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„Haltet Frieden untereinander“Der Wachtturm 1977 | 15. November
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„Haltet Frieden untereinander“
„Habt Salz in euch selbst, und haltet Frieden untereinander“ (Mark. 9:50).
1. Weshalb ist es für die Glieder eines Arbeitsteams von Vorteil, Frieden untereinander zu halten?
FÜR die Glieder eines Arbeitsteams ist es stets von Vorteil, Frieden untereinander zu halten. Unstimmigkeiten, Rivalität und Uneinigkeit könnten das Projekt, an dem sie gemeinsam arbeiten, nur gefährden. Ein „kalter Krieg“ könnte, obgleich er nicht mit tödlichen Waffen ausgefochten wird, für sie alle zu einer Niederlage führen. Wenn sie indes Frieden untereinander bewahren, würde es für sie alle Sieg und Gewinn bedeuten, und sie würden sich über ein erfolgreich verrichtetes Werk freuen können.
2. Welcher Lehrer sprach die Worte: „Haltet Frieden untereinander.“?
2 Teamkameraden, Glieder einer Gesellschaft, Ehepaare und Familien haben bestimmt großen Nutzen, wenn sie die Worte beachten: „Haltet Frieden untereinander.“ Wer sprach diese Worte? Es war ein Lehrer, der in alter Zeit lebte und eine Vision vom Weltfrieden hatte. Er begnügte sich nicht mit dem Lehrsaal einer Schule oder Universität, sondern trat an die Öffentlichkeit, mischte sich unter das Volk und belehrte die Menschen in privatem Kreis und in öffentlichen Versammlungen. Als Lehrbuch diente ihm eine Sammlung heiliger Schriften, die in seiner Muttersprache, in Hebräisch, abgefaßt worden waren. Seine Lehren haben bis heute mehr als neunzehn Jahrhunderte überdauert und wurden in mehr als tausend Sprachen übersetzt. Bei diesem namhaften Lehrer handelte es sich nicht um Buddha oder Konfuzius, nein, sondern um Jesus Christus, den „Sohn“ des Königs David und des Patriarchen Abraham.
3. Welche Personen forderte Jesus auf, Frieden untereinander zu halten, und warum überrascht dies?
3 Welche Personen mußte Jesus Christus auffordern, Frieden untereinander zu halten? Wir stellen überrascht fest, daß es eine Gruppe ausgewählter Männer war, die ihn wenigstens zwei Jahre lang auf seinen Reisen in diesem Lehrwerk begleitet hatten. Er hatte die zwölf Männer als seine Apostel ausersehen. Die Bezeichnung „Apostel“ läßt erkennen, zu welchem Zweck er sie ausgewählt hatte, denn sie bedeutet „Ausgesandte“. Diese Männer sollten wie er Lehrer werden, und er beabsichtigte, sie sogar über die Grenzen ihres Heimatlandes hinauszusenden, um Menschen aus allen Nationen zu seinen Jüngern zu machen. Er hatte vor, eine weltweite Versammlung seiner Jünger zu organisieren. Die Apostel sollten gewissermaßen die Grundsteine dieser Versammlung sein.
4. Waren jene Apostel nicht bereits mit Jesu Lehren über den Frieden vertraut? Warum mußte ihnen jetzt dieser Rat erteilt werden?
4 Den Aposteln war gut bekannt, daß die Lehre Jesu vom Frieden handelte. Im vorangegangenen Jahr hatten sie unweit des Galiläischen Meeres seine berühmte Bergpredigt mit gewissen Glücklichpreisungen gehört. Eine davon lautete: „Glücklich sind die Friedsamen, da sie ,Söhne Gottes‘ genannt werden“ (Matth. 5:9). Wieso sah sich Jesus nun in Kapernaum, das an diesem See lag, gezwungen, diese auserwählte Gruppe von Jüngern aufzufordern: „Haltet Frieden untereinander.“ (Mark. 9:50)? Warum gab er seinen engsten Gefährten diesen Rat? Irgend etwas mußte ihn dazu veranlaßt haben. Irgend etwas mußte das gute Verhältnis, das sie untereinander hatten, gestört und sich nachteilig auf ihr gemeinsames Werk ausgewirkt haben. Um den Grund für Jesu Äußerung zu erfahren, müssen wir im Bericht über dieses Geschehnis, das im Evangelium des Markus, Kapitel 9 aufgezeichnet ist, weiter zurückgehen. Wir werden dann erkennen können, inwiefern das, was Jesus den Aposteln sagte, auch für uns heute ein guter Rat ist.
5. Was war auf einem hohen Berg in der Nähe von Cäsarea Philippi geschehen, und mit welchem Fall von dämonischer Besessenheit befaßte sich Jesus danach?
5 Jesus und seine Apostel hielten sich im Norden auf, in der Nähe von Cäsarea Philippi, unweit des Oberlaufs des Jordan, der von hier nach Süden ins Galiläische Meer fließt. Hier wurde Jesus auf einem hohen Berg, wahrscheinlich auf dem Berg Hermon, der zum Antilibanon gehört, auf wunderbare Weise umgestaltet, wodurch eine Vorschau auf die Herrlichkeit vermittelt wurde, die er zur bestimmten Zeit in Gottes Königreich haben sollte. Nur Petrus, Jakobus und Johannes waren Zeugen dieser Umgestaltung ihres Meisters. Nachdem Jesus vom Berg herabgestiegen war, begegnete er einem von Dämonen besessenen Jungen, dem die zurückgebliebenen neun Apostel während Jesu Abwesenheit nicht helfen konnten. Der Vater des Jungen war völlig außer sich und flehte Jesus an, worauf dieser den besonders hartnäckigen Dämon austrieb. Auf diese Weise erfuhr der Glaube des Vaters an Jesus eine große Belohnung und Stärkung (Mark. 9:14-29; 2. Petr. 1:16-18).
6. Wie reagierten die Apostel auf die Frage, die Jesus ihnen stellte, nachdem sie in Kapernaum angekommen waren?
6 Von dieser Gegend führte der Weg nach Süden durch Galiläa bis zur Stadt Kapernaum über eine Strecke von ungefähr 40 Kilometern. Unbemerkt und für sich allein, machten sich Jesus und seine zwölf Apostel zu Fuß nach dieser Stadt auf, die Jesus zum Zentrum seiner Tätigkeit erwählt hatte; man nannte sie deshalb auch „seine eigene Stadt“ (Matth. 9:1). Was auf dem Weg zu dieser Stadt am Galiläischen Meer geschah, erfahren wir aus dem Markusevangelium, wo wir lesen: „Und sie kamen nach Kapernaum. Als er nun drinnen im Hause war, stellte er ihnen die Frage: ,Was habt ihr auf dem Wege erörtert?‘ Sie schwiegen, denn auf dem Wege hatten sie untereinander erörtert, wer größer sei“ (Mark. 9:33, 34).
7. Wieso drehte sich ihr Streit natürlicherweise um Interessen in Verbindung mit dem Königreich?
7 Anscheinend waren die Apostel auf dem Weg hinter Jesus, ihrem Führer, etwas zurückgeblieben. Dennoch schien es ihm nicht entgangen zu sein, daß eine Auseinandersetzung unter ihnen entstanden war und einige hitzige Worte gefallen waren. Es war angebracht, daß er für die Beilegung dieses Streits unter seinen Nachfolgern sorgte. Seine Worte verrieten, daß er wußte, worum sich ihre Unterhaltung gedreht hatte. Aus dem, was Jesus ihnen gemäß Markus 9:30-32 kurz zuvor gesagt hatte, wußten sie, daß sich im Hinblick auf ihren Anführer eine Entscheidung anbahnte. Sie glaubten, daß er der Messias, der voraussichtliche König Israels, war. Sie hatten gehört, wie er viele Gleichnisse über das Königreich erzählte, und kurz vor seiner Umgestaltung auf dem hohen Berg hatten sie gehört, wie er zu allen Zwölfen sagte: „Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, die den Tod überhaupt nicht schmecken werden, bis sie zuerst das Königreich Gottes, schon in Macht gekommen, sehen“ (Mark. 9:1).
8. Weshalb hatten sich die Apostel in diesem Zusammenhang miteinander verglichen?
8 Da sie auf eine baldige Aufrichtung des messianischen Königreiches hofften, hatten sie Grund, über die Stellungen nachzudenken, die sie mit ihrem Führer in diesem Königreich bekleiden würden. Unter solchen Umständen neigt eine politisch denkende Person mehr dazu, sich selbst zu erhöhen statt ihre Gegner oder Mitbewerber. So begannen auch die Apostel, sich miteinander zu vergleichen. Ihre Unterhaltung drehte sich nicht etwa darum, wer für diese oder jene Stellung am besten geeignet sei, sondern wer sich für die höchste Stellung neben dem Messias qualifizieren würde.
9. Weshalb antwortete keiner der Apostel auf Jesu Frage?
9 Es ging nicht so sehr darum, wer den Messias am meisten schätzte und daher im Königreich am engsten mit ihm verbunden sein wollte. Die Frage war, wer die zweithöchste Stellung einnehmen würde. Unter unvollkommenen Menschen konnte bei einer solchen Unterhaltung nichts anderes als Selbstsucht eine Rolle spielen. Kein Wunder, daß die ehrgeizigen Apostel schwiegen, als Jesus sie fragte: „Was habt ihr auf dem Wege erörtert?“ Sie wußten, daß ihre Unterhaltung kein Lob verdiente. Sie merkten, daß sie dabei Selbstsucht, Egoismus und den Wunsch nach Selbstverherrlichung gezeigt hatten. Keiner von ihnen gab daher Jesus eine Antwort.
10. Was verriet Jesus durch die Art und Weise, wie er an das Problem herantrat, und welche Regel stellte er auf?
10 Doch Jesus war nicht auf ihr Bekenntnis angewiesen. Ihr vielsagendes Schweigen verriet ihre Verlegenheit. Es zeigte, daß sie sich schämten. Doch Jesus, der bis zu einem gewissen Grad die Gedanken der Menschen erkennen konnte, wußte, was der Streitpunkt in ihrer Unterhaltung bzw. der Anlaß dazu war. Er ließ es durch die Art und Weise erkennen, wie er an das Problem herantrat. „Da setzte er sich nieder und rief die Zwölf und sprach zu ihnen: ,Wenn jemand der Erste sein will, so soll er der Letzte von allen und aller Diener sein‘“ (Mark. 9:35). Mit diesen Worten enthüllte Jesus, nach welcher Regel in seinem Königreich Stellungen zugeteilt würden.
11. In welcher Hinsicht sollten sich also diejenigen, die mit Jesus in seinem Königreich verbunden wären, von den Politikern der Reiche dieser Welt unterscheiden?
11 Sein Königreich sollte sich von den Reichen dieser Welt unterscheiden, in denen sich ein Politiker von selbstsüchtigem Streben leiten läßt und von der Neigung, bedient zu werden, statt in seinem Amt anderen zu dienen. Wer so handelt, verrät, daß er sich selbst zu wichtig nimmt und daß es ihm an Demut mangelt. Jesus ließ keine solche Einstellung erkennen. Jünger, die mit ihm in seinem Königreich verbunden sein sollten, mußten dieselbe Gesinnung offenbaren. Deshalb schrieb der Apostel Paulus an voraussichtliche Erben des himmlischen Königreiches: „Bewahrt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, der, obwohl er in Gottesgestalt existierte, keine gewaltsame Besitzergreifung in Betracht zog, nämlich um Gott gleich zu sein. Nein, sondern er entäußerte sich selbst und nahm Sklavengestalt an und wurde den Menschen gleich. Mehr als das, als er in seiner Beschaffenheit als ein Mensch erfunden wurde, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode an einem Marterpfahl“ (Phil. 2:5-8).
12. Inwiefern lieferte Jesus selbst ein Beispiel für die Regel, die er gegenüber seinen Aposteln aufgestellt hatte?
12 Geht daraus nicht hervor, daß Jesus sich zum ‘Letzten von allen und zum Diener aller’ machte? Könnte ein Geschöpf ein schöneres Beispiel der Demut geben? Doch er wurde, weil er eine solch niedrige Stellung einnahm und einen Dienst verrichtete, der ihn sein irdisches Leben kostete, mit der ersten Stellung unter allen Geschöpfen belohnt. Durch diese Erhöhung gelangte der Sohn Gottes in die höchste Stellung nach dem Schöpfer. Sie gebührte ihm, weil er nie eine „gewaltsame Besitzergreifung in Betracht“ gezogen hatte, nämlich seinem himmlischen Vater, dem höchsten Gott, gleich zu sein. Jesus war vernünftig genug, um zu wissen, daß ein solches Ziel unerreichbar gewesen wäre (Ps. 148:13).
13. Wer macht sich gemäß der von Jesus festgelegten Regel in einer Organisation zum wertvollsten Glied? Begründe deine Antwort.
13 Somit bildete Jesus bei der Regel, die er seinen Aposteln kundtat, selbst keine Ausnahme. Er selbst gab ein vollkommenes Beispiel, das all diejenigen nachahmen sollten, die mit ihm in seinem himmlischen Königreich vereint sein werden. Ja auch alle, die irdische Untertanen seines Königreiches sein werden, werden seine Demut und Dienstbereitschaft nachahmen müssen. Wer gilt also in einer Organisation als wirklich wertvoll und bedeutend? Ist es nicht derjenige, der demütig zu jeder Art Dienst bereit ist und sich bemüht, allen anderen zu dienen? Wer in selbstsüchtiger Weise darauf bedacht ist, der Erste zu sein, würde sich nicht dazu herbeilassen, anderen in der Organisation einen x-beliebigen Dienst zu erweisen. Um bereit zu sein, für irgend jemand sogar den niedrigsten Dienst zu leisten, muß man sich als der „Letzte von allen“ in der Organisation betrachten. Dadurch vermindert man nicht etwa seinen inneren Wert. Man macht sich zum wertvollsten Glied der Organisation, weil man ausnahmslos allen dient.
14. Inwiefern würde ein solch dienstbereiter Mensch tatsächlich der „Erste“ von allen sein?
14 Einen solch bescheidenen, dienstbereiten Menschen würde man vermissen, wenn er einmal verhindert wäre dazusein. Es würde auffallen, daß er nicht zu Diensten steht. Gemessen an seiner Dienstbereitschaft, wäre er wirklich der „Erste“ von allen, obwohl er nicht diese Stellung einnehmen mag. Wenn Gott uns so ansieht, dann ist dies weit wichtiger, als würden wir unter Menschen eine Stellung einnehmen.
ANDERE AUFGRUND DES NAMENS CHRISTI AUFNEHMEN
15. Was erklärte Jesus mit Hilfe des Beispiels eines kleinen Kindes in bezug auf die Aufnahme, die man anderen bereitet?
15 Damit wir mit anderen gut auskommen können, müssen wir auf sie Rücksicht nehmen, ungeachtet wie gering sie nach außen hin erscheinen mögen. Um seinen Jüngern diesen Gedanken einzuprägen, gebrauchte Jesus eine weitere Veranschaulichung. In Markus 9:36, 37 lesen wir darüber: „Und er nahm ein kleines Kind, stellte es mitten unter sie, und es in seine Arme schließend, sagte er zu ihnen: ,Wer irgendeines von solch kleinen Kindern aufgrund meines Namens aufnimmt, nimmt mich auf; und wer irgend mich aufnimmt, nimmt nicht nur mich auf, sondern auch den, der mich ausgesandt hat.‘“
16. Wodurch zeigte Jesus schon in seiner Heimatstadt Nazareth, daß er Kinder liebte?
16 Es wird von Begebenheiten berichtet, die zeigen, daß Jesus Kinder liebte. Als ältester Sohn seiner leiblichen Familie mußte er sich in der Stadt Nazareth in Galiläa zweifellos viel um seine jüngeren Halbbrüder (Jakobus, Joseph, Simon und Judas) sowie um seine zwei oder mehr Halbschwestern kümmern (Matth. 13:53-56). Er verachtete sie wegen ihrer Unvollkommenheiten und Fehler nicht etwa. Er gab ihnen keinen Anlaß, über ihn zu straucheln, weil er nicht mit für die Familie gesorgt hätte, sondern arbeitete fleißig als gelernter Zimmermann (Mark. 6:3). Er lernte die Unschuld kleiner Kinder und auch die kindlichen Eigenschaften erwachsener Personen kennen. Treffend sprach er in seinen Gleichnissen auch von Kindern.
17. Welche Frage taucht in Verbindung mit Personen auf, die Kindern gleichen?
17 Wenn wir in eine Arbeit vertieft sind, mögen wir nicht von Kindern gestört werden wollen. Personen, die sich ihrer Bedeutung und der Größe und Würde ihrer verantwortlichen Stellung bewußt sind, mögen es nicht für wichtig halten, einfachen Kindern oder Erwachsenen, die Kindern gleichen, Aufmerksamkeit zu schenken. Was aber, wenn es sich bei solchen Personen um Christen handelt oder um intelligente Personen, die Christen werden möchten? Sind wir, die wir bereits Jünger Christi sind, ihnen gegenüber zugänglich, und berücksichtigen wir ihre Bedürfnisse?
18. Inwiefern würde derjenige, der solche Personen aufnimmt, auch Jesus aufnehmen?
18 Wenn wir es ablehnen würden, Personen beizustehen, die Kindern gleichen, entginge uns ein großes Vorrecht und ein großer Segen. Würden reife Christen wie Jesu Apostel es ablehnen, einen neugetauften Christen aufzunehmen — der bildlich gesprochen dem Kind gleicht, das Jesus in die Arme schloß und als ein Beispiel gebrauchte —, so würden sie es ablehnen, Jesus aufzunehmen. Inwiefern? Weil Jesus sagte, wenn man „eines von solch kleinen Kindern“ aufnehme, nehme man auch ihn auf, da man es ‘aufgrund des Namens Jesu’ tue. Das heißt, Jesus betrachtete es so, als ob er, der Messias oder Christus, selbst aufgenommen worden wäre. Aber auch das Gegenteil würde zutreffen.
19. Auf unser Verhältnis zu wem wirkt es sich aus, wenn wir eine Person, die einem Kind gleicht, aufnehmen, und wieso?
19 Wenn wir eine demütigende Aufgabe ‘aufgrund des Namens Christi’ oder aus Achtung vor seinem Namen ausführen, fällt sie uns leichter und bereitet uns mehr Freude. Unser Handeln findet einen edlen Anreiz. Außerdem wirkt sich das nicht nur auf unser Verhältnis zu Jesus Christus, sondern auch auf unser Verhältnis zu seinem himmlischen Vater aus. Das geht aus Jesu weiteren Worten hervor: „Und wer irgend mich aufnimmt [nämlich indem er „eines von solch kleinen Kindern“ aufnimmt], nimmt nicht nur mich auf, sondern auch den, der mich ausgesandt hat“ (Mark. 9:37). Derjenige, der Jesus auf die Erde sandte, damit er der Messias wurde, war Jehova Gott, sein himmlischer Vater. Jesus Christus und sein himmlischer Vater können nicht voneinander getrennt werden. Sie gehören zusammen und sind insofern untrennbar, als sie in ihrer Absicht und ihrem Wirken eins sind. Was man also für Gottes Sohn tut, betrachtet Jehova so, als hätte man es für ihn getan. Daß er die Aufnahme Jesu so ansieht, als wäre sie ihm zuteil geworden, zeigt er durch seinen Segen.
20. Inwiefern gilt dieser Grundsatz in unserem Umgang mit Christen, und welche Eigenschaft müssen wir aufweisen, um am Königreich teilhaben zu können?
20 Diesen wichtigen Grundsatz sollten wir im Umgang mit unseren Glaubensbrüdern im Sinn behalten, besonders im Falle derer, die, was die biblische Erkenntnis oder die Zugehörigkeit zur Christenversammlung betrifft, gewissermaßen noch Kleinkinder sind. Der Apostel Petrus schrieb den Empfängern seines ersten inspirierten Briefes: „Wie neugeborene Kindlein entwickelt ein Verlangen nach der unverfälschten Milch, die zum Wort gehört, damit ihr durch sie zur Rettung heranwachsen mögt, vorausgesetzt, ihr habt geschmeckt, daß der Herr gütig ist“ (1. Petr. 2:2, 3). Wir können mit Personen, die „neugeborenen Kindlein“ gleichen, über das „Wort“ sprechen, damit sie zur Rettung heranwachsen und als reife Christen an dem „Wort“ festhalten. Folglich zeigen Personen, die zugänglich und bereit sind, ‘eines von solchen Kindern aufgrund des Namens Christi’ aufzunehmen, daß sie selbst Kindern gleichen. Das ist eine wesentliche Voraussetzung, damit sie am Königreich teilhaben können (Matth. 18:2-4; Luk. 18:16).
21. Inwiefern tragen Demut und das Fehlen von Rivalitäts- und Konkurrenzkämpfen zum Wohl einer Versammlung bei?
21 Wenn die Glieder einer Versammlung so demütig eingestellt sind wie Kinder, werden sie sich wie die Glieder einer buchstäblichen Familie des Friedens untereinander erfreuen. Wenn keine selbstsüchtigen Rivalitäts- und halsabschneiderischen Konkurrenzkämpfe bestehen, herrscht eine beruhigende Atmosphäre, die für die Nerven sehr wohltuend ist. Wenn wir bereit sind, selbst die niedrigsten Aufgaben zu übernehmen, nur um den Bedürfnissen und dem Wohl anderer dienen zu können, so trägt das zur Erbauung und Stärkung der ganzen Versammlung bei und spornt bestimmt zu guten Werken an.
22. Was hilft den Gliedern einer Versammlung, ‘Frieden untereinander zu halten’?
22 Auf diese Weise wird nicht einmal der Jüngste, der Schwerfälligste oder derjenige übersehen, der im Hinblick auf die biblische Wahrheit und die Erfahrung als Christ am weitesten zurückgeblieben ist. Ein solcher wird ‘aufgrund des Namens Christi’ in der Versammlung herzlich aufgenommen. Wenn in einer Versammlung eine solche Atmosphäre herrscht, dann herrscht dort auch Gottes Geist, was den Gliedern der Versammlung hilft, ‘Frieden untereinander zu halten’. Das führt zu brüderlicher Einheit.
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„Habt Salz in euch“Der Wachtturm 1977 | 15. November
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„Habt Salz in euch“
1. Womit sollte unsere Rede „gewürzt“ sein, und weshalb?
SALZE, die wir durch unsere Nahrung aufnehmen, sind für unsere körperliche Gesundheit sehr wichtig. Es gibt auch ein Salz, das für das Wohl des Leibes einer Versammlung von Anbetern Gottes unerläßlich ist. Damit stimmt ein Rat überein, den der Apostel Paulus gab, der unermüdlich um die geistige Gesundheit der Christenversammlung im ersten Jahrhundert besorgt war. In einem Brief an eine Versammlung, die er persönlich noch nicht kannte, schrieb er: „Eure Rede sei stets gefällig, mit Salz gewürzt, damit ihr wißt, wie ihr einem jeden zu antworten habt“ (Kol. 4:6).
2. Welche Frage taucht somit im Hinblick auf die Apostel auf, die versuchten, „jemand“ zu hindern, unter Benutzung des Namens Jesu Dämonen auszutreiben?
2 Wir fragen uns deshalb, mit wieviel von diesem „Salz“ die Rede gewisser Männer bei der Gelegenheit gewürzt war, auf die der Apostel Johannes die Aufmerksamkeit seines Lehrers, Jesus Christus, lenkte. Der Bericht lautet: „Johannes sprach zu ihm: ,Lehrer, wir sahen jemand unter Benutzung deines Namens Dämonen austreiben, und wir suchten ihn zu hindern, weil er uns nicht begleitete‘“ (Mark. 9:38).
3, 4. (a) Johannes rechnete damals wahrscheinlich womit, und weshalb? (b) Welcher selbstsüchtige Zug machte sich in den Worten des Johannes bemerkbar, und auf welche Ansicht deutete dies hin?
3 Das klingt so, als ob Johannes von dem Lehrer, der die Apostel im christlichen Weg unterwies, erwartete, daß er ihn lobte und ihm anerkennend auf die Schulter klopfte. Vielleicht dachte Johannes daran, daß Jesus im Norden, in der Nähe von Cäsarea Philippi, einen Mann geheilt hatte, der von einem besonders hartnäckigen Dämon besessen gewesen war. Möglicherweise glaubte er, er schütze Jesu Recht, andere zu ermächtigen, unreine Geister, Dämonen, aus ihren hilflosen Opfern auszutreiben. Vom Standpunkt des Johannes aus hatte jemand, der nicht von Jesus ermächtigt worden war, nicht das Recht, aufgrund seines Namens Dämonen auszutreiben. Doch in der Begründung, die Johannes dafür anführte, daß die Jünger versucht hatten, den nicht namentlich genannten Mann davon abzuhalten, Dämonen auszutreiben, machte sich ein selbstsüchtiger Zug bemerkbar. Wie Johannes sagte, hätten sie es getan, „weil er uns nicht begleitete“.
4 Daß Johannes von „uns“ sprach, ließ erkennen, daß er dabei nicht nur an Jesus, sondern auch an alle zwölf Apostel dachte. Bei einer früheren Gelegenheit hatte Jesus diese zwölf Apostel ausgesandt, die gute Botschaft vom Königreich zu predigen, zu heilen und unreine Geister auszutreiben (Matth. 10:1-8; Mark. 6:7-13). Somit betrachtete Johannes die Apostel als die einzige Gruppe von Menschen, die befugt war zu heilen.
5. Was gebot Jesus seinen empörten, eifrigen Jüngern in bezug auf jenen Mann?
5 Demnach fragten sich Johannes und seine Mitapostel, welches Recht dieser Mann hatte, den Namen ihres Lehrers zu gebrauchen, wenn er Dämonen austrieb. Das bedeutete einen eindeutigen Übergriff auf die Rechte Jesu und seiner Apostel. Sah Jesus indes die Sache genauso an? Der Bibelbericht zeigt, daß er seine empörten, eifrigen Apostel nicht lobte. In Markus 9:39-41 lesen wir: „Jesus aber sagte: ,Sucht ihn nicht zu hindern, denn da ist niemand, der eine Machttat aufgrund meines Namens tun wird, der rasch imstande sein wird, mich zu beschimpfen; denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns. Denn wer irgend euch aufgrund dessen, daß ihr Christus angehört, einen Becher Wasser zu trinken gibt, wahrlich, ich sage euch: Er wird seines Lohnes keinesfalls verlustig gehen.‘“
6. Was tat dieser Mann im Hinblick auf den Namen Jesu, wenn er unter Benutzung dieses Namens Dämonen austrieb?
6 Weshalb sollte der Mann davon abgehalten werden, aufgrund des Namens Jesu Dämonen auszutreiben? Hatte er versucht, Jesu Namen dadurch zu schmähen? Hatte er dadurch den Namen des Messias in den Schmutz gezogen und ihn zu etwas Abstoßendem gemacht, indem er ihm einen schlechten Beigeschmack verliehen hatte? Er gebrauchte Jesu Namen nicht als Exorzismusformel oder einen Zaubernamen, wie es später die sieben Söhne des jüdischen Oberpriesters Skeva taten (Apg. 19:13-16). Der Dämon sagte zu jenem Mann nicht: „Ich kenne Jesus, doch wer bist du?“ und weigerte sich dann, aus dem Besessenen auszufahren. Nein, dieser Mann glaubte tatsächlich an den Namen Jesu und trieb erfolgreich Dämonen aus. Dadurch verherrlichte er eigentlich den Namen Jesu, indem er die Macht dieses Namens offenbar werden ließ.
7. Inwiefern war dieser Mann, obwohl er Jesus und seine Apostel nicht begleitete, dennoch für sie?
7 Der Mann, der Jesus und seine Apostel nicht begleitete, war somit nicht gegen sie und lenkte nicht von ihrer Zeugnistätigkeit ab. Da er nicht gegen sie war, mußte er logischerweise für sie sein, auch wenn er sie nicht begleitete. Es war kaum zu erwarten, daß er in dem einen Augenblick Wunder wirkte, durch die Jesu Name verherrlicht wurde, und im nächsten Augenblick Böses über Jesus redete. Es wäre inkonsequent und unvernünftig gewesen, hätte man erwartet, daß der Mann durch ein mächtiges Wunder den Namen Jesu geehrt und geachtet, danach aber böse von diesem Namen geredet und gegen seinen Träger und dessen Apostel gearbeitet hätte. Also sollten die Apostel den Mann nicht mehr hindern.
8. Zufolge welches Grundsatzes würde dieser Mann nicht ohne Belohnung bleiben?
8 Der nicht namentlich genannte Mann sollte seines Lohnes für das, was er tat, nicht verlustig gehen. Offensichtlich war er auf dem besten Wege, ein Jünger Jesu Christi zu werden. Sein Tun konnte mit etwas verglichen werden, wovon Jesus sagte, es verdiene belohnt zu werden, nämlich wenn jemand einem Durstigen aufgrund dessen, daß dieser als Jünger Christus angehörte, einen Becher Wasser zu trinken gebe. Eine solche Tat mochte als das Geringste erscheinen, was jemand zum Nutzen eines anderen tun konnte, doch sie ließ etwas erkennen, was für Jesus von großer Bedeutung war. Es bedeutete, daß der Betreffende durch das Glas Wasser Jesus Christus Gunst erwies und die Sache Christi, soweit es ihm möglich war, unterstützte. In diesem Fall galt die Regel, die Jesus später festlegte: „In dem Maße, wie ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan“ (Matth. 25:40). Als König würde Jesus Christus das nicht unbelohnt lassen.
WER ANDERE ZUM STRAUCHELN BRINGT
9. Welche Frage ist im Hinblick auf das Vorgehen der Apostel für uns von Interesse? Warum?
9 Fanden die Apostel wohlwollende Worte, die mit Salz gewürzt oder „geschmackvoll“ waren, als sie versuchten, jenen Mann zu hindern, weiterhin im Namen Jesu Dämonen auszutreiben? Wir haben allen Grund, dies zu bezweifeln. Was uns jedoch interessiert, ist folgendes: Wurde der Mann, während er ein gutes Werk tat, das von Jesus nicht mißbilligt wurde, durch die Worte und das Vorgehen der Apostel zum Straucheln gebracht? Das wäre wirklich eine ernste Sache gewesen, denn Jesus sagte weiter: „Wer irgend aber einen von diesen Kleinen, die glauben, straucheln macht, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein, wie er von einem Esel gedreht wird, um den Hals gelegt und er tatsächlich ins Meer geworfen würde“ (Mark. 9:42).
10. Einen solch „Kleinen“ willentlich zum Straucheln zu bringen wäre gleichbedeutend womit? Begründe deine Antwort.
10 Jemand, der zum Straucheln gebracht worden und zu Fall gekommen ist, mag ‘ein Kleiner’ sein, doch das würde nichts am Ernst der Tat ändern. Wieso nicht? Weil es sich um „einen von diesen Kleinen, die glauben“, handelt. Das bedeutet, daß er an Jesus als den Messias, den Sohn Gottes, glaubt. Aufgrund dieses Glaubens hat dieser „Kleine“ die Aussicht auf ewiges Leben. Einem solchen „Kleinen“ willentlich, vorsätzlich und in rücksichtsloser Weise Grund zum Anstoß zu geben und ihn zum Straucheln zu bringen, so daß er von dem Weg des Lebens abkommt und in die Vernichtung geht, wäre gleichbedeutend mit Mord. Es würde einen Mangel an Liebe gegenüber dem verraten, den man zum Straucheln gebracht hat.
11. Welcher Unterschied besteht zwischen jemandem, der andere unabsichtlich zum Straucheln bringt, und jemandem, der dies absichtlich tut?
11 In 1. Johannes 3:15 heißt es: „Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Totschläger, und ihr wißt, daß kein Totschläger ewiges Leben bleibend in sich hat.“ Falls wir anderen vielleicht unabsichtlich oder unbewußt Anlaß gegeben haben zu straucheln — was schon schwerwiegend genug wäre —, würden wir hoffen, daß es bei ihnen nicht zum unwiderruflichen Abfall vom christlichen Glauben führt. Würden wir uns eines solchen Verstoßes bewußt, so würden wir etwas unternehmen, um die Sache wiedergutzumachen. Doch wer gleichgültig und nicht am geistigen Wohl seines Bruders interessiert ist und sich auf den Standpunkt stellt, jeder habe bestimmte Rechte und die Freiheit, diese Rechte voll zu nutzen, verrät Selbstsucht und Lieblosigkeit und zeigt, daß ihm am ewigen Leben des anderen und an dessen Verhältnis zu Gott nichts liegt. Er unterschätzt den Wert des Lebens dieses Gläubigen, für den Christus gestorben ist (Röm. 14:15).
12. Wie drückte Jesus seine Entrüstung über den Menschen aus, der einen anderen willentlich zu Fall gebracht hat?
12 Was aber, wenn es jemandem, der sich als Christ bezeichnet, nichts ausmacht, „einen von diesen Kleinen, die glauben“, zum Straucheln zu bringen, wodurch er zeigt, daß er am ewigen Wohl des anderen wenig interessiert ist? Dann hält Jesus Christus vom Leben dessen, der den anderen willentlich zu Fall gebracht hat, auch nicht viel. Jesus drückte seine Entrüstung über den Menschen aus, der einen anderen vorsätzlich zum Straucheln bringt. Er sagte, es sei für andere besser und sicherer, wenn ein solch fahrlässig handelnder Übertreter im Meer versenkt würde und wenn er durch einen großen Mühlstein daran gehindert würde, wieder an die Oberfläche zu kommen.
13. Wovor sollten wir uns im Hinblick darauf, daß man zum Straucheln gebracht werden kann, besonders hüten?
13 Es gereicht uns somit zum Guten, wenn wir andere nicht zum Straucheln bringen, so daß sie fallen, auch nicht den Unbedeutendsten. Wir sollen uns auch nicht durch andere, in die wir größere Erwartungen setzen, weil sie behaupten, Christen zu sein, zum Straucheln bringen lassen. Schätzen wir aber auch unsere eigene Aussicht auf ewiges Leben hoch genug ein, so daß wir uns davor hüten, uns selbst zum Straucheln zu bringen? Uns selbst zum Straucheln bringen? Ja, das ist möglich. Wie?
14. Wie könnten wir uns nach den Worten Jesu, mit denen er zur Vorsicht mahnte, selbst zum Straucheln bringen?
14 Nachdem Jesus davon gesprochen hatte, daß ‘einer von diesen Kleinen, die glauben’, straucheln könnte, mahnte er mit den Worten zur Vorsicht: „Und wenn deine Hand dich je straucheln macht, so hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben einzugehen, als mit zwei Händen in die Gehenna zu fahren, in das Feuer, das nicht ausgelöscht werden kann. Und wenn dein Fuß dich straucheln macht, so hau ihn ab; es ist besser für dich, lahm in das Leben einzugehen, als mit zwei Füßen in die Gehenna geworfen zu werden. Und wenn dein Auge dich straucheln macht, so wirf es weg; es ist besser für dich, einäugig in das Königreich Gottes einzugehen, als mit zwei Augen in die Gehenna geworfen zu werden, wo ihre Made nicht stirbt und das Feuer nicht ausgelöscht wird. Denn ein jeder muß mit Feuer gesalzen werden“ (Mark. 9:43, 45, 47-49).
15. Was war die Gehenna, von der Jesus sprach, und was wollte er damit veranschaulichen?
15 Jesus spricht in den erwähnten Fällen jedesmal von der Vernichtung durch Feuer. In den Tagen Jesu lag die Gehenna oder das Tal Hinnom, das er erwähnte, im Süden und Südwesten von Jerusalem. Jesus bestätigte mit seinen Worten, daß die Gehenna als Verbrennungsstätte für den Abfall der Stadt diente und daß man die Leichen von Verbrechern, die man keines ehrenhaften Begräbnisses und keiner Auferstehung für würdig hielt, dorthinein warf. Landete eine Leiche nicht im Feuer, sondern blieb sie am Abhang oder auf einem Felsvorsprung liegen, der durch das Feuer der Gehenna erwärmt wurde, so verweste sie und wurde von den Maden, die aus den Insekteneiern schlüpften, verzehrt. Man sorgte dafür, daß das Feuer Tag und Nacht brannte, damit das, was auf diese Müllhalde der Stadt geworfen wurde, vollständig verzehrt wurde. So wurde die Gehenna zu einem Sinnbild ewiger Vernichtung, und Jesus bezog sich darauf, als er zu den jüdischen Schriftgelehrten und Pharisäern sagte: „Schlangen, Otternbrut, wie solltet ihr dem Gericht der Gehenna entfliehen?“ (Matth. 23:33).
16. Inwiefern gehen diejenigen, die in die Gehenna geworfen werden, weder in das Leben noch in das Königreich Gottes ein?
16 Diejenigen, die verurteilt sind, in die Gehenna zu kommen, gehen nicht in das Königreich Gottes ein; sie haben weder Teil an der himmlischen Herrschaft mit Christus, noch werden sie während der Tausendjahrherrschaft Christi im irdischen Bereich leben. Wer von Gott dazu verurteilt worden ist, in die Gehenna zu kommen, mag zwar noch über alle Körperteile verfügen, doch wird er kein ewiges Leben erlangen. Die Gehenna stellt somit den Zustand der Nichtexistenz, der Auslöschung oder Vernichtung, dar, der durch Gottes Strafgericht herbeigeführt wird. Wie die heuchlerischen Schriftgelehrten und Pharisäer, so könnte sich auch ein Gott hingegebener, getaufter Christ heute selbst zum Straucheln bringen, so daß er von Gott verurteilt wird, in die Gehenna zu kommen oder in die ewige Vernichtung zu gehen. Denken wir an Judas Iskariot!
17. Wodurch brachte sich Judas Iskariot zum Straucheln, so daß er zum Dieb wurde?
17 Dieser Judas von Kerijoth verwaltete für Jesus und seine zwölf Apostel die Kasse. Schließlich kam es soweit, daß er begehrte, was hineingeworfen wurde. So streckte er seine Hand aus, nahm sich, was sein gieriges Auge sah, und steckte es in die Tasche. Er ließ zu, daß er durch sein Auge und seine Hand zum Straucheln kam und zum Dieb wurde, indem er sogar Jehovas Messias beraubte. Fünf Tage vor Jesu Tod sprach er sich bei einem Festessen, das in Bethanien (in der Nähe von Jerusalem) zu Ehren Jesu gegeben wurde, in heuchlerischer Weise für öffentliche Wohltätigkeit aus. Im Bericht darüber heißt es: „Das sagte er aber nicht, weil ihm an den Armen gelegen war, sondern weil er ein Dieb war und die Kasse hatte und die Einlagen wegzutragen pflegte“ (Joh. 12:6).
18. Was beging Judas schließlich, nachdem er sich von Gliedern seines Leibes zum Straucheln hatte bringen lassen, und was hatte dazu geführt?
18 In seinem Streben nach weiterem finanziellen Gewinn ließ Judas schließlich zu, daß ihn seine Füße zu einem Treffen mit den Oberpriestern und Tempelhauptleuten trugen, mit denen er übereinkam, Jesus, seinen Herrn, für dreißig Silberstücke zu verraten (Luk. 22:1-6). Damit Judas dann mit seinen gierigen Händen den Lohn eines Verräters einstreichen konnte, ließ er sich von seinen Füßen als Anführer einer Bande bewaffneter Männer in der Passahnacht zum Garten Gethsemane tragen, wo Jesus verhaftet wurde (Luk. 22:47, 48; Mark. 14:10, 11, 43-46; Matth. 26:14-16, 47-50; 27:3-5). Nach seinem Verrat hatte Judas für kurze Zeit die Befriedigung, seine habgierigen Augen auf jene dreißig Silberstücke in seinen Händen richten zu können. Es gab für ihn nun keine Möglichkeit mehr, rückgängig zu machen, was mit Hilfe seiner Augen, Hände und Füße zustande gekommen war. Er hatte zugelassen, daß ihn diese Glieder seines Leibes zum Straucheln brachten, so daß er eine unvergebbare Sünde beging (Matth. 27:4). In seiner Verzweiflung nahm er sich selbst das Leben. Selbst wenn sein Leichnam, aus dem die Eingeweide herausquollen, nicht in die buchstäbliche Gehenna bei Jerusalem geworfen wurde, erfuhr doch seine „Seele“ eine Vernichtung, die durch die Gehenna versinnbildet wurde (Apg. 1:16-19; Matth. 10:28). Mit gutem Grund hatte Jesus von ihm als dem „Sohn der Vernichtung“ gesprochen (Joh. 17:12).
19. Was meinte Jesus mit den Worten: „Ein jeder muß mit Feuer gesalzen werden.“?
19 Jesus schloß seine Erklärung, daß ein Jünger durch seine Hand, seinen Fuß und sein Auge zum Straucheln kommen und in der Gehenna landen könnte, mit den Worten ab: „Denn ein jeder muß mit Feuer gesalzen werden“ (Mark. 9:49). Das heißt, daß jeder, der zuläßt, daß Glieder seines Leibes ihn zum Straucheln bringen, und der unwiderruflich fällt, „mit Feuer gesalzen werden“ sollte. Das Feuer, mit dem er gesalzen werden sollte, war das „Feuer“, von dem Jesus gerade gesprochen hatte, das Feuer der Gehenna. Was würde es für den Betreffenden bedeuten, so gesalzen zu werden? Es wäre nicht gleichbedeutend mit der Wirkung buchstäblichen Salzes. Es würde seine Vernichtung bedeuten. Als es auf die Städte Sodom und Gomorra, die in der Nähe des Toten Meeres (oder Salzmeeres) lagen, Feuer vom Himmel regnete oder sie mit Feuer „gesalzen“ wurden, wurden sie vernichtet (Luk. 17:28, 29). An dieser Maßregel für den Umgang mit Personen, die niemand anders als sich selbst die Schuld dafür zuschreiben können, daß sie gestrauchelt und zu Fall gekommen sind, hält Jehova Gott ebenso unverbrüchlich fest wie an einem „Salzbund“ (3. Mose 2:13; 4. Mose 18:19; 2. Chron. 13:5).
20. In welchem Sinne hacken wir unsere Hand oder unseren Fuß ab oder reißen unser Auge aus und werfen es weg, um zu verhüten, „mit Feuer gesalzen“ zu werden?
20 Sollten wir, um zu verhüten, „mit Feuer gesalzen“ zu werden, unsere Hand oder unseren Fuß abhacken oder unser Auge ausreißen und wegwerfen, falls diese Anstoß erregen? Wenn wir das buchstäblich täten, würden wir dadurch nicht die falschen Impulse korrigieren oder beseitigen, die sich durch die Hand, den Fuß oder das Auge bemerkbar gemacht haben. Die Beseitigung muß in übertragenem Sinne erfolgen. Der Apostel Paulus zeigte, wie wir Jesu Rat befolgen können: „Ertötet daher [was?] die Glieder eures Leibes, die auf der Erde sind, in bezug auf Hurerei, Unreinheit, sexuelle Gelüste, schädliche Begierde und Habsucht, die Götzendienst ist. Dieser Dinge wegen kommt der Zorn Gottes“ (Kol. 3:5, 6).
21. Wie führen wir dieses ‘Ertöten’ aus?
21 Dazu müssen wir wirklich eine Selbstkontrolle über die buchstäblichen Glieder unseres Leibes, die auf der Erde sind, ausüben. Wir müssen uns beispielsweise zurückhalten, mit unseren Augen pornographische Schriften zu lesen oder schmutzige Filme oder Fernsehsendungen anzusehen oder mit unseren Händen zu stehlen oder unsittliche Handlungen zu begehen oder das Verlangen unserer Füße durch aufreizende Tänze oder dadurch zu befriedigen, daß wir uns in Gesellschaft eines ‘Freundes dieser Welt’ an Orte der Versuchung begeben. Wir müssen unsere Liebe zu den „Dingen in der Welt“ — „die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und die auffällige Zurschaustellung der Mittel, die jemand zum Leben hat“ — in geistigem Sinne töten (1. Joh. 2:15-17; Spr. 6:16-19).
DAS „SALZ“, DAS WIR IN UNS HABEN SOLLTEN
22, 23. (a) Auf welches Salzen nahm Jesus abschließend Bezug? (b) Von welcher Art Salz sprach Jesus, als er seine Jünger aufforderte: „Habt Salz in euch selbst“, und weshalb sprach er diese Worte zu ihnen?
22 Jesus schloß seine Erklärung nicht mit einem negativen Hinweis auf Salz ab (Mark. 9:33-49). Er sagte weiter: „Das Salz ist vortrefflich; wenn aber das Salz jemals seine Kraft verliert [oder: aufhört, salzig zu sein], womit wollt ihr es denn würzen? Habt Salz in euch selbst, und haltet Frieden untereinander“ (Mark. 9:50, New World Translation, 1971, Fußnote).
23 Buchstäbliches Salz dient im allgemeinen vortrefflich zum Würzen. Hiob (6:6) wirft die Frage auf: „Wird Fades ohne Salz gegessen werden, oder ist da irgendwelcher Geschmack im Eibisch-Schleim?“ Speisen können durch Salz wirklich an Geschmack gewinnen. Doch wenn die Sorte Salz, die man in den Tagen Jesu allgemein verwendete, ihre Kraft verloren oder aufgehört hatte, salzig zu sein, konnte man sie nicht von ihren Fremdbestandteilen reinigen, und sie eignete sich nicht mehr zum Kochen und zum Essen. Dieses Salz konnte nicht nachgewürzt werden, so daß man es wieder hätte essen können. Jesus benutzte somit das Salz als passende Veranschaulichung. Er sagte seinen zwölf Aposteln: „Habt Salz in euch selbst.“ Doch weshalb forderte Jesus gerade sie dazu auf? Weil sie bei ihrem Wortstreit auf dem Wege nach Kapernaum einen Mangel an diesem vortrefflichen sinnbildlichen Salz verraten hatten.
24. Was war dieses sinnbildliche „Salz“?
24 Diese Art Salz stellt die Charaktereigenschaft dar, die einen veranlaßt, anderen gegenüber „geschmackvoll“ zu handeln. Was er sagt, wird dadurch für andere gefälliger, und seine Worte sind leichter aufzunehmen und gedanklich leichter zu verdauen. Die Gesellschaft des Betreffenden wird angenehmer, ja zu etwas Begehrenswertem (Spr. 16:21, 23).
25. Von welchem Nutzen war es, sogar buchstäblich gemeinsam Salz zu essen?
25 Wenn beispielsweise ein Gastgeber mit seinem Gast Salz aß, trug dies zu einem guten Einvernehmen und zu einem vortrefflichen Verhältnis zwischen den Essenden bei. Salz diente sogar als Lohn für die von einem Arbeiter geleisteten Dienste (Esra 4:14). Daß der Besitz des symbolischen Salzes als Bestandteil unserer Persönlichkeit etwas Gutes und Wertvolles ist, hob der Apostel Paulus hervor, als er schrieb: „Fahrt fort, in Weisheit gegenüber den Außenstehenden zu wandeln, indem ihr die gelegene Zeit für euch auskauft. Eure Rede sei stets gefällig, mit Salz gewürzt, damit ihr wißt, wie ihr einem jeden zu antworten habt“ (Kol. 4:5, 6). Beachten wir auch Sprüche 15:1.
26. Das sinnbildliche „Salz“ in uns zu haben trägt dazu bei, daß wir welchen Rat beachten können, den Jesus seinen Aposteln abschließend gab, und was wird das für uns als seine Jünger zur Folge haben?
26 Wenn wir „Salz“ in uns haben und unsere Worte damit würzen, wird es uns helfen, das zu tun, wozu Jesus seine zwölf Apostel abschließend aufforderte: „Haltet Frieden untereinander“ (Mark. 9:50). Wenn wir taktvoll, rücksichtsvoll, angenehm und besänftigend sprechen und handeln, werden wir als Christi Jünger bestimmt ein friedliches Verhältnis unter uns fördern. Es wird sich zeigen, daß wir Gottes Geist haben, denn „die Frucht des Geistes [ist] Liebe, Freude, Friede“ (Gal. 5:22). Überdies ist „die Weisheit von oben ... vor allem keusch, dann friedsam“ (Jak. 3:17). Wir bekunden somit ein hohes Maß an Weisheit, wenn wir Jesu Rat hinsichtlich des Friedens befolgen. Frieden ist ein Merkmal, an dem wahre christliche Jünger in einer konkurrenzsüchtigen, uneinigen und entzweiten Welt zu erkennen sind. Er hält uns als Gottes organisiertes Volk unter Christus zusammen.
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