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Wie schätzt du das Alter ein?Erwachet! 1979 | 22. September
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viel mehr erlebt als jüngere Leute. Ihre Auffassungen und Erinnerungen können sehr wertvoll sein. Das gilt ganz besonders dann, wenn ein älterer Mensch sein Leben im Einklang mit den Gesetzen und Grundsätzen Gottes gelebt hat. Über solche Personen lesen wir in der Bibel: „Eine Krone der Schönheit ist graues Haar, wenn sie auf dem Wege der Gerechtigkeit gefunden wird“ (Spr. 16:31).
Alte Menschen gleichen einem verborgenen Schatz. Aber damit ein Schatz von Nutzen ist, muß er entdeckt und verwertet werden. Der Reichtum, den alte Menschen an Wissen, Erkenntnis und Weisheit besitzen, muß „angezapft“ werden. Es ist daher zu empfehlen, daß die Kinder, die Teens und die Tweens sowie die Leute mittleren Alters mit den älteren Familiengliedern Gedankenaustausch pflegen. Und wenn ein älterer Mensch wortkarg ist, kann man ihn taktvoll um seine Meinung bitten. Überrascht wird man dann feststellen, wie bereichernd so ein Gespräch sein kann. Alte Menschen indes werden dadurch ermuntert und angeregt.
Alte Menschen können aber nicht nur guten Rat geben und Wissen vermitteln, sondern viele junge Leute, die aus dem Gleichgewicht gekommen sind, haben im Umgang mit Älteren, deren Herzlichkeit, Güte und Verständnis sie als wohltuend empfinden, inneren Frieden gefunden. Ein liebes Wort von einer älteren Person kann dazu beitragen, daß die Probleme des Tages leichter bewältigt werden. All das erklärt, warum sich Großeltern gewöhnlich so gut als Babysitter eignen.
Das bedeutet nicht, daß jeder ältere Mensch nur Worte der Weisheit und der Ermunterung äußert (Pred. 4:13). Es gibt niemand, der das tut. Häufig mögen sich alte Leute auch irren. Aber wer irrt sich nicht? Außerdem mögen sie wie andere Leute gewisse Eigenheiten haben. Aber trotz ihrer Unvollkommenheiten, die im Alter noch ausgeprägter sein mögen, will Gott, daß wir auf sie Rücksicht nehmen und sie respektieren.
Wie man helfen kann
In einer Stadt wohnten zwei ältere Frauen, die miteinander befreundet waren. Jede hatte ihr eigenes Häuschen. Eines Nachts schneite es stark. Am darauffolgenden Morgen, als eine der beiden aus dem Fenster schaute, sah sie zu ihrer Überraschung, daß der Schnee vor ihrem Haus bereits weggekehrt war.
Die Frau wußte nicht, wer ihr, ohne ein Wort zu sagen oder sich dafür bezahlen zu lassen, diese Freundlichkeit erwiesen hatte. Sie rief ihre Freundin an und erzählte ihr den Vorfall. Diese berichtete nun ihrerseits — ebenfalls ganz erstaunt —, daß auch vor ihrem Haus der Schnee weggeschippt worden sei.
Wochen danach schneite es eines Nachts wieder. Am darauffolgenden Morgen stellten beide erneut fest, daß vor ihrem Haus der Schnee weggeräumt war. Einige Zeit danach wurden wieder starke Schneefälle angekündigt, und die Vorhersage traf auch ein. An jenem Abend legte sich eine der beiden Frauen früh schlafen und stand morgens um 6 Uhr auf. Als sie aus dem Fenster blickte, sah sie, wie ein 12jähriger vor ihrem Haus Schnee schaufelte.
Wie beglückte es sie und ihre Freundin, daß jemand an sie gedacht und ihnen diesen Dienst erwiesen hatte! Warum schaufelte der Junge den Schnee so früh weg? Die beiden Frauen sollten nicht sehen, wer es tat, und sich nicht verpflichtet fühlen, dafür zu bezahlen. Der Junge erwies den beiden Frauen einen großen Dienst. Das ist nur ein Beispiel dafür, was man alles tun kann, um der alten Generation die Last, die das Alter mit sich bringt, etwas zu erleichtern.
Taktvoll helfen
Gleichgewicht und Takt sind ebenfalls erforderlich. Wenn man seine Hilfe anbietet, darf man es nicht in herrischem, arrogantem Ton tun oder gar heftig werden. Auch sollte man sich nicht aufdrängen, sondern der alte Mensch sollte unbedingt das Gefühl haben, frei zu sein, selbst zu entscheiden.
Zum Beispiel beobachtete einmal ein Mann, wie sich eine alte Frau mit einem schweren Paket abschleppte. Er fragte sie höflich: „Kann ich Ihnen tragen helfen?“ Sie lächelte, bedankte sich für das Angebot, lehnte aber ab mit den Worten: „Das kann ich immer noch selbst tun.“
Ein anderes Beispiel: An einem Wintertag wollte ein Mann eine belebte Straßenkreuzung überqueren. Dabei fiel sein Blick auf eine ältere Frau, die am Rand des Bürgersteiges stand und ängstlich auf die Straße schaute. Dann bemerkte er den Schnee- und Eishaufen, über den sie hinwegsteigen mußte. Er wandte sich ihr zu und fragte: „Kann ich Ihnen helfen?“ Sie antwortete schnell: „Ja bitte.“
Besuche bedeuten viel
Älteren Menschen bereiten Besuche große Freude. So sagte ein älterer Mann: „Die Besucher haben keine Ahnung, welche Freude sie jemandem bereiten, dessen Kinder und Enkel weit weg wohnen.“ Man kann ihnen ein interessantes Erlebnis erzählen oder sie auf eine Meldung aufmerksam machen, die für sie wichtig sein mag. Häufig kann man ihnen aber keinen größeren Dienst erweisen, als gut zuzuhören.
Ältere Menschen, die nicht mehr gut sehen, schätzen es auch, wenn man ihnen vorliest. Man kann ihnen etwas Erbauendes aus einem Brief, den man bekommen hat, vorlesen. Oder vielleicht sagen sie dir, was du ihnen vorlesen solltest. Sie mögen den Wunsch haben, daß du ihnen etwas aus der Bibel vorliest und es dann mit ihnen besprichst. Viele halten auch die abwechslungsreichen Artikel, die in der Zeitschrift Erwachet! und in der biblischen Zeitschrift Der Wachtturm veröffentlicht werden, für interessanten und erbauenden Lesestoff, der sich lohnt, vorgelesen zu werden.
Außerdem kann man ihnen gelegentlich als Beweis der Anteilnahme ein kleines Geschenk bringen: etwas Eßbares, eine Pflanze oder vielleicht etwas, was man selbst verfertigt hat. Ja, wenn du siehst, daß es notwendig ist, könntest du ihnen sogar ein Geldgeschenk machen. Ferner kannst du ihnen anbieten, für sie zu kochen, oder wenn sie noch rüstig genug sind, kannst du sie einladen, mit dir auswärts essen zu gehen. Vielleicht sind sie auch dankbar, wenn sie von jemandem in seine Wohnung oder zu einem geselligen Beisammensein eingeladen werden. Biete dich an, sie dahin zu begleiten. Wenn du das tust, solltest du dich vergewissern, daß sich einer der Anwesenden um sie kümmert.
Manchmal treten im Alter Krankheiten oder Gebrechen auf, die es dem alten Menschen unmöglich machen, notwendige Besorgungen, wie das Einkaufen von Lebensmitteln, selbst zu verrichten. Man erweist ihnen einen Liebesdienst, wenn man für sie einkauft oder dafür sorgt, daß es jemand für sie tut.
Ja, es gibt viele Möglichkeiten, Betagten das Leben zu erleichtern. Solche Taten verraten den gottgefälligen Geist des Gebens. Wer Betagten beisteht, hat aber auch selbst Nutzen davon, denn zu wissen, daß man tut, was recht ist, erfüllt einen mit Befriedigung. Gewöhnlich hängen die Betagten mit großer Liebe an denen, die ihnen helfen. Jesus sagte: „Beglückender ist Geben als Empfangen“ (Apg. 20:35).
Das war der Grund, warum der 12jährige Junge den beiden älteren Damen den Schnee vor ihrem Haus wegschaufelte. Seine gottgefällige Einstellung war das Ergebnis der Erziehung, die er als Sohn eines Zeugen Jehovas genoß und durch die er mit biblischen Grundsätzen vertraut gemacht wurde. Sein Vater hatte ihn gelehrt, daß es für einen Diener Gottes nicht genügt, an Gott zu glauben, sondern daß er auch Gutes tun muß (Jak. 2:26).
Hilfe finanzieller Art
In vielen Ländern besteht eine gesetzlich geregelte Versorgung alter Menschen, und selbstverständlich ist es richtig, diese Vorkehrung in Anspruch zu nehmen.
Dennoch kommt es vor, daß die finanziellen Mittel unzureichend sind oder daß keine Einkommensquelle mehr vorhanden ist. Sind in solchen Fällen erwachsene Kinder verpflichtet, betagten Eltern oder Großeltern finanzielle Unterstützung zu gewähren? Über diese wichtige Frage wird in Gottes Wort folgendes gesagt:
„Wenn aber irgendeine Witwe Kinder oder Enkel hat, so laß diese zuerst lernen, in ihrem eigenen Hause Gottergebenheit zu pflegen und ihren Eltern und Großeltern beständig eine gebührende Vergütung zu erstatten, denn das ist in Gottes Augen annehmbar.
Bestimmt hat jemand, der für die Seinigen und besonders für seine Hausgenossen [betagte Eltern oder Großeltern] nicht sorgt, den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger“ (1. Tim. 5:4, 8).
Die Behauptung, man habe nicht die Pflicht, betagte Eltern zu unterstützen, ist mit der Vernunft unvereinbar. Die Eltern haben jahrelang für die Kinder gesorgt. Sie haben sie 18 bis 20 Jahre lang oder noch länger ernährt, sie haben sie ausbilden lassen und haben ihnen außer Geld noch vieles andere gegeben. Als sie noch hilflose Säuglinge waren, haben die Eltern alles für sie getan. Auch haben sie sie gepflegt, wenn sie krank waren. Warum sollten die Kinder, wenn sie erwachsen sind, nicht die Aufgabe übernehmen, für ihre betagten Eltern zu sorgen?
Natürlich mag der Zeitpunkt kommen, da die Angehörigen nicht mehr in der Lage sind, einem Betagten die angemessene Pflege zuteil werden zu lassen. Dann mag es besser sein, ihn in ein Altenpflegeheim oder Altenkrankenheim zu bringen. Doch in diesem Fall sollten die Angehörigen den Betagten häufig besuchen. Die letzten Lebensjahre in einem Altenpflegeheim zubringen zu müssen ist nicht angenehm.
Wird es immer so sein, daß die Menschen alt und im Alter vielleicht sogar bettlägerig werden, so daß sie auf Tätigkeiten, die ihnen einst Freude bereitet haben, verzichten müssen und nur noch den Tod vor Augen haben?
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Wie können alte Menschen wieder jung werden?Erwachet! 1979 | 22. September
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Wie können alte Menschen wieder jung werden?
ES IST vielsagend, daß der Mensch im Grunde genommen nicht alt werden und nicht sterben möchte. Er versucht, so lange wie möglich jung und vital zu bleiben.
Diese Einstellung ist im Einklang mit einer anderen wichtigen Tatsache: Der Mensch wurde nicht so geschaffen, daß er unweigerlich alt werden und sterben mußte. Alter und Tod sind nicht nur unerwünscht, sondern auch unnatürlich.
Ist es denn nicht der Wille unseres Schöpfers, daß wir kurze Zeit leben und dann altern und sterben? Hat er nicht die Mechanismen des Alterns in Gang gesetzt, die schließlich zum Tod führen? Ist das nicht der normale Ablauf des menschlichen Lebens?
Das von Gott inspirierte Buch, die Bibel, verneint diese Fragen. Der Mensch wurde nicht geschaffen, um zu sterben. Ja er wurde nicht einmal geschaffen, um — wie wir heute — alt zu werden. Für die ersten Menschen waren Alter und Tod anfänglich etwas Fremdes.
Bitte lies die ersten drei Kapitel des ersten Buches Mose, wo berichtet wird, wie Gott den ersten Mann und die erste Frau erschuf. An keiner Stelle wird gesagt, daß es dem Menschen bestimmt war, zu altern und zu sterben.
Vielmehr geht aus der Bibel klar hervor, daß die ersten Menschen alt wurden und starben, weil sie das Gesetz Gottes übertraten, weil sie sich gegen Gott auflehnten (1. Mose 2:15-17; 3:1-5, 17-19). Hätten unsere Ureltern die Gesetze Gottes gehalten, hätten sie sich Gott untergeordnet, so wären sie heute noch am Leben. Obwohl diese vollkommenen Menschen schon Tausende von Jahren alt wären, würden sie nicht altern und müßten nicht sterben.
Ein Durchbruch steht bevor
Mit der Erschaffung der ersten Menschen zielte Gott darauf ab, die ganze Erde mit gerechten Menschen zu füllen, die in paradiesischen Verhältnissen für immer darauf leben sollten.
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