Ausdehnung des Königreichswerkes im geschäftigen Hongkong
HONGKONG, „der schöne Hafen“, bietet tatsächlich einen schönen Anblick. Aber die Stadt vermittelt auch den Eindruck der Geschäftigkeit und Emsigkeit. Vom windumwehten Victoria Peak aus, der über Hongkong thront, fällt dein Blick auf die vornehmen Wohnviertel an den Berghängen. Dann siehst du die mehrstöckigen Apartmenthäuser, das dichtbebaute Geschäftsviertel und auf der anderen Seite des Hafens die Hochhäuser und die anderen Gebäude von Kaulun. Der Hafen gleicht einem Bienenschwarm voller Aktivität; täglich werden dort mehr als 50 Schiffe aus aller Welt abgefertigt. Stets kann man Dschunken und Sampans Seite an Seite mit modernen Ozeanriesen und schnellen Hafenfährschiffen sehen.
Dieses emsige Durcheinander des Hafens wiederholt sich an Land. Es ist charakteristisch für Hongkong. Nicht nur, daß in den vergangenen 140 Jahren die Bevölkerung von 23 000 auf mehr als fünf Millionen angestiegen ist; auch die Ausdehnung der Industrie und der Bautätigkeit in den letzten 20 Jahren kann nur als phänomenal bezeichnet werden.
Die Ausdehnung im Wohnungsbau erkennt man an den riesigen Wohngebäuden und Apartmenthäusern, die aus dem Boden schießen. Die modernen, klimatisierten Züge zusammen mit den Taxis, Straßenbahnen, Doppeldeckerbussen und Hafenfährschiffen gehören zu den vorzüglichsten und billigsten Transportmitteln der Welt. Die Stadt und ihre Bewohner sind von einer Atmosphäre der Zuversicht, des Aufwärtsstrebens und des Fleißes durchdrungen.
DAS PREDIGEN DER „GUTEN BOTSCHAFT“ GEHT VORAN
Überall, wo Menschen wohnen, muß auch die gute Botschaft von Jehovas Königreich gepredigt werden (Mar. 13:10). Schon vor 1949 predigten in Hongkong einige Zeugen Jehovas, die dort zu Besuch waren. Dann trafen William Carnie und Roy Spencer, zwei Missionare der 11. Klasse der Wachtturm-Bibelschule Gilead, ein. Was konnten aber zwei Personen in dieser großen, emsigen Stadt mit ihren unzähligen vier- und fünfstöckigen Mietshäusern ausrichten? Sie begannen einfach mit dem Predigen von Haus zu Haus, indem sie eine dunkle, schmale Treppe nach der anderen erklommen und nach Menschen suchten, die an Gottes Königreich interessiert waren. Zuerst konnten die Missionare nur denjenigen Zeugnis geben, die Englisch sprachen. Aber allmählich lernten sie Kantonesisch und waren dann in der Lage, mit allen zu sprechen, die sie antrafen.
Hier und da zeigten manche Interesse und fingen an zu studieren. Einige von ihnen wurden Zeugen Jehovas und schlossen sich den beiden Missionaren im Predigtwerk an. Während die Zahl derer, die diesen Dienst aufnahmen, anstieg, waren Zeit und Aufmerksamkeit erforderlich, um ihren Glauben an Jehova und ihre Wertschätzung für ihn und die Handlungsweise seiner Organisation zu stärken. Sie zogen Nutzen aus der Ernennung von Ältesten, die die Versammlung erbauten.
Im August 1973 war die Zahl der Verkündiger auf 278 angestiegen. Sie hatten mit großer Erwartung dem internationalen Kongreß „Göttlicher Sieg“ entgegengesehen, der in jenem Jahr in Hongkong stattfinden sollte. Ihre Wertschätzung für die weltweite Organisation der Zeugen Jehovas wurde dadurch gesteigert, daß bei diesem Kongreß fünf Glieder der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas zugegen waren. Zu Beginn des Kongresses wurden 462 Anwesende gezählt. Das war ein Beweis dafür, daß von nun an das Werk schneller vorangehen würde.
DRUCKSCHRIFTEN SIND EINE HILFE
Obwohl es in Hongkong, verglichen mit der Einwohnerzahl, nur wenige Zeugen Jehovas gibt, sind sie nicht mutlos. Sie schätzen sehr die Hilfe von Druckschriften, vor allem des Buches Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt und der Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet!
Welche Wirkung die Druckschriften haben, kann man an der Erfahrung einer Zeugin erkennen, die einen jungen Mann traf, der gerade außer Haus gehen wollte. Er hatte keine Zeit, ihr zuzuhören, und war kurz angebunden, aber die Zeugin bot freundlich die beiden Zeitschriften an. Der junge Mann wandte sich seiner Mutter zu und sagte zu ihr: „Gib ihr das Geld dafür.“ Als ihm die beiden Zeitschriften gereicht wurden, sagte er abrupt: „Legen Sie sie einfach auf den Tisch.“ Er las sie nicht, aber seine beiden Freunde, die etwas später zu Besuch kamen, sahen die Zeitschriften und fragten, woher er sie bekommen habe. „Nehmt sie mit, und lest sie, wenn ihr wollt“, sagte er. „Ich habe keine Zeit dazu.“ Genau das taten die beiden jungen Männer, und später abonnierten sie die Zeitschriften.
In einem anderen Fall ermunterte ein Missionar einen jungen Studenten, der zu beschäftigt war, um sich über die Bibel zu unterhalten, die Zeitschrift Erwachet! zu abonnieren. Das tat er auch, und im Verlauf des Jahres las er hin und wieder verschiedene Artikel. Er wurde für die Königreichsbotschaft empfänglicher und erneuerte sein Abonnement. Mit der Zeit begann er, die Zusammenkünfte im Königreichssaal zu besuchen. Heute nehmen dieser junge Mann und zwei seiner Schwestern aktiv am Predigtwerk teil.
VIELE JUGENDLICHE BETEILIGEN SICH
Es ist bemerkenswert, daß die Mehrheit der Königreichsverkündiger in Hongkong knapp 20 oder Anfang 20 sind. Manche sind Kinder Gott hingegebener chinesischer Zeugen, wohingegen viele andere die Wahrheit als Jugendliche angenommen haben.
Im allgemeinen ist die Jugend von heute weniger traditionsgebunden als ihre Eltern. Durch den Einfluß des Fernsehens und der Zeitungen sind sich die jungen Leute mehr der Probleme und Belastungen in der Welt bewußt. Darin werden sie noch durch ihre eigene Erfahrung bestärkt. Obwohl sie einen besseren Lebensstandard haben, als ihre Eltern in ihrer Jugend hatten, können junge Leute oft erkennen, daß weltliche Bemühungen zum Scheitern verurteilt sind.
Wenn sie erfahren, daß Gottes Königreich die einzige Hoffnung der Menschheit ist, widmen sie sich ganzherzig der Wahrheit. Sie nehmen das persönliche Studium, den Besuch der Versammlungszusammenkünfte, die Beteiligung am Predigtwerk und auch das Gebet sehr ernst. Das hilft ihnen, schnell geistige Fortschritte zu machen. Auf diese Weise sind sie gerüstet, dem materialistischen Druck der gegenwärtigen Welt zu widerstehen und sich einen lobenswerten Eifer für Jehovas Dienst zu bewahren (1. Joh. 2:15-17).
FLEISS BRINGT ERGEBNISSE
Der Fleiß, der die Einwohner von Hongkong im allgemeinen kennzeichnet, ist auch für Jehovas Zeugen hier typisch. Sie erzielen vorzügliche Ergebnisse und schreiten voran. Zudem verbreiten sie viel Literatur. Zum Beispiel berichtete im Juni 1981 eine Höchstzahl von 895 Königreichsverkündigern. Sie gaben mehr als 34 000 Zeitschriften ab und führten 1 391 Bibelstudien durch. Diese Ergebnisse werden nicht deshalb erzielt, weil etwa die Einwohner von Hongkong für die Botschaft empfänglicher wären als die Leute anderswo. Nein, zum Teil können sie auf den Eifer der Verkündiger zurückgeführt werden. Obwohl viele Zeugen in Fabriken eine lange Arbeitszeit haben, setzen über 800 Verkündiger im Durchschnitt mehr als 15 Stunden pro Monat ein, um anderen die Wahrheit der Bibel erkennen zu helfen. Etwa 10 Prozent von ihnen sind das ganze Jahr über als Vollzeitprediger tätig, und mehr als die Hälfte der übrigen nimmt ein oder mehrmals im Jahr am Hilfspionierdienst teil. Dieser Eifer und ihre Bereitschaft, jede Gelegenheit zu nutzen, anderen zu predigen, ist es, was die Ergebnisse bringt.
Zum Beispiel ist es in dem sehr vornehmen Viertel, das als „Der Gipfel“ bezeichnet wird, sehr schwierig, jemand im Haus-zu-Haus-Dienst anzutreffen. Zwei Zeugen Jehovas fiel auf, daß die Bewohner frühmorgens auf den von Bäumen gesäumten Straßen und Pfaden Spaziergänge machten; folglich beschlossen sie, sonntags morgens um 7 Uhr dort ebenfalls spazierenzugehen. Bei dieser Gelegenheit unterhielten sie sich mit den Leuten. Viele hörten ihnen zu und nahmen Zeitschriften entgegen. So verbreiteten zwei Verkündiger in einem Monat 300 Zeitschriften. Jetzt werden also auch die Bewohner dieses vornehmen Viertels erreicht.
Ebenfalls eine interessante Erfahrung machte eine Versammlung von 60 Königreichsverkündigern, die planten, mit einer Fähre zu einer abgelegenen Siedlung zu fahren, um dort zu predigen. Bei früheren Gelegenheiten hatten die Zeugen alle zusammen in einem Bereich der Fähre gesessen und sich der christlichen Gemeinschaft erfreut. Diesmal beschlossen sie aber, mit jedem Passagier über die gute Botschaft vom Königreich zu sprechen und Zeitschriften anzubieten. Am Pier gingen über 50 Verkündiger an Bord der Fähre und mischten sich unter die anderen Passagiere. Jeder las in einer Zeitschrift. Sehr bald kamen Gespräche in Gang und wurden Zeitschriften verbreitet. Ein Zeuge erklärte: „Das Königreich Jehovas war an jenem Morgen auf der Fähre mehr im Gespräch als alles andere, und viele nahmen biblische Literatur mit nach Hause.“
In Hongkong führt jeder Verkündiger im Durchschnitt mehr als ein Heimbibelstudium durch. Diese hervorragende Zahl wurde nicht deshalb erreicht, weil sich etwa Studien so leicht einrichten ließen. In Wirklichkeit ist es ziemlich schwierig, ein Studium zu beginnen, und es ist noch schwieriger, es regelmäßig weiterzuführen. Die Zeugen in Hongkong sehen das als eine Herausforderung an. Einer der Gründe, warum viele am Hilfspionierdienst interessiert sind, besteht darin, daß sie ein Bibelstudium einrichten möchten.
Eine Hausfrau und Mutter von vier Kindern hatte das Lesen und Schreiben erst gelernt, als sie eine Erkenntnis der Wahrheit erlangte. Sie war enttäuscht, daß sie kein Bibelstudium leitete. Aber sie wurde ermuntert, den Hilfspionierdienst aufzunehmen und im Monat 60 Stunden für den Dienst einzusetzen, da sie auf diese Weise mehr Literatur verbreiten würde und mehr Gelegenheiten hätte, Rückbesuche durchzuführen. Die Aussicht, ein Studium anzufangen, wäre dann größer. Sie nahm begeistert diesen Dienst auf, und seither leitet sie zwei Heimbibelstudien.
Allein im Dienstjahr 1980 waren jeden Monat durchschnittlich 90 Hilfspioniere tätig. In den ersten sechs Monaten des Dienstjahres 1981 waren es durchschnittlich 92 im Monat. Man kann daran erkennen, daß die große Zahl von Bibelstudien in Hongkong das direkte Ergebnis des Eifers und des Fleißes der dortigen Zeugen ist.
Die Zeugen in Hongkong haben eine gute geistige Einstellung und sind sich völlig bewußt, daß trotz ihres Eifers im Werk des Pflanzens und Begießens Jehova derjenige ist, der es ‘wachsen läßt’ (1. Kor. 3:6, 7). Dieses Wachstum erkennt man auch daran, daß der größere Teil des Werkes jetzt von einheimischen chinesischen Zeugen bestritten wird. Sie haben einen hervorragenden Geist und schätzen sehr das Vorrecht, Jehova im Predigtwerk zu dienen. Zudem sind sie äußerst gewissenhaft und sind aufrichtig daran interessiert, das Rechte zu tun. Es ist bemerkenswert, daß in der 30jährigen Geschichte des Königreichswerkes in Hongkong nur 15 Personen die Gemeinschaft entzogen worden ist.
Wie in allen Teilen der Welt sehen sich Jehovas Zeugen auch in Hongkong zunehmenden Lebenssorgen und Belastungen gegenüber. Aber sie sind positiv und optimistisch in ihrem Werk der Verkündigung der „guten Botschaft“, denn sie vertrauen darauf, daß dieses Werk mit Jehovas Segen weiterhin Fortschritte machen wird (1. Kor. 15:58; 16:13, 14).