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Der Name Gottes und die ChristenheitDer Wachtturm 1969 | 1. Januar
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der Gottesname im Grundtext der Hebräischen Schriften vorkommt, vor die Wahl gestellt gewesen sei, diesen heiligen Namen ernst zu nehmen oder ihn lediglich als etwas zu betrachten, was von geschichtlichem Interesse sei.
Daß es früher Geistliche gegeben hat, die ihn ernst genommen haben, ist eine offensichtliche Tatsache. Im Dom von Nördlingen (Deutschland) beherrscht dieser Name das Gesamtbild. Ein Deckengemälde im Münster von Salem in der Nähe des Bodensees stellt Moses vor dem brennenden Dornbusch dar, und das Tetragrammaton dient als Symbol der Gegenwart Gottes. Der Name erscheint ferner über dem Portal der Klosterkirche in Schöntal, in einer Kirche in Waldenbuch (etwa 30 Kilometer von Stuttgart), im Kloster Speinsharth in Kemnath/Bayreuth (Bayern) und in der evangelischen Kirche von Fürstenau.
Im Straßburger Münster ist links von der Uhr ein Kreis, in dem untereinander drei Wörter stehen: das Tetragrammaton und das griechische und das lateinische Wort für „Gott“. Aber nicht nur in Deutschland, sondern sogar auch in der Heimat des Katholizismus findet man den vierbuchstabigen Gottesnamen. An der Fassade der Kirche S. Vittore in Varese erscheint er gut sichtbar im Giebelfeld über dem Haupteingang. Selbst in der Peterskirche in Rom ist er an mindestens zwei Stellen zu sehen.
Sollte man also nicht erwarten dürfen, daß die Katholiken etwas über den Eigennamen Gottes, der in der Kirchendekoration eine solch große Rolle spielt, wissen? Ein Erlebnis, das ein Besucher der Kathedrale von Toledo (Spanien) hatte, zeigt jedoch, daß dies nicht der Fall ist. In dieser Kirche ist der vierbuchstabige hebräische Name auf einem der berühmten Gemälde des Künstlers El Greco zu sehen. Dem Besucher wurde von einem Reiseführer, einem Professor der Universität Barcelona, erklärt, diese vier Buchstaben entstammten einer lateinischen Geheimschrift und würden „Gloria Maria“ bedeuten.
WIE ERHÖHT DIE CHRISTENHEIT DEN NAMEN GOTTES?
Die Kirchen der Christenheit, katholische und protestantische, machen in ihren Gottesdiensten häufig Gebrauch von den Psalmen. Die Besucher ihrer Gottesdienste fragen sich aber bestimmt manchmal, wer in ihren Lobliedern besungen wird: der Herr Jesus Christus oder der Vater Christi Jesu. Im Grundtext der Psalmen kommt der vierbuchstabige hebräische Gottesname häufiger vor als in jedem anderen Bibelbuch, und das Hauptthema der Psalmen kommt im 34. Psalm, im Vers 3 besonders kraftvoll zum Ausdruck durch die Worte: „Erhebet Jehova mit mir, und lasset uns miteinander erhöhen seinen Namen!“ In den Kirchen der Christenheit besingt man aber einen namenlosen „Herrn“.
Statt den Namen des höchsten Gottes zu erheben, war die Geistlichkeit eher darauf aus, ihn zu verschweigen. Der Theologe Johann D. Michaelis aus dem 18. Jahrhundert, der in seiner deutschen Übersetzung der Hebräischen Schriften den Namen „Jehova“ häufig gebrauchte, machte sogar folgendes Geständnis: „Einige meiner Freunde verlangten, ich sollte dis ausländische Wort gar nicht setzen.“ Wer diese „Freunde“ waren, erwähnte er nicht. Er entgegnete ihnen aber in seiner Antwort, die Treue zum Text verlange von ihm, daß er den Eigennamen Gottes ebensogut verwende wie andere Eigennamen, zum Beispiel Abraham, Isaak und Josua.
Inzwischen hat die Renovierung der Kirchengebäude nicht Schritt gehalten mit der Gehirnwäsche der Theologiestudenten der Christenheit. In der Kathedrale von Grenoble (Frankreich) kann man zum Beispiel den vierbuchstabigen Namen, allerdings umgedreht, heute noch sehen. Auch in der Jesuitenkirche von Einsiedeln im Kanton Schwyz (Schweiz) erscheint er hoch oben an der Decke. In der Martinskirche von Olten (Schweiz) steht an der Stelle, wo die Meister der Kirchendekoration sonst das Tetragrammaton angebracht haben, der Name JEHOVAH ausgeschrieben.
Es besteht kein Zweifel darüber, daß in kirchlichen Kreisen der Respekt vor dem, „dessen Name Jehova ist“, sehr geschwunden ist. (Ps. 83:18) Königin Elisabeth I. von England schrieb zum Beispiel (zu Recht oder Unrecht) Jehova die Befreiung von der spanischen Armada zu, denn auf ihrer Denkmünze heißt es: „יהוה [nicht ,Gott‘ oder ,HERR‘] ließ seinen Wind wehen, und sie wurden zerstreut.“ Unter König Jakob beschlossen aber die kirchlichen Würdenträger, die an der englischen Übersetzung der Bibel (Authorized Version) arbeiteten, an dem abergläubischen Brauch, den Gottesnamen durch andere Bezeichnungen zu ersetzen, festzuhalten, und setzten fast an allen Stellen, wo das hebräische Tetragrammaton vorkommt, „HERR“ oder „GOTT“ ein.
Besucher der St.-Nicholas-Kapelle auf der englischen Insel Wight können heute aber dennoch das Tetragrammaton an einer gut sichtbaren Stelle an der Decke sehen. In der königlichen Stadt Edinburgh erscheint über dem Eingang des Chorraums der Kathedrale (St. Mary’s) der Name „JEHOVA“ in einer Inschrift aus dem Jahr 1614, und das Stadtwappen der Stadt Plymouth enthält die Worte: „Der Name Jehovas ist ein starker Turm.“ (Spr. 18:10) Sogar in der Westminsterabtei in London fehlt der vierbuchstabige hebräische Name des Schöpfers nicht.
Auch König Christian IV. von Dänemark und Norwegen (1588—1648) gehörte zu den Monarchen der Christenheit, die Jehova anerkannten. Er ließ am Kopenhagener Rundturm an der Købmagergade, dessen Bau 1642 beendet wurde, eine Wappeninschrift anbringen, die wie folgt übersetzt werden könnte: „Mögen wahre Lehre und Gerechtigkeit, Jehova, im Herzen des gekrönten Christian IV. walten.“ Das Tetragrammaton ist in Dänemark noch an anderen Orten zu sehen, zum Beispiel über dem Altarbild der St.-Pauls-Kirche auf Bornholm, in den Kirchen von Tønder und Møgeltønder und im Giebelfeld der Holmenskirche (für die Marine bestimmt) in Kopenhagen.
König Christian ließ den vierbuchstabigen hebräischen Namen des Schöpfers auch an der Decke der Empfangshalle von Schloß Frederiksborg bei Hilleröd an einer gut sichtbaren Stelle anbringen. Ferner trägt eine seiner Münzen aus dem Jahr 1644 die Inschrift „יהוה Justus Judex“ oder „Jehova, der gerechte Richter“.
In Schweden erscheint das Tetragrammaton in der Marienkirche von Hälsingborg an der Holzverkleidung vor dem Altar. In Finnland ist es über dem Westportal der St.-Karls-Kirche von Helsinki zu sehen, ferner in der Kathedrale von Kuopio, in der neuen Kirche von Kauhajoki (Österbotten), in einer alten Kirche des Marktstädtchens Lohja und in der Kathedrale von Oulu im Norden des Landes.
Als Bestandteil der Kirchendekoration der Barockzeit gelangte das Tetragrammaton über den Ozean auch nach Amerika. In der St.-Paul’s-Kapelle der Dreifaltigkeitsgemeinde in New York, deren Bau 1776 vollendet wurde, erscheinen die vier hebräischen Buchstaben des Gottesnamens unmittelbar über dem Altar. Auch an der Kuppel über dem Altar sind sie in einem vergoldeten hölzernen Ornament, das die Sonnenstrahlen darstellt, zu sehen. In der Dreifaltigkeitskirche an der Wallstreet erscheinen die Buchstaben, die den göttlichen Namen darstellen, in einem bunten Glasfenster über dem Altar.
Heute dagegen sind die Vertreter der Christenheit bereit, den Eigennamen Gottes zu vergessen. Das inspirierte Wort Gottes sagt aber: „Jeder, der den Namen Jehovas anruft, wird gerettet werden.“ (Röm. 10:13; Joel 2:32) Heutige Geistliche stimmen jedoch mit der Ansicht überein, die ein kanadischer Pfarrer mit folgenden Worten zum Ausdruck brachte: „Es ist auch nicht wichtig, wie die Menschen Gott nennen. Er erhört ihre Gebete nicht weniger, weil sie ihn als ,Allah‘ oder wie die nordamerikanischen Indianer sogar als ,Manitu‘ anrufen.“ Sie vergessen ganz, daß es nicht darum geht, wie die Menschen Gott nennen, sondern darum, welchen Namen er selbst als seinen Eigennamen bekanntgegeben hat. — Jes. 42:8.
DAS GEHEIMNIS WIRD WEITER GEWAHRT
Man bewahrt also in der ganzen Christenheit weiterhin Stillschweigen über den heiligen Namen. Die Bedeutung des vierbuchstabigen Symbols, das in der Kirchendekoration so häufig vorkommt, ist für die meisten Kirchgänger weiterhin ein Geheimnis. Vielleicht betrachten sie es wie andere Geheimnisse ihrer Religion als etwas, was sie nicht ergründen können. Sie sprechen zwar immer wieder die Worte des Vaterunsers: „Dein Name werde geheiligt“, aber die wenigsten wissen, welche Verbindung zwischen diesem Symbol in ihrer Kirche — ob in der Kirche von Palafrugell-Gerona (Spanien), in der Kathedrale der belgischen Stadt Arlon, in den Kirchen von Differdingen und Düdlingen (Luxemburg), ob in der Karlskirche in Wien — und ihrem Gebet besteht.
Heute glaubt man in klerikalen Kreisen, besonderen Grund zu haben, den Namen Gottes zu verschweigen, da wir im Zeitalter der ökumenischen Bewegung leben, in dem man weniger Nachdruck darauf legt, was geglaubt wird, sondern vielmehr bereit ist, biblische Grundsätze im Interesse einer scheinbaren Vereinigung von Religionsgemeinschaften mit unterschiedlichen Ansichten aufzugeben. Für Personen, die nicht mehr an die Bibel glauben, ist der Gott der Bibel mit seinem selbstgewählten Namen Jehova zu streng, zu schnell bereit zu züchtigen und zu intolerant gegenüber Lügen, Heucheleien und unsittlichen Handlungen — ein Gott, der von seinen Anbetern ausschließliche Ergebenheit verlangt. — Nah. 1:2, NW.
Deshalb geben in der Christenheit Theologen und Übersetzer heute in ihren Bibelübersetzungen das Tetragrammaton oder die verständlichere Bezeichnung Jehova oder Jahve vorzugsweise mit einem neutraler klingenden Ausdruck, zum Beispiel mit „Herr“, wieder. Die Bibel gibt dem wahren Gott jedoch keinen anderen Namen, obwohl sie ihm verschiedene Titel beilegt. Sie bezeichnet ihn nur mit dem einen Eigennamen, dem Namen, den Gott selbst als seinen Namen bekanntgemacht hat und den wir nicht außer acht lassen sollten. — 2. Mose 34:5-7.
DAS VERSÄUMNIS DER CHRISTENHEIT
Das Versäumnis der Christenheit, den Namen Gottes zu erheben, ist eines der deutlichen Zeichen dafür, daß sie ausgedient hat. Trotz der vielen Beispiele dafür, daß dieser heilige Name einst hoch geehrt wurde, erwähnen ihn die Geistlichen im allgemeinen in ihren Gottesdiensten heute nicht. Sie nörgeln an der Form des Namens herum, ob man Jehova, Jahve usw. sagen sollte, und gebrauchen ihn schließlich überhaupt nicht, sondern ersetzen ihn durch den nichtssagenden Titel „Herr“.
Dieses Versäumnis der Geistlichkeit bleibt aber nicht unbeachtet. Der Gott der Bibel hat schon vor langer Zeit erklärt: „Mein Name wird groß sein unter den Nationen.“ (Mal. 1:11) Er hat in dieser Zeit des Endes seine Zeugen erweckt, damit sie seinen Namen und seinen Ruhm bis an die Enden der Erde verkündigen. Diese christlichen Zeugen Jehovas sind sich ihrer Verpflichtung, den Fußstapfen Jesu Christi, des Hauptzeugen, gewissenhaft zu folgen, völlig bewußt. Sie denken stets daran, daß Christus Jesus, als er auf der Erde wirkte, seinen Jüngern ‘den Namen seines Vaters bekanntgegeben hat’. (Joh. 17:26) Als ergebene Sklaven Gottes, des Höchsten, müssen auch sie den Eigennamen des wahren Gottes und sein wunderbares Vorhaben mit dem Menschen und der Erde bekanntmachen.
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Missionare ermutigt, gottgefällige Eigenschaften widerzuspiegelnDer Wachtturm 1969 | 1. Januar
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Missionare ermutigt, gottgefällige Eigenschaften widerzuspiegeln
„WAS seht ihr, wenn ihr in einen Spiegel schaut?“ Mit dieser Frage gab N. H. Knorr, der Präsident der Watch Tower Society, am Vormittag des 8. Septembers 1968 das Thema seiner Ansprache bekannt, die er bei der Abschlußfeier der 46. Klasse der Wachtturm-Bibelschule Gilead in New York hielt.
Er hob einen großen Spiegel hoch und fragte die 2 045 Zuhörer, was sie sehen könnten, wenn sie hineinschauten. Sie würden ihr Spiegelbild sehen. Doch dieses Spiegelbild zeige nur ihr Äußeres, ihr Aussehen. Es lasse nicht erkennen, wie es in ihrem Innern wirklich aussehe.
Dann hielt der Präsident eine aufgeschlagene Bibel hoch und fragte: „Was seht ihr, wenn ihr in diesen Spiegel schaut?“ Kann ein Mensch sich sehen, wenn er in dieses Buch schaut? Wenn wir die Bibel lesen, hören wir Jehova Gott zu, der zu uns spricht. Wir erfahren auf diese Weise, was Jehova von uns fordert, und können dann feststellen, was wir gemäß dem göttlichen Maßstab in Wirklichkeit sind. Wenn ein Christ in das Wort Gottes hineinschaut, kann er sich sogar viel besser sehen als in einem buchstäblichen Spiegel. Die Zuhörer schätzten diese vortreffliche Veranschaulichung.
Anhand des ersten Kapitels des Jakobusbriefes zeigte er, daß jemand, der nur ein Hörer des Wortes Gottes ist, aber kein Täter, „einem Manne gleich [ist], der sein natürliches Angesicht in einem Spiegel beschaut. Denn er beschaut sich und geht dann weg und vergißt sogleich, was für ein Mensch er ist.“ (V. 23, 24) Wer aber fortgesetzt in das vollkommene Gesetz Gottes hineinschaut und dessen Belehrung sich zu Herzen nimmt, wird seine Persönlichkeit dem Gesetz Gottes entsprechend ändern. Dann wird er glücklich sein, „weil er nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes geworden ist“. — V. 25.
Dieser Rat war für die neunundneunzig Missionare, die nach ihrer Ausbildung auf der Gileadschule nun in andere Länder gesandt wurden, besonders passend. Sie wurden daran erinnert, daß Gott nicht auf ihr Äußeres schaut, denn „Gott geht nicht nach der äußeren Erscheinung eines Menschen“. (Gal. 2:6) Viel wichtiger ist, wie sie aussehen, gemessen an Gottes Wort. Da diese Absolventen in andere Länder gehen, um die Menschen dort über die Wahrheiten aus der inspirierten Heiligen Schrift zu belehren, ist es wichtig, daß sie die Menschen dort sehen lassen, was sie in Wirklichkeit sind, daß sie Gott und sein Wort hochhalten und seine Gesetze befolgen.
Nach dieser Ansprache erhielten die Absolventen die Diplome, und es wurde bekanntgegeben, in welches Land jeder einzelne gesandt würde. Die neunundneunzig Absolventen kamen aus acht Ländern und wurden nach zweiunddreißig Ländern, größtenteils lateinamerikanischen und afrikanischen, gesandt.
Vorher hatte F. W. Franz, der Vizepräsident der Gesellschaft, gezeigt, daß der buchstäbliche Atem eines Menschen beweise, in welchem Körper- oder Gemütszustand er sich befinde oder was er in den Mund genommen habe. Genauso würde das, was er, bildlich gesprochen, ausatme, das heißt seine Äußerungen, beweisen, was für eine Persönlichkeit er sei oder wie es in seinem Inneren aussehe. (Spr. 20:27, NW) Er erwähnte Apostelgeschichte 9:1, wo von Saulus gesagt wird, daß er „Drohungen und Mord gegen die Jünger des Herrn schnaubte“. Doch nach seiner Bekehrung zum Christentum wurde er der Apostel Paulus, und danach äußerte er Worte, die sich zum Nutzen anderer auswirkten.
Der Vizepräsident wies darauf hin, daß Personen, die die „Luft“ der von Satan beeinflußten Welt einatmen würden, veranlaßt würden, Dinge auszuatmen, die sich zum Schaden anderer auswirkten. Diejenigen dagegen, die fortgesetzt die Erkenntnis Gottes in sich aufnehmen und sie in ihrem Leben anwenden, werden veranlaßt, sich zum Nutzen anderer zu betätigen. Sie atmen gleichsam Liebe, Frieden, Barmherzigkeit und
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