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„Laßt euch von niemand um den Siegespreis bringen“Der Wachtturm 1985 | 15. Juli
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„Laßt euch von niemand um den Siegespreis bringen“
„Laßt euch von niemand um den Siegespreis bringen, der sich in ‚Demut‘ ... gefällt, ... während er doch nur ohne Grund aufgeblasen ist in seinem fleischlichen Sinne“ (KOLOSSER 2:18, Ketter).
1, 2. Auf welche Weise haben viele dem ewigen Wohl ihrer Mitmenschen entgegengewirkt, und kannst du noch andere Beispiele dafür aus der Bibel nennen?
DER erste sündige Mensch, Eva, wurde von einem listigen Geistgeschöpf in den Tod gelockt. Der zweite Sünder, Adam, wurde von einem Menschen, von seiner Frau, verführt (1. Timotheus 2:14; 1. Mose 3:17).
2 Eva war die erste einer Reihe von Personen, deren Drängen, wenn ihm nachgegeben wurde, dem ewigen Wohl der Mitmenschen zuwiderlief. Äußerungen solcher Personen sind in der ganzen Bibel zu finden. So sagte Potiphars Frau zu Joseph: „Lege dich zu mir“ (1. Mose 39:7). Hiobs Frau zu ihrem Mann: „Fluche Gott und stirb!“ (Hiob 2:9). Die Israeliten zu Aaron: „Auf, mache uns einen Gott, der vor uns hergehen wird“ (2. Mose 32:1). Petrus zu Jesus Christus: „Sei gütig mit dir selbst, Herr; dieses Geschick wird dir bestimmt nicht widerfahren“ (Matthäus 16:22).
3. Welche Warnung ließ Paulus gemäß Kolosser 2:18 ergehen, und welche Fragen erheben sich demzufolge?
3 Allzuoft wurden Diener Jehovas durch ein solches Drängen zu Fall gebracht. Obwohl es stimmt, daß der Kampf der Christen „gegen die bösen Geistermächte“ gerichtet ist, geht die unmittelbare Gefahr oft von Mitmenschen aus (Epheser 6:12). Daher sagte der Apostel Paulus warnend: „Laßt euch den Siegespreis nicht rauben von Leuten, die ...“ (Kolosser 2:18, Albrecht). Was ist dieser Siegespreis? Und inwiefern sind einige Diener Jehovas dadurch, daß sie dem Einfluß unvollkommener Menschen nachgegeben haben, um diesen Preis gebracht worden? Um die Antworten herauszufinden, wollen wir die Umstände untersuchen, die in Kolossä herrschten und Paulus veranlaßten, diese Warnung ergehen zu lassen.
4, 5. (a) Welchen religiösen Einflüssen waren die Kolosser ausgesetzt? (b) Was war der Gnostizismus, und welche gefährlichen Auswirkungen könnte sein Einfluß gehabt haben?
4 Kolossä war ein religiöser Schmelztiegel. Die eingeborenen Phrygier waren ein emotionales Volk, das tief in Spiritismus und götzendienerischem Aberglauben verwickelt war. Außerdem hatte die Stadt jüdische Einwohner, die noch im Judaismus gefangen waren. Da Kolossä in der Nähe eines Haupthandelsweges lag, ergoß sich ein ständiger Strom von Besuchern in die Stadt. Wahrscheinlich verbrachten diese Fremden ihre Mußezeit gern damit, etwas Neues zu erzählen oder anzuhören. (Vergleiche Apostelgeschichte 17:21.) Das führte zur Ausbreitung neuer Philosophien, zu denen der allmählich auftauchende Gnostizismus gehörte. Der Gelehrte R. E. O. White erklärte: „Der Gnostizismus war damals ebenso weit verbreitet wie heute die Evolutionstheorie. Wahrscheinlich trat er im 1. Jahrhundert oder früher in den Vordergrund und erreichte im 2. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Er war eine Kombination aus philosophischer Spekulation, Aberglauben und halbmagischen Riten mit zeitweise fanatischem und sogar obszönem Kultus.“
5 Angesichts eines solchen Klimas scheint die Religion in Kolossä eine Art fortlaufendes Experiment gewesen zu sein — eine Mischung aus Judaismus, griechischer Philosophie und heidnischem Mystizismus. Würde das Christentum in demselben Schmelztiegel landen?
‘Um den Siegespreis gebracht’ — Wie?
6. (a) Wie wirkten die Worte des Paulus dem Einfluß der heidnischen Philosophie und des Judaismus entgegen? (b) Warum mußten die Christen auf der Hut sein?
6 Der machtvolle Brief des Paulus an die Kolosser wirkte dem Einfluß aller Personen entgegen, die gern den Judaismus und heidnische Philosophie mit dem Christentum verschmolzen hätten. Wiederholt lenkte Paulus die Aufmerksamkeit auf Christus. Er schrieb: „In ihm [Christus, nicht in einem Judaisten oder einem heidnischen Philosophen] sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis sorgsam verborgen.“ Die Kolosser wurden ermahnt: „Wandelt weiterhin in Gemeinschaft mit ihm [Christus], verwurzelt und auferbaut in ihm und im Glauben befestigt.“ Sonst hätten sie irregeleitet werden können. Daher schrieb Paulus warnend: „Seht zu, daß nicht jemand da sei, der euch als Beute wegführe durch die Philosophie und leeren Trug gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den elementaren Dingen der Welt und nicht gemäß Christus“ (Kolosser 2:3, 6-8).
7. (a) Warum könnten die Lehren der heidnischen Philosophen und der Judaisten auf einige Christen anziehend gewirkt haben? (b) Warum waren ihre Lehren in Wirklichkeit „leerer Trug“?
7 Vielleicht vermißten einige neue Nachfolger Jesu Christi das Ergreifende des Mystizismus oder den Reiz der Philosophie. Und gewisse jüdische Christen hatten wahrscheinlich immer noch eine Vorliebe für die veralteten Traditionen des Judaismus. Daher mögen die Lehren der heidnischen Philosophen und der Judaisten eine gewisse Anziehungskraft auf solche Personen ausgeübt haben. Doch wie überzeugend diese falschen Lehrer auch erschienen und wie beredt sie auch gewesen sein mögen, sie boten nichts weiter als „leeren Trug“. Statt das reine Wort Gottes zu erläutern, taten sie nichts anderes, als die „elementaren Dinge der Welt“ — nutzlose Philosophien, Vorschriften und Glaubensansichten — nachzuplappern. Ein Christ, der sich solche irrigen Ideen zu eigen gemacht hätte, hätte sich ins Unglück gestürzt. Daher sagte Paulus: „Laßt euch von niemand um den Siegespreis bringen“ (Kolosser 2:18, Ketter).
8. (a) Was war der „Siegespreis“, und welche Schriftstellen stützen deine Antwort? (b) Wie konnten gesalbte Christen um den „Siegespreis“ gebracht werden?
8 Der „Siegespreis“ war unsterbliches Leben im Himmel. Es wurde mit dem Preis verglichen, der dem siegreichen Läufer nach einem anstrengenden Wettlauf verliehen wurde (1. Korinther 9:24-27; Philipper 3:14; 2. Timotheus 4:7, 8; Offenbarung 2:7). Letztlich konnte nur Jehova Gott durch Jesus Christus jemanden disqualifizieren, was den Wettlauf um das Leben anbelangte (Johannes 5:22, 23). Dennoch konnte es, wenn ein Christ unter den Einfluß eines falschen Lehrers geriet, darauf hinauslaufen, daß er um den Siegespreis gebracht wurde. Der Getäuschte konnte so weit von der Wahrheit abweichen, daß es ihm nicht gelang, den Wettlauf zu vollenden.
Persönlichkeit der falschen Lehrer
9. Welche vier Merkmale kennzeichneten die falschen Lehrer unter den Kolossern?
9 War es denn möglich, zu erkennen, ob es jemand darauf anlegte, ‘einen Christen um den Siegespreis zu bringen’? Ja, denn Paulus beschrieb die Persönlichkeitsmerkmale der falschen Lehrer in Kolossä. Er sagte, daß ein solcher Mensch 1. „Gefallen hat an Scheindemut und einer Form der Anbetung der Engel“, 2. „‚eintritt in‘ Dinge, die er gesehen hat“, und 3. „ohne rechten Grund aufgeblasen ist durch seine fleischliche Geistesverfassung“, während er 4. „nicht an dem Haupte [Jesus Christus] festhält“ (Kolosser 2:18, 19).
10. Inwiefern hatten die falschen Lehrer „Gefallen ... an Scheindemut“?
10 Welch schlauer Trick! Die falschen Lehrer mißachteten Jesu Verurteilung des demonstrativen Fastens und stellten eine ansprechende Fassade der Demut zur Schau (Matthäus 6:16). Ja, die falschen Lehrer hatten „Gefallen“ daran, aus dem Fasten und anderen Formen religiöser Selbstverleugnung eine Schau zu machen (Kolosser 2:20-23). Ihre leidende Erscheinung war genau darauf angelegt, eine unechte Frömmigkeit auszustrahlen. Die falschen Lehrer ‘übten ihre Gerechtigkeit vor den Menschen, um von ihnen beobachtet zu werden’ (Matthäus 6:1). Doch all das war Täuschung, „Scheindemut“. In der Expositor’s Bible heißt es treffend: „Ein Mensch, der in selbstgefälliger Weise weiß, daß er demütig ist, und aus den Winkeln seiner niedergeschlagenen Augen in jeden Spiegel blickt, in dem er sich sehen kann, ist überhaupt nicht demütig“ (Kursivschrift von uns).
11. (a) Was war die „Anbetung der Engel“? (b) Welche Beweise gibt es dafür, daß die Engelanbetung in Kolossä bestehenblieb?
11 Nichtsdestoweniger wurde durch diese Scheindemut einem sonst absurden Brauch — der „Anbetung der Engel“ — scheinbare Glaubwürdigkeit verliehen. Paulus erklärte nicht genau, wie diese Anbetung ausgeübt wurde. Fest steht, daß es eine Form der falschen Anbetung war, die im Gebiet von Kolossä über Jahrhunderte bestehenblieb. Im 4. Jahrhundert erachtete man auf einem Konzil im nahe gelegenen Laodicea folgende Erklärung für notwendig: „Christen dürfen sich nicht von der Kirche Gottes abwenden und ... die Namen von Engeln anrufen. ... Verflucht sei daher jeder, der diesen privaten Götzendienst ausübt.“ Aber im 5. Jahrhundert deutete der Theologe und Gelehrte Theodoret an, daß „dieses Laster“ der Engelanbetunga noch zu seiner Zeit existierte. Die katholische Kirche ermuntert bis auf den heutigen Tag die Treuen, „die Engel zu lieben und zu respektieren und anzurufen“, und läßt „zu Ehren von Schutzengeln Messen halten und das Brevier lesen“ (New Catholic Encyclopedia, Bd. I, S. 515).
12. Durch welche Überlegungen könnten die falschen Lehrer die Engelanbetung gerechtfertigt haben?
12 Ähnlich wie katholische Theologen mögen die falschen Lehrer im wesentlichen folgendermaßen argumentiert haben: „Welch ein wunderbares Vorrecht die Engel doch haben! Wurde nicht das mosaische Gesetz durch sie übermittelt? Sind sie nicht Gott im Himmel sehr nahe? Sicher sollten wir diesen mächtigen Geschöpfen die ihnen gebührende Ehre erweisen! Wäre das nicht ein Zeichen echter Demut unsererseits? Gott ist doch so erhaben, und wir Menschen sind so gering! Daher können die Engel als unsere Fürsprecher dienen, wenn wir uns Gott nahen.“
13. (a) Ist die Engelanbetung annehmbar? (b) Was ist gemeint, wenn es heißt, daß der falsche Lehrer ‘eintrat in Dinge, die er gesehen hatte’?
13 Dennoch ist die Engelanbetung verkehrt, ganz gleich, in welcher Form sie ausgeübt wird (1. Timotheus 2:5; Offenbarung 19:10; 22:8, 9). Doch der falsche Lehrer versuchte, diesen Einwand beiseite zu schieben, indem er ‘eintrat in Dinge, die er gesehen hatte’. Gemäß dem Wörterbuch The Vocabulary of the Greek Testament diente dieser Ausdruck „bei den Mysterien zur Bezeichnung des Höhepunktes der Initiation, wenn der Myste [Initiand] seinen Fuß auf die Schwelle zu dem neuen Leben setzt, an dem er mit dem Gott teilhaben wird“. Dadurch, daß sich Paulus der heidnischen Ausdrucksweise bediente, äffte er den falschen Lehrer nach, der sich damit brüstete, besonderen Einblick — vielleicht sogar übernatürliche Visionen — erhalten zu haben.
14. Inwiefern war der falsche Lehrer ‘aufgeblasen durch eine fleischliche Geistesverfassung’?
14 Obwohl der falsche Lehrer behauptete, geistig gesinnt zu sein, war er in Wirklichkeit ohne rechten Grund aufgeblasen durch seine fleischliche Geistesverfassung. Seine Gesinnung und seine Motive wurden durch das sündige Fleisch verdorben. Vor Stolz „aufgeblasen“ und arrogant, richtete er seinen Sinn auf „Werke“, die „böse“ waren (Kolosser 1:21). Am schlimmsten war, daß er nicht an dem Haupt, Christus, festhielt, denn er maß den Spekulationen der Weltmenschen mehr Bedeutung bei als den Lehren Jesu.
Immer noch eine Gefahr?
15. (a) Welche Ansichten machen sich bei einigen Christen heute bemerkbar? (b) Woher stammen solche Ansichten, und wie sind sie im Lichte der Bibel zu beurteilen?
15 Ob der Siegespreis ewiges Leben im Himmel oder auf einer paradiesischen Erde ist — er wird Jehovas Dienern immer noch angeboten. Zugegeben, die Gnostiker und die Judaisten sind schon lange nicht mehr. Doch es gibt Einzelpersonen, die heute einen Christen daran hindern können, diesen Siegespreis zu erlangen. Vielleicht tun sie es nicht absichtlich. Da sie sich jedoch von der ‘Philosophie und dem leeren Trug’ dieses Systems ungebührlich beeinflussen lassen, mögen sie Bemerkungen machen wie die folgenden:
„Ich bemühe mich, ehrlich zu sein, aber das ist schwierig, wenn man ein Geschäft führt. In der Welt gilt die Devise ‚Jeder frißt jeden‘, und manchmal muß man Kompromisse machen.“ (Vergleiche diese Ansicht mit Sprüche 11:1 und Hebräer 13:18.)
„Was, du bist immer noch nur Hausfrau? Die Zeiten haben sich doch geändert! Warum suchst du dir nicht eine Arbeitsstelle und machst etwas aus deinem Leben?“ (Vergleiche Sprüche 31:10-31.)
„Ich weiß, daß meine Arbeit den Besuch der Zusammenkünfte und den Predigtdienst sehr beeinträchtigt. Aber wir brauchen viel Geld, um unseren Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Und was ist schon verkehrt daran, sich ein paar nette Sachen zu leisten?“ (Vergleiche diese Überlegung mit Lukas 21:34, 35 und 1. Timotheus 6:6-8.)
„Ich kann es schon nicht mehr hören, wenn die Ältesten über den Predigtdienst sprechen! Ich arbeite die ganze Woche und habe es verdient, mich an den Wochenenden zu entspannen.“ (Vergleiche Lukas 13:24 und Markus 12:30.)
„Der Pionierdienst ist nicht für jeden. Außerdem muß man in der heutigen Wirtschaft eine Hochschulbildung haben, wenn man vorwärtskommen will.“ (Vergleiche das mit Matthäus 6:33, 1. Korinther 1:19, 20 und 1. Timotheus 6:9-11.)
Materialistische und fleischliche Überlegungen sind ein wesentlicher Bestandteil der „elementaren Dinge der Welt“ — der fundamentalen Regeln und Anschauungen der Weltmenschen. Diesem Einfluß nachzugeben kann unheilbaren geistigen Schaden verursachen.
16. Wie könnten heute einige zu heuchlerischen Richtern werden?
16 Eine weitere Gefahr geht von selbsternannten Richtern und Lehrern aus. Vielleicht machen sie wie diejenigen in Kolossä aus rein persönlichen Angelegenheiten Streitfragen. Häufig zeichnen sie sich durch „Scheindemut“ aus (Kolosser 2:16-18). Ihre selbstgerechte Einstellung verrät ein falsches Motiv — den Wunsch, sich über andere zu erheben. Sie sind oft „allzu gerecht“ und schnell bereit, über das hinauszugehen, was der ‘treue Sklave’ gesagt oder veröffentlicht hat. Auf diese Weise verursachen sie Kontroversen über Angelegenheiten wie Entspannung, Gesundheitspflege, Kleidermode und Haartracht oder den Genuß alkoholischer Getränke (Prediger 7:16; Matthäus 24:45-47). Dadurch wird die Aufmerksamkeit den geistigen Belangen entzogen und auf fleischliche Begierden gelenkt. (Vergleiche 1. Timotheus 6:3-5.)
17, 18. (a) Inwiefern ‘treten’ einige in persönliche Ansichten ‘ein’, und warum ist das gefährlich? (b) Was werden wir im nächsten Artikel besprechen?
17 Heute gehen einige sogar so weit, daß sie sozusagen in persönliche Ansichten über die Heilige Schrift ‘eintreten’, das heißt, sie behaupten, sie hätten besonderen Einblick erhalten. Eine Frau, die erst ein Jahr getauft war, zählte sich zu den Gesalbten und dachte, dadurch werde ihren Ansichten größeres Gewicht verliehen. Sie brachte ein starkes Verlangen zum Ausdruck, in einer offiziellen Stellung „andere zu belehren und zu ermuntern“. (Siehe jedoch 1. Timotheus 2:12.) Da Jehova „Selbsterhöhung und Stolz“ haßt, sollten Christen ihre persönliche Meinung nie zu hoch einschätzen (Sprüche 8:13). Sie meiden die Schlinge, ‘ohne rechten Grund aufgeblasen zu sein durch eine fleischliche Geistesverfassung’ (Kolosser 2:18). Wer seine persönlichen Ansichten geltend macht und den Rat des von Christus ernannten ‘treuen Sklaven’ in ein schlechtes Licht stellt, hält nicht „an dem Haupte“ fest. Daher sollten sich Jehovas loyale Zeugen vor irgendeinem gottlosen Einfluß hüten, der sie ihres Siegespreises — des ewigen Lebens — berauben könnte.
18 Satan gebraucht immer noch Menschen, um andere Menschen daran zu hindern, Leben zu erlangen. Bedient sich der Teufel noch auf andere Weise dieser List? Wie kann ein Zeuge Jehovas am Siegespreis festhalten?
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‘Lauft auf eine Weise, daß ihr den Preis erlangt’Der Wachtturm 1985 | 15. Juli
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‘Lauft auf eine Weise, daß ihr den Preis erlangt’
„Wißt ihr nicht, daß die Läufer in einem Wettlauf alle laufen, aber nur e i n e r den Preis empfängt? Lauft auf eine Weise, daß ihr ihn erlangen könnt“ (1. KORINTHER 9:24).
1, 2. (a) Was wäre heute eine große Tragödie im Leben eines Christen? (b) Welchen Rat erteilte Paulus gemäß 1. Korinther 9:24, und welche Anwendung hatte er auf die Christen in Korinth?
ES SOLLTE der große Höhepunkt nach 12 Jahren mörderischen Trainings werden. Doch schon auf halber Strecke des Wettlaufs stürzte die junge Sportlerin im Gerangel, so daß ihre Träume vom olympischen Gold jäh endeten. Die Massenmedien bezeichneten ihren Sturz als eine „Tragödie“.
2 Weitaus tragischer wäre es jedoch, wenn es einem Zeugen Jehovas nicht gelänge, den Wettlauf um das Leben zu vollenden, vor allem wenn man bedenkt, wie nahe die verheißene neue Ordnung ist (2. Petrus 3:13). Daher sagte der Apostel Paulus passenderweise: „Wißt ihr nicht, daß die Läufer in einem Wettlauf alle laufen, aber nur e i n e r den Preis empfängt? Lauft auf eine Weise, daß ihr ihn erlangen könnt“ (1. Korinther 9:24). In Korinth standen einige in der Gefahr aufzugeben, weil sie in selbstsüchtiger Weise nach ihrem eigenen Gutdünken handelten, indem sie sogar das ‘Gewissen anderer verletzten’ (1. Korinther 8:1-4, 10-12). Den Wettlauf zu gewinnen erfordert jedoch Opfer, denn Paulus sagte: „Jeder, der an einem Wettkampf teilnimmt, [übt] in allen Dingen Selbstbeherrschung. ... ich zerschlage meinen Leib und mache ihn zum Sklaven, damit ich mich nicht, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst irgendwie als unbewährt erweise“ (1. Korinther 9:25-27).
3. (a) Welche Situation, die in Kolossä bestand, hätte Christen dort daran hindern können, den Wettlauf zu vollenden? (b) War es für die Christen in Kolossä ratsam, sich mit Philosophie und Mystizismus zu befassen?
3 Als Paulus später an die Kolosser schrieb, warnte er vor einer weiteren möglichen Gefahr: Menschen, die sie um den „Siegespreis“ — das ewige Leben — bringen könnten (Kolosser 2:18). Wie konnten die Christen also ‘auf eine Weise laufen, daß sie ihn erlangten’? Empfahl ihnen der Apostel, sich mit Philosophie und Mystizismus zu befassen, um erfolgreich mit falschen Lehrern debattieren zu können? Nein, denn Christen waren „den elementaren Dingen der Welt abgestorben“, und es sollte ihr Wunsch sein, nichts mit weltlichen Philosophien und Überlieferungen zu tun zu haben (Kolosser 2:20).
4. Inwiefern konnte das Erlangen „genauer Erkenntnis“ den Christen in Kolossä helfen?
4 Daher ermunterte Paulus seine Mitgläubigen, ihre Bemühungen darauf zu konzentrieren, „in aller Weisheit und in geistigem Verständnis mit der genauen Erkenntnis seines [Gottes] Willens erfüllt“ zu werden. Ja, „genaue Erkenntnis“ — nicht unnütze Spekulationen — würde ihnen helfen, ‘Jehovas würdig zu wandeln, um ihm völlig zu gefallen’ (Kolosser 1:9, 10; siehe auch Kolosser 3:10). Sicherlich kannten die meisten Christen in Kolossä die Grundlehren der Schriften. Aber sie mußten durch Studium und Nachsinnen über die Grundlehren hinauswachsen und „fest gegründet“ werden auf der richtigen Grundlage — auf Christus (Kolosser 1:23; 1. Korinther 3:11). Wenn sie so gefestigt waren, konnte sie ‘niemand durch überredende Argumente betören’ (Kolosser 2:4). Durch eine geschickte Handhabung des Wortes Gottes waren sie in der Lage, wirkungsvoll die Behauptungen irgendwelcher Engelanbeter oder Judaisten zu widerlegen (5. Mose 6:13; Jeremia 31:31-34).
5. (a) Führe einige der „tiefen Dinge“ an, die ein reifer Christ wissen und verstehen sollte. (b) Inwiefern zeigt die Erfahrung einer Schwester, wie gefährlich es ist, keine „genaue Erkenntnis“ in sich aufzunehmen?
5 Bist du bereits über die „Grundlehre“ hinausgewachsen und hast in die „tiefen Dinge Gottes“ hineingeschaut? (Hebräer 6:1; 1. Korinther 2:10). Weißt du beispielsweise, was die Tiere der Offenbarung darstellen, oder kannst du erklären, was der geistige Tempel ist? (Offenbarung, Kapitel 13; Hebräer 9:11). Kannst du die schriftgemäße Grundlage für die heutige Organisation der Zeugen Jehovas erklären? Bist du in der biblischen Lehre gut gegründet? Eine christliche Schwester geriet in Schwierigkeiten, ihren Glauben zu verteidigen, als sie mit einer Frau über die Dreieinigkeit diskutierte. Später gab diese Frau unserer Schwester Literatur, in der Jehovas Organisation verleumdet wurde. „Danach war ich geistig am Boden“, erklärte die Schwester. Glücklicherweise war ein Ältester in der Lage, die falschen Behauptungen der Gegner zu entlarven und den Glauben unserer Schwester wiederzubeleben (Judas 22, 23). „Jetzt verstehe ich“, sagte sie, „warum die Gesellschaft immer rät zu beten, zu studieren und nachzusinnen.“
‘Vor Menschen zittern’
6. (a) Was ist für einige Diener Gottes eine Ursache des Strauchelns gewesen? Führe einige biblische Beispiele an. (b) Was ist oft die Ursache für Menschenfurcht?
6 „Vor Menschen zu zittern ist das, was eine Schlinge legt“, mahnte der Weise (Sprüche 29:25). Manchmal kann jemand durch eine lähmende „Todesfurcht“ oder das unangebrachte Verlangen, von anderen anerkannt zu werden, in diese Schlinge geraten (Hebräer 2:14, 15). Zum Beispiel erhob sich Elia furchtlos gegen die Baalsanbeter. Doch als Königin Isebel seine Hinrichtung anordnete, „geriet [er] in Furcht ... und ging um seiner Seele willen davon und kam nach Beer-Scheba“ (1. Könige 19:1-3). Der Apostel Petrus gab in der Nacht, in der Jesus verhaftet wurde, ebenfalls der Menschenfurcht nach. Zuvor hatte er geprahlt: „Herr, ich bin bereit, mit dir sowohl ins Gefängnis als auch in den Tod zu gehen.“ Als er jedoch beschuldigt wurde, zu den Jüngern Christi zu gehören, „fing er an zu fluchen und zu schwören: ‚Ich kenne den Menschen nicht!‘“ (Lukas 22:33; Matthäus 26:74).
7. (a) Was war vermutlich der eigentliche Grund, weshalb einige in Kolossä das Christentum mit dem Judaismus zu verschmelzen suchten? (b) Wer hatte heute anscheinend einen ähnlichen Beweggrund?
7 Die Furcht, die Anerkennung anderer zu verlieren, mag der eigentliche Grund gewesen sein, warum einige das Christentum mit dem Judaismus zu verschmelzen suchten. Als in Galatien Judaisten auftraten, stellte Paulus ihre Heuchelei bloß, indem er sagte: „Alle, die von gefälliger Erscheinung im Fleische sein wollen, versuchen euch zur Beschneidung zu nötigen, nur damit sie nicht ... verfolgt werden“ (Galater 6:12). Könnte es sein, daß ein ähnliches Verlangen nach Beliebtheit und Anerkennung der Beweggrund einiger war, die in jüngster Zeit Jehovas Organisation verlassen haben?
8, 9. (a) In welchen Situationen könnte ein Christ heute der Menschenfurcht nachgeben? (b) Wie kann diese Furcht überwunden werden?
8 Christen müssen daran arbeiten, die Menschenfurcht zu überwinden. Wenn es dir widerstrebt, in Gebieten in der Nähe deiner Wohnung zu predigen, oder wenn du davor zurückschreckst, Verwandten, Arbeitskollegen oder Schulkameraden Zeugnis zu geben, dann denke an die Frage, die Jehova gemäß Jesaja 51:12 stellte: „Wer bist du, daß du dich vor einem sterblichen Menschen fürchten solltest, der sterben wird, und vor einem Sohn der Menschen, der wie bloßes grünes Gras dahingegeben wird?“ (Vergleiche Matthäus 10:28.) Vergiß nicht, daß jeder, der ‘auf Jehova vertraut, beschützt werden wird’ (Sprüche 29:25). Petrus überwand seine Menschenfurcht und starb schließlich sogar den Märtyrertod (Johannes 21:18, 19). Heute bekunden viele Brüder ähnlichen Mut.
9 Ein Missionar, der in einem Land dient, wo das Predigtwerk verboten war, sagte: „Es erfordert Glauben, zu einer Zusammenkunft oder in den Dienst zu gehen, wenn man weiß, daß man möglicherweise von der Polizei erwischt wird.“ Doch wie der Psalmist sagten die Brüder dort: „Jehova ist auf meiner Seite; ich werde mich nicht fürchten. Was kann ein Erdenmensch mir antun?“ (Psalm 118:6). Das Werk in jenem Land gedieh, und vor kurzem wurde es gesetzlich anerkannt. Eine regelmäßige Beteiligung am Predigtdienst hilft sicher auch dir, das gleiche Vertrauen zu Jehova zu entwickeln.
Familienbande
10. (a) Welches emotionale Bedürfnis hat jeder Mensch, und wie wird es normalerweise befriedigt? (b) Führe biblische Beispiele von Männern an, deren Zuneigung zu ihrer Frau stärker war als das Verhältnis zu Jehova.
10 In dem Buch The Individual, Marriage, and the Family (Das Individuum, die Ehe und die Familie) heißt es: „In jeder Gesellschaft und in jedem Gesellschaftsbereich hat das Individuum im allgemeinen das Bedürfnis, zu jemandem zu ‚gehören‘ und jemand zu haben, der ihm etwas bedeutet und zu ihm ‚gehört‘.“ Dieses Bedürfnis wird normalerweise durch die Familie, eine Einrichtung Jehovas, befriedigt (Epheser 3:14, 15). Satan nutzt jedoch häufig das unter Familienangehörigen bestehende Gefühl der Verbundenheit aus. Offensichtlich wurde Adam von seinen starken Empfindungen für seine Frau dazu getrieben, die Folgen der Rebellion zu mißachten und sich ihr anzuschließen (1. Timotheus 2:14). Wie verhielt es sich mit Salomo? Trotz seiner berühmten Weisheit „begab [es] sich zu der Zeit, als Salomo alt wurde, daß seine eigenen Frauen sein Herz geneigt hatten, anderen Göttern zu folgen; und es erwies sich, daß sein Herz nicht ungeteilt mit Jehova, seinem Gott, war ... Und Salomo begann zu tun, was böse war in den Augen Jehovas“ (1. Könige 11:4-6).
11. Inwiefern ‘ehrte Eli seine Söhne mehr als Jehova’?
11 Erinnerst du dich an Israels betagten Hohenpriester Eli? Seine Söhne Chophni und Pinechas waren „nichtsnutzige Männer“, die ‘Jehova nicht anerkannten’. Sie bekundeten eine schamlose Mißachtung der Schlachtopfer, die Jehova dargebracht wurden, und begingen Unsittlichkeit mit den Frauen, „die am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft dienten“. Doch Eli erhob nur ganz schwachen Protest („Warum tut ihr fortwährend derartige Dinge?“) und unternahm keine Anstrengungen, ihnen ihr Dienstvorrecht zu entziehen. In Wirklichkeit ‘ehrte er seine Söhne mehr als Jehova’, was zu seinem — und ihrem — Tod führte (1. Samuel 2:12-17, 22, 23, 29-34; 4:18).
12. (a) Welche Warnung gab Jesus in bezug auf Familienbande? (b) Welchen weltlichen Überlegungen mögen manche folgen, wenn es um Verwandte geht, doch wäre das biblisch einwandfrei?
12 Fehlgeleitete Loyalität könnte dich daher in deinem Wettlauf um das Leben behindern. Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Wer zum Vater oder zur Mutter größere Zuneigung hat als zu mir, ist meiner nicht würdig; und wer zum Sohn oder zur Tochter größere Zuneigung hat als zu mir, ist meiner nicht würdig“ (Matthäus 10:37; Lukas 14:26). Was wäre, wenn einer von deinen Angehörigen die Wahrheit verließe oder ausgeschlossen würde? Würdest du dann nach der weltlichen Devise „Blut ist dicker als Wasser“ handeln und diesem Verwandten in die Vernichtung folgen? Oder würdest du dich glaubensvoll an die Worte aus Psalm 27:10 halten? Dort heißt es: „Falls mein eigener Vater und meine eigene Mutter mich verließen, würde ja Jehova selbst mich aufnehmen.“
13. Wodurch bewiesen die Söhne Korahs ihre Loyalität zu Jehova, und wie wurden sie dafür gesegnet?
13 Die Söhne Korahs hatten einen solchen Glauben. Ihr Vater war der Rädelsführer einer Rebellion gegen die Autorität von Moses und Aaron. Jehova bewies indes auf dramatische Weise, daß er Moses und Aaron unterstützte, indem er Korah und seine Mitverschwörer hinrichtete. „Die Söhne Korahs jedoch starben nicht“ (4. Mose 16:1-3, 28-32; 26:9-11). Offensichtlich weigerten sie sich, sich ihrem Vater in der Rebellion anzuschließen, und Jehova segnete ihre Loyalität, indem er sie am Leben erhielt. Später hatten ihre Nachkommen das Vorrecht, Teile der Bibel zu schreiben. (Siehe die Überschriften von den Psalmen 42, 44 bis 49, 84, 85, 87, 88.)
14. Welche Erfahrung zeigt, daß es Segen mit sich bringt, die Loyalität zu Jehova über die Loyalität zu Verwandten zu stellen?
14 Auch heute trägt Loyalität Segnungen ein. Ein junger Zeuge berichtete, wie seine Brüder und er sich verhielten, als ihre Mutter, die sehr lange als Christin untätig gewesen war, in eine ehebrecherische Heirat einwilligte. „Wir unterrichteten die Ältesten davon“, sagte er, „und da sie nicht mit uns in einem Hause lebte, beschlossen wir, den Umgang mit ihr einzuschränken, bis die Ältesten die Angelegenheit behandeln konnten. Das war das Härteste, was wir je tun mußten.“ Die Mutter protestierte: „Bedeutet euch euer ewiges Leben etwa mehr als ich?“ Darauf erwiderten sie: „Unser Verhältnis zu Jehova bedeutet uns mehr als alles andere.“ Die Frau wurde wachgerüttelt, so daß sie aufrichtige Reue bekundete, geistig wiederhergestellt werden konnte und jetzt wieder als aktive Verkündigerin der guten Botschaft dient.
15. (a) Inwiefern haben einige Eltern zugelassen, daß ihre eigenen Kinder für sie zur Ursache des Strauchelns wurden? (b) Wodurch können Eltern dazu beitragen, daß sowohl sie selbst als auch ihre Kinder Leben erlangen?
15 Einige haben zugelassen, daß ihre Kinder für sie zur Ursache des Strauchelns wurden. Da sie nicht bedachten, daß ‘Torheit an das Herz eines Kindes geknüpft ist’, erlaubten sie, daß ihre Kinder engen Umgang mit Weltmenschen hatten, anstößigen geselligen Anlässen beiwohnten und schon feste Bekanntschaften hatten, obwohl sie für die Ehe noch viel zu jung waren (Sprüche 22:15). Was ist häufig das tragische Ergebnis solcher Freizügigkeit? Geistiger Schiffbruch (1. Timotheus 1:19). Manche verschlimmern das Unrecht sogar, indem sie die Verfehlungen ihrer Kinder auf listige Weise decken (Sprüche 3:32; 28:13). Aber wenn Eltern loyal an biblischen Grundsätzen festhalten, tragen sie dazu bei, daß sie selbst und ihre Kinder den Preis — das ewige Leben — erhalten (1. Timotheus 4:16).
Deine Freunde — „weise“ oder „unvernünftig“?
16. (a) In welcher Hinsicht können unsere Freunde einen starken Einfluß ausüben? (b) Wer ist besonders anfällig für den Einfluß von Freunden, und warum?
16 In dem Buch Sociology: Human Society (Soziologie: menschliche Gesellschaft) wird festgestellt: „Der Wunsch, von seinen Freunden geschätzt zu werden, drängt einen dazu, sich ihren Maßstäben anzupassen.“ Das Buch Adolescence (Heranwachsende) zeigt, daß junge Menschen besonders anfällig dafür sind. Es heißt darin: „Das liegt an den Veränderungen, die sie im Körper, in ihrer Selbsteinschätzung und im Verhältnis zur Familie erfahren. Aufgrund dessen gehen Heranwachsende dazu über, mehr Zeit mit ihren Freunden und weniger Zeit mit ihren Angehörigen zu verbringen.“
17. (a) Veranschauliche die Wahrhaftigkeit der Worte aus Sprüche 13:20. (b) Welche Art Freunde könnte man als weise betrachten? (c) Wie können junge Leute von heute dem Beispiel des jungen Samuel folgen?
17 Nicht übersehen werden dürfen die Worte aus Sprüche 13:20: „Wer mit Weisen wandelt, wird weise werden, wer sich aber mit den Unvernünftigen einläßt, dem wird es schlecht ergehen.“ Ein christliches Mädchen bekannte: „Der schlechte Umgang in meiner Schule wirkt sich jetzt schon auf mich aus. Heute habe ich mich in der Schule bei einem Fluchwort ertappt ... Ich hätte es beinahe ausgesprochen, tat es aber dann doch nicht.“ Traurigerweise sind einige christliche Jugendliche durch sogenannte Freunde zu sehr schwerem Fehlverhalten verleitet worden. Wenn du jedoch ein junger Mensch bist, der den Preis erlangen möchte, dann suche dir weise Freunde — solche, die geistig gesinnt sind, rechtschaffen in ihrem Verhalten und erbauend in ihrer Rede. Denke daran, daß der junge Samuel keinen Umgang mit den schlechten Söhnen Elis pflegte. ‘Er diente die ganze Zeit Jehova’ und blieb dadurch von ihrer Verderbtheit unberührt (1. Samuel 3:1).
Erlange den Preis
18. (a) Wodurch könnten uns einige Brüder — vielleicht unbeabsichtigt — in unserem Wettlauf um das Leben behindern? (b) Was kann uns vor solchen schädlichen Einflüssen schützen?
18 Hüte dich daher vor jedem, der dich um den Preis — das ewige Leben — bringen könnte. Das bedeutet natürlich nicht, daß du deinen Brüdern mit Mißtrauen begegnen solltest. Aber manchmal sagen Brüder — vielleicht unbeabsichtigt — etwas, was dich entmutigen kann. („Warum verausgabst du dich immer so? Denkst du etwa, du bist der einzige, der ewiges Leben bekommt?“) Womöglich verurteilen sie sogar deine aufrichtigen Bemühungen. („Mir leuchtet nicht ein, daß du Pionier werden willst, obwohl du Familie hast. Das ist nicht fair gegenüber deinen Kindern.“) Vergiß jedoch nicht, daß Jesus die Aufforderung des Petrus, es sich doch nicht so schwer zu machen, zurückwies (Matthäus 16:22, 23). Gebrauche deine biblisch geschulten Ohren, um ‘Worte zu prüfen’, und laß dich nicht durch Worte beeinflussen, die nicht den Klang der Wahrheit haben (Hiob 12:11). Bedenke, daß Paulus sagte: „Außerdem wird jemand, auch wenn er in Wettspielen kämpft, nicht gekrönt, wenn er nicht nach den Regeln gekämpft hat“ (2. Timotheus 2:5). Ja, Gottes „Regeln“ — nicht unbiblische Meinungen — sollten uns in unserem Denken leiten. (Vergleiche 1. Korinther 4:3, 4.)
19, 20. (a) Auf welche Weise trachteten Josephs Brüder danach, ihm zu schaden, und wie reagierte Joseph auf ihre Lieblosigkeit? (b) Wie können wir es vermeiden, wegen unvollkommener Menschen zu straucheln? (c) Wozu sollten wir im Hinblick auf den Preis entschlossen sein, und warum?
19 Zugegeben, es kann vorkommen, daß ein Mitchrist dich durch ein gedankenloses Wort verletzt (Sprüche 12:18). Laß dich dadurch nicht vom Wettlauf um das Leben abbringen! Denke an Joseph. Seine eigenen Brüder spielten mit dem Gedanken, ihn zu ermorden, und obwohl sie es dann doch nicht taten, verkauften sie ihn letztlich in die unmenschliche Sklaverei. Joseph ließ aber nicht zu, daß er dadurch verbittert wurde oder ‘gegen Jehova ergrimmte’ (Sprüche 19:3). Statt sich an seinen Brüdern zu rächen, gab er ihnen später Gelegenheit, zu beweisen, daß sie ihre Einstellung geändert hatten. Nachdem er ihre Reue gesehen hatte, ‘küßte er sie und weinte an ihrem Hals’. Jakob sagte: „Die Bogenschützen [Josephs eifersüchtige Brüder] befehdeten ihn und beschossen ihn und feindeten ihn fortwährend an.“ Doch Joseph vergalt ihren Haß mit Güte. Statt sich durch dieses Erlebnis schwächen zu lassen, blieb ‘die Kraft seiner Hände gelenkig’ (1. Mose 37:18-28; 44:15 bis 45:15; 49:23, 24).
20 Statt wegen unvollkommener Menschen zu straucheln, solltest du weiterhin ‘auf eine Weise laufen, daß du den Preis erlangst’. Achte darauf, daß du — so wie Joseph — aus prüfungsreichen Situationen gestärkt, nicht geschwächt hervorgehst. (Vergleiche Jakobus 1:2, 3.) Möge sich deine Liebe zu Gott als so stark erweisen, daß kein Mensch für dich zur Ursache des Strauchelns wird (Psalm 119:165). Denke immer daran, daß Jehova ewiges Leben als Preis bietet — ein Preis, der jegliches Vorstellungsvermögen übersteigt. Möge dich kein Mensch um diesen Preis bringen!
Erinnerst du dich?
◻ Warum ist genaue Erkenntnis für Christen von so hohem Wert?
◻ Wie kann man die Menschenfurcht überwinden, die einige schon daran gehindert hat, Leben zu erlangen?
◻ Inwiefern könnten die eigenen Angehörigen zur Ursache des Strauchelns werden?
◻ Wie sollte ein Christ auf entmutigende oder gar verletzende Worte von Mitchristen reagieren?
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