies nur solche betrifft, die in eine neue Familienvorkehrung hineingelangen, unter einem anderen Adam, einem lebengebenden Vater, der gleich einem weisen Hirten einer neuen Herde vorangeht. — Jes. 9:6; Joh. 10:11-16, NW.

      2, 3. Warum gab Gott dem Adam nach seiner Austreibung aus Eden kein Gesetz, und wann und wem wurde eine vollständige Gesetzessammlung gegeben, welche alle Beziehungen des Lebens regelte?

      2 Wir fragen zu Beginn: Erklärte Jehova dem Adam jemals von neuem das Ziel vollkommenen Gehorsams, nachdem er aus dem Paradiese Eden fortgeschickt war? Wir haben keinen Beweis, daß Gott je wieder mit Adam, dem Rebellen, redete, nachdem dessen Gerichtsverhör im Garten Eden stattgefunden hatte. Da Gott Adam sein Gesetz gab, als er vollkommen war, und Adam es selbstsüchtig brach, wiederholte Gott dem nun unvollkommenen, rebellischen Adam nie wieder sein Gesetz noch irgendeine neue Reihe von Gesetzen, in der Hoffnung, er werde das Ziel vollkommener Lauterkeit vor Gott, dem höchsten Gesetzgeber, erreichen. Später sprach Jehova aber mit Adams Nachkommen, wie Abel, Henoch, Noah und Abraham, und gab diesen unvollkommenen, jedoch heiligen Männern Offenbarungen seiner Vorsätze. Und es besteht eine Aufzeichnung darüber, daß Gott Abraham Verpflichtungen auferlegte, und ihm Gebote, Satzungen und Gesetze gab (1. Mose 26:5; 2. Pet. 1:1, 21; 3:2); doch besteht keine Aufzeichnung, daß eine vollständige, eingehende Gesetzessammlung hinsichtlich aller Beziehungen des Lebens je irgendeinem von ihnen gegeben worden sei. In der Tat, Paulus zeigt, daß bis zu den Tagen Moses keine so umfassende Gesetzessammlung von Gott gegeben wurde. Doch herrschte die Sünde mit ihrer Begleiterin, der Todesstrafe, weiterhin als König, aber keine Menschen, auch nicht Abel, Henoch, Noah und Abraham, konnten feststellen, wie weit sie das göttliche Ziel menschlicher Vollkommenheit verfehlten. Sie konnten nicht sagen, bis zu welchem Maße sie der „Herrlichkeit Gottes“ ermangelten. Weshalb nicht? „Denn bis zum Gesetz [durch Mose] war Sünde in der Welt, aber Sünde wird niemandem angerechnet, wenn kein Gesetz da ist. Dessenungeachtet herrschte der Tod als König von Adam bis Mose, selbst über solche, die nicht in der Gleichheit der Übertretung Adams gesündigt hatten, welcher Ähnlichkeit hat mit dem, der kommen sollte.“ Hier spielt Paulus auf das Kommen des einen gleich Adam an, eines zweiten Adam. — Röm. 5:13, 14, NW; 1. Kor. 15:45.

      3 Gab Jehova aber nicht schon vor der Zeit Moses andere Gesetze, durch welche Übertreter gebrandmarkt wurden? Doch. Außer denen, die an Abraham ergingen, gab es Gesetze wie jene, die das Essen von Blut sowie Mordtaten verboten, so wie sie dem Noah gegeben wurden. (1. Mose 9:4-6) Joseph, Abrahams Urenkel, sprach vom Sündigen wider Gott durch ein Begehen von Hurerei mit dem Weibe seines Herrn. (1. Mose 39:7-9) Jehova bewahrte den König Abimelech vor der Sünde wider ihn, nämlich in Unwissenheit Ehebruch mit dem Weibe Abrahams zu begehen. (1. Mose 20:6, 7) Diese ausdrücklichen Gesetze regelten gewisse menschliche Beziehungen, doch bildeten sie nicht eine vollständige Gesetzessammlung, die eine Nation wie Israel leiteten und einen besonderen Lauf heiliger Ergebenheit einem Gott-König gegenüber verschrieben. Eine solche Gesetzesserie, die ein besonderes Benehmen gegen einen Gott-Herrscher in allen Dingen des Lebens vorschrieben, kam erst ins Dasein, als Gott dem Volke Israel durch Mose, den Mittler, im Jahre 1513 v. Chr. das Gesetz gab.

      4, 5. Wen verpflichtete der Gesetzesbund auf gesetzliche Weise, was für ein Verhältnis befestigte er, und wieso bezog es die Heiligkeit mit ein?

      4 Wenn auch der Gesetzesbund ausschließlich die jüdische Nation verpflichtete, sollten doch ihre Schulung unter diesem Bunde und die Dinge, worauf er hinwies, schließlich den Menschen aller Nationen zugute kommen. Der Gesetzesbund war eine Gesetzessammlung, bestehend aus den Zehn Geboten und etwa sechshundert weiteren Gesetzen. Der gesamte Gesetzeskodex diente als Verfassung, wodurch die Israeliten zu einer heiligen Nation organisiert wurden, mit der Jehova, der Gott-König, in einem Regierungsverhältnis stand. Diesbezüglich sagte Jehova zu Israel: „Nun, wenn ihr meiner Stimme genau gehorchen und meinen Bund wirklich halten werdet, dann werdet ihr gewißlich mein besonderes Eigentum werden aus allen anderen Völkern, denn die ganze Erde gehört mir. Und ihr selbst werdet mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation werden.“ — 2. Mose 19:5, 6, NW.

      5 Diese durch Mose gegebene Gesetzessammlung war vollkommen. Sie war recht. Sie war gut. Und sie war heilig. (Ps. 19:7; Röm. 7:12; 1. Tim. 1:8) Sie offenbarte einen hohen Maßstab der Heiligkeit. Die Wörter „heilig“ und „Heiligkeit“ werden mehr als 130mal in Verbindung mit diesem Gesetzesbunde gebraucht. Die Sammlung enthielt Gesetze, die heilige Sabbattage vorschrieben, heilige Kleider für ihre dienenden Priester, eine heilige Versammlungsstätte, wo sich der Gott-König und seine heiligen Diener trafen, heiliges Salböl, eine Krone für den Hohenpriester mit einer Inschrift „Heiligkeit dem Jehova“, heilige Dinge, heilige Zusammenkünfte und heilige Beiträge. Das Gesetz schrieb ferner vor, daß das Volk sich zeremoniell rein erhalte vor seinem heiligen Gott-König durch das Essen reiner Speise, durch verschiedene Waschungen des Leibes, durch Opfer, die für Sünden dargebracht werden sollten, und durch ein Sich-Fernhalten von toten Dingen. — 2. Mose 16:23; 28:2; 29:29; 30:25; 39:30; 3. Mose 5:15; 23:3; 4. Mose 18:19, NW.

      VERRAT

      6, 7. Weshalb verdiente das Übertreten des ersten und zweiten Gebots eine so schwere Strafe?

      6 Einige Moderndenkende haben den lebendigen Gott in anmaßender Weise kritisiert, weil er die Todesstrafe für jene verordnete, die das erste und zweite Gebot verletzten, indem diese Neuzeitler behaupten, dies seien einfach Sittengesetze. (5. Mose 13:6-10; 3. Mose 20:2) Solche Personen übersehen die Tatsache, daß diese zwei Gebote nicht bloß die Einleitung zu einem Sittengesetz waren, sondern einen Teil der geschriebenen Rechtsnormen der Nation bildeten, ja tatsächlich die Einleitung zu ihrer Verfassung waren, und mehr als dies: sie bestimmten das persönliche Untertanenverhältnis jedes Israeliten zu seinem souveränen König Jehova. Man beachte, welch ausschließliche Untertanentreue vom zweiten Gebot gefordert wird. „Du sollst dich nicht vor ihnen niederbeugen noch dich verleiten lassen, ihnen [den Bildnissen] zu dienen, denn ich, Jehova, dein Gott, bin ein Gott, der ausschließliche Ergebenheit fordert.“ (2. Mose 20:5; 34:14, NW) Wenn also ein Israelit von der reinen Anbetung abfiel, um einem anderen Gott als Jehova zu dienen oder Götzendienst aufzunehmen, indem er Bildnissen diente, so beging er gerade durch das Übertreten des ersten und zweiten Gebots die höchsten Verbrechen im Lande und verdiente die schwerste Strafe.

      7 Man höre, was eine Autorität in biblischen Dingen, George Bush, über diesen Punkt in seinen Notes, Critical and Practical on Exodus [Kritische und praktische Bemerkungen über 2. Mose] in Band II, Seite 4, zu sagen hat: „Der Götzendienst wurde nicht nur zur Übertretung einer Sittenvorschrift von äußerst schwerwiegender Art, sondern auch zu einem Akt des Verrats am Staate. Es war, im Grunde genommen, eine Verwerfung der Autorität ihres anerkannten Herrschers. Es war ein Brechen des ursprünglichen Paktes, eine offene Rebellion gegen Gott, ein positives Aufgeben einer zugeschworenen Untertanentreue und verdiente daher gemäß den festgelegten Grundsätzen aller Regierungen mit Recht die Todesstrafe.“

      8. (a) Wie beschreiben die Gesetze der Nationen heute eine Tat, die wider die Würde des Souveräns begangen wird? (b) Was beherzigen Jehovas Zeugen heute ernstlich, und warum?

      8 Tatsächlich wird nach den Gesetzen der Nationen von heute der obenerwähnte Akt wider die Würde der souveränen Macht als Hochverrat betrachtet. Ein solches Verbrechen bezeichnet man als Majestätsbeleidigung. Majestätsbeleidigung wird gesetzlich als irgendein Akt bezeichnet, der gegen die souveräne Macht begangen wird, oder insbesondere oft als irgendeines der verschiedenen Vergehen, wodurch die Würde eines souveränen Herrschers verletzt wird. Bouvier’s Law Dictionary [Gesetzeswörterbuch] (1934) definiert es auf Seite 689 als „Hochverrat“. Somit kamen das Vergehen Adams in Eden gegen die souveräne Majestät Jehovas und das Verletzen des Untertanenverhältnisses gegenüber ihrem Gott-König und Souverän von seiten der vielen Israeliten gemäß heutigen gesetzlichen Maßstäben schwer strafbaren Verbrechen gleich. Folglich sehen wir, daß das Volk Israel, das unter einem Gesetz stand, welches den Begriff Sünde näher bezeichnete und Heiligkeit befürwortete, große Aussichten auf Segnungen besaß oder mit schrecklichen Konsequenzen zu rechnen hatte, wenn es das Ziel verfehlte, indem es das Gesetz nicht hielt und es übertrat. (5. Mose 28:1-68) Mögen kleinlich eingestellte Verleumder Notiz nehmen, daß Jehovas Zeugen von heute die Grundsätze, die dem ersten und zweiten Gebot zugrunde liegen, auch jetzt noch ernsthaft beachten, indem sie es ablehnen, die Flagge irgendeiner Nation zu grüßen oder Götzendienst zu begehen, um ihre ausschließliche Ergebenheit an Jehova Gott so rein wie möglich zu bewahren.

      9. Konnten sich die Juden mittels des Gesetzes mit Erfolg rechtfertigen? Weshalb antwortest du so?

      9 War es den unvollkommenen Israeliten möglich, dieses Gesetz vollkommen zu halten und sich so zu erheben zu Gottes geoffenbartem, hohem Maßstab ausschließlicher Heiligkeit und Gerechtigkeit? Die Antwort ist ein entschiedenes Nein und findet sich im Bericht der Bibel über die jüdische Nation für die Zeit der etwa fünfzehnhundert Jahre, da der Gesetzesbund in Wirksamkeit war. Viele selbstgerechte Juden dachten imstande zu sein, durch Gesetzeswerke so heilig zu werden, daß sie Gottes hohen Maßstab der Heiligkeit erreichen könnten, und daß Gott sie mittels des Gesetzes als gerecht erklären oder rechtfertigen sollte. Aber Paulus sagt mit Nachdruck: „Darum wird durch Gesetzeswerke kein Fleisch vor ihm gerechtgesprochen werden.“ — Röm. 3:9-20, NW.

      WARUM DER GESETZESBUND?

      10. Wozu hätte das Gesetz den Juden dienen, und was hatte es ihnen zeigen sollen?

      10 Warum denn wurde den Juden ein vollkommenes Gesetz der Heiligkeit gegeben? Wie wir aus der Schrift ersehen, gab es verschiedene Gründe. Vor allem hätte der gesetzliche Maßstab der Heiligkeit den Juden als ein Spiegel dienen sollen. Jedesmal, da sie in diesen Spiegel schauten, indem sie ihre Handlungsweise an den Anforderungen des Gesetzes prüften, hätten sie sehen sollen, was Sünde ist und wie weit sie von der vollkommenen Herrlichkeit Gottes entfernt waren. Paulus folgerte richtig: „Tatsächlich hätte ich die Sünde nicht erkannt, wenn nicht das Gesetz gewesen wäre.“ „Denn durch Gesetz kommt die genaue Erkenntnis der Sünde.“ (Röm. 7:7; 3:20, NW) Auch hätte jedesmal, da sie ihren Mangel an ausschließlicher Ergebenheit und ihre Unzulänglichkeiten unter dem Gesetz (welches Tieropfer forderte, um die Ungnade ihres Gott-Königs abzuwenden) erkannten, in ihnen eine deutliche Erkenntnis der Notwendigkeit eines echten Erlösers wach werden sollen. Es hätte in ihnen den Wunsch nach dem Christus wecken sollen, an den sie glauben konnten. „Bevor dieser Glaube kam, waren wir unter dem Gesetz verwahrt, zusammen in Obhut genommen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte. Folglich ist das Gesetz unser Erzieher geworden, der uns zu Christus hinführte, damit wir gerechtgesprochen werden möchten zufolge von Glauben.“ — Gal. 3:23, 24, NW.

      11. Aus welchem weiteren Grunde war der Gesetzesbund gegeben worden, und was zeigen die Tatsachen?

      11 Welch weiteren Schritt hätte der Gesetzesbund die Juden führen sollen, damit sie Christus bei seinem Kommen annähmen? Er hätte sie instand setzen sollen, den zweiten Adam zu erkennen, als er erschien, um ein neues Verhältnis mit Jehova Gott einzuführen. Es stand in dem Gesetz geschrieben: „Und ihr sollt meine Satzungen und meine richterlichen Entscheidungen beobachten, durch welche der Mensch, wenn er sie tut, leben soll. Ich bin Jehova.“ (3. Mose 18:5, NW; Röm. 10:5) In anderen Worten: irgend jemand, der das ganze Gesetz, das damals als Gottes Maßstab für ausschließliche Heiligkeit diente, gehalten hätte, wäre ein sündloser Mensch gewesen, ein Mensch, der durch Jehova gerecht erklärt worden wäre, was ihm das Recht auf vollkommenes menschliches Leben gegeben hätte. Dieser Mensch hätte dann dem ersten vollkommenen Adam, ehe er sündigte, entsprochen. Auf solche Weise befähigte der Gesetzesbund die treuen Juden, nach einem solch vollkommenen Menschen auszublicken, der sich als zum vollkommenen Erlöser geeignet erwiesen hätte. Da war noch ein anderes Erfordernis, dem ihr verheißener Messias oder Christus zu entsprechen hatte. Entsprach Jesus, der Christus, diesem lebenswichtigen Erfordernis vollkommener Heiligkeit und Sündlosigkeit, indem er ausschließlich Jehova, dem Gott-König, ergeben war und das Recht auf vollkommenes Menschenleben besaß? Die Antwort ist ein deutliches Ja. Jesus bewahrte seine Lauterkeit. Jesus selbst forderte die selbstgerechten Pharisäer seiner Zeit heraus: „Wer von euch überführt mich der Sünde?“ (Joh. 8:46, NW) Paulus fügt diesem Punkt hinsichtlich der Eignung Jesu sein Zeugnis hinzu. „Denn ein Hoherpriester wie dieser war für uns der geeignete, einer von liebender Güte, arglos, unbefleckt, geschieden von den Sündern und höher als die Himmel geworden.“ — Heb. 7:26, NW.

      12. Warum war ein entsprechendes Lösegeld nötig, und wer hat es gegeben?

      12 „Denn da ist e i n Gott und e i n Mittler zwischen Gott und Menschen, ein Mensch Christus Jesus, der sich selbst als ein entsprechendes Lösegeld für alle dahingegeben hat.“ Dieser Schrifttext bestätigt, daß Jesus Christus der Mensch war, der dem ersten vollkommenen Adam entsprach und der daher seine Seele als Erlöser des Menschen an Stelle der Seele Adams dahingab, die dieser wegen seiner Untreue verwirkt hatte. Gottes Gesetz veranschaulichte, daß Gleiches für Gleiches, Seele für Seele gefordert wird. „Wenn sich aber ein verhängnisvoller Unfall ereignet, so sollst du geben Seele um Seele.“ Jesus bezeugte selbst, daß er seine Seele als ein Lösegeld für viele Glieder der treuen Menschheitsfamilie gegeben habe: „Gleichwie der Sohn des Menschen kam, nicht um bedient zu werden, sondern um zu dienen und seine Seele zu geben als ein Lösegeld im Austausch gegen viele.“ — 1. Tim. 2:5, 6; 2. Mose 21:23; Matth. 20:28, NW.

      DER NEUE WEG

      13. Welcher neue Weg zugunsten des Menschen war nötig, und warum? Durch wen wurde der neue Weg eröffnet?

      13 Wie schon betrachtet, wurden die unvollkommenen, gefallenen Juden durch die Vorkehrung des Gesetzesbundes nicht zu Gottes hohem Maßstab vollkommener Heiligkeit emporgehoben. So mußte des Menschen Aufrichtung zu menschlicher Vollkommenheit vor Gott durch eine andere Vorkehrung herbeigeführt werden. „Denn das Gesetz [der Gesetzesbund] hat nichts vollkommen gemacht, aber die überdies eingeführte bessere Hoffnung, durch die wir Gott nahen, bewirkte dies.“ Was ist denn diese bessere Vorkehrung, der es gelingt, Menschen zu Gott und schließlich zur Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, hinzuziehen? Das System des Gesetzesbundes wurde zu Ende gebracht, als Jehova es gesetzlich beendete, „indem er es an den Marterpfahl nagelte“. Dies geschah durch Jesus im Jahre 33. Damit war Raum geschaffen für die neue Vorkehrung, die ein Emporheben zur Gerechtigkeit vor Gott bewirkt, den Weg der unverdienten Güte Gottes, wie er von Jesus Christus, dem Erlöser, eingeführt worden ist. „Denn Sünde soll nicht Herr über euch sein, da ihr nicht unter Gesetz seid, sondern unter unverdienter Güte.“ „Das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die unverdiente Güte und die Wahrheit sind durch Jesus Christus gekommen.“ — Heb. 7:19; Kol. 2:14; Röm. 6:14; Joh. 1:17, NW.

      14, 15. (a) Wie wurde der neue Weg in aufsehenerregender Weise eingeführt, und mit welcher Ankündigung durch einen Vorläufer? (b) Wer ist der „letzte Adam“, und warum war er fähig, praktische Bilder zu geben hinsichtlich des neuen Programms des Emporhebens der Menschen?

      14 Während der dreieinhalb Jahre seines irdischen Dienstes bereitete Jesus diesen neuen Weg der Aufrichtung zur Vollkommenheit gründlich vor und zeigte durch Kundgebungen, wie er sich zum bleibenden Wohl treuer Menschen auswirken werde. Zur Zeit der Taufe Jesu in den Wassern des Jordans im Herbst des Jahres 29 ließ Johannes der Täufer, der Vorläufer und Ankündiger des Christus, folgende die Aufmerksamkeit auf sich lenkende Proklamation ergehen: „‚Siehe das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! … deswegen kam ich, in Wasser zu taufen, damit er Israel kundgemacht werde.‘ … ‚Ich schaute den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herniederkommen, und er blieb auf ihm … Und ich habe es gesehen und habe bezeugt, daß dieser der Sohn Gottes ist.‘“ Hier kam in aufsehenerregender Weise an dem Tage, da Jesus sich Gott hingab, Jehovas heilige wirksame Kraft, die sich in Form einer Taube kundgab, auf Jesus hernieder, zum Zeugnis, daß der himmlische Vater das Angebot des vollkommenen Menschenlebens Jesu als Loskaufsopfer zur Hinwegnahme von Sünde annahm. So wurde das neue Programm echter Vergebung von Sünden eingeführt; wunderbare Heilungen von den Folgen der Sünde und die Hoffnung auf vollkommenes, sündloses, ewiges Leben in einer neuen Welt der Gerechtigkeit. — Joh. 1:29-34, NW.

      15 Von diesem Tage seiner Hingabe an wurde Jesus von Gott als ein neues Geistgeschöpf betrachtet, das Hoffnungen auf ein geistiges Leben im Himmel hat. „‚Der erste Mensch Adam wurde eine lebendige Seele.‘ Der letzte Adam [Jesus Christus] wurde ein lebengebender Geist.“ (1. Kor. 15:45, NW) Obwohl er noch weitere dreieinhalb Jahre als vollkommener Mensch im Fleische wandelte, bis sein menschliches Opfer in seinem Tode an dem Marterpfahl vollendet war, erlaubte Gott doch Jesus, hier auf Erden praktische Bilder darüber zu schaffen, wie sich dieses neue Programm menschlicher Emporhebung zu Jehovas bestimmter Zeit auswirken wird.

      NEUE FAMILIENBELOHNUNG

      16, 17. (a) Wie ermöglicht, gemäß dem göttlichen gesetzlichen Vorgehen, Jehova das Programm der Wiederherstellung der Menschen? (b) Welchen Gegensatz zeigt die Schrift zwischen der Verdammnis der menschlichen Familie und der Rechtfertigung irgendwelcher Menschen?

      16 Daß der „letzte Adam ein lebengebender Geist“ wurde, mußte anzeigen, daß Jesus Christus, der zweite Adam, das Leben unter einer neuen Familienvorkehrung verleiht. Der erste Adam wurde als Patriarch oder Familienhaupt ein grober Sünder, ehe er auf seine Nachkommen irgendwelche Lebenskräfte übertrug. Als er dann Nachkommen zu haben begann, übermittelte er ihnen die große Unzulänglichkeit der Sündhaftigkeit, Krankheit und des Todes, die sie nie von sich abschütteln konnten. So haftet wegen des ersten Adam eine schwere Familienverdammnis am alten Menschengeschlecht, und die Bestrafung in Form von Krankheit und Tod geht weiter. Wenn nun Jehova Gott in seiner liebenden Barmherzigkeit und einer Freundlichkeit, die die Glieder der alten adamischen Familie in keiner Weise verdienen, für einen neuen Adam sorgt, der das Ziel der Lauterkeit nie verfehlte und den Wert menschlicher Lebensrechte besitzt, was ermöglicht dies gemäß dem göttlichen, gesetzlichen Vorgehen? Nun, es ermöglicht ein höchst wunderbares Programm der Rettung und Bildung einer neuen Menschheitsfamilie um ein neues Familienhaupt. Ein solch neues gerechtes Familienhaupt hätte die gesetzliche und tatsächliche Macht, Lebenswirkungen des Guten, des Heilens und der schließlichen Vollkommenheit, die aus seinem gerechten Verdienst herrühren, auf alle jene zu übertragen, die eingeladen sind, Glieder seiner neuen Familienvorkehrung zu werden. Man beachte, wie Paulus die Familienverdammnis der alten adamischen Familie dem Lohne gegenüberstellt, welcher Gläubigen durch den gerechten Loskaufsakt des „letzten Adam“, Jesu Christi, zukommt.

      17 „So denn, wie es durch e i n e Übertretung [des ersten Adam] zur Verurteilung aller Arten von Menschen [der ganzen alten adamischen Familie] kam, gleicherweise ergibt sich auch durch e i n e n Akt der Rechtfertigung [des zweiten Adam, Jesu Christi] für Menschen von allen Arten [die glauben und gehorchen] ihre Gerechtsprechung zum Leben. Denn wie durch den Ungehorsam des e i n e n Menschen [ersten Adam] viele zu Sündern gemacht wurden, ebenso werden durch den Gehorsam des e i n e n [zweiten Adam] viele gerecht gemacht werden.“ — Röm. 5:18, 19, NW.

      MUSTERBEISPIELE DES HEILENS

      18. Wer wurde eingeladen, Jesu Jünger zu werden, um sein Joch auf sich zu nehmen und wahres Glück zu erlangen?

      18 Laßt uns zurückkehren zum Schauplatz des irdischen Dienstes Jesu, um zu sehen, wie er den Menschen den Umfang und die Zeit für die Durchführung des Heilungsprogramms zeigte, sowie dessen Auswirkungen in der Zeit, da jene auf Erden, die Jehova lieben, zur Vollkommenheit emporgehoben werden. Vor allem sehen wir, daß Jesus jenen Menschen wahres Glück anbot, die sich ihres geistigen Mangels bewußt waren, den sündenbeladenen Reuevollen, den Demütigen, die Gott liebten, den Ehrlichgesinnten, den nach Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden, den Barmherzigen und Verfolgten. Er lud nicht die Heuchler ein, die Selbstgerechten, noch viele der sogenannt Weisen und Intellektuellen, damit sie gemäß dem neuen Weg der Vergebung der Sünden seine Jünger werden möchten. „Glücklich jene, die sich ihres geistigen Mangels bewußt sind … Glücklich sind, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten … du hast diese Dinge den Weisen und Verstandesmenschen verborgen und sie kleinen Kindern geoffenbart. Kommet zu mir, alle, die ihr euch abmüht und die ihr beladen seid, und ich will euch erquicken. Nehmet mein Joch auf euch und werdet meine Jünger, denn ich bin mildgesinnt und von Herzen demütig, und ihr werdet Erquickung finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist gütig und meine Last ist leicht.“ (Matth. 5:3-10; 11:25, 28-30, NW) Viele Ehrlichgesinnte, Menschen guten Willens, hörten Jesu Einladung „Kommet zu mir“ und wurden seine christlichen Fußstapfennachfolger. Viele hören sie heute und folgen einem gleichen Laufe.

      19. Welche Musterbeispiele gab Jesus hinsichtlich der Taten, die zum Wiederaufbau der Menschheit gewirkt werden?

      19 Unter diesen jüdischen Leuten guten Willens vollbrachte Jesus mehr als vierzig erstaunliche Wunder. Diese wurden alle auf Grund seines bevorstehenden Loskaufsopfers vollbracht, was die Macht veranschaulichte, die ihm zur Verfügung stehen wird, wenn der Tag des Wiederaufbaus für die Menschheit kommt. Er heilte einen Mondsüchtigen, trieb böse Geister aus, heilte Fälle von Fieber, reinigte vom Aussatz, heilte einen Gelähmten, kurierte einen Mann, der achtunddreißig Jahre ein Gebrechen hatte, stellte eine verdorrte Hand wieder her, heilte eine Frau, die zwölf Jahre lang den Blutfluß gehabt hatte, gab jemandem das Augenlicht zurück, brachte die Stummen zum Sprechen, richtete ein Weib auf, das doppeltgebeugt ging, heilte Wassersucht, setzte ein abgehauenes Ohr wieder an, und als Letztes und Größtes von allem wirkte er drei Auferweckungen. Welche Reichweite von Wiederherstellungs-Heilungen! Sicherlich gibt es keine durch Sünde hervorgerufene Behinderung oder kein Anzeichen einer menschlichen Entartung, die Jesus Christus in der Gesellschaft der neuen Erde nicht für immer zu heilen vermöchte!

      20. (a) Wie zeigte Jesus, welche Arten von Menschen am gegenbildlichen Sabbat von ihm geheilt werden? (b) Wie deutete Jesus die Zeit an, da dies eintreten wird?

      20 Eine weitere in Jesu Dienst zu beachtende trostvolle Tatsache ist, daß er seine Wunderheilungen nicht auf die Juden beschränkte. In zwei Fällen heilte er Nichtjuden und Nichtsamariter und zeigte so, daß in der Zeit des Wiederaufbaus gute Menschen aus allen Nationen, die eingeladen werden, seine Untertanen zu sein, Empfänger dieses großen Dienstes der Heilung sein werden. (Mark. 7:24-26; Matth. 8:5-10) Es ist auch interessant, zu beachten, daß Jesus viele seiner Wunder am Sabbattage wirkte. Tatsächlich beschuldigten ihn die Pharisäer, das Sabbatgebot durch das Vollbringen dieser Machttaten zu brechen. Jesus zeigte, daß es erlaubt sei, am Sabbat Gutes zu tun, und erklärte schließlich, daß er der Herr des Sabbats sei. Hier also haben wir den Schlüssel für die Zeit seines Programms dauernder Heilungen. Während der Tausendjahr-Königreichsherrschaft, die ein Tausendjahrsabbat ist, über den Christus Jesus als Herr regiert, soll treuen Menschen geholfen werden, das Ziel der Lauterkeit und Unsträflichkeit zu erreichen. — Matth. 12:1-8; 19:28.

      SÜNDEN VERGEBEN

      21. Welche andere Macht offenbarte Jesus in seinem irdischen Dienste, und welchen Trost hat dies Christen gebracht?

      21 Jesus hatte auch die Autorität, Sünden zu vergeben. In der Tat, gewisse Schriftgelehrte klagten Jesus der Gotteslästerung an, weil er diese Macht beanspruchte. In seiner Antwort zeigte Jesus, daß es für ihn nicht schwieriger sei, ein Wunder zu wirken, als zu sagen: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Das eine war nicht schwieriger als das andere, und beides bezog sich auf das Heilungsprogramm. „‚Damit ihr indes erkennt, daß der Sohn des Menschen Autorität hat, auf Erden Sünden zu vergeben —‘ sprach er dann zu dem Gelähmten: ‚Steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause!‘“ (Matth. 9:6, NW) Welch große Erleichterung ist es für das Gewissen des wahren Christen je und je gewesen, zu erkennen, daß ihm, wenn er in Jesu Namen zu Jehova, seinem Vater, reuevoll um Vergebung der Sünden betet, diese Vergebung gewährt wird! — Mark. 11:25.

      22. Welches Glück genießt Jehovas Volk jetzt?

      22 „Glücklich jene, deren gesetzlose Taten vergeben und deren Sünden bedeckt worden sind; glücklich der Mann, dem Jehova Sünde gar nicht zurechnet!“ (Röm. 4:7, 8, NW) Heute ist den gesalbten Überrestgliedern kraft ihrer Rechtfertigung durch Glauben die Summe ihrer aus der Vergangenheit ererbten Sünden getilgt. Auch die anderen Schafe haben ein Zeichen der Vergebung erhalten. Gepaart mit der Tatsache, daß beide Gruppen mittels des göttlichen Wortes der Wahrheit eine geistige Heilung erfahren haben, bedeutet dies, daß alle Zeugen Jehovas sich schon jetzt eines Zustandes großen Glücks erfreuen. Sie wandeln ihren Sinn um und werden geistig schon heute emporgehoben, dem hohen Ziele der Heiligkeit entgegen. Ja, sie sind entschlossen, Jehova, ihrem Gott-König, ausschließliche Ergebenheit darzubringen und ihre absolute Lauterkeit ihm gegenüber zu bewahren. Doch wissen wir, daß es für die Menschen noch einen langen Weg bedeutet, um diesen vollkommenen Maßstab zu erreichen. Doch Schritt um Schritt wünschen wir fleißig den Weg zu gehen, den Jehova in seiner unverdienten Güte geschaffen hat, um die Menschen allmählich zur menschlichen Vollkommenheit im Bilde Gottes emporzuheben.

      23. Was wird die endgültige Erfüllung des Emporhebens der Menschheit durch das Tausendjahrkönigreich Jesu Christi bedeuten?

      23 Hocherfreut schauen wir vorwärts — einem noch größeren Zustande des Glücks entgegen, wenn nach Harmagedon die körperlichen Heilungen für die Überlebenden, ihre Nachkommen und die Auferstandenen beginnen. Während der vergangenen 6000 Jahre schritt die Menschheit in Sünde rückwärts, vom ursprünglichen Ziel Gottes hinweg, und gelangte auf eine sehr tiefe Stufe. Doch mittels eines beschleunigt zur Durchführung kommenden Programms wird Jesus Christus die neue Menschheitsfamilie während tausend Jahren aufrichten. Er wird sie zur gänzlichen Vollkommenheit in Fleisch und Sinn völlig wiederherstellen, so daß sie mit Leichtigkeit Jehovas von neuem dargelegte Bedingungen der Vollkommenheit und Lauterkeit erreichen können. Vorüber dann — um nie wieder daran erinnert zu werden — all das Weh und die Schmerzen, die Mängel und Fehler, die Schwächen und Mißbildungen, die Nöte und Sorgen, die Behinderungen und Krankheiten sowie die Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit der Menschen in der Zeit der harten Herrschaft von Sünde und König Tod. Parallel damit wird während des ersten Teils jener tausend Jahre des Wiederaufbaus auch das Projekt Wirklichkeit, daß die ganze Erde ein Edenparadies werden soll! Am Schlusse der tausend Jahre, nachdem die zur Vollkommenheit emporgehobenen Menschenmengen ihre Schlußprüfung bestanden und so bewiesen haben, daß sie würdig sind, die Gabe einer nicht endenden Lebenszeit zu empfangen, werden die Menschen in strahlender Lebensfrische heilig, vollkommen und wahrhaft loyal im Paradiese an den Gestaden kommender Zeitalter stehen. Während sie ihre Macht des freien Willens anwenden, um die Herrlichkeit ihres heiligen Gottes zu bewahren, werden die sie widerspiegelnden irdischen Untertanen von einer beglückenden Großtat zur anderen voranschreiten und von einem Zustande vollen Glücks zum anderen — bis in Ewigkeit! (Eph. 1:21) Für immer werden sie ihre Lauterkeit Jehova Gott gegenüber zu seiner Rechtfertigung bewahren.

  • Fragen von Lesern
    Der Wachtturm 1954 | 15. Juni
    • Fragen von Lesern

      ● Auf welcher Grundlage konnte vor der noachischen Flut ein Unterschied gemacht werden zwischen reinen und unreinen Tieren, also bevor der Mensch Fleisch aß und bevor das Mosaische Gesetz gegeben wurde? — E. M., Nigeria.

      Daß ein solcher Unterschied gemacht wurde, geht aus 1. Mose 7:2 hervor: „Von allem reinen Vieh sollst du sieben und sieben zu dir nehmen, ein Männchen und sein Weibchen; und von dem Vieh, das nicht rein ist, zwei, ein Männchen und sein Weibchen.“ Dieser Unterschied könnte schwerlich auf Grund dessen erfolgt sein, was man essen und was man nicht essen durfte, denn vor der Sintflut wurde kein Fleisch gegessen. Erst nach der Sintflut wurde das animalische Fleisch als Speise zu der Pflanzenkost hinzugefügt. Und selbst damals gab es keine Beschränkungen hinsichtlich der Art der Tiere, die der Mensch zur Speise nehmen durfte, sondern alle sollten ihm gemäß seiner Wahl zur Speise dienen. (1. Mose 1:29, 30; 9:2-4) Was somit das Essen betraf, kamen die Bezeichnungen „rein“ und „unrein“ mit dem Mosaischen Gesetz ins Dasein und endeten damit. (Apg. 10:9-16) Anscheinend wurde der Unterschied vor dem Mosaischen Gesetz auf Grund des Umstandes gemacht, ob bei der Anbetung Jehovas etwas zum Opfer passend wäre. Es scheint, daß Abel wußte, daß Tieropfer dazu geeignet waren. Die Tiere, die er laut des Berichtes benutzte, erwiesen sich als „reine“ Tiere. Daß Noah diesen Unterschied als mit den Opfern und nicht mit dem Essen zusammenhängend im Sinn hatte, geht daraus hervor, wie er handelte, sobald er die Arche nach der Flut verlassen hatte: „Und Noah baute Jehova einen Altar; und er nahm von allem reinen Vieh und von allem reinen Gevögel und opferte Brandopfer auf dem Altar.“ — 1. Mose 8:20.

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen