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Deckt Gottes Barmherzigkeit alle deine Sünden zu?Der Wachtturm 1974 | 15. November
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der Teufel hat von Anfang an gesündigt. Zu diesem Zweck ist der Sohn Gottes offenbar gemacht worden, nämlich um die Werke des Teufels abzubrechen“ (1. Joh. 3:4-8).
KEINE STRAFFREIHEIT FÜR SOLCHE, DIE SÜNDE TREIBEN
6. Wie denkt Jehova über Personen, die sündigen?
6 Wer Gottes Anerkennung erlangen oder behalten möchte, sollte Paulus’ Worte an die Versammlungen in Galatien gut beachten: „Laßt euch nicht irreführen: Gott läßt sich nicht verspotten. Denn was immer ein Mensch sät, das wird er auch ernten; denn wer im Hinblick auf sein Fleisch sät, wird von seinem Fleisch Verderben ernten, wer aber im Hinblick auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten“ (Gal. 6:7, 8). Gott vergibt Sünden, und er betrachtet die Kinder Adams, die in Sünde geboren wurden, barmherzig und mitleidvoll (Ps. 51:5). Jedoch offenbarte sich der wahre Gott Moses als „Jehova, ein Gott, barmherzig und gnädig ..., der Vergehung und Übertretung und Sünde verzeiht, doch keinesfalls wird er Straffreiheit gewähren“ (2. Mose 34:6, 7). Selbst im Falle König Davids, mit dem Jehova einen Bund für das Königreich geschlossen hatte, machte er keine Ausnahme. David wurde für seine Sünden bestraft, aber weil er bereute, wurde ihm auch barmherzig vergeben. Doch Jehova vergibt nicht solchen, die die gerechten Grundsätze, auf denen sein eigener Thron gegründet ist, vorsätzlich verletzen, noch denen, die sich das Sündigen zur Gewohnheit machen. (Vergleiche Hebräer 1:8, 9.) Im Gegenteil. Zwischen ihm und solchen Menschen besteht aktive Feindschaft, und sie können keinesfalls dem Gericht entrinnen, das er für sie vorgesehen hat.
7. Welches ist die richtige Ansicht über Jehovas Barmherzigkeit, aber wie denken einige darüber?
7 Das sollte uns nicht zu dem Schluß verleiten, daß Jehova kein Gott der Geduld und der Langmut sei. Gemäß seinem eigenen Zeugnis sagte er über seine Verfahrensweise mit der Nation Israel in alter Zeit: „Ich habe kein Gefallen am Tode des Bösen, sondern daran, daß ein Böser von seinem Wege umkehrt und tatsächlich am Leben bleibt“ (Hes. 33:11). Und obwohl einige der Bösen seine Geduld unvernünftig ausnutzen und sogar über die Warnung spotten, daß eines Tages seine Langmut zu Ende sei, läßt er sie gewähren, damit diejenigen, die ein ehrliches Herz haben, zu ihm umkehren und gerettet werden können (2. Petr. 3:3, 4, 9, 15; Röm. 2:4).
8. Inwiefern kommt Jehovas Langmut allen Menschen zugute?
8 Alle Menschen, sogar die Bösen, ziehen aus Gottes Barmherzigkeit Nutzen. Er enthält ihnen das zum Leben Notwendige nicht vor. Jesus führte uns diese Eigenschaft Jehovas, nämlich seine unverdiente Güte, als ein Beispiel vor Augen, indem er uns daran erinnerte, daß unser himmlischer Vater „seine Sonne über Böse und Gute aufgehen und es über Gerechte und Ungerechte regnen läßt“ (Matth. 5:45). Und als Adam und Eva Gottes Gesetz mißachteten, indem sie im Garten Eden von dem verbotenen Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aßen, ließ Jehova sie aus Barmherzigkeit gegenüber ihren ungeborenen Nachkommen so lange leben, bis Kinder geboren worden waren.
9. Wie haben zahllose Millionen Menschen die Zeit der Langmut Jehovas ausgenutzt, und wie wird sich das schließlich für sie auswirken?
9 Viele haben Jehovas fortwährende unverdiente Güte und Langmut angenommen, ohne ihren Zweck zu verfehlen, doch andererseits haben zahllose Millionen von Adams Tagen an diese vorübergehende Zeit, die Zeit der Geduld Jehovas, als eine Gelegenheit benutzt, um im Widerspruch zu Gott zu leben und alle Arten ungerechter Handlungen zu begehen, die im Gegensatz zu Gottes ausdrücklichem Willen stehen (2. Kor. 6:1; Röm. 1:28-32). Aber Gott ist genausowenig verpflichtet, sie ewig zu ertragen, wie er es gegenüber Adam und Eva war, die zur bestimmten Zeit in den ewigen Tod gingen, so, wie es Jehova für sie bestimmt hatte (1. Mose 3:19; 5:5). Die Zeit der Geduld Jehovas ist bald zu Ende. Wenn sie zu Ende ist, werden Jehovas himmlische Heerscharen die ihnen zugewiesene Aufgabe der Urteilsvollstreckung übernehmen, und Jehovas Barmherzigkeit wird denen nicht zugute kommen, die dann immer noch gesetzlos handeln, die nicht umgekehrt sind und das Kennzeichen eines wahren Jüngers Christi nicht erhalten haben (Hes. 9:5, 6). Wird Gottes Barmherzigkeit alle deine Sünden zudecken, wenn es soweit ist?
STÄNDIGE WACHSAMKEIT NÖTIG
10. (a) Wie sollten Personen, die Gott hingegeben und getauft sind, die Barmherzigkeit, die Gott ihnen ständig erweist, betrachten? (b) Welchen Trost können sie aus den Worten des Johannes in 1. Johannes 2:1-6 schöpfen?
10 Wenn du die gerechten Verordnungen Jehovas noch nicht kennengelernt und als Lebensweg akzeptiert haben solltest, darfst du keine Zeit verlieren. Du mußt schnell handeln, wenn du vor Jehovas Hinrichtungsstreitkräften das Kennzeichen eines wahren Christen tragen möchtest. Doch schon viele, die die Seiten dieser Zeitschrift gelesen haben, haben bereits erkannt, daß sie vor Gott Sünder sind, und sie haben ihre schlechte Lebensweise bereut, sind umgekehrt und haben Gottes Vorkehrung zur Versöhnung, Gottes kostbare Gabe für die Menschheit, das Opfer seines lieben Sohnes, angenommen. Haben sie dadurch die Garantie, daß Gott ihnen ständig Gunst erweisen, also ihnen seine unveränderliche Barmherzigkeit zuteil werden lassen wird? Wer sich bereits Gott hingegeben und dies durch die Wassertaufe symbolisiert hat, weiß, daß er fortwährend wachsam sein muß (1. Kor. 10:12). Er weiß, daß er unvollkommen ist, und er ist sich des Konflikts, der in ihm vor sich geht, bewußt, so daß er mit dem Fleische ein Sklave des Gesetzes der Sünde ist, mit seinem Sinn aber ein Sklave des Gesetzes Gottes (Röm. 7:25). Er weiß, daß es verschiedene Grade von Missetaten und unterschiedliche Arten von Sünden gibt — Sünden gegen Menschen, Sünden gegen Gott und Christus, Sünden gegen den eigenen Leib, Sünden durch Mitschuld an den Sünden anderer sowie viele weitere Verstöße. Doch folgende Worte des Apostels Johannes trösten ihn: „Wenn jemand eine Sünde begeht, so haben wir einen Helfer beim Vater, Jesus Christus, einen Gerechten. Und er ist ein Sühnopfer für unsere Sünden, doch nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt. Und dadurch wissen wir, daß wir ihn kennengelernt haben, nämlich wenn wir fortfahren, seine Gebote zu halten. Wer sagt: ,Ich habe ihn kennengelernt‘ und dennoch seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner, und die Wahrheit ist nicht in diesem. Wer aber sein Wort hält, in diesem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollkommen gemacht worden. Dadurch wissen wir, daß wir in Gemeinschaft mit ihm sind. Wer sagt, er bleibe in Gemeinschaft mit ihm, ist verpflichtet, selbst auch weiterhin so zu wandeln, wie jener wandelte“ (1. Joh. 2:1-6).
11. Wie können wir mit Jesu Worten beweisen, daß schon ein ungeziemendes Verhalten bei alltäglichen Verrichtungen dazu führen kann, daß wir vom Weg des Lebens abgleiten?
11 Wer sich auf dem Weg zum Leben befindet, vertraut auf Gottes Barmherzigkeit, die durch Jesus Christus zum Ausdruck kommt, und wird sich bemühen, in den Wegen Gottes zu wandeln. Doch obwohl er sich vor den schweren Sünden hütet, durch die er offensichtlich der Barmherzigkeit Gottes verlustig ginge, weiß er, daß es viele Handlungen oder Versäumnisse gibt, durch die sein Verhältnis zu Gott ernsthaft gefährdet werden könnte. Er weiß zum Beispiel, daß Jesus seinen Jüngern nichts Schlechtes anlastete, sie aber davor warnte, sich bei gewissen alltäglichen Verrichtungen ungeziemend zu verhalten, wodurch sie vom Weg des Lebens abgleiten könnten. Jesus sagte: „Gebt aber auf euch selbst acht, damit euer Herz niemals durch zuviel Essen und zuviel Trinken und Sorgen des Lebens beschwert werde und jener Tag [der Vollstreckung des Gerichts Jehovas] plötzlich, in einem Augenblick, über euch komme wie eine Schlinge“ (Luk. 21:34, 35). Wer Jesu Fußstapfen genau nachfolgen möchte, erkennt daher, daß er nichts ungefährdet außer acht lassen und nicht denken darf, eine Sache sei zu unbedeutend, als daß er ernsthaft und sorgfältig darauf achten müßte.
12. Von welch schwerwiegender Bedeutung ist es für uns, ob wir anderen vergeben? Gib biblischen Rat.
12 Können wir es uns angesichts dieser aufrüttelnden Ermahnung Jesu leisten, die Worte außer acht zu lassen oder zu bagatellisieren, die Jesus uns beten lehrte: „Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben.“? Bittest du Gott darum aufrichtig und mit Unterscheidungsvermögen? Diese Worte darf man nicht leichtnehmen. Jesus fügte hinzu: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, wird euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben“ (Matth. 6:12, 14, 15). Jesus ermahnte weiter: „Hört auf zu richten, damit ihr nicht gerichtet werdet; denn mit dem Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit dem Maß, mit dem ihr meßt, wird man euch messen. Warum schaust du also auf den Strohhalm im Auge deines Bruders, beachtest aber nicht den Balken in deinem eigenen Auge? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ,Erlaube mir, den Strohhalm aus deinem Auge zu ziehen‘, wenn, siehe! ein Balken in deinem eigenen Auge ist? Heuchler! Ziehe zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann wirst du klar sehen, wie du den Strohhalm aus deines Bruders Auge ziehen kannst“ (Matth. 7:1-5).
BARMHERZIGKEIT — EINE POSITIVE EIGENSCHAFT
13. Welche verschiedenen Bedeutungen hat das Wort „Barmherzigkeit“, wie es in der Bibel benutzt wird?
13 So, wie das Wort Barmherzigkeit im Deutschen gebraucht wird, bezieht es sich oft auf ein Verschonen mit Strafe aus Mitleid oder Sympathie. Und in diesem Sinn wird es auch in der Bibel gebraucht. Wenn Gott Barmherzigkeit erweist, ist es immer im Einklang mit seinen anderen Eigenschaften und gerechten Maßstäben auch mit seiner Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit (Ps. 40:11; Hos. 2:19). Und da alle Menschen durch Vererbung Sünder sind und den Lohn der Sünde, den Tod, empfangen, ist es verständlich, daß Gottes Barmherzigkeit oft die Verzeihung von Irrtum oder die Erleichterung eines Urteils oder einer Strafe einschließt. Doch das hebräische und das griechische wie auch das deutsche Wort bezieht sich nicht allein auf Vergebung oder auf das Verschonen mit Strafe. Meistens bezieht sich der Begriff „Barmherzigkeit“ nicht auf eine negative Handlung, auf ein Verzichten (zum Beispiel auf Bestrafung), sondern auf eine positive Handlung, auf eine Äußerung von Rücksichtnahme oder Mitleid, um solchen, die benachteiligt sind und die der Barmherzigkeit bedürfen, Erleichterung zu verschaffen. Wie zu erwarten, zeigt die Bibel daher, daß die Barmherzigkeit Jehovas Gottes nicht eine Eigenschaft ist, die er nur dann anwendet, wenn Menschen vor seinem Richterstuhl stehen, weil sie irgendein Unrecht begangen haben. Vielmehr ist sie eine charakteristische Eigenschaft der Persönlichkeit Gottes und kennzeichnet sein übliches Verhalten gegenüber denen, die in Not sind. Sie ist ein Ausdruck seiner Liebe (2. Kor. 1:3; 1. Joh. 4:8).
14. Welches Licht werfen Jesu Taten der Barmherzigkeit auf die Bedeutung des Begriffes?
14 Das gleiche trifft auf Jesus zu. Er erwies nicht nur denen Barmherzigkeit, die ihm widerstanden oder die ihn beleidigten. Zu denen, die ihn veranlaßten, Barmherzigkeit und Mitleid zu bekunden, gehörten die Blinden, die von Dämonen Besessenen, die Aussätzigen und diejenigen, deren Kinder leidend waren (Matth. 9:27; 15:22; 17:15; Mark. 5:18, 19; Luk. 17:12, 13). Auf die flehentliche Bitte hin: „Habe Erbarmen mit uns“ wirkte Jesus Wunder, um ihnen Erleichterung zu verschaffen. Er tat dies nicht routinemäßig oder gleichgültig, sondern weil er „von Mitleid bewegt“ war (Matth. 20:33, 34).
15. Wie vergleicht Johannes Gottes Liebe mit der unsrigen?
15 Werden dadurch die Worte von Jakobus, dem Halbbruder Jesu, nicht noch bedeutungsvoller, der sagte: „Für den, der nicht Barmherzigkeit übt, wird das Gericht ohne Barmherzigkeit sein.“? (Jak. 2:13). Gottes Barmherzigkeit uns gegenüber ist so groß, daß wir gezwungen sind, unseren Mitmenschen Barmherzigkeit zu erweisen, wenn auch unsere Äußerung der Barmherzigkeit im Vergleich dazu verhältnismäßig gering sein mag. Johannes sagte: „Geliebte, laßt uns einander weiterhin lieben, weil die Liebe aus Gott ist, und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht kennengelernt, weil Gott Liebe ist. Dadurch wurde die Liebe Gottes in unserem Fall kundgemacht, daß Gott seinen einziggezeugten Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn Leben erlangen könnten. Die Liebe besteht in dieser Hinsicht nicht darin, daß wir Gott geliebt haben, sondern, daß er uns geliebt hat und seinen Sohn als ein Sühnopfer für unsere Sünden gesandt hat. Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, dann sind wir selbst verpflichtet, einander zu lieben“ (1. Joh. 4:7-11).
WIE WEIT GOTTES BARMHERZIGKEIT GEHT
16. Wie groß ist Gottes Barmherzigkeit zu uns im Vergleich zu der Barmherzigkeit, die wir anderen erweisen könnten und wie veranschaulichte Jesus dies in Matthäus 18:23-35?
16 Das mag manchmal schwierig erscheinen, und die Fehler oder die anscheinenden Schwächen unserer christlichen Brüder mögen derart sein, daß wir geneigt sind, das Erfordernis, Liebe zu üben und Barmherzigkeit zu erweisen, außer acht zu lassen und uns einzureden, daß Jesus bestimmt nicht meinte, wir sollten solch „extreme“ Fehler bei anderen übersehen. Doch Paulus zeigt, daß Gottes Liebe viel größer ist als die Liebe, die wir üben könnten, indem er sagt: „Gott aber empfiehlt seine eigene Liebe zu uns dadurch, daß Christus für uns starb, während wir noch Sünder waren“ (Röm. 5:8). Wieviel größer sind doch die Sünden, die Gott uns vergeben hat, als irgendwelche Sünden, die wir unseren christlichen Brüdern zu vergeben hätten! Und die Barmherzigkeit Gottes, die wir benötigen und die dadurch zum Ausdruck kommt, daß er eine Vorkehrung zur Erlösung geschaffen hat, kann keinesfalls mit der Barmherzigkeit gleichgestellt werden, die wir unseren Brüdern zu erweisen haben. Ist es da ein Wunder, daß sich Gottes Barmherzigkeit nicht auf solche erstrecken kann, die selbst nicht barmherzig sind? (Kol. 3:13; vergleiche Matthäus 18:23-35).
17. Wie könnten wir uns, obwohl wir Gott hingegeben sind, Gottes Strafgericht zuziehen, doch welche Zusicherung gibt Jakobus?
17 Folgende Frage ist daher für uns von schwerwiegender Bedeutung: Deckt Gottes Barmherzigkeit alle meine Sünden zu? Könnte ich von Gott wegen des Versäumnisses, anderen Barmherzigkeit und Liebe zu erweisen, verurteilt werden, selbst wenn ich mich Jehova Gott hingegeben, dies durch die Wassertaufe symbolisiert und dadurch an Gott die Bitte um ein gutes Gewissen gestellt habe? (1. Kor. 13:1-3). Jakobus warnte, wie bereits zitiert: „Denn für den, der nicht Barmherzigkeit übt, wird das Gericht ohne Barmherzigkeit sein.“ Doch Jakobus fügte dieser Ermahnung folgende tröstliche Zusicherung hinzu: „Barmherzigkeit frohlockt triumphierend über das Gericht“ (Jak. 2:13). Inwiefern? Und auf welche Weise könnten wir es schon heute, vor dem Tag des Gerichts, versäumen, Barmherzigkeit zu erweisen, und uns dadurch ein ungünstiges Urteil zuziehen?
18. Welches Beispiel für Barmherzigkeit können wir betrachten, nach welchem Muster der Barmherzigkeit richtete sich Joseph aus, und in welcher Hinsicht?
18 Ein hervorragendes Beispiel für Barmherzigkeit im vollen Sinne des Wortes finden wir bei Joseph, dem Lieblingssohn Jakobs. Aber Joseph folgte in der Barmherzigkeit, die er erwies, dem Beispiel, das Jehova gleichzeitig gab. Ob Joseph von Anfang an das volle Ausmaß der Barmherzigkeit Gottes ihm und dem Haushalt seines Vaters gegenüber erkannte, sagt der Bibelbericht nicht. Aber Joseph vertraute völlig darauf, von Jehova befreit zu werden, und ließ nie in seinem Entschluß nach, Jehovas Leitung zu folgen und sich streng an seine gerechten Erfordernisse zu halten, die er von seinem Vater Jakob gelernt hatte. Und immer, wenn Joseph in großer Not war, kam ihm Jehovas Barmherzigkeit zu Hilfe, so daß er zur gegebenen Zeit in die zweitprominenteste Stellung in der Welt seiner Tage gelangte, ja in eine solche Machtstellung, daß er sich, wenn er gewollt hätte, ungestraft an allen hätte rächen können, die ihn mißhandelt hatten. Er konnte seine Stellung aber auch gebrauchen, um für sie ein großer Segen zu sein. Wie Joseph Barmherzigkeit erwies, und zwar nicht nur gegenüber denen, die Unrecht begangen hatten, sondern in zartem Erbarmen und Mitgefühl auch gegenüber den Bedürftigen, und wie diese wahre Geschichte uns zeigen kann, inwiefern „Barmherzigkeit ... triumphierend über das Gericht“ frohlockt, soll der folgende Artikel zeigen. Es wäre sehr interessant und lehrreich, vorher sorgfältig 1. Mose, Kapitel 37 bis 47 zu lesen.
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Wie barmherzig bist du?Der Wachtturm 1974 | 15. November
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Wie barmherzig bist du?
1. Warum gibt es für die weitverbreitete Unbarmherzigkeit der gegenwärtigen Generation keine Entschuldigung?
IN DIESER Zeit der Unduldsamkeit und der Selbstsucht ist jemand, der barmherzig handelt, wirklich ein erfrischender Segen. Über den wahren Gott heißt es: „Jehova ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an liebender Güte. Jehova ist gut gegen alle, und seine Erbarmungen sind über alle seine Werke“ (Ps. 145:8, 9). Und Jesus ermahnte uns: „Fahrt fort, barmherzig zu werden, wie euer Vater barmherzig ist“ (Luk. 6:36). Welch eine Anklage gegen die gegenwärtige Generation sind daher die unerträglichen Zustände, die das Ergebnis der zahllosen Verdächtigungen, Rivalitäten und Feindseligkeiten sind, die unter den Völkern und Nationen herrschen!
2. Nur wem erweist Gott Barmherzigkeit, und warum?
2 In Sprüche 28:27 heißt es: „Wer dem Minderbemittelten gibt, wird keinen Mangel haben, aber wer seine Augen verhüllt, wird viele Flüche auf sich laden.“ Daraus geht hervor, daß Gott denen, die ‘ihre Augen verhüllen’, keine Barmherzigkeit erweisen wird. Gott ist nicht sentimental. Wenn er Barmherzigkeit erweist, handelt er immer im Einklang mit seinen anderen Eigenschaften und seinen gerechten Maßstäben, auch mit seinem Recht und seiner Heiligkeit (Hos. 2:19). Jemand, der auf Gottes Barmherzigkeit pocht und sich einbildet, Gott werde ihm weiterhin Barmherzigkeit erweisen, ganz gleich, was er tue, wird bitter enttäuscht werden. Wer durch seine Taten und seinen Lebenswandel Gottes gerechte Wege willentlich mißachtet, sündigt gegen Gott, und der wahre Gott wird mit Recht ‘seine Erbarmungen im Zorn verschließen’ (Ps. 77:9; Röm. 2:4-11).
3. Welche Fragen könnten uns helfen, zu beurteilen, wie barmherzig wir sind?
3 Jakobus, ein Halbbruder Jesu, erteilte eine begründete Warnung und gab gleichzeitig eine Zusicherung, als er schrieb: „Denn für den, der nicht Barmherzigkeit übt, wird das Gericht ohne Barmherzigkeit sein. Barmherzigkeit frohlockt triumphierend über das Gericht“ (Jak. 2:13). Wie barmherzig bist du? Fällt es dir leicht, Vergehungen zu übersehen, die gegen dich begangen werden mögen, oder fällt es dir schwer, so etwas zu vergessen? Bist du dir der Bedürfnisse derer, die um dich herum sind, bewußt, und tust du etwas für sie, oder muß man dich ständig darauf aufmerksam machen? Neigst du dazu, an den Beweggründen anderer zu zweifeln, oder kannst du anerkennen und glauben, daß andere aufrichtig und ohne Falsch sind? Neigst du dazu, dich mehr um die zu bemühen, die angesehen oder auf irgendeinem Gebiet besonders begabt sind, oder kannst du an rein geistigen Interessen wahre Freude finden? Würdest du, wenn du dich im Lichte dieser Fragen beurteilen solltest, feststellen, daß es dir an Barmherzigkeit fehlt? Die Antwort auf diese Fragen ist wichtig, denn, ganz gleich, ob wir uns persönlich darüber Gedanken machen oder nicht, Jehovas Gericht wird über uns als einzelne kommen, so, wie er es durch Jakobus hat zeigen lassen. Und nur demjenigen, der Barmherzigkeit geübt hat, wird Barmherzigkeit erwiesen werden, wenn er ins Gericht kommt.
4. Woran kann man einen barmherzigen Menschen erkennen?
4 Wer barmherzig ist, hegt keinen Groll; er ist bereit, sich mit Verurteilung und Bestrafung zurückzuhalten, wenn es die Umstände gestatten; er gibt großzügig sowohl in materieller als auch in geistiger Hinsicht; er denkt an die, die in Not sind, und kümmert sich um sie; er ist weder parteiisch noch stolz, noch eifersüchtig; er vollbringt Taten der Nächstenliebe und
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