Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Gottes Name und Bibelübersetzer
    Der göttliche Name, der für immer bleiben wird
    • Gottes Name und Bibelübersetzer

      ZU Beginn des zweiten Jahrhunderts, nachdem der letzte Apostel gestorben war, begann der von Jesus und seinen Nachfolgern vorausgesagte Abfall vom christlichen Glauben voll einzusetzen. Heidnische Philosophien und Lehren drangen in die Versammlung ein; es kam zu Sekten und Spaltungen, und der ursprünglich reine Glaube wurde verderbt. Allmählich wurde auch Gottes Name nicht mehr gebraucht.

      Während sich dieses abtrünnige Christentum ausbreitete, entstand die Notwendigkeit, die Bibel aus den Ursprachen Hebräisch und Griechisch in andere Sprachen zu übersetzen. Wie gaben die Übersetzer den Namen Gottes in ihren Übersetzungen wieder? Gewöhnlich gebrauchten sie das entsprechende Wort für „Herr“. Eine sehr einflußreiche Übersetzung jener Zeit war die lateinische Vulgata, eine Bibelübersetzung von Hieronymus in der lateinischen Alltagssprache. Hieronymus gab das Tetragrammaton (JHWH) mit dem Ersatzwort Dominus, „Herr“, wieder.

      Schließlich entwickelten sich in Europa neue Sprachen, wie Französisch, Englisch und Spanisch. Die katholische Kirche wollte jedoch nicht, daß die Bibel in diese neuen Sprachen übersetzt wurde. Während also die Juden, die die Bibel in der hebräischen Ursprache lasen, sich weigerten, den Namen Gottes auszusprechen, wenn sie ihn sahen, hörten die meisten „Christen“ Bibelvorlesungen aus lateinischen Übersetzungen, in denen der Name nicht verwendet wurde.

      Mit der Zeit kam Gottes Name aber wieder in Gebrauch. Im Jahre 1278 tauchte er in lateinischer Schrift in dem Werk Pugio Fidei (Dolch des Glaubens) von dem spanischen Mönch Raymund Martini auf. Raymund Martini gebrauchte den Namen Yohoua.a Nicht lange danach, im Jahre 1303, vollendete Victor Porchet de Salvaticis ein Werk mit dem Titel Victoria adversus impios Ebreos (Sieg über die gottlosen Hebräer). Darin erwähnte auch er den Namen Gottes und schrieb ihn auf verschiedene Weise — Iohouah, Iohoua und Ihouah. Dann, im Jahre 1518, veröffentlichte Petrus Galatinus ein Werk mit dem Titel De arcanis catholicae veritatis (Über die Geheimnisse der universellen Wahrheit), in dem er Gottes Namen Iehoua schrieb.

      In einer englischen Bibel tauchte der Name zum erstenmal im Jahre 1530 auf, als William Tyndale eine Übersetzung der ersten fünf Bücher der Bibel herausgab. Der Name kam darin allerdings nur einmal vor, nämlich in 2. Mose 6:3, und zwar in der Form Iehouah. In einer Anmerkung in dieser Ausgabe schrieb Tyndale dazu: „Iehovah ist der Name Gottes ... Doch sooft man HERR in Großbuchstaben sieht (es sei denn, es liege ein Druckfehler vor), steht im Hebräischen Iehovah.“ Von daher stammt der Brauch, den Namen Jehovas nur in einigen Versen zu verwenden und an den meisten anderen Stellen, wo das Tetragrammaton im hebräischen Text vorkommt, „HERR“ oder „GOTT“ zu schreiben.

      Im Jahre 1611 erschien die am weitesten verbreitete englische Übersetzung, die Authorized Version. Darin kam der Name viermal im Haupttext vor (2. Mose 6:3; Psalm 83:18; Jesaja 12:2; 26:4). „Jah“, eine poetische Kurzform des Namens, kam in Psalm 68:4 vor. Außerdem erschien der vollständige Name als Bestandteil von Ortsnamen, wie „Jehova-jireh“ (1. Mose 22:14; 2. Mose 17:15; Richter 6:24). Doch im Anschluß an das Beispiel Tyndales ersetzten die Übersetzer den Namen Gottes an den meisten Stellen mit „LORD“ (HERR) oder „GOD“ (GOTT). Wenn aber Gottes Name in vier Versen stehen kann, warum kann er dann nicht auch in all den anderen Tausenden von Versen stehen, wo er im Hebräischen vorkommt?

      Etwas Ähnliches geschah in der deutschen Sprache. Im Jahre 1534 veröffentlichte Martin Luther seine vollständige Übersetzung der Bibel aus den Ursprachen. Aus irgendeinem Grund verwendete er nicht den Namen Gottes, sondern gebrauchte Ersatzwörter wie zum Beispiel HErr. Er kannte jedoch den göttlichen Namen, denn 1526 sagte er in einer Predigt über Jeremia 23:1-8: „Dieser Name Jehovah, HErr, gehöret allein dem wahren GOtt zu“ (D. Martin Luthers ... Sämtliche Schriften, hrsg. v. J. G. Walch, 6. Teil, 1741, Sp. 1393).

      Im Jahre 1543 schrieb Luther mit seiner charakteristischen Offenheit: „Daß sie [die Juden] nun vorgeben, der Name Jehovah, solle unaussprechlich seyn, wissen sie nicht was sie lallen: ... Und so er kann mit Federn und Tinten geschrieben werden, warum sollte er nicht auch mit dem Munde, der viel besser denn Federn und Tinten ist, genennet werden? Oder warum heißen sie ihn nicht auch unschreiblich, unleserlich, undenkerlich? Summa, es ist faul Ding“ (Sämtliche Schriften, 20. Teil, 1747, Sp. 2564, 2565). Trotzdem brachte Luther die Sache in seiner Bibelübersetzung nicht in Ordnung.

      Die deutsche Bibelübersetzung von Dr. Johannes Eck (1537) enthielt den Namen in einer Glosse zu 2. Mose 6:3. Andere deutsche Bibeln, die in den darauffolgenden Jahren erschienen, enthielten den Namen im Text von 2. Mose 6:3, und im Jahre 1575 erschien in Deutschland eine lateinische Bibel, die den Namen an allen Stellen enthielt.

      In den darauffolgenden Jahrhunderten schlugen die Bibelübersetzer zwei verschiedene Wege ein. Die einen gebrauchten den Namen Gottes überhaupt nicht, die anderen dagegen verwandten ihn häufig in den Hebräischen Schriften, entweder in der Form Jehova oder in der Form Jahwe. Betrachten wir nun einmal zwei Übersetzungen, die den Namen vermieden, und sehen wir, welche Erklärung die Übersetzer dafür gaben.

      Warum sie ihn wegließen

      Als J. M. Powis Smith und Edgar J. Goodspeed im Jahre 1935 eine moderne Bibelübersetzung herausgaben, stellten die Leser fest, daß der Name Gottes an fast allen Stellen mit HERR und GOTT ersetzt worden war. Der Grund dafür wurde im Vorwort erklärt: „In dieser Übersetzung sind wir der orthodoxen jüdischen Tradition gefolgt und haben ‚der Herr‘ als Ersatz für den Namen ‚Jahwe‘ verwendet und den Ausdruck ‚der Herr Gott‘ als Ersatz für den Ausdruck ‚der Herr Jahwe‘. In allen Fällen, in denen ‚Herr‘ oder ‚Gott‘ für das ursprüngliche ‚Jahwe‘ stehen, werden Kapitälchen verwendet.“

      Darauf wird etwas empfohlen, was einer genauen Umkehrung der jüdischen Tradition, JHWH zu lesen, aber „Herr“ auszusprechen, entspricht: „Jeder daher, der die Würze des Urtextes beibehalten möchte, braucht nur ‚Jahwe‘ zu lesen, wo er HERR oder GOTT sieht.“

      Wenn man das liest, fragt man sich unwillkürlich: Warum haben denn die Übersetzer in ihrer Übersetzung nicht „Jahwe“ geschrieben, wenn dies doch die Würze des Urtextes wiedergibt? Warum schrieben sie das Wort „HERR“ als Ersatz für Gottes Namen und ließen so die Würze des Urtextes verlorengehen?

      Die Übersetzer sagen, sie seien der orthodoxen jüdischen Tradition gefolgt. Doch ist das für einen Christen weise? Man sollte bedenken, daß es die Pharisäer, die Bewahrer der orthodoxen jüdischen Tradition, waren, die Jesus ablehnten und denen er vorwarf: „Und so habt ihr das Wort Gottes um eurer Überlieferung willen ungültig gemacht“ (Matthäus 15:6). Durch die Verwendung eines Ersatzwortes für den göttlichen Namen verliert Gottes Wort wirklich an Aussagekraft.

      Im Jahre 1952 erschien die Revised Standard Version der Hebräischen Schriften in Englisch, und auch diese Bibel gebrauchte Ersatzwörter für den Namen Gottes. Dies war insofern beachtenswert, als die ursprüngliche American Standard Version, deren Revision dies war, den Namen Jehova in den Hebräischen Schriften an allen Stellen enthielt. Somit war die Weglassung des Namens eine bedeutende Abweichung. Warum tat man dies?

      Im Vorwort der Revised Standard Version lesen wir: „Aus zwei Gründen ist das Komitee zu dem vertrauteren Brauch der King James Version [den Namen Gottes wegzulassen] zurückgekehrt: 1. Das Wort ‚Jehova‘ ist keine genaue Wiedergabe irgendeiner Form des im Hebräischen gebrauchten Namens. 2. Schon vor der christlichen Zeitrechnung wurde im Judaismus für den einen und alleinigen Gott kein Eigenname mehr gebraucht, als gäbe es andere Götter, von denen er unterschieden werden müßte, und so ist dies auch für den universellen Glauben der christlichen Kirche völlig unangebracht.“

      Sind diese Argumente vernünftig? Wie wir bereits gesehen haben, ist auch der Name Jesus keine genaue Wiedergabe der ursprünglichen Form des Namens des Sohnes Gottes. Dennoch war dies für das Komitee kein Anlaß, statt dieses Namens einen Titel wie „Mittler“ oder „Christus“ zu verwenden. Diese Titel kommen zwar vor, doch zusätzlich zum Namen Jesus, nicht an seiner Stelle.

      Das Argument, es gebe keine anderen Götter, von denen der wahre Gott unterschieden werden müsse, ist einfach nicht wahr. Millionen von Göttern werden von der Menschheit angebetet. Der Apostel Paulus schrieb, daß „es ja viele ‚Götter‘ ... gibt“ (1. Korinther 8:5; Philipper 3:19). Natürlich gibt es nur e i n e n wahren Gott, wie Paulus weiter sagt. Daher hat die Verwendung seines Namens den großen Vorteil, daß er dadurch von allen falschen Göttern unterschieden wird. Außerdem: Wenn die Verwendung des Namens Gottes „völlig unangebracht“ ist, warum steht er dann fast 7 000mal im Urtext der Hebräischen Schriften?

      Tatsache ist, daß viele Übersetzer nicht der Ansicht waren, der Name mit seiner heutigen Aussprache sei in der Bibel fehl am Platz. Sie haben ihn in ihrer Übersetzung verwendet, und das Ergebnis ist immer eine Übersetzung gewesen, die dem Autor der Bibel mehr Ehre gibt und sich getreuer an den Urtext hält. Einige weitverbreitete Übersetzungen, die den Namen enthalten, sind die Valera-Übersetzung (Spanisch, hrsg. 1602), die Almeida-Übersetzung (Portugiesisch, hrsg. 1681), die ursprüngliche Elberfelder Bibel (Deutsch, hrsg. 1871) sowie die American Standard Version (Englisch, hrsg. 1901). Andere Übersetzungen, vor allem die Herder-Bibel, die auch zusammen mit den Fußnoten der Jerusalemer Bibel erscheint, geben den Namen Gottes konsequent in der Form Jahwe wieder.

      Lesen wir nun einmal die Erklärungen einiger Übersetzer, die den Namen in ihrer Übersetzung verwenden, und vergleichen wir sie mit den Argumenten derer, die den Namen weglassen.

      Weshalb andere den Namen verwenden

      Folgendes schrieben die Übersetzer der American Standard Version vom Jahre 1901: „[Die Übersetzer] kamen nach sorgfältiger Betrachtung zu der einmütigen Überzeugung, daß ein jüdischer Aberglaube, der den göttlichen Namen für zu heilig hielt, um ausgesprochen zu werden, nicht länger in der englischen oder irgendeiner anderen Übersetzung des Alten Testamentes maßgeblich sein sollte ... Dieser Gedenkname, der in 2. Mose 3:14, 15 erklärt wird und im Urtext des Alten Testaments immer wieder hervorgehoben wird, kennzeichnet Gott als persönlichen Gott ... Dieser persönliche Name, der mit einer Menge heiliger Dinge verknüpft ist, ist nun im heiligen Text an den Platz zurückversetzt worden, auf den er unbestritten Anspruch hat.“

      Ähnlich lesen wir in dem Vorwort zur ursprünglichen Ausgabe der Elberfelder Bibel: „J e h o v a. Wir haben diesen Namen des Bundesgottes Israels beibehalten, weil der Leser seit Jahren an denselben gewöhnt ist.“

      Steven T. Byington, Übersetzer der Bible in Living English, erklärt, weshalb er Gottes Namen verwendet: „Schreibweise und Aussprache sind nicht von höchster Wichtigkeit. Sehr wichtig ist, daß man klar im Sinn behält, daß dies ein Eigenname ist. Es gibt mehrere Texte, die nicht richtig verstanden werden können, wenn wir diesen Namen mit einem allgemeinen Substantiv wie ‚Herr‘ oder, schlimmer noch, mit einem substantivierten Adjektiv [z. B. der Ewige] übersetzen.“

      Der Fall einer anderen Übersetzung, der von J. B. Rotherham, ist recht interessant. Er gebrauchte den Namen Gottes, bevorzugte aber die Form Jahwe. In einem späteren Werk jedoch, betitelt Studies in the Psalms, das 1911 erschien, kehrte er zu der Form Jehova zurück. Warum? Er erklärte: „JEHOVAH. — Der Gebrauch dieser englischen Form des Gedenknamens (2. Mose 3:18) in der vorliegenden Übersetzung des Psalters ist nicht auf irgendeinen Zweifel an der korrekteren Aussprache, nämlich Yahwéh, zurückzuführen, sondern allein auf die offenkundige Tatsache, daß es wünschenswert ist, mit dem Auge und dem Ohr der Öffentlichkeit in einer derartigen Angelegenheit, in der es hauptsächlich darauf ankommt, daß man den göttlichen Namen leicht erkennt, Kontakt zu behalten.“

      In Psalm 34:3 werden Anbeter Jehovas aufgerufen: „Hoch preiset mit mir Jehova, und laßt uns seinen Namen zusammen erheben.“ Wie können Leser von Bibelübersetzungen, die den Namen Gottes weglassen, dieser Aufforderung richtig nachkommen? Christen sind glücklich darüber, daß wenigstens einige Übersetzer den Mut hatten, den Namen Gottes in ihrer Wiedergabe der Hebräischen Schriften zu verwenden und so die „Würze des Urtextes“, wie Smith und Goodspeed es ausdrücken, zu bewahren.

      Die meisten Übersetzungen jedoch, die den Namen Gottes in den Hebräischen Schriften enthalten, gebrauchen ihn nicht im „Neuen Testament“. Welchen Grund haben sie dafür? Ist es gerechtfertigt, den Namen Gottes auch im letzten Teil der Bibel zu gebrauchen?

  • Der Name Gottes und das „Neue Testament“
    Der göttliche Name, der für immer bleiben wird
    • Der Name Gottes und das „Neue Testament“

      GOTTES Name hat in den Hebräischen Schriften, dem „Alten Testament“, einen unbestreitbaren Platz. Obwohl die Juden schließlich aufhörten, ihn auszusprechen, verbot es ihnen doch ihre religiöse Überzeugung, beim Abschreiben älterer Handschriften der Bibel den Namen auszumerzen. Daher enthalten die Hebräischen Schriften den Namen Gottes häufiger als irgendeinen anderen Namen.

      Mit den Christlichen Griechischen Schriften, dem „Neuen Testament“, verhält es sich anders. Handschriften der Offenbarung (des letzten Buches der Bibel) enthalten den Namen Gottes in seiner Kurzform „Jah“ (in dem Wort „Halleluja“). Doch abgesehen davon, enthält keine alte griechische Handschrift, die wir heute von den Büchern Matthäus bis Offenbarung besitzen, den vollständigen Namen Gottes. Bedeutet das, daß der Name dort nicht stehen sollte? Das wäre überraschend, da die Nachfolger Jesu ja die Wichtigkeit des Namens Gottes anerkannten und Jesus uns lehrte, um die Heiligung des Namens Gottes zu beten. Was geschah also?

      Um dies zu verstehen, müssen wir bedenken, daß die Handschriften der Christlichen Griechischen Schriften, die wir heute besitzen, nicht die Originale sind. Die eigentlichen Bücher, die von Matthäus, Lukas und den anderen Bibelschreibern geschrieben wurden, wurden viel gebraucht und waren schnell abgenutzt. Daher wurden Abschriften angefertigt, und wenn diese abgenutzt waren, wurden von diesen Abschriften weitere Abschriften hergestellt. Das jedenfalls sollten wir annehmen, da die Abschriften gewöhnlich zum Gebrauch und nicht zur Aufbewahrung angefertigt wurden.

      Heute sind Tausende von Abschriften der Christlichen Griechischen Schriften vorhanden, aber die meisten davon wurden während oder nach dem 4. Jahrhundert u. Z. hergestellt. Das legt folgende Möglichkeit nahe: Ist mit dem Text der Christlichen Griechischen Schriften vor dem 4. Jahrhundert irgend etwas geschehen, was zur Weglassung des Namens Gottes geführt hat? Die Tatsachen sprechen dafür.

      Der Name war da

      Wir können davon überzeugt sein, daß der Apostel Matthäus den Namen Gottes in seinem Evangelium gebrauchte. Warum? Weil er es ursprünglich in Hebräisch niederschrieb. Im 4. Jahrhundert berichtete Hieronymus, der die Vulgata übersetzte: „Matthäus, der auch Levi ist und der von einem Zöllner zu einem Apostel wurde, und zwar als erster aller Evangelisten, verfaßte ein Evangelium von Christus in Judäa in der hebräischen Sprache ... Wer es danach ins Griechische übersetzte, ist nicht hinreichend gesichert. Darüber hinaus wird das Hebräische selbst bis auf diesen Tag in der Bibliothek von Cäsarea aufbewahrt.“

      Da Matthäus in Hebräisch schrieb, ist es unvorstellbar, daß er den Namen Gottes nicht gebrauchte, besonders wenn er Stellen aus dem „Alten Testament“ zitierte, die den Namen enthielten. Doch andere Schreiber des zweiten Teiles der Bibel schrieben für eine internationale Leserschaft in der Weltsprache jener Zeit, in Griechisch. Daher zitierten sie nicht aus dem hebräischen Urtext, sondern aus der griechischen Septuaginta. Auch das Evangelium des Matthäus wurde schließlich ins Griechische übersetzt. Erschien Gottes Name in diesen Griechischen Schriften?

      Nun, einige sehr alte Fragmente der Septuaginta, die in den Tagen Jesu existierte, sind bis heute erhalten geblieben, und es ist bemerkenswert, daß der Eigenname Gottes darin vorkommt. Im Theologischen Begriffslexikon zum Neuen Testament (Bd. 1, S. 660) heißt es: „Neuere Textfunde lassen es als zweifelhaft erscheinen, ob schon die Verfasser der LXX das Tetragramm JHWH mit κύριος [kỵrios] übersetzt haben. Die ältesten uns jetzt zur Verfügung stehenden LXX-Hss. (Fragmente) schreiben mitten im griech. Text das Tetragramm in hebr. Buchstaben; dieser Brauch wurde von späteren jüd. Übersetzern des AT noch in den ersten Jh.en der christl. Zeit beibehalten.“ Ob daher Jesus und seine Jünger die Heilige Schrift in Hebräisch oder in Griechisch lasen — sie stießen in jedem Fall auf den göttlichen Namen.

      George Howard, Professor an der Universität von Georgia (USA), erklärte daher: „Wo die Septuaginta, die die neutestamentliche Kirche gebrauchte und aus der sie zitierte, die hebräische Form des göttlichen Namens enthielt, verwendeten die neutestamentlichen Schreiber das Tetragrammaton zweifellos in ihren Zitaten“ (Biblical Archaeology Review, März 1978, S. 14). Mit welchem Recht hätten sie das auch unterlassen können?

      Gottes Name blieb noch einige Zeit in griechischen Übersetzungen des „Alten Testaments“ erhalten. In der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts u. Z. gab der jüdische Proselyt Aquila eine neue Übersetzung der Hebräischen Schriften ins Griechische heraus, und darin schrieb er den Namen Gottes in Form des Tetragrammatons in althebräischen Buchstaben. Im 3. Jahrhundert schrieb Origenes: „In exakteren Handschriften ist dieser Name mit hebräischen Buchstaben geschrieben, aber nicht mit den modernen, sondern mit den alten“ (zitiert nach: P. Kahle, Der hebräische Bibeltext seit Franz Delitzsch, 1961, S. 46).

      Noch im 4. Jahrhundert schrieb Hieronymus in seinem Vorwort zu den Büchern Samuel und Könige: „Wir finden den Namen des Herrn, das Tetragrammaton [d. h. יהוה], in bestimmten griechischen Büchern selbst bis auf den heutigen Tag mit den alten Buchstaben.“

      Die Ausmerzung des Namens

      Bis dahin hatte jedoch der von Jesus vorausgesagte Abfall Formen angenommen, und der Name wurde, obwohl er in den Handschriften stand, immer weniger gebraucht (Matthäus 13:24-30; Apostelgeschichte 20:29, 30). Schließlich wurde er von vielen Lesern nicht einmal mehr erkannt, und wie Hieronymus berichtete, „pflegten etliche Unkundige wegen der Ähnlichkeit der Buchstaben, wenn sie ... [das Tetragrammaton] in griechischen Büchern fanden, gewöhnlich ΠΙΠΙ zu lesen“.

      In späteren Abschriften der Septuaginta wurde Gottes Name durch Wörter wie „Gott“ (Theós) und „Herr“ (Kýrios) ersetzt. Wir wissen, daß dies geschah, weil man frühe Fragmente der Septuaginta gefunden hat, in denen Gottes Name enthalten war, sowie spätere Abschriften der gleichen Teile der Septuaginta, aus denen der Name entfernt worden war.

      Das gleiche geschah mit dem „Neuen Testament“ oder den Christlichen Griechischen Schriften. Professor George Howard schreibt: „Als in der Septuaginta die hebräische Form des göttlichen Namens zugunsten griechischer Ersatzwörter ausgemerzt wurde, wurde sie auch in neutestamentlichen Zitaten aus der Septuaginta ausgemerzt. ... Bald war der Name Gottes für die Heidenkirche gänzlich verloren, sofern er sich nicht in den verkürzten Surrogaten widerspiegelte oder Gelehrte sich gelegentlich daran erinnerten.“

      Während sich daher die Juden weigerten, den Namen Gottes auszusprechen, gelang es der abtrünnigen christlichen Kirche, ihn vollständig aus griechischsprachigen Handschriften beider Teile der Bibel auszumerzen sowie aus anderssprachigen Übersetzungen.

      Die Notwendigkeit des Namens

      Wie wir bereits gesehen haben, wurde der Name schließlich in vielen Übersetzungen der Hebräischen Schriften wiedereingeführt. Doch wie verhält es sich mit den Griechischen Schriften? Nun, Übersetzer und Erforscher der Bibel erkannten, daß einige Teile der Christlichen Griechischen Schriften ohne den Namen Gottes nur sehr schwer richtig zu verstehen sind. Die Wiedereinführung des Namens ist eine große Hilfe, indem sie die Klarheit und Verständlichkeit des zweiten Teiles der inspirierten Bibel vermehrt.

      Betrachte zum Beispiel die Worte des Paulus an die Römer, wie sie in der Luther-Bibel erscheinen: „Denn ‚wer den Namen des Herrn wird anrufen, soll gerettet werden‘ “ (Römer 10:13). Wessen Namen müssen wir anrufen, um gerettet zu werden? Da Jesus oft als „Herr“ bezeichnet wird und es in einem Schrifttext sogar heißt: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!“, sollten wir da zu dem Schluß kommen, daß Paulus hier von Jesus sprach? (Apostelgeschichte 16:31, Luther-Bibel).

      Nein, das sollten wir nicht. Die Luther-Bibel verweist nämlich am Ende von Römer 10:13 auf Joel 3:5 in den Hebräischen Schriften. Wenn du dort nachliest, wirst du feststellen, daß Paulus in seinem Römerbrief in Wirklichkeit die Worte Joels zitierte; und gemäß dem hebräischen Urtext sagte Joel: „Ein jeder, der den Namen Jehovas anruft, [wird] sicher davonkommen“ (Joel 2:32 nach der Kapitel- und Verseinteilung der Neuen-Welt-Übersetzung). Ja, Paulus meinte hier, daß wir den Namen Jehovas anrufen sollten. Somit müssen wir zwar an Jesus glauben, doch unsere Rettung hängt mit der richtigen Wertschätzung für den Namen Gottes zusammen.

      Dieses Beispiel zeigt, daß die Ausmerzung des Namens Gottes aus den Griechischen Schriften dazu beigetragen hat, daß Jesus und Jehova von vielen verwechselt werden. Zweifellos trug dies sehr zur Entwicklung der Dreieinigkeitslehre bei.

      Sollte der Name wiedereingeführt werden?

      Hat ein Übersetzer das Recht, den Namen wiedereinzuführen, wenn er doch in den vorhandenen Handschriften nicht steht? Jawohl. Die meisten griechischen Lexika erkennen an, daß sich das Wort „Herr“ in der Bibel oft auf Jehova bezieht. Zum Beispiel heißt es in Robinsons Werk A Greek and English Lexicon of the New Testament (1859) unter Kýrios („Herr“): „Gott als der höchste Herr und Souverän des Universums, in der Sept[uaginta] gewöhnlich für hebr[äisch] יְהוָה Jehova.“ An den Stellen, an denen die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften aus den früheren Hebräischen Schriften zitieren, hat der Übersetzer somit das Recht, das Wort Kýrios mit „Jehova“ wiederzugeben, wo immer der göttliche Name im hebräischen Urtext vorkam.

      Viele Übersetzer haben dies getan. Spätestens vom 14. Jahrhundert an wurden zahlreiche Übersetzungen der Christlichen Griechischen Schriften in die hebräische Sprache angefertigt. Was taten die Übersetzer, wenn sie auf Zitate aus dem „Alten Testament“ stießen, in denen Gottes Name vorkam? Oft sahen sie sich gezwungen, den Namen Gottes in den Text wiedereinzuführen. Viele Übersetzungen der gesamten Christlichen Griechischen Schriften und einzelner Teile daraus ins Hebräische enthalten den Namen Gottes.

      Eine Reihe Übersetzungen in moderne Sprachen, besonders solche, die von Missionaren verwendet werden, sind diesem Beispiel gefolgt. So wird zum Beispiel in vielen Übersetzungen der Griechischen Schriften in Sprachen Afrikas, Asiens, Amerikas und der pazifischen Inseln der Name Jehova freimütig gebraucht, so daß die Leser deutlich den Unterschied zwischen dem wahren Gott und den falschen Göttern erkennen können. Der Name ist auch in Übersetzungen in europäische Sprachen enthalten.

      Eine Übersetzung, die den Namen Gottes mutig und zu Recht wiedereingeführt hat, ist die Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften. Diese Übersetzung, die gegenwärtig in 11 Sprachen erhältlich ist, auch in Deutsch, hat den Namen Gottes an jeder Stelle wiedereingeführt, wo in den Griechischen Schriften eine Stelle aus den Hebräischen Schriften zitiert wird, die ihn enthält. Insgesamt kommt der Name in dieser Übersetzung der Griechischen Schriften mit gutem Grund 237mal vor.

      Widerstand gegen den Namen

      Trotz der Bemühungen vieler Übersetzer, den Namen Gottes in der Bibel wiedereinzuführen, ist von religiöser Seite immer Druck ausgeübt worden, ihn auszumerzen. Die Juden ließen ihn zwar in ihren Bibeln stehen, weigerten sich aber, ihn auszusprechen. Abtrünnige Christen des 2. und 3. Jahrhunderts entfernten ihn, als sie Abschriften griechischer Bibelmanuskripte anfertigten, und ließen ihn aus, als sie die Bibel in andere Sprachen übersetzten. Übersetzer in neuerer Zeit haben ihn weggelassen, auch wenn sie ihre Übersetzung auf den hebräischen Urtext stützten, wo er nahezu 7 000mal vorkommt (im Text der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift, englische Ausgabe 1984, steht er 6 973mal).

      Wie denkt Jehova über Personen, die seinen Namen aus der Bibel entfernen? Was würdest du empfinden, wenn du der Verfasser eines Buches wärest und sich jemand alle Mühe gäbe, deinen Namen aus dem Buch zu entfernen? Übersetzer, die gegen den Namen Einwände erheben, weil man seine richtige Aussprache nicht genau weiß oder weil sie der jüdischen Tradition folgen, könnten mit den Personen verglichen werden, von denen Jesus sagte, sie würden ‘die Mücke aussieben, das Kamel aber hinunterschlucken’ (Matthäus 23:24). Sie stolpern über diese kleineren Probleme, aber verursachen selbst ein viel größeres Problem — indem sie den Namen der bedeutendsten Person des Universums aus dem Buch, das von ihr inspiriert ist, entfernen.

      Der Psalmist schrieb: „Wie lange, o Gott, wird der Widersacher weiterhin schmähen? Wird der Feind deinen Namen stets respektlos behandeln für immer?“ (Psalm 74:10).

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen