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  • Treuen Hirten zum ewigen Leben folgen
    Der Wachtturm 1968 | 15. Januar
    • nimmt er in Zucht; ja er geißelt einen jeden, den er als Sohn aufnimmt.“ — Hebr. 12:5, 6.

      21 Vielleicht gehörst du aber zu denen, die sehr schnell vorankommen. Dann hüte dich davor, übergewissenhaft zu werden, denn das könnte dir zum Fallstrick werden. Denke nicht, andere in der Versammlung seien langsam und rückständig. Du könntest sonst sogar über die Organisation ungeduldig werden. Nimm dir statt dessen ein Beispiel an Moses, der Jehova anflehte, er möge doch seine theokratische Vorbildnation am Leben erhalten, als einige in der Organisation treulos geworden waren und gegen Jehova gesündigt und dadurch seinen Zorn über die ganze Versammlung heraufbeschworen hatten. (2. Mose 32:1-14) Du solltest auch nicht erwarten, daß dir ständig gesagt wird, wie du die dir übertragenen theokratischen Aufgaben erfüllen solltest. Sei bereit, Verantwortung zu übernehmen, und suche Mittel und Wege, um die Königreichsinteressen in Harmonie mit dem jeweiligen Programm, das der „treue und verständige Sklave“ aufgestellt hat, zu fördern.

      22. Warum sollten wir also treu zu Jehovas sichtbarer Organisation halten?

      22 Die Bibel spornt uns in jeder Hinsicht dazu an, die theokratische Organisation nicht aus den Augen zu verlieren, sie in jeder Hinsicht anzuerkennen und treu zu ihr zu halten. Das Tempo, mit dem die theokratische Tätigkeit durchgeführt wird, nimmt weiter zu. Was Jehova von seinen treuen Dienern auf der Erde vor Harmagedon noch alles getan haben möchte, wird er zu seiner Zeit offenbaren. Nur wer sich eng an seine sichtbare theokratische Organisation hält, wird es erfahren. Nachdem du nun Gottes sichtbare Organisation und seine gerechten Anforderungen, die er durch seinen Kanal bekanntgemacht hat, kennengelernt hast, solltest du dich nie mehr von dieser Organisation abwenden. Folge den treuen Hirten Jehovas, damit „ebenso wie die Sünde als König mit dem Tode geherrscht hat, so auch die unverdiente Güte als König herrsche durch Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn“. — Röm. 5:21.

  • Der Wettlauf um den Preis des Lebens
    Der Wachtturm 1968 | 15. Januar
    • Der Wettlauf um den Preis des Lebens

      VON OTTO MÄKELÄ ERZÄHLT

      ES WAR im Frühherbst 1919. Ich hatte meinen Platz hinter der Startlinie für einen 3000-Meter-Lauf eingenommen. Ich dachte nicht daran, den Lauf zu gewinnen oder einen Preis zu erhalten, denn ich glaubte, meine Mitläufer seien besser als ich. Als das Startsignal gegeben worden war, blieb ich hinter den anderen zurück. Es ließ sich sehr leicht laufen, und als wir zwei Kilometer zurückgelegt hatten, ohne das Tempo zu erhöhen, beschloß ich, näher an die Spitzengruppen heranzukommen, um zu sehen, was vorn geschah. Ich erreichte die erste Gruppe, aber auch sie setzte den Lauf im gleichen langsamen Tempo fort. Ich war sehr erstaunt und ging in Führung. Ich dachte nicht daran, daß die anderen einfach nicht schneller laufen konnten, denn ich war in bester Form.

      Etwa 400 Meter vor dem Ziel setzte ich meine ganze Kraft ein. Ich ließ alle hinter mir und ging als Sieger durchs Ziel. Zu meiner Überraschung erfuhr ich auch, daß ich mit meiner Zeit einen neuen finnischen Rekord für jenes Jahr aufgestellt hatte. Ich freute mich über diese Leistung und dachte: „Werde ich wohl noch weitere Erfolge erzielen und vielleicht bald den Weltrekord erringen?“ Ich dachte noch nicht im entferntesten daran, daß ich am Ende jenes Jahres die Gelegenheit erhalten würde, auf einer besseren Bahn zu laufen.

      WAS SICH IN MEINEM LEBEN FRÜHER ZUTRUG

      Schon als Kind war ich am Laufen interessiert, aber ich interessierte mich auch für ernstere Dinge, über die die Erwachsenen oft sprachen. Wenn bei uns zu Hause Besuch war, entfernte ich mich heimlich von den anderen Kindern, schlüpfte unbemerkt in eine Ecke, wo mich niemand sah, und hörte der Unterhaltung zu. Die einen waren für Gott und die Bibel, die anderen dagegen. Ich hörte sie über die Hölle, einen Ort ewiger Qual, über Spiritismus und andere Dinge reden. Als ich so zwischen acht und zehn Jahre alt war, überlegte ich bereits, ob ich Gott dienen wolle oder nicht. Wenn ich nachts aufwachte, beunruhigte mich der Gedanke an die Hölle, und ich fürchtete mich.

      Mit zehn Jahren neigte ich immer mehr zu der Ansicht, die Bibel sei lediglich ein Phantasieprodukt von Menschen, das als Werkzeug benutzt wurde, um die Menschen zu beherrschen und zu unterdrücken. Als ich dann zwölf Jahre alt war, hörte ich einmal einige junge lutherische Missionare über ihre Abreise in heidnische Länder sprechen. Was sie sagten, beeindruckte mich so sehr, daß ich „bekehrt“ wurde und die Bibel zu lesen begann. Als mein Lehrer dies hörte, freute er sich sehr und versprach mir, mich auf die Missionsschule zu schicken, sobald ich alt genug sei. Im Verlauf der Jahre änderte sich jedoch manches. Mein Lehrer starb. Ich hatte viele Probleme, aber ich las weiter in der Bibel, obwohl ich nicht allzuviel davon verstand.

      Später wurde ich vom Sport so begeistert, daß ich praktisch an nichts anderes mehr dachte. Mein Gewissen beunruhigte mich jedoch immer wieder. „Ist es nicht Gottes Wille, daß du Missionar wirst?“ sagte es mir immer wieder. Zehn Jahre lang hatte ich bereits darum gebetet, diese Laufbahn einschlagen zu können.

      Als ich eines Tages gerade zu einem Wettlauf fortgehen wollte, kam eine Frau ins Haus und bot religiöse Schriften an. Wenn ich nicht versprochen gehabt hätte, an dem Lauf teilzunehmen, hätte ich ihr gern länger zugehört. Ich kaufte jedenfalls das Buch Das vollendete Geheimnis, in dem unter anderem auch die Offenbarung behandelt wurde. Ich las es begierig durch und ärgerte mich keineswegs darüber, zu erfahren, daß die Bibel die Kirchen der Christenheit verurteilt. Andererseits dachte ich aber, die „Weihung“ oder die Hingabe an Gott sei ein zu schwerer Schritt für mich. Ich begann zu ahnen, daß die Anwendung der christlichen Grundsätze bedeuten könnte, daß ich auf die Teilnahme an sportlichen Wettkämpfen verzichten müßte. Ich glaubte, das könnte ich nie tun, und hörte daher auf, in dem Buch zu lesen.

      Kurz danach besuchte ich einen öffentlichen Vortrag, den ein Vertreter der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung hielt. Der Vortrag übertraf jede Predigt, die ich bis dahin gehört hatte, aber es änderte sich bei mir nichts; ich widmete mich weiterhin dem Sport.

      EINE ANDERE LAUFBAHN LIEGT VOR MIR

      Einer meiner besten Sportfreunde glaubte sozusagen nichts. Ich hatte deshalb stets gezögert, mit ihm über Religion zu sprechen. Ich befürchtete, das könnte das Ende unserer Freundschaft bedeuten. Als ich ihn nach einer längeren Trennung einmal wiedersah, erfuhr ich, daß er die Bekanntschaft mit einem Mädchen, das er heiraten wollte, aufgegeben hatte. Er beantwortete mir meine Frage mit den vier Worten: „Ich bin ein Bibelforscher [wie Jehovas Zeugen damals genannt wurden].“ Anscheinend war das Mädchen, das er zu heiraten beabsichtigt hatte, mit seiner neuen Religion nicht einverstanden. Er wollte den biblischen Rat, „nur im Herrn“ zu heiraten, das heißt jemand, der denselben Glauben hat, befolgen. — 1. Kor. 7:39.

      Dieser Mann hatte sich wirklich verändert. Ich wunderte mich, daß ein Mensch so weit kommen konnte, daß er wegen der Bibel selbst seine teuersten Hoffnungen aufgab. Es beeindruckte mich so sehr, daß ich die Frage, mich Gott hinzugeben, erneut zu erwägen begann. Wiederum stieg in mir die Frage auf: „Sollte ich weiter die Laufbahn eines Sportwettkämpfers verfolgen?“ Die Bibel wies mich auf einen weit passenderen Wettlauf hin: „Wißt ihr nicht, daß die Läufer in einem Wettlauf alle laufen, aber nur e i n e r den Preis empfängt? Lauft auf eine Weise, daß ihr ihn erlangen könnt. Außerdem übt jeder, der an einem Wettkampf teilnimmt, in allen Dingen Selbstbeherrschung. Nun tun sie es natürlich, um eine vergängliche Krone zu erhalten, wir aber eine unvergängliche.“ — 1. Kor. 9:24, 25.

      Vor mir lagen nun zwei Laufbahnen: eine, die mir weltlichen Ruhm und weltliche Ehre einbringen würde, eine andere, die mir Gottes Anerkennung und ewiges Leben in Aussicht stellte. Ich konnte nicht in beiden laufen. Das Erlebnis meines Freundes war für mich eine wunderbare Lektion. Ich beschloß, mich Gott hinzugeben, und begann, die Regeln für meine neue Laufbahn kennenzulernen.

      DAS STARTSIGNAL FÜR DEN LANGEN WETTLAUF

      Ich beschaffte mir alle sieben Bände der Schriftstudien, die von der Watch Tower Society herausgegeben worden waren, und bis zum Beginn des Jahres 1920 hatte ich sie alle durchgelesen. Ich war nun vollständig davon überzeugt, daß die Hölle nach der Bibel nichts anderes ist als das allgemeine Grab der verstorbenen Menschen und daß der Mensch keine Seele hat, sondern eine Seele ist. Viele andere biblische Wahrheiten waren mir nun klargeworden. Im April jenes Jahres ließ ich mich taufen, um meine Hingabe öffentlich zu symbolisieren. Das war für mich wie das Startsignal für diesen neuen Wettlauf, den Wettlauf um den Preis des Lebens.

      Es ging alles nicht so leicht. Im Jahre 1914 war mein Vater gestorben, und da ich von sechs Kindern das älteste war, mußte ich zusammen mit der Mutter die Familie ernähren. Es schien, als ob ich für längere Zeit gebunden bleiben würde. Ich hatte aber immer noch den Wunsch, Missionar zu werden. In jenen Tagen beteiligten sich nicht alle Bibelforscher am Predigtdienst von Haus zu Haus. Nur einige Vertreter der Watch Tower Society, die ihre ganze Zeit zur Verfügung stellen konnten, widmeten sich diesem Dienst. Ich war jedoch entschlossen, das, was ich gelernt hatte, weiterzugeben, obwohl ich durch das kleine Geschäft, das wir betrieben, gebunden war. Ich konnte vielen unserer Kunden bibelerklärende Schriften abgeben und hatte viele interessante Diskussionen. Das alles befriedigte mich jedoch noch nicht.

      Im Jahre 1920 waren mein oben erwähnter Freund und ich mit einer kleinen Gruppe von ortsansässigen Bibelforschern, meist Frauen, verbunden. Wir waren ziemlich schüchtern und noch verhältnismäßig neu; deshalb leiteten die Frauen die Studienzusammenkünfte. Sie forderten uns auf, das Gebet zu sprechen und die Leitung der Zusammenkünfte zu übernehmen. Zuerst dachten wir beide, wir wären der Aufgabe nicht ganz gewachsen. Als ich schließlich einwilligte, erkannte ich, daß ich nun die Führung in der Gruppe übernehmen mußte. Wir begannen, die Botschaft von Haus zu Haus zu predigen, und die Versammlung wuchs an, zuerst auf zwanzig Personen, und schließlich wurde sie so groß, daß sie in drei Gruppen aufgeteilt werden mußte, die in einem Umkreis von zehn Kilometer lagen.

      Da das Geschäft unserer Familie am Anfang des Jahres stets flau ging, beschloß ich, im Jahre 1921 den Januar und Februar in einem abgelegenen Gebiet zuzubringen, wo ich Menschen predigen konnte, die über einige der wunderbaren biblischen Verheißungen noch nie etwas gehört hatten. Meine Schwester kümmerte sich um die Angelegenheiten zu Hause. Das Gebiet, das ich ausgewählt hatte, lag etwa 200 Kilometer weit entfernt. Ich war entschlossen, den Menschen soviel wie möglich von dem zu sagen, was ich aus den Schriften der Watch Tower Society gelernt hatte. Sie waren sehr aufgeschlossen, unterhielten sich gern über die Bibel und nahmen bereitwillig Schriften entgegen.

      Ich machte in jenen Monaten viele schöne und auch einige merkwürdige Erfahrungen. Ich kam zum Beispiel zu einer Frau, die unter dämonischem Einfluß stand und die sagte, sie könne mich lähmen, so daß ich mich nicht mehr rühren könne. Sie versuchte jedoch vergeblich, mich in Bann zu schlagen, und als ich sie anhand der Bibel über die Dämonen und ihre Macht über die Menschen aufklärte, brach sie zusammen und weinte.

      NEUE MÖGLICHKEITEN

      Als ich nach den zwei wunderbaren Monaten im Missionardienst wieder nach Hause zurückgekehrt war, erhielt ich vom Zweigbüro der Watch Tower Society in Helsinki einen Brief, der mich überraschte. Ich wurde gefragt, ob ich für zwei Wochen als Sondervertreter im Land umherreisen könnte, um in Dörfern und in kleineren und größeren Städten biblische Vorträge zu halten. Zuerst zögerte ich etwas, doch dann dachte ich, wenn es des Herrn Wille sei, werde er mir auch bestimmt durch seinen Geist helfen. Ich erklärte mich bereit und hatte dann das freudige Vorrecht, zu großen Zuhörermengen über das Thema „Der Antichrist ist gekommen — Wer? Was? Wo?“ zu sprechen.

      Die zwei Wochen vergingen sehr schnell, und ich war wieder zu Hause. Doch dann kam eine weitere unerwartete Botschaft aus Helsinki. Diesmal wurde ich eingeladen, als reisender Vertreter in den damals so genannten „Pilgerdienst“ einzutreten. Die Verantwortung für meine Angehörigen tauchte wie ein unüberwindliches Hindernis vor mir auf, doch zu meiner großen Überraschung waren sie bereit, gemeinsam die Bürde zu übernehmen und mich gehen zu lassen, damit ich in das Werk eintreten konnte, dem ich mich schon lange gern gewidmet hätte. Ich war damals vierundzwanzig Jahre alt. Ich widmete mich diesem Dienst fünf Jahre und lernte in dieser Zeit praktisch alle Zeugen in Finnland kennen. Manchmal sprach ich vor über tausend Zuhörern. Die Tätigkeit befriedigte mich sehr, ja es war begeisternd zu sehen, wie die Menschen die befreiende Botschaft der Bibel annahmen.

      Es war auch erfreulich zu sehen, wie sich die Situation zu Hause entwickelte. Meine Mutter begann, regelmäßig die Zeitschrift Der Wachtturm zu lesen. Auch meine Schwester machte Fortschritte und gab sich schließlich Gott hin. Ja, jene kleine Versammlung wurde zu einem Schulungszentrum, aus dem erfahrene Zeugen hervorgingen, die als Vollzeitprediger in andere Gebiete zogen. Einige kamen als Missionare nach Estland, und einige, auch mein ältester Freund, wurden in den „Pilgerdienst“ eingeladen.

      Nach fünf Jahren wurde ich ins Zweigbüro der Gesellschaft in Helsinki eingeladen, um bei der Erledigung der vielen administrativen Arbeiten mitzuhelfen. Wenn ich nun auf jene zwanzig Jahre zurückblicke, in denen ich das Vorrecht hatte, mich dieser Tätigkeit zu widmen, waren sie für mich eine Zeit vortrefflicher Schulung. Am meisten schätzte ich die Gelegenheit, aus nächster Nähe zu sehen, wie Jehovas Geist die Angelegenheiten seines Volkes auf der Erde lenkt. Darüber hinaus konnte ich von dieser Stelle aus auch die erstaunliche Ausdehnung in Finnland beobachten.

      WEITERE FREUDEN UND VERPFLICHTUNGEN

      Mit vierzig Jahren heiratete ich, und obwohl mir daraus weitere Verpflichtungen erwuchsen, sollte dies doch kein Hindernis für meinen Vollzeitdienst sein. Meine Frau half mir bereitwillig in meinem Geschäft. Wir hatten bald vier Kinder, zwei Jungen und zwei Mädchen. Während dieser Zeit war ich viel im Zweigbüro der Gesellschaft in Helsinki tätig. Ich verbrachte aber auch jede Woche eine gewisse Zeit mit meiner Familie, schulte die Kinder und half ihnen, Wertschätzung für Gottes wahre Anbetung zu entwickeln. Die beiden Mädchen und auch einer der Jungen traten schließlich in den Missionardienst ein. Selbst meine Frau fand trotz ihrer zusätzlichen Pflichten noch Zeit, hier und da einen ganzen Monat dem Predigtdienst von Haus zu Haus zu widmen. Jehova segnete unsere Bemühungen tatsächlich.

      Im Jahre 1958 hatte unsere ganze Familie, außer einem Sohn, das Vorrecht, den großen internationalen Kongreß in New York zu besuchen. Welch ein unvergeßliches Erlebnis! Die Erinnerungen daran steigen immer wieder in uns auf, und die Eindrücke, die er in uns hinterlassen hat, sind unauslöschlich. Er erfrischte uns und spornte uns für den vor uns liegenden Teil des Wettlaufs an.

      Die Jahre gingen schnell vorbei, ja Jahrzehnte sind ins Land gegangen. Siebenundzwanzig Jahre nach unserer Heirat waren auch unsere vier Kinder verheiratet, jedes mit einem Partner, der sich Jehova hingegeben hatte. Eine Tochter ist immer noch im Vollzeit-Missionardienst, und ich hoffe, daß auch die anderen diesen Dienst noch zu ihrer Lebensaufgabe machen.

      Es haben sich auch noch andere Dinge ereignet. Der Präsident der Watch Tower Society, N. H. Knorr, besuchte Finnland und traf einige neue Vorkehrungen für das Königreichswerk. Ich erhielt das Vorrecht, wieder als reisender Vertreter die Versammlungen zu besuchen und ihnen zu helfen, ihren Dienst auszudehnen und zu verbessern. Das förderte meine Reife sehr. Ich lernte die vielen verschiedenen und schwierigen Situationen kennen und verstehen, in denen manche Zeugen sich bemühen, Gott zu gefallen. Ich beobachtete, daß ein gutes Beispiel oft mehr wert ist als viele Worte. Ich erfreute mich der geistigen Speise, die uns in Hülle und Fülle zuging, da das Licht über Gottes geschriebenem Wort immer heller leuchtete.

      Im Jahre 1958 begann ich zu befürchten, ich müsse mit zunehmendem Alter vielleicht meinen Lauf verlangsamen. Der Vertreter des Zweigbüros der Gesellschaft erklärte mir, ich könne an einem bestimmten Ort bleiben und dort meinen Vollzeitdienst fortsetzen, wenn ich denke, meine Kräfte würden es mir nicht mehr erlauben, viel zu reisen. Ich trug die Angelegenheit Jehova im Gebet vor, denn ich wollte nicht auf eine bequeme Weise in diesem Abschnitt des Wettlaufs ausscheiden.

      Um diese Zeit forderte der Präsident der Gesellschaft, N. H. Knorr, das finnische Zweigbüro auf, ein anderes Grundstück zu suchen und ein neues Büro und eine neue Druckerei zu bauen, um mit der Ausdehnung des Werkes Schritt zu halten. Ich erinnerte mich an ein günstiges Gelände für diesen Zweck und freute mich, als mein Vorschlag angenommen wurde. Bald waren das schöne neue Zweigbüro und das Bethelheim gebaut. Diese kleine Ermunterung schien mir über diese kurze Zeit, in der ich mir wegen meiner Gesundheit Sorgen gemacht hatte, hinwegzuhelfen. Ich beschloß, den Lauf gewissermaßen mit dem „zweiten Atem“ fortzusetzen. Keine Unterbrechung im Verfolgen des Zieles, kein Nachlassen im Eifer — das ist der Wille Jehovas, und seinen Willen zu tun ist meine größte Freude!

      Ich wurde also wieder ein reisender Vertreter der Gesellschaft, und es scheint, als ob ich heute besser laufen würde denn je. Inzwischen sind weitere neun Jahre vergangen, die ich in diesem Werk, in dem ich nun schon zwanzig Jahre dienen durfte, zugebracht habe. Ich bin jetzt siebzig Jahre alt und kann sagen, daß ich nun insgesamt siebenundvierzig Jahre in dieser Bahn gelaufen bin.

      Mitzeugen, die von meinem anscheinend langen Wettlauf wissen, fragen mich oft: „Bist du denn noch nicht müde?“ Mir scheint, als könnte ich den Wettlauf im Vollzeitpredigtdienst oder auf irgendeinem anderen Gebiet des Dienstes auf unabsehbare Zeit fortsetzen. Ich merke natürlich, daß sehr viel von meiner körperlichen Stärke und von meiner Gesundheit abhängt und noch viel mehr davon, was Gott von mir getan haben möchte.

      Ich habe auf zwei ganz verschiedenen „Laufstrecken“ Erfahrungen gesammelt, und so kann ich meinen Mitzeugen erklären — und das tue ich oft —, daß sich der Wettlauf um den Preis des Lebens sehr von einem buchstäblichen Wettlauf unterscheidet. Bei einem buchstäblichen Wettlauf erhält man, abgesehen von dem sogenannten „zweiten Atem“, keine neue Kraft während des Laufes. Bei dem Wettlauf um den großen Preis des Lebens gibt Jehova den treuen Läufern jedoch ständig neue Kraft. Der Prophet Jesaja sagte unter Inspiration zu unserer Ermunterung: „Er gibt dem Müden Kraft, und dem Unvermögenden reicht er Stärke dar in Fülle. Und Jünglinge ermüden und ermatten, und junge Männer fallen hin; aber die auf Jehova harren, gewinnen neue Kraft: sie heben die Schwingen empor wie die Adler; sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.“ — Jes. 40:29-31.

  • Eine wirkliche Quelle ewigen Lebens
    Der Wachtturm 1968 | 15. Januar
    • Eine wirkliche Quelle ewigen Lebens

      SCHON seit undenklichen Zeiten suchen die Menschen nach dem Jungbrunnen, einer Quelle, die ihnen sprühende Kraft und blühende Gesundheit zurückgibt. Sie bemühen sich nicht nur, solch eine buchstäbliche Quelle der Jugend zu finden, sondern versuchen auch durch Heilmittel, durch eine bestimmte Ernährungsweise, durch Diät usw. sich vor Krankheiten und vor frühzeitigem Altern zu schützen. Diese Bemühungen sind bis zu einem gewissen Grad erfolgreich gewesen, aber bis jetzt ist es noch nicht gelungen, die Lebensdauer oder Lebenszeit des Menschen erheblich zu verlängern. Die Ursache hierfür ist, wie die Bibel zeigt, die ererbte Unvollkommenheit des Menschen. Da sich unser menschlicher Urvater von der Quelle des Lebens abwandte und seine Vollkommenheit einbüßte, konnte er an seine Nachkommen kein wahres, vollwertiges Leben weitergeben.

      ES IST MEHR ALS NUR BUCHSTÄBLICHES WASSER NOTWENDIG

      Einige haben die Situation begriffen und haben erkannt, daß die Menschen nicht durch Speise und Trank oder dergleichen ewiges Leben erlangen können, sondern daß dazu mehr notwendig ist als körperliche Gesundheit, nämlich eine geistige Erneuerung. Manche versuchen dieses Ziel dadurch zu erreichen, daß sie an sich selbst arbeiten, indem sie sich an einen bestimmten Maßstab oder Kodex halten, den sie selbst oder jemand anders aufgestellt hat. Die Juden haben es durch das Halten der Zehn Gebote zu erreichen versucht. Auch in der Christenheit gibt es Personen, die es auf diese Weise zu erreichen hoffen. Es ist jedoch mehr erforderlich. Der Mensch kann die Vollkommenheit nicht erarbeiten; er benötigt Gottes Hilfe, denn „bei dir [Jehova] ist der Quell des Lebens“. (Ps. 36:9) Das Leben war ursprünglich eine unserem Vorvater Adam verliehene Gabe Gottes, keine Belohnung für irgendwelche Werke. Niemand kann sich das Leben durch Werke verdienen. Der Lebensuchende benötigt die Hilfe des Lebengebers, und diese Hilfe wird ihm nur unter den Bedingungen des Lebengebers gewährt, nicht unter seinen eigenen Bedingungen.

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