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„Ich brauche einen Rechtsanwalt!“Erwachet! 1979 | 8. Juni
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ein ortsansässiger Geschäftsmann, ein Steuerberater oder ein Bekannter einen tüchtigen Rechtsanwalt empfehlen.
Hast du von einem Rechtsanwalt einen Termin erhalten, so fühle dich dennoch nicht verpflichtet, gleich den ersten, den du aufsuchst, mit der Wahrnehmung deiner Interessen zu betrauen. Lege ihm kurz dein Problem dar, und frage ihn, was die Beratung kostet. Du kannst dir dann die Sache überlegen oder auch noch einen anderen Anwalt konsultieren, bevor du entscheidest, welchem Rechtsanwalt du das Mandat erteilen willst.
Es sollte dir nicht unangenehm sein, zu fragen, wieviel der Anwalt für seine Dienste berechnen wird. Würdest du ein Auto kaufen, ohne nach dem Preis zu fragen? Handelt es sich um eine Beratung über den Kauf eines Hauses oder die Gründung einer Firma, wird es einfach sein, die Höhe der Beratungsgebühren zu berechnen. Bei einem Prozeß dagegen läßt sich gewöhnlich nicht von Anfang an genau festlegen, wie hoch das Anwaltshonorar sein wird. Aber auch in einem solchen Fall sollte es dem Rechtsanwalt möglich sein, wenigstens ungefähr die Kosten des Rechtsstreits abzuschätzen.
Man sollte bei Rechtsanwälten vorsichtig sein, die mit großer Selbstsicherheit Erfolg in einem Rechtsstreit verheißen. Der Ausgang eines Prozesses ist im besten Fall ungewiß.
Vielerorts haben Anwaltsvereine, Gerichte, Gewerkschaften oder Gemeinden Rechtsauskunftsstellen für Bedürftige errichtet. Auch in den USA gibt es ähnliche Einrichtungen, doch sie werden oft von den Rechtsanwälten kritisiert mit dem Hinweis, wegen der niedrigen Preise könne keine gute Arbeit geleistet werden.
Eine vor kurzem von der Universität Miami durchgeführte Befragung der Kunden einer solchen Rechtsauskunftsstelle ergab jedoch, daß „die Qualität der Dienste nicht unbedingt schlechter ist, im Gegenteil, in einigen Fällen ist sie sogar besser“. Timothy Muris, Professor der Rechtswissenschaft, sagte: „Wenn sich die Beratungsstellen mehr spezialisieren und eine bessere Kontrolle über die Zahl der Fälle haben, kann sich die Qualität ihrer Dienste durchaus verbessern.“ Doch in Kanadac ist für manch einen, der in eine Lebenskrise geraten ist, die Möglichkeit, einem mehr persönlich orientierten Rechtsanwalt alles erzählen zu können, was ihn bedrückt, und von ihm Beistand zu erhalten, die zusätzlichen Kosten wert.
Ohne Anwalt auskommen
Kannst du dein eigener Anwalt sein? Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, z. B. von deinem Problem, von deiner Persönlichkeit und von deinen Fähigkeiten. Wenn du keine Erfahrung hast und der Fall wichtig ist, solltest du vorsichtig sein.
Man sollte auch daran denken, daß ein Rechtsanwalt unbeteiligt ist und die Umstände sachlich beurteilt. Gefühle können die wichtigen Fragen verdunkeln und das Urteilsvermögen beeinträchtigen.
Testamentsangelegenheiten sind sehr schwierig. Läßt man Testamente jedoch durch einen Notar errichten, so macht sich das oft mehr als bezahlt. Es ist deshalb vernünftig, die eigenen Fähigkeiten nicht zu überschätzen, wenn man die Frage erwägt, ob man sich einen Rechtsanwalt oder Notar nehmen soll oder nicht.
Wenn jemand meint, sein Fall liege so, daß es seine geistigen und seelischen Kräfte nicht übersteigt, wenn er den Fall selbst führt, kann er (in Kanada) sich in einem Schreibwarenladen, der Formulare für Rechtsangelegenheiten führt, Blankoformulare holen.
Wer seinen Fall selbst führt und später die Erfahrung macht, daß die Sache doch zu kompliziert ist, kann immer noch einen Anwalt bitten, den Fall zu Ende zu führen. Ein erfahrener Anwalt sagte jedoch warnend: „Es kostet fast immer weniger, den Anwalt schon von Anfang an zu bemühen als erst dann, wenn die Sache schon weitgehend verfahren ist.“
Vielleicht möchte man einen Rechtsstreit wegen einer verhältnismäßig kleinen Summe vor dem Amtsgericht für Bagatellsachen selbst führen. In diesem Fall ist es nützlich, vor dem Prozeß schon einmal bei einer Gerichtsverhandlung zugegen gewesen zu sein und zugesehen zu haben, wie sie abläuft. Manche Richter sind Personen gegenüber sehr freundlich, die versuchen, ohne Rechtsvertreter auszukommen.
Ein junger Mann in den USA, der ein Vermögen erbte, hielt die Gebühr, die der Anwalt für die Abwicklung der damit verbundenen Geschäfte verlangte, für zu hoch. Der junge Mann sprach mit einem befreundeten Rechtsanwalt darüber, und dieser machte ihn darauf aufmerksam, inwiefern die Gebühren zu hoch waren. Der junge Mann bereitete sich sorgfältig auf die Gerichtsverhandlung vor und trat dann gut gewappnet, entschlossen und furchtlos auf. Der Richter reduzierte die Anwaltsgebühren um 6 000 US-Dollar.
In gewissen Fällen kann man also sein eigener Rechtsanwalt sein. Dagegen gibt es viele Fälle, in denen die Fachkenntnisse und Dienste eines Rechtsanwalts unerläßlich sind. Vielleicht sind dir diese Darlegungen nützlich, wenn du dich nach einem tüchtigen Rechtsanwalt umsehen mußt.
Wird es je eine Zeit geben, in der niemand mehr einen Rechtsanwalt benötigen wird, in der der Anwaltsberuf der Vergangenheit angehören wird? Im nachfolgenden Artikel wird besprochen, wie schon jetzt Schritte in dieser Richtung unternommen werden.
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Das Gesetz anerkennen — jetzt und für immerErwachet! 1979 | 8. Juni
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Das Gesetz anerkennen — jetzt und für immer
IN EINIGEN Ländern gibt es Extremisten, die der Rechtsordnung gegenüber negativ eingestellt sind und sie am liebsten zerstören würden. Obschon Rechtsordnungen viele Schwächen haben, erkennen Leute, die fair sind, an, daß selbst diese unvollkommenen Rechtsordnungen für die Völker von Nutzen sind. Gesetze und Gerichte ermöglichen die Beseitigung vieler Ungerechtigkeiten. Gewissenhafte Richter, die ihr Amt ernst nehmen, bekunden oft große Weisheit und Einsicht beim Lösen von Rechtsproblemen.
Selbst die Bibel erkennt an, daß der Staat das Recht besitzt, Gesetze zum Wohle der Bevölkerung zu erlassen und durchzusetzen.
„Wer das Gute tut, braucht die Herrschenden nicht zu fürchten. Das müssen nur die, die Böses tun. ... die Staatsgewalt steht im Dienst Gottes um euch beim Tun des Guten zu helfen. Wenn ihr aber Unrecht tut, müßt ihr euch vor ihr fürchten“ (Röm. 13:3, 4, Die Gute Nachricht).
Der gute Bürger erkennt an, daß das Recht einen wichtigen Beitrag zum Wohl des Volkes leistet. Nach besten Kräften unterstützt er Polizisten, Richter und andere gewissenhafte Beamte bei ihren Bemühungen, für Recht und Ordnung zu sorgen — wichtige Voraussetzungen für eine Gesellschaftsordnung.
Nicht gleich vor Gericht gehen
Der Staatsbürger kann außerdem die Gerichte entlasten, indem er sich bemüht, wenn immer möglich, Streitigkeiten außergerichtlich zu schlichten oder Probleme anders zu lösen. Viele Streitigkeiten könnten von vornherein vermieden werden, wenn Vereinbarungen schriftlich festgehalten würden. Was uns gesagt wird, kann leicht vergessen oder mißverstanden werden. Eine schriftliche Vereinbarung braucht kein komplizierter, von einem Rechtsanwalt aufgesetzter Vertrag zu sein. Ein Hauseigentümer zum Beispiel, der mit einem Handwerker (einem Maler, Schreiner, Mechaniker oder Klempner) mündlich bestimmte Vereinbarungen getroffen hat, könnte — angenommen, es handelt sich um Malerarbeiten — diese folgendermaßen zu Papier bringen: „Hiermit bestätige ich unser Gespräch vom vergangenen Donnerstag. Sie erklärten
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