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  • Brauchst du einen Eheberater?
    Erwachet! 1983 | 22. Oktober
    • Brauchst du einen Eheberater?

      „WENN Mama und Papa Probleme hatten, konnten sie sich an ihre Verwandten und Freunde wenden. Aber bedingt durch meinen Beruf, sind wir Tausende von Kilometern von zu Hause entfernt. Unsere Ehe geht kaputt. Jane und ich können uns an niemand anders als an einen Eheberater wenden.“

      John und Jane sind noch jung. Sie sind Christen. Und sie sind jung verheiratet. John schwärmt von längst vergangenen Zeiten, als seine Urgroßeltern jung vermählt waren — ungefähr um die Jahrhundertwende. Damals waren Ehescheidungen nicht so verbreitet wie heute. Eine Scheidung genügte, um jemand in Verruf zu bringen. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg lebten Johns Großeltern immer noch in der „alten Heimat“ inmitten des traditionellen Geflechts aus Verwandten, Freunden, Sonntagsschullehrer und Hausarzt. Sie erhielten ihre Ehe erfolgreich aufrecht, obwohl damals die Scheidungsrate bereits um etwa 300 Prozent gestiegen war.

      Bis zur Heirat von Johns Eltern war sie um weitere 20 Prozent gestiegen. Heute stehen John und Jane mit ihrer jungen Ehe in einer Welt, in der die Scheidungsraten wie folgt aussehen: 60 Prozent in Schweden, 44 Prozent in den Vereinigten Staaten, 43 Prozent in der Dominikanischen Republik, 30 Prozent in der Bundesrepublik Deutschland und in England und 28 Prozent in der Sowjetunion.

      Unsere mobile Gesellschaft, das wirtschaftliche Auf und Ab, Staatsstreiche, die moderne Erziehung und religiöse Umwälzungen stürzen Familien in Verwirrung. Viele Familienmitglieder identifizieren sich nicht mehr mit der herkömmlichen Rolle des Ehemannes, der Ehefrau oder des Kindes. In Amerika, Schweden, England und Südamerika wandeln sich die Vorstellungen von der Ehe. Viele sehen die Ehe als einen „Wegwerfartikel“ an, nicht mehr als eine lebenslange Bindung.

      Lockere Moral, Alkoholismus, Drogen, wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frau, Prestigestreben, Verdrängung gemeinsamer Belange durch Eigennutz, Depressionen, Angst vor einem Atomkrieg und romantische Vorstellungen von der Liebe — all das wird für die heutige Unbeständigkeit der Ehe verantwortlich gemacht. Doch ganz gleich, wie viele Sündenböcke man findet, Dr. Emily Mudd, Professorin für Familienstudien an der Universität von Pennsylvanien, stellte fest, daß Streitigkeiten zwischen Angehörigen gewöhnlich auf folgenden grundlegenden Mißstand zurückgeführt werden können: „Man versäumt, auf die Gefühle und Bedürfnisse sowie auf die Wert- und Zielvorstellungen seines Partners einzugehen, oder handelt ohne Rücksicht darauf“ (The Encyclopedia of Mental Health).

      Im Falle christlicher Ehepaare, wie zum Beispiel bei John und Jane, die Eheprobleme haben, kann es daran liegen, daß in mancher Hinsicht nicht „die neue Persönlichkeit“ angezogen wird und göttliche Eigenschaften wie Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Glauben, Milde und Selbstbeherrschung nicht gepflegt werden (Epheser 4:22-24; Galater 5:22, 23).

      Der Eheberater

      John und Jane lieben sich immer noch. Was werden sie also tun, um ihre Ehe zu retten? Sie beabsichtigen, zu einem Fremden, einem professionellen Eheberater, zu gehen. Aber was wird das für sie bedeuten?

      Der Beruf des Eheberaters ist eine Erscheinung unserer heutigen Zeit. Eheberater oder -beraterinnen sind erst in den letzten Jahrzehnten auf der Bildfläche erschienen, doch ihre Zuwachsrate ist enorm! „Die Beratung durch Kinderpsychiater oder Familienberater ist zu einer bedeutenden Wachstumsbranche geworden“, ließ die Zeitschrift U.S. News & World Report verlauten. Ein wachsendes Heer von professionellen Beratern — Psychiatern, Psychologen, Seelsorgern, Ärzten, Juristen, Lehrern, Ehe- und Familientherapeuten, Sozialarbeitern und Verhaltenstherapeuten — hat die hilfsbereiten, aber nichtprofessionellen Berater und Ratgeber vergangener Zeiten ersetzt.

      In den Vereinigten Staaten gewann die Eheberatung nach dem Zweiten Weltkrieg an Popularität. Jetzt werden an führenden Universitäten immer mehr akademische Grade auf einem Gebiet vergeben, das zu einem eigenständigen Zweig der Gesundheitspflege geworden ist.

      Was schließt Eheberatung ein?

      Gemäß einer Behörde in Michigan (USA), die Prüfungen für Eheberater durchführt, gehören zur Eheberatung „Anleitung, Tests, Diskussionen, Therapie, Unterweisung oder Raterteilung zu dem Hauptzweck, Spannungen oder Konflikte in der Ehe zu vermeiden, zu beseitigen, abzuschwächen, zu bewältigen oder zu lösen und eheliche Harmonie zu schaffen, zu verbessern oder wiederherzustellen“.

      Genau das brauchen anscheinend John und Jane. Doch das ist nur eine der unzähligen Definitionen von Eheberatung. Zwar gibt es die Wissenschaft vom Verhalten (des Körpers, des Sinnes und des Nervensystems), aber hinzu kommen die Bemühungen, diese Wissenschaft anzuwenden, die Myriaden von Theorien und Praktiken hervorgebracht hat. Der Psychologe Allen S. Bernsten aus Floridaa spricht von vier Schulen der Psychotherapie, die sich wiederum in 130 Richtungen aufgliedern:

      Analytisch: Der Therapeut versucht, die unbewußten Motivationen zu ergründen, also warum du dich so verhältst. Er erforscht Kindheitserinnerungen, die ihm vielleicht Einblick in deine Verhaltensweise ermöglichen.

      Behavioristisch: Bei diesem Verfahren ist er weniger an deinen inneren Motivationen interessiert. Vielmehr versucht er durch Übungen und Konditionieren, deine unerwünschten Gewohnheiten oder Verhaltensweisen zu ändern.

      Humanistisch: Bei dieser Methode legt der Therapeut größeren Nachdruck auf Selbsteinschätzung, Selbstentfaltung und Selbstverantwortlichkeit, um bei dir und deinen Handlungen Veränderungen zu bewirken.

      Transpersonalb: Er versucht dir zu helfen, dich über alles zu erheben und mit einem gewissen „universalen Willen“ eins zu werden. Dieses Verfahren kann tatsächlich ins Mystische gehen.

      Eine Studie ergab, daß 64 Prozent der Eheberater aus einer Vielzahl von Theorien und Methoden ihren eigenen Stil entwickeln. Doch viele Berater scheinen ein gemeinsames Ziel zu haben. Dr. Usha Anand, ein Eheberater in Indien, schrieb, daß „das Ziel der Eheberatung ... darin besteht, die Familie und die Einheit der Familie zu stärken“. Dr. Eleanor Luckey, Professorin für Beziehungen in der Familie an der Universität von Connecticut, beschrieb die Eheberatung als „eine Beratung zweier Individuen und einer Beziehung“.

      Ein gemeinsames Ziel verfolgen die Eheberater auf jeden Fall: die Kommunikation. Sie versuchen, wirksamere Methoden der Kommunikation zwischen den Ehepartnern zu entwickeln.

      Sind sie befähigt?

      In manchen Ländern gilt der Beruf des Eheberaters als eigenständig. Doch gemäß dem australischen Psychiater Dr. William Carrington gibt es aufgrund eines Mangels an geschulten Eheberatern in Großbritannien, Australien und Neuseeland viele Halbprofessionelle, die sich mit der Eheberatung beschäftigen. In manchen Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas wird die Eheberatung von, wie es scheint, ungeschulten Priestern, Predigern, Ärzten, Lehrern und Kommunalpolitikern durchgeführt.

      „Die Eheberatung“, folgerte der Psychologe und Berater Dr. William Nichols, „ist ein neu aufgekommener, halboffizieller Beruf und eine Amateurbeschäftigung, ein Gebiet, das auf der einen Seite von äußerst gewandten, nüchtern analysierenden Profis und auf der anderen Seite von wohlmeinenden, aber unfähigen Amateuren bevölkert ist.“

      John und Jane müssen sich also noch eingehend erkundigen, wenn sie ihre Absicht, einen Eheberater aufzusuchen, verwirklichen wollen. Als Jungvermählte dürfte sie folgendes sehr interessieren:

      Wieviel kostet es?

      In den Vereinigten Staaten reichen die Gebühren von einer kostenlosen Beratung in manchen Gemeindezentren bis zu Stundensätzen von 45 Dollar in gemeinnützigen Kliniken. Private Berater (vom Sozialarbeiter bis zum Psychiater) verlangen 35 bis 150 Dollar — was immer der Markt zuläßt.

      Bringt die Eheberatung Erfolg? „Viele Eheberater sagen, zwei Dritteln ihrer Klienten werde geholfen“, hieß es im Consumer Life Magazine. Der Psychologe Morris B. Parloff vom National Institute of Mental Health sagte: „Alle Formen der Psychotherapie sind ziemlich brauchbar bei Patienten, die eine starke Motivation haben, große Unannehmlichkeiten durchmachen, ein hohes Maß an Selbstmanagement haben, einigermaßen gebildet sind, auf etwas sozialen Erfolg und Anerkennung zurückblicken können, nachdenklich sind und Emotionen erleben und zum Ausdruck bringen können.“

      Aber es werden viele Vor- und Nachteile ins Feld geführt. Der international bekannte Eheberater Jay Haley behauptete, die Therapeuten seien sich weder ihrer Verfahren noch ihrer Ergebnisse sicher. Deshalb zögerten sie, sagte er, ihre Erkenntnisse zu veröffentlichen.

  • Würde der Eheberater dein Gewissen respektieren?
    Erwachet! 1983 | 22. Oktober
    • Würde der Eheberater dein Gewissen respektieren?

      WIR hoffen, daß John und Jane nicht schockiert sein werden, wenn sie einen Eheberater aufsuchen. Er mag ihnen sagen, daß es ihre Ehe auf jeden Fall wert ist, gerettet zu werden. Zweifellos hoffen sie das auch zu hören. Aber es könnte ebensogut sein, daß er sagt: „Eine gute Scheidung ist besser als eine schlechte Ehe.“ „Wir nennen es nicht mehr Eheberatung“, sagte Earl Beatt, Leiter der Familienberatungsstelle von Minneapolis (USA). „Wir bezeichnen es als ‚Beziehungsberatung‘.“

      Der umsichtige Eheberater versucht, einem Ehepaar zu zeigen, wo es zur Zeit steht. Er gibt beiden vielleicht zu verstehen, was herauskäme, wenn sie an der Weggabelung nach links oder nach rechts gehen würden. Falls er versucht, sie in eine bestimmte Richtung zu drängen, müßten sie in Erwägung ziehen, welchen Standpunkt er vertritt, welche Wertvorstellungen er hat und ob diese gut oder schlecht sind.

      Wie steht es zum Beispiel, wenn deine Überzeugung auf biblischen Grundsätzen beruht? Der Psychologe Dr. Lawrence Onoda sagte:

      „Die meisten Eheberater nehmen gegenüber Religion im allgemeinen eine neutrale Stellung ein. Auch wenn sie sie nicht befürworten, besteht ihr offizieller Standpunkt darin, Leute, die andere Ansichten haben als sie, zu akzeptieren und nicht zu verurteilen.“

      Er fügte jedoch hinzu: „Eheberater gehen in der Regel von der Voraussetzung aus, daß es keine universalen ‚Wahrheiten‘, wie sie zum Beispiel in der Bibel zum Ausdruck kommen, gibt. Die meisten Eheberater stützen ihre Ehemaßstäbe auf Theorien, die von Menschen ersonnen worden sind, oder auf ihre eigenen persönlichen Ansichten.“

      Wie wird es also John und Jane ergehen? Vielleicht so wie manchen Ehepaaren, denen schon von Eheberatern geholfen wurde. Oder vielleicht fühlen sie sich dann wie viele andere in ein Labyrinth von Ehetheoretikern und atheistischen „Profiberatern“ versetzt.

      Was würdest aber du tun, wenn du Rat für deine Ehe brauchtest? Wohin würdest du dich wenden? Würdest du, falls du ein Christ bist, einen Eheberater bevorzugen, der die Weisheit des Stifters der Ehe und seines „Wunderbaren Ratgebers“ respektiert? (1. Mose 2:18 bis 24; Jesaja 9:6).

      Bevor du dir einen Berater aussuchst, solltest du folgende Informationen berücksichtigen. Sie dürften dir eine Hilfe sein.

      [Kasten auf Seite 6, 7]

      Welchen Berater suchst du dir aus?

      Obwohl es Eheberater gibt, die hohe persönliche Sittenmaßstäbe haben, und manche dein Gewissen aufrichtig respektieren, was auch bei zahlreichen Ärzten und Chirurgen der Fall ist, weichen viele ihrer Kollegen davon ab — bis zum Extrem. Das wird durch folgende Zitate veranschaulicht. Hier werden keine Tatsachen oder wissenschaftlichen Feststellungen miteinander verglichen, sondern die moralischen Wertvorstellungen, denen du bei verschiedenen Beratern begegnen wirst.

      DIE BIBEL

      „Ertötet daher die Glieder eures Leibes ... in bezug auf Hurerei, Unreinheit, sexuelle Gelüste, schädliche Begierde und Habsucht, ... denn ihr wißt, daß ihr den gebührenden Lohn, das Erbe, von Jehova empfangen werdet. ... Wer unrecht tut, wird bestimmt das zurückerhalten, was er unrechterweise getan hat, und da ist keine Parteilichkeit“ (Kolosser 3:5, 24, 25).

      „‚Was ... Gott zusammengejocht hat, bringe kein Mensch auseinander.‘ ... ‚Ich sage euch, daß jeder, der seine Frau durch Scheidung entläßt, ausgenommen aufgrund von Hurerei, und eine andere heiratet, Ehebruch begeht‘“ (Matthäus 19:6, 9).

      „Nun wissen wir, ... daß das Gesetz nicht für einen gerechten Menschen öffentlich bekanntgegeben ist, sondern für ... Hurer, Männer, die bei männlichen Personen liegen“ (1. Timotheus 1:8 bis 10).

      „Die Ehe sei ehrbar unter allen, und das Ehebett sei unbefleckt, denn Gott wird Hurer und Ehebrecher richten“ (Hebräer 13:4).

      PSYCHOLOGE

      „Einige der mit Schuldkomplexen behafteten und kleinmütigen Jugendlichen schrecken vor vorehelichem Geschlechtsverkehr zurück, weil sie Angst vor einer Schwangerschaft, vor Geschlechtskrankheiten oder dem angeblichen Zorn eines rachsüchtigen Jehova haben. ... Dem ist nur deshalb so, weil wir uns immer wieder die moralischen Sprüche über das katastrophale Wesen des vorehelichen Koitus vorsagen, ohne es überhaupt deutlich wahrzunehmen, geschweige denn irgendwie konstruktiv beeinflussen zu können — unsere vollkommen unnötige, total idiotische voreheliche Geschlechtsmoral“ (Dr. Robert Harper in „Moral Issues in Marital Counseling“, Marital Counseling, S. 332, 333).

      „Eine Sexualethik sollte allein dem Wohlbefinden jetzt lebender und künftig lebender menschlicher Wesen dienen, nicht dazu, ... irgendwelchen vermeintlichen übernatürlichen Wesen zu gefallen“ (Dr. Harper).

      EHEBERATER

      „Vorehelicher Geschlechtsverkehr hat seinen Wert, wenn er Leute vom Heiraten abhält, die sonst nur um des Sex willen heiraten würden. ... Wir haben als Gesellschaft kein Recht, die Freuden des Sex Leuten zu verwehren, die nicht heiraten oder aus freiem Willen oder aus Notwendigkeit spät heiraten oder ihren Partner durch Tod oder Scheidung verloren haben“ (Charlotte Holt Clinebell in „Counseling for Liberation“, Creative Pastoral Care and Counseling Series, S. 30).

      „Eine andere Praxis für viele Leute — die um so lebensfähiger wird, je mehr wir unseren Gesichtskreis über das Menschliche erweitern — ist die Homosexualität. ... Geistliche und Eheberater könnten einen großen Einfluß ausüben, um die Anschauungen abzubauen, die jemandem das Gefühl vermitteln, nicht ganz Mensch zu sein, weil sein Verhalten von der Mehrheit abweicht“ (Clinebell).

      GEISTLICHER

      „Man kann jegliches Gesetz beiseite legen, wenn dieser Schritt den meisten Menschen gegenüber liebevoller ist. ... Nichts ist starr. Die Liebe gilt Menschen und nicht notwendigerweise Grundsätzen“ (Dr. Ace Tubbs in „The Moral and Ethical Problems in Pastoral Counseling“, Marital Counseling, S. 445).

      SOZIALREFORMER

      „Wenn die in einer offenen Ehe lebenden Partner auch außerhalb Geschlechtsbeziehungen haben, geschieht das auf der Grundlage ihrer eigenen internen Beziehung — dem ist so, weil sie reife Liebe erfahren, echtes Vertrauen haben und imstande sind, sich zu entfalten, andere zu lieben und durch sie beglückt zu werden und diese Liebe und Freude ohne Eifersucht in ihre Ehe einzubringen“ (Nena O’Neill und George O’Neill, Open Marriage, S. 257).

      Nicht alle professionellen Berater vertreten solch unbiblische Ansichten. Doch die Tatsache, daß das bei einigen der Fall ist, zeigt, daß Leute, die einen professionellen Berater aufsuchen wollen, äußerst vorsichtig sein müssen. Jemandes Rat zu befolgen, der solch unchristliche Vorstellungen hat, wird die Situation verschlimmern, nicht verbessern.

  • Wie man Rat gibt, der wirklich hilft
    Erwachet! 1983 | 22. Oktober
    • Wie man Rat gibt, der wirklich hilft

      „VON Anfang der Schöpfung an ‚hat Er sie männlich und weiblich gemacht. Deswegen wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen, und die zwei werden e i n Fleisch sein‘, so daß sie nicht mehr zwei, sondern e i n Fleisch sind.“ Mit diesen Worten beschrieb Jesus Christus, wie der Schöpfer die Eheschließung des ersten Menschenpaares vollzog und damit den Kern der menschlichen Gesellschaft bildete. Und die Ehe sollte von Dauer sein, denn Jesus fügte hinzu: „Was also Gott zusammengejocht hat, bringe kein Mensch auseinander“ (Markus 10:6-9).

      Angesichts dessen können wir erkennen, daß es für John und Jane eine Alternative gab. Zugegeben, viele professionelle Berater sind aufrichtige, wohlmeinende und gut ausgebildete Leute, die imstande sein mögen, einer gefährdeten Ehe zu Hilfe zu kommen. Wir hoffen, daß John und Jane einen solchen Berater gefunden haben. Doch als Christen hätten sie auch die Hilfe in Betracht ziehen können, die der Urheber der Ehe, Jehova Gott, uns in seinem Wort, der Bibel, gibt.

      Die Bibel wurde von dem Stifter der Ehe inspiriert. Wenn du ihr alles entnimmst, was sie über die Ehe sagt, erhältst du einen Leitfaden, eine von Gott zusammengestellte Sammlung vollkommener Grundsätze, die dazu bestimmt sind, eine vollkommene Ehe zu ermöglichen. Du magst dich fragen, warum dann eine christliche Ehe je scheitern könnte. Warum sollte, da wir die Bibel als ‘eine Leuchte für unseren Fuß und ein Licht für unseren Pfad’ haben, ein christliches Ehepaar wie John und Jane jemals eine anderweitige Hilfe für die Ehe brauchen? (Psalm 119:105).

      Die Antwort ist, daß, wie die Bibel selbst realistisch sagt, Gottes Grundsätze zwar vollkommen sind, wir alle, die sie anwenden müssen, jedoch immer noch unvollkommen sind (5. Mose 32:4; Römer 5:12). In dem Maße, wie wir die Anwendung Gottes vollkommener Grundsätze unterlassen, brauchen wir Hilfe.

      Außerdem werden unsere Probleme dadurch verschlimmert, daß wir in „kritischen Zeiten“ leben, „mit denen man schwer fertig wird“ (2. Timotheus 3:1). „Die heutigen Konflikte sind so verwickelt, daß es unmöglich scheint, sie durch Bemühungen, mit sich selbst objektiv zu sein, zu lösen“, sagte der Psychologe Allen S. Bernsten. Häufig brauchen wir die Hilfe eines anderen, um die Probleme des Lebens zu meistern. „Fahrt fort, einander die Bürden zu tragen“; „redet bekümmerten Seelen tröstend zu, steht den Schwachen bei, seid langmütig gegen alle“ (Galater 6:2; 1. Thessalonicher 5:14).

      Ein „Wunderbarer Ratgeber“

      Die Bibel sagt in Jesaja 9:6 voraus, daß Christus verschiedene Aufgaben übernehmen würde. Er ist u. a. ein „Wunderbarer Ratgeber“. Eine Vorkehrung, durch die er Rat erteilt, ist die Versammlung. Einige der älteren, reifen und verantwortungsbewußten Männer dienen als Älteste oder Hirten, um anderen, einschließlich Ehepaaren, in ihrer Not beizustehen. Von ihnen sprach Gott, als er verhieß: ‘Ich will wieder Ratgeber für dich zurückbringen wie zu Beginn’ (Jesaja 1:26; 1. Timotheus 3:1-7; 1. Petrus 5:1-4; Jeremia 3:15; Jesaja 32:1, 2).

      Wäre es vernünftig gewesen, wenn John und Jane bei solchen Ratgebern Hilfe gesucht hätten, bevor sie zu Fremden gingen? Nun, man muß eingestehen, daß Älteste keine ausgebildeten, professionellen Berater sind, die alle Arten psychischer Probleme verstehen oder behandeln können. Sie verstehen sich vielmehr auf geistige Probleme. Doch auf Gebieten wie Eheberatung ist der Unterschied zwischen geistigen, emotionalen und psychischen Schwierigkeiten nicht immer klar. Es läßt sich auch nicht bestreiten, daß die meisten professionellen Berater nicht befähigt sind, geistige Probleme zu behandeln. Daher können befähigte christliche Älteste einen wertvollen Beitrag leisten.

      Die Kunst des Raterteilens

      Wie das Lehren ist das Raterteilen eine Kunst, die erlernt und entwickelt werden muß (Titus 1:9). Es mag sein, daß manche Älteste auf bestimmten Gebieten Hilfe brauchen, damit ihr Rat so wirksam wie möglich ist. Auch dabei kann die Bibel helfen, weil sie nicht nur erklärt, was man sagen soll, sondern auch, wie man es sagen soll. Interessanterweise sind viele Ratschläge, die uns die Bibel gibt, den Überlegungen ähnlich, denen die erfolgreicheren professionellen Eheberater bei ihrer Tätigkeit folgen. Wir wollen einige davon erörtern.

      Einstellung gegenüber Ratsuchenden. Paulus, ein christlicher Berater des ersten Jahrhunderts, schrieb an eine Versammlung: „Wir wurden in eurer Mitte sanft, wie wenn eine nährende Mutter ihre eigenen Kinder hegt und pflegt. ... Wir [haben] also eine innige Zuneigung zu euch“ (1. Thessalonicher 2:7, 8). Welch hervorragende Einstellung! Die Raterteilenden müssen Ratsuchende wie Personen behandeln, die Hilfe brauchen, nicht wie Missetäter, die gerichtet werden müssen. Es ist nicht so sehr eine Gelegenheit, zu kritisieren, zu verurteilen oder zu maßregeln, als vielmehr, zu verstehen und den Ratsuchenden zu versichern, daß die Probleme gelöst werden können und das Leben lebenswert ist.

      Ein Psychologe äußerte eine ähnliche Überlegung, indem er bemerkte: „Sie brauchen von uns nicht Strafe oder Züchtigung; sie wollen nur Hilfe haben.“

      Zeit zum Zuhören. „Wenn irgendeiner auf eine Sache eine Erwiderung gibt, ehe er sie angehört hat, so ist es ihm Torheit und Demütigung“ (Sprüche 18:13). Das ist ein treffender Hinweis. Ein erfolgreicher Berater schüttelt nicht, wenn er mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert wird, eine Patentlösung aus den Ärmeln in der Meinung, das sei eine richtige Beratung. Er vereinbart wie ein Arzt oder ein Rechtsanwalt einen Termin, damit die Angelegenheit gründlich untersucht werden kann.

      Ein professioneller Berater wird während seiner Ausbildung zum Zuhören angehalten. Ganz gleich, wie lange es dauert und wie viele Sitzungen erforderlich sind, er versucht, durch Zuhören zu verstehen. Sollte ein christlicher Berater mit weniger zufrieden sein? Denke daran, daß der junge Mann Elihu, der Hiob und dessen drei „Freunden“ guten Rat gab, zuerst ‘auf ihre Worte harrte’ und ‘ihren Vernunftschlüssen ständig das Ohr lieh’ (Hiob 32:11).

      Beim Zuhören muß der Berater mit Hilfe eines gut geschulten Wahrnehmungsvermögens taktvoll die Oberfläche durchdringen, um die inneren Beweggründe des Ratsuchenden zu ermitteln. Der christliche Berater hat ein wunderbares Hilfsmittel dafür. Welches Hilfsmittel? Die Bibel. Von ihrem Inhalt wird gesagt, daß er lebendig ist und Macht ausübt und imstande ist, „die Gedanken und Absichten des Herzens zu beurteilen“ (Hebräer 4:12).

      Individualität anerkennen. Der weise Berater erkennt an, daß keine zwei Personen oder Situationen genau gleich sind und daß es daher keine Patentlösungen gibt, die wie Tabletten verabreicht werden können. Deshalb betreibt er Nachforschungen, damit das, was er sagt, ‘stets gefällig sei, mit Salz gewürzt, damit er weiß, wie er einem jeden zu antworten hat’ (Kolosser 4:6).

      Ein Psychologe berichtete, daß manche Patienten so niedergeschlagen sind, daß sie sagen: „Ich bin wertlos. Ich bin der Liebe anderer nicht würdig.“ Wie könnte ein christlicher Berater solchen Personen helfen? Er könnte ihnen folgendes erklären: „Jesus sagte uns, wir sollten unseren Nächsten lieben wie uns selbst.“ Dann könnte er ihnen helfen, folgende Überlegungen anzustellen: „Was wäre, wenn wir kein Selbstwertgefühl oder keine Selbstachtung hätten? Was bliebe dann für unseren Mitmenschen übrig? Da Jesus für uns starb, muß unser Leben wertvoll sein, ganz gleich, wie sehr wir es besudelt haben. Wir sind im Bilde Gottes erschaffen und können somit seine Eigenschaften in unserer Persönlichkeit widerspiegeln. Also müssen wir daran arbeiten, eine neue Persönlichkeit anzuziehen. Dazu gehört, daß wir uns selbst würdevoll behandeln“ (Matthäus 22:37-39; Markus 10:45; Kolosser 3:9, 10).

      Echte Anteilnahme

      Jesus war im Umgang mit anderen immer demütig, niemals hochmütig, selbstgefällig oder egoistisch (Matthäus 11:28, 29; Philipper 2:5-8). Der Apostel Paulus ermuntert den Christen, diese Einstellung nachzuahmen, indem er innige Zuneigung und Erbarmen entwickelt und „nichts aus Streitsucht oder aus Ichsucht tut, sondern in Demut“ (Philipper 2:1-3). Erfolgreiche Eheberater gestehen sich ein, daß sie selbst Demut und echte Anteilnahme bekunden müssen.

      Auch der bekannte Psychologe Carl Rogers beschreibt den Eheberater als „jemand, der aufrichtig ist — keine Fassade, mitfühlend“. Ein anderer Psychologe spricht von einem „positiven Interesse“: „Es bedeutet, daß er seinen Klienten als Person schätzt, etwa mit demselben Empfinden, das Eltern für ihr Kind haben; sie schätzen es als Person.“ Dabei gilt es jedoch, eine Gefahr nicht zu übersehen. Wenn der Berater es mit einem Ehepaar zu tun hat, bestehen keine Bedenken. Hat er jedoch nur mit der Ehefrau zu tun, muß er darauf achten, daß sie nicht zu sehr aufgrund seines Mitgefühls und seiner Anteilnahme von ihm abhängig wird und ihr Mann dadurch übergangen wird.

      Kommunikation — Aber wie?

      Wie bereits erwähnt, legt der erfolgreiche Eheberater Nachdruck auf Kommunikation. Echte Kommunikation schließt mehr ein, als Informationen zu vermitteln und zu empfangen. Erstens mußt du wirklich sagen, was du meinst. Zweitens muß der Gesprächspartner wirklich hören, was du sagst.

      Danach darfst du das Gehörte nicht voreilig auslegen oder gleich eine Schlußfolgerung daraus ziehen. Um sicherzugehen, solltest du eine oder sogar mehrere Fragen stellen. Bitte um eine Neuformulierung. Vergewissere dich, daß das, was gesagt wird, auch das ist, was gemeint ist; und daß das, was gemeint ist, auch gesagt wird. „Meinst du das und das?“ „Ich will sichergehen, daß ich dich richtig verstehe.“

      Die Worte, die jemand äußert, können manchmal auf etwas hinweisen, was unter der Oberfläche schlummert, sehr tief oder weit zurückliegt. Der erfolgreiche Berater ist geschickt darin, solche Hintergründe durch Fragen zu erfahren.

      Fragen, die auf Fakten zielen: „Wie lange habt ihr schon Eheprobleme?“ „Auf welchen Gebieten bestehen die Meinungsverschiedenheiten?“ „Seit wann seid ihr verheiratet?“ „Welche Aufgaben hast du zu Hause als Mann (oder Frau)?“ Das sind nur einige Beispiele.

      Fragen, die auf Gefühle, Standpunkte und Einstellungen zielen: „Wie denkt ihr über eure Ehe?“ „Liebt ihr euch?“ „Wie siehst du deine Rolle als Mann (oder Frau)?“

      Fragen, die den Ratsuchenden helfen, nachzusinnen oder Schlußfolgerungen zu ziehen: „Warum ist es eurer Meinung nach wichtig, Gottes Grundsätze zu befolgen?“ „Warum ist selbstlose Liebe für die Ehe von Nutzen?“ „Kannst du dir vorstellen, warum dein Ehepartner das Empfinden hat, du liebst ihn nicht mehr?“ „Wie solltest du über die Unvollkommenheiten deines Ehepartners denken, da ja Gott auch dir vergibt?“

      Der Raterteilende sollte unbedingt Jehova nachahmen und unparteiisch sein (1. Petrus 1:17). Er sollte nicht einfach voreilige Schlußfolgerungen ziehen oder zulassen, daß seine eigene vorgefaßte Meinung seinen Blick trübt. Wenn die Frau sehr emotionell reagiert, mag der Berater vorschnell schlußfolgern, sie sei rebellisch, und mag von Anfang an auf der Seite des Mannes Stellung beziehen. Oder dem Berater ist die Frau anfänglich sympathischer, weil ihm an der Persönlichkeit des Mannes etwas nicht gefällt. Beide Fallgruben sind zu meiden.

      Wenn du Partei ergreifst, sagte ein Psychologe warnend, „ist dein Mißerfolg nahezu besiegelt. Du hilfst dann nicht — in Wirklichkeit richtest du. ... Die Geschichte, die dir [von einer Partei] erzählt wird, entspricht nicht unbedingt der Wahrheit.“ Das stimmt mit der biblischen Warnung überein: „Wer als erster bei einer Streitsache spricht, scheint recht zu haben. Doch dann kommt sein Gegner und stellt alles in Frage“ (Sprüche 18:17, Die Bibel in heutigem Deutsch; 25:8-10).

      Meinungen im Lichte der Vernunft abwägen

      Es ist allgemein bekannt, daß Mann und Frau im Streit dazu neigen, die Vernunft zu verlieren. Jeder versucht, den anderen zu überzeugen, daß seine Meinung die richtige ist.

      Zum Beispiel denkt sie, das Zimmer sei unordentlich, wenn ein Mantel daliege. Er dagegen meint, das Zimmer sei, selbst wenn ein Mantel daliege und auf dem Tisch Papiere lägen, immer noch ordentlich und sauber. Wie versucht ein christlicher Berater, solche hartnäckigen persönlichen Standpunkte zu behandeln? Es gibt vorzügliche biblische Mahnungen, an die er erinnern kann, wie zum Beispiel: „Laßt eure Vernünftigkeit allen Menschen bekanntwerden.“ „Die Liebe ist langmütig und gütig. Die Liebe ... blickt nicht nach ihren eigenen Interessen aus“ (Philipper 4:5; 1. Korinther 13:4, 5).

      Stark ausgeprägte Standpunkte oder Motivationen können zu schwierigen Situationen führen. In einer Ehe beispielsweise mag sich die Frau vernachlässigt und ungeliebt fühlen, wohingegen der Mann meint, sie fordere zu sehr seine Aufmerksamkeit und lasse ihm nicht genügend Bewegungsfreiheit. Sie haben vielleicht noch nie ein übereinstimmendes Verständnis darüber erlangt, was Liebe wirklich ist und wie sie zum Ausdruck gebracht und aufgenommen werden sollte.

      In einem solchen Fall mag eine höchst feinfühlige und taktvolle Form des Raterteilens nötig sein, um die Ratsuchenden für eine ausgeglichene Ansicht zugänglich zu machen. Es kann eine Hilfe sein, sie mit eigenen Worten die biblische Beschreibung der Liebe erklären zu lassen (1. Korinther 13:4-8). Eine Korrektur wird manchmal erleichtert, wenn man dem Ratsuchenden versichert, daß wir alle unsere Schwächen haben. „Verfehlungen — wer kann sie bemerken?“ „Alle Menschen sind abgewichen“ (Psalm 19:12; Römer 3:12; Psalm 130:3).

      Allgemeine Redensarten sind wertlos

      Wenn Jesus Rat oder Erklärungen gab, ließ er immer die Streitpunkte klar hervortreten (Matthäus 22:15-46). So sollten auch bei der Eheberatung die Streitpunkte angesprochen werden. Vage Diskussionen über Liebe, Freundlichkeit und Großzügigkeit sind gewöhnlich nicht hilfreich. In manchen Situationen mag es genügen, dem Betreffenden auf die Schulter zu klopfen mit der Bemerkung: „Vertraue einfach auf Gott, und es wird schon gutgehen.“ Aber in anderen Fällen können solche allgemeinen Redensarten ein Zeichen dafür sein, daß man nicht in der Lage ist, praktischen Rat zu geben. (Siehe Jakobus 2:15, 16.)

      Ein unerfahrener oder unreifer Berater mag dazu neigen, peinliche oder „heikle“ Themen zu umgehen. Jesus, der Wunderbare Ratgeber, scheute sich jedoch nicht, auf annehmbare Weise Themen wie Sex, Lebensunterhalt und persönliche Gewohnheiten zu erörtern (Matthäus 5:23, 24, 27, 28; 6:25-34).

      Das Herz erreichen

      Der Rat, den man erteilt, sollte stets auf der Bibel beruhen. Doch ein bloßes Zitieren von Bibeltexten garantiert nicht, daß diejenigen, die Rat erhalten, die Sache richtig erfassen. Auch hier folgt der erfolgreiche Berater dem Beispiel Jesu und stellt Überlegungen über die Texte an. Wie? (Matthäus 17:24-27).

      Betrachte den Fall von Eheleuten, die unterschiedlicher Meinung über die Leitung durch ein Haupt sind. Der Mann denkt, er erfülle seine Aufgabe als christliches Haupt auf vernünftige Weise. Die Frau denkt, sie werde übermäßig beherrscht und werde herumkommandiert. Die Abhandlung des Apostels Paulus über die Leitung durch ein Haupt in Epheser 5:21-27 zu lesen dürfte ausreichen, um die entsprechenden Grundsätze herauszustellen. Aber würde das Ehepaar diese Grundsätze dann völlig verstehen und akzeptieren? Nein, es sei denn, die beiden fühlen sich von den Worten des Paulus persönlich angesprochen und erkennen, wie sie auf sie persönlich Anwendung finden.

      Das wiederum kann durch eine Folge tiefschürfender Fragen erreicht werden: „Wie übte Jesus seine Stellung als Haupt über die Versammlung aus?“ „Warum heißt es: ‚Seid einander untertan.‘?“ „Inwiefern ist der Mann der Frau untertan?“ „Inwiefern ist die Versammlung Jesus untertan?“ „Was zeigt uns das in bezug auf das Verhältnis der Frau zum Mann?“ Diese und viele andere Fragen könnte man stellen.

      Als Jesus sich dieser Art des Raterteilens bediente, gab er nicht die Antworten selbst. Ebensowenig tut das ein weiser Ratgeber von heute. Vielmehr „schöpft“ er eine nach der anderen „herauf“ — nicht mit Zwang, sondern auf geduldige und freundliche Weise. „Ein tiefes Wasser sind die Pläne im Herzen des Menschen, doch der Verständige schöpft es herauf“ (Sprüche 20:5, Einheitsübersetzung). Dieser Vorgang kann Minuten dauern. Er kann Stunden dauern. Aber er kann jemandem einen Denkanstoß in die rechte Richtung geben. Und er dient als wirksames Mittel zur Bekämpfung einer negativen Einstellung.

      Rat durch das eigene Beispiel

      Ein erfolgreicher Eheberater in den Vereinigten Staaten führte folgenden Fall an: „Einem Ehemann, dem es schwerfiel, seiner Frau Zuneigung zu zeigen, wurde auf anschauliche Weise von einem Ältesten geholfen, indem dieser gegenüber seiner eigenen Frau in Gegenwart dieses Ehemannes Zuneigung zum Ausdruck brachte. Ihm wurde bald klar, was er zu tun hatte.“

      In manchen Ländern ist das populäre „Ideal“ des Mannes ein gebräunter Athlet, der gut im Sport ist, gern mal „einen trinkt“ und andere „männliche“ Leidenschaften hat. Er neigt dazu, hauptsächlich mit Männern Umgang zu pflegen, und geniert sich, seiner Frau in der Öffentlichkeit Zuneigung zu zeigen, weil er das für unmännlich hält. In solchen Fällen kann Rat durch das eigene Beispiel Gutes bewirken.

      Das Tempo kann nicht erzwungen werden

      Die positiven Eigenschaften und Erfahrungen, die ein Ehepaar anfangs zusammenführten, können durch ständiges Klagen verblassen. Passende Hinweise — vielleicht auf der Grundlage des Bibelbuches Hoheslied, das von der unerschütterlichen Liebe der Sulamith zu ihrem bescheidenen Hirten handelt — könnten die starken Empfindungen wieder entfachen, die ein zerstrittenes Ehepaar früher, zur Zeit der ersten Liebe, hatte.

      Doch der Berater muß das Tempo dem Ratsuchenden anpassen. Ein professioneller Berater sagte, es sei nicht immer weise, alle zutage getretenen Fehler behandeln zu wollen, als ob man nach Vollkommenheit strebe. Vielmehr bringt er die Ehepartner so weit, daß sie ermitteln, was ihre wichtigsten Probleme sind, und in den meisten Fällen läßt er sie diese der Wichtigkeit nach aufführen — das schwierigste zuerst. Dann stellt er die Liste auf den Kopf und läßt die beiden an den leichtesten Punkten zuerst arbeiten. Auf diese Weise fällt es ihnen leichter, später die schwierigeren Probleme zu lösen.

      Beratungsmethoden sind niemals ein Ersatz für Weisheit. Der geschickteste professionelle Berater erreicht nichts, wenn er sein Geschick dazu verwendet, menschliche Theorien zu fördern, die biblischen Grundsätzen zuwiderlaufen. Ein Eheberater hingegen, der gut mit Gottes Gedanken vertraut ist, wie sie in der Bibel zu finden sind, ist in unserer schwierigen Zeit wie ein Zufluchtsort (Jesaja 32:1, 2).

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