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Seid erfüllt mit geistigem UnterscheidungsvermögenDer Wachtturm 1959 | 1. Oktober
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wirklich empfingst, warum rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?“ Wer diesen schriftgemäßen Standpunkt einnimmt, wird sich davor hüten, stolz und egozentrisch oder leicht empfindlich und nachträgerisch zu werden, wodurch es schwerfällt, mit ihm auszukommen. Er wird mit Wertschätzung für Jehovas Güte und für das Vorrecht erfüllt sein, Ihn und seinen Sohn, Christus Jesus, zu erkennen, und er wird sich selbst vergessen und nur daran interessiert sein, wie er die guten Dinge, die er besitzt, mit anderen teilen könnte.
22. Welches Extrem müssen wir, wenn wir demütig bleiben, vermeiden? Auf welche Weise?
22 Wenn wir nun demütig bleiben, ist es aber notwendig, uns vor dem anderen Extrem zu hüten, nämlich vor einem Minderwertigkeitskomplex, der uns veranlassen könnte, eine entschuldigende Haltung einzunehmen und uns über uns selbst bis zu dem Punkte der Entmutigung unzufrieden zu fühlen. Die Macht des Geistes Jehovas erkennend, weiß jemand, der einen gesunden Sinn hat, daß er mit der Hilfe Jehovas das tun kann, was Gottes Wille ihm gebietet, und so macht er sich im Glauben an irgendeinen Dienst, der ihm zugeteilt wird, heran. Darüber lesen wir in Römer 12:3 (NW): „Denn durch die unverdiente Güte, die mir gewährt wird, sage ich einem jeden, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, wie es einem gesunden Sinn entspricht, wie Gott einem jeden ein Maß des Glaubens zugeteilt hat.“
23. Wie trägt geistiges Unterscheidungsvermögen zur Eintracht unter Brüdern bei?
23 Sich selbst in Demut von diesem realistischen Standpunkt aus zu betrachten hilft einem Christen, eine ehrliche, offene und realistische Haltung gegenüber seinen Brüdern einzunehmen, und dadurch entsteht eine erquickende Gemeinschaft und eine gottgefällige Harmonie. Geistiges Unterscheidungsvermögen setzt uns instand, in Eintracht zusammenzuarbeiten und die Bedürfnisse eines jeden zu erkennen, was uns befähigt, die Eigenschaft der Liebe auf praktische Weise zum Ausdruck zu bringen. So mit geistigem Unterscheidungsvermögen erfüllt, trefft richtige Entscheidungen, „damit ihr Jehovas würdig wandelt, um ihm völlig zu gefallen, während ihr fortfahrt, in jedem guten Werke Frucht zu tragen, und damit ihr zunehmt an der genauen Erkenntnis Gottes“.
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Geistiges Unterscheidungsvermögen — ein Zeichen christlicher ReifeDer Wachtturm 1959 | 1. Oktober
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Geistiges Unterscheidungsvermögen — ein Zeichen christlicher Reife
1, 2. (a) Was braucht ein Kind wenn es vor einer neuen Sachlage steht, worauf aber wirken weise Eltern hin? (b) Welche Art von Reife ist die wichtigste?
EIN kleines Kind braucht Hilfe und muß geführt werden. Die Eltern, denen das Wohl ihres Kindes am Herzen liegt, sind jederzeit bereit, ihm die nötige Hilfe und Ratschläge zu geben, wenn das wachsende Kind sich vor neuen Situationen sieht. Zuerst müssen die Eltern die Entscheidungen für das Kind treffen. Sie sagen ihm, was gut oder schlecht, was es essen oder nicht essen darf, wann es schlafen oder spielen kann, wo es ohne Gefahr hingehen und welche gefährlichen Orte es meiden muß. Die Eltern müssen auch entscheiden, welche Schriften seinem Gesichtskreis angepaßt und für seine Erziehung nützlich sind, welche dagegen seinen Sinn verwirren könnten oder sein geistiges und moralisches Wachstum gefährden würden. Während das Kind aber an Jahren zunimmt, schulen weise Eltern es, selbst zu denken und zwischen gut und böse, weise und töricht unterscheiden zu lernen. Wenn es dann, was die Jahre betrifft, erwachsen ist, hat es auch geistige Reife erreicht.
2 Es ist wichtig, daß Eltern die Notwendigkeit erkennen, daß ihre Kinder in geistiger, ganz besonders aber in geistlicher Hinsicht, wachsen. Der Ausdruck „Reife“ kann auf viele Arten des Wachstums angewandt werden, auf das Wachstum in körperlicher, seelischer und geistiger Beziehung, doch ist die geistige Reife die wichtigste, obwohl sie in dieser Welt am meisten vernachlässigt wird.
3. (a) Wie sollte ein kluger Unterweiser jene schulen, mit denen er ein Studium betreibt? (b) Worin zeigt sich christliche Reife?
3 Das Bild von einem Kind paßt gut auf das Wachstum der christlichen Reife einer Person, die eben zur Erkenntnis der Wahrheit gekommen ist. Zuerst braucht sie Hilfe beim Studium des Wortes Gottes, dann auch persönliche Hilfe und Anleitung von einem reifen Christen. Sie muß genährt werden. Der kluge Unterweiser wird seinen Schüler dazu erziehen, selbst zu denken und zu argumentieren, so daß er sich schon bald selbst zu ernähren beginnt und an Unterscheidungsvermögen zunimmt. Ebenso wie es sich im Verständnis und in der Wertschätzung jemandes zeigt, ob er erwachsen ist, offenbart sich die Reife eines Christen durch sein geistiges Unterscheidungsvermögen, durch die Fähigkeit, zu richtigen Entscheidungen zu kommen und auf Grund biblischer Grundsätze Recht von Unrecht deutlich voneinander zu unterscheiden. Paulus drückte sich darüber treffend aus: „Denn jeder, der Milch genießt, ist unbewandert im Worte der Gerechtigkeit, denn er ist ein kleines Kind. Die feste Speise aber ist für Gereifte, für jene, die ihr Wahrnehmungsvermögen durch Gebrauch geübt haben, um zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Darum wollen wir nun, da wir die Grundlehre über den Christus beiseite gelassen haben, zur Reife vorandrängen.“ — Heb. 5:13 bis 6:1, NW.
4. (a) Was ist zur Ermutigung jener zu sagen, die erst vor kurzem mit der Wahrheit bekannt geworden sind? (b) Was ist hauptsächlich erforderlich, damit jemand zur Reife voranschreiten kann?
4 Einige Leser dieser Zeitschrift mögen erst in den letzten Wochen oder Monaten ein Studium der Bibel anhand der Wachtturm-Studienhilfsmittel begonnen haben. Solche mögen ‚im Worte unbewandert‘ sein, da sie vom geistigen Standpunkt aus gesehen, sozusagen K l e i n k i n d e r sind. Zu solchen möchten wir sagen: Setzt euer fleißiges Studium des Wortes Gottes fort, in der Zuversicht, daß ihr durch Jehovas unverdiente Güte zu christlicher Reife heranwachsen könnt. Dies erfordert nicht unbedingt viele Jahre wie für ein Kind, bis es in körperlicher Hinsicht zur Reife gelangt. Es hängt nämlich nicht allein von der mit Studium verbrachten Zeit ab, sondern hauptsächlich von der Tiefe der Herzenshingabe an Jehova sowie von der Wertschätzung für sein „Wort der Gerechtigkeit“. Fortschritte kann man nur machen, wenn man sanftmütig und lernbereit und solche Fortschritte zu machen bestrebt ist. Nachdem sich jemand die Grundlehren zu eigen gemacht hat, muß er im Verständnis der „festen Speise“ der Wahrheit weitere Fortschritte machen und damit zeigen, daß er zur Reife vorandrängt.
5. An wen sind die Worte in Hebräer 5:13 bis 6:1 in Wirklichkeit gerichtet und weshalb?
5 Als der Apostel die obenerwähnten Worte an die Hebräer schrieb, schrieb er jedoch nicht an Personen, die sich als Neuinteressierte mit der Christenversammlung verbanden. Er schrieb in Wirklichkeit an Personen, die schon einige Zeit „in der Wahrheit“ waren, aber nicht zur Reife vorangeschritten, sondern in bezug auf geistiges Unterscheidungsvermögen immer noch Kleinkinder waren. Sie legten nicht die Eigenschaften von „vollerwachsenen Männern“ an den Tag, die sie unbedingt brauchten, um das Werk des Lehrens durchführen zu können. Daher schrieb er ihnen, daß sie ‚in Anbetracht der Zeit Lehrer sein sollten‘. Sie sollten ‚Fleiß beweisen, um die volle Gewißheit der Hoffnung bis ans Ende zu haben, damit sie nicht träge werden, sondern Nachahmer derer seien, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen ererben‘. — Heb. 6:11, 12, NW.
6. Warum müssen wir fortfahren, ‚zur Reife voranzudrängen‘?
6 Hat man Reife einmal erreicht, so kann man sie doch nicht behalten, wenn man diesbezüglich nicht weitere Anstrengungen macht. Die christliche Organisation rückt beständig voran. Das Licht der Wahrheit beleuchtet sie, so daß sie in immer hellerem Lichte voranschreitet. Das trifft besonders heute, an diesem Tage, zu, da Jehova zu seinem Tempel gekommen ist, denn: „Wenn deine Gerichte die Erde treffen, so lernen Gerechtigkeit die Bewohner des Erdkreises.“ Nicht nur in Erkenntnis und Verständnis sind Fortschritte zu verzeichnen, sondern weil dies die Tage sind, in denen „diese gute Botschaft vom Königreich“ gepredigt werden soll, schult Jehova seine Zeugen wie nie zuvor, damit sie dieses Werk auf möglichst wirksame Weise durchführen können. Durch seine theokratische Organisation sorgt er beständig für neue Methoden wie auch für die Ausrüstung, die für dieses Werk nötig ist. Damit wir mit der fortschreitenden Reife der Organisation, was geistiges Verständnis und Fähigkeit zum Predigtdienste betrifft, Schritt halten, müssen wir beständig ‚zur Reife vorandrängen‘. — Mal., Kap. 3; Jes. 26:9; Matth. 24:14.
7. Was sollten wir in Verbindung mit dem Predigtdienst erkennen? Wie nur können wir weiterhin Fortschritte machen?
7 Jeder Zeuge Jehovas muß erkennen, wo er selbst bezüglich der von der Organisation gemachten Fortschritte steht. Vielleicht ist jemand schon lange mit der Wahrheit verbunden, vielleicht schon viele Jahre im Predigtdienste tätig gewesen. Eine solche Beständigkeit ist Jehova wohlgefällig. Nun besteht aber außerdem die Notwendigkeit, unterscheiden zu können, ob er mit der Neuen-Welt-Gesellschaft Schritt hält. Wenn du in der glücklichen Lage bist, schon viele Jahre im Dienste Jehovas gestanden zu haben, wird dir daran gelegen sein, zu wissen, ob du im Dienste auch tüchtig warst. Zeitigt dieser Dienst Früchte? Wird dadurch Neuen geholfen, werden sie belehrt und zu Jüngern gemacht? Wie vorhin erwähnt, ist eine der grundlegenden Voraussetzungen der Reife und des geistigen Unterscheidungsvermögens die Demut. Um genau unterscheiden zu können, welche Fortschritte wir machen, müssen wir in Demut und Ehrlichkeit einen Blick auf uns selbst werfen. Wenn wir nicht den gewünschten Fortschritt machen, sollten wir nicht zu stolz sein, Hilfe zu suchen, oder sie gar ablehnen, wenn einer der Aufseher kommt und sie uns anbietet. Wir müssen uns unserer Bedürfnisse bewußt werden, wenn wir weiterhin Fortschritte machen wollen. — Phil. 3:16.
8. (a) Wo beginnt das geistige Unterscheidungsvermögen? (b) Welches Verhältnis oder welche Gemeinschaft ist für den Christen am wichtigsten?
8 Der Beweis dieses Wachstums an christlicher Reife liegt in dem Unterscheidungsvermögen, das jemand jeden Schritt, den er tut, bei jeder Entscheidung, die er trifft, an den Tag legt. Es beginnt sogleich mit der Hingabe an Gott. Wer diesen Schritt ins Auge faßt, muß vor allem verstehen, daß er sich nicht einem Menschen hingibt, noch diesen Schritt tut, um einem Menschen zu gefallen, sei es dem Ehemann oder der Ehefrau, der Mutter oder dem Vater. Dieser Schritt ist nicht die Hingabe an eine Organisation, nicht einmal an die Neue-Welt-Gesellschaft. Er bedeutet die Hingabe an die höchste Person im Universum, an Jehova Gott, verbunden mit der Entschlossenheit, seinen Willen zu tun und ihm zu gefallen, so wie Jesus es ausgedrückt hat: „Ich bin gekommen … um deinen Willen, o Gott, zu tun.“ Wer sich also Gott hingibt, erkennt, daß er damit in die köstlichste Gemeinschaft, nämlich in Beziehungen zu Jehova selbst, tritt. Das ist ein heiliges, kostbares und „trautes“ Verhältnis, in das Jehova seine Geschöpfe aus unverdienter Güte durch Jesus Christus aufnimmt, ein Verhältnis, das nicht leichthin verletzt werden darf. — Heb. 10:7; Ps. 25:14, NW.
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