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  • Alle Menschen Brüder — nur ein Traum?
    Erwachet! 1982 | 8. Januar
    • Alle Menschen Brüder — nur ein Traum?

      ES GESCHAH in den letzten Dezembertagen des bedeutsamen Jahres 1914. Die ersten heißen Schlachten des Weltkrieges waren vorüber. Nach nur fünf Monaten Krieg betrug die Zahl der Gefallenen bereits 3,5 Millionen.

      Am Abend des 24. Dezember erhielt eine englische Kompanie an der Front bei Ypern (Belgien) den Befehl, etwa 40 Meter vor den deutschen Gräben ein Stacheldrahtverhau zu errichten. Die Engländer wunderten sich, daß sie von den Deutschen nicht beschossen wurden. Am darauffolgenden Tag kletterten Hunderte von Soldaten auf beiden Seiten aus den Gräben und fraternisierten im Niemandsland miteinander, wünschten sich gegenseitig frohe Weihnachten und tauschten Andenken aus.

      Was war passiert? Hier wie an der übrigen Front hatte die kriegsmüden Soldaten unter dem Einfluß der Weihnachtsstimmung die Sehnsucht nach Frieden und Freundschaft ergriffen.

      Aber ihre Sehnsucht wurde nicht gestillt. Die Völker kämpften den Krieg weiter bis zum bitteren Ende, was Millionen Menschen das Leben kostete und unsagbares Elend zur Folge hatte. Jene Verbrüderung war nur von kurzer Dauer gewesen. Der Traum von einer Verbrüderung aller Menschen wurde im Zweiten Weltkrieg erneut zerstört. Und heute rufen die Waffenarsenale der Großmächte mit ihren Waffen zur Massenvernichtung Alpträume hervor.

      Bemühungen, die Menschen zu verbrüdern

      Die Geschichte weiß fast nur von Blutvergießen und Gewalttaten zu berichten. Viele hatten jedoch gehofft, daß sich die Menschen eines Tages verbrüdern würden. Das Schlagwort der Französischen Revolution vom Jahre 1789 lautete zum Beispiel „Liberté, Egalité, Fraternité“ („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“). Aber nur wenige Jahre danach stürzte Napoleon Bonaparte Europa in Kriege, in denen Ströme von Blut flossen.

      Im Laufe der Jahrhunderte gab es viele sogenannte Bruderschaften und Schwesternschaften. Aber ihnen fehlten die Merkmale einer echten Weltbrüderschaft. Die Freimaurerei zum Beispiel, eine über die ganze Welt verbreitete Bruderschaft, ist geheim, und nur Männer können Mitglied werden.

      Solche Bemühungen haben noch nie eine Verbrüderung aller Menschen bewirkt. Aber angenommen, diese Idee wäre nicht nur ein Traum, sondern ließe sich verwirklichen, wie ganz anders wäre dann die Welt. Dann gäbe es keine Staatsgrenzen mehr, keine politischen und religiösen Streitigkeiten und keinen Haß zwischen den Völkern oder Rassen. Verschwunden wären dann Kriege, Terrorismus und alle übrigen für die prekäre Situation, in der die Welt heute ist, verantwortlichen Faktoren.

      Ist die Verbrüderung aller Menschen auch dein Traum? Bestimmt. Doch magst du einwenden: „Dieser Traum wird sich nie erfüllen. Die Geschichte zeigt deutlich, daß es immer ein Traum bleiben wird.“ Und vom Standpunkt des Menschen aus betrachtet, könnte man zustimmen.

      Die Sicht von einer höheren Warte aus

      Es gibt jedoch noch einen anderen Standpunkt, der berücksichtigt werden sollte und der von entscheidender Bedeutung ist. Als Veranschaulichung diene folgendes: Angenommen, du hättest dich in einem dichten Urwald verirrt und würdest nicht mehr herausfinden. Du befändest dich in Lebensgefahr. Vielleicht aber würde jemand, der in einem Flugzeug den Wald überflöge, deutlich sehen, wo ein Weg aus dem Wald hinausführt, und würde dich über Funk lotsen. Die Sicht aus der Vogelperspektive könnte für dich lebenrettend sein.

      Viele Leute, die sich der wachsenden Probleme dieser Welt bewußt sind, sehen keinen Ausweg. Deshalb ist es dringend notwendig, ja lebenswichtig, die Situation von einer höheren Warte aus zu betrachten — vom Standpunkt Gottes, des Allmächtigen. Über ihn schrieb ein inspirierter Prophet: „Denn wie die Himmel höher sind als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn mit Freude werdet ihr ausziehen, und mit Frieden werdet ihr hereingebracht werden“ (Jes. 55:9, 12).

      Bevor wir jedoch die erhabene Ansicht des Schöpfers über die Verbrüderung aller Menschen besprechen, könnten wir uns fragen: Wodurch ist die Verbrüderung aller Menschen bisher verhindert worden?

  • Was verhindert die Verbrüderung aller Menschen?
    Erwachet! 1982 | 8. Januar
    • Was verhindert die Verbrüderung aller Menschen?

      IM Jahre 1469 u. Z. wurde in Florenz (Italien) Niccolò Machiavelli geboren. Machiavelli verfaßte eine Schrift über die Staatskunst, betitelt „Der Fürst“. Das Modell für sein Werk war Cesare Borgia, Sohn Papst Alexanders VI. Wie ein Historiker schrieb, war Borgia „ein Meister der Machtpolitik und bediente sich ohne Skrupel und völlig hemmungslos der Gewalt oder des Betrugs, je nachdem, was es ihm besser ermöglichte, seine Eroberungen auszudehnen und zu sichern“.

      In dem Werk Encyclopædia Britannica wird gesagt, Machiavelli sei der Begründer „der politischen Wissenschaft für die moderne Welt“. Die Bezeichnung „Machiavellismus“ bedeutet u. a. „durch keinerlei moralische Bedenken gehemmte Machtpolitik“.

      Diese Politik ist die Geißel unseres Jahrhunderts. Sie äußert sich in Kriegen, Staatsstreichen, Korruption, schrecklichen Gewalttätigkeiten und Terrorismus. Die Politik ist der trennende Faktor zwischen Ost und West. Sie spaltet Völker und Städte (wie Berlin), ja sogar Familien. Die Politik zählt zu den Faktoren, die zwischen den Menschen fast unüberwindliche Schranken errichten.

      Einen ähnlichen Einfluß, den die politischen Führer häufig ausnutzen, übt der Nationalismus aus.

      Der Nationalismus

      Über dieses Thema wird folgende Anekdote erzählt: Als in Schottland ein neuer Truppenübungsplatz angelegt wurde, bat der Militärseelsorger, einige Freiwillige möchten doch eine alte Scheune zu einer Kapelle ausbauen. Während der Abwesenheit des Geistlichen malten die Freiwilligen in großen Buchstaben über den Altar: „Schottland für immer und ewig“. Der überraschte Feldgeistliche ersuchte sie, dem Text eine religiöse Note zu geben. Das taten sie, indem sie schrieben: „Schottland für immer und ewig. AMEN.“

      Die Schotten sind wegen ihres Nationalstolzes bekannt. Aber das sind andere Völker auch. Zum Beispiel wurden in England, besonders als das Britische Reich in der Welt noch dominierend war, die Kinder von klein auf nationalistisch erzogen. Sie wurden gelehrt, England sei „die Beherrscherin der Meere“ und das englische Volk sei anderen Völkern überlegen und von Gott besonders gesegnet.

      In jedem Land werden von den Politikern ähnliche Empfindungen gefördert, weil sie wissen, daß ein ausgeprägter Nationalismus ihren Zielen förderlich ist. Ob diese Ziele allerdings auch den Interessen des Volkes förderlich sind, sei dahingestellt. In einem Artikel, betitelt „Echte Vaterlandsliebe hat nichts mit Nationalismus zu tun“, schrieb der Kolumnist Sydney J. Harris: „Eine nationalistische Gesinnung zu haben bedeutet, einverstanden zu sein mit Hitler oder Stalin oder einem anderen Tyrannen, der die Fahne schwenkt und in widerlichen Worten dem Vaterland lobhudelt, während er gleichzeitig die Rechte anderer mit Füßen tritt.“

      Auch sind, wie die Anekdote von der Kapelle in Schottland zeigt, Nationalismus und Religion häufig miteinander verquickt. So schrieb Rabbiner Dr. Robert L. Kahn: „Religion und Nationalismus gehen fast immer Hand in Hand, besonders in Kriegszeiten ... ,Für Gott und Vaterland!‘ wird dann eine Art Schlachtruf. Das ist immer so gewesen. [Im Zweiten Weltkrieg] ... gab es einen Schlager, in den der Schlachtruf eines Feldgeistlichen aufgenommen worden war: ,Lobt den Herrn, und reicht die Munition weiter!‘“

      Auch der Sport bleibt vom Nationalismus nicht verschont. Als während der Fußball-Europameisterschaft in Turin (Italien) England und Belgien gegeneinander spielten, mußte das Spiel eine Zeitlang unterbrochen werden, weil eine Schlacht zwischen den englischen Fans und der italienischen Polizei im Gange war.

      Rassismus

      Auf vielen südafrikanischen Farmen spielen die Kinder der weißen Farmer und die Kinder der schwarzen Landarbeiter friedlich und fast wie Brüder miteinander. Der Mensch wird nicht mit einem Rassenvorurteil geboren. Wenn die Kinder jedoch größer werden, übernehmen sie die Haltung ihrer Rassenangehörigen. Meistens verschwindet dann jene beglückende Unbefangenheit, die kleine Kinder besitzen, und es entwickeln sich Feindseligkeit, Stolz, Groll sowie Frustrationen.

      Aber den Rassismus gibt es nicht nur in Afrika. Viele Amerikaner finden es beschämend, wie man mit den Indianern in ihrem Land umgeht. Sattsam bekannt ist auch, wie die Schwarzen zur Zeit der Sklaverei behandelt wurden, unter welch grauenvollen Bedingungen man sie über den Atlantik transportierte und daß sie dann in Amerika wie Vieh verkauft wurden. Ferner kommt es in den USA immer noch zu häßlichen Rassenkrawallen. Doch auch in England wächst die Spannung zwischen den Rassen, weil sich dort in gewissen Gegenden immer mehr Einwanderer aus Westindien, Indien und anderen Ländern ansiedeln.

      Personen, die in Afrika oder anderswo unter dem Rassismus zu leiden haben, können jedoch froh sein, nicht zu den Juden gehört zu haben, die zur Zeit des Hitler-Regimes in Deutschland wohnten. Wenn man zurückblickt, erscheint es einem fast unglaublich, daß in einem „christlichen“ Land und unter einem römisch-katholischen Führer Millionen Juden, Slawen sowie andere wegen ihrer Nationalität ermordet wurden.

      Die Tatsache, daß solche Greuel von Angehörigen sogenannt christlicher Völker verübt worden sind, gibt zu der Frage Anlaß, ob es sich bei ihrer Religion um die wahre handelt oder ob das ganze ein ungeheurer Betrug ist. Wir wollen nun genau untersuchen, wie sich die Religionen der Welt auf eine Verbrüderung der Menschen ausgewirkt haben und noch auswirken.

      [Karte auf Seite 5]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      Die Politik zählt zu den Faktoren, die zwischen den Menschen fast unüberwindliche Schranken errichten.

      DAS GETEILTE BERLIN

      FRANZÖSISCHER SEKTOR

      BRITISCHER SEKTOR

      AMERIKANISCHER SEKTOR

      RUSSISCHER SEKTOR

      DDR

      DDR

      TEIL DER BERLINER MAUER

      [Bild auf Seite 5]

      Der Mensch wird nicht mit einem Rassenvorurteil geboren

  • Wie hat die Religion einer Verbrüderung entgegengewirkt?
    Erwachet! 1982 | 8. Januar
    • Wie hat die Religion einer Verbrüderung entgegengewirkt?

      IM GROSSEN und ganzen verlieren die Leute heutzutage mehr und mehr das Vertrauen in die Religion. Dennoch glauben viele, sie lehre die Menschen Liebe und Brüderlichkeit. Natürlich hat es stets in allen Religionen einzelne gegeben, die edel gehandelt haben. Doch was verraten die Tatsachen über die Religionen der Welt im allgemeinen? Inwieweit sind die Religionen beispielsweise für Kriege — das Gegenteil von Liebe und Brüderlichkeit — verantwortlich?

      Was die Geschichtsbücher darüber berichten, ist haarsträubend. Sie erzählen von furchtbaren Leiden, von Greueltaten und Blutvergießen, wofür die falschen Religionen verantwortlich gemacht werden müssen oder wozu sie mindestens ihren Segen gegeben haben. Über die blutigen Kreuzzüge im Mittelalter, die die Christenheit durchführte, lesen wir in dem Buch Kaiser, Ritter und Scholaren (S. 55): „Ohne Hemmungen konnten sie [die Kreuzfahrer] zügellos und grausam sein. Sie raubten und plünderten andere Christen aus und verübten unglaubliche Schandtaten an ihren mohammedanischen Gegnern.“

      Im Jahre 1208 organisierte Papst Innozenz III. einen besonderen Kreuzzug gegen die Anhänger einer nach ihrem Gründer, dem Kaufmann Petrus Waldes aus Lyon, benannten religiösen Laienbewegung. Petrus Waldes griff den Reichtum und das Wohlleben des Klerus an. Wie der Historiker H. G. Wells schreibt, predigte Papst Innozenz III. einen Kreuzzug gegen die Waldenser und „erlaubte damit jedem beschäftigungslosen Lumpen, der sich in das Kreuzesheer einreihen ließ, mit Feuer, Schwert und Dolch alle erdenkbaren Grausamkeiten an den friedlichsten Untertanen des Königs von Frankreich zu verüben. Die Erzählungen von den ... Greueln dieses Kreuzzuges sind schrecklicher zu lesen als irgendeine Märtyrergeschichte.“

      Eine Folge dieses Kreuzzuges war die Schaffung einer neuen Kircheninstitution, der päpstlichen Inquisition, die unter der Leitung des Dominikanerordens organisiert wurde. Der Kommentar des Historikers H. G. Wells darüber lautet: „Nun aber saßen auf Hunderten von Marktplätzen Europas die Würdenträger der Kirche und sahen zu, wie die Leiber ihrer Gegner ... verbrannten und hinsanken. Und mit diesen Opfern sank die große Mission der Kirche an die Menschheit in Staub und Asche.“

      Solche Greueltaten sowie verschiedene Mißbräuche führten zu Beginn des 16. Jahrhunderts zur Reformation. Aber wie die katholische Kirche Jahrhunderte zuvor, so wurden auch die Protestanten bald in die Politik verwickelt. Im Jahre 1618 kam es dann zwischen den Protestanten und den Katholiken zum Dreißigjährigen Krieg. Bald weitete er sich zu einem europäischen Religionskonflikt aus. „Dieser Krieg wurde mit einer beispiellosen Grausamkeit geführt. ... die Entsittlichung hatte hemmungslose Ausschweifung zur Folge“ (A History of Europe von H. Fischer).

      Wir haben nur einige wenige der vielen Kriege erwähnt, die die Religion in der Vergangenheit verschuldet oder unterstützt hat. Und wie steht es heute?

      Religion und Kriege heute

      Seit Jahrhunderten besteht zwischen den Katholiken und den Protestanten Irlands eine bittere Feindschaft. Die Auseinandersetzungen in Nordirland in den vergangenen Jahren haben auf beiden Seiten großes Elend verursacht und viele Opfer gefordert. Wegen ihrer nationalistischen Gesinnung und ihrer Einmischung in die Politik sind die Kirchen zum großen Teil für diese Leiden verantwortlich.

      Bis heute ist der Nahe Osten der Mittelpunkt von Auseinandersetzungen, bei denen die Religion eine Rolle spielt. Seit Jahren kämpfen im Libanon „Christen“ und „Nichtchristen“ gegeneinander, und noch ist kein Ende dieses Blutvergießens abzusehen. Ähnlich war es in Indien, als im Jahre 1947 die Engländer das Land in die Unabhängigkeit entließen und verschiedene nichtchristliche Gruppen sich gegenseitig abschlachteten.

      Was bei diesen und bei anderen Auseinandersetzungen passierte, bei denen die Religion eine wichtige Rolle spielte, ist allgemein bekannt. Aber solche Greuel haben sich nicht nur die großen Religionen der Welt zuschulden kommen lassen, sondern auch kleinere Gruppen. Besonders eine erregte 1978 in der ganzen Welt Aufsehen und rief Empörung hervor. Damals nahmen sich in Guyana auf Betreiben des Sektenführers Jim Jones rund 900 seiner Anhänger das Leben.

      Doch das Ausmaß dieser Katastrophe war gering im Vergleich zu dem des Ersten und des Zweiten Weltkrieges. In diesen beiden Kriegen fügten sich Millionen Angehörige der Christenheit sowie Juden, Buddhisten, Hindus und andere gegenseitig entsetzliche Verluste an Menschenleben zu und stürzten einander in großes Elend. Aber auf beiden Seiten der kriegführenden Parteien betete die Geistlichkeit um den Segen Gottes.

      Es gelingt den Religionen der Welt nicht, die Menschen zu verbrüdern, weil sie alle einen grundsätzlichen Fehler machen: Sie veranlassen das Volk, menschlichen Führern und ihren Lehren anzuhangen, anstatt das zu tun, was Gott uns in seinem Wort, der Bibel, zu tun heißt (Joh. 12:43).

      Bei diesen weltlichen Religionen kann es sich somit nicht um die wahre Religion handeln. Ein inspirierter Bibelschreiber sagte deutlich: „Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst [Fußnote: Religion] vor Gott und dem Vater ist dieser: Waisen und Witwen in ihrer Drangsal besuchen, sich selbst von der Welt unbefleckt erhalten“ (Jak. 1:27, Elberfelder Bibel, Fußnotenwiedergabe). Diese Worte atmen einen Geist der Liebe und der Brüderlichkeit. Dagegen denke man an die Millionen, die durch Gewalttätigkeiten und Verfolgung — inszeniert von der unreinen, falschen Religion — zu Witwen und Waisen gemacht worden sind. Und der Grund dafür ist, daß diese Religion sich ‘mit der Welt befleckt hat’.

      Das alles läßt deutlich erkennen, daß wir nie erwarten dürfen, die Systeme der falschen Religion, an deren Spitze die Kirchen der Christenheit stehen, wären imstande, alle Menschen zu verbrüdern. Jahrhundertelang besaßen sie die Macht und Gelegenheit, es zu tun. Aber was wir sehen, ist eine Welt, die unter Kriminalität, Terrorismus und Kriegen leidet, eine Welt, die durch Politik, Nationalismus, Rassismus und Tausende von Religionsgemeinschaften gespalten ist.

      Bedeutet das, daß die Sache aussichtslos ist? Ist die Situation so schlimm, daß sich der Traum von einer Verbrüderung der Menschen nie erfüllen wird? Viele Leute stimmen vielleicht dem Text eines Schlagers zu, dessen Titel lautet „Warum?“: „Für die Verbrüderung der Menschheit gab es ein Rezept, doch leider ging es dann verloren, und jetzt ist keiner da, der sich danach auf die Suche macht.“

      Sei aber nicht entmutigt. Das Rezept für die Verbrüderung der Menschheit ist nicht verlorengegangen, ja den Kern der Weltbrüderschaft gibt es sogar schon.

      [Bild auf Seite 7]

      „Heilige Kriege“ haben Gott in Verruf gebracht

  • Das große Beispiel für Brüderlichkeit
    Erwachet! 1982 | 8. Januar
    • Das große Beispiel für Brüderlichkeit

      ES WAR an einem kühlen Frühlingsabend des Jahres 33 u. Z. In Jerusalem versammelte sich eine kleine Gruppe von Männern um einen gedeckten Tisch. Ihr Anführer war Jesus Christus, ein 33jähriger Mann, gütig, zielbewußt und würdevoll. Er übermittelte seinen Nachfolgern wichtige Belehrungen, denn sie bildeten den Kern einer echten Weltbrüderschaft.

      Es herrschte eine herzliche, liebevolle Atmosphäre. Obschon Jesus wußte, daß sein Tod unmittelbar bevorstand, dachte er nicht an sich selbst. Vielmehr benutzte er die Zeit, die er während des letzten Abendessens mit seinen Jüngern verbrachte, um sie ruhig und liebevoll zu ermuntern und zu belehren (Joh., Kap. 13 bis 17).

      Demut und Dienst

      Jesus lehrte häufig nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten. Bei dieser Gelegenheit überraschte er seine Jünger damit, daß er plötzlich ein Becken mit Wasser füllte, ein Tuch nahm und ihnen die Füße wusch.

      Petrus wehrte sich jedoch mit den Worten: „Du wirst mir bestimmt niemals die Füße waschen!“ Aber Jesus korrigierte ihn, wusch den treuen Aposteln die Füße und sagte dann: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben“ (Joh. 13:8, 15).

      Ja, Jesus gab ein Beispiel für echte Brüderlichkeit: eine demütige, liebevolle Einstellung und die Bereitschaft, ohne Vorurteil zu dienen, ganz gleich, wie niedrig oder unangenehm die Aufgabe sein mag (Joh. 13:1-17).

      Liebe und Einheit

      Worüber sprach Jesus an jenem Abend hauptsächlich mit seinen Jüngern? Über Liebe, echte Bruderliebe, das Kennzeichen wahrer Brüderschaft. Jesus sagte: „Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt“ (Joh. 13:35). Das ist der Prüfstein für die Echtheit einer Religion.

      Bestehen die Kirchen der Christenheit diese Prüfung? Und die übrigen Religionen der Welt? Nein, keine. Wie könnten sie sie bestehen, da sie doch ihre Schäfchen dazu anhalten, in kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen nationalistischen Staaten einander zu töten?

      Echte Liebe führt sowohl in der Familie als auch in einem Gemeinwesen zu Einigkeit. Logischerweise sprach Jesus an jenem denkwürdigen Abend ebenfalls über dieses Thema. Er betete, daß seine Jünger „eins seien“ (Joh. 17:11, 20, 21). Etwas Ähnliches schrieb auch der Apostel Paulus einige Zeit später: „Kleidet euch mit Liebe, denn sie ist ein vollkommenes Band der Einheit“ (Kol. 3:14). Ja, eine echte Brüderschaft muß geeint sein.

      In welch üblem Zustand befindet sich in dieser Hinsicht die Christenheit! Allein in Südafrika gibt es mindestens 4 000 Kirchen und Sekten, und alle behaupten, sehr religiös zu sein. Die Tatsache, daß die Christenheit keine Brüderschaft bildet, sondern furchtbar entzweit ist, beweist, daß sie unchristlich ist. Deshalb sollte jeder, der meint, Christ zu sein, ernsthaft über Jesu warnende Worte nachdenken: „Ein gegen sich selbst entzweites Haus stürzt ein“ (Luk. 11:17).

      Wer ist das Oberhaupt der Brüderschaft?

      Vielleicht wendest du jetzt ein: „Was über Demut, Liebe und Einheit gesagt worden ist, hört sich ja gut an. Aber wer soll das Oberhaupt einer solchen Brüderschaft sein?“ Das ist eine berechtigte Frage.

      Da eine Brüderschaft, einschließlich Schwestern natürlich, eine „Familie“ bildet, muß ein „Vater“ als Oberhaupt dasein, der sich die Liebe und den Respekt seiner „Kinder“ erwirbt. Aber wer soll es sein? Ein Cäsar? Ein Hitler? Ein Stalin? Ein Papst? Wie es den Menschen erging, als diese menschlichen „Väter“ die Funktion als Haupt ausübten, spricht für sich selbst. Es ist so, wie die Schrift sagt: „Es steht nicht bei dem Manne, ... seinen Schritt zu richten“ (Jer. 10:23).

      Eine echte Brüderschaft muß daher einen himmlischen „Vater“ haben — Gott, den Allmächtigen. Um ein echter Bruder oder eine echte Schwester werden zu können, muß man diesen Vater anerkennen und sich ihm unterordnen.

      Das ist nicht unlogisch. Gott ist zwar unsichtbar, doch das sind auch viele eindrucksvolle Kräfte wie die Schwerkraft oder der elektrische Strom, der sichtbare Ergebnisse zeitigt. All das Schöne und so unendlich Komplexe um uns herum, von den Galaxien bis zu den Atomen, und all die wunderbar konstruierten Teile unseres Körpers wie das Auge, mit dem du diese Worte liest, zeugen von der Existenz eines Schöpfers, der über unendliche Macht und Weisheit verfügt (Ps. 19:1, 2; 139:14).

      Das Zeugnis der Schöpfung wird durch das Zeugnis der Bibel noch um ein Tausendfaches verstärkt. Die inspirierten biblischen Prophezeiungen haben sich entweder bereits bewahrheitet oder sind im Begriff, sich zu erfüllen. Die Bibel enthält eine begeisternde Botschaft der Hoffnung, enthüllt sie doch Vorhaben und Güte des himmlischen Vaters.

      Wenn schon der Mensch imstande ist, eine über 1 600 Millionen Kilometera weit entfernte Raumsonde zu steuern, fällt es Gott, dem Allmächtigen, bestimmt nicht schwer, seine Diener auf der Erde zu leiten. Ihm stehen mächtige, unsichtbare Kräfte zur Verfügung — zum Beispiel seine wirksame Kraft, der heilige Geist —, und im Vergleich dazu sind die Kräfte des Menschen armselig.

      Die vielen Versuche, die Menschen zu vereinen, sind hauptsächlich deshalb fehlgeschlagen, weil man den Vater, dessen Name Jehova ist, nicht anerkannt und sich ihm nicht demütig untergeordnet hat. Viele in der Christenheit und auch Anhänger anderer Religionen haben nicht Gott die ihm als Vater zukommende Ehre erwiesen, sondern Menschen.

      Man wird ein „Bruder“ oder eine „Schwester“, wenn man Vater und Sohn kennen- und wirklich liebenlernt und auch von ihnen geliebt wird. Im übrigen ist das auch der Weg, der zu ewigem Leben führt. So sagte es Jesus an jenem denkwürdigen Abend in Anwesenheit seiner Brüder: „Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus“ (Joh. 17:3).

      Der neue Machthaber der Erde

      Einige mögen jetzt fragen: „Nannte Jesus seine Jünger — so ganz einfache Leute — wirklich ,Brüder‘?“ Ja. Eines Tages, als Jesus zu einer Zuhörerschar sprach, sagte jemand zu ihm, daß seine Mutter und seine leiblichen Brüder ihn zu sehen wünschten. Darauf entgegnete er: „Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?“ Dann streckte er seine Hand nach seinen Jüngern aus und sagte: „Siehe! Meine Mutter und meine Brüder! Denn wer irgend den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter“ (Mat. 12:46-50).

      Von der ganzen Brüderschaft ist Christus sozusagen der „Hauptbruder“. Durch ihn hat Gott die Menschen von der Sklaverei der Sünde und des Todes erlöst (Mat. 20:28).

      Jesus spielt jetzt allerdings eine weit größere Rolle als zu der Zeit, da er auf der Erde war. Er ist jetzt der neue Machthaber der Erde. Nein, nicht der Machthaber dieser vergehenden alten Welt, die in Wirklichkeit von Satan, dem Teufel, regiert wird. Jesus erklärte vielmehr: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt. Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königreich nicht von daher“ (Joh. 18:36; Luk. 4:5-8).

      Die Regierung Gottes

      Die Regierung Gottes ist das Königreich, um das Jesus seine Nachfolger wie folgt beten lehrte: „Dein Königreich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf der Erde“ (Mat. 6:10). Das Königreich ist das Hauptthema der Bibel und die Hauptlehre Christi.

      Dennoch wird die Königreichsregierung von den Kirchenführern selten erwähnt. Auf diese Tatsache lenkte der Historiker H. G. Wells die Aufmerksamkeit: „Ebenso bemerkenswert ist die Bedeutung, die Jesus dem, was er das Himmelreich ... nennt, beimißt, und die geringe Rolle, die diese Lehre in den Zeremonien und Glaubenssätzen der meisten christlichen Kirchen spielt.“

      Gottes himmlische Regierung unter Christus wird die Erde bald von aller Verderbnis und allem Bösen reinigen und den gegenwärtigen menschlichen Regierungen ein Ende machen. Das sagte der Prophet Daniel wie folgt voraus: „Der Gott des Himmels [wird] ein Königreich aufrichten, das nie zugrunde gerichtet werden wird. ... Es wird alle diese Königreiche [der Welt] zermalmen und ihnen ein Ende bereiten, und es selbst wird für unabsehbare Zeiten bestehen“ (Dan. 2:44).

      Das geschieht am „Ende der Welt“, im „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, Harmagedon genannt (Jes. 34:2; Offb. 16:14-16). Wird dabei die ganze Menschheit vernichtet werden? Nein, denn der inspirierte Psalmist sagt: „Die Übeltäter selbst werden weggetilgt werden, die aber auf Jehova hoffen, sind es, die die Erde besitzen werden. ... die Sanftmütigen selbst werden die Erde besitzen, und sie werden in der Tat ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens“ (Ps. 37:9-11).

      Wer sind die „Sanftmütigen“, die „auf Jehova hoffen“? Es ist die wahre Gemeinschaft von Brüdern, die Harmagedon überleben und sich des Paradieses erfreuen wird, des Paradieses, das unter Gottes Regierung, wenn sein Wille wie im Himmel so auch auf der Erde geschieht, wiederhergestellt werden wird (Offb. 7:9-17).

      Ist das nicht eine herrliche Aussicht? Welch ein Vorrecht wird es sein, unter einem Weltherrscher wie Christus zu leben, der gütig, demütig, gerecht und barmherzig ist und der die Menschen versteht, weil er sie so gut kennt. Wie ganz anders wird er regieren als die heutigen Politiker, die sich den Machiavellismus zum Vorbild nehmen! Wie schön wird es sein, mit einer weltweiten Familie von Brüdern und Schwestern zu leben und zu arbeiten und seine Wonne zu haben „an der Fülle des Friedens“!

      Doch wirst du jetzt vielleicht denken: „Gibt es eine solche Gemeinschaft von echten Brüdern heute? Funktioniert das wirklich? Wenn ja, wer sind diese Brüder, und wo sind sie zu finden?“

      [Fußnote]

      a Voyager 1, eine amerikanische Raumsonde, wurde ganz genau um den rund 1 600 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Planeten Saturn herumgesteuert.

      [Bild auf Seite 9]

      Der frühe Kern der echten Brüderschaft

  • Die wahre Brüderschaft von heute
    Erwachet! 1982 | 8. Januar
    • Die wahre Brüderschaft von heute

      IN Sachsenhausen, einem Konzentrationslager in der Nähe von Berlin, herrschte Aufregung und Spannung. Es war im April 1945. Die westlichen Alliierten nahten sich vom Westen und die Russen vom Osten.

      Trotz allem waren die Naziführer entschlossen, die 26 000 Lagerhäftlinge zu vernichten. Ihr satanischer Plan bestand darin, die Kranken auf der Krankenstation umzubringen und die anderen zu einem Marsch zum Lübecker Hafen zu zwingen, sie in Schiffe zu pferchen und die Schiffe auf See zu versenken.

      Als der Marschbefehl gegeben worden war, mußten die Gefangenen gemäß ihrer Nationalität in Gruppen antreten — mit Ausnahme einer Gruppe, die sich aus sechs verschiedenen Nationalitäten zusammensetzte. Diese Gruppe bestand aus Gott hingegebenen Christen und schloß 36 Männer ein, die deren Glauben im Lager angenommen hatten.

      Unter Einsatz ihres Lebens befreiten diese Christen ihre geistigen Brüder aus der Krankenstation. Dann setzte sich die lange Kolonne aus Gefangenen und SS-Wachen in Bewegung. Die SS-Leute hatten es eilig, da sie bereits die Geschütze der Russen hören konnten. Die Gefangenen marschierten tagelang und hatten nichts weiter zu essen als Nesseln, Wurzeln und Rinden. Wer vor Erschöpfung umfiel, wurde brutal von den Wachen niedergeschossen. Insgesamt kamen 10 700 Gefangene auf dem Marsch ums Leben. Er wurde als der „Todesmarsch“ bezeichnet.

      Doch diejenigen in der Gruppe der Christen halfen sich ständig gegenseitig, indem sie die Schwachen unterstützten. Ein Häftling aus dieser Gruppe schrieb: „Da wir Zeugen aber christliche Liebe bekundeten und zusammenhielten, blieb keiner von uns am Wegesrand liegen, und keiner wurde von den SS-Leuten getötet.“ Nach 12 schrecklichen Tagen ergriffen die Wachen die Flucht.

      Wer waren jene Christen? Es waren Zeugen Jehovas. Kann irgend jemand bezweifeln, daß sie die Merkmale einer wahren Brüderschaft offenbarten? Doch welche Beziehung besteht zwischen ihnen und der kleinen Gruppe, die mit Jesus in der Nacht vor seinem Tode zusammen war?

      Dem Vorbild folgen

      Wer der heutigen wahren Brüderschaft angehört, muß dem Beispiel folgen, das Jesus und seine Jünger gaben. Welche Einstellung hatte diese Brüderschaft des ersten Jahrhunderts beispielsweise gegenüber Krieg?

      Origenes, ein christlicher Schriftsteller des dritten Jahrhunderts, schrieb: „Die christliche Kirche kann sich an keinem Krieg gegen irgendein Land beteiligen. Die Christen haben von ihrem Führer gelernt, daß sie Kinder des Friedens sind“ (Jes. 2:2-4). W. W. Hyde schrieb in seinem Buch Paganism to Christianity in the Roman Empire: „In den ersten drei Jahrhunderten ... weigerten sich die Christen, als berufsmäßige Schlächter im römischen Heer zu dienen.“ Aus demselben Grund kamen Zeugen Jehovas während des Zweiten Weltkrieges in die Konzentrationslager. Sie weigerten sich, in Hitlers Heer zu dienen.

      Ein anderes Merkmal der Brüderschaft des ersten Jahrhunderts war das Fehlen einer Priesterschaft oder Geistlichkeit. Die älteren Brüder, die die Reife und die geistige Befähigung hatten, kümmerten sich um das Lehren und Organisieren (Tit. 1:5-9).a Doch sie waren Brüder, keine „Väter“. Jesus sagte: „Ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand unter euch auf Erden Vater nennen, denn einer ist euer Vater, der im Himmel“ (Mat. 23:8, 9, Jerusalemer Bibel). Petrus ermahnte seine Mitältesten, nicht über die zu „herrschen, die Gottes Erbe sind“ (1. Pet. 5:1-3).

      Dementsprechend verwendeten Jesu Jünger in jenen Tagen der ursprünglichen christlichen Brüderschaft keine anmaßenden Titel wie „Hochwürden“, „Monsignore“ (mein Herr) oder „Pater“ (Vater). In dem Buch The Old Roman World von John Lord heißt es: „Sie nannten einander Bruder und Schwester ... Sie kannten keine Unterschiede.“ So gibt es auch unter Jehovas Zeugen heute keine Unterschiede zwischen Geistlichen und Laien, keine anmaßenden Titel. Alle sind „Brüder“ und „Schwestern“, und ältere, geistig reife Männer übernehmen die Führung darin, anderen zu dienen.

      Jesus sagte auch seinen Nachfolgern, daß sie erbitterte Verfolgung zu erdulden hätten. Diese Verfolgung käme nicht nur von seiten politischer Führer über sie, sondern auch von seiten religiöser Führer, die ein Teil der Welt geworden wären. Er sagte: „Weil ihr nun kein Teil der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, deswegen haßt euch die Welt. ... die Stunde kommt, da jeder, der euch tötet, meinen wird, er habe Gott einen heiligen Dienst erwiesen“ (Joh. 15:19; 16:2).

      Welche Gruppe muß heute weltweit Verfolgung erdulden, weil sie kein Teil der Welt ist? Es sind Jehovas Zeugen. Zum Beispiel versuchte Hitler im Jahre 1933, sie aus Deutschland auszurotten, weil sie seine Partei und seine Kriege nicht unterstützten. Sie fuhren damit fort, Gottes herannahende Königreichsregierung als einzige Hoffnung für die Menschheit zu verkündigen. Bei einer Gelegenheit schrie Hitler hysterisch: „Ich werde diese Brut aus Deutschland ausrotten!“ Tausende von Zeugen wurden verhaftet, und viele fanden in den Konzentrationslagern den Tod.

      Schließlich wurden jedoch Hitler und seine Partei ausgerottet, aber nicht Jehovas Zeugen. Heute gibt es allein in der Bundesrepublik Deutschland etwa 100 000 Zeugen. Die Zahl der aktiven Verkündiger der guten Botschaft vom Königreich in den Versammlungen der Zeugen Jehovas beträgt weltweit über 2 200 000.

      Die Brüderschaft von heute erkennen

      Natürlich sind es nicht die Zahlen, die die wahre internationale Brüderschaft von heute kennzeichnen. Verglichen mit vielen anderen Religionen, gibt es eigentlich wenig Zeugen Jehovas. Jesus sagte: „Eng ist das Tor und eingeengt der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind es, die es finden“ (Mat. 7:14).

      Entsprechen Jehovas Zeugen heute dem Vorbild, das durch die soeben angeführten Beispiele gekennzeichnet ist? Um herausfinden zu können, welche von den Tausenden von Sekten und Religionsorganisationen der ursprünglichen christlichen Brüderschaft entspricht, mag das Kästchen auf dieser Seite eine Hilfe sein. Darin werden einige grundlegende Richtlinien dieser Brüderschaft aufgeführt. Überprüfe selbst, wer der Beschreibung entspricht, die die Bibel gibt.

      Was andere sagen

      Zwar werden Jehovas Zeugen, wie Jesus voraussagte, von vielen verleumdet, doch nicht von allen. Wir wollen einmal diese Christen vom Standpunkt einiger Leute aus betrachten, die keine Zeugen sind.

      In Moçambique haben Jehovas Zeugen aufgrund ihrer politischen Neutralität erbitterte Verfolgung erlitten. Doch eine katholische Nonne schrieb in einer katholischen portugiesischen Veröffentlichung: „Zur Zeit sind 25 000 Zeugen Jehovas aus Malawi und Moçambique in den neuen ,Gulag‘-Lagern [Konzentrationslagern], die in ... [Moçambique] zum Zwecke der Umerziehung eingerichtet worden sind, gemeinsam eingesperrt. ... sie verdienen unsere Bewunderung ... Die Welt sähe anders aus, wenn wir alle eines Morgens erwachen würden und ebenso fest entschlossen wie Jehovas Zeugen wären, nie wieder zu den Waffen zu greifen, ohne Rücksicht auf Kosten und Gründe.“

      Über das allgemeine Verhalten der Zeugen in Afrika berichtete der London Daily Telegraph folgendes: „Überall in Afrika erweisen sich Jehovas Zeugen als anständige, gesittete Bürger, die nach einem hohen Sittenmaßstab leben. ... Die sonst in Afrika übliche Promiskuität und Polygamie kommt bei den Zeugen nicht vor. Die Sekte fordert Eigenschaften wie Sparsamkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Gehorsam.“

      Bryan Wilson, Professor an der Universität Oxford, veröffentlichte eine Studie über „das schnelle Wachstum“ der Zeugen in Japan. Er schrieb: „Die Zeugen haben auf vielen Gebieten mit praktischem Rat aufzuwarten, der ... die Frage der ehelichen Beziehungen, der Moral und der Kindererziehung sowie andere praktische Punkte behandelt.“ Wilson fragte die Japaner, was sie zu den Zeugen hingezogen habe. Einige Antworten lauteten: „Die Freundlichkeit der Zeugen.“ „Jeder Anflug von religiösem Formalismus fehlt, und es gibt keinen Pomp.“ „Ich war ganz überrascht, als ich solch sanftmütige Menschen fand.“ „[Ich war] von der Einheit ihrer Organisation beeindruckt.“ „Die Liebe und Herzlichkeit unter Jehovas Zeugen.“

      In Spanien berichtete ein Autor der Publikation Hoja del Lunes de Gijón nach einem Kongreß von über 10 000 Zeugen in Gijón: „Jehovas Zeugen haben mich dadurch beeindruckt, daß sie gute Bürger sind. ... Wenn ganz Gijón zum Glauben der Zeugen Jehovas bekehrt würde, wäre Gijón die sauberste und am besten erhaltene Stadt der Welt.“

      Als in New Orleans (Louisiana, USA) ein großer Kongreß der Zeugen Jehovas abgehalten wurde, schrieb die Zeitung States-Item: „Ein Geist der Brüderlichkeit herrscht im Louisiana-Superdome unter den jungen und alten, schwarzen und weißen Zeugen Jehovas, die sich dort eingefunden haben, um fünf Tage zu lernen und Erfahrungen auszutauschen. ... Die Rassendiskriminierung ... ist für die Zeugen kein Problem.“

      Praktische Hilfe

      In Mexiko herrschte vor einigen Jahren zwischen zwei Dörfern Krieg, weil eine Fehde entfacht worden war. Das Leben wurde für nichts geachtet. Die Polizei konnte das Problem nicht lösen. Doch eine Familie begann, mit Jehovas Zeugen die Bibel zu studieren. Andere folgten, und es dauerte nicht lange, bis die meisten Dorfbewohner ihre Waffen verkauft und statt dessen Bibeln gekauft hatten. Es kehrte wieder Frieden ein. Dadurch erfüllte sich in kleinem Rahmen die Prophezeiung aus dem Altertum: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden müssen“ — ein Vorgeschmack dessen, was unter Gottes Königreich weltweit geschehen wird (Jes. 2:2-4).

      Das ist nur einer von zahllosen Fällen, die man anführen könnte, um zu zeigen, daß Jehovas Zeugen bei allen Arten von Problemen praktische Hilfe bieten — Trunksucht, Drogenabhängigkeit, Ehescheidungen, Depressionen und vieles andere. Das geschieht hauptsächlich durch ein Bibelstudium und durch aufrichtige Hilfe und Ermunterung, ohne daß dem Nutznießer Kosten entstehen.

      Nicht „nur ein Traum“

      Jesus deutete an, daß man die wahre Brüderschaft „an ihren Früchten“ erkennen werde (Mat. 7:16). Die „Früchte“ beweisen, daß wahre Brüderlichkeit unter Menschen nicht „nur ein Traum“, sondern heute schon Wirklichkeit ist.

      In über 200 Ländern in der ganzen Welt können Jehovas Zeugen wahre Brüder und Schwestern finden, die sie liebevoll willkommen heißen — selbst wenn sie sich vorher nicht persönlich gekannt haben. Wenn man berücksichtigt, wie viele Anstrengungen unternommen werden, diese Brüderschaft zu zerschlagen, ist es wirklich ein modernes Wunder, daß sie weltweit gedeiht. Doch das ist Gottes Werk, denn ‘seine Wege sind höher als unsere Wege’ (Jes. 55:9).

      Das scheinbar Unmögliche ist also eingetreten. Das Beispiel, das Christus und seine Jünger gegeben haben, wird heute tatsächlich nachgeahmt. Natürlich wird es nicht in vollkommenem Maße nachgeahmt, wie es auch von den ersten Christen nicht vollkommen nachgeahmt wurde. Die Vollkommenheit wird erst unter Gottes Königreich erreicht werden. Doch was heute vor sich geht, betrifft den eigentlichen Kern einer Gesellschaft von Menschen, die eines Tages die ganze Erde füllen wird (Jes. 11:9; 2. Pet. 3:13).

      Ja, die geschichtlichen Tatsachen und die Erfüllung der biblischen Erfordernisse und Prophezeiungen zeigen, wie zutreffend die Bemerkung ist, die ein Sozialarbeiter in Kopenhagen machte. Er hatte beobachtet, welch vorzügliche Hilfe Jehovas Zeugen älteren Personen bieten, und bemerkte: „Wenn ich mit Geistlichen zu tun habe, bin ich manchmal sehr enttäuscht. Die Zeugen bilden die einzige internationale Brüderschaft in der Welt. Ich bewundere Ihren Mut zu predigen. Machen Sie nur so weiter!“

      Millionen Menschen empfinden heute ebenso. Vereint blicken sie der Zeit entgegen, in der alles Leid vergangen sein wird und Gott in seiner neuen Ordnung hier auf der Erde Segen in Fülle geben wird. Dann werden sich alle, die sich nach wahrer Brüderlichkeit sehnen, eines Friedens, einer Wohlfahrt und eines Glücks von unvorstellbarem Ausmaß erfreuen (Offb. 21:4).

      Liebe und Brüderlichkeit gehen Hand in Hand

      „Die Liebe ist langmütig und gütig. Die Liebe ist nicht eifersüchtig, sie prahlt nicht, bläht sich nicht auf, benimmt sich nicht unanständig, blickt nicht nach ihren eigenen Interessen aus, läßt sich nicht aufreizen. Sie rechnet das Böse nicht an. Sie freut sich nicht über Ungerechtigkeit, sondern freut sich mit der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles. Die Liebe versagt nie“ (1. Kor. 13:4-8).

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