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Berühmte Kunstwerke aus der Nähe betrachtetErwachet! 1982 | 8. April
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küssen ihren Fuß!“ Wir bemerkten sogar, daß die Zehen der Statue schon ganz abgenutzt waren. „Im Laufe der Jahrhunderte ist der Fuß durch die Küsse der Millionen Gläubigen blank gescheuert worden“, erklärte der Führer. „Die Statue stellt Petrus dar. Über ihren Ursprung ist man sich aber nicht sicher. Nach der Tradition soll es eine umgeschmolzene Jupiterstatue sein. Neuerdings glaubt man, die Statue stamme aus dem 13. Jahrhundert.“
Am Nachmittag besichtigten wir Parks, Denkmäler und Plätze. Nach unserem Dafürhalten ist Rom mit seinen charakteristischen dunkelroten Gebäuden und den Gärten mit den hohen schirmförmigen Pinien, die aussehen, als seien ihre Kronen in den Himmel eingraviert, wirklich eine sehr schöne Stadt.
Auf der Weiterfahrt nach Florenz unterhielten wir uns über all das Schöne, was wir in Rom gesehen hatten, und auch über die einzigartige Mischung von Religiösem und Weltlichem — etwas, was keinem aufmerksamen Beobachter entgehen kann.
Florenz
Florenz ist zwar viel kleiner als Rom, aber es besitzt die größten Kunstsammlungen der Welt — Gemälde- und Skulpturengalerien. Die Stadt liegt in dem bergumschlossenen Florenzer Becken und hat sich von jeher durch eine ganz besondere Eleganz ausgezeichnet.
Die Besichtigung des Domplatzes beeindruckte uns, meine Frau und mich, ganz besonders. An diesem Platz, der zu den schönsten Plätzen der Stadt zählt, stehen der Dom und das Dombaptisterium, wo kleine Kinder getauft werden. Carlo sagte: „Wir wollen uns mal die Paradiestür ansehen“, und wir folgten ihm voller Erwartung. Als wir uns dem Baptisterium näherten, wies er auf eine Bronzetür, ein Werk des florentinischen Künstlers Ghiberti. Die Tür ist durch Michelangelo zu ihrem Namen gekommen, denn er sagte, daß eine so schöne Tür des Paradieses würdig sei. In den 10 Feldern werden biblische Szenen dargestellt. Als wir nahe an die Tür herangingen, konnten wir sehen, daß der Künstler die Erschaffung Adams und Evas, die Geschichte von Kain und Abel, von Noah und der Sintflut, von Abraham und seinem Sohn Isaak, von Esau und Jakob, von Joseph, von Moses, von Josua, von Saul, von David und von Salomo dargestellt hatte.
Im Innern des Gebäudes bemerkten wir einen auffallenden Gegensatz zu diesen biblischen Szenen. Die Wände sind geschmückt mit Mosaiken, beherrscht von einem schrecklichen Höllenbild. „Haben Sie gewußt, daß die in den italienischen Kirchen dargestellten Höllenszenen Ähnlichkeit mit den Szenen haben, die die Etrusker malten?“ fragte Carlo.
Das war uns neu, und uns lag sehr daran, noch mehr darüber zu erfahren. Unser Führer erwähnte das Buch Denn sie entzündeten das Licht (Geschichte der Etrusker — Die Lösung eines Rätsels) von Werner Keller. Inzwischen bin ich durch seine Vermittlung ebenfalls zu einem Exemplar dieses Buches gekommen. Darin heißt es auf Seite 393:
„Erstaunt es, wenn wir in der Kirchenkunst der Toskana, in Mittel- wie in Norditalien erneut den unheimlichen Unterweltsvorstellungen aus etruskischer Zeit begegnen? Wenn die grauen- und schreckenerregenden Gestalten der Dämonen wieder auftauchen wie auch die beflügelten Wesen, die einst die Toten auf ihrem letzten Gang begleiteten? Was in Etrurien die Welt der Dahingeschiedenen bevölkert hatte, wanderte auch in die neuen Gotteshäuser. Es lebte fort in den bildlichen Darstellungen der Kirchen ...
Die Vorstellung von der Hölle mit ihrem Grauen und Schrecken ... fand, unheimlicher und stärker als sonstwo, zuerst auf dem Boden des alten Etrurien ihre Geltung ... Als beherrschende Figur thront inmitten der Qualen und Ängste des Fegefeuers und der Hölle christlichen Glaubens — Satan. Erinnert er nicht an die schauerlichen Dämonen, die in den Totenkammern des späten Etrurien hausen?“
Diese Entdeckung war ein weiterer Beweis dafür, daß in der Christenheit heidnische Anschauungen die Lehren und sogar den Geist des frühen Christentums tiefgehend verändert haben.
Nach der Besichtigung der Stadt Florenz fuhren wir die lange Strecke nach Venedig.
Venedig
Venedig, das manchmal „Königin der Adria“ genannt wird, machte einen tiefen Eindruck auf uns. Es liegt auf mehreren Inseln in einer Lagune und ist mit seinen Kanälen und den orientalisch anmutenden Palästen mit den ornamentierten Marmorfassaden eine einzigartige Stadt. Sie erschien uns wie ein Ort aus „Tausendundeiner Nacht“.
Faszinierend ist der Markusplatz. An der einen Seite erhebt sich die Basilica di San Marco, eine in byzantinischem Stil erbaute 5-Kuppel-Kirche. Vier riesige vergoldete Bronzepferde auf der Terrasse zieren die Fassade. Obschon mich Johannes etwas ablenkte, weil er sich unbedingt auf eines der Pferde setzen wollte, bekam ich gerade noch mit, was Carlo über die Pferde sagte: „Diese großen Pferde sind nur Nachbildungen der ursprünglichen Bronzepferde, die vor kurzem heruntergeholt wurden, um restauriert zu werden. Sie sind eine griechische Arbeit und stammen aus dem 3. oder 4. Jahrhundert vor Christus. Betrachten Sie auch die Mosaike der Säulenfassade. Dieses hier stellt eine Jagdszene dar: Ein Zentaur kämpft gegen einen Drachen. Jenes zeigt die Monate des Jahres mit den Tierkreiszeichen, und auf dem dort drüben sehen Sie die 12 Arbeiten des Herakles ... Auf diesem Bild sind vier Krieger in freundschaftlicher Umarmung dargestellt. Man nimmt an, daß es sich um die heidnischen Kaiser Diokletian, Maximian, Galerius und Konstantius handelt.“
Szenen aus der Mythologie, astrologische Zeichen und Statuen von Kriegern — welch ein merkwürdiger Schmuck für eine Kirche!
Wir beendeten unsere Reise stilgerecht, indem wir eine Mondscheinfahrt in einer der berühmten Gondeln unternahmen, von der aus wir das schöne Stadtbild genossen.
Auf dieser kurzen Reise hatten wir vieles gesehen, worüber wir nachdenken konnten, z. B. die offenkundige Vermischung religiöser und weltlicher Themen bei den Kunstschätzen der Christenheit. Die reiche Ausstattung und die Großartigkeit vieler Kirchen führten uns vor Augen, von welch großem Wert es ist, ein Verständnis des wahren Christentums zu besitzen. Die zahlreichen Kunstwerke — eine Frucht menschlicher Genialität — veranlaßten uns, über die erhabene Weisheit unseres Schöpfers nachzudenken, dessen Genialität in der Beschaffenheit des menschlichen Körpers so wunderbar demonstriert wird.
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Leuchtkäfer verblüffen EvolutionistenErwachet! 1982 | 8. April
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Leuchtkäfer verblüffen Evolutionisten
Das Reich der Insekten ist für seine „Femmes fatales“ berühmt — Insektenweibchen, die die Männchen verführen und sie danach verspeisen. Leuchtkäferweibchen der Gattung „Photuris“ ahmen das Blinkmuster der Weibchen anderer Leuchtkäferarten nach und fressen dann die Männchen auf, die antworten. Nun schürzt sich der Knoten der Handlung: Männchen der Gattung Photuris ahmen ebenfalls die Blinkmuster dieser anderen Arten nach, und Photurisweibchen, die kommen, um sie zu verspeisen, mögen dann begattet werden.
Die Evolutionisten zerbrechen sich den Kopf darüber, wie sich dieses komplizierteste Beispiel von Mimikry, das im Reich der Insekten bekannt ist, entwickelt hat. Ein Fachmann auf dem Gebiet erklärte es sich wie folgt: Das Männchen mag versuchen, das jagende Photurisweibchen zu verführen, um es zu begatten, ehe es selbst vom Weibchen gefressen wird. Alte Männchen, die keine Aussicht mehr haben, ein Weibchen zu gewinnen, mögen sich selbst opfern im Interesse der Vitalität der kommenden Generation — welch edle Seelen! Die dritte Erklärung — sie ist eine evolutionistische Perle — besagt, daß die Männchen versuchen, Weibchen zu finden, die nicht paarungsbereit sind, und sie vergewaltigen!
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