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Gibt es eine Zeit zu richten?Der Wachtturm 1975 | 1. Mai
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Wenn du nun das Gesetz richtest, bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter. Einer ist es, der Gesetzgeber und Richter ist, er, der zu retten und zu vernichten vermag. Du aber, wer bist du, daß du deinen Nächsten richtest?“ (Jak. 4:11, 12).
Jakobus gebrauchte zu Recht solch nachdrückliche Worte, denn Christen wird geboten, ihre Brüder zu lieben (Jak. 2:8; 1. Joh. 3:14-17). Wären sie liebevoll, wenn sie gegen ihre Brüder redeten oder deren Handeln, deren Beweggründe und deren Lebensweise nach einem anderen als dem biblischen Maßstab richteten? Gewiß nicht. Vielmehr würden sich Personen, die so richteten, sozusagen selbst über das Gesetz der Liebe, das Gott gab, erheben (Matth. 22:36-40; Röm. 13:8-10). Sie würden ‘dieses Gesetz richten’, als ob es auf sie nicht anzuwenden sei.
Was kann dazu führen, daß jemand seine Brüder falsch „richtet“ oder beurteilt? Er mag erwarten, daß sie in rein persönlichen Angelegenheiten nach seinem Gewissen entscheiden. Er mag ihren Wert und ihre Beweggründe aufgrund seines Geschmacks und der Art, wie er handelt, beurteilen. Dabei läßt er die Tatsache außer acht, daß Menschen sehr verschieden sind und verschiedene Bedürfnisse, Neigungen und Abneigungen haben. Es ist daher wichtig, darüber zu wachen, daß man keine allzu hohe Meinung von sich hat. Kein unvollkommener Mensch kann sich selbst als Maßstab betrachten, nach dem er andere richten könnte.
Christen wird auch davon abgeraten, Ungläubige zu „richten“. Der Apostel Paulus erinnerte die Christen in Korinth daran, daß „Gott die richtet, die draußen sind“ (1. Kor. 5:13). Gottes ergebenes Volk hat kein Recht, Personen außerhalb der Versammlung zu richten und ihnen eine Strafe zuzudiktieren. Christen gilt die Ermahnung: „Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt dem Zorn Raum; denn es steht geschrieben: ,Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht Jehova‘“ (Röm. 12:19).
Christen können in dieser Hinsicht das gute Beispiel des Erzengels Michael nachahmen. Als Michael wegen des Leibes Mose mit dem Teufel einen Wortwechsel hatte, „wagte er nicht, über ihn in lästernden Worten ein Gericht zu bringen, sondern sprach: ,Jehova schelte dich‘“ (Jud. 9). Auf diese Weise zeigte Michael gebührende Achtung und erkannte Jehova als höchsten Richter an.
Überdies sollten Christen nicht urteilen, andere seien zu sündhaft, als daß sie es verdienten, die „gute Botschaft“ von Gottes Königreich zu hören. Wie sie wissen, ist es Gottes Wille, daß alle Menschen, wenn sie es nur wünschen, zu einer genauen Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden (1. Tim. 2:3, 4). Daher sollten sie ihre Liebe zum Nächsten dadurch zeigen, daß sie sich unvoreingenommen bemühen, einen jeden mit der tröstenden Botschaft der Bibel zu erreichen.
Es steht somit fest, daß Christen andere Personen nur auf biblischer Grundlage richten oder beurteilen können. Würden sie sich auf ihre persönliche Meinung oder Vorliebe stützen, so könnte es dazu führen, daß sie von Jehova Gott, dem höchsten Richter, verurteilt würden.
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Die große Debatte wird fortgesetztDer Wachtturm 1975 | 1. Mai
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Die große Debatte wird fortgesetzt
WANN beginnt das Leben? Bei der Geburt oder bei der Zeugung? Diese grundsätzliche Frage beschäftigt zur Zeit die Gesetzgeber mehrerer Länder. In einem Hearing, das unlängst vor dem amerikanischen Senat im Zusammenhang mit dem Schwangerschaftsabbruch durchgeführt wurde, äußerten sich verschiedene Wissenschaftler über den Beginn des Lebens. Einer von ihnen, Dr. J. Lejeune, ein französischer Genetiker, sagte: „Das ,Etwas‘, womit wir begonnen haben, ist von Anfang an ein Mensch gewesen ..., dasselbe menschliche Wesen von der Fekundation [Befruchtung] an bis zum Tod.“ In seiner Argumentation, in der er dafür eintrat, daß das Leben bei der Zeugung beginnt, führte er aus: „Die Tatsache, daß wir uns während der neun Monate im Innern des schützenden Leibes unserer Mutter entwickeln müssen, ändert daran nichts.“
Ein Wissenschaftler, der für den Schwangerschaftsabbruch eintrat, sagte bei diesem Hearing, es gehe hierbei hauptsächlich um eine „religiös-sittliche“ Frage. Man könnte sich deshalb fragen: Wie bezeichnet das bedeutendste aller religiösen Bücher das Ungeborene? Lediglich als ein Stück Gewebe? Die Bibel sagt: „Bevor du ... aus dem Mutterschoß hervorkamst, heiligte ich dich“ (Jer. 1:5). In Gottes Augen war Jeremia schon vor seiner Geburt am Leben. Auch der inspirierte Psalmist David sagte: „Du hieltest mich abgeschirmt im Leibe meiner Mutter. ... Deine Augen sahen selbst den Embryo von mir, und in dein Buch waren alle seine Teile eingeschrieben“ (Ps. 139:13-16).
Während Wissenschaftler und Gesetzgeber weiter debattieren, haben die, die der Bibel glauben, die Antwort schon längst erhalten, und zwar von dem größten Wissenschaftler, vom Urheber des Lebens selbst (Ps. 36:9).
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Fragen von LesernDer Wachtturm 1975 | 1. Mai
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Fragen von Lesern
● Was meinte der Apostel Paulus mit den Worten: „Wenn aber das Vollständige gekommen ist, wird das Teilweise weggetan werden“?
Diese Worte erscheinen in einer Betrachtung, in der der vorzügliche Weg der Liebe hervorgehoben wird. Darin heißt es: „Die Liebe versagt nie. Seien es aber Gaben des Prophezeiens, sie werden weggetan werden, seien es Zungen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. Denn wir erkennen teilweise, und wir prophezeien teilweise; wenn aber das Vollständige gekommen ist, wird das Teilweise weggetan werden. Als ich ein Unmündiger war, pflegte ich wie ein Unmündiger zu reden, wie ein Unmündiger zu denken, wie ein Unmündiger zu überlegen; nun aber, da ich ein Mann geworden bin, habe ich die Merkmale eines Unmündigen abgelegt. Denn jetzt sehen wir mit Hilfe eines metallenen Spiegels in verschwommenen Umrissen, dann aber wird es von Angesicht zu Angesicht sein. Jetzt erkenne ich teilweise, dann aber werde ich genau erkennen, so, wie ich genau erkannt worden bin“ (1. Kor. 13:8-12).
Mit diesen Worten zeigte Paulus, daß die Wundergaben des Prophezeiens, der Erkenntnis und des Zungenredens nicht von Dauer seien. Sie sollten aufhören, und sie hörten auch auf. Offenbar wurden diese Gaben nur in Gegenwart eines oder mehrerer Apostel, die direkt von Jesus Christus ausgewählt worden waren, verliehen (Apg. 2:1, 4, 14; 8:9-20; 10:44-46; 19:6). Daher hörte mit dem Tode dieser Apostel die Verleihung von Wundergaben auf.
Angesichts dessen, daß es die Wundergaben nur eine Zeitlang gab, ermunterte Paulus die Christen in Korinth, den dauerhaften und vorzüglichen Weg der Liebe zu verfolgen und nicht jene Wundergaben als das für einen Christen erstrebenswerteste Ziel zu betrachten.
Obgleich Paulus in überragendem Maße mit Wundergaben ausgestattet war, wußte er, daß er nur eine teilweise Erkenntnis besaß (1. Kor. 13:1, 2; 14:18). Er würde zu warten haben, bis „das Vollständige“ käme, um geistige Dinge völlig zu verstehen. In seinem Fall sollte dies nicht geschehen, solange er auf der Erde lebte. Nachdem er seine himmlische Belohnung erlangt hätte, würde er jedoch schließlich die Erfüllung aller biblischen Prophezeiungen sehen und zu einer vollständigen Erkenntnis des in der Bibel geoffenbarten Willens und Vorsatzes Jehovas gelangen. Demgemäß müssen sich die Worte „wenn aber das Vollständige gekommen ist“ auf die Zeit beziehen, da sowohl die Prophezeiungen der Bibel als auch Gottes Wille und Vorsatz völlig verstanden werden.
Das Kommen des „Vollständigen“ ist nicht gleichbedeutend mit dem Erlangen der himmlischen Belohnung. Die Bibel deutet nicht an, daß Jesus Christus den Gliedern seiner Braut sogleich alles offenbart, wenn sie in den Himmel kommen. Jesus selbst mußte warten, bis ihm sein Vater bestimmte Teile seines Vorsatzes bekanntgab. Als Jesus auf der Erde war, sagte er über den Tag und die Stunde des Vollzugs der Rache Gottes: „Von jenem Tage oder der Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater“ (Mark. 13:32). Ebenso erlangen diejenigen, die unsterbliche Geistgeschöpfe in den Himmeln werden, erst dann vollständige Erkenntnis, wenn Gott zur bestimmten Zeit den vollen Umfang seines Vorsatzes offenbart. Das trifft auch auf Gottes ergebene Diener auf der Erde zu.
Wir leben heute in der Zeit, in der „das Vollständige“ kommen soll. Die unleugbaren Tatsachen, die wir in Erfüllung biblischer Prophezeiungen sehen, bestätigen, daß Jesus Christus im Jahre 1914 u. Z. königliche Gewalt über die Menschenwelt erlangt hat (Offb. 6:1-8). Mit diesem Ereignis wurde das „heilige Geheimnis“ Gottes in dem Sinne „vollendet“, daß durch dieses Ereignis das ‘Geheimnisvolle’ dieses Königreiches beseitigt wurde (Offb. 10:7; vergleiche Matthäus 13:11; Lukas 8:10; Epheser 3:3-9; Kolosser 1:26, 27; 2:2; 4:3; 1. Timotheus 3:16). Seit dieser Zeit hat Gottes Volk eine beständige Zunahme in der biblischen Erkenntnis und im Verständnis der Prophezeiungen erlebt. Das ist in Übereinstimmung mit den Worten in Daniel 12:4: „Was dich betrifft, o Daniel, halte die Worte geheim und versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes. Viele werden [in dem Buch] umherstreifen, und die wahre Erkenntnis wird überströmend werden.“ Demgemäß bezieht sich „das Vollständige“ auf das volle Verständnis des in der Bibel geoffenbarten Vorsatzes Gottes. Da unsere heutige Zeit eine Zeit vermehrten Verständnisses des Wortes Gottes und der Erfüllung seiner Prophezeiungen ist, muß „das Vollständige“ kurz bevorstehen.
● Worauf bezieht sich die Prophezeiung aus Jesaja 21:11, 12, wo es heißt: „Der prophetische Spruch wider Duma: Da ist einer, der mir aus Seïr zuruft:
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