Berichte aus dem Jahrbuch 1960 der Zeugen Jehovas
WESTDEUTSCHLAND
Verkündiger-Höchstzahl: Bevölkerung: Verhältnis:
65 631 53 339 000 1 zu 812
Jehovas Zeugen in Westdeutschland haben im vergangenen Jahr sehr viel Freude erlebt, und dank dem Umstande, daß ein großer Teil ihres Gebiets gründlich bearbeitet wird, haben die Brüder Gelegenheit gehabt, in abgelegene Orte und sogar in andere Länder zu ziehen. Sie haben wirklich den dem Volke Gottes eigenen Fleiß bekundet, und das erinnert uns an die Worte des Paulus: „Aber wir wünschen, daß ein jeder von euch denselben Fleiß beweise, um die volle Gewißheit der Hoffnung bis ans Ende zu haben, damit ihr nicht träge werdet, sondern Nachahmer derer seid, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen ererben.“ (Heb. 6:11, 12, NW) Unsere deutschen Brüder haben sehr viel getan, um in Gebiete zu ziehen, in denen Hilfe dringend not tut. Sie haben neue Gebiete erschlossen und so, zusammen mit allen ihren Brüdern in Westdeutschland, dazu beigetragen, daß ein ausgezeichnetes Zeugnis gegeben wurde. Der Zweigdiener teilt uns einige ihrer Erfahrungen mit.
Groß war die Begeisterung, als die Brüder in Westdeutschland vernahmen, daß die in New York gefaßte Resolution in der deutschen Sprache in einer Auflage von 7 000 000 zur Verbreitung bereitlag. Unter den 63 908 Verkündigern, die am Ende dieses denkwürdigen Monats über ihren Dienst Bericht erstatteten, waren viele, die das erstemal ausgezogen waren. Damit erreichten wir eine Zunahme von 11,6 Prozent. In den folgenden Wochen und Monaten machten 1396 Personen von dem Angebot Gebrauch und ließen sich die Broschüre Gottes Königreich herrscht — ist das Ende der Welt nahe? zusenden. Viele wünschten dringend, besucht zu werden. Eine Menge neuer Heimbibelstudien konnte eingerichtet werden, und nach acht Wochen stand schon die erste Person, die im Dezember mit der Wahrheit in Berührung kam, im Dienst.
Die Frau eines Kreisdieners berichtete von einer alleinstehenden jungen Frau, die sogleich großes Interesse für eine gerechte Regierung bekundete, als ihr die Resolution ausgehändigt wurde. Weil sie noch mehr zu wissen wünschte, abonnierte sie die beiden Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet!. Beim ersten Nachbesuch konnte bereits ein Heimbibelstudium eingerichtet werden. Von da an besuchte diese Frau regelmäßig das Wachtturm-Studium und gab auch Antworten. Sie verstand sofort, daß Jehovas Zeugen keine stummen Zeugen sind, und erzählte überall von der Hoffnung, die sie nun so glücklich macht. Bei einer Konfirmation, zu der sie eingeladen wurde, benutzte sie die Gelegenheit und sprach drei Stunden über das, was sie in der kurzen Zeit gelernt hatte. Jetzt ist sie ein eifriger Verkündiger.
Hervorzuheben ist auch, daß der von Monat zu Monat anschwellende Ruf, zu helfen, wo Hilfe dringend not tut, viele Brüder veranlaßte, einen Wechsel ihres Wohnortes ernstlich in Erwägung zu ziehen. Vierundsechzig Brüder, bzw. Familien, meldeten sich für den Dienst im Ausland. Elf Familien konnten ihren Vorsatz schon ausführen, während sich die anderen noch um die notwendigen Papiere und Arbeitsverträge bemühen. Vier Sonderpioniere und ein Versammlungsverkündiger gingen nach Island. Sechs Sonderpioniere erhielten eine Arbeitszuteilung in Österreich. 251 Verkündiger waren teils als Ferienpioniere einige Wochen in Österreich tätig, und mindestens fünf Familien ziehen jetzt ganz dort hin. Schließlich waren 110 Verkündiger von sechs Versammlungen an Wochenenden in Österreich tätig. Weitere zweiundfünfzig arbeiteten einige Zeit teils als Ferienpioniere in der Schweiz.
Aber auch im Inland gibt es noch eine Anzahl Gebiete, wo Hilfe dringend not tut. Bis jetzt haben sich 291 Brüder gemeldet, die ihren Wohnsitz verändern wollen, achtundsiebzig von ihnen, darunter z. T. ganze Familien, sind schon umgezogen. Wie glücklich sie sind, diese Entscheidung getroffen zu haben, geht aus ihren Berichten hervor. So schreibt ein Bruder: „Wie Ihr aus der Anschrift erkennen werdet, befinde ich mich mit meiner Familie im neuen Gebiet und habe am Sonntag den Dienst hier mit viel Freude aufgenommen, da ich schon ein neues Heimbibelstudium beginnen konnte. Wohnungsmäßig haben wir es hier wunderbar angetroffen, und wir sind Jehova für diese Wegleitung von Herzen dankbar. Nehmt bitte an unserer Freude teil und seid in Liebe gegrüßt.“
Ein anderer Bruder schreibt: „Am Donnerstag, dem 11. September, kam ich hier an; am Freitag, dem 12. September, hatte ich schon Arbeit, und am Sonnabend, dem 13. September, eine möblierte Zweizimmerwohnung.“
OSTDEUTSCHLAND
Die Berlin-Krise zwischen dem Osten und dem Westen hat überall Beunruhigung hervorgerufen. Aber Jehovas Zeugen in West Berlin und im kommunistischen Ostdeutschland — also mitten im Gefahrenherd — ließen sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Sie predigten die Königreichsbotschaft auch im vergangenen Dienstjahr unentwegt weiter. Angesichts der kommunistischen Drohungen gegen die Stadt schien es den Verkündigern in West-Berlin mitunter, daß sie bald selbst der gleichen heftigen Verfolgung ausgesetzt sein könnten, die ihre Glaubensbrüder in Ostdeutschland erleiden. Sie stellten ihre Tätigkeit jedoch nicht ein und zogen sich nicht zurück, obwohl es für sie ein leichtes wäre, rechtzeitig nach Westdeutschland zu entkommen. Sie haben statt dessen Kraft geschöpft aus den ermutigenden Worten des Apostels Paulus, die wir in Hebräer 10:34-39 (NW) lesen: „Ihr habt sowohl Mitgefühl bekundet für jene, die im Gefängnis sind, als auch den Raub eurer Habe freudig hingenommen, wissend, daß ihr selbst einen besseren bleibenden Besitz habt. Werft darum euren Freimut der Rede nicht weg, der eine große Belohnung einträgt. Denn ihr bedürft des Ausharrens, damit euch, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Erfüllung der Verheißung zuteil werde … Wir nun sind nicht solche, die sich zum Verderben zurückziehen, sondern solche, die Glauben besitzen, der dazu gereicht, die Seele am Leben zu erhalten.“
Obwohl die kommunistischen Behörden alles Erdenkliche tun, um die Verkündigung des Königreiches Gottes zu unterdrücken, sind im kommunistischen Ostdeutschland viele neue Verkündiger in die Wahrheit gekommen. Da sind keine liebenswürdigen Reden über eine friedliche Koexistenz zu hören gewesen! Im Gegenteil, Jehovas Volk in Ostdeutschland wurde im vergangenen Dienstjahr noch mehr unter Druck gesetzt. Im vorangegangenen Jahr waren 77 Verkündiger wegen ihrer christlichen Tätigkeit verhaftet und zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden; doch dieses Jahr wurden 128 solche Fälle registriert.
Hier folgen einige Streiflichter, die den Kampf unserer Brüder in Ostdeutschland etwas näher beleuchten. Die Anklagen, die man gegen sie erhebt, werden immer lächerlicher. Als die Verkündiger in Ostdeutschland zum Beispiel die Adressen der Regierungsbeamten, Richter und anderer führender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sammelten, um ihnen den Resolutionstraktat zuzustellen, wie das in allen übrigen Ländern geschah, wurde das von kommunistischer Seite als Spionage und Einziehen von geheimen Informationen bezeichnet. Man ging so weit, daß man Tausende von Verkündigern durch bezahlte Spitzel ständig überwachen ließ. Hunderte von denen, die man als aktive Prediger verdächtigte, wurden vorgeladen und langen Verhören unterzogen, in denen man sie entweder durch Freundlichkeit oder durch Zwang für den Kommunismus zu gewinnen und zu veranlassen suchte, ihre Brüder zu verraten. Der SSD (kommunistischer Staatssicherheitsdienst) organisierte sogar, unterstützt durch seine Helfershelfer, einen Einbruch in das Zweigbüro, das sich auf Westberliner Boden, außerhalb seines Machtbereiches, befindet, in der Hoffnung, Material zu finden, das gegen die Brüder in Ostdeutschland hätte gebraucht werden können. Viele Brüder wurden am Abend des Gedächtnismahles in ihren Wohnungen belästigt, um sie daran zu hindern, diese christliche Feier zu begehen.
Ein gutes Beispiel, das zeigt, wie Jehovas Geist seine Diener in Zeiten der Not aufrechterhält und ihren treuen Dienst segnet, wurde aus einer kleinen Stadt in Ostdeutschland berichtet, wo ein reifer Bruder verhaftet und zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Dieser Bruder war in jener Stadt eine ziemlich bekannte Person. Die übrigen Verkündiger ließen sich dadurch nicht von Furcht ergreifen. Sie bemühten sich in jenem Monat um so mehr, die Menschen guten Willens zu betreuen, damit diese durch die Verhaftung des Bruders ja nicht zurückschrecken würden, in der Wahrheit Fortschritte zu machen. Das Ergebnis war, daß am Ende des Monats in jener Stadt neunzehn Heimbibelstudien mehr durchgeführt wurden und sechs neue Verkündiger im Dienste standen.
Nachdem die vor zwei Jahren unternommene Aktion, nämlich die Versendung eines von kommunistischer Seite redigierten „Wachtturms“, so jämmerlich fehlgeschlagen hatte, daß dessen Erscheinen schon nach einigen Ausgaben wieder eingestellt werden mußte, sind die kommunistischen Behörden nun auf einen neuen Gedanken gekommen. Sie versenden neuerdings an die Zeugen Jehovas in ganz Ostdeutschland vervielfältigte Briefe, die von Verkündigern geschrieben worden sein sollen, die im Gefängnis sind und die ihre Brüder ermahnen, aus ihren bitteren Erfahrungen eine Lehre zu ziehen. Sie versuchen, diesen klarzumachen, sie seien nicht wegen ihres Glaubens im Gefängnis, sondern weil sie „eine Tätigkeit entfaltet“ hätten, „die mit christlichen Grundsätzen nicht mehr vereinbar“ sei. Sie fordern ihre Brüder auf, nicht mehr mit der Gesellschaft zusammenzuwirken, da diese den Pfad der christlichen Neutralität verlassen habe und „am Propagandafeldzug des Westens“ teilnehme, ja „die Partei des Westens gegen den Osten“ ergreife. Sie gehe „weit über die Befugnisse einer religiösen Organisation hinaus, hinein in die Welt, von der sie getrennt zu sein“ vorgebe. Die Verkündiger erkennen natürlich die Sprache dieses „brüderlichen Rats“, und nur einige Personen, die schon immer mit den Vorkehrungen, die Jehova für seine Schafe getroffen hat, nicht zufrieden waren, fielen darauf herein. Wir leben wirklich in einer Zeit, in der es heißt, wachsam zu bleiben und seine äußeren Kleider zu bewahren. Wer auf Kompromisse eingeht, wird kein Leben in Jehovas neuer Welt erlangen.
FRANKREICH
Verkündiger-Höchstzahl: Bevölkerung: Verhältnis:
13 935 44 000 000 1 zu 3150
Dem Zweigbüro in Paris ist ein großes Gebiet unterstellt. Die Brüder dort betreuen nicht nur das Werk in Frankreich, sondern nehmen sich auch der Königreichsinteressen in Algerien, Kamerun, Französisch-Guinea, Madagaskar, Senegal und Tunesien an. In allen diesen Ländern wurden im Laufe des Jahres gute Fortschritte erzielt. Angesichts der gewaltigen Ausdehnung des Gebiets, das dem französischen Büro unterstellt ist, denkt man unwillkürlich an die Bibelstelle: „Die Augen Jehovas sind an jedem Orte, überwachen beständig die Schlechten und die Guten.“ (Spr. 15:3, NW) Wie der Bericht zeigen wird, haben Jehovas Zeugen viele segensreiche Erfahrungen gemacht. Sie sind entschlossen, weiter zu den Menschen zu gehen, die in der vom Bösen beherrschten Welt leben, um ihnen die gute Botschaft zu übermitteln, so daß sich bald wieder einige von ihrer Bosheit abwenden und sich der Neuen-Welt-Gesellschaft anschließen werden, die in den Augen Jehovas Gutes tut. Der Zweigdiener sandte uns einen schönen Bericht über die erwähnten Länder ein, dem wir folgendes entnehmen:
In diesem Jahr sind wieder, wie im vergangenen, viele Familien in Gebiete gezogen, wo Hilfe not tut, und Sonderpioniere wurden in noch unberührte Gebiete gesandt. Trotzdem ist noch ein großes Werk zu tun, denn es gibt immer noch eine ganze Anzahl größerer Städte mit über 20 000 Einwohnern, die noch nicht zugeteilt sind — ganz abgesehen von den kleineren Orten, ja von ganzen Départements, in denen kein einziger Verkündiger wohnt.
Ein Bruder, der bei der französischen Eisenbahn angestellt ist, bat seinen Vorgesetzten, ihn in eine Stadt zu versetzen, von der er wußte, daß dort Hilfe not tat. Auf die Frage, warum er diesen Wechsel wünsche, gab er, ohne zu zögern, ein Zeugnis und erklärte, daß er über dieselben Dinge auch mit den Einwohnern jener Stadt sprechen möchte. Der Vorgesetzte wünschte ihm Glück dazu und befürwortete sein Gesuch um Versetzung. Er bekundete großes Interesse, stellte Fragen und verlangte etwas zum Lesen.
Die nachstehende Erfahrung zeigt, wie eine einzige Zeitschrift, die von einer zehnjährigen Ferienpionierin abgegeben wurde, dazu beitrug, daß sechs Menschen die Wahrheit kennenlernten. Die junge Verkündigerin hatte einer Frau ein Exemplar der Zeitschrift Erwachet! gegeben. Vierzehn Tage später machte sie mit einem Bruder bei dieser Frau einen weiteren Besuch. Welche Überraschung! Sie hatte viele Fragen und bat die beiden, wiederzukommen. Sie erkannte die Wichtigkeit der Botschaft sehr schnell und begann bald mit ihren Nachbarn darüber zu sprechen. Ihr Mann, ihre Tochter, ihr Bruder und ihre Schwägerin, die an demselben Ort wohnen, interessierten sich alle dafür. Es wurde unverzüglich mit ihnen allen ein Studium begonnen. Später zeigte noch ein anderer ihrer Brüder Interesse und bezog Stellung auf der Seite der Neuen-Welt-Gesellschaft. Bis jetzt haben sich uns von dieser Familie bereits vier Personen im Predigtwerk angeschlossen.
Wenn die Neue-Welt-Gesellschaft ihr Licht in ihrem Gebiet gleich einem Scheinwerfer leuchten läßt, werden die Menschen guten Willens unwillkürlich angezogen, wie dies folgender Brief zeigt, den wir von einem Bruder erhielten: „Eines Tages kam auf der Straße ein Arbeitskamerad auf mich zu. Ich war überrascht, sein ernstes Gesicht zu sehen, und war gespannt zu erfahren, weshalb er mich ansprach. ‚Emil‘, sagte er, ‚ich hätte dir gern etwas wegen meiner Tochter gesagt, von der ich gestern mit dir sprach, als wir uns über deine Religion unterhielten. Sie ist erst vierzehn, aber sie möchte sich euch anschließen, weil sie findet, daß ihr einfach nicht so seid wie die anderen!‘
Ich wußte sofort, was er meinte, und erwiderte: ‚Ja, vielleicht sind wir nicht so wie die anderen, weil wir uns bemühen, nach den Grundsätzen der Bibel zu leben. Wir gehören zu einer Neuen-Welt-Gesellschaft.‘ Dann erklärte ich ihm, daß es heute in der ganzen Welt Menschen aller Arten gebe, die versuchen, nach denselben, christlichen Grundsätzen zu leben. Ich sagte ihm, daß in 175 Ländern Christen eifrig damit beschäftigt seien, ihren Mitmenschen die Bibel zu erklären und ihnen zu zeigen, wie sie Gott gehorchen können. Ich fügte noch hinzu: ‚Wenn du willst, komme ich einmal zu dir in deine Wohnung, damit wir uns etwas eingehender über diese Dinge unterhalten können.‘
Am gleichen Tage brachte ich ihm eine Zeitschrift und erzählte ihm von der Kreisversammlung, die bald danach in unserer Nähe stattfinden sollte. Dann besuchten meine Frau und ich ihn einmal zusammen. Wir konnten sogleich ein Studium anhand des Buches ‚Dies bedeutet ewiges Leben‘ beginnen, das seither regelmäßig durchgeführt wird, und die junge Tochter zeigt dafür großes Interesse. Sie nahm die Einladung, die Zusammenkünfte zu besuchen, sogleich an und hat bereits begonnen, die Botschaft weiterzuerzählen. Während des Besuchs des Kreisdieners ging sie mit dessen Frau in den Dienst. Zu unserer Freude wollte sie auch von sich aus am Zeitschriftendienst von Haus zu Haus teilnehmen und ging mit einer solchen Freude und einem solchen Eifer daran, daß wir nur staunten.
Natürlich wird das Studium bei dieser Familie fortgesetzt, und nun nehmen außer dem Töchterchen noch andere Kinder daran teil, und wir freuen uns zu sehen, wie sie in der Erkenntnis und Liebe Gottes zunehmen.“
Um dem Rat des Apostels Paulus nachzukommen: „Predige das Wort … in günstiger Zeit, in unruhvoller Zeit … mit aller Langmut“, tun wir gut, jede Gelegenheit, die sich uns zum Zeugnisgeben bietet, auszunutzen, auch die Pausen während unserer weltlichen Arbeit. Die nachstehend berichtete Erfahrung eines Bruders zeigt, welch gute Ergebnisse dies zeitigen kann.
„Meine Erfahrungen im Predigtdienst haben mich völlig davon überzeugt, daß man viel Gutes wirken kann, wenn man seine Zunge zum Lobe Jehovas gebraucht. So kann man zum Beispiel am Arbeitsplatz, wenn man nicht gerade viel zu tun hat, oder während der Ruhe- und Mittagspausen gelegentlich ein Zeugnis geben. Ich arbeite in einer großen Fabrik in einem Vorort von Paris, aber in einer kleinen Werkstatt, in der ungefähr fünfundzwanzig Arbeiter beschäftigt sind. Ich lernte die Wahrheit im Juli 1951 kennen und begann sogleich, meinen Arbeitskameraden davon zu erzählen. Nur wenige von ihnen hörten mir zu, aber ich sprach wieder mit ihnen über das aufgerichtete Königreich und führte immer wieder neue Beweise an, bis ihre Zweifel schließlich wichen. Ich gab ihnen ein gründliches Zeugnis. Im Laufe von sieben Jahren gab ich in der Werkstatt einen Karton Bücher ab. Einige abonnierten die Zeitschrift Erwachet!, und in kurzer Zeit erhielten vierzehn Personen diese Zeitschrift durch die Post. Ich entwickelte eine Zeitschriftenroute und verbreitete Hunderte von Broschüren. Die sieben Jahre gingen um, und niemand regte sich. Keiner schien für die Wahrheit Stellung nehmen zu wollen. Manchmal schwand mir der Mut, aber ich gab die Hoffnung nie auf. Ich setzte mein Vertrauen in die Worte in Prediger 11:1, warf mein Brot auf die Wasser und wartete ab, bis der richtige Zeitpunkt kam, um zu handeln. Vor kurzem begannen sich zu meiner Freude einige dieser Männer für die Bibel zu interessieren. Inzwischen haben sich über zehn von ihnen eine solche beschafft, und nun habe ich mit meinen Arbeitskameraden fünf Heimbibelstudien, an denen regelmäßig acht Personen teilnehmen und ernsthaft studieren. Einer von ihnen wurde vor kurzem getauft, und zwei weitere wollen sich auf der nächsten Kreisversammlung taufen lassen.“
Aus verschiedenen Teilen des Landes treffen in diesem Büro Briefe ein, in denen um geistige Hilfe gebeten oder Wertschätzung für die Arbeit, die von Zeugen Jehovas geleistet wird, zum Ausdruck gebracht wird, wie das aus folgendem Auszug hervorgeht:
„Ich schreibe Ihnen, weil ich gerne nähere Auskunft über Jehovas Zeugen erhalten möchte. Ich bin katholisch und in einer christlichen Schule erzogen worden. Ich hatte Gelegenheit, Ihre Zeitschrift Erwachet! zu lesen, die mich sehr interessiert. Ich bat eine Nonne, mir zu erklären, was die Schlacht von Harmagedon sei, aber sie wußte nichts davon. Wenn diese Schlacht in der Bibel erwähnt wird, dann sollte sie doch etwas davon wissen. Ich habe deshalb meine Religion einer näheren Prüfung unterzogen und finde, daß darin vieles fehlt und sich einiges widerspricht. Auf die tiefgreifenden Fragen von Schülerinnen antwortete die Lehrerin, sie sollten diese Dinge nicht zu verstehen suchen … Ich finde den Titel Ihrer Zeitschrift sehr gut. Er ist sehr bezeichnend. Wenn sie mir alle meine Fragen beantwortet, werde ich sie abonnieren … Ich bin von meiner Religion richtig irregeführt worden, und nun möchte ich die Religion der Zeugen Jehovas eingehend kennenlernen. Ich weiß genau, daß meine Religion nicht die richtige ist. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir den gewünschten Aufschluß geben oder mir mitteilen könnten, wo ich ihn erhalten kann.“
Wir möchten diesen Bericht nicht abschließen, ohne unsere Dankbarkeit für das neue fünfstöckige Bethel zum Ausdruck zu bringen, das wir seit April bewohnen und in dem eine Druckerei untergebracht werden wird. Wir freuten uns auch über die zwei Besuche, die Du, Bruder Knorr, diesem Bethel bereits abgestattet hast. Bald wird nicht nur die Druckerei, sondern auch der Kurs zur Schulung der Versammlungsdiener im Gange sein.
LUXEMBURG
Verkündiger-Höchstzahl: Bevölkerung: Verhältnis:
298 314 000 1 zu 1053
In Luxemburg begann das Dienstjahr mit der Bezirksversammlung „Göttlicher Wille“, die in der Stadt Luxemburg stattfand und dem Programm folgte, das kurz vorher in New York dargeboten worden war. Sie war wirklich ein Anlaß der Freude. 340 Personen nahmen die Resolution an, von der danach in Form eines Traktates in diesem kleinen Land 53 000 Exemplare verbreitet wurden. Obwohl Jehovas Zeugen in Luxemburg nicht sehr zahlreich sind und es dort nur neun Versammlungen gibt, sind die Brüder doch darauf bedacht, über ihre Zeit zu wachen und jede Gelegenheit auszunutzen, um zu predigen. Sie haben stets die Worte des Paulus im Sinn: „Wacht streng darüber, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, für euch selbst die gelegene Zeit auskaufend, weil die Tage böse sind.“ (Eph. 5:15, 16, NW) Der Zweigdiener berichtet uns einige interessante Erfahrungen über den Ferienpionierdienst, die mit diesem Text übereinstimmen.
Während des Dienstjahres wurden zwei neue Versammlungen gegründet. Dies war nur möglich, weil Brüder dorthin zogen, wo es noch keine Zeugen Jehovas gab. Obschon diese Versammlungen noch klein sind, wird doch jetzt die gute Botschaft auch in jenen Gebieten regelmäßig und gründlich gepredigt.
In einer dieser neuen Versammlungen konnte ein weiteres Missionarheim eröffnet werden, da zwei neue Missionare nach Luxemburg gesandt wurden.
Nicht alle können den Missionardienst aufnehmen. Aber viele Brüder haben den Ferienpionierdienst schätzen gelernt. So hat sich zum Beispiel eine fünfzigjährige Schwester, die nicht gut hört, entschlossen, es einmal zu versuchen, während zweier Wochen Ferienpionierdienst zu leisten, um so einen vermehrten Anteil an der Verbreitung der Resolution zu haben. Dabei kam sie zu einer jungen Frau, die mit der katholischen Kirche unangenehme Erfahrungen gemacht hatte. Diese Frau hörte der Schwester zwar zu, war aber nicht besonders interessiert, da sie glaubte, daß alle Religionen nicht viel taugen. Die Schwester versprach aber, wieder vorbeizukommen. Beim ersten Nachbesuch konnte sie der jungen Frau anhand der Bibel zeigen, daß die Handlungsweise der katholischen Kirche nicht in Übereinstimmung ist mit den christlichen Grundsätzen. Jetzt war die Frau begierig, mehr zu wissen. Ein Studium wurde anhand des Buches „Gott bleibt wahrhaftig“ begonnen. Bald darauf besuchte diese Frau die Zusammenkünfte der Versammlung. Im Frühjahr nahm sie den Felddienst auf, und anläßlich der Bezirksversammlung im Juli symbolisierte sie ihre Hingabe an Jehova durch die Wassertaufe. Diese Erfahrung zeigt, daß auch körperlich behinderte Brüder und Schwestern fruchtbringend arbeiten können und daß der Ferienpionierdienst noch von viel mehr Verkündigern in Betracht gezogen werden sollte. Diese fünfzigjährige Schwester war vom zweiwöchigen Ferienpionierdienst so begeistert, daß sie im April vier Wochen als Ferienpionierin tätig war.
Durch gutes Planen und Zeiteinteilen können auch Schwestern, die Kinder haben, Ferienpionierdienst leisten. So hat sich eine Mutter von zwei Kindern (das eine sieben-, das andere vierjährig) entschlossen, wenigstens zweimal im Jahr Ferienpionierdienst zu tun. Meistens arbeitete sie, wenn der ältere Junge in der Schule war, und den kleineren nahm sie immer mit in den Dienst. Als sie einmal bei einer interessierten Frau einen Nachbesuch machte, war gerade eine Verwandte bei ihr zu Besuch, deren Mann nur einige Tage vorher auf dem Arbeitsplatz tödlich verunglückt war. Nun stand diese Frau mit ihren drei Söhnen allein da, und ihre Kirche konnte ihr weder wirklichen Trost noch Hoffnung geben. Die Schwester konnte ihr aber anhand der Bibel Jehovas Vorkehrung für die Toten erklären. Die Frau sagte später: „Sobald ich die Bibel in der Hand hatte — es war das erstemal in meinem Leben —, wünschte ich nur noch eines: sie besser zu verstehen.“ Die Schwester begann mit den zwei Frauen ein Bibelstudium, das dann später getrennt weitergeführt wurde. Das war im Oktober. In demselben Monat kamen die Frauen in die Zusammenkünfte, und die Witwe brachte auch ihre Söhne mit. Bald darauf nahmen beide den Felddienst auf. Im April wollte sich die Witwe schon zum Ferienpionierdienst melden, was aber nicht möglich war, da sie noch nicht getauft war. Doch heute steht ihr nichts mehr im Wege, denn diese beiden Frauen wurden anläßlich der Kreisversammlung Ende April getauft. Tatsächlich, im Ferienpionierdienst haben die Verkündiger mehr Zeit, sich der verlorenen Schafe des Herrn anzunehmen, und Jehova segnet diese Einrichtung.
ÖSTERREICH
Verkündiger-Höchstzahl: Bevölkerung: Verhältnis:
5852 6 997 000 1 zu 1195
Jehovas Zeugen in Österreich sind im vergangenen Jahr sehr gesegnet worden. Sie haben bei der Einsammlung der anderen Schafe wunderbare Ergebnisse erzielt. Dem Rat des Apostels Paulus getreu: „Bewahrt euch diese geistige Einstellung, die auch in Christus Jesus war“, drängten sie voran und verkündigten die gute Botschaft in Städten, Dörfern und in den Bergen. Oft werden Personen, die für das Königreich Stellung beziehen, als ungeschulte, unwissende Leute angesehen. Doch ungeachtet der Ansicht, die man in dieser Welt über Gottes ordinierte Prediger haben mag, fahren diese fort, über seinen großen Namen Zeugnis abzulegen, und oftmals staunen Weltmenschen darüber, wie diese Nachfolger Christi Jesu, die dieselbe geistige Einstellung haben, wie er sie an den Tag legte, stets bereit sind zu einer Verteidigung vor jedermann, der von ihnen einen Grund für die Hoffnung verlangt, die sie haben. Der Zweigdiener von Österreich berichtet uns über zwei schöne Erfahrungen, die im vergangenen Jahr in diesem schönen Land gemacht wurden und die dies bestätigen.
Eine strenge Katholikin, die auf einem Bauernhof hoch oben in den Bergen wohnt, war Mitglied eines katholischen Vereins gewesen und wurde eine Zeugin Jehovas, und der Priester, die Ordensschwestern und alle ihre Nachbarn waren darüber entsetzt und baten sie immer wieder, sie möchte doch Therese von Konnersreuth einmal aufsuchen, eine Nonne, die in allen deutschsprachigen Ländern bekannt ist, weil sich an ihrem Leibe angeblich seit vielen Jahren die Stigmata Christi zeigen. Man drang so lange auf die Schwester ein — ja man bezahlte ihr sogar die Reise und stellte ihr jemanden zur Verfügung, der während ihrer Abwesenheit den Hof besorgte —, bis sie schließlich bereit war, hinzufahren. Sie hoffte nur das eine, nämlich, daß sie dadurch eine gute Gelegenheit erhalten würde, für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Sie wurde von zwei besonders geschulten Katholikinnen begleitet, und schon unterwegs konnte sie acht Stunden predigen. An ihrem Bestimmungsort angelangt, erzählten ihre Reisegefährtinnen überall, daß Therese morgen von einer Zeugin Jehovas besucht werde.
Am darauffolgenden Morgen betrat die Schwester — obwohl kein Besuchstag war — allein den Raum. Therese stellt ihr die Frage: „Sind Sie Bibelforscherin?“ „Ich bin eine Zeugin Jehovas“, antwortete die Schwester. „Was wollen Sie?“ war die nächste Frage. „Ich wollte Ihnen die Botschaft von Gottes Königreich bringen.“ Als die Nonne das hörte, lachte sie nur. Unsere Schwester erklärte ihr nun, daß der Pfarrer und das ganze Dorf, in dem sie wohne, sie gebeten hätten, diesen Besuch zu machen; denn alle hätten gedacht, Therese von Konnersreuth sei noch nie von einem Zeugen Jehovas besucht worden. Darauf erwiderte die Nonne, es seien schon viele gekommen, aber sie hätte noch keinem von ihnen Einlaß gewährt. Dann brachte sie das Argument vor, die römisch-katholische Kirche sei die wahre Kirche, weil sie auf Petrus, den Felsen, aufgebaut sei. Als die Schwester erwiderte, daß Christus der Fels sei, sagte sie sehr ungehalten: „Wenn Sie nicht umkehren, werden Sie in die Hölle kommen.“ „Ich weiß, daß ich in die Hölle komme, wenn ich sterbe, aber diese Hölle ist das Grab.“ In diesem Augenblick traten der Arzt, der Vater und die Schwester Thereses sowie die beiden Reisegefährtinnen unserer Schwester ein. Sie fielen alle vor der Nonne auf die Knie, nur unsere Schwester blieb in ihrer Mitte aufrecht stehen. Alle drangen auf sie ein, ebenfalls niederzuknien. Der Arzt sagte, sie müsse gehorchen, aber sie antwortete: „Ich muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ In der Diskussion, die sich darauf entwickelte, fragte Therese die Schwester, welche Hoffnung wir hätten, weigerte sich aber, in die Bibel der Schwester zu schauen, um die Texte mitzulesen. Als diese sie bat, ihre eigene Bibel zu nehmen, hatte die Nonne augenscheinlich keine im Hause. Vor dem Weggehen bot die Schwester der Nonne zwei Bücher als Geschenk an. Sie wies sie zurück, doch der Arzt zeigte dafür Interesse. Eine der Reisegefährtinnen blieb noch etwas länger und erzählte nachher, die Nonne habe gesagt: „Diese Frau ist sehr stark. Ich kann mit solchen Leuten nichts anfangen; ich habe keine Macht über sie.“
Als die Schwester in den Gasthof zurückkehrte, in dem sie übernachtet hatte, nahm die Wirtin freudig zwei Bücher und einige Broschüren entgegen. Unsere Schwester war überglücklich, daß Jehova, Gott, ihr, einer Frau vom Lande, geholfen hatte, vor so vielen Menschen und auch vor dieser Nonne treu Zeugnis abzulegen.
Eine Missionarin berichtet, wie ein kleines Mädchen furchtlos Stellung bezog. Das zehnjährige Töchterchen einer Schwester, die vor kurzem in die Wahrheit kam, wollte aus der katholischen Kirche austreten. Um dies zu tun, müssen Kinder, die das zehnte Lebensjahr erreicht haben, selbst aufs Rathaus gehen und erklären, daß es ihr persönlicher Wunsch sei, aus der Kirche auszutreten und daß ihre Eltern sie nicht dazu genötigt hätten. Diese Erklärung müssen sie dann unterschreiben. Die Kleine betete deshalb zu Hause, Jehova möchte ihr doch beistehen, damit sie sich vor dem Beamten nicht fürchte, und dann begab sie sich allein auf den Weg. Auf die Frage, ob sie dies von sich aus tue, antwortete sie: „Ja, ich selbst möchte aus der katholischen Kirche austreten, weil ich ja selbst entscheiden muß, ob ich Jehova, Gott, dienen will, um ewig zu leben, oder ob ich dem Teufel dienen will.“ Darauf gestattete man ihr, den Kirchenaustritt zu unterschreiben. Nun mußte sie aber noch ihre Geburtsurkunde bringen. So ging sie am folgenden Morgen allein zum Pfarrer, um diese zu holen. „Wozu brauchst du sie denn, Annemarie?“ fragte er. „Um aus der Kirche auszutreten“, sagte sie. Der Pfarrer schlug die Hände über dem Kopf zusammen und rief aus: „Was? Wieso denn?“ Die Kleine sagte ihm, sie nehme nun an einem Bibelstudium teil und wolle Jehova dienen, weil er den Menschen ewiges Leben gebe in einem Paradies auf Erden. „Ein wahrer Christ darf nicht auf beiden Seiten hinken, denn Jehova, Gott, will nicht nur ein halbes Herz“, erklärte sie. „Wirst du weiterhin fleißig beten?“ fragte der Pfarrer. „Ja, ich bete zu Jehova, daß er mich den rechten Weg lehren möchte.“ „Dann ist es ja gut, Annemariechen. Bete aufrichtig, und es wird bestimmt recht sein.“ Dann gab er ihr die Geburtsurkunde, die sie auf das Rathaus brachte. Sie hat nun den brennenden Wunsch, sich bei der nächsten Kreisversammlung taufen zu lassen.
LIECHTENSTEIN
Verkündiger-Höchstzahl: Bevölkerung: Verhältnis:
2 14 757 1 zu 7 378
Liechtenstein ist ein kleines Ländchen, das zwischen der Schweiz und Österreich liegt. Die katholische Kirche ist die Staatskirche. Die Verfassung des Landes gewährt zwar Glaubensfreiheit, und die protestantische Kirche ist dort tatsächlich vertreten und hat auch ihr Gebäude. Aber wenn es um Jehovas Zeugen geht, dann hat die Glaubensfreiheit keine Bedeutung mehr. Die Polizei will einfach nicht, daß unsere Verkündiger dort tätig sind. Man bringt immer wieder das Argument vor: „Wir wollen euch hier nicht. Die katholische Kirche genießt den Schutz des Staates!“ Ist es ein Zeichen von Stärke, wenn eine so große Kirche wie die katholische die Polizei und den Staat benötigt, um sich vor einigen harmlosen, friedliebenden Königreichsverkündigern zu schützen?
Obwohl sich der Königreichsbotschaft in Liechtenstein viele Hindernisse in den Weg stellen, dringt sie doch bis zu einigen aufrichtiggesinnten Männern und Frauen durch, und wir hoffen zuversichtlich, daß diese mit der Zeit für die Wahrheit Stellung nehmen werden, wenn sie sie gründlich genug studiert haben; denn es sind einige verheißungsvolle Studien im Gange.
SCHWEIZ
Verkündiger-Höchstzahl: Bevölkerung: Verhältnis:
4844 5 117 000 1 zu 1056
Ein weiteres gesegnetes Dienstjahr gehört der Vergangenheit an, und unsere Blicke sind auf die Zukunft gerichtet. Doch vor Beginn des neuen Jahres sandte uns der Zweigdiener der Schweiz seinen Bericht über einige sehr interessante Erfahrungen in bezug auf das, was sich in diesem kleinen Lande zutrug. Der Apostel Paulus sagte: „Ihr erweist euch als ein Brief Christi, geschrieben durch uns als Diener, eingraviert nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern auf Tafeln von Fleisch, auf Herzen.“ (2. Kor. 3:3, NW) Durch unsere Predigttätigkeit treten Menschen guten Willens hervor, die sich als unsere Briefe erweisen. Wir haben in der nachstehenden Erfahrung diesbezüglich ein sehr interessantes Beispiel, das zeigt, wie jemand gesprochen, Nacharbeit geleistet und mit der Hilfe eines anderen einen solchen „Brief“ hervorgebracht hat. Laßt uns den Bericht über diese Erfahrung lesen.
Wie notwendig es ist, dafür zu sorgen, daß jemand, mit dem wir über die Wahrheit gesprochen haben, von einem anderen Verkündiger besucht wird, wenn wir ihn selbst nicht mehr besuchen können, um sein Interesse weiter zu fördern, zeigt folgende Erfahrung. Ein Bruder in der Schweiz, der Arzt ist, wurde von einer Patientin aus England aufgesucht. Nachdem der Bruder ihr seine ärztlichen Ratschläge gegeben hatte, wechselte er das Thema und gab ihr ein gründliches Zeugnis über die Wahrheit. Sie hatte noch nie etwas davon gehört, aber sie schien sich dafür zu interessieren. Sie kehrte nach England zurück und der Bruder schrieb an das Zweigbüro, daß ein fähiger Verkündiger diese Person doch besuchen möchte. Das geschah auch. Einige Zeit später erhielt der Bruder in der Schweiz einen Brief von dieser Dame, in dem sie schrieb, sie beabsichtige nicht, diese Religion anzunehmen, aber sie könne sie einfach nicht mehr aus ihrem Sinn verdrängen. Ein zweiter Brief kam, der eine ganze Anzahl Fragen enthielt. Inzwischen studierte ein Verkündiger in England fleißig mit ihr. Es verging ziemlich viel Zeit, bis der Bruder eines Tages wieder einen Brief von dieser Dame erhielt, in dem sie sich entschuldigte, weil sie solange nicht geschrieben habe, aber Jehovas Zeugen würden eben von ihrer theokratischen Tätigkeit sehr in Anspruch genommen, und deshalb habe sie keine Zeit gehabt, ihm vorher zu schreiben! Ja tatsächlich, ihr Studium hatte dazu geführt, daß sie den Schritt der Hingabe getan hatte und sich anläßlich einer Bezirksversammlung in England taufen ließ!
Schämt euch nicht, ihr jugendlichen Verkündiger für die Wahrheit Zeugnis abzulegen! Das zeigt folgende Erfahrung, die eine Schülerin gemacht hat. Eine Schulklasse fuhr für einen Monat in die Berge in die Ferien. Eines der Mädchen ist eine Zeugin Jehovas. Vor der Abreise überlegte es noch, wie es wohl in diesen Ferien Felddienst tun könnte. Es wollte für alle Fälle die Bibel mitnehmen. Nach einer sechsstündigen Reise kam die Klasse an ihrem Bestimmungsort an, müde und froh, zu Bett gehen zu können. Im Schlafraum nahm eines der Mädchen eine Bibel und ein religiöses Textbüchlein hervor und bat die junge Schwester, da sie besser lesen könne, eine Bibelstelle vorzulesen. Darauf entwickelte sich eine interessante Diskussion, an der sich auch andere Mädchen beteiligten. Es wurden viele Fragen gestellt, und unsere jugendliche Verkündigerin war überrascht, unter ihren Klassenkameradinnen ein solches Interesse an der Bibel festzustellen. Die Fragen waren so zahlreich, daß sie an einem Abend gar nicht alle beantwortet werden konnten, und so wurde die Diskussion an den folgenden Abenden fortgesetzt. Die Lehrerinnen waren erstaunt festzustellen, daß ihre Schülerinnen sich über die Bibel unterhielten. Von da an wurde dieser Schlafraum das „fromme Zimmer“ genannt. Während einer Wanderung ging eines der Mädchen drei Stunden neben der jungen Schwester her und stellte eine Frage nach der anderen. Es versprach schließlich, einmal eine Zusammenkunft der Zeugen Jehovas zu besuchen, um zu sehen, wie sie für ihren Predigtauftrag geschult werden. Wer weiß, ob sich unter jenen Kindern nicht eines der anderen Schafe des Herrn befindet, das er zur bestimmten Zeit in seine Hürde bringen wird!
Wie viele haben doch schon die Wahrheit kennengelernt, weil sie zufällig mit Zeugen in Berührung kamen! Das gelegentliche Zeugnisgeben sollte deshalb nicht außer acht gelassen werden. Das wird durch folgende Erfahrung veranschaulicht. Eine Schwester, die einen Schönheitssalon führt, gab einer ihrer Kundinnen einen ungarischen Wachtturm. Diese nahm die Zeitschrift mit nach Hause und legte sie beiseite. Als ihr Mann heimkam, bemerkte er die Zeitschrift und sagte: „Was, eine ungarische Zeitschrift!“ Er begann darin zu lesen und legte sie erst wieder weg, als er sie vollständig durchgelesen hatte. Das machte seine Frau neugierig, und so las auch sie die Zeitschrift (es war zufällig die April-Sonderausgabe). Beiden gefiel das, was sie gelesen hatten, so gut, daß die Frau einige Tage später wieder in den Schönheitssalon ging, um sich zu erkundigen, ob sie noch weitere Ausgaben des Wachtturms erhalten könne. Sie sagte, sie seien von der katholischen Kirche sehr enttäuscht. Da die Schwester selbst nicht Ungarisch spricht, rief sie einen Bruder an, der die ungarische Sprache beherrscht, und brachte ihn mit diesen nach Wahrheit hungernden ungarischen Flüchtlingen in Verbindung.
Der Bruder besuchte sie und erlebte dabei viel Freude. Er mußte ihnen eine Frage nach der anderen beantworten. Sie wollten alles wissen und freuten sich wie Kinder. Als die Frau einen Augenblick das Zimmer verlassen mußte, um nach dem Kind zu sehen, sagte sie: „Sprecht bitte nicht weiter, bis ich wiederkomme, damit ich ja nichts verpasse.“ Sie bestellten sämtliche Schriften, die in Ungarisch erhältlich sind, auch eine Bibel. Sie besuchten ferner den öffentlichen Vortrag, der anläßlich der Bezirksversammlung in Bern gehalten wurde. Und nun ist bei ihnen ein Studium in vollem Gange. Wie segensreich ist doch das gelegentliche Zeugnisgeben, besonders in Verbindung mit Zeitschriften!