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  • Erröten — ein Privileg des Menschen
  • Erwachet! 1974
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Erwachet! 1974
g74 8. 7. S. 13-15

Erröten — ein Privileg des Menschen

DER deutsche Dichter Gotthold Ephraim Lessing ließ in seinem dramatischen Gedicht Nathan der Weise Sultan Saladin die Worte sagen:

„Erröten macht die Häßlichen so schön:

Und sollte Schöne nicht noch schöner machen?“

Im allgemeinen erwähnen Schriftsteller das Erröten positiv. Einige schrieben zum Beispiel: „Die Schamröte ist eine Gabe der Tugend.“ „Ein Erröten ist das Zeichen dafür, daß jemand natürlich ist, und es zeigt, wo Keuschheit und Ehre wohnen.“ „Besser ein Erröten im Gesicht als ein Schandfleck im Herzen.“ Ein paar andere sagen jedoch, vielleicht mit etwas Zynismus: „Wer errötet, ist bereits schuldig; wahre Unschuld schämt sich vor nichts.“ „Menschen erröten weniger wegen ihrer Verbrechen als wegen ihrer Schwächen und ihrer Eitelkeit.“ Und ein moderner Psychologe hat die Theorie aufgestellt, daß Personen deshalb erröten, weil sie zum Ausdruck bringen möchten, daß das, was andere von ihnen denken, nicht richtig ist.

Sehr wahrscheinlich bist du schon mehr als einmal errötet, und vielleicht gehörst du sogar zu denen, die sehr leicht erröten. Warum errötest du? Ist es ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Charakteristische Merkmale des Errötens

Das Erröten ist ein plötzliches Verfärben des Gesichts, der Ohren und des Halses. Oft erschlaffen dem Betreffenden dabei die Wangenmuskeln, und er schlägt die Augen nieder, um den Blicken anderer auszuweichen. Manchmal mag er sich auch umdrehen, als wollte er sich verstecken. Und in den meisten Fällen geht dabei ein Glühen oder Prickeln durch den ganzen Körper. Die Muskeln mögen sogar zittern und die Gliedmaßen teilweise gelähmt sein. Manchmal verändert sich auch der Klang der Stimme, und sogar Tränen können dem Errötenden in die Augen kommen, oder er fängt plötzlich an zu schwitzen. In einigen Fällen fängt das Herz an, stark zu klopfen, und ein Gefühl der Angst oder Panik kommt auf.

Menschen aller Rassen und Nationen erröten, wenngleich das Erröten bei den dunkelhäutigen Rassen nicht so auffällt. Auch Albinos, die wenig oder kein Pigment in ihrer Haut haben, erröten; ja sie erröten leichter als Menschen ihrer eigenen Rasse.

Meistens erröten junge Menschen und unschuldige und unkomplizierte Personen. Wenn jemand älter und weltklug wird, errötet er meist nicht mehr so leicht. Man kann durch das, was ein anderer tut, veranlaßt werden zu erröten, wenn der Betreffende ein guter Freund oder ein Verwandter ist. Und wenn sie erröten, kann es auch sein, daß du errötest. Einige bezweifeln es zwar, aber anscheinend erröten Frauen im allgemeinen leichter als Männer, wenigstens einige. Aber höchstwahrscheinlich erröten Frauen heute weniger leicht als ihre Großmütter.

Wodurch wird das Erröten verursacht? Man sagt, es sei „eine geistige Störung, die beginnt, wenn sich zwei Geisteshaltungen überschneiden, und die Verlegenheit verursacht sowie die Unfähigkeit, normal zu reagieren“. Es kommt und vergeht fast augenblicklich und unwillkürlich. Jemand kann durch Kitzeln zum Lachen gebracht werden, aber es gibt keine physische Möglichkeit, jemand zum Erröten zu bringen. Das Erröten kann auch nicht als Reflexhandlung bezeichnet werden. Gelächter und Fröhlichsein kann von Schauspielern auf der Bühne nachgeahmt werden, nicht aber das Erröten. Genausowenig, wie es willentlich hervorgerufen werden kann, kann man es mit seinem Willen unterdrücken. Ja, wenn man das versucht, kann es sein, daß man nur noch mehr errötet.

So eigenartig es scheinen mag und so sehr es einigen modernen Theorien über das Erröten widersprechen mag, so zeigen doch die Tatsachen, daß auch Blinde erröten, und zwar vielleicht noch leichter als andere. Auch Taube erröten. Und am erstaunlichsten ist die Tatsache, daß sogar Personen, die blind und taub sind, erröten, wie zum Beispiel Laura Bridgman, die im Alter von zwei Jahren ihr Augenlicht und ihr Gehör verlor. Und über Helen Keller, die noch früher taub und blind wurde, lesen wir: „Ihr Erröten kann in keiner Beziehung zu mißbilligenden Blicken oder Worten stehen, die sich auf ihre Erscheinung oder auf ihr Benehmen bezögen, und dennoch errötet sie genauso wie Mädchen, die sehen und hören, und zwar aus den gleichen Gründen, an den gleichen Körperteilen und mit dem gleichen Prickeln im Körper.“ Dieser Bericht stimmt mit der Beobachtung einiger überein, daß jemand erröten kann, wenn er sich eine Situation vorstellt, in der er normalerweise erröten würde, oder wenn er etwas liest, was ihn in Verlegenheit bringt.

Ein Künstler hat sich selbst an den Rand des Wahnsinns gebracht, als er versuchte, den Zauber des Errötens auf der Leinwand festzuhalten. Für ihn war es das „faszinierendste Phänomen im Gesicht einer Frau“. Doch es gelang ihm lediglich, rotwangige Mädchen zu malen.

Ein Erröten aus Verlegenheit ist jedoch nicht mit einem Rotanlaufen des Gesichts zu verwechseln. Diese Art des Errötens kann auf die körperliche Verfassung zurückzuführen sein, bei Frauen zum Beispiel auf die Wechseljahre, und es kann auch Zornglut sein.

Der Mechanismus des Errötens

Das Erröten könnte man als ein Beispiel dafür bezeichnen, wie das psychosomatische Prinzip funktioniert, das besagt, daß die Gemütskräfte, die Psyche, und der Körper, das Soma, eins sind; was das eine beeinflußt, beeinflußt auch das andere. Eine verwirrte Geistesverfassung wirkt sich auf das sympathische Nervensystem aus. Das wiederum regt die Vasodilatatoren (gefäßerweiternde Nerven) an, und diese bewirken, daß sich die peripheren Kapillaren erweitern. So kommt es, daß mehr Blut an die Oberfläche des Gesichts und des Halses strömt und sich die Haut rötet.

Wie kommt es zu diesem Mechanismus? Warum erröten Menschen? Welchem Zweck dient es?

Ein Privileg des Menschen

Das Erröten ist ein Privileg des Menschen. Tiere erröten nicht. Sie lassen zwar manchmal Gefühlsregungen erkennen, die denen des Menschen ähneln, wie Zorn, Eifersucht, Zuneigung, Verspieltheit usw., aber sie erröten nicht. „Das Erröten ist die eigentümlichste und menschlichste aller Gefühlsregungen“, schrieb Charles Darwin in seinem Buch The Expression of the Emotions in Man and Animals (Der Ausdruck der Gefühle bei Mensch und Tier).

Warum ist das Erröten ein Privileg des Menschen? Weil es bewußtes Denken und/oder ein Sittlichkeitsempfinden erfordert, und Tiere haben beides nicht. Tiere können sich nicht überlegen, ob gewisse Dinge passend oder unpassend sind; auch können sie nicht zwischen Recht und Unrecht unterscheiden. Sie sind „ohne Verstand“, wie sich die Bibel ausdrückt (Ps. 32:9). Schwachsinnige erröten nur selten. Und ganz kleine Kinder, die noch ohne Verständnisvermögen sind, erröten ebenfalls nicht.

So kann eine junge Frau erröten, wenn ihr etwas Anstößiges widerfährt oder wenn sie etwas hört oder sieht, was ihr schamlos erscheint. Es ist dann so, als wäre ihre Reinheit und Unschuld verletzt worden. Jemand mag auch erröten, wenn er sich in einer peinlichen Situation befindet oder wenn er einen dummen Fehler gemacht hat. Und jemand, der bescheiden oder schüchtern ist, wird leicht rot, wenn man ihn lobt oder besonders herausstellt, weil er sich dadurch übermäßig der Aufmerksamkeit anderer ausgesetzt fühlt.

Warum erröten Menschen unter solchen Umständen? Wer glaubt, der Mensch sei das Produkt einer Entwicklung, hat darauf keine Antwort. Wie sollte der Mensch diese Eigenart erworben haben, wenn er sich aus dem Tierreich entwickelt hätte, da doch kein einziges Tier errötet?

Wenn wir anerkennen, daß der Mensch von Gott und im Bilde Gottes erschaffen worden ist und ein Sittlichkeitsempfinden oder ein Gewissen erhalten hat, dann können wir wenigstens e i n e n praktischen Zweck erkennen, dem dieses unfreiwillige Erröten dient. Ein Schriftsteller, der vor mehr als hundert Jahren lebte, sagte, das Erröten diene als Wächter des Gewissens, das dem Menschen sage, daß er nicht betrügen dürfe. Wenn er das verletzt, was er für richtig hält oder wovon er weiß, daß es richtig ist, dann wird er erröten; und das wird ihn veranlassen, sich zu schämen.

Außer dieser Hauptursache für das Erröten gibt es noch weitere Gründe. Einige erröten, wenn sie einen Fehler gemacht, also etwas Unschickliches getan haben. Es ist ganz natürlich, daß man möchte, daß andere gut über einen denken, und wenn sich jemand einen groben Schnitzer oder einen Fauxpas geleistet hat, mag er aus Verlegenheit erröten. Das erklärt, weshalb die meisten, wenn auch nicht alle, weniger leicht erröten, wenn sie älter sind. Das Nervensystem reagiert dann nicht mehr so leicht auf Gefühlsregungen, und gleichzeitig mag das Gewissen in bezug auf sittliche Werte nicht mehr so leicht reagieren.

Das Erröten in der Bibel erwähnt

Zwar verwenden nicht alle Bibelübersetzungen den Ausdruck „erröten“, aber sie beschreiben alle mehr oder weniger die Auswirkung. So sagte Esra gemäß der Bruns-Bibel: „Mein Gott, ich bin ganz zerbrochen und werde rot vor Scham und wage nicht, mein Gesicht zu dir, mein Gott, zu erheben; denn unsere Schuldenlast ist groß und reicht bis in den Himmel“ (Esra 9:6). Und in der Herder-Bibel heißt es in Jeremia 6:15: „Zuschanden müssen sie werden, denn ein Greuel ist, was sie tun. Und sie können nicht einmal mehr erröten. Sie haben alle Scham verlernt.“

Zweifellos ist das Erröten eine menschliche Eigenart. Es läßt auch erkennen, daß der Mensch von einem gerechten, weisen und liebevollen Schöpfer erschaffen wurde. Das Erröten ist eine seiner Gaben, die dem Menschen helfen sollen, auf sein Gewissen zu reagieren, und das zu seinem eigenen Glück und Wohlergehen.

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