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Wann begannen die „letzten Tage“?Der Wachtturm 1981 | 1. Januar
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DIE „LETZTEN TAGE“ DES GESETZESBUNDES UND DES JÜDISCHEN SYSTEMS
9. Jesu Taufe und seine Salbung mit heiligem Geist bedeuteten, daß für welchen Bund die „letzten Tage“ angebrochen waren, und warum?
9 Jesus wurde unter dem Gesetzesbund geboren, der durch den Mittler Moses mit den Juden geschlossen worden war. Als Jesus getauft und mit heiligem Geist gesalbt wurde, wurde er der Mittler eines neuen Bundes, der mit geistigen Juden oder Israeliten geschlossen werden sollte. Das bedeutete, daß für den Gesetzesbund und das jüdische System, dessen Mittelpunkt der herodianische Tempel in Jerusalem bildete, die „letzten Tage“ angebrochen waren. Als Jesus als Mittler zwischen Gott und seinen Jüngern in den Himmel auffuhr, wurde der neue Bund mit dem Wert des Blutes seines vollkommenen menschlichen Opfers besiegelt. Der Beweis dafür wurde an jenem bedeutsamen Pfingsttag mit der Ausgießung des heiligen Geistes geliefert. Durch ihn wurden geistige Israeliten hervorgebracht, mit denen der neue Bund geschlossen wurde. Dadurch wurde gleichzeitig der Gesetzesbund, der mit dem fleischlichen Israel geschlossen worden war, ausgelöscht oder aufgehoben (Eph. 2:15, 16; Kol. 2:13, 14). Doch Gott erwies den Juden noch weitere dreieinhalb Jahre, bis zum Herbst des Jahres 36 u. Z., besondere Gunst. Warum?
10. (a) Warum sollte Jehovas Gunst noch einige Zeit nach Pfingsten 33 u. Z. auf den Juden ruhen? (b) Wann endete das jüdische System im Nahen Osten?
10 Weil vorhergesagt worden war, daß Gottes besondere Gunst „siebzig Jahrwochen“ auf seinem Bundesvolk ruhen sollte, und diese Zeitspanne von 490 Jahren lief erst im Jahr 36 u. Z. ab. Jesus Christus starb in der Mitte der 70. Jahrwoche als Märtyrer (Dan. 9:24-27, Menge). Doch im Jahr 36 u. Z. wurde weder die Stadt Jerusalem noch ihr Tempel zerstört, noch wurden die Juden aus der Provinz Judäa weggeführt. Als das im Jahre 70 u. Z. geschah, endete das jüdische System der Dinge im Nahen Osten. Dieses „Ende“ hatte Jesus im Sinn, als er seine Prophezeiung gegenüber seinen Jüngern äußerte.
11. (a) Was zeigt, daß Jesus an das „Ende“ des irdischen Jerusalem dachte, als er auf dem Ölberg in Gegenwart der Jünger seine Prophezeiung äußerte? (b) Sagte Jesus, daß die „bestimmten Zeiten der Nationen“ erst nach der Zerstörung Jerusalems beginnen würden, die 37 Jahre nach der Ansprache, die Petrus zu Pfingsten hielt, eintreten sollte?
11 Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes fragten Jesus: „Wann werden diese Dinge sein ...?“ Welche „Dinge“ meinten sie? Bei der Besichtigung des Tempels hatte Jesus gesagt: „Wahrlich, ich sage euch: Keinesfalls wird hier ein Stein auf dem anderen gelassen, der nicht niedergerissen werden wird“ (Matth. 24:1-3; Mark. 13:1, 2; Luk. 21:5, 6). In der Prophezeiung, die Jesus danach auf dem Ölberg äußerte, sagte er: „[Es] wird große Not im Lande sein und Zorn über diesem Volk; und sie werden durch die Schärfe des Schwertes fallen und als Gefangene zu allen Nationen geführt werden; und Jerusalem wird von den Nationen zertreten werden, bis die bestimmten Zeiten der Nationen erfüllt sind“ (Luk. 21:23, 24). Jesu Worte besagen nicht, die „bestimmten Zeiten der Nationen“ würden erst im Jahre 70 u. Z. mit der Zerstörung Jerusalems und der Entvölkerung ganz Judäas beginnen. Für das jüdische System der Dinge, dessen Mittelpunkt die Stadt Jerusalem und ihr Tempel war, kam das katastrophale Ende 37 Jahre nach der Ansprache, die Petrus zu Pfingsten gehalten hatte. Petrus hatte also recht gehabt, wenn er davon sprach, daß die Ausgießung des Geistes Gottes „in den letzten Tagen“ — nämlich in den letzten Tagen des jüdischen Systems der Dinge — erfolgte.
12. Außer dem Kommen falscher Christusse und Propheten sollte das „Zeichen“ dafür, daß Jesu jüdische Jünger in den letzten Tagen, lebten, noch worin bestehen?
12 Jesus zeigte in seiner Prophezeiung gemäß Matthäus 24:4-22, daß das „Zeichen“ dafür, daß seine jüdischen Jünger in den „letzten Tagen“ des jüdischen Systems der Dinge lebten, nicht nur im Kommen falscher Christusse und falscher Propheten bestehen würde. Er sagte auch: „Ihr werdet von Kriegen und Kriegsberichten hören; seht zu, daß ihr nicht erschreckt. Denn diese Dinge müssen geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. Denn Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es wird Lebensmittelknappheit und Erdbeben an einem Ort nach dem anderen geben. Alle diese Dinge sind ein Anfang der Bedrängniswehen.
13. Welches Verhalten der Menschen wäre ein Teil des „Zeichens“?
13 Dann wird man euch der Drangsal überliefern und wird euch töten, und ihr werdet um meines Namens willen Gegenstand des Hasses aller Nationen sein. Dann werden auch viele zum Straucheln gebracht werden und werden einander verraten und werden einander hassen. Und viele falsche Propheten werden aufstehen und viele irreführen; und wegen der zunehmenden Gesetzlosigkeit wird die Liebe der meisten erkalten. Wer aber bis ans Ende ausgeharrt haben wird, der wird gerettet werden. Und diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende [télos] kommen. Wenn ihr daher das abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht, von dem Daniel, der Prophet, geredet hat, an heiliger Stätte stehen seht (der Leser wende Unterscheidungsvermögen an), dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge zu fliehen beginnen“ (Matth. 24:3-16).
14. Was traf, wie Paulus sagte, bis dahin auf die Juden zu?
14 Was sollte bis dahin geschehen? Der Apostel Paulus schrieb um das Jahr 50 u. Z. einen Brief und sagte darin von den Juden, „daß sie das Maß ihrer Sünden allezeit vollmachen. Doch ist sein [Gottes] Zorn schließlich über sie gekommen“ (1. Thess. 2:16). Damit mußte man in den „letzten Tagen“ des jüdischen Systems der Dinge dort im Nahen Osten rechnen.
15. Waren die Versuche der Juden, das „Ende“ der „letzten Tage“ abzuwenden, erfolgreich? Begründe deine Antwort.
15 Die nichtchristianisierten Juden versuchten, das Ende der „letzten Tage“ ihres Systems der Dinge in Palästina abzuwenden. Im Jahre 65 u. Z. erhoben sie sich gegen ihre römischen Oberherren. Für ungefähr fünf Jahre gab es dann einen unabhängigen jüdischen Staat, der sogar eigene Münzen prägte. Doch im Jahre 70 u. Z. wurde durch die Römer, die auf ihr Ansehen bedacht waren, unbarmherzig das Ende (télos) herbeigeführt.
16. (a) Sprach Paulus in 2. Timotheus 3:1-5, 12 von den „letzten Tagen“ des jüdischen Systems, die von 29 bis 70 u. Z. dauerten? Begründe deine Antwort. (b) Konnte sich die Prophezeiung des Paulus auch in anderen „letzten Tagen“ erfüllen?
16 Der Apostel Paulus schrieb um das Jahr 65 u. Z. einen zweiten Brief an seinen treuen Missionsgefährten Timotheus. Dies war während seiner zweiten und letzten Gefangenschaft, bevor er als Märtyrer starb. In diesem Brief (3:1-5, 12) erwähnte er, welche sittlichen und religiösen Verhältnisse während der Zeit herrschen würden, die er die „letzten Tage“ nannte. Timotheus überlebte wahrscheinlich die Zerstörung Jerusalems, die im Jahre 70 u. Z. eintrat. Paulus sprach also in seinem Brief an Timotheus offensichtlich nicht von den „letzten Tagen“ des jüdischen Systems der Dinge, von der Zeit, die von 29 bis 70 u. Z. dauerte. Er schrieb von letzten Tagen, die nach der Zerstörung Jerusalems kommen sollten und mehr betrafen als nur das jüdische Volk, nämlich die ganze Welt. Durch den Aufstand der Juden in den Jahren 65 bis 70 u. Z. erfüllte sich sicher nicht die Vorhersage des Paulus aus 2. Timotheus 3:1-5. Als die Christen „das abscheuliche Ding“, die verheerenden Streitkräfte Roms, „an heiliger Stätte“ oder in der Nachbarschaft des Tempels stehen sahen, flohen sie aus Jerusalem und aus ganz Judäa nach Peräa.
DIE LÄNGE WELCHER „LETZTEN TAGE“?
17. Was würde es hinsichtlich der Länge der Zeit bedeuten, wenn man sagen wollte, daß die „letzten Tage“ mit dem gesamten „christlichen Zeitalter“ bis heute parallel liefen?
17 Einige Erforscher der Bibel mögen jedoch behaupten, die „letzten Tage“ schlössen die gesamte „christliche Ära“ — von Pfingsten, als Petrus aus Joel 2:28-32 zitierte, bis in unsere Tage (1981) — sowie eine unbestimmte Zeit in der Zukunft ein. Was würde das aber bedeuten? Folgendes: Das sogenannte jüdische Zeitalter dauerte vom Jahre 1513 v. u. Z., als am Berg Sinai der Gesetzesbund geschlossen wurde, bis zum Jahre 70 u. Z. — eine Zeit von 1 582 Jahren. Wie lange hat im Vergleich dazu das sogenannte christliche Zeitalter bis jetzt gedauert, wenn man es vom Jahre 33 u. Z. an rechnet, als der heilige Geist ausgegossen und im alten Jerusalem die Versammlung der ersten Christen gegründet wurde? Bereits mehr als 1 947 Jahre. Das würde bedeuten, daß die „letzten Tage“ — wenn sie mit der christlichen Ära parallel liefen — schon Hunderte von Jahren länger gedauert hätten als die vorangegangene jüdische Ära. Wäre das nicht seltsam?
18. Was könnte hinsichtlich des Ausdrucks „letzte Tage“ eingewandt werden, da trotz des großen Abfalls der heilige Geist während des gesamten „christlichen Zeitalters“ ausgegossen worden ist?
18 Es könnte aber jemand einwenden: Sollte nicht in den „letzten Tagen“ der heilige Geist ausgegossen werden, und ist er — trotz des großen Abfalls — nicht seit Pfingsten des Jahres 33 bis heute ununterbrochen ausgegossen worden? Gibt es in letzter Zeit nicht etliche Personen, die behaupten, mit heiligem Geist gesalbt worden zu sein, so daß sie sich verpflichtet fühlen, beim Abendmahl von den Symbolen zu nehmen? Bedeutet das nicht logischerweise, daß die in Apostelgeschichte 2:16-21 erwähnten „letzten Tage“ mit dem gesamten christlichen Zeitalter, der langen, ununterbrochenen Zeit, in der der Geist ausgegossen wurde und Menschen damit gesalbt wurden, zusammenfallen?
19. An wen war die Prophezeiung aus Joel 2:28-32 zunächst gerichtet, und begann die Erfüllung der Prophezeiung vor den „letzten Tagen“ jenes Systems der Dinge in Palästina oder während jener Tage?
19 Indessen bleibt die Tatsache bestehen, daß die Zeit der Gunst, die Gott den beschnittenen Juden einräumte, im Jahre 36 u. Z. ablief, als unbeschnittene Nichtjuden oder Heiden in die Versammlung der geistgezeugten Jünger Christi aufgenommen wurden. Außerdem bestand das jüdische System der Dinge mit seinem Tempel in Jerusalem noch länger, nämlich bis zum Jahre 70 u. Z. Die Prophezeiung Joels (2:28-32), aus der der Apostel Petrus zu Pfingsten zitierte, war ursprünglich an die beschnittenen Juden gerichtet, und die biblische Geschichte beweist, daß im Verheißenen Land in den „letzten Tagen“ des jüdischen Systems der Dinge — nicht vor jenen „Tagen“ — der Geist ausgegossen wurde. Bei jenen Tagen handelte es sich bestimmt nicht um die letzten Tage des Römischen Reiches, der sechsten Weltmacht der biblischen Geschichte. Dieser Weltmacht folgte die siebente (das britische Imperium mit seinen amerikanischen Kolonien) erst 1763 u. Z., wodurch sich die Vision von dem siebenten Kopf des in Offenbarung 13:1-3 erwähnten symbolischen wilden Tieres, das sieben Köpfe und zehn Hörner hatte, erfüllte.
20. Welche politischen Gebilde befinden sich gegenwärtig unbestreitbar in ihren „letzten Tagen“?
20 Heute ist es unbestreitbar, daß sich das britische Imperium und das ihm angeschlossene Commonwealth of Nations sowie seine Verbündeten, die Vereinigten Staaten von Amerika, in ihren „letzten Tagen“ befinden. Auch die internationale Organisation, mit der diese politischen Gebilde eng verbunden sind, nämlich die Vereinten Nationen mit ihren 152 Mitgliedsstaaten, befindet sich in ihren „letzten Tagen“. Ist es somit nicht unvernünftig, zu behaupten, bei den „letzten Tagen“, auf die sich die Prophezeiung Joels bezieht, handle es sich um die lange christliche Ära?
21. Läßt die Prophezeiung Joels hinsichtlich des heiligen Geistes keine ähnliche Zeitspanne von „letzten Tagen“, keine Wiederholung, zu?
21 Gestützt auf tatsächliche Entwicklungen, wandte der Apostel Petrus Joels Prophezeiung auf das Ende des jüdischen Systems der Dinge an, das im Nahen Osten bestand. Aber weder aus den Worten des Petrus noch aus Joel 2:28, 29 geht hervor, daß es keine ähnliche Zeit mehr geben werde, keine Wiederholung oder „letzten Tage“, in denen gleichfalls heiliger Geist auf bemerkenswerte Weise ausgegossen werde.
22. (a) Traten alle in der Prophezeiung Joels (2:28-32) erwähnten Merkmale in den „letzten Tagen“ des jüdischen Systems der Dinge ein? (b) Erfüllte sich damals alles, worauf sich die umfassende an Jesus gerichtete Frage der Jünger bezog, oder was mußte sich noch erfüllen?
22 Außerdem traf all das, was Joel in Verbindung mit der Ausgießung des heiligen Geistes vorhergesagt hatte — Zeichen am Himmel und auf der Erde, Blut, Feuer, Rauchdunst, die Verwandlung der Sonne in Finsternis und des Mondes in Blut —, nicht in den „letzten Tagen“ ein, in denen der Apostel Petrus lebte. Damit sich Jehova, der Inspirator der Prophezeiung, in allem, was er vorhersagte, als wahr erweist, muß es folglich noch eine weitere Zeit geben, die die „letzten Tage“ genannt wird und in der sich alle Teile seiner Prophezeiung erfüllen. Weitere geschichtliche Tatsachen sind noch als Antwort auf die Frage anzuführen, die die vier Apostel Jesus Christus vorlegten: „Was wird das Zeichen deiner Gegenwart [parousía] und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ (Matth. 24:3). Es gibt genügend Beweise dafür, daß wir in der Zeit der neuzeitlichen Erfüllung der Prophezeiung über die „letzten Tage“ leben. Doch seit wann leben wir in dieser Zeit, und welche Beweise haben wir dafür? Diese Frage verdient unsere volle Aufmerksamkeit.
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Nach den „letzten Tagen“ Gottes messianisches KönigreichDer Wachtturm 1981 | 1. Januar
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Nach den „letzten Tagen“ Gottes messianisches Königreich
1. (a) Was ist zu erwarten, wenn man von „letzten Tagen“ spricht? (b) Hatten die „letzten Tage“ des jüdischen Systems ein Ende?
TAGE, die als „letzte Tage“ bezeichnet werden, müssen einmal enden. Auch im Falle der Juden und ihres Tempels in Jerusalem endete die als die „letzten Tage“ bezeichnete Zeitspanne, und zwar im Jahre 70 u. Z. Wäre sie sonst als „letzte Tage“ bezeichnet worden? Die Geschichte zeigt, daß sie ein Ende (télos) hatte. Als Jesus von den letzten Tagen des jüdischen Systems der Dinge sprach, sagte er: „Dann wird große Drangsal sein, wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird. Tatsächlich, wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden“ (Matth. 24:21, 22; Mark. 13:19, 20).
2. (a) Wer waren die „Auserwählten“, derentwegen die „große Drangsal“, die über Jerusalem kam, verkürzt wurde? (b) Welche Ansicht über die Erfüllung der Prophezeiung Jesu läßt seine Worte übertrieben erscheinen?
2 Wie berichtet wird, gab es 97 000 Juden in Jerusalem, die die Belagerung und die Zerstörung der heiligen Stadt und ihres von König Herodes errichteten Tempels überlebten. Doch sie waren nicht die „Auserwählten“, derentwegen diese „große Drangsal“ verkürzt würde. Die „Auserwählten“ waren die Christen, die nach der Aufhebung der ersten Belagerung im Jahre 66 u. Z. sofort den Rat Jesu (Matth. 24:16-20) befolgten und aus der zum Untergang verurteilten Stadt und aus der Provinz Judäa flohen. Was damals geschah, war zwar schlimm genug. Wenn sich aber Jesu Worte aus Matthäus 24:21, 22 und Markus 13:19, 20 nur auf das im Jahre 70 u. Z. herbeigeführte Ende (télos) Jerusalems beziehen, erscheint seine Sprache übertrieben. Bei diesem Ereignis handelte es sich bestimmt nicht um die größte Drangsal der Menschheitsgeschichte, über die je berichtet wurde.
3. Als was müssen wir die Zerstörung Jerusalems betrachten, damit Jesu Worte im richtigen Verhältnis erscheinen?
3 Jesu Worte erscheinen nur dann im richtigen Verhältnis, wenn wir die Zerstörung Jerusalems als prophetisches Bild oder Symbol einer noch künftigen unvergleichlich „großen Drangsal“ betrachten, nämlich der Vernichtung der Christenheit, zu der gemäß eigenen Angaben nahezu eine Milliarde Menschen gehören. Mit der Vernichtung der Christenheit beginnt die Beseitigung des gesamten Weltreiches der falschen Religion. Kurz darauf werden alle weltlichen Mächte vernichtet werden, die sich zwar von dem babylonischen Weltreich der falschen Religion getrennt haben, aber nicht etwa, weil sie für Gottes messianisches Königreich wären. Die Zahl der Menschen, die in dieser „großen Drangsal“ das Leben verlieren, wird die Zahl all derer weit übersteigen, die in der Flut der Tage Noahs 2370/2369 v. u. Z. vernichtet wurden.
4. (a) In welcher Zeit sollte es die von Jesus vorhergesagten „Kriege und Kriegsberichte“ geben? (b) Was wird dadurch angedeutet, daß diese Dinge als „ein Anfang der Bedrängniswehen“ bezeichnet werden?
4 Die „Kriege und Kriegsberichte“, die Jesus in seiner Prophezeiung (Matth. 24:4-22) erwähnte, waren auf eine bestimmte Zeit beschränkt. Im Falle des jüdischen Systems der Dinge, auf das sich die Frage seiner Jünger zunächst bezog, war es die als „letzte Tage“ bezeichnete Zeitspanne von 29 bis 70 u. Z. Diese Zeit zeichnete sich tatsächlich durch „Kriege und Kriegsberichte“ sowie durch Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben aus. Zweifellos bekamen die Juden einige Auswirkungen dieser unheilvollen Ereignisse zu verspüren. Aber Jesus hatte gesagt, daß dies nur „ein Anfang der Bedrängniswehen“ sei (Matth. 24:8). Es waren nicht die endgültigen Todeswehen.
5. (a) Folgte jenen unheilvollen Ereignissen die „Gegenwart“ Christi und der „Abschluß des Systems der Dinge“? (b) Wurde das Königreich in dem vorhergesagten Ausmaß gepredigt? Begründe deine Antwort.
5 Jenen unheilvollen Ereignissen folgte das Ende (télos) des in Palästina bestehenden jüdischen Systems der Dinge. Wie wir aber heute sehen können, waren diese Ereignisse nicht „das Zeichen ... [der] Gegenwart [Christi] und des Abschlusses des Systems der Dinge“, nach dem die Jünger u. a. gefragt hatten (Matth. 24:3; Mark. 13:4). Daß während der „letzten Tage“ des jüdischen Systems „diese gute Botschaft vom Königreich ... allen Nationen zu einem Zeugnis“ gepredigt wurde, traf auch nur in begrenztem Maße zu, weil es nur wenige Verkündiger des Königreiches gab und sie dieses Predigtwerk unter Verfolgung durchführten (Matth. 24:9 bis 14). Aber natürlich stand ihnen die ganze Welt als Tätigkeitsfeld offen, da das Königreich nicht nur den beschnittenen Juden verkündigt werden sollte. Nach seiner Auferstehung hatte Jesus seinen Jüngern geboten: „Geht ... hin und macht Jünger aus Menschen aller Nationen“ (Matth. 28:19, 20). Das weltweite Predigen des Königreiches stand also nach dem Jahre 70 u. Z. noch bevor.
6. (a) Was sollte nach der Drangsal geschehen, die damals über die Juden hereinbrach? (b) Warum wehklagen die „Auserwählten“ nicht wie „alle Stämme der Erde“?
6 Nachdem Jesus auf die „große Drangsal“ hingewiesen hatte, die im Jahre 70 u. Z. über Jerusalem kam, sprach er von Ereignissen, die „sogleich nach der Drangsal jener Tage“ eintreten würden (Matth. 24:29). „Das Zeichen des Sohnes des Menschen“ sollte erscheinen; „alle Stämme der Erde“ — nicht nur die zerstreuten 12 Stämme der fleischlichen Juden — würden trauern. Auch alle „seine Auserwählten“ sollten vollständig eingesammelt werden. Sie würden nicht wie „alle Stämme der Erde“ wegen des bevorstehenden weltweiten Unheils wehklagen. Statt zu wehklagen, würden sie sich über das im Himmel erscheinende „Zeichen des Sohnes des Menschen“ freuen (Matth. 24:30, 31). Sie würden sich über die Beweise dafür, daß sie in den „letzten Tagen“ des alten Weltsystems lebten, freuen. Seit dem traurigen Jahr 1914 u. Z., in dem der Erste Weltkrieg ausbrach, sind diese Beweise in überwältigendem Maße aufgetreten.
7. Was ist gemäß dem Vaterunser nach Ablauf der „letzten Tage“ des weltweiten Systems der Dinge zu erwarten?
7 Auf die „letzten Tage“ von etwas müßte etwas anderes folgen. Was wird auf die „letzten Tage“ des gegenwärtigen weltweiten Systems der Dinge folgen? Ungeachtet dessen, welcher Zustand der Erde von weltlichen Propheten vorhergesagt wird, die mit einem dritten Weltkrieg rechnen, erwarten Jehovas Zeugen Gottes messianisches Königreich, um das Jesus seine Jünger im Vaterunser beten lehrte (Matth. 6:9, 10).
8. Warum beten Christen trotz der Worte, die Paulus um 60/61 u. Z. in Kolosser 1:13 schrieb, immer noch das Vaterunser?
8 Wir beten dieses Gebet immer noch, wenngleich der Apostel Paulus um 60/61 u. Z. in Kolosser 1:13 schrieb: „Er [der himmlische Vater] hat uns von der Gewalt der Finsternis befreit und uns in das Königreich des Sohnes seiner Liebe versetzt.“ Diese Worte beziehen sich auf ein geistiges Königreich, in das die Kolosser Christen „versetzt“ worden waren, während sie noch im Fleische auf der Erde waren und in einer Stadt Kleinasiens lebten, die sich in religiöser Finsternis befand. Zweifellos war dieser ihr geistiger Zustand auf der Erde unter der Herrschaft Satans, des Teufels, nicht auf die Erfüllung der Bitten im Vaterunser zurückzuführen: „Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Königreich komme“ (Luk. 11:2; Matth. 6:9, 10). Damit sich dieses Gebet vollständig erfüllt hätte, hätte der Sohn Gottes nicht lediglich in einem geistigen Königreich inthronisiert werden müssen, das über seine Jünger herrschte, die sich auf der Erde befanden.
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