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  • Die Tausendjahrherrschaft — keine trügerische Hoffnung
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 1. Kapitel

      Die Tausendjahrherrschaft — keine trügerische Hoffnung

      1. Wie muß die Frage, ob ein von Menschen errichtetes Königreich tausend Jahre bestehen könnte, beantwortet werden?

      NUR eine Königsherrschaft, die gut, die stark ist, könnte tausend Jahre bestehen. Eine solche Herrschaft könnte aber weder von einem einzelnen Menschen noch von mehreren, die einander im Amt nachfolgen, vorbereitet, eingeführt und aufrechterhalten werden. Noch kein von Menschen errichtetes Königreich mit Königen aus einem bestimmten Geschlecht an der Spitze hat auch nur annähernd tausend Jahre bestanden.

      2. Warum ist eine Königsherrschaft, ausgeübt von einem einzigen menschlichen Monarchen, ausgeschlossen?

      2 Wie sieht es demnach mit einem Königreich aus, an dessen Spitze zehn Jahrhunderte lang ein und derselbe Monarch stehen soll? Das ist eine Unmöglichkeit! Noch nie hat ein Mensch so lange gelebt. Aus den ältesten Geschlechtsregistern geht hervor, daß Methusalah, ein Mann, der in Südwestasien wohnte, von allen Menschen auf der Erde am längsten gelebt hat. Aber sogar ihm haben zu einem Alter von tausend Jahren einunddreißig Jahre gefehlt.a In unserer modernen Zeit erreichen die Menschen nur noch einen Bruchteil jenes außergewöhnlichen Alters. In den fortschrittlichsten Ländern beträgt die Lebenserwartung dank der Medizin knapp siebzig Jahre. Bei Frauen ist sie etwa sechs Jahre höher als bei Männern. Eine Königsherrschaft, ausgeübt von einem Mann oder einer Frau, die tausend Jahre dauert, ist somit ausgeschlossen, auch wenn die Untertanen mit ihrem Herrscher noch so zufrieden wären.

      3. Was sah der vor nicht allzu langer Zeit gefaßte „Tausendjahresplan“ für die Menschheit vor?

      3 Es ist daher einleuchtend, daß wir nicht von diesem menschlichen Gesichtspunkt ausgehen, wenn wir von einer Tausendjahrherrschaft sprechen. Heute leben noch Millionen Menschen, die aus eigener Erfahrung wissen, daß vor nicht allzu langer Zeit der Versuch gemacht wurde, eine tausendjährige Herrschaft zu errichten. Dieser „Tausendjahresplan“ stammte von Adolf Hitler, der von 1933 bis 1945 als nationalsozialistischer Diktator in Deutschland herrschte. Kurz nachdem die Vereinigten Staaten von Amerika in den Zweiten Weltkrieg verwickelt worden waren, erfuhr man aus beschlagnahmten nationalsozialistischen Dokumenten deutscher Agenten, die verhaftet worden waren, und aus verschiedenen anderen Quellen, daß die Nationalsozialisten diesen Plan verfolgten. Er hatte zum Ziel, eine nationalsozialistische Weltordnung zu schaffen, die Hitler — sollte er im Zweiten Weltkrieg Sieger werden — rücksichtslos der ganzen Menschheit aufzwingen wollte. Der Plan sah eine Art Programm für Sklavenarbeit vor; die Zwangsarbeiter wollte man sich aus den nichtdeutschen Ländern holen. Dieser Plan umfaßte die künftigen tausend Jahre.

      4. Die Wiederaufrichtung welchen früheren Reiches schwebte Hitler offenbar vor, und welche Worte eines Priesters bestätigen dies?

      4 Hitler, der aus Österreich, dem Land des habsburgischen Fürstengeschlechts, stammte, schwebte offenbar die Wiederaufrichtung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vor, das von 962 bis 1806 bestand. Das bestätigen die Worte eines römisch-katholischen Priesters. Am Abend des 16. Februar 1940 sprach Dr. Edmund A. Walsh, Leiter der Auslandsdienst-Schule der Universität Georgetown, im voll besetzten Memorial-Continental-Saal in Washington (D. C.). Er umriß die deutschen Kriegsziele und sagte, sie bestünden in der „Wiederaufrichtung des Heiligen Römischen Reiches“. „Dr. Walsh erklärte, er habe Adolf Hitler sagen hören, das Heilige Römische Reich, das ein germanisches Reich war, müsse wiederaufgerichtet werden“ (New York Times, 17. Februar 1940).

      5. Was verkündete Hitler großsprecherisch in bezug auf das nationalsozialistische Reich? Doch was geschah mit seinem Plan?

      5 Großsprecherisch hatte Hitler verkündet: „Das nationalsozialistische Reich wird tausend Jahre dauern.“ Der Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, war noch zuversichtlicher und entgegnete: „Zehntausend!“ Nachdem Hitler begonnen hatte, auf dieses egozentrische Ziel zuzusteuern, gab er sich mit nichts Geringerem mehr zufrieden, als über die Welt zu herrschen oder sie zu vernichten. H. R. Trevor-Roper schreibt in seinem Buch Hitlers letzte Tage: „... obgleich als selbstverständlich angenommen wurde, daß Hitler seinem ursprünglichen Programm — Weltmacht oder Untergang — treu bleiben würde. Wenn Weltmacht nicht errungen werden konnte, würde er — darin waren sich alle, die ihn kannten, einig — den Untergang so groß machen, wie er vermochte.“ Mit gutem Grund werden nun einige vielleicht ausrufen: „Ganz wie der Teufel!“ Doch das Heilige Römische Reich wurde nicht wiederaufgerichtet, wie viele Anhänger der Religion Hitlers gehofft hatten — und der „Tausendjahresplan“ der Nationalsozialisten schlug schon nach ungefähr zwölf Jahren fehl.

      6. Welcher Herrscher, der viel früher lebte und kein Deutscher war, lernte etwas, was Hitler nicht gelernt haben mag, und wer verstand es, den Traum dieses Herrschers richtig zu deuten?

      6 Hitler, der Weltherrscher werden wollte, mag aus seinem Mißerfolg nichts gelernt haben, aber auch ihm wurde die unumstößliche Tatsache zum Verhängnis, die ein Weltherrscher des Altertums erst anerkannte, nachdem er durch Schaden klug geworden war. Dieser Weltherrscher, der kein Deutscher und auch kein Arier war, regierte länger als Hitler, nämlich dreiundvierzig Jahre (624 bis 581 v. u. Z.). Dieser Mann war König von Babylon; sein etwas langer Name war Nebukadnezar. Nun mögen wir uns daran erinnern, daß dieser semitische Weltherrscher im Jahre 607 v. u. Z. die jüdische Stadt Jerusalem zerstörte und wie Hitler ganze Einwohnerschaften verschleppte; er führte den größten Teil der überlebenden Juden als Gefangene weg in ferne Gebiete Babyloniens. Unter den Verschleppten befand sich auch der Prophet Daniel, ein Semit vom Stamme Juda. König Nebukadnezar hatte einen merkwürdigen Traum, dem er große Bedeutung beimaß und den nur der Prophet Daniel, ein Sklave, zu deuten verstand. Daniels Deutung ging in Erfüllung.

      7. Bei welcher Gelegenheit ging dieser Traum in Erfüllung, und was sollte dieser Herrscher aus seiner Erniedrigung lernen?

      7 Ein Jahr nach dem Traum begann Nebukadnezar, damals das Haupt der Weltmacht Babylon, zu prahlen, indem er sich seiner Hauptstadt Babylon, die am Euphrat lag, rühmte. Kaum hatte er seine prahlerischen Worte ausgesprochen, hörte er aus der unsichtbaren Welt — dem Himmel — eine Stimme die Worte äußern, die er in seinem Traum vernommen hatte. Nebukadnezar schreibt in seinem Bericht, den der Prophet Daniel aufbewahrt hat, hierüber: „Dir wird gesagt, o König Nebukadnezar: ,Das Königreich selbst ist von dir gewichen, und von den Menschen treibt man selbst dich weg, und bei den Tieren des Feldes wird deine Wohnung sein. Pflanzen selbst wird man dir zu essen geben so wie Stieren, und sieben Zeiten, sie werden über dir vergehen, bis du erkennst, daß der Höchste der Herrscher ist im Königreich der Menschheit und daß er es gibt, wem er will.‘ “ — Daniel 4:29-32.

      8. Von wem wurde der großsprecherische König geschlagen, und wer heilte ihn?

      8 Was folgte gleich darauf? Es ist verständlich, warum das, was danach geschah, in den babylonischen Annalen nicht enthalten ist oder warum der Bericht davon, hätte ein babylonischer Chronist ihn aufgezeichnet, aus den Annalen entfernt oder das Schriftstück, das ihn enthalten hätte, vernichtet worden wäre. Aber der Prophet Daniel, ein ehrlicher Mann, der alle Tatsachen getreu schilderte und der persönlich mit der Sache zu tun hatte, wurde dazu inspiriert, alles schriftlich festzuhalten, so daß wir es jetzt, mehr als zweieinhalbtausend Jahre später, lesen können. Der stolze König Nebukadnezar wurde auf der Stelle mit Wahnsinn geschlagen — aber nicht von Marduk (oder Merodach), dem Gott, den er am tiefsten verehrte. Der prahlerische König, der König, der im Jahre 607 v. u. Z. den heiligen Tempel in Jerusalem zerstört hatte, wurde von Gott, dem Allmächtigen, der seinen Wahnsinn hatte vorhersagen lassen, geschlagen. Und wie prophezeit und vorherbestimmt, war König Nebukadnezar „sieben“ buchstäbliche „Zeiten“ wahnsinnig und verzehrte Gras wie ein Stier auf der Weide. Der wahnsinnige König beging keinen Selbstmord wie Adolf Hitler im Jahre 1945, als Berlin, seine Hauptstadt, von der Roten Armee der Russen erobert wurde. Nachdem Nebukadnezar sieben Jahre lang wahnsinnig gewesen war, wurde er von Gott, der ihn mit Wahnsinn geschlagen hatte, geheilt, seine geistige Gesundheit wurde wiederhergestellt.

      9, 10. Wie zeigt der uns durch Daniel überlieferte Bericht (4:34-37), daß der König von Babylon aus seiner Erfahrung lernte, daß Gott der unumschränkte Herrscher ist?

      9 Lernte der König von Babylon etwas aus seiner Erfahrung? Die Antwort auf diese Frage erfahren wir aus seinem eigenen Bericht, der uns durch den Propheten Daniel überliefert worden ist. Der Bericht, in der ersten Person abgefaßt, lautet:

      10 „Und am Ende der Tage erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zu den Himmeln, und mein eigener Verstand begann zu mir zurückzukehren; und ich segnete den Höchsten selbst, und Ihn, der auf unabsehbare Zeit lebt, pries und verherrlichte ich, weil seine Herrschaft eine Herrschaft auf unabsehbare Zeit ist und sein Königreich Generation um Generation währt. Und alle Bewohner der Erde werden als bloßes Nichts geachtet, und er tut nach seinem eigenen Willen inmitten des Heeres der Himmel und der Bewohner der Erde. Und es existiert keiner, der seiner Hand wehren oder der zu ihm sprechen kann: ,Was hast du getan?‘ ... Nun lobpreise ich, Nebukadnezar, und erhebe und verherrliche den König der Himmel, weil all seine Werke Wahrheit und seine Wege Gerechtigkeit sind und weil er die, die in Stolz wandeln, zu erniedrigen vermag.“ — Daniel 4:34-37.

      11. Was wußte der König von Babylon über die „sieben Zeiten“ nicht, in denen er sich als unfähig erwies zu regieren?

      11 Nebukadnezar berichtet selbst, daß er den Thron der babylonischen Weltmacht — der dritten Weltmacht in der Reihe der sieben Weltmächte, von denen in der Bibel berichtet wird — zurückerhielt. (Daniel 4:36) Er wußte nicht, daß die „sieben Zeiten“, in denen er sich als unfähig erwies zu regieren, prophetisch auf eine längere Zeitspanne hinwiesen, auf „sieben Zeiten“ von längerer Dauer, nämlich auf die „Zeiten der Nationen“. Er wußte nicht, daß während dieser länger dauernden „sieben Zeiten“ nacheinander fünf Weltmächte auf der Erde herrschen würden — die babylonische Weltmacht, die medo-persische, die griechische, die römische und die anglo-amerikanische, die heute herrscht. Nebukadnezar ahnte auch nicht, daß diese „sieben Zeiten“ insgesamt 2 520 Jahre umfassen würden und daß sie in dem Jahr begonnen hatten, in dem er Jerusalem samt seinem Tempel zerstört hatte, und in dem Jahr enden würden, in dem die Menschheit in den Ersten Weltkrieg gestürzt würde — im Jahre 1914 u. Z. (Lukas 21:24, EB; Daniel 4:16, 23, 25, 32) Nebukadnezar ahnte auch nicht, daß der „König der Himmel“ im Jahre 1914, am Ende jener „sieben Zeiten“ umfassenden Herrschaft der Nationen, das „Königreich der Menschheit“ dem geben würde, dem er es geben wollte — seinem Messias! — Daniel 9:25.

      VORSCHAU DURCH GÖTTLICHE INSPIRATION

      12. Welche Ansicht haben die Politiker dieser Welt immer noch über das „Königreich der Menschheit“? Doch wessen Hand vermochten sie, was die Angelegenheiten der Menschen betrifft, nicht zu wehren?

      12 Die Politiker aller Länder meinen immer noch, sie seien für das „Königreich der Menschheit“ zuständig und es sei ihr eigentlicher Tätigkeitsbereich. Vor langer Zeit dachte auch Nebukadnezar, der König von Babylon, so. In neuerer Zeit dachte Adolf Hitler so, der von einem tausendjährigen politischen System träumte. Aber derjenige, von dem Nebukadnezar schließlich gezwungen war zu sagen: „Seine Herrschaft [ist] eine Herrschaft auf unabsehbare Zeit ... und sein Königreich [währt] Generation um Generation“, erweist sich immer noch als „Herrscher ... im Königreich der Menschheit“. Dieses Königtum über die Angelegenheiten der Menschen ist immer noch sein rechtmäßiger Interessen- und Tätigkeitsbereich. Die Politiker dieser Welt, die von den Geistlichen der Christenheit unterstützt werden, haben nicht vermocht, ‘seiner Hand zu wehren’, noch besitzen sie die Befugnis, zu ihm zu sagen: „Was hast du getan?“ (Daniel 4:34, 35) Er befragte diese Politiker und ihre religiösen Unterstützer nicht darüber, wem er nach Ablauf der „Zeiten der Nationen“ im Jahre 1914 u. Z. das „Königreich der Menschheit“ geben sollte. Die Politiker und ihre religiösen Verbündeten sind nicht von einer solchen Wichtigkeit, daß sie als Berater dienen könnten, er dagegen ist der ‘Höchste selbst, der auf unabsehbare Zeit lebt’.

      13, 14. Wessen Wort kann man einer Prophezeiung über eine bevorstehende Zeitspanne von tausend Jahren zuversichtlich zugrunde legen, und warum?

      13 Wessen Wort kann man somit vernünftigerweise einer Prophezeiung über eine bevorstehende Zeitspanne von tausend Jahren zugrunde legen? Der Mensch kann nicht einmal voraussagen, was am nächsten Tag sein wird. „Ihr [wißt] nicht ..., was euer Leben morgen sein wird“, sagte ein aufmerksamer Beobachter vor mehr als neunzehnhundert Jahren. (Jakobus 4:14) Anders verhält es sich mit dem ‘Höchsten selbst, der auf unabsehbare Zeit lebt’. Was bedeutet für ihn schon Zeit?

      14 Ein Mann, der nur hundertzwanzig Jahre alt wurde, sagte treffend zu ihm: „Tausend Jahre sind in deinen Augen nur wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist, und wie eine Wache [die altjüdische Nachtwache hatte eine Länge von vier Stunden] während der Nacht.“ (Psalm 90:4 und Überschrift) Nur durch einen Traum, den König Nebukadnezar eines Nachts hatte und der von dem Propheten Daniel ausgelegt wurde, sagte der Höchste voraus, wie sich die Weltgeschichte von 1914 u. Z. an, dem Jahr, in dem die Zeitperiode von 2 520 Jahren ablief, entwickeln würde. Wenn ihm das möglich war, sollte es ihm dann nicht ebensoleicht möglich sein, genau vorherzusagen, was in den tausend Jahren geschehen würde, die einige Zeit nach dem Jahre 1914 u. Z. beginnen würden? Ganz ohne Zweifel! Und wenn er bereits eine Beschreibung dieser Tausendjahrperiode gegeben hätte? Dann könnten wir aufgrund dieses Wortes zuversichtlich von einer bevorstehenden Periode von tausend Jahren sprechen.

      15. Welche Wörter werden in der lateinischen oder der griechischen Sprache zur Bezeichnung dieser tausend Jahre verwandt, und wie werden Personen genannt, die an diese Zeitperiode glauben?

      15 Diese Tausendjahrperiode bezeichnet man mit dem aus der lateinischen Sprache stammenden Ausdruck Millennium, einer Zusammensetzung der lateinischen Wörter mille („tausend“) und annus („Jahr“). In Griechenland würden die Leute diese Periode als Chiliade bezeichnen, weil das griechische Wort chilia „tausend“ bedeutet. Personen, die an diese tausend Jahre dauernde Zeitperiode glauben, werden Chiliasten sowie Millenarier genannt. In der Christenheit werden diese Ausdrücke abwertend gebraucht.

      16, 17. (a) Welche Erfahrung der Menschheit in Verbindung mit dem Jahre 1000 u. Z. läßt erkennen, daß wir an der bevorstehenden Tausendjahrperiode nicht interessiert sind, weil wir uns dem Jahre 2000 u. Z. nähern? (b) Warum ist es gut, daß das siebente Jahrtausend der Existenz des Menschen eine ganze Reihe von Jahren vor dem Jahre 2000 u. Z. beginnen mag?

      16 Man sollte sich für diese bevorstehende Tausendjahrperiode lebhaft interessieren, obwohl man sich der Gefahr aussetzt, von Personen, die kein Verständnis dafür haben, kritisiert zu werden. Aus dem geschriebenen Wort des ‘Höchsten selbst, der auf unabsehbare Zeit lebt’, können wir Näheres darüber erfahren. Unser wachsendes Interesse ist nicht darauf zurückzuführen, daß wir uns dem Jahre 2000 u. Z. nähern, dem Ende des zweiten Jahrtausends unserer Zeitrechnung. Das ist nicht das Bedeutsame. Wir wissen, was geschah, als sich die Menschheit dem Jahre 1000 u. Z., dem Ende des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung, näherte. Auf der Seite 853 des Werkes New Catholic Encyclopedia lesen wir unter dem Stichwort „Millenarismus“: „Als das Jahr 1000 nahte, nahm der Millenarismus einen Aufschwung, weil viele Eschatologen glaubten, das siebente Jahrtausend der Menschheitsgeschichte würde im Jahre 1000 n. Chr. beginnen und darauf würde eine glorreiche zehn Jahrhunderte dauernde Herrschaft Christi folgen“ (Copyright 1967).

      17 Die Zeitgrenze, da der Mensch sechstausend Jahre auf der Erde gelebt haben und da das siebente Jahrtausend seiner Existenz beginnen wird, mag eine ganze Reihe von Jahren vor 2000 u. Z. erreicht werden. Es ist gut, daß dem so ist. Heute ist die Menschheit in einem beklagenswerten Zustand, und von manchen Seiten droht ihr Vernichtung; deshalb äußern viele, die die Gefahren, die für die Existenz des Menschen bestehen, eingehend erforschen und sich damit auseinandersetzen, schwerwiegende Zweifel daran, daß die Menschheit das Jahr 2000 u. Z. erleben wird. Sie malen dieses düstere Zukunftsbild, ohne sich dabei auf den Zeitplan in dem am meisten verbreiteten heiligen Buch, der Bibel, zu stützen. Sie gehen einzig und allein von den heutigen unumstößlichen Tatsachen aus und von der jetzt nicht mehr aufzuhaltenden Entwicklung der Situation, die uns alle betrifft. Diese Männer, die Fachgrößen sind, sagen, das Menschengeschlecht habe bei weitem keine tausend Jahre mehr zu leben. Welchen Grund hast du, lieber Leser, ihnen nicht zu glauben?

      18, 19. (a) Warum ist dieses Wissen nicht Privatbesitz einer eschatologischen Geheimgesellschaft, die sich nur aus Eingeweihten zusammensetzt? (b) In wessen Namen ist dieses inhaltsreiche Buch geschrieben worden, und wieso?

      18 Der ‘Höchste selbst, der auf unabsehbare Zeit lebt’, spricht, im Gegensatz zu diesen Unglückspropheten, die alles von einen rein menschlichen Standpunkt aus betrachten, zuversichtlich davon, daß der Menschheit tausend Jahre und noch mehr bevorstehen, die großartigsten Jahre der ganzen Menschheitsgeschichte. Dieses Hoffnung einflößende Wissen ist nicht Privatbesitz einer eschatologischen Geheimgesellschaft, die sich nur aus Eingeweihten zusammensetzt, die darüber Bescheid wissen. Die Quelle dieses wertvollen Wissens ist Hunderten von Millionen Menschen in der ganzen Welt ohne weiteres zugänglich, die eine der 1 500 Sprachen oder Mundarten sprechen, in denen sie vorhanden ist. Dieses neuen Mut einflößende Wissen ist jedem zugänglich, der ein Exemplar der Heiligen Schrift besitzt.

      19 Die Bibel ist allerdings von Menschen, und dazu noch von unvollkommenen Menschen, geschrieben worden, die als Sekretär oder Amanuensis gedient haben; dennoch wird in diesem heiligen Buch nicht die Behauptung erhoben, es sei das Wort von Menschen. Es ist unter göttlicher Inspiration entstanden und ist somit im Namen des ‘Höchsten selbst, der auf unabsehbare Zeit lebt’, geschrieben worden. Bis heute steht er für das ein, was darin über die Vergangenheit und über unsere Zukunft steht. Es ist das Buch der Bücher!

      20. In welchem Bibelbuch finden wir etwas über diese tausend Jahre, und wer schrieb dieses Buch?

      20 Wo in diesem Buch können wir etwas über diese vor uns liegenden tausend Jahre und die darauf folgenden Zeitalter der Ewigkeit lesen? In dem Buch, das in der Bibel richtigerweise zuletzt erscheint. Sein Inhalt entspricht genau der Bedeutung seines Namens: Offenbarung; Enthüllung, Apokalypse. Geschrieben hat es ein Mann, den das Römische Reich als einen Verbrecher brandmarkte und auf Patmos gefangensetzte, einer Strafinsel in der Ägäis, in der Nähe der Küste von Kleinasien, der heutigen Türkei. Diese Insel ist kein mythischer Ort, sondern es gibt sie tatsächlich. Der Strafgefangene war als junger Mann am Galiläischen Meer, das damals zu der römischen Provinz Galiläa gehörte, als Fischer tätig gewesen. Es handelte sich um Johannes, den Sohn des Zebedäus; und sein Bruder, der ebenfalls Fischer gewesen war, hieß Jakobus. Johannes berichtet gleich zu Anfang der Offenbarung, daß er dieses Buch zwar geschrieben habe, aber unter göttlicher Eingebung. Doch was sollte es offenbaren oder enthüllen? Beim Lesen der Antwort, die uns lebhaft interessieren sollte, wollen wir darauf achten, wem Johannes die Verantwortung für dieses Buch zuerkennt:

      21. Wem erkennt Johannes in der Einleitung die Verantwortung für die Offenbarung zu?

      21 „In diesem Buch sind die Dinge aufgeschrieben, die Jesus Christus von Gott erfuhr und ans Licht gebracht hat. Damit sollte er den Dienern Gottes deutlich machen, was sich sehr bald ereignen muß. Christus schickte seinen Engel zu Johannes und ließ ihm diese Dinge mitteilen. Johannes hat die göttliche Botschaft genau aufgeschrieben. Dies ist sein Bericht. Jesus Christus bürgt für die Wahrheit dieser Botschaft. Er hat das alles dem Johannes gezeigt. Wer dieses Buch liest, kann sich glücklich schätzen, wenn er seine Voraussagen im Gedächtnis behält und ernst nimmt. Dies alles wird nämlich bald eintreffen.“ — Offenbarung 1:1-3, NT 68.

      22. Warum lösen die Worte „Dies alles wird nämlich bald eintreffen“ bei uns heute Freude aus?

      22 Lösen die Worte „Dies alles wird nämlich bald eintreffen“, geschrieben vor fast neunzehnhundert Jahren, bei uns, die wir im zwanzigsten Jahrhundert u. Z. leben, keine Freude aus? Gewiß wäre es jetzt, nach fast neunzehnhundert Jahren, nicht zu früh, wenn das, „was sich sehr bald ereignen muß“, bald eintreffen würde, besonders was den Anbruch der vorausgesagten „tausend Jahre“ betrifft. Wir können die Zeit besser ermitteln, wenn wir den Bericht des Johannes über die tausend Jahre und die Ereignisse, die ihnen unmittelbar vorausgehen, nachlesen; wir beginnen mit Offenbarung 19:11:

      23. Welche Merkmale kennzeichnen den Reiter auf dem weißen Pferd?

      23 „Ich sah in den geöffneten Himmel, und darin stand ein weißes Pferd. Sein Reiter wird der Wahre und Treue genannt. Er urteilt und kämpft gerecht. Seine Augen glichen einer feurigen Flamme, und auf seinem Kopf hatte er viele Kronen. Er trug einen Namen an sich, den nur er selbst kennt. Sein Mantel war voller Blut. Der Name, mit dem man ihn ruft, heißt ,das Wort Gottes‘. Die Heere des Himmels folgten ihm. Alle ritten auf weißen Pferden und trugen reines, weißes Leinen. Aus seinem Mund kam ein scharfes Schwert, mit dem er die Völker besiegen wird. Er wird sie mit eisernem Besen regieren. Er wird den Wein des göttlichen Zorns selbst in der Weinpresse auspressen. Auf seinem Mantel und seinem Beinkleid stand: ,Der König der Könige und der Herr der Herren‘.

      24. (a) Welche Einladung ergeht an die Vögel, die hoch am Himmel fliegen? (b) Was geschieht mit denen, die sich an diesem Kampf beteiligen?

      24 Dann sah ich einen Engel, der stand in der Sonne. Er rief allen Vögeln, die hoch am Himmel flogen, mit lauter Stimme zu: Kommt und sammelt euch für Gottes großes Fest. Kommt und eßt das Fleisch von Königen, Generalen und Mächtigen. Eßt das Fleisch der Pferde und ihrer Reiter, das Fleisch von allen Menschen, von Sklaven und Freien, von Großen und Kleinen! Dann sah ich das Tier zusammen mit den Königen der Erde. Ihre Heere sammelten sich, um gegen den Reiter und sein Heer zu kämpfen. Das Tier und der falsche Prophet, der vor dem Tier die Wunder getan hatte, wurden gefangengenommen. (Durch seine Wunder hatte er alle verführt, die das Zeichen des Tiers trugen oder das Standbild des Tiers verehrten.) Das Tier und der falsche Prophet wurden lebendig in einen See von Feuer geworfen, in dem Schwefel brannte. Ihre Heere wurden durch das Schwert vernichtet, das aus dem Mund dessen kommt, der auf dem Pferd reitet. Alle Vögel der Erde wurden von ihrem Fleisch satt.

      25. Was widerfährt darauf Satan, dem Teufel, und wie lange wird er sich dort befinden?

      25 Dann sah ich einen Engel aus dem Himmel kommen, der hielt die Schlüssel zum Abgrund und eine lange Kette in der Hand. Er packte den Drachen, diese alte Schlange, die auch Teufel oder Satan genannt wird, und fesselte ihn für die nächsten tausend Jahre. Der Engel warf ihn in den Abgrund, schloß den Eingang und versiegelte ihn. So konnte der Drache die Menschen während der nächsten tausend Jahre nicht mehr verführen. Wenn sie um sind, muß er für eine kurze Zeit freigelassen werden.

      26. Wer sitzt auf dem Thronsesseln, die im Himmel zu sehen sind, und was tun sie?

      26 Dann sah ich Thronsessel. Wer auf ihnen saß, hatte die Vollmacht, Gericht zu halten. Ich sah auch die Seelen der Menschen, die hingerichtet worden waren, weil sie öffentlich für Jesus und das Wort Gottes eingetreten waren. Sie hatten weder das Tier noch sein Standbild verehrt. Sie trugen auch nicht das Kennzeichen des Tiers auf ihrer Stirn oder ihrer Hand. Zusammen mit Christus lebten und herrschten sie tausend Jahre lang als Könige. (Die übrigen Toten wurden erst wieder lebendig, als die tausend Jahre um waren.) Das ist die erste Auferstehung. Die an der ersten Auferstehung teilhaben, sind glücklich zu schätzen. Sie gehören ganz Gott. Der zweite Tod kann ihnen nichts anhaben. Gott und Christus werden sie zu ihren Priestern machen und tausend Jahre lang mit ihnen herrschen.

      27. Was geht auf der Erde vor sich, wenn Satan losgelassen wird, und was geschieht mit ihm?

      27 Wenn die tausend Jahre um sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis entlassen. Er zieht aus, um die Völker Gog und Magog, die in den fernsten Weltgegenden leben, zu verführen. Sie sind so zahlreich wie der Sand am Meer, und der Satan wird sie alle zum Kampf überreden. Sie ergossen sich über die ganze Erde und umstellten das Lager des Gottesvolks und die Stadt, die Gott liebt. Aber es regnete Feuer vom Himmel, das sie vernichtete. Dann wurde der Teufel, der sie verführt hatte, in den See von Feuer und Schwefel geworfen, in dem sich schon das Tier und der falsche Prophet befanden. Dort werden sie für alle Zeiten Tag und Nacht gequält.“ — Offenbarung 19:11 bis 20:10, NT 68.

      28. (a) Nach welchen Ereignissen beginnen somit die tausend Jahre? (b) Warum müssen diese tausend Jahre also offensichtlich noch vor uns liegen?

      28 Wir bemerken, daß der Ausdruck „tausend Jahre“ in diesem Bericht sechsmal vorkommt. Wir bemerken auch, daß diese tausend Jahre erst beginnen, nachdem ein Kampf stattgefunden hat zwischen dem „König der Könige“ einerseits und den „Königen der Erde“ samt dem „Tier“ und dem „falschen Propheten“ andererseits und Satan, der Teufel, gefesselt und in den Abgrund geworfen worden ist. Das gehört zu dem, „was sich sehr bald ereignen muß“. Bis heute hat die Welt nichts dergleichen gesehen. Das zeigt deutlich, daß diese „tausend Jahre“ noch vor uns liegen. Dabei handelt es sich nicht um einen Zeitraum von unbestimmter Dauer, um einen Zeitraum, den wir nicht genau bestimmen können. Es handelt sich um buchstäbliche tausend Jahre.

      29. Welche Zeitdauer für diese tausend Jahre stimmt mit Gottes nachweislichem Zeitplan überein?

      29 Gelehrte, die behaupten, bei diesen tausend Jahren handle es sich um eine Zeitperiode von unbestimmter Dauer, sagen, sie hätten am Tag des Pfingstfestes 33 u. Z. begonnen, als Gott seinen Geist auf die neugegründete Christenversammlung in Jerusalem ausgegossen habe. Aber diese Erklärung führt zu Schwierigkeiten und zu Erklärungsversuchen, die dem widersprechen, was den geistgezeugten Christen in den mehr als 1 940 Jahren widerfahren ist, die seit jenem Pfingsttag vergangen sind, an dem die Christenversammlung zu geistigem Leben hervorgebracht wurde. Ein buchstäbliches Millennium stimmt mit Gottes nachweislichem Zeitplan überein.

      30. Warum sollten wir uns nicht davon zurückhalten lassen, uns mit dem prophetischen Bild von diesen tausend Jahren näher zu befassen?

      30 Das, was die Tausendjahrherrschaft unserer Erde bringt, ist für das ewige Leben und ewige Glück der Menschheit eine unerläßliche Voraussetzung. Wäre es daher nicht unvernünftig, wenn wir uns zurückhalten ließen, uns sofort mit dem prophetischen Bild von dem herrlichen Millennium, das der Apostel Johannes so anschaulich entworfen hat, näher zu befassen?

  • Ein Krieg zwischen Himmel und Erde geht der Tausendjahrherrschaft voraus
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 2. Kapitel

      Ein Krieg zwischen Himmel und Erde geht der Tausendjahrherrschaft voraus

      1. (a) Welcher Kampf muß gemäß der Offenbarung dem bevorstehenden Millennium vorausgehen? (b) Warum muß dieser Kampf allem Anschein nach noch vor uns liegen, und wie sollten wir dazu eingestellt sein?

      WIR haben eben eine Schilderung der Vorschau gelesen, die der Apostel Johannes von den tausend Jahren erhielt. Für diese Zeit sind so wunderbare Dinge vorausgesagt worden, daß sie das Millennium genannt wird. Aber was wird sich nach der Beschreibung des Johannes unmittelbar vor diesem herrlichen Millennium ereignen? Ein Kampf zwischen himmlischen Mächten und irdischen, menschlichen Mächten. Seit Pfingsten des Jahres 33 u. Z. — dem Festtag, an dem die Christenversammlung durch Gottes lebengebenden Geist zu geistigem Leben gezeugt wurde — hat kein solcher Kampf stattgefunden. Wohl war Jesus Christus an jenem Pfingsttag, mehr als sechzig Jahre ehe Johannes die Offenbarung über das empfing, „was sich sehr bald ereignen muß“, im Himmel, zur Rechten Gottes. (Offenbarung 1:1, 2, NT 68) Aber selbst nach der Zeit, da Johannes die Offenbarung empfing, fand kein solcher Kampf zwischen dem „König der Könige“ und den „Königen der Erde“ statt. Dieser Kampf liegt noch vor uns, und die Vorschau darauf sollte uns interessieren, denn wir steuern jetzt direkt darauf zu.

      2, 3. (a) Um was für einen Kampf handelt es sich hierbei, und wer wird daran beteiligt sein? (b) Welcher Unterschied besteht, was das Kriegführen betrifft, zwischen dem verherrlichten Jesus Christus und dem irdischen Jesus?

      2 Bei diesem bevorstehenden Kampf handelt es sich nicht um den gefürchteten dritten Weltkrieg, in dem die politischen Großmächte, die mit atomaren und chemischen Waffen bis an die Zähne gerüstet sind, alles daransetzen würden, einander völlig zu vernichten. Für diesen bevorstehenden Kampf werden alle „Könige der Erde“, ganz gleich, welche politische Ideologie sie vertreten, ihre Kräfte gegen ihren gemeinsamen Gegner vereinigen, gegen einen König und Herrn, der ihnen allen überlegen ist und der daher „König der Könige und Herr der Herren“ genannt wird. Er ist nicht Gott, denn wir lesen in Offenbarung 19:13: „Der Name, nach dem er genannt wird, ist Das Wort Gottes.“ Das ist der Titel, den der einziggezeugte Sohn Gottes im Himmel führte, als er bei seinem himmlischen Vater, Jehova Gott, lebte, vor seinem Auftreten als Mensch. — Johannes 1:1-3, 18.

      3 Jesus Christus befehligte in der Zeit, da er als Mensch auf der Erde lebte, keine kämpfenden Truppen, die auf weißen Pferden ritten, ja er unterließ es sogar, seinen Vater zu bitten, ihm zwölf Legionen Engel zu schicken, um ihm zu helfen. (Matthäus 26:52-54) Aber nach seiner Verherrlichung im Himmel und nachdem die „Zeiten der Nationen“ im Jahre 1914 u. Z. abgelaufen waren, erhielt er die Vollmacht, als der Urteilsvollstrecker Jehovas, des höchsten Richters, zu amten und die Feinde auf der Erde hinzurichten, ähnlich wie der Engel, der im Jahre 732 v. u. Z. in einer Nacht 185 000 Soldaten des Sanherib tötete, des Königs von Assyrien, der in das Land eingefallen war, das dem Volke Jehovas gehörte; diese Niederlage wurde ohne eine einzige Atombombe erzielt. (2. Könige 19:32-36; Jesaja 37:33-37) Das erklärt, warum Johannes unter Einwirkung des Geistes Gottes über Jesus Christus, der vom Himmel aus Krieg führt, schrieb: „Der darauf [auf dem weißen Pferd] sitzt, wird Treu und Wahrhaftig genannt, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit.“ — Offenbarung 19:11.

      4. Was wird es für die Nationen bedeuten, daß aus dem Mund ihres gemeinsamen Gegners ein scharfes langes Schwert hervorgeht?

      4 Dieser Krieg ist von weit größerer Bedeutung als ein dritter Weltkrieg zwischen den Nationen der Erde, die jetzt mit atomaren und chemischen Waffen ausgerüstet sind. Bei diesem Krieg werden die Nationen nicht gegen Blut und Fleisch kämpfen, sondern gegen den, der, symbolisch gesprochen, auf einem weißen Pferd sitzt, und gegen seine Engelheere des Himmels. Und wenn er seine Zunge gebraucht, um die Hinrichtung seiner Feinde zu befehlen, kommt das dem Gebrauch des langen Schwertes eines Befehlshabers gleich. Das ist der Sinn der inspirierten Worte: „Und aus seinem Munde geht ein scharfes langes Schwert hervor, daß er damit die Nationen schlage, und er wird sie mit eisernem Stabe hüten. Auch tritt er die Weinkelter des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen. Und auf seinem äußeren Kleid, nämlich auf seinem Oberschenkel, trägt er einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren.“ — Offenbarung 19:15, 16.

      5, 6. (a) Wo werden sich die Nationen zum Kampf gegen den König der Könige versammeln, und was wird zertreten und zerschmettert werden? (b) An wen richtet sich die Einladung des Engels zum „großen Abendessen Gottes“, woraus zu erkennen ist, ob die Erschlagenen auf der Erde mit militärischen Ehren bestattet werden?

      5 Dieser Krieg ist kein dritter Weltkrieg, der zwischen gottlosen, extremen Menschen ausgefochten wird, sondern der „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“. Die Nationen, die zu diesem Zeitpunkt die internationale religiöse „Hure“, Babylon die Große, beseitigt haben werden, werden in der Entwicklung der Weltgeschehnisse die Phase erreicht haben, die mit dem Ausdruck „Har-Magedon“ bezeichnet wird; wir lesen: „Und sie versammelten sie an den Ort, der auf hebräisch Har-Magedon genannt wird.“ (Offenbarung 16:14-16) Während dieser Weltsituation wird der König der Könige und Herr der Herren die trotzigen Nationen wie Trauben in einer Weinkelter zertreten, er wird also die „Kelter des Grimmes Gottes“ treten. Sie werden für ihn wie hilflose Schafe sein, die er mit „eisernem Stabe“ zerschmettert, wie ein Töpfer Tongefäße zerschlägt. (Offenbarung 14:18-20; 2:26, 27; 12:5; Psalm 2:8, 9) Wer in dem „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, auf der Erde erschlagen wird, wird nicht mit militärischen Ehren bestattet werden. Deshalb sagt der Engel Gottes, daß für die aasfressenden Vögel ein „großes Abendessen Gottes“ hergerichtet werde:

      6 „Kommt hierher“, ruft ein Engel, der in der Sonne steht, allen Vögeln zu, die in der Mitte des Himmels fliegen, „werdet versammelt zum großen Abendessen Gottes, damit ihr die Fleischteile von Königen fresset und die Fleischteile von Militärbefehlshabern und die Fleischteile von Starken und die Fleischteile von Pferden und von denen, die darauf sitzen, und die Fleischteile von allen, von Freien wie auch von Sklaven und von Kleinen und Großen.“ Und diese Beschreibung des „Krieges des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, schließt mit den Worten: „Und alle Vögel wurden von ihren Fleischteilen gesättigt.“ (Offenbarung 19:17, 18, 21) Aus der Aufzählung derjenigen, an deren Leichen sich die Aasvögel sättigen, geht hervor, daß die Nationen für diesen Krieg aller Kriege den Befehl zur totalen Mobilmachung gegeben haben und die Bevölkerung ganz auf Kriegführung ausgerichtet gewesen ist.

      7. Worum handelt es sich bei dem „wilden Tier“, das in der Schlacht von Har-Magedon auf der Seite der Könige der Erde kämpft?

      7 Über die Aufstellung der kämpfenden Parteien in der Schlacht von Har-Magedon schreibt der Apostel Johannes: „Und ich sah das wilde Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferde sitzt, und mit seinem Heere.“ (Offenbarung 19:19) Handelt es sich bei diesem „wilden Tier“ nur um ein Maskottchen, um einen Talisman, der den Heeren dieser „Könige der Erde“ Glück bringen soll? Was würde den kämpfenden Truppen ein buchstäbliches wildes Tier in der Schlacht von Har-Magedon nützen? Gar nichts! Mit dem Ausdruck „wildes Tier“ ist auch kein buchstäbliches, sondern ein symbolisches wildes Tier gemeint. Es ist ein Symbol von weltgeschichtlicher Bedeutung. Wieso? Weil damit das symbolische wilde Tier gemeint ist, das in dem 13. Kapitel der Offenbarung, in den Versen 1 bis 8 beschrieben wird; in Vers 2 wird darüber gesagt: „Und der Drache gab dem Tier seine Macht und seinen Thron und große Gewalt.“ Es ist das weltweite politische System, das der „Drache“, das heißt Satan, der Teufel, vor langer Zeit dazu geschaffen hat, als sein sichtbares Werkzeug alle Völker der Erde zu beherrschen. Es hat nicht nur über tausend Jahre lang, sondern über viertausendeinhundert Jahre lang, nämlich seit dem zweiundzwanzigsten Jahrhundert v. u. Z., Abscheuliches getrieben.

      8. Wann begann dieses symbolische wilde Tier, seine Tätigkeit zu entfalten, und wie weit dehnte es seine Macht und Gewalt aus?

      8 Dieses symbolische wilde Tier begann in den Tagen Nimrods, der buchstäbliche wilde Tiere jagte, die Erdbevölkerung auszuplündern. Etwa um das Jahr 2189 v. u. Z. veranlaßte dieser Nimrod im Lande Schinear, im Flußgebiet Mesopotamien, den Bau des Turmes von Babel. Er wurde weltberühmt, und man pflegte zu sagen: „Nimrod, ein gewaltiger Jäger im Widerstand gegen Jehova.“ Er gründete das alte oder ursprüngliche Babylonische Reich; wir lesen darüber in 1. Mose 10:10-12: „Und der Anfang seines Königreiches wurde Babel und Erech und Akkad und Kalne im Lande Schinear. Von jenem Land zog er nach Assyrien aus und machte sich daran, Ninive zu bauen und Rechoboth-Ir und Kalach und Resen zwischen Ninive und Kalach: das ist die große Stadt.“ (1. Mose 10:8-12; 11:1-9) Dieses symbolische wilde Tier, das einen so kleinen Anfang hatte, dehnte seine Macht und Gewalt über mehr und mehr Völker aus, bis sich seine politische Macht schließlich über die ganze Erde erstreckte.

      9. (a) Was stellen die sieben Köpfe des symbolischen wilden Tieres dar? (b) Gegen wen ist es mit seinen „zehn Hörnern“ vorgegangen?

      9 Im Verlauf der vergangenen Jahrtausende ließ dieses symbolische wilde Tier verschiedene Glieder seines politischen Systems als Weltmacht herrschen. Deshalb wird dieses symbolische wilde Tier im 13. Kapitel der Offenbarung mit sieben Köpfen dargestellt, die sieben aufeinanderfolgende Weltmächte versinnbilden: 1. Ägypten, 2. Assyrien, 3. Neubabylonien, 4. Medo-Persien, 5. Griechenland, 6. Rom und 7. die Doppelweltmacht Großbritannien und Amerika. Dieses siebenköpfige wilde Tier hat die Anbeter Gottes, Jehovas — zu denen auch die wahren Nachfolger Jesu Christi, des Sohnes Gottes, gehören —, von der Zeit an, als die Söhne Israels Sklaven in Ägypten waren, bis jetzt mit seinen symbolischen „zehn Hörnern“ gestoßen, durchbohrt und bedrängt. Es ist daher nicht verwunderlich, daß gemäß Offenbarung 19:19 die „Könige der Erde und ihre Heere“ mit dem „wilden Tier“ Aufstellung genommen haben gegen die Engelheere des Himmels, die mit dem sind, „der auf dem Pferde sitzt“, mit Jesus Christus!

      10. (a) Wer ist der „falsche Prophet“, der auf der Seite der Könige der Erde kämpft, und was prophezeit er? (b) Was ist das „Bild des wilden Tieres“, das auf seine Anregung hin gemacht wurde?

      10 In Offenbarung 19:20 wird noch erwähnt, daß mit den ‘Königen der Erde und ihren Heeren’ auch „der falsche Prophet“ ist, „der vor ihm [dem wilden Tier] die Zeichen tat, durch die er die irreführte, welche das Kennzeichen des wilden Tieres empfingen, und die, die seinem Bilde Anbetung darbringen“. Dieser „falsche Prophet“ ist kein religiöser Prophet, der dem religiösen Groß-Babylon angehört, sondern ein politischer Prophet. Er versinnbildet die gleiche politische Organisation, die in Offenbarung 13:11-17 bildlich beschrieben wird. Dort erscheint er als das zweihörnige wilde Tier, das anregte, von dem wilden Tier ein Bild zu machen, und das diesem Bild dann Odem gab, so daß es gebieterisch redete. Dieses zweihörnige wilde Tier versinnbildet die Doppelweltmacht Großbritannien und Amerika oder die siebente Weltmacht, und das politische „Bild“ von dem siebenköpfigen wilden Tier ist heute die Organisation zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit, die Organisation der Vereinten Nationen. Die ganze Welt weiß heute, daß die siebente Weltmacht, Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika, bestrebt ist, der Menschheit zu befehlen, und daß sie eindrucksvolle Prophezeiungen über die Zukunft der Menschheit äußert. Dabei amtet sie aber nicht als Prophet Gottes, Jehovas, als Prophet, der von ihm inspiriert wäre. Sie ist ein „falscher“ Prophet.

      11, 12. (a) Durch welche geistige Einstellung werden die Könige und ihre Heere in den Krieg von Har-Magedon getrieben? (b) Warum kann die Schlacht nur e i n e n Ausgang nehmen, und wie schildert Johannes diesen Ausgang in seiner Vorschau?

      11 Das symbolische wilde Tier ist jetzt voll entwickelt, sein siebenter Kopf besteht seit dem Jahre 1763 u. Z. Heute bestehen auch die Vereinten Nationen bereits über ein Vierteljahrhundert (wenn man von ihrem Vorgänger, dem Völkerbund, absieht). Die „Könige der ganzen bewohnten Erde“, die nur bestrebt sind, ihre eigenen nationalen Ziele zu erreichen und ihre Hoheitsrechte zu wahren, im Trotz gegen Gottes Königreich, die rechtmäßige Regierung für die Erde, werden unwiderstehlich zum „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, versammelt. Die Zeit für die beispiellose Schlacht von Har-Magedon, von der der Apostel Johannes einen vorausschauenden Überblick in Bildern erhielt, sollte ziemlich nahe bevorstehen, näher, als die mit sich selbst beschäftigten Menschen der Welt glauben! Da die „Könige der Erde und ihre Heere“ gegen Gott, den Allmächtigen, und seinen König der Könige aufmarschieren, bereit, einen totalen Krieg zu führen, kann die Schlacht nur e i n e n Ausgang nehmen. Wir können daher zuversichtlich sein, daß die prophetische Schilderung der Schlacht, die von dem Apostel Johannes stammt, zuverlässig ist. Sein Bericht lautet:

      DIE SCHLACHT VON HAR-MAGEDON

      12 „Und ich sah das wilde Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferde sitzt, und mit seinem Heere. Und das wilde Tier wurde gefaßt und mit ihm der falsche Prophet, der vor ihm die Zeichen tat, durch die er die irreführte, welche das Kennzeichen des wilden Tieres empfingen, und die, die seinem Bilde Anbetung darbringen. Noch lebendig wurden sie beide in den Feuersee geschleudert, der mit Schwefel brennt. Die übrigen aber wurden mit dem langen Schwert getötet, das aus dem Munde dessen hervorging, der auf dem Pferde saß. Und alle Vögel wurden von ihren Fleischteilen gesättigt.“ — Offenbarung 19:19-21.

      13. (a) Was schließt die feindliche Organisation alles ein, mit der es Gott, der Allmächtige, aufnehmen wird? (b) In welchem Zustand wird das „wilde Tier“ gefaßt, und wer wird es zur Strecke bringen?

      13 Aus diesem Bericht über die Schlacht geht mit Sicherheit hervor, daß Gott, der Allmächtige, es mit der ganzen sichtbaren Organisation des symbolischen Drachen, ‘der Urschlange, Teufel und Satan genannt’, aufnehmen wird. Unterstützt wird diese sichtbare weltweite Organisation, versinnbildet durch das siebenköpfige wilde Tier, von allen, die dazu gehören, nämlich von den ‘Königen der Erde und ihren Heeren’, den Militärbefehlshabern, den Starken, den Reitern, den Freien und den Sklaven, den Kleinen und den Großen. Auch der „falsche Prophet“ gehört zu diesem sichtbaren, irdischen System, denn er ist die Doppelweltmacht Großbritannien und Amerika, der beherrschende Teil des ganzen sichtbaren gegenwärtigen Weltsystems. Diese weltweite Organisation ist nicht listig genug, dem Vollzug des Urteils zu entgehen, das Gott wegen all ihrer bösen Taten über sie gefällt hat und weil sie die Menschen skrupellos ausgenutzt hat. Das symbolische wilde Tier wird samt seinem falschen Propheten „gefaßt“; ja während es seine letzten Freveltaten an den treuen Anbetern Jehovas verübt, wird es gefangengenommen. Jesus Christus, der König der Könige, wird dieses grausame wilde Tier zur Strecke bringen. Es wird gleich einem menschenfressenden Tier vernichtet werden.

      14. Was bedeutet es für das „wilde Tier“ und für den „falschen Propheten“, in den Feuersee geschleudert zu werden?

      14 Dieses abscheuliche weltweite politische Herrschaftssystem und sein politischer „falscher Prophet“ werden dann die Menschheit nie mehr ausbeuten können. Wie aus Offenbarung 19:20 hervorgeht, werden sie nicht als wirkungslose, nicht mehr funktionierende politische Institutionen, sondern „lebendig ... in den Feuersee geschleudert, der mit Schwefel brennt“. Aus diesem „Feuersee“ kommen sie nicht mehr lebendig heraus, denn bei dem Tod, der sie in der Schlacht ereilt, handelt es sich nicht um den Tod, den der Sünder Adam über alle seine Nachkommen gebracht hat. Der „Feuersee“ versinnbildet einen anderen Tod, einen ewigen Tod, aus dem es keine Auferstehung gibt. Das wird in der Offenbarung (20:14) wie folgt erklärt: „Dies bedeutet den zweiten Tod: der Feuersee.“ Alle Anstrengungen der Menschen, aus Patriotismus für den Fortbestand dieses politischen Systems zur Beherrschung der menschlichen Ordnung zu kämpfen, werden fehlschlagen!

      15. Woraus ist ersichtlich, ob es für die Herrscher und die Beherrschten, die in der Schlacht von Har-Magedon umkommen, eine Auferstehung geben wird oder nicht?

      15 Wird es eine Auferstehung für die Herrscher oder die Beherrschten geben, die auf der Seite des symbolischen wilden Tieres und des falschen Propheten gegen Gottes Königreich kämpfen, in dem sein König der Könige herrscht? Sie werden bis auf den letzten Mann ausgerottet werden. Die Zunge des kämpfenden Königs der Könige, die wie ein scharfes langes Schwert aus seinem Munde hervorgeht, befiehlt, daß sie alle hingerichtet werden, und die Engelheere des Himmels führen seine königlichen Befehle aus. Somit werden alle, die sich vorsätzlich dem messianischen Königreich Gottes entgegenstellen, getötet werden. Sie werden nicht als Gefallene gelten, die den „Heldentot“ für das Vaterland gestorben sind. Sie werden nicht in Grabmälern beigesetzt werden, auf Ehrenfriedhöfen, die dann alljährlich am „Heldengedenktag“ aufgesucht würden. Da sie einer Auferstehung unwürdig sind, wird in der Schilderung gesagt, daß ihre Leichen auf dem Schlachtfeld von Har-Magedon verstreut liegenbleiben und daß ihr Verwesungsgeruch all die Vögel anlockt, die sich von Aas ernähren. Es wird vorausgesagt: „Alle Vögel wurden von ihren Fleischteilen gesättigt.“ Beim „großen Abendessen Gottes“ werden alle Aasvögel von diesem Fleisch satt. — Offenbarung 19:17-21.

      16. Wie wird es (a) der Erde, (b) den Vögeln und (c) der Minderheit, die das wilde Tier nicht angebetet hat, in Har-Magedon ergehen?

      16 Es ist zu beachten, daß in dem Bericht nicht gesagt wird, die buchstäbliche Erde, über die die „Könige“ geherrscht haben, werde verbrannt. Nein, sondern die Erde wird auch nach dem „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, nach der Schlacht von Har-Magedon, fortbestehen. Auch alle Vögel, „die in der Mitte des Himmels fliegen“, werden noch leben und sich an den über die Erde zerstreuten Leichen sättigen. Aber auch Menschen werden den „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, überleben. Das wird in dieser Schilderung der Schlacht nicht direkt erwähnt. Dennoch muß es so sein! Warum? Weil der „falsche Prophet“ zur Zeit der Schlacht nicht alle Bewohner der Erde irregeführt haben wird. Eine kleine Minderheit wird nicht so gehandelt haben wie die, die „das Kennzeichen des wilden Tieres empfingen, und die, die seinem Bilde Anbetung darbringen“. (Offenbarung 19:20) Was ist über die „große Volksmenge“ zu sagen, die der Apostel Johannes vorher in der Vision vor dem Throne Gottes und vor dem Lamme, Jesus Christus, stehen gesehen hat? Die Glieder dieser großen Volksmenge haben in der Schlacht von Har-Magedon nicht gegen Gottes messianisches Königreich gekämpft.

      17. Wie ist gemäß Offenbarung, Kapitel sieben die „große Volksmenge“ gegenüber Gott und seinem messianischen Königreich eingestellt?

      17 Über diese Volksmenge sagt Johannes: „Sie rufen fortwährend mit lauter Stimme, indem sie sagen: ,Die Rettung verdanken wir unserem Gott, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme.‘ “ Einer der vierundzwanzig Ältesten im Himmel sagte zu Johannes, nachdem er sich über diese Volksmenge erkundigt hatte: „Das sind die, die aus der großen Drangsal kommen, und sie haben ihre langen Gewänder gewaschen und sie in dem Blut des Lammes weiß gemacht.“ (Offenbarung 7:9-14) Diese „große Volksmenge“, die „aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen“ kommt, war entschieden nicht gegen Gottes messianisches Königreich. Sie weigerte sich, das „Kennzeichen des wilden Tieres“ zu tragen und „seinem Bilde Anbetung“ darzubringen.

      18. Warum wird die Erde nicht menschenleer sein, wenn die Tausendjahrherrschaft Christi beginnt?

      18 Die „große Volksmenge“ wird somit nicht fallen wie die Menschen, die in der Schlacht von Har-Magedon hingerichtet werden, sondern sie wird „aus der großen Drangsal kommen“, deren Höhepunkt der „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, sein wird. Die Glieder der „großen Volksmenge“, die die „große Drangsal“ überleben und den Siegern, Jehova Gott und dem Lamm, Jesus Christus, zujubeln werden, als würden sie Palmzweige schwenken, freuen sich auf die vor ihnen liegenden tausend Jahre. Wenn die vortreffliche Tausendjahrherrschaft Christi beginnt, wird die Erde somit nicht menschenleer sein.

  • Sich über die visionäre Vorschau auf die tausend Jahre freuen
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 3. Kapitel

      Sich über die visionäre Vorschau auf die tausend Jahre freuen

      1, 2. (a) Wird die Erde im Krieg von Har-Magedon verbrannt werden? (b) Wieso ist das, was Satan und seinen Dämonen danach widerfährt, diesbezüglich ein Beweis?

      DER Erdball wird in Har-Magedon, dem „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, nicht in Rauch und Flammen aufgehen. Ein Beweis dafür ist das, was Satan, dem Teufel, unmittelbar nach diesem Krieg widerfährt. Wieso? Weil er und seine Dämonenengel noch in der Umgebung der Erde leben; dahin waren sie geworfen worden, weil sie den Krieg, der nach der Geburt des messianischen Königreiches Gottes im Himmel ausgebrochen war, verloren hatten. Satan und seine Dämonen waren in die Umgebung der Erde geworfen worden und mußten dort eine „kurze Frist“ bleiben. (Offenbarung 12:7-13) Weil sie auch während des „Krieges des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“ gezwungen werden, in der Umgebung der Erde zu bleiben, muß der Engel Gottes zur Erde herabkommen, um weitere Schritte gegen sie zu unternehmen. Darüber schreibt Johannes in seinem Bericht von der Vision:

      2 „Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herabkommen mit dem Schlüssel des Abgrundes und einer großen Kette in seiner Hand. Und er ergriff den Drachen, die Urschlange, welche der Teufel und der Satan ist, und band ihn für tausend Jahre. Und er schleuderte ihn in den Abgrund und verschloß diesen und versiegelte ihn über ihm, damit er die Nationen nicht mehr irreführe, bis die tausend Jahre zu Ende wären. Nach diesen Dingen muß er für eine kleine Weile losgelassen werden.“ — Offenbarung 20:1-3.

      3. Ist Satan, der Teufel, der einzige, der in den Abgrund geworfen wird, und gegen wen kann er dann nicht mehr Krieg führen?

      3 Als Satan, der Teufel, aus dem Himmel hinausgeworfen wurde, wurden auch seine Dämonenengel mit ihm hinausgeworfen und gezwungen, in der Nähe der Erde zu bleiben. Was also ihrem Herrscher widerfährt, widerfährt auch ihnen. Wie Satan, der Teufel, so werden auch sie ergriffen, gebunden und in den Abgrund geworfen, wo sie tausend Jahre bleiben werden. Das hat zur Folge, daß sie die Nationen auf der Erde nicht mehr irreführen können, außerdem wird dadurch verhindert, daß sie weiterhin gegen den Überrest der christlichen Erben des messianischen Königreiches Gottes, der noch auf Erden ist, Krieg führen. Hierüber wird in Offenbarung 12:13, 17 gesagt: „Als nun der Drache sah, daß er zur Erde hinabgeschleudert worden war, verfolgte er das Weib, das das männliche Kind [ein Sinnbild von Gottes messianischem Königreich im Himmel] geboren hatte. Und der Drache wurde zornig über das Weib und begann Krieg zu führen mit den Übriggebliebenen ihres Samens, die die Gebote Gottes halten und das Werk des Zeugnisgebens für Jesus innehaben.“

      4, 5. (a) Wird durch diesen Krieg der ganze Überrest der Königreichserben und die ganze „große Volksmenge“ getötet? Welchen Beweis haben wir diesbezüglich? (b) Von wem wird die Erde durch die Gefangensetzung Satans im Abgrund befreit werden?

      4 Obwohl der Teufel gegen den Überrest der Königreichserben, die die Gebote Gottes halten und für seinen Sohn, Jesus Christus, Zeugnis ablegen, Krieg führt, gelingt es ihm nicht, alle zu töten. Es gelingt ihm auch nicht, alle Glieder der „großen Volksmenge“ zu töten, die dieses Zeugnis für Jesus, den Messias, annehmen und die aus allen Nationen der Erde kommen und sich dem Überrest der Königreichserben anschließen, der Jehova Gott in seinem geistigen Tempel anbetet. Einen Beweis dafür, daß diese „große Volksmenge“ aus allen Rassen, Nationen und Stämmen überleben wird, finden wir in Offenbarung 7:9-15, wo es heißt: „Das sind die, die aus der großen Drangsal kommen, und sie haben ihre langen Gewänder gewaschen und sie in dem Blut des Lammes weiß gemacht. Darum sind sie vor dem Throne Gottes; und Tag und Nacht bringen sie ihm in seinem Tempel heiligen Dienst dar; und der, der auf dem Throne sitzt, wird sein Zelt über sie ausbreiten.“

      5 Somit wird die Erde zu der Zeit, da Satan und seine Dämonenengel in den Abgrund geworfen werden, nicht menschenleer sein. Sie wird dadurch lediglich von Satan, dem Teufel, und von seinen Dämonenengeln befreit werden, aber der Überrest der Königreichserben und die „große Volksmenge“ werden noch auf der Erde sein. Satan, der Teufel, und seine Dämonenengel werden während der tausend Jahre, die sie gefangen im Abgrund zubringen werden, so sein, als ‘wären sie nicht’. (Vergleiche Offenbarung 17:8.)

      WER DIE ERDE FÜR TAUSEND JAHRE REGIEREN WIRD

      6. Welche Frage erhebt sich, was die Herrschaft über die Erde betrifft, in Verbindung mit der Gefangensetzung Satans im Abgrund?

      6 Dann wird Satan, der Teufel, nicht mehr über die Menschenwelt herrschen, er wird nicht mehr der „Gott“ des Systems der Dinge sein. (Johannes 12:31; 14:30; 16:11; 2. Korinther 4:4) Wer wird während der tausend Jahre, die Satan, der Teufel, im Abgrund zubringen und in denen er sein wird, als ‘wäre er nicht’, die bewohnte Erde regieren?

      7. Was sah Johannes in der Vision, wodurch diese Frage beantwortet wird?

      7 Der Apostel Johannes sah in der Vision, wer die Erde regieren wird. Er sagt: „Und ich sah Throne, und da waren solche, die sich darauf setzten, und es wurde ihnen Macht zu richten gegeben. Ja, ich sah die Seelen derer, die mit dem Beil hingerichtet worden waren wegen des Zeugnisses, das sie für Jesus abgelegt, und weil sie von Gott geredet hatten, und die, die weder das wilde Tier noch sein Bild angebetet und die das Kennzeichen nicht auf ihre Stirn und auf ihre Hand empfangen hatten. Und sie kamen zum Leben und regierten als Könige mit dem Christus für tausend Jahre. (Die übrigen der Toten kamen nicht zum Leben, bis die tausend Jahre zu Ende waren.) Das ist die erste Auferstehung. Glücklich und heilig ist, wer an der ersten Auferstehung teilhat; über diese hat der zweite Tod keine Gewalt, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und werden als Könige die tausend Jahre mit ihm regieren.“ — Offenbarung 20:4-6.

      8, 9. (a) Wo befanden sich die Throne, die Johannes sah, und wie viele waren es? (b) Den Anbruch welchen „Tages“ sah Johannes, und was sagte Paulus darüber in Athen?

      8 Die Throne, die Johannes sah, waren nicht auf der Erde, sondern im Himmel, denn es sind die Throne derer, die als Könige mit dem Christus tausend Jahre regieren werden. Die Zahl der Throne war daher nicht unbestimmt. Ihre Zahl betrug 144 000, was der Zahl von 144 000 geistigen Israeliten entspricht, die mit dem „Siegel des lebendigen Gottes“ versiegelt sind und die dem Lamme, Jesus Christus, folgen, „ungeachtet, wohin er geht“. (Offenbarung 7:1-8; 14:1-5) Während der vergangenen Jahrtausende, in denen Satan, der Teufel, der „Herrscher dieser Welt“ gewesen ist, ist das Recht so oft mißachtet oder gebeugt worden, daß es wohltuend sein wird, wenn die Macht, die Menschheit zu richten, diesen 144 000 Mitrichtern des Herrn Jesus Christus übertragen wird. Als der Apostel Johannes diese 144 000 Throne und die Richter, die sich darauf setzten, erblickte, sah er den Anbruch des unvergleichlichen Gerichtstages, über den vor dem Areopag, dem höchsten Gerichtshof im alten Athen, vor neunzehnhundert Jahren erklärt wurde:

      9 „Gott ... hat einen Tag festgesetzt, an dem will er die ganze Menschheit gerecht richten, und zwar durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat. Als Zeichen und Beweis für seine Absicht hat er diesen Mann nach dem Tod wieder lebendig gemacht.“ — Apostelgeschichte 17:22-31, NT 68.

      10, 11. Was für „Seelen“ sah Johannes, und für welche Tätigkeit verfügten sie über die nötigen Fähigkeiten?

      10 Der Apostel Johannes zeigt auch, daß es sich bei den Richtern auf den Thronen um die 144 000 Königreichsmiterben des Herrn Jesus Christus handelt, indem er noch sagt: „Ja, ich sah die Seelen derer, die mit dem Beil hingerichtet worden waren wegen des Zeugnisses, das sie für Jesus abgelegt, und weil sie von Gott geredet hatten, und die, die weder das wilde Tier noch sein Bild angebetet und die das Kennzeichen nicht auf ihre Stirn und auf ihre Hand empfangen hatten.“ — Offenbarung 20:4.

      11 Der Apostel Johannes sah keine enthaupteten „Seelen“. Er benutzte das anschaulich wirkende Wort „Seelen“, meinte damit aber nicht, was ein spiritistisches Medium darunter versteht, nämlich den „von der körperlichen Hülle befreiten unsterblichen Teil des Menschen“. Er verwendete das Wort „Seelen“ so, wie es in den übrigen Büchern der inspirierten Heiligen Schrift gebraucht wird; er bezeichnete damit leibliche, lebende Wesen, die Bewußtsein hatten und die mit Hilfe des Leibes ihrer Persönlichkeit Ausdruck verliehen. Aber um sich als Richter auf den Thron im unsichtbaren Himmel setzen zu können, mußten sie einen geistigen Leib haben. In 1. Korinther 15, in dem Kapitel, in dem die Totenauferstehung behandelt wird, lesen wir in Vers 44: „Es wird gesät [im Tod] ein physischer Leib, es wird auferweckt ein geistiger Leib.“ Der Apostel Johannes sah somit lebende himmlische Leiber, die Bewußtsein hatten, Personen, die über die erforderlichen geistigen Fähigkeiten für die Aufgabe eines Richters verfügten; von ihnen sagte Johannes, sie seien wegen des Zeugnisses, das sie für Jesus und für das Wort Gottes abgelegt hätten, „mit dem Beil hingerichtet“ worden.

      „MIT DEM BEIL HINGERICHTET“

      12. (a) Sind alle Königreichsmiterben Christi buchstäblich mit dem Beil hingerichtet worden? (b) Werden sie von Gott in bildlichem Sinne mit dem Beil hingerichtet, oder von wem werden sie hingerichtet, und weswegen?

      12 Aber nicht alle 144 000 Königreichsmiterben Jesu Christi sind wegen des Zeugnisses, das sie für Jesus abgelegt haben, und weil sie von Gott geredet haben, mit dem Beil hingerichtet oder enthauptet worden. Jedenfalls nicht buchstäblich! Der Apostel Jakobus, der leibliche Bruder des Johannes, wurde von König Herodes Agrippa I. mit dem Schwert getötet; wahrscheinlich ließ er ihn enthaupten. (Apostelgeschichte 12:1, 2) Gemäß der Tradition soll der Apostel Paulus in Rom (Italien) enthauptet worden sein. (2. Timotheus 4:6-8) Doch nicht alle 144 000 sterben als Blutzeugen, indem sie enthauptet werden. Selbstverständlich ist es nicht Gott, der sie — weder buchstäblich noch bildlich — mit dem Beil hinrichten läßt, denn sie werden ja mit dem Beil hingerichtet, weil sie von ihm geredet haben. Hingerichtet werden sie vom Staat. Im Römischen Reich — der Apostel Johannes war als Gefangener Roms auf der Strafinsel Patmos — wurde das Recht, die Todesstrafe zu verhängen, durch ein Rutenbündel, in dessen Mitte ein Beil steckte, symbolisiert; damit wurden die Verbrecher gezüchtigt beziehungsweise enthauptet. Dieses Symbol wurde Faszes genannt, und es wurde von Liktoren den höchsten römischen Magistraten vorangetragen. Benito Mussolini, der Führer (Duce) der Faschistischen Partei, machte dieses Symbol während seines Regimes in Italien populär.

      13. Warum läßt gemäß Offenbarung 20:4 die politische Herrschaftsordnung dieser Welt oder der Staat die 144 000 Königreichserben, bildlich gesprochen, mit dem Beil hinrichten?

      13 Die politische Herrschaftsordnung dieser Welt oder der Staat richtet die 144 000 Königreichserben eigentlich hin, indem er erklärt, sie seien es nicht würdig, unter seiner Gewalt zu leben. Der Staat verurteilt sie sozusagen zum Tode. Der Apostel Johannes zeigt deutlich, warum. Wie? Indem er sagt, sie hätten „weder das wilde Tier noch sein Bild angebetet“ und sie hätten „das Kennzeichen nicht auf ihre Stirn und auf ihre Hand empfangen“. In anderen Worten, diese 144 000 Königreichserben haben den Staat nicht angebetet, keine seiner verschiedenen Formen, in denen er auf der ganzen Erde in Erscheinung tritt. Der Überrest dieser Königreichserben hat in unserem zwanzigsten Jahrhundert auch die internationale Organisation zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit, jetzt als die Vereinten Nationen bekannt, früher als Völkerbund, nicht angebetet. Das symbolische „wilde Tier“, die weltweite politische Herrschaftsordnung, wird in Har-Magedon, dem „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, vernichtet, was durch den „Feuersee ..., der mit Schwefel brennt“, versinnbildet wird. — Offenbarung 13:1-17; 14:9-11; 19:19, 20; 20:4.

      14. Was zeigt, daß die 144 000 Königreichserben das wilde Tier nicht anbeten und daß sie sein Kennzeichen weder auf ihre Stirn noch auf ihre Hand empfangen?

      14 Die 144 000 Königreichserben beten das symbolische „wilde Tier“ nicht an: Sie mischen sich nicht in die Politik ein, sie kandidieren nicht für politische Ämter, und sie beteiligen sich nicht an seinen blutigen Kriegen. Somit empfangen sie weder auf ihre Stirn noch auf ihre Hand ein Kennzeichen, denn das würde versinnbilden, daß sie Sklaven des Staates wären und ihn in seiner weltlichen Tätigkeit, die oft abscheulich ist, unterstützen würden. Die 144 000 beten aber auch das „Bild“, das „dem wilden Tier“ gemacht wurde, nicht an, sie schreiben einer von Menschen errichteten internationalen Organisation zur Erhaltung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit nicht die Rettung zu. Sie beten nur den Gott an, von dem sie reden, und sie hangen nur ihm an, dem unumschränkten Herrscher des Universums. Sie verherrlichen die irdische politische Herrschaftsordnung nicht, sondern legen für Jesus, den Sohn Gottes, Zeugnis ab, indem sie sagen, daß der Christus, der Messias, von Gott, dem Höchsten, dazu bestimmt worden ist, die Menschenwelt tausend Jahre lang zu regieren. Man braucht sich daher nicht zu wundern, daß das „wilde Tier“ die 144 000 gleichsam mit dem Beil hinrichtet.

      15. Was widerfährt schließlich allen 144 000 auf der Erde, und wie ist es möglich, daß sie sich im Himmel auf Throne setzen und als Richter amten können?

      15 Alle 144 000 Königreichserben, ganz gleich, ob sie ihr Leben auf der Erde als Blutzeugen beenden oder nicht, sterben schließlich. Wieso können sie denn in das Königreich der Himmel eingehen und sich im Himmel als Richter auf diese Throne setzen? Das ist ihnen möglich, nicht weil sie eine unsterbliche Seele haben, sondern weil sie von den Toten auferweckt werden. Johannes sagt darüber: „Und sie kamen zum Leben und regierten als Könige mit dem Christus für tausend Jahre.“ — Offenbarung 20:4.

      16. Als was für Geschöpfe kommen sie wieder zum Leben, und wie hoch ist ihre Lebenserwartung nun?

      16 Sie kamen nicht auf der Erde, als Menschen oder Menschenseelen, „zum Leben“, sondern im Himmel, als Geistsöhne Gottes. Als solche sieht sie der Apostel Johannes in der Vision. Ihre Lebenserwartung ist weit höher als die der Menschen heute. Sie werden länger leben als Methusalah, der 969 Jahre alt wurde. (1. Mose 5:25-27) Sie werden tausend Jahre mit Christus regieren und dann bis in alle Ewigkeit weiterleben, denn bei ihrer Auferstehung von den Toten werden sie mit Unsterblichkeit bekleidet. (1. Korinther 15:50-57) In dem Augenblick ihrer Auferstehung erlangen sie die ganze Fülle des Lebens ohne jeden Mangel, ohne Vergänglichkeit, ohne irgendeine Unvollkommenheit, mit der vorher ihre sterblichen Fleischesleiber behaftet gewesen waren und die sie von den Sündern Adam und Eva ererbt hatten. Sie haben vollkommenes Leben und sind von Gott, dem Allmächtigen, für gerecht und des ewigen Lebens im Geiste für würdig erklärt worden. — 1. Korinther 15:42-55.

      17. (a) Wird die „große Volksmenge“, die die „große Drangsal“ überlebt, unmittelbar nachdem Satan in den Abgrund geworfen worden ist, vollkommen gemacht werden? (b) Wann wird es diesen Menschen möglich sein, die Gesetze Gottes vollkommen zu halten, und warum?

      17 Um den Unterschied zwischen dem Zustand, in den sie unverzüglich bei ihrer Auferstehung gelangen, und dem Zustand, in dem sich die übrige Menschenwelt zu Anfang der tausend Jahre befindet, hervorzuheben, führt der Apostel Johannes weiter aus: „Sie kamen zum Leben und regierten als Könige mit dem Christus für tausend Jahre. (Die übrigen der Toten kamen nicht zum Leben, bis die tausend Jahre zu Ende waren.)“ (Offenbarung 20:4, 5) Das beweist, daß nicht einmal die Glieder der „großen Volksmenge“, die Gott in seinem geistigen Tempel anbetet und die die „große Drangsal“ überlebt, sofort nachdem Satan, der Teufel, und seine Dämonen in den Abgrund geworfen worden sind, menschliche Vollkommenheit erlangen und für würdig erklärt werden, ewig auf der Erde zu leben. Die Unterstützung und die Segnungen, die ihnen durch die Tausendjahrherrschaft Jesu Christi zukommen werden, werden es ihnen ermöglichen, allmählich zu menschlicher Vollkommenheit zu gelangen und die Fähigkeit zu entwickeln, als Mensch zu leben, ohne zu sündigen, und die Gesetze Gottes vollkommen zu halten. Aber was geschieht mit den Milliarden Menschen, die im Tode schlafen und die in den Gedächtnisgrüften der Erde oder im Wasser begraben liegen?

      18. (a) Welcher Mensch, der Jesus gegenüber Mitgefühl bewies, wird zu denen gehören, die während der tausend Jahre aus dem Hades hervorkommen (b) Wann werden diese von den Toten Auferstandenen menschliche Vollkommenheit erlangt haben, und wie wird dies vor sich gehen?

      18 Aus der Vorschau, die Johannes von den tausend Jahren erhielt, geht hervor, was ihnen widerfahren wird. Wir lesen: „Und das Meer gab diejenigen Toten heraus, die darin waren, und der Tod und der Hades gaben diejenigen Toten heraus, die darin waren, und sie wurden als einzelne gerichtet gemäß ihren Taten.“ (Offenbarung 20:13) Unter denen, die aus dem Hades oder dem allgemeinen Grab der verstorbenen Menschen hervorkommen, wird der Übeltäter sein, der neben Jesus an einem Pfahl hingerichtet wurde und zu dem Jesus sagte: „Wahrlich, ich sage dir heute: Mit mir wirst du im Paradiese sein.“ (Lukas 23:43, Rei; NW) Wenn dieser Übeltäter aus dem Hades hervorkommen wird, wird das Königreich Jesu Christi das irdische Paradies für die Menschheit wiederhergestellt haben. In diesem Paradies wird der Übeltäter mit allen anderen Menschen, die von den Toten auferstanden sind, Gelegenheit haben, einen anderen Lebenswandel zu führen und von seiner menschlichen Unvollkommenheit und Sündhaftigkeit geheilt zu werden. So wird er bis zum Ende der tausend Jahre der Herrschaft Christi das Ziel, menschliche Vollkommenheit in Gottes Bild und Gleichnis, erreichen können. Alle Menschen auf der Erde, die bis zum Ende der tausend Jahre Vollkommenheit und Sündlosigkeit erreicht haben, müssen sich jedoch, um als vollkommene Menschen am Leben zu bleiben, noch einer Schlußprüfung unterziehen, die zeigen wird, ob sie gegenüber Gottes unumschränkter Herrschaft über das Universum loyal sind oder nicht.

      19. (a) Wie sind also die Worte zu verstehen: „Die übrigen der Toten kamen nicht zum Leben, bis die tausend Jahre zu Ende waren.“? (b) Was geschieht mit denen, die die Prüfung ihrer Treue zur Herrschaft Gottes nicht bestehen?

      19 Der höchste Richter, Jehova Gott, wird die zur Vollkommenheit gelangten Menschen auf der Erde, die ihre Lauterkeit bewahren und treu zu der rechtmäßigen Herrschaft Gottes halten, gerechtsprechen. Er wird erklären, daß diese schuldlosen Menschen würdig sind, ewig zu leben, und er wird ihnen das Recht auf ein endloses glückliches Leben im irdischen Paradies gewähren. Diese gehorsamen Menschen, die von jeder Verurteilung frei sein werden, werden dann von Gottes vollkommenem Standpunkt aus wirklich zum Leben gekommen sein. So also sind die Worte zu verstehen: „Die übrigen der Toten kamen nicht zum Leben, bis die tausend Jahre zu Ende waren.“ (Offenbarung 20:5) Die zur Vollkommenheit gelangten Menschen, die nach Ablauf der tausend Jahre die Prüfung ihrer Treue zu Gott nicht bestehen, werden, wie Johannes in seiner Vorschau zeigt, für immer vernichtet werden. Er sagt: „Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geschleudert. Dies bedeutet den zweiten Tod: der Feuersee. Und wer irgend im Buche des Lebens nicht eingeschrieben gefunden wurde, wurde in den Feuersee geschleudert.“ (Offenbarung 20:14, 15) Diese Untreuen werden somit kein ewiges Leben erlangen.

      „DIE ERSTE AUFERSTEHUNG“

      20—22. (a) Warum erhebt sich dadurch, daß Johannes von einer „ersten Auferstehung“ spricht, in Verbindung mit Epheser 2:1-6 eine Frage? (b) Warum erhebt sich in bezug auf Kolosser 2:11-13, wo Paulus über die christliche Beschneidung spricht, eine ähnliche Frage?

      20 Nachdem der Apostel Johannes die Worte über die „übrigen der Toten“ eingeflochten hat, spricht er wieder von der Auferstehung derer, die „mit dem Beil hingerichtet worden waren wegen des Zeugnisses, das sie für Jesus abgelegt, und weil sie von Gott geredet hatten“, und sagt dann: „Das ist die erste Auferstehung. Glücklich und heilig ist, wer an der ersten Auferstehung teilhat; über diese hat der zweite Tod keine Gewalt, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und werden als Könige die tausend Jahre mit ihm regieren.“ — Offenbarung 20:5, 6.

      21 Handelt es sich bei der hier erwähnten „ersten Auferstehung“ der 144 000 Königreichsmiterben Jesu Christi um die gleiche Auferstehung, von der der Apostel Paulus in Epheser 2:1-6 spricht? Dort schreibt der Apostel an die im ersten Jahrhundert in der Stadt Ephesus (Kleinasien) lebenden Christen: „Euch ..., die ihr tot waret durch eure Fehltritte und Sünden, in denen ihr einst nach der Weise dieses Weltlaufs wandeltet, nach der Art des Herrschers im Luftreich, des Geistes, der jetzt noch in den Söhnen des Ungehorsams wirksam ist. ... Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat um seiner großen Liebe willen, mit der er uns liebte, auch uns, die wir tot waren durch Übertretungen, mit Christus zusammen lebendig gemacht — aus Gnade also seid ihr gerettet —, und er hat uns in Christus Jesus miterweckt und mitversetzt in die Himmel“ (die katholische Jerusalemer Bibel, 1968).

      22 Als der Apostel Paulus an die Christen in Kolossä (Kleinasien) über die christliche Beschneidung schrieb, erwähnte er einen ähnlichen Gedanken: „In ihm seid ihr auch beschnitten worden ... durch die Beschneidung Christi. In der Taufe mit ihm begraben, wurdet ihr auch in ihm auferweckt durch den Glauben an die Macht Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. Auch euch, die ihr tot wart durch eure Vergehen und durch euer unbeschnittenes Fleisch, euch hat er mit ihm lebendig gemacht; gnädig hat er uns alle Vergehen verziehen.“ — Kolosser 2:11-13, JB.

      23. (a) Was wird aufgrund dessen, daß diese Bibeltexte auf eine der ersten Erfahrungen im Leben eines Christen hinweisen, in der New Catholic Encyclopedia über die „erste Auferstehung“ gesagt? (b) Was wird darin deshalb über Satans Fesselung für tausend Jahre gesagt?

      23 Wir müssen zugeben, daß es zu den „ersten“ Erfahrungen im Leben eines Christen gehört, in bildlicher Weise oder in geistigem Sinne aus dem Tod ins Leben hinüberzugehen. In dem Werk New Catholic Encyclopedia (Copyright 1967) wird diese Erfahrung für die in Offenbarung 20:5, 6 erwähnte „erste Auferstehung“ gehalten; unter dem Stichwort „Millenarismus“ wird darin ausgeführt:

      ... Die „erste Auferstehung“ symbolisiert die Taufe, ... durch die man an der Auferstehung Christi teilhat. ... Alle Gläubigen, die Gläubigen auf der Erde und die Gläubigen im Himmel, nehmen an der Tausendjahrherrschaft Jesu teil — symbolisch für die ganze Daseinsdauer der Kirche in ihrem glorreichen Zustand von der Auferstehung Christi bis zum Jüngsten Gericht ... Die Fesselung Satans in der gleichen Zeitspanne bedeutet, daß der Einfluß Satans zwar nicht völlig beseitigt worden ist, aber merklich abgenommen hat. Die Verringerung des Einflusses Satans ist die Folge der Wirksamkeit der Erlösungstat Christi. Nach einem Schlußkampf kurz vor dem Ende der Weltzeit ... wird Satan vollständig von Christus besiegt werden. ...

      24, 25. Als wie lang hat sich die „Daseinsdauer der Kirche“, die zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z. gegründet wurde, erwiesen, und was sagt Paulus über das Regieren als Könige zur damaligen Zeit innerhalb der Christenversammlung?

      24 Stimmt diese Erklärung der „ersten Auferstehung“ mit dem überein, was Johannes in Offenbarung 20:1-6 schreibt? Die „Daseinsdauer der Kirche“, die am Tag des Festes der Wochen im Jahre 33 u. Z. — als die ersten Glieder der Christenversammlung in Jerusalem mit Gottes heiligem Geist getauft wurden — gegründet wurde, hat sich bis jetzt nicht nur als tausend Jahre lang, sondern als fast zweitausend Jahre lang erwiesen. Hat in diesen fast zwei Jahrtausenden eines der Glieder der wahren Christenversammlung „regiert“ — und wäre es auch nur in der Versammlung selbst?

      25 Wer von den Aposteln hat in dieser Weise „regiert“? Der Apostel Paulus jedenfalls nicht! Denn er schrieb an gewisse ehrgeizige Glieder der Versammlung in Korinth: „Habt ihr etwa OHNE uns als Könige zu regieren begonnen? Und ich wünsche in der Tat, ihr hättet als Könige zu regieren begonnen, damit auch wir mit euch als Könige regieren könnten. Denn mir scheint, daß Gott uns, die Apostel, zuletzt zur Schau gestellt hat als zum Tode bestimmte Menschen, denn wir sind der Welt ein Schauspiel geworden, sowohl Engeln als auch Menschen.“ (1. Korinther 4:8, 9) Dem Timotheus, der ihn auf seinen Missionsreisen begleitet hatte, setzte er auseinander, daß der Christ erst, nachdem er als Mensch gestorben ist, regieren wird. Er sagte: „Zuverlässig ist das Wort: Gewiß, wenn wir mitgestorben sind, werden wir auch mitleben; wenn wir weiterhin ausharren, werden wir auch als Könige mitregieren; wenn wir verleugnen, wird auch er uns verleugnen.“ — 2. Timotheus 2:11, 12.

      26. Was erfahren wir aus den Worten Jesu an die Laodicener in bezug auf die Frage, ob ein Christ vom Tag seiner Taufe an auf der Erde regieren würde?

      26 Und was schrieb der Apostel Johannes? Als er auf der Insel Patmos — ein römischer Verbannungsort — in Gefangenschaft war, zeichnete er folgende Worte des auferstandenen Herrn Jesus Christus, die er an die Christen in Laodicea richtete, auf: „Wer siegt, dem will ich gewähren, sich mit mir auf meinen Thron zu setzen, so, wie ich gesiegt und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.“ (Offenbarung 3:21) Jegliches Regieren sollte zukünftig sein, nachdem die treuen Jünger Jesu Christi als Menschen gestorben wären. Es ist nicht die Rede davon, daß der Christ von dem Tage an, da er im Wasser getauft wird, auf der Erde regieren würde.

      27, 28. (a) Werden sie in Offenbarung 20:4 so dargestellt, als kämen sie von einem sinnbildlichen Tod zum Leben, den sie dadurch erleiden, daß sie sich bereitwillig taufen lassen? (b) Durch welches Mittel und weswegen wird gemäß der Darstellung ihr Tod herbeigeführt, und um eine Auferstehung von was für einem Tod muß es sich daher bei der „ersten Auferstehung“ handeln?

      27 Durch was für eine Auferstehung „kamen [sie] zum Leben und regierten als Könige mit dem Christus für tausend Jahre“? Durch eine sinnbildliche Auferstehung oder durch eine buchstäbliche Auferstehung von dem tatsächlichen Tod und aus dem Grab? Offenbarung 20:4 spricht nicht davon, daß sie von dem sinnbildlichen Tod, den sie bereitwillig erleiden, wenn sie sich im Wasser taufen lassen wie Jesus, zum Leben kommen. Nein, sondern es ist der Tod, den sie erleiden, wenn sie „mit dem Beil hingerichtet“ werden „wegen des Zeugnisses, das sie für Jesus abgelegt, und weil sie von Gott geredet hatten“.

      28 Es ist nicht ihr Wille, daß sie „mit dem Beil hingerichtet“ werden, sondern es ist der Wille der Feinde Gottes und Christi, und sie werden nach ihrer Wassertaufe hingerichtet, und es geschieht, weil sie bezeugen, daß Jesus der Christus ist, und weil sie sagen, Gott sei der rechtmäßige Herrscher des Universums (einschließlich unserer Erde). Der Strafvollzug „mit dem Beil“ hat schließlich den buchstäblichen Tod als Mensch zur Folge. Somit kommen sie von einem buchstäblichen Tod, einem Tod als Mensch, und nicht von einem sinnbildlichen Tod, der bei der Wassertaufe erfolgt, „zum Leben“, um als Könige zu regieren. Sie beginnen auch nicht nach einer geistigen Auferstehung, die auf ihre Wassertaufe folgt, auf der Erde als Könige zu regieren. Bei der Auferstehung, die in Offenbarung 20:4-6 erwähnt wird, handelt es sich um die wirkliche, buchstäbliche Auferstehung aus dem Todesschlaf im Scheol oder im allgemeinen Grab der ganzen Menschheit.

      29, 30. (a) Kann von denen, die nur eine sinnbildliche Auferstehung erfahren haben, gesagt werden, ‘der zweite Tod habe keine Gewalt über sie’? (b) Was sagt Paulus hierüber in Hebräer 10:26-31?

      29 Einen weiteren Beweis dafür sollte man nicht übersehen: In Offenbarung 20:6 wird gesagt: „Glücklich und heilig ist, wer an der ersten Auferstehung teilhat; über diese hat der zweite Tod keine Gewalt.“ Der zweite Tod wird durch den „Feuersee ... der mit Schwefel brennt“, versinnbildet. (Offenbarung 19:20; 20:14) Trifft das auf die Christen zu, die nur im Wasser getauft worden sind und die als solche, die in ihren Verfehlungen und Sünden tot gewesen waren, in geistigem Sinne lebendig gemacht und in geistigem Sinne mitauferweckt worden sind und mitsitzen „in den himmlischen Örtern in Gemeinschaft mit Christus Jesus“? (Epheser 2:1, 5, 6) Nein, diese getauften Christen können, während sie auf der Erde geprüft werden, untreu werden, was als Strafe den „zweiten Tod“ zur Folge hat, das heißt absolute Vernichtung. Deshalb schrieb der Apostel Paulus warnend an die getauften, gesalbten Christen in Korinth (Griechenland): „Wer daher denkt, er stehe, der sehe zu, daß er nicht falle.“ (1. Korinther 10:12) Auch in Hebräer 10:26-31 werden die getauften, gesalbten Christen wie folgt gewarnt:

      30 „Denn wenn wir willentlich Sünde verüben, nachdem wir die genaue Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, wohl aber ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerichts und eine feurige Eifersucht, die die Gegner verzehren wird. Jemand, der das Gesetz Mose mißachtet hat, stirbt ohne Erbarmen auf das Zeugnis von zwei oder drei Personen hin. Einer wieviel strengeren Strafe, denkt ihr, wird der wert geachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und der das Blut des Bundes, durch das er geheiligt worden ist, als von gewöhnlichem Wert geachtet und der den Geist der unverdienten Güte durch Verachtung gröblich verletzt hat? Denn wir kennen den, der gesagt hat: ,Mein ist die Rache; ich will vergelten‘ und wiederum: ,Jehova wird sein Volk richten.‘ Es ist etwas Furchtbares, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“

      31. Was wird in Hebräer 6:4-8 hierüber gesagt?

      31 Auch in Hebräer 6:4-8 lesen wir: „Es ist unmöglich, diejenigen, die ein für allemal erleuchtet worden sind und die die himmlische freie Gabe geschmeckt haben und die des heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und die das vortreffliche Wort Gottes und die Kräfte des kommenden Systems der Dinge geschmeckt haben, die aber abgefallen sind, wiederum zur Reue zu beleben, da sie den Sohn Gottes für sich aufs neue an den Pfahl bringen und ihn der öffentlichen Schande aussetzen. Der Boden zum Beispiel, der den oft auf ihn fallenden Regen trinkt und dann Pflanzenwuchs hervorbringt, der für die brauchbar ist, für die er auch bebaut wird, empfängt dafür Segen von Gott. Bringt er aber Dornen und Disteln hervor, so wird er verworfen und ist nahe daran, verflucht zu werden; und er endet mit Verbrennung.“

      32. An welcher Auferstehung haben die Christen teil, über die der „zweite Tod“ keine Gewalt haben wird oder denen er nicht mehr schaden kann?

      32 Das zeigt, daß es sich bei der „ersten Auferstehung“ nicht um jene symbolische Auferstehung handelt, die der Wassertaufe folgt und nach der für den Getauften immer noch die Möglichkeit besteht, mit dem „zweiten Tod“ bestraft zu werden; dieser hat über ihn immer noch „Gewalt“. Es handelt sich um die wirkliche, buchstäbliche Auferstehung aus dem Scheol zu geistigem Leben als Sohn Gottes in dem unsichtbaren Himmel, in den Jesus Christus auffuhr. Darauf bezieht sich folgende Verheißung Jesu: „Erweise dich treu selbst bis in den Tod, und ich will dir die Krone des Lebens geben. Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt: Wer siegt, der wird keinesfalls vom zweiten Tode Schaden erleiden.“ (Offenbarung 2:10, 11) Allen, die an der „ersten Auferstehung“ teilhaben, kann der „zweite Tod“ nicht mehr schaden, sie sind seiner „Gewalt“ nicht mehr unterworfen, weil sie bei dieser Auferstehung mit Unsterblichkeit und Unverweslichkeit bekleidet worden sind. — 1. Korinther 15:53, 54.

      33. In welch doppelter Hinsicht kann sie als die „erste Auferstehung“ bezeichnet werden?

      33 Wir verstehen jetzt, warum diese Auferstehung „die erste Auferstehung“ genannt wird. Sie wird so genannt, weil es sich dabei um die gleiche Auferstehung handelt, die Jesus Christus am dritten Tag nach seinem Tod erlebt hat, eine Auferstehung zu sofortiger Fülle des Lebens, so daß der auferstandene Jesus Christus „der Erstgeborene von den Toten“ wurde. (Offenbarung 1:5; Kolosser 1:18) Sie geht vor sich, ehe „die übrigen der Toten“ ‘zum Leben kommen’. Diese Auferstehung ist nicht nur, was den Zeitpunkt betrifft, die „erste“, sondern auch, weil es die beste ist, die Tote erleben können. Es ist eine Auferstehung zu unverweslichem, unsterblichem Leben als Geistsohn Gottes im Himmel Gottes.

      34. Inwiefern sind diejenigen, die an der „ersten Auferstehung“ teilhaben, heilig?

      34 So kann fürwahr ausgerufen werden: „Glücklich und heilig ist, wer an der ersten Auferstehung teilhat.“ (Offenbarung 20:6) Sie sind wahrhaft „heilig“, denn sie können nicht mehr untreu werden, was mit dem „zweiten Tod“ bestraft würde. Diese Auferstehung ermöglicht es ihnen auch, „Priester Gottes und des Christus“ zu sein und „als Könige die tausend Jahre mit ihm“ zu „regieren“. Dann wird die Welt nicht von Satan, dem Teufel, regiert werden.

      EIN TATSÄCHLICHER, FEST BEGRENZTER ZEITRAUM VON „TAUSEND JAHREN“

      35, 36. (a) Haben Christen festgestellt, daß der Einfluß Satans seit ihrer Taufe zufolge der „Wirksamkeit der Erlösungstat Christi“ geringer geworden wäre? (b) Was würde gemäß den ermahnenden Worten des Petrus und des Paulus vielmehr der Fall sein?

      35 Die Fesselung und Gefangensetzung Satans, des Teufels, und seiner Dämonenengel im Abgrund bedeutet also nicht, wie das Werk New Catholic Encyclopedia schreibt, daß der Einfluß Satans während des gegenwärtigen Systems der Dinge als Folge der „Wirksamkeit der Erlösungstat Christi“ merklich abnehme. Die wahren Christen auf der Erde haben gewiß nichts davon gemerkt, daß der Einfluß Satans seit ihrer Wassertaufe geringer geworden wäre, daß er merklich abgenommen hätte. Im Gegenteil, der Apostel Petrus betrachtete es als notwendig, gegen Ende seines irdischen Lebens die Christen wie folgt zu warnen: „Bleibt besonnen, seid wachsam. Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht jemand zu verschlingen.“ (1. Petrus 5:8) Aus dem gleichen Grund gab der Apostel Paulus ihnen den Rat:

      36 „Legt die vollständige Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Machenschaften des Teufels standzuhalten vermögt; denn unser Ringkampf geht nicht gegen Blut und Fleisch, sondern gegen die Regierungen, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geistermächte in den himmlischen Örtern. Darum nehmt die vollständige Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tage zu widerstehen und, nachdem ihr alle Dinge gründlich getan habt, standzuhalten vermögt.“ — Epheser 6:11-13.

      37. Was ist aus Offenbarung 12:17 in bezug auf die Frage, ob Satan seit der Erlösungstat Christi bildlich gefesselt ist, ersichtlich?

      37 Außerdem beschreibt der Apostel Johannes gemäß Offenbarung 12:1-17 in Bildersprache die Geburt des messianischen Königreiches Gottes und die Dinge, die der „große Drache“, die „Urschlange“, „Teufel und Satan genannt“, treibt, nachdem er aus dem Himmel hinaus- und auf unsere Erde geworfen worden ist. Als besondere Warnung für wahre Christen im zwanzigsten Jahrhundert, in dem diese Dinge geschehen würden, fügte Johannes die Worte hinzu: „Und der Drache wurde zornig über das Weib und begann Krieg zu führen mit den Übriggebliebenen ihres Samens, die die Gebote Gottes halten und das Werk des Zeugnisgebens für Jesus innehaben.“ (Offenbarung 12:17) Hört sich alles das so an, als würde die Macht und der Einfluß Satans gegenüber Christen nach ihrer Wassertaufe merklich abnehmen? Ist das eine Fesselung Satans?

      38. Satan wird gefesselt und in den Abgrund geschleudert, damit er wen nicht mehr irreführe?

      38 Doch warum wird, gemäß den Worten des Apostels Johannes, Satan, der Teufel, ergriffen, gefesselt und in den Abgrund geschleudert? Es geschieht, „damit er die Nationen nicht mehr irreführe, bis die tausend Jahre zu Ende wären“. (Offenbarung 20:1-3) Mit dem Ausdruck „Nationen“ meint Johannes nicht die getauften, gesalbten 144 000 Königreichserben, sondern Menschen, die keine wahren, echten Nachfolger und Nachahmer des Herrn Jesus Christus sind. Zu der Zeit, da der Teufel aus dem Himmel hinausgeworfen wird, wird er als „Satan ..., der die ganze bewohnte Erde irreführt“, bezeichnet. (Offenbarung 12:9) Die treuen 144 000 Königreichserben gehören nicht zu diesen „Nationen“ der bewohnten Erde, die irregeführt werden. Dadurch, daß Satan, der Teufel, und seine Dämonenengel gebunden und in den Abgrund geworfen werden, soll verhindert werden, daß die „Nationen“ — nicht die 144 000, die an der „ersten Auferstehung“ teilhaben — noch weiter in die Irre geführt werden.

      39. Hat Satan die Nationen seit Pfingsten des Jahres 33 u. Z. weniger irregeführt, und was wird in Offenbarung 12:12 vorhergesagt?

      39 Nun, sind diese Nationen in den mehr als 1 900 Jahren, die seit dem Fest der Wochen des Jahres 33 u. Z. vergangen sind, dem Tag, an dem die Christenversammlung in Jerusalem mit Gottes heiligem Geist getauft wurde, von Satan, dem Teufel, weniger oder in abnehmendem oder geringerem Maße irregeführt worden? Wer ist so blind und so wenig vertraut mit der Geschichte, daß er diese Frage mit Ja beantworten würde? Es ist gerade umgekehrt. Heute, in dem Zeitalter, in dem die Menschheit in bezug auf wissenschaftliche Erkenntnisse einen Höhepunkt erreicht hat, werden die weltlichen „Nationen“ irregeführt wie nie zuvor, und die Folgen sind ebenfalls schwerwiegender denn je. Warum? Weil diese Täuschung der Nationen durch Satan und seine Dämonen in sehr naher Zukunft die Vernichtung all dieser irregeführten Nationen zur Folge haben wird. Die „laute Stimme im Himmel“ hatte allen Grund, als Satan, der Teufel, hinausgeworfen wurde, zu sagen: „Wehe der Erde und dem Meer, weil der Teufel zu euch hinabgekommen ist und große Wut hat, da er weiß, daß er nur eine kurze Frist hat.“ — Offenbarung 12:10-12.

      40, 41. (a) Welches von religiösen Führern vorgebrachte Argument hinsichtlich der tausend Jahre, in denen Satan gebunden sein wird, ist somit widerlegt? (b) Was muß im Interesse der Menschheit buchstäblich geschehen, und wer setzt jetzt seine Hoffnung auf die Tausendjahrherrschaft Christi?

      40 Somit ist der Beweis erbracht, daß das von religiösen Führern der Christenheit vorgebrachte Argument, bei den „tausend Jahren“, in denen Satan, der Teufel, im Abgrund sei, handle es sich nicht um buchstäbliche tausend Jahre, sondern um die ganze „Daseinsdauer der Kirche“ auf der Erde (bereits mehr als 1 900 Jahre), nicht zutreffend ist.

      41 Nach dem Zeitplan der Bibel steht der Anbruch des siebenten Jahrtausends der Existenz der Menschheit auf der Erde kurz bevor, es wird noch zu Lebzeiten der gegenwärtigen Generation beginnen. Heute ist es für die Bewohner der Erde dringender notwendig denn je, daß Satan, der Teufel, buchstäblich gebunden und in den Abgrund geworfen wird. Die Weltgeschehnisse, die diesem Ereignis unmittelbar vorausgehen, stehen bevor; und der größte Widersacher und Bedrücker der Menschheit wird zehn Jahrhunderte im Abgrund bleiben, der versiegelt werden wird. Die Königreichsherrschaft Christi und seiner auferstandenen Versammlung, die für die menschliche Familie eine Zeit des Friedens und der Segnungen sein wird, liegt mit all ihren unvergleichlichen Möglichkeiten vor uns. Eine „große Volksmenge“, Menschen, die Gott hingegeben sind und der Bibel glauben und die jetzt ihre Hoffnung auf die Tausendjahrherrschaft Christi setzen, haben die Zusicherung von Gott, daß sie vor dem Tode bewahrt werden und die schönste Zeit der ganzen Menschheitsgeschichte erleben werden. Welch eine beglückende Aussicht für sie!

      42. Welche Fragen erheben sich hinsichtlich der Einstellung der „großen Volksmenge“ gegenüber denen, die in den tausend Jahren über sie regieren werden, und was genauer zu untersuchen ist daher jetzt angebracht?

      42 Werden die Glieder dieser „großen Volksmenge“ es nicht müde werden, tausend Jahre lang die gleiche Regierung zu haben? Werden sie nicht, lange ehe diese Zeitspanne abgelaufen sein wird, einen Regierungswechsel wünschen und fordern, daß allgemeine Wahlen ausgeschrieben werden? Oder werden sie diese himmlischen Priester und Könige, denen sie unterstehen, immer mehr liebenlernen und dankbar sein, daß diese während der von Gott festgesetzten Zeit im Amt bleiben? Das sind ernste Fragen, denn die „große Volksmenge“ wird die Gelegenheit haben, unter der Tausendjahrherrschaft des Königreiches so lange zu leben, wie jene himmlische Regierung besteht, tausend Jahre und danach bis in alle Ewigkeit. Wenn wir diese interessanten Fragen jetzt behandeln, ist es angebracht, daß wir genauer untersuchen, was für Könige und Priester amten werden und wie wertvoll ihre Dienste für die ganze Menschheit sein werden, für die Lebenden, das heißt für die, die am Leben erhalten werden, und für die Toten. (2. Timotheus 4:1) Dazu müssen wir uns mit ihrer Vergangenheit befassen und kennenlernen, welche Forderungen Gottes, des Höchsten, sie erfüllen müssen, um sich würdig zu zeigen, als Könige und Priester für tausend Jahre zu amten.

      [Bild auf Seite 31]

      Faszes

  • Könige regieren tausend Jahre ohne Nachfolger
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 4. Kapitel

      Könige regieren tausend Jahre ohne Nachfolger

      1. Wie lange gibt es schon von Menschen errichtete Königreiche, die die Bedürfnisse des Menschen nicht befriedigt haben?

      VON Menschen errichtete Königreiche haben die Bedürfnisse des Menschen nicht befriedigt. Solche Königreiche gibt es schon seit dem zweiundzwanzigsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung oder seit über 4 150 Jahren. Der erste menschliche König, der in der Geschichte erwähnt wird, ist Nimrod, der Urenkel Noahs, des Erbauers der Arche, und nach dem Bericht aus 1. Mose 10:8-12 ist anzunehmen, daß Nimrod sich selbst zum König machte.

      2. (a) Wie war Noah zur Gründung eines Königreiches eingestellt? (b) Welche Herrschaftsform ziehen die meisten Völker heute entschieden vor?

      2 Noah, der zur Zeit der Gründung des Königreiches Nimrods noch lebte, hatte diesen nicht zum König von Babel (oder Babylon) gemacht. Er machte auch sich selbst nicht zum König, sondern blieb einfach das patriarchalische Haupt der sich ausbreitenden Menschheitsfamilie. (1. Mose 9:28, 29; 10:32 bis 11:9) Heute sind es die meisten Völker müde, einen König zu haben, der eines Tages von einem erbberechtigten Nachfolger aus seiner Familie abgelöst wird. Sie ziehen den Volksstaat, eine Republik oder Demokratie mit einem vom Volk gewählten Präsidenten, entschieden vor. In demokratischen Ländern ist es das Volk nach kurzer Zeit müde, eine Regierung zu haben, deren Mitglieder zum größten Teil derselben politischen Partei angehören, und so sucht man durch die Wahl von Kandidaten einer anderen politischen Partei eine Änderung herbeizuführen.

      3. Wer hat von den von Menschen errichteten Königreichen genug, und was ließ er da, wo das erste von Menschen errichtete Königreich aufkam, verkünden?

      3 Nicht nur die Menschen sind der Herrschaft menschlicher Könige und ihrer erbberechtigten Nachfolger müde, sondern auch Gott, ja er ist heute sogar aller von Menschen gebildeten Regierungen müde.a Wenn die Menschen davon noch nicht genug haben, so doch Gott. Denn über sein Eigentum (die Erde) haben diese von Menschen gebildeten Regierungen ihre Mißherrschaft oder ihre unbefriedigende, unzulängliche Herrschaft ausgeübt. Darum ließ er an dem Ort, wo der erste Herrscher, der sich selbst zum König gemacht hatte, an die Macht gelangt war, in Babylon verkünden, daß er zu seiner Zeit alle von Menschen gebildete Regierungen vernichten werde, um den Weg für die Tausendjahrherrschaft seines Sohnes, Jesus Christus, frei zu machen. Durch seinen Propheten Daniel sagte er zu Nebukadnezar, dem König von Babylon: „In den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nie zugrunde gerichtet werden wird. Und das Königreich selbst wird an kein anderes Volk übergehen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende bereiten, und es selbst wird für unabsehbare Zeit bestehen.“ — Daniel 2:44.

      4, 5. (a) Was für Personen sind die Herrscher über die Menschheit, die von Gott geliebt werden? (b) Die Tatsache, daß diese Herrscher Gott lieben, bürgt gemäß den Worten des Apostels Johannes dafür, daß sie auch wen lieben?

      4 Aus diesem Vorhaben des Höchsten, des Gottes des Himmels, ist zu schließen, daß er diese Könige und andere politische Herrscher auf der Erde nicht liebt. Sie lieben auch ihn nicht, obwohl viele von ihnen Könige und politische Herrscher der sogenannten Christenheit sein mögen. Würden sie ihn wirklich lieben, so würden sie das tun, was Jesus Christus, der Sohn Gottes, seine Jünger tun hieß, als er zu ihnen sagte: „So fahrt denn fort, zuerst das Königreich und Seine Gerechtigkeit zu suchen“, und dann hätten sie heute kein politisches Amt in einer von Menschen gebildeten Regierung inne. (Matthäus 6:33) Es ist für die Menschheit von größter Wichtigkeit, jemand als König über sich zu haben, den der Gott des Himmels liebt. Auch die Mitregenten eines solchen Königs sollten im Interesse der Menschheit Personen sein, die Gott liebt. Aus diesem Grund werden sie von ihm in ihrem Amt belassen, ja aus diesem Grund setzt er sie überhaupt in ihr Amt ein. Sie sind und bleiben Personen, die den einen lebendigen und wahren Gott lieben. Das bedingt, daß sie auch die Menschen auf der Erde lieben. Der Apostel Johannes schrieb in diesem Zusammenhang:

      5 „Wenn jemand erklärt: ,Ich liebe Gott‘ und doch seinen Bruder haßt, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, kann Gott nicht lieben, den er nicht gesehen hat. Und wir haben dieses Gebot von ihm, daß der, der Gott liebt, auch seinen Bruder liebe.“ — 1. Johannes 4:20, 21.

      6. Wie hat es sich auf die Menschheit ausgewirkt, daß politische Herrscher darauf bestanden haben, ihre Staatsgrenzen beizubehalten und ihre nationale Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten?

      6 Menschliche Könige und andere politische Herrscher wachen eifersüchtig über ihre Landes- oder Staatsgrenzen, die die Nationen und Völker voneinander trennen. Jeder politische Herrscher sucht innerhalb seines Gebietes seine Macht aufrechtzuerhalten und erwartet von dessen Bevölkerung, daß sie ihm loyal ergeben ist. Unter dem gegenwärtigen System der Dinge ist die Erde in viele Staatsgebiete oder Länder aufgeteilt worden, und überall besteht man auf nationaler Unabhängigkeit. Das hat nicht zur Vereinigung der Menschheit beigetragen, sondern hat zu Rivalität und Feindseligkeit geführt. Es erhebt sich daher nun eine interessante Frage.

      7. Was für eine himmlische Regierung hat Gott für die Erde vorgesehen, und wie wird in Offenbarung 14:1-5 auf diese Tatsache hingewiesen?

      7 Dem göttlichen Vorhaben gemäß soll Jesus Christus nicht allein für tausend Jahre als König herrschen. Der geliebte Sohn Gottes soll auf dem himmlischen Berg Zion, dem Regierungssitz, nicht allein als König aufstehen, denn der Apostel Johannes sagt: „Ich sah, und siehe! das Lamm stand auf dem Berge Zion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die seinen Namen und den Namen seines Vaters an ihrer Stirn geschrieben trugen. ... Und sie singen gleichsam ein neues Lied vor dem Throne und vor den vier lebenden Geschöpfen und den älteren Personen; und niemand vermochte dieses Lied zu meistern als nur die hundertvierundvierzigtausend, die von der Erde erkauft worden sind. ... Diese sind es, die dem Lamme beständig folgen, ungeachtet, wohin er geht. Diese wurden als Erstlinge aus den Menschen für Gott und für das Lamm erkauft, und in ihrem Munde wurde keine Unwahrheit gefunden; sie sind ohne Makel.“ — Offenbarung 14:1-5.

      8. Welche Fragen erheben sich in Verbindung mit der Verteilung von Gebieten an die einzelnen der 144 000 Königreichsmiterben und in bezug auf die Sprachen?

      8 Da es demnach 144 001 königliche Herrscher über die Erde geben wird, erhebt sich die Frage, ob die Erde dann in 144 000 Gebiete aufgeteilt sein wird, die je einem dieser 144 000 Herrscher unterstellt sein werden, und ob die Bewohner der einzelnen Gebiete dem betreffenden König unter Jesus Christus, dem Hauptkönig, verantwortlich sein werden. Würden durch eine solche Aufteilung der Erdbevölkerung nicht Grenzen — wenn auch unsichtbare — geschaffen, was zur Folge hätte, daß gewisse Unterschiede zwischen den Bewohnern diesseits und jenseits dieser Grenzen entstehen würden? Und würde dann ein Königreichserbe, der früher chinesisch sprach, über ein Gebiet mit chinesisch sprechender Bevölkerung eingesetzt werden, ein russisch sprechender Königreichserbe über eine russisch sprechende Bevölkerung, ein englisch sprechender über eine englisch sprechende Bevölkerung usw.? Werden Sprachenschranken weiterhin ein Hindernis für die gegenseitige Verständigung sein?

      9. (a) Aus wem sind die 144 000 Königreichserben genommen worden, und aufgrund welchen Gebotes Jesu? (b) Welche Frage erhebt sich in bezug auf ihre Sprachunterschiede?

      9 Diese Fragen sind verständlich und angebracht. Doch ist hierzu zu sagen, daß aus der Bibel nicht hervorgeht, welche königlichen Aufgaben Jesus Christus, der Hauptkönig, jedem einzelnen seiner 144 000 Miterben übertragen wird. Diese 144 000 Miterben Christi sind in den vergangenen neunzehn Jahrhunderten, seit der Gründung der Christenversammlung im Jahre 33 u. Z. aus verschiedensprachigen Nationen, Völkern und Stämmen herausgenommen worden. Der auferstandene Jesus Christus sagte zu seinen Jüngern, die einige Tage vor seiner Rückkehr in den Himmel in Galiläa zusammengekommen waren: „Geht daher hin und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, tauft sie.“ (Matthäus 28:19) Könnten wir uns vorstellen, daß unter den 144 000 Mitkönigen Jesu Christi im Himmel, in königlicher Herrlichkeit, Unterschiede bestehen würden, weil sie verschiedene Sprachen sprächen, und daß sie Dolmetscher benötigten? Der Apostel Paulus sprach von „Menschen- und Engelszungen“. — 1. Korinther 13:1.

      10. Welche Sprache werden die 144 000 im Himmel sprechen, und was geschieht mit den Sprachen, die sie früher auf der Erde gesprochen haben?

      10 Ohne Zweifel werden die auferstandenen, verherrlichten 144 000 nur die eine himmlische Sprache sprechen. Die Gabe dieser Sprache wird ihnen verliehen werden, wenn sie mit einem neuen, geistigen Leib von den Toten auferstehen. Das bedeutet nicht, daß die Sprache, die sie früher auf der Erde sprachen, dann aus ihrem Gedächtnis ausgelöscht würde. Nein, denn gerade ihre frühere, menschliche Sprache wird ihnen helfen, sich als die Person wiederzuerkennen, die sie waren. Doch nach ihrer himmlischen Auferstehung werden sie die Sprache des Herrn Jesus Christus sprechen, und er wird die Sprache Jehovas, seines himmlischen Vaters, sprechen.

      E I N E RASSE, E I N E SPRACHE

      11. Was wird unter der Tausendjahrherrschaft mit den heute auf der Erde bestehenden Sprachenschranken geschehen, und wie und warum?

      11 Auch auf der Erde wird es unter der Tausendjahrherrschaft Christi und seiner 144 000 Mitkönige die Sprachenschranke nicht mehr geben. Gottes ursprünglichem Vorhaben gemäß sollte die Erde in einem vernünftigen Maß mit Menschen gefüllt werden, die alle dieselbe Sprache sprechen würden, die Sprache ihres irdischen Stammvaters, des vollkommenen Menschen Adam. Im Garten Eden sprachen die ersten Menschen nur eine Sprache. Nach der weltweiten Flut der Tage Noahs gab Gott der Menschheit einen neuen Anfang, einen Anfang unter gerechten Verhältnissen und mit einer einzigen Sprache, der Sprache des gerechten Noah, des zehnten in der Linie von Adam her. Diese Sprache wurde beibehalten, bis mit dem Bau des Babylonischen Turms begonnen wurde.

      12. Wie wird Gott die Folgen aufheben, die sein Eingreifen beim Bau des Babylonischen Turms für die Sprache der Menschen hatte?

      12 Doch dann zerstörte Gott, der Allmächtige, die Einheit der Turmbauer, die sich zur gemeinsamen Durchführung eines schlechten Werkes zusammengeschlossen hatten. Wie denn? Indem er ihre Sprache verwirrte und sie so veranlaßte, sich nach Sprachgruppen in verschiedene Gebiete der Erde zu zerstreuen. (1. Mose 11:1-9) Seinem ursprünglichen Vorhaben gemäß wird Gott bewirken, daß die ganze Menschheit schließlich wieder die Sprache spricht, die er einst dem Stammvater des Menschengeschlechts verliehen hatte, nur wird diese einen weit größeren Wortschatz haben, da sie wahrscheinlich durch die Aufnahme von Eigenheiten anderer Sprachen, die Gott beim Bau des Babylonischen Turms eingeführt hat, bereichert werden wird.

      13. Für wen werden dadurch vorübergehend Sprachprobleme entstehen? Doch welche Vorteile werden sich ergeben?

      13 Für die Menschen, die vor der Sintflut lebten (auch für die acht Überlebenden dieser Flut), wird dies kein großes Problem sein, wenn sie unter der Tausendjahrherrschaft des Königreiches Gottes zum Leben auf der Erde auferweckt werden. Doch die meisten der übrigen Menschen werden eine neue Sprache lernen müssen, die Sprache, die Gott für die ganze Menschheit bestimmt hat. Da die Königreichsregierung aber für gute Sprachlehrer sorgen wird, dürfte dies kein großes Problem sein. Selbst Kleinkindern, die auferweckt werden, wird die neue Sprache beigebracht werden können. Auf diese Weise wird es möglich sein, daß sich alle gegenseitig verständigen können, da jeder die Ausdrucksweise oder die sprachlichen Äußerungen des anderen völlig verstehen wird. Das wird sehr viel zur Vereinigung der ganzen Menschheitsfamilie beitragen. Ja ein jeder wird dann in der Lage sein, die inspirierten Hebräischen Schriftenb selbst zu lesen und festzustellen, daß sich ihre Prophezeiungen alle erfüllt haben und daß sie einen zuverlässigen Geschichtsbericht enthalten, der bis in die Zeit des Propheten Maleachi hineinreicht. Die Aufrichtigen werden dann wie der Apostel Paulus sagen können: „Gott werde als wahrhaftig erfunden, wenn auch jeder Mensch als Lügner erfunden werde.“ — Römer 3:4.

      14. Wie werden für die, die an der ersten Auferstehung teilhaben, die Schranken beseitigt werden, die heute zwischen Angehörigen verschiedener Rassen, Nationen und Stämme bestehen?

      14 Was auf die Sprachenschranke zutrifft, gilt auch für die Schranken, die heute zwischen den Angehörigen verschiedener Rassen, Nationen und Stämme bestehen. Für die 144 000 Königreichserben, die an der „ersten Auferstehung“ teilhaben, werden keine solchen Schranken mehr bestehen. Diese Schranken stehen mit dem Fleisch in Verbindung. Die 144 000 Königreichserben werden nicht mit dem Fleischesleib auferstehen, den sie hier auf der Erde hatten, denn es steht geschrieben: „Indes sage ich [der Apostel Paulus] dies, Brüder, daß Fleisch und Blut Gottes Königreich nicht ererben können, noch ererbt die Verweslichkeit die Unverweslichkeit.“ (1. Korinther 15:50) „Selbst wenn wir [Christen] Christus gemäß dem Fleische gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so.“ (2. Korinther 5:16) Bei der „ersten Auferstehung“ werden die 144 000 Königreichserben Teilhaber der „göttlichen Natur“, nicht der menschlichen Natur, für die die vielen Schranken bestehen, die es heute zwischen den Angehörigen der verschiedenen Rassen, Nationen und Stämme gibt. (2. Petrus 1:4) Sie werden alle Brüder einer besonderen himmlischen Familie, Söhne Gottes, sein: „Wenn wir also Kinder sind, sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes, doch Miterben mit Christus.“ (Römer 8:17) Da sie also Teilhaber der „göttlichen Natur“ sein werden, wird unter ihnen Einheit herrschen.

      15, 16. (a) Wie überwinden die 144 000 Königreichserben schon als Menschen auf der Erde solche Hindernisse im Interesse der Einheit? (b) Woran halten sie fest, um das Jesus für sie gebetet hat?

      15 Diese 144 000 Königreichserben dulden aber schon während ihres Lebens im Fleische, während ihrer Erprobung hier auf der Erde, die Schranken nicht, die im allgemeinen zwischen den Angehörigen der verschiedenen Rassen, Nationen und Stämme bestehen. Nach dem Fleische sind sie „Jünger aus Menschen aller Nationen“. (Matthäus 28:19) Sie sind aber in erster Linie Jünger Christi und betrachten sich erst in zweiter Linie als Angehörige dieser oder jener Rasse oder Nation oder dieses oder jenes Stammes. Sie sind getaufte Jünger Christi, und das vereinigt sie auf der ganzen Erde und hilft ihnen, alle menschlichen, durch das Fleisch hervorgerufenen Hindernisse zu überwinden. Aus diesem Grund erklären sie ihre Neutralität und bleiben in Rassenkonflikten, internationalen Kriegen und Stammesfehden streng neutral. Sie beteiligen sich weder an der Kommunal- noch an der Staats-, noch an der internationalen Politik. Sie halten an dem fest, worum Jesus Christus für sie zu Gott gebetet hat:

      16 „Ich bitte sie betreffend; nicht hinsichtlich der Welt bitte ich, sondern hinsichtlich derer, die du mir gegeben hast; denn sie sind dein ... Ich habe ihnen dein Wort gegeben, doch die Welt hat sie gehaßt, weil sie kein Teil der Welt sind, so, wie ich kein Teil der Welt bin. ... Auch habe ich ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, so, wie wir eins sind, ich in Gemeinschaft mit ihnen und du in Gemeinschaft mit mir, damit sie vollkommen eins gemacht werden, auf daß die Welt Kenntnis davon habe, daß du mich ausgesandt und daß du sie geliebt hast, so, wie du mich geliebt hast.“ — Johannes 17:9-23.

      SIE HALTEN IN DER GANZEN WELT MITEINANDER FRIEDEN

      17. (a) Inwiefern haben die 144 000 in Verbindung mit dem Krieg nicht so gehandelt wie die Anhänger der Religionsgemeinschaften der Christenheit und die Juden? (b) Die Beachtung welchen Grundsatzes werden sie als himmlische Könige von den Bewohner der Erde verlangen?

      17 Aus diesem Grund haben die 144 000 Königreichserben nicht so gehandelt wie andere, die zu fleischlichen Waffen gegriffen und gegeneinander gekämpft haben: Katholiken gegen Katholiken, Orthodoxe gegen Orthodoxe, Protestanten gegen Protestanten und Juden gegen Juden — nur weil sie in Ländern wohnten, deren Regierungen in einen blutigen Krieg verwickelt waren. Sie sind nicht mit dem Evangelium oder der Bibel in der einen Hand und mit einem Schwert oder einem Maschinengewehr in der anderen Hand ausgezogen, um Jünger zu machen. Obwohl sie aus den verschiedensten Nationen stammen, haben sie den Grundsatz aus der Prophezeiung in Jesaja 2:4 befolgt: „Sie [werden] ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“ (Lu). Wenn sie sich an diesen göttlichen Grundsatz gehalten haben, als sie noch auf der Erde waren, dann werden sie bestimmt auch dafür sorgen, daß er befolgt wird, wenn sie als Könige über die Erde regieren. Sie werden von ihren irdischen Untertanen verlangen, daß sie sich an diesen den Frieden fördernden Grundsatz halten.

      18. Wie vom Apostel Johannes vorausgesehen, hält sich welche andere internationale Gruppe von Menschen auf der Erde ebenfalls an diese Verhaltensregel?

      18 Einen beglückenden Vorgeschmack hiervon bekommt heute schon eine große Menge von Menschen aus allen Nationen, die mit dem Überrest der Königreichserben verbunden sind und sich an diese den Frieden fördernde Verhaltensregel halten. Sie bilden jene besondere Gruppe von Menschen, über die vorhergesagt wurde, daß sie sich in der jetzigen Zeit der Weltgeschichte versammeln würde, und über die der Apostel Johannes schrieb: „Nach diesen Dingen sah ich, und siehe! eine große Volksmenge, die kein Mensch zu zählen vermochte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen stand vor dem Thron und vor dem Lamm, in weiße lange Gewänder gehüllt, und Palmzweige waren in ihren Händen. Und sie rufen fortwährend mit lauter Stimme, indem sie sagen: ,Die Rettung verdanken wir unserem Gott, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme [Jesus Christus].‘ ... ,Das sind die, die aus der großen Drangsal kommen, und sie haben ihre langen Gewänder gewaschen und sie in dem Blut des Lammes weiß gemacht. Darum sind sie vor dem Throne Gottes; und Tag und Nacht bringen sie ihm in seinem Tempel heiligen Dienst dar; und der, der auf dem Throne sitzt wird sein Zelt über sie ausbreiten.‘ “ — Offenbarung 7:9-15.

      19. Welches Verhältnis herrscht heute schon unter den Menschen, mit denen die menschliche Gesellschaft auf der Erde unter Gottes neuem System beginnen wird, und an welche Worte, die Petrus an Personen richtete, die ein langes Leben lieben, halten sie sich?

      19 Da Jehova Gott sein schützendes Zelt über diese heute lebende „große Volksmenge“ ausbreitet und sie sicher durch die herannahende „große Drangsal“ bringt, wird in dem von Gott für die Erde vorgesehenen neuen System der Dinge von Anfang an eine friedliche internationale Volksmenge leben. Die kriegführenden Nationen werden verschwunden sein. Die menschliche Gesellschaft in Gottes neuer Ordnung wird mit der „großen Volksmenge“ beginnen, die die Drangsal überleben wird und deren Glieder heute schon alle in Frieden miteinander leben. Da sie das ewige Leben lieben, werden sie weiterhin nach den vom Apostel Petrus zitierten Worten handeln: „Wer das Leben lieben und gute Tage sehen möchte, der halte seine Zunge vom Bösen zurück und seine Lippen, daß sie nicht Trug reden, er wende sich aber ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach.“ — 1. Petrus 3:10, 11; Psalm 34:12-14.

      20. (a) Christus wird nicht zulassen, daß dieser Friede gestört wird, damit sich welche Prophezeiung über ihn erfüllt? (b) In welcher Hinsicht wird die Herrschaft Christi wie die Herrschaft Salomos sein?

      20 Nach dem Sturm der „großen Drangsal“ wird sich der Friede wie ein leuchtender Regenbogen über die ganze gereinigte Erde erstrecken. Jehovas König des Tausendjahrreiches, das Lamm, Jesus Christus, wird nicht zulassen, daß dieser Friede gestört wird, sonst würde er dem nicht entsprechen, was vor langer Zeit über ihn vorhergesagt wurde: „Ein Kind ist uns geboren worden, ein Sohn ist uns gegeben worden; und die fürstliche Herrschaft wird auf seiner Schulter sein. Und sein Name wird genannt werden: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Ewigvater, Fürst des Friedens. Für die Fülle der fürstlichen Herrschaft und den Frieden wird es kein Ende geben auf dem Throne Davids und über sein Königreich, um es fest aufzurichten und es zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit von nun an und auf unabsehbare Zeit. Ja der Eifer Jehovas der Heerscharen wird dieses tun.“ (Jesaja 9:6, 7) Vergessen wir nicht, daß Jesus Christus „mehr [ist] als Salomo“. (Matthäus 12:42) Die vierzigjährige Regierung des Königs Salomo, des Sohnes Davids, zeichnete sich durch Frieden aus, was auch seinem Namen entsprach, denn Salomo bedeutet „friedsam“. Jesus Christus dagegen wird den Frieden tausend Jahre aufrechterhalten.

      „AUF DEM THRONE DAVIDS UND ÜBER SEIN KÖNIGREICH“

      21. Von wessen Thron und wessen Königreich können die fürstliche Herrschaft des Friedefürsten und ihr Friede nicht getrennt werden?

      21 Wenn wir Jesaja 9:6, 7 nochmals lesen, stellen wir fest, daß die „fürstliche Herrschaft“ des Friedefürsten „auf dem Throne Davids und über sein Königreich“ sein soll. Dieser verheißene endlose Friede kann vom Throne Davids — des Königs, der in den Jahren 1070 bis 1037 v. u. Z. in Jerusalem regierte — und von seinem Königreich nicht getrennt werden. Er ist nicht von einem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika oder von der UNO, der von Menschen errichteten Organisation für Weltfrieden und internationale Sicherheit, abhängig. Warum nicht?

      22. (a) Was bewog Jehova, durch seinen Eifer auf die Erfüllung dieser Prophezeiung hinzuwirken? (b) Was für ein Mensch war David in religiöser Hinsicht?

      22 Weil „Jehova der Heerscharen“ mit König David, kurz nachdem dieser in Jerusalem zu regieren begonnen hatte, einen unverbrüchlichen Bund schloß oder ihm eine Verheißung gab. Was bewog ihn dazu? David war kein Atheist und auch kein Agnostiker. Er war sehr religiös, aber nicht in dem Sinne wie die Götzendiener oder Polytheisten der damaligen nichtisraelitischen Nationen. Wenn du die vielen Psalmen oder lyrischen Gedichte, liest die David verfaßt hat und die im Buch der Psalmen enthalten sind, wirst du feststellen, daß David Jehova, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, mit ungeteiltem Herzen anbetete. In einem seiner bekanntesten Psalmen (Psalm 23) sagte David: „Jehova ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln. Sicherlich wird mir lauter Gutes und liebende Güte folgen alle Tage meines Lebens.“ (Psalm 23:1, 6) Nach Psalm 40:8, 9 sagte er: „Deinen Willen zu tun, o mein Gott, ist meine Lust gewesen, und dein Gesetz ist in meinem Innern. Ich habe die gute Botschaft der Gerechtigkeit in der großen Versammlung kundgetan. Siehe! Meine Lippen halte ich nicht zurück. O Jehova, du selbst weißt dies wohl.“

      23, 24. (a) Welchen Wunsch hatte David, nachdem er die Lade des Bundes Gottes nach Jerusalem gebracht hatte, hinsichtlich ihrer Unterbringung? (b) Was sagte Jehova zu David über dessen Bauvorhaben?

      23 Einige Monate nachdem König David Jerusalem zu seiner Hauptstadt gemacht hatte, ließ er die heilige Bundeslade, „die Lade des wahren Gottes“, nach Jerusalem hinaufbringen und in einem Zelt aufstellen, das in der Nähe des königlichen Palastes aufgeschlagen worden war. Der Unterschied zwischen seiner Palastwohnung, „einem Zedernhaus“, und dem Zelt, in dem die Bundeslade untergebracht war, beschäftigte David sehr. Schließlich schlug er dem Propheten Nathan den Bau eines würdigen Tempels für die Lade Jehovas vor. (2. Samuel 7:1-3) Aber Gott ließ David sagen:

      24 „Blut in großer Menge hast du vergossen, und große Kriege hast du geführt. Du wirst kein Haus für meinen Namen bauen, denn sehr viel Blut hast du auf der Erde vor mir vergossen. Siehe! Ein Sohn wird dir geboren werden. Er selbst wird sich als ein Mann der Ruhe erweisen, und ich werde ihm bestimmt Ruhe geben vor allen seinen Feinden ringsum; denn Salomo wird sein Name werden, und Frieden und stille Ruhe werde ich Israel in seinen Tagen verleihen. Er ist es, der meinem Namen ein Haus bauen wird.“ — 1. Chronika 22:8-10.

      25. Was für ein Haus zu bauen, versprach Jehova David, dessen Wunsch er schätzte?

      25 Das bedeutete nicht, daß Jehova Davids liebevollen Wunsch, zur Ehre des Namens Gottes ein Haus der Anbetung zu bauen, nicht geschätzt hätte. Er schätzte diesen Wunsch, und er brachte dies auch zum Ausdruck, indem er mit David einen Bund schloß oder ihm das feierliche Versprechen gab, ihm ein Haus zu bauen, nicht ein buchstäbliches Wohnhaus, sondern ein Herrscherhaus, ein Geschlecht von Königen, das aus seiner Familie hervorgehen würde. Durch den Propheten Nathan ließ er König David sagen: „Jehova hat dir mitgeteilt, daß Jehova dir ein Haus bereiten wird. ... Und dein Haus und dein Königtum werden gewißlich auf unabsehbare Zeit vor dir beständig sein; ja dein Thron wird ein auf unabsehbare Zeit feststehender werden.“ — 2. Samuel 7:11-16.

      26. Was sagte David in dankbarer Anerkennung in seinem Gebet über Jehovas Namen und über Jehovas Vorhaben, ihm ein „Haus“ zu bauen?

      26 David erkannte diesen göttlichen Bund dankbar an, indem er betete: „Und nun, Jehova Gott, das Wort, das du über deinen Knecht und über sein Haus geredet hast, führe es auf unabsehbare Zeit aus, und tue so, wie du geredet hast. Und möge dein eigener Name groß werden auf unabsehbare Zeit, daß man sage: ,Jehova der Heerscharen ist Gott über Israel‘, und möge das Haus deines Knechtes David selbst vor dir befestigt werden. Denn du, Jehova der Heerscharen, du Gott Israels, hast dem Ohr deines Knechtes eine Offenbarung gegeben und gesagt: ,Ein Haus werde ich dir bauen.‘ Deshalb hat sich dein Knecht ein Herz gefaßt, mit diesem Gebet zu dir zu beten. Und jetzt, o [Souveräner] Herr Jehova, du bist der wahre Gott; und was deine Worte betrifft, mögen sie sich als Wahrheit erweisen, da du deinem Knecht dieses Gute verheißt. Und nun, nimm es auf dich und segne das Haus deines Knechtes, damit es auf unabsehbare Zeit vor dir bestehe; denn du selbst, o [Souveräner] Herr Jehova, hast es verheißen, und durch deinen Segen möge das Haus deines Knechtes gesegnet werden auf unabsehbare Zeit.“ — 2. Samuel 7:25-29.

      27. Was sagte Jehova durch Jesaja, und welche Worte richtete er später durch Hesekiel an König Zedekia, um zu zeigen, daß er den mit David geschlossenen Königreichsbund aufrechterhalten würde?

      27 Der Souveräne Herr Jehova erhörte dieses Gebet Davids. Darum erklärte er auch über dreihundert Jahre später durch seinen Propheten Jesaja, der Eifer Jehovas der Heerscharen werde die fürstliche Herrschaft des Friedefürsten ‘auf dem Throne Davids und über sein Königreich fest aufrichten und sie stützen von nun an und auf unabsehbare Zeit’. (Jesaja 9:6, 7) Mehr als hundert Jahre später, kurz vor der Zerstörung des Königreiches der Nachkommen Davids in Jerusalem, bewies Jehova, daß er seinen Königreichsbund mit David aufrechterhalten würde, indem er erklärte, das Recht auf das Königtum werde nicht vom Hause Davids weichen. Durch den Propheten Hesekiel richtete er an Zedekia, den letzten König, der auf Davids Thron in Jerusalem saß, die Worte: „Entferne den Turban und hebe ab die Krone. Dies wird nicht dasselbe sein. Erhöhe selbst das, was niedrig ist und erniedrige selbst den Hohen. In Trümmer, Trümmer, Trümmer werde ich es legen. Auch was dies betrifft, es wird gewißlich niemandes werden, bis der kommt, der das gesetzliche Recht hat, und ihm will ich es geben.“ — Hesekiel 21:25-27.

      28. (a) Wann wurde das Königreich des Hauses Davids gestürzt, und welches Amt hatte Serubbabel siebzig Jahre später über Juda inne? (b) Was sagte Sacharja über die Reinigung des Hauses Davids voraus?

      28 Der Thron Davids wurde bei der Zerstörung Jerusalems im Jahre 607 v. u. Z. gestürzt, und die überlebenden Juden wurden nach Babylon ins Exil geführt. Siebzig Jahre danach wurde ein Überrest gottesfürchtiger Juden aus Babylon freigelassen, damit er in das Land Juda zurückkehren konnte, um an der Stätte in Jerusalem, wo König Salomo den ersten Tempel gebaut hatte, einen anderen Tempel zu errichten. Serubbabel — der Sohn Schealtiels, eines Nachkommen König Davids — wurde als Statthalter von Juda und Jerusalem eingesetzt. Jehova erweckte die Propheten Haggai und Sacharja, damit sie den Statthalter Serubbabel ermunterten, den Wiederaufbau des Tempels zu fördern. Er bewies seine Treue zu dem mit David geschlossenen Königreichsbund, indem er den Propheten Sacharja dazu inspirierte zu sagen: „An jenem Tage wird schließlich dem Hause Davids und den Bewohnern Jerusalems ein Brunnen für Sünde und für Verabscheuungswürdiges geöffnet sein.“ — Sacharja 13:1.

      29. Wann erhielten Jerusalem und Juda einen edomitischen König, und welche Fragen in bezug auf den mit David geschlossenen Königreichsbund mögen damals aufgeworfen worden sein?

      29 Es vergingen über vierhundert Jahre, und das Land Palästina kam schließlich unter die Herrschaft der imperialistischen Römer. Der vom römischen Senat ernannte edomitische Nichtjude, Herodes der Große genannt, wurde König von Jerusalem und von der Provinz Judäa. Hatte Jehova Gott nach all den Jahrhunderten den mit David geschlossenen Bund für ein ewiges Königreich, dessen Frieden kein Ende haben sollte, nicht vergessen? Seitdem Gott diesen Bund geschlossen hatte, waren nun insgesamt über tausend Jahre vergangen. War dieser Bund inzwischen nicht veraltet, war er nicht ungültig und daher unwirksam geworden? Ungläubige Menschen mögen so gedacht haben. Doch wie dachte Gott darüber?

      KÖNIG DAVIDS EWIGER ERBE WIRD GEBOREN

      30, 31. (a) Über welche von König David ausgehende Geschlechtslinie wachte Jehova? (b) Wessen Tochter aus dieser Geschlechtslinie beachtete Jehova, und wem wurde sie zur Ehe versprochen?

      30 Gott, der Stifter des Königreichsbundes, ist nicht vergeßlich. Er fühlte sich verpflichtet, die dem David gegebene Bundesverheißung zu erfüllen. Er wachte über die männlichen Nachkommen des treuen Königs David, dem er ein königliches Haus zu bauen verheißen hatte. Er beachtete die von David ausgehende Geschlechtslinie, die nicht über König Salomo, sondern über Nathan, einen anderen Sohn Davids, verlief. Diese besondere Linie führte über zwanzig andere Glieder schließlich zu Serubbabel, der in den Tagen des Propheten Sacharja Statthalter von Jerusalem wurde. Serubbabel hatte einen Sohn namens Resa. Nach diesem verlief die Linie ununterbrochen über sechzehn weitere Glieder. Danach wurde Heli, der Sohn Matthats, geboren. (Lukas 3:23-31) Nun beachtete Gott nicht einen männlichen Nachkommen, sondern eine Tochter Helis. Sie wurde in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts v. u. Z. in der Stadt Bethlehem, die in der römischen Provinz Judäa lag, geboren und hieß Maria.

      31 Später lebte Maria in der nördlich gelegenen Stadt Nazareth, die in der römischen Provinz Galiläa lag. Dort erreichte sie das heiratsfähige Alter und wurde einem in Nazareth wohnenden Zimmermann namens Joseph, dem Sohn Jakobs, zur Ehe versprochen.

      32. Warum erwies sich dieses Verlöbnis mit Joseph als passend, und welche Frage erhob sich in Verbindung mit dem Erben Davids?

      32 Dieses Verlöbnis erwies sich als sehr passend. Warum? Weil Joseph, obwohl ein einfacher Zimmermann aus der unbedeutenden Stadt Nazareth, ein Nachkomme des Königs David war, allerdings nicht über Nathan, sondern über Salomo, den ersten königlichen Nachfolger Davids. Joseph hatte somit das gesetzliche Recht auf den Thron seines königlichen Vorfahren David. Sollte Joseph nun der direkte, leibliche Vater des langverheißenen ewigen Erben König Davids werden?

      33, 34. (a) Warum zeigte Jehova, daß er mit Maria war? (b) Zur Erfüllung welcher Prophezeiung, die Jakob auf seinem Sterbebett äußerte, trug das, was damals geschah, bei?

      33 Noch bevor die Hochzeit stattfand und Joseph Maria aus ihrem Elternhaus holte und sie in das Haus brachte, das er für sie als seine ihm angetraute Ehefrau eingerichtet hatte, geschah etwas, was heute, im zwanzigsten Jahrhundert, im Zeitalter des Intellektualismus, viele nicht glauben wollen. Das Jahr 3 v. u. Z. näherte sich dem Ende. Für Gott war dies eine bestimmte Zeit, eine Zeit, die er schon lange erwartet hatte. Da zeigte es sich plötzlich, daß Gott mit Maria, der Tochter Helis, war, und zwar nicht nur, weil sie ein besonders gottesfürchtiges jüdisches Mädchen war, sondern weil sie ein Nachkomme der königlichen Familie Davids aus dem Stamm Juda war. Was deshalb damals geschah, trug zur Erfüllung der inspirierten Prophezeiung bei, die der Patriarch Jakob im Jahre 1711 v. u. Z. über Juda, seinen vierten Sohn, geäußert hatte. Der sterbende Jakob sagte damals über Juda:

      34 „Ein Löwenjunges ist Juda. ... wie ein Löwe, wer wagt es, ihn aufzustören? Das Zepter wird nicht von Juda weichen noch der Befehlshaberstab zwischen seinen Füßen hinweg, bis Schilo [der eine, dem es gehört] kommt; und ihm wird der Gehorsam der Völker gehören.“ — 1. Mose 49:8-10.

      35, 36. (a) Welches Wunder hatte Gott für Elisabeth, die an Jahren vorgerückte Verwandte Marias, gewirkt? (b) Was sagte der Engel Gabriel zu Maria über Gottes Vorhaben mit Davids Thron?

      35 Wie zeigte Gott, daß er mit Maria war, der Jungfrau aus dem Stamm Juda und aus der königlichen Familie Davids? Indem er für sie etwas tat, was noch größer war als das, was er für ihre an Jahren vorgerückte Verwandte Elisabeth, die Frau des levitischen Priesters Sacharja, getan hatte. Gott hatte die Fortpflanzungsfähigkeit Sacharjas und Elisabeths erneuert. So war Elisabeth nun im sechsten Monat schwanger und sollte bald einen Sohn gebären, der später Johannes der Täufer genannt wurde. Was tat Gott aber für die jüdische Jungfrau Maria, die Verlobte des Zimmermanns Joseph, für die die Verlobungszeit noch nicht abgelaufen war? Der Arzt Lukas berichtet:

      36 „In ihrem sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt Galiläas mit Namen Nazareth gesandt, zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Joseph aus dem Hause Davids zur Ehe versprochen war; und der Name der Jungfrau war Maria. Und als er bei ihr eintrat, sprach er: ,Guten Tag, du Hochbegünstigte, Jehova ist mit dir.‘ Sie aber wurde bei dem Wort tief beunruhigt und begann zu überlegen, was das für ein Gruß wäre. Da sagte der Engel zu ihr: ,Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gunst bei Gott gefunden; und siehe! du wirst in deinem Schoß empfangen und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Dieser wird groß sein und wird Sohn des Höchsten genannt werden; und Jehova Gott wird ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben, und er wird für immer als König über das Haus Jakob regieren, und sein Königreich wird kein Ende haben.‘ “ — Lukas 1:26-33.

      37. Mit welchen Worten erklärte Gabriel Maria, wie sie einen Sohn ohne einen menschlichen Vater empfangen werde?

      37 Das bedeutete, daß Marias Verlobter, Joseph, nicht der direkte, leibliche Vater Jesu sein würde. Wie, sie sollte einen Sohn empfangen ohne einen menschlichen Vater? Der Engel Gabriel erklärte Maria, wie es zu dieser übernatürlichen Jungfrauengeburt kommen würde, indem er fortfuhr und sagte: „Heiliger Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Geborene heilig, Gottes Sohn, genannt werden. Und siehe! Elisabeth, deine Verwandte, auch sie hat in ihrem hohen Alter einen Sohn empfangen, und dies ist für sie, die sogenannt Unfruchtbare, der sechste Monat; denn bei Gott wird keine Erklärung etwas Unmögliches sein.“ — Lukas 1:34-37.

      38. Was widerfuhr Maria dann, und wessen Sohn würde ihr Kind deshalb sein?

      38 Willigte Maria ein, auf diese Weise die irdische Mutter dessen zu werden, der der bleibende, ewige Erbe des Königs David werden sollte? Lukas 1:38 gibt uns die Antwort: „Da sprach Maria: ,Siehe! Jehovas Sklavin! Mir geschehe nach deiner Erklärung.‘ Darauf schied der Engel von ihr.“ Danach kam heiliger Geist über Maria, und die Kraft Gottes, des Höchsten, überschattete sie. So wurde sie auf übernatürliche Weise, nicht durch Joseph, ihren Verlobten, schwanger. Das bedeutete, daß Jehova Gott, der Höchste, der Vater des Kindes Jesus war, das sie nun in ihrem Mutterleib empfing. Anderen inspirierten Schrifttexten ist zu entnehmen, daß Jehova Gott das Leben seines geliebten einziggezeugten himmlischen Sohnes in eine Eizelle der Maria übertrug und diese fruchtbar machte. (Johannes 3:16; Philipper 2:5-11) Dieser Vorgang war nicht als etwas Unheiliges zu betrachten. Darum sollte „das Geborene heilig, Gottes Sohn, genannt werden“. Das alles spielte sich zu der von Gott festgesetzten Zeit ab, wie geschrieben steht: „Als aber die Grenze der Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, der aus einer Frau geboren wurde und unter Gesetz [das mosaische Gesetz] zu stehen kam.“ — Galater 4:4.

      DER BLEIBENDE ERBE DES KÖNIGREICHSBUNDES

      39. (a) Wer sollte Marias Sohn Jesus zum König über das Haus Jakob machen? (b) Welches Recht ererbte Jesus durch Maria?

      39 Was der Engel Gabriel zu Maria sagte, ließ nicht daran zweifeln, daß ihr Sohn Jesus der bleibende Erbe des Königs David werden sollte: „Jehova Gott wird ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben, und er wird für immer als König über das Haus Jakob regieren, und sein Königreich wird kein Ende haben.“ (Lukas 1:32, 33) Weder die Juden, die vor neunzehnhundert Jahren lebten, noch die heute lebenden natürlichen Juden sollten diesem Jesus den Thron seines Vorvaters David geben. Jehova Gott, sein himmlischer Vater, sollte ihm diesen Thron des Königreiches geben, von dem aus David einst nur „über das Haus Jakob“ (der Stammvater der zwölf Stämme Israel) regierte. Durch seine Mutter wurde der erstgeborene Sohn der jüdischen Jungfrau Maria also in die königliche Familie Davids hineingeboren, und durch sie hatte Jesus dem Fleische nach das Recht auf Davids Königtum. Diese Tatsache wird durch die inspirierten Worte bestätigt, die der Apostel Paulus über Gottes gute Botschaft schrieb: „... in bezug auf seinen Sohn, der dem Fleische nach aus dem Samen Davids hervorging, der aber mit Macht als Gottes Sohn erklärt wurde nach dem Geist der Heiligkeit durch die Auferstehung von den Toten — ja, Jesus Christus, unser Herr.“ — Römer 1:1-4.

      40. (a) Wozu fühlte sich Joseph im Hinblick auf Marias Sohn Jesus Gott gegenüber verpflichtet, und was übertrug er dadurch auf Jesus? (b) Als wessen Sohn wird Joseph von Lukas bezeichnet?

      40 Als es sich zeigte, daß Maria schwanger war, wurde ihrem Verlobten eine Erklärung gegeben und ihm gesagt, er solle sie als seine Frau heimführen. Das tat Joseph, und zwar in Nazareth. Er fühlte sich Gott gegenüber verpflichtet, Jesus, den von Maria geborenen Sohn Gottes, als seinen erstgeborenen Sohn zu adoptieren. Dadurch übertrug er ihm auch das gesetzliche Recht auf den Thron Davids, denn er, Joseph, war ein Nachkomme Davids über König Salomo.c (2. Samuel 7:13-16) Das tat Joseph, indem er Jesus am achten Tag nach der Geburt beschneiden ließ und ihm den Namen Jesus gab und ihn auch am vierzigsten Tag nach der Geburt im Tempel von Jerusalem darstellte, als er und Maria sich der Zeremonie der Reinigung unterzogen. (Matthäus 1:17-25; Lukas 2:21-24) Aus diesem Grund wurde Jesus der „Sohn Josephs“ genannt. (Johannes 1:45; 6:42) Und aus dem gleichen Grund heißt es in dem von dem Arzt Lukas aufgestellten Geschlechtsregister Jesu Christi: „Übrigens war Jesus selbst, als er sein Werk anfing, ungefähr dreißig Jahre alt und war, wie man meinte, der Sohn Josephs, Sohn des Heli.“ (Lukas 3:23) Joseph, der eigentlich der Sohn Jakobs war, wurde auch der „Sohn des Heli“ genannt, weil er Helis Tochter Maria geheiratet hatte, also Helis Schwiegersohn war.

      41. Wo wurde derjenige, der später „Jesus von Nazareth“ genannt wurde, im Jahre 2 v. u. Z. geboren?

      41 Jesus Christus wurde später „Jesus von Nazareth“ und „Jesus aus Nazareth in Galiläa“ genannt. (Johannes 19:19, Lu; Matthäus 21:11) Heißt das, daß Jesus in Nazareth geboren wurde? Nein, denn im Jahre 2 v. u. Z., noch vor seiner Geburt, mußten seine Mutter Maria und ihr Mann Joseph, die beide aus Bethlehem in Juda gebürtig waren, wegen einer vom römischen Kaiser Cäsar Augustus angeordneten Registrierung nach Bethlehem hinabziehen. So wurde Jesus in Bethlehem geboren, das „Stadt Davids“ genannt wurde, weil David, der Sohn Isais, dort geboren worden war. — Lukas 2:1-7.

      42, 43. Welches Zeugnis eines Engels außer dem des Engels Gabriel haben wir dafür, daß Marias Sohn Gottes Messias werden sollte?

      42 Der Engel Gabriel war nicht der einzige, der bezeugte, daß dieser Jesus, der Sohn Marias, der Messias oder Christus sein sollte, der Gesalbte, der der bleibende Erbe des Thrones und des Königreiches Davids werden würde. In der Nacht, in der Jesus geboren wurde (um den Beginn des Oktobers 2 v. u. Z.), bezeugte dies auch ein anderer Engel vom Himmel. Dieser herrliche Engel erschien Hirten in der Nähe von Bethlehem, die zu jener Jahreszeit ihre Herden noch draußen auf den Feldern hatten.

      43 Der Engel sagte zu den erschrockenen Hirten: „Fürchtet euch nicht, denn seht! ich verkünde euch eine gute Botschaft großer Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden wird, denn euch ist heute in Davids Stadt ein Retter geboren worden, welcher Christus, der Herr, ist. Und dies ist euch ein Zeichen: Ihr werdet ein Kindlein finden, das in Wickelbänder eingebunden ist und in einer Krippe liegt.“ Was dann geschah, zeigt, daß es sich hierbei nicht um eine gewöhnliche Geburt handelte: „Und plötzlich befand sich bei dem Engel eine Menge der himmlischen Heerschar, die Gott pries und sprach: ,Herrlichkeit Gott in den Höhen droben und Friede auf Erden unter Menschen guten Willens.‘ “ — Lukas 2:8-14.

      44. Warum wurde Jesus als Kind nach Ägypten hinabgebracht, und wieso wurde er ein Zimmermann in Nazareth?

      44 Satan, der Teufel, merkte, daß dieser Sohn Gottes, der schließlich „Christus, der Herr“, werden sollte, geboren worden war. Da er um seine Herrschaft über diese Welt fürchtete, versuchte er, den kleinen Jesus — einige Zeit nachdem er im Tempel zu Jerusalem dargestellt worden war — töten zu lassen, und zwar durch den mißtrauischen König Herodes den Großen. Gottes Engel wies daher Joseph an, mit Mutter und Kind nach Ägypten hinab zu fliehen und dort zu bleiben, bis er weiteren Bescheid erhalte. Als König Herodes gestorben war, forderte Gottes Engel Joseph auf, in das Land seines Volkes zurückzukehren. Da aber Archelaus, der Sohn des Königs Herodes, über die römische Provinz Judäa (zu der Bethlehem gehörte) regierte, umging Joseph Bethlehem und kehrte nach Nazareth in der Provinz Galiläa zurück. Dort wurde Jesus erzogen, weshalb er auch Nazarener genannt wurde, und dort arbeitete dieser künftige König als Zimmermann. — Matthäus 2:1-23; 13:55; Markus 6:1-3.

      45. (a) Was benötigte Jesus (wie David), um wirklich der Messias oder Christus zu werden? (b) Wann und warum begab sich Jesus an den Jordan, um sich taufen zu lassen?

      45 Das Wort „Christus“ oder „Messias“, das Gesalbter bedeutet, konnte aber eigentlich erst auf Jesus angewandt werden, nachdem er gesalbt worden war. Sein Vorfahr, der Hirte David von Bethlehem, war von Gottes Propheten Samuel, viele Jahre bevor er tatsächlich als König von Israel auf den Thron kam, gesalbt worden. (1. Samuel 16:1-13; 2. Samuel 2:1-4; 5:1-3) Ähnlich war es bei Jesus. In seinem dreißigsten Lebensjahr als vollkommener Mensch begann sein Verwandter, Johannes der Täufer, das Königreich Gottes anzukündigen sowie zu taufen. Seine Ankündigung lautete: „Bereut, denn das Königreich der Himmel hat sich genaht.“ (Matthäus 3:1, 2) Aufgrund dieser Ankündigung wußte Jesus, daß die Zeit für ihn gekommen war, sich ausschließlich den Interessen des messianischen Königreiches Gottes zu widmen. Daher verließ er, kurz bevor er dreißig Jahre alt wurde, Nazareth und begab sich zu Johannes, der die Menschen, die zu ihm kamen, im Jordan taufte. Warum begab er sich dorthin? Nicht, um sich der Taufe als Symbol der Reue über Sünden zu unterziehen — denn er war frei von Sünden —, sondern zum Zeichen dafür, daß er sich Jehova Gott rückhaltlos darstellte, um dessen Willen in Verbindung mit dem „Königreich der Himmel“, dem Königreich Gottes, zu tun. Johannes verstand dies nicht. Wir lesen deshalb:

      46. (a) Wie wurde Jesus dort bei seiner Taufe der Messias oder Christus? (b) Warum nannte Gott dort den getauften Jesus seinen Sohn?

      46 „Dann kam Jesus von Galiläa her zu Johannes an den Jordan, um sich von ihm taufen zu lassen. Dieser aber suchte ihn davon abzuhalten, indem er sprach: ,Ich habe es nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir?‘ Da entgegnete ihm Jesus und sprach: ,Laß es diesmal so sein, denn auf diese Weise ziemt es sich für uns, alles auszuführen, was gerecht ist.‘ Da hörte er auf, ihn abzuhalten. Als Jesus getauft war, kam er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe! die Himmel wurden geöffnet, und er sah Gottes Geist wie eine Taube herabfahren und auf ihn kommen. Siehe! Da kam auch eine Stimme aus den Himmeln, welche sprach: ,Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.‘ “ (Matthäus 3:13-17) Als Gottes Geist auf den getauften Jesus herabkam, wurde dieser von Gott, nicht von Johannes dem Täufer gesalbt. Auf diese Weise wurde er der Messias, der Christus, der Gesalbte. Das war im Frühherbst des Jahres 29 u. Z. Gott erklärte Jesus damals auch für seinen Sohn, denn er hatte ihn durch seinen Geist nun zu seinem geistigen Sohn gezeugt. (Johannes 1:32-34) Jesus war jetzt ein geistiger Messias oder Christus und nahm eine höhere Stellung als ein menschlicher Messias ein.

      47. Bei welchen Gelegenheiten lehnte Jesus es ab, nur ein menschlicher Messias zu werden, und welches Werk begann er seiner Salbung entsprechend durchzuführen?

      47 Versuchte Jesus Christus nun, sich zu einem irdischen König „über das Haus Jakob“ in Jerusalem zu machen? Nein! Bei der Versuchung in der Wildnis lehnte er das Angebot Satans, des Teufels, ab, der ihn nicht nur zum König über das Haus Jakob machen wollte, sondern über alle Königreiche dieser Welt. (Matthäus 4:1-11; Lukas 4:1-13) Als ihn danach einmal Tausende von Juden, die er durch ein erstaunliches Wunder gespeist hatte, zu ihrem irdischen König machen wollten, zog er sich zurück. (Johannes 6:1-15) Er wußte, daß er sein Königreich von Jehova Gott, der ihn zum messianischen König gesalbt hatte, empfangen würde. Er wußte auch, welches Werk er nach seiner Salbung mit Gottes Geist zuerst durchführen müßte, und so zog er friedlich im Land des „Hauses Jakob“ umher und lehrte und predigte das Königreich Gottes. Das tat er besonders, nachdem Johannes der Täufer im Jahre 30 u. Z. ins Gefängnis gebracht worden war.

      48. Welche Prophezeiung Jesajas las er den Nazarenern in ihrer Synagoge vor, und was bemühte er sich während seines ganzen übrigen Lebens auf der Erde zu tun?

      48 In der Synagoge von Nazareth las er den Nazarenern die Prophezeiung aus Jesaja 61:1, 2 vor: „Jehovas Geist ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, um den Armen gute Botschaft zu verkünden, er hat mich ausgesandt, um den Gefangenen Freilassung zu predigen und den Blinden Wiederherstellung des Augenlichts, um die Zerschlagenen als Freigelassene wegzusenden, um Jehovas annehmbares Jahr zu predigen.“ Diese Worte bildeten das Thema der Predigt, die der getaufte Jesus nun begann, indem er sagte: „Heute ist dieses Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt worden.“ (Lukas 4:16-21) Dadurch gab er den Bewohnern seiner ehemaligen Heimatstadt zu verstehen, daß er Jehovas Gesalbter, der Messias oder Christus, war. Während seines ganzen übrigen Lebens auf der Erde bemühte er sich, das zu tun, wozu er durch die Salbung mit Jehovas Geist ermächtigt oder beauftragt worden war.

      49, 50. (a) Sammelte Jesus ein Heer, um das Königreich Israel wiederaufzurichten? (b) Wie erklärte Jesus Pilatus, daß er ein König sei, obwohl er nicht für ein Königreich kämpfte?

      49 Er mischte sich daher nicht in die Politik dieser Welt ein. Er sammelte auch nicht wie die Makkabäer ein Heer, um die Römer aus dem Land zu vertreiben und das Königreich Davids in Jerusalem wiederaufzurichten. Warum nicht?

      50 Aus welchem Grund er es nicht tat, erklärte er dem römischen Statthalter Pontius Pilatus, dem er von seinen religiösen Feinden ausgeliefert worden war, damit er unter der Anklage des Aufruhrs gegen das Römische Reich hingerichtet werde. Auf die Frage des Statthalters: „Bist du der König der Juden?“ erwiderte Jesus schließlich: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt. Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königreich nicht von daher.“ Darauf sagte Pilatus: „Nun denn, bist du ein König?“ Jesus bezeugte die Wahrheit, indem er antwortete: „Du selbst sagst, daß ich ein König bin“ — jawohl, der König eines Königreiches, das kein Teil der Welt ist, zu der das Römische Reich, das damals Weltmacht war, gehörte. — Johannes 18:33-37.

      51, 52. (a) Was zu tun, wies Jesus seine „Diener“ an? (b) Sagte Jesus zu den zwölf Aposteln und danach zu den siebzig Evangelisten, sie sollten sich politisch betätigen oder sie sollten evangelisieren, und wie sollten sie es tun?

      51 Wen meinte Jesus mit den Worten „meine Diener“? Seine unbewaffneten Jünger natürlich, zu denen auch seine zwölf Apostel („Gesandten“) gehörten. Auch sie wies er an, sich aus der Politik und den kriegerischen Auseinandersetzungen dieser Welt herauszuhalten und sich darauf zu beschränken, friedlich die gute Botschaft vom verheißenen Königreich Gottes zu lehren und zu predigen.

      52 Als er einmal die zwölf Apostel aussandte, sagte er zu ihnen nicht, sie sollten eine politische Untergrundbewegung organisieren und einen Aufstand unter den Juden hervorrufen, sondern er sagte: „Während ihr hingeht, predigt, indem ihr sagt: ,Das Königreich der Himmel hat sich genaht.‘ Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus. Kostenfrei habt ihr empfangen, kostenfrei gebt.“ (Matthäus 10:1-8) Als Jesus später siebzig andere Evangeliumsverkündiger aussandte, gab er ihnen ähnliche Anweisungen, und auch ihnen sagte er, was sie predigen sollten: „Wo immer ihr in eine Stadt hineingeht und man euch aufnimmt, da eßt, was man euch vorsetzt, und heilt darin die Kranken und sagt ferner zu ihnen: ,Das Königreich Gottes hat sich euch genaht.‘ “ — Lukas 10:1-9.

      53, 54. (a) Welches Predigtwerk sagte Jesus in seiner Prophezeiung über seine Gegenwart und den Abschluß des gegenwärtigen Systems der Dinge voraus? (b) Welche Einmischung gestattet die Durchführung dieses Predigtwerkes seinen Jüngern nicht, da sie wissen, daß die Regierung, die sie ankündigen, von woher ist?

      53 Am 11. Nisan des Jahres 33 u. Z., kurz vor seinem Tod am Passahtag, äußerte Jesus seine bemerkenswerte Prophezeiung über seine künftige Gegenwart und den Abschluß des Systems der Dinge. In dieser Prophezeiung sagte er auch das hervorragende Werk voraus, das seine Diener, seine Jünger, tun sollten, denn er sagte: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen.“ (Matthäus 24:3-14) Diese weltweite Verkündigung des Königreiches sollte von seinen Jüngern vor dem Ende dieses Systems der Dinge durchgeführt werden: „Auch muß unter allen Nationen zuerst die gute Botschaft gepredigt werden.“ (Markus 13:10) Ihre Aufgabe, das Königreich friedlich unter allen Nationen zu predigen, gestattete ihnen nicht, sich in die Politik der Welt und in deren Kriege einzumischen.

      54 Sie sollten wie Jesus Christus, ihr Anführer, lediglich die gute Botschaft von Gottes messianischem Königreich predigen. Sie waren nicht befugt oder ermächtigt, dieses Königreich als Regierung für die Erde zu errichten. Es sollte „nicht von daher“, keine irdische Regierung sein. Es sollte eine himmlische Regierung sein, die mit übermenschlicher Macht über die ganze Menschheit herrschen würde. Folglich würde nur der Höchste, der Gott des Himmels, diese messianische Regierung errichten können, die über alle Bewohner der Erde herrschen soll.

      55. Könnte jemand mit Recht sagen, Jesus sei seiner Salbung nicht nachgekommen und habe die biblischen Prophezeiungen nicht erfüllt und sei deshalb nicht geeignet, über die ganze Menschheit zu regieren?

      55 Wer im Himmel oder auf der Erde wollte das irdische Leben des Messias oder Christus, des Gesalbten, der als König für tausend Jahre über die ganze Menschheit herrschen soll, kritisieren? Wer könnte mit Recht dagegen Einspruch erheben, daß er würdig oder geeignet wäre, der König des Tausendjahrreiches zu werden? Bestimmt niemand. Der Apostel Petrus wies in seinem Gespräch mit dem römischen Hauptmann Kornelius und dessen heidnischen Freunden auf das untadelige Leben Jesu Christi auf der Erde hin: „Ihr wißt, wovon nach der Taufe, die Johannes predigte, in ganz Judäa, angefangen von Galiläa, die Rede war, nämlich von Jesus, der von Nazareth war, wie Gott ihn mit heiligem Geist und Kraft salbte, und er ging durchs Land und tat Gutes und machte alle gesund, die vom Teufel bedrückt wurden; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen all der Dinge, die er im Lande der Juden und auch in Jerusalem tat.“ (Apostelgeschichte 10:37-39) Alle Zeugnisse bestätigen, daß Jesus Christus auf der Erde alles getan hat, wozu er durch seine Salbung beauftragt worden war. Er erfüllte alle biblischen Prophezeiungen, die ihn betrafen, selbst die über seinen gewaltsamen Tod.

      [Fußnoten]

      a Vergleiche Jesaja 1:14; 7:13; 43:24.

      b Das bedeutet jedoch nicht, daß die Universalsprache der göttlichen neuen Ordnung der Dinge in der heute üblichen Quadratschrift des hebräischen Alphabets niedergelegt, das heißt gedruckt oder geschrieben werden wird. Sogar heute gibt es hebräische Publikationen, die in Schriftzeichen des lateinischen Alphabets, wie wir sie in der deutschen Sprache gebrauchen, abgefaßt sind, zum Beispiel das Lehrbuch Taryag Millim, herausgegeben in Südafrika im Jahre 1949; die Biographie Avi, 1927 in Jerusalem gedruckt; ferner Teile der Zeitung Deror, die 1933/34 in Tel Aviv veröffentlicht wurde.

      c Hätte Joseph als Nachkomme des Königs David warten wollen, um das „gesetzliche Recht“ auf den davidischen Thron einem direkten, leiblichen Sohn, wie Jakob, Joseph (II.), Simon oder Judas, zu verleihen, so wäre dieser Rechtsanspruch nicht wirksam geworden. (Hesekiel 21:27) Warum nicht? Weil Joseph ein Nachkomme des Königs Salomo über Jechonja (oder Konja oder Jojachin) war, über den wir in Jeremia 22:24-30 lesen: „ ‚So wahr ich lebe‘, ist der Ausspruch Jehovas, ,auch wenn Konja, der Sohn Jojakims, der König von Juda, der Siegelring an meiner rechten Hand wäre, würde ich dich von dort abreißen!‘ ... Dies ist, was Jehova gesprochen hat: ,Schreibt diesen Mann als kinderlos auf [was das Erbe des Thrones Davids betrifft], als einen körperlich tauglichen Mann, der in seinen Tagen keinen Erfolg haben wird; denn von seiner Nachkommenschaft wird es keinem einzigen gelingen, auf dem Thron Davids zu sitzen und weiterhin in Juda zu herrschen.‘ “ (Matthäus 1:11-16; 13:55) Josephs Übertragung des Rechtsanspruchs auf seinen Adoptivsohn Jesus war indes nicht umsonst, da Jesus, der Sohn der Jungfrau Maria, kein natürlicher Nachkomme Jechonjas (Konjas) war, sondern ein Nachkomme König Davids über die Linie seines Sohnes Nathan, des Sohnes Bathsebas. Darum wird in dem Geschlechtsregister Jesu, das wir in Lukas 3:23-38 finden, der Name Jechonja (Konja oder Jojachin) nicht erwähnt.

  • Wie die Mitkönige in ihr Amt eingesetzt werden
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 5. Kapitel

      Wie die Mitkönige in ihr Amt eingesetzt werden

      1. Warum könnte es keinen geeigneteren König für die Menschheit geben als Jesus Christus?

      KÖNNTE die Menschheit einen besseren König haben als Jesus Christus, den Sohn Gottes? Hat es je einen menschlichen König gegeben, der sein Volk so sehr liebte, daß er bereit war, seine ganze Herrlichkeit aufzugeben und als Unschuldiger für sein Volk zu sterben? Und selbst wenn es einen solchen König gegeben hätte, müßte man sich fragen, welchen bleibenden Nutzen sein selbstloser Tod für das Volk gehabt hätte. Jesus Christus, der Sohn Gottes, gab jedoch die himmlische Herrlichkeit auf, die er bei seinem Vater hatte, und wurde ein Mensch, allerdings ein vollkommener Mensch, aber dennoch war er ‘ein wenig geringer als Gottähnliche’, er war ‘ein wenig unter Engel erniedrigt’. (Psalm 8:5; Hebräer 2:9) Dann demütigte er sich dem Willen Gottes gemäß noch tiefer, indem er sich von Menschen auf grausame Art töten ließ, nachdem er von Gott zum messianischen König gesalbt worden war. Dadurch bewies er nicht nur eine unvergleichliche Liebe zu den Menschen, sondern durch seinen Tod beschaffte er auch ein vollkommenes menschliches Opfer, das Gott annehmbar war und der ganzen Menschheit für immer zum Segen sein wird. Könnte es also einen besseren, einen geeigneteren König für die Menschheit geben als diesen?

      2. (a) Was zeigt, daß man Jesus Christus heute ebensowenig als König wünscht wie im ersten Jahrhundert? (b) Was ist wirklich ausschlaggebend in der Frage, wen die Menschheit als König erhalten soll?

      2 Vor neunzehnhundert Jahren wünschten die Menschen, die nur an menschliche, politische Herrscher glaubten, ihn jedoch nicht als König. Sie forderten deshalb vor dem römischen Statthalter mit lautem Geschrei seine Hinrichtung, als ob er ein falscher Christus, ein falscher Messias, gewesen wäre. Auch heute wünschen ihn weitaus die meisten Menschen — selbst innerhalb der Christenheit — nicht wirklich als König; sie setzen sich für menschliche, politische Herrscher ein und verachten, bekämpfen und verfolgen die Christen, die Jesus, ihren Anführer, wirklich nachahmen. Was macht es aber aus, wenn die überwiegende Mehrheit der Menschen Jesus Christus heute nicht als himmlischen König wünscht? Ist das für die Menschheit, für die Lebenden und die Toten, von entscheidender Bedeutung? Ausschlaggebend ist die Entscheidung Gottes, des Allmächtigen. Er erkannte seinen Sohn Jesus an, als sich dieser von Johannes dem Täufer im Jordan taufen ließ. Er erkannte seinen treuen Sohn Jesus an, als dieser vor drei Zeugen auf einem sehr hohen Berg im Norden Palästinas auf wunderbare Weise umgestaltet wurde. (Matthäus 3:17; 17:5) Und er erkannte seinen sündenlosen Sohn an, als dieser am Hinrichtungspfahl auf Golgotha mit dem Tode rang und mit lauter Stimme rief: „Vater, deinen Händen vertraue ich meinen Geist an.“ — Lukas 23:46.

      3. (a) Auf welch unübertreffliche Weise brachte Gott zum Ausdruck, daß er seinen Sohn Jesus Christus, der eines qualvollen Todes gestorben war, anerkannte? (b) Auf welcher Daseinsstufe auferweckte er ihn von den Toten?

      3 Auf unübertreffliche Weise brachte Gott, der Dinge tut, die der schwache Mensch für unmöglich hält, die Anerkennung seines Sohnes, der eines qualvollen Todes gestorben war, zum Ausdruck, indem er Jesus Christus am dritten Tag von den Toten auferweckte. Auf welcher Daseinsstufe? Als Mensch von Fleisch und Blut, ‘ein wenig unter Engel erniedrigt’? Nein, sondern auf einer Stufe des himmlischen Lebens, die über derjenigen stand, deren er sich entäußerte, als er sich der Übertragung seines Lebens in den Mutterleib der jüdischen Jungfrau Maria unterzog. (Philipper 2:5-11) Der Apostel Petrus, der einer der ersten war, die Jesus nach seiner Auferstehung in einem materialisierten Leib sahen, sagte: „Das, was diesem entspricht, rettet jetzt auch euch ... durch die Auferstehung Jesu Christi. Er ist zur Rechten Gottes, denn er ging hin in den Himmel; und Engel und Gewalten und Mächte wurden ihm unterworfen.“ — 1. Petrus 3:21, 22; Hebräer 1:1-4; Lukas 24:34; 1. Korinther 15:5.

      4, 5. Wie wurde Jesus Christus, der „Sohn Davids“, der „Herr“ Davids, und wer wies als erster auf diese Tatsache hin?

      4 Somit wurde der siegreiche Sohn Gottes, der zufolge seiner Geburt durch eine jüdische Jungfrau, die aus der Linie Davids stammte, zu einem „Sohn Davids“ gemacht worden war, weit über König David erhöht. Der Apostel Petrus wies auf diese Tatsache hin, als er am Tag des Festes der Wochen, am fünfzigsten Tag nach der Auferstehung Jesu Christi, unter Inspiration zu Tausenden von Juden sprach. Mit heiligem Geist erfüllt, sagte Petrus zu ihnen:

      5 „Diesen Jesus hat Gott zur Auferstehung gebracht, von welcher Tatsache wir alle Zeugen sind. Da er nun zur Rechten Gottes erhöht worden ist und den verheißenen heiligen Geist vom Vater empfangen hat, hat er das ausgegossen, was ihr seht und hört. Tatsächlich ist David nicht in die Himmel aufgefahren, sondern er sagt selbst: ,Jehova sprach zu meinem Herrn: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde als Schemel deiner Füße hinlege.‘ “ Daher erkenne das ganze Haus Israel mit Gewißheit, daß Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr an den Pfahl brachtet.“ — Apostelgeschichte 2:32-36.

      6. (a) Als was wird David nach seiner Auferstehung Jesus anerkennen müssen? (b) Aus welcher Geschlechtslinie stammte Jesus als Mensch?

      6 In seiner bevorstehenden Auferstehung von den Toten unter dem messianischen Königreich wird David den verherrlichten Jesus Christus als seinen „Herrn“ anerkennen müssen. David wird ihn dann „meinen Herrn“ nennen. (Psalm 110:1) Er wird den Herrn Jesus Christus, der von der Erde in den Himmel erhöht wurde, als den bedeutendsten seiner Nachkommen anerkennen müssen, als ‘die Wurzel und den Sproß Davids’, als ‘den Löwen, der vom Stamme Juda ist’. (Offenbarung 22:16; 5:5) Das ist der Grund, weshalb zwei Linien der Geschlechterfolge Davids mit Jesus, dem Sohn der jüdischen Jungfrau Maria, enden. Der Stammbaum Jesu Christi führt sogar nicht nur bis zu König David, auch nicht nur bis zum Patriarchen Abraham, sondern bis zum ersten Adam zurück, der am Tag seiner Erschaffung im Garten Eden der „Sohn Gottes“ genannt wurde. (Matthäus 1:1-18; Lukas 3:23-38) Jesus Christus ist der einzige, dessen Stammbaum lückenlos bis auf den ersten menschlichen „Sohn Gottes“ zurück erhalten geblieben ist.

      7. (a) Wie lange regierte das Haus des Königs David in Israel? (b) Wie lange wird Jesus Christus regieren, ohne daß ihm ein irdischer König seine Macht streitig machen würde, und wieso?

      7 König David regierte nur vierzig Jahre in Israel. (1. Könige 2:10, 11; 1. Chronika 29:26, 27) Durch zwanzig männliche Thronfolger Davids regierte das Haus des Königs David in Israel insgesamt 470 Jahre oder von 1077 bis 607 v. u. Z. Von welcher anderen Linie von Königen aus ein und derselben Familie in einem anderen Land könnte das gesagt werden? Jesus Christus wird als Davids himmlischer Herr jedoch tausend Jahre über die ganze Menschheit regieren, ohne daß ihm ein irdischer König seine Macht streitig machen würde. Da er unsterblich ist, wird ihm niemand auf seinem himmlischen Thron folgen. Er hat die „Kraft eines unzerstörbaren Lebens“; er hat sein Königtum „ohne irgendwelche Nachfolger“ inne, „weil er für immer am Leben bleibt“. (Hebräer 7:16, 24) Es ist so, wie der Engel Gabriel zu Maria in Nazareth sagte: „Sein Königreich wird kein Ende haben.“ (Lukas 1:33) Folglich ist er der bleibende Erbe des Königs David.

      MITREGENTEN, KEINE NACHFOLGER

      8, 9. (a) Sind die 144 000 Miterben Jesu Christi dessen Thronfolger, und was sagte er nach der Einsetzung des Abendmahls über ihre Vorrechte im Königreich? (b) Wie sagte Daniel diese Teilhaberschaft voraus?

      8 Die 144 000 Miterben Jesu Christi sind nicht seine Thronfolger im Königreich. Sie sind lediglich Mitkönige, über die er von Gott als Haupt eingesetzt worden ist. In Offenbarung 20:4 wird dies wie folgt dargelegt: „Und sie kamen zum Leben und regierten als Könige mit dem Christus [nicht nach dem Christus] für tausend Jahre.“ Das entspricht genau dem, was Jesus Christus in der Passahnacht, nachdem er eine neue Feier — später das Abendmahl des Herrn genannt — eingesetzt hatte, zu seinen treuen Aposteln sagte: „Ihr ... seid es, die in meinen Prüfungen mit mir durchgehalten haben; und ich mache einen Bund mit euch, so, wie mein Vater einen Bund mit mir gemacht hat, für ein Königreich, damit ihr an meinem Tisch in meinem Königreich eßt und trinkt und auf Thronen sitzt, um die zwölf Stämme Israels zu richten.“ (Lukas 22:28-30) Jahrhunderte vor der Zeit Christi hatte der Prophet Daniel schon auf diese Teilhaberschaft hingewiesen mit den Worten:

      9 „Aber die Heiligen des Allerhöchsten werden das Königreich empfangen, und sie werden von dem Königreich Besitz nehmen auf unabsehbare Zeit, ja für unabsehbare Zeit auf unabsehbare Zeiten.“ „Der Alte an Tagen kam[,] und das Recht selbst [wurde] zugunsten der Heiligen des Allerhöchsten gegeben ...[,] und die bestimmte Zeit [kam] heran ..., da die Heiligen das Königreich selbst in Besitz nahmen. Und das Königreich und die Herrschaft und die Größe der Königreiche unter allen Himmeln wurden dem Volk der Heiligen des Allerhöchsten gegeben. Ihr Königreich ist ein auf unabsehbare Zeit dauerndes Königreich, und alle Herrschaften werden selbst ihnen dienen und gehorchen.“ — Daniel 7:18, 22, 27.

      10, 11. (a) Was ist zu der Frage zu sagen, ob die 144 000 Miterben Christi Nachfolger haben werden, und was bedeutet es, daß sie „Erstlinge ... für Gott und für das Lamm“ sind? (b) Welche Gesinnung haben die 144 000, weshalb sie als Könige nicht zu fürchten sind?

      10 Daraus folgt, daß die 144 000 Heiligen Gottes, des Höchsten, für tausend Jahre mit Christus Könige sein werden und daß sie keine Nachfolger haben werden. Es wird von ihnen gesagt: „Diese sind es, die dem Lamme beständig folgen, ungeachtet, wohin er geht. Diese wurden als Erstlinge aus den Menschen für Gott und für das Lamm erkauft.“ (Offenbarung 14:4) Da sie aus den Menschen erkauft worden sind, waren sie einst gewöhnliche Männer und Frauen wie alle übrigen Menschen. Das ist aber für die Bewohner der Erde, über die diese 144 000 als Könige regieren werden, kein Grund zu Befürchtungen. Als „Erstlinge ... für Gott und für das Lamm“ müssen diese streng „heilig“ sein. Ist von seiten der Herrschaft Jesu Christi irgend etwas zu befürchten? Nein! Und ebensowenig wird die Herrschaft der 144 000, die ‘aus den Menschen erkauft wurden’, zu Befürchtungen Anlaß geben. Sie haben stets den Rat des Apostels Paulus befolgt: „Bewahrt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war.“ (Philipper 2:5) Auch den Rat des Apostels Petrus aus 1. Petrus 4:1 haben sie beachtet:

      11 „Da Christus also im Fleische gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit der gleichen Gesinnung; denn wer im Fleische gelitten hat, hat von Sünden abgelassen.“

      12. (a) Was bestimmte Gott hinsichtlich der Mitkönige Christi vorher? (b) Wann sprach Jehova Gott zum erstenmal über diese für die Regierung bestimmte Klasse, und was sagte er über sie?

      12 Offensichtlich mußten die 144 000 in ihrem Denken, in religiöser und sittlicher Hinsicht, ein „Bild“ entwickeln, das dem „Bild“ ihres Anführers und Lehrers, Jesus Christus, entsprach. Das ist etwas, was Jehova Gott, sie betreffend, vorherbestimmte. Wenn er auch nicht die einzelnen aus der Menschheit vorherbestimmte, die zu denen gehören sollten, die dieses Bild Jesu Christi in sich tragen würden, so bestimmte er doch vorher, wie viele es sein sollten: 144 000. Er bestimmte auch vorher, wie er ihnen gegenüber handeln und in welche herrliche himmlische Stellung er sie bringen würde. Jehova Gott befaßt sich schon seit der Zeit der Auflehnung des Menschen im Garten Eden mit der Regierung eines neuen Systems der Dinge für die Menschheit, denn damals sprach er zum erstenmal von dieser Klasse, die eines Tages regieren soll. Er nahm darauf Bezug, als er Satan, dem Teufel, der „Urschlange“, sein Urteil verkündete, indem er sagte: „Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihm die Ferse zertreten.“ — 1. Mose 3:15.

      13, 14. (a) Welche Rolle spielt Jesus Christus in Verbindung mit dem verheißenen „Samen“ des Weibes Gottes? (b) Welche ermunternden Worte schrieb der Apostel Paulus an die Christen, die bestrebt waren, ihre Berufung festzumachen?

      13 Jesus Christus ist selbstverständlich der führende Teil dieses verheißenen „Samens“ des Weibes Gottes. Aber auch die treuen Jünger, die mit Christus zusammen den Kopf der Schlange zertreten werden, gehören dazu. (Römer 16:20) Der Apostel Paulus richtete daher an eine Versammlung dieser Berufenen, die bestrebt waren, ihre Berufung festzumachen und zu sichern, nach Römer 8:28-32 die ermunternden Worte:

      14 „Nun wissen wir, daß Gott alle seine Werke zum Guten derer mitwirken läßt, die Gott lieben, derer, die nach seinem Vorsatz die Berufenen sind; denn die, die er zuerst anerkannt hat, hat er auch vorherbestimmt, nach dem Bilde seines Sohnes gestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei. Überdies sind die, die er vorherbestimmt hat, die, welche er auch berufen hat; und die, die er berufen hat, sind die, welche er auch gerechtgesprochen hat. Schließlich sind die, die er gerechtgesprochen hat, die, welche er auch verherrlicht hat. Was sollen wir nun zu diesen Dingen sagen? Wenn Gott für uns ist, wer wird gegen uns sein? Er, der ja seinen eigenen Sohn nicht verschonte, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch gütigerweise alles andere geben?“

      15. (a) Wieso wird gemäß Gottes Vorherbestimmung in der Regierung seiner neuen Ordnung Eintracht herrschen? (b) Wie werden die Mitglieder dieser Regierung von Gott „gerecht“ gemacht?

      15 Es gilt zu beachten, daß diese Berufenen, ganz gleich, wer sie als einzelne sein mögen, „vorherbestimmt [worden sind], nach dem Bilde seines Sohnes gestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei“. Das setzt voraus und bietet gleichzeitig die Gewähr dafür, daß sie als Söhne Gottes alle wie Christus sein werden. Gott bestimmte also vorher, daß in der Regierung seiner künftigen neuen Ordnung Eintracht herrschen sollte, nicht Uneinigkeit oder Zwietracht. Jedes Mitglied dieser Regierung muß „gerecht“ sein. Gott mußte deshalb eine besondere, aber passende Vorkehrung treffen, um diese Berufenen „gerecht“zusprechen, und das tat er auch durch das Blut des Lammes, Jesu Christi. Wenn er sie von den Toten auferweckt, wird er sie als vollkommene Geistgeschöpfe ihrer gerechten Persönlichkeit entsprechend gerecht machen. (Römer 5:1, 9; 8:1) Alle, die Gott jetzt aufgrund ihres Glaubens an das Blut Jesu Christi gerechtspricht, ehrt oder würdigt er durch gesegnete Vorrechte in seinem Dienst hier auf der Erde. Er stellt ihnen künftige Herrlichkeit in seinem Königreich in Aussicht.

      16. Welche Worte Jesu zeigten seinen Jüngern, ob sie die Politiker dieser Welt nachahmen sollten?

      16 Die Menschheit kann sich darauf verlassen, daß diejenigen, die von Gott anerkannt und zur Königreichsherrlichkeit auferweckt werden, sich in ihrem Amt nicht so verhalten werden wie die Politiker der gegenwärtigen weltlichen Regierungen. Jesus empfahl seinen Jüngern nicht, sich an den Politikern dieser Welt ein Beispiel zu nehmen. Unter seinen 144 000 Mitregenten im himmlischen Königreich wird kein politischer Wettbewerb herrschen. Das finden wir in Lukas 22:24-27 bestätigt: „Es entstand indessen auch ein hitziger Wortstreit unter ihnen darüber, wer von ihnen der Größte zu sein scheine. Er aber sagte zu ihnen: ,Die Könige der Nationen spielen sich als Herren über sie auf, und die, die Gewalt über sie haben, werden Wohltäter genannt. Ihr aber sollt nicht so sein, sondern möge der, der unter euch der Größte ist, wie der Jüngste werden und der, der als Oberster amtet, wie der Dienende. Denn wer ist größer, der zu Tische Liegende oder der Bedienende? Ist es nicht der zu Tische Liegende? Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende.‘ “

      17. Warum kann von Jesus mit Recht gesagt werden, er sei als Gottes Gesandter zu den Menschen gekommen?

      17 Der Sohn Gottes wurde vor etwa 2 000 Jahren nicht in diese Welt gesandt, um ein Politiker zu werden und um sich an Wahlfeldzügen zu beteiligen oder politische Gegner zu bekämpfen, die es auch innerhalb der Nation Israel gab. Er kam, um etwas zu tun, was kein irdischer Politiker tun kann: um die Angehörigen aller Rassen, Nationen und Stämme mit Gott zu versöhnen, mit dem sie in Feindschaft lebten. Er kam, um die friedlichen, freundschaftlichen Beziehungen zwischen ihnen und Jehova Gott, dem großen Lebengeber, wiederherzustellen. Das bedeutete, daß sich der Sohn Gottes opfern mußte. Es wird von ihm mit Recht gesagt, er sei Gottes Gesandter, der zu einem feindlichgesinnten Menschengeschlecht kam, um es zu bitten, sich mit Gott zu versöhnen, damit es nicht von ihm vernichtet werde.

      18. Wie reagierten diejenigen, die Jünger Christi wurden, auf Gottes Gesandten? Wie wirkte sich dies auf sie aus?

      18 Die Jünger Christi nahmen diesen Gesandten Gottes und das, was er als solcher für sie tat, an. Der Apostel Paulus schrieb an solche Jünger in Rom: „Gott aber empfiehlt seine eigene Liebe zu uns dadurch, daß Christus für uns starb, während wir noch Sünder waren. Desto mehr werden wir somit, da wir jetzt durch sein Blut gerechtgesprochen worden sind, durch ihn vor dem Zorn gerettet werden. Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott durch den Tod seines Sohnes versöhnt wurden, so werden wir vielmehr jetzt, da wir versöhnt worden sind, durch sein Leben gerettet werden. Und nicht nur das, sondern wir frohlocken auch in Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.“ — Römer 5:8-11.

      „GESANDTE AN CHRISTI STATT“

      19. (a) Wer hat von der Zeit an, da Christus in den Himmel aufgefahren ist, gegenüber den Menschen als Gesandte gewirkt? (b) Wie betrachten die politischen Herrscher der Welt die von Christus bevollmächtigten Gesandten, und warum?

      19 Seit seiner Himmelfahrt im Frühling des Jahres 33 u. Z. ist Jesus Christus nicht mehr auf der Erde, um dieses Werk eines Gesandten selbst durchzuführen. Daher müssen nun seine versöhnten Jünger an seiner Statt als Gesandte wirken. Die politischen Herrscher und die Regierungen dieser Welt erkennen diese Jünger nicht als Gesandte der höchsten Regierung des Universums an, und diese christlichen Gesandten beraten sich oder verhandeln auch nicht mit den politischen Gesandten der Nationen, um durch einen bei einer solchen Verhandlung von diesen Gesandten unterzeichneten Vertrag die Versöhnung einer ganzen Nation herbeizuführen. Die politischen Herrscher und die Regierungen betrachten diese bevollmächtigten Jünger nach Menschenart, vom herkömmlichen Standpunkt aus, und entsenden keine diplomatischen Vertreter an sie, wie sie es seit Jahrhunderten gegenüber dem Vatikan tun. Für sie sind diese Jünger, die keinen Titel führen, keine Diplomatenkleidung tragen und- nicht im Besitz eines Beglaubigungsschreibens sind, gewöhnliche Menschen. Sie erkennen nicht, daß sie in geistiger Hinsicht neue Geschöpfe sind, die etwas Neues anzubieten haben.

      20. Wie bezeichnete sich Paulus, als er an die Epheser schrieb, obwohl er von Rom nicht als Gesandter anerkannt wurde?

      20 War der Apostel Paulus etwa kein Gesandter der Regierung Gottes, des Höchsten, nur weil er kein Vertreter der Regierung in Jerusalem war und als christlicher Gesandter vom Römischen Reich nicht anerkannt wurde? Obwohl ihm die römische Regierung die Ehre eines Gesandten nicht zuerkannte, bezeichnete er sich als solcher, denn er schrieb während seiner Haft in Rom an die Versammlung in Ephesus (Kleinasien): „Bleibt wach mit aller Beharrlichkeit und mit Flehen für alle Heiligen, auch für mich, daß mir beim Auftun meines Mundes die Fähigkeit zu reden gegeben werde, um mit allem Freimut der Rede das heilige Geheimnis der guten Botschaft bekanntzumachen, für die ich als ein Gesandter in Ketten amte, damit ich in Verbindung damit freimütig rede, wie ich zu reden verpflichtet bin.“ — Epheser 6:18-20.

      21. An wen wenden sich die christlichen Gesandten, um ihrer Verpflichtung nachzukommen?

      21 Ein bevollmächtigter Christ sollte nicht den Standpunkt der mit Jehova Gott verfeindeten politischen Regierungen dieser Welt einnehmen. Der Christ hat sein Gesandtenamt von Gott durch Christus empfangen, und er sollte die Verantwortung, die diese neue Ehre für ihn mit sich bringt, erkennen und auf sich nehmen. Da er kein weltlicher Gesandter ist, begibt er sich in seiner neuen Eigenschaft nicht zu den politischen Regierungen. Was die Versöhnung mit Gott betrifft, kann eine Regierung nicht für das ganze Volk handeln und das Verhältnis ihrer Untertanen zu Gott ändern. Es handelt sich dabei um eine persönliche Sache, in der jeder einzelne sich selbst entscheiden und selbst handeln muß. Darum wenden sich die geistigen, christlichen Gesandten direkt — nicht durch die politischen Regierungen — an die Menschen. Der Apostel Paulus gab deutlich zu verstehen, von welch größerer Bedeutung diese neue Verantwortung gegenüber der früheren Stellung eines Menschen war, indem er sagte:

      22. Welchen Dienst verrichten die christlichen Gesandten, an wessen Statt wirken sie, und was nicht zu tun, bitten sie die Versöhnten?

      22 „Wenn somit jemand in Gemeinschaft mit Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung [ein neues Geschöpf, Zürcher Bibel]; die alten Dinge sind vergangen, siehe! neue Dinge sind ins Dasein gekommen. Alle Dinge aber sind von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat, nämlich daß Gott durch Christus eine Welt mit sich versöhnte, indem er ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnete, und er hat uns das Wort der Versöhnung anvertraut. Wir sind daher Gesandte an Christi Statt, als ob Gott durch uns inständig bitte. An Christi Statt bitten wir: ,Werdet versöhnt mit Gott.‘ Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir in Gemeinschaft mit ihm Gottes Gerechtigkeit würden. Mit ihm zusammenarbeitend, bitten wir euch auch inständig, nicht die unverdiente Güte Gottes anzunehmen und ihren Zweck zu verfehlen.“ — 2. Korinther 5:17 bis 6:1.

      23. Welche schwerwiegenden Einschränkungen erlegt die Aufgabe, als „Gesandte an Christi Statt“ zu wirken, Gottes Vertretern auf?

      23 „Gesandte an Christi Statt“ zu sein auferlegt den Vertretern Gottes, die in Gemeinschaft mit Christus neue Geschöpfe sind, schwerwiegende Einschränkungen. Was für Einschränkungen? Ähnliche wie die, denen sich Gesandte der politischen Nationen unterziehen müssen. Wie in biblischen Zeiten, so dürfen sich Gesandte auch heute nicht in die Politik der fremden Nation einmischen, zu der sie entsandt worden sind. (Lukas 19:12-15, 27) Sie können sich zwar mit einem Appell oder sogar mit einem Protest an diese fremde Regierung wenden, aber sie müssen sich ihrer Politik gegenüber streng neutral verhalten. Sie müssen der Regierung ihrer Heimat loyal ergeben bleiben und im Verkehr mit fremden Regierungen eifersüchtig die Interessen ihrer Regierung wahren. Sollten sie sich nicht entsprechend verhalten, so kann ihre Anerkennung abgelehnt oder ihr Beglaubigungsschreiben zurückgewiesen und ihnen der Aufenthalt in dem betreffenden Land verweigert werden.

      24. Wo befindet sich das Bürgertum dieser geistigen Gesandten, welche Regierung vertreten sie, und was tun sie der Welt gegenüber nicht, weshalb sie sich rein erhalten?

      24 Die 144 000 Miterben Christi haben erkannt, daß sie, solange sie auf der Erde sind, „Gesandte an Christi Statt“ sind. Aufgrund ihrer Erkenntnis der Heiligen Schrift wissen sie, was es im Hinblick auf ihr Verhältnis zu dieser mit Gott verfeindeten Welt in Wirklichkeit für sie bedeutet, solche Gesandte zu sein. (Römer 5:10) Sie legen das gleiche Bekenntnis ab wie der Apostel Paulus: „Unser Bürgertum besteht in den Himmeln, von woher wir auch sehnlich einen Retter erwarten, den Herrn Jesus Christus.“ (Philipper 3:20) Sie müssen in dieser feindseligen Welt treue Vertreter des himmlischen Königreiches sein, das der Herr Jesus Christus ihnen in der ganzen Welt zu predigen gebot. (Matthäus 24:14) Da sie in geistigem Sinne Gesandte in einer feindseligen Welt sind, dürfen sie sich nicht in die Politik irgendeiner Nation dieser Welt einmischen. Sie dürfen sich nicht an politischen Wahlfeldzügen beteiligen und können ebensowenig ein Amt in einer weltlichen Regierung bekleiden, wie ein weltlicher Gesandter, der nicht mehr als einem Land die Treue halten kann, in einem fremden Land ein politisches Amt übernehmen könnte. Auf diese Weise erhalten sie sich von der Gemeinschaftsverantwortung rein, die wegen der schlechten Handlungsweise und der Blutschuld eines Volkes auf demselben ruhen mag.

      25. Wieso beten die 144 000 Königreichsmiterben das „wilde Tier“ und dessen „Bild“ nicht an und empfangen deshalb dessen Kennzeichen nicht auf ihre Stirn und ihre Hand?

      25 Angesichts dieser Tatsachen können wir das, was der Apostel Johannes über die 144 000 Mitkönige Christi sagte, besser verstehen: „Ich sah die Seelen derer, die mit dem Beil hingerichtet worden waren wegen des Zeugnisses, das sie für Jesus abgelegt, und weil sie von Gott geredet hatten, und die, die weder das wilde Tier noch sein Bild angebetet und die das Kennzeichen nicht auf ihre Stirn und auf ihre Hand empfangen hatten. Und sie kamen zum Leben und regierten als Könige mit dem Christus für tausend Jahre.“ (Offenbarung 20:4) Unter dem erleuchtenden Einfluß des Geistes Gottes haben sie erkannt, daß das „wilde Tier“, dessen Zahl 666 ist, das weltweite politische System des Teufels ist, durch das dieser der „Herrscher dieser Welt“ ist. Sie haben erkannt, daß heute das „Bild“ dieses politischen wilden Tieres eine weitere politische Organisation ist: die Vereinten Nationen, die von Menschen geschaffene Organisation für den Frieden und die Sicherheit dieser mit Gott verfeindeten Welt. Nur wenn sie sich von der Einmischung in die Politik und die Auseinandersetzungen dieses symbolischen „wilden Tieres“ rein erhalten, bewahren sie sich davor, das Kennzeichen auf ihre Stirn oder ihre Hand zu empfangen.

      26. Was leisten die 144 000 den „obrigkeitlichen Gewalten“ dieser Welt, obwohl sie das „wilde Tier“ nicht anbeten und dessen „Kennzeichen“ nicht empfangen? Doch in welchem Ausmaß tun sie es nur?

      26 Die 144 000 sind weder Sklaven noch Anbeter des „wilden Tieres“ und seines politischen „Bildes“. Sie geben sich nicht wie durch ein Kennzeichen auf der entblößten Stirn offen als Sklaven dieses „wilden Tieres“ — der unter dem Einfluß Satans, des Teufels, stehenden menschlichen Herrschaft — zu erkennen. Sie weisen nicht dessen politisches „Kennzeichen“ auf ihrer Hand auf, indem sie dem „wilden Tier“ als Sklaven und Anbeter ihre aktive Unterstützung — gewissermaßen die „rechte Hand der Mitteilhaberschaft“ — leihen würden. Sie befolgen zwar den Rat des Apostels Paulus in Römer 13:1-7 und sind den „obrigkeitlichen Gewalten“ dieser Welt gewissenhaft „untertan“, indem sie Steuern zahlen und andere Dinge tun, wozu sie verpflichtet sind. Ihre Unterordnung ist aber nicht eine absolute, sondern nur eine bedingte Unterordnung, und das aus folgendem wichtigen Grund: Wenn die Gesetze und Verfügungen der irdischen obrigkeitlichen Gewalten den Gesetzen und Verfügungen Gottes, des Höchsten, widersprechen, dann müssen sie genauso handeln wie die Apostel Christi, die vor dem höchsten Gerichtshof in Jerusalem sagten: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apostelgeschichte 5:29) Nur wenn sie so handeln, bewahren sie sich davor, das „Kennzeichen“ des „wilden Tieres“ zu empfangen, und erweisen sie sich als würdig, mit Christus im Himmel zu regieren.

      27. Welches Erkennungszeichen weisen die 144 000 gemäß Offenbarung 22:4 an ihrer Stirn auf?

      27 Die 144 000 Treuen werden daher ohne jede Befleckung durch die Politik dieser selbstsüchtigen Welt in das himmlische Königreich Christi gelangen. Über das einzige Erkennungszeichen, das diese treuen Diener Gottes an ihrer Stirn aufweisen, heißt es in Offenbarung 22:3-5: „Seine Sklaven werden ihm heiligen Dienst darbringen; und sie werden sein Angesicht sehen, und sein Name wird auf ihrer Stirn sein. ... Jehova Gott wird ihnen Licht geben. Und sie werden immer und ewiglich als Könige regieren.“

      DER SEGEN DER TAUSENDJÄHRIGEN AMTSZEIT

      28. (a) Inwiefern wird es für die 144 000 von Vorteil sein, tausend Jahre ohne Nachfolger zu regieren? (b) Was werden Satan und seine Dämonen hinsichtlich der göttlichen Herrschaft tun, wenn sie losgelassen werden, und was wird mit denen geschehen, die sich irreführen lassen?

      28 Welch wunderbares Vorrecht und welch wunderbare Gelegenheit für sie, mit Christus als Könige tausend Jahre zu regieren, nachdem Satan, der Teufel, und seine Dämonen gebunden und in den Abgrund geworfen worden sind! Das wird ihnen genügend Zeit zur vollständigen und erfolgreichen Durchführung des Werkes einräumen, das Jehova Gott für die ersten tausend Jahre seiner neuen Ordnung vorgesehen hat. Weder sie noch Jesus Christus werden Nachfolger haben, die sie in ihrem Amt ablösen und versuchen würden, alles, was sie zustande gebracht haben, umzustoßen, oder die darauf bestehen würden, alles anders zu tun. Gemäß Offenbarung 20:7-10 werden Satan, der Teufel, und seine Dämonen versuchen, alles umzustoßen, wenn sie am Ende der tausend Jahre losgelassen werden. Sie werden versuchen, alles zunichte zu machen, was die Millenniumsregierung zur Ehre Gottes und zum Segen der Menschheit zustande gebracht haben wird, aber es wird ihnen nicht gelingen. Personen, die Satan dann irrezuführen vermag, werden feststellen müssen, daß ihre Auflehnung gegen die göttliche Herrschaft erfolglos und von kurzer Dauer sein wird. Diese irdischen Rebellen werden zusammen mit Satan und seinen Dämonen aus dem Reich der Lebendigen vertilgt werden.

      29. (a) Wie wird es sich am Ende der tausend Jahre zeigen, daß Gott seinen Sohn nicht vergeblich gesandt hat und daß dieser nicht vergeblich gestorben ist? (b) Wieso werden Christus und die 144 000 Grund haben, sich darüber zu freuen, daß ihre tausendjährige Herrschaft nicht vergeblich war?

      29 Die Tausendjahrherrschaft Jesu Christi und seiner 144 000 Königreichsmiterben wird kein Fehlschlag sein. Die Wiederherstellung des Menschengeschlechts zur Vollkommenheit in einem weltweiten Paradies wird zur Tatsache geworden sein. Ja, Jesus Christus, der Sohn Gottes, wird nicht umsonst gestorben sein, und Gott wird ihn in seiner Liebe nicht vergeblich in diese Welt gesandt haben. Die treuen Verteidiger der universellen Souveränität Jehovas, die die Prüfung ihrer Loyalität bestehen, wenn Satan für eine kleine Weile losgelassen wird, werden ein überwältigender Beweis dafür sein, daß Gott, der Allmächtige, der Schöpfer, die Erde mit Männern und Frauen bevölkern kann, die an ihrer Lauterkeit ihm gegenüber unverbrüchlich festhalten. Sie werden es daher verdienen, daß Jehova Gott, der höchste Richter, sie gerechtspricht und ihnen das unverletzliche Recht verleiht, ihm für immer im irdischen Paradies in Frieden und Glück zu dienen. (Offenbarung 20:5) Jesus Christus und seine 144 000 Mitkönige werden sich über diesen Ausgang des göttlichen Gerichts der Menschheit freuen, und sie werden das Bewußtsein haben können, daß ihre tausendjährige Herrschaft von Erfolg gekrönt war.

      30. Als was, außer als Könige, müssen die 144 000 mit Christus tausend Jahre amten, und welche Fragen erheben sich deshalb?

      30 Die herrliche Vision, die der Apostel Johannes hatte, offenbart uns jedoch, daß die 144 000 Königreichsmiterben Christi noch mehr tun werden, als nur tausend Jahre mit Christus als Könige zu regieren. In Offenbarung 20:6 heißt es von diesen 144 000 Teilhabern an der „ersten Auferstehung“, daß sie auch „Priester Gottes und des Christus“ sein werden. Warum müssen sie auch für tausend Jahre „Priester“ sein? Was wird durch ihre Priestertätigkeit erreicht, das durch das Königtum allein nicht bewirkt werden kann? Wir wollen uns bemühen, auf diese Fragen hinsichtlich der kommenden tausend Jahre ebenfalls eine befriedigende Antwort zu erhalten.

  • Eine Priesterschaft für tausend Jahre, die keine eigennützigen Interessen verfolgt
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 6. Kapitel

      Eine Priesterschaft für tausend Jahre, die keine eigennützigen Interessen verfolgt

      1, 2. (a) Warum haben die in geschichtlichen Aufzeichnungen erwähnten Priester die Menschen so schlecht behandelt? (b) Wann zeigte es sich in Lystra, welcher Gegensatz zwischen dem griechischen Gott Zeus und dem lebendigen Gott der Juden bestand?

      SCHON in den frühesten geschichtlichen Aufzeichnungen finden wir viele Hinweise auf Priester. Die Menschen sind aber von Priestern irregeführt, betrogen, ausgebeutet und unterdrückt worden, weil weitaus die meisten keine Priester des einen lebendigen und wahren Gottes waren. Auf diese Tatsache wurde ein Priester, der vor neunzehnhundert Jahren dem höchsten Gott der heidnischen Griechen diente, aufmerksam gemacht. Auf welche Weise?

      2 Es geschah um das Jahr 47/48 u. Z. in Lystra, einer Stadt in der römischen Provinz Lykaonien (Kleinasien). Die Einwohner dieser Stadt verehrten den Gott, den die Römer Jupiter, die Griechen jedoch Zeus nannten. Welch krasser Gegensatz zwischen der Gottheit Zeus oder Jupiter und dem einen lebendigen und wahren Gott bestand, zeigte sich, als zwei Männer, die das Königreich Gottes predigten, in diese Stadt kamen. Einer von ihnen war Paulus, der Jahre zuvor zu der jüdischen Sekte der Pharisäer gehört hatte, und der andere war Barnabas, ein Levit, der mit dem Tempel in Jerusalem verbunden gewesen war. Über das, was dort geschah, berichtet der Arzt Lukas:

      3. Welche Wunderheilung in Lystra veranlaßte den dortigen Priester des Zeus, Schlachtopfer darbringen zu wollen?

      3 „Nun saß da in Lystra ein gewisser Mann, der an seinen Füßen behindert und vom Schoße seiner Mutter an lahm war, und er war noch gar nie umhergegangen. Dieser Mann hörte Paulus reden, der, als er ihn unverwandt anschaute und sah, daß er den Glauben hatte, gesund gemacht zu werden, mit lauter Stimme sprach: ,Stelle dich aufrecht auf deine Füße.‘ Und er sprang auf und begann umherzugehen. Und als die Volksmengen sahen, was Paulus getan hatte, erhoben sie ihre Stimme und sagten auf lykaonisch: ,Die Götter sind wie Menschen geworden und sind zu uns herabgekommen!‘ Und sie nannten Barnabas dann Zeus, Paulus aber Hermes [Merkurius, Lu], da er der Wortführer war. Und der Priester des Zeus, dessen Tempel sich vor der Stadt befand, brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte mit den Volksmengen Schlachtopfer darbringen.

      4. Wie verhinderten Barnabas und Paulus, daß ihnen Schlachtopfer dargebracht wurden?

      4 Als jedoch die Apostel Barnabas und Paulus davon hörten zerrissen sie ihre äußeren Kleider und sprangen hinaus unter die Volksmenge, wobei sie ausriefen und sagten: ,Männer, warum tut ihr das? Auch wir sind Menschen und haben die gleichen Gebrechen wie ihr und verkünden euch die gute Botschaft, damit ihr euch von diesen nichtigen Dingen abwendet zu dem lebendigen Gott hin, der den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat. In den vergangenen Generationen ließ er alle Nationen ihre eigenen Wege gehen, obwohl er sich allerdings nicht ohne Zeugnis gelassen hat, indem er Gutes tat, da er euch Regen vom Himmel und fruchtbare Zeiten gab und euer Herz mit Speise und Fröhlichkeit erfüllte.‘ Und trotzdem hielten sie dadurch, daß sie dies sagten, die Volksmengen kaum davon zurück, ihnen Schlachtopfer darzubringen.“ — Apostelgeschichte 14:8-18.

      5. Worin zeigte es sich später, wie wankelmütig jene Volksmengen in ihrer religiösen Begeisterung waren, und wie handelten die Priester daher nach wie vor in Lystra?

      5 Einige Bewohner von Lystra wurden Jünger Jesu Christi und Anbeter des „lebendigen Gottes“; die Volksmengen im allgemeinen aber nicht. Wie wankelmütig und unbeständig jene Volksmengen in ihrer religiösen Begeisterung waren, zeigte sich darin, daß sie sich einige Zeit später von den jüdischen Feinden des Christentums dazu überreden ließen, den wunderwirkenden Paulus zu steinigen, worauf sie ihn, in der Meinung, er sei tot, außerhalb der Stadt liegen ließen. Der Stadtpriester des Zeus unternahm offenbar nichts dagegen, und die Volksmengen von Lystra fuhren fort, Zeus zu verehren, und ließen sich nach wie vor von dessen Priester irreführen und ausbeuten. Und den jüdischen Verfolgern des Christentums gefiel es so in Lystra. — Apostelgeschichte 14:19-22.

      6. Wieso beweist der Bericht über das Verhör und die Hinrichtung Jesu am Pfahl, daß selbst Priester des lebendigen Gottes schlecht werden können?

      6 Wie die Berichte zeigen, gab es sogar unter den jüdischen Priestern, die doch im Dienste des „lebendigen Gottes“ standen, solche, die schlecht wurden. Wer ging zum Beispiel an jenem berüchtigten Passahtag des Jahres 33 u. Z. darin führend voran, Jesus Christus als König der Juden zu verwerfen, als die Volksmenge unter lautem Geschrei seine Hinrichtung am Pfahl verlangte und der römische Statthalter sie zurückzuhalten versuchte, indem er sie fragte: „Soll ich euren König an den Pfahl bringen?“? Der Bericht lautet: „Pilatus sprach zu ihnen: ,Soll ich euren König an den Pfahl bringen?‘ Die Oberpriester antworteten: ,Wir haben keinen König außer Cäsar.‘ Dann lieferte er ihn also ihnen aus, damit er an den Pfahl komme.“ (Johannes 19:14-16) Wer gehörte zu denen, die dann später an diesem Tag, als Jesus auf Golgotha am Hinrichtungspfahl hing, mit ihm Spott trieben, als sie an ihm vorübergingen, und lästerlich über ihn redeten? In dem Bericht heißt es ganz offen: „Gleicherweise begannen auch die Oberpriester samt den Schriftgelehrten und älteren Männern Spott mit ihm zu treiben und zu sagen: ,Andere hat er gerettet; sich selbst kann er nicht retten! Er ist König von Israel; er steige nun vom Marterpfahl herab, und wir wollen an ihn glauben. Er hat auf Gott vertraut; Er befreie ihn nun, wenn Er ihn haben will, denn er sagte: „Ich bin Gottes Sohn.“ ‘ “ — Matthäus 27:39-43.

      7. Was war in bezug auf das Verhältnis der Oberpriester zu Gott eindeutig zu erkennen, als Petrus und Johannes und später alle zwölf Apostel vor dem jüdischen Sanhedrin in Jerusalem standen?

      7 Mit den „Oberpriestern“ sind vor allem Annas (der als Hoherpriester abgesetzt worden war) und sein Schwiegersohn Kaiphas gemeint. (Lukas 3:1, 2; Johannes 18:13, 24; Apostelgeschichte 4:5, 6) Als diese Oberpriester und die übrigen Mitglieder des höchsten Gerichtshofes (des Sanhedrins) in Jerusalem den christlichen Aposteln Petrus und Johannes geboten, „sich nirgends aufgrund des Namens Jesu zu äußern oder zu lehren“, sagten Petrus und Johannes zu diesen Oberpriestern: „Ob es in den Augen Gottes gerecht ist, eher auf euch zu hören als auf Gott, urteilt selbst. Wir aber, wir können nicht aufhören, von den Dingen zu reden, die wir gesehen und gehört haben.“ (Apostelgeschichte 4:18-20) Einige Zeit danach standen alle zwölf Apostel Jesu Christi vor diesem höchsten Gericht in Jerusalem, und der Hohepriester, der den Vorsitz führte, hörte, wie diese Apostel zu ihm und zu allen übrigen Mitgliedern des Gerichts sagten: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apostelgeschichte 5:29) Ohne Zweifel dienten jene jüdischen Oberpriester nicht mehr dem „lebendigen Gott“. Sie vertraten ihn nicht mehr.

      8. Welche Männer, die sich einen ähnlichen Ruf erworben haben wie jene jüdischen Oberpriester, werden nicht zu denen gehören, die mit Christus für tausend Jahre Priester sein werden?

      8 Zu diesem Bericht in der Bibel finden wir eine Parallele in den Männern, die in den Religionsgemeinschaften der Christenheit den Titel „Priester“ tragen, denn auch sie haben sich einen solch abscheulichen, verwerflichen Ruf erworben, wie das aus der Kirchen- und aus der Weltgeschichte hervorgeht. Es könnte einen schaudern und ängstigen, wenn man daran denkt, daß solche irdischen Priester unter denjenigen sein könnten, von denen es in Offenbarung 20:6 heißt: „Sie werden Priester Gottes und des Christus sein und werden als Könige die tausend Jahre mit ihm regieren.“ Wir sind froh, der inspirierten Heiligen Schrift zu entnehmen, daß solche Männer nicht zu denen gehören werden, die mit Jesus Christus im Himmel für tausend Jahre Priester sein werden.

      9. Welcher Bericht in der Bibel zeigt, ob alle jüdischen Priester so waren wie jene Oberpriester?

      9 Um aber gerecht zu sein, muß auch gesagt werden, daß nicht alle jüdischen Priester, die im Tempel in Jerusalem dienten, schlechte Priester waren. Das wird in der Bibel eindeutig bestätigt, denn nach dem Bericht darüber, wie die damalige leitende Körperschaft der Christenversammlung eine Schwierigkeit behob, die in der Versammlung in Jerusalem entstanden war, lesen wir in Apostelgeschichte 6:7: „Infolgedessen wuchs das Wort Gottes weiterhin, und die Zahl der Jünger mehrte sich in Jerusalem fortgesetzt sehr; und eine große Menge Priester begann dem Glauben gehorsam zu sein.“

      10. Was taten die Priester und Leviten, die an Jesus glaubten, hinsichtlich ihrer Stellung im Tempel, und in welche Priesterschaft wurden sie aufgenommen?

      10 Nachdem diese Priester aus dem Geschlecht Aarons, des Bruders des Propheten Moses, im Namen des Herrn Jesus, des Messias und des Sohnes Gottes, getauft worden waren, gaben sie ihre Stellung als Priester im Tempel in Jerusalem selbstverständlich auf. Auch Joseph Barnabas von Zypern gab seine Stellung als Levit in diesem Tempel auf. (Apostelgeschichte 4:36, 37) Diese ehemaligen Priester wurden nun aber Glieder einer größeren Priesterschaft: der „königlichen Priesterschaft“, über die der Apostel Petrus den Christen, die die himmlische Hoffnung hatten, sagte: „Ihr aber seid ,ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk zum besonderen Besitz, damit ihr die Vorzüglichkeiten‘ dessen ,weit und breit verkündet‘, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat.“ — 1. Petrus 2:9; 1:3, 4.

      11. Warum war Jesus Christus als Mensch auf der Erde kein jüdischer Priester? Dem Priestertum welchen Hohenpriesters war sein Priestertum jedoch nachgebildet?

      11 Interessanterweise ging der Hohepriester dieser „königlichen Priesterschaft“, dieses „Königreiches von Priestern“, nicht aus einer irdischen Priesterschaft hervor. (2. Mose 19:6) Jesus Christus war zwar dem Fleische nach ein Jude oder Israelit, aber er entstammte nicht der Familie Aarons (aus dem Stamme Levi), auf die das jüdische Priestertum beschränkt war. Als „Sohn der Maria“ entstammte Jesus der königlichen Familie Davids und daher dem Stamme Juda. „Denn es ist ganz klar, daß unser Herr dem Stamm Juda entsprungen ist, einem Stamm, über den Moses in bezug auf Priester nichts gesagt hat.“ (Hebräer 7:14) Es kann also nicht gesagt werden, Jesus Christus sei der himmlische Hohepriester geworden, weil er als Mensch auf der Erde ein Priester gewesen sei. Wie er als König auch ein Priester wurde, wollen wir nun herausfinden. Sein wahres Priestertum war indes dem Priestertum des jüdischen Hohenpriesters Aaron nachgebildet.

      DER NUTZEN EINES WAHREN PRIESTERS DES „LEBENDIGEN GOTTES“

      12. Von welchem Nutzen ist gemäß Hebräer 5:1-3 ein Priester überhaupt?

      12 Von welchem Nutzen ist ein Priester überhaupt? Nun, er tut etwas, was ein König nicht tun kann. Nicht über die wertlose Priesterschaft eines heidnischen Gottes, sondern über die Priester aus der Familie Aarons, des Leviten, lesen wir in Hebräer 5:1-3: „Denn jeder aus den Menschen genommene Hohepriester wird zugunsten der Menschen über die Dinge eingesetzt, die Gott betreffen, damit er Gaben und Schlachtopfer für Sünden darbringe. Er ist imstande, mit den Unwissenden und Irrenden maßvoll zu verfahren, da auch er [wie der Hohepriester Aaron] von seiner eigenen Schwachheit umgeben ist, und ihretwegen ist er verpflichtet, sowohl für sich selbst wie für das Volk Opfergaben für Sünden darzubringen.“

      13. (a) Wann benötigte die Menschheit keinen Priester? (b) Warum konnte Jesus ein Hoherpriester werden und ein Opfer darbringen?

      13 Wenn die Menschen nicht gegen den „lebendigen Gott“ sündigen würden, wäre kein Priester, vor allem kein Hoherpriester nötig. Der vollkommene Mensch Adam im Garten Eden benötigte keinen Priester, denn er war von Jehova Gott, der nicht der Urheber der Sünde ist, sündenlos erschaffen worden. (1. Mose 2:7, 8; Prediger 7:29) Jesus Christus, der der „letzte Adam“ genannt wird, wurde in ein Geschlecht von Sündern geboren, aber er benötigte keinen Priester, denn er war von Maria, einer Jungfrau, geboren worden und hatte sein Leben direkt von Gott empfangen. Er war sündenlos geboren, wuchs sündenlos auf und blieb sündenlos bis zu seinem Opfertod. (1. Korinther 15:45-47; Hebräer 7:26; 1. Petrus 2:21-24) Da er sündenlos war, konnte er ein Hoherpriester werden und ein vollkommenes Opfer darbringen.

      14, 15. (a) Wurde Jesus Christus von sich aus Hoherpriester, oder wie? (b) Wieso erfüllte Jehova dadurch, daß er Jesus auferweckte, Psalm 2:7, und wieso konnte Jesus dann ein Priester nach der Weise Melchisedeks werden?

      14 Wer machte Jesus Christus zu einem Hohenpriester, obwohl er dem königlichen Stamm Juda angehörte? Wollte er sich selbst zum Hohenpriester machen? Nein; das hätte er nicht tun können. Das wird uns klar, wenn wir Hebräer 5:4-6 lesen: „Auch nimmt niemand diese Ehre von sich aus, sondern nur, wenn er von Gott berufen ist, so, wie auch Aaron war. So hat sich der Christus ebenfalls nicht selbst dadurch verherrlicht, daß er ein Hoherpriester wurde, sondern ist von dem verherrlicht worden, der mit Bezug auf ihn sprach: ,Du bist mein Sohn, ich, ich bin heute dein Vater geworden.‘ So, wie er auch an anderer Stelle sagt: ,Du bist Priester für immer nach der Weise Melchisedeks.‘ “

      15 Durch die Auferweckung Jesu Christi von den Toten erfüllte Gott, der Allmächtige, diese aus Psalm 2:7 zitierten, von David stammenden Worte und wurde so für den auferweckten Jesus Christus ein ewiger Vater, während jener — da unverweslich auferweckt — der ewige Sohn seines himmlischen Lebengebers, Jehovas Gottes, wurde. Da er nun ein unverweslicher Sohn war, konnte er zu einem „Priester für immer“ gemacht werden, der keinen Nachfolger benötigte und der dann ein Priester „nach der Weise Melchisedeks“ wäre. — Apostelgeschichte 13:33-37; Psalm 110:4.

      16. Wer war dieser Melchisedek, und wie erschien er gemäß dem ersten Buch Mose auf dem Schauplatz der Geschichte?

      16 Wer war Melchisedek, diese geheimnisvolle historische Gestalt? Er war kein Hebräer. Er war kein Israelit, kein Levit, kein Jude. Er trat zwischen den Jahren 1943 und 1933 v. u. Z. plötzlich in der Gegend auf, wo heute Jerusalem liegt. „Abram, der Hebräer“, begegnete ihm dort, als er von einem Kriegszug an den Ort zurückkehrte, der in der Nähe des heutigen Hebron lag. Außer dem nachstehenden Bericht finden wir in den Hebräischen Schriften nichts über diese Begegnung: „Dann kam der König von Sodom heraus, ihm entgegen, nachdem er zurückgekehrt war von der Besiegung Kedorlaomers und der Könige, die mit ihm waren in die Talebene Schawe, das ist des Königs Talebene. Und Melchisedek, König von Salem, brachte Brot und Wein heraus, und er war Priester Gottes, des Höchsten. Dann segnete er ihn und sprach: ,Gesegnet sei Abram von Gott, dem Höchsten, dem, der Himmel und Erde hervorgebracht hat; und gesegnet sei Gott, der Höchste, der deine Bedrücker in deine Hand geliefert hat!‘ Darauf gab ihm Abram den Zehnten von allem.“ — 1. Mose 14:17-20.

      17. In welcher Hinsicht schattete Melchisedek Jesus Christus als Hohenpriester vor, und war Jesus der Nachfolger Melchisedeks?

      17 Wir erfahren aus diesem Bericht nicht, wer der menschliche Vater Melchisedeks war, so daß wir sagen könnten, Melchisedek habe sein Priestertum von diesem ererbt. Wir erfahren daraus auch nicht, wann Melchisedek starb, so daß wir sagen könnten, wann sein Priestertum endete. Sein Priestertum erstreckte sich demnach über eine unbestimmte Zeit, und so wird auch nichts von einem Nachfolger Melchisedeks berichtet. In dieser Hinsicht konnte er dazu dienen, den Hohenpriester Jesus Christus vorzuschatten, oder es konnte von Jesus Christus gesagt werden, er sei „ein Priester für immer nach der Weise Melchisedeks“. Jesus Christus empfing sein Priestertum nicht von Melchisedek; er war kein Nachfolger des Priesters Melchisedek. Er war lediglich Priester nach der „Weise“ jenes König-Priesters von Salem.

      18. Wie wird Jesus Christus, der Bedeutung des Namens Melchisedek entsprechend, sein Priesteramt ausüben, und was erfahren wir aus Hebräer 6:20 bis 7:3 über Melchisedek?

      18 Da der Name Melchisedek „König der Gerechtigkeit“ bedeutet und da Jesus Christus Priester nach der „Weise“ Melchisedeks ist, bietet dies die Gewähr dafür, daß Jesus Christus, der Hohepriester für tausend Jahre, gerecht handeln und sein Priesteramt ohne Intrigen und ohne eigennützige Interessen zu verfolgen, ausüben wird. Das finden wir in Hebräer 6:20 bis 7:3 sehr gut erklärt, wo wir lesen: „Jesus, der für immer Hoherpriester nach der Weise Melchisedeks geworden ist. Dieser Melchisedek nämlich, König von Salem, Priester Gottes, des Höchsten, der Abraham entgegenkam, als er von der Schlachtung der Könige zurückkehrte, und ihn segnete und dem Abraham den Zehnten von allen Dingen zuteilte, ist fürs erste, nach der Übersetzung, ,König der Gerechtigkeit‘ und dann auch König von Salem, das ist ,König des Friedens‘. Da er ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister ist und weder einen Anfang der Tage noch ein Ende des Lebens hat, sondern dem Sohn Gottes gleichgemacht ist, bleibt er ein Priester für immer.“

      19. Wie war Melchisedek, was das Priestertum betraf, „dem Sohn Gottes gleichgemacht“ worden, und worauf beruhte somit das Priestertum Jesu?

      19 Wie wurde Melchisedek „dem Sohn Gottes gleichgemacht“, oder in welchem Sinne wurde er gebraucht, um Jesus Christus, den Sohn Gottes, zu veranschaulichen? Indem Jehova Gott ihn als Vorbild benutzte, als er von einem Eid sprach, den er zugunsten seines Sohnes Jesus Christus zu schwören beabsichtigte. Gott inspirierte König David zu den Worten in Psalm 110:1-4: „Der Ausspruch Jehovas an meinen Herrn ist: ,Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde als Schemel für deine Füße hinlege.‘ ... Jehova hat geschworen (und es wird ihn nicht gereuen): ,Du bist Priester auf unabsehbare Zeit nach der Weise Melchisedeks!‘ “ Wie das Priestertum Melchisedeks, so sollte also auch das Priestertum Jesu Christi nicht auf menschlicher Abstammung und Vererbung beruhen. Jesus Christus empfing sein Priestertum weder durch Melchisedek noch durch die Priesterfamilie Aarons aus dem Stamme Levi. Das Priestertum Jesu beruhte auf dem Eidschwur Jehovas und auf Jesu Auferweckung von den Toten zu unverweslichem Leben im Himmel zur Rechten Gottes.

      20, 21. (a) Warum war es notwendig, daß im Interesse der dem Tode unterworfenen Menschheit ein Wechsel in bezug auf das Priestertum herbeigeführt wurde, ein Wechsel vom Priestertum Aarons zu einem Priestertum, das dem Priestertum Melchisedeks entsprach? (b) Wie wird dies in Hebräer 7:11-14 dargelegt?

      20 Das Priestertum der levitischen Familie Aarons war in dem Gesetz begründet, das Jehova Gott dem Volk Israel durch den Mittler Moses am Berg Sinai in Arabien gegeben hatte. Da die Familie Aarons aber von dem Übertreter Adam Sünde und Unvollkommenheit ererbt hatte, konnte aus ihr kein vollkommener Hoherpriester und keine vollkommene Priesterschaft hervorgehen. (Römer 5:12) Die Lage der ganzen Menschheit machte es also notwendig, daß Jehova Gott einen Wechsel in bezug auf das Priestertum herbeiführte, einen Wechsel, durch den eine unvollkommene, dem Tode unterworfene Priesterschaft durch eine vollkommene, für immer bleibende Priesterschaft abgelöst wurde. Das erforderte einen Hohenpriester, der dem Melchisedek der alten Zeit entsprach. Das ist auch mit den Worten in Hebräer 7:11-14 gemeint:

      21 „Wenn also wirklich durch das levitische Priestertum die Vollkommenheit käme (denn mit ihm [dem levitischen Priestertum] als einem Grundzug wurde dem Volke das ,Gesetz‘ gegeben), welche weitere Notwendigkeit bestände da für einen anderen Priester, der nach der Weise Melchisedeks aufstünde und von dem man nicht sagen würde, er sei nach der Weise Aarons? Denn da das Priestertum gewechselt wird, tritt notwendigerweise auch ein Wechsel des Gesetzes ein. Denn der [Jesus Christus], von dem diese Dinge gesagt werden, ist ein Glied eines anderen Stammes gewesen, von dem keiner am Altar amtiert hat. Denn es ist ganz klar, daß unser Herr dem Stamm Juda entsprungen ist, einem Stamm, über den Moses in bezug auf Priester nichts gesagt hat.“

      22, 23. (a) Wie wurde Jesus im Gegensatz zum levitischen Hohenpriester zum Hohenpriester gemacht? (b) Wie kann Jesus gemäß Hebräer 7:23-28 als Hoherpriester diejenigen, die sich Gott durch ihn nahen, vollständig retten?

      22 Der jüdische Hohepriester Aaron und seine Amtsnachfolger wurden nicht durch einen Eidschwur Jehovas zu Priestern gemacht. Jesus Christus dagegen, der keine priesterlichen Verbindungen auf der Erde hatte, wurde durch Gottes Eidschwur zum Hohenpriester gemacht. Sein Leben wurde durch seinen Tod als vollkommenes menschliches Opfer für kurze Zeit unterbrochen, aber er wurde zu unverweslichem, himmlischem Leben auferweckt, damit er für immer ein Hoherpriester nach der Weise Melchisedeks sei. Der Unterschied zwischen ihm und dem levitischen Priestertum Aarons und seiner Nachfolger wird in Hebräer 7:23-28 dargelegt, wo wir lesen:

      23 „Überdies mußten viele [Söhne Aarons] nacheinander Priester werden, weil sie durch den Tod verhindert waren, als solche zu verbleiben, er [der größere Melchisedek] aber, weil er für immer am Leben bleibt, hat sein Priestertum ohne irgendwelche Nachfolger inne. Demzufolge kann er auch die vollständig retten, die sich durch ihn Gott nahen, weil er immerdar lebt, um für sie einzutreten. Denn ein solcher Hoherpriester wie dieser war für uns der geeignete: loyal, arglos, unbefleckt, getrennt von den Sündern und höher als die Himmel geworden. Er hat es nicht täglich nötig, Schlachtopfer darzubringen wie jene Hohenpriester, zuerst für seine eigenen Sünden und dann für die des Volkes (denn er tat dies ein für allemal, als er sich selbst als Opfer darbrachte); denn das ,Gesetz‘ [Mose] bestimmt Männer zu Hohenpriestern, die mit Schwachheit behaftet sind, aber das Wort des Eidschwurs [Gottes], der erst [über vierhundert Jahre] n a c h dem ,Gesetz‘ kam, bestimmt einen Sohn, der für immer vollkommen gemacht worden ist.“

      24. An was für einer „heiligen Stätte“ ist Jesus Christus Hoherpriester, und während welcher Zeit wird er Hoherpriester sein, wofür die Menschheit dankbar sein sollte?

      24 Was ist damit gemeint? Das wird in den nächsten zwei Versen (Hebräer 8:1, 2) zusammenfassend dargelegt: „Bei den Dingen nun, die besprochen werden, ist folgendes der Hauptpunkt: Wir haben einen solchen Hohenpriester, und er hat sich zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln gesetzt als öffentlicher Diener der heiligen Stätte und des wahren Zeltes, das Jehova aufschlug und nicht ein Mensch.“ Sollten die Menschen Gott daher nicht überaus dankbar dafür sein, daß sie während der bestimmten tausend Jahre, in denen Satan, der Teufel, und seine Dämonen im Abgrund gebunden sein werden, einen solchen Hohenpriester haben werden, der bei Gott für sie eintritt? Ganz bestimmt! Diese göttliche Vorkehrung wird sich gewißlich zum größtmöglichen Segen der Menschheit auswirken.

      25. Warum diente Jesus nicht als Hoherpriester im Tempel in Jerusalem, und wovon war der Tempel in Jerusalem ein Vorbild?

      25 Als Jesus Christus als vollkommener Mensch auf der Erde war, wirkte er nicht als öffentlicher Diener im Tempel in Jerusalem. Er war nach dem Gesetz Mose nicht dazu befugt, denn er stammte nicht aus der Priesterfamilie Aarons und war auch kein Levit. Er diente indes an einer erhabeneren heiligen Stätte, in einem erhabeneren oder wichtigeren Tempel, der nicht von einem Menschen — dem König Herodes dem Großen, dem Statthalter Serubbabel oder dem König Salomo — in Jerusalem errichtet worden war. Diese von Menschen erbauten Tempel dienten wie das von Moses aufgerichtete heilige Zelt der Zusammenkunft lediglich als Vorbild oder Sinnbild. (2. Mose 40:1-33) Es wird nichts davon berichtet, daß König Melchisedek in Salem einen Tempel gebaut und daß er ein solches Gebäude benötigt hätte, um als „Priester Gottes, des Höchsten“, zu dienen. Folglich gibt es in Verbindung mit Melchisedek nichts dergleichen, was als Vorbild benutzt werden könnte. Der größere Melchisedek, Jesus Christus, dient jedoch als Hoherpriester an der gegenbildlichen heiligen Stätte und im gegenbildlichen Tempel, ‘an der heiligen Stätte und in dem wahren Zelt, das Jehova aufschlug’.

      DER WAHRE TEMPEL

      26, 27. (a) Welche Abteile hatten das heilige Zelt und der Tempel in Jerusalem? (b) Welche Gegenstände befanden sich in den beiden Abteilen des Zeltes und des salomonischen Tempels?

      26 Das von Moses am Berg Sinai aufgerichtete heilige Zelt und die Tempel in Jerusalem hatten zwei Abteile, das erste Abteil wurde das Heilige und das zweite oder innerste Abteil das Allerheiligste genannt.

      27 In dem ersten Abteil, dem Heiligen, befanden sich der goldene Tisch für die Darbringung der Brote, allgemein „das Schaubrot“ genannt, der goldene Leuchter, versehen mit sieben Armen, an denen die Lampen angebracht waren, und der feststehende goldene Räucheraltar. Hier, im Lichte des goldenen Leuchters, konnte der Hohepriester die Brote der Darbringung hinlegen und das duftende Räucherwerk auf dem Altar darbringen. In dem innersten Abteil oder dem Allerheiligsten des von Moses aufgeschlagenen Zeltes und des von König Salomo erbauten Tempels befand sich indes die heilige goldene Bundeslade mit ihrem goldenen Deckel, auf dem sich zwei goldene Cherube mit ausgebreiteten Flügeln und einander zugewandtem Gesicht befanden. Das Licht in diesem innersten Abteil oder Allerheiligsten stammte von dem übernatürlichen Licht, dem sogenannten Schekina-Licht, das über dem Sühnedeckel zwischen den beiden Cheruben schwebte.

      28. Wie bereitete sich der jüdische Hohepriester den Weg in das Allerheiligste für das Sprengen des Blutes der Sühnopfer, und für wessen Sünden bewirkte er dadurch Sühnung?

      28 Bevor der aaronische Hohepriester jedes Jahr einmal, am Sühnetag, das Blut des Sühnopfers darbrachte, nahm er ein tragbares Räuchergefäß oder Räucherfaß und begab sich hinter den inneren Vorhang, der das erste Abteil von dem innersten Abteil (dem Allerheiligsten) trennte, und verbrannte beim Schein des Schekina-Lichts vor der Bundeslade Räucherwerk. Auf diese Weise bereitete er sich den Weg, um nachher mit dem Blut der beiden Sühnopfer zurückzukehren und es vor den Sühnedeckel (den Gnadenstuhl) der Bundeslade hin zu sprengen. Auf diese Weise bewirkte er Sühnung für seine eigenen Sünden und für die Sünden seines Hauses, des Hauses oder des Stammes Levi, und dann für die Sünden des Volkes Israel. Das war die im mosaischen Bund oder Gesetzesbund festgelegte Sühnevorkehrung. — Hebräer 9:1-10; 4. Mose 7:89.

      29. (a) Wann wurde das von Moses aufgeschlagene heilige „Zelt“ und wann der von Salomo erbaute Tempel eingeweiht? (b) Wann kam das wahre Zelt oder der wahre Tempel ins Dasein?

      29 Das heilige Zelt der Zusammenkunft wurde von Moses am Ersten des Frühlingsmonats Nisan des Jahres 1512 v. u. Z. in der Wildnis Sinai aufgerichtet. König Salomo vollendete seinen Tempel in Jerusalem im Jahre 1027 v. u. Z., und am Fünfzehnten des Herbstmonats Tischri des Jahres 1026 v. u. Z. weihte er ihn ein. (1. Könige 8:1, 2, 65, 66) Wann kam aber das gegenbildliche Zelt oder der gegenbildliche Tempel, das „wahre Zelt“ mit seiner „heiligen Stätte“, ins Dasein? Als der von König Herodes dem Großen erbaute vorbildliche Tempel in Jerusalem noch stand: im Frühherbst des Jahres 29 u. Z. Wieso? Was geschah damals, das den wahren Tempel notwendig machte?

      30, 31. (a) Bei welcher Gelegenheit und wie kam der gegenbildliche Hohepriester ins Dasein? (b) Welcher gegenbildliche Tag zur Sühnung von Sünden begann damals, und wie war das Opfer Jesu im Vergleich zu den Opfern, die Aaron darbrachte?

      30 In jenem Jahr (29 u. Z.) kam der gegenbildliche Hohepriester ins Dasein, und wie der levitische Hohepriester Aaron, so benötigte auch er ein heiliges Zelt oder einen Tempel, in dem er sein Amt ausüben konnte. Dieser gegenbildliche opferdarbringende Hohepriester ist der Herr Jesus, der mit Gottes heiligem Geist zu einem geistigen Hohenpriester gesalbt worden ist. Diese Salbung mit heiligem Geist empfing er, nachdem er von Johannes dem Täufer im Jordan getauft worden war. Auf diese Weise wurde er im Alter von dreißig Jahren — oder dreieinhalb Jahre vor seinem Tod als Schlachtopfer für die Sünden der Menschheit — der Messias oder Gesalbte. (Daniel 9:24, 25, 27; Lukas 3:21-23) Damals begann der große, gegenbildliche Sühnetag, und Jesus Christus verfügte über etwas Besseres, was er darbringen konnte, als der Hohepriester Aaron am vorbildlichen Sühnetag des Jahres 1512 v. u. Z., nachdem das heilige Zelt oder die Stiftshütte aufgerichtet worden war. Was denn? In Hebräer 8:3-6 und 9:11-14 heißt es:

      31 „Jeder Hohepriester ist dazu eingesetzt, sowohl Gaben als auch Schlachtopfer darzubringen, weshalb es notwendig war, daß auch dieser etwas darzubringen habe. Wäre er nun auf der Erde, so wäre er kein Priester, weil Männer da sind, die die Gaben gemäß dem ,Gesetz‘ darbringen, aber diese Männer verrichten den heiligen Dienst in einer sinnbildlichen Darstellung und einem Schatten der himmlischen Dinge, so, wie Moses, als er daran war, das Zelt zu vollenden, den göttlichen Befehl erhielt: Denn, so sagt er: ,Sieh zu, daß du alle Dinge nach ihrem Muster machst, das dir auf dem Berge gezeigt wurde.‘ Nun hat aber Jesus einen vorzüglicheren öffentlichen Dienst erlangt, so daß er auch der Mittler eines entsprechend besseren Bundes ist, der aufgrund besserer Verheißungen gesetzlich festgelegt worden ist.“

      32. Wohin begab sich Jesus Christus, was durch Aaron vorgeschattet worden war, und womit begab er sich dorthin, damit unser Gewissen von toten Werken gereinigt werde?

      32 „Als jedoch Christus als Hoherpriester der guten Dinge kam, die sich eingestellt haben, durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist, begab er sich, nein, nicht mit dem Blut von Ziegenböcken und von jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut ein für allemal in das Heilige [das dem Allerheiligsten des Zeltes entsprach] und erlangte eine ewige Befreiung für uns. Denn wenn das Blut von Ziegenböcken und von Stieren und die Asche einer jungen Kuh, auf diejenigen gesprengt, die verunreinigt worden sind, in dem Maße heiligt, daß das Fleisch rein wird, wieviel mehr wird das Blut des Christus, der durch ewigen Geist sich selbst ohne Makel Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott heiligen Dienst darbringen können?“

      33, 34. (a) Was symbolisierte Jesus, indem er sich im Jordan taufen ließ? (b) Was hatte Gott dem Menschen Jesus bereitet, warum war dieser zum Opfern desselben bereit, und wie oft?

      33 Was hatte der vollkommene Mensch Jesus, als er nach seiner Wassertaufe Gottes Hoherpriester geworden war, also zur Verfügung, das er Gott als Opfer darbringen konnte? Nicht den Leib eines unter den Menschen stehenden Tieres, dessen Blut niemals menschliche Sünden wegwaschen könnte, sondern seinen eigenen vollkommenen menschlichen Leib, den er zufolge seiner Geburt durch die Jungfrau Maria besaß. Er war sich der Tatsache bewußt, daß Gott, der Allmächtige, ihn für diesen Opferweg vorbereitet und ausgerüstet hatte. Er war sich auch dessen bewußt, daß damals die Zeit für ihn gekommen war, gemäß Gottes Willen nun diesen Weg der Selbstopferung zu gehen. Als er daher zu Johannes dem Täufer kam, um im Jordan untergetaucht zu werden, stellte er sich Gott dar, um fortan dessen Willen zu tun. Seine Taufe symbolisierte, daß er sich Gott darstellte, um dessen Willen selbst bis zu einem Opfertod zu tun. Hierüber lesen wir in Hebräer 10:4-10:

      34 „Denn es ist unmöglich, daß das Blut von Stieren und von Ziegenböcken Sünden wegnehme. Daher sagt er bei seinem Eintritt in die Welt: ‚ „Schlachtopfer und Opfergabe hast du nicht gewollt, aber einen Leib hast du mir bereitet. Du hast kein Wohlgefallen an Ganzbrandopfern und Sündopfern gehabt.“ Da sprach ich: „Siehe! Ich bin gekommen (in der Rolle des Buches steht über mich geschrieben), um deinen Willen, o Gott, zu tun.“ ‘ Nachdem er zuerst sagte: ,Schlachtopfer und Opfergaben und Ganzbrandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt noch Wohlgefallen daran gehabt‘ — Schlachtopfer, die gemäß dem ,Gesetz‘ dargebracht werden —, sagt er darauf wirklich: ,Siehe! Ich bin gekommen, um deinen Willen zu tun.‘ Er beseitigt das erste, auf daß er das zweite aufrichte. Durch den besagten ,Willen‘ sind wir durch die Darbringung des Leibes Jesu Christi ein für allemal geheiligt worden.“

      35. (a) Was wurde am vorbildlichen Sühnetag auf den Altar getan, und was wurde darauf geopfert? (b) Was war der gegenbildliche „Altar“, auf dem Jesus sich opferte?

      35 Am damaligen vorbildlichen Sühnetag tat der Hohepriester Aaron etwas von dem Blut der Sühnopfer auf den Altar, und auf diesem Altar, der in der Mitte des Vorhofes vor dem heiligen Zelt der Zusammenkunft stand, verbrannte er auch das Fett der Sühnopfer. (3. Mose 16:16-19, 25) Was war denn der gegenbildliche „Altar“, auf dem Jesus Christus als geistiger Hoherpriester sein vollkommenes menschliches Selbst als Opfer darbrachte? Es war kein materieller Altar wie der kupferne Altar, der im Vorhof des Zeltes der Zusammenkunft stand. Es war auch nicht der Hinrichtungspfahl, an dem Jesus auf Golgotha starb, denn jener Pfahl war etwas Verfluchtes, und er wurde durch Jesu kostbares Blut nicht geheiligt. (5. Mose 21:22, 23; Galater 3:13) Es handelte sich dabei vielmehr um etwas Geistiges, worauf Jesus Christus den Wert seines vollkommenen lebendigen menschlichen Leibes opfern konnte. Es war Gottes „Wille“ oder Wohlgefallen. Um diesen „Willen“ zu tun, kam Jesus und stellte sich dar. Gott war willens, jetzt ein menschliches Opfer anstelle von Tieropfern anzunehmen. Aufgrund dieses „Willens“ Gottes opferte Jesus somit den Wert seines menschlichen Lebens.

      36. Wer ist befugt, von diesem geistigen „Altar“ zu essen, und wie wirkt sich das auf sie aus?

      36 Auf diese Weise kam der gegenbildliche „Altar“ ins Dasein, über den wir in Hebräer 13:10 die an die gesalbten Christen gerichteten Worte lesen: „Wir haben einen Altar, von dem zu essen die, welche im Zelt heiligen Dienst verrichten, keine Befugnis haben.“ Wie ungeistig und unbiblisch ist daher die Denk- und Handlungsweise gewisser Priester der Christenheit, die in ihren Kirchengebäuden oder an anderen Kultstätten einen materiellen „Altar“ errichten und während der Zelebration der „Messe“ angeblich darauf immer wieder das Opfer Christi darbringen! Alle, die befugt sind, von dem wahren, geistigen „Altar“ zu essen, sind „durch die Darbringung des Leibes Jesu Christi ein für allemal geheiligt worden“.

      37. (a) Was kam zusammen mit dem geistigen „Altar“ ins Dasein, wie das in Verbindung mit dem damaligen „Zelt“ vorgeschattet worden war? (b) Was schattete dieser Vorhof im Falle Jesu vor?

      37 In alter Zeit stand der kupferne Altar in der Mitte des Vorhofs vor dem heiligen Zelt der Zusammenkunft, und so kam denn zusammen mit dem gegenbildlichen, geistigen „Altar“ auch der gegenbildliche „Vorhof“ ins Dasein. Damit ist nicht ein Ort oder eine Stätte gemeint, sondern ein Zustand, in dem sich jemand auf der Erde befindet. Jesus Christus, der gesalbte Hohepriester, befand sich in diesem gegenbildlichen Vorhof, weil er als Mensch vollkommen war, das heißt, weil er sich, während er auf der Erde war, in einem Zustand befand, in dem er buchstäblich gerecht, rechtschaffen, untadelig und makellos war. Ähnlich wie die Söhne Korahs, des Leviten, im vorbildlichen „Vorhof“, so fand er an dem großartigen Altar des Willens Jehovas im Vorhof der wahren „großartigen Wohnstätte“ Jehovas einen Ruheort. (Psalm 84:1-3) Es war ihm eine Lust, den göttlichen Willen zu tun. — Psalm 40:8.

      38, 39. (a) Was kam zusammen mit dem gegenbildlichen Vorhof und dem gegenbildlichen Altar noch ins Dasein? (b) Welche Frage erhebt sich daher, und welche Worte Jesu zeigen, daß Gott einen Ort hat, an dem er sich aufhält?

      38 Nicht nur der gegenbildliche Altar und der gegenbildliche Vorhof kamen damals für den neuen, geistigen Hohenpriester den gesalbten Jesus, ins Dasein, sondern auch das gegenbildliche Zelt oder der gegenbildliche Tempel. Von da an stand dem neuen, geistigen Hohenpriester ‘das wahre Zelt, das Jehova aufschlug’, zur Verfügung.

      39 Was ist dieses „wahre Zelt“ oder dieser wahre Tempel? Ist es etwa ein neues besonderes Gebäude, das der Schöpfer für sich in den unsichtbaren Himmeln errichtet hätte? Nein, denn Gott benötigt so etwas nicht. Gott, der Höchste, hat stets eine Wohnstätte im Himmel gehabt. Er ist kein alles durchdringender Geist, der allgegenwärtig oder gleichzeitig überall zugegen ist. Er ist eine weise, intelligente Person und hat einen Ort, an dem er sich aufhält, eine Wohnstätte, wo er erreicht werden kann. Jesus Christus lehrte seine Jünger beten: „Unser Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt.“ Er warnte davor, einen der „Kleinen“, die an ihn glauben, zu verachten, und erklärte auch, warum, indem er sagte: „Denn ich sage euch, daß ihre Engel im Himmel allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der im Himmel ist.“ (Matthäus 6:9; 18:10) Das heißt, daß diese Engel im Himmel Zutritt zu Gott, dem Vater, haben.

      40. Was konnte Gott im Hinblick auf seine himmlische Wohnstätte tun, damit sie dem Allerheiligsten des heiligen „Zeltes“ entsprach?

      40 Gott, der Allmächtige, kann aber bewirken, daß seine erhabene Wohnstätte in einem anderen Licht erscheint. Als er daher seinen geistigen Hohenpriester hervorbrachte, indem er den unmittelbar vorher getauften Jesus Christus salbte, bewirkte er, daß seine himmlische Wohnstätte in einem neuen Licht erschien und in Verbindung mit der sündhaften Menschheit (nicht in Verbindung mit den sündenlosen Engeln) neue Zweckbestimmungen oder neue Merkmale aufwies. Die Heiligkeit seiner himmlischen Wohnstätte wurde im Vergleich zu der überströmenden Sündhaftigkeit der Menschheit erhöht. Seine persönliche Wohnung bot sich nun als die heilige Stätte eines gerechten, aber auch barmherzigen Gottes dar, der bereit war, ein geeignetes, vollkommenes Opfer zugunsten der unheiligen Menschheit anzunehmen. Doch dieses Opfer oder dessen Wert mußte von einem sündenlosen, heiligen Hohenpriester dargebracht werden, der persönlich Zutritt zu Gott hatte. Auf diese Weise wurde Gottes himmlischer Thron ein Sühnethron. Gott bewirkte dadurch, daß seine himmlische Wohnstätte die geistigen Merkmale erhielt, die den Merkmalen des Allerheiligsten im vorbildlichen Zelt oder im vorbildlichen Tempel entsprachen.

      41, 42. (a) Was durfte Aaron „einmal im Jahr“ betreten, und wie? (b) Was war das Allerheiligste, in das sich Jesus Christus begab, in welchem Zeitabschnitt begab er sich dorthin, und wie oft?

      41 Das ist der biblische Standpunkt. Wir erinnern uns, daß der Hohepriester Aaron das Blut der Sühnetagopfer in das Allerheiligste des irdischen Zeltes der Zusammenkunft brachte, indem er sich hinter den inneren Vorhang begab. (3. Mose 16:12-17; Hebräer 9:7) Um dieses Vorbild zu erfüllen, mußte sich der Hohepriester Jesus Christus in das wirkliche Allerheiligste begeben. Wo befindet sich dieses Allerheiligste nach der Bibel, und was ist es?

      42 Wir lesen: „Deshalb war es notwendig, daß die sinnbildlichen Darstellungen der Dinge in den Himmeln durch diese Mittel gereinigt würden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Schlachtopfer als diese. Denn Christus begab sich nicht an eine mit Händen gemachte heilige Stätte, die ein Abbild der Wirklichkeit ist, sondern in den Himmel selbst, um nun vor der Person Gottes für uns zu erscheinen. Auch sollte er sich nicht oftmals selbst darbringen, wie der Hohepriester tatsächlich Jahr für Jahr mit Blut, das nicht sein eigenes ist, in das Heilige hineingeht. Sonst hätte er [Jesus] von Grundlegung der Welt an oftmals leiden müssen. Nun aber hat er sich beim Abschluß der [vorbildlichen] Systeme der Dinge ein für allemal offenbar gemacht zur Beseitigung der Sünde durch das Opfer seiner selbst.“ — Hebräer 9:23-26.

      43, 44. (a) Was ist also Gottes heilige Wohnstätte, was seinen Tempel betrifft? (b) Was trennte das Heilige vom Allerheiligsten, und wie ließ Jesus Christus diese Schranke im Gegenbild hinter sich?

      43 Der Hohepriester Jesus Christus brachte den gegenbildlichen Sühnetag also zum Höhepunkt, indem er sich nicht an eine vorbildliche „heilige Stätte“ im vorbildlichen Zelt oder im vorbildlichen Tempel begab, sondern indem er sich „in den Himmel selbst“ begab, wo die „Person Gottes“ ist. Diese himmlische Wohnstätte der Person Gottes ist das wahre Allerheiligste.

      44 Im vorbildlichen Zelt (oder Tempel) auf der Erde war das Allerheiligste durch einen Vorhang abgeschirmt, und deshalb wurde davon gesagt, es sei hinter dem Vorhang. Dieser Vorhang stellte daher die fleischliche Schranke dar, die jemand hinter sich lassen muß, um vom menschlichen Leben auf der Erde in die unsichtbaren Himmel zu gelangen. Durch seinen Tod und seine Auferstehung ließ Jesus Christus diese Schranke hinter sich, um sich in das himmlische Allerheiligste zu begeben. Das ist mit den Worten in Hebräer 6:19, 20 gemeint, wo von der himmlischen Hoffnung der 144 000 treuen Jünger die Rede ist: „Diese Hoffnung haben wir als einen Anker für die Seele, der sowohl sicher als auch fest ist und hineinreicht in das Innere, hinter den Vorhang, wohin unsertwegen ein Vorläufer gegangen ist, Jesus, der für immer Hoherpriester nach der Weise Melchisedeks geworden ist.“ Diese „hinter den Vorhang“ reichende Hoffnung ist eine himmlische Hoffnung.

      DAS „HEILIGE“ DES GEISTIGEN TEMPELS GOTTES

      45. (a) Welches Abteil, außer dem Allerheiligsten, gab es im Zelt noch? (b) Wer begab sich in das Heilige, wie oft, und wie?

      45 Wir dürfen aber nicht übersehen, daß das irdische Zelt oder der irdische Tempel nicht nur aus dem Allerheiligsten bestand. Außer dem innersten Abteil, dem Allerheiligsten, hatte das Zelt oder der Tempel noch ein anderes Abteil, das vor dem Vorhang lag, durch den dieses vom Allerheiligsten getrennt war. Dieses Abteil wurde das Heilige genannt. (Hebräer 9:1-3) Was stellte denn das Heilige dar, das vor dem Vorhang oder dem Abschirmungsbehang lag, wenn doch das Allerheiligste den „Himmel selbst“ vorschattete, wo sich die „Person Gottes“ aufhält? Während das Allerheiligste vom Hohenpriester nur „einmal im Jahr“ am Sühnetag, betreten werden durfte, konnte das Heilige nicht nur vom Hohenpriester, sondern auch von allen Unterpriestern regelmäßig betreten werden. Die Priester begaben sich in dieses erste Abteil, das Heilige, direkt vom Vorhof aus, wo der Altar stand; sie mußten aber durch den Vorhang oder Abschirmungsbehang gehen, der das Heilige vom Vorhof trennte.

      46, 47. (a) Wann und wie begab sich Jesus in das gegenbildliche Heilige? (b) Was stellt somit das Heilige dar, und welche Vorrechte genießen die gegenbildlichen Priester darin?

      46 Das Heilige stellte somit einen Zustand größerer Heiligkeit dar als der Vorhof. Da das Heilige durch einen Vorhang abgeschirmt war und die Gegenstände darin deshalb von Personen, die sich im Vorhof aufhielten, nicht gesehen werden konnten, versinnbildlichte das Heilige einen geistigen Zustand, der vortrefflicher ist als der durch den Vorhof dargestellte Zustand, in dem sich Menschen befinden, die vor Gott gerecht dastehen. Jesus Christus gelangte in den durch das Heilige dargestellten Zustand, als er nach seiner Wassertaufe von Gottes heiligem Geist gezeugt wurde und so ein geistiger Sohn Gottes wurde. (Matthäus 3:13-17) Er wurde aber auch mit Gottes Geist gesalbt und so als geistiger Sohn Gottes mit dem Priesteramt betraut; er wurde Gottes Hoherpriester, dargestellt durch den Hohenpriester Aaron.

      47 Das läßt erkennen, daß das Heilige den Zustand des Geistgezeugtseins derer darstellte, die in diese geistige Priesterschaft eingefügt werden. In diesem Zustand empfangen diese geistigen Priester auf der Erde geistiges Licht wie von einem goldenen Leuchter, sie essen geistige Speise wie von einem goldenen Schaubrottisch und bringen Gott Gebete und Dienst dar, als ob sie an einem goldenen Räucheraltar ständen und Räucherwerk darbrächten. — 2. Mose 40:4, 5, 22-28.

      48. Wie lange befand sich Jesus in dem durch das Heilige dargestellten Zustand, und warum hatten seine Jünger keine klare Erkenntnis über ihn?

      48 Vom Tag seiner Taufe und seiner Salbung mit heiligem Geist an bis zu seinem Todestag (vom Jahre 29 bis zum Jahre 33 u. Z.) gerechnet, befand sich Jesus Christus dreieinhalb Jahre in diesem durch das Heilige dargestellten Zustand eines geistgezeugten Priesters. Die Dienste, die er in diesem Zustand leistete, konnten von gewöhnlichen Menschen nicht richtig wahrgenommen und erkannt werden, ja nicht einmal von seinen Jüngern, weil sie alles von einem gewöhnlichen, menschlichen Standpunkt aus betrachteten. Der Tag des Pfingstfestes des Jahres 33 u. Z., an dem der heilige Geist ausgegossen wurde, war noch nicht gekommen. (Johannes 7:39) Ihr Wahrnehmungsvermögen war gehemmt wie durch den „Abschirmungsbehang des Eingangs der Stiftshütte“, der alles, was sich im Heiligen befand, verdeckte. — 2. Mose 40:28, 29.

      49. Wieso war Jesus der direkte Zugang zum himmlischen Allerheiligsten versperrt, solange er sich im gegenbildlichen Heiligen befand?

      49 In dem durch das Heilige dargestellten Zustand, dem Zustand eines geistgezeugten Priesters, war dem Hohenpriester Jesus Christus auf der Erde der direkte Zugang zur Gegenwart Gottes im Himmel versperrt, weil er immer noch als vollkommener Mensch im Fleische war. Der symbolische „Vorhang“ war immer noch zwischen ihm und dem himmlischen Allerheiligsten, wie es war, als Moses ‘den Vorhang der Abschirmung aufhängte und den Zugang zur Zeugnislade abschloß’. — 2. Mose 40:21.

      50. (a) Wann begab sich Jesus Christus hinter den inneren „Vorhang“, und wie? (b) Welcher Eidschwur hinsichtlich eines Priestertums erfüllte sich damals an Jesus Christus, und warum?

      50 Jesus Christus ging als Hoherpriester am 16. Nisan des Jahres 33 u. Z. durch diesen symbolischen Vorhang des „wahren Zeltes“, als er von den Toten auferweckt wurde und jetzt nicht mehr nur ein geistgezeugter Sohn Gottes im Fleische war, sondern als Geistsohn Gottes in den unsichtbaren Himmeln vollends hervorgebracht worden war. Der Apostel Petrus legt dies in folgenden Worten genau dar: „Auch Christus ist ein für allemal hinsichtlich Sünden gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu Gott führe, er, der im Fleische zu Tode gebracht, aber im Geiste lebendig gemacht wurde.“ (1. Petrus 3:18) An jenem ereignisreichen Tag erfüllte sich Gottes Eidschwur hinsichtlich eines ewigen Priestertums „nach der Weise Melchisedeks“ an Jesus Christus, indem er mit der „Kraft eines unzerstörbaren Lebens“ belohnt wurde. (Hebräer 7:16, 24; Apostelgeschichte 13:33-37; Römer 1:1-4) Nachdem er sich danach seinen treuen Jüngern während vierzig Tagen durch besondere Kundgebungen gezeigt hatte, fuhr er in den Himmel auf und brachte Gott im wahren Allerheiligsten den Wert seines vollkommenen menschlichen Opfers dar. — Apostelgeschichte 1:1-11; Hebräer 9:24.

      51. (a) Wann endete der gegenbildliche Sühnetag, und wie lange hatte er gedauert? (b) Was bewies, daß der Wert des Opfers Jesu im Allerheiligsten angenommen worden war?

      51 Mit dieser Darbringung des Wertes des Opfers Christi im himmlischen Allerheiligsten endete der große, gegenbildliche Sühnetag. Für den Hohenpriester Aaron vom Stamme Levi dauerte der nationale Sühnetag nur einen buchstäblichen Tag von vierundzwanzig Stunden. Für den Hohenpriester Jesus Christus dauerte der gegenbildliche Sühnetag dagegen fast drei Jahre und acht Monate. Zehn Tage nach seiner Himmelfahrt erhielten seine treuen Jünger auf der Erde den Beweis, daß der Wert seines vollkommenen menschlichen Opfers, den er Gott im himmlischen Allerheiligsten dargebracht hatte, angenommen worden war. Wie erhielten sie diesen Beweis? Indem am Sonntag, dem 6. Siwan, am Tag des Festes der Wochen oder Pfingsttag, des Jahres 33 u. Z. in Jerusalem heiliger Geist auf sie ausgegossen wurde. (Apostelgeschichte 2:1-36) Das war das Zeichen für etwas Neues hinsichtlich des ‘wahren Zeltes, das Jehova aufgeschlagen hatte’. Was das war, werden wir gleich sehen.

      GEISTIGE UNTERPRIESTER

      52. (a) Wie wurde im Vorbild gezeigt, daß der größere Melchisedek Unterpriester haben würde? (b) Wann wurde die aaronische Priesterschaft eingesetzt, und welches „heilige Zeichen“ wurde Aaron aufs Haupt gesetzt?

      52 Es wird nichts davon berichtet, daß der König-Priester Melchisedek im alten Salem Unterpriester gehabt hätte. Doch der Sohn Gottes, der ein „Hoherpriester nach der Weise Melchisedeks“ geworden ist, hat Unterpriester. (Hebräer 5:8-10) Das wurde durch die Priesterfamilie des Leviten Aaron vorgeschattet. Jehova Gott berief Aaron zum Hohenpriester Israels und dessen Söhne zu seinen Unterpriestern. Am Ersten des Frühlingsmonats Nisan des Jahres 1512 v. u. Z. kam der Prophet Moses dem Gebot Gottes nach und setzte Aaron und dessen Söhne in das Priesteramt ein. (2. Mose 40:1, 2, 12-16; 29:4-9; 3. Mose 8:1-13) Zu der Kleidung des Hohenpriesters gehörte unter anderem „das glänzende Stirnblatt, das heilige Zeichen der Hingabe, aus purem Gold“, auf das „mit den Gravierungen eines Siegels eine Inschrift [geschrieben war]: ,Heiligkeit gehört Jehova.‘ “ — 2. Mose 39:30.

      53. (a) Welchem Gebot Jehovas kam Moses dadurch nach, daß er den Turban des Hohenpriesters Aaron auf diese Weise schmückte? (b) Von welchem hebräischen Verb ist der mit „Zeichen der Hingabe“ wiedergegebene Ausdruck abgeleitet?

      53 Als Moses daher seinen Bruder Aaron bekleidete, um ihn als Hohenpriester einzusetzen, befolgte er das Gebot Jehovas: „Du sollst den Turban auf sein Haupt setzen und das heilige Zeichen der Hingabe am Turban anbringen. Und du sollst das Salböl nehmen und es auf sein Haupt gießen und ihn salben.“ (2. Mose 29:6, 7) Da dieses „heilige Zeichen der Hingabe“ das „glänzende Stirnblatt“ aus purem Gold war, ziehen es manche Übersetzer der Hebräischen Schriften vor, diesen Ausdruck mit „das heilige Diadem“ oder „die heilige Krone“ wiederzugeben. (Siehe 2. Mose 29:6, JB; Lu, 1912.) Natürlich lauten die hebräischen Wörter, die gewöhnlich mit „Diadem“ oder „Krone“ wiedergegeben werden, anders als das hebräische Wort, das mit „Zeichen der Hingabe“ übersetzt wird. In 3. Mose 21:12 wird dieses hebräische Wort auf das Salböl, das auf dem Haupt des Hohenpriesters war, angewandt, denn wir lesen dort: „Er sollte auch nicht aus dem Heiligtum hinausgehen und sollte das Heiligtum seines Gottes nicht entweihen, denn das Zeichen der Hingabe, das Salböl seines Gottes, ist auf ihm.“ Dieses hebräische Wort ist von dem Verb nazár abgeleitet, das in Hosea 9:10 mit „sich hingeben“ übersetzt wird (Menge; NW).

      54, 55. (a) Wie wurde der gesalbte Hohepriester genannt, und was schattete seine Salbung vor? (b) Wurde Jesus von Johannes dem Täufer mit heiligem Geist gesalbt, oder von wem?

      54 Ohne Frage waren der Hohepriester Aaron und die Männer, die ihm im Amt folgten, durch ihre offizielle Einsetzung Jehova Gott hingegeben. (2. Mose 29:30, 35) Da der Hohepriester mit dem heiligen Salböl gesalbt worden war, wurde er der „Gesalbte“ oder der Messias genannt (3. Mose 4:3, 5, 16; 6:22); dasselbe trifft auch auf die gesalbten Könige Israels zu. (1. Samuel 24:6, 10; 26:9-11; Klagelieder 4:20) Nach der Erwähnung der Namen der vier Söhne und Unterpriester des Hohenpriesters Aaron lesen wir deshalb: „Dies waren die Namen der Söhne Aarons, der gesalbten Priester, deren Hände mit Macht gefüllt worden waren, damit sie Priesterdienste leisteten.“ (4. Mose 3:1-3) Als Moses, der Mittler zwischen Jehova Gott und der Nation Israel, seinen älteren Bruder Aaron zum Hohenpriester salbte, hatte dies eine vorbildliche Bedeutung. Es schattete vor, daß Gott seinen Sohn Jesus mit heiligem Geist salben würde, wenn dieser nach seiner Taufe aus dem Wasser heraufkäme.

      55 Johannes der Täufer war der Sohn Sacharjas, eines levitischen Priesters aus der Priesterabteilung Abijas. Johannes taufte Jesus aber lediglich im Jordan; er salbte ihn nicht zu einem geistigen Hohenpriester. (Lukas 1:5-17; 3:21-23; Markus 1:9-11) Nur Gott konnte Jesus mit heiligem Geist salben.

      56, 57. (a) Wozu sollte Jesus gemäß den Worten Johannes’ des Täufers ermächtigt sein? (b) Was sagte Jesus zu seinen Jüngern, bevor er sie verließ, über die Taufe mit heiligem Geist?

      56 Johannes der Täufer hatte über Jesus gesagt: „Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich; ich bin nicht wert, mich zu bücken und die Riemen seiner Sandalen zu lösen. Ich taufte euch mit Wasser, er aber wird euch mit heiligem Geist taufen.“ Gott hatte Johannes gesagt, daß dieser kommen werde, denn Johannes sagte: „Auch ich kannte ihn nicht, doch der Eine, der mich gesandt hat, um im Wasser zu taufen, sprach zu mir: ,Auf wen irgend du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, dieser ist es, der in heiligem Geiste tauft.‘ “ (Markus 1:7, 8; Johannes 1:33) Jesus wurde also nicht nur selbst mit heiligem Geist gesalbt, um als geistiger Hoherpriester zu amten, sondern er war auch ermächtigt, andere mit heiligem Geist zu taufen. Doch wann würde er dies tun? Nicht vor seinem Tod als vollkommenes menschliches Opfer.

      57 Nach seiner Auferstehung von den Toten erschien er seinen Jüngern, die immer noch in Jerusalem waren, mehrmals, indem er sich materialisierte oder verkörperte. Was sagte er damals zu ihnen über den heiligen Geist? Wir erfahren es aus Apostelgeschichte 1:4, 5: „Und während er mit ihnen zusammenkam, gab er ihnen die Weisung: ,Entfernt euch nicht von Jerusalem, sondern wartet weiterhin auf das, was der Vater verheißen hat, worüber ihr von mir hörtet; denn Johannes taufte zwar mit Wasser, ihr aber werdet nicht viele Tage nach diesem in heiligem Geist getauft werden.‘ “

      58, 59. (a) Wann erfolgte diese Taufe, und wie erfüllte Jesus Christus im Gegenbild das, was der Hohepriester an jenem Tag im Tempel tat? (b) Welche Prophezeiung Joels begann sich damals zu erfüllen, und wie brachte Petrus Jesus damit in Verbindung?

      58 Das geschah zehn Tage nach seiner Himmelfahrt. Es war der 6. Siwan des Jahres 33 u. Z., der Tag, an dem das Fest der Wochen (oder Pfingsten) gefeiert wurde und an dem der jüdische Hohepriester im Tempel in Jerusalem Gott zwei gesäuerte Brote als Erstlingsfrucht der Weizenernte darbrachte. (3. Mose 23:15-21) An diesem Tag stellte der himmlische Hohepriester, Jesus Christus, auf gegenbildliche Weise Jehova Gott die Christenversammlung als Erstlingsfrucht dar. (Offenbarung 14:4) Das tat er, indem er als Übermittler des heiligen Geistes diente, der auf die in Jerusalem wartenden Jünger ausgegossen wurde. Damit begann sich die Prophezeiung aus Joel 2:28, 29 zu erfüllen. So erklärte es der vom Geist erfüllte Apostel Petrus, indem er zu Tausenden von Juden, die zugegen waren, sagte:

      59 „Diesen Jesus hat Gott zur Auferstehung gebracht, von welcher Tatsache wir alle Zeugen sind. Da er nun zur Rechten Gottes erhöht worden ist und den verheißenen heiligen Geist vom Vater empfangen hat, hat er das ausgegossen, was ihr seht und hört. Tatsächlich ist David nicht in die Himmel aufgefahren, sondern er sagt selbst: ,Jehova sprach zu meinem Herrn: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde als Schemel deiner Füße hinlege.“ ‘ Daher erkenne das ganze Haus Israel mit Gewißheit, daß Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr an den Pfahl brachtet.“ — Apostelgeschichte 2:14-21, 32-36.

      60. Inwiefern war Jesu Ausgießung des heiligen Geistes durch das vorgeschattet worden, was Moses am 1. Nisan des Jahres 1512 v. u. Z. getan hatte?

      60 Auf diese Weise taufte Jesus Christus seine treuen Jünger mit heiligem Geist. Das war lange Zeit vorher, nämlich am 1. Nisan des Jahres 1512 v. u. Z., vorgeschattet worden, als Moses, wie Jehova ihm geboten hatte, die Söhne des Hohenpriesters Aaron mit heiligem Salböl salbte. Wir lesen darüber: „Dann redete Jehova zu Moses und sprach: ,Am Tag des ersten Monats, am Ersten des Monats, sollst du die Stiftshütte des Zeltes der Zusammenkunft aufrichten. Dann sollst du Aaron und seine Söhne zum Eingang des Zeltes der Zusammenkunft herzubringen und sie mit Wasser waschen. Und du sollst Aaron mit den heiligen Kleidern bekleiden und ihn salben und ihn heiligen, und so soll er als Priester für mich amten. Danach wirst du seine Söhne herzubringen, und du sollst sie mit langen Gewändern bekleiden. Und du sollst sie salben, so, wie du ihren Vater gesalbt hast, und so sollen sie als Priester für mich amten, und ihre Salbung soll ihnen durch ihre Generationen hindurch fortgesetzt zu einem Priestertum auf unabsehbare Zeit dienen.‘ Und Moses ging daran, gemäß allem zu tun, was Jehova ihm geboten hatte. Geradeso tat er.“ — 2. Mose 40:1, 2, 12-16.

      61. Was ist darüber zu sagen, ob die Nachfolger der vier ursprünglichen Unterpriester gesalbt wurden und ob der Nachfolger des Hohenpriesters jeweils mit heiligem Öl gesalbt wurde?

      61 Auf diese Weise wurden die vier Söhne Aarons als die ersten Unterpriester Israels gesalbt. Ihre Nachfolger dagegen wurden bei der Einsetzung in das Unterpriesteramt nicht mehr mit dem heiligen Salböl gesalbt. Sie wurden nur noch mit den offiziellen Unterpriestergewändern bekleidet. Die Salbung der ersten vier Unterpriester diente stellvertretend auch für sie. Die Nachfolger des Hohenpriesters Aaron wurden indes jeweils gesalbt. (4. Mose 3:1-3; 2. Mose 29:29, 30; 4. Mose 20:23-29; 5. Mose 10:6) Aufgrund der Salbung der ersten Glieder galt dennoch die ganze Priesterschaft Israels als eine gesalbte Klasse.

      62. Wozu machte Jesus Christus seine Jünger auf der Erde, als er sie salbte, und welche Worte des Johannes in der Offenbarung stimmen damit überein?

      62 In der gegenbildlichen Erfüllung amtet der himmlische Jesus Christus, der die 144 000 treuen Jünger mit heiligem Geist salbt, als Gottes Vertreter, und er macht sie dadurch zu seinen geistigen Priestern, zu seinen Unterpriestern, über die er Hoherpriester ist. Deshalb konnte der Apostel Johannes über Jesus Christus folgendes schreiben: „Jesus Christus, der ,Der Treue Zeuge‘ ist, ,Der Erstgeborene von den Toten‘ und ,Der Herrscher über die Könige der Erde‘. Ihm, der uns liebt und der uns durch sein eigenes Blut von unseren Sünden losgemacht hat — und er hat uns zu einem Königtum, zu Priestern für seinen Gott und Vater gemacht —, ja ihm sei die Herrlichkeit und die Macht immerdar! Amen.“ Ferner: „Du bist geschlachtet worden, und mit deinem Blut hast du für Gott Personen aus jedem Stamm und jeder Zunge und jedem Volk und jeder Nation erkauft, und du hast sie zu einem Königtum und zu Priestern für unseren Gott gemacht, und sie werden als Könige über die Erde regieren.“ — Offenbarung 1:5, 6; 5:9, 10.

      63. Wie bestätigt der Apostel Petrus in seinem Brief, daß die gesalbten Jünger Jesu eine Priesterschaft bildeten?

      63 Diese Tatsache wird noch durch einen weiteren inspirierten Zeugen bestätigt: durch den Apostel Petrus. Er schrieb einige Jahre bevor der Tempel in Jerusalem von den Römern zerstört wurde (70 u. Z.) und die levitischen Priester dort ihre Stellung verloren, an die geistgesalbten Christen, die eine himmlische Hoffnung hatten: „Diese straucheln, weil sie dem Worte ungehorsam sind. ... Ihr aber seid ,ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk zum besonderen Besitz, damit ihr die Vorzüglichkeiten‘ dessen ,weit und breit verkündet‘, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat.“ — 1. Petrus 2:8, 9.

      64. In welchem Zustand, der durch eines der Abteile des damaligen „Zeltes der Zusammenkunft“ vorgeschattet worden war, befanden sich also jene gesalbten Jünger, und welche Vorrechte genossen sie in diesem Zustand wie Jesus?

      64 Da sie nun eine Priesterschaft waren, befanden sie sich in einem neuen Verhältnis zu dem „wahren Zelt“ (oder Tempel), das nicht von Menschenhänden aufgerichtet worden war, sondern von Jehova Gott. Es bedeutete, daß sie sich nun in dem Zustand geistgezeugter Priester befanden, der durch das Heilige des von Moses aufgerichteten „Zeltes der Zusammenkunft“ vorgeschattet worden war. Sie befanden sich in demselben Zustand, in dem sich der Hohepriester Jesus Christus nach seiner Salbung mit heiligem Geist bis zu seinem Tod als vollkommener Mensch befand. Solange sie also im Fleische auf der Erde waren, empfingen sie wie er das von dem gegenbildlichen goldenen Leuchter ausgehende geistige Licht; sie ernährten sich von der geistigen Speise, die durch die zwei Schichten des Brotes der Darbringung auf dem goldenen Tisch versinnbildlicht wurde, und sie brachten Gott Gebete und eifrigen Dienst dar, so, als ob sie am goldenen Räucheraltar im Heiligen des Zeltes der Zusammenkunft Räucherwerk darbrächten.

      65. Was schrieb der Apostel Johannes an die, die sich in dem durch das Heilige dargestellten Zustand befinden, über ihre Salbung?

      65 An diese Geistgezeugten, die sich in dem durch das vorbildliche Heilige dargestellten Zustand befinden, sind die Worte gerichtet: „Ihr habt eine Salbung von dem Heiligen; ihr alle habt Kenntnis. Diese Dinge schreibe ich euch über die, die versuchen, euch irrezuführen. Und was euch betrifft: Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr benötigt niemand, der euch lehre; sondern wie euch die von ihm kommende Salbung über alle Dinge belehrt und wahr ist und keine Lüge ist, und so, wie sie euch belehrt hat, bleibt in Gemeinschaft mit ihm.“ — 1. Johannes 2:20, 26, 27.

      66. Was schrieb der Apostel Paulus denen, die sich in dem durch das Heilige dargestellten Zustand befinden, über ihre Salbung?

      66 An die, die sich als geistgezeugte Priester in dem Zustand befinden, der durch das Heilige vorgeschattet wurde, zu dem die aaronischen Priester Zutritt hatten und in dem sie dienen durften, sind auch die Worte des Apostels Paulus gerichtet: „Er aber, der dafür bürgt, daß ihr und wir Christus [dem Gesalbten] angehören, und der uns gesalbt hat, ist Gott. Er hat uns auch sein Siegel aufgedrückt und hat uns das Unterpfand, das heißt den Geist, in unser Herz gegeben.“ — 2. Korinther 1:21, 22.

      67. Was schrieb der inspirierte Bibelschreiber an die Hebräer, die sich zum Christentum bekehrt hatten, über das Essen vom Altar und über das Darbringen von Opfern?

      67 Da diese 144 000 geistigen Priester unter dem himmlischen Hohenpriester, Jesus Christus, dienen, haben sie die Befugnis, von dem Opfer Jesu Christi auf dem „Altar“ des „Willens“ Gottes zu essen, während die, die Jesus in ihrem Unglauben als den wahren Messias oder Christus verwarfen, keine Befugnis hatten, von seinem Opfer auf Gottes gegenbildlichem „Altar“ zu essen. Der inspirierte Bibelschreiber konnte daher, ohne überheblich zu sein, an die gläubigen Hebräer, die sich zum Christentum bekehrt hatten, die Worte richten, die wir in Hebräer 13:10-15 lesen: „Wir haben einen Altar, von dem zu essen die, welche im Zelt heiligen Dienst verrichten, keine Befugnis haben. Denn die Leiber jener Tiere, deren Blut vom Hohenpriester für die Sünde in das Heilige getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt. Deshalb hat auch Jesus, damit er mit seinem eigenen Blut das Volk heilige, außerhalb des Tores [von Jerusalem] gelitten. Laßt uns also zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und die Schmach, die er trug, tragen, denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern wir suchen ernstlich die künftige. Durch ihn laßt uns Gott allezeit ein Schlachtopfer der Lobpreisung darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die eine öffentliche Erklärung für seinen Namen abgeben.“

      68, 69. (a) Wo befinden sie sich in gegenbildlichem Sinne ebenfalls, was dadurch angedeutet wird, daß sie vom Altar essen, und wie sind sie dorthin gelangt? (b) Was wurde zum Beweis, daß sie sich in diesem Zustand befanden, an die Christen in Rom geschrieben?

      68 Da diese geistigen Unterpriester mit göttlicher Befugnis von dem Opfer auf Gottes wahrem „Altar“ essen, befinden sie sich auch in dem Zustand, der durch den Vorhof, in dem der kupferne Opferaltar stand, dargestellt wurde. In diesen Zustand gelangten sie, indem sie von Gott aufgrund ihres Glaubens an den geopferten Jesus Christus gerechtgesprochen oder für gerecht erklärt wurden. Nachdem sich der Hohepriester Jesus Christus mit dem Wert seines Opferblutes in das himmlische Allerheiligste begeben und ihn dort Jehova Gott dargebracht hatte, wirkten sich — nämlich vom Pfingsttag des Jahres 33 u. Z. an — die Wohltaten seines vollkommenen menschlichen Opfers auf seine Jünger auf der Erde aus, weil sie Glauben hatten. Glaubensvoll und mit tiefer Wertschätzung aßen sie von seinem Opfer, das aufgrund des Willens Gottes dargebracht worden war. Auf diese Weise erlangten sie die Vergebung ihrer Sünden. Indem Gott ihnen die Sünden vergab und sie so als frei von Sünden im Fleische betrachtete, sprach er sie gerecht. Auf diese Weise brachte er sie in den gegenbildlichen Vorhof. Zum Beweis, daß sie sich in diesem Zustand befanden, lesen wir:

      69 „Wir [glauben] an den ..., der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat. Er wurde um unserer Verfehlungen willen dahingegeben und um unserer Gerechtsprechung willen auferweckt. Darum laßt uns, da wir nun zufolge des Glaubens gerechtgesprochen worden sind, uns des Friedens mit Gott erfreuen durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir auch durch Glauben unseren Zutritt erlangt haben zu dieser unverdienten Güte, in der wir jetzt stehen; und laßt uns aufgrund der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes frohlocken. Desto mehr werden wir somit, da wir jetzt durch sein Blut gerechtgesprochen worden sind, durch ihn vor dem Zorn gerettet werden.“ — Römer 4:24 bis 5:2, 9.

      70. (a) Welche weitere Bestätigung dafür, daß sie, während sie noch im Fleische sind, von Gott als nicht verurteilt betrachtet werden, finden wir im Römerbrief? (b) Können sie dem Wert oder Verdienst des Opfers Christi durch irgendwelche Opfer etwas hinzufügen?

      70 Eine weitere Bestätigung dafür, daß diese geistigen Unterpriester, während sie noch im Fleische auf der Erde sind, von Gott als frei von Sünde, als nicht verurteilt, betrachtet werden, finden wir in den Worten: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! So bin ich selbst [der Apostel Paulus] denn mit meinem Sinn ein Sklave des Gesetzes Gottes, mit meinem Fleisch aber der Sünde. Daher gibt es für die, welche mit Christus Jesus in Gemeinschaft sind, keine Verurteilung. Denn das Gesetz des Geistes, der in Gemeinschaft mit Christus Jesus Leben gibt, hat dich von dem Gesetz der Sünde und des Todes frei gemacht.“ (Römer 7:25 bis 8:2) Dieser Zustand, in dem sie vor Gott gerecht, nicht verurteilt, dastehen, während sie sich noch in ihrem unvollkommenen, mit der Sünde behafteten Fleisch befinden, wurde durch den damaligen Vorhof dargestellt, in dem der kupferne Opferaltar stand, an dem die aaronischen Priester ihren Dienst verrichteten. Sie könnten dem Wert oder Verdienst des Opfers, das Christus für Sünden dargebracht hat, nichts hinzufügen, indem sie irgendwelche buchstäblichen Schlachtopfer darbrächten. Darum bringen sie Gott durch Christus das „Schlachtopfer der Lobpreisung“ dar und wirken als Christen gute Werke. Sie halten das sogenannte „Meßopfer“, das in gewissen Kirchen dargebracht wird, für völlig wertlos.

      71. (a) Die auf diese Weise gerechtgesprochenen Christen befinden sich in gegenbildlichem Sinne auch wo? (b) Was trennt sie von dem himmlischen Allerheiligsten, und wer bereitete für sie den Weg dorthin?

      71 Diese Unterpriester befinden sich — während sie noch im Fleische auf der Erde sind, bekleidet mit dem Gewand der zugerechneten Gerechtigkeit — ebenfalls in dem durch das Heilige des vorbildlichen Zeltes (oder Tempels) dargestellten Zustand, in den sie durch die Geistzeugung gelangten. Doch wie einst ihr Hoherpriester Jesus Christus, so hegen auch sie die Hoffnung, in das himmlische Allerheiligste zu kommen, wo Gott persönlich thront. Was sie jetzt noch daran hindert, sich in das wahre Allerheiligste zu begeben, ist die fleischliche Schranke, das Fleisch, in dem sie noch leben. Diese fleischliche Schranke wurde durch den inneren Vorhang dargestellt, der das Heilige des Zeltes vom Allerheiligsten abschirmte, wo sich die goldene Bundeslade mit dem Schekina-Licht befand. Jesus Christus bereitete für sie den Weg „durch den Vorhang“ in das wahre Allerheiligste. Er begab sich als ein „Vorläufer“ für sie in das Allerheiligste, „hinter den Vorhang“. (Hebräer 6:19, 20) Dadurch weihte er diesen neuen Weg in das himmlische Leben ein.

      72. Sich des Eingangs wohin als würdig zu erweisen, werden die 144 000 Unterpriester ermuntert, und wie?

      72 Darum werden die 144 000 geistigen Unterpriester aufgefordert, mutig zu sein in ihrem Bemühen, sich als würdig zu erweisen, „hinter den Vorhang“ zu gelangen, und treu zu bleiben bis zum Tode ihres Fleischesleibes und zur Auferweckung von den Toten zu einem Leben im Geiste. In Hebräer 10:19-22 lesen wir daher die inspirierten Worte: „Da wir also, Brüder, Freimut haben in bezug auf den Weg des Eingangs in das Heilige durch das Blut Jesu, den er für uns als einen neuen und lebendigen Weg eingeweiht hat durch den Vorhang, das ist sein Fleisch, und da wir einen großen Priester über das Haus Gottes haben, so laßt uns mit wahrhaftigem Herzen in voller Glaubensgewißheit hinzutreten.“

      73. Wohin werden sich die geistigen Unterpriester begeben, nachdem sie die fleischliche Schranke hinter sich gelassen haben, und was werden sie dort tun?

      73 Sie werden — wenn sie ihre Pflichten als geistige Unterpriester auf der Erde bis zu ihrem Tod treu erfüllt haben und in der „ersten Auferstehung“ ins Leben zurückgebracht worden sind — die fleischliche Schranke, den gegenbildlichen „Vorhang“, hinter sich gelassen haben und werden zu dem himmlischen Allerheiligsten zugelassen, wo sie die unbeschreibliche Herrlichkeit des lebendigen Gottes sehen werden. Sie werden nicht wie der Hohepriester Jesus Christus in seine Gegenwart gelangen, um ihm den Wert eines vollkommenen menschlichen Opfers darzubringen, sondern um der hilfsbedürftigen Menschheit die Wohltaten des Opfers Christi zukommen zu lassen. (Offenbarung 20:6) Obwohl die Amtszeit dieser himmlischen Priester tausend Jahre dauern wird, benötigen sie in ihrem Dienst keine Nachfolger. Sie werden wie ihr verherrlichter Hoherpriester die „Kraft eines unzerstörbaren Lebens“ haben und werden ihr Priesteramt ohne Nachfolger ein ganzes Jahrtausend ausüben können. — Hebräer 7:16, 24.

      MITFÜHLENDE, VERSTÄNDNISVOLLE PRIESTER

      74. (a) Wozu ebnete das Sühnopfer Christi den 144 000 den Weg? (b) Warum werden die tausend Jahre, in denen die Priesterschaft Christi wirken wird, wegen dieses Opfers für die Menschheit eine gesegnete Zeit sein?

      74 Welch ein Segen diese für tausend Jahre eingesetzte himmlische Priesterschaft für die sündige, dem Tode unterworfene Menschheit sein wird! Ihr Hoherpriester brachte Gott das vollkommene Opfer nicht nur für seine 144 000 Unterpriester dar, sondern für die ganze Menschheit. Johannes, einer dieser geistigen Unterpriester, schrieb vor neunzehnhundert Jahren: „Meine Kindlein, ich schreibe euch diese Dinge, damit ihr keine Sünde begehen mögt. Und doch, wenn jemand eine Sünde begeht, so haben wir einen Helfer beim Vater, Jesus Christus, einen Gerechten. Und er ist ein Sühnopfer für unsere Sünden, doch nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“ (1. Johannes 2:1, 2) Das Sühnopfer Jesu Christi ebnete den 144 000 Unterpriestern den Weg, der zur Befreiung von Sünde und von der sich daraus ergebenden Verurteilung zum Tode führt und zu ewigem Leben mit ihrem Hohenpriester im Himmel. Der Wert dieses Sühnopfers reicht aber für die ganze Menschheit aus; es ist ein Sühnopfer für die Sünden der Welt. Deshalb rief Johannes der Täufer, als er auf den getauften Jesus Christus hinwies, aus: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ — Johannes 1:29.

      75. (a) Wenn Christus in der Lage war, seinen 144 000 Unterpriestern zu helfen, während sie auf der Erde waren, wird er bestimmt auch wem helfen können? (b) Wer außer der großen Volksmenge, die die Drangsal überleben wird, wird aus dem Wert des Opfers Christi Nutzen ziehen?

      75 Jesus Christus, der Hohepriester, war in der Lage, der Versammlung seiner 144 000 Unterpriester zu helfen, die Sünde zu überwinden und von der sich daraus ergebenden Verurteilung zum Tode frei zu werden. Dasselbe kann er auch für alle übrigen Menschen tun, besonders für die bereitwilligen, die sich nach ewigem Leben sehnen und die ein gutes Gewissen vor Gott haben möchten. Christus hat tausend Jahre Zeit, dies zu tun, und er ist auch bereit, es zu tun. Er wird dafür sorgen, daß sein tausendjähriges Priestertum „nach der Weise Melchisedeks“ den Zweck nicht verfehlt. Er wird nicht nur den Lebenden helfen, das heißt der „großen Volksmenge“, die in der großen Drangsal, mit der das gegenwärtige weltliche System der Dinge enden wird, am Leben bleibt, sondern auch den vielen Milliarden, die gegenwärtig noch in den Gräbern der Erde im Tode schlafen. (2. Timotheus 4:1; Offenbarung 7:9-15; Apostelgeschichte 24:15) Er wird nichts von dem kostbaren Wert seines vollkommenen menschlichen Opfers ungenutzt lassen oder denen, die es nötig haben, vorenthalten.

      76, 77. (a) Wie verhielt sich Jesus den Menschen gegenüber, als er auf der Erde erprobt wurde, und wie wird er sich deshalb während der tausend Jahre, in denen er als Priester amtet, der Menschheit gegenüber verhalten? (b) Warum ist Jesus Christus also besser in der Lage, denen zu Hilfe zu kommen, die auf die Probe gestellt werden?

      76 „Christus [starb] für uns ..., während wir noch Sünder waren.“ (Römer 5:8) Das beweist sein Mitleid und sein Erbarmen mit der Menschheit, die von dem ungehorsamen Adam und der ungehorsamen Eva Sünde und Tod ererbt hatte, und auch seine Bereitschaft, sich für sie zu opfern. Er war in den dreiunddreißigeinhalb Jahren, in denen er auf der Erde lebte, gütig, geduldig, mitfühlend, hilfsbereit und verständnisvoll. Da er selbst ein Mensch war, der auch versucht wurde, konnte er für die Menschen Verständnis haben, und das ließ ihn noch besser erkennen, welcher Behandlung unvollkommene, von der Sünde geplagte Menschen bedürfen. Selbst als er am Hinrichtungspfahl auf Golgotha hing, wo er als Unschuldiger starb, nahm er die Schmähungen und Beschimpfungen irregeführter Menschen schweigend hin. Wenn er sich während seines Lebens auf der Erde unter den schlimmsten Verhältnissen so verhielt, dürfen wir überzeugt sein, daß er sich auch während der tausend Jahre, in denen er als Priester amtet, der Menschheit gegenüber so verhalten wird. Zu dieser herzerfreuenden Schlußfolgerung kam auch der inspirierte Bibelschreiber:

      77 „Er nimmt sich tatsächlich überhaupt nicht der Engel an, sondern er nimmt sich des Samens Abrahams an. Folglich mußte er in allen Beziehungen seinen ,Brüdern‘ gleich werden, damit er in den Dingen, die Gott betreffen, ein barmherziger und treuer Hoherpriester werde, um für die Sünden des Volkes Sühnopfer darzubringen. Denn worin er selbst gelitten hat, als er auf die Probe gestellt wurde, vermag er denen zu Hilfe zu kommen, die auf die Probe gestellt werden.“ — Hebräer 2:16-18. Vergleiche Hebräer 5:1, 2.

      78. Was machte Jesus gemäß Hebräer 5:7-10 wegen der reinen Anbetung und um unsertwillen alles durch?

      78 Was Jesus Christus alles durchmachte, um sich auf der Erde als erfolgreicher, untadeliger Hoherpriester der reinen Anbetung Gottes zu erweisen, der für uns eintritt, wird in Hebräer 5:7-10 in folgenden Worten kurz beschrieben: „In den Tagen seines Fleisches brachte Christus Flehen und auch Bitten mit starkem Schreien und Tränen vor dem dar, der ihn aus dem Tode zu erretten vermochte, und er wurde wegen seiner Gottesfurcht erhört. Obwohl er Sohn war, lernte er Gehorsam durch die Dinge, die er litt; und nachdem er vollkommen gemacht worden war, wurde er für die ewige Rettung all derer verantwortlich, die ihm gehorchen, weil er von Gott ausdrücklich zum Hohenpriester nach der Weise Melchisedeks berufen worden ist.“

      79, 80. (a) Was kann Christus während der tausend Jahre, in denen er als Priester amtet, für die Menschheit tun, da er die „Kraft eines unzerstörbaren Lebens“ hat? (b) Was für eine Priesterschaft entstand aufgrund des göttlichen Eidschwurs im Gegensatz zu der, die aufgrund des „Gesetzes“ entstand?

      79 Da er die „Kraft eines unzerstörbaren Lebens“ hat, wird es ihm möglich sein, die tausend Jahre, in denen er als Priester ohne Nachfolger amtet, zur Ehre Gottes zum Abschluß zu bringen. Er kann der Menschheit in dieser Zeit helfen, von der Sünde und ihrer furchtbaren Strafe, dem Tod, vollständig frei zu werden. Er kann das tun, was die vielen aaronischen Priester, die im Verlauf von mehr als eineinhalbtausend Jahren nacheinander ihren heiligen Dienst verrichteten, nicht tun konnten. In Hebräer 7:23-28 heißt es:

      80 „Überdies mußten viele nacheinander Priester werden, weil sie durch den Tod verhindert waren, als solche zu verbleiben, er aber, weil er für immer am Leben bleibt, hat sein Priestertum ohne irgendwelche Nachfolger inne. Demzufolge kann er auch die vollständig retten, die sich durch ihn Gott nahen, weil er immerdar lebt, um für sie einzutreten. Denn ein solcher Hoherpriester wie dieser war für uns der geeignete: loyal, arglos, unbefleckt, getrennt von den Sündern und höher als die Himmel geworden. Er hat es nicht täglich nötig, Schlachtopfer darzubringen wie jene Hohenpriester, zuerst für seine eigenen Sünden und dann für die des Volkes (denn er tat dies ein für allemal, als er sich selbst als Opfer darbrachte); denn das ,Gesetz‘ bestimmt Männer zu Hohenpriestern, die mit Schwachheit behaftet sind, aber das Wort des Eidschwurs, der erst n a c h dem ,Gesetz‘ kam, bestimmt einen Sohn, der für immer vollkommen gemacht worden ist.“

      81. (a) Warum werden die 144 000 Unterpriester Mitleid mit der Menschheit und Verständnis für sie haben können? (b) Was werden sie tun können, da sie die „Kraft eines unzerstörbaren Lebens“ haben werden.

      81 Und wie verhält es sich mit den 144 000 geistigen Unterpriestern, die ‘die tausend Jahre Priester Gottes und des Christus sein werden’? (Offenbarung 20:6) Sie sind von Gott dazu vorherbestimmt worden, „nach dem Bilde seines Sohnes gestaltet zu werden“. (Römer 8:29) Auch sie wurden als Menschen geboren und wuchsen zu Männern und Frauen heran, die mit der Sünde, der Unvollkommenheit und den schlechten Neigungen, behaftet waren, die sie von dem widerspenstigen Adam und der widerspenstigen Eva geerbt hatten. Sie wissen daher, was es bedeutet, ein schwaches, sündiges Menschengeschöpf zu sein. Sie können deshalb wie ihr Hoherpriester Christus Jesus der sündigen, dem Tode unterworfenen Menschheit gegenüber voll Mitleid und voll Güte sein. Sie waren so, während sie sich noch als geistige Unterpriester auf der Erde befanden. Sie werden auch so sein, nachdem sie an der „ersten Auferstehung“ teilgehabt haben und himmlische Unterpriester geworden sind. Sie werden nicht sterben und werden nicht bedauern müssen, ihr Werk nicht vollendet zu haben. Nein, da sie die „Kraft eines unzerstörbaren Lebens“ haben, können sie mit ihrem Hohenpriester so lange zusammenwirken, bis die Sünde vollständig beseitigt sein wird. Und was wird das Ergebnis sein? Alle bereitwilligen unter den Menschen werden dann von Sünde völlig frei sein und menschliche Vollkommenheit erlangt haben.

      82. Wie wird in Offenbarung 21:4 das ehrfurchteinflößende Werk beschrieben, das diese Priesterschaft in den tausend Jahren vollbringen wird, und was für ein Universum wird Gott dann wiederum haben?

      82 Das ehrfurchteinflößende Werk, das diese Priesterschaft, die keine eigennützigen Interessen verfolgt, in den tausend Jahren vollbringt, wird in folgenden wunderbaren Worten beschrieben: „Der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen.“ (Offenbarung 21:4) Ja, die Sünde, „der Stachel, der den Tod verursacht“, wird verschwunden sein! Die Sündhaftigkeit, die wir von unseren selbstsüchtigen menschlichen Ureltern ererbt haben, wird samt ihren traurigen und Gott entehrenden Auswirkungen ausgetilgt sein. Jehova Gott, der Höchste, wird wiederum ein reines und heiliges Universum haben.

      [Karte auf Seite 93]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      GRUNDRISS DER STIFTSHÜTTE

      Schaubrottisch

      ALLERHEILIGSTES

      Vorhang

      DAS HEILIGE

      Abschirmungsbehang

      Becken

      Brandopferaltar

      Tor

      Bundeslade

      Räucheraltar

      Leuchter

      VORHOF

  • Was von den Richtern zu erwarten ist, die tausend Jahre im Amt sind
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 7. Kapitel

      Was von den Richtern zu erwarten ist, die tausend Jahre im Amt sind

      1. Was wurde denen gegeben, die Johannes auf den Thronen sitzen sah?

      DER von Gottes Geist inspirierte Apostel Johannes schrieb in seiner Vorschau auf die Tausendjahrperiode, in der nahezu unfaßbare Wunder geschehen werden: „Und ich sah Throne, und da waren solche, die sich darauf setzten, und es wurde ihnen Macht zu richten gegeben.“ — Offenbarung 20:4.

      2. Warum könnte der Gedanke an ein Gericht, der hier aufgegriffen wird, einen Schatten auf das Bild werfen, das sonst so glückverheißend wäre?

      2 „Throne“, auf denen Personen saßen, denen die Macht gegeben wurde zu richten! Wirft das einen Schatten auf das Bild von dem kommenden Jahrtausend der Jahrtausende, das sonst so glückverheißend wäre, oder ist diese Aussicht vielversprechend und tröstlich? Wie betrachtete sie der Apostel Johannes? Wie sollten wir sie heute betrachten? Hat uns die heutige Rechtspflege, auch die Rechtspflege in der Christenheit, nicht tief enttäuscht? Wie nie zuvor bewahrheiten sich heute die prophetischen Worte aus Psalm 82:5, wo von Männern, die als Richter amtieren und daher wie „Götter“ sind, die ihr Amt aber mißbraucht haben, gesagt wird: „Sie haben nicht erkannt, und sie verstehen nicht, in Finsternis wandeln sie weiterhin umher; alle Grundfesten der Erde werden zum Wanken gebracht.“ Nach der katholischen Bibel, übersetzt von Loch und Reischl (1899), lautet dieser Vers (Psalm 81:5): „Unwissend sind sie und einsichtslos, in Finsterniß gehen sie einher; es wanken alle Grundvesten des Landes [Fußnote: menschliche Gesellschaft].“

      3, 4. (a) Welches Gefühl sollte uns jedoch der Anblick dieser Throne vermitteln, wenn wir an das denken, was Johannes kurz vorher gesehen hatte? (b) Wieso darf die Menschheit, die an Mißstände im Gerichtswesen gewöhnt ist, von diesen „Thronen“ mit Recht eine bessere Rechtspflege erwarten?

      3 Heute sehnt sich die Menschheit nach besseren Zeiten. Und glücklicherweise ist das, was der Apostel Johannes in Verbindung mit diesen Richter„thronen“ sah, dazu angetan, uns mit einem Gefühl der Erleichterung und nicht mit Befürchtungen zu erfüllen. Es sei daran erinnert, daß Johannes in einer prophetischen Vision sah, daß zwischen dem himmlischen König der Könige und den „Königen der Erde“ samt ihren „Heeren“ sowie der weltweiten politischen Organisation ein Krieg ausgefochten wurde. Dabei wurden diese Könige und all ihre irdischen Unterstützer besiegt und vernichtet. Das hatte zur Folge, daß die Throne oder Herrschersitze, auf denen die politischen Regenten gesessen und Entscheidungen gefällt hatten, nicht mehr besetzt waren. Unmittelbar danach sah der Apostel Johannes, wie ein Engel Gottes in die Nähe der Erde herabkam und Satan, den Teufel, sowie seine Dämonen fesselte und in den Abgrund schleuderte; in diesem mit göttlichem Siegel verschlossenen Abgrund sollten sie tausend Jahre als Gefangene bleiben. — Offenbarung 19:11 bis 20:3.

      4 Die Vernichtung des vom Teufel beherrschten Systems der Dinge zog natürlich nach sich, daß andere Richter über die Menschheit eingesetzt werden mußten. Das war besonders jetzt notwendig, da die göttliche Herrschaft über die Menschheit auf den siegreichen König der Könige übergegangen war, auf den König, der „Treu und Wahrhaftig genannt“ wird und der „richtet und ... Krieg [führt] in Gerechtigkeit“. (Offenbarung 19:11-16) So ist es denn eine ganz natürliche Entwicklung, daß neue Richterthrone geschaffen werden. Es darf erwartet werden, daß diese neuen Throne, die im Auftrag Gottes im Himmel aufgestellt werden, mit besseren Richtern besetzt werden. Das bedeutet, daß die Menschheit, die an Mißstände im Regierungs- und Gerichtswesen gewöhnt gewesen ist, mit einer besseren Rechtspflege rechnen darf.

      5, 6. Wer wird gemäß dem, was Jesus, bevor er verraten wurde, zu seinen elf treuen Aposteln sagte, als Richter auf diesen „Thronen“ sitzen?

      5 Wer sind diese neuen Richter, die die Menschheit richten werden? Aus den Worten Jesu Christi, die er an eine repräsentative Gruppe dieser zukünftigen Richter richtete, geht hervor, wer zu dieser Gruppe himmlischer Richter gehören wird.

      6 In der Nacht, in der Jesus verraten und verhaftet sowie von dem Obersten Gerichtshof in Jerusalem zu Unrecht verurteilt wurde, sagte er zu den Aposteln, die ihm treu geblieben waren: „Ihr aber seid es, die in meinen Prüfungen mit mir durchgehalten haben; und ich mache einen Bund mit euch, so, wie mein Vater einen Bund mit mir gemacht hat, für ein Königreich, damit ihr an meinem Tisch in meinem Königreich eßt und trinkt und auf Thronen sitzt, um die zwölf Stämme Israels zu richten.“ (Lukas 22:28-30) Diese treuen Apostel waren die ersten Glieder der Gruppe von 144 000, die Jesus Christus in den Bund für das himmlische Königreich aufnimmt, für das Königreich mit seinen Richterthronen. (Matthäus 19:27, 28) Natürlich wird Jesus Christus unter diesen 144 000 Mitrichtern der vorsitzführende Richter sein.

      7. Wie wird gemäß den Worten, die Paulus vor dem Areopag (dem Gerichtshof im alten Athen) äußerte, die bewohnte Erde zu der von Gott bestimmten Zeit gerichtet werden?

      7 Unwillkürlich fallen einem die Worte des Apostels Paulus ein, die er äußerte, als er sich um das Jahr 51 u. Z. vor dem Areopag, dem Gerichtshof im alten Athen, verantworten mußte. Paulus legte diesen Richtern, die offenbar „mehr als andere der Furcht vor Gottheiten hingegeben“ waren, seinen Fall dar und erklärte abschließend: „Wohl hat Gott über die Zeiten solcher Unwissenheit hinweggesehen, doch läßt er jetzt den Menschen sagen, daß sie alle überall bereuen sollten. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er die bewohnte Erde in Gerechtigkeit richten will durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen Menschen eine Gewähr dafür gegeben, indem er ihn von den Toten zur Auferstehung gebracht hat.“ (Apostelgeschichte 17:22-31) Die bewohnte Erde wird somit „in Gerechtigkeit“ gerichtet werden, und der oberste Richter, durch den Gott sie wird richten lassen, wird sein Sohn, Jesus Christus, sein, der von den Toten auferstanden ist.

      8, 9. (a) Wieso wird dieser von Gott bestimmte Richter die Menschheit richten können, wie es noch nie ein Mensch, der als Richter amtete, tun konnte? (b) Wie wird Jesus gemäß seinen eigenen Worten, die wir in Johannes 5:27-30 lesen, dafür sorgen, daß jeder Mensch gerichtet wird?

      8 Der Apostel Paulus erwähnte in seinem letzten Brief, einem Brief an Timotheus, der ihn auf seinen Missionsreisen begleitet hatte, diese zum Richten bestimmte Person mit Namen; er schrieb: „Ich gebiete dir feierlich vor Gott und Christus Jesus, der dazu bestimmt ist, die Lebenden und die Toten zu richten, und bei seinem Offenbarwerden und seinem Königreich ...“ (2. Timotheus 4:1) Dieser von Gott bestimmte Richter wird sein Amt so verwalten, wie kein Mensch, der je als Richter auf der Erde geamtet hat, das hätte tun können oder wie es je ein solcher Richter tun könnte. Er wird nämlich nicht nur die Lebenden richten, sondern auch die Toten. Kein Mensch, der von seinen Mitmenschen zum Richter eingesetzt wird, kann die Toten zurückrufen, um sie zu richten. Diesem von Gott bestimmten Richter ist das jedoch möglich. Die Toten werden den Tausendjahr-Gerichtstag erleben, obschon sie auferweckt werden müssen, damit sie gerichtet werden können, wozu sie aufgrund des Opfertodes Christi ebenso berechtigt sind wie die „Lebenden“. Man beachte folgende Worte Jesu:

      9 „Denn so, wie der Vater die Toten auferweckt und sie lebendig macht, so macht auch der Sohn die lebendig, welche er will. Denn der Vater richtet überhaupt niemand, sondern er hat das gesamte Gericht dem Sohn übergeben, damit alle den Sohn ehren, so, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Und er hat ihm Gewalt gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. Wundert euch nicht darüber, denn die Stunde kommt, in der alle, die in den Gedächtnisgrüften sind, seine Stimme hören und herauskommen werden, die, welche Gutes getan haben, zu einer Auferstehung des Lebens, die, welche Schlechtes getrieben haben, zu einer Auferstehung des Gerichts. Ich kann gar nichts aus mir selbst tun; so, wie ich höre [vom Vater], richte ich; und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen eigenen Willen, sondern den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.“ — Johannes 5:21-23, 27-30.

      10. (a) Wovon wird dieser Richter die Toten befreien, damit er sie richten kann? (b) Durch was für eine Tat wurde diese Befreiung bewirkt, und welche Frage erhebt sich in bezug auf den Zweck der Auferstehung?

      10 Dieser Richter, der auf der Erde als der Sohn des Menschen bekannt war, wird also seine tausendjährige Amtszeit dadurch besonders herrlich machen, daß er alle in den Gedächtnisgrüften liegenden Toten befreien wird. Für alle, die in den Gedächtnisgrüften sind und für die der Sohn des Menschen sein menschliches Leben als ein vollkommenes Opfer hingegeben hat, wird der tausend Jahre dauernde Gerichtstag der Auferstehungstag sein. Das schließt — abgesehen von den 144 000 Mitrichtern, die an der „ersten Auferstehung“, d. h. an einer himmlischen Auferstehung, teilhaben — alle erlösten Menschen ein. (Offenbarung 20:4-6) Sollen wir jetzt annehmen, daß sich diese Liebestat, die Befreiung der Toten aus dem Grab, oder diese irdische Auferstehung nachteilig auf die auswirken wird, die auferstehen werden? Erweist man jemandem eine Liebestat, um ihm zu schaden? Wir möchten nämlich darauf hinweisen, daß diese Auferstehung nicht nur für die sein wird, die als gerecht betrachtet werden, sondern auch für die, die im Vergleich zu den „Gerechten“ als „ungerecht“ bezeichnet werden. „Es [wird] eine Auferstehung sowohl der Gerechten als auch der Ungerechten geben.“ (Apostelgeschichte 24:15) Wir sind nicht in Sorge um die Gerechten, aber wie steht es mit den Ungerechten?

      11. (a) Welche Frage erhebt sich in bezug auf den Zweck der Auferstehung der „Ungerechten“? (b) Wie verhält es sich in dieser Beziehung mit dem sterbenden Übeltäter, der Jesus gegenüber Mitgefühl zeigte?

      11 Wird den „Ungerechten“ die unverdiente Güte erwiesen, auferweckt zu werden, nur um sie vor einen harten, strengen Richter zu bringen, der ihnen all ihre ungerechten Taten, die sie begangen haben, vorhalten wird, um ihnen zu zeigen, warum er sie dazu verurteilt, vollständig aus dem Dasein ausgelöscht zu werden? Welchen praktischen Nutzen hätte die Auferstehung dieser „Ungerechten“, wenn das der Zweck ihrer Auferstehung wäre? Ist das auch der Zweck der Auferstehung des einen der „Übeltäter“, die mit Jesus Christus auf Golgotha am Stamm hingerichtet wurden, desjenigen, der zu Jesus sagte: „Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Königreich kommst.“? Wurde dieser Übeltäter dadurch, daß er Mitgefühl zeigte und diese Bitte an Jesus richtete, zu einem Heiligen? Die tröstenden Worte, mit denen Jesus ihm antwortete, bedeuteten nicht, daß der Übeltäter, schon zweiundvierzig Tage bevor Jesus in die Gegenwart seines himmlischen Vaters auffuhr, um den Wert seines geopferten Menschenlebens zu überreichen, durch Glauben gerechtgesprochen oder für gerecht erklärt wurde. (Lukas 23:39-43) Der Übeltäter starb als verurteilter Mann und muß zu den „Ungerechten“ gezählt werden, die auferstehen werden.

      RICHTER DER VORCHRISTLICHEN ZEIT

      12. Warum benötigen sowohl die „Gerechten“ als auch die „Ungerechten“ mehr als die Befreiung aus den Gedächtnisgrüften durch eine Auferstehung?

      12 Was wird die Auferstehung der Toten für alle bedeuten, die als „ungerecht“ bezeichnet werden, sowie für alle, die als „gerecht“ bezeichnet werden? Sie sind gestorben, weil sie von Adam und Eva, die ungehorsam waren, die Sünde und ihre Strafe, den Tod, ererbt haben. Sie sind daher alle gestorben, ohne eigene Gerechtigkeit zu besitzen. (Römer 5:12; 3:23) Wenn sie bei der Auferstehung ins Leben zurückkehren, werden ihre Wesensmerkmale unverändert sein, selbst die „Gerechten“ werden keine vollkommenen Menschen sein oder Menschen, die nicht mit Fehlern und Sünden behaftet sind. So verhielt es sich auch mit den Männern und Frauen, die die Propheten Elia und Elisa sowie der Herr Jesus Christus und seine Apostel auferweckten oder ins Leben auf der Erde zurückriefen. (Hebräer 11:35) Somit werden die „Gerechten“ und die „Ungerechten“ mehr als nur die Befreiung aus den Gedächtnisgrüften durch eine Auferstehung benötigen. Auch die „Gerechten“ benötigen eine Befreiung von der Sündhaftigkeit und menschlichen Unvollkommenheit. Der himmlische Richter Jesus Christus kann sie deshalb nicht sofort für wirklich schuldlos, für vollkommen oder frei von der verwerflichen Sündhaftigkeit erklären und kann nicht schon am Tage ihrer Auferstehung das Urteil verkünden, durch das sie für würdig befunden würden, ewig auf der Erde zu leben.

      13. (a) Warum räumt Gott Jesus Christus tausend Jahre ein, um die Menschheit zu richten? (b) Was können wir aufgrund dessen, was wir aus dem Buch „Richter“ erfahren, von Gottes Richter erwarten, der tausend Jahre im Amt sein wird?

      13 Wenn seine Aufgabe als Richter nur darin bestünde, an dem Tag, an dem die „Gerechten“ und die „Ungerechten“ vor ihm erscheinen werden, Urteile zu fällen, warum werden ihm dann tausend Jahre eingeräumt, um die Menschheit zu richten? Eine solch lange Zeitperiode wird eingeräumt, damit in dieser Zeit ein Werk getan werden kann, und nicht nur, damit Wahrsprüche und Strafurteile gefällt werden. Die in der Bibel erwähnten Richter, die Gott für sein auserwähltes Volk der vorchristlichen Zeit erweckte, schlichteten nicht nur Streitigkeiten zwischen Einzelpersonen oder verkündeten und vollstreckten nicht nur Urteile. Diese von Gott erweckten „Richter“ waren auch Befreier seines auserwählten Volkes. In der Bibel gibt es ein Buch, das die Bezeichnung „Richter“ trägt. Es ist ein äußerst spannendes Buch. Darin wird über die Heldentaten von Männern berichtet, die Gott, „der Richter der ganzen Erde“, erweckte, um sein Volk von seinen Bedrückern zu befreien. Welch ein glücklicher Tag war der Gerichtstag, der jeweils begann, wenn Gott einen Richter erweckte, der für sein bedrängtes Volk Gericht übte!

      14. Was erfahren wir, kurz gesagt, über die Richter Ehud und Barak?

      14 Wir lesen den Bericht über Ehud, der seine Laufbahn als Richter begann, indem er ganz allein den außergewöhnlich beleibten Moabiterkönig Eglon in dessen eigenem Konferenzzimmer tötete und dann entrann, darauf die Israeliten zusammenrief, sich an ihre Spitze stellte und mit ihnen einen Sieg über die Moabiter, die sie bedrückt hatten, errang. Wir lesen den Bericht über Barak, der bewies, daß er zum Richter seines Volkes auserkoren war, indem er das starke Heer Jabins, des Königs von Kanaan, schlug; die Streitkräfte dieses Königs waren mit neunhundert Kampfwagen ausgerüstet, deren Räder mit eisernen Sicheln versehen waren, die dem Gegner Furcht einflößen sollten.

      15. Was erfahren wir über Gideon und Jephtha?

      15 Ein weiterer Richter war Gideon, ein bescheidener Mann, der mit nur dreihundert Männern die Midianiter und Ostleute schlug, die so zahlreich wie Heuschrecken in das Land Israel eingedrungen waren. Mitten in der Nacht, als Gideon und seine dreihundert Mann das feindliche Lager, in dem alles schlief, fast umzingelt hatten, zerschlugen sie gleichzeitig ihre Krüge am Boden, hielten die Fackeln, die sie darunter verborgen gehalten hatten, hoch, bliesen die Hörner und riefen: „Schwert Jehovas und Gideons!“ Im aufgeschreckten Lager herrschte panischer Schrecken, und alles versuchte zu fliehen, wobei einer den anderen umbrachte; Gideon und seine dreihundert Mann jagten den Überlebenden nach. Viele Jahre danach herrschte im Verheißenen Land wieder große Not, und Jehova erweckte Jephtha, einen Ausgestoßenen, um gegen die arroganten Ammoniter in den Streit zu ziehen. Jephthas Eifer für die Sache Gottes war so groß, daß er aus eigenem Antrieb gelobte, das, was ihm zuerst aus der Tür seines Hauses entgegenkäme, wenn er siegreich zurückkehren würde, Gott zu opfern. Als er, glücklich über den Sieg, nach Hause zurückkehrte und ihm als erstes seine Tochter, sein einziges Kind, entgegenkam, bekundete er seine Hingabe an Gott, indem er sie für den Dienst Gottes zur Verfügung stellte.

      16, 17. (a) Wie wirkte Simson als Richter Israels? (b) Was sagt der inspirierte Bibelschreiber über die Richter in Hebräer 11:32-34?

      16 Wer hat nicht von Simson gehört, dem Mann, dessen Geburt den Eltern vorausgesagt worden war und der sich als der körperlich stärkste Mensch erwies, der je auf der Erde gelebt hat! Ganz allein befreite er sein Volk, die Israeliten, von dessen Bedrückern, den Philistern, und an seinem Todestag riß er, der blinde Gefangene der Philister, den Dagontempel in Gasa (Philistäa) über mehr als dreitausend Personen, die ein Fest feierten, ein; so tötete er an seinem Todestag mehr Philister, als er in seinem Leben getötet hatte.

      17 Unter der Inspiration des Geistes Gottes sagte der christliche Bibelschreiber, der diese Richter zu den Personen zählte, die einen heldenhaften Gottesglauben hatten, in Hebräer 11:32-34: „Und was soll ich noch mehr sagen? Denn die Zeit wird mir fehlen, wenn ich weitererzähle von Gideon, Barak, Simson, Jephtha, David wie auch von Samuel und den anderen Propheten, die durch Glauben Königreiche niederkämpften, Gerechtigkeit wirkten, Verheißungen erlangten, der Löwen Rachen verstopften, der Macht des Feuers Einhalt taten, der Schärfe des Schwertes entrannen, aus einem Zustand der Schwäche mit Kraft erfüllt wurden, im Kriege tapfer wurden, die Heere von Fremden auseinandertrieben.“

      18, 19. (a) Wer war daran schuld, daß die Israeliten bedrängt wurden, nachdem sie sich im Verheißenen Land angesiedelt hatten? (b) Warum mußten mehrere Richter für sie erweckt werden?

      18 Natürlich waren die Israeliten zur Zeit dieser Richter selbst schuld, daß sie von Feinden bedrängt wurden, denn sie wichen immer wieder von der reinen Anbetung Jehovas, des lebendigen Gottes, ab. Aber wenn sie aufrichtig bereuten, umkehrten und Jehova wieder anbeteten, half er ihnen. Wir lesen in Richter 2:16-19:

      19 „Da pflegte Jehova Richter zu erwecken, und sie retteten sie jeweils aus der Hand ihrer Plünderer. Und auch auf ihre Richter hörten sie nicht, sondern sie hatten unsittlichen Verkehr mit anderen Göttern und beugten sich dann vor ihnen nieder. Sie wichen rasch von dem Wege ab, auf dem ihre Vorväter gegangen waren, indem sie den Geboten Jehovas gehorchten. Sie taten nicht ebenso. Und als Jehova ihnen Richter erweckte, erwies es sich, daß Jehova mit dem Richter war, und alle Tage des Richters rettete er sie aus der Hand ihrer Feinde; denn Jehova empfand jeweils Bedauern wegen ihres Stöhnens über ihre Bedrücker und die, die sie umherstießen. Und es geschah, wenn der Richter starb, daß sie jeweils umkehrten und verderblicher handelten als ihre Väter, indem sie anderen Göttern nachgingen, um ihnen zu dienen und sich vor ihnen niederzubeugen. Sie ließen nicht ab von ihren Handlungen und ihrem störrischen Benehmen.“

      UNSTERBLICHE HIMMLISCHE RICHTER

      20. (a) Warum wird die Menschheit während der tausend Jahre nicht von Zeit zu Zeit sich selbst überlassen sein, wie das in den Tagen der Richter Israels der Fall war? (b) Warum benötigt selbst die „große Volksmenge“, die die Drangsal überleben wird, eine weitere Befreiung?

      20 Jesus Christus und seine 144 000 Mitrichter, die ebenfalls von Jehova Gott als Richter erweckt werden, werden nicht wegsterben und die Bewohner der Erde nicht sich selbst überlassen, wenn auch Satan, der Teufel, und seine Dämonen sich nicht mehr in der Umgebung der Erde aufhalten, sondern im Abgrund gefangengesetzt worden sind. Da diese Richter die „Kraft eines unzerstörbaren Lebens“ besitzen, werden alle während der ganzen Amtsperiode von tausend Jahren ihr Richteramt ununterbrochen versehen. Sie werden nicht nur auf Thronen sitzen und Urteile verkünden sowie Entscheide fällen, sondern sie werden sich wie die treuen Richter der alten Zeit, die Jehovas Billigung erlangten, als Befreier betätigen. Sogar „die Lebenden“, die unter Gottes Schutz die „große Drangsal“ überleben und auch die Gefangensetzung Satans und seiner Dämonen im Abgrund, benötigen eine weitere Befreiung. Weil sie vor Gott gerecht dastehen, bewahrt er sie, so daß sie den Tausendjahr-Gerichtstag erleben, aber sie müssen noch von etwas anderem befreit werden. Wovon? Von ihrer Sündhaftigkeit, ihrer Unvollkommenheit, ihrer Schwachheit und ihrer sterblichen Beschaffenheit, die ihnen noch anhaften werden, nachdem sie die Vernichtung des gegenwärtigen Systems der Dinge überlebt haben sowie die Gefangensetzung Satans und seiner Dämonen im Abgrund.

      21, 22. (a) Warum benötigen auch die Verstorbenen nach ihrer Auferstehung eine weitere Befreiung? (b) Warum werden einige, wie Hiob und David, als „gerecht“ gelten, wenn sie auferstehen?

      21 Auch „die Toten“, die aus den Gedächtnisgrüften zurückgerufen werden müssen — sie mögen bei ihrer Auferstehung von den Toten als „gerecht“ oder als „ungerecht“ gelten —, müssen von Sündhaftigkeit, Unzulänglichkeit, Unvollkommenheit, menschlicher Schwachheit und Vergänglichkeit befreit werden. Die Tatsache, daß es unter ihnen Personen gibt, die als „gerecht“ gelten, bedeutet nicht, daß es körperlich und sittlich vollkommene Menschen sind. Daß diese Männer und Frauen in den Augen Gottes gerecht sind, bedeutet, daß sie ihre Lauterkeit gegenüber Gott bewahrt haben wie Hiob aus dem Lande Uz, der große Geduld übte (Hiob 2:3, 9; 27:5; Jakobus 5:11; Hesekiel 14:14, 20), oder wie David, König in Jerusalem, der sich nicht davor fürchtete, von seinem Gott gerichtet zu werden, denn in Psalm 26:1-3, 11 sagte David:

      22 „Richte mich, o Jehova, denn ich selbst bin in meiner eigenen unversehrten Lauterkeit gewandelt, und auf Jehova habe ich vertraut, damit ich nicht wanke. Prüfe mich, o Jehova, und erprobe mich; läutere meine Nieren und mein Herz. Denn deine liebende Güte steht mir vor Augen, und in deiner Wahrheit bin ich gewandelt. Was mich betrifft, ich werde in meiner unversehrten Lauterkeit wandeln. O erlöse mich und erweise mir Gunst.“

      23, 24. (a) Welche Auferstehungshoffnung hatten Personen der vorchristlichen Zeit, die sich weigerten, mit den Bösen einen Vergleich einzugehen? (b) Was wird in Hebräer 11:35-40 über sie gesagt?

      23 Auch bei den Männern und Frauen, die im elften Kapitel des Briefes an die zum Christentum bekehrten Hebräer namentlich erwähnt werden oder von denen darin gesprochen wird, handelt es sich um Personen der vorchristlichen Zeit, die ihre Lauterkeit bis zum Tode bewahrten, indem sie sich weigerten, mit den Bösen einen Vergleich oder Kompromiß einzugehen und Jehova so untreu zu werden. Sie hofften zuversichtlich vom Tode auferweckt zu werden und unter besseren Verhältnissen, unter einer besseren Regierung, ewig auf der Erde zu leben, wobei sie vollkommenen Frieden und vollkommenes Glück genießen würden und dem lebendigen Gott in vollkommener Lauterkeit zugetan wären. Das wird in Hebräer 11:35-40 wie folgt zum Ausdruck gebracht:

      24 „Frauen erhielten ihre Toten durch Auferstehung; andere Männer aber wurden gefoltert, weil sie keine Erlösung durch ein Lösegeld annahmen, damit sie eine bessere Auferstehung erlangen könnten. Ja, andere erhielten ihre Erprobung durch Verspottungen und Geißelungen, in der Tat, mehr als das, durch Fesseln und Gefängnisse. Sie wurden gesteinigt, sie wurden auf die Probe gestellt, sie wurden zersägt, sie starben durch Hinschlachtung mit dem Schwert, sie gingen in Schaffellen, in Ziegenhäuten umher, während sie Mangel, Drangsal, Mißhandlung erlitten; und die Welt war ihrer nicht würdig. Sie irrten in Wüsten und Gebirgen und Höhlen und Klüften der Erde umher. Und doch empfingen alle diese, obwohl sie durch ihren Glauben Zeugnis erlangten, die Erfüllung der Verheißung nicht, da Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollkommen gemacht würden.“

      25, 26. (a) Warum werden jene „Gerechten“ den großen Gerichtstag, an dem sie auferweckt werden, nicht fürchten? (b) Warum werden die „Ungerechten“, wenn sie auferstehen, den „Gerechten“ gegenüber im Nachteil sein?

      25 Da diese „Gerechten“ ihre Lauterkeit gegenüber Gott bis zum Tode bewahrten, werden sie als Personen vom Tode ins Leben zurückkehren, die zwar immer noch unvollkommen sind und unvollkommen handeln, deren Gesinnung gegen Gott aber lauter ist. Sie werden den großen Tausendjahr-Gerichtstag, an dem sie auferweckt worden sind, nicht fürchten. Wegen ihrer lauteren Gesinnung, die sie vor ihrem Tod entwickelt haben und mit der sie auch auferweckt werden, werden sie gegenüber den „Ungerechten“ im Erlangen tatsächlicher Vollkommenheit als Mensch und völliger Sündlosigkeit im Vorteil sein. Sie werden gegenüber den „Ungerechten“ in dieser Hinsicht einen Vorsprung haben.

      26 Diesbezüglich steht geschrieben: „Besser ein Armer, der in seiner Lauterkeit wandelt, als einer mit falschen Lippen, der ja ein Tor ist“, ferner: „Der Gerechte wandelt in seiner unversehrten Lauterkeit. Glücklich sind seine Söhne nach ihm.“ (Sprüche 19:1, JB; 20:7) Für die „Ungerechten“, die bis zu ihrem Tod sündige Neigungen und schlechte Gewohnheiten gepflegt sowie ihren Begierden gefrönt haben, wird es dagegen viel mühsamer sein. Sie werden in dem Wettlauf, ewiges Leben als sündenlose, vollkommene Menschen auf einer paradiesischen Erde zu gewinnen, gegen diese zusätzliche Belastung, diese Nachteile, diese Hindernisse kämpfen müssen. Viele dieser „Ungerechten“ haben auch die Gelegenheiten und Möglichkeiten, zum Glauben zu kommen, die sich ihnen geboten haben, nicht genutzt, sie haben sie nicht beachtet, sie haben sie geringgeschätzt oder verachtet, oder sie haben gar Widerstand geleistet. Sie müssen daher einen Hang zur Geringschätzung und zum Eigensinn meistern. Es wird für sie mit Weh und Ach verbunden sein. Jesus Christus führte Beispiele dafür an, als er zu den unbußfertigen Städten Chorazin, Bethsaida und Kapernaum sagte:

      27. Wie veranschaulichte Jesus dies in Verbindung mit Bethsaida, Chorazin und Kapernaum?

      27 „Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wären in Tyrus und Sidon die Machttaten geschehen, die bei euch geschehen sind, so hätten sie längst in Sacktuch und Asche bereut. Daher sage ich euch: Es wird Tyrus und Sidon am ,Gerichtstag‘ erträglicher ergehen als euch. Und du, Kapernaum, wirst du vielleicht bis zum Himmel erhöht werden? Zum Hades hinab wirst du kommen; denn wenn die Machttaten, die in dir geschehen sind, in Sodom geschehen wären, es wäre bis zum heutigen Tag geblieben. Daher sage ich euch: Es wird dem Lande Sodom am ,Gerichtstag‘ erträglicher ergehen als dir.“ — Matthäus 11:20-24.

      28, 29. (a) Warum werden die Bewohner der alten Stadt Ninive und die Königin des Südens die jüdische Generation, die in den Tagen Jesu lebte, verurteilen? (b) Inwiefern wird es zwischen den Personen, die heute in religiöser Hinsicht begünstigt sind, und denen, die in dieser Hinsicht benachteiligt sind, am Gerichtstag einen Ausgleich geben?

      28 Zu der jüdischen Generation, die ihr Verhältnis zu Gott durch ehebrecherischen Umgang mit der Welt befleckte und ihren Glauben auf sichtbare Zeichen stützte, sagte Jesus: „Männer von Ninive werden im Gericht mit dieser Generation aufstehen und werden sie verurteilen; denn sie bereuten auf das hin, was Jona predigte, doch siehe! hier ist mehr als Jona. Die Königin des Südens wird im Gericht mit dieser Generation zum Aufstehen veranlaßt werden und wird sie verurteilen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören, doch siehe! mehr als Salomo ist hier.“ — Matthäus 12:38-42.

      29 Wie überrascht wird manch ein selbstgerechter religiöser Eiferer sein, manch ein selbstzufriedener, selbstgefälliger, strenger Religionsanhänger, der ganz sicher war, daß er gerechter wäre als die, die er als Heiden bezeichnete! Solche Personen werden merken, daß sie scheinheilig waren, während die Heiden, auf die sie herabblickten, ehrlicher, lernbereiter und dankbarer waren als sie und außerdem wegen ihrer Unwissenheit weniger tadelnswert. Durch ihre Aufrichtigkeit und ihre gute Gesinnung werden die Personen, die in religiösen Dingen weniger begünstigt waren, die Begünstigten verurteilen, die ihre Gelegenheiten aus Gleichgültigkeit oder absichtlich nicht wahrgenommen haben. Somit wird es zwischen den Personen, die heute begünstigt sind, und denen, die benachteiligt sind, einen gerechten Ausgleich geben.

      DIE VORTEILE DES GERICHTSTAGES

      30, 31. (a) Muß den Menschen am Gerichtstag alles, was sie in ihrem früheren Zustand getan haben, aufgezählt werden, um festzustellen, ob sie unschuldig oder schuldig sind? (b) Was wurde durch die Juden, die unter dem Gesetz Gottes standen, in bezug auf die ganze Menschheit bewiesen?

      30 Die Wahrhaftigkeit der Worte aus Römer 3:22, 23 ist nicht zu leugnen. Wir lesen dort: „Denn da ist kein Unterschied. Denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes.“ Am Gerichtstag müssen somit alle, „die Lebenden und die Toten“, mit Hilfe der himmlischen Richter, die Jehova Gott erweckt, von jeder Spur von Sünde und moralischer Schwäche sowie von körperlicher Unvollkommenheit befreit werden, mit der sie bei ihrer Auferstehung am Gerichtstag noch behaftet sind. Die Beweise und Zeugnisse sprechen, wie in Römer 3:23 und in anderen Bibeltexten gut verständlich dargelegt wird, gegen die Menschheit; und denen, die gerichtet werden, braucht nicht alles aufgezählt zu werden, um festzustellen, ob sie unschuldig oder schuldig sind. Die Unfähigkeit der natürlichen Juden, das Gesetz zu halten, das ihnen Gott durch Moses gegeben hatte, bewies, daß niemand unter den Menschen, nicht einmal die begünstigten Juden, das Gesetz Gottes vollkommen halten kann. Durch dieses praktische Beispiel der Juden, die unter Gesetz waren, wurde jeder Mensch zum Schweigen gebracht, der jemand verteidigte, der das Gesetz hielt, und es wurde nachgewiesen, daß die ganze Menschenwelt vor Gott schuldig dasteht. Es ist genauso, wie der Apostel Paulus vor langer Zeit schrieb:

      31 „Wir wissen nun, daß alles, was das ,Gesetz‘ sagt, es an die richtet, die unter dem ,Gesetz‘ sind, so daß jeder Mund gestopft und die ganze Welt vor Gott straffällig werde.“ — Römer 3:19.

      32. (a) Bietet der Gerichtstag den Menschen eine „neue Chance“? (b) Wovon hängt es also ab, ob sie auf der paradiesischen Erde leben werden oder nicht, und warum?

      32 Da die Menschen als Sünder, die zum Tode verurteilt sind, geboren werden, haben sie nie eine „Chance“ gehabt. Sie haben sich vor Gott, der absolut vollkommen ist, nie durch vollkommene Werke der Gerechtigkeit und durch ein Freiwerden von Sünde rechtfertigen können. Der Gerichtstag bietet der Menschheit keine „neue Chance“, sondern er bietet ihr die erste wirkliche Gelegenheit, ewiges Leben als vollkommene und absolut sündenlose Menschen in einem irdischen Paradies zu erlangen. Der Gerichtstag bietet der Menschheit aufgrund des vollkommenen menschlichen Opfers Christi die Gelegenheit, von der Sünde frei zu werden und zu der vollen „Herrlichkeit Gottes“ emporgehoben zu werden, die sie jetzt nicht erreicht. Ob „die Lebenden und die Toten“ die paradiesische Erde für immer besitzen werden oder nicht, hängt also von dem ab, was sie am Gerichtstag tun werden. Ihre Vergangenheit liegt fest, daran kann nichts mehr geändert werden, sie mag sich gut oder schlecht auf sie auswirken. Der Gerichtstag wird es ihnen ermöglichen, zu beweisen, daß es ihr aufrichtiger Herzenswunsch ist, mit Sünde nichts mehr zu tun zu haben, aufzuhören damit, ganz damit fertig zu sein. Es gehört zu den Aufgaben der himmlischen Richter, ihnen durch Unterweisung und Rat beizustehen.

      33. Wie wird diese sich am Gerichtstag bietende Gelegenheit in Offenbarung 20:11-15 in symbolischer Sprache beschrieben?

      33 Diese Gelegenheit am Gerichtstag wird in symbolischer Sprache in Offenbarung 20:11-15 wie folgt beschrieben: „Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß. Vor ihm entflohen die Erde und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden. Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Throne stehen, und Buchrollen wurden geöffnet. Aber eine andere Buchrolle wurde geöffnet; es ist die Buchrolle des Lebens. Und die Toten wurden nach den Dingen gerichtet, die in den Buchrollen geschrieben sind, gemäß ihren Taten. Und das Meer gab diejenigen Toten heraus, die darin waren, und der Tod und der Hades gaben diejenigen Toten heraus, die darin waren, und sie wurden als einzelne gerichtet gemäß ihren Taten. Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geschleudert. Dies bedeutet den zweiten Tod: der Feuersee. Und wer irgend im Buche des Lebens nicht eingeschrieben gefunden wurde, wurde in den Feuersee geschleudert.“

      34. (a) Geht es bei der hier beschriebenen Auferstehung auch um die, die an der „ersten Auferstehung“ teilhaben? (b) Was ist in den „Buchrollen“, die dann geöffnet werden, nicht enthalten, und warum nicht?

      34 In dieser symbolischen Schilderung geht es nicht um die, die an der „ersten Auferstehung“ teilhaben und über die in Offenbarung 20:4-6 gesagt wird, daß der „zweite Tod“ keine Gewalt über sie habe. In dieser Schilderung wird von denen gesprochen, die auferstehen, um auf der Erde zu leben, und die erst nach Ablauf der tausend Jahre des ewigen Lebens für würdig erklärt werden, da sie dann nachweisen können, daß sie die erworbene Gerechtigkeit eines vollkommenen Menschen besitzen. Bei den „Buchrollen“, die geöffnet werden und in denen die Dinge geschrieben stehen, nach denen sie für schuldlos oder für schuldig befunden werden, handelt es sich nicht um Buchrollen, in denen ihr unvollkommenes, sündiges Verhalten während ihres Lebens im gegenwärtigen System der Dinge festgehalten worden wäre. Die himmlischen Richter benötigen keine tausend Jahre, um sich über das vergangene Leben der Menschen zu informieren, so daß sie entscheiden können, ob jeder einzelne, der von den Toten auferstanden ist, schuldig oder unschuldig ist. Sie sind über die Vergangenheit der Menschheit nicht so unwissend oder ununterrichtet. Die Richter schauen nicht auf die Vergangenheit der Menschen, sondern sind an ihrer Zukunft interessiert. Die Menschheit benötigt für die Zukunft ihren Rat!

      35, 36. (a) Was stellen denn diese „Buchrollen“ dar, und wer wird ihren Inhalt kennen? (b) Warum wird sich dann niemand auf der Erde damit entschuldigen können, daß er in Unwissenheit gelassen worden sei?

      35 Die „Buchrollen“, die geöffnet werden, sind somit neue Anweisungen, Anordnungen und Verfügungen, die die Richter im Auftrag Gottes der Menschheit bekanntmachen. Auf diese Weise wird die ganze Menschheit über den Inhalt dieser geöffneten „Buchrollen“ unterrichtet, damit sie weiß, aufgrund welcher Normen sie gerichtet werden wird und wie sie in Zukunft zu wandeln und zu handeln hat. Die Menschheit wird nicht in Unwissenheit gelassen, und jeder wird sich mit dem Gesetz, dem Inhalt der Buchrollen, nach denen gerichtet wird, vertraut machen müssen. Satan, der Teufel, und seine Dämonen werden dann nicht mehr unsichtbar in der Nähe der Erde sein, um die Menschen zu verblenden und irrezuführen sowie das Gesetz und die Anweisungen, die bekanntgegeben worden sind, zu verdrehen. Nein, diese alten „Himmel“ werden vor dem Angesicht Gottes, der die Zeit für diesen Gerichtstag festgesetzt hat, entflohen sein. Deshalb wird es auch keine Medizinmänner mehr geben, keine spiritistischen Medien und Hellseher, keine Astrologen mit ihren Horoskopen, und es werden keine Alphabettafeln oder andere ähnliche teuflische Vorrichtungen mehr verkauft werden. Dann wird es nur die „neuen Himmel“ geben, und von ihnen wird Gerechtigkeit herabkommen. Wir lesen:

      36 „O ihr Himmel, laßt es von oben träufeln; und mögen die Wolkenhimmel selbst mit Gerechtigkeit rieseln. Möge sich die Erde auftun, und möge sie fruchtbar sein mit Rettung, und möge sie Gerechtigkeit selbst aufsprossen lassen zur selben Zeit. Ich selbst, Jehova, habe es geschaffen.“ — Jesaja 45:8.

      IRDISCHE „FÜRSTEN“

      37. (a) Wie werden die himmlischen Richter der Menschheit den Inhalt dieser „Buchrollen“ übermitteln? (b) Wie werden die Menschen wissen, wann Gottes Gesetz ausgeführt wird und seine Urteile vollstreckt werden?

      37 Wie die unsichtbaren, himmlischen Richter den Inhalt der geöffneten „Buchrollen“ den Erdbewohnern übermitteln werden, wird in der Bibel nicht genau gesagt. Aber auf der Erde wird es direkte Vertreter des himmlischen Königreiches Gottes geben. Ihre Anwesenheit unter den Menschen wird ein offizieller Beweis dafür sein, daß eine „neue Erde“ mit ihrer neuen menschlichen Gesellschaft ins Dasein gekommen ist. Die alte „Erde“, die unsichtbar von Satan, dem Teufel, beherrscht wurde, floh vor dem Angesicht Gottes, und es fand sich keine Stätte mehr für sie, deshalb blieb für sie nur die Vernichtung. Gerichte, Rechtsanwälte und Gerichtswesen gehören der Vergangenheit an; es gilt jetzt für die Menschen, im Gesetz Gottes bewandert zu sein, danach zu urteilen und es anzuwenden. Und wenn die irdischen Vertreter des Königreiches handeln, werden die Menschen wissen und genau verstehen, daß jetzt das Gesetz Gottes ausgeführt wird und seine Urteile vollstreckt werden.

      38. Wird der himmlische König Jesus Christus auf den Ruhm seiner irdischen Vorfahren angewiesen sein, oder wird er sich seinen eigenen Ruhm erwerben?

      38 Aus den prophetischen Schriften geht hervor, daß während des Tausendjahr-Gerichtstages eine solche Vorkehrung bestehen wird. Ein Beispiel dafür ist Psalm 45, ein lyrisches Lied über Jesus, den Messias oder Christus, Gottes gesalbten König. Der Psalm spricht prophetisch von der Hochzeit Jesu Christi und seiner Braut, der Versammlung, im Himmel und von denen, die die Brautklasse begleiten, und fährt dann fort: „Sie werden einziehen in den Palast des Königs. An Stelle deiner Vorväter werden deine Söhne sein, die du zu Fürsten einsetzen wirst auf der ganzen Erde.“ (Psalm 45:15, 16) Natürlich sind die Vorfahren des himmlischen Königs Jesus Christus, die in der Bibel aufgezählt werden, ruhmreich gewesen, sie mögen auf dem irdischen Thron des Königs David in Jerusalem gesessen haben oder nicht. Aber der himmlische König wird nicht auf ihren Ruhm angewiesen sein, sondern er wird sich seinen eigenen Ruhm erwerben. Das wird er tun, obwohl er es zu der Zeit, da er als der vollkommene Mensch Jesus Christus auf der Erde war, ablehnte, sich auf einen sichtbaren Thron in Jerusalem oder anderswo zu setzen.

      39. Wieso wird der König Jesus Christus, was sein Gebiet betrifft, König David sogar übertreffen?

      39 Der himmlische König Jesus Christus wird sogar berühmter, geehrter und ruhmreicher sein als David. Er wird sein Königreich weit über die Grenzen des Gebietes ausdehnen, das König David zu seiner Zeit in Übereinstimmung mit der Verheißung, die Gott dem Abraham gegeben hatte, eroberte. (1. Mose 15:17-21) Er wird sein Reich nach Osten, Westen, Norden und Süden ausdehnen, ja über den ganzen Erdball oder über ‘die ganze Erde’. „Über Salomo“, der ein prophetisches Vorbild des Königs Jesus Christus war, steht geschrieben: „O Gott, gib deine eigenen richterlichen Entscheidungen dem König und deine Gerechtigkeit dem Sohn des Königs. Möge er die Rechtssache deines Volkes mit Gerechtigkeit führen und deiner Niedergedrückten mit richterlicher Entscheidung. Und er wird Untertanen haben von Meer zu Meer und von dem ,Strome‘ bis zu den Enden der Erde.“ — Psalm 72, Überschrift, Vers 1, 2, 8.

      40. Welches Problem entsteht jetzt anscheinend in bezug auf die Söhne, die zu Fürsten eingesetzt werden sollen, da Jesus auf der Erde kinderlos war und da er der bleibende Erbe des Königs David ist?

      40 Entsteht jetzt in diesem Zusammenhang anscheinend ein Problem? Dieser König, der größer und weiser war als Salomo, der Sohn des Königs David, heiratete nicht, als er als vollkommener Mann mit der Fähigkeit, eine vollkommene Menschheitsfamilie zu zeugen auf der Erde war. Wie kann demnach die Prophezeiung in Erfüllung gehen: „An Stelle deiner Vorväter [man beachte das Folgende] werden deine Söhne sein, die du zu Fürsten einsetzen wirst auf der ganzen Erde.“? Außerdem ist der himmlische Jesus Christus der bleibende Erbe König Davids, und da er die „Kraft eines unzerstörbaren Lebens“ besitzt, wird er regieren, ohne einen Nachfolger, einen Sohn, der ihm auf dem Thron folgen würde, zu benötigen. Der Engel Gabriel sagte zu Maria über Jesus, den Sohn, den sie haben würde: „Jehova Gott wird ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben, und er wird für immer als König über das Haus Jakob regieren, und sein Königreich wird kein Ende haben.“ — Lukas 1:32, 33.

      41, 42. (a) Warum handelt es sich bei den „Söhnen“, die auf der Erde eingesetzt werden, nicht um die 144 000 Miterben Jesu Christi? (b) Wieso wird der himmlische Jesus Christus irdische „Söhne“ haben, und welchem prophetischen Titel entspricht dies?

      41 Wir wissen, daß die 144 000 Miterben Jesu Christi keine geistigen Söhne Christi, sondern Söhne Gottes sind, „Erben Gottes, doch Miterben mit Christus“. (Römer 8:17) Wer ist denn mit den Worten „deine Söhne ..., die du zu Fürsten einsetzen wirst auf der ganzen Erde“ gemeint? Es sind offensichtlich keine himmlischen Söhne des Königs Jesus Christus. Es müssen irdische Söhne sein, die, da sie auf der Erde sind, „auf der ganzen Erde“ zu Fürsten eingesetzt werden können. Durch die Auferstehung, genauer gesagt, durch die Auferstehung der „Gerechten“, werden sie seine Söhne. Der ihm in den prophetischen Worten aus Jesaja 9:6, 7 verheißene Titel „Ewigvater“ wird kein nichtssagender Ehrentitel sein. Jesus Christus wird für die auferweckte Menschheitsfamilie wirklich ein Vater sein. Er ist „der letzte Adam“, der „ein lebengebender Geist“ wurde. (1. Korinther 15:45, 47) Der erste Mensch, Adam, verkaufte alle seine Nachkommen in die Sklaverei der Sünde und des Todes, aber der „zweite Mensch“, der „aus dem Himmel“ ist, opferte sein vollkommenes Menschenleben, um sie von diesem adamischen Erbe zu erlösen. Wir lesen:

      42 „Da ist e i n Gott und e i n Mittler zwischen Gott und Menschen, ein Mensch, Christus Jesus, der sich selbst als ein entsprechendes Lösegeld für alle hingegeben hat.“ (1. Timotheus 2:5, 6) „Doch sehen wir Jesus, den ein wenig unter Engel Erniedrigten, wegen des Erleidens des Todes mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit er durch Gottes unverdiente Güte für jedermann den Tod schmecke.“ — Hebräer 2:9.

      43. (a) Wie wird der König der Vater der „großen Volksmenge“ werden, die die Drangsal überleben und daher keine Auferstehung benötigen wird? (b) Wie wird er für ewig der Vater der Menschheit oder ihr Ewigvater werden?

      43 Jesus Christus erlangte dadurch, daß er sich in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes opferte, das Recht, der sterbenden Menschheit Leben zu geben und so ihr Vater zu werden. Er wird den „Toten“, den „Gerechten“ und den „Ungerechten“, Leben geben, indem er sie aus den Gedächtnisgrüften — die Ertrunkenen aus ihrem Grab in den Wellen — hervorruft und sie dann, sofern sie dazu bereit sind, zu menschlicher Vollkommenheit emporhebt. Die zu den „Gerechten“ zählenden „Lebenden“, die die „große Drangsal“ überstehen und unter der Tausendjahrherrschaft Christi leben werden, werden von ihm ebenfalls zu einem Leben „in Fülle“ emporgehoben, zu einem Leben als Menschen, die strahlende Vollkommenheit besitzen. (Johannes 10:10; 2. Timotheus 4:1; Apostelgeschichte 24:15) Wenn die tausend Jahre vorbei sein werden, wird er all das vollendet haben. Aber dieses Leben in Fülle, das seine irdischen Kinder haben, kann ewig andauern, und es wird Personen geben, die vollkommene Lauterkeit bewahren und so beweisen, daß sie würdig sind, ewig zu leben. Alle diese werden für immer seine Kinder sein, und er wird buchstäblich ihr Ewigvater sein.

      44, 45. (a) Wieso werden dem König schon zu Beginn seiner Regierung genügend Fürsten auf der Erde zur Verfügung stehen, und warum werden alle, die eingesetzt werden, im Range eines „Fürsten“ stehen? (b) Muß ein Oberster, der über andere gesetzt worden ist, jedoch von königlicher Abstammung sein, um als Fürst (sar) bezeichnet zu werden?

      44 Der ruhmreiche König Jesus Christus wird am Anfang seiner Tausendjahrherrschaft aus seinen irdischen Kindern ‘Fürsten für die ganze Erde’ auswählen. Eine Anzahl dieser „Fürsten“ wird aus den „Lebenden“ hervorgehen, die die „große Drangsal“ überlebt haben sowie die Gefangensetzung Satans und seiner Dämonen im Abgrund. Aus den „Toten“, die zu der Gruppe der „Gerechten“ gehören, die vom Todesschlaf auferweckt werden, werden weitere hervorgehen, und zwar genügend, so daß „Fürsten ... auf der ganzen Erde“ eingesetzt werden können. Offenbar bedeuten die Worte aus Psalm 45:16, daß auch die „Gerechten“ unter seinen auferweckten „Vorvätern“ zu „Fürsten“ eingesetzt werden. Sie waren seine Vorfahren, doch durch die Auferstehung werden sie seine „Söhne“. Sie sind Söhne des himmlischen Königs und stehen im Rang eines „Fürsten“.

      45 Es gilt jedoch zu beachten, daß das Wort „Fürsten“ in Psalm 45:16 eine Übersetzung des hebräischen Wortes sarím ist. Im alten Israel war nicht jeder, der als „sar“ bezeichnet wurde, von königlicher Abstammung. Bei den Israeliten wurde ein Oberster über tausend, ein Oberster über hundert, ein Oberster über fünfzig und sogar ein Oberster über zehn „sar“ genannt. Sogar ein Oberster der königlichen Mundschenken oder ein Oberster der königlichen Bäcker konnte als „sar“ bezeichnet werden. — 2. Mose 18:21, 25; 5. Mose 1:15; 20:9; 1. Samuel 8:12; 1. Mose 40:2. Vergleiche 1. Mose 23:5, 6.

      46, 47. (a) Müssen alle, die zu „Fürsten“ eingesetzt werden, Vorväter oder königliche Ahnen des Königs sein, und was für Männer müssen es sein? (b) Wessen Belange müssen ihnen gemäß Jesaja 32:1, 2 wirklich am Herzen liegen?

      46 Es ist nicht nötig, daß alle, die zu „Fürsten ... auf der ganzen Erde“ eingesetzt werden, Vorväter oder königliche Ahnen des Menschen Jesus Christus sind. Es müssen grundsätzlich solche Männer sein, wie sie der Prophet Moses zu Richtern einsetzte: rechtschaffene, „tüchtige Männer“, „weise und erfahrene Männer“. Wir lesen darüber: „Moses ging daran, tüchtige Männer aus ganz Israel auszuwählen und ihnen Stellungen als Häupter über das Volk zu geben, als Oberste [sarím] von Tausendschaften, Oberste [sarím] von Hundertschaften, Oberste [sarím] von Fünfzigschaften und Oberste [sarím] von Zehnerschaften. Und sie richteten das Volk bei jedem passenden Anlaß. Einen schweren Fall pflegten sie vor Moses zu bringen, doch jeden geringeren Fall pflegten sie als Richter selbst zu behandeln.“ (2. Mose 18:25, 26; 5. Mose 1:15) Den von dem König Jesus Christus auf der Erde eingesetzten Fürsten wird das Wohl des Volkes am Herzen liegen, und sie werden daran interessiert sein, Schwierigkeiten friedlich und gütlich zu beseitigen. Sie werden mutig das, was recht ist, schützen. Sie werden wie die Fürsten handeln, die in Jesaja 32:1, 2 beschrieben werden, wo wir lesen:

      47 „Siehe! Für Gerechtigkeit wird ein König regieren; und was Fürsten [sarím] betrifft, sie werden für das Recht selbst als Fürsten amten. Und ein jeder soll sich wie ein Bergungsort vor dem Winde und ein Versteck vor dem Regensturm erweisen, wie Wasserbäche in einem wasserlosen Lande, wie der Schatten eines wuchtigen Felsens in einem erschöpften Lande.“

      48, 49. (a) Zu welchem Glauben werden Verbrecher durch die heutige Rechtsprechung veranlaßt, weshalb das Verbrechen überhandnimmt? (b) Mit wem wird es gemäß Prediger 8:11-13 „gut ausgehen“ — mit einem rückfälligen Verbrecher oder mit wem?

      48 In den Tagen des himmlischen Friedefürsten (sar) wird die Rechtsprechung und Bestrafung von Rechtsbrechern nicht langsam, schleppend, vor sich gehen, es wird nicht an Richtern und anderen Beamten mangeln, sondern Delinquenten werden sofort vor Gericht gestellt werden. Dadurch, daß es heute in vielen Fällen lange, manchmal jahrelang, dauert, bis Rechtsbrecher vor Gericht gestellt werden und Unrecht gesühnt und dem Recht Geltung verschafft wird, nimmt das Verbrechen überhand, weil die Verbrecher glauben, ungestraft davonzukommen. In der zweiten Hälfte unseres zwanzigsten Jahrhunderts hat das Verbrechen gewaltig zugenommen, aber schon im elften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung schrieb ein weiser Mann, der scharfsinnige Beobachtungen anstellte, unter der Inspiration des Geistes Gottes:

      49 „Weil das Urteil über ein schlechtes Werk nicht eilends vollzogen worden ist, darum hat sich das Herz der Menschensöhne in ihnen völlig darauf gerichtet, Schlechtes zu tun. Obwohl ein Sünder hundertmal Schlechtes tun und es lange Zeit treiben mag, wie es ihm gefällt, weiß ich doch auch, daß es mit denen, die den wahren Gott fürchten, gut ausgehen wird, weil sie sich vor ihm gefürchtet haben. Mit dem Bösen aber wird es gar nicht gut ausgehen, noch wird er seine Tage verlängern, die wie ein Schatten sind, weil er sich vor Gott nicht fürchtet.“ — Prediger 8:11-13.

      50. (a) Welche überirdischen Mächte beherrschen die Menschheit heute noch, weshalb es so lange dauert, bis Rechtsbrecher vor Gericht gestellt werden? (b) Wie wird die „neue Erde“ auf die „neuen Himmel“ reagieren, was Gerechtigkeit betrifft?

      50 Der Grund, warum es heute so lange dauert, bis Rechtsbrecher vor Gericht gestellt werden, oder warum viele sich überhaupt nie vor Gericht verantworten müssen, ist in der Tatsache zu suchen, daß heute noch die „alte Erde“ unter den „alten Himmeln“ besteht und daß Satan, der Teufel, und seine „bösen Geistermächte in den himmlischen Örtern“ die menschliche Gesellschaft beherrschen. Dadurch, daß die alte, verderbte menschliche Gesellschaft vernichtet und Satan samt seinen Dämonen in den Abgrund geworfen werden wird, wird alles, was die Rechtsprechung während der tausend Jahre, da der Friedefürst (sar) mit seinen 144 000 Mitrichtern als Richter amtiert, behindern könnte, beseitigt sein. Wenn von den „neuen Himmeln“ Gerechtigkeit herabträufeln und herabrieseln wird, wird der Erdboden oder die Menschen der „neuen Erde“ fruchtbar werden, das heißt entsprechend reagieren. Jehova hat das wie folgt vorausgesagt: „Möge sich die Erde auftun, und möge sie fruchtbar sein mit Rettung, und möge sie Gerechtigkeit selbst aufsprossen lassen zur selben Zeit. Ich selbst, Jehova, habe es geschaffen.“ — Jesaja 45:8.

      51. Welche Zeit, die schon Jesaja erwartete, sehnen wir deshalb ‘mit unserer Seele’ herbei?

      51 Sehnen wir uns nicht alle nach einer solchen Zeit der Gerechtigkeit und des Rechts? In jener Zeit wird der Pfad des Gerechten nicht so beschwerlich sein wie jetzt, sondern er wird geebnet sein. In Erwartung dieser guten Zeit schrieb der Prophet Jesaja, der eine irdische Auferstehung erhoffte, unter der Einwirkung des Geistes Gottes: „Der Pfad des Gerechten ist Geradheit. Da du gerade bist, wirst du ja die Bahn eines Gerechten ebnen. Ja, für den Pfad deiner Gerichte, o Jehova, haben wir auf dich gehofft. Nach deinem Namen und nach deinem Gedenknamen ist das Begehren der Seele gewesen. Mit meiner Seele habe ich dich in der Nacht begehrt; ja mit meinem Geist in mir suche ich dich unablässig; denn wenn es für die Erde Gerichte von dir gibt, werden die Bewohner des ertragfähigen Landes gewißlich Gerechtigkeit lernen. Auch wenn dem Bösen Gunst erwiesen werden sollte, wird er einfach nicht Gerechtigkeit lernen. Im Lande der Geradheit wird er ungerecht handeln und wird nicht die Hoheit Jehovas sehen.“ — Jesaja 26:7-10.

      52, 53. (a) Wem wird es selbst in dem „Lande der Geradheit“, dem Gott seine Gunst erweist, schwerfallen, Gerechtigkeit zu lernen? (b) Welcher vom Apostel Petrus dargelegte Grundsatz trifft offenbar auf sie zu?

      52 Das tausend Jahre bestehende „Land der Geradheit“, das Land, in dem unter den Menschen und ihnen gegenüber das Recht gilt, wird ein Ort sein, an dem allen Menschen, behaftet mit angeborener menschlicher Unvollkommenheit, Gunst erwiesen wird. Einige Glieder der Menschheitsfamilie sind tiefer gesunken als andere, und weil sie lange nicht zur Rechenschaft gezogen worden sind, sind sie in ihrer Ungerechtigkeit verhärtet. Sie sind es gewohnt, unrecht zu tun. Man versteht ohne weiteres, daß solche bösen Menschen es schwierig finden werden, zu lernen, gerecht und rechtschaffen zu handeln, obschon rings um sie her das Recht gilt und ihnen durch den König Jesus Christus göttliche Gunst erwiesen wird. Trotz der Hilfe, die ihnen geboten wird, werden sie dazu neigen, unrecht zu tun. Sie wollen die Hoheit Jehovas, des rechtmäßigen Gesetzgebers, nicht anerkennen und nicht einsehen, daß die Normen, die er für die Lebenden aufgestellt hat, recht sind. Auf sie trifft offenbar der Grundsatz zu, den der Apostel Petrus wie folgt darlegte:

      53 „Denn es ist die bestimmte Zeit, daß das Gericht beim Hause Gottes anfange. Wenn es nun zuerst bei uns anfängt, was wird das Ende derer sein, die der guten Botschaft Gottes nicht gehorchen? ,Und wenn der Gerechte mit Mühe gerettet wird, wo wird sich der Gottlose und der Sünder zeigen?‘ “ — 1. Petrus 4:17, 18.

      54. Ist es nötig, daß Personen, denen Gott seine Gunst schenkt — allerdings ohne Erfolg und ohne, daß deren Zweck erreicht wird —, bis zum Ende des Gerichtstages am Leben erhalten werden? Begründe deine Antwort.

      54 Es ist nicht unbedingt nötig, daß Personen, die sich als unverbesserlich erweisen, obschon ihnen Gott im „Lande der Geradheit“ seine „Gunst“ schenkt — allerdings ohne Erfolg und ohne, daß deren Zweck erreicht wird —, erst am Ende der tausend Jahre hingerichtet werden, weil sie sich unwürdig gezeigt haben, ewig in dem auf der Erde wiederhergestellten Paradies zu leben. Diesen Unverbesserlichen widerfährt kein Unrecht, wenn sie von dem, den Gott dazu bestimmt hat, die bewohnte Erde in Gerechtigkeit zu richten, hingerichtet werden. Die Namen dieser Hingerichteten werden nicht „im Buche des Lebens“ eingeschrieben, deshalb bleibt für sie nichts anderes als der „zweite Tod“, der durch den „Feuersee“ versinnbildet wird, der eine vollständige Vernichtung bewirkt. (Offenbarung 20:14, 15) Wer daher jetzt auf die „gute Botschaft Gottes“ hört und Liebe zur Gerechtigkeit entwickelt, handelt im Hinblick auf den bevorstehenden Gerichtstag weise und umsichtig.

  • Was wird am Ende des Tausendjahr-Gerichtstages erreicht sein?
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 8. Kapitel

      Was wird am Ende des Tausendjahr-Gerichtstages erreicht sein?

      1. Warum darf gewiß erwartet werden, daß die Bewohner der Erde in den tausend Jahren, in denen Satan im Abgrund ist, Gerechtigkeit lernen werden?

      WÄHREND der tausend Jahre, in denen Satan, der Teufel, im Abgrund ist, wird es ‘für die Erde und ihre Bewohner Gerichte von Gott geben’. Die himmlischen Richter werden im Auftrag Jehovas Gottes Urteile fällen und handeln. Dasselbe werden auch die sie vertretenden Fürsten auf der Erde tun. Sie werden ihr Amt so versehen wie die Richter, die Josaphat, König in Jerusalem, im ganzen Land anstellte, um das Volk zu Jehova zurückzubringen. Josaphat sagte zu ihnen: „Seht zu, was ihr tut, denn nicht für einen Menschen richtet ihr, sondern für Jehova; und er ist in der Sache des Gerichts mit euch. Und nun möge der Schrecken Jehovas [nicht der Schrecken vor Menschen] auf euch sein! Seid achtsam und handelt, denn bei Jehova, unserem Gott, gibt es weder Ungerechtigkeit noch Parteilichkeit, noch Annahme einer Bestechung.“ (2. Chronika 19:4-7) Da im Himmel solche Richter im Amt sind und auf der Erde Fürsten als ihre Vertreter richten, darf gewiß erwartet werden, daß die Bewohner des „ertragfähigen Landes“, des Paradieses, im Laufe der tausend Jahre Gerechtigkeit lernen werden. — Jesaja 26:9.

      2, 3. (a) Von welchem Bethlehemiter stammte Jesus durch David ab, und womit vergleicht Jesaja deshalb den seine irdische Laufbahn beginnenden Jesus in Verbindung mit dem Betreffenden? (b) Mit welchen Eigenschaften wird der Geist verbunden sein, der auf ihm ruhen wird, und wie wird er richten?

      2 Welch einen qualifizierten, zuverlässigen Oberrichter die Menschheit während des Tausendjahr-Gerichtstages in den „neuen Himmeln“ haben wird! Jesaja, der im achten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung lebte, hinterließ eine lebendige, herzerquickende prophetische Beschreibung dieses Richters. Dieser vorausgesagte Richter ist der Herr Jesus Christus, der messianische Nachkomme König Davids, des Sohnes Isais, des Bethlehemiters. Hätte Jehova Gott einen besseren Richter berufen und einsetzen können, um die Verhältnisse der Menschen in Ordnung zu bringen und dafür zu sorgen, daß das Volk zu seinem Recht kommt und daß auf der Erde für ewige Zeiten Gerechtigkeit geschaffen wird? Lies daher ganz aufmerksam das, was der Prophet unter dem Einfluß des Geistes Gottes über die Eigenschaften dieses künftigen Richters schreibt, der von Isai, dem Bethlehemiter, und dessen Sohn, dem König David, abstammt. Von diesem Nachkommen Davids zur Zeit des Beginns seiner irdischen Laufbahn spricht Jesaja in seiner Prophezeiung als von einem Reis, das aus dem Wurzelstock eines gefällten Baumes hervorwächst. Jesaja prophezeit:

      3 „Und es soll ein Reis aus dem Stumpf Isais hervorgehen; und ein Sproß aus seinen Wurzeln wird fruchtbar sein. Und auf ihm soll sich der Geist Jehovas niederlassen, der Geist der Weisheit und des Verständnisses, der Geist des Rates und der Machterweisung, der Geist der Erkenntnis und der Furcht Jehovas; und er wird seine Freude haben an der Furcht Jehovas. Und er wird nicht nach dem bloßen Augenschein richten noch einfach gemäß dem zurechtweisen, was seine Ohren hören. Und mit Gerechtigkeit wird er die Geringen richten, und mit Geradheit wird er Zurechtweisung erteilen müssen zugunsten der Sanftmütigen der Erde. Und er muß die Erde schlagen mit der Rute seines Mundes; und mit dem Geist seiner Lippen wird er den Bösen zu Tode bringen. Und Gerechtigkeit wird sich als der Gurt seiner Hüften erweisen und Treue als der Gurt seiner Lenden.“ — Jesaja 11:1-5.

      4. (a) In der Furcht vor wem wird er die Menschen richten? (b) Wieso wird er nicht nur ein „Reis“ oder „Sproß“ aus dem „Stumpf Isais“ bleiben, und wieso wird er die Bewohner der Erde nicht enttäuschen oder erbittern?

      4 Dieser Oberrichter hat großes Wohlgefallen an der Furcht Jehovas, er findet wirklich Freude daran, daher wird er auch ganz bestimmt für Jehova und nicht für Menschen richten. Wenn er urteilt, fürchtet er daher keinen Menschen, sondern nur Gott. Da er vor dem lebendigen und wahren Gott, Jehova, eine solch gesunde Furcht hat, muß er gewiß auch weise sein. Er blieb kein „Reis“ oder „Sproß“, der aus dem festverwurzelten „Stumpf Isais“ hervorging, sondern entwickelte sich als der größere David, der Sohn Jehovas, des lebendigen Gottes, zu einem starken, „großen Baum“, zum Träger des himmlischen Königtums. (Jesaja 61:3; vergleiche Hesekiel 17:22-24.) Auf diesem Träger königlicher Würde, der ein so hohes Amt bekleidet, ruht der machtvolle Geist Jehovas und vermittelt ihm Erkenntnis, Verständnis und Weisheit, die er für sein verantwortungsvolles Amt so dringend benötigt. Als König, der zur Rechten Gottes sitzt, wird er Jehova Ehre bereiten; und als Richter, der von Gott für dieses Amt bestimmt ist, wird er die Bewohner der Erde nicht enttäuschen oder erbittern.

      5. Inwiefern wird er als Richter, der für die Gerechtigkeit eintritt, noch unparteiischer und scharfsinniger sein als Salomo?

      5 Auf der Erde wird das Recht fest gegründet sein. Der himmlische Richter wird noch scharfsinniger sein als König Salomo, sein prophetisches Vorbild, der außerordentlich weise Urteile fällte, wie in dem schwierigen Fall, den ihm zwei Huren unterbreiteten. Beide behaupteten von einem toten Kind, es sei nicht das ihre, von einem lebenden aber, es gehöre ihnen. Salomo wandte eine einzigartige Methode an, um die wahre Mutter des lebenden Kindes zu ermitteln. Wir lesen über diesen Fall: „Und ganz Israel hörte schließlich von dem richterlichen Entscheid, den der König gefällt hatte, und Furcht vor dem König ergriff sie, denn sie sahen, daß die Weisheit Gottes in ihm war, um Recht zu üben.“ (1. Könige 3:16-28) Auch der größere Salomo wird nicht nach dem bloßen Augenschein richten noch nach dem, was er hört, sondern er wird dafür sorgen, daß der wahre Sachverhalt ermittelt wird und die Ermittlungsergebnisse unverfälscht festgehalten werden, so daß ein gerechtes Urteil gefällt und vollzogen werden kann. Er wird nicht die Großen den Geringen vorziehen oder die Hochmütigen den Demütigen.

      6. Wie wird er durch sein Vorgehen in der „großen Drangsal“ beweisen, daß in den tausend Jahren, in denen er als Richter amtieren wird, eine gerechte Rechtsprechung zu erwarten ist?

      6 Dieser Richter, so erfüllt mit dem Geist Jehovas, wird sich in der kommenden „großen Drangsal“, deren Höhepunkt der „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, Har-Magedon, sein wird, als Befreier der Geringen und der Demütigen erweisen und wird auf diese Weise zeigen, was von seiner tausendjährigen Tätigkeit als Richter erwartet werden darf. (Matthäus 24:21; Offenbarung 7:14; 16:14, 16) Seine Befehle und Richtlinien, die er an seine himmlischen Heere erlassen wird, werden wie eine „Rute“ aus seinem Mund sein, denn was er als Befehlshaber sagt, wird ausgeführt: Die ungerechte, alte „Erde“ wird zerschlagen werden. Die Lippen seines Mundes werden vom Geist Jehovas bewegt werden und seine Haltung und Empfindung gegenüber den Bösen auf der Erde zum Ausdruck bringen; das hat zur Folge, daß sie getötet werden. Der ganze Erdball wird von den Überheblichen, den Hochmütigen und den Bösen befreit werden. Und ihr unsichtbarer Herrscher, Satan, wird natürlich gefesselt und in den Abgrund geworfen werden.

      7, 8. (a) Inwiefern wird es so sein, als ob dieser Richter im Interesse der Menschheit mit Gerechtigkeit und mit Treue gegürtet wäre? (b) Welchen Wandel wird dies bei den Menschen bewirken?

      7 Die Menschheit kann von Jesus Christus, dem von Jehova Gott ernannten Richter, der tausend Jahre amtieren wird, erwarten, daß er gegenüber ihren Interessen gerecht und treu handelt. Es wird so sein, als wäre dieser himmlische Richter mit Gerechtigkeit gegürtet, so, als wäre sie seine Stärke, als hätte er sich für das Werk der Gerechtigkeit bereitgemacht. Ja es ist, als würde er sich mit der Eigenschaft der Treue gürten oder als würde er sich rüsten, zur treuen Verwaltung der Interessen des Volkes, das er gemäß den göttlichen Normen richtet, beizutragen. Welch einen Frieden und eine Ruhe wird das für die Erde zur Folge haben! Wie wird sich die Einstellung der Menschen zueinander ändern! Welch ein Wandel der Persönlichkeit zum Guten der Mitmenschen vor sich gehen wird! Das wird in den prophetischen Worten Jesajas sehr schön geschildert:

      8 „Und Gerechtigkeit wird sich als der Gurt seiner Hüften erweisen und Treue als der Gurt seiner Lenden. Und der Wolf wird tatsächlich bei dem männlichen Lamme weilen, und beim Böcklein wird selbst der Leopard lagern, und das Kalb und der mähnige junge Löwe und das wohlgenährte Tier, alle beieinander; und ein noch kleiner Knabe wird sie führen. Und die Kuh und der Bär, sie werden weiden; zusammen werden ihre Jungen lagern. Und selbst der Löwe wird Stroh fressen so wie der Stier. Und der Säugling wird gewißlich auf dem Loche der Kobra spielen; und auf die Lichtöffnung einer giftigen Schlange wird in der Tat ein entwöhntes Kind seine eigene Hand legen. Sie werden keinen Schaden stiften noch irgendwie Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berge; denn die Erde wird gewißlich erfüllt sein mit der Erkenntnis Jehovas, wie die Wasser das ganze Meer bedecken.“ — Jesaja 11:5-9.

      UMWANDLUNG DER PERSÖNLICHKEIT

      9. Seit wann und bei wem ist durch den Geist Gottes eine solche Umwandlung der Wesenszüge vor sich gegangen?

      9 Es gibt Personen, deren Wesenszüge man mit den Eigenschaften des Wolfes, des Leoparden, des Bären, des mähnigen jungen Löwen oder einer Giftschlange wie der Kobra vergleichen könnte. Viele von diesen Menschen haben schließlich auf die Botschaft von Gottes Königreich gehört und haben sich geändert, so daß sie mit Menschen auskommen können, die sanftmütig und gutartig sind wie ein Lamm, ein Böcklein, ein kleiner Knabe, ein Säugling oder ein entwöhntes Kind. Vom Tag des Pfingstfestes des Jahres 33 u. Z. an, als Gott durch Christus seinen heiligen Geist auf die versammelten Christen ausgoß, hat der Geist Gottes bewirkt, daß Glieder der Christenversammlung so umgewandelt wurden, daß sie christusähnlich geworden sind. Das hat es den treuen Gliedern dieser Versammlung ermöglicht, einander zu ertragen und miteinander auszukommen, obwohl sie früher Wesenszüge hatten, die sich mit den Eigenschaften der gefürchteten reißenden Tiere vergleichen lassen. (Apostelgeschichte 2:1-33) Wie Jesaja vorausgesagt hat, haben sie ihren Mitchristen keinen Schaden zugefügt, noch haben sie in der Versammlung auf dem „heiligen Berge“ der Anbetung Jehovas irgendwie Verderben angerichtet.

      10. (a) Bei wem, außer bei den 144 000 Mitrichtern Christi, ist eine solche Umwandlung der Persönlichkeit vor sich gegangen? (b) Wieso wird sich diese Umwandlung zu Beginn der tausend Jahre, in denen Christus als Richter amtieren wird, günstig auf sie auswirken?

      10 Aber nicht nur die Persönlichkeit derer, die schließlich die 144 000 Mitrichter des Oberrichters Jesus Christus sein werden, ist umgewandelt worden, sondern auch die der Anbeter Jehovas, die zu der nicht zu zählenden „großen Volksmenge“ gehören, die heute aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen eingesammelt wird. Diesen künftigen Bewohnern des irdischen Paradieses wird zugesichert, daß Gott sie während der „großen Drangsal“ bewahren wird, so daß sie in der von Gott errichteten neuen Ordnung, in der Jesus Christus tausend Jahre als Richter amtieren wird, werden leben können. (Offenbarung 7:9-17) Natürlich werden sie samt ihrer veränderten Persönlichkeit in die neue Ordnung Gottes hineingelangen. Das wird sich für sie sehr günstig auswirken, denn sie werden die „Lebenden“ sein, mit denen der himmlische Richter Jesus Christus seine tausendjährige Amtszeit beginnen wird. (2. Timotheus 4:1) Unter diesen Verhältnissen wird nicht mehr zu befürchten sein, daß auf dem „heiligen Berge“ der Anbetung Jehovas Schaden oder Verderben angerichtet würde. Diese Überlebenden kennen Jehova bereits, und da sie überall auf der Erde zu finden sind, wird die Erde tatsächlich mit der Erkenntnis Jehovas erfüllt sein. Aber diese Erkenntnis wird sich noch mehren.

      11. Was sagte Gott über die Tiere der Erde zu den acht Menschen, die die Sintflut überlebt hatten, und wieso wird sich in unserer Zeit etwas Ähnliches ereignen?

      11 In dieser Verbindung fällt uns das ein, was den acht Menschen, die die Sintflut überlebt hatten, gesagt wurde, nachdem sie die Arche verlassen und Gott Opfer dargebracht hatten. Jehova sagte zu ihnen: „Und Furcht vor euch und Schrecken vor euch wird weiterhin auf jedem lebenden Geschöpf der Erde und auf jedem fliegenden Geschöpf der Himmel sein, auf allem, was sich auf dem Erdboden regt, und auf allen Fischen des Meeres. In eure Hand sind sie jetzt gegeben.“ (1. Mose 9:2) Wird sich vielleicht in unserer Zeit etwas Ähnliches ereignen? Da sich die bevorstehende „große Drangsal“ gegen die bösen Menschen auf der Erde richten wird, werden die Landtiere, die Vögel und die Fische dabei nicht umkommen. Es ist vernünftig zu erwarten, daß Gott diesen Tieren die Furcht und den Schrecken vor den Menschen wieder einflößen wird, die sie zum Teil verloren haben mögen, vor den Menschen, die den Auftrag erhalten werden, die zerstörte Erde in ein Paradies umzugestalten. Wenn Gott durch seinen Geist bewirken konnte, daß Personen mit Wesenszügen, die den Eigenschaften eines reißenden Tieres glichen, Menschen mit einer christlichen Persönlichkeit wurden — entweder Glieder der 144 000 oder der „großen Volksmenge“ von heute —, wird er auch fähig sein, bei den wildlebenden Tieren etwas Ähnliches zu erzielen. Sie werden den Anbetern Jehovas auf der Erde gewiß kein Leid zufügen.

      12, 13. (a) Welches Verhältnis bestand im Paradies zwischen dem ersten Menschenpaar und den Tieren? (b) Welches Verhältnis wird unter den Tieren bestehen, und zwar nicht nur in bildlichem Sinne?

      12 In Übereinstimmung damit dürfen wir erwarten, daß sich die reizvolle Beschreibung des Zusammenlebens der Tiere, die wir in Jesaja 11:6-9 finden, während der Tausendjahrherrschaft des Friedefürsten, des Sohnes Jehovas Gottes, des größeren Isais, an den Vögeln, den Fischen und den Landtieren der Erde buchstäblich erfüllen wird. Als im Paradies oder Garten Eden die Schlange veranlaßt wurde, mit Eva zu sprechen, lief diese nicht, von Furcht erfüllt, davon. (1. Mose 3:1-4) Vorher waren die wildlebenden Tiere des Feldes und die fliegenden Tiere zu Adam gebracht worden, und er hatte ihnen Namen gegeben, doch er hatte keine Furcht vor ihnen gezeigt. (1. Mose 2:19, 20) Im wiederhergestellten Paradies wird es wieder so sein wie im ursprünglichen Paradies, wo sich der Mensch nicht vor den Tieren fürchtete und keine Angst hatte, sie würden ihm ein Leid antun.

      13 Die Landtiere, fliegenden Tiere und Fische werden auch unter sich sowie mit den Menschen in Frieden leben. Es wäre nicht konsequent, wenn Gott die Niederschrift von Prophezeiungen wie die aus Jesaja 11:6-9, Hesekiel 34:25 und Hosea 2:18 veranlassen würde und diese sich dann nicht buchstäblich, sondern nur bildlich oder geistig erfüllen würden, so, als wäre ihre buchstäbliche Erfüllung ein unerreichbares Ideal.

      14. Was ist jedoch wichtiger als die Zähmung der Tiere, und warum?

      14 Die Zähmung der Landtiere, der Vögel und der Fische wird aber nicht das wichtigste sein. Die Tiere existierten schon lange vor dem Menschen. Was in Frage gestellt ist oder auf dem Spiel steht, ist der Fortbestand der Menschheit auf der Erde. Alle Nachkommen Adams und Evas sind in Sünde geboren und „erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“. (Römer 3:23) Viele Menschen haben keine gottgefälligen Eigenschaften, sondern Eigenschaften, die sich mit denen eines reißenden Tieres, d. h. eines heute noch reißenden Tieres, vergleichen lassen. Die Menschheit muß also zu der „Herrlichkeit Gottes“ zurückgebracht werden, um sich als würdig zu erweisen, ewig zur Verherrlichung Gottes, des Schöpfers, zu leben. Die Glieder der Menschheitsfamilie müssen vereint werden, so daß sie in Frieden und ohne einander zu schaden miteinander leben, indem sie vollkommen recht und gerecht handeln. Dieses Ziel wird Jesus Christus durch seine tausendjährige Tätigkeit als Richter erreichen.

      15. Wie werden die himmlischen Richter der Menschheit bewirken, daß die Zahl der Rechtsbrecher abnehmen, die Zahl der Weltbevölkerung dagegen zunehmen wird?

      15 Gegenwärtig nimmt die Zahl der Verbrechen schneller zu als die Zahl der Weltbevölkerung. Im Gegensatz dazu wird die Erdbevölkerung während der tausend Jahre gleichmäßig zunehmen, weil die Toten auferstehen, die „Gerechten“ und die „Ungerechten“, doch die Zahl der Rechtsbrecher wird abnehmen, bis es schließlich keine mehr geben wird. Wieso? Weil die himmlischen Richter der Menschheit absolut gerecht sein werden und alle Menschen lehren werden, in Übereinstimmung mit den göttlichen Normen wirklich gerecht zu handeln. Das wird dadurch begünstigt werden, daß „die Erde ... gewißlich erfüllt sein [wird] mit der Erkenntnis Jehovas, wie die Wasser das ganze Meer bedecken“. (Jesaja 11:9) Während der Tausendjahrherrschaft wird nur die Anbetung Jehovas geduldet werden. Die Menschen werden in die irdischen Vorhöfe des „wahren Zeltes“ Jehovas, seines geistigen Tempels, gebracht werden. Dort werden sie die Wahrheit der Worte, die Jesus in seinem Gebet an seinen himmlischen Vater richtete, kennenlernen: „Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus.“ — Johannes 17:3; Hebräer 8:2.

      16. (a) Welche Ergebnisse werden zeigen, daß der Tausendjahr-Gerichtstag Christi seinen Zweck nicht verfehlt hat? (b) Warum wird nicht Christus der wiederhergestellten Menschheit im Paradies ewiges Leben verleihen?

      16 Der Tausendjahr-Gerichtstag wird seinen Zweck nicht verfehlen. Wenn er zu Ende sein wird, werden alle willigen und gehorsamen Menschen gelernt haben, vollkommen recht und gerecht zu handeln. Ihre körperlichen und geistigen Schwächen, die sie von Adam und Eva ererbt haben, werden beseitigt sein. Sie werden dann fähig sein, in jeder Hinsicht der absoluten göttlichen Norm für Gerechtigkeit entsprechend zu leben. Verleiht ihnen Jesus Christus, der Oberrichter, dann das Recht auf ewiges Leben auf einer friedlichen Erde, die in paradiesischer Schönheit erstrahlt? Nein! In dieser Hinsicht handelt er nicht für Gott, denn er weiß, daß geschrieben steht: „Gott ist der Eine, der sie gerechtspricht.“ (Römer 8:33) Was wird der von Gott bestimmte Richter also tun?

  • Die Prüfung der ganzen Menschheit nach den tausend Jahren
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 9. Kapitel

      Die Prüfung der ganzen Menschheit nach den tausend Jahren

      1. Was muß am Ende des Tausendjahr-Gerichtstages als letztes mit der wiederhergestellten Menschheit geschehen, und was wird der stellvertretende Richter, Jesus Christus, deshalb mit ihr tun?

      AM Ende des Tausendjahr-Gerichtstages stehen die Glieder der Menschheitsfamilie, die gerecht gerichtet worden ist, als vollkommene Menschen vor Jesus Christus, ihrem Richter und Befreier. Aber sie sind noch nicht für würdig erklärt worden, ewig auf der paradiesischen Erde zu leben. Sie müssen noch vor dem allerhöchsten Richter des Universums, vor Gott, dem Höchsten, vor Jehova, dem Souveränen Herrn, erscheinen. In Übereinstimmung mit dieser letzten Bedingung muß der stellvertretende Richter, Jesus Christus, die Menschen, die nun vollkommen gerecht handeln können, seinem Gott und Vater übergeben, damit er über sie das Urteil spreche, nachdem sie geprüft worden sind und gezeigt haben, ob sie würdig sind oder nicht, die unschätzbare Gabe, ewig in Frieden und Glück zu leben, zu empfangen. Obwohl sie vollkommen sind, können sie noch sterben.

      2. Was wird mit dem adamischen Tod dann geschehen sein, und was muß Jehova daher in bezug auf die einzelnen Menschen entscheiden?

      2 Die Sterblichkeit, die den Menschen wegen der Sünde, die ihr Stammvater Adam in Eden begangen hatte, anhaftete, ist nun zunichte gemacht oder vernichtet worden, so, als wäre sie zu ihrem Verderben in den „Feuersee“ geworfen worden. (Offenbarung 20:14, 15) Werden jedoch die Menschen, die nun von dem adamischen Tod und der Unvollkommenheit befreit sind, aus eigenem Antrieb, willentlich, etwas tun, dessentwegen sie von Jehova zum ewigen Tod verurteilt würden? Welche Personen werden den „zweiten Tod“ verdienen? Diese Frage muß Jehova, der allerhöchste Richter, der in höchster Instanz richtet, entscheiden.

      3. Welche Übergabe findet gemäß 1. Korinther 15:24-28 dann statt?

      3 Nun erfüllt sich das, was der Apostel Paulus gemäß 1. Korinther 15:24-28 voraussagte: „Als nächstes das Ende, wenn er seinem Gott und Vater das Königreich übergibt, wenn er Regierungen von aller Art und alle Gewalt und Macht zunichte gemacht hat. Denn er muß als König regieren, bis Gott alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod zunichte gemacht. Denn Gott ,hat alle Dinge seinen Füßen unterworfen‘. Wenn er aber sagt, daß ,alle Dinge unterworfen worden sind‘, ist offenkundig der [Jehova Gott] ausgenommen, der ihm alle Dinge unterworfen hat. Wenn ihm aber alle Dinge unterworfen sein werden, dann wird sich auch der Sohn selbst dem Einen unterwerfen, der ihm alle Dinge unterworfen hat, so daß Gott allem [jedem, New World Translation, 1971] alles sei.“

      4. Welche Fragen bezüglich der zur Vollkommenheit gelangten Menschheit muß der Souveräne Herr Jehova nun entscheiden, und wie geht er dabei vor?

      4 Dadurch, daß der Sohn das Königreich seinem Gott und Vater übergibt, wird es Eigentum Jehovas Gottes. Somit bleibt kein untergeordnetes Reich zwischen Jehova, dem Souveränen Herrn und der Menschheit bestehen. Wie wird die Menschheit jetzt, da Gott sie direkt regiert, reagieren? Werden alle Menschen erklären, in alle Ewigkeit seine treuen Untertanen sein zu wollen? Wird jeder einzelne beschließen, daß Jehova für immer sein Gott sein soll? Es ist eine ernste Sache, eine Person aufgrund ihrer eigenen Gerechtigkeit gerechtzusprechen und ihr das Recht auf ewiges Leben zu geben; es erfordert, daß jemand, der ein solch kostbares Recht erhält, absolut treu ist. Wie wird Gott ermitteln wessen Name in das „Buch des Lebens“ eingeschrieben werden soll? Indem er die Betreffenden wie den Patriarchen Hiob, der im Lande Uz wohnte, prüft, um festzustellen, ob sie ihm von Herzen ergeben und treu sind und ob sie ihre Lauterkeit bewahren.

      5. Inwiefern entspricht die Prüfung der zur Vollkommenheit gelangten Menschheit der Prüfung Hiobs, und was soll dadurch bewiesen werden?

      5 Die Menschen haben tausend Jahre lang unter dem Königreich des Sohnes Gottes die unverdiente Güte Gottes empfangen und leben in einem schönen Paradies, das über die ganze Erde ausgedehnt worden ist. Wie bei Hiob, so erhebt sich nun die Frage: Lieben sie Gott und dienen sie ihm nur wegen all des Guten, was er für sie getan hat, oder weil er der lebendige und wahre Gott, der rechtmäßige unumschränkte Herrscher des Universums ist? Hiob wurde geprüft, ob er Jehova Gott gegenüber lauter wäre, indem Satan, der Teufel, ihn in jeder Hinsicht bedrängen durfte, nur das Leben durfte er ihm nicht nehmen. So ist es auch jetzt: Dadurch, daß Satan, dem Teufel, erlaubt wird, die wiederhergestellte Menschheit auf die Probe zu stellen — soweit Gott, der Allmächtige, es zuläßt —, kann jedes einzelne Glied des zur Vollkommenheit gelangten Menschengeschlechts geprüft und erprobt werden, um festzustellen, ob es gegenüber Gott vollkommen lauter ist. Eine solche Prüfung würde voraussetzen, daß Satan und seine Dämonen aus dem Abgrund befreit würden, wo sie tausend Jahre lang gefangen waren. Das wird geschehen.

      6. Wie wird in Offenbarung 20:7-10 beschrieben, was sich nach dem Ende der Tausendjahrherrschaft Christi ereignen wird?

      6 Was sich nach dem Ende der Tausendjahrherrschaft Jesu Christi und seiner 144 000 Mitkönige ereignen wird, geht aus Offenbarung 20:7-10 hervor: „Und sobald die tausend Jahre zu Ende sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden, und er wird ausziehen, um die Nationen, die an den vier Ecken der Erde sind, irrezuführen, Gog und Magog, um sie zum Krieg zu versammeln. Die Zahl dieser ist wie der Sand am Meere. Und sie rückten über die Breite der Erde vor und umringten das Lager der Heiligen und die geliebte Stadt. Aber Feuer kam aus dem Himmel herab und verzehrte sie. Und der Teufel, der sie irreführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geschleudert, wo schon sowohl das wilde Tier als auch der falsche Prophet waren; und sie werden Tag und Nacht gequält werden für immer und ewig.“

      7. Warum werden Satan und seine Dämonen hinsichtlich der zur Vollkommenheit gelangten Menschheit zuversichtlich sein, wenn sie losgelassen werden, und um welche Streitfrage wird es wiederum gehen?

      7 Wenn Satan und seine Dämonen aus dem Abgrund freigelassen werden, können sie sich wieder in der Nähe der Erde aufhalten und unsichtbar über die Menschen, die ihrem Einfluß erliegen, herrschen. Satan, der Teufel, wird zuversichtlich sein, obwohl die Menschen in geistiger, religiös-sittlicher und in körperlicher Hinsicht vollkommen sein werden. Bei dem Patriarchen Hiob hatte er allerdings keinen Erfolg, doch mehr als zweitausendvierhundert Jahre davor, in Eden, bei Adam und Eva, war er erfolgreich gewesen, obwohl sie vollkommene Menschen waren. In beiden Fällen ging es jedoch um die gleiche Streitfrage: das Recht Gottes, Jehovas, unumschränkt zu herrschen, und das verpflichtet den Menschen zu absolutem Gehorsam gegenüber den göttlichen Geboten und Verboten.

      8. (a) Wie wird hier gezeigt, daß es bei der Streitfrage, mit der sich die ganze Menschheit auseinandersetzen muß, darum geht, wer der unumschränkte Herrscher des Universums ist? (b) Wer sind die „Heiligen“, und was ist die „geliebte Stadt“?

      8 Die ganze Menschheit wird sich nach dem Ende der tausend Jahre mit dieser gleichen Streitfrage auseinandersetzen müssen; das zeigt die Tatsache, daß die Menschen, die dann von Satan und seinen Dämonen irregeführt werden, über die Erde vorrücken und das „Lager der Heiligen und die geliebte Stadt“ umringen. Ja, dann wird es auf der Erde „Heilige“ geben. Sie werden von Satan und seinen Haufen auf der Erde umringt werden, weil sie sich von Satan und seinen Dämonen nicht irreführen lassen. Bei diesen „Heiligen“ handelt es sich um solche Glieder der wiederhergestellten Menschheit, die in dieser entscheidenden Prüfung gegenüber Gott ihre Lauterkeit bewahren. Es ist so, als wären sie in einem Heerlager und würden von feindlichen Streitkräften angegriffen. Die „Heiligen“ und die „geliebte Stadt“ werden als voneinander getrennt dargestellt. Die „Heiligen“ sind nicht in der Stadt, sondern im „Lager“. Somit kann mit dieser „Stadt“ keine Stadt gemeint sein, die auf der Erde als Welthauptstadt erbaut worden wäre. Es muß die Stadt sein, die der verherrlichte Jesus Christus gemäß Offenbarung 3:12 seinen Nachfolgern gegenüber erwähnte, indem er von ‘der Stadt meines Gottes, dem Neuen Jerusalem, das von meinem Gott aus dem Himmel herabkommt’, sprach.

      9. Von wem wird diese Stadt „geliebt“, und inwiefern kommt sie von Gott aus dem Himmel herab?

      9 Sowohl Gott als die „Heiligen“ lieben diese „Stadt“. Auf die 144 000 Miterben Jesu Christi ist der Name dieses „neuen Jerusalem“ geschrieben. Es ist keine buchstäbliche Stadt auf der Erde, sondern eine himmlische Stadt, die herabkommt, indem sie die Bewohner der Erde beeinflußt und regiert.

      10. Ist es dem losgelassenen Satan möglich, der „geliebten Stadt“ etwas anzuhaben, und was bezweckt er daher mit seinem Angriff auf sie?

      10 Diese „Stadt“ ist, nachdem sie die Menschheit tausend Jahre regiert haben wird, nicht desorganisiert und zerstört, sondern die „Heiligen“ genießen immer noch das Gute und Gerechte, was sie gewirkt hat. Satan, der Teufel, führt gegen diese „geliebte Stadt“ Krieg, weil er all das Gute, was das Neue Jerusalem gebracht hat, zunichte machen möchte. Er möchte nicht, daß die Menschheit weiterhin die Früchte dieses Wirkens genießt. Da er in der Nähe der Erde bleiben muß und keinen Zutritt mehr zum Himmel hat, aus dem er samt seinen Dämonen verbannt worden war, kann er der „geliebten Stadt“ dort oben nichts anhaben. Daher führt er Krieg gegen sie, indem er versucht, die gerechte Ordnung, die sie auf der Erde geschaffen hat, zunichte zu machen.

      11. (a) Wie wird dieser „Krieg“ geführt werden? (b) Was zeigt, daß es dabei nicht um die Frage geht, ob Gott allmächtig ist, sondern darum, ob er rechtmäßig unumschränkt über das Universum herrscht?

      11 Es ist nicht zu erwarten, daß dieser „Krieg“ mit Waffen geführt wird, die Wissenschaftler entwickelt haben, wie Kernwaffen und andere Kampfmittel des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Bewohner der Erde werden sich während der tausend Jahre nicht mit solchen Kampfmitteln bewaffnet haben, noch werden sie gelernt haben, mit solchen Waffen Krieg zu führen. (Jesaja 2:2-4) Es wird kein Kampf sein, der mit solchen Waffen geführt wird. Täuschung, irreführende Propaganda, Verführung zur Selbstsucht und Untreue gegen den unumschränkten Herrscher des Universums könnten mächtige Waffen sein, um die Menschen zu besiegen. Daß es nicht um die Frage gehen wird, ob Gott allmächtig ist, sondern um die Frage, ob er rechtmäßig unumschränkt über das Universum herrscht, zeigt sich darin, daß Satan, nachdem er tausend Jahre lang im Abgrund gefangen gewesen war, freigelassen wird, denn dadurch wird bewiesen, daß Gottes Macht der Macht Satans, des Teufels, weit überlegen ist. Satan, der sich immer noch gegen die Souveränität Jehovas auflehnt, ist darauf erpicht, auch die Menschheit zu einer solchen Handlungsweise zu verführen.

      WIE GROSS DIE REBELLION NACH DEN TAUSEND JAHREN SEIN WIRD

      12. Was bedeutet es, daß gesagt wird, die Zahl der Menschen, die sich von Satan irreführen ließen, sei „wie der Sand am Meere“?

      12 Es wird gesagt, die Zahl der Menschen, die sich von Satan und seinen Dämonen in bezug auf die wichtigste Frage irreführen ließen, sei so groß „wie der Sand am Meere“, das heißt anscheinend unzählbar. (Offenbarung 20:8) Das bedeutet keineswegs, daß die große Mehrzahl der Menschheit dazu gehören wird. Von den vereinigten Heeren, die gegen Richter Josua kämpften, wurde gesagt, sie seien so zahlreich wie die Sandkörner, die am Ufer des Meeres waren. (Josua 11:4) Von den Kamelen der zur Zeit Gideons, des Sohnes des Joas, in das Land Israel eingefallenen Feinde wurde gesagt, sie seien „ohne Zahl, so zahlreich wie die Sandkörner, die am Ufer des Meeres sind“, gewesen. (Richter 7:12) So ist auch die Zahl der Menschen, die sich von Satan irreführen lassen, unbestimmt; es wird nicht vorausgesagt, wie viele sich werden verführen lassen, aber ihre Zahl wird groß genug sein, um den Eindruck zu erwecken, es sei eine große Menge. Satan, der Teufel, ist also nur teilweise erfolgreich.

      13. Erscheinen diese „Nationen, die an den vier Ecken der Erde sind, ... Gog und Magog“, durch eine Auferstehung auf der paradiesischen Erde?

      13 Die Menschen, die sich von Satan irreführen lassen, werden als „die Nationen, die an den vier Ecken der Erde sind, ... Gog und Magog“, bezeichnet. Bei diesen „Nationen“, die auf der Erde erscheinen, handelt es sich nicht um Menschen, die von den Toten auferstanden sind — auch nicht um die „Ungerechten“ —, sondern um die nicht vorhergesagte Zahl der Glieder der wiederhergestellten Menschheit, die Satan irregeführt hat.

      14. In welchem Sinne können sie als „Nationen“ bezeichnet werden, und wieso kann von ihnen gesagt werden, sie seien „an den vier Ecken der Erde“?

      14 Während des Tausendjahr-Gerichtstages ist die Menschheit nicht in einzelne Völker aufgeteilt gewesen, auch sind die Menschen ohne Ansehen ihrer früheren Volkszugehörigkeit gerichtet worden. Die Tatsache, daß die Menschen, die von dem freigelassenen Satan irregeführt werden, als „Nationen“ bezeichnet werden, deutet darauf hin, daß sie — wie Satan — Jehovas universelle Souveränität nicht anerkennen wollen und daß sie sich selbständig machen wollen, als wären sie ein souveräner Staat. Sie mögen keinen gemeinsamen höchsten Herrscher an ihrer Spitze haben, sondern da sie uneins sind, mag die höchste Herrschaftsgewalt in verschiedenen Händen liegen. Wie dem auch sei, in einem sind sie sich einig: in der Ablehnung der Souveränität Jehovas. Die Worte „die Nationen, die an den vier Ecken der Erde sind“ deuten an, daß diese „Nationen“ von der „geliebten Stadt“ weit weg sind. Diese Menschen, die sich haben irreführen lassen, verraten durch ihre Einstellung, daß sie weit davon entfernt sind, die von Jehova Gott ausgeübte Herrschaftsgewalt anzuerkennen. Jehova Gott wird in ihrem Fall nicht „jedem alles“ sein (New World Translation, 1971).

      15, 16. (a) Inwiefern können diese irregeführten nationalistischgesinnten Menschen mit „Gog und Magog“ verglichen werden, was die Zeit und den Zweck ihres Angriffs betrifft? (b) Wieso gleichen diese Irregeführten Gog auch insofern, als Jehova sie so manövriert, daß sie zum Angriff übergehen?

      15 Diese irregeführten nationalistischgesinnten Menschen werden mit Recht „Gog und Magog“ genannt. Der ursprüngliche „Gog vom Lande Magog“, über den Hesekiel prophezeite, unternahm auf die Anbeter Jehovas Gottes einen letzten Angriff. Er unternahm diesen Angriff, nachdem diese Anbeter in ihr „Besitztum“ auf der Erde zurückgebracht worden waren und ihr „Land“ wie der „Garten Eden“ geworden war. (Hesekiel 36:35) Sie wohnten sozusagen in einem „Gebiet des offenen Landes“ und hatten „Ruhe“ und wohnten „in Sicherheit ... ohne Mauern“, und sie hatten „auch nicht Riegel und Türen“. (Hesekiel 38:11) Die Bevölkerung des „Landes Magog“ unterstützte auch ihren Hauptvorsteher bei seinem Angriff auf die scheinbar wehrlosen Anbeter Jehovas. Aber nach den Worten Jehovas kommt Gog aus folgendem Grund aus fernem Lande, um anzugreifen: „Ich werde dich gewißlich herumlenken und Haken in deine Kinnbacken legen und dich herausführen mit deiner ganzen Streitmacht ... Im Schlußteil der Jahre wirst du in das Land des Volkes kommen, das zurückgeführt worden ist.“ — Hesekiel 38:4-8.

      16 Die Menschen, die Satan, der Teufel, nach dem Ende des Tausendjahr-Gerichtstages irrezuführen vermag, werden diesem unsichtbaren Anführer folgen, den Jehova Gott gerade aus dem Abgrund freigelassen hat, um ihm Gelegenheit zu geben, die wiederhergestellte Menschheit anzugreifen. Da Satan, der Teufel, und seine Dämonen aus dem Abgrund freigelassen werden, dürfen sie sich wieder in der Nähe der Erde aufhalten und engen Kontakt haben mit Bewohnern der paradiesischen Erde, einer Erde, die jetzt dem Garten Eden gleicht. Wenn der freigelassene Satan, der Teufel, angreift, ist es so, als würde er an den Haken, die in seine Kinnbacken gelegt worden sind, unter der Aufsicht Jehovas geführt werden. Und die Menschen auf der Erde, die nun von Satan, dem Teufel, irregeführt werden, werden wie er sozusagen an Haken, die in ihre Kinnbacken gelegt werden, geführt, um das „Lager der Heiligen und die geliebte Stadt“ anzugreifen. (Offenbarung 20:7-9) Somit ist es passend, für diese irregeführten nationalistischgesinnten Menschen, die diejenigen, die der universellen Souveränität Jehovas Gottes in Treue zugetan sind, angreifen und sie auszuplündern versuchen, den Namen Gog und Magog zu gebrauchen und auf sie anzuwenden.

      17, 18. (a) Können diese Irregeführten die „geliebte Stadt“ direkt angreifen? Wie müssen sie sie deshalb angreifen? (b) Was müssen nach dem Ende der Tausendjahrherrschaft Christi dessen Fürsten, die seine Söhne sind, tun, und zu welchem Zweck?

      17 Da diese Irregeführten nur Menschen sind, die auf der Erde leben, können sie das Neue Jerusalem im Himmel ebensowenig direkt angreifen wie ihr unsichtbarer Anführer, Satan, der Teufel. Aber sie können mit den Menschen auf der Erde in Berührung kommen, die die himmlische messianische Regierung treu vertreten haben, nämlich mit den „Fürsten ... auf der ganzen Erde“. Da der König des Neuen Jerusalem, Jesus Christus, der Ewigvater, sie als Fürsten eingesetzt hat, haben diese Fürsten als sichtbare Vertreter der „geliebten Stadt“ geamtet. Und wenn der königliche Sohn Gottes nach dem Ende seiner Tausendjahrherrschaft „seinem Gott und Vater das Königreich übergibt“, werden diese Fürsten auf der Erde, die seine Söhne sind, entsprechend handeln. Sie müssen den Sohn Gottes nachahmen, der sich selbst „dem Einen“, dem himmlischen Vater, unterwerfen wird, „der ihm alle Dinge unterworfen hat“.

      18 Diese Fürsten, „Söhne“ des Ewigvaters Jesus Christus, ahmen ihn daher mit Recht nach und unterwerfen sich seinem Gott und Vater, der im Universum zu Recht die höchste Gewalt ausübt. Anstatt sich gegen die Forderungen, die ihre veränderte Lage an sie stellt, aufzulehnen, handeln sie wie Christus und unterwerfen sich Jehovas universeller Souveränität. Die von Satan, dem Teufel, irregeführten Menschen greifen die sichtbaren, irdischen Vertreter der „geliebten Stadt“ mit Hilfe von Argumenten und indem sie sie unter Druck setzen, an, um sie von ihrer Einstellung abzubringen, aber diese weigern sich entschieden. Sie bewahren ihre Lauterkeit gegenüber Gott, dem Höchsten, und halten treu zu ihm, dem rechtmäßigen Souverän des ganzen Universums und damit auch der ganzen Erde. Sie zögern nicht, sich dafür zu entscheiden, daß für sie Jehova Gott „alles sei“. — 1. Korinther 15:24-28.

      „GOG UND MAGOG“ SOWIE IHR VERFÜHRER WERDEN BESEITIGT

      19. Wie beweisen die Treuen unter dem Angriff der Irregeführten nicht nur, daß sie an Gott glauben, sondern auch, daß sie an ihrer Lauterkeit gegenüber seiner höchsten Herrschaftsgewalt festhalten?

      19 An diesem „Krieg“, zu dem Satan, der Teufel, die von ihm irregeführten Menschen auf der Erde versammelt hat, beteiligen sich das „Lager der Heiligen“ und die irdischen Vertreter der „geliebten Stadt“ nicht, indem sie mit menschlichen Waffen zurückschlagen würden. Natürlich können sie Satan, den Teufel, und seine Dämonenengel, die für sie unsichtbar und unerreichbar sind, nicht töten. Aber diese Menschen, die sich für die universelle Souveränität Jehovas entschieden haben, töten auch die auf der Erde irregeführten Menschen, die sie sehen können, „Gog und Magog“, nicht; sie vollstrecken das Urteil an diesen irregeführten nicht. Da sie sich für die Seite Jehovas Gottes entschieden haben, überlassen sie es ihm, seine höchste Herrschaftsgewalt auszuüben und sie gegenüber den irregeführten, untreuen Menschen anzuwenden. Sie überlassen den Kampf Jehova und maßen sich nicht an, für ihn als Scharfrichter zu amten und mit todbringenden Waffen zu kämpfen. Das verrät nicht nur, daß sie Glauben haben, sondern auch, daß sie gegenüber Jehova Gott und seiner höchsten Herrschaftsgewalt vollkommene Lauterkeit bewahren. Sie überlassen es ihm, sie zu retten und die Untreuen zu vernichten. Im Vertrauen auf ihn ‘bleiben sie stehen’ und erleben dann an sich die „Rettung Jehovas“. — 2. Chronika 20:15-17.

      20. (a) Was werden die Treuen unter Gottes Schutz sehen dürfen? (b) Was bedeutet dieses Vorgehen Gottes für die Untreuen?

      20 Die Menschen, die Jehova, der die höchste Gewalt im Universum hat, treu bleiben, wohnen „unter dem Schatten ... des Allmächtigen“ und werden nur mit ihren Augen „die Vergeltung ... an den Bösen sehen“. (Psalm 91:1, 8) Vor ihren Augen wird die Prophezeiung aus Offenbarung 20:9 über „Gog und Magog“, die nach den tausend Jahren in Erscheinung treten, in Erfüllung gehen: „Und sie rückten über die Breite der Erde vor und umringten das Lager der Heiligen und die geliebte Stadt. Aber Feuer kam aus dem Himmel herab und verzehrte sie.“ Diese untreuen Menschen werden mit Feuer getauft, was für sie ewige Vernichtung bedeutet. Gott erklärt sie nicht für gerecht oder spricht sie nicht gerecht und trägt ihren Namen nicht in das „Buch des Lebens“ ein. (Römer 8:33) Das kommt keinem Mißbrauch der höchsten Gewalt, die Jehova im Universum ausübt, gleich, sondern ist eine berechtigte Anwendung dieser Macht gegenüber seinen Feinden.

      21. (a) Wieviel Zeit ist nun seit der Freilassung Satans aus dem Abgrund vergangen, und ist der Zweck seiner Freilassung erreicht worden? (b) Was würde es bedeuten, wenn er wieder in den Abgrund geschleudert würde?

      21 Aber die endgültige Vernichtung dieser gesetzlosen Personen, die das Gute hassen, bedeutet nicht, daß nun auch Satan, der Teufel, und seine Dämonenengel nicht mehr in der Nähe der Erde sind. Doch ist jetzt genügend Zeit seit Satans Freilassung aus dem Abgrund verstrichen. Der Zweck, zu dem Gott ihn freigelassen hat, ist voll und ganz erreicht; es besteht kein weiterer Grund, ihn und seine Dämonen noch länger in Freiheit zu belassen. Wir erinnern uns daran, daß an der Stelle, wo geschrieben steht, daß Satan in den Abgrund geworfen wird und dort tausend Jahre bleiben muß, noch erwähnt wird: „Nach diesen Dingen muß er für eine kleine Weile losgelassen werden.“ (Offenbarung 20:3) Diese „kleine Weile“, in der Satan, der Teufel, versucht hat, so viele Glieder der wiederhergestellten Menschheit wie möglich zu dem Gedanken zu verführen, Jehova übe die höchste Herrschaftsgewalt über die Erde in einer unbilligen, anmaßenden Weise aus, ist nun vorbei. Was jetzt? Werden Satan und seine Dämonen wieder in den Abgrund geschleudert? Wenn das geschähe, würde es bedeuten, daß sie erneut freigelassen werden müßten, so wie Jesus Christus, der aus dem Abgrund freigelassen wurde, und wie die symbolischen Heuschrecken, die aus dem Abgrund freigelassen wurden, und wie das „wilde Tier“, auf dem Babylon die Große reitet, das aus dem Abgrund heraufstieg. — Römer 10:7; Offenbarung 9:1-3; 17:8; vergleiche auch Offenbarung 11:7.

      22, 23. (a) Wie hat Satan die Antwort auf seine Anklage, den Menschen betreffend, bekommen, und zu wessen Gunsten ist die alte Streitfrage entschieden worden? (b) Was widerfährt nun Satan und seinen Dämonen?

      22 Die Fesselung Satans, des Teufels, und seiner Dämonen und ihre Gefangensetzung im Abgrund war für sie eine vorübergehende Qual. Soll jetzt die Qual, gefangen zu sein, wiederum nur vorübergehend oder soll sie ewig sein? Was geschieht mit ihnen, nachdem sie haben zusehen müssen, wie die Menschen, die sie auf der Erde irregeführt haben, bestraft worden sind, indem sie durch Feuer vernichtet worden sind? Der Teufel hat nun die Antwort auf seine Anklage, die er immer wieder erhoben hat, bekommen, auf die Anklage, daß die Menschen auf der Erde Jehova Gott nur aus eigennützigen Gründen dienten und daß kein Mensch Jehova treu bleiben würde, aus reiner Liebe zu ihm, wenn er von ihm, Satan dem Teufel, versucht würde. Die Männer und Frauen, die ihre Lauterkeit bewahrt haben und noch auf der Erde leben, nachdem die Untreuen durch Feuer vernichtet worden sind, stellen eine Antwort an den Teufel dar, denn sie haben den Beweis erbracht, daß seine Anschuldigung nicht zutrifft und daß er ein Lügner ist. Die siebentausend Jahre alte Streitfrage ist zugunsten Gottes, der ein Gott der Wahrheit ist, entschieden worden, und daher besteht kein Grund, Satan, den Teufel, und seine Dämonen länger am Leben zu lassen. Mit der Geduld, die Gott mit ihnen hatte, ist es jetzt vorbei. Deshalb setzt Gott diese rebellischen Engel nicht wieder im Abgrund gefangen. Was widerfährt ihnen denn nun?

      23 „Und der Teufel, der sie irreführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geschleudert, wo schon sowohl das wilde Tier als auch der falsche Prophet waren; und sie werden Tag und Nacht gequält werden für immer und ewig.“ — Offenbarung 20:10.

      24, 25. (a) Was bedeutet es für Satan und seine Dämonen, in den Feuer- und Schwefelsee geschleudert zu werden? (b) Warum ist dieser Tod eine andere Art des Todes?

      24 Im Feuer- und Schwefelsee gequält zu werden bedeutet für Satan, den Teufel, und für seine Dämonen dasselbe wie für das symbolische wilde Tier und den falschen Propheten. Und was bedeutet es? Ewige Vernichtung. (Offenbarung 19:20) Satan, der Teufel, und seine Dämonen werden ebensowenig je wieder leben, wie das symbolische wilde Tier und der falsche Prophet je wieder leben werden. Ihr Name ist in keinem göttlichen „Buch des Lebens“ eingeschrieben. Leben ist Leben, ob man es genießen kann oder viel durchmachen muß. Die Tatsache, daß sie in den symbolischen „Feuer- und Schwefelsee“ geworfen werden, bedeutet nicht, daß sie am Leben erhalten werden, um gequält zu werden oder damit sie bei vollem Bewußtsein an Leib und Geist leiden.

      25 Dieser symbolische „See“ versinnbildet nicht einen Zustand, in dem man tot ist und doch lebt. Er versinnbildet eine andere Art des Todes, einen Tod, der sich von dem Tod unterscheidet, den alle Menschen von den Sündern Adam und Eva ererbt haben und der offenbar die erste Art des Todes war, die in der Schöpfung, bei den im Bilde Gottes geschaffenen Geschöpfen, Einzug hielt. Dieser ererbte Tod erwies sich als zeitweilig, weil er in einen „Todesschlaf“ verwandelt wird durch die Auferstehung, die durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi ermöglicht wird. — 1. Korinther 15:20-22.

      26. Warum wird diese andere Art des Todes treffend als der „zweite Tod“ bezeichnet, und wo wird der Name der Menschen, die diesen Tod erleiden, nicht eingeschrieben?

      26 Der Tod, versinnbildet durch den „Feuer- und Schwefelsee“, unterscheidet sich von dem Tod, den die Menschheit von Adam ererbt hat, denn er ist nicht mit einem Schlaf zu vergleichen, aus dem man aufgeweckt werden kann, sondern bei diesem Tod handelt es sich um eine vollständige Vernichtung, um einen ewigen Tod. Der von Adam ererbte Tod war der ‘erste Tod’. Der andere Tod, von dem der „Feuer- und Schwefelsee“ ein Sinnbild ist, wird daher treffend als der „zweite Tod“ bezeichnet. Diesen Tod sterben die Menschen auf der Erde, die den Tausendjahr-Gerichtstag zwar erleben, deren Name aber später nicht in Gottes „Buch des Lebens‵’ eingeschrieben wird. In den inspirierten Schriften wird gezeigt, was der „Feuersee“ für die Menschen bedeutet, die nicht würdig sind, ewig zu leben; wir lesen: „Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geschleudert. Dies bedeutet den zweiten Tod: der Feuersee. Und wer irgend im Buche des Lebens nicht eingeschrieben gefunden wurde, wurde in den Feuersee geschleudert.“ — Offenbarung 20:14, 15.

      27, 28. (a) Warum können Satan und seine Dämonen den „zweiten Tod“ sterben? (b) Was bedeutet es somit, daß sie im Feuersee für immer gequält werden?

      27 Diese göttliche Erklärung der Bedeutung des „Feuersees“ wird einige Verse danach bestätigt, wo wir lesen: „Wer irgend siegt, wird diese Dinge ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. Was aber die Feiglinge und Ungläubigen und die betrifft, die zufolge ihrer Unsauberkeit abscheulich sind, und Mörder und Hurer und solche, die Spiritismus ausüben, und Götzendiener und alle Lügner, ihr Teil wird in dem See sein, der mit Feuer und Schwefel brennt. Das bedeutet den zweiten Tod.“ (Offenbarung 21:7, 8) Da alle diese Erwähnungen des „Feuersees“ so nahe beieinander sind — im 19. bis 21. Kapitel der Offenbarung —, muß der „Feuersee“ das, was er für die Menschen bedeutet, die nicht in das „Buch des Lebens“ eingeschrieben sind, auch für Satan, den Teufel, und für seine Dämonen bedeuten: den „zweiten Tod“. Das erfordert nicht unbedingt, daß der Betreffende ein zweites Mal stirbt, sondern daß der Betreffende die zweite Art des Todes, von der die Bibel spricht, stirbt; und das ist ein ewiger Tod.

      28 Satan und seine Dämonen können somit diese Art des Todes sterben, obwohl sie zuvor noch nie gestorben sind. Mit der ersten Art des Todes, die durch die Sünde des ersten Menschen Einzug hielt, war nicht die geringste Spur von Leben verbunden. Auch mit dem „zweiten Tod“, der ewigen Strafe für alle, die Gott vorsätzlich nicht gehorchen und dabei sogar ihre Vollkommenheit preisgeben, ist kein Fünkchen Leben verbunden. Aufgrund aller biblischen Regeln bedeuten die Worte, daß Satan und seine Dämonen in dem Feuer- und Schwefelsee für immer gequält werden, somit, daß sie vernichtet werden, daß sie aufhören zu leben, daß das Leben dieser Geistgeschöpfe für immer ausgelöscht wird. Das hat zur Folge, daß Gott ein Universum haben wird, in dem es keine Dämonen mehr gibt; auch wird Gott nicht zulassen, daß es je wieder Dämonen geben wird.

      ZUM LEBEN KOMMEN NACH DEN TAUSEND JAHREN

      29. Was ist daraus zu schließen, daß Gott dafür sorgt, daß das „Lager der Heiligen“ und die Fürsten, die irdischen Vertreter der „geliebten Stadt“, nicht vernichtet werden?

      29 Welch eine unvergleichliche Ewigkeit steht der Menschheit bevor! Jehova Gott sorgt dafür, daß das „Lager der Heiligen“ und die Fürsten, die irdischen Vertreter der „geliebten Stadt“, nicht zusammen mit „Gog und Magog“ sowie Satan, dem Teufel, und seinen Dämonen vernichtet werden. Kann das etwas anderes bedeuten, als daß Gott ihren Namen in das „Buch des Lebens“ eingeschrieben oder daß er ihren Namen im „Buche des Lebens“ stehengelassen hat? Somit hat er sie gerechtgesprochen oder für gerecht erklärt, weil sie ihm treu geblieben sind und sich so Jesus Christus, dem Sohne Gottes und den 144 000 Miterben in der Rechtfertigung der universellen Souveränität Gottes, des Höchsten, des Schöpfers alles Guten, angeschlossen haben. Jehova Gott hat ihnen dadurch, daß er sie gerechtgesprochen hat, das Recht verliehen, ewig in ihrer paradiesischen Heimat zu leben.

      30. (a) Wem werden die Menschen, die die letzte Prüfung bestehen werden, für immer zu Dank verpflichtet sein, und wo werden sie für immer stehen? (b) Wann werden sie im wahrsten Sinne des Wortes „leben“?

      30 Jesus Christus, der himmlische König, Priester und Richter, hat durch seine liebevolle Handlungsweise gegenüber der Menschheit während der tausend Jahre allen, die bereitwillig und gehorsam waren, geholfen, vollkommen gerechte Menschen zu werden. Wäre ihm das bis zum Ende der tausend Jahre nicht gelungen, dann wäre er nicht ohne weiteres in der Lage gewesen, sie dem allerhöchsten Richter, Jehova Gott, zur Schlußprüfung zu übergeben. Warum nicht? Weil er gewußt hätte, daß sie dann die göttliche Prüfung niemals hätten bestehen und somit kein ewiges Leben hätten erlangen können, da ihnen die vollkommene Gerechtigkeit gefehlt hätte. Doch nun stehen sie als vollständig gerechte, sündenlose Menschen und als Anbeter Jehovas in den irdischen Vorhöfen seines „wahren Zeltes“ oder Tempels. Dort werden sie für immer stehen, nachdem sie die göttliche Prüfung bestanden und Jehova, dem Souveränen Herrn, gegenüber ihre unverbrüchliche Lauterkeit und unwandelbare Treue bewiesen haben. Sie werden Jesus Christus, dem Sohn Gottes, für immer zu Dank verpflichtet sein, weil er ihnen liebevoll geholfen hat, diese vollkommene Gerechtigkeit zu erlangen, die ein Beweis dafür ist, daß ihr Loskäufer und Retter, der Herr Jesus, das Werk vollendet hat. Dann werden sie im wahrsten Sinne des Wortes leben!

      31. Wozu gelangen somit die „übrigen der Toten“ bis zum Ende der Tausendjahrherrschaft Christi, und was geschieht mit dem adamischen Tod?

      31 Im Lichte dieser Tatsache können wir verstehen, daß die in Klammern erscheinenden Worte aus Offenbarung 20:5 zutreffen, wo es heißt: „(Die übrigen der Toten kamen nicht zum Leben, bis die tausend Jahre zu Ende waren.)“ Die „übrigen der Toten“ würden bis zum Ende der tausend Jahre diesen Zustand des vollkommenen Lebens nicht erreicht haben, wenn Jesus Christus und seine 144 000 Miterben, die an der „ersten Auferstehung“ teilhaben, ihnen im Laufe der tausend Jahre nicht in dieser vorbereitenden Weise geholfen hätten. Zu diesem Zeitpunkt hat der ‘Tod [ererbt von Adam] die Toten herausgegeben, die darin waren, und ist der Hades in den Feuersee geschleudert worden, wo er den „zweiten Tod“ erleidet oder zu bestehen aufhört’. (Offenbarung 20:13, 14) Dann erfüllen sich die Worte aus 1. Korinther 15:25, 26: „Er muß als König regieren, bis Gott alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod zunichte gemacht.“

      32. Wann werden sich die Worte aus Offenbarung 21:3, 4 voll und ganz erfüllt haben?

      32 Dann wird sich voll und ganz erfüllt haben, was in den folgenden Worten über den von dem Sünder Adam ererbten Tod gesagt wird: „Und Gott selbst wird bei ihnen sein. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen.“ — Offenbarung 21:3, 4.

      33. (a) Wie werden die Menschen, die nun Leben in Fülle haben, sich als würdig erweisen, für immer zu leben? (b) Wie werden sich an ihnen die Worte aus Römer 6:23 bewahrheiten?

      33 Werden alle, die bis zum Ende der tausend Jahre in diesem vollkommenen Sinne zum Leben gekommen sind, das sie nun in Fülle haben, für immer leben wollen? Sie können das, wenn sie sich als würdig erweisen, von Jehova Gott, dem großen Quell des Lebens, das Recht auf ewiges Leben zu empfangen. Alle, die diese gründliche Prüfung bestehen und beweisen, daß sie Gott gegenüber ganz und gar lauter, daß sie ihm treu und ihm gegenüber loyal sind, werden mit dem kostbaren Recht belohnt werden, daß ihr Leben für immer bewahrt bleibt und daß sie in alle Ewigkeit glücklich leben können. So werden sich die Worte an ihnen bewahrheiten: „Die Gabe aber, die Gott gibt, ist ewiges Leben durch Christus Jesus, unseren Herrn.“ (Römer 6:23) Hätte Gott seinen geliebten einziggezeugten Sohn nicht als Mittel gebraucht, so wäre das für die Menschheitsfamilie nicht möglich geworden.

      34, 35. (a) Was ist in bezug auf die „große Volksmenge“ zu hoffen, die Jehova in seinem geistigen Tempel schon vor der „großen Drangsal“ in weißen Gewändern gedient hat? (b) Inwiefern werden dann sogar die auferstandenen „Ungerechten“ hinsichtlich der Vorhöfe Jehovas so empfinden können wie die Söhne Korahs?

      34 Wie befriedigend für Herz und Sinn wird es dann sein, Gott, dessen Name Jehova ist, in den irdischen Vorhöfen seines himmlischen Tempels anzubeten und ihm zu dienen! Schon zu Beginn der unvergleichlichen Tausendjahrherrschaft hat die „große Volksmenge“, die die „große Drangsal“ überlebt hat, ihre Gewänder „gewaschen und sie in dem Blut des Lammes weiß gemacht. Darum sind sie vor dem Throne Gottes; und Tag und Nacht bringen sie ihm in seinem Tempel heiligen Dienst dar.“ (Offenbarung 7:9, 14, 15) Es ist zu hoffen, daß die Glieder der „großen Volksmenge“, die ihre Gewänder gewaschen haben, während der tausend Jahre und der Prüfung ihrer absoluten Lauterkeit gegenüber Jehova, dem Souveränen Herrn, die nach Ablauf der tausend Jahre stattfinden wird, in diesen Vorhöfen des geistigen Tempels Gottes bleiben werden. Alle, die während der tausend Jahre von den Toten auferweckt werden, werden in die irdischen Vorhöfe des geistigen Tempels Jehovas geleitet werden, damit sie beginnen, dort Jehova anzubeten und ihm zu dienen. Wenn sie den Dienst für Jehova dort mit der richtigen Wertschätzung aufnehmen, werden sogar die „Ungerechten“ unter ihnen so empfinden, wie die Söhne Korahs, des Leviten, einst empfunden haben:

      35 „Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als tausend anderswo. Ich habe eher gewählt, im Hause meines Gottes an der Schwelle zu stehen, als umherzugehen in den Zelten der Bosheit. Denn Jehova Gott ist Sonne und Schild; Gunst und Herrlichkeit sind das, was er gibt. Jehova selbst wird nichts Gutes denen vorenthalten, die in Untadeligkeit wandeln.“ — Psalm 84, Überschrift, Vers 10, 11.

      36. Welche Wertschätzung für Gottes Tempel, die in den Worten Davids zum Ausdruck kommt, werden die Menschen, die entschlossen sind, ihre Lauterkeit zu bewahren, entwickeln?

      36 Die Menschen, die entschlossen sind, dem lebendigen und wahren Gott gegenüber ganzherzige Lauterkeit zu bewahren, werden eine solche Wertschätzung für geistige Dinge entwickeln, wie David sie zum Ausdruck brachte, als er sagte: „Eines habe ich von Jehova erbeten — danach werde ich suchen: daß ich im Hause Jehovas wohnen möge alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Lieblichkeit Jehovas und mit Wertschätzung seinen Tempel zu betrachten.“ — Psalm 27, Überschrift, Vers 4.

      37, 38. (a) Wozu wird die Erde, Jehovas „Schemel seiner Füße“, schließlich gemacht werden? (b) Werden sich die Bewohner des „Schemels seiner Füße“ nur in einem irdischen Paradies befinden, und wie werden sie der Aufforderung, die wir im letzten Psalm finden, nachkommen?

      37 Dann wird die ganze Erde ein Ort sein, an dem ihr erhabener Schöpfer verehrt wird. Sie ist der „Schemel seiner Füße“, während der Himmel sein „Thron“ ist. (Jesaja 66:1) Sein himmlischer Thron ist herrlich, die Erde, der Schemel seiner Füße, wird ebenfalls als geeignete Stätte für seine Füße herrlich gemacht werden. Überall wird die Erde ein Paradies sein wie der Garten Eden, wie der Garten Jehovas. (1. Mose 2:8; 13:10) Sie wird ein Ort der Freude und Wonne sein, denn alle Anbeter Jehovas — von denen dann nicht mehr gesagt werden kann, ‘sie erreichten nicht die Herrlichkeit Gottes’ — werden in ungetrübtem Glück darauf leben. Alle gottgefälligen Eigenschaften werden sich in ihnen voll entfaltet haben, und sie erfreuen sich voll und ganz eines harmonischen Verhältnisses zu Gott, so daß sie sich sowohl in einem geistigen als auch in einem irdischen Paradies befinden. Welch ein Grund, den erhabenen Schöpfer und Geber all dieser unaussprechlich guten Gaben von ganzem Herzen zu loben! Mit melodischen Stimmen und all ihrem musikalischen Können, das sie entwickelt haben werden, werden sie ihn dankbar lobpreisen. Sie werden sich den himmlischen Heerscharen anschließen und der begeisternden Aufforderung, die wir im letzten der unter Inspiration entstandenen Psalmen finden, für immer nachkommen:

      38 „Preiset Jah! Preiset Gott an seiner heiligen Stätte. Preist ihn in der Ausdehnung seiner Stärke. Preist ihn wegen seiner machtvollen Werke. Preist ihn nach der Fülle seiner Größe. Preist ihn mit Hörnerschall. Preist ihn mit dem Saiteninstrument und der Harfe. Preist ihn mit Tamburin und Reigentanz. Preist ihn mit Saitenspiel und Pfeife. Preist ihn mit wohlklingenden Zimbeln. Preist ihn mit schmetternden Zimbeln. Alles, was atmet — es preise Jah. Preiset Jah!“ — Psalm 150:1-6.

  • Das Zeichen ihres Herannahens
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 10. Kapitel

      Das Zeichen ihres Herannahens

      1. Warum sollte es uns brennend interessieren, zu erfahren, daß sich die Tausendjahrherrschaft genaht hat?

      WENN wir die Tausendjahrherrschaft so betrachten, wie sie in der Bibel dargestellt wird, ist sie etwas Wünschenswertes für die ganze Menschheit, für die Lebenden und die Toten. Deshalb ist die Ankündigung, daß sie sich genaht hat, für alle, die Verständnis besitzen, eine außerordentlich erfreuliche Botschaft. Es sollte uns brennend interessieren, zu erfahren, aus welch triftigen Gründen man überzeugt sein kann, daß sie sich genaht hat. Was sind das für Gründe? Sollen wir uns die Zeit nehmen, uns mit einigen davon zu befassen?

      2. (a) Wer wird jetzt versammelt, was an sich ein deutlicher Beweis dafür ist, daß sich die Tausendjahrherrschaft genaht hat? (b) Wer ist in diesem „Krieg“ der Anführer der Heere Gottes, und als was dient er bereits?

      2 Unsere bisherigen Betrachtungen über die Tausendjahrherrschaft haben uns die Tatsache vor Augen geführt, daß der verheerendste Krieg der ganzen Menschheitsgeschichte, der „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, Har-Magedon genannt, dieser Herrschaft unmittelbar vorausgehen muß. Jetzt sehen wir, daß die politischen Herrscher oder die „Könige der ganzen bewohnten Erde“ unter Mächten, die sich außerhalb des menschlichen Machtbereiches befinden, zu diesem größten aller Kriege versammelt werden. Diese Tatsache allein sollte schon ein deutlicher Beweis dafür sein, daß die erhoffte Tausendjahrherrschaft, die auf diesen Krieg folgen wird, sich ebenfalls genaht hat. (Offenbarung 16:13-16) Auf der Seite Gottes, des Allmächtigen, wird in diesem Krieg der Anführer der himmlischen Heere Gottes, der „Treu und Wahrhaftig“ sowie „Das Wort Gottes“ genannt wird, kämpfen. Dieser himmlische Anführer ist schon König, ehe der Krieg von Har-Magedon beginnt. „Auf seinem Haupte sind viele Diademe“, und „auf seinem äußeren Kleid, nämlich auf seinem Oberschenkel, trägt er einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren“. (Offenbarung 19:11-16) Somit regiert er schon als König, ehe er mit seinen 144 000 christlichen Miterben die Tausendjahrherrschaft beginnt. — Offenbarung 12:5; 14:1-4; 20:4-6.

      3. Was sah Johannes in bezug auf den Beginn der der Tausendjahrherrschaft vorausgehenden Regierungszeit, als die ersten beiden Siegel der Buchrolle geöffnet wurden (Offenbarung 6:1-4)?

      3 In einer früher gegebenen sinnbildlichen Darstellung der Ereignisse, die in unserem zwanzigsten Jahrhundert in der Welt eintreten sollten, wird auf den Beginn der Regierungszeit vor der Tausendjahrherrschaft dieses Königs der Könige, Jesus Christus, Bezug genommen. Diese sinnbildliche Darstellung ist im sechsten Kapitel der Offenbarung zu finden; darin berichtet der Apostel Johannes uns über das, was er sah, als Jesus Christus, das Lamm Gottes, begann, die sieben Siegel zu öffnen, mit denen die „Buchrolle“ versiegelt war, die er aus der Hand Gottes, der auf dem himmlischen Thron sitzt, empfangen hatte. Johannes schreibt: „Und ich sah, als das Lamm eines der sieben Siegel öffnete, und ich hörte eines von den vier lebenden Geschöpfen wie mit Donnerstimme sagen: ,Komm!‘ Und ich sah, und siehe! ein weißes Pferd; und der darauf saß, hatte einen Bogen; und es wurde ihm eine Krone gegeben, und er zog aus, siegend und um seinen Sieg zu vollenden. Und als er das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite lebende Geschöpf sagen: ,Komm!‘ Und ein anderes, ein feuerfarbenes Pferd kam hervor, und dem, der darauf saß, wurde gewährt, den Frieden von der Erde wegzunehmen, so daß sie einander hinschlachten würden, und ein großes Schwert wurde ihm gegeben.“ — Offenbarung 6:1-4.

      4, 5. (a) Was wurde durch den Reiter auf dem feuerfarbenen Pferd versinnbildlicht? (b) Wer zog damals aus, um den Kampf zu gewinnen, und inwiefern bildete dies den Rahmen für die Erfüllung der Worte aus Psalm 2:1-6?

      4 Das ist eine symbolische Darstellung des Ersten Weltkrieges, der im Jahre 1914 u. Z. ausbrach, dem aber bald der Zweite Weltkrieg folgte, der den Frieden für weitere sechs Jahre wegnahm. Jener erste der Weltkriege kennzeichnete den Zeitpunkt, zu dem Jesus Christus, der gerechte Krieger, die himmlische Krone erhielt und gegen seine Feinde auf der Erde auszog, um den Kampf zu gewinnen und seine irdischen Feinde völlig zu besiegen. Das bedeutet, daß er später, im „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, Har-Magedon genannt, auf der Seite Gottes kämpfen würde. Seine Krönung zum König im Himmel zur Zeit des Ersten Weltkrieges bildet den Rahmen für die Erfüllung der folgenden Worte, die wir im zweiten Psalm finden:

      5 „Warum sind die Nationen in Tumult gewesen und murmelten die Völkerschaften selbst ständig Leeres? Die Könige der Erde stellen sich auf, und hohe Amtspersonen selbst haben sich zusammengerottet wie e i n Mann gegen Jehova und gegen seinen Gesalbten [seinen Christus, Septuaginta], indem sie sprechen: ‚Laßt uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!‘ Er selbst, der in den Himmeln sitzt, wird lachen; Jehova selbst wird sie verspotten. Zu jener Zeit wird er zu ihnen reden in seinem Zorn, und in der Glut seines Mißfallens wird er sie in Bestürzung versetzen, indem er spricht: ,Ich, ja ich, habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berge.‘ “ — Psalm 2:1-6; vergleiche Apostelgeschichte 4:24-30.

      6. Wurde Jehovas König auf dem Berg Zion durch die beiden Weltkriege oder durch die Vereinten Nationen seines Thrones beraubt, und was können wir zuversichtlich erwarten, wenn wir den Ausgang des Krieges von Har-Magedon in Betracht ziehen?

      6 Obwohl die Nationen seit dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918 u. Z.) in Aufruhr sind, sitzt der von Jehova eingesetzte König, Gottes Sohn, Jesus Christus, in Zion, dem himmlischen Sitz der königlichen Regierung, auf dem Thron. (Offenbarung 14:1; Hebräer 12:22) Dieser messianische König verlor trotz des Ersten und Zweiten Weltkrieges seinen Thron nicht, auch die Vereinten Nationen vermochten nicht, ihm diesen zu rauben. Durch den „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, Har-Magedon genannt, wird er in seinem Amt als himmlischer König bestätigt werden, und er wird bereitstehen, um mit seinen treuen 144 000 Miterben seine Tausendjahrherrschaft zu beginnen. (Offenbarung 19:19-21) Aus diesem wichtigen Grund können wir die verheißene Tausendjahrherrschaft, durch die die Menschheit zum Leben führende Segnungen empfangen wird, zuversichtlich erwarten. Sie ist schon sehr nahe!

      7. Warum sind wir nicht so eingestellt wie die „böse und ehebrecherische Generation“, die vor neunzehnhundert Jahren lebte? Doch wo finden wir ein „Zeichen“ beschrieben, das Jesus gegeben hat und mit dem wir uns befassen sollten?

      7 Manch ein Skeptiker will aber trotz des erwähnten Beweises nicht glauben, daß sich die Tausendjahrherrschaft genaht hat, ja daß sie innerhalb unserer Generation beginnen wird, sondern er will es erst glauben, wenn er ein „Zeichen“ erhalten hat. Wir sind nicht so eingestellt wie die „böse und ehebrecherische Generation“ der Schriftgelehrten und Pharisäer, die vor neunzehnhundert Jahren lebte und erst glauben wollte, daß Jesus Christus der Messias sei, wenn sie von ihm ein Zeichen gesehen hätte. (Matthäus 12:38, 39) Doch da Jesus Christus ein „Zeichen“ beschrieben und es uns ermöglicht hat, daß wir erfahren können, worin es besteht, würden wir aus eigener Schuld in großer Unkenntnis bleiben, wenn wir nicht bereit wären, uns damit zu befassen. Die Beschreibung dieses Zeichens finden wir im 24. und 25. Kapitel des Matthäusevangeliums, im 13. Kapitel des Markusevangeliums und im 21. Kapitel des Lukasevangeliums. Sie wurde den Aposteln als Antwort auf eine Frage gegeben; doch dieses Zeichen sollte nicht beweisen, daß er der Messias oder Christus sei, sondern es sollte ein Hinweis darauf sein, daß sich gewisse für die Zukunft verheißene bedeutsame Dinge bald ereignen oder daß sich die Prophezeiungen darüber bald erfüllen würden. Jesus gab dieses Zeichen am 11. Nisan (dem Frühlingsmonat) des Jahres 33 u. Z., drei Tage bevor er eines gewaltsamen Todes starb.

      DIE PROPHEZEIUNG ÜBER DAS „ZEICHEN“

      8. Wie deutete Jesus an, daß er weggehen würde, und welche Worte würden bei seiner Rückkehr geäußert werden?

      8 Jesus hatte eben etwas vorausgesagt, was für jüdische Ohren furchtbar klang, nämlich die Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Dort hatte er zu seinen religiösen Gegnern gesagt: „Seht! Euer Haus wird euch verödet überlassen. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von nun an auf keinen Fall mehr sehen, bis ihr sagt: ,Gesegnet ist der, der im Namen Jehovas kommt!‘ “ (Matthäus 23:38, 39) Das deutete darauf hin, daß er weggehen würde. Bei seiner Rückkehr würde es Personen geben, die die prophetischen Worte aus Psalm 118:26 aufgreifen und sagen würden: „Gesegnet ist der, der im Namen Jehovas kommt!“

      9. Wie zeigte Jesus, daß er bei seiner Rückkehr nicht von Anbetern im Tempel in Jerusalem mit diesen Worten willkommen geheißen würde?

      9 Offenbar würden die Anbeter Jehovas den, der im Namen Jehovas käme, nicht in dem materiellen Tempel in Jerusalem mit diesen prophetischen Worten willkommen heißen. Das zeigte Jesus ganz deutlich, wie es aus dem Bericht über das, was folgte, nachdem er diese unheilkündenden Worte geäußert hatte, hervorgeht: „Als Jesus nun wegging und sich aus dem Tempel begab, traten jedoch seine Jünger herzu, um ihm die Bauten des Tempels zu zeigen. In Erwiderung sprach er zu ihnen: ,Seht ihr nicht alle diese Dinge? Wahrlich, ich sage euch: Keinesfalls wird hier ein Stein auf dem anderen gelassen, der nicht niedergerissen werden wird.‘ “ — Matthäus 24:1, 2.

      10. Welche Frage richteten vier Apostel an Jesus, als sie auf dem Ölberg waren und den Tempel überblickten, und wie wird ihre Frage in verschiedenen Übersetzungen wiedergegeben?

      10 Die zwölf Apostel wollten erst etwas Näheres über dieses vorausgesagte Unglück wissen, als sie auf dem Ölberg waren, der Jerusalem überragt und eine schöne Aussicht auf den Tempel gewährte, den König Herodes der Große hatte renovieren lassen. Die Aussicht hat offenbar vier der Apostel veranlaßt, eine bedeutsame Frage zu stellen, die auch das Interesse der anderen weckte, denn wir lesen: „Als er auf dem Ölberge saß, traten die Jünger allein zu ihm und sprachen: ,Sage uns: Wann werden diese Dinge sein, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart [griechisch: parousía] und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?‘ “ (Matthäus 24:3) Robert Young übersetzt in seiner Literal Translation of the Holy Bible (Buchstäbliche Übersetzung der Heiligen Schrift) die Worte der Apostel aus dem Griechischen wie folgt: „Sage uns, wann werden diese sein? Und was ist das Zeichen deiner Gegenwart und des vollen Endes des Zeitalters?“ Ähnlich gibt Joseph B. Rotherham diese Worte in seiner Emphasised Bible wieder: „Sage uns, wann diese Dinge sein werden — und was das Zeichen deiner Gegenwart und der Vollendung des Zeitalters.“ Erzbischof Newcomes Wiedergabe in The New Testament (revidierter Text) lautet: „Was wird das Zeichen des Eintritts deiner Anwesenheit und des Endes des Zeitalters sein?“ (Ausgabe vom Jahre 1808). Und nach L. Reinhardts Übersetzung (Das Neue Testament, „vom Standpunkte der Urgemeinde ganz neu aufgefaßt, wortgetreu übersetzt“) lautet dieser Text wie folgt: „Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Parusie und des Endes der Weltzeit?“

      11. (a) Wann wurde der Tempel in Jerusalem zerstört? Was trat damals aber nicht ein? (b) Was sollten wir daher natürlicherweise in bezug auf die Geschichte tun?

      11 Heute wissen wir, wann der buchstäbliche Tempel in Jerusalem zerstört wurde. Es geschah vor neunzehnhundert Jahren, im Sommer des Jahres 70 u. Z., als das römische Heer unter General Titus die ganze Stadt zerstörte. (Lukas 21:20-24) Aber wie verhält es sich mit den anderen Dingen — mit dem „Zeichen“ der Parusie (Gegenwart, Anwesenheit) Christi und des Abschlusses des Zeitalters oder des Systems der Dinge (oder des Zustandesa) —, auf die sich die Frage der Jünger ebenfalls bezog? Wohl fand ein Zustand unter den Juden oder ein jüdisches System der Dinge im Jahre 70 u. Z. sein völliges Ende oder seinen Abschluß, doch nicht das größere System der Dinge, von dem das jüdische System lediglich ein prophetisches Muster oder Vorbild war. Auch trat in jenem Jahr die Gegenwart des Herrn Jesus Christus oder seine Anwesenheit nicht ein. Da wir nun im zwanzigsten Jahrhundert u. Z. leben, wäre es das natürlichste, wenn wir die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts genauer prüften, um zu ermitteln, ob das vorausgesagte „Zeichen“ im Laufe unserer Generation sichtbar geworden ist.

      12. Warum sollten wir uns angesichts dessen, was Stephanus über das erste Kommen Christi sagte, fragen, ob sich die Apostel nach Jesu „Kommen“ oder „Advent“ erkundigten?

      12 Es gilt zu beachten, daß die Jünger den Herrn Jesus Christus nach seiner Parusie gefragt haben. Bedeutet das, daß sie ihn nach seinem „Kommen“ oder, wie einige es nennen, nach seinem „Advent“ gefragt haben? Diese Frage ist es wert, gestellt zu werden, weil Stephanus, ein Christ, der als Blutzeuge starb, zu dem Sanhedrin oder dem jüdischen Gerichtshof in Jerusalem sagte, als er vom ersten „Kommen“ des Herrn Jesus sprach: „Welchen von den Propheten haben eure Vorväter nicht verfolgt? Ja, sie töteten die, die über das Kommen [griechisch: éleusis] des Gerechten im voraus Ankündigung machten, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid.“ (Apostelgeschichte 7:52) Wir bemerken, daß Stephanus, als er vom ersten Kommen Christi sprach, nicht das griechische Wort parousía, sondern éleusis gebrauchte. Diese beiden griechischen Wörter sind nicht nur unterschiedlich in bezug auf Form und Herkunft, sondern sie haben auch eine unterschiedliche Bedeutung.

      13. Was bedeutet das Wort parousía buchstäblich, und wie wird es in griechischen Wörterbüchern erklärt?

      13 Das Wort parousía bedeutet buchstäblich „ein [Da]nebensein“, es ist eine Zusammensetzung der griechischen Präposition pará („neben“) und des Wortes ousía (ein „Sein“). In dem Werk A Greek-English Lexicon von Liddell und Scott (Band II, Seite 1343, 2. Spalte) wird das Wort parousía als erstes mit dem englischen Wort für „Gegenwart“ erklärt. Als zweite Bedeutung wird das englische Wort für Ankunft angegeben mit dem Hinweis: „Besonders für den Besuch eines Königs oder eines hohen Beamten.“ Auch in dem Theologischen Wörterbuch zum Neuen Testament von Gerhard Friedrich (Band V, Seite 857) heißt es zu Parusie unter der Überschrift „Die allgemeine Bedeutung“: „1. Vom Gegenwärtigsein“. Unter der Überschrift „Der technische Gebrauch der Vokabeln“ kann man lesen: „I. Im Hellenismus. 1 ... Besuch eines Herrschers.“ Auf Seite 863 wird unter der Überschrift „Der technische Gebrauch von παρειμι [pareimi (Verb)] und παρουσία [parousía] im Neuen Testament“ gesagt, daß „unsere Vokabeln im NT nie auf das Kommen Christi ins Fleisch angewandt werden und παρουσία [parousía] niemals die Bedeutung Wiederkunft annimmt. Die Zählung mehrerer Parusien gehört erst der späteren Kirche an.“

      14. (a) Welchen Ausdruck könnte man gemäß dem technischen Gebrauch dieses griechischen Wortes im Hellenismus anstatt des Wortes „Gegenwart“ verwenden? (b) Welche Übersetzungen geben das Wort parousía an allen Stellen mit „Gegenwart“ wieder, und welche Gegenüberstellung finden wir in Philipper 2:12?

      14 Die Jünger fragten Jesus somit nicht nach seiner „Ankunft“, sondern nach dem, was nach seiner Ankunft sein würde. Sie fragten nach seiner „Gegenwart“. Und wenn wir, anstatt das Wort „Gegenwart“ zu benutzen, den „technischen Gebrauch der Vokabeln“ im Hellenismus berücksichtigen, so hätten die Jünger Jesus gefragt: „Was wird das Zeichen ... [deines Besuchs als König] und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ Ein „Besuch“ schließt mehr ein als die „Ankunft“. Er schließt die „Gegenwart“ ein. Das griechische Wort parousía kommt im sogenannten Neuen Testament vierundzwanzigmal vor, und an allen diesen Stellen gibt die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift dieses Wort mit „Gegenwart“ wieder, aber es wird auch in anderen Übersetzungen so wiedergegeben, zum Beispiel in der Literal Translation of the Holy Bible von Robert Young (1862 u. Z.), in The Emphatic Diaglott von Benjamin Wilson (1857—1863 u. Z.) und in The Emphasised Bible von Joseph B. Rotherham (1897 u. Z.).b Es fällt uns auf, wie treffend „Gegenwart“ und „Abwesenheit“ in Philipper 2:12 einander gegenübergestellt werden, wo der Apostel Paulus sagt: „Wie ihr allezeit gehorcht habt, nicht nur während meiner Gegenwart [Anwesenheit, Rei], sondern jetzt noch viel bereitwilliger während meiner Abwesenheit.“

      DAS GLEICHNIS VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN

      15. Wie muß das Wort parousía bei einigen Einzelheiten der Prophezeiung Jesu über das „Zeichen“ wiedergegeben werden? In welchem Gleichnis zum Beispiel?

      15 Bei einigen Einzelheiten der Prophezeiung Jesu über das „Zeichen“ der Parusie und des Abschlusses des Systems der Dinge wird das Wort parousía im Sinne von „Gegenwart“ gebraucht. Wir möchten uns jetzt einmal mit dem Teil der Prophezeiung befassen, der allgemein als das „Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen“ bezeichnet wird. Jesus hatte eben eine Prophezeiung über den „treuen und verständigen Sklaven“ und den „übelgesinnten Sklaven“ geäußert, und nun prophezeite er eine weitere Einzelheit in Verbindung mit seiner Parusie. Er sagte: „Dann wird das Königreich der Himmel zehn Jungfrauen gleich werden, die ihre Lampen nahmen und auszogen, dem Bräutigam entgegen. Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren verständig. Denn die törichten nahmen wohl ihre Lampen, nahmen aber kein Öl mit sich, die verständigen dagegen nahmen samt ihren Lampen Öl in ihren Behältern mit.“ — Matthäus 25:1-4; 24:45-51.

      16. In welchem Sinne sind gemäß der Einleitung des Gleichnisses die erwähnten Frauen „jungfräulich“?

      16 Als erstes sollten wir beachten, daß in diesem Gleichnis eine ganze Klasse von Menschen versinnbildet wird und daß es daher nicht auf das Leben und den Tod des einzelnen Christen anzuwenden ist. Bei den Menschen, um die es hier geht, handelt es sich um Personen, die in einem besonderen Sinne „jungfräulich“ sind, nämlich, indem sie das „Königreich der Himmel“ vertreten, denn Jesus sagte: „Dann wird das Königreich der Himmel [wem gleich werden?] zehn Jungfrauen gleich werden.“ Hier spricht Jesus von dem gleichen „Königreich“, das er schon etwas früher in seiner Prophezeiung erwähnte, als er sagte: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen.“ — Matthäus 24:14.

      17. (a) Wen stellen die „Jungfrauen“ dar, da es ihrer zehn sind? (b) Wann begann sich dieses prophetische Gleichnis zu erfüllen und warum damals?

      17 Die Zahl „Zehn“ versinnbildet in der Bibel Vollkommenheit in bezug auf irdische Dinge, daher würden die „Jungfrauen“, da es ihrer zehn sind, alle Christen darstellen, die Aussicht haben oder die glauben, Aussicht zu haben, mit Jesus Christus das himmlische Königreich zu ererben. Wann begann sich also dieses prophetische Gleichnis zu erfüllen? Vom Pfingstfest des Jahres 33 u. Z. an, das in jenem Jahr auf den 6. Siwan, einen Sonntag, fiel. Wieso? Weil die „Jungfrauen“klasse damals ins Dasein kam. Das geschah, weil die treuen Jünger Jesu Christi, die sich in einem Obersaal in Jerusalem versammelt hatten, an jenem Tag mit dem heiligen Geist getauft wurden. Dadurch wurden sie von Gott zu seinen geistigen Söhnen gezeugt, wodurch sie „Erben Gottes“ und „Miterben mit Christus“ wurden. (Römer 8:17) Aber nach der Bibel erbten gewöhnlich die Söhne; wieso kommt es, daß in dem Gleichnis alle Glieder der geistgezeugten Versammlung der Jünger Christi als Angehörige des weiblichen Geschlechts, als Jungfrauen, dargestellt werden, die in der Hochzeitsnacht ausziehen, dem Bräutigam entgegen? Und wer ist dieser „Bräutigam“?

      18. Mit wem verglich Johannes der Täufer sich selbst und Jesus der damaligen Heiratssitte entsprechend, und wem führte Johannes seine Jünger zu?

      18 Als erstes sei erwähnt, daß dieser „Bräutigam“ der auferstandene und verherrlichte Herr Jesus Christus ist. Als das betrachtete ihn Johannes der Täufer; deshalb verglich er sich mit dem „Freund des Bräutigams“. In jener Zeit war es Sitte, daß der „Freund des Bräutigams“ für den Bräutigam um die Braut warb. In der Hochzeitsnacht stand jedoch der Bräutigam mehr im Vordergrund als der Freund des Bräutigams. Deshalb sagte Johannes der Täufer zu seinen Jüngern, die er für das Leben mit Jesus Christus, ihrem bildlichen „Bräutigam“, vorbereitete: „Ich bin nicht der Christus, sondern ich bin diesem vorausgesandt worden. Der die Braut hat, ist der Bräutigam. Wenn aber der Freund des Bräutigams dasteht und ihn hört, ist er hoch erfreut über die Stimme des Bräutigams. Daher ist diese meine Freude voll geworden. Jener muß fortan zunehmen, ich aber muß fortan abnehmen.“ (Johannes 3:28-30) Mit Recht führte Johannes seine Jünger daher Jesus zu.

      19, 20. (a) Wie verglich sich Jesus in einem Gleichnis und in der Offenbarung selbst mit einem Bräutigam? (b) Wie wird deshalb das Neue Jerusalem bezeichnet?

      19 In einem anderen Gleichnis verglich sich Jesus selbst mit einem Bräutigam, und zwar in dem Gleichnis vom „Hochzeitsfest“, das ein König für seinen Sohn veranstaltete. Mit diesem Sohn ist der Sohn des großen Königs der Ewigkeit, Jehovas Gottes, gemeint. (Matthäus 22:1-14) Und in der Offenbarung, die Jesus Christus von Gott erhielt und an den Apostel Johannes weitergab, wird Jesus als das Lamm Gottes wie folgt mit einem Bräutigam verglichen, der sich mit der Versammlung seiner Jünger vermählt: „Freuen wir uns und frohlocken wir, und verherrlichen wir ihn, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und sein Weib hat sich bereitgemacht. Ja, es ist ihr gewährt worden, in hellglänzende, reine, feine Leinwand gehüllt zu werden, denn die feine Leinwand stellt die gerechten Taten der Heiligen dar. ... Schreibe: Glücklich sind diejenigen, die zum Abendessen der Hochzeit des Lammes eingeladen sind.“ Der Apostel Johannes schreibt auch noch von einem Engel, der zu ihm kam:

      20 „Er redete mit mir und sprach: ,Komm hierher, ich will dir die Braut, das Weib des Lammes, zeigen.‘ Und er trug mich in der Kraft des Geistes weg zu einem großen und hohen Berg, und er zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herniederkam und die Herrlichkeit Gottes hatte.“ — Offenbarung 19:7-9; 21:9-11.

      21. Womit vergleicht Paulus gemäß Epheser 5:23-27 das Verhältnis zwischen Jesus Christus und seiner Versammlung?

      21 Der Apostel Paulus vergleicht das Verhältnis Jesu Christi zu seiner Versammlung der 144 000 Miterben mit dem Verhältnis eines Ehemannes zu seiner Frau. Er schreibt: „Ein Ehemann ist das Haupt seiner Frau, wie der Christus auch das Haupt der Versammlung ist, er, der Retter dieses Leibes. In der Tat, so, wie die Versammlung dem Christus untertan ist, so seien es auch die Ehefrauen ihren Männern in allem. Ihr Ehemänner, fahrt fort, eure Frauen zu lieben, so, wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich für sie dahingegeben hat, damit er sie heilige, indem er sie mit dem Wasserbad durch das Wort reinige, so daß er die Versammlung sich selbst in ihrer Pracht darstelle, ohne daß sie einen Flecken oder eine Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern daß sie heilig und ohne Makel sei.“ — Epheser 5:23-27.

      22. Wo findet die Vermählung statt, und warum wird in Jesu Gleichnis die Braut des Bräutigams nicht erwähnt?

      22 Die Vermählung des Bräutigams Jesus Christus mit seiner „Braut“, der Versammlung, findet natürlich im Himmel statt, wo sie mit dem Segen Jehovas, des himmlischen Vaters, zusammengegeben werden. Es gilt jedoch zu beachten, daß in dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen die Braut nicht erwähnt wird. Das wird deshalb nicht getan, damit das Gleichnis nicht mißverstanden wird. Es wird deshalb nicht getan, weil die „Braut“ aus den „zehn Jungfrauen“ genommen oder ausgewählt wird. Die ausgewählten „Jungfrauen“ sind die „Glücklichen“, die „zum Abendessen der Hochzeit des Lammes eingeladen“ sind. (Offenbarung 19:9) Damit in Übereinstimmung wird in dem Gleichnis Jesu gezeigt, daß die „Jungfrauen“, die die Bedingungen erfüllen, durch die Tür in den Hochzeitssaal eingehen. In dem Gleichnis wird auch veranschaulicht, wodurch sie den Bedingungen entsprechen.

      23. Wie müssen sich die Glieder der Versammlung Christi verhalten, da sie mit „Jungfrauen“ verglichen werden?

      23 Die Glieder der Braut Christi, der Versammlung, werden nicht nur, weil sie mit einem keuschen Bräutigam verlobt sind, mit „Jungfrauen“ verglichen. Sie sind in geistiger Hinsicht noch in einem weiteren Sinne „Jungfrauen“. So, wie eine Jungfrau rein, keusch und unberührt ist, so müssen diese treuen Glieder der Christenversammlung unschuldig und rein sein, indem sie sich von dieser Welt absondern und mit keiner ihrer religiösen und politischen Organisationen irgendwie in Verbindung stehen. Sie beteiligen sich an keinem Bündnis zwischen Kirche und Staat. Sie bewahren ihre geistige Jungfräulichkeit, indem sie sich nicht in die Geschäfte dieser Welt verwickeln. (2. Timotheus 2:3, 4) Das ist der Sinn folgender Worte, die sich auf die 144 000 beziehen, die mit dem Lamm Gottes auf dem geistigen Berge Zion stehen: „Diese sind es, die sich nicht mit Weibern [wie mit Babylon der Großen, der religiösen Hure, und ihren Töchtern] befleckt haben; in der Tat, sie sind jungfräulich. Diese sind es, die dem Lamme beständig folgen, ungeachtet, wohin er geht.“ — Offenbarung 14:4; 17:3-5.

      24. Was wird in Jakobus 1:26, 27 über die Reinheit gesagt, die von denen gefordert wird, die mit Jungfrauen verglichen werden?

      24 Über die geforderte Reinheit schreibt der Jünger Jakobus: „Wenn es jemand dünkt, er beachte die äußere Form der Anbetung, und er zügelt doch seine Zunge nicht, sondern fährt fort, sein Herz zu betrügen, dessen Form der Anbetung ist nichtig. Die Form der Anbetung, die vom Standpunkt unseres Gottes und Vaters aus rein und unbefleckt ist, ist diese: nach Waisen und Witwen in ihrer Drangsal zu sehen und sich selbst von der Welt ohne Flecken zu bewahren.“ — Jakobus 1:26, 27.

      SIE ZOGEN AUS, DEM „BRÄUTIGAM“ ENTGEGEN

      25. Wie entstand zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z. die Versammlung Christi mit ihrer Religion, die von Gottes Standpunkt aus rein und unbefleckt war, und welchen Beweis hatte sie dafür?

      25 Am Tag des Pfingstfestes des Jahres 33 u. Z., als die treuen Jünger Jesu Christi, die in Jerusalem gewartet hatten, mit heiligem Geist getauft wurden, entstand die Christenversammlung mit ihrer „Form der Anbetung, die vom Standpunkt unseres Gottes und Vaters aus rein und unbefleckt ist“. Sie waren eine Klasse die in geistiger Hinsicht jungfräulich war, von der religiösen Organisation getrennt, die Jesus Christus verworfen hatte und dafür verantwortlich war, daß der römische Statthalter Pontius Pilatus ihn am Pfahl hatte hinrichten lassen. (Apostelgeschichte 2:1-42) Sie stützten sich von Anfang an auf die Lehren Jesu, des Messias, und auf die Lehren seiner zwölf Apostel und hielten sich von jener „verkehrten Generation“ fern, die unbiblischen religiösen Überlieferungen zugetan war, die sie von ihren irregeführten Vorvätern ererbt hatte. (Apostelgeschichte 2:40; Galater 1:13-17; Matthäus 15:1-9) Die Taufe mit dem heiligen Geist zusammen mit der Gabe, in fremden Sprachen zu reden, war ein Beweis dafür, daß sie die wahre Religion hatten, und das wußten sie auch. Nun mußten sie in „Jungfräulichkeit“ darin verharren.

      26, 27. (a) Mit wem wurde die Christenversammlung zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z. in geistigem Sinne verlobt? (b) Was sagte Paulus gemäß 2. Korinther 11:2-5 zu Christen, als wäre er ein „Freund des Bräutigams“?

      26 An jenem Tag (6. Siwan 33 u. Z.) wurde die Christenversammlung mit Jesus Christus, dem himmlischen Bräutigam, verlobt; sie wurde ihm zur Ehe versprochen. Alle, die danach zu jener ursprünglichen Versammlung in Jerusalem, bestehend aus 120 Jüngern, hinzukamen, wurden Glieder dieser Brautklasse und waren verpflichtet, „jungfräulich“ zu bleiben. Auf diese Tatsache bezog sich der Apostel Paulus, als er die Christen in Korinth davor warnte, ihre Verlobung mit Jesus Christus zu lösen und sich mit einem falschen Christus zu vermählen. Paulus sagte, als wäre er sozusagen ein „Freund des Bräutigams“:

      27 „Mit gottgemäßem Eifer bin ich euretwegen eifersüchtig; denn ich persönlich habe euch e i n e m Mann zur Ehe versprochen, um euch als eine keusche Jungfrau dem Christus darzustellen. Ich fürchte aber, daß etwa so, wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, euer Sinn verdorben werde, hinweg von der Aufrichtigkeit und der keuschen Reinheit, die dem Christus gebühren. Denn so, wie es ist: Wenn jemand kommt und einen anderen Jesus predigt als den, den wir gepredigt haben, oder wenn ihr einen anderen Geist empfangt als den, den ihr empfangen habt, oder eine andere gute Botschaft, als die ihr angenommen habt, so fällt es euch leicht, ihn zu ertragen. Denn ich halte dafür, daß ich mich in keiner einzigen Sache als geringer erwiesen habe als eure superfeinen Apostel.“ — 2. Korinther 11:2-5.

      28. Wie erfuhren die Jünger von Jesus selbst und von zwei Engeln, daß er wie ein jüdischer Bräutigam kommen und sie heimführen würde?

      28 Die Hochzeit mit dem keuschen Bräutigam im Himmel sollte zu einer unbestimmten Zeit in der Zukunft stattfinden, eine gewisse Zeit nach der Verlobung zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z. Zweiundfünfzig Tage vorher sagte Jesus in der Nacht, in der er von dem untreuen Apostel Judas Iskariot verraten wurde, zu seinen treuen Aposteln: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es anders wäre, hätte ich es euch gesagt, denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und will euch heimnehmen zu mir, damit dort, wo ich bin, auch ihr seid. Und wohin ich gehe, dahin kennt ihr den Weg.“ (Johannes 14:2-4) Zweiundvierzig Tage danach, als er vom Ölberg aus vor den Augen einiger seiner Jünger zum Himmel auffuhr, erschienen diesen Jüngern zwei Engel, die sagten: „Männer von Galiläa, warum steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, in derselben Weise, wie ihr ihn in den Himmel habt gehen sehen.“ (Apostelgeschichte 1:9-11) Die Jünger wußten also, daß Jesus, der von ihnen weggegangen war, wie ein jüdischer Bräutigam in der Hochzeitsnacht kommen und sie in das Haus seines himmlischen Vaters holen würde, so, wie Jesus es ihnen verheißen hatte. — Johannes 14:1-3.

      29. (a) Wann begann die Klasse der „Jungfrauen“ auszuziehen, dem Bräutigam entgegen? (b) Welche Frage erhob sich nun, und was wird dadurch angedeutet, daß beide Gruppen der Jungfrauen gleich groß waren?

      29 In der Hoffnung auf die Hochzeit zog die Klasse der verlobten Jungfrauen aus, dem Bräutigam entgegen, um ihn zu begrüßen und sich mit ihm zu freuen. Sie mußten wachsam bleiben denn sie kannten „weder den Tag noch die Stunde“. (Matthäus 25:13) Wie viele von den „Jungfrauen“, die zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z. auszogen, und von den Tausenden, die sich ihnen später anschlossen, würden den im Gleichnis erwähnten „verständigen“ Jungfrauen gleichen und wie viele den „törichten“ oder unverständigen? In dem Gleichnis ist die Zahl der verständigen Jungfrauen gleich groß wie die Zahl der törichten. Das sollte andeuten, daß alle, die wirklich ausziehen, die gleiche Gelegenheit haben würden; es sollte nicht der Gedanke aufkommen, daß die eine Gruppe größer wäre als die andere; das Gleichnis läßt dies offen. Es sagt aber voraus, daß nicht alle „Jungfrauen“, die ausziehen, sich als würdig erweisen würden, hineingelassen zu werden und am „Abendessen der Hochzeit des Lammes“ teilzunehmen. — Lukas 12:35-38.

      30. (a) Wodurch unterschieden sich die verständigen Jungfrauen von den törichten? (b) Zogen alle mit brennenden Lampen aus, und welche wichtige Frage erhob sich in diesem Zusammenhang?

      30 Wodurch unterschieden sich denn die verständigen oder klugen Jungfrauen von den törichten oder unklugen? „Die törichten nahmen wohl ihre Lampen, nahmen aber kein Öl mit sich, die verständigen dagegen nahmen samt ihren Lampen Öl in ihren Behältern mit.“ (Matthäus 25:3, 4) Dabei wußten sie alle, daß ihre Lampen brennen mußten, solange der Festzug zur Begrüßung des Bräutigams dauerte, weil das anzeigen würde oder weil es ein Beweis dafür wäre, daß sie würdig wären, am Hochzeitsfest teilzunehmen. Deshalb war es nötig, genügend Öl bei sich zu haben, damit es reichen würde, bis der Brautzug die Wohnung des Bräutigams erreichte. Was wurde im Gleichnis durch das Öl veranschaulicht? Die Jungfrauen zogen aus, dem Bräutigam entgegen, ehe sein Kommen angekündigt wurde; und als sie auszogen, brannten ihre Lampen. Somit war mindestens zu diesem Zeitpunkt Öl in ihren Lampen. Aber reichte das Öl, um die Flamme brennend zu erhalten, bis der Hochzeitszug die Wohnung des Bräutigams betreten würde?

      31, 32. (a) Was sollte durch das Gleichnis in bezug auf die sinnbildlichen „Jungfrauen“ gezeigt werden? (b) Was müssen sie gemäß den Worten des Apostels Paulus in Philipper 3:20, 21 erwarten?

      31 Das Öl war ein Leuchtmaterial. Ohne dieses Material hätte der Docht in der Lampe kein gleichmäßiges, ununterbrochenes Licht gegeben. Was wird dadurch versinnbildet, daß sie eine brennende Lampe zum Hochzeitsfest trugen? Bei der Beantwortung dieser Frage müssen wir im Sinn behalten, warum Jesus dieses Gleichnis darlegte. Er wollte damit zeigen, daß alle, die den Wunsch haben, an der Hochzeit im Himmel teilzunehmen, sich in bestimmter Weise kenntlich machen müßten, durch eine bestimmte Persönlichkeit, und daß sie sie bis ans Ende beibehalten müßten, ganz gleich, zu welcher Zeit der Brautzug begänne und wie lange es dauerte, bis er schließlich die Wohnung des Bräutigams, die er für seine „Braut“ bereitet hatte, erreichen würde. Vor allem sollte die Klasse, die das „Königreich der Himmel bildet, während sie sich in der finsteren Welt befindet, in geistiger Beziehung „jungfräulich“ bleiben. Die Glieder dieser Klasse halten ihre Hoffnung auf den himmlischen Bräutigam gerichtet, deswegen dürfen sie sich nicht mit der unreinen Welt beflecken. Sie müssen „dem Lamme beständig folgen, ungeachtet, wohin er geht“. (Offenbarung 14:4) Sie müssen die gleiche Denkweise haben wie der Apostel Paulus, der sagte:

      32 „Unser Bürgertum besteht in den Himmeln, von woher wir auch sehnlich einen Retter erwarten, den Herrn Jesus Christus, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, damit er seinem Leibe der Herrlichkeit gleichförmig werde, gemäß der Wirksamkeit der Kraft, mit der er sich auch alle Dinge zu unterwerfen vermag.“ — Philipper 3:20, 21.

      33. (a) Wie lange müssen sie diese geistige Jungfräulichkeit bewahren, wenn sie sich als würdig erweisen wollen, als was anerkannt zu werden? (b) Wie sollte es sich nach den Worten Jesu zeigen, daß sie würdig wären, anerkannt zu werden?

      33 Sie bewahren ihre geistige Jungfräulichkeit, weil sie sehnlich wünschen und entschlossen sind, sich als würdig zu erweisen, vom himmlischen Bräutigam als seine „Braut“ anerkannt zu werden. Das muß sich in ihrem Leben, das sie inmitten der von Finsternis bedeckten Menschenwelt führen, zeigen. Jesus Christus, der Bräutigam, sagte in seiner Bergpredigt, die er im Jahre 31 u. Z. hielt, zu seinen Jüngern: „Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt kann nicht verborgen sein, wenn sie auf einem Berge liegt. Man zündet eine Lampe an und stellt sie nicht unter das Maßgefäß, sondern auf den Leuchter, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. Ebenso laßt euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure vortrefflichen Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“ — Matthäus 5:14-16.

      34. Wie sollten gemäß den Worten des Paulus in Philipper 2:14-16 die Christen leuchten?

      34 Auch der Apostel Paulus schrieb an einige seiner Mitchristen: „Tut weiterhin alles ohne Murren und Widerreden, so daß ihr euch als untadelig und unschuldig erweist, Kinder Gottes ohne Makel inmitten einer verkehrten und verdrehten Generation, unter der ihr wie Lichtspender in der Welt leuchtet, indem ihr euch mit festem Griff an das Wort des Lebens klammert, damit ich am Tage Christi Ursache zum Frohlocken habe, daß ich nicht vergeblich gelaufen bin oder vergeblich hart gearbeitet habe.“ — Philipper 2:14-16.

      35. Was wird also dadurch veranschaulicht, daß die Jungfrauen ihre brennenden Lampen hochhalten, und in welcher Erwartung handeln sie so?

      35 Damit die Klasse, die das „Königreich der Himmel“ bildet, wie „das Licht der Welt“ leuchten kann, muß sie „vortreffliche Werke“ tun, durch die der himmlische Vater verherrlicht wird; die einzelnen müssen alles ohne Murren und Widerrede tun und sich — soweit es ihr christliches Leben betrifft — untadelig und unschuldig bewahren, sie müssen sich als Kinder Gottes, die ohne Makel sind, erweisen. Sie müssen so handeln in der Erwartung, daß der Bräutigam kommt und sie in das Haus seines himmlischen Vaters holt. Ein solches Verhalten wird in dem Gleichnis dadurch veranschaulicht, daß die Jungfrauen ihre brennenden Lampen hochhalten. Das wird den Bräutigam erfreuen, wenn er es inmitten der nächtlichen Dunkelheit, in der die Welt liegt, sieht.

      DAS SYMBOLISCHE ÖL UND DIE BEHÄLTER

      36. Was stellt das „Öl“ als Leuchtmaterial dar?

      36 Was stellt somit das Leuchtmaterial, das Öl, dar? Es versinnbildet das, was es der Klasse, die das „Königreich der Himmel“ bildet, ermöglicht, als Lichtspender in einer finsteren Welt zu leuchten. Dementsprechend würde es das „Wort des Lebens“ darstellen, an das sie sich mit „festem Griff“ klammern muß; denn es steht geschrieben: „Dein Wort ist eine Leuchte meinem Fuß und ein Licht für meinen Pfad.“ (Psalm 119:105) „Ja, die Enthüllung deiner Worte gibt Licht, läßt die Unerfahrenen Verständnis haben.“ (Psalm 119:130) Das „Öl“ würde auch den heiligen Geist Gottes darstellen, denn diese heilige unsichtbare wirksame Kraft Gottes hilft einem, das Wort Gottes zu verstehen (Johannes 16:13) Der heilige Geist offenbart sich in einem Christen auch durch entsprechende Früchte, durch die Früchte des Geistes wie Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Glauben, Milde, Selbstbeherrschung. (Galater 5:22, 23) Dieses geistige „Öl“ besitzt Leuchtkraft.

      37. Was wird dadurch dargestellt, daß die Jungfrauen in ihren „Behältern“ einen Ölvorrat hatten, und warum?

      37 In dem Gleichnis mußten die „Jungfrauen“ in einem Behälter einen Ölvorrat bei sich haben, damit sie aus dem Behälter Öl in die Lampe gießen konnten, die sie trugen. Sie konnten nicht sich selbst zu einem „Behälter“ machen, indem sie das Öl getrunken und dann je nach Bedarf etwas davon ausgestoßen und in die Lampe gefüllt hätten, um sie brennend zu erhalten. Daß die Jungfrauen einen mit Öl gefüllten „Behälter“ bei sich hatten, bedeutete jedoch, daß sie im Besitz eines Ölvorrats waren, doch diente ihnen als Behälter natürlich nicht ihr eigener Leib. Die Glieder der Klasse, die das „Königreich der Himmel“ bildet, sind im Besitz eines Vorrats des Wortes Gottes und des heiligen Geistes, ja sie haben diesen Vorrat in sich. Die im Gleichnis erwähnten „Behälter“ stellen somit passenderweise die Glieder der „Jungfrauen“klasse dar, die selbst im Besitz des symbolischen „Öls“ sind. Sie benötigen gewiß einen großen Vorrat an diesem „Öl“, wenn sie ausziehen, dem Bräutigam entgegen, und sich seinem Festzug anschließen.

      38. Was versinnbildlichen die Lampen der Jungfrauen, und inwiefern leuchten diese?

      38 In dem Gleichnis benötigten die zehn Jungfrauen ihre Öllampen, um das, was sich in der Nacht abspielte, zu beleuchten. Was stellen diese Lampen in der heutigen Erfüllung des prophetischen Gleichnisses dar? Dasselbe wie die Öl„behälter“, denn in den antiken Lampen war das gleiche Brennöl wie in den Vorrats„behältern“. Die Lampen veranschaulichen die Glieder der Klasse, die das „Königreich der Himmel“ bildet. Doch das bedeutet nicht, daß die Glieder dieser Klasse eine große Menge Öl einnehmen, daß sie sich mit Öl übergießen und sich dann anzünden, um den Weg, auf dem der Festzug vorbeikommt, als „lebende Fackeln“ zu säumen, Märtyrern gleich, die sich zu Ehren des Bräutigams selbst opfern würden. Nein, sondern sie sind erfüllt von dem erleuchtenden Worte Gottes und von Gottes heiligem Geist, deshalb leuchten sie in geistigem Sinne zu Ehren des ruhmreichen himmlischen Bräutigams. Sie selbst sind zufolge ihrer christlichen Eigenschaften „Lichtspender in der Welt“. Durch das Leben, das sie unter dem Einfluß des Wortes und Geistes Gottes führen, leuchten sie zur Verherrlichung Gottes.

      39. (a) Warum wußten die „Jungfrauen“ nicht, wie lange sie auf den Bräutigam warten müßten? (b) Was hielten die verständigen Jungfrauen daher für ratsam?

      39 Da es nicht feststand, zu welcher Stunde der Nacht der Bräutigam das Haus verlassen würde, wo ihm seine Braut gegeben wurde und von dem er sich anschließend in einem Festzug zurück in sein eigenes Haus begeben würde, um dort in ehelicher Gemeinschaft mit seiner Braut zu leben, wußten die Jungfrauen in dem Gleichnis nicht genau, wie lange sie auf das Erscheinen des Bräutigams warten müßten. Sie wußten also nicht, wie lange ihre Lampen brennen sollten. Daher war es ratsam, sowohl die Lampen mit Öl zu füllen als auch zusätzliches Öl in einem Behälter mitzunehmen. Die „verständigen“ oder klugen Jungfrauen erkannten das und nahmen samt ihren brennenden Lampen „Öl in ihren Behältern mit“. Die „törichten“ oder unverständigen, unklugen Jungfrauen taten das nicht, und wie töricht das war, zeigte sich dann später.

      40. (a) Wie nehmen in der Erfüllung des prophetischen Gleichnisses diejenigen, die zur Klasse der „verständigen“ Jungfrauen gehören, Öl in ihren Behältern mit? (b) Wieso hilft ihnen das zu beweisen, daß sie an dem Eheversprechen, das sie ihrem Bräutigam gegeben haben, treu festhalten?

      40 In der Erfüllung des prophetischen Gleichnisses nehmen die Personen, die durch die fünf „verständigen“ Jungfrauen dargestellt werden, sozusagen zusätzliches Öl in ihren Behältern mit, indem sie sich intensiv mit dem Worte Gottes befassen, indem sie Sinn und Herz damit füllen; das geschieht durch persönliches Studium, durch den Besuch christlicher Zusammenkünfte, wo das Wort Gottes gelehrt und besprochen wird, und indem sie mit anderen über das Wort Gottes sprechen und es dabei benutzen. Sie bitten um Gottes Geist und sind bestrebt, „fortwährend mit Geist erfüllt“ zu sein. (Epheser 5:18) Sollte in Zukunft eine Notlage eintreten, so wären sie imstande, da sie mit dem geistigen „Öl“ erfüllt sind, die zum Ausharren erforderliche Kraft stets zu erneuern und weiterhin als „Licht der Welt“ zu leuchten, zum Beweis dafür, daß sie an dem Eheversprechen, das sie ihrem himmlischen Bräutigam gegeben haben, treu festhalten.

      „WÄHREND DER BRÄUTIGAM NOCH AUSBLIEB“

      41. (a) Wann wurden die ersten Heiden Glieder der als „keusche Jungfrau“ bezeichneten Klasse, die auszog, dem Bräutigam entgegen? (b) Ist das, was im Jahre 70 u. Z. den Juden widerfuhr, ein Zeichen dafür, daß die „Jungfrauen“ damals mit dem Bräutigam zusammentrafen?

      41 Im Herbst des Jahres 36 u. Z. erhielten die Heiden oder unbeschnittenen Nichtjuden Gelegenheit, sich zum Christentum zu bekehren, zu der „Form der Anbetung“, die vom Standpunkt Gottes aus „rein und unbefleckt ist“. Die Heiden, die gläubig wurden, empfingen den heiligen Geist Gottes und die Gaben dieses Geistes wie die jüdischen Gläubigen zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z. (Apostelgeschichte 10:1 bis 11:18; 15:7-19) So wurden auch sie Glieder der als „keusche Jungfrau“ bezeichneten Klasse, die Christus „zur Ehe versprochen“ ist. (2. Korinther 11:2) Von da an waren auch sie an der Verwirklichung des Gleichnisses von den „zehn Jungfrauen“ beteiligt und nahmen, wie es im Gleichnis heißt, ‘ihre Lampen und zogen aus, dem Bräutigam entgegen’. Im Jahre 70 u. Z. zerstörte das römische Heer die Stadt Jerusalem und ihren prachtvollen Tempel, aber obwohl diese entsetzliche Zerstörung den Vollzug des Urteils, das Gott über die ungläubigen, christusfeindlichen Juden gefällt hatte, darstellte, traf die als „keusche Jungfrau“ bezeichnete Klasse nicht mit dem himmlischen Bräutigam zusammen, dem sie entgegengezogen war, um ihn willkommen zu heißen. — Lukas 21:20-24; Matthäus 24:15-22; Markus 13:14-20.

      42, 43. (a) Was wurde gegen Ende des ersten Jahrhunderts durch die Offenbarung enthüllt, wodurch die als „keusche Jungfrau“ bezeichnete Klasse ermuntert und in ihrer Hoffnung gestärkt worden sein muß? Doch mit welchen Worten schloß jene Offenbarung? (b) Wessen Anwesenheit erwähnte Johannes bereits in seinem ersten Brief, den er danach schrieb?

      42 Etliche Jahre waren ins Land gegangen, als der Apostel Johannes — gegen Ende des ersten Jahrhunderts oder um das Jahr 96 u. Z. — die außergewöhnliche Offenbarung erhielt, in der einiges über den himmlischen Bräutigam, Jesus Christus, und seine „Braut“, dargestellt durch das Neue Jerusalem, enthüllt wurde. (Offenbarung 21:1 bis 22:17) Das muß für die als „keusche Jungfrau“ bezeichnete Klasse, die immer noch hoffte, dem zurückkehrenden Bräutigam zu begegnen, unsäglich ermunternd gewesen sein. Doch der himmlische Bräutigam schloß jene Offenbarung mit den Worten: „Es spricht der, der von diesen Dingen Zeugnis ablegt: ,Ja, ich komme eilends.‘ “ Darauf antwortete der betagte Apostel Johannes: „Amen! Komm, Herr Jesus“, und abschließend fügte Johannes hinzu: „Die unverdiente Güte des Herrn Jesus Christus sei mit den Heiligen.“ (Offenbarung 22:20, 21) Wahrscheinlich zwei Jahre danach, um das Jahr 98 u. Z., schrieb der Apostel Johannes den ersten seiner drei Briefe, und darin führte er aus:

      43 „Kinder, es ist die letzte Stunde, und so, wie ihr gehört habt, daß der Antichrist kommt, so sind nun auch viele zu Antichristen geworden; aus dieser Tatsache erkennen wir, daß es die letzte Stunde ist.“ „Wir wissen, daß jeder, der aus Gott geboren worden ist, nicht Sünde treibt, sondern der aus Gott Geborene wacht über ihm, und der Böse bemächtigt sich seiner nicht. Wir wissen, daß wir von Gott stammen, aber die ganze Welt liegt in der Macht dessen, der böse ist.“ — 1. Johannes 2:18; 5:18, 19.

      44. (a) Wem öffnete sich danach durch den Tod des Johannes die Tür? (b) Wie stark müssen die Lampen der durch die „zehn Jungfrauen“ dargestellten Klasse damals noch gebrannt haben, und hatte sie noch die Hoffnung, mit dem Bräutigam zusammenzutreffen?

      44 Kurz nachdem der betagte Apostel seine drei Briefe und die Lebensgeschichte Jesu, bekannt als Johannesevangelium, geschrieben hatte, muß er, zweifellos der letzte der „zwölf Apostel des Lammes“, gestorben sein. Der Tod des Johannes muß daher bewirkt haben, daß sich die Tür allmählich öffnete und der Antichrist, vor dem Johannes gewarnt hatte, hereinkam, nicht Christus, der Bräutigam. (2. Thessalonicher 2:7, 8) Zu jener Zeit war das „Licht der Welt“ beinahe erloschen. Die symbolischen „Lampen“ der durch die „zehn Jungfrauen“ dargestellten Klasse brannten nur noch ganz schwach. Die Zahl der treuen „Jungfrauen“ muß ganz gering gewesen sein. Die Personen, die vorgaben, Christen zu sein, müssen kein Verlangen mehr nach der Rückkehr des Herrn Jesus gehabt haben, sondern ihre Aufmerksamkeit anderen Interessen, weltlichen, materiellen Interessen, zugewandt haben. Eine lange Zeit war vergangen, und er war noch nicht zurückgekehrt.

      45. Wie erfüllten sich besonders zur Zeit Konstantins die Worte: „Während der Bräutigam noch ausblieb, nickten sie alle ein und begannen zu schlafen.“?

      45 Das war in dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen wie folgt vorausgesagt worden: „Während der Bräutigam noch ausblieb, nickten sie alle ein und begannen zu schlafen.“ (Matthäus 25:5) So wurden die Glieder der religiösen Gruppe, die vorgab, die Christenversammlung zu sein, es müde, auf das Kommen des Bräutigams zu warten. Ja, nachdem Konstantin der Große sich „bekehrt“ und das damalige sogenannte Christentum zur Staatsreligion des Römischen Reiches erhoben hatte, sah man keine Notwendigkeit mehr für die Rückkehr Christi. Jetzt, da das Christentum Staatsreligion war, verbanden sich viele Bischöfe der Kirche mit dem römischen Staat und begannen geistliche Gewalt auszuüben. Die wahren Apostel Jesu Christi schliefen zu jener Zeit im Tode; doch diese angeblich christlichen Bischöfe begannen nun, sowohl in bezug auf ihre Christenpflichten zu schlafen als auch in bezug auf die Notwendigkeit, dafür zu sorgen, daß die Christenversammlung rein blieb, frei von den Philosophien und Überlieferungen der Menschen, ja daß sie sich von der Welt absolut rein und fleckenlos erhielt und eine Anbetung pflegte, die vom Standpunkt Gottes aus rein und unbefleckt war.

      46. (a) Inwiefern entspricht der Schlaf der Klasse, die durch die „zehn Jungfrauen“ dargestellt wurde, dem, was Jesus in dem Gleichnis vom Weizen und Unkraut vorhersagte? (b) Wie lange sollte dieser geistige Schlaf andauern, und zu welcher Zeit sollten die durch die letzten Einzelheiten dieses Gleichnisses veranschaulichten Ereignisse eintreten?

      46 Diese Situation auf religiösem Gebiet scheint der Situation zu entsprechen, die Jesus in dem Gleichnis vom Unkraut und Weizen wie folgt schilderte: „Das Königreich der Himmel ist einem Menschen gleich geworden, der vortrefflichen Samen auf sein Feld säte. Während die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut hinzu, mitten unter den Weizen, und ging davon.“ (Matthäus 13:24, 25) Erst nach einer langen Wachstumszeit sollte geerntet werden und die Zeit kommen, da der im Gleichnis erwähnte „Mensch“ zur Ernte kommen und befehlen würde, das Unkraut zusammenzulesen und den guten „Weizen“ in sein Vorratshaus einzusammeln. Es ist interessant, daß Jesus, als er dieses Gleichnis erklärte, den gleichen Ausdruck gebrauchte wie seine Apostel, als sie ihm die Frage stellten, die in Matthäus 24:3 zu lesen ist. Jesus sagte: „Die Ernte ist ein Abschluß eines Systems der Dinge.“ (Matthäus 13:39) Bis zum Abschluß des weltweiten Systems der Dinge sollte noch viel Zeit vergehen, und der in dem Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ vorausgesagte Schlaf erwies sich als ein sehr langer Schlaf. Die durch die letzten Einzelheiten des Gleichnisses von den Jungfrauen veranschaulichten Ereignisse sollten, wenn sie eintreten würden, zu dem „Zeichen“ dafür gehören, daß wir in der Zeit des „Abschlusses des Systems der Dinge“ leben.

      [Fußnoten]

      a The Sacred Writings of the Apostles and Evangelists of Jesus Christ Commonly called the New Testament von Campbell, Macknight und Doddridge, 1828 u. Z.

      b L. Reinhardt gibt dieses Wort in seinem Neuen Testament siebzehnmal mit „Parusie“ wieder, dreimal mit „Ankunft“, einmal mit „Gegenwart“, einmal mit „komme“, einmal mit „Anwesenheit“ und einmal mit „Auftreten“.

  • „Der Bräutigam ist da!“
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 11. Kapitel

      „Der Bräutigam ist da!“

      1. Wer von den „zehn Jungfrauen“ muß während ihres unbestimmt lange dauernden Schlafes aufgewacht sein, und besonders nach welchem religiösen Erwachen?

      WÄHREND des in Jesu Gleichnis vorhergesagten Schlafes von unbestimmter Dauer muß ein Teil der sinnbildlichen „Jungfrauen“, besonders der „verständigen“, die in ihren Behältern Öl zum Nachfüllen mitgenommen hatten, aufgewacht sein. Das trifft besonders auf die Zeit nach dem religiösen Erwachen zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts u. Z. zu, als man sich in Europa eifrig bemühte, zu der unter Inspiration entstandenen Heiligen Schrift zurückzukehren, sie als das einzige Buch göttlicher Wahrheit anzuerkennen, als zuverlässige, von Gott inspirierte Richtschnur für die Nachfolger Christi, des Bräutigams. Christi Versprechen wiederzukommen machte auf ehrliche Leser und Erforscher der Bibel einen tiefen Eindruck. Sie erkannten, daß dieses zweite Kommen vor seiner Tausendjahrherrschaft fällig wäre, ehe also das verheißene Millennium beginnen würde, die Zeit, in der Satan gebunden wäre und im „Abgrund“ gefangengehalten würde.

      2. Welche Rolle spielte der lutherische Theologe J. A. Bengel in Verbindung mit diesem religiösen Erwachen?

      2 In der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wirkte zum Beispiel ein lutherischer Theologe namens Johann Albrecht Bengel, geboren 1687 in Winnenden (Württemberg, Deutschland), gestorben 1752. Er schrieb eine Anzahl Bücher über die Heilige Schrift. In der Encyclopædia Britannica (elfte Ausgabe) wird über seine Werke gesagt:

      Die bedeutenderen sind: Ordo temporum [Ordnung der Zeiten], eine Abhandlung über die Chronologie der Bibel, in der er Berechnungen über das Ende der Welt anstellte, und Erklärte Offenbarung Johannis, ein Werk, das in Deutschland sehr populär war und das in mehrere Sprachen übersetzt wurde (Band 3, S. 737).

      In der Enzyklopädie von M’Clintock und Strong wird über Bengel ausgeführt:

      Seine chronologischen Werke, in denen er versuchte, die „Zahl des Tieres“ zu bestimmen, den Beginn des „Tausendjährigen Reiches“ (er war überzeugt, daß das Tausendjährige Reich im Jahre 1836 beginnen würde) usw., haben seinem Ruf, wohlbegründete Auffassungen zu vertreten, eher geschadet (Band 1, S. 749, 750).

      3. (a) Warum erwiesen sich die Schriften Bengels nicht als der Ruf, der wegen des Bräutigams mitten in der Nacht ertönen sollte? (b) Wie kam es durch William Miller aus Pittsfield (Massachusetts) erneut zu einem Erwachen?

      3 Die Schriften, die Bengel in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts veröffentlichte, erwiesen sich jedoch nicht als der laute Ruf mitten in der Nacht: „Siehe, der Bräutigam! gehet aus, ihm entgegen!“ „Der Bräutigam ist da! Geht hinaus, ihm entgegen!“ (Matthäus 25:6, EB; NW) Die Personen, die Bengels Schriften eifrig lasen und dann entsprechend handelten, begegneten im Jahre 1886 dem himmlischen Bräutigam nicht, in dem Jahr, in dem sie erwarteten, daß er sichtbar, leiblich, wiederkäme. Im Laufe der Zeit wurden die Christen, die sich zu der als „keusche Jungfrau“ bezeichneten Klasse zählten, erneut aufgeweckt, und zwar besonders durch einen Mann, der im Jahre 1781 in Pittsfield (Massachusetts, USA) geboren wurde. Dieser Mann war William Miller, der Begründer der Milleriten oder Adventisten. Wir lesen im sechsten Band der Enzyklopädie von M’Clintock und Strong auf Seite 271:

      Um das Jahr 1833, als er in Low Hampton (New York) wohnte, begann er die neue Lehre zu verkündigen, nach der im Jahre 1843 die Welt untergehen würde. Er stützte sich hauptsächlich auf den Ablauf der in Daniel 8:14 erwähnten 2 300 Tage, die er als Jahre ansah. Die in Daniel 9:24 erwähnten 70 Wochen waren in seinen Augen der Schlüssel für die Berechnung der 2 300 Tage, von denen im vorangehenden Kapitel gesprochen wird; er errechnete das Jahr 457 v. Chr. als das Jahr, in dem Artaxerxes, König von Persien, Esra, der in Gefangenschaft gewesen war, nach Jerusalem (Esra 7) sandte, um das jüdische Gemeinwesen zu ordnen, und nahm — wie die meisten Kommentatoren — an, daß die siebzig Wochen mit der Kreuzigung Christi im Jahre 33 n. Chr. endeten; so stellte er fest, daß die 1 810 Tage, die von den 2 300 Tagen übrigblieben, im Jahre 1843 enden würden. Zehn Jahre lang hielt er an dieser Erklärung fest, und er gewann viele Anhänger — es sollen fünfzigtausend gewesen sein —, die blindgläubig den festgesetzten Tag erwarteten. Doch da die Adventisten, wie sie manchmal auch genannt werden, in ihrer Erwartung enttäuscht wurden, wandten sie sich von Miller, ihrem Apostel, ab. Er starb am 20. Dezember 1849 in Low Hampton (Washington County, N. Y., USA).

      4. (a) Wieso erwies sich die Miller-Bewegung nicht als der mitternächtliche Ruf? (b) Was entdeckte dreißig Jahre später eine unabhängige Gruppe von Erforschern der Bibel in bezug auf das zweite Kommen Christi?

      4 Das Aufkommen der Bewegung der Milleriten erwies sich jedoch offensichtlich nicht als der mitternächtliche Ruf: „Der Bräutigam ist da!“ Der himmlische Bräutigam kam im Jahre 1843 nicht in sichtbarer, leiblicher Gestalt, um diese Adventisten in das himmlische Haus, nach dem sie sich sehnten, zu entrücken. Doch das Studium der Bibel wurde fortgesetzt. Dreißig Jahre später gab es in Pittsburgh (Allegheny, Pennsylvanien, USA) eine kleine Gruppe — sie hatte weder mit den Adventisten noch mit irgendeiner anderen Religionsgemeinschaft der Christenheit etwas zu tun —, die die Heilige Schrift erforschte. Die Glieder dieser Gruppe forschten unabhängig von den übrigen Religionsgemeinschaften, um die Bibel ganz unbeeinflußt von ihnen lesen zu können. Zu diesen Personen gehörte der etwas über zwanzig Jahre alte Charles Taze Russell. Sie waren natürlich am zweiten Kommen des himmlischen Bräutigams, Jesus Christus, brennend interessiert. Durch ihr Studium der Bibel entdeckten sie jedoch, daß Christus nicht in sichtbarer Gestalt, nicht verkörpert als Mensch, sondern unsichtbar, im Geist, wiederkommen würde, da er nicht mehr ein Mensch aus Fleisch und Blut war. Die Menschen könnten seine Ankunft somit nicht sehen, und mit dieser Ankunft würde seine unsichtbare Gegenwart oder Parusie beginnen. Doch würde sie durch Beweise offenkundig werden.

      „SIEBEN ZEITEN“ — „DIE ZEITEN DER NATIONEN“

      5. Mit welcher von Jesus erwähnten Zeitperiode befaßten sie sich bei ihrem Studium, und was ließ Russell im Jahre 1876 über das Ende dieser Periode veröffentlichen?

      5 Diese Erforscher der Bibel befaßten sich bei ihrem Studium auch mit den „Zeiten der Nationen“, von denen Jesus gemäß Lukas 21:24 sprach, und brachten diese Zeiten der Nationen mit den „sieben Zeiten“ in Verbindung, die im vierten Kapitel des Buches Daniel viermal erwähnt werden, und zwar in den Versen 16, 23, 25, 32. Wann würden gemäß den Ermittlungen dieser Bibelforscher die „sieben Zeiten“, in denen die Nationen die Erde beherrschen würden, vom Standpunkt Gottes aus rechtlich enden? Damals erschien in Brooklyn (New York) die Monatsschrift Bible Examiner, redigiert von George Storrs. Im Jahre 1876 schrieb der vierundzwanzigjährige Russell für diese Zeitschrift einen Aufsatz über diese Frage. Dieser Beitrag wurde in der Oktober-Ausgabe des Jahres 1876 veröffentlicht, der 1. Nummer des Bandes XXI. Auf den Seiten 27 und 28 jener Ausgabe wurde Russells Beitrag unter dem Titel „Wann werden die Zeiten der Nationen enden?“ veröffentlicht. In dem Aufsatz (Seite 27) schrieb Russell: „Die sieben Zeiten werden im Jahre 1914 n. Chr. enden.“

      6. (a) An der Veröffentlichung welchen Buches, das 1877 erschien, war Russell beteiligt, und was wurde darin über das Ende der Zeiten der Nationen gesagt? (b) Wann waren nach der Chronologie, auf die man sich damals stützte, 6 000 Jahre seit der Erschaffung des ersten Menschen verflossen? Wann aber sollte nach den damaligen Berechnungen das siebente Jahrtausend begonnen haben?

      6 Im folgenden Jahr (1877) brachte Russell zusammen mit Nelson H. Barbour von Rochester (New York) das Buch heraus Three Worlds, and the Harvest of This World (Drei Welten und die Ernte dieser Welt). In diesem Buch wurde dargelegt, daß dem Jahre 1914 u. Z., dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen ablaufen würden, eine Zeit von vierzig Jahren vorausgehen würde, die im Jahre 1874 u. Z. mit einer dreieinhalbjährigen Erntezeit begonnen hätte. Man glaubte, der Herr Jesus Christus, dessen Gegenwart oder Parusie im Jahre 1874 begonnen hätte, würde die Erntearbeit unsichtbar leiten, und kurz nach dem Eintritt seiner Parusie hätte das große Jubeljahr für die ganze Menschheit begonnen, das Gegenbild des „Jubeljahres“, das die Juden unter dem mosaischen Gesetz halten mußten. (3. Mose, Kapitel 25) Gemäß der biblischen Chronologie, auf die man sich danach stützte, waren im Jahre 1872 seit der Erschaffung des ersten Menschen 6 000 Jahre verflossen, aber man glaubte nicht, daß der Herr Jesus nach Ablauf dieser 6 000 Jahre Menschheitsgeschichte gekommen sei, sondern im Oktober 1874, als das gegenbildliche Jubeljahr begonnen habe. Man errechnete, daß im Jahre 1874 die 6 000 Jahre geendet hätten, in denen die Sünde über die Menschheit herrschte. Man glaubte, von da an würden die Menschen im siebenten Jahrtausend leben. — Offenbarung 20:4.

      7. (a) Warum nannte Russell seine religiöse Zeitschrift, die erstmals im Jahre 1879 erschien, auch „Verkünder der Gegenwart Christi“? (b) Was sollte nach dem Ablauf der Zeit dieser Gegenwart, der mit dem Ende der Zeiten der Nationen im Jahre 1914 zusammenfallen sollte, geschehen?

      7 Aufgrund dieses Verständnisses begann die als „keusche Jungfrau“ bezeichnete Klasse im Jahre 1874, dem himmlischen Bräutigam entgegenzugehen, da sie glaubte, er sei in jenem Jahr gekommen und von da an unsichtbar gegenwärtig. Die Glieder dieser Klasse meinten, sie würden bereits in der Zeit der unsichtbaren Gegenwart des Bräutigams leben. Deshalb nannte Charles T. Russell seine religiöse Zeitschrift, die im Juli 1879 erstmals erschien, Zion’s Watch Tower and Herald of Christ’s Presence (Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi). Er kannte bereits die von Benjamin Wilson herausgegebene Bibelübersetzung The Emphatic Diaglott, in der in Matthäus 24:3 und in anderen Texten das griechische Wort parousía nicht mit „Kommen“, sondern mit „Gegenwart“ wiedergegeben wird. Die neue Zeitschrift verkündete, Christus sei seit 1874 unsichtbar gegenwärtig. Diese Gegenwart sollte bis 1914, dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen abgelaufen wären, andauern. Dann würden die Nationen vernichtet, und der Überrest der als „keusche Jungfrau“ bezeichneten Klasse würde sterben und durch eine Auferstehung zu einem Leben im Geiste mit dem Bräutigam im Himmel verherrlicht werden. Auf diese Weise würde die Klasse, die durch die fünf klugen Jungfrauen dargestellt wird, durch die Tür eingehen und an der Hochzeit teilnehmen.

      8. (a) Welchem Tag sah der Überrest der als „keusche Jungfrau“ bezeichneten Klasse sehnsüchtig entgegen, und warum? (b) Was erklärte Russell am Morgen jenes Tages den Mitarbeitern des Hauptbüros in Brooklyn (New York)?

      8 Als die Jahre verflossen und die Zeit näher rückte, sah die als „keusche Jungfrau“ bezeichnete Klasse dem entscheidenden Tag, dem 1. Oktober 1914, mit wachsendem Interesse entgegen. Es war eine Gruppe von Christen, die sich von dieser unreinen Welt abgesondert und sich durch Christus Gott voll und ganz „geweiht“ hatte, ihre „Weihung“ hatte sie durch die Wassertaufe symbolisiert. Sie war bestrebt, in der Zeit kurz vor der Begegnung mit ihrem Bräutigam im Himmel ihr Licht leuchten zu lassen. Schließlich kam der 1. Oktober 1914, und am Morgen jenes Tages erklärte Charles T. Russell, Präsident der Watch Tower Bible and Tract Society, den Mitarbeitern des Hauptbüros in Brooklyn (New York): „Die Zeiten der Nationen sind abgelaufen; die Tage ihrer Könige sind gezählt.“

      9. Wann starb Russell aber, und zu welchem Schluß kam man deshalb?

      9 Doch die Erwartung, daß der Überrest der Kirche nach Ablauf der Zeiten der Nationen in die himmlische Herrlichkeit eingehen würde, erfüllte sich nicht. Russell starb erst am 31. Oktober 1916, und jemand anders wurde Präsident der Gesellschaft. Bei den Berechnungen mußte ein Fehler unterlaufen sein.

      10. (a) Was begann mit dem 1. Oktober 1914 für den Überrest der als „keusche Jungfrau“ bezeichneten Klasse auf der Erde? (b) Wann erreichte die Verfolgung einen Höhepunkt, und welcher Brief zeigt, wie sehr sich diese Klasse danach sehnte, mit dem himmlischen Bräutigam vereint zu werden?

      10 Mit dem 1. Oktober 1914, dem Tag, an dem nach den Erwartungen die christliche Kirche im Himmel hätte verherrlicht werden sollen, begannen indessen für alle, die den Wunsch hatten, mit dem himmlischen Bräutigam vereint zu werden, große Schwierigkeiten. Nachdem der entsetzliche Erste Weltkrieg schon einige Jahre gedauert hatte, erreichte die Verfolgung der als „keusche Jungfrau“ bezeichneten Klasse einen Höhepunkt. Das war im Sommer 1918, als Joseph F. Rutherford, der neue Präsident der Watch Tower Society, und W. E. Van Amburgh, der Sekretär-Kassierer dieser Gesellschaft, sowie sechs weitere Christen, Mitarbeiter des Hauptbüros in Brooklyn (New York), zu Unrecht von einem Bundesgericht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden, die sie in der Bundesstrafanstalt in Atlanta (Georgia) verbüßen sollten. Präsident Rutherford schrieb aus seiner Gefängniszelle einen Brief an seine Mitchristen, die verfolgt wurden, ohne hinter Gittern und verschlossenen Türen zu sein. Ein Auszug aus diesem Brief wurde auf der vierten Seite des Programms für die viertägige Hauptversammlung der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung abgedruckt, die vom 30. August bis zum 2. September 1918 in Milwaukee (Wisconsin) durchgeführt wurde.a Dieser Brief verriet deutlich, wie sehr sich die als „keusche Jungfrau“ bezeichnete Klasse danach sehnte, bald mit dem Bräutigam im Himmel vereint zu werden; das geht besonders aus folgenden Zeilen, die wir daraus zitieren, hervor:

      AN DAS ISRAEL GOTTES

      Geliebte in Christo!

      Das Gefängnisleben ist sehr befremdlich, und dennoch wird jede Erfahrung mit Freuden aufgenommen, weil wir doch alles vom himmlischen Standpunkt aus betrachten. In der Tat können wir singen:

      „Schwind, schwind, all ird’scher Tand,

      Jesus ist mein.“

      Fürwahr, irdische Freuden haben wir nicht mehr; aber wir blicken in froher Erwartung auf die Heimfahrt. ... Wir werden oft in zwiefacher Weise bedrängt — ob wir es vorziehen sollten abzuscheiden oder nochmals für eine kurze Zeit zu Euch zu kommen, ehe wir heimgehen. Sein Wille geschehe! Ich fühle ganz bestimmt, daß alle diese Erfahrungen die Kirche reif machen für die letzte, endgültige Sammlung. Eure Briefe sowie die lieben Briefe von allen Lieben hier und dort zeigen uns in lieblicher Weise, wie alle Ausschau halten nach dem Feuer, welches das Opfer endgültig verzehren soll. ...

      ... Tut alles, was Ihr könnt, die lieben Schafe des Herrn zu ermutigen. Tröstet Euch gegenseitig mit den lieblichen Verheißungen einer glorreichen und baldigen Heimfahrt. Niemals habe ich Euch so sehr geliebt wie gerade jetzt. Wie lieblich aber wird es sein, wenn wir alle um des Vaters Thron versammelt sind und jauchzen werden für alle Zeiten mit unaussprechlicher Freude! ...

      Unserm lieben himmlischen Vater danke ich sehr, daß Er so gütig war, mich mit 7 Brüdern hierherzusenden, so daß wir diese Vorrechte gemeinsam genießen. ...

      Seid gewiß, daß wir Euch innig lieben. Die Gnade unseres Herrn, Jesu Christi, sei mit Euch allen!

      Durch seine Gnade Euer Bruder und Diener

      J. F. RUTHERFORD

      11. (a) Was erkannte der Überrest der als „keusche Jungfrau“ bezeichneten Klasse während jener Verfolgung in bezug auf das Jahr 1874 nicht? (b) Wie lange waren die Vertreter der Gesellschaft in der Strafanstalt, und was führte zu ihrer Entlassung?

      11 In dieser trostlosen Zeit während des Ersten Weltkrieges erkannte der leidgeprüfte Überrest der als „keusche Jungfrau“ bezeichneten Klasse nicht, daß der Bräutigam in dem damals bereits über vierzig Jahre zurückliegenden Jahr 1874 nicht zurückgekehrt und die Zeit für die Ankündigung: „Der Bräutigam ist da! Geht hinaus, ihm entgegen!“ noch nicht gekommen war. Die Zeit für den mitternächtlichen Ruf lag noch in der Zukunft, aber sie war nahe herbeigekommen. Präsident Rutherford, der am 21. Juni 1918 von dem Gericht zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, mußte nur neun Monate seiner Strafe verbüßen. Am 25. März 1919 wurden er und seine sieben Gefährten aus der Strafanstalt in Atlanta entlassen und nach Brooklyn (New York) gebracht. Am 26. März wurden sie gegen Bürgschaft freigelassen, und die Wiederaufnahme des Verfahrens wurde erwirkt. Nun waren sie wieder frei und konnten mit allen übrigen Gliedern des Überrestes der als „keusche Jungfrau“ bezeichneten Klasse das Nachkriegswerk in Gang bringen. Dieser Überrest war nicht, fern von der immer finsterer werdenden bösen Welt, um den Thron seines himmlischen Vaters versammelt worden, sondern für ihn begann eine neue Zeit des christlichen Dienstes auf der Erde.

      12. Was, das durch Jesu Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ vorhergesagt wurde, erlebte der Überrest damals?

      12 In diesem kritischen Augenblick erlebte er, was der himmlische Bräutigam in seinem Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ mit folgenden Worten vorausgesagt hatte: „Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: ,Der Bräutigam ist da! Geht hinaus, ihm entgegen!‘ Da erhoben sich alle jene Jungfrauen und brachten ihre Lampen in Ordnung.“ — Matthäus 25:6, 7.

      13, 14. (a) Wer kündigte in dem Gleichnis an, daß der Bräutigam da sei, und wie geschah dies in der Wirklichkeit? (b) Welche Entwicklung nach dem Jahre 1914 bewies, daß der himmlische Bräutigam wirklich gegenwärtig war?

      13 In dem Gleichnis kündigten nicht die „zehn Jungfrauen“ an, daß der Bräutigam da sei. Das taten offensichtlich die Begleiter des Bräutigams. Die Jungfrauen hörten nur das Geschrei. So wurden auch im Jahre 1919 u. Z. alle, die behaupteten, zu denen zu gehören, die wie die Jungfrauen darauf warteten, daß der Bräutigam käme und sie zum geistigen Hochzeitsfest im Hause seines Vaters führe, plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, daß der himmlische Bräutigam unsichtbar gegenwärtig sei.

      14 Daher war das Jahr 1919 für alle, die bekannten, zu den „Jungfrauen“ zu gehören, für die törichten und die verständigen Jungfrauen, ein Jahr des Erwachens. Der Erste Weltkrieg war vorbei, und es wurde intensiv für den Völkerbund als eine internationale Sicherheitsorganisation zur Erhaltung des Weltfriedens geworben. Vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 an gingen genügend Einzelheiten der Prophezeiung Jesu über seine Parusie und den Abschluß des Systems der Dinge in Erfüllung und bildeten so ein kombiniertes „Zeichen“ dafür, daß Jesus Christus 1914, als die Zeiten der Nationen abgelaufen waren, wirklich in sein himmlisches Königreich gekommen war. Somit war das verheißene messianische Königreich Gottes im Himmel errichtet worden. Sowohl die Entwicklung in der Welt als auch auf kirchlichem Gebiet bewies eindeutig, daß Christus gegenwärtig war.

      SIE BRACHTEN IHRE „LAMPEN“ IN ORDNUNG

      15. (a) Welcher Teil des Namens der Zeitschrift Der Wacht-Turm traf nun zu? (b) Welche Bekanntmachung, die in der Wacht-Turm-Ausgabe vom Juli/August 1919 erschien, wirkte auf die Leser dieser Zeitschrift belebend?

      15 Jetzt traf der zweite Teil des Namens der Zeitschrift Der Wacht-Turm, nämlich „Verkünder der Gegenwart Christi“, zu. Die acht Christen und Bibelforscher, die im März aus der Bundesstrafanstalt entlassen worden waren, hatten nun das Vorrecht, am Sonntag abend, den 13. April 1919 der alljährlichen Feier des Abendmahls des Herrn beizuwohnen, und nach einem in der englischen Ausgabe des Wacht-Turms vom 15. Mai (Seite 151) erschienenen, allerdings unvollständigen Bericht über die gesamte Besucherzahl kamen damals 17 961 Personen zu dieser Feier zusammen. Im Wacht-Turm vom Juli/August 1919 (Seite 117, 118) wurde bekanntgegeben, daß alle acht zu Unrecht angeklagten Personen gegen eine Bürgschaft von je 10 000 Dollar freigelassen und im Bethelheim in Brooklyn von Hunderten von Mitchristen mit großer Freude willkommen geheißen worden seien. Diese Bekanntmachung, die weltweit veröffentlicht wurde, wirkte belebend auf die Leser der Zeitschrift Der Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi.

      16. (a) Wofür war gemäß Jesaja 60:2 damals die Zeit gekommen? (b) Wodurch wurde den „geweihten“ Bibelforschern neuer Mut eingeflößt, und welche internationale Hauptversammlung wurde abgehalten?

      16 Jetzt war die Zeit des geistigen Schlummers und Schlafes vorbei. Es galt jetzt, zu handeln, da sich die Worte aus Jesaja 60:2 erfüllten: „Finsternis, sie wird die Erde bedecken und dichtes Dunkel die Völkerschaften, aber über dir wird Jehova aufleuchten, und seine eigene Herrlichkeit wird über dir zu sehen sein.“ Die Weltlage verlangte, daß alle „geweihten“ Bibelforscher mutig handelten. Unverzüglich wurde den Christen, die nach dem Bräutigam Ausschau gehalten hatten, neuer Mut eingeflößt; im Wacht-Turm vom 1. und 15. August 1919 (englisch; deutsch: Oktober/November 1919) wurden zwei Artikel über das Thema „Glückselig sind die Furchtlosen“ veröffentlicht, außerdem wurde darin bekanntgegeben, daß vom 1. bis 8. September in Cedar Point, am Eriesee, eine internationale Hauptversammlung veranstaltet würde. Gottes „geweihtes“ Volk überwand seine geistige Schläfrigkeit und wurde munter; demzufolge fanden sich Tausende zum Kongreß ein; es waren täglich ungefähr 6 000 Personen, insbesondere aus Kanada und den Vereinigten Staaten, anwesend. Jener aufrüttelnde Kongreß gab den „Geweihten“ Gelegenheit, ihren Entschluß zu erneuern, Gott in Zukunft aufmerksam und emsig zu dienen.

      17, 18. (a) Welche Publikation wurde am „Mitarbeiter-Tag“ dieser Hauptversammlung angekündigt, und was erwartete man davon? (b) Inwiefern wirkten die Anweisungen dafür, wie bei diesem Werk vorgegangen werden sollte, anspornend, und war das, was an diesem Kongreßtag geschah, nur eine flüchtige Erscheinung, die ohne Bedeutung gewesen wäre?

      17 Große Begeisterung löste Präsident J. F. Rutherford aus, als er am Freitag, dem 5. September, dem „Mitarbeiter-Tag“, bekanntgab, daß beabsichtigt werde, vom 1. Oktober 1919 an eine neue Zeitschrift, The Golden Age (Das Goldene Zeitalter; in Deutsch vom 1. Oktober 1922 an), herauszugeben. Diese Zeitschrift sollte eine Begleitzeitschrift des Wacht-Turms sein und ebenfalls der Verkündigung der guten Botschaft von Gottes messianischem Königreich dienen. Gottes „geweihtes“ Volk wurde ermuntert, Abonnements auf diese Zeitschrift aufzunehmen, und man erwartete, daß sie bald eine Auflage von 4 000 000 Exemplaren haben würde. Später erschien im Wacht-Turm vom Januar 1920 (Seite 7—10) ein Artikel über das Thema „Die Verkündigung des Königreiches“; darin wurden weitere Anweisungen dafür gegeben, wie in diesem weltweiten Verkündigungswerk vorgegangen werden sollte.

      18 Der drittletzte Absatz in diesem Artikel war für alle Leser sehr anspornend: „Die Tür der Gelegenheit öffnet sich vor dir, tritt schnell ein. Bedenke, wenn du in dieses Werk eintrittst, daß du nicht als ein Agent für eine Zeitschrift tätig bist, sondern daß du als ein Gesandter des Königs der Könige und Herrn der Herren dem Volke in dieser vornehmen Weise das Herannahen des Goldenen Zeitalters, des herrlichen Königreiches unseres Herrn und Meisters, verkündigst, für welches wahre Christen die vielen Jahrhunderte hindurch gebetet und darauf gehofft haben.“ Die Einladung, sich an diesem neuen Zweig des Königreichswerkes zu beteiligen, fand sofort ein lebhaftes Echo; und heute, mehr als dreiundfünfzig Jahre später, hat diese Zeitschrift, die jetzt unter dem Namen Erwachet! veröffentlicht wird, eine Auflage von 7 500 000 Exemplaren. Die Anwesenheit von 6 000 „geweihten“ Christen in Cedar Point (Ohio) und die Freude, die sie bekundeten, als am Freitag, dem 5. September 1919, die Zeitschrift The Golden Age angekündigt wurde, waren keineswegs nur eine flüchtige Erscheinung, die für die Geschichte der als „keusche Jungfrau“ bezeichneten Klasse in der Zeit der wirklichen Parusie Christi ohne Bedeutung gewesen wäre. Diese Jungfrauen-Klasse ist seither nicht mehr eingeschlafen.

      19. Was mußte getan werden, um die Lampen in Ordnung zu bringen, und warum führte dies unter den Jungfrauen zu einer Meinungsverschiedenheit?

      19 Damals erhoben sich wirklich „alle jene Jungfrauen und brachten ihre Lampen in Ordnung“. (Matthäus 25:7) In dem Gleichnis mußten die Jungfrauen ihre Lampen mit Öl auffüllen, denn sie waren „daran, zu erlöschen“. Aber o weh, die törichten Jungfrauen konnten kein Öl in ihre Lampen einfüllen! Sie hatten keine mit Öl gefüllten Behälter mitgebracht wie die verständigen Jungfrauen. Das führte unter den Jungfrauen zu einer Meinungsverschiedenheit. Warum? In Matthäus 25:8, 9 wird das wie folgt erklärt: „Die törichten sagten zu den verständigen: ,Gebt uns etwas von eurem Öl, denn unsere Lampen sind daran, zu erlöschen.‘ Da antworteten die verständigen und sprachen: ,Vielleicht mag es nicht ganz für uns und euch genügen. Geht statt dessen hin zu denen, die es verkaufen, und kauft für euch selbst.‘ “

      20. Waren die verständigen Jungfrauen selbstsüchtig, weil sie nicht bereit waren, ihr Öl mit den törichten zu teilen, und wozu waren die verständigen entschlossen?

      20 Wir können uns vorstellen, wie schwierig es für diese törichten Jungfrauen war, mitten in der Nacht einen Laden zu suchen, der noch geöffnet war und wo sie Öl kaufen konnten, oder einen Krämer ausfindig zu machen, der ihnen das notwendige Öl verkaufen würde. Waren die verständigen Jungfrauen aber nicht selbstsüchtig, weil sie nicht bereit waren, ihr Öl mit den unverständigen Jungfrauen zu teilen? Nein, denn hätten sie das getan, wäre keine der zehn Jungfrauen bis zur Tür des Hauses des Bräutigams gekommen und dann hätte keine am Hochzeitsfest teilnehmen können. Hätten sie das Öl unter die zehn verteilt, wären ihre Lampen verloschen, ehe sie dort angekommen wären. Die verständigen Jungfrauen zeigten dadurch, daß sie Öl zum Nachfüllen der Lampen mitnahmen, daß sie es als ihre Pflicht ansahen, dorthin zu kommen. Auch zeigte das, daß sie alle entschlossen waren, dorthin zu kommen, und die verständigen Jungfrauen wollten sich jetzt nicht daran hindern lassen, ihre gute Absicht zur Ehre des Bräutigams zu erreichen. Außerdem war es für die törichten Jungfrauen immer noch möglich, sich anderweitig Öl zu beschaffen, ohne daß sie dadurch die verständigen Jungfrauen in die Gefahr brachten, ihr Ziel nicht zu erreichen.

      21. Wie würde die Klasse der „verständigen Jungfrauen“ gegenüber einem Menschen, der die Bibel studieren und Näheres über den Bräutigam erfahren möchte, jedoch nicht handeln?

      21 Wie spielen sich diese in dem Gleichnis geschilderten Vorgänge jetzt, in der Zeit der Parusie oder Gegenwart des himmlischen Bräutigams, ab? Bedeutet es, daß die Glieder der als „verständige“ Jungfrauen bezeichneten Klasse nicht bereit wären, einem aufrichtigen Menschen zu helfen, der etwas von der unsichtbaren Gegenwart des Herrn Jesus Christus gehört hat und wünscht, daß mit ihm die Bibel studiert wird, damit er ebenfalls zur Ehre des Bräutigams beitragen kann? Würden sie dem Betreffenden sagen, er solle sich selbst helfen? Würde es gegen das, was das Gleichnis lehrt, verstoßen, jemandem zu helfen, der den Wunsch hat, mit Gottes Wort und dem heiligen Geist erfüllt zu werden? Nein, ganz und gar nicht.

      22. An welche sinnbildliche Bedeutung des Hochhaltens der brennenden Lampe sollten wir im Zusammenhang mit dem Abgeben von Öl denken, und was versinnbildlicht das Öl?

      22 Warum lehnen es denn die Glieder der als „verständige“ Jungfrauen bezeichneten Klasse ab, ihr „Öl“ mit der als „törichte“ Jungfrauen bezeichneten Klasse zu teilen? Wir dürfen nicht vergessen daß es gleichbedeutend ist, Öl in seinem Behälter und symbolisches „Öl“ in sich selbst zu haben. Die brennende Lampe hochzuhalten ist auch dasselbe wie, sein Licht leuchten zu lassen, dasselbe wie, als ein Licht zu leuchten, damit die Menschen in der finsteren Nacht der heutigen Welt unsere guten Werke sehen und Gott deshalb verherrlichen. (Matthäus 5:14-16; Philipper 2:15) Das symbolische „Öl“ vermittelt die Leuchtkraft, und dieses „Öl“ stellt sowohl Gottes Wort dar, das für einen Anbeter Gottes eine Leuchte und ein Licht ist (Psalm 119:105), als auch Gottes heiligen Geist, der uns das Wort Gottes erhellt und in allen, die ihn besitzen, die guten, gottgefälligen Eigenschaften hervorbringt, die als die „Frucht des Geistes“ bezeichnet werden. (Galater 5:22, 23; Epheser 5:18-20) Sollten die „verständigen“ Jungfrauen somit die Menge dieses „Öls“, dieses Leuchtmaterials, das sie in sich haben, vermindern? Sollten sie schließlich aufhören zu leuchten?

      23. (a) Welchen Wunsch hat die Klasse der „törichten Jungfrauen“ gegenüber der Klasse der „verständigen Jungfrauen“? (b) Aus was für „Christen“ besteht die Klasse der „törichten Jungfrauen“?

      23 Es würde der Klasse der „törichten Jungfrauen“ gefallen, wenn die „verständigen“ so handelten. Die „törichten“ möchten, daß die „verständigen“ mit ihnen einen Kompromiß schließen. Als im Jahre 1919 u. Z. bekanntgegeben wurde, daß der himmlische Bräutigam unsichtbar gegenwärtig sei, war das für alle, die behaupteten, zu den „Jungfrauen“ zu gehören und den Wunsch zu haben, jenem Bräutigam entgegenzugehen und sich mit ihm zu freuen, eine Herausforderung. Alle, die den „törichten“ Jungfrauen gleichen, geben nur vor, Christen zu sein; sie sind größtenteils Namenchristen, die die Forderungen des wahren Christentums nicht erfüllen. Sie mögen eine gewisse Bibelkenntnis haben, eine Kenntnis jedoch, die mit sektiererischem Verständnis gefärbt ist. Sie mögen von der Bibelkenntnis, die sie besitzen, beeinflußt worden sein, aber nicht in dem Maße, daß sie unter der Einwirkung des mächtigen Geistes Gottes die „Frucht des Geistes“ entwickelt hätten. Ihr Wandel stimmt nicht mit dem für einen wahren Christen vorgezeichneten Wandel überein. Sie leuchten lediglich als Namenchristen oder angebliche Christen im religiösen Formenwesen einer der Religionsgemeinschaften der Christenheit, der sie angehören. Sie hoffen, wenn sie sterben, in den Himmel zu kommen.

      24. (a) Ist es der Klasse der „törichten Jungfrauen“ mit ihrer religiösen Einstellung möglich, die nachweisbare Tatsache, daß der Bräutigam gegenwärtig ist, anzuerkennen? (b) Auf welches angeblich christliche Niveau sollten die verständigen nach dem Wunsch der törichten herabsteigen, damit sie zusammenarbeiten könnten?

      24 Zufolge der religiösen Einstellung, die sie entwickelt haben, sind sie beim Ertönen des mitternächtlichen Rufes: „Der Bräutigam ist da! Geht hinaus, ihm entgegen!“ der Herausforderung nicht gewachsen. Sie erkennen die nachweisbare Tatsache, daß der Bräutigam seit dem Jahre 1914 gegenwärtig ist, nicht an, ja sie werden sie nicht einmal gewahr. Sie geben vor, an den Bräutigam zu glauben und zu glauben, daß die Kirche seine Braut ist, aber sie wollen in ihrer eigenen Weise, in der Weise ihrer Religionsgemeinschaft, dem Bräutigam entgegengehen und sich mit ihm freuen. Somit wären gemeinsame Bestrebungen dieser Klasse und der als „verständige“ Jungfrauen bezeichneten Klasse nur aufgrund eines Kompromisses möglich. Alle, die beanspruchen, Christen zu sein und ein himmlisches Erbteil zu haben, müßten sich einer interkonfessionellen Zusammenarbeit befleißigen. Die Klasse der „verständigen Jungfrauen“ müßte von ihrem geistigen „Öl“ abgeben und von dem christlichen Niveau, das sie entwickelt hat, auf das Niveau der unverständigen Religionsanhänger herabsteigen. Die „Verständigen“ müßten also in religiöser Hinsicht töricht werden, um mit den „törichten“, unverständigen, unklugen Namenchristen gemeinsame Sache machen zu können.

      25. (a) Um welche Frage geht es also in bezug auf die Klasse der „verständigen Jungfrauen“? (b) Welchen Worten des Petrus und des Paulus muß sie entsprechen, um schließlich die Forderungen zu erfüllen?

      25 Die Frage, um die es geht, ist klar: Läßt sich die als „verständige“ Jungfrauen bezeichnete Klasse von religiösen Gefühlen, wie sie in der Christenheit gepflegt werden, beeinflussen? Lassen sich die Glieder dieser Klasse dazu verleiten, geistiges „Öl“ abzugeben, was zur Folge hätte, daß sie nicht bis ans Ende als wahre Christen leuchten könnten, daß sie also im Laufe der Zeit als Teilnehmer an dem Festzug der Lichtträger, die den Bräutigam zur Tür des Hochzeitssaales begleiten, ausscheiden müßten? Sie müssen, wie wir in 2. Petrus 1:10 lesen, ihr ‘Äußerstes tun, ihre Berufung und Erwählung festzumachen’. Sie müssen den Apostel Paulus nachahmen, der kurz vor seinem Tode schrieb: „Ich habe den vortrefflichen Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt. Fortan ist mir die Krone der Gerechtigkeit aufbehalten, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage als Lohn geben wird.“ Wenn sie zu der Tür kommen, wo der Bräutigam das Hochzeitsfest feiert, müssen sie allem, was von einem Christen gefordert wird, entsprechen. — 2. Timotheus 4:7, 8.

      26. Wieso war die Klasse der „verständigen Jungfrauen“ während des Ersten Weltkrieges in ihrer Handlungsweise eingeschränkt, und warum trennte sie sich im Jahre 1919 von der Klasse der „törichten Jungfrauen“?

      26 Aus diesem Grund trennte sich die als „verständige“ Jungfrauen bezeichnete Klasse von den Personen, die nur vorgaben, Christen zu sein, so, wie in dem Gleichnis vom Weizen und Unkraut (Lolch) das Unkraut vom Weizen getrennt wurde. Während des Ersten Weltkrieges waren die Glieder dieser Klasse in die Gefangenschaft Babylons der Großen, des Weltreiches der falschen Religion, und ihrer Liebhaber aus den Kreisen des Militärs, der Politik und des Gerichtswesens geraten. Sie waren nicht nur in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt, weil sie sich vor Menschen fürchteten, die einflußreiche Ämter bekleideten, sondern sie befanden sich auch buchstäblich in Gefangenschaft, nämlich in Gefängnissen, in Arbeitslagern und an anderen Orten, wo sie gefangengehalten wurden. Im Jahre 1919 folgten sie der Aufforderung vom Himmel, Babylon die Große zu verlassen: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, wenn ihr nicht mit ihr teilhaben wollt an ihren Sünden und wenn ihr nicht einen Teil ihrer Plagen empfangen wollt.“ (Offenbarung 18:4) Sie konnten in dieser Frage mit der Klasse der „törichten Jungfrauen“ keinen Kompromiß eingehen. Sie mußten Gott mehr gehorchen als Babylon der Großen und ihren weltlichen Liebhabern. Auch konnten sie nicht wie Babylon die Große das Bild des wilden Tieres anbeten, den Völkerbund, auf den sie sich im Jahre 1919 u. Z. schwang wie ein Reiter auf das Pferd. — Offenbarung 13:14, 15; 14:11, 12; 17:1-18.

      27. Inwiefern nahm die Klasse der „verständigen Jungfrauen“ von Anfang an einen klaren Standpunkt ein, wofür die am Sonntag, dem 7. September 1919, abgegebene öffentliche Erklärung ein Beweis war?

      27 Die als „verständige“ Jungfrauen bezeichnete Klasse nahm in dieser Frage von Anfang an einen klaren Standpunkt ein. Als Beweis dafür sei der öffentliche Vortrag erwähnt, den Präsident Rutherford am Sonntag nachmittag, den 7. September 1919 auf dem Kongreß in Cedar Point über das Thema „Die Hoffnung für die bedrängte Menschheit“ hielt. In diesem Vortrag wies er darauf hin, daß Gott den Völkerbund nicht gutheiße. Wir zitieren aus dem Bericht, den die in Sandusky (Ohio) erscheinende Zeitung Star-Journal in ihrer Ausgabe vom Montag, dem 8. September 1919, veröffentlichte:

      Präsident Rutherford sprach zu fast 7 000 Personen, die sich am Sonntagnachmittag unter den Bäumen eingefunden hatten. Er erklärte, ein von den Kräften der Politik und der Wirtschaft gebildeter Völkerbund, angeregt von dem Wunsch, die Menschheit durch die Einführung von Frieden und Überfluß zu bessern, würde viel Gutes zustande bringen, und versicherte dann, daß sich der Völkerbund jedoch bestimmt des Herrn Mißfallen zuziehen werde, weil die Geistlichen — die katholischen und die protestantischen —, die behaupteten, Gottes Vertreter zu sein, seinen Plan aufgegeben und dem Völkerbund zugestimmt hätten, indem sie ihn als einen politischen Ausdruck des Königreiches Christi auf Erden begrüßt hätten (The Watch Tower, 1. Oktober 1919, Seite 298, 1. Spalte).

      28, 29. Warum nahm die Klasse der „verständigen Jungfrauen“ diesen Standpunkt ein, und welcher schmachvolle Ausdruck, den Jakobus gebrauchte, traf auf sie nicht zu?

      28 Die Glieder der Klasse der „verständigen Jungfrauen“ waren überzeugt, daß im Jahre 1914, nachdem die Zeiten der Nationen abgelaufen waren, im Himmel das Königreich des geliebten Sohnes Gottes aufgerichtet worden war; für dieses Königreich traten sie kompromißlos ein und weigerten sich, einen Ersatz dafür anzuerkennen und diesen zu verehren. Sie konnten es sich nicht leisten, etwas von ihrem geistigen „Öl“ abzugeben und Gottes messianischem Königreich nicht mehr voll und ganz treu zu sein. Durch ihre unwandelbare Treue zum Königreich machten sie sich in dieser Welt nicht beliebt oder wurden mit dieser Welt nicht gut Freund. Im Gegenteil, die Welt haßte sie deswegen noch mehr. Aber durch diesen Haß und diese Feindschaft von seiten der Welt wurde es nur noch deutlicher sichtbar, daß sie an ihrem Verhältnis zu ihrem himmlischen Bräutigam, dem König, festhielten. Auf sie traf der schmachvolle Ausdruck „Ehebrecherinnen“ nicht zu, mit dem der Jünger Jakobus einige Glieder der Versammlung des ersten Jahrhunderts bezeichnete, als er sagte:

      29 „Ihr Ehebrecherinnen, wißt ihr nicht, daß die Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer immer daher ein Freund der Welt sein will, stellt sich als ein Feind Gottes dar.“ — Jakobus 4:4.

      30, 31. Wem gegenüber bekundete die Klasse der „verständigen Jungfrauen“ die Eigenschaften einer jungfräulichen Braut, und wie wird die Schönheit von Bräutigam und Braut in der Prophezeiung Jesajas beschrieben?

      30 Die Klasse der „verständigen Jungfrauen“ ehrte ihren himmlischen Bräutigam, mit dem sie verlobt war oder dem sie zur Ehe versprochen war, indem sie kompromißlos all ihr geistiges „Öl“ behielt und es dazu benutzte, ihre „Lampe“, das heißt sich selbst, ständig hell brennend zu erhalten. Die Glieder dieser Klasse ließen die Eigenschaften der Treue, Keuschheit, Reinheit und Unschuld hervorstrahlen, die von allen gefordert werden, die zur himmlischen Braut des ‘e i n e n Mannes’, des Herrn Jesus Christus, erkoren werden. Sie freuen sich mit ihm, daß Gottes Zeit für seinen geliebten Sohn gekommen ist, seine „Braut“ heimzuführen; sie frohlocken mit ihm, wie geschrieben steht: „Mit dem Frohlocken eines Bräutigams über eine Braut wird dein Gott auch über dich frohlocken.“ (Jesaja 62:5) Um der Schönheit des Bräutigams nicht nachzustehen, möchten sie so schön aussehen wie eine Braut an ihrem Hochzeitstag, und sie nehmen den Schmuck entgegen, den ihnen der himmlische Vater gibt. Diese Schönheit von Bräutigam und Braut wird in Jesaja 61:10 wie folgt geschildert:

      31 „Denn er hat mich bekleidet mit den Kleidern der Rettung; mit dem ärmellosen Obergewand der Gerechtigkeit hat er mich umhüllt gleich dem Bräutigam, der nach Priesterart einen Kopfschmuck aufsetzt, und gleich der Braut, die sich ihre Schmucksachen anlegt.“

      32. Wie leuchtet die Klasse der „verständigen Jungfrauen“ zur Ehre ihres Bräutigams?

      32 Die Klasse der „verständigen Jungfrauen“ auf der Erde sollte nichts tun, was ein schlechtes Licht auf die Pracht des himmlischen Bräutigams werfen würde, der leuchtet wie die Sonne: „Sie ist wie ein Bräutigam, wenn er herauskommt aus seinem Hochzeitsgemach.“ (Psalm 19:4, 5) Es ist daher die Pflicht der Klasse der „verständigen Jungfrauen“, zur Ehre ihres Bräutigams wie Lichter zu leuchten, indem sie die christlichen Eigenschaften offenbart, durch die sie sich von der religiösen Hure, Babylon der Großen, und von all ihren in religiöser Beziehung unmoralischen „Töchtern“ unterscheidet. Wenn sie so leuchtet, stellt sie ihren geliebten Bräutigam den Menschen nicht falsch dar.

      ÖL FÜR DIE LAMPEN BEIM HÄNDLER KAUFEN

      33. Was konnten gemäß dem Gleichnis Jesu die „verständigen“ Jungfrauen zu den „törichten“ nur sagen, und was bewiesen die „verständigen“ dadurch?

      33 Die als „törichte“ Jungfrauen bezeichnete Klasse konnte aus Mangel an geistigem „Öl“ nicht zur Ehre des Bräutigams leuchten, der angekommen und gegenwärtig war und nun zum Hochzeitsfest ging. Sie hatte keinen Anspruch auf das „Öl“, das die „Verständigen“ mitgebracht hatten und das diese benötigten, um dem Bräutigam nachfolgen zu können. Gemäß dem Gleichnis konnten die „Verständigen“ zu den „Törichten“ nur sagen: „Vielleicht mag es nicht ganz für uns und euch genügen. Geht statt dessen hin zu denen, die es verkaufen, und kauft für euch selbst.“ (Matthäus 25:9) Dadurch, daß die „verständigen“ Jungfrauen diesen Standpunkt einnahmen, bewiesen sie erneut ihre Klugheit, doch die Torheit der unverständigen, unklugen Jungfrauen erwies sich für diese als unheilvoll. Sie waren gezwungen, einen Laden zu suchen, wo sie Öl kaufen konnten, um ihre Lampen aufzufüllen.

      34, 35. Wie wurde das Öl in der Wirklichkeit, die durch das Gleichnis veranschaulicht wird, gekauft? Was geschah aber gemäß dem Gleichnis in der Zwischenzeit?

      34 Auch in der Wirklichkeit, die durch das Gleichnis veranschaulicht wird, mußten die „Törichten“ das notwendige geistige „Öl“ selbst beschaffen. Sie gingen dahin, wo sie aufgrund ihrer religiösen Überzeugung das „Öl“ zu bekommen hofften, mit dessen Hilfe sie — gemäß ihrem religiösen Bekenntnis — in den Himmel kämen. Folglich suchten sie ihre Religionsgemeinschaft auf, um dort das „Öl“ zu holen, das sie verkaufte, und von diesen Krämern erhielten sie die Sorte „Öl“, für die zu zahlen sie bereit waren, ohne die richtige Liebe zum himmlischen Bräutigam zu haben. Werden sie aber mit Hilfe des religiösen „Öls“, das sie von den Krämern zu dem von diesen festgesetzten Preis gekauft haben, Zutritt zum Hochzeitsfest erlangen? Wir lesen darüber:

      35 „Während sie hingingen, um zu kaufen, traf der Bräutigam ein, und die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm hinein zum Hochzeitsfest; und die Tür wurde verschlossen.“ — Matthäus 25:10.

      36. Welche Jungfrauen waren im Festzug mit dem Bräutigam zusammen, und was ermöglichte es ihnen, die Prüfung an der „Tür“ zu bestehen?

      36 Die „verständigen“ Jungfrauen und die „törichten“ Jungfrauen gingen in entgegengesetzte Richtungen — die „törichten“ entfernten sich vom Bräutigam, und die „verständigen“ gingen dem ankommenden Bräutigam entgegen. Die „verständigen“ Jungfrauen trafen an einem Ort mit dem Bräutigam zusammen, der noch etwas von der „Tür“ des Hauses, in dem das Hochzeitsfest stattfinden sollte, entfernt war. Von dem Ort, an dem sie mit ihm zusammentrafen, bis zu seinem Haus fand ein mit Lampen beleuchteter Brautzug statt, und in dieser Zeit waren die „verständigen“ Jungfrauen mit dem Bräutigam zusammen, und der Bräutigam war bei ihnen anwesend. Als der fröhliche Festzug seinen Bestimmungsort erreichte und durch die Tür des Hauses zog, in dem der Bräutigam wohnte, brannten die Lampen der „verständigen“ Jungfrauen hell. Das Öl war ihnen nicht ausgegangen, bevor sie die „Tür“ erreicht hatten. Bei dieser Gelegenheit bewiesen die „verständigen“ Jungfrauen, daß sie zu dem Zuge gehörten, der dem Bräutigam nachfolgte. Das berechtigte sie zur Teilnahme am Hochzeitsfest. Wie wichtig es war, für die Prüfung bereit zu sein, wird in dem Gleichnis durch folgende Worte hervorgehoben: „Und die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm hinein zum Hochzeitsfest.“ Die Tür wurde nicht vor ihnen, sondern hinter ihnen verschlossen.

      37. Als was für Personen müssen sich die heutigen „Jungfrauen“ erweisen, wenn sie die Stelle erreichen, an der die Prüfung erfolgt, und in welchem Zustand befinden sie sich, weshalb der Bräutigam sie als Glieder der „Braut“klasse annimmt?

      37 Heute, in der Wirklichkeit, die durch das Gleichnis veranschaulicht wird, bleiben die Glieder der Klasse der „verständigen Jungfrauen“ in dem Festzug, wodurch der Bräutigam in seiner Herrlichkeit bis zum Ende geehrt und gepriesen wird. Wenn sie die Stelle erreichen, die „Tür“, an der die Prüfung erfolgt, erweisen sie sich als würdig, zur Hochzeitsfeier zugelassen zu werden. Die Prüfung, die der himmlische Bräutigam, dem sie zur Ehe versprochen sind, durchführt, ergibt, daß sie die strahlende christliche Persönlichkeit besitzen, die er von seiner himmlischen „Braut“ erwartet. Sie stellen sich „als eine keusche Jungfrau dem Christus“ dar. Sie haben sich nicht „verdorben ..., hinweg von der Aufrichtigkeit und der keuschen Reinheit, die dem Christus gebühren“. (2. Korinther 11:2, 3) Die heutigen „verständigen“ Jungfrauen können vom Bräutigam als Glieder der Christenversammlung angenommen werden, über die geschrieben steht: „Daß er die Versammlung sich selbst in ihrer Pracht darstelle, ohne daß sie einen Flecken oder eine Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern daß sie heilig und ohne Makel sei.“ — Epheser 5:27.

      „UND DIE TÜR WURDE VERSCHLOSSEN“

      38. Wie viele werden schließlich zur Teilnahme am Hochzeitsfest zugelassen und wann wird die „Tür“ auf höheren Befehl geschlossen, und warum?

      38 Natürlich werden nicht mehr durch die „Tür“ hinein- und zur Teilnahme am Hochzeitsfest zugelassen als erforderlich ist, um die Zahl von 144 000 Gliedern der himmlischen „Braut“klasse vollzumachen. (Offenbarung 7:4-8; 14:1-5) Aber wann wird die „Tür“ auf höheren Befehl geschlossen? Das geschieht, wenn die „große Drangsal“ zu der von Gott bestimmten Zeit beginnt und die Christenheit sowie die übrigen Teile der Hure, Babylons der Großen, des Weltreiches der falschen Religion, vernichtet werden. Dann wird es für alle angeblichen Christen zu spät sein, Babylon die Große zu verlassen, um an deren Sünden nicht teilzuhaben und nicht von ihren todbringenden Plagen zu empfangen. (Offenbarung 18:4) Die Tatsache, daß die Tage der „großen Drangsal“ um der „Auserwählten“ willen „verkürzt“ werden zeigt, daß zu dem Zeitpunkt, da die „große Drangsal“ beginnen wird, die „Auserwählten“ vollzählig sein werden, nämlich 144 000. Das hat zur Folge, daß die Tür verschlossen wird.

      39. Was geschieht in dem Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ abschließend noch?

      39 Was wird dann geschehen? In dem Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ wird das durch folgende abschließende Worte angedeutet: „Danach kamen auch die übrigen Jungfrauen und sprachen: ,Herr, Herr, öffne uns!‘ Er gab zur Antwort: ,Ich sage euch die Wahrheit: Ich kenne euch nicht.‘ “ — Matthäus 25:11, 12.

      40. Weshalb konnte der Bräutigam zu den „törichten“ Jungfrauen mit Recht sagen: „Ich kenne euch nicht.“?

      40 Die fünf „törichten“ Jungfrauen beschafften sich die Sorte Öl, die sie bei den Ölhändlern, die ihnen zu jener Stunde der Nacht noch etwas verkauften, bekommen konnten; so kamen sie mit brennenden Lampen an die Tür. Aber ihre Lampen hatten nicht zu Ehren des Bräutigams gebrannt. Sie waren keine Teilnehmer des Festzuges gewesen, die mit ihm zusammengetroffen waren, sich über ihn gefreut und ihn mit Freuden begleitet hatten. Was hätte denn den Bräutigam erkennen lassen sollen, daß sie zu seinem Festzug gehörten? Es gab nichts, was ihm das bewiesen hätte! Sie hatten nichts zum Glanz seines Hochzeitszuges beigetragen. Deshalb konnte er mit Recht zu ihnen sagen: „Ich kenne euch nicht.“ Das gab ihm das Recht, die Tür verschlossen zu halten.

      41. Was wird die Klasse der „törichten Jungfrauen“ in bezug auf sich selbst erkennen, wenn die „große Drangsal“ über die Christenheit hereinbricht?

      41 So wird auch, wenn die „große Drangsal“ mit der Vernichtung der Christenheit, des führenden Teils der religiösen Hure, Groß-Babylons, beginnt, ihre Hoffnung, wenn sie stürben, in den Himmel zu kommen, stark erschüttert oder in Frage gestellt werden. Sie werden erkennen, daß sie nicht der richtigen Religionsgemeinschaft angehörten, der Gemeinschaft, die die „keusche Jungfrau“ bildet, „die Braut, das Weib des Lammes“. Sie werden die Erfahrung machen, daß sie nicht im physischen Leib in Wolken fortgenommen oder „entrückt“ werden „zur Begegnung mit dem Herrn in der Luft“, wie ihre religiösen Lehrer 1. Thessalonicher 4:17 auslegen. Wohl haben sie als Glieder dieser oder jener Religionsgemeinschaft der Christenheit geleuchtet, aber sie waren keine echten Christen, sondern nur Namenchristen oder angebliche Christen. Was jetzt, da die „große Drangsal“ beginnt, zählt, ist nicht das, was ihre Geistlichen oder Prediger über sie dachten oder sagten, sondern wie der himmlische Bräutigam sie beurteilt.

      42. Gestützt worauf werden sie dann den Bräutigam um Anerkennung anrufen, da ihre Religionsgemeinschaft, die ihnen als Mittler gedient hat, nicht mehr dasein wird?

      42 Zu spät erkennen die „Ausgeschlossenen“ die Situation, versinnbildet durch die verschlossene Tür, die für sie dadurch entsteht, daß die religiöse Vorstellung, auf der ihr Glaube beruht hat, durch die „große Drangsal“ verschwindet. Da ihre Religionsgemeinschaft, die bis dahin als ihr Mittler gedient hat, vernichtet wird, werden sie direkt mit dem Bräutigam und Haupt der wahren Kirche verkehren müssen. Da seine Parusie oder Gegenwart unsichtbar ist und er von ihnen nicht gesehen wird — als befände er sich hinter einer verschlossenen Tür —, werden sie ihn anrufen, um zu sehen, ob ihr Bekenntnis zum Christentum ohne die rechten Werke sie retten und es ihnen ermöglichen wird, in den Himmel zu kommen. Sie haben ihn mit dem Munde bekannt, sollte er sie jetzt dafür nicht auch anerkennen? „Herr, Herr“, werden sie ausrufen in der Hoffnung, daß er sie hört. Das sollte bewirken, daß ihnen die Tür geöffnet wird. Geschieht das?

      43. (a) Welche Worte, die Jesus in seiner Bergpredigt über diejenigen sprach, die ihn „Herr“ nannten, haben die Glieder der Klasse der „törichten Jungfrauen“ nicht ernst genommen? (b) Was wird ihnen widerfahren, wenn Jesus schließlich zeigt, daß es ihm mit diesen Worten Ernst war?

      43 Sie haben das, was der himmlische Bräutigam in seiner Bergpredigt sagte, als er auf der Erde war, nicht ernst genommen, nämlich: „Nicht jeder, der zu mir sagt: ,Herr, Herr‘, wird in das Königreich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: ,Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen prophezeit und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Machttaten vollbracht?‘ Und doch will ich ihnen dann bekennen: Ich habe euch nie gekannt! Weichet von mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit.“ (Matthäus 7:21-23) Aber in der „großen Drangsal“ wird die Klasse der „törichten Jungfrauen“ wissen, daß es dem Bräutigam mit diesen Worten sehr Ernst war, daß sie einen Grundsatz zum Ausdruck bringen, von dem er sich leiten läßt. Er wird ihnen die Tür nicht öffnen, um sie zur Teilnahme an dem himmlischen Hochzeitsfest einzulassen. Er wird sie draußen lassen, im tiefen Dunkel der Nacht dieser Welt, wo sie mit den anderen „Tätern der Gesetzlosigkeit“ umkommen werden. Nach dieser Vernichtung werden sie nicht zu himmlischem Leben auferstehen.

      44. Mit welchen Worten schloß Jesus das Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ ab, und was dürfen die „verständigen“ mit ihrem geistigen Öl nicht geschehen lassen?

      44 Jesu Worte, mit denen er das hervorhebt, was er durch das Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ lehren will, sind somit besonders für uns zeitgemäß, die wir in der Zeit des „Abschlusses des Systems der Dinge“ leben, nämlich: „Wacht daher beharrlich, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde.“ (Matthäus 25:13) Jetzt sollten alle, die den fünf „verständigen“ Jungfrauen gleichen möchten, durch ihre Tätigkeit und eine christliche Persönlichkeit, welche den Forderungen entspricht, die an alle Glieder der himmlischen „Braut“klasse gestellt werden, fortgesetzt leuchten. Sie dürfen keinen Kompromiß mit denen eingehen, die bestrebt sind, sie für die Torheit der anderen mitverantwortlich zu machen, und deshalb etwas oder viel von ihrem geistigen „Öl“ beanspruchen.

      45. Mit wem dürfen die Glieder der Klasse der „verständigen Jungfrauen“ keine gemeinsame Sache machen, und zu wessen Ehre sollten sie ständig leuchten, und warum?

      45 Wir dürfen uns nicht der Gefahr aussetzen, daß unsere Lampen verlöschen, und dürfen auf religiösem Gebiet nicht mit ihnen gemeinsame Sache machen. Wir benötigen alles geistige „Öl“, das wir für uns beschaffen können. Unser Glaube an die Ankunft und Gegenwart des Bräutigams muß stark bleiben, und wir müssen an dem mit Lampen beleuchteten Zug, der dem Bräutigam folgt, teilnehmen, bis dieser mit seiner Braut, seiner Versammlung, zu Hause ankommt. Die lange Zeit, in der der Bräutigam ausgeblieben war, ist vergangen. Er ist hier gegenwärtig in seiner Herrlichkeit. Die Zeit der Müdigkeit und des Schlafes ist vorbei! Es ist Zeit, zu seiner Ehre zu leuchten und die Freude zu teilen, die der himmlische Vater ihm bereitet hat, nämlich seine geistige „Braut“ zu sich zu nehmen und dies durch ein Hochzeitsfest zu feiern. Es ist jetzt unbedingt notwendig, wachsam zu bleiben, denn wir kennen weder den Tag noch die Stunde, da jene „Tür“ der Gelegenheit verschlossen und nie mehr geöffnet werden wird.

      EIN BESTANDTEIL DES „ZEICHENS“ SEINER PARUSIE

      46. (a) In Verbindung mit der Beantwortung welcher Frage seiner Apostel erzählte Jesus das Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“? (b) Was läßt die Glieder der Klasse der „verständigen Jungfrauen“ erkennen, daß das, was durch den Höhepunkt dieses Gleichnisses veranschaulicht wird, Wirklichkeit geworden ist, und von welcher Tatsache sind sie daher überzeugt?

      46 Jesus erzählte das Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ in Verbindung mit der Antwort auf die Frage seiner Apostel: „Was wird das Zeichen deiner Gegenwart [parousía] und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ (Matthäus 24:3) Das, was durch den Höhepunkt dieses Gleichnisses veranschaulicht wird, ist vom Jahre 1914 u. Z. an Wirklichkeit geworden. Jeder kann sehen, wie die letzten Einzelheiten dieses Gleichnisses wahr werden. Die im einzelnen dargelegten Vorgänge haben sich nicht in einem Winkel zugetragen, im verborgenen, sondern in aller Öffentlichkeit, so daß aufmerksame Personen Kenntnis davon nehmen konnten, ganz gleich, ob sie ihre Bedeutung verstanden oder nicht. Wenigstens die, die zu der Klasse der „verständigen Jungfrauen“ gehören, haben diese bedeutsamen Geschehnisse beobachtet und sie sind für sie ein überzeugender Beweis dafür, daß der himmlische Bräutigam im Jahre 1914 u. Z. gekommen ist und daß wir jetzt in der Zeit seiner unsichtbaren Parusie oder Gegenwart leben. Da sie sehen, daß sich die in dem Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ geschilderten Vorgänge abspielen, erkennen sie mit dem Auge des Glaubens, daß er gegenwärtig ist. Sie sind überzeugt, daß im Jahre 1914 u. Z. die Zeit des „Abschlusses des Systems der Dinge“ begonnen hat.

      47. Inwiefern ist das, was die „verständigen“ Jungfrauen in dem Gleichnis nach dem Ertönen des mitternächtlichen Rufes, durch den der Bräutigam angekündigt wurde, taten, eine Bestätigung für die eigentliche Bedeutung des griechischen Wortes parousía?

      47 Auch bedeutet ja das griechische Wort, das der Apostel Matthäus in seinem Evangelium in Kapitel 24, Vers 3 gebraucht hat, nicht „Kommen“, wie viele Übersetzer dieses griechische Wort wiedergeben, sondern „Gegenwart“. Das wird durch das bewiesen, was in dem Gleichnis beschrieben wird. Die „zehn Jungfrauen“, die eingenickt oder eingeschlafen sind, wachen auf, sobald sie den mitternächtlichen Ruf: „Der Bräutigam ist da!“ hören. Sie lassen ihre Blicke umherschweifen auf der Suche nach seinem beleuchteten Festzug, und sobald sie beobachten, daß er den Ort erreicht, an dem sie sind, schließen sich die, die bereit sind, seinem Zuge an. Von diesem Augenblick an vergeht Zeit, ehe alle die Wohnung des Bräutigams erreichen, wo das Hochzeitsfest stattfinden wird, an dem alle Geladenen, die für würdig befunden werden, teilnehmen. Somit muß der Bräutigam von der Zeit seiner Ankunft bis zu der Zeit, da er seine Braut in das für sie bereitgemachte Haus geleitet hat, gegenwärtig oder anwesend gewesen sein.

      EIN MISSVERSTÄNDNIS RICHTIGSTELLEN

      48. (a) In welchem Jahr begann nach den Berechnungen des Redakteurs und Herausgebers der Zeitschrift Zion’s Watch Tower die Gegenwart Christi? (b) Welches Jahr hielt man damals für das Jahr der Erschaffung des Menschen, wie das aus dem Vermerk ersichtlich war, der jahrelang auf der Titelseite des Wacht-Turms erschien?

      48 Der Redakteur und Herausgeber der Zeitschrift Zion’s Watch Tower and Herald of Christ’s Presence (Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi) errechnete allerdings, daß die „Gegenwart“ oder Parusie des himmlischen Bräutigams mit dem Jahr 1874 u. Z. begonnen habe. Russell und seine Mitarbeiter errechneten auch, daß Jehova Gott den ersten Menschen im Jahre 4128 v. u. Z. erschaffen habe, was bedeutet hätte, daß der Mensch im Jahre 1872 u. Z. 6 000 Jahre auf der Erde gewesen wäre. Man begann die Jahre nach dieser Zeitrechnung zu zählen, und auf der Titelseite der englischen Ausgabe der Zeitschrift Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi erschien vom 1. Juli 1906 an bis zur Ausgabe vom 15. September 1928 die entsprechende Jahreszahl. Auf der ersten der erwähnten Wacht-Turm-Ausgaben stand zum Beispiel: „July 1, A. D. 1906 — A. M., 6034“ (dementsprechend erschien auf der Titelseite der deutschen Ausgabe vom August 1906 die Angabe: seit Adam: 6034); die letzte der erwähnten Ausgaben trug das Datum: „Anno Mundi 6056 — September 15, 1928“ (deutsche Ausgabe: „1. Oktober 1928, seit Adam: 6056“). Als „Jahr der Welt“ errechnete man das Jahr 4128 vor unserer Zeitrechnung.

      49. (a) Welches Jahr wurde als das Jahr des Sündenfalls errechnet? (b) Wann hätten demnach die tausend Jahre beginnen müssen, in denen Satan im Abgrund gewesen wäre und Christus regiert hätte?

      49 Man nahm jedoch an, der vollkommene Mann und die vollkommene Frau hätten vor dem Sündenfall zwei Jahre im Garten Eden gelebt; deshalb errechnete man das Jahr 4126 v. u. Z. als das Jahr des Sündenfalls. Nach dieser Berechnung waren im Jahre 1874 u. Z. 6 000 Jahre, in denen die Menschheit in der Sklaverei der Sünde war, verflossen; ebenfalls in jenem Jahr, und zwar im Herbst, sollte das siebente Jahrtausend begonnen haben, was bedeutet hätte, daß damals der Urheber der Sünde, Satan, der Teufel, gebunden und in den Abgrund geworfen worden wäre und Christus begonnen hätte, die vorausgesagten tausend Jahre zu regieren. Das hätte bedeutet, daß das Jahr, in dem Christus seine Herrschaft begonnen hätte, auch das Jahr seiner Rückkehr und des Beginns seiner unsichtbaren Gegenwart oder Parusie gewesen wäre.

      50. Welche Gedanken aus der Fußnote zu Apostelgeschichte 13:20 in Wilsons Bibelübersetzung The Emphatic Diaglott wurden bei dieser Zeitrechnung berücksichtigt?

      50 Die erwähnte Zeitrechnung berücksichtigte die Vermutung, die in der Bibelübersetzung von Benjamin Wilson, The Emphatic Diaglott, in der Fußnote zu Apostelgeschichte 13:20 zu finden ist; der Text lautet: „Und hernach gab er ihnen, etwa vierhundertfünfzig Jahre, Richter bis auf den Propheten Samuel.“ Die Fußnote zu dieser Wiedergabe dieses Bibeltextes lautet:

      An dieser Stelle ergibt sich eine Schwierigkeit, die den Gelehrten, die sich mit der biblischen Zeitrechnung befassen, großes Kopfzerbrechen bereitet. Die hier erwähnte Zahl der Jahre stimmt nicht mit der in 1. Könige 6:1 erwähnten Zahl überein. Es sind viele Versuche gemacht worden, dieses Problem zu lösen, aber nur eine Erklärung scheint zufriedenstellend zu sein, die Erklärung nämlich, daß der Text in 1. Könige 6:1 verderbt worden ist, indem man den hebräischen Buchstaben Daleth (4) an die Stelle des Buchstabens He (5), der ähnlich aussieht, gesetzt hat. Das ergäbe, daß vom Auszug bis zum Bau des Tempels 580 Jahre (anstatt 480) verflossen wären, und das würde mit der Zeitrechnung des Paulus genau übereinstimmen.

      51. (a) Was schrieb daher C. T. Russell über 1. Könige 6:1 in seinem Buch The Time Is at Hand (Seite 53)? (b) In welches Jahr wäre demnach die Erschaffung des Menschen gefallen, in welchem Jahr wären vom Sündenfall an 6 000 Jahre verflossen gewesen, und wann hätte das große Jubeljahr beginnen müssen?

      51 Auf der Seite 53 des Buches The Time Is at Hand von C. T. Russell (deutsch: Der Wacht-Turm, September 1911, S. 143) wird über 1. Könige 6:1 gesagt:

      Es sollte augenscheinlich das fünfhundertundachtzigste Jahr heißen und wird möglicherweise ein Fehler bei der Abschreibung gewesen sein, denn wenn wir zu Salomos vier Jahren die vierzig Jahre Davids und die vierzig Jahre Sauls und die sechsundvierzig Jahre von dem Auszug aus Ägypten bis zur Teilung des Landes hinzuzählen, haben wir einhundertunddreißig Jahre, und ziehen wir diese von den vierhundertundachtzig Jahren ab, so bleiben nur dreihundertundfünfzig Jahre für die Periode der Richter übrig anstatt vierhundertundfünfzig Jahre, die in Richter und 1. Sam. annähernd und in Apg. 13, 19-21 bestimmt genannt werden. Der hebräische Buchstabe „Daleth“ (4 ,ד) sieht dem Buchstaben „He“ (5 ,ה) sehr ähnlich, und [es] wird angenommen, daß auf diese Weise der Fehler entstanden ist — und möglichenfalls der eines Abschreibers gewesen ist. [In] 1. Kön. 6, 1 sollte es also f ü n fhundertundachtzig heißen und somit in voller Harmonie sein mit den anderen diesbezüglichen Aussagen.

      Man verlängerte also beim Zusammenstellen der biblischen Chronologie die Richterzeit um 100 Jahre; dadurch wurde die Zeit der Erschaffung des Menschen um 100 Jahre zurückgeschoben, in das Jahr 4128 v. u. Z., so daß das Jahr 6000 der Menschheitsgeschichte auf das Jahr 1872 u. Z. fiel (Die Zeit ist herbeigekommen, Seite 46). Da man annahm, daß bis zum Sündenfall zwei Jahre vergangen seien, errechnete man, daß vom Sündenfall an bis zum Jahre 1874 u. Z. 6 000 Jahre verflossen seien und damit das siebente Jahrtausend, in dem durch die Herrschaft Christi die Sünde beseitigt würde, begonnen habe. Demnach hätte in jenem Jahr das große Jubeljahr der Erde beginnen müssen.

      52. Werden die in Apostelgeschichte 13:20 erwähnten 450 Jahre in den ältesten griechischen Manuskripten, wie aus modernen Bibelübersetzungen ersichtlich, auf die Richterzeit oder auf die Zeit davor bezogen?

      52 Nach den ältesten Manuskripten der Christlichen Griechischen Schriften lautet der Text in Apostelgeschichte 13:20 jedoch anders, als er in der Bibelübersetzung The Emphatic Diaglott und in anderen älteren Bibelübersetzungen wiedergegeben wird. In den ältesten Manuskripten werden die vierhundertundfünfzig Jahre nicht auf die Richterzeit bezogen. In der Bibelübersetzung von Kürzinger (Ausgabe 1962) wird Apostelgeschichte 13:20 wie folgt wiedergegeben: „... nach etwa vierhundertundfünfzig Jahren. Danach gab er ihnen Richter bis zu Samuel, dem Propheten.“ Nach der Jerusalemer Bibel (Ausgabe vom Jahre 1968) lautet dieser Text: „... nach ungefähr vierhundertfünfzig Jahren. Danach bestellte er Richter bis auf den Propheten Samuel.“ Sowohl in der Menge-Bibel vom Jahre 1949 als auch in der revidierten Luther-Bibel vom Jahre 1964 wird dieser Text ähnlich wiedergegeben.

      53. Wurden in den alten hebräischen Bibelhandschriften Buchstaben des Alphabets verwendet, um Zahlenwerte darzustellen?

      53 Ferner wurden in den ältesten hebräischen Handschriften wie den „Schriftrollen vom Toten Meer“ keine Buchstaben des Alphabets verwendet, um Zahlenwerte darzustellen, sondern die Zahlen, die in der Bibel vorkommen, sind ausgeschrieben; das bedeutet, daß die Annahme, beim Abschreiben von 1. Könige 6:1 sei ein Fehler unterlaufen, nicht zutreffen kann.b

      54. (a) Das Datum für den Beginn welcher hier zur Betrachtung stehenden Zeitperiode wurde dadurch beeinflußt, daß man die Zeitrechnung der Bibel so annahm, wie sie darin steht? (b) Bedeutete die Änderung des Namens des Wachtturms, durch die das Wort „Gegenwart“ fallengelassen wurde, daß man nicht mehr an die Gegenwart Christi glaubte?

      54 Das zeigt, daß die Bibel nicht dazu berechtigt, bei der Richterzeit 100 Jahre einzufügen. Diese Einfügung sollte daher fallengelassen werden, und man sollte die Zeitrechnung der Bibel so nehmen, wie sie in der Bibel steht. Das mußte sich natürlich unweigerlich auf das Datum für den Beginn der Parusie des Bräutigams, Jesus Christus, auswirken. Man änderte den Namen der Zeitschrift The Watch Tower, beginnend mit der Ausgabe vom 1. Januar 1939, auf The Watchtower and Herald of Christ’s Kingdom (deutsch: Der Wachtturm und Verkündiger des Königreiches Christi) und, beginnend mit der Ausgabe vom 1. März 1939, auf The Watchtower Announcing Jehovah’s Kingdom (deutsch: vom 1. Mai 1939 an auf Der Wachtturm als Verkünder von Jehovas Königreich). Das bedeutete nicht, daß die Herausgeber dieser Zeitschrift nicht mehr glaubten, sie würden in der Zeit der Gegenwart oder Parusie Christi leben, sondern es bedeutete, daß mehr Nachdruck auf das Königreich gelegt wurde, auf das Königreich Jehovas Gottes unter Jesus Christus, denn durch Jehovas Königreich unter Christus wird Jehovas universelle Souveränität gerechtfertigt werden.

      55. (a) Wann und wo wurden für die Richterzeit zum erstenmal nicht mehr 100 Jahre zuviel gerechnet, und wann würde demnach der Mensch sechstausend Jahre gelebt haben? (b) Wie beeinflußte dies das Datum 1874 u. Z. und welche Frage erhob sich?

      55 Im Jahre 1943 gab die Watch Tower Bible and Tract Society das Buch „The Truth Shall Make You Free“ („Die Wahrheit wird euch frei machen“) heraus. Im elften Kapitel dieses Buches, das überschrieben war „Die Zeitrechnung“, wurden für die Richterzeit nicht mehr 100 Jahre zuviel gerechnet, und man berücksichtigte die älteste und zuverlässigste Lesart von Apostelgeschichte 13:20; ferner akzeptierte man die ausgeschriebenen Zahlen in den Hebräischen Schriften. Das bedeutete, daß der Mensch erst in den 1970er Jahren sechstausend Jahre auf der Erde gelebt haben würde. Natürlich konnte nun das Jahr 1874 u. Z. nicht mehr als das Datum für die Wiederkunft des Herrn Jesus Christus und den Beginn seiner unsichtbaren Gegenwart oder Parusie gelten. Somit lagen die tausend Jahre noch in der Zukunft, in denen Satan der Teufel, gefesselt im Abgrund gefangengehalten würde und die 144 000 Miterben Christi mit Christus in himmlischer Herrlichkeit regieren würden. Wie stand es aber um die Parusie (Gegenwart) Christi? Auf der Seite 325 (der deutschen Ausgabe) des erwähnten Buches wurde entschieden erklärt: „Die Gegenwart oder parousía des Königs begann im Jahre 1914.“ Auch in der Zeitschrift The Watchtower, Ausgabe vom 15. Juli 1949, Seite 215, Absatz 22 (Wachtturm vom 15. September 1949, Seite 279, Absatz 22) wurde erklärt: „... daß der Messias, der Sohn des Menschen, im Jahre 1914 n. Chr. zur Königreichsmacht kam und daß dies sein zweites Kommen und der Beginn seiner zweiten parousía oder Gegenwart ist.“

      56. (a) Welche neue Bibelübersetzung wurde im Jahre 1950 veröffentlicht, und wie wurde darin Apostelgeschichte 13:20 wiedergegeben? (b) Was wurde ferner in einem Buch über die Gegenwart Christi gemäß der berichtigten biblischen Zeitrechnung gesagt?

      56 Die im Jahre 1950 herausgegebene New World Translation of the Christian Greek Scriptures (Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften, 1963) enthielt die zuverlässigste Lesart von Apostelgeschichte 13:20 und gab an allen Stellen das Wort parousía mit „Gegenwart“ wieder. Gleich darauf erschien das Buch „This Means Everlasting Life“ („Dies bedeutet ewiges Leben“). Das 21. Kapitel dieses Buches trug die Überschrift „Zweite Gegenwart des Hauptvermittlers des Lebens“. Dieses Kapitel behandelte von Anfang bis Ende dieses Thema, gestützt auf die berichtigte biblische Zeitrechnung. Auf den Seiten 220 bis 222 lesen wir:

      Die bereits betrachteten Beweise zeigen, daß Gottes Königreich im Jahre 1914 n. Chr. geboren und sein Sohn auf den Thron erhoben worden ist mit der Autorität, inmitten seiner Feinde mit eisernem Stabe zu herrschen. Er wird sie schließlich zerschmettern und das Universum von allen säubern, die wider Gottes rechtmäßige Oberhoheit kämpfen. — Psalm 2:8, 9.

      Somit kennzeichnet das Jahr 1914 n. Chr. die Zeit der unsichtbaren Wiederkunft Christi im Geiste. ... Daß er im Jahre 1914 in das Königreich gekommen ist, kennzeichnet den Beginn seiner zweiten Gegenwart oder parousía. Dieses griechische Wort bedeutet Gegenwart.

      ... Obwohl unsichtbar, im Geiste, ist seine zweite Gegenwart für die Menschen der ganzen Erde doch von solcher Wichtigkeit, daß sie weder geheimgehalten werden darf noch wird. ... „Denn ebenso wie der Blitz ausgeht von östlichen Gegenden und hinüberleuchtet zu westlichen, so wird auch die Gegenwart [parousía] des Sohnes des Menschen sein.“ — Matthäus 24:26, 27, NW.

      Seit 1914 hat der gegenwärtige Christus die Beweise seiner zweiten Gegenwart oder parousía den Menschen überall kundgetan und verständlich gemacht.

      57. (a) Begann Christus vor dem Ende der Zeiten der Nationen, vor dem Jahr 1914, inmitten seiner Feinde zu regieren? (b) Wann bewirkte der Bräutigam, daß der mitternächtliche Ruf gehört wurde, und für welche wichtigen Tatsachen ist das, was seither geschehen ist, ein Beweis?

      57 Wie schön stimmt doch der Gedanke mit der inspirierten Heiligen Schrift überein, daß Christus nicht vierzig Jahre vor 1914, dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen abliefen, zu regieren begann! Er tat das nicht, sondern er wartete zur Rechten seines himmlischen Vaters bis zu jenem Zeitpunkt, um dann zu beginnen, inmitten seiner irdischen Feinde zu herrschen, die Jehova als Schemel für seine Füße hinlegt. (Psalm 110:1, 2; Hebräer 10:12, 13) Die Anwesenheit oder Parusie des Königs begann somit richtigerweise in jenem Jahr. Wie die Geschichte zeigt, bewirkte er, daß im Jahre 1919 der mitternächtliche Ruf auf der Erde ertönte und die schlafenden „Jungfrauen“ wachgerüttelt wurden, so daß sie die Dringlichkeit der Situation erkannten. „Der Bräutigam ist da! Geht hinaus, ihm entgegen!“ Dieser Ruf gab ihnen die Gewißheit, daß der himmlische Bräutigam anwesend war. Von da an ist die als „verständige“ Jungfrauen bezeichnete Klasse ihm entgegengegangen. Die Glieder dieser Klasse scheinen wie Lichter in der finsteren Welt. Das an sich ist ein Beweis dafür, daß wir in der Zeit der verheißenen Gegenwart Christi leben. Es ist auch ein Beweis dafür, daß sich Gottes Königreich, in dem Christus tausend Jahre herrschen wird, genaht hat!

      58. Warum dürfen wir uns bei einer Betrachtung des „Zeichens“ der Nähe des Königreiches nicht nur mit dem Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ befassen?

      58 Die Erfüllung des prophetischen Gleichnisses von den „zehn Jungfrauen“ bildet nicht das ganze „Zeichen“ für das Herannahen dieser gesegneten Tausendjahrherrschaft. Wir dürfen uns daher nicht mit diesem Gleichnis begnügen, sondern müssen uns mit weiteren Bestandteilen dieses außerordentlichen „Zeichens“ befassen.

      [Fußnoten]

      a Siehe das Buch „Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet,“ Seite 323, 324, Abs. 35. Siehe auch The Watch Tower vom 15. August 1918, Seite 249, Einladung zur Hauptversammlung in Milwaukee und Brief von J. F. Rutherford.

      b Als die Hebräer in nachbiblischen Zeiten Zahlen mit Hilfe von Buchstaben des Alphabets darstellten, hatten sie für die Null kein Zeichen, denn ihr System kannte keine Null. Die Zahl 400 wurde nicht durch den Buchstaben Daleth, gefolgt von zwei Nullen, dargestellt und 500 nicht durch den Buchstaben He, gefolgt von zwei Nullen. Die Zahl 400 wurde durch einen hebräischen Buchstaben (Tau) dargestellt und die Zahl 500 durch zwei hebräische Buchstaben (Tau Koph). Die Zahl Achtzig wurde durch den hebräischen Buchstaben Pe dargestellt und die Zahl Zehn durch den Buchstaben Jod. Man konnte also Tau Pe (480) nicht mit Tau Koph Pe (580) verwechseln.

      [Bild auf Seite 188]

      C. T. Russell

  • Die Habe des Königs vermehren
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 12. Kapitel

      Die Habe des Königs vermehren

      1. (a) Welche Frage erhebt sich in bezug auf die Miterben des Königreiches Gottes, die sich noch unter uns befinden? (b) Wofür sind die Dinge, die wir in Verbindung mit ihnen beobachten, ein Beweis?

      DA ALLE Anzeichen darauf hinweisen, daß sich die Tausendjahrherrschaft des Königreiches Gottes genaht hat, erhebt sich die Frage: Was sollte von den Personen erwartet werden, die zusammen mit Gottes König des Tausendjahrreiches die himmlische Regierung bilden werden? Während sie unter uns sind, dürfen wir erwarten, beobachten zu können, daß von ihnen Rechenschaft verlangt wird und daß geprüft wird, wie sie mit der Habe des himmlischen Königs, mit dem sie gemäß ihrer Berufung regieren werden, umgehen. Wie vertreten sie die irdischen Belange dieses himmlischen Königs? Wenn wir beobachten, daß die Miterben dieses Königreiches unter uns zur Rechenschaft gezogen und geprüft werden, ist das ein überzeugender Beweis dafür, daß Gottes messianischer König regiert. Er ist auf seinem königlichen Thron gegenwärtig.

      2, 3. (a) In welchem Gleichnis Jesu wird die heute zu beobachtende Entwicklung veranschaulicht, und welche Frage seiner Apostel beantwortete er damit? (b) Wie beginnt dieses Gleichnis?

      2 Diese interessante Entwicklung im Laufe unseres zwanzigsten Jahrhunderts, die vor den Augen der Menschen stattgefunden hat, wird in einem Gleichnis veranschaulicht, das Jesus der einzigartigen Prophezeiung beigefügt hat, die er äußerte, als er am 11. Nisan (Frühlingsmonat) des Jahres 33 u. Z. auf dem Ölberg saß, der Jerusalem überragt. Er beantwortete ausführlich die folgende Frage seiner Apostel: „Wann werden diese Dinge sein, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart [griechisch: parousia] und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ (Matthäus 24:3) Nachdem er seinen Aposteln das Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ erzählt und ihnen gesagt hatte, was er sie dadurch lehren wollte, erzählte er ihnen ein weiteres Gleichnis; wenn alle darin geschilderten Ereignisse einträten, würde das bedeuten, daß die Zeit seiner unsichtbaren Parusie begonnen habe. Dieses Gleichnis wird gewöhnlich das „Gleichnis von den Talenten“ genannt. Es beginnt wie folgt:

      3 „Denn es ist so, wie wenn ein Mensch, der im Begriff stand, außer Landes zu reisen, seine eigenen Sklaven zu sich rief und ihnen seine Habe übergab. Und dem einen gab er fünf Talente, einem anderen zwei, noch einem anderen eines, einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit, und er ging außer Landes.“ — Matthäus 25:14, 15.

      4. (a) Was ist gemäß dem Kontext gemeint, wenn gesagt wird, es sei „so, wie wenn“ ein reicher Mann sein Vermögen seinen Sklaven übergibt, bevor er ins Ausland reist? (b) Wen stellt dieser „Mann“ dar, und warum?

      4 Doch was ist gemeint, wenn gesagt wird, es sei „so, wie wenn“ ein reicher Mann sein Vermögen seinen Sklaven übergibt, bevor er ins Ausland reist? Nun, damit sind die mit dem Königreich verbundenen Umstände gemeint, von denen Jesus Christus gerade gesprochen hat. Das zeigt das Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“, das er vorher erzählt und mit den Worten eingeleitet hat: „Dann wird das Königreich der Himmel zehn Jungfrauen gleich werden, die ihre Lampen nahmen und auszogen, dem Bräutigam entgegen.“ (Matthäus 25:1) Das geht auch aus dem Gleichnis hervor, das Jesus nach dem Gleichnis von den „Talenten“ vorträgt. (Matthäus 25:31-34) In dem Gleichnis, das wir jetzt behandeln, meint der Herr Jesus Christus mit dem reichen Mann, der ins Ausland verreist, natürlich sich selbst. Er war ja nach dem „Zeichen“ seiner Gegenwart gefragt worden.

      5. In welchem Gleichnis, das Jesus früher erzählt hatte, finden wir auch einige Merkmale des Gleichnisses von den „Talenten“? Welchem unterschiedlichen Zweck dienten die beiden Gleichnisse jedoch?

      5 Verschiedene Merkmale des Gleichnisses von den „Talenten“ sind auch in einem Gleichnis zu finden, das Jesus früher erzählt hatte und das gewöhnlich das „Gleichnis von den Pfunden“ (oder Minen) genannt wird. Interessanterweise sollte die Erfüllung des prophetischen Gleichnisses von den „Talenten“, die in unsere Tage fällt, beweisen, daß die Zeit der Gegenwart oder Parusie des Königs und Herrn Jesus Christus da ist. Das Gleichnis von den „Pfunden“ oder Minen dagegen erzählte der Herr Jesus, um seinen Zuhörern vor Augen zu führen, daß damals das messianische Königreich noch in weiter Ferne lag. Der Bericht, der das Gleichnis von den Minen einleitet, lautet daher: „Während sie diesen Dingen lauschten, redete er außerdem in einem Gleichnis.“ Warum? „Weil er nahe bei Jerusalem war und sie meinten, das Königreich Gottes werde sich augenblicklich zeigen. Daher sprach er: ,Ein gewisser Mensch von vornehmer Geburt reiste in ein fernes Land, um Königsmacht für sich zu erlangen und zurückzukehren. Er rief zehn seiner Sklaven und gab ihnen zehn Minen und sprach zu ihnen: „Macht Geschäfte damit, bis ich komme.“ ‘ “ (Lukas 19:11-13) Hier ging es um eine lange Reise in ein fernes Land und um die Rückkehr von dieser Reise; das würde bedeuten, daß eine lange Zeit verstreichen würde, ehe der vornehme Mann, ausgestattet mit Königsmacht, zurückkehren würde.

      6. (a) Was war, zwei Tage bevor Jesus das Gleichnis von den „Talenten“ erzählte, geschehen, und was hatte sich damals nicht gezeigt? (b) Welche Frage erhebt sich daher nun?

      6 Auch als Jesus das Gleichnis von den „Talenten“ erzählte, war das messianische Königreich Gottes noch in weiter Ferne; es war nicht im Begriff, alsbald in Erscheinung zu treten. Zwei Tage davor, am Sonntag, dem 9. Nisan 33 u. Z., war Jesus auf dem Füllen einer Eselin im Triumph in Jerusalem eingeritten, und die jubelnde Volksmenge hatte ausgerufen: „Gesegnet ist, der im Namen Jehovas kommt! Gesegnet ist das kommende Königreich unseres Vaters David! Rette, bitte, in den Höhen droben!“ Und doch hatte sich das Königreich damals nicht gezeigt. (Markus 11:9, 10) Zeigt sich das Königreich in unserer Zeit? Das ist für uns jetzt die wichtige Frage! Seitdem Jesus als Mensch auf der Erde war, ist eine lange Zeit verflossen.

      7, 8. (a) Wie ermitteln wir, wann sich das prophetische Gleichnis von den „Talenten“ zu erfüllen begann? (b) Wie wird dies durch Apostelgeschichte 1:2-5 bestätigt?

      7 Die Erfüllung des prophetischen Gleichnisses von den „Talenten“, das auf die Parusie oder Gegenwart Jesu hindeutet, begann vor neunzehnhundert Jahren, zur Zeit der Apostel. Der gewisse „Mensch“ in dem Gleichnis, Jesus Christus selbst, war bis zum Tag seiner Himmelfahrt — zehn Tage bevor man in Jerusalem das Pfingstfest feierte — bei ihnen persönlich anwesend. Das Gleichnis beginnt mit den Worten, daß ein Mensch „im Begriff stand, außer Landes zu reisen“, und seine Sklaven zu sich rief und ihnen seine Habe übergab. Der auferstandene Jesus unternahm seine Reise „außer Landes“ oder „in ein fernes Land“ erst an dem Tag, an dem er in den Himmel auffuhr und den Blicken seiner Jünger entschwand. Somit mußte er vor jenem Geschehnis „seine eigenen Sklaven“, die Jünger, die ihm damals treu anhingen, zu sich gerufen und ihnen seine Habe übergeben haben. Deshalb müssen sich die am Anfang des Gleichnisses geschilderten Ereignisse in der Zeit zwischen seiner Auferstehung und seiner Auffahrt in die Gegenwart seines himmlischen Vaters abgespielt haben. Im Einklang damit lesen wir in Apostelgeschichte 1:2-5:

      8 „Bis zu dem Tag, da er hinaufgenommen wurde, [hatte Jesus mit seinen Jüngern Geschäftliches zu besprechen. Er wurde hinaufgenommen,] nachdem er durch heiligen Geist den von ihm ausgewählten Aposteln Auftrag gegeben hatte. Diesen zeigte er sich auch, nachdem er gelitten hatte, durch viele sichere Beweise als lebend, indem er vierzig Tage hindurch von ihnen gesehen wurde und von den Dingen über das Königreich Gottes redete. Und während er mit ihnen zusammenkam, gab er ihnen die Weisung: ,Entfernt euch nicht von Jerusalem, sondern wartet weiterhin auf das, was der Vater verheißen hat, worüber ihr von mir hörtet; denn Johannes taufte zwar mit Wasser, ihr aber werdet nicht viele Tage nach diesem in heiligem Geist getauft werden.‘ “

      9. (a) Was deutet in dem Gleichnis von den „Talenten“ auf den Zweck der Auslandsreise des Mannes hin? (b) Zu welchem Zweck reiste der in dem ähnlichen Gleichnis von den Minen erwähnte Mann in ein fernes Land, und wie bestätigte Jesus dies beim Abendmahl?

      9 Das Land, in das der in dem Gleichnis erwähnte „Mensch“, der „außer Landes“ ging, reiste, war der Himmel selbst, wo der himmlische Vater des Herrn Jesus Christus wohnt. In Lukas 19:12 wird es mit Recht als ein „fernes Land“ bezeichnet. In dem Gleichnis von den „Talenten“ sagt Jesus nicht, warum der „Mensch“ außer Landes reiste. Er deutet aber an, daß er das tat, um eine besondere „Freude“ zu erlangen und seine „Habe“ um „vieles“ zu vermehren. Als dieser Mann den Zweck seiner Auslandsreise erreicht hatte, ging er als Herr der „Sklaven“, die er zurückgelassen hatte, in seine „Freude“ ein. In dem analogen oder ähnlichen Gleichnis von den Minen wird angedeutet, daß er ins Ausland reiste, um „Königsmacht für sich zu erlangen und zurückzukehren“. Der Besitz des Königreiches war daher seine „Freude“. Jesus deutete an, daß er deswegen in den Himmel ging, als er zu seinen treuen Aposteln sagte, nachdem er ihnen gezeigt hatte, wie sie alljährlich das Abendmahl feiern sollten: „Ich mache einen Bund mit euch, so, wie mein Vater einen Bund mit mir gemacht hat, für ein Königreich, damit ihr an meinem Tisch in meinem Königreich eßt und trinkt und auf Thronen sitzt, um die zwölf Stämme Israels zu richten.“ — Lukas 22:29, 30.

      10. Wen stellen die in dem Gleichnis erwähnten „eigenen Sklaven“ dar, und was beweist, daß sie diese Bezeichnung selbst angenommen hatten?

      10 Die in dem Gleichnis erwähnten „eigenen Sklaven“ waren die getauften Jünger Jesu Christi, die die Aussicht hatten, im „Königreich der Himmel“ auf einem Thron zu sitzen. Die Apostel schämten sich nicht, zu bekennen, „Sklaven“ des Herrn Jesus zu sein. Der zweite Brief des Petrus beginnt zum Beispiel mit den Worten: „Simon Petrus, ein Sklave und Apostel Jesu Christi.“ (2. Petrus 1:1) Der Apostel Johannes leitet das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, mit dem Hinweis ein: „Er [Jesus Christus] sandte seinen Engel aus und legte sie durch ihn in Zeichen seinem Sklaven Johannes dar.“ (Offenbarung 1:1) Der Jünger Judas beginnt seinen Brief wie folgt: „Judas, ein Sklave Jesu Christi, aber ein Bruder des Jakobus.“ (Judas 1) Der Jünger Jakobus beginnt seinen Brief mit den Worten: „Jakobus, ein Sklave Gottes und des Herrn Jesus Christus, an die zwölf Stämme, die überall zerstreut sind.“ (Jakobus 1:1) Der Apostel Paulus leitet seinen Brief an die Philipper folgendermaßen ein: „Paulus und Timotheus, Sklaven Christi Jesu, an alle Heiligen in Gemeinschaft mit Christus Jesus, die in Philippi sind.“ — Philipper 1:1.

      DIE ÜBERGABE „SEINER HABE“

      11. Worin bestand die „Habe“, die Jesus als der in dem Gleichnis erwähnte „Mensch“ seinen „Sklaven“ hinterließ, nicht?

      11 Mit den „Sklaven“, die der scheidende Jesus Christus zu sich rief, ehe er die Erde verließ, und denen er „seine Habe“ übergab, waren die Jünger gemeint, die die Aussicht hatten, das himmlische Königreich zu ererben. (Matthäus 25:14) Worum handelte es sich bei dieser Habe? Er hinterließ seinen Jüngern keine materiellen Güter wie Häuser, Land, Kleider oder ein Bankkonto. Er hinterließ Maria, seine alternde Mutter, und seine Halbbrüder und Halbschwestern, als er auf Golgotha am Marterpfahl starb; und diese erbten nach dem Gesetz Mose irgendwelche materiellen Güter, die er hinterließ. Und während der dreieinhalb Jahre, in denen er Gottes Königreich predigte und lehrte, trachtete er nicht danach, „Schätze auf der Erde“ aufzuhäufen, sondern suchte zuerst das Königreich seines himmlischen Vaters. (Matthäus 6:19, 20, 33; 12:46, 47; 24:3-47; Apostelgeschichte 1:14) Was hinterließ er also, das er seinen „Sklaven“ übergeben konnte?

      12, 13. (a) Was hinterließ Jesus Christus denn als „Habe“? (b) Wie bestätigte Jesus diese Auffassung durch das, was er zu seinen Aposteln am Jakobsbrunnen in Samaria sagte?

      12 Es war eine Grundlage für weitere christliche Tätigkeit, ein bearbeitetes Feld, wo die gute Botschaft von Gottes messianischem Königreich weiterhin gepredigt werden konnte und wo erfolgreich Jünger Christi gemacht werden konnten. Es war ein gebahnter Weg für seine Jünger oder seine „Sklaven“. Schon im Jahre 30 u. Z. sagte Jesus, als ihn sein Weg durch das Land Samaria führte und nachdem er einer Samariterin am „Jakobsbrunnen“ bei Sychar gepredigt hatte, zu seinen Aposteln:

      13 „Seht! Ich sage euch: Hebt eure Augen auf und schaut die Felder an, daß sie weiß sind zur Ernte. Schon empfängt der Schnitter Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, so daß sich der Sämann und der Schnitter zusammen freuen können. Hierin bewahrheitet sich in der Tat der Spruch: Einer sät aus, und ein anderer erntet. Ich habe euch ausgesandt, das zu ernten, wofür ihr keine mühevolle Arbeit geleistet habt. Andere haben hart gearbeitet, und ihr habt den Nutzen ihrer mühevollen Arbeit erlangt.“ — Johannes 4:35-38.

      14. (a) Welcher Unterschied bestand zwischen der öffentlichen Tätigkeit Johannes’ des Täufers und der Jesu Christi? (b) Wo und wie hatte Jesus gewirkt, so daß er ein bebautes Feld hinterlassen konnte, das fruchtbar sein würde?

      14 Etwa sechs Monate lang hatte Johannes der Täufer als Wegbereiter Jesu gewirkt und verkündigt: „Bereut, denn das Königreich der Himmel hat sich genaht.“ Und nachdem Johannes im Jahre 30 u. Z. eingesperrt worden war, begann Jesus, die gleiche Botschaft zu verkündigen. In den darauffolgenden drei Jahren benutzte Jesus jede Gelegenheit, um diese Botschaft zu predigen und das Volk zu lehren. Johannes der Täufer konnte somit nur ganz kurze Zeit in Freiheit öffentlich tätig sein, nur etwa ein Jahr lang; die öffentliche und private Tätigkeit Jesu war indessen dreimal so lang. Von beiden Männern kann gesagt werden, sie hätten ausgesät; Jesus machte da weiter, wo Johannes aufgehört hatte. Jesus begann, Jünger einzusammeln, aber er hätte auf seinem Feld, auf dem er tätig war, noch viel mehr einsammeln können. (Matthäus 4:12-23; 3:1-7) Jesus hatte außerdem während seiner öffentlichen Tätigkeit sowie durch seinen gewaltsamen Tod und seine Auferstehung die biblischen Prophezeiungen über den verheißenen Messias erfüllt, und das war allgemein bekannt. Das blieb nicht ohne Wirkung auf das jüdische Volk, das in dem Gebiet lebte, in dem Jesus Christus zu jener Zeit der umstrittenste Mann der Öffentlichkeit war. Die Folge war ein bebautes Feld, das Jünger Christi hervorbringen würde.

      15. (a) Welches wertvolle Gut, das günstige Möglichkeiten bot, hinterließ Jesus Christus also seinen Jüngern? (b) Wie viele waren es anfänglich, denen er diese „Habe“ hinterließ?

      15 Jesus bestellte somit das Menschen„feld“, auf dem er tätig war, so, daß günstige Bedingungen oder Voraussetzungen für das Hervorbringen von Jüngern vorhanden waren, er bereitete es so vor, daß für das künftige Werk seiner Jünger gute Wachstums- oder Erfolgsmöglichkeiten bestanden. Das vorbereitete Feld, das solche Möglichkeiten für das Hervorbringen und Einsammeln von Jüngern Christi bot, bildete die „Habe“ des auferstandenen Herrn Jesus Christus. Diese „Habe“ übergab er seinen Jüngern, seinen Sklaven. Nach seiner Auferstehung war er „mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal“ erschienen, aber am Tag des Pfingstfestes waren dann nur etwa hundertzwanzig Jünger in dem Obersaal in Jerusalem versammelt, die als erste den heiligen Geist, der aus dem Himmel auf sie herabgegossen wurde, empfingen. (1. Korinther 15:6; Matthäus 28:16-18; Apostelgeschichte 1:13-15) Somit müssen es mindestens über hundert „Sklaven“ Christi gewesen sein, denen er seine „Habe“ übergab, ehe er außer Landes reiste, indem er zu seinem himmlischen Vater auffuhr.

      16. Welchen Geldwert hatte die „Habe“ des in dem Gleichnis erwähnten Mannes, und wie verteilte er diese „Habe“ unter seine „Sklaven“?

      16 Wie verteilte er seine „Habe“, und wovon ließ er sich dabei leiten? Wir lesen: „Und dem einen gab er fünf Talente, einem anderen zwei, noch einem anderen eines, einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit, und er ging außer Landes.“ (Matthäus 25:15) Seine „Habe“ bestand somit aus acht (8) Silbertalenten, die er unter seine Sklaven verteilte. Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung war das ein großes Vermögen, denn jedes Silbertalent entsprach sechzig (60) Minen, was etwa 850 amerikanischen Dollar entsprechen würde. Der Sklave, dem ein Silbertalent anvertraut wurde, erhielt diese Menge Geld, um damit zu handeln; der Sklave, dem zwei Talente anvertraut wurden, erhielt das Doppelte jener Summe; der Sklave, dem fünf Talente anvertraut wurden, erhielt das Fünffache jener Summe. Jeder Sklave erhielt die Menge Geld, die „seiner eigenen Fähigkeit“ entsprach, mit einer solchen Summe umzugehen und Geschäfte damit zu machen. Der reiche Mann kannte seine Sklaven und ihre Fähigkeiten.

      17. (a) Was für Fähigkeiten hatten die in dem Gleichnis erwähnten Sklaven, und was ist in dieser Hinsicht über die Erfüllung dieses prophetischen Gleichnisses zu sagen? (b) Welcher Sklave erhielt in dem Gleichnis die größte Verantwortung, und wer wird durch ihn veranschaulicht?

      17 Bei der in dem Gleichnis von den „Talenten“ erwähnten „Fähigkeit“ handelte es sich um die natürlichen Fähigkeiten der Sklaven, die diese herangebildet oder entwickelt hatten. In der Erfüllung dieses prophetischen Gleichnisses handelt es sich dabei nicht um körperliche oder geistige Fähigkeiten — obwohl diese wertvoll und nützlich sein können —, sondern um die Möglichkeiten, die ein Sklave Christi, der die Aussicht hat, das himmlische Königreich zu ererben, in religiöser Hinsicht hat. Die Hingabe, die Dienstbereitschaft und der Eifer des Sklaven Christi begünstigen seine Möglichkeiten, mit dem ihm übergebenen geistigen Reichtum zu handeln. Der Sklave, der entsprechend seiner Fähigkeit den Teil der Habe erhält, der durch die fünf Talente veranschaulicht wird, trägt natürlich die größte Verantwortung. Der Herr Jesus Christus übertrug seinen Sklaven, den Aposteln, die größte Verantwortung; sie mußten ein großes wegbereitendes Werk tun, auch sollten sie die sekundären Grundlagen der Christenversammlung bilden. — Offenbarung 21:14; Epheser 2:20-22.

      18. (a) Was wurde dadurch dargestellt, daß es nur drei „Sklaven“ waren? (b) Wen veranschaulichen sie ebenfalls, obwohl in dem Gleichnis nur von Männern die Rede ist?

      18 Der Herr Jesus Christus hat natürlich mehr als drei geistige „Sklaven“, mit denen er einen Bund für das himmlische Königreich gemacht hat. Die drei „Sklaven“ in dem Gleichnis veranschaulichen somit drei verschiedene Klassen derer, die die Hoffnung haben, das himmlische Königreich zu ererben. Zur Versammlung geistgezeugter Christen gehörten auch viele gläubige Frauen, das dürfen wir nicht vergessen. Am Tag des Pfingstfestes des Jahres 33 u. Z. zählte z. B. Maria, die Mutter Jesu, dazu; und wahrscheinlich waren Maria und Martha von Bethanien, einem Dorf bei Jerusalem, unter den in Apostelgeschichte 1:14 erwähnten „einigen Frauen“, die an jenem denkwürdigen Pfingsttag den heiligen Geist empfingen. (Johannes 11:1-45) Als in Jerusalem eine Verfolgung ausbrach, ging der Evangeliumsverkündiger Philippus nach dem nördlich davon gelegenen Samaria, wo er Samariterinnen fand, die gläubig wurden, denn wir lesen: „Als sie aber Philippus glaubten, der die gute Botschaft vom Königreich Gottes und vom Namen Jesu Christi verkündete, ließen sie sich taufen, sowohl Männer als auch Frauen.“ — Apostelgeschichte 8:12.

      19. (a) Was sollten die in dem Gleichnis erwähnten „Sklaven“ nach den Erwartungen des „Menschen“ mit seiner „Habe“ tun? (b) Was sollten nach den Erwartungen Jesu Christi seine Jünger, seine „Sklaven“, mit der „Habe“ tun, die er ihnen hinterlassen hatte?

      19 In dem Gleichnis erwartete der Mann, der verreiste, daß seine Sklaven während seiner Abwesenheit mit diesen Talenten Geschäfte machen und so seine Habe vermehren würden. Er wollte, daß sie mit diesem Geld arbeiteten und es nicht brachliegen ließen. Auch der Herr Jesus Christus erwartete von seinen Jüngern, seinen „Sklaven“, denen er all seine Habe auf der Erde anvertraute, daß sie das vorbereitete, bebaute Feld, das er ihnen übergab, weiter bearbeiten würden, ja er gebot ihnen sogar, dies zu tun; sie sollten es nicht vernachlässigen, so daß es keinen Ertrag bringen würde. Sie sollten auch nicht nur das ursprüngliche Feld, sondern noch weitere Felder bearbeiten und so das ursprüngliche Feld vergrößern. Ja, der abwesende Herr Jesus Christus erwartete, daß sie seine Habe vermehrten, andernfalls würden sie wegen ihres Pflichtversäumnisses bestraft.

      MIT DEN „TALENTEN“ GESCHÄFTE MACHEN

      20. Was erwartete der „Mensch“ von seinen Sklaven hinsichtlich der ihnen anvertrauten Talente, und wieso lohnte es sich für die Sklaven, daß sie seine Erwartungen erfüllten?

      20 Obwohl den Sklaven in dem Gleichnis nicht ausdrücklich gesagt wurde, sie sollten die Talente vermehren, war ihnen klar, daß das von ihnen erwartet wurde. Das geht aus dem Gleichnis hervor, denn wir lesen: „Sogleich ging der, der die fünf Talente empfangen hatte, hin und machte Geschäfte damit und gewann fünf weitere. Desgleichen gewann der, der die zwei empfangen hatte, zwei weitere.“ (Matthäus 25:16, 17) Diese beiden Sklaven brachten offensichtlich das Geld nicht auf die Bank, wo es Zinsen getragen hätte, weil die Bank damit gearbeitet hätte; sondern sie machten selbst Geschäfte, wobei sie sachkundig und scharfsinnig sowie klug vorgingen. Ihre persönlichen Anstrengungen machten sich bezahlt, denn jeder verdoppelte sein Geld. Jeder nutzte ‘seine eigene Fähigkeit’, erwies sich gegenüber seinem Gebieter als treu, war ihm ergeben und von dem Wunsch erfüllt, sein Wohlgefallen zu erlangen.

      21, 22. Wie und in welchem Ausmaß sollte die „Habe“ Jesu Christi vermehrt werden? In welchen Gebieten?

      21 Wie sollte sich nun das in dem prophetischen Gleichnis geschilderte Verdoppeln des Anteiles der „Habe“, die der Herr Jesus Christus den voraussichtlichen Erben des Königreiches übergeben hat, erfüllen? Der Herr Jesus Christus sagte, wie es geschehen sollte, und im Bibelbericht finden wir Beispiele dafür, wie es vor neunzehnhundert Jahren vor sich ging. Der Herr Jesus verkörperte sich einige Tage vor seiner Himmelfahrt und erschien seinen Jüngern an einem Ort auf einem Berg in der Provinz Galiläa, wohin er sie bestellt hatte. Dort sagte er zu ihnen: „Mir ist alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben worden. Geht daher hin und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe. Und siehe! ich bin bei euch alle Tage bis zum Abschloß des Systems der Dinge.“ (Matthäus 28:16-20) Am Tag seiner Himmelfahrt erklärte er ihnen noch deutlicher, wie sie vorgehen sollten, um seine „Habe“ zu vermehren. Wir lesen darüber:

      22 „Als sie nun zusammengekommen waren, gingen sie daran, ihn zu fragen: ,Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Königreich wieder her?‘ Er sprach zu ihnen: ,Es ist nicht eure Sache, über die Zeiten oder Zeitabschnitte Kenntnis zu erlangen, die der Vater in seine eigene Rechtsgewalt gesetzt hat; aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet Zeugen von mir sein sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis zum entferntesten Teil der Erde.‘ “ — Apostelgeschichte 1:6-8.

      23. (a) Auf welche Gebiete hatte Jesus seine Predigt- und Lehrtätigkeit beschränkt, und was wurde dadurch bewirkt? (b) Wo fanden also die Jünger die „Habe“ Christi, mit der sie arbeiten sollten, bis wessen festgesetzte Zeit kommen würde?

      23 Als Jesus auf der Erde wirkte, hatte er seine Tätigkeit als Prediger und Lehrer des Königreiches auf Jerusalem und die Provinzen Galiläa und Judäa (einschließlich Samarias) und auf Peräa am Ostufer des Jordan beschränkt. In diesen Gebieten hatte Jesus unter den Juden und Samaritern durch seine Tätigkeit günstige Bedingungen dafür geschaffen, daß weitere Jünger gemacht werden konnten. Die in diesen Gebieten herrschenden Bedingungen sollten die Jünger ausnutzen, um die Zahl der Jünger Christi zu vermehren; es war die „Habe“, die Jesus, ihr Herr, ihnen, den „Sklaven“, übergeben hatte. Somit sollten sie bis zu den ‘Zeiten oder Zeitabschnitten, die der himmlische Vater in seine eigene Rechtsgewalt gesetzt hatte’, in diesen vorbereiteten Gebieten tätig sein. Das mußten sie tun, eingedenk der Tatsache, daß Christus „ein Diener derer wurde, die beschnitten sind, um so die Verheißungen, die Er ihren Vorvätern gab, zu bestätigen“. — Römer 15:8.

      24. (a) Wie begannen die Jünger, nachdem sie den heiligen Geist empfangen hatten, unverzüglich, mit der „Habe“ ihres Herrn zu arbeiten, und welche Vermehrung erzielten sie? (b) Bei wem fanden die gläubigen Juden, die nach Pfingsten an ihren Wohnort zurückkehrten, ein ertragfähiges Feld vor?

      24 In Übereinstimmung damit nutzten damals die Jünger oder „Sklaven“ das Besitztum, das der Herr Jesus vorbereitet und bebaut und das er ihnen als seine „Habe“ übergeben hatte; sie bewirtschafteten dieses geistige Besitztum, um eine Vermehrung der Jünger zu erzielen. Sie begannen damit in Jerusalem, und zwar sofort, noch an jenem Tag des Pfingstfestes des Jahres 33 u. Z. Das unmittelbare Ergebnis waren etwa dreitausend Getaufte, die aufgrund ihrer Taufe mit heiligem Geist die Aussicht erhielten, das Königreich Gottes zu ererben. Es waren alles Beschnittene, teils natürliche Juden, teils Proselyten, d. h. Personen, die zur jüdischen Religion übergetreten waren. Die Jünger arbeiteten aber mit der ihnen anvertrauten Habe des Herrn Jesus weiter; sie machten damit „Geschäfte“, gewannen Jünger Christi hinzu, so daß sich einige Zeit später deren Zahl in Jerusalem auf „etwa fünftausend“ belief. (Apostelgeschichte 4:4) Zweifellos fanden Hunderte der Juden und Proselyten, die, nachdem sie in Jerusalem das Pfingstfest gefeiert hatten, an ihren Wohnort in einem der verschiedenen Länder der Erde zurückkehrten, bei den Juden, unter denen sie wohnten, ein Feld vor, auf dem sie für das Christentum tätig sein konnten.

      25. (a) Wie hatte Jesus — was die Juden und Proselyten betrifft, die jeweils die Feste in Jerusalem besuchten — mit einem Teil der „Habe“ bereits gearbeitet? (b) Wie führte die Verfolgung dazu, daß sich der christliche Glaube bis zu Judengemeinden außerhalb der jüdischen Provinzen ausbreitete?

      25 Wahrscheinlich hatten viele dieser Juden und Proselyten, die an ihren Wohnort zurückkehrten, Jesus Christus bei früheren Besuchen in Jerusalem, wo sie stets an den Festen teilnahmen, gesehen und gehört. Somit hatte Jesus unter den Juden und Proselyten, die jeweils Jerusalem besuchten, durch seine Tätigkeit bereits günstige Bedingungen geschaffen, und die Apostel und die übrigen Jünger in Jerusalem nutzten das aus, indem sie mit diesem Teil der „Habe“ Jesu „Geschäfte machten“. (Johannes 12:20-29; Apostelgeschichte 2:5-11) So entstand in Rom (Italien), lange bevor der Apostel Paulus dahin kam, eine Versammlung, die viele Christen umfaßte. (Römer 1:1-7; 15:22-24) Auch die Verfolgung, die in Jerusalem gegen die Jünger Christi einsetzte, führte dazu, daß sich vielerorts unter den Juden außerhalb der jüdischen Provinzen der christliche Glaube ausbreitete. Wir lesen in Apostelgeschichte 11:19: „Deshalb zogen die, die durch die Drangsal zerstreut worden waren, welche wegen Stephanus entstand, bis hin nach Phönizien und Zypern und Antiochia, redeten das Wort jedoch zu niemand als nur zu den Juden.“

      26. (a) Bis wann und bis zu welchem Ereignis wurde das Werk des Jüngermachens nur auf das jüdische Feld beschränkt? (b) Wie kam es durch die Tätigkeit in diesem neuerschlossenen Gebiet zu einer Vermehrung der geistigen „Talente“?

      26 Bis zum Herbst des Jahres 36 u. Z. wurde die Vermehrung der „Habe“ des abwesenden Herrn Jesus Christus auf die Juden und die jüdischen Proselyten beschränkt. Dann kam die Zeit, da die Zahl der Jünger Christi in anderen Gebieten zunehmen sollte, wie Jesus geboten hatte, als er sagte: „Geht daher hin und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, tauft sie“ und: „Ihr werdet Zeugen von mir sein ... bis zum entferntesten Teil der Erde.“ (Matthäus 28:19, 20; Apostelgeschichte 1:8) Es war die von Gott bestimmte Zeit, in der die jüdischen Jünger mit den geistigen „Talenten“ oder der „Habe“, die Jesus ihnen anvertraut hatte, „Geschäfte machen“ und so weitere geistige „Talente“ hinzugewinnen sollten. Das begann mit einem Schritt, den die Klasse unternahm, der die fünf Talente anvertraut worden waren; es begann, als der Apostel Petrus nach Cäsarea, dem Sitz der römischen Regierung für Judäa, gesandt wurde, um Kornelius zu einem Jünger Jesu Christi zu machen. (Apostelgeschichte 10:1 bis 11:18) Dadurch wurde der ganze heidnische oder nichtjüdische Teil der Menschheit dem Werk des Jüngermachens erschlossen. Das war ein Gebiet, das Jesus Christus, als er auf der Erde war, von Jehova Gott nicht zugeteilt erhalten hatte, um darin zu säen und zu ernten oder um darin Jünger zu machen. — Matthäus 15:24.

      27. Was setzte es von seiten der Jünger aus den Juden voraus, ein weltweites Gebiet zu erschließen und ertragfähig zu machen?

      27 Das Gebiet war groß, auf dessen Bevölkerung Jesus Christus nicht eingewirkt und wo er seinen Jüngern den Weg nicht geöffnet hatte, indem er das Feld vorbereitet und bebaut hätte, so daß sie es leichter gehabt hätten, das Wachstum der Christenversammlung zu fördern. Doch die Jünger zogen Nutzen aus dem, was Jesus ursprünglich getan hatte, um ihnen ein bebautes Feld zu hinterlassen; es war ihnen von Vorteil und verlieh ihnen den nötigen Schwung, um als erfahrene, qualifizierte Arbeiter den Samen auszustreuen und für gute Wachstumsbedingungen zu sorgen und so weitere Felder, die Jünger Jesu, des Messias, hervorbrachten, dem ursprünglichen Feld hinzuzufügen. Das bedeutete, daß sie selbst bahnbrechend wirkten; es setzte Mut, aufrichtige Bemühungen, sorgfältige Betreuung und Beharrlichkeit voraus, wollten sie Verluste vermeiden. Sie bauten nicht mehr auf der Grundlage eines anderen Menschen, sondern sie verrichteten selbst in einem ganz neuen Gebiet alle vorbereitenden Arbeiten für das Jüngermachen. Das zeigte, daß sie ihrem Herrn gehorchten. — Römer 15:17-21.

      28, 29. (a) Wie haben die späteren Jünger oder „Sklaven“ Christi, dem Beispiel der Jünger des ersten Jahrhunderts folgend, ein jeder nach seiner Fähigkeit ihr Bestes getan? (b) Was spielte beim Erzielen von Wachstum die größte Rolle?

      28 Die Apostel und andere Jünger Jesu Christi, die im ersten Jahrhundert lebten, gaben ein Beispiel dafür, wie mit den sinnbildlichen „Talenten“, die ihnen übergeben worden waren, „Geschäfte gemacht“ werden sollten. Sie vermehrten die Zahl der Talente ihres Herrn um hundert Prozent. Die Klasse der „Sklaven“ Christi, der „fünf Talente“ von der „Habe“ des Herrn anvertraut worden waren, erhandelte fünf weitere Talente. Die Klasse der „Sklaven“ Christi, die für zwei Talente des Vermögens ihres Herrn verantwortlich gemacht wurde, erhandelte zwei weitere Talente. Jede der beiden Klassen erzielte einen hundertprozentigen Gewinn, jede leistete also das, was ihr möglich war; keine war besser als die andere. Jeder der Sklaven tat soviel, wie von ihm erwartet werden konnte. Jeder tat nach „seiner eigenen Fähigkeit“ sein Bestes. Doch der Gewinn, den sie alle mit der Habe ihres Herrn erzielten, war nicht nur der „Fähigkeit“ der einzelnen „Sklaven“ zuzuschreiben. Es war noch ein anderer Faktor mit im Spiel, und das war sogar der wesentlichste von allen. Der Apostel Paulus erwähnte diesen Faktor, als er seinen eigenen Dienst mit dem Dienst des redegewandten Jüngers Apollos verglich, indem er folgendes schrieb:

      29 „Was ist denn Apollos? Ja, was ist Paulus? Diener, durch die ihr gläubig geworden seid, so, wie der Herr es einem jeden gewährt hat. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat es fortwährend wachsen lassen, so daß weder der Pflanzende etwas ist noch der Begießende, sondern Gott, der es wachsen läßt. Der Pflanzende nun und der Begießende sind eins, doch wird jeder seinen eigenen Lohn gemäß seiner eigenen mühevollen Arbeit empfangen. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter. Ihr seid Gottes Feld zur Bebauung, Gottes Bau.“ — 1. Korinther 3:5-9.

      30. (a) Wem ist somit das Wachstum in erster Linie zuzuschreiben? (b) Welchen Beweis für ein Wachstum gab es im ersten Jahrhundert in dem Gebiet, das die Jünger bearbeiteten?

      30 Somit ist das Wachstum Gott zuzuschreiben, und die „Sklaven“ Christi sind lediglich Werkzeuge, die er gern dazu gebraucht, dieses Wachstum zu bewirken. Er hilft den „Sklaven“, ihre Aufgaben zu erfüllen. Er rüstet die „Sklaven“ mit allem aus, was sie benötigen, um das Werk, Jünger aus Menschen aller Nationen zu machen, erfolgreich durchzuführen. So wurde das vorbereitete, bebaute Gebiet, in dem viele Jünger zu gewinnen waren, das der scheidende Sohn Gottes seinen treuen Jüngern zurückließ, vergrößert, denn überall auf der Erde wurden weitere solche Gebiete geschaffen, weil die „Sklaven“ Christi seinen Geboten gehorchten und sein Beispiel nachahmten. Welchen Beweis gab es dafür im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung? Außerhalb von Jerusalem und von Judäa, Galiläa und Samaria entstanden Versammlungen, bestehend aus Jüngern, die Erben des Königreiches der Himmel waren. In Asien, Afrika, Europa und auf den Inseln des Mittelmeeres wurden Versammlungen gegründet.

      31. Was ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel über Petrus zu sagen, wenn man bedenkt, von wo aus er seinen ersten Brief geschrieben hat?

      31 Ein Beispiel ist die Tätigkeit des Apostels Petrus. Er war einer der vier Apostel, die, nachdem sie gehört hatten, was Jesus über die Zerstörung des prachtvollen Tempels in Jerusalem vorausgesagt hatte, ihm die Frage gestellt hatten: „Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen sein, wann alle diese Dinge zu einem Abschluß kommen sollen?“ (Markus 13:1-4) Etwa dreißig Jahre später, um das Jahr 62 bis 64 u. Z., oder mehrere Jahre ehe „diese Dinge“ — die Belagerung Jerusalems und dann die Zerstörung der Stadt samt ihrem Tempel — geschahen, war der Apostel Petrus außerhalb des Römischen Reiches als Missionar tätig. Der erste Brief, den er an Mitchristen im Römischen Reich richtete, wurde in der am Euphrat gelegenen Stadt Babylon, in Mesopotamien, geschrieben; und gegen Ende dieses Briefes bezieht er sich auf die dortige Christenversammlung mit den Worten: „Es grüßt euch, die in Babylon ist, eine Auserwählte wie ihr.“ — 1. Petrus 5:13.

      32—34. (a) Ungefähr wann und von wo aus schrieb Paulus seinen Brief an die Kolosser? (b) Wie deutete Paulus darin an, daß die „Talente“, die den Jüngern übergeben worden waren, weltweit vermehrt worden waren?

      32 Ein weiteres Beispiel ist der Apostel Paulus. Er war schließlich nach Rom, in die Reichshauptstadt, gelangt, aber als Gefangener, der sich auf den Kaiser berufen hatte, um einen unparteiischen Richter zu haben. Von dem Haus in Rom aus, wo er in Haft war, schrieb er um das Jahr 60 bis 61 u. Z. an die Christenversammlung in Kolossä (Kleinasien). Das war beinahe zehn Jahre bevor „diese Dinge“, die der Herr Jesus Christus vorhergesagt hatte, geschahen, und dennoch sprach der Apostel schon damals — also mehrere Jahre vor dem Ende des jüdischen Systems der Dinge, dessen Mittelpunkt Jerusalem gewesen war — davon, daß die sinnbildlichen „Talente“, die Jesus seinen „Sklaven“ übergeben hatte, sich weltweit vermehrt hätten. Paulus schrieb in Verbindung mit der „Verkündigung ... dieser guten Botschaft“:

      33 „Wir [haben] von eurem Glauben in Verbindung mit Christus Jesus gehört ... und der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt, wegen der Hoffnung, die für euch in den Himmeln aufbehalten ist. Von dieser Hoffnung habt ihr zuvor durch die Verkündigung der Wahrheit von dieser guten Botschaft gehört, die sich euch dargeboten hat, gleichwie sie in der ganzen Welt Frucht trägt und zunimmt, so wie auch unter euch, seit dem Tage, da ihr gehört und die unverdiente Güte Gottes in Wahrheit genau kennengelernt habt. Das ist es, was ihr von Epaphras, unserem geliebten Mitsklaven, gelernt habt, der ein treuer Diener des Christus zu unseren Gunsten ist, der uns auch eure Liebe in geistiger Hinsicht enthüllt hat.

      34 Ja euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart, weil euer Sinn auf die Werke gerichtet war, die böse waren, hat er jetzt wieder versöhnt mittels seines Fleischesleibes durch seinen Tod, um euch heilig und makellos und frei von Anklage vor ihm darzustellen, vorausgesetzt natürlich, daß ihr im Glauben verbleibt, fest gegründet und standhaft, und nicht abgetrieben werdet von der Hoffnung dieser guten Botschaft, die ihr gehört habt und die in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist, gepredigt worden ist.“ — Kolosser 1:4-8, 21-23.

      35. In welch kurzer Zeit bewirkte der Eifer der Jünger des ersten Jahrhunderts dieses Zeugnis, und welche Prophezeiung Jesu erfüllte sich dadurch?

      35 Welch ein Zeugnis waren diese inspirierten Worte des Apostels Paulus für den Eifer, mit dem diese „Sklaven“ des Herrn Jesus Christus im ersten Jahrhundert mit den ihnen übergebenen „Talenten“ „Geschäfte machten“! Welche Leistung in einer solch kurzen Zeit! Schon damals ‘trug die gute Botschaft in der ganzen Welt Frucht und nahm zu’; schon damals wurde sie „in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist, gepredigt“! Man überlege: Jesus Christus hatte sich in den Jahren 29 bis 33 u. Z., ‘beim Abschluß der Systeme der Dinge, ein für allemal offenbar gemacht’, und noch bevor die Zeit des Abschlusses des jüdischen Systems der Dinge im Jahre 70 u. Z. zu Ende ging, als das religiöse Zentrum der Juden zerstört wurde, hatten die Juden in der ganzen damals bekannten Welt ein Zeugnis über das messianische Königreich Gottes erhalten. Auch den heidnischen Nationen war ein solches Zeugnis gegeben worden, wodurch sich Jesu Prophezeiung über das „Zeichen“ des „Abschlusses des Systems der Dinge“ im Vorbild erfüllt hatte, nämlich: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen.“ — Matthäus 24:14; Hebräer 9:26.

      DIE ERFÜLLUNG DES PROPHETISCHEN GLEICHNISSES ERREICHT HEUTE IHREN HÖHEPUNKT

      36. Kam der Herr der „Sklaven“ oder Jünger vor oder nach der Zerstörung Jerusalems wieder, und was deuten die Worte, mit denen Johannes die Offenbarung abschließt, in bezug auf das Kommen Christi an?

      36 Diese „Sklaven“, die im ersten Jahrhundert lebten und die die wertvollen „Talente“ trotz Kriegen, Seuchen, Hungersnöten, Erdbeben und Verfolgung in der ganzen Welt vermehrt hatten, starben alle, aber ihr Herr und Gebieter, der von ihnen weggegangen war, kehrte nicht zu ihren Lebzeiten zurück, weder vor noch nach der Zerstörung Jerusalems durch das römische Heer. Etwa sechsundzwanzig Jahre nach dieser Katastrophe, die für die religiöse Welt der Juden entsetzlich war, erhielt der Apostel Johannes, der auf der Insel Patmos eine Freiheitsstrafe verbüßen mußte, die göttliche Offenbarung, in der er auf die Zukunft hinwies und sagte: „Siehe! Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, die ihn durchstochen haben.“ Und Johannes schloß den Bericht über die Offenbarung mit dem Gebet: „ ‚Amen! Komm, Herr Jesus.‘ Die unverdiente Güte des Herrn Jesus Christus sei mit den Heiligen.“ (Offenbarung 1:7; 22:20, 21) Diese inbrünstige Bitte um das Kommen des Herrn wurde erst erhört, nachdem mehr als achtzehnhundert Jahre verflossen waren.

      37. (a) Wann kam der Herr Jesus Christus, entgegen welcher Erwartung, wieder? (b) Welche Bedeutung erhielt die Verkündigung des Königreiches danach, und warum?

      37 Erst bei der Rückkehr des Herrn Jesus Christus und bei seiner Parusie oder Gegenwart würde die Erfüllung des prophetischen Gleichnisses von den „Talenten“ ihren Höhepunkt erreichen. In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts glaubte man, der Herr sei im Jahre 1874 u. Z. wiedergekommen und seine unsichtbare Gegenwart im Geiste habe in jenem Jahr begonnen. Aber in den darauffolgenden vier Jahrzehnten zeigte sich das „Zeichen“ seiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge nicht. Es zeigte sich erst vom 4./5. Oktober oder von der Mitte des jüdischen Mondmonats Tischri des Jahres 1914 an, als die Zeiten der Nationen endeten. Von da an galt es, nicht mehr die gute Botschaft von einem kommenden messianischen Königreich Gottes zu verkündigen, sondern die gute Botschaft von dem aufgerichteten Königreich Gottes. Das, was sich anschließend in der Welt abspielte, bewies hinreichend, daß Gottes Königreich der Himmel in dem erwähnten entscheidenden Jahr geboren worden war, indem Gottes Messias, Jesus, der Sohn Davids, der ein Sohn Abrahams war, auf den Thron erhoben und gekrönt worden war. (Matthäus 1:1) Der, dem das „gesetzliche Recht“ gehört, war gekommen. Er war zurückgekehrt! — Hesekiel 21:25-27.

      38. Von welcher Prophezeiung war das Gleichnis von den „Talenten“ ein Bestandteil, und wie sollte daher die Tatsache, daß seine Erfüllung in unserer Zeit ihren Höhepunkt erreicht, gedeutet werden?

      38 Jesus Christus erzählte das Gleichnis von den „Talenten“ als Bestandteil des kombinierten „Zeichens“, das ein Beweis seiner Parusie oder Gegenwart wäre. Die Tatsache, daß die Erfüllung dieses prophetischen Gleichnisses in unserer Zeit ihren Höhepunkt erreicht, sollte ein weiterer Beweis dafür sein, daß er im Geist wiedergekommen ist und wir in der Zeit seiner Gegenwart leben. Wenn wir sagen, daß wir seit 1914, dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen abgelaufen waren, in der Zeit der Gegenwart des Königs und Herrn Jesus Christus leben, sollten Tatsachen vorhanden sein, die bestätigen, daß die Erfüllung des prophetischen Gleichnisses heute ihren Höhepunkt erreicht. Wie sehen die Tatsachen aus?

      39. Was tat der Sklave, der das eine Talent erhalten hatte, damit, und wann begann die Abrechnung mit den Sklaven?

      39 Zuerst wollen wir den Schluß des Gleichnisses hören. Deshalb wollen wir nun mit dem Lesen des Gleichnisses Jesu fortfahren: „Der aber, der nur eines empfangen hatte, ging hin und grub in die Erde und verbarg das Silbergeld seines Herrn. Nach langer Zeit kam der Herr jener Sklaven und rechnete mit ihnen ab.“ — Matthäus 25:18, 19.

      40. (a) Womit kam in dem Gleichnis der „Herr jener Sklaven“ wieder? (b) Mit wessen „Königsmacht“ hatte das Jahr 1914 u. Z. insbesondere zu tun, und wieso?

      40 Als der „Herr jener Sklaven“ kam, kehrte er mit dem zurück, was er zu erlangen beabsichtigte, als er außer Landes reiste. Seine eigenen Worte, die er später äußerte, zeigen, daß er eine „Freude“ erlangt hatte, die er mit seinen treuen Sklaven teilen wollte; er kam mit „vielem“ zurück, was er nicht besessen hatte, als er ihnen die acht Silbertalente übergeben hatte. Das Gleichnis, das Jesus bei einer früheren Gelegenheit erzählte, nämlich das Gleichnis von den „zehn Minen“, zeigte deutlich, daß Jesus mit „Königsmacht“ bekleidet zurückkam. (Lukas 19:12-15) Die „bestimmten Zeiten der Nationen“ haben etwas mit „Königsmacht“ zu tun, insbesondere mit der „Königsmacht“ der Familie des Königs David von Jerusalem, die im Jahre 607 v. u. Z. durch Nebukadnezar, den König von Babylon, entmachtet worden war. In jenem Unglücksjahr begannen die 2 520 Jahre umfassenden Zeiten der Nationen, und sie dauerten bis zum Jahre 1914 u. Z. Als sie um den 4./5. Oktober des Jahres 1914 endeten, hätte somit natürlicherweise eine Veränderung der Situation, die so lange bestanden hatte, zu beobachten sein müssen. Es ist daher nicht zufällig, daß die Nationen sich um den 4./5. Oktober 1914 in großer Not befanden; sie waren bereits seit zwei Monaten in den ersten Weltkrieg der Menschheitsgeschichte verwickelt.

      41. (a) Kam die kleine Schar Jünger oder „Sklaven“ des Herrn Jesus Christus, die damals auf der Erde war, im Ersten Weltkrieg ums Leben? (b) Was versuchten die Nationen im Hinblick auf ihre künftige Verkündigungstätigkeit zu tun?

      41 Wie erging es jedoch den „Sklaven“ Christi, denen ihr himmlischer Herr, Jesus Christus, seine wertvollen „Talente“ übergeben hatte? Heute lebt noch eine kleine Schar dieser treuen „Sklaven“, die jenen markanten Zeitpunkt miterlebten und aufgrund der Heiligen Schrift die Bedeutung des Ersten Weltkrieges erkannten. Diese treuen „Sklaven“ Jesu Christi, des himmlischen Königs, der gerade auf den Thron erhoben worden war, kamen in dieser internationalen militärischen Auseinandersetzung, in deren Verlauf schließlich achtundzwanzig Staaten und Reiche in einen totalen Krieg verwickelt wurden, nicht ums Leben. Die irdischen Feinde, die nicht wollten, daß Jesus Christus als König der ganzen Erde über sie herrsche, hätten „seine eigenen Sklaven“ gern umgebracht, aber es gelang ihnen nicht. Sie versuchten, ihnen die sinnbildlichen „Talente“, die sie von ihrem himmlischen Herrn und Gebieter empfangen hatten, wegzunehmen. Sie versuchten, all das Gute, was diese „Sklaven“ erreicht hatten, und die Gewinne, die diese in Verbindung mit dem christlichen Glauben für den kürzlich auf den Thron erhobenen himmlischen König erzielt hatten, zunichte zu machen. Deshalb versuchten sie, den Einfluß, den diese „Sklaven“ auf die Angehörigen aller Nationen ausübten, zu brechen. Sie versuchten verzweifelt, ihren für die künftige Verkündigung des Königreiches vorbereiteten, bebauten Boden zu unterhöhlen.

      42, 43. (a) In welchem Zustand befanden sich die „Sklaven“ des himmlischen Herrn am Ende des Ersten Weltkrieges, im Jahre 1918? (b) Was war allem Anschein nach mit den „Talenten“, die ihnen anvertraut worden waren, geschehen?

      42 Als am 11. November 1918 der Erste Weltkrieg zu Ende ging, war der gute Ruf der „Sklaven“ des regierenden himmlischen Königs sowohl innerhalb als auch außerhalb der Christenheit so gut wie zerstört. Weil fanatische Superpatrioten und Befürworter des Krieges Unwahrheiten und Schmähungen über sie verbreiteten, sank die Achtung der Menschen vor ihnen als Christen fast auf den Nullpunkt. Sie hatten auch unter der Wut des Pöbels zu leiden. Entweder waren ihre biblischen Schriften oder ihre Organisation verboten. Viele von ihnen waren im Gefängnis; auch leitende Persönlichkeiten wie der Präsident und der Sekretär-Kassierer der Watch Tower Bible and Tract Society sowie sechs weitere maßgebliche Mitarbeiter waren aufgrund falscher Anklagen ins Gefängnis gekommen und konnten erst, nachdem die Kriegshysterie abgeebbt war, rehabilitiert werden.

      43 Es schien, als hätte man diesen „Sklaven“ des rechtmäßigen Herrschers der Erde alles weggenommen. Es schien, als wären die „Talente“, die er ihnen übergeben hatte, vernichtet worden. Ihre Feinde jubelten in der Meinung, diese „Sklaven“ könnten ihrem himmlischen Herrn nie mehr dienen, denn es schien zweifelhaft, daß sie wieder von vorn beginnen könnten.

      44. (a) Wann trat ein Umschwung ein, und wie? (b) Mit welcher Frage mußten sich nun die noch lebenden „Sklaven“ auseinandersetzen, und warum?

      44 Erst vier Monate nach Kriegsende wurden die Feinde durch einen Umschwung, der nun eintrat, überrascht und aufgeschreckt. Das war, als die acht Vertreter der Watch Tower Bible and Tract Society am 25. März 1919 aus der Bundesstrafanstalt in Atlanta (Georgia) entlassen und nach Brooklyn (New York) gebracht wurden, wo man sie am darauffolgenden Tag gegen Bürgschaft freiließ. Kurz danach wurden sie rehabilitiert, indem die Fehlurteile umgestoßen wurden. Aber was bedeutete das für die kriegsmüden Menschen, die zufolge der Kriegspropaganda und der Kriegshysterie gegen die „Sklaven“ Jesu Christi voreingenommen waren und eine ganz falsche Auffassung von ihnen hatten? Damit mußten sich die „Sklaven“ auseinandersetzen. Konnten sie trotz dieser abschreckenden Umstände Kräfte sammeln und wieder mit ihrer Tätigkeit beginnen? Hatten sie den gleichen Mut und das gleiche Vertrauen wie ihr himmlischer Herr, um dies tun zu können? Es war damals für diese Sklaven Christi wirklich eine Zeit der Erprobung.

      45. (a) Was mußte der „Herr jener Sklaven“ nun nach dem Gleichnis tun? (b) Was mußte diesen christlichen Sklaven im Hinblick auf die ihnen anvertrauten „Talente“ jetzt gegeben werden?

      45 In dem Gleichnis von den „Talenten“ rechnete der Herr, als er von seiner Auslandsreise zurückkehrte, mit seinen Sklaven ab. Das bedeutete für sie, daß sie einer Prüfung unterzogen wurden. Da im Frühjahr 1919 eine solche Wendung eintrat, ist es einleuchtend, daß nun die Zeit für den himmlischen „Herrn jener Sklaven“ gekommen war, das, was seine Sklaven getan hatten, zu prüfen. Aber was für einen Bericht konnten sie über seine „Talente“ erstatten, die der Sklavenklasse übergeben worden waren? Das, was sie hinzugewonnen haben mochten, ehe die Verfolgung während des Krieges im Jahre 1918 ihren Höhepunkt erreichte, schien zerstört worden zu sein. Es war, als besäßen sie überhaupt nichts mehr von den sinnbildlichen „Talenten“. Wollten sie jetzt etwas zu den „Talenten“ ihres Herrn hinzugewinnen, müßten sie das in der Nachkriegszeit tun und ihm das Hinzugewonnene später, in der Zukunft, übergeben. Sie müßten eine neue, eine weitere Gelegenheit erhalten, mit seinen wertvollen „Talenten“ „Geschäfte zu machen“. Die Geschichte zeigt, daß dies dank der Barmherzigkeit und Rücksichtnahme ihres himmlischen Herrn auch der Fall war.

      46. (a) Was mußten sie nun überwinden, und zu welchem Zweck mußten sie sich reorganisieren? (b) Wofür war die Situation und die Zeit jetzt, da ihr himmlischer Herr „Königsmacht“ besaß, günstig?

      46 Im Jahre 1919 wurde es Zeit, daß die Sklavenklasse die Menschenfurcht überwand, die durch die Verfolgung und die Kriegshysterie während des Ersten Weltkrieges unter dieser Klasse aufgekommen war und sie veranlaßt hatte, nur in ganz bescheidenem Maße als Sklaven, die von dem regierenden König, Jesus Christus, mit Verantwortung betraut worden waren, Geschäfte zu machen. Es war damals höchste Zeit, ihre in Verwirrung geratenen und inaktiv gewordenen Reihen für die erhabensten Bestrebungen ihres Lebens im Dienste ihres Herrn, der jetzt Königsmacht besaß, zu reorganisieren. Jetzt, wie nie zuvor, hatte ihr Herr ein Anrecht auf die ganze Erde als sein Feld, das ihm zur Verfügung stand, damit es weitere Jünger hervorbrachte, die die Hoffnung hegen durften, das himmlische Königreich zu ererben. Er konnte ihnen diese günstige Situation „übergeben“, damit sie in seinem Dienst „Geschäfte machten“. Es war für die „Sklaven“klasse, für seine Jünger, die günstige Zeit, tätig zu werden, wie das durch den Sklaven veranschaulicht wird, dem „fünf Talente“ anvertraut wurden; das gleiche gilt auch für die Klasse, die durch den Sklaven, der zwei Talente erhielt, veranschaulicht wird. Sie wurden tätig, denn die Erfüllung des prophetischen Gleichnisses von den „Talenten“ konnte nicht ausbleiben, vor allem nicht, als sie ihren Höhepunkt erreichen sollte.

      47. Wodurch wurden sie im Jahre 1919 gestärkt, so daß sie das Nachkriegswerk nicht fürchteten, sondern sich zur Verfügung stellten?

      47 Man verlor keine Zeit. Im Jahre 1919 machten sich diese beiden „Sklaven“klassen ans Werk. Sie wurden gestärkt durch zwei Artikel über das Thema „Glückselig sind die Furchtlosen“, die im Wacht-Turm vom 1. und 15. August 1919 (englisch; deutsch: Oktober/November 1919) erschienen. Sie freuten sich auch, als bekanntgegeben wurde, daß vom 1. bis zum 8. September 1919 in Cedar Point (Ohio) eine achttägige Hauptversammlung stattfinden sollte. Sie schreckten nicht davor zurück, diese Versammlung zu besuchen, obwohl sie damit rechnen mußten, dort zu erfahren, daß es ein Nachkriegswerk zu tun gäbe, für das sie viel Kraft und Mut aufbringen müßten und das weitere Verfolgungen mit sich bringen könnte.

      48. (a) Wie nahmen die Anwesenden bei der Hauptversammlung in Cedar Point die Bekanntmachung auf, daß eine neue Zeitschrift als Begleitzeitschrift des Wacht-Turms herausgegeben würde? (b) Wie ist diese zusätzliche Zeitschrift bis heute verwendet worden?

      48 Bei dieser Hauptversammlung der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung waren täglich sechstausend Personen, insbesondere aus Kanada und den Vereinigten Staaten, anwesend; und allen war daran gelegen, zu erfahren, wie Jehova das vor ihnen liegende Werk getan haben wollte. Überrascht, doch begeistert nahmen sie die Bekanntmachung auf, daß vom 1. Oktober 1919 an eine neue Zeitschrift herausgegeben würde, The Golden Age (Das Goldene Zeitalter; in Deutsch vom 1. Oktober 1922 an), als eine Begleitzeitschrift zum Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi. Diese neue Zeitschrift sollte ebenfalls dazu dienen, Gottes aufgerichtetes messianisches Königreich zu verkündigen. Sie sollte ihnen als weiteres Mittel dienen, in neuen Gebieten zu pflanzen, zu begießen und die Saat zu pflegen, damit weitere Jünger des Herrn Jesus Christus hervorgebracht würden. Diese neue Zeitschrift (jetzt Erwachet!), deren Auflage ständig gestiegen ist, hat bis heute ihre Aufgabe als Begleitzeitschrift des Wachtturms erfüllt, indem sie bei aufrichtigen Menschen Interesse geweckt und in ihnen die Voraussetzungen geschaffen hat, daß sie die tieferen Dinge des Wortes Gottes aufnehmen konnten. Sie hat vorbereitend gewirkt, und zwar in einer ausgezeichneten Weise.

      49. Was wurde im Hinblick auf die Zweigbüros der Watch Tower Society unternommen, und in welchem Ausmaß sind dadurch weitere Gebiete für die Bebauung erschlossen worden?

      49 Die Verbindung zwischen dem Hauptbüro der Watch Tower Bible and Tract Society und ihren Zweigorganisationen im Ausland, die zufolge des Ersten Weltkrieges abgebrochen war, wurde wiederaufgenommen und die Zusammenarbeit verbessert; und in verschiedenen Ländern wurden, sobald man es für ratsam und notwendig hielt, neue Zweigbüros errichtet. Das ermöglichte es den „Sklaven“ Jesu Christi, des himmlischen Herrn, ein größeres Gebiet besser zu beaufsichtigen, und das trug viel dazu bei, daß in diesen Gebieten intensiver gearbeitet werden konnte und mehr Jünger aus Menschen aller Nationen gewonnen werden konnten. Damals war die Zahl der Zweigbüros klein, heute dagegen beträgt sie 95. Sie überwachen in 208 Ländern und Inselgebieten das Werk des Säens und der Saatenpflege.

      50. (a) Warum erkannten alle, die sich im Jahre 1922 zur Hauptversammlung in Cedar Point eingefunden hatten, daß sie in der gleichen Lage waren wie einst Jesaja im Tempel? (b) Zu welcher Frage, sie betreffend, gab Jesajas Reaktion auf die Einladung Jehovas Anlaß?

      50 Im September 1922 merkten diese Sklaven Christi, die die Aussicht hatten, das himmlische Königreich zu ererben, deutlich, daß sie von dem König der Könige und Herrn der Herren, dem regierenden Herrn Jesus, geprüft wurden. Wie in Maleachi 3:1 vorausgesagt worden war, hat er Jehova Gott begleitet, als dieser zu seinem geistigen Tempel kam, um seine geistgezeugten „Sklaven“ im Tempel zu richten. Alle, die sich zur zweiten Hauptversammlung der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung in Cedar Point (Ohio) eingefunden hatten, erkannten am vierten Tag dieser Versammlung (8. September 1922), der als „Der Tag“ bezeichnet wurde, daß sie in der gleichen Lage waren wie der Prophet Jesaja, als er eine Vision hatte, in der er Jehova Gott in seinem Tempel sah. Jesaja empfand die Notwendigkeit, in geistiger Hinsicht gereinigt zu werden, und diesem Bedürfnis wurde barmherzigerweise entsprochen. So gelangte er in die begünstigte Lage, auf Jehovas Einladung hin spontan rufen zu können: „Hier bin ich! Sende mich.“ (Jesaja 6:1-8) Nun entstand die Frage: Würden die Besucher dieser Hauptversammlung der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung auf die Einladung Jehovas, ihm zu dienen, die damals an sie erging, ähnlich reagieren?

      51. Welche Fragen stellte der Präsident der Gesellschaft am Schluß des Vortrages, den er an jenem Tag hielt, an die Kongreßbesucher, und mit welchen anspornenden Worten schloß er ab?

      51 J. F. Rutherford, der damalige Präsident der Watch Tower Society, stellte im zweitletzten Abschnitt seines Vortrages, in dem er die Vision Jesajas behandelte, an die Kongreßdelegierten eine Reihe von Fragen; die letzten lauteten: „Glaubt ihr, daß der Herr jetzt in seinem Tempel ist, die Nationen der Erde richtend? Glaubt ihr, daß der König der Herrlichkeit seine Herrschaft begonnen hat?“ Begeistert bejahten die Tausende von Kongreßdelegierten diese Fragen. Darauf brachte der Redner seinen Vortrag zum Höhepunkt mit den Worten: „Dann zurück in das Feld, o ihr Söhne des höchsten Gottes! Umgürtet euch mit eurer Waffenrüstung! Seid nüchtern, seid wachsam, seid tätig, seid tapfer! Seid treue und glaubensstarke Zeugen für den Herrn! Geht mutig vorwärts in dem Kampfe, bis jede Spur Babylons wüst und öde gemacht ist! Verkündet die Botschaft weit und breit! Die Welt muß wissen, daß Jehova Gott ist und daß Jesus Christus König der Könige und Herr der Herren ist! Dies ist der Tag aller Tage. Siehe, der König regiert! Ihr seid seine öffentlichen Verkündiger, um seine Botschaft überallhin bekanntzumachen. Deshalb verkündet, verkündet, verkündet den König und sein Königreich.“ (Siehe Wacht-Turm vom 15. Januar 1923, Seite 27.)

      52. (a) Was unternahm die Gesellschaft im Jahre 1920, um die Verbreitung biblischer Schriften zu fördern? (b) Wovon machte die Gesellschaft vom Jahre 1924 an Gebrauch, um das Königreich bekanntzumachen, und welche weiteren Mittel zur Bekanntmachung wurden später benutzt?

      52 Wie nie zuvor bemühten sich die „Sklaven“ des zurückgekehrten Herrn Jesus Christus eifrig, zu verkünden, daß er als König regiere; sie predigten es von Haus zu Haus und hielten darüber öffentliche Vorträge. Vom Jahre 1920 an betrieben sie in Brooklyn (New York) eine eigene Druckerei, und das ermöglichte es ihnen, billiger größere Mengen biblischer Schriften, Zeitschriften, Broschüren, Traktate, gebundene Bücher, und schließlich Bibeln herzustellen, die sie dazu benutzen konnten, die Botschaft von dem messianischen König und seinem Königreich zu verkündigen. Am Sonntag, dem 24. Februar 1924, wurde die erste der Radiostationen in Betrieb genommen, die gesetzlich eingetragenen Körperschaften dieser „Sklaven“ gehörten, und mit Hilfe dieser Stationen wurde die Königreichsbotschaft ausgestrahlt, so daß unzählige Menschen, die eine unsichtbare Zuhörerschaft bildeten, sie vernehmen konnten. Mit der Zeit benutzte man in mehreren Ländern eine Reihe von Radiostationen, um die Königreichsbotschaft bis an die Enden der Erde auszustrahlen, wobei man entweder für die Sendungen bezahlte oder eine gewisse Sendezeit unentgeltlich eingeräumt bekam. Aber die Botschaft wurde nicht nur auf diese Weise bekanntgemacht, sondern einige Jahre später benutzte man auch Lautsprecherwagen und tragbare Grammophone, mit denen die „Sklaven“ Christi von Tür zu Tür gingen und den Wohnungsinhabern die Botschaft vom Königreich verkündigten.

      53. Warum hatten die Leser des Hauptartikels, der in der Wacht-Turm-Ausgabe vom 1. März 1925 (englisch; deutsch: 15. April 1925) erschien, Grund, begeistert zu sein?

      53 Die Leser der Zeitschrift Der Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi waren begeistert, als sie ihre Ausgabe vom 1. März 1925 (englisch; deutsch: 15. April 1925) erhielten und den Hauptartikel über das Thema „Die Geburt der Nation“ lasen. Warum? Weil in diesem Artikel ein besseres Verständnis des 12. Kapitels der Offenbarung vermittelt wurde. Die Augen des Verständnisses wurden ihnen geöffnet, so daß sie erkannten, daß die symbolische Geburt des männlichen Kindes — in diesem Kapitel, das für sie lange ein Geheimnis gewesen war, so anschaulich geschildert — die Geburt des messianischen Königreiches darstellte, die im Jahre 1914, nach dem Ablauf der Zeiten der Nationen, erfolgt war. Der Artikel schloß mit den Worten (S. 122 der deutschen Ausgabe): „Das Königreich des Himmels ist hier. Der Tag der Errettung ist in Sicht. Möge diese frohe Kunde mit Nachdruck den Völkern der Erde verkündet werden! Der Sieg ist mit unserem König. Seid jetzt treu bis an das Ende des Krieges, und wir werden uns auf immer in den wärmenden Strahlen seiner Liebe sonnen, wo Fülle der Freude ist und Lieblichkeiten auf immerdar.“

      54, 55. Wieso ließ die Zahl derer, die im Jahre 1925 am Abendmahl teilnahmen, erkennen, daß die Tätigkeit auf neue Gebiete ausgedehnt worden war?

      54 Die alljährliche Abendmahlsfeier, die im Jahre 1925 auf Mittwoch, den 8. April fiel, verriet etwas sehr Ermutigendes. Durch das bis dahin verrichtete Werk des Säens, des Begießens und der Saatenpflege in zusätzlichen Gebieten mit den neu zur Verfügung gestellten Mitteln für die Verkündigung der Botschaft vom Königreich war die Zahl der Versammlungen, bestehend aus Jüngern, die himmlische Hoffnung hatten, gewachsen. Die Zahl der Glieder der Versammlungen hatte sich gemehrt. Bei dieser Feier des Abendmahls ließ die Teilnehmerzahl dieses Wachstum und diesen Gewinn an Jüngern Christi erkennen. Wie groß war denn die Teilnehmerzahl in jenem Jahr? In der Zeitschrift Der Wacht-Turm vom 15. September 1925 wird auf Seite 287 unter der Überschrift „Gedächtnismahl-Bericht für 1925“ gesagt:

      55 „Es freut uns zu sehen, daß die Zahl derer, welche an der Gedächtnisfeier teilnahmen, so groß ist, weil sie ein großes Interesse an der Wahrheit überall offenbart, und dies ist, wie es sein sollte. Die Gesamtzahl der Teilnehmer, soweit berichtet ist, beträgt 90 434, was 25 329 mehr ist als vor einem Jahr berichtet wurde.“

      56. Was verriet dies in bezug auf die „Geschäfte“, die die „Sklaven“, die Jünger, machten, denen die „Talente“ anvertraut worden waren?

      56 Die „Sklaven“ Christi — die Klasse, veranschaulicht durch den Sklaven, dem „fünf Talente“ anvertraut worden waren, und die Klasse, veranschaulicht durch den Sklaven, dem zwei Talente übergeben worden waren — hatten begonnen, bereitwillig und sogleich mit den Talenten „Geschäfte zu machen“ oder weitere Gebiete zu erschließen, in denen noch mehr Jünger Christi gewonnen werden konnten. Die veröffentlichten Tatsachen beweisen, daß diese „Sklaven“ in ihren Bemühungen gesegnet und mit Wachstum belohnt wurden. Das ermutigte sie noch mehr.

      FREUDE

      57. (a) Warum reiste der in dem Gleichnis erwähnte reiche Mann ins Ausland? (b) Welche Fragen erheben sich in bezug auf Jesus Christus in Verbindung mit der Erfüllung dieses prophetischen Gleichnisses?

      57 In dieser Verbindung läßt die Geschichte indessen deutlich noch einen weiteren Faktor erkennen. In Jesu Gleichnis reiste der Mann, der acht Silbertalente und drei Sklaven besaß, nicht zum Vergnügen außer Landes. Er hatte einen wichtigen Grund, warum er ins Ausland ging; er wollte etwas Wertvolles erlangen. Wie das Gleichnis zeigt, ging er in ein fernes Land, um eine gewisse „Freude“ sowie „vieles“ zu gewinnen. Er mußte daher eine weite Reise machen, was viel Zeit erforderte, um zum Quell dieser „Freude“ zu gelangen. Obwohl das in dem Gleichnis von den „Talenten“ nicht ausdrücklich gesagt wird, kann man es doch daraus schließen. Da der reiche Mann in dem Gleichnis den Herrn Jesus Christus darstellt, veranschaulicht die weite Reise ins Ausland, daß der Herr Jesus zum Quell der besonderen Freude, die ihm in Aussicht stand, ging. Zu wem ging er? Wer war diese Quell der Freude?

      58, 59. (a) Zu wem reiste der auferstandene Jesus Christus, um zu dieser „Freude“ zu gelangen? (b) Für wen war der Betreffende ebenfalls ein Quell der Freude, wie das aus Römer 15:13 hervorgeht?

      58 Wir erhalten einen Hinweis in Hebräer 12:2, wo wir lesen: „Wir [halten] unseren Blick auf den Hauptvermittler und Vervollkommner unseres Glaubens, Jesus, gerichtet ... Für die vor ihm liegende Freude erduldete er einen Marterpfahl, der Schande nicht achtend, und hat sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt.“

      59 Der Quell dieser „Freude“ ist also Jehova Gott. Zu ihm reiste der auferstandene Jesus Christus, nachdem er seinen treuen Jüngern, die er auf der Erde zurückließ, seine „Habe“, seine „Talente“, anvertraut hatte. Der himmlische Vater war der Quell dessen, was Jesus besondere „Freude“ bereitete. Jehova Gott ist auch der Quell der Freude der Jünger seines geliebten Sohnes. Deshalb sagte einer dieser Jünger, als er an Mitchristen in Rom schrieb: „Möge der Gott, der Hoffnung gibt, euch dadurch, daß ihr glaubt, mit aller Freude und mit Frieden erfüllen, damit ihr mit der Kraft des heiligen Geistes an Hoffnung überströmen mögt.“ (Römer 15:13) Gott konnte dieses berechtigte Gebet erhören.

      60. (a) Wer sollte nun, nachdem Jesus Christus mit seiner „Freude“ zurückgekehrt war, gebührend in den Vordergrund gerückt werden? (b) Wie wurde er, was seinen Namen betrifft, gebührend in den Vordergrund gerückt?

      60 Gemäß der Entwicklung der Dinge war es nach der Geburt des messianischen Königreiches im Himmel und nach der frohen Rückkehr des Herrn Jesus Christus für dessen „Sklaven“ an der Zeit, Gott, den himmlischen Quell der Freude, gebührend in den Vordergrund zu rücken. Für Gott, den Quell der Freude, war die Zeit gekommen, sich einen Namen zu machen, und das erforderte, daß als erstes sein persönlicher Name bekanntgemacht wurde. Dieser Name wurde auch weit und breit bekanntgemacht. Die ehrfurchtsvollen Anbeter Gottes auf der Erde begannen diesen Namen, wie es sich geziemte, ständig zu gebrauchen, und er ist auf der ganzen Erde verkündigt worden wie nie zuvor. Der Hauptartikel, der in der ersten Wacht-Turm-Ausgabe des Jahres 1926 (englisch; deutsch: 1. Februar 1926) erschien, behandelte das Thema „Wer wird Jehova ehren?“ Von da an begannen die „Sklaven“ des Sohnes Gottes, den göttlichen Namen, der im hebräischen Urtext der Heiligen Schrift Tausende von Malen erscheint, gebührend zu würdigen. Von nun an waren sie in erster Linie seine Zeugen, doch legten sie deswegen keineswegs weniger Zeugnis für seinen Sohn, Jesus Christus, ab. Sie erfüllten, von Liebe getrieben, ihre Pflicht, Zeugen dessen zu sein, der den Namen „Jehova“ trägt.

      61. (a) Wie wollten die „Sklaven“ oder Jünger Jesu Christi gemäß der Entschließung, die sie im Jahre 1931 annahmen, nicht genannt werden? (b) Wie wünschten sie künftig genannt zu werden?

      61 Während der darauffolgenden fünfeinhalb Jahre wurde Zeugnis von dem göttlichen Namen abgelegt. Dann kam für die „Sklaven“ Christi die Zeit, sich kenntlich zu machen, das heißt erkennen zu lassen, daß sie sich von allen angeblichen Christen der Religionsgemeinschaften der Christenheit unterschieden. Zu diesem Zweck unternahmen die „Sklaven“ Jesu Christi am Sonntag nachmittag, den 26. Juli 1931 auf dem internationalen Kongreß, der in Columbus (Ohio, USA) durchgeführt wurde, Schritte. Um 16 Uhr wurde den Tausenden Kongreßteilnehmern eine Entschließung zur Annahme unterbreitet und vorgelesen, aus der wir nun die Absätze vier, fünf und sechs zitieren möchten:

      DARUM wird jetzt zur Bekanntgabe unsrer wahren Stellung, in dem Glauben, daß es in Übereinstimmung mit Gottes in seinem Worte ausgedrücktem Willen geschieht, beschlossen kundzutun:

      DASS wir für Bruder Charles T. Russell seines Werkes wegen große Liebe hegen und freudig anerkennen, daß der Herr ihn gebraucht und seine Arbeit überaus gesegnet hat; doch können wir, dem Worte Gottes entsprechend, nicht zustimmen, „Russelliten“ genannt zu werden; daß ferner die Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft, die Internationale Bibelforscher-Vereinigung und die Volkskanzel-Vereinigung lediglich Namen von Korporationen sind, die wir als eine Gruppe christlicher Leute besitzen, kontrollieren und gebrauchen, unser Werk im Gehorsam gegen Gottes Gebote auszuführen, doch daß keine dieser Bezeichnungen uns als Körperschaft von Christen, die den Fußtapfen unsres Herrn und Meisters, Christus Jesus, nachfolgen, gehörigerweise angeheftet oder beigegeben werden kann; daß wir in der Bibel forschen, aber als eine ... Körperschaft von Christen es ablehnen, den Namen „Bibelforscher“ oder ähnliche Namen als Mittel zur Feststellung unsrer richtigen Stellung vor dem Herrn anzunehmen oder uns so nennen zu lassen; daß wir es ablehnen, den Namen irgendeines Menschen zu tragen oder so genannt zu werden;

      DASS wir, erkauft durch das teure Blut unsres Herrn und Erlösers, gerechtfertigt und gezeugt durch Jehova Gott und berufen zu seinem Königreiche, ohne Zaudern erklären, daß wir Jehova Gott und seinem Königreiche untertan und ergeben sind; daß wir Knechte Jehovas sind, beauftragt, in seinem Namen und seinem Gebot gehorchend ein Werk zu tun, das Zeugnis Jesu Christi zu überbringen und den Menschen bekanntzumachen, daß Jehova der wahre und allmächtige Gott ist; weshalb wir mit Freuden den Namen, den der Mund des Herrn genannt hat, annehmen und wünschen, unter folgendem Namen bekannt zu sein und also genannt zu werden: J e h o v a s Z e u g e n. — Jesaja 43:10-12; 62:2; Offenbarung 12:17.

      62. Welche Einladung enthielt der letzte Absatz der Entschließung?

      62 Der achte und letzte Absatz der Entschließung lautete:

      Wir laden jedermann, der Jehova und seinem Königreich gänzlich ergeben ist, in aller Demut ein, sich an der Verkündigung dieser guten Kunde an andere zu beteiligen, damit das gerechte Panier des Herrn erhöht werde und die Völker der Erde wissen möchten, wo sie die Wahrheit und Hoffnung auf Hilfe finden können; und über alles, damit der große und heilige Name Jehovas gerechtfertigt und erhöht werde.

      63. (a) Von wem wurde diese Entschließung, den neuen Namen betreffend, angenommen? (b) In welcher Form wurde sie danach veröffentlicht, und wie wurde sie in der ganzen Welt bekanntgemacht?

      63 Diese Entschließung wurde begeistert angenommen, nicht nur von den in Columbus (Ohio) versammelten Kongreßdelegierten, sondern später auch von den Versammlungen der „Sklaven“ Jesu Christi in der ganzen Welt. Auf diese Weise nahmen sie aus freiem Willen den Namen „Jehovas Zeugen“ an. Die Entschließung über den Namen wurde außerdem in der Broschüre Das Königreich — die Hoffnung der Welt, die auf diesem Kongreß freigegeben wurde, veröffentlicht. Der Titel dieser Broschüre war auch das Thema, das der Präsident der Gesellschaft, J. F. Rutherford, in seinem öffentlichen Vortrag behandelte, dem sowohl eine sichtbare Zuhörerschaft, die Kongreßdelegierten, lauschte als auch eine unsichtbare, denn von zwölf Uhr an wurde das Programm über ein riesiges Rundfunknetz ausgestrahlt. Anschließend wurden die Geistlichen, die katholischen und die protestantischen, und danach prominente Politiker und Intellektuelle persönlich besucht, um ihnen diese Broschüre, die den öffentlichen Vortrag und die Entschließung enthielt, zu überreichen. Auch unter der Bevölkerung im allgemeinen wurde diese Broschüre verbreitet. Auf diese Weise wurde in der ganzen Welt bekanntgemacht, daß diese für gerecht erklärten und geistgezeugten Anbeter Gottes, des Höchsten, im Namen ihres Gottes wandeln und nur den Namen „Jehovas Zeugen“ anerkennen würden. — Micha 4:5.

      64. Warum betrachten sich diese Anbeter Gottes als Jehovas christliche Zeugen?

      64 Da es auch Zeugen des lebendigen und wahren Gottes vor dem ersten Kommen des Herrn Jesus Christus gab, betrachten sie sich als Jehovas christliche Zeugen. (Jesaja 43:10-12; 44:8; Hebräer 11:1 bis 12:1. Siehe auch Wacht-Turm vom 1. Oktober 1931, S. 295.)

  • Die Abrechnung mit den Sklaven heute
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 13. Kapitel

      Die Abrechnung mit den Sklaven heute

      1, 2. (a) Was erlangte der Überrest der „Sklaven“ Christi, nachdem er den göttlichen Namen angenommen hatte, und von welchem Quell? (b) Wie wird in dem Gleichnis von den „Talenten“ auf diese Freude hingewiesen?

      ALS der noch auf der Erde lebende Überrest der „Sklaven“ des Herrn Jesus Christus im Jahre 1931 den göttlichen Namen annahm, erlangte er dadurch eine Freude, die er bis dahin noch nicht gekannt hatte. Wie für seinen Herrn und Gebieter, so war auch für ihn Jehova Gott der Quell seiner Freude. Der Herr Jesus Christus wies auf die Freude, die er erlangt hatte, hin, als er am Schluß seines Gleichnisses von den „Talenten“ über die Abrechnung mit seinen Sklaven sprach. Das geht aus Matthäus 25:20-23 hervor, wo wir lesen:

      2 „Da trat der herzu, der fünf Talente empfangen hatte, und brachte fünf weitere Talente und sprach: ,Herr, du hast mir fünf Talente übergeben; siehe, ich habe fünf weitere Talente gewonnen.‘ Sein Herr sprach zu ihm: ,Wohlgetan, du guter und treuer Sklave! Du warst über weniges treu. Ich will dich über vieles setzen. Geh ein in die Freude deines Herrn.‘ Als nächster trat der herzu, der die zwei Talente empfangen hatte, und sprach: ,Herr, du hast mir zwei Talente übergeben; siehe, ich habe zwei weitere Talente gewonnen.‘ Sein Herr sagte zu ihm: ,Wohlgetan, du guter und treuer Sklave! Du warst über weniges treu. Ich will dich über vieles setzen. Geh ein in die Freude deines Herrn.‘ “

      3, 4. (a) Stellen die drei „Sklaven“ Einzelpersonen dar, oder was? (b) Wieso spricht das, was durch die Abrechnung mit den Sklaven dargestellt wird, in bezug auf die Erfüllung dieses prophetischen Gleichnisses für die richtige Bedeutung des Ausdrucks Parusie?

      3 Diese Abrechnung mit den Sklaven erforderte ohne Zweifel Zeit und Aufmerksamkeit. Das würde also veranschaulichen, daß die Erfüllung der letzten Einzelheiten des prophetischen Gleichnisses voraussetzt, daß sich die Gegenwart oder Parusie Jesu Christi, des himmlischen Herrn, über eine gewisse Zeit erstreckt. (Matthäus 24:3) Wir dürfen nicht vergessen, daß die in dem Gleichnis erwähnten drei Sklaven verschiedene Klassen darstellen und daß diese Klassen aus Einzelpersonen bestehen. Es erfordert mehr Zeit und Aufmerksamkeit, sich mit einer ganzen Klasse oder Gruppe zu befassen als nur mit einer Einzelperson. Bei einer Klasse oder Gruppe muß man sich mit den einzelnen Gliedern befassen. Der Apostel Paulus schrieb gemäß Römer 14:9, 10:

      4 „Denn dazu ist Christus gestorben und wieder zum Leben gekommen, damit er Herr sei sowohl über die Toten als auch die Lebenden. ... Denn wir werden alle vor dem Richterstuhl Gottes stehen.“

      5. (a) An wessen Stelle richtet Jesus Christus, wenn er die Lebenden und die Toten richtet? (b) Was mußten die Glieder der durch die „Sklaven“ veranschaulichten Klassen, die vor der Parusie Christi starben, im Hinblick auf ihre Belohnung tun?

      5 In der Erfüllung des prophetischen Gleichnisses von den „Talenten“ richtet der Herr Jesus Christus an Stelle von Jehova Gott. Heute, im zwanzigsten Jahrhundert, leben nicht mehr alle seine „Sklaven“, denen „Talente“ übergeben wurden. Diejenigen zum Beispiel, die im ersten Jahrhundert lebten und Zeitgenossen der zwölf Apostel waren, von denen Johannes, der die Offenbarung empfing, am längsten lebte, sind schon längst tot; sie sind im Tode entschlafen in der Erwartung der Parusie ihres himmlischen Herrn und Gebieters, des gerechten Richters, von dem sie dann den Lohn empfangen sollten. Der Apostel Paulus schrieb, kurz bevor er als Märtyrer starb, an Timotheus, seinen Missionargefährten: „Ich habe den vortrefflichen Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt. Fortan ist mir die Krone der Gerechtigkeit aufbehalten, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage als Lohn geben wird, doch nicht nur mir, sondern auch all denen, die sein Offenbarwerden geliebt haben.“ (2. Timotheus 4:7, 8) Ja, der Apostel Paulus hoffte tatsächlich, „an jenem Tage“, am Tage der Parusie des Herrn, von den Toten auferweckt und mit unsterblichem himmlischem Leben belohnt zu werden. Alle, die vor der Parusie des Herrn starben, mußten warten.

      6. Wann wurden die im Tode schlafenden „Sklaven“ auferweckt, und wem kommen sie, was die Auferstehung betrifft, zuvor?

      6 Während der unsichtbaren Parusie des Herrn im Geiste wurden alle diese im Tode schlafenden treuen „Sklaven“ zu der Zeit, als das Gericht beginnen sollte, zu himmlischem Leben im geistigen Reich auferweckt. Die Belohnung der lebenden „Sklaven“ ging also der Belohnung der schlafenden treuen „Sklaven“ nicht voraus. Das ist nicht unsere eigene Idee; der Apostel Paulus schrieb an die Christenversammlung in Thessalonich: „Wenn wir den Glauben haben, daß Jesus gestorben und wieder auferstanden ist, so wird Gott auch die im Tode Entschlafenen durch Jesus mit ihm bringen. Denn dies sagen wir euch durch Jehovas Wort, daß wir, die Lebenden, die bis zur Gegenwart des Herrn am Leben bleiben, denen keineswegs zuvorkommen werden, die im Tode entschlafen sind; denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes, und die in Gemeinschaft mit Christus Verstorbenen werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die Lebenden, welche überleben, mit ihnen zusammen in Wolken entrückt werden zur Begegnung mit dem Herrn in der Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein.“ — 1. Thessalonicher 4:14-17.

      7. Wie werden diese Entschlafenen auferweckt?

      7 Das bedeutet, daß während der Parusie des Herrn, zu Beginn des Gerichts, die im Tode schlafenden treuen „Sklaven“ zu geistigem Leben im Himmel auferweckt werden. Die noch auf der Erde lebenden „Sklaven“ können diese Auferstehung mit ihren natürlichen Augen selbstverständlich ebensowenig sehen wie die Weltmenschen, die keine „Sklaven“ des unsichtbar gegenwärtigen Herrn Jesus sind.

      8, 9. (a) Was zeigen die Tatsachen in bezug auf die Frage, ob mit der Begegnung der „Sklaven“ mit dem Herrn in der Luft eine Entrückung des natürlichen Leibes in die Erdatmosphäre gemeint ist? (b) Womit hängt dies gemäß 1. Korinther 15:50-54 zusammen?

      8 Auch die Begegnung der auferweckten „Sklaven“ mit dem „Herrn in der Luft“ ist für alle Menschenaugen unsichtbar, und niemand auf der Erde weiß, daß sie vor sich geht, außer jemand, der an Gottes Wort glaubt und auf die Zeichen der Zeit achtet. Diese im Tode schlafenden „Sklaven“ wurden alle zur gleichen Zeit zur „Begegnung mit dem Herrn in der Luft“ auferweckt. Doch die „Sklaven“, die noch auf der Erde lebten, als das Gericht oder die Abrechnung begann, wurden nicht in ihrem sichtbaren, natürlichen Leib in die Erdatmosphäre entrückt, damit sie einem sichtbaren Herrn in der Luft begegneten, denn die neuzeitliche Geschichte berichtet nichts von einem solchen Ereignis. In den mehr als fünfzig Jahren, die seither verflossen sind, starben von Zeit zu Zeit einzelne Glieder dieser noch lebenden Gruppe von „Sklaven“, doch gemäß der biblischen Verheißung wurden sie unverzüglich zu geistigem Leben in den unsichtbaren Himmeln auferweckt. Da die Zeit der Gegenwart des Herrn bereits begonnen hatte, brauchten sie nicht im Tode zu schlafen und auf seine Ankunft zu warten. Auf sie treffen die Worte des Apostels Paulus zu:

      9 „Fleisch und Blut [können] Gottes Königreich nicht ererben ..., noch ererbt die Verweslichkeit die Unverweslichkeit. Seht! Ich sage euch ein heiliges Geheimnis: Wir werden nicht alle im Tode entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn das, was verweslich ist, muß Unverweslichkeit anziehen; und das, was sterblich ist, muß Unsterblichkeit anziehen. Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anzieht und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anzieht, dann wird sich das Wort erfüllen, das geschrieben steht: ,Der Tod ist für immer verschlungen.‘ “ — 1. Korinther 15:50-54; Jesaja 25:8.

      10. Wieso sind die in Offenbarung 14:13 erwähnten „Sklaven“ „glücklich“?

      10 Den gesalbten Sklaven, die noch auf der Erde lebten, als die Parusie oder Gegenwart des Herrn begann, und die erst später in Treue und in Gemeinschaft mit dem Herrn starben, gilt die Verheißung aus Offenbarung 14:13: „Glücklich sind die Toten, die von dieser Zeit an in Gemeinschaft mit dem Herrn sterben. Ja, spricht der Geist, mögen sie ruhen von ihren mühevollen Arbeiten, denn die Dinge, die sie getan haben, gehen gleich mit ihnen.“ Sie sind „glücklich“, weil sie bei ihrem Tod im Fleische diese augenblickliche Verwandlung erleben — von Verweslichkeit zu Unverweslichkeit, von Sterblichkeit zu Unsterblichkeit, von der menschlichen Natur zur geistigen Natur —, so daß sie, ohne im Tode schlafen zu müssen, von ihren mühevollen Arbeiten auf der Erde abstehen und in den Himmel eingehen können, um dort die Tätigkeit bei ihrem Herrn, dessen Miterben sie sind, aufzunehmen.

      11. Wer war R. J. Martin, der in diesem Zusammenhang als ein Beispiel angeführt wird?

      11 Denken wir zum Beispiel an Robert J. Martin, einen jener acht geweihten Christen (zu denen auch J. F. Rutherford, der damalige Präsident der Watch Tower Society, gehörte), die etwa neun Monate (vom 5. Juli 1918 bis zum 25. März 1919) unschuldig in der Bundesstrafanstalt von Atlanta (Georgia) waren. Als dieser „Sklave“ am Mittwoch, dem 26. März 1919, in Brooklyn (New York) gegen Bürgschaft entlassen wurde, hatte er an „Talenten“ seines himmlischen Herrn so gut wie nichts. Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges, der die Verfolgung der „Sklaven“ des Herrn mit sich gebracht hatte, waren nun über vier Monate vergangen. R. J. Martin mußte sozusagen neu anfangen. Er war immer noch treu in der Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus Christus und war gern bereit, „Talente“ entgegenzunehmen, um damit für seinen himmlischen Herrn Geschäfte zu machen und so das Feld zu vergrößern, das sich als fruchtbar erweisen und Jünger des Herrn Jesus Christus hervorbringen sollte. In dem Jahr nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wurde er zum Leiter der Druckerei gemacht, die die Watch Tower Bible and Tract Society in Brooklyn neu errichtet hatte. Am 1. November 1926 wurde er ein Vorstandsmitglied dieser Gesellschaft und blieb es auch bis zum Ende seines irdischen Lebens.

      12. Wann starb R. J. Martin, und welche Mitteilung erschien im Wacht-Turm über seinen Tod?

      12 Die Jahre vergingen, und R. J. Martin machte mit den „Talenten“, die ihm in Verbindung mit dem Feld, das Jünger hervorbringen sollte, übergeben worden waren, gewissenhaft Geschäfte. Er behielt seine Stellung, bis er am 23. September 1932 im Alter von 54 Jahren (er war am 30. März 1878 geboren) starb. Die Mitteilung über seinen Tod „in Gemeinschaft mit dem Herrn“ erschien im Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi vom 15. November 1932 und lautete auszugsweise wie folgt:

      Es war gerade nach Mitternacht oder zu Anfang des Morgens des 23. September 1932, als Robert J. Martin, ein Kriegsmann in Jehovas Organisation, sein irdisches Zelt zusammenlegte und in Frieden fortging. Dieser gute und treue Zeuge hat seine Laufbahn auf der Erde beendet. Wir haben allen Grund zu glauben, daß er sofort in das Königreich hinübergegangen und jetzt in der Hauptorganisation Jehovas auf immerdar mit dem Herrn ist.

      ... Es ist die Hoffnung der treuen Genossen Bruder Martins, daß auch sie den Herrn in seiner ganzen Herrlichkeit und Schönheit sehen und danach auf immerdar daran teilhaben möchten, Jehovas Beschlüsse auszuführen. Bruder Martins treue Hingabe an die Sache Jehovas ist für die, die dem Überrest angehören, ein Ansporn, fortzufahren, den Streit zurückzudrängen ans Tor. ...

      13. Wann starb J. F. Rutherford, der mit R. J. Martin im Gefängnis war, und was endete damals, wie es sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat?

      13 J. F. Rutherford, der mit ihm im Gefängnis gewesen war, beendete seine irdische Laufbahn am Donnerstag, dem 8. Januar 1942, im Alter von 72 Jahren, während er noch Präsident der Watch Tower Bible and Tract Society war. Die Mitteilung über seinen Tod erschien in der englischen Ausgabe des Wachtturms und Verkünders der Gegenwart Christi vom 1. Februar 1942 (Seite 45) unter der Überschrift „Ein treuer Zeuge“. Wie es sich in den mehr als dreißig Jahren, die seither vergangen sind, gezeigt hat, endete mit seinem Tod eine bestimmte Epoche der Tätigkeit der heutigen christlichen Zeugen Jehovas.

      14. (a) Was darf nach der Bibel in bezug auf die Belohnung dieser beiden „Sklaven“, die mit den „Talenten“ Christi Geschäfte gemacht haben, angenommen werden? (b) Gehen die noch auf der Erde lebenden „Sklaven“ heute schon irgendwie in die „Freude“ ihres Herrn ein, und wie verhält es sich mit dem Herrschen?

      14 Christliche „Sklaven“ wie die beiden oben erwähnten haben durch ihr Leben ohne Zweifel bewiesen, daß sie mit den ihnen übergebenen „Talenten“ des Herrn „Geschäfte gemacht“ und auf diese Weise das irdische Betätigungsfeld, durch das Jünger Christi hervorgebracht werden, ausgedehnt haben. Die Bibel berechtigt zu der Annahme, daß sie, als sie vor dem Richterstuhl ihres Herrn Jesus Christus erschienen, von ihm die lobenden Worte hörten: „Wohlgetan, du guter und treuer Sklave! Du warst über weniges treu. Ich will dich über vieles setzen. Geh ein in die Freude deines Herrn.“ (Matthäus 25:21, 23) Inzwischen sind viele Jahre vergangen, aber es befindet sich immer noch ein kleiner Überrest dieser treuen christlichen „Sklaven“, die sich liebevoll bemühen, die „Talente“ ihres himmlischen Herrn zu vermehren, auf der Erde. Sie hoffen, ihr irdisches Leben zur entsprechenden Zeit zu beenden und dann vor dem himmlischen Richterstuhl Jesu Christi zu erscheinen und ebenfalls beglückt diese lobenden Worte zu hören. Doch in dem Ausmaß, in dem sie die „Talente“ ihres himmlischen Gebieters vermehren, gehen sie sogar heute schon, während sie noch auf der Erde sind, in hohem Grade in die Freude ihres Herrn ein. Sie beginnen aber noch nicht, irgendwie zu herrschen, sondern sehen lediglich der Zeit entgegen, wo sie zusammen mit ihrem Herrn tausend Jahre im Himmel regieren werden.

      DER „BÖSE UND TRÄGE SKLAVE“

      15, 16. (a) Inwiefern gebrauchte der Sklave mit dem einen Talent seine „Fähigkeit“ nicht, und was hatte dies zur Folge? (b) Womit entschuldigte er sich dafür, daß er nur das zurückgab, was er empfangen hatte?

      15 Nun interessiert es uns zu erfahren, was mit dem dritten in Jesu Gleichnis erwähnten Sklaven geschah, der nur ein Talent empfing und über den gesagt wurde: „Der aber, der nur eines empfangen hatte, ging hin und grub in die Erde und verbarg das Silbergeld seines Herrn.“ (Matthäus 25:15, 18) Da sich dieser Sklave nicht anstrengte und nicht den Mut hatte, „Geschäfte zu machen“ wie der Sklave, der die fünf Talente, oder wie derjenige, der die zwei Talente empfangen hatte, konnte er nicht erwarten, daß er zu dem Silbertalent seines Meisters etwas hinzugewinnen würde. Er hatte zwar die entsprechende „Fähigkeit“, mit dem einen Talent zu handeln und etwas hinzuzugewinnen, aber er zeigte sie nicht. Bei der Abrechnung zur Zeit des Kommens und der Gegenwart oder Parusie seines Herrn hatte er keinen Gewinn aufzuweisen. Welche Entschuldigung brachte er deswegen seinem Herrn gegenüber vor? Jesus sagt es uns in seinem Gleichnis:

      16 „Schließlich trat der herzu, der das eine Talent empfangen hatte, und sagte: ,Herr, ich wußte, daß du ein strenger Mann bist und erntest, wo du nicht gesät, und sammelst wo du nicht geworfelt hast. Da fürchtete ich mich und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde. Hier hast du das Deine.‘ “ — Matthäus 25:24, 25.

      17. (a) Billigte es dieser Sklave, daß sein Herr so vorging wie der Landwirt, den er beschrieb? (b) Warum dachte der Sklave, sein Herr habe kein Recht, sich darüber zu beklagen, daß er für ihn keinen Gewinn erzielt habe?

      17 Dieser Sklave wußte, daß von ihm ein Gewinn erwartet wurde, aber er wagte das Risiko nicht mit dem Silbertalent seines Meisters „Geschäfte zu machen“. Seine Liebe zu seinem Herrn war nicht so groß, daß sie ihn veranlaßt hätte, trotz seiner Furcht das Risiko einzugehen und sich anzustrengen, die „Habe“ seines Herrn zu vermehren. Er verglich seinen Herrn mit einem Landwirt, der nicht nur seine eigene Ernte einbrachte, sondern auch auf Feldern erntete, die ihm nicht gehörten und die er nicht bestellt hatte, ja der Getreide sammelte, das er nicht geworfelt, das heißt nicht von der Spreu gereinigt hatte. Der Sklave billigte es nicht, daß sein Herr auf diese Weise Gewinn erzielte. Jedenfalls warf er ihm vor, auf diese Weise Gewinn zu erzielen. Seiner angeblichen Überzeugung und Einstellung entsprechend, gab er daher seinem Herrn das Silbertalent, das ihm dieser übergeben hatte, einfach wieder zurück. Warum, so dachte er, sollte sich sein Herr beklagen? Er hatte doch keinen Verlust erlitten. Er erhielt das zurück, was ihm gehörte. Der Sklave hatte nicht erkannt, daß Geld dazu da ist, in Umlauf gebracht und auf eine gewinnbringende Weise verwendet zu werden.

      18. Welchem Argument entsprach die Antwort, die der Herr dem Sklaven gab? Wie nannte er diesen deshalb, und warum?

      18 Die Antwort, die der Herr seinem Sklaven gab, entsprach dessen eigenem Argument, denn wir lesen: „In Erwiderung sagte sein Herr zu ihm: ,Du böser und träger Sklave! Du wußtest also, daß ich erntete, wo ich nicht säte, und sammelte, wo ich nicht worfelte? Nun, so hättest du mein Silbergeld bei den Bankleuten anlegen sollen, und bei meiner Ankunft [buchstäblich: gekommen seiend] hätte ich das Meine mit Zins erhalten.‘ “ — Matthäus 25:26, 27.

      19. Warum verdiente es der Sklave, als „böse“ bezeichnet zu werden, und auf welche Weise wäre es ihm ein leichtes gewesen, die Erwartungen seines Herrn zu erfüllen?

      19 Dieser unnütze Sklave war „böse“, weil er absichtlich oder willentlich nichts unternahm, um seinem Herrn Gewinn einzubringen. Er war nicht daran interessiert, die Habe seines Herrn zu vermehren. Es war nicht so, daß er nicht gewußt hätte, daß sein Herr einen Gewinn erwartete. Er wußte es, und er hätte es sich leichtmachen können, indem er das ihm anvertraute Silbertalent bei den Bankleuten hinterlegt hätte, damit sie es hätten investieren können, so daß es ihnen Gewinn eingebracht hätte und sie dafür die entsprechenden Zinsen hätten bezahlen können. Dann hätte der Herr des Sklaven bei seiner Rückkehr nicht nur das Silbertalent, sondern auch die Zinsen entgegennehmen können, die für das bei den Bankleuten hinterlegte Geld ausbezahlt worden wären. Abgesehen davon, daß er weder den Sklaven nachahmte, der die fünf Talente empfangen hatte, noch den, der die zwei Talente empfangen hatte, arbeitete er auch nicht mit ihnen zusammen. Obwohl er das Silbertalent, das ihm übergeben worden war, zurückgab, fügte er seinem Herrn in Wirklichkeit einen Verlust zu. Daß er ihm diesen Verlust sogar absichtlich zufügte, machte ihn „böse“.

      20. In welchem Sinne war dieser Sklave „träge“, und wie wirkte sich das für ihn aus?

      20 Der nutzlose Sklave war auch „träge“. Er war faul und nicht bereit, mit Umsicht „Geschäfte zu machen“ wie seine Mitsklaven. Er hatte die Fähigkeit, gewinnbringend zu arbeiten, sonst hätte ihm sein Herr nicht wenigstens das eine Talent anvertraut. Dadurch, daß ihm nur ein Talent gegeben wurde, hatte er von allen drei Sklaven die geringste Verantwortung, und dieser geringe Geldbetrag verlangte von ihm nicht mehr, als er mit „seiner eigenen Fähigkeit“ zu tun vermochte. Doch anstatt seine Fähigkeit zu nutzen, vergrub er das Talent seines Herrn in der Erde und gab es ohne Gewinn zurück. Er war so träge, daß er sich — obwohl er seinen Herrn als einen „strengen Mann“ beurteilte — nicht veranlaßt fühlte, während dessen langer Abwesenheit mit dem kostbaren Talent zu arbeiten. Er hätte genügend günstige Zeit dafür gehabt. Er gewann aber nichts hinzu, und das hatte für ihn verhängnisvolle Folgen.

      21. Wer ist heute, wo das durch dieses Gleichnis veranschaulichte Geschehen seinen Höhepunkt erreicht, das Gegenstück dieses Sklaven?

      21 Dieser „böse und träge Sklave“ hat heute, wo das durch dieses Gleichnis veranschaulichte Geschehen seinen Höhepunkt erreicht, ein Gegenstück. Wie seine beiden Mitsklaven, so stellt auch der unnütze Sklave eine Klasse oder Gruppe von christlichen Sklaven dar, die im Dienste Jesu Christi, des himmlischen Herrn stehen oder ihm verpflichtet sind. Diese unnütze Klasse zeigte sich nach dem Beginn der Abrechnung im ersten Nachkriegsjahr (1919 u. Z.).

      22. Wer gab ebenfalls vor, im Dienste des himmlischen Herrn zu stehen? Inwiefern vernachlässigten sie aber seine „Habe“ nach dem Ersten Weltkrieg?

      22 Die Mitglieder der verschiedenen Glaubensgemeinschaften der Christenheit gaben allerdings vor, im Dienste des himmlischen Herrn Jesus Christus zu stehen. Gingen sie aber am Ende des Ersten Weltkrieges (11. November 1918) daran, das ausgedehnte Feld, das vor ihnen lag, zu bearbeiten und für den regierenden König, Jesus Christus, der nun gegenwärtig war, Jünger zu machen? Nein, sie gingen mit den Politikern und den Militaristen dieser Welt Kompromisse ein. Sie vernachlässigten die Königreichs„habe“ des Königs, dessen fürstliche Herrschaft sich unaufhörlich mehren sollte. Sie richteten ihr Interesse und ihre Aufmerksamkeit auf den beantragten Völkerbund, der vom Generalrat der Kirchen Christi in Amerika als „der politische Ausdruck des Königreiches Gottes auf Erden“ bezeichnet wurde. (Jesaja 9:6, 7) Sie versuchten, die Zahl der Unterstützer und Verehrer dieser von Menschen geschaffenen internationalen Organisation für Weltfrieden und internationale Sicherheit zu vermehren. Gegenwärtig treten die Sekten und Glaubensgemeinschaften der Christenheit für die Vereinten Nationen, die Organisation, die den Völkerbund abgelöst hat, ein.

      23. Wozu hat es geführt, daß sie das Feld, die Welt, nicht im Interesse des messianischen Königreiches Gottes bearbeitet haben?

      23 Bei der Abrechnung, die der zurückgekehrte Herr Jesus in der heutigen Zeit zur Prüfung seiner Sklaven durchführt, können diese zur Christenheit gehörenden angeblichen „Sklaven“ ihm nichts vorweisen, was sie zu seiner Habe hinzugewonnen hätten. Sie haben das Feld, die Welt, nicht im Interesse des aufgerichteten messianischen Königreiches Jehovas Gottes bearbeitet, denn sie haben sich von diesem Königreich abgewandt und haben die Menschen darüber in Unkenntnis gelassen.

      24. Wieso entsprechen die Personen, die im dritten Absatz der Resolution, betitelt „Ein neuer Name“, beschrieben wurden, dem „trägen Sklaven“?

      24 Doch selbst unter denen, die mit den treuen „Sklaven“ des zurückgekehrten, regierenden Königs, Jesus Christus, in Verbindung standen, zeigte sich eine Klasse gesalbter Christen, die der Beschreibung des „bösen und trägen Sklaven“ entsprach. Auf diese Klasse bezogen sich zweifellos die Ausführungen im dritten Absatz der Resolution, betitelt „Ein neuer Name“, die am Sonntag nachmittag, den 26. Juli 1931 auf dem internationalen Kongreß angenommen wurde, der in Columbus (Ohio) unter der Leitung der Watch Tower Bible and Tract Society durchgeführt wurde. Dieser Absatz lautete:

      ... WEIL kurz nach dem Tode Charles T. Russells unter denen, die mit ihm im genannten Werke verbunden waren, eine Spaltung entstand, wobei sich eine Anzahl von der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft getrennt und sich seither geweigert haben, mit der genannten Gesellschaft und ihrem Werk zusammenzuwirken, und es ferner abgelehnt haben, mit der Wahrheit, die durch die Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft im „Wachtturm“ und durch die genannten Korporationen in den anderen Publikationen veröffentlicht wurde, übereinzustimmen, vielmehr das Werk der genannten Gesellschaft, bestehend in der Verkündigung der gegenwärtigen Botschaft vom Königreich Gottes und vom Tage der Rache unseres Gottes an allen Teilen der satanischen Organisation, bekämpft haben, und da die erwähnten Gegner zahlreiche, voneinander abgesonderte Gruppen gebildet und Namen wie „Bibelforscher“, „Vereinigte Bibelforscher“, „Russelliten, Lehrer der von Pastor Russell ausgelegten Wahrheit“, „Standhafte“ und ähnliche Benennungen angenommen haben und tragen, was alles dazu angetan ist, Verwirrung und Mißverständnis zu veranlassen ...

      25. An welchen Erfahrungen und an welchem Werk der Träger des „neuen Namens“ waren die obenerwähnten Personen daher nicht beteiligt?

      25 Die hier erwähnten Personen, die sich der Zusammenarbeit widersetzten, ja die sich sogar als Gegner erwiesen, nahmen diesen „neuen Namen“, Jehovas Zeugen, nicht an und wurden nicht als christliche Zeugen Jehovas bekannt. Sie haben weder an den furchtbaren Leiden teilgehabt, die die Träger des „neuen Namens“ seither durchgemacht haben, noch haben sie sich an dem Werk beteiligt, durch das Jehovas aufgerichtetes, unter seinem Messias stehendes Königreich auf der ganzen Erde verkündigt wird. Sie haben deshalb keinen Anteil gehabt an der wunderbaren Ausdehnung des Feldes, das bearbeitet werden sollte, um Jünger Christi hervorzubringen, und das zur Zeit 208 Länder und Inselgebiete umfaßt, in denen die Königreichsbotschaft in über 160 Sprachen verkündigt wird. Trotz der grausamen Verfolgungen in verschiedenen Ländern geht die Bebauung dieses Feldes (das die Menschenwelt ist), durch die weitere Jünger Christi hervorgebracht werden, ihrem Höhepunkt entgegen. Sie wird gegenwärtig unter der Aufsicht von 95 Zweigorganisationen der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania durchgeführt.

      26. Was beweist, daß der Himmel den Überrest der gesalbten „Sklaven“ gesegnet hat, der bemüht war, die „Talente“ des Herrn zu benutzen und das Feld, die Welt, zu bearbeiten?

      26 Diese Vermehrung der „Habe“ oder der „Talente“ des messianischen Königs wird von Jehova Gott, dem Höchsten, und von seinem Sohn, Jesus Christus, also offensichtlich anerkannt und gesegnet. Die gesalbten „Sklaven“, die mit der Verwendung der „Talente“ des Königs beschäftigt sind, sehen in dieser Tätigkeit eine Verantwortung, die Freude bringt, und sie bemühen sich, von ihrem himmlischen Herrn als „gute und treue Sklaven“ beurteilt zu werden. Sie möchten nicht, daß jemand von der Klasse des „bösen und trägen Sklaven“ mit ihnen verbunden ist. Sie versuchen vielmehr, allen, die den schriftgemäßen Anforderungen entsprechen, zu helfen, sich mit ihnen zu verbinden und ebenfalls produktive Diener des Wortes Gottes zu werden. Im Dienstjahr 1972 ließen sich 163 123 Personen, die sie belehrt hatten, als Jünger des Herrn Jesus Christus taufen, was beweist, daß Gott ihre liebevollen Bemühungen gesegnet hat. In den letzten fünf Dienstjahren (1968 bis 1972) ließen sich in der ganzen Welt mehr als eine halbe Million Menschen, nämlich 680 871, taufen. Der Überrest der gesalbten „Sklaven“, die die „Habe“ des Herrn vermehren, denkt daher nicht, der Herr ernte unrechtmäßig, wo er — als er selbst auf der Erde war — nicht gesät habe.

      DAS UNGENUTZTE „EINE TALENT“ WEGGENOMMEN

      27. Welche Entscheidung traf der Herr in Verbindung mit dem unnützen Sklaven?

      27 Welche Entscheidung trifft der Herr in dem Gleichnis in Verbindung mit dem Sklaven, der ihm das, was ihm gehört, nicht „mit Zins“ zurückgibt? „Deshalb“, sagt der erzürnte Herr über den „bösen und trägen Sklaven“, der sich als nutzlos erwiesen hat, „nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat. Denn jedem, der hat, wird mehr gegeben werden, und er wird in Fülle haben; dem aber, der nicht hat, wird selbst das, was er hat, weggenommen werden. Und den unnützen Sklaven werft hinaus in die Finsternis draußen. Dort wird sein Weinen und sein Zähneknirschen sein.“ — Matthäus 25:28-30.

      28. Was blieb diesem Sklaven versagt, das den nützlichen Sklaven gewährt wurde, und was bedeutete es für ihn, in die „Finsternis draußen“ hinausgeworfen zu werden?

      28 Dieser Sklave wird nicht eingeladen, in die Freude seines Herrn einzugehen. Er wird nicht über vieles gesetzt, weil er über weniges treu gewesen wäre. Er wird nicht als ein „guter und treuer Sklave“ bezeichnet, sondern als „unnützer Sklave“. Er darf nicht im Dienste und im Hause des Herrn bleiben, sondern wird aus dem Haus hinausgeworfen, „in die Finsternis draußen“. Offenbar rechnete der zurückgekehrte Herr mit seinen Sklaven nachts ab, und so geriet der Sklave tatsächlich in die „Finsternis draußen“, als er hinausgeworfen wurde. Statt daß er dort draußen die Freude seines Herrn fand, hatte er Ursache, zu weinen und mit den Zähnen zu knirschen wegen der Zustände, in die er dadurch geraten war.

      29. Warum sollten die bis heute treu gebliebenen gesalbten „Sklaven“ im Hinblick auf die immer düsterer werdende Weltsituation daraus eine ernste Lehre ziehen?

      29 Daraus sollte der Überrest der gesalbten „Sklaven“ heute eine ernste Lehre ziehen. Diese „Sklaven“ müssen sich weiter bemühen, die „Habe“ ihres himmlischen Herrn zu vermehren, sonst wird ihnen dieses Gut, das er ihnen anvertraut hat, weggenommen, und sie werden wie die Klasse des „bösen und trägen Sklaven“ hinausgeworfen, in die „Finsternis draußen“. Seit Ablauf der Zeiten der Nationen im Jahre 1914 ist es für die Menschenwelt außerhalb des erleuchteten Hauses des himmlischen Herrn Jesus Christus Nacht gewesen; selbst die Christenheit ist in diese nächtliche Finsternis gehüllt. Diese Finsternis wird aber noch dichter werden, wenn die von Gott bestimmte Zeit kommt, in der die „große Drangsal“ plötzlich über die heutige Generation der Menschheit hereinbricht. (Matthäus 24:21, 22; Lukas 21:34-36) In diese todbringende Finsternis werden diejenigen, die zur Klasse des „bösen und trägen Sklaven“ gehören, geworfen werden, wo sie zusammen mit religiösen Heuchlern weinen und mit den Zähnen knirschen werden, bis sie umkommen.

      30. Auf welche Weise wird der Klasse des „trägen Sklaven“ das „eine Talent“ weggenommen, wem wird es gegeben, und warum?

      30 Während der Herr heute gegenwärtig ist und mit seinen „Sklaven“ abrechnet — sei es nun mit den einzelnen, die sterben oder mit den betreffenden Sklavenklassen, die noch auf der Erde sind —, ist etwas bereits zu erkennen: Diejenigen, die zur Klasse des „bösen und trägen Sklaven“ gehören, machen mit dem „einen Talent“, das sie empfangen haben, keine Geschäfte und sorgen nicht dafür, daß das „Geld“ ihres Herrn Zinsen trägt. Er ist daher bereits im Begriff, das „eine Talent“ von dieser untreuen Klasse, die als Klasse immer noch vorhanden ist, wegzunehmen. Er teilt diesen Untreuen nichts von dem Gebiet zu, das bearbeitet und fruchtbar gemacht werden soll, damit weitere Jünger Christi hervorgebracht werden. Er behandelt sie nicht mehr als seine Sklaven; er beachtet das, was sie auf religiösem Gebiet tun, nicht und erkennt es nicht an. Er läßt sie an dem Licht, das seine Hausgenossen erfreut, nicht teilhaben. Das „eine Talent“, das sie empfangen haben, wird ihnen weggenommen, und das ihnen zugeteilte Feld mit seinen Möglichkeiten, Jünger hervorzubringen, wird der Klasse des „guten und treuen Sklaven“ gegeben, die ihre Fähigkeit, Jünger zu machen, weitgehendst genutzt und dadurch die „Habe“ des Königs um so viel vermehrt hat (oder noch vermehrt), daß sie „zehn Talente“ vorweisen kann. — Matthäus 28:19, 20; Psalm 2:8.

      31. (a) Für die Anwendung welchen Grundsatzes oder welcher Handlungsregel gab der Herr hiermit ein Beispiel? (b) Welches zusätzliche Etwas hatte der „träge Sklave“ außer seiner „Fähigkeit“ nicht, und wie wurde deshalb mit ihm verfahren?

      31 Wir haben also hier ein Beispiel dafür, wie heute der göttliche Grundsatz oder die göttliche Handlungsregel angewandt wird: „Jedem, der hat, wird mehr gegeben werden, und er wird in Fülle haben; dem aber, der nicht hat, wird selbst das, was er hat, weggenommen werden.“ (Matthäus 25:29) Der in dem Gleichnis erwähnte „böse und träge Sklave“ hatte zwar das „eine Talent“, aber es fehlte ihm an etwas, was durch den Besitz dieses „einen Talents“ bei ihm hätte entfacht und offenbar werden sollen. Dieses zusätzliche Etwas hätte Treue zu seinem Herrn und Eifer für ihn sein sollen, eine tiefe Wertschätzung für das ihm anvertraute Gut und die Überzeugung, daß sein Herr es verdiente, das „eine Talent“, das gewinnbringend hätte angelegt werden können, mit Gewinn zurückzuerhalten. Daß er bei der Abrechnung nichts als Gewinn vorweisen konnte, war, von seiner Entschuldigung abgesehen, ein sprechender Beweis dafür, daß er dieses zusätzliche Etwas nicht hatte. Er war ein „unnützer Sklave“, und so wurde ihm das „eine Talent“ weggenommen. Er hatte das Vertrauen, das sein Herr in ihn gesetzt hatte, enttäuscht. Er wurde aus dem Dienst seines Herrn entlassen und aus dessen Haus gewiesen.

      32. Was ist das zusätzliche Etwas, das die Klasse des „trägen Sklaven“ seit dem Jahre 1919 hätte haben müssen, es aber nicht hat, und was wird ihr deshalb weggenommen?

      32 Der gleiche Grundsatz läßt sich heute auch auf die Klasse des „bösen und trägen Sklaven“ anwenden. Den Gliedern dieser Klasse wurde das anvertraut, was dem „einen Talent“ entspricht. Sie haben es von ihrem himmlischen Herrn erhalten und besitzen es besonders seit dem ersten Nachkriegsjahr (1919). Sie hätten aber etwas haben müssen, was dieses „eine Talent“ ergänzt hätte oder ein passendes Gegenstück dazu gewesen wäre. Dieses ergänzende Etwas, das durch den Besitz des „einen Talents“ bei ihnen hätte hervorgerufen werden sollen, war ein mit Hingabe gepaarter Eifer für Jehovas messianisches Königreich, die Überzeugung, daß ihr himmlischer Herr es verdiente, den Ertrag des Feldes, das Jünger hervorbringen sollte, zu empfangen, und der Mut und die Liebe, die sie dazu angetrieben hätten, an der Verkündigung des aufgerichteten messianischen Königreiches Gottes einen möglichst großen Anteil zu haben und aus möglichst vielen Menschen aller Nationen Jünger zu machen, nicht nur aus den Juden, auf die Jesus Christus, als er auf der Erde war, seine öffentliche und private Predigttätigkeit beschränkte. Da sie das nicht haben, was sie gebrauchen sollten, um mit dem „einen Talent“ ihres Herrn zu arbeiten, wird ihnen dieses „Talent“ weggenommen, wie das die Tatsachen heute erkennen lassen.

      33. (a) Auf wessen Kosten empfangen somit die Glieder der Klasse des „guten und treuen Sklaven“ eine „Fülle“? (b) Welche Freude erleben sie, und welche Herrschaft erwarten sie?

      33 Die Glieder der Klasse des „guten und treuen Sklaven“ haben dagegen dieses Etwas, womit die ihnen anvertrauten „Talente“ ihres himmlischen Herrn ergänzt werden sollten. Dem Gleichnis entsprechend wird ihnen auf Kosten der Klasse des „bösen und trägen Sklaven“ mehr gegeben; es werden ihnen weitere Gelegenheiten geboten und neue Vorrechte eingeräumt, da sie verantwortungsbewußte, zuverlässige und nützliche „Sklaven“ sind. Demzufolge haben sie tatsächlich „in Fülle“, was das weite Feld, das Jünger hervorbringt, betrifft. Während sie das Herz ihres Herrn erfreuen, ist ihre eigene Freude überströmend, und sie erhalten bereits einen Vorgeschmack von der Freude, die ihr Herr in seinem nun aufgerichteten Königreich empfindet. Diese Freude gibt ihnen die Kraft, ihm weiter zu dienen bis zum Ende ihres irdischen Lebens, und wenn sie sterben, hoffen sie durch die Auferstehung von den Toten in die Fülle seiner Freude einzugehen und in seinem tausendjährigen Königreich als Herrscher über vieles gesetzt zu werden. Dann werden sie das Glück der „Sklaven“, die an der „ersten Auferstehung“ teilhaben, in seiner ganzen Bedeutung kennenlernen. — Offenbarung 20:6.

      34. Was beweist die Tatsache, daß sich das, was durch den Höhepunkt dieses Gleichnisses Jesu veranschaulicht wurde, in unserer Zeit offensichtlich abgespielt hat, und warum?

      34 Auf diese Weise hat sich seit dem Jahre 1919 u. Z. das abgespielt, was durch die Ereignisse, die den Höhepunkt des Gleichnisses von den „Talenten“ bilden, veranschaulicht wurde. Sowohl Einzelpersonen als auch ganze Völker rund um den Erdball haben dies beobachtet. Besonders die Klasse des „guten und treuen Sklaven“ weiß dies. All das beweist, daß wir seit dem Ende der Zeiten der Nationen (im Jahre 1914) in der Zeit der Parusie oder der unsichtbaren Gegenwart des Königs Jesus Christus leben. Es bildet daher einen Bestandteil des großen „Zeichens“ der „Gegenwart“ Christi und des „Abschlusses des Systems der Dinge“, denn das Gleichnis von den „Talenten“ gehört zu Jesu ausführlicher Prophezeiung über dieses „Zeichen“. — Matthäus 24:3.

      35. Warum möchten wir die Prophezeiung Christi weiter betrachten, und welchen Beweis werden wir dadurch erhalten?

      35 Das „Zeichen“ der unsichtbaren Gegenwart Christi im Geiste schließt aber noch mehr ein als die Gleichnisse von den „zehn Jungfrauen“ und den „Talenten“, die wir nun betrachtet haben. Ein weiteres prophetisches Gleichnis bildet einen wichtigen Bestandteil der Prophezeiung Jesu Christi über das „Zeichen“, und seine Erfüllung in unserer beunruhigenden Zeit ist ein weiterer Beweis dafür, daß wir in der Gegenwart oder der Parusie des Herrn Jesus Christus leben und daß uns noch wunderbare Dinge bevorstehen. Wollen wir die große Prophezeiung unseres Herrn weiter betrachten?

      [Bild auf Seite 246]

      R. J. Martin

      [Bild auf Seite 247]

      J. F. Rutherford

  • Irdische Untertanen des Königreiches Gottes
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 14. Kapitel

      Irdische Untertanen des Königreiches Gottes

      1, 2. (a) Wie groß war die Weltbevölkerung schätzungsweise im Jahre 1914 u. Z., und worauf verteilte sie sich? (b) Welchen Anblick boten diese Staaten und Reiche auf der Weltbühne? Doch wie betrachtete der Schöpfer sie?

      IN DEM gekennzeichneten Jahr 1914 u. Z. belief sich die Weltbevölkerung nach Schätzungen auf weit über eine Milliarde.a Bis zum Jahre 1920 war ihre Zahl auf 1 859 892 000 angestiegen, obwohl durch den Ersten Weltkrieg und durch die „spanische Grippe“ Millionen dahingerafft worden waren. Diese Weltbevölkerung verteilte sich auf viele Staaten und Reiche. Das Britische Reich war im Jahre 1914 das größte Reich; es umfaßte über ein Viertel der Erdoberfläche und ein Viertel der Erdbevölkerung. Es gab damals aber auch noch andere Reiche, zum Beispiel das Osmanische Reich (Türkei), das chinesische Reich, das Königreich der Niederlande, das französische Reich, das Deutsche Reich, die österreichisch-ungarische Monarchie und das portugiesische Reich. Diese Staaten und Reiche boten auf der Weltbühne einen eindrucksvollen Anblick. Doch wie betrachtete sie der Eigentümer der Erde, der große Schöpfer, Gott, der Höchste? Kann er sie alle mit einem einzigen Blick übersehen? Der Prophet Jesaja preist die übermenschlichen Fähigkeiten des Schöpfers mit den Worten:

      2 „Wer hat den Geist Jehovas ermessen, und wer kann ihn als sein Mann des Rates irgend etwas erkennen lassen? Mit wem hat er sich beraten, daß einer ihm Verständnis gäbe, oder wer belehrt ihn über den Pfad des Rechts oder lehrt ihn Erkenntnis oder läßt ihn gar den Weg wirklichen Verstandes erkennen? Siehe! Die Nationen sind wie ein Tropfen von einem Eimer; und wie der Staubbelag auf den Waagschalen sind sie geachtet worden. ... Da ist Einer, der über dem Kreis der Erde wohnt, deren Bewohner wie Grashüpfer sind.“ — Jesaja 40:13-15, 22.

      3, 4. (a) Ist es für Gottes stellvertretenden Richter, Jesus Christus, schwer, alle Nationen vor sich zu versammeln, und in welchem Gleichnis wird etwas Derartiges vorhergesagt? (b) Welche Aussicht haben die Menschen, von denen in diesem Gleichnis gezeigt wird, was sie tun müssen?

      3 Folglich ist es Gott, dem Schöpfer, ein leichtes, alle Nationen vor sich zu versammeln, sie zu richten und sein Urteil an ihnen zu vollstrecken. Auch seinem mächtigen Sohn, Jesus Christus, den er zu seinem stellvertretenden Richter bestimmt hat, fällt dies nicht schwer. (Apostelgeschichte 17:31) In dem Gleichnis von den Schafen und Böcken sagte der Sohn Gottes selbst voraus, daß er dies zu seiner Zeit tun würde. Mit diesem Gleichnis schloß der Apostel Matthäus die Prophezeiung ab, die der Herr Jesus Christus auf dem Ölberg in Verbindung mit dem „Zeichen“ seiner Gegenwart (Parusie) und des „Abschlusses des Systems der Dinge“ geäußert hatte. (Matthäus 24:3) In dem Gleichnis von den „Talenten“, das dem Gleichnis von den Schafen und Böcken unmittelbar vorausgeht, zeigte der Herr Jesus, daß die treuen Jünger, die mit ihm in seinem himmlischen Königreich regieren würden, bestrebt sein müßten, solange sie auf der Erde wären, seine „Habe“ zu vermehren. Es war daher sehr passend, daß er in dem folgenden Gleichnis zeigte, was von denen verlangt wird, die heute leben und die die Untertanen seines himmlischen Königreiches sein werden. Er begann das Gleichnis mit den Worten:

      4 „Wenn der Sohn des Menschen in seiner Herrlichkeit gekommen sein wird und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf seinen Thron der Herrlichkeit setzen. Und alle Nationen werden vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen voneinander trennen, so, wie ein Hirt die Schafe von den Ziegenböcken trennt. Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zu seiner Linken.“ — Matthäus 25:31-33.

      5, 6. (a) Wie hatte sich Jesus vorher in seiner Prophezeiung bezeichnet? (b) Warum erinnert uns das an das siebente Kapitel der Prophezeiung Daniels?

      5 Vor diesem Gleichnis hatte Jesus bereits siebenmal den Ausdruck „Sohn des Menschen“ auf sich angewandt. (Matthäus 24:27, 30, 37, 39, 44; 25:13, Lu) Da diese Bezeichnung im Zusammenhang mit dem messianischen Königreich gebraucht wurde, war ihre Verwendung in diesem Gleichnis sehr passend. Sie erinnerte an die prophetischen Worte aus Daniel 7:9, 10, 13, 14, wo wir lesen:

      6 „Ich schaute weiter, bis Throne aufgestellt wurden und der Alte an Tagen sich setzte. ... Da waren tausend Tausende, die ihm ständig Dienst leisteten, und zehntausend mal zehntausend, die fortwährend direkt vor ihm standen. Das ,Gericht‘ setzte sich, und Bücher wurden geöffnet. Ich schaute weiter in den Visionen der Nacht, und siehe da! mit den Wolken des Himmels kam gerade einer wie ein Menschensohn, und er erlangte Zutritt zu dem Alten an Tagen, und man brachte ihn nahe heran, ja vor Ihn. Und ihm wurde Herrschaft und Würde und Königtum gegeben, damit die Völker, Völkerschaften und Sprachen alle ihm dienen sollten. Seine Herrschaft ist eine auf unabsehbare Zeit dauernde Herrschaft, die nicht vergehen wird, und sein Königreich eines das nicht zugrunde gerichtet werden wird.“

      7. Wann kam Jesus Christus, begleitet von Engeln, und setzte sich „auf seinen Thron der Herrlichkeit“, und was wurde dadurch wiederhergestellt?

      7 Obwohl wir es mit unseren Augen nicht sehen konnten, erlangte der „Sohn des Menschen“ im Jahre 1914, am Ende der „bestimmten Zeiten der Nationen“, im Himmel Zutritt zu dem Alten an Tagen, zu Jehova Gott, wo ihm „Herrschaft und Würde und Königtum“ gegeben wurden. Damals also, am Ende der Zeiten der Nationen, im Jahre 1914, kam der Herr Jesus als der Sohn des Menschen, begleitet von allen Engeln, und setzte sich „auf seinen Thron der Herrlichkeit“. Auf diese Weise wurde das messianische Königreich Gottes in den Himmeln geboren. (Offenbarung 12:5, 10) Es war eine Wiederherstellung des Königreiches Davids, das früher seinen Regierungssitz in Jerusalem hatte, dann aber im Jahre 607 v. u. Z. von Nebukadnezar, dem König von Babylon, gestürzt wurde. Was also im Jahre 1914 u. Z. geschah, war das Gegenteil von dem, was im Jahre 607 v. u. Z. geschehen war. Jetzt regierte wiederum ein Nachkomme Davids.

      8. Warum war es im Hinblick auf das, was im Jahre 607 v. u. Z. geschah, im Jahre 1914 u. Z. angebracht, daß alle Nationen vor dem inthronisierten Sohn des Menschen versammelt wurden?

      8 Damals begann die Zeit der „Gegenwart“ oder Parusie des Herrn Jesus Christus. Folglich spielt sich das, was in dem Gleichnis von den Schafen und Böcken beschrieben wird, während seiner Parusie ab. Dazu gehört auch das Versammeln aller Nationen vor Jesus Christus als dem König, der auf seinem Thron gegenwärtig ist. Die Zeit hierfür war damals gekommen. Weshalb? Weil die „bestimmten Zeiten der Nationen“ abgelaufen waren. (Lukas 21:24) Sieben prophetische „Zeiten“ hatten die Nationen über die ganze Erde geherrscht, ohne daß ein messianisches Königreich Gottes ihre Herrschaft unterbrochen hätte. Nach der Bibel sind mit einer prophetischen Zeit 360 Tage oder, sinnbildlich gesprochen, Jahre gemeint. Es sollten sieben solche prophetischen „Zeiten“ vergehen, das heißt insgesamt 2 520 Jahre (7 × 360 Jahre). So lange herrschten die Nationen über die ganze Erde. Während dieser ganzen Zeit wurde das Recht des messianischen Königreiches Gottes auf Weltherrschaft von ihnen niedergetreten. Rechnet man vom Jahre 1914 u. Z. 2 520 Jahre zurück, so kommt man auf das Jahre 607 v. u. Z. In jenem Jahr wurde der babylonische König Nebukadnezar Weltherrscher, indem er das Herrscherhaus des Königs David in Jerusalem stürzte. — Hesekiel 21:27.

      9. (a) Besagt die Tatsache, daß Nebukadnezar seinen Traum von den „sieben Zeiten“ erst über ein Jahr nachdem er Weltherrscher geworden war, hatte, daß die Zeiten der Nationen erst beginnen konnten, nachdem sich der Traum im kleinen erfüllt hatte? (b) Wann würden die „sieben Zeiten“ enden, wenn sie von der Eroberung Babylons durch die Meder und Perser an gerechnet würden, und was müßte dann logischerweise geschehen?

      9 Die „sieben Zeiten“ der Nationenherrschaft begannen also im Jahre 607 v. u. Z., obwohl Nebukadnezar, der König von Babylon, seinen Traum über diese „sieben Zeiten“ mehr als ein Jahr später hatte. (Daniel 4:16, 23, 25, 32) In diesem Zusammenhang wäre noch zu erwähnen, daß sich dieser Traum an Nebukadnezar im kleinen erfüllte, als er sieben buchstäbliche „Zeiten“ (Jahre) wahnsinnig war und sich wie ein Stier auf der Weide von Gras ernährte. Heißt das, daß die „sieben Zeiten“ der Nationenherrschaft nicht im Jahre 607 v. u. Z., nicht vor dem prophetischen Traum, beginnen konnten? Mußten sie unbedingt nach der Genesung des Königs, erst nach den sieben Jahren, in denen er wahnsinnig war, beginnen? Nein! Nur weil man nicht weiß, in welchem Jahr Nebukadnezar wiederhergestellt wurde, müssen die „sieben Zeiten“ der Herrschaft der Nationen über die ganze Welt nicht erst beim Sturz seiner Dynastie, im Jahre 539 v. u. Z., begonnen haben. Würden wir diese prophetischen „sieben Zeiten“ (2 520 Jahre) von der Eroberung Babylons durch die Meder und Perser (im Jahre 539 v. u. Z.) an rechnen, so würden sie erst im Herbst des Jahres 1982 u. Z. enden. Was wäre aufgrund dieser Annahme logischerweise in diesem noch bevorstehenden Jahr zu erwarten? Das Gegenteil von dem, was sich im Jahre 539 v. u. Z. ereignete: die Wiederherstellung des Thrones der Dynastie König Nebukadnezars, die Wiederherstellung des Babylonischen Reiches mit einem Nachkommen Nebukadnezars auf dem Thron!

      10. (a) Was sagt die Bibel über die Wiederherstellung des alten Babylon, der Dynastie Nebukadnezars und des Babylonischen Reiches? (b) Wann begannen also die „sieben Zeiten“, und was wird wiederhergestellt werden?

      10 Das steht jedoch in krassem Widerspruch zu den Vorhersagen des inspirierten Wortes Gottes. Das alte Babylon am Euphrat ist für immer verschwunden. Die Dynastie König Nebukadnezars ist für immer gestürzt worden. Das Babylonische Reich, die dritte Weltmacht, wird nie mehr erstehen. Was sollte denn nach der Verheißung Jehovas, dessen sinnbildlicher Thron in Jerusalem gestanden hatte, wiederhergestellt werden? Das messianische Königreich in den Händen eines Nachkommen Davids ist das, was der Gott des Himmels wiederherzustellen verheißen hat. (Hesekiel 21:27; Lukas 1:30-33) Die Verwüstung Jerusalems und des Landes Juda durch die Babylonier im Jahre 607 v. u. Z. war ein Zeichen dafür, daß das messianische Königreich Davids gestürzt worden war, und deshalb auch das Zeichen dafür, daß die „sieben Zeiten“ in denen die Nationen über die Menschenwelt herrschen sollten, begonnen hatten. Es steht also fest, daß die 2 520 Jahre der Zeiten der Nationen damals begannen, und da sie damals begannen, endeten sie im Frühherbst des Jahres 1914 u. Z.

      11. Was wurde dadurch, daß Nebukadnezar sieben Jahre wahnsinnig war, nachdem er Davids Thron gestürzt hatte, im Hinblick auf die Zeiten der Nationen angezeigt?

      11 Daß König Nebukadnezar sieben Jahre wahnsinnig war, nachdem er Davids Thron in Jerusalem im Jahre 607 v. u. Z. gestürzt hatte, diente als Hinweis dafür, wie lange die Zeiten der Nationen, die bereits begonnen hatten, dauern würden. Die Weltereignisse lassen erkennen, daß sie bis zum Jahre 1914 u. Z. dauerten.

      12. Welcher göttlichen Aufforderung zu folgen, war für Jesus Christus im Jahre 1914, als die „sieben Zeiten“ abliefen, die Zeit gekommen?

      12 Als in jenem Jahr die „sieben Zeiten“, in denen die Nationen ununterbrochen über die Welt herrschen konnten, abliefen und der himmlische „Sohn des Menschen“ vor den Alten an Tagen gebracht wurde, war für ihn die Zeit gekommen, der Aufforderung in den prophetischen Worten aus Psalm 2:7-9 zu folgen: „Man lasse mich auf die Verordnung Jehovas hinweisen; er hat zu mir gesagt: ,Du bist mein Sohn; ich, ich bin heute dein Vater geworden. Erbitte von mir, daß ich Nationen zu deinem Erbe gebe und die Enden der Erde zu deinem eigenen Besitz. Du wirst sie mit eisernem Zepter zerbrechen, wie ein Töpfergefäß wirst du sie zerschmettern.‘ “ (Siehe ferner Offenbarung 12:5.)

      „WIE EIN HIRT DIE SCHAFE VON DEN ZIEGENBÖCKEN TRENNT“

      13. Beginnt die Trennung der Angehörigen der Nationen vor oder nach der „großen Drangsal“, und was wird also dann noch nicht vor sich gegangen sein?

      13 Der regierende „Sohn des Menschen“ trennt die Angehörigen der Nationen nicht erst, nachdem er diese in der ‘Zeit der großen Bedrängnis’ zerschmettert hat, wie „Schafe“ und „Ziegenböcke“. Er beschäftigt sich nicht während der ganzen tausend Jahre seiner Regierung damit, die Bewohner der Erde — von denen die meisten aus den Gräbern hervorgekommen sein werden — auf diese Weise voneinander zu trennen. (Daniel 12:1) Das Trennungswerk geht dem Beginn der „großen Drangsal“ voraus, die mit dem Zerschmettern der Nationen in Har-Magedon ihren gewaltigen Höhepunkt erreichen wird. (Matthäus 24:21, 22; Offenbarung 16:14, 16; 19:15) Das Versammeln der Nationen vor dem Sohn des Menschen, der das Trennungswerk durchführt, schließt also die Auferweckung der Toten nicht ein.

      14. Werden die Nationen zur Durchführung dieses Trennungswerkes an e i n e m Ort auf der Erde versammelt werden, oder wie befaßt sich der himmlische Sohn des Menschen mit ihnen?

      14 Mit dem Versammeln der Nationen ist auch nicht gemeint, daß sie alle an e i n e m Ort auf der Erde zusammengebracht werden, denn das wäre umständlich. Nein, das Versammeln geht vor sich, wenn der Schöpfer des Himmels und der Erde dem Sohn des Menschen alle Nationen zum Erbe gibt und die ganze Erde bis zu den äußersten Enden zum Besitz. Der Sohn des Menschen übernimmt die ihm von Gott angebotene Gewalt über alle Nationen; er richtet seine Aufmerksamkeit auf sie und gebraucht „alle Engel mit ihm“, wenn er sich mit ihnen befaßt. So werden die „Menschen“ aller Nationen, bildlich gesprochen, seine Herde, aber diese Herde ist mit einer Herde zu vergleichen, die aus Schafen und Ziegenböcken besteht. Solche gemischten Herden sind im Nahen Osten etwas Alltägliches.

      15. (a) Bedeutet es eine Herabsetzung der Ziegen, daß in dem Gleichnis, in dem dieses Trennungswerk veranschaulicht wird, Schafe und Ziegenböcke voneinander getrennt werden? (b) In welcher Zeitperiode geht dieses Trennungswerk vor sich?

      15 Die Trennung der Ziegenböcke von den Schafen bedeutet für die Ziegen keine Herabsetzung. Als Jesus auf der Erde war, konnte zur Feier des jährlichen Passahmahles genausogut ein Ziegenböcklein genommen werden wie ein Lamm. (2. Mose 12:1-5) Und das, was am jährlichen Sühnetag „innerhalb des Vorhangs“ in das Allerheiligste des Tempels gebracht wurde, um „Sühne zu leisten ... zugunsten der ganzen Versammlung Israels“, war das Blut des Bockes Jehovas. (3. Mose 16:7-9, 15-17) Die Ziegenböcke werden in diesem Gleichnis also lediglich gebraucht, um eine bestimmte Klasse von Menschen zu veranschaulichen, während die Schafe gebraucht werden, um eine andere Klasse zu veranschaulichen, und wie für einen Hirten die Zeit kommt, wo er die beiden Tierarten voneinander trennt, so kommt während der Parusie des Sohnes des Menschen und vor der „großen Drangsal“ auch die Zeit, in der die beiden Menschenklassen voneinander getrennt werden.

      16. Welche Bedeutung des Wortes parousía setzt die Durchführung des in diesem Gleichnis veranschaulichten Trennungswerkes voraus?

      16 Die Trennung der Schafe und Ziegen einer buchstäblichen Herde ist natürlich im Bruchteil eines Tages möglich. Menschen, die einen freien Willen haben und über die ganze Erde verstreut sind, wie Schafe und Ziegenböcke voneinander zu trennen erfordert dagegen weit mehr Zeit. Das an sich setzt schon voraus, daß das griechische Wort parousía nicht „Kommen“ oder „Ankunft“, sondern „Gegenwart“ bedeutet.

      17. (a) Aufgrund welchen Unterschiedes werden die Tiere voneinander getrennt? (b) Warum erfordert es mehr Zeit, Menschen, die einen freien Willen haben, voneinander zu trennen als buchstäbliche Tiere?

      17 In dem Gleichnis wird die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Art der Tiere vorgenommen. Ein Hirt würde für den Eigenbedarf keine Schafmilch, vermischt mit Ziegenmilch, haben wollen. Auch sind die Haare der beiden Arten verschieden und durften damals nicht miteinander vermengt werden. (3. Mose 19:19; 5. Mose 22:11; 2. Mose 36:14; Sprüche 27:27) In der Erfüllung des prophetischen Gleichnisses wird die Trennung der Menschen aufgrund ihrer unterschiedlichen Persönlichkeit und ihrer unterschiedlichen Handlungsweise vorgenommen. Bis sich eine Persönlichkeit voll entwickelt hat, dauert es eine gewisse Zeit, und die Handlungsweise eines Menschen ergibt sich aus verschiedenen Handlungen, die sich dieser zur Gewohnheit macht. Es dauert also längere Zeit, bis endgültig zu erkennen ist, daß sich die Persönlichkeit und die Handlungsweise eines Menschen nicht mehr ändern werden. Bevor über jemand ein gerechtes, unwiderrufliches Urteil gefällt und an ihm vollzogen werden kann, muß deshalb entsprechend Zeit eingeräumt werden. Das kann sich nicht in vierundzwanzig Stunden abspielen.

      18. (a) Welche Frage muß in Anbetracht dessen, was die Rechte und was die Linke darstellt, ein jeder entscheiden? (b) Ist der Umstand, daß der Sohn des Menschen unsichtbar gegenwärtig ist, für irgend jemand ein berechtigter Grund sich zu entschuldigen? Begründe deine Antwort.

      18 In dem Gleichnis stellt der mit einem Hirten verglichene Sohn des Menschen die schafähnlichen Personen zu seiner Rechten, die bockähnlichen zu seiner Linken. Über die zu seiner Rechten fällt er schließlich ein günstiges Urteil, über die zu seiner Linken ein ungünstiges. Das zeigt, daß sich die Angehörigen aller Nationen heute in einer ernsten Lage befinden. Die Frage, die nun ein jeder entscheiden muß, lautet: Werde ich von dem Sohn des Menschen, der nun auf seinem herrlichen himmlischen Thron sitzt, umgeben von allen Engeln, günstig oder ungünstig beurteilt werden? Jeder einzelne wird unweigerlich zur Rechenschaft gezogen werden. Daß der regierende Sohn des Menschen während seiner Parusie unsichtbar ist, ist kein Grund für eine Entschuldigung und berechtigt niemand zu sagen: „Ich wußte es nicht.“ Die unsichtbare Parusie des Sohnes des Menschen ist weltweit verkündigt worden, und das verpflichtet einen jeden, sich ernsthaft darüber Gedanken zu machen, ob das, was er tut oder nicht tut, dem König und Richter gefällt oder mißfällt.

      19. Wann sollte sich gemäß dem Vortrag, den Präsident Rutherford im Jahre 1923 auf dem Kongreß der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung in Los Angeles hielt, das prophetische Gleichnis von den Schafen und Böcken erfüllen?

      19 Wer sind aber die sinnbildlichen Schafe und wer die sinnbildlichen Böcke? Am Samstag, dem 25. August 1923, erhielten Christen, die die Bibel erforschten, eine erstaunliche Erklärung hierüber. Dieser Samstag war der achte Tag eines neuntägigen Kongresses, den die Internationale Bibelforscher-Vereinigung in Los Angeles (Kalifornien, USA) durchführte. An diesem Tag sprach der Präsident dieser Vereinigung, J. F. Rutherford, zu den 2 500 Anwesenden über das Thema „Das Gleichnis von den Schafen und Böcken“. Gemäß seiner biblischen Darlegung sollte sich dieses prophetische Gleichnis aus Matthäus 25:31-46 nicht erst nach der „Zeit der Bedrängnis“ erfüllen, in der das gegenwärtige System der Dinge sein Ende findet, nicht erst während der Tausendjahrherrschaft Christi. Er wandte das Gleichnis auf die heutige Zeit an, auf die Zeit der unsichtbaren Gegenwart oder Parusie des regierenden Sohnes des Menschen, und zwar auf die Zeit vom Jahre 1919 u. Z. an bis zur Vernichtung des gegenwärtigen Systems der Dinge. Dieser Kongreßvortrag wurde im Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi, Ausgabe vom 1. Januar 1924, Seite 3—10 veröffentlicht. (Siehe die Absätze 17—21 des betreffenden Artikels unter der Überschrift „Die Zeit“.)

      20. Warum war es deshalb für einen jeden ratsam, sich zu prüfen, um festzustellen, was für eine Persönlichkeit er entwickelte?

      20 Auf diese Weise wurden die Leser des Wacht-Turms und die Mitglieder der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung darauf aufmerksam gemacht, daß sich dieses prophetische Gleichnis bereits erfüllte und für unsere Generation von lebenswichtiger Bedeutung war. Es war deshalb für einen jeden ratsam, sich zu prüfen, um festzustellen, was für eine Persönlichkeit er entwickelte und auf welche Seite des regierenden Sohnes des Menschen er aufgrund seiner Handlungsweise zu stehen käme.

      21. Welche Anstrengungen wurden unternommen, um Juden zu helfen, sinnbildliche „Schafe“ zu werden, und bis wann hielt dieses besondere Interesse an den Juden an?

      21 Während mehrerer Jahre wurden besondere Anstrengungen unternommen, den natürlichen, beschnittenen Juden in der Welt zu helfen, sinnbildliche „Schafe“ zur Rechten des regierenden Messias zu werden. So hielt zum Beispiel J. F. Rutherford, der Präsident der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung, im Jahre 1925 vor großen Zuhörerschaften öffentliche Vorträge über das Thema „Juden kehren nach Palästina zurück“, und am Montag abend, den 31. Mai 1926 sprach er in der berühmten Royal Albert Hall in London (England), die 10 000 Besucher faßt und gut besetzt war, vor einer fast ausschließlich jüdischen Zuhörerschaft über das Thema „Palästina den Juden — warum?“ Außerdem wurde im Oktober 1925 das Buch Trost für die Juden veröffentlicht, und am Sonntag, dem 25. August 1929, wurde nach einem Vortrag über das Thema „Gesundheit und Leben für das Volk“, der vom Sender WBBR auf Staten Island (New York) ausgestrahlt und von einem sich über das ganze Land erstreckenden Netz von Rundfunkstationen übertragen wurde, das 360seitige Buch Leben (in Englisch) für die öffentliche Verbreitung freigegeben. Dieses besondere Interesse an den natürlichen, beschnittenen Juden hielt an, bis im Jahre 1932 das Buch Rechtfertigung (Band II) freigegeben wurde, in dem gezeigt wurde, daß sich Hesekiels Prophezeiungen über Israel heute auf das geistige Israel beziehen.

      22. Wie wurde durch die Belehrungen, die im Jahre 1931 auf dem Kongreß in Columbus erteilt wurden, bewirkt, daß das Interesse an den schafähnlichen Menschen auch auf andere Personen ausgedehnt wurde?

      22 Aber schon im Jahre 1931 war Anlaß gegeben worden, daß das Interesse an der „Schaf“klasse auch auf andere Personen ausgedehnt wurde. Am 30. Juli, auf der internationalen Hauptversammlung der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung in Columbus (Ohio), sprach der Präsident dieser Vereinigung über das Thema „Der Mann mit dem Schreibzeug“. Danach machte Robert J. Martin die Freigabe des Buches Rechtfertigung (Band I) bekannt. Dieses Buch enthielt eine Vers-für-Vers-Besprechung des neunten Kapitels der Prophezeiung Hesekiels, in dem die Vision über diesen in Linnen gekleideten Mann mit dem Schreibzeug beschrieben wird. Sowohl die Ansprache als auch das Buch lenkten die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß der gesalbte Überrest der Jünger Christi ein Werk durchführen sollte, das darin bestand, schafähnliche Menschen aus allen Nationen — nicht nur aus den natürlichen Israeliten — zu kennzeichnen. Es sollte ein lebenrettendes Werk sein, denn nach der Heiligen Schrift werden nur die Gekennzeichneten zusammen mit dem gesalbten Überrest in der bevorstehenden „großen Drangsal“ am Leben bleiben. Sie werden die irdischen Untertanen des Königreiches sein.

      23. An welcher Frage, die mit der im siebenten Kapitel der Offenbarung erwähnten „großen Schar“ in Verbindung stand, war man jahrelang interessiert, und wieso erhielt man durch das Buch Jehova, das 1934 freigegeben wurde, in dieser Hinsicht keine Klarheit?

      23 Jahrzehntelang war man an der in Offenbarung 7:9 (Lu) erwähnten „großen Schar“ lebhaft interessiert gewesen. Aus wem bestand diese große Volksmenge? Am 19. November 1934 wurde in Brooklyn (New York) das Buch Jehova für die treuen Diener Gottes freigegeben. In diesem 384 Seiten umfassenden Buch wurde sowohl die „große Schar“ als auch das Gleichnis von den Schafen und Böcken behandelt. (Siehe Seite 164, unter der Überschrift „Große Schar“, ferner Seite 365 und hinsichtlich der „Schafe“ Seite 370.) Dennoch ging aus dieser damals neuesten Publikation nicht hervor, daß die in dem Gleichnis erwähnten „Schafe“, die „große Schar“ und die Menschen, die von dem in Linnen gekleideten sinnbildlichen Mann mit dem Schreibzeug an seiner Seite an ihrer Stirn gekennzeichnet werden, identisch sind. Die Bibelforscher wurden dadurch auch nicht von der alten, irrigen Auffassung befreit, die „große Schar“ sei eine Gruppe geistgezeugter Christen, die sterben müßten, da sie für das himmlische Leben bestimmt seien, obwohl sie nicht zu den 144 000 Miterben des Königs Jesus Christus gehörten. Man war der Ansicht, die Glieder der „großen Schar“ seien noch „Gefangene“ Groß-Babylons, des Weltreiches der falschen Religion.

      24. Auf welchem Kongreß wurde eine befriedigende und den Tatsachen entsprechende Erklärung über die große Schar“ gegeben, und wer wurde zu diesem Kongreß besonders eingeladen?

      24 Wann erhielten denn diejenigen, die gern Klarheit gehabt hätten, eine befriedigende und den Tatsachen entsprechende Erklärung der Vision über die „große Schar“? Im Jahre 1935, sechs Monate nach der Freigabe des Buches Jehova, nämlich auf der Hauptversammlung, die Jehovas Zeugen vom 30. Mai bis 3. Juni 1935 in Washington (D. C.) durchführten. In einem Artikel, in dem dieser Kongreß angekündigt wurde und der im Wachtturm vom 15. April 1935 (Seite 127 und 128) erschien, wurde ausdrücklich gesagt: „Jedermann, der auf der Seite Jehovas und seines Königreiches steht, ist willkommen.“ Ferner hieß es darin: „Dies ist eine Dienst-Hauptversammlung, und es wird erwartet, daß ein jeder vom Überrest und die Jonadabe am Dienste teilnehmen werden. ... Es werden Vorkehrungen getroffen, daß alle, die ihre Weihung durch die Taufe im Wasser versinnbilden möchten, dies werden tun können.“ In einer späteren Ankündigung des Kongresses hieß es: „Bis jetzt hatten nicht viele Jonadabe das Vorrecht, einer Hauptversammlung beizuwohnen, und die Hauptversammlung in Washington mag für sie zu wirklichem Trost und Nutzen gereichen.“

      25. (a) Wann erkannten die sogenannten Jonadabe, aus welch besonderem Grund sie zum Kongreß in Washington eingeladen worden waren? (b) Als wen bezeichnete sie der Redner, der über „die große Volksmenge“ sprach?

      25 Am Freitag nachmittag, den 31. Mai erkannten die interessierten Personen, die zwischen sich und dem geschichtlichen Jonadab, dem Sohne Rechabs, eine Ähnlichkeit feststellten, warum sie zu diesem Kongreß in Washington besonders eingeladen worden waren. Wieso? Weil an jenem Nachmittag der Hauptredner des Kongresses, J. F. Rutherford, zu den im Washingtoner „Auditorium“ Anwesenden und zu einer zahllosen unsichtbaren Zuhörerschaft, die ihn über die Sender WBBR und WHPH (Petersburg, Virginia) hörte, über das Thema „Die große Volksmenge“ sprach. In dieser Ansprache wurde Offenbarung 7:9-15 erklärt und gezeigt, daß die „große Volksmenge“ nicht aus Anbetern besteht, die dazu bestimmt sind, an der geistigen Auferstehung teilzuhaben und in den Himmel zu kommen, sondern daß es sich dabei um eine irdische Klasse von Anbetern Jehovas handelt, denen Gottes Wort ewiges Leben auf einer paradiesischen Erde unter dem himmlischen Königreich Jesu Christi und seiner verherrlichten Kirche oder Versammlung in Aussicht stellt. Diese Anbeter, die eine irdische Hoffnung hatten, wurden damals mit Jonadab, dem Sohne Rechabs, verglichen und deshalb als „Jonadabe“ bezeichnet. Im Wachtturm hieß es später:

      Sie werden auch „die Jonadabe“ genannt. Sie sind im Sinnbild getauft worden, womit sie bezeugten, daß sie sich geweiht haben, den Willen Gottes zu tun, daß sie sich auf die Seite Jehovas gestellt haben und ihm und seinem König dienen. Auf diese Weise haben sie sich gereinigt, und so sind sie jetzt „bekleidet mit weißen Gewändern“. Damit ist die große Volksmenge endgültig als eine nicht geistgezeugte Klasse festgestellt worden, deren Hoffnung nicht auf die Erlangung eines Platzes im Himmel gerichtet ist, sondern ... daß sie „aus der großen Drangsal kommen“ ... (Der Wachtturm, 15. September 1935, Seite 280, Absatz 21).

      26. (a) Wie wurde dieser Vortrag noch einem größeren Publikum zugänglich gemacht, und wie viele wurden nach dem Vortrag getauft? (b) Rechneten sich die Täuflinge zu einer bestimmten Klasse, und wie erfuhren sie, zu welcher Klasse sie gehörten?

      26 Der Inhalt dieses bedeutsamen Vortrages wurde in zwei Teilen unter dem Titel „Die große Volksmenge“ in den Wachtturm-Ausgaben vom 1. und 15. September 1935 veröffentlicht, um die Anbeter Jehovas in der ganzen Welt davon in Kenntnis zu setzen. Am Tag nach dem Vortrag ließen sich 840 Personen taufen, um zu versinnbildlichen, daß sie Jünger des Herrn Jesus Christus geworden waren.b (Matthäus 28:19, 20) Diese 840 Täuflinge hatten nach der Bibel kein Recht zu sagen, sie gehörten zur himmlischen Klasse der Miterben Christi oder zu der durch die „große Volksmenge“ dargestellten irdischen Klasse. Nicht ihr Wille sollte geschehen, sondern der Wille Jehovas. Er als der Höchste sollte bestimmen, wie es ihm gefiel, zu welcher Klasse sie gehören sollten. Diejenigen von ihnen, die er nach ihrer Taufe zu seinen geistigen Söhnen zeugte, fügte er dadurch in die geistige Klasse ein, der ein himmlisches Erbe in Aussicht stand. Diejenigen, die er nicht zu geistigen Söhnen zeugte und die er nicht wie geistige Söhne behandelte, waren für die irdische große Volksmenge bestimmt.

      27. Was ergaben diese neueren Belehrungen über das Gleichnis von den Schafen und Böcken?

      27 Die in Washington (D. C.) gehaltene Ansprache über die „große Volksmenge“ und die Artikel, die danach über dieses Thema erschienen, ergaben einen neuen Gesichtspunkt, unter dem das Gleichnis von den Schafen und Böcken betrachtet werden konnte. Die Forderungen, die jemand erfüllen muß, um zur Klasse der „Schafe“ zu gehören, wurden darin deutlicher und ausführlicher dargelegt als in der Ansprache, die zwölf Jahre vorher (1923) in Los Angeles (Kalifornien) gehalten worden war.

      28. Wie wurde gezeigt, daß von der Klasse der „Schafe“ nun mehr verlangt wurde, als dies im Jahre 1923 der Fall war?

      28 Die zur Klasse der „Schafe“ Gehörenden müssen zum Beispiel mehr als nur gutgesinnte, gerechtdenkende und menschenfreundliche Personen sein, die dem gesalbten Überrest der Jünger Christi irgendwie Güte erweisen. Sie müssen selbst Jünger Christi sein, die „im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“ getauft worden sind und die sich auch als christliche Zeugen Jehovas betätigen. Die in Offenbarung 7:9-17 erwähnte „große Volksmenge“ ist identisch mit der Klasse der „Schafe“, die in dem in Matthäus 25:31-46 aufgezeichneten Gleichnis Jesu erwähnt wird.c

      „KOMMT HER, DIE IHR VON MEINEM VATER GESEGNET WORDEN SEID“

      29. Was sagt der König zu den „Schafen“, wodurch er zeigt, welche wichtigen Voraussetzungen diejenigen erfüllen müssen, die zu seiner Rechten gestellt werden?

      29 Welche wichtigen Voraussetzungen diejenigen erfüllen müssen, die zur Klasse der „Schafe“ gehören, geht aus dem hervor, was der Hirten-König als Grund dafür angibt, weshalb den sinnbildlichen „Schafen“ eine gesegnete Zukunft in Aussicht gestellt wird. In dem Gleichnis stehen die „Schafe“ zur Rechten des königlichen Sohnes des Menschen, während er mit ihnen spricht. „Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: ,Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet worden seid, ererbt das Königreich, das von der Grundlegung der Welt an für euch bereitet ist. Denn ich wurde hungrig, und ihr gabt mir etwas zu essen; ich wurde durstig, und ihr gabt mir etwas zu trinken. Ich war ein Fremder, und ihr nahmt mich gastfreundlich auf, nackt, und ihr bekleidetet mich. Ich wurde krank, und ihr saht nach mir. Ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir.‘ “ — Matthäus 25:34-36.

      30. Wieso konnten die „Schafe“ das, was sie Jesus seinen Worten gemäß getan hatten, ihm nur indirekt getan haben?

      30 Diese schafähnlichen Menschen aus „allen Nationen“ taten dem Herrn Jesus Christus dies alles nur indirekt. Wir dürfen nicht vergessen, daß Jesus, als er auf der Erde war, seine Lehr- und Predigttätigkeit in den drei Jahren und einigen Monaten, in denen er wirkte, nur auf die Nation Israel und auf die Samariter im Nahen Osten beschränkte. (Matthäus 15:24; 10:6; Johannes 1:11; 4:3-43; Lukas 17:15-18) Deshalb lassen sich diese schafähnlichen Menschen mit den Christen vergleichen, die im ersten Jahrhundert in den römischen Provinzen Kleinasiens lebten und an die der Apostel Petrus schrieb: „Obwohl ihr ihn niemals gesehen habt, liebt ihr ihn. Obwohl ihr ihn jetzt nicht seht, übt ihr doch Glauben an ihn aus.“ (1. Petrus 1:8) Obwohl diese schafähnlichen Menschen, die Jesus zu seiner Rechten stellt, ihn nie auf der Erde sehen konnten, wollten sie etwas für ihn tun, und sie bemühten sich, es ihm indirekt zu tun.

      31. Wird das in dem Gleichnis beschriebene Gespräch zwischen dem König und den „Schafen“ direkt geführt werden, und was haben die Worte aus 1. Timotheus 6:14-16 damit zu tun?

      31 Wenn sich dieser Teil des prophetischen Gleichnisses erfüllt, werden diese schafähnlichen Menschen den Sohn des Menschen nicht auf seinem herrlichen himmlischen Thron sitzen sehen; er wird nicht sichtbar vor ihren Augen erscheinen und wird ihnen seine Worte der Wertschätzung nicht so sagen, daß sie sie mit ihren Ohren hören können. Sie sehen ihn, während er im Geiste auf seinem Thron gegenwärtig ist, nur mit dem Auge des Glaubens, und wenn er sein günstiges Urteil über sie fällt, wird er es ihnen so übermitteln, wie es ihm beliebt. Das Gespräch, das in dem Gleichnis zwischen dem inthronisierten Sohn des Menschen und den „Schafen“ geführt wird, muß in der Erfüllung unter Berücksichtigung dessen vor sich gehen, was wir in 1. Timotheus 6:14-16 lesen: „... bis zum Offenbarwerden unseres Herrn Jesus Christus ... Dieses Offenbarwerden wird der glückliche und einzige Machthaber zu seinen eigenen bestimmten Zeiten zeigen, er, der König derer, die als Könige regieren, und Herr derer, die als Herren herrschen, der [von allen Königen, denen Menschen dienen] allein Unsterblichkeit hat, der in einem unzugänglichen Lichte wohnt, den keiner der Menschen gesehen hat noch sehen kann.“ Somit wird das Gespräch zwischen diesem König der Könige und den „Schafen“ nicht direkt geführt.

      32, 33. (a) Was ist zu der Frage zu sagen, ob die an die „Schafe“ gerichtete Aufforderung des Königs zu „kommen“ eine Einladung war, in den Himmel zu kommen? (b) Warum bezeichnete Jesus diese als „andere Schafe“?

      32 Die an diese schafähnlichen Menschen zu seiner Rechten gerichtete Aufforderung: „Kommt her“ ist keine Einladung, in den Himmel zu kommen und sich mit ihm auf seinen Thron zu setzen. Diese sinnbildlichen „Schafe“ gehören nicht zu den 144 000 geistgezeugten Miterben Jesu Christi, die an der „ersten Auferstehung“ teilhaben und mit Christus tausend Jahre über die Menschheit regieren werden. (Offenbarung 14:1-3; 20:4-6) Diese Menschen stammen aus „allen Nationen“, die während der unsichtbaren Gegenwart oder Parusie Jesu Christi versammelt werden, und ihre Zahl beläuft sich auf weit mehr als 144 000, ja sie ist um ein Vielfaches größer. Sie bilden die „große Volksmenge, die kein Mensch zu zählen vermochte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen“. (Offenbarung 7:9, 10) Die Glieder dieser „großen Volksmenge“ werden mit „Schafen“ verglichen, denn es wird über sie weiter gesagt: „Das Lamm, das inmitten des Thrones ist, [wird] sie hüten und sie zu Wasserquellen des Lebens leiten.“ (Offenbarung 7:17) Sie gehören zu den „anderen Schafen“, die Jesus von der „kleinen Herde“ der 144 000 Miterben unterschied, indem er sagte:

      33 „Ich habe andere Schafe, die nicht aus dieser Hürde sind; auch diese muß ich bringen, und sie werden auf meine Stimme hören, und sie werden e i n e Herde werden unter e i n e m Hirten.“ — Johannes 10:16; Lukas 12:32.

      34. Wann fordert der inthronisierte Sohn des Menschen die „anderen Schafe“, die die „große Volksmenge“ bilden, auf zu „kommen“, und inwiefern sind sie diejenigen, die von seinem himmlischen Vater „gesegnet worden“ sind?

      34 Der Sohn des Menschen fordert diese „anderen Schafe“, die die „große Volksmenge“ bilden, auf, zu ihm zu „kommen“, das heißt sich ihm zu nahen, wenn er ihnen den Lohn gibt. Er bezeichnet sie als „die ihr von meinem Vater gesegnet worden seid“. (Matthäus 25:34) Da sie sich bemüht haben, dem Herrn Jesus Christus während seiner Gegenwart oder Parusie Gutes zu erweisen und Hilfe zu leisten, sind sie zwar von seinem himmlischen Vater gesegnet worden. Insbesondere sind sie aber von seinem himmlischen Vater dadurch „gesegnet worden“, daß er für sie einen solch segensreichen Lohn bereithält. Der himmlische Vater sah diese Klasse schafähnlicher Menschen für die Zeit der Gegenwart oder Parusie seines Sohnes voraus und hält deshalb für sie einen segensreichen Lohn bereit. Die Segnungen, die ihnen bereits zuteil geworden sind, sind nicht zu vergleichen mit dem Segen, den sie noch genießen werden. Worin besteht denn dieser besondere Segen, der für sie bereitgehalten wird?

      35. (a) Worin besteht gemäß den Worten Jesu der besondere Segen, der für die aus „anderen Schafen“ bestehende „große Volksmenge“ bereitgehalten wird? (b) Was ist vor allem mit dem „Königreich“ gemeint, das sie ererben, und wo ererben sie es?

      35 Jesus deutete darauf hin, indem er zu ihnen sagte: „Ererbt das Königreich, das von der Grundlegung der Welt an für euch bereitet ist.“ (Matthäus 25:34) Mit diesen Worten lädt Jesus Christus die „anderen Schafe“, die die „große Volksmenge“ bilden, nicht dazu ein, mit ihm auf seinem himmlischen Thron zu sitzen, denn sie gehören nicht zu seinen 144 000 Miterben. Wie ist denn diese Einladung zu verstehen? Unter dem griechischen Stichwort für „Königreich“ (basiléia) heißt es in dem griechisch-englischen Wörterbuch von Liddell und Scott (Band I, Seite 309), daß dieses griechische Wort auch in passivischem Sinn gebraucht wird, „von einem König regiert werden“, und daß es auch „Regierung“ bedeuten kann. So ist es tatsächlich: Diese „anderen Schafe“, die die „große Volksmenge“ ausmachen, ererben eine Stellung, in der sie „von einem König regiert werden“, nämlich von dem messianischen König Jesus, und sie ererben eine tausend Jahre dauernde „Regierung“, die von Jesus Christus, dem König der Könige, ausgeübt wird. Wo werden sie sich während der tausend Jahre befinden, in denen der verherrlichte Sohn des Menschen sie regieren wird? Nicht im Himmel, wohin sie als Geschöpfe von „Fleisch und Blut“ nicht gelangen können (1. Korinther 15:50), sondern hier auf der Erde, im irdischen Herrschaftsgebiet des Königreiches Christi. — Psalm 2:8; Daniel 2:35-45.

      36. Von der Grundlegung welcher „Welt“ an war dieses „Königreich“ für die aus „anderen Schafen“ bestehende „große Volksmenge“ bereitet, und inwiefern?

      36 Unter einem König wie dem Herrn Jesus Christus und unter seinen 144 000 verherrlichten Mitregenten wird die Erde eine wunderbare Wohnstätte sein. Inwiefern wurde aber das „Königreich“ (in dieser Bedeutung) „von der Grundlegung der Welt an“ für die aus schafähnlichen Menschen bestehende „große Volksmenge“ bereitet? Insofern, als der himmlische Vater, der Schöpfer, schon „von der Grundlegung der Welt an“ daran gedacht hat. Damit ist nicht die Grundlegung des Planeten Erde gemeint, sondern die der Menschenwelt. Diese Grundlegung fiel in die Zeit nach der Erschaffung des vollkommenen Adam und der vollkommenen Eva im Garten Eden. Adam wurde nicht zu einem König gemacht und Eva nicht zu seiner Königin. Adam wurde nicht zum König der Tierwelt, der Landtiere, Amphibien, Fische und Vögel, gemacht. Gemäß Hiob 41:34 bezeichnet Jehova den Leviathan als den „König über alle majestätischen wilden Tiere“. Noch weniger sollte Adam ein König über alle seine Nachkommen sein. Erst nach der Flut der Tage Noahs gab es Könige auf der Erde; der erste war Nimrod, der kühne Jäger und der Gründer von Babel oder Babylon in Mesopotamien. (1. Mose 10:8-10) Adams Nachkommen wurden nicht in einem Königreich Adams geboren. Adam und Eva bildeten selbst keine „Welt“.

      37. (a) Wann und wie wurde diese Welt gegründet? (b) Wie wurde das „Königreich“ von dieser Grundlegung an bereitet?

      37 Als jedoch Adam und Eva außerhalb des Gartens Eden, aus dem sie als zum Tode Verurteilte vertrieben worden waren, die ersten Kinder bekamen, wurde eine „Welt“, das heißt eine Menschenwelt, gegründet. Für diese Kinder ergab sich, obwohl sie in Sünde und Unvollkommenheit sowie unter dem Todesurteil geboren wurden, eine Möglichkeit, auf die Jehova hinwies, als er in Eden zu der Schlange, die Adam und Eva zur Sünde verleitet hatte, sagte: „Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er [der Same des Weibes] wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihm die Ferse zertreten.“ (1. Mose 3:14, 15) Im Laufe der Zeit gab Jehova Gott weiteren Aufschluß über diesen geheimnisvollen Samen, der den Sieg über die sinnbildliche Schlange, Satan, den Teufel, erringen sollte. Der siegreiche Same sollte König über die ganze Menschheit werden. Als daher die ersten Kinder geboren wurden, denen die Möglichkeit in Aussicht stand, einst unter dem aufgerichteten Königreich dieses Samens zu leben, wurde Jehovas Verheißung gegenüber der Menschenwelt, die nun gegründet war, wirksam. Auf diese Weise wurde das „Königreich“ für die Bewohner der Erde „von der Grundlegung der Welt an ... bereitet“. (Vergleiche Lukas 11:50, 51.)

      „EINEM DER GERINGSTEN DIESER MEINER BRÜDER GETAN“

      38. Was erwidert der König auf die Fragen der mit Schafen verglichenen „großen Volksmenge“, die über seine Einladung überrascht ist?

      38 In dem prophetischen Gleichnis waren die „Schafe“ überrascht, als der König sie einlud, ‘das Königreich zu ererben, das von der Grundlegung der Welt an für sie bereitet sei’. Jesus sagte: „Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: ,Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich oder durstig und gaben dir etwas zu trinken? Wann sahen wir dich als einen Fremden und nahmen dich gastfreundlich auf oder nackt und kleideten dich? Wann sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir?‘ Und der König wird ihnen erwidern und sagen: ,Wahrlich, ich sage euch: In dem Maße, wie ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan.‘ “ — Matthäus 25:37-40.

      39. Werden sie aufgrund der guten Dinge, die sie dem König getan haben, als „gerecht“ bezeichnet, oder weshalb?

      39 Es ist beachtenswert, daß Jesus diese schafähnlichen Menschen als „die Gerechten“ bezeichnet. Sie sind in seinen Augen nicht nur gerecht, weil sie ihm all die guten Dinge getan haben, die er erwähnt. Diese schafähnlichen Menschen werden ebensowenig wie die 144 000 Miterben Christi aufgrund ihrer eigenen Werke gerechtgesprochen oder als gerecht erklärt. Das, was in erster Linie zählt, ist das, was sie durch ihr Bemühen, in jeder Lage für Christus ihr möglichstes zu tun, zum Ausdruck bringen: ihr Glaube an ihn als Gottes Messias oder Christus. Sie hatten erkannt, daß in ihnen keine Gerechtigkeit wohnte, die Gott völlig gefiel. Sie machten sich deshalb das sühnende Blut Jesu Christi, des Opferlammes Gottes, zunutze. (Johannes 1:29, 36) Um vor Jehova Gott als gerecht zu erscheinen, wuschen sie gleichsam ihre sinnbildlichen Gewänder. Das geht aus der Vision, die Johannes von der „großen Volksmenge“ hatte, deutlich hervor.

      40. Wie reinigen die „anderen Schafe“, die die „große Volksmenge“ bilden, ihr in Gottes Augen unansehnliches Äußeres, und wo und wie bringen sie Gott heiligen Dienst dar?

      40 Um die Tatsache herauszustellen, daß die mit Schafen verglichenen Glieder der „großen Volksmenge“ Jünger des Lammes, Jesu Christi, sind, die Jehova Gott in seinem geistigen Tempel anbeten, gibt der Apostel Johannes folgendes Gespräch wieder, zu dem es in Verbindung mit der Vision über die „große Volksmenge“ gekommen war: „Und einer von den älteren Personen ergriff das Wort und sprach zu mir: ,Wer sind diese, die in die weißen langen Gewänder gehüllt sind, und woher sind sie gekommen?‘ Da sprach ich sogleich zu ihm: ,Mein Herr, d u weißt es.‘ Und er sprach zu mir: ,Das sind die, die aus der großen Drangsal kommen, und sie haben ihre langen Gewänder gewaschen und sie in dem Blut des Lammes weiß gemacht. Darum sind sie vor dem Throne Gottes; und Tag und Nacht bringen sie ihm in seinem Tempel heiligen Dienst dar.‘ “ (Offenbarung 7:13-15) Sie müssen ihr in Gottes Augen unansehnliches Äußeres im vergossenen Blut Christi waschen, indem sie nicht nur Glauben ausüben, sondern Gott in seinem geistigen Tempel auch heiligen Dienst darbringen, indem sie für das Lamm, Jesus Christus, alles tun, wozu sie Gelegenheit haben. Jesus konnte sie daher zu Recht als „Gerechte“ bezeichnen.

      41. (a) Was geben diese gerechten „Schafe“ durch die wiederholte Frage: „Wann sahen wir dich ...?“ in bezug auf die Parusie zu erkennen? (b) Warum mußte sich demnach die Parusie auf eine längere Zeitperiode erstrecken?

      41 Durch die Frage: „Wann sahen wir dich ...?“, die die gerechten schafähnlichen Menschen dem König Jesus Christus wiederholt stellen, um zu erfahren, was er mit den Dingen, die sie ihm nach seinen Worten getan hatten, meinte, geben sie zu erkennen, daß sie ihn nicht im Fleische sahen. Das entspricht auch den Tatsachen, denn seine Gegenwart oder Parusie als König ist für Menschenaugen unsichtbar; er ist jetzt der, „den keiner der Menschen gesehen hat noch sehen kann“. Damit sie ihm all das, was er aufzählt, indirekt tun konnten, mußte sich seine Parusie, seine unsichtbare Gegenwart, auf eine längere Zeit erstrecken. Wie haben sie ihm denn diese Liebestaten erwiesen? Jesus erklärte es:

      42. Wie haben die „Schafe“ dem König, wie er sagt, diese Dinge indirekt getan?

      42 „Und der König wird ihnen erwidern und sagen: ,Wahrlich, ich sage euch: In dem Maße, wie ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan.‘ “ — Matthäus 25:40.

      43. Von wem befindet sich während der Parusie des Königs Jesus Christus noch ein Überrest auf der Erde, und wie sprach er von den Betreffenden an dem Tag, als er seine große Prophezeiung äußerte, und an seinem Auferstehungstag?

      43 Während der Sohn des Menschen, Jesus Christus, als inthronisierter König unsichtbar gegenwärtig ist, befindet sich ein Überrest seiner geistigen Brüder noch im Fleische sichtbar auf der Erde. An dem gleichen Tag, an dem Jesus das Gleichnis von den Schafen und Böcken erzählte, hatte er vorher auf diese „Brüder“ Bezug genommen, als er sagte: „Ihr aber, laßt euch nicht Rabbi nennen, denn e i n e r ist euer Lehrer, während ihr alle Brüder seid. Des weiteren nennt niemand auf der Erde euren Vater, denn e i n e r ist euer Vater, der himmlische. Auch laßt euch nicht ,Führer‘ nennen, denn e i n e r ist euer Führer, der Christus.“ (Matthäus 23:8-10) Fünf Tage nachdem der Herr Jesus dieses Gleichnis erzählt hatte, erschien er am Tage seiner Auferstehung einigen Frauen und sagte zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Geht, berichtet meinen Brüdern, daß sie nach Galiläa fortgehen sollen; und dort werden sie mich sehen.“ — Matthäus 28:9, 10.

      44. (a) Was sagte Jesus an seinem Auferstehungstag über diese Brüder zu einer anderen Frau? (b) Was wird in Hebräer 2:10-12 über Jesu Einstellung diesen Brüdern gegenüber gesagt?

      44 Auch Maria Magdalene erschien er am Tage seiner Auferstehung und erwähnte seine geistigen Brüder, indem er zu ihr sagte: „Geh ... zu meinen Brüdern hin und sage ihnen: ,Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott.‘ “ (Johannes 20:17) Schließlich werden 144 000 solche geistigen Brüder mit Jesus Christus, ihrem ältesten geistigen Bruder, an der himmlischen Herrlichkeit teilhaben. Daß es diese geistigen Brüder Christi gibt, wird auch durch die inspirierten Worte aus Hebräer 2:10-12 bestätigt: „Es geziemte sich für den, um dessentwillen alle Dinge sind und durch den alle Dinge sind, da er viele Söhne zur Herrlichkeit führt, den Hauptvermittler ihrer Rettung durch Leiden vollkommen zu machen. Denn sowohl der, der heiligt, als auch die, die geheiligt werden, stammen alle von e i n e m [Vater], weswegen er sich nicht schämt, sie ,Brüder‘ zu nennen, wie er sagt: ,Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden; inmitten der Versammlung will ich dir lobsingen.‘ “ Diese „Brüder“ gehören zum „Samen“ Abrahams, des Hebräers, und um ihnen zu himmlischer Herrlichkeit zu verhelfen, wurde der Sohn Gottes ein Mensch wie sie. Daher steht geschrieben:

      45. Weshalb wurde Jesus seinen geistigen Brüdern gleichgemacht?

      45 „Er nimmt sich tatsächlich überhaupt nicht der Engel an, sondern er nimmt sich des Samens Abrahams an. Folglich mußte er in allen Beziehungen seinen ,Brüdern‘ gleich werden, damit er in den Dingen, die Gott betreffen, ein barmherziger und treuer Hoherpriester werde, um für die Sünden des Volkes Sühnopfer darzubringen.“ — Hebräer 2:16, 17.

      46. Wessen nehmen sich die Personen besonders an, die der König Jesus Christus schätzt, und warum?

      46 Als der König Jesus Christus als vollkommener Mensch auf der Erde war, nahm er sich seiner geistigen Brüder an; er schätzt deshalb alle, die sich auf irgendeine Weise ebenfalls bemühen, sich seiner geistigen Brüder anzunehmen, die seine himmlischen Miterben werden. Er betrachtet das Gute, das solche Menschen seinen „Brüdern“ tun, so, als würden sie es ihm persönlich tun. Er vergleicht diese hilfsbereiten Personen mit Schafen. Sie werden aber nicht gelobt, weil sie einfach in allgemeinem Sinne wohltätig und hilfsbereit sind, indem sie wahllos jedem Menschen Gutes tun. Oft haben gerade solche wohltätigen, hilfsbereiten Menschen nicht den Mut, besonders den geistigen Brüdern Christi auf der Erde in ihren Leiden beizustehen und ihnen Gutes zu tun. Jedes Zeichen der Sympathie für die „Brüder“ Christi wird von den Gegnern der „Brüder“ Christi, die weitgehend für deren Leiden verantwortlich sind — auch dafür, daß einige sich im Gefängnis befinden —, mißbilligt und kritisiert.

      47. Weshalb haben die Taten, durch die die gerechten „Schafe“ die Brüder Christi unterstützten, nach dessen Worten besonderen Wert?

      47 Diejenigen aber, die der Gleichniserzähler Jesus als „Schafe“ und als „Gerechte“ bezeichnet, fürchten sich nicht, einen Unterschied zu machen. Sie erweisen den „Brüdern“ Christi wissentlich und willentlich Gutes, weil sie sie als solche anerkennen. Sie glauben, daß diese „Brüder“ Jesus Christus nachahmen und daß sie das Werk tun, das er ihnen aufgetragen hat. Aus diesem Grund haben ihre Taten, durch die sie die Brüder Christi unterstützen oder sich ihrer annehmen, in seinen Augen besonderen Wert, denn diesen Taten liegen echt christliche Motive zugrunde. So erklärte es Jesus seinen Aposteln, als er sagte: „Wer nicht gegen uns ist, ist für uns. Denn wer irgend euch aufgrund dessen, daß ihr Christus angehört, einen Becher Wasser zu trinken gibt, wahrlich, ich sage euch: Er wird seines Lohnes keinesfalls verlustig gehen.“ (Markus 9:40, 41) „Und wer irgendeinem dieser Kleinen nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, weil er ein Jünger ist, wahrlich, ich sage euch, er wird seines Lohnes keinesfalls verlustig gehen.“ — Matthäus 10:42.

      SIE SCHLIESSEN SICH DEN „BRÜDERN“ DES KÖNIGS AN

      48. (a) Machten die geistigen Brüder Christi auf der Erde vor und nach dem Jahre 1935 u. Z. all das durch, was Jesus erwähnte? (b) Welcher Tatsache waren sich die „Schafe“, die sich der Brüder Christi annahmen, völlig bewußt?

      48 Aus geschichtlichen Aufzeichnungen geht hervor, daß die geistigen „Brüder“ Christi, während sie bis zum Jahre 1935 u. Z. und auch danach die gute Botschaft von Gottes Königreich predigten und aus Menschen aller Nationen Jünger machten, oft buchstäblich hungrig und durstig waren, daß sie Kleidung benötigten, Fremde waren und kein Obdach hatten, ja daß sie krank wurden und sogar unschuldig ins Gefängnis kamen. Nicht nur ihre geistigen „Brüder“ nahmen sich ihrer an, sondern auch andere, die keine von Gottes Geist gezeugten „Brüder“ Christi waren. Letztere handelten nicht in Unkenntnis darüber, wer diese leidenden, bedürftigen Christen waren und weshalb sie unbeliebt waren und verfolgt wurden. Im Gegenteil, sie erkannten diese Christen als die „Gesandten“ des messianischen Königreiches Gottes an, und sie wollten den konkreten Beweis erbringen, daß sie auf der Seite des Königreiches Gottes standen.

      49, 50. Wie reagieren diese „Schafe“, die keine geistigen Israeliten sind, auf die Verkündigung des Königreiches, und wem schließen sie sich an? (b) In wessen Namen lassen sie sich deshalb taufen, und mit wem verbinden sie sich dadurch?

      49 Dadurch bewiesen diese schafähnlichen Menschen ihren Glauben an Jesus Christus, den regierenden König. Sie freuten sich darüber, daß die gute Botschaft von Gottes jetzt aufgerichtetem Königreich gepredigt wurde, und wollten dieses Werk tatkräftig unterstützen. Sie ließen sich durch die Tätigkeit der „Gesandten“ des Königreiches zu Jüngern machen und wurden auch als Jünger Christi, die dessen Lehren gehorchten, im Wasser getauft. (2. Korinther 5:20; Matthäus 24:14; 28:19, 20) Dadurch, daß diese schafähnlichen Menschen, die keine geistigen Israeliten sind, so gehandelt haben und heute noch so handeln, erfüllt sich die Prophezeiung aus Sacharja 2:11: „Viele Nationen werden sich an jenem Tage gewißlich Jehova anschließen, und sie werden wirklich mein Volk werden; und ich will in deiner Mitte weilen.“

      50 Diese Menschen aus „allen Nationen“ (nach Berichten bis jetzt aus 208 Ländern und Inselgebieten) werden nicht nur im Namen des Sohnes und des heiligen Geistes getauft, sondern auch im Namen des Vaters, das heißt im Namen Jehovas, des Vaters des Sohnes. Sie glauben nicht nur an den Sohn, während sie den Vater außer acht lassen würden. Nein, sie begnügen sich nicht damit, nur ‘an den Herrn Jesus zu glauben’, um gerettet zu werden, sondern sie erkennen an, daß ‘jeder, der den Namen Jehovas anruft, gerettet werden wird’. (Apostelgeschichte 16:31; 2:21; Römer 10:13) Sie rufen deshalb den Namen Jehovas an und lassen sich in seinem Namen taufen. Sie ‘schließen sich Jehova an’, geben sich ihm hin, um Angehörige seines Volkes zu werden. Sie verlassen die falschen Götter, denen sie sich früher einmal hingegeben hatten. (Hosea 9:10) Sie verbinden sich durch Jesus Christus unwiderruflich mit Jehova Gott, dem Vater.

      51, 52. (a) Mit wem werden die „Schafe“, die sich auf diese Weise taufen lassen, in Sacharja 8:20-23 verglichen? (b) Wer ist der „Jude“, dessen Rocksaum sie ergreifen?

      51 Diese schafähnlichen Menschen, die sich Jehova durch Christus hingeben, werden in der Prophezeiung Sacharjas ferner in folgenden Worten beschrieben: „Dies ist, was Jehova der Heerscharen gesprochen hat: ,Es wird noch sein, daß Völker und die Bewohner vieler Städte kommen werden; und die Bewohner einer Stadt werden gewißlich zu denen einer anderen gehen und sprechen: „Laßt uns allen Ernstes hingehen, um das Angesicht Jehovas zu besänftigen und Jehova der Heerscharen zu suchen. Ich selbst will auch hingehen.“ Und viele Völker und mächtige Nationen werden tatsächlich kommen, um Jehova der Heerscharen in Jerusalem zu suchen und das Angesicht Jehovas zu besänftigen.‘ Dies ist, was Jehova der Heerscharen gesprochen hat: ,Es wird in jenen Tagen sein, daß zehn Männer aus allen Sprachen der Nationen ergreifen, ja sie werden tatsächlich den Rocksaum eines Mannes ergreifen, der ein Jude ist, indem sie sprechen: „Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, daß Gott mit euch ist.“ ‘ “ — Sacharja 8:20-23.

      52 In der Erfüllung dieser Prophezeiung ist der Mann, dessen Rocksaum die zehn Männer „aus allen Sprachen der Nationen“ ergreifen, ein geistiger Jude, einer von den 144 000 geistigen Israeliten, die in Offenbarung 7:4-8, unmittelbar vor der Vision des Apostels Johannes über die zahllose „große Volksmenge“ „aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen“, erwähnt werden.

      53. (a) Besonders seit welchem Jahr ergreifen diese „zehn Männer“ aus Nationen vieler Sprachen den Rocksaum geistiger Juden? (b) Welchen bezeichnenden Namen trugen diese geistigen Juden bereits in jenem Jahr?

      53 Seit dem Jahre 1914 u. Z., dem Jahr, in dem die Zeit der Gegenwart oder Parusie des Königs Jesus Christus begann, befindet sich nur noch ein Überrest dieser geistigen Israeliten im Fleische auf der Erde. Besonders vom Jahre 1935 an, als erkannt wurde, wer die „große Volksmenge“ der Lobpreiser Gottes und des Lammes ausmacht, haben „zehn Männer“ aus Nationen vieler Sprachen sich gedemütigt und so gehandelt, als ob sie den Rocksaum eines Menschen ergreifen und sich bereit erklären würden, mit dem geistigen Juden zum Zentrum der Anbetung Jehovas der Heerscharen hinaufzuziehen. Im Jahre 1935 trugen die geistigen Juden bereits vier Jahre den biblischen Namen „Jehovas Zeugen“, und so konnte kein Zweifel darüber bestehen, was für Christen sie waren.

      54. Wie wurde in Jesaja 2:2-4 vorhergesagt, daß diese „Schafe“ sich Jehova anschließen und bestrebt sein würden, ihn anzubeten?

      54 Die Tatsache, daß sich in diesen letzten Tagen viele Menschen, die nicht zum Überrest der geistigen Juden oder Israeliten gehören, Jehova hingeben und sich ihm so anschließen würden sowie bestrebt wären, ihn in seinem geistigen Tempel anzubeten, wurde auch durch folgende eindrucksvolle Worte des Propheten Jesaja vorhergesagt: „Es soll geschehen im Schlußteil der Tage, daß der Berg des Hauses Jehovas fest gegründet werden wird über dem Gipfel der Berge, und er wird gewißlich erhaben sein über die Hügel; und zu ihm sollen alle Nationen strömen. Und viele Völker werden gewißlich hingehen und sagen: ,Kommt, und laßt uns hinaufziehen zum Berge Jehovas, zum Hause des Gottes Jakobs; und er wird uns über seine Wege unterweisen, und wir wollen auf seinen Pfaden wandeln.‘ Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort Jehovas von Jerusalem. Und er wird gewißlich Recht sprechen unter den Nationen und die Dinge richtigstellen hinsichtlich vieler Völker. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden müssen und ihre Speere zu Winzermessern. Nation wird nicht gegen Nation das Schwert erheben, auch werden sie den Krieg nicht mehr lernen.“ — Jesaja 2:2-4.

      55. (a) Wie wird man gemäß diesen Prophezeiungen ein „Schaf“, das vor Gott und Christus „gerecht“ dasteht? (b) Wie hoch erheben solche Menschen die Anbetung Jehovas?

      55 Was können wir erkennen, wenn wir diese biblischen Prophezeiungen, die sich auf die heutige Zeit, die Zeit der Gegenwart oder Parusie Christi, anwenden lassen, zusammen mit Jesu Gleichnis von den Schafen und Böcken in Betracht ziehen? Folgendes: daß man nicht dadurch ein „Schaf“ wird und vor Gott und seinem messianischen König „gerecht“ dasteht, daß man einem der geistigen Brüder Christi unwissentlich und rein zufällig Gutes tut. Die zur Klasse der „Schafe“ Gehörenden wissen, was sie tun, obwohl sie den regierenden König, den Sohn des Menschen, nicht buchstäblich oder mit bloßem Auge sehen. Sie erkennen seine geistigen „Brüder“ — selbst ‘einen der geringsten dieser seiner Brüder’ — entsprechend an und bemühen sich gerade deshalb, ihnen zu helfen, und zwar nicht nur in materieller oder physischer Hinsicht, sondern auch in geistiger Hinsicht, indem sie sich ihnen im Predigen dieser „guten Botschaft vom Königreich“ und in dem biblischen Belehrungswerk, durch das Jünger Christi gemacht werden, anschließen. Sie wissen, daß die „Brüder“ Christi die Anbetung Jehovas über alles erheben, und so ziehen sie zusammen mit ihnen zu Jehovas geistigem Tempel hinauf, um anzubeten, und sie erfüllen auch die entsprechenden hohen Anforderungen.

      56. (a) Wie verhalten sich diese „Schafe“ den „Brüdern“ Christi gegenüber, wenn es um Streitfragen geht? (b) Wessen Freunde bleiben sie lieber, und wie bewahren sie ihre „Gewänder“?

      56 Da diese schafähnlichen Menschen den geistigen „Brüdern“ Christi helfen und ihnen Gutes tun möchten, kann nichts — weder die Nationalität noch die Volks- oder Stammeszugehörigkeit, weder politische Ideologien noch die Hautfarbe, weder die Bildung noch die Sprache — sie veranlassen, gegen diese zu kämpfen. Wie die „Brüder“ Christi, so bleiben auch sie in den grausamen, verheerenden und blutigen Kriegen und Auseinandersetzungen der heutigen bis an die Zähne bewaffneten Welt neutral. Sie bleiben lieber Freunde der „Brüder“ Christi, die „kein Teil der Welt“ sind, als daß sie „Freundschaft mit der Welt“ halten. (Johannes 17:14, 16; Jakobus 4:4) Sie sind daher bereit, mit den Brüdern Christi die Leiden zu ertragen, die die feindliche Welt über sie bringt, weil sie an ihrer christlichen Lauterkeit gegenüber Gott festhalten, und sie beweisen so, daß sie ebenfalls echte Jünger Christi sind. Sie halten ihre im Blute Christi gewaschenen „Gewänder“ rein.

      57. (a) Welches Verhältnis von jüdischen zu nichtjüdischen Anbetern wird in Sacharja 8:23 angegeben? (b) Schätzungsweise wie viele Menschen gehörten im Jahre 1935 u. Z. in der ganzen Welt einer Religionsgemeinschaft an, und wie viele Zeugen Jehovas gab es damals im Vergleich dazu?

      57 Daß nach der Prophezeiung aus Sacharja 8:23 „zehn Männer aus allen Sprachen der Nationen“ den Rocksaum eines geistigen Juden oder Israeliten ergreifen würden, deutet an, daß die Zahl dieser sich demütigenden Menschen aus allen Nationen größer sein wird als die des Überrestes der geistigen Juden oder Israeliten. Das Verhältnis sollte gleich zehn zu eins sein. Das ist seit dem Jahre 1935 u. Z. Tatsache geworden. In jenem denkwürdigen Jahr gehörten in der ganzen Welt schätzungsweise 1 849 185 359 Personen einer christlichen oder nichtchristlichen Religionsgemeinschaft an (The World Almanac and Book of Facts des Jahres 1936, herausgegeben von World-Telegram, New York, Seite 419). In demselben Jahr belief sich die Zahl der Zeugen Jehovas, die über ihre Predigttätigkeit Bericht erstatteten, in der ganzen Welt auf weniger als 60 000. In welchem Ausmaß ist die Weltbevölkerung seither gewachsen?

      58. In welchem Ausmaß ist die Zahl der Angehörigen aller Religionsgemeinschaften der Welt gestiegen, und in welchem Ausmaß hat die gesamte Weltbevölkerung zugenommen?

      58 Im World Almanac and Book of Facts des Jahres 1973 (Seite 343) wird die Zahl der Angehörigen aller Religionsgemeinschaften der Welt mit 2 661 120 100 angegeben. Das bedeutet, daß sich die Zahl der Anhänger aller Religionsgemeinschaften der Welt in den Jahren 1935 bis 1973 nicht verdoppelt hat. Was nun die gesamte Weltbevölkerung betrifft, so wurde 1935 die gleiche, auf Schätzungen beruhende Zahl veröffentlicht wie 1927, nämlich 1 960 000 000. Nach den Angaben des World Almanac and Book of Facts des Jahres 1973 (Seite 206) betrug die Zahl der Weltbevölkerung nun schätzungsweise 3 631 797 000. Demnach hat sich die Weltbevölkerung in den Jahren 1935 bis 1973 nicht ganz verdoppelt.

      59. In welchem Maße ist im Dienstjahr 1971/72 die Zahl der Zeugen Jehovas gestiegen?

      59 Wie verhält es sich aber mit dem zahlenmäßigen Wachstum der Zeugen Jehovas? Ihr Predigtdienstjahr beginnt mit dem 1. September des Kalenderjahres. Im Dienstjahr 1971/72 beteiligten sich nach den Berichten jeden Monat durchschnittlich 1 596 442 Zeugen Jehovas regelmäßig an der Predigttätigkeit, und die Höchstzahl, die in diesem Dienstjahr erreicht wurde, betrug 1 658 990 Königreichsverkündiger. Die Zahl der Zeugen Jehovas ist also im Vergleich zu ihrer Zahl im Jahre 1935 gewaltig gestiegen.

      60. (a) Auf welche Weise wurde festgestellt, wie viele von ihnen geistige Juden sind? (b) Wer zieht demnach zu Jehovas geistigem Tempel hinauf, um anzubeten? (c) In welch bedeutsamer Zeit müssen wir demnach leben?

      60 Wie viele dieser christlichen Zeugen Jehovas sind jedoch geistige Juden? Nur 10 350, denn nur so viele nahmen bei der jährlichen Feier des Abendmahls am 29. März 1972 von den Symbolen, Brot und Wein, und bekannten sich dadurch als geistige Israeliten. Insgesamt wohnten aber dieser Feier in der ganzen Welt 3 662 407 Personen bei. In den 208 Ländern und Inselgebieten, in denen Jehovas christliche Zeugen wirken, gibt es 28 407 Versammlungen. Was läßt uns das alles erkennen? Folgendes: daß im Verlauf der unsichtbaren Parusie (Gegenwart) Christi eine aus schafähnlichen Menschen bestehende „große Volksmenge“ aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen zur Rechten des Königs versammelt worden ist und daß sich diese dem kleinen Überrest der geistigen Israeliten angeschlossen hat und mit diesem zu Jehovas geistigem Tempel hinaufzieht, um ihn als Gott anzubeten. Das ist ein bemerkenswerter Bestandteil des „Zeichens“, das beweist, daß wir in der Zeit der unsichtbaren „Gegenwart“ oder Parusie des Herrn Jesus und in der Zeit des „Abschlusses des Systems der Dinge“ leben. — Matthäus 24:3.

      [Fußnoten]

      a Im World Almanac des Jahres 1915 (S. 494) wurden unter der Überschrift „Statistik der Länder der Welt“ 64 einzelne Länder aufgeführt, und deren Gesamtbevölkerung wurde mit 1 691 741 383 angegeben.

      b Siehe Wachtturm, 15. August 1935, Seite 256.

      c Deswegen wurde in dem Artikel „Die Harmagedon Überlebenden“, der im Wachtturm vom 1. Juni 1936 erschien, die Klasse der „Schafe“ mit der „großen Volksmenge“ gleichgesetzt (Seite 140, Absatz 47, 48).

  • Warum bockähnliche Menschen das Königreich nicht ererben
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 15. Kapitel

      Warum bockähnliche Menschen das Königreich nicht ererben

      1. Was sagt der König in dem Gleichnis von den Schafen und Böcken zu denen, die zu seiner Linken gestellt worden sind?

      WIE werden indes die Menschen aus „allen Nationen“, die mit „Böcken“ verglichen und zur Linken des Königs gestellt werden, beseitigt? Jesus setzte die Erzählung seines Gleichnisses von den Schafen und Böcken mit den Worten fort: „Dann wird er seinerseits zu denen zu seiner Linken sagen: ‚Geht weg von mir, ihr, die ihr verflucht worden seid, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bereitet ist. Denn ich wurde hungrig, aber ihr gabt mir nichts zu essen, und ich wurde durstig, aber ihr gabt mir nichts zu trinken. Ich war ein Fremder, aber ihr nahmt mich nicht gastfreundlich auf, nackt, aber ihr bekleidetet mich nicht, krank und im Gefängnis, aber ihr saht nicht nach mir.‘ “ — Matthäus 25:41-43.

      2. Was bedeutet es für die bockähnlichen Menschen, „verflucht“ zu sein?

      2 Der König Jesus Christus weist darauf hin, daß die mit „Böcken“ verglichenen Menschen nicht so gehandelt hatten wie die Klasse der „Schafe“. Deswegen sagt er zu ihnen, sie sollten von ihm weggehen. Er wünscht sie nicht als irdische Untertanen während seiner Tausendjahrherrschaft. Sie sind „Verfluchte“. Im Gegensatz zu den schafähnlichen Menschen, die vom himmlischen Vater des Königs gesegnet wurden, sind sie von ihm verflucht worden. Das heißt, daß das Urteil, das gemäß den biblischen Prophezeiungen über sie gefällt wird, für sie nichts Gutes bedeutet. Sie stehen unter Gottes Fluch, und es gibt keine Möglichkeit, sie von diesem Fluch zu befreien, wie das bei den natürlichen, beschnittenen Juden der Fall war, die unter dem Fluch des Gesetzesbundes standen, den Jehova mit ihnen geschlossen hatte. (Galater 3:13) Sie sind wie Satan, der Teufel, und seine Dämonenengel verflucht. Sie verdienen daher das gleiche ewige Geschick wie der Teufel und seine Engel: „... das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bereitet ist.“

      3. (a) Was bedeutet nach der Auffassung der Kirchen der Christenheit das „Feuer, das für den Teufel und seine Engel bereitet ist“, für die „Böcke“? (b) Wie erklärt die Offenbarung selbst, was mit dem „Feuer- und Schwefelsee“ gemeint ist?

      3 Bedeutet das, daß sie im unsichtbaren Reich (im geistigen Reich), wo sich Satan und seine Dämonenengel befinden, in so etwas wie Feuer ewig bei Bewußtsein gequält werden? Das ist von den Kirchen der Christenheit jahrhundertelang gelehrt worden. Um ihre Lehre zu stützen, haben sie auf Offenbarung 20:10 hingewiesen, denn dieser Bibelvers lautet: „Und der Teufel, der sie irreführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geschleudert, wo schon sowohl das wilde Tier als auch der falsche Prophet waren; und sie werden Tag und Nacht gequält werden für immer und ewig.“ Im geistigen Reich, wo sich Satan und seine Dämonenengel befinden, gibt es aber keinen Schwefel. Es handelt sich hierbei offensichtlich um einen sinnbildlichen Ausdruck wie bei dem „wilden Tier“ und dem „falschen Propheten“. Wovon ist denn der „Feuer- und Schwefelsee“ ein Sinnbild? Der vierzehnte Vers desselben Kapitels gibt uns die Erklärung: „Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geschleudert. Dies bedeutet den zweiten Tod: der Feuersee.“ In Offenbarung 21:8 wird diese Erklärung über den „Feuer- und Schwefelsee“ wiederholt: „Das bedeutet den zweiten Tod.“

      4. Inwiefern deckt sich dies mit den Worten aus Hebräer 2:14, aus denen hervorgeht, was mit dem Teufel geschehen wird?

      4 Das deckt sich mit der unmißverständlichen, buchstäblichen Bedeutung der Worte aus Hebräer 2:14: „Da nun die ,Kinder‘ an Blut und Fleisch teilhaben, hat auch er [Jesus] in ähnlicher Weise an denselben teilgenommen, damit er durch seinen Tod den zunichte mache, der das Mittel hat, den Tod zu verursachen, das heißt den Teufel.“ Zu Gottes festgesetzter Zeit wird der einst tote, jetzt aber auferweckte und verherrlichte Jesus Satan, den Teufel, „zunichte machen“, das heißt, er wird diesen Bösen, diesen Mörder, aus dem Dasein auslöschen. Er wird den Teufel vernichten. Er, der Haupt„same“ des „Weibes“ Gottes, der einst „zertreten“ wurde, ist von Gott dazu bestimmt worden, der Schlange den Kopf zu „zertreten“. — 1. Mose 3:15; Römer 16:20.

      5. (a) Was ist also das „ewige Feuer“, das für den Teufel und seine Engel bereitgehalten und in das die Klasse der Böcke weggesandt wird? (b) Warum sind die Böcke nicht neutral, obwohl sie den Brüdern Christi nicht unmittelbar Schaden zufügen?

      5 Was also für den Teufel und seine Engel bereitgehalten wird, ist der „zweite Tod“, und in diese ewige Vernichtung, veranschaulicht durch das „ewige Feuer“, geht die Klasse der bockähnlichen Menschen vom König Jesus Christus weg. In den Worten, mit denen der König diese Menschen verurteilt, erwähnt er nichts davon, daß sie seine geistigen „Brüder“ unmittelbar verfolgt oder ihnen unmittelbar Schaden zugefügt hätten. Allein dadurch, daß sie den „Brüdern“ Christi gegenüber negativ eingestellt waren, hatten sie für den Teufel und seine Engel Stellung bezogen. Als Jesus als vollkommener Mensch auf der Erde war und die gute Botschaft von Gottes messianischem Königreich predigte, sagte er: „Wer nicht auf meiner Seite ist, ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.“ (Matthäus 12:30) Der Teufel ist nicht auf der Seite Jesu, und somit sind die bockähnlichen Menschen, die nichts tun, um den regierenden König, Jesus Christus, zu unterstützen, gegen ihn und befinden sich auf der Seite des Teufels. Es gibt zur Zeit der Gegenwart oder Parusie Christi keine neutrale Seite.

      6. Was wollen die „Böcke“ mit der Antwort sagen, die sie Jesus, dem König, geben, um sich zu verteidigen?

      6 Die bockähnlichen Menschen mögen sich damit verteidigen wollen, daß sie sagen, wenn sie Jesus Christus persönlich in den von ihm beschriebenen Notlagen gesehen hätten, wären sie ihm zu Hilfe gekommen. Ihr Versuch, sich zu verteidigen, kommt in der Antwort zum Ausdruck, die sie dem König geben: „Dann werden auch sie antworten und sagen: ,Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als einen Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und dienten dir nicht?‘ “ — Matthäus 25:44.

      7. Warum wäre es, wenn die bockähnlichen Menschen Jesus gesehen und erkannt hätten, noch keine Gewähr dafür gewesen, daß sie ihm gedient und ihn unterstützt hätten?

      7 Doch selbst wenn sie ihn persönlich im Fleische gesehen und ihn als Jesus erkannt hätten, wäre das noch keine Gewähr dafür gewesen, daß sie ihm gedient oder ihn irgendwie unterstützt hätten. Vor neunzehnhundert Jahren war Jesus Christus sichtbar, im Fleische, auf der Erde und führte das von Gott für den Messias vorherbestimmte Werk durch; dennoch waren die meisten seiner Landsleute, die natürlichen Juden, nicht bereit, ihm oder seinen zwölf Aposteln zu dienen. Im Gegenteil, vor dem römischen Statthalter Pontius Pilatus forderten sie laut schreiend seinen Tod am Marterpfahl und stellten sich so auf die Seite derer, die unmittelbar dafür verantwortlich waren, daß er auf diese qualvolle Art hingerichtet wurde. Die heutigen bockähnlichen Menschen können sich also nicht damit herausreden, sie hätten ihn nicht gesehen und hätten darum nicht gewußt, daß sie ihm die Hilfe verweigert hätten.

      8. Wonach wird jemand von einem Menschen, der persönlich abwesend ist, aber einen sichtbaren Vertreter hat, beurteilt?

      8 Um zu entscheiden, ob man jemandem helfen möchte oder nicht, braucht man den Betreffenden nicht unmittelbar zu sehen. Man braucht einen Menschen nicht unmittelbar vor sich zu haben, um zu entscheiden, ob man für oder gegen ihn ist. Man kann dies auch in Verbindung mit einem sichtbaren Vertreter desjenigen tun. Wie man zu dem Betreffenden steht, zeigt man dann dadurch, wie man seinen Vertreter behandelt. Der Vertreter gibt zu erkennen, daß er im Namen dessen handelt, der für die Person, mit der er spricht oder verkehrt, nicht sichtbar anwesend ist. So kann dann diese entscheiden, ob sie dem, dessen persönlicher Vertreter sichtbar vor ihr steht, helfen möchte oder nicht, ob sie ihm ihre Gunst schenken möchte oder nicht oder ob sie für oder gegen ihn Stellung beziehen möchte. Auf diese Weise verrät sie ihre persönliche Einstellung, und das zählt bei dem, der nicht sichtbar anwesend ist, genauso, wie wenn er persönlich zugegen wäre.

      9, 10. Wie brachte Jesus diesen Gedanken in dem Gleichnis durch das zum Ausdruck, was er den König zu den „Böcken“ zu seiner Linken sagen läßt?

      9 Diesen Gedanken bringt Jesus in seinem Gleichnis zum Ausdruck, indem er zeigt, was der König zu den sich entschuldigenden „Böcken“ zu seiner Linken sagt:

      10 „Dann wird er ihnen antworten und sagen: ,Wahrlich, ich sage euch: In dem Maße, wie ihr es einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr es mir nicht getan.‘ “ — Matthäus 25:45.

      11. Warum sollte selbst der unwichtigste unter den geistigen Brüdern Christi von denen, die mit ihnen in Berührung kommen, nicht verachtet werden?

      11 Es kommt also nicht darauf an, wie unwichtig einer der geistigen „Brüder“ Christi sein mag. Er mag noch so unwichtig sein, so ist er doch ein „Bruder“ des Königs Jesus Christus und ein geistgezeugter Sohn Gottes, ein Erbe Gottes und ein Miterbe mit Christus. (Römer 8:17) Deswegen ist die Sache so ernst. Keiner der geistigen „Brüder“ Christi ist eine bedeutende, führende Persönlichkeit dieser Welt, weder in den politischen Kreisen noch in den Reihen der Geistlichkeit der Christenheit, denn die wahren „Brüder“ Christi sind kein Teil der Welt, so, wie er kein Teil der Welt war. (1. Korinther 1:26-31; Johannes 15:19; 17:14, 16) Das gibt den bockähnlichen Menschen jedoch kein Recht, auf sie herabzuschauen. Die „Brüder“ Christi sollten mit Rücksicht auf den, den sie vertreten, und wegen der biblischen Botschaft, die sie verkündigen, respektiert werden. Wer sie aus diesem wichtigen Grund nicht respektiert, zeigt, daß er auch ihren himmlischen Bruder nicht respektiert.

      12. (a) Warum reden die „Böcke“ den König nur zum Schein mit „Herr“ an? (b) Warum kann sich seit dem Ende des Ersten Weltkrieges niemand damit herausreden, er habe nicht gewußt, wer die „Brüder“ des Königs seien?

      12 Die sich entschuldigenden bockähnlichen Personen mögen den König Jesus Christus zwar „Herr“ nennen, aber sie gebrauchen diese Anrede nur zum Schein. Wenn sie ihn wirklich als ihren „Herrn“ anerkannt hätten, dann hätten sie seinen geistigen „Brüdern“ — selbst den geringsten dieser „Brüder“ — nicht jede Hilfe versagt. Diese „Brüder“ gingen nicht wie Spione oder wie Schwindler, die die Leute zu übervorteilen suchen, unter fremdem Namen umher. Besonders seit dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918 und nachdem der Überrest der geistigen Brüder Christi seine öffentliche Tätigkeit im Jahre 1919 wiederaufgenommen hatte, ist er dem prophetischen Gebot Christi nachgekommen: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen.“ (Matthäus 24:14) Diese geistigen Brüder Christi haben öffentlich bekanntgemacht, daß Christus in seinem aufgerichteten himmlischen Königreich unsichtbar gegenwärtig ist. Besonders seit dem Jahre 1926 haben sie den Namen des himmlischen Vaters des Königs Jesus Christus bekanntgemacht, ja im Jahre 1931 haben sie sogar den Namen „Jehovas Zeugen“ angenommen. Es kann sich also niemand damit entschuldigen, er habe nicht gewußt, wer sie seien.

      13. (a) Haben die „Böcke“ etwas gegen die „Brüder“ Christi persönlich, daß sie es ablehnen, ihnen zu helfen? (b) Warum werden die „Böcke“ von Gott verflucht anstatt gesegnet?

      13 Die sinnbildlichen „Böcke“ lehnen es deshalb nicht ab, diesen geistigen „Brüdern“ Christi zu helfen, wenn sie buchstäblich hungrig, durstig, nackt, obdachlos, krank oder im Gefängnis sind, weil sie etwas persönlich gegen sie hätten. Nein, was sie veranlaßt, ihnen jede Hilfe zu versagen — wenn sie sie nicht gar verfolgen —, ist das, was die „Brüder“ Christi vertreten. Es geht dabei um eine wichtige Frage, und die „Böcke“ treffen in Verbindung mit dieser Frage bewußt eine Entscheidung. Diese wichtige Frage, der die „Böcke“ durch die Predigttätigkeit des Überrestes der „Brüder“ Christi und deren Werk des Jüngermachens gegenübergestellt werden, ist das Mittel, durch das der unsichtbar gegenwärtige König Jesus Christus heute, besonders seit dem Jahre 1935, die „Böcke“ von den „Schafen“ trennt. Niemand kann in dieser Frage, die für das ganze Universum von Bedeutung ist, unschlüssig oder neutral bleiben. Entweder man ist für Jehovas messianisches Königreich unter dem Herrn Jesus Christus, oder man ist dagegen. Die „Böcke“ nehmen Stellung dagegen. Sie können deshalb den Segen des himmlischen Vaters Christi nicht haben. Über sie kann nur sein Fluch kommen, das Gegenteil von seinem Segen.

      WANN DIE „BÖCKE“ IN IHRE STRAFE „WEGGEHEN“

      14, 15. (a) Wann werden die „Böcke“ in das „ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bereitet ist“, kommen? (b) Wie benutzt Paulus gemäß 2. Thessalonicher 1:7-10 das gleiche Element als Sinnbild der Vernichtung?

      14 Nach den Worten Jesu wartet auf diese sinnbildlichen „Böcke“ zu seiner Linken, der Seite der Verfluchten, „das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bereitet ist“. Sie waren nicht bereit, das messianische Königreich Gottes zu unterstützen, und haben so bewiesen, daß sie ein Teil dieser Welt sind, deren unsichtbarer „Herrscher“ Satan, der Teufel, ist. (Johannes 12:31; 14:30; 16:11) Diese verderbte Welt unter Satan, dem Teufel, ist dazu verurteilt, in der kurz bevorstehenden „großen Drangsal“ vernichtet zu werden. Die „Böcke“ kommen in dieses vernichtende „Feuer“, wenn sie in die „große Drangsal“ geraten, „wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird“. (Matthäus 24:21; Markus 13:19) Sie wollen nicht zugeben oder anerkennen, daß Jehova, dessen Name Tausende von Malen in den inspirierten Hebräischen Schriften der Bibel erscheint, Gott ist, und sie weigern sich, der guten Botschaft von dem Herrn Jesus Christus zu gehorchen oder sie zu befolgen. Bei der Offenbarung der Macht und Gewalt des unsichtbar gegenwärtigen Christus in der „großen Drangsal“ wird den „Böcken“ das widerfahren, was der Apostel Paulus gemäß 2. Thessalonicher 1:7-10 vorhergesagt hat:

      15 „Bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht in flammendem Feuer, wenn er an denen Rache übt, die Gott nicht kennen, und an denen, die der guten Botschaft über unseren Herrn Jesus nicht gehorchen. Gerade diese werden die richterliche Strafe ewiger Vernichtung erleiden, hinweg von dem Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke, zu der Zeit, da er kommt, um verherrlicht zu werden in Verbindung mit seinen Heiligen“, seinen geistigen „Brüdern“.

      16. Wohin gehen gemäß den Worten, mit denen Jesus das Gleichnis abschließt, die „Böcke“, und wohin die „Schafe“?

      16 Auf diese Weise erfüllt sich an den sinnbildlichen „Böcken“ das, was Jesus in den abschließenden Worten seines Gleichnisses von den „Schafen“ und „Böcken“ vorhergesagt hat. Mit diesen Worten beendete er gemäß dem Bericht des Matthäus auch seine Prophezeiung über das „Zeichen“ seiner Gegenwart oder Parusie: „Und diese werden in die ewige Strafe gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ — Matthäus 25:46, Menge.

      17. Warum bedeutet die ewige Strafe für die „Böcke“ nicht ewige Qual an einem Ort im unsichtbaren, geistigen Reich?

      17 Wir sollten, was das Geschick der in dem Gleichnis erwähnten sinnbildlichen „Böcke“ betrifft, keine falsche Schlußfolgerung ziehen. Jesus sagte nicht, diese würden an einen Ort im geistigen Reich „gehen“, wo sie in alle Ewigkeit bei Bewußtsein gequält würden. Um ewig Qualen empfinden zu können, müßten sie ewig leben, denn ohne Leben gibt es kein Empfinden von Qual oder Freude. Jesus sagt aber deutlich, daß nur „die Gerechten“, die sinnbildlichen Schafe, „in das ewige Leben“ gehen. Die „ewige Strafe“, in die die ungerechten „Böcke“ gehen, ist somit genau das Gegenteil von dem „ewigen Leben“, in das die gerechten „Schafe“ gehen, nämlich der ewige Tod. Da dieser Tod von ewiger Dauer ist, handelt es sich dabei um eine „ewige Strafe“. Es verhält sich damit ähnlich wie mit einem Todesurteil, das ein irdisches Gericht über einen für schuldig befundenen Verbrecher gefällt hat; für den verurteilten Verbrecher ist der Tod, herbeigeführt durch die Vollstreckung des Urteils, eine „ewige Strafe“. Es bedeutet für den hingerichteten Verbrecher nicht ewige Qual. Nur Gott kann diese ewige Strafe durch die Auferstehung der Ungerechten aufheben. Ein irdisches Gericht kann dies nicht tun. — Apostelgeschichte 24:15.

      18. Wie gehen die Diaglott und die Neue-Welt-Übersetzung das griechische Wort für „Strafe“ wieder, und warum ist diese Übersetzung sehr passend?

      18 Mit dieser logischen und schriftgemäßen Auffassung deckt sich auch die Wiedergabe von Matthäus 25:46 in Benjamin Wilsons Emphatic Diaglott (Ausgabe 1864), die wie folgt lautet: „Und diese werden in die äonische Abschneidung weggehen; die Gerechten aber in das äonische Leben.“ Die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift gibt den Text ähnlich wieder: „Und diese werden in die ewige Abschneidung weggehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ Die revidierte englische Ausgabe dieser Übersetzung (1971) enthält zu dem Wort „Abschneidung“ folgende Fußnote: „Buchstäblich: ,beschnitten werden‘; also einschränken, im Zaum halten. Siehe 1. Johannes 4:18.“ Diese Übersetzung ist sehr passend, denn die ungerechten „Böcke“ sind für immer tot und daher für immer vom Leben auf jeglicher Daseinsstufe abgeschnitten. Sie können daher unmöglich ewig bei Bewußtsein gequält werden. Sie werden — wie schließlich der Teufel und seine Dämonenengel — aus dem Dasein ausgelöscht sein. Nach der „großen Drangsal“ werden der Teufel und seine Engel in den „Abgrund“ geschleudert. Doch sobald die Tausendjahrherrschaft Christi zu Ende sein wird, werden sie für eine kleine Weile losgelassen, um die wiederhergestellte Menschheit zu prüfen, und dann werden sie für immer vernichtet werden.

      19. Auf welche Weise wird die Klasse der gerechten „Schafe“ belohnt, wie das aus Offenbarung 7:14 hervorgeht?

      19 Den „gerechten“ schafähnlichen Menschen, die den geistigen „Brüdern“ Christi bis zum Beginn der „großen Drangsal“ Gutes tun, wird der regierende König, Jesus Christus, dann seine Anerkennung ausdrücken. (Matthäus 25:34) Wie ein liebevoller Hirt seine Schafe beschützt, so wird er sie in der „großen Drangsal“ beschützen, damit sie in die Tausendjahrperiode seiner segensreichen Regierung eintreten können. Von diesen schafähnlichen Überlebenden der „großen Drangsal“ wird wie von der in Offenbarung 7:14 erwähnten „großen Volksmenge“ gesagt werden: „Das sind die, die aus der großen Drangsal kommen.“

      20. Unmittelbar nach welchem Ereignis beginnt die Tausendjahrherrschaft Christi, und was beginnt dann für die „Schafe“, die die „große Drangsal“ überlebt haben?

      20 Unmittelbar nach der „großen Drangsal“ werden der „Teufel und seine Engel“ wie mit Ketten gebunden und in den „Abgrund“ geschleudert, wo sie gefangengesetzt werden. Dann beginnt das herrliche Millennium des Hirten-Königs Jesus Christus. Die „gerechten“ schafähnlichen Überlebenden werden die gehorsamen irdischen Untertanen des tausendjährigen Königreiches Christi sein. Unter dem Einfluß dieses Königreiches beginnt dann für sie eine körperliche und geistige Wiederherstellung, und das bedeutet für sie, daß sie auf den Weg zu ewigem Leben in menschlicher Vollkommenheit gelangt sind.

      21. Zu wessen besonderer Ermunterung verband Jesus dieses Gleichnis mit seiner Prophezeiung über das „Zeichen“, und was stellt es den Betreffenden in Aussicht?

      21 Der Herr Jesus Christus verband dieses Gleichnis mit seiner Prophezeiung über das „Zeichen“ seiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge vor allem zur Ermunterung der Klasse der „gerechten“ Schafe. Welch freudige Aussicht dieses Gleichnis doch denen bietet, die heute den geistigen „Brüdern“ Christi Gutes tun! Wenn sie beharrlich fortfahren, so zu handeln, wird dies schließlich dazu führen, daß sie die einladenden Worte des Königs hören: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet worden seid, ererbt das Königreich, das von der Grundlegung der Welt an für euch bereitet ist.“ — Matthäus 25:34.

  • Die Prophezeiung über das „Zeichen“ nähert sich ihrer vollständigen Erfüllung
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 16. Kapitel

      Die Prophezeiung über das „Zeichen“ nähert sich ihrer vollständigen Erfüllung

      1. Warum können wir dafür dankbar sein, daß die Apostel Jesu ihrem Meister die in Matthäus 24:3 aufgezeichnete Frage stellten?

      WIR können dafür dankbar sein, daß die Apostel Jesu Christi ihrem Meister die Frage stellten: „Sage uns: Wann werden diese Dinge sein, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ (Matthäus 24:3) Ihre Frage veranlaßte ihn, eine ausführliche, bis ins einzelne gehende Prophezeiung zu äußern, die so genau formuliert war, daß uns ihre Erfüllung heute, im ereignisreichen zwanzigsten Jahrhundert, tief beeindruckt. Das Eintreten dieser vorhergesagten Ereignisse ermöglicht es uns, genau festzustellen, wie weit die Verwirklichung des Vorhabens Gottes mit der leidenden Menschheit schon fortgeschritten ist. Da wir das von Christus vorhergesagte „Zeichen“ sehen, werden wir in dem Glauben bestärkt, daß wir tatsächlich in der Zeit der unsichtbaren „Gegenwart“ Christi im Geiste und in der Zeit des „Abschlusses des Systems der Dinge“ leben.

      2. Wo wird das „Zeichen“ in allen seinen Einzelheiten beschrieben, und welchen Teil des Berichts darüber wollen wir nun betrachten?

      2 Bald wird das „Zeichen“ in allen seinen Einzelheiten klar und deutlich zu sehen sein, so daß für einen aufmerksamen Beobachter nicht die geringste Gefahr besteht, sich zu täuschen. Wie aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 24 und 25, dem Markusevangelium, Kapitel 13 und dem Lukasevangelium, Kapitel 21 hervorgeht, setzt sich das „Zeichen“ aus zahlreichen Bestandteilen zusammen; und es hat viele Jahre, fast die Zeitspanne einer Generation, gedauert bis zur voll ausgeprägten Erscheinung aller Bestandteile des „Zeichens“. In den vorangehenden Kapiteln haben wir uns mit den Bestandteilen des Zeichens befaßt, die im Matthäusevangelium, Kapitel 25 geschildert werden. Jetzt wollen wir uns mit den Bestandteilen des Zeichens befassen, die im 24. Kapitel dieses Evangeliums sowie in den analogen Berichten von Markus und Lukas geschildert werden.

      3, 4. Worauf bezogen sich die Jünger, als sie Jesus die Frage stellten: „Wann werden diese Dinge sein?“?

      3 Als die Apostel Christi die Frage stellten: „Sage uns: Wann werden diese Dinge sein?“, bezogen sie sich auf die prophetischen Worte, die Jesus am gleichen Tag, nämlich am Dienstag, dem 11. Nisan des Jahres 33 u. Z., geäußert hatte. Im Tempel in Jerusalem hatte er die Schriftgelehrten und Pharisäer als religiöse Heuchler gebrandmarkt und daraufhin erklärt: „Siehe, ich sende Propheten und Weise und öffentliche Unterweiser zu euch. Einige von ihnen werdet ihr töten und an den Pfahl bringen, und einige von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln und von Stadt zu Stadt verfolgen, damit alles gerechte Blut über euch komme, das auf der Erde vergossen worden ist, vom Blut des gerechten Abel an bis zum Blut Sacharjas, des Sohnes Barachias, den ihr zwischen dem Heiligtum und dem Altar ermordet habt. Wahrlich, ich sage euch: Dies alles wird über diese Generation kommen. Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind — wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel versammelt! Ihr aber habt nicht gewollt. Seht! Euer Haus wird euch verödet überlassen. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von nun an auf keinen Fall mehr sehen, bis ihr sagt: ,Gesegnet ist der, der im Namen Jehovas kommt.‘ “

      4 Bevor Jesus den Tempel oder die Anbetungsstätte verließ, äußerte er noch eine wichtige Prophezeiung. Wir lesen: „Als Jesus nun wegging und sich aus dem Tempel begab, traten jedoch seine Jünger herzu, um ihm die Bauten des Tempels zu zeigen. In Erwiderung sprach er zu ihnen: ,Seht ihr nicht alle diese Dinge? Wahrlich, ich sage euch: Keinesfalls wird hier ein Stein auf dem anderen gelassen, der nicht niedergerissen werden wird.‘ “ — Matthäus 23:34 bis 24:2.

      5. Was sagte Jesus über die Stadt Jerusalem, als er im Triumph auf sie zuritt?

      5 Nur zwei Tage zuvor, am Sonntag, dem 9. Nisan, als Jesus im Triumph auf Jerusalem zuritt, hielt er kurz vor der Stadt an und weinte über sie wegen ihres bevorstehenden Untergangs. Über ihre furchtbare Zerstörung, die die Römer dann im Jahre 70 u. Z. herbeiführten, prophezeite Jesus: „Denn es werden Tage über dich kommen, da werden deine Feinde eine Befestigung aus Spitzpfählen um dich bauen und werden dich ringsum einschließen und dich von allen Seiten bedrängen, und sie werden dich und deine Kinder in deiner Mitte zu Boden schmettern, und sie werden in dir keinen Stein auf dem anderen lassen, weil du die Zeit deiner Besichtigung nicht erkannt hast.“ — Lukas 19:41-44.

      6. Wie wirkte diese Prophezeiung auf die Jünger Christi, die natürliche, beschnittene Juden waren, und welche Fragen stiegen deshalb in ihnen auf?

      6 Diese Prophezeiung beunruhigte die Apostel Christi, die natürliche, beschnittene Juden waren. Über die Generation, der auch sie angehörten, sollte all das unschuldige Blut kommen, das während der jüdischen Geschichte und auch davor vergossen worden war. Sie wollten genau wissen, wann sich diese Prophezeiung erfüllen würde. Sie glaubten und bekannten, daß Jesus der Messias oder Gesalbte, der Christus, war. Aber die Prophezeiung über die Zerstörung Jerusalems ließ erkennen, daß der Thron seines messianischen Königreiches nicht in jener zum Untergang verurteilten Stadt sein würde. Er sprach davon, daß er „von nun an“ nicht mehr gesehen würde, aber auch davon, daß er „im Namen Jehovas“ käme. Wann würde er wieder gegenwärtig sein, um seine Aufgabe als Messias zu erfüllen? Die kommende Zerstörung Jerusalems und des Tempels müßte auch das Ende des jüdischen Systems der Dinge zur Folge haben. Wenn die heilige Stadt und der heilige Tempel zerstört würden, wären die jüdischen Priester aus dem Hause Aarons, des Leviten, vielleicht ebenfalls unter den „Kindern“ Jerusalems, die „zu Boden“ geschmettert würden, oder sie würden mindestens ihren Tempeldienst nicht mehr verrichten können. Es ist daher verständlich, daß die Apostel nicht nur Näheres über die Zerstörung der Stadt Jerusalem und ihres Tempels wissen wollten, sondern auch fragten: „Was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“

      7. Warum war die Frage der Apostel über den „Abschluß des Systems der Dinge“ berechtigt?

      7 Ihre Fragen waren berechtigt, denn Jesus war in der Zeit des „Abschlusses“ des jüdischen Systems der Dinge gekommen. Auch in anderen Bibeltexten wird diese Zeit so genannt. In Hebräer 9:26-28 wird gesagt, Jesus habe sich nicht mehrmals opfern müssen, und darauf wird erklärt: „Sonst hätte er von Grundlegung der Welt an oftmals leiden müssen. Nun aber hat er sich beim Abschluß der Systeme der Dinge ein für allemal offenbar gemacht zur Beseitigung der Sünde durch das Opfer seiner selbst. ... so wurde auch der Christus ein für allemal als Opfer dargebracht, um die Sünden vieler zu tragen.“ Auch in 1. Korinther 10:11 wird gesagt: „Diese Dinge nun widerfuhren ihnen fortgesetzt als Vorbilder, und sie sind zur Warnung für uns geschrieben worden, auf welche die Enden der Systeme der Dinge gekommen sind.“ Nachdem Jesus die obenerwähnte Prophezeiung geäußert hatte, bestand das jüdische System der Dinge nur noch 37 Jahre, also nicht einmal ganz ein Menschenalter von 40 Jahren. Jerusalem wurde am 7. Elul (30. August 70 u. Z., Gregorianischer Kalender) von den Römern erobert und zerstört. In der Bibel wird nicht berichtet, wie viele der Apostel Christi dem Märtyrertod entgingen und daher noch lebten, als die Katastrophe über Jerusalem hereinbrach.

      EINE ZEIT DER PRÜFUNG UND DES UNHEILS

      8. Was schilderte Jesus zuerst, als er die Fragen seiner Apostel beantwortete?

      8 Jesus beantwortete die Fragen seiner Apostel, indem er zuerst die Ereignisse schilderte, die noch zu Lebzeiten jener Generation zur Zerstörung Jerusalems führen würden. „Jesus gab ihnen zur Antwort: ,Seht zu, daß euch niemand irreführe; denn viele werden aufgrund meines Namens kommen und sagen: „Ich bin der Christus“ und werden viele irreführen. Ihr werdet von Kriegen und Kriegsberichten hören; seht zu, daß ihr nicht erschreckt. Denn diese Dinge müssen geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.‘ “ — Matthäus 24:4-6.

      9. Womit würde das Auftreten von Juden, die sich als Messias ausgäben, nichts zu tun haben, und welches ersehnte Ereignis würde durch diese nicht herbeigeführt werden?

      9 Es würden Juden auftreten, die behaupteten, der verheißene Messias oder Christus zu sein, nicht der als Mensch wiedergekommene Jesus. Aber weder die Apostel noch die übrigen Jünger sollten sich durch solche angeblichen Messiasse oder Christusse irreführen lassen, denn ihre Tätigkeit würde nichts mit der „Gegenwart“ oder Parusie Jesu Christi zu tun haben, noch würden sie das jüdische Volk befreien. Der Aufstand der Juden gegen die Römer im Jahre 66 u. Z. war von solchen messianischen Erwartungen getragen, aber er führte zur Zerstörung Jerusalems und zur Zerstreuung des jüdischen Volkes. Die messianischen Hoffnungen dieser irregeführten Menschen wurden grausam enttäuscht.

      10. Was sagte Jesus über Kriege, und warum sollten sich die Jünger deshalb nicht erschrecken lassen?

      10 In diesen 37 Jahren sollte es mehrere Kriege geben, Kriege in ihrer unmittelbaren Nähe und Kriege, von denen sie nur hören würden. Diese Kriege würden sich zwar auf die Lage des jüdischen Volkes auswirken, aber sie würden nicht das Ende des jüdischen Systems der Dinge herbeiführen. Die Jünger sollten sich also nicht erschrecken lassen und vorschnell handeln. Es würde „noch nicht das Ende“ sein.

      11. Was sollte nach der Vorhersage Jesu „ein Anfang der Bedrängniswehen“ sein?

      11 Jesus ging dann näher auf das ein, was er über Kriege und Kriegsberichte gesagt hatte, indem er fortfuhr: „Denn Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es wird Lebensmittelknappheit und Erdbeben an einem Ort nach dem anderen geben. Alle diese Dinge sind ein Anfang der Bedrängniswehen.“ — Matthäus 24:7, 8. Siehe auch Markus 13:8.

      12, 13. (a) Sollten sich die Dinge, die den „Anfang der Bedrängniswehen“ ausmachen würden, nur auf einen bestimmten Teil der Bevölkerung auswirken? (b) Was sollte über die Jünger Jesu kommen, weil sie den Messias verkündigen und ihm nachfolgen würden?

      12 Diese unheilvollen Ereignisse wären nur der „Anfang der Bedrängniswehen“, aber „noch nicht“ das Ende. Sie sollten lediglich Anzeichen der Katastrophe sein, nicht die Katastrophe selbst. Diese Dinge würden sich auf die Bevölkerung im allgemeinen auswirken, andere dagegen würden nur über die Jünger Jesu kommen, weil sie ihn als den wahren Messias oder Christus verkündigen und ihm nachfolgen würden. Jesus sagte:

      13 „Dann wird man euch der Drangsal überliefern und wird euch töten, und ihr werdet um meines Namens willen Gegenstand des Hasses aller Nationen sein. Dann werden auch viele zum Straucheln gebracht werden und werden einander verraten und werden einander hassen. Und viele falsche Propheten werden aufstehen und viele irreführen; und wegen der zunehmenden Gesetzlosigkeit wird die Liebe der meisten erkalten. Wer aber bis ans Ende ausgeharrt haben wird, der wird gerettet werden. Und diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen.“ — Matthäus 24:9-14. Vergleiche Markus 13:9-13.

      14. (a) Wo finden wir die Bestätigung dafür, daß sich diese Dinge noch zu Lebzeiten jener Generation ereigneten? (b) Was mußte erst vollbracht werden, bevor das Ende über Jerusalem und das jüdische System der Dinge kommen konnte?

      14 Das Bibelbuch, „Apostelgeschichte“ genannt, bezeugt, daß sich diese Prophezeiung Jesu Christi noch zu Lebzeiten jener Generation erfüllte, denn dieses Buch wurde um das Jahr 61 u. Z. verfaßt, und zwar von Lukas, dem Arzt. Andere Bibelbücher, Briefe, die unter göttlicher Inspiration von Aposteln oder Jüngern Christi vor der Zerstörung Jerusalems (70 u. Z.) geschrieben wurden, bestätigen das, was in der Apostelgeschichte berichtet wird, und enthalten noch weitere Berichte über die Leiden der Christen, die wegen ihres Glaubens überall verfolgt und gehaßt wurden. Die gute Botschaft von Gottes Königreich war über den Nahen Osten hinaus nach Kleinasien gedrungen, nach Westasien, nach Afrika, Europa und zu den Inseln des Mittelmeeres. Auf der ganzen bewohnten Erde wurde die Botschaft vom Königreich verkündigt. Dadurch wurde zwar nicht die ganze Welt zum Christentum bekehrt — ein Ziel, das nie angestrebt worden war —, aber alle Völker erhielten so ein Zeugnis. (Kolosser 1:6, 23) Erst als die Christen, die freimütig Zeugnis ablegten, diese lobenswerte Leistung vollbracht hatten, konnte das katastrophale Ende über Jerusalem und das jüdische System der Dinge kommen.

      ANZEICHEN DAFÜR, DASS DIE ZWEITE ZERSTÖRUNG JERUSALEMS BEVORSTAND

      15. Was sollte nach den Worten Jesu andeuten, daß die Zerstörung Jerusalems und des jüdischen Systems der Dinge unmittelbar bevorstände, und was sollte danach getan werden?

      15 Nachdem Jesus ziemlich eingehend besprochen hatte, was dem „Ende“ vorausgehen würde, wies er auf etwas ganz Besonderes hin, was andeuten würde, daß das Ende Jerusalems und des Systems der Dinge, das diese Stadt und ihren Tempel zum Mittelpunkt hatte, unmittelbar bevorstände. Er sagte: „Wenn ihr daher das abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht, von dem Daniel, der Prophet, geredet hat, an heiliger Stätte stehen seht (der Leser wende Unterscheidungsvermögen an), dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge zu fliehen beginnen. Wer auf dem Hausdach ist, steige nicht hinab, um die Güter aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Felde ist, kehre nicht ins Haus zurück, um sein äußeres Kleid mitzunehmen. Wehe den schwangeren Frauen und denen, die ein Kleinkind stillen in jenen Tagen! Betet unablässig, daß eure Flucht nicht zur Winterzeit erfolge noch am Sabbattage.“

      16. Warum sollten die Juden und die Proselyten, die das Christentum angenommen hatten, gemäß dem Rat Jesu dann Jerusalem und Judäa in aller Eile verlassen?

      16 Warum wäre es für die Juden und die Proselyten, die das Christentum angenommen hatten, unbedingt notwendig, in höchster Eile, ohne sich unnötig zu belasten und auf direktem Weg, solange die Zeit noch günstig wäre, die römische Provinz Judäa zu verlassen und in den Bergen außerhalb dieser Provinz Schutz zu suchen? Jesus sagt weiter: „Denn dann wird große Drangsal sein, wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird. Tatsächlich, wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.“ — Matthäus 24:15-22.

      17. (a) Warum sollten die Apostel und ihre Mitchristen diesen Rat Jesu nicht mißachten? (b) Welche bedeutsame Frage erhebt sich daher nun?

      17 Die Apostel und die übrigen Jünger sollten diesen Rat Jesu weder vergessen noch mißachten. Würde einer von ihnen, wenn er das abscheuliche Ding an heiliger Stätte stehen sähe, zögern, aus Judäa zu fliehen, so könnte es ihn das Leben kosten; dann würde er nicht zu den verhältnismäßig wenigen — zu dem „Fleisch“ — zählen, von denen es heißt, sie würden nur deshalb gerettet werden, weil die Tage der Drangsal verkürzt würden. Aber was sollte das „abscheuliche Ding“ sein, das, wenn es an heiliger Stätte stünde, das Zeichen dafür wäre, daß die verheerende „große Drangsal“ unmittelbar bevorstände?

      18, 19. (a) Wer hatte dieses „abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, schon vorhergesagt, und wo finden wir seine Worte? (b) Wie zeigte Jesus, gemäß dem Bericht des Lukas, in seiner Prophezeiung, was dieses verwüstende Ding sein würde?

      18 Jesus ließ seine Zuhörer nicht im ungewissen darüber, was er damit meinte. Er sagte, es sei das abscheuliche Ding, „von dem Daniel, der Prophet, geredet“ habe. (Matthäus 24:15) Das „abscheuliche Ding“, das der Prophet Daniel in Verbindung mit der zweiten Zerstörung Jerusalems vorhersagte, wird in Daniel 9:26, 27 beschrieben (bemerkenswert ist dieser Text besonders in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung der Hebräischen Schriften).a Die Weltgeschichte zeigt, daß es sich bei dem „abscheulichen Ding“ um das Heer der Römer unter seinem „Führer“ handelt. Daß das die richtige Erklärung der Prophezeiung ist, zeigt ein Vergleich des Berichts, den Matthäus von der Prophezeiung Jesu gibt, mit dem Bericht des Lukas. Lukas 21:20-24 lautet:

      19 „Wenn ihr ferner die Stadt Jerusalem von Heeren umlagert seht, dann erkennt, daß ihre Verwüstung nahe gekommen ist. Dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge zu fliehen beginnen, und die in ihrer Mitte sind, sollen hinausgehen, und die, die sich an Orten auf dem Lande befinden, sollen nicht in sie hineingehen; denn dies sind Tage, in denen nach dem Recht verfahren wird [oder: Tage der Vergeltung], damit alles erfüllt werde, was geschrieben steht [einschließlich der Worte aus Daniel 9:26, 27]. Wehe den schwangeren Frauen und denen, die ein Kleinkind stillen in jenen Tagen! Denn dann wird große Not im Lande sein und Zorn über diesem Volk; und sie werden durch die Schärfe des Schwertes fallen und als Gefangene zu allen Nationen geführt werden; und Jerusalem wird von den Nationen zertreten werden, bis die bestimmten Zeiten der Nationen erfüllt sind.“ (Vergleiche Markus 13:14-20.)

      20, 21. (a) Wann sahen die Judenchristen in Judäa das verwüstende Ding an „heiliger Stätte“ stehen? (b) Wie lange stand dieses verwüstende Ding dort?

      20 Vom Jahre 66 u. Z. an sahen die Judenchristen in Jerusalem und Judäa das „abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht, von dem Daniel, der Prophet, geredet hat, an heiliger Stätte stehen“, nämlich in Jerusalem und seiner Umgebung. In jenem Jahr empörten sich die Juden, die das Christentum nicht angenommen hatten, von messianischen Erwartungen erfüllt, gegen die Herrschaft der Römer. Um diese Empörung niederzuschlagen, kam der römische Feldherr Cestius Gallus von Syrien herab und ‘umlagerte Jerusalem mit Heeren’. Zu jener Zeit, nämlich vom 15. bis 21. Tischri (nach dem Gregorianischen Kalender wäre das in jenem Jahr vom 22. bis 28. Oktober gewesen), feierten die Juden das Laubhüttenfest. Cestius Gallus schlug, „fünfzig Stadien“ von der Stadt entfernt, in der das Fest gefeiert wurde, sein Lager auf. Die Juden, die gut gerüstet waren, griffen die Römer an und brachten ihnen Verluste bei.

      21 Cestius Gallus „unternahm ... zunächst drei Tage lang nichts“. Doch dann trieb er die Juden zurück in die Stadt Jerusalem und führte sein Heer nahe an die Stadt heran. Aber erst am letzten Tag des Monats Tischri (etwa am 5. November) führte er es in die Stadt hinein. Er befand sich jetzt an einem Ort, den die Juden für „heilig“ hielten. Fünf Tage lang griffen die Römer die Tempelmauer an, und am sechsten Tag begannen sie, sie zu untergraben. Das war gewiß ein Angriff auf das, was den Juden am heiligsten war. Die Römer hätten nun leicht die ganze Stadt erobern können, aber dann zog sich Cestius Gallus unbegreiflicherweise plötzlich von der Stadt zurück und ließ seine Soldaten den Rückzug antreten. Die glücklichen Juden verfolgten die sich zurückziehenden Römer, griffen sie an und brachten ihnen erhebliche Verluste bei, so daß der Rückzug mehr einer Flucht glich.b Das war für die stolzen Römer, die Welteroberer, demütigend. Doch Jerusalem war befreit! Und zur Erinnerung an dieses Ereignis prägten die Juden neue Silberschekel, die auf der einen Seite die Aufschrift „Heiliges Jerusalem“ trugen.

      22. Warum ließen sich die Judenchristen durch diese Wiederherstellung der Unabhängigkeit Jerusalems nicht täuschen, und wie brachten sie sich in Sicherheit?

      22 Ließen sich die Judenchristen, die in Jerusalem und in der Provinz Judäa wohnten, dadurch täuschen, daß dieses jüdische Gebiet wieder unabhängig wurde? Diejenigen, die sich Jesu Prophezeiung und Rat zu Herzen genommen hatten, jedenfalls nicht. Sie hatten die heilige Stadt Jerusalem von Heeren umlagert gesehen. Sie hatten das „abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, samt seinen Feldzeichen, die von den Soldaten religiös verehrt wurden, „an heiliger Stätte“ stehen sehen, „wo es nicht stehen sollte“. (Markus 13:14) Das sollte für sie das Zeichen dafür sein, daß Jerusalems „Verwüstung nahe gekommen“ war. (Lukas 21:20) Es war nun höchste Zeit, aus Jerusalem hinauszugehen (auch sollte niemand mehr in die Stadt hineingehen) und die Provinz Judäa zu verlassen und in die Berge zu fliehen, zum Beispiel ostwärts, in das Gebiet von Peräa, jenseits des Jordan. Dort, außerhalb des Kriegsschauplatzes, konnten diese Judenchristen die gute Botschaft von Gottes wahrem messianischen Königreich weiter predigen und kamen nicht mit den dem Untergang geweihten Juden, die Jesus nicht geglaubt hatten, ums Leben.

      23, 24. (a) Warum war Judäa nicht lange unabhängig? (b) Wie ernst und bedrohlich wurde die Lage Jerusalems durch die Belagerung?

      23 Doch die Juden in Judäa waren nicht lange unabhängig. Der römische Feldherr Vespasian erhielt im jüdischen Krieg anstelle des Feldherrn Cestius Gallus den Oberbefehl über die römischen Legionen, und er traf zu Beginn des darauffolgenden Jahres, 67 u. Z., in Palästina ein. Er war bestrebt, zuerst das übrige Land zu erobern, was den Juden Gelegenheit gab, ihre Befestigungen zu verstärken. Einige Zeit nach dem Tode Neros (68 u. Z.) wurde Vespasian zum Kaiser ausgerufen. Er verließ Palästina und gelangte etwa um die Mitte des Jahres 70 u. Z. nach Rom. Die Befehlsgewalt über die römischen Einheiten in Syrien hatte er Titus, seinem Sohn, übergeben. Das jüdische Passahfest des Jahres 70 rückte näher, und die nichtchristlichen Juden strömten in die Stadt Jerusalem, um dieses Fest zu feiern. Zu jenem Zeitpunkt zog der Feldherr Titus mit vier Legionen vor Jerusalem und schloß die feiernden Juden in der Stadt ein. Um die aufrührerischen Juden auszuhungern, ließ er einen etwa acht Kilometer langen Pfahlzaun oder, wie Jesus gesagt hatte, eine „Befestigung aus Spitzpfählen“ um die Stadt errichten, so daß keiner der Juden entkommen konnte.

      24 Die Lage der in Jerusalem eingeschlossenen Juden wurde immer verzweifelter. Der jüdische Schriftsteller des ersten Jahrhunderts, Flavius Josephus, schildert anschaulich, welche Schrecken die römische Belagerung zur Folge hatte. Die Reihen der Juden lichteten sich immer mehr. Würde die Belagerung zu lange dauern, dann würde niemand oder „kein Fleisch“ in der belagerten Stadt überleben. Es erfüllte sich, was Jesus über diese „große Drangsal“, von der Jerusalem und Judäa heimgesucht würden, vorausgesagt hatte: „In der Tat, wenn Jehova die Tage nicht verkürzt hätte, so würde kein Fleisch gerettet werden. Aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er die Tage verkürzt.“ — Markus 13:19, 20.

      25. (a) Wie wurden die Tage der Drangsal, die damals über Jerusalem kam, verkürzt? (b) Waren die überlebenden Juden die „Auserwählten“, von denen Jesus in seiner Prophezeiung gesprochen hatte?

      25 Durch eine Fügung dauerte die Belagerung nicht sehr lange, nur 142 Tage, vom 14. Nisan bis 7. Elul, oder nicht einmal ganz sechs Mondmonate. Am 30. August 70 u. Z. — nach dem Gregorianischen Kalender — war alles vorbei. Wie Josephus schreibt, überlebten 97 000 Juden (also etwas „Fleisch“) die Belagerung, während 1 100 000 dabei ums Leben kamen. Waren diese 97 000 überlebenden Juden die „Auserwählten“, derentwegen Jehova die Tage verkürzt hatte? Nein, es sei denn, man würde sagen, sie seien für die Gefangenschaft oder Sklaverei auserwählt gewesen. Denn es kam genauso, wie Jesus gesagt hatte: „Dann wird große Not im Lande sein und Zorn über diesem Volk; und sie werden durch die Schärfe des Schwertes fallen und als Gefangene zu allen Nationen geführt werden; und Jerusalem wird von den Nationen zertreten werden, bis die bestimmten Zeiten der Nationen erfüllt sind.“ — Lukas 21:23, 24.

      26. (a) Wer waren denn die „Auserwählten“, von denen in der Prophezeiung Jesu die Rede ist? (b) Wie wurde die Zahl der Tage der Drangsal, die über Jerusalem gekommen war, ihretwegen verkürzt?

      26 Nein, mit den „Auserwählten“, um derentwillen die Zahl der Tage der „großen Drangsal“, die über Jerusalem hereingebrochen war, verkürzt wurde, waren nicht die 97 000 gefangenen Juden gemeint, auf denen in jenen „Tagen, in denen nach dem Recht verfahren“ wurde, Jehovas großer „Zorn“ ruhte. Jehovas „Auserwählte“ waren die Judenchristen, denen er das Zeichen dafür gegeben hatte, unverzüglich aus Judäa und aus der Hauptstadt Jerusalem zu fliehen. Es war ihm daran gelegen, daß alle sicher aus der Gefahrenzone herauskämen, indem sie den Rat Jesu gläubig befolgten, sofort zu fliehen, wenn sie „das abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht, von dem Daniel, der Prophet, geredet hat, an heiliger Stätte stehen“ sehen würden. Nachdem Jehova allen diesen „auserwählten“ Jüngern seines Sohnes, Jesus Christus, dazu verholfen hatte, den Ort zu verlassen, mit dem nach göttlichem Recht verfahren werden sollte, konnte er den Vollzug seines Gerichts an den aufrührerischen Juden auf eine kurze Zeit beschränken. Er konnte so handeln, wie geschrieben steht: „Jehova wird eine Abrechnung auf der Erde halten, wird sie zum Abschluß bringen und sie abkürzen.“ (Römer 9:28; Jesaja 10:23) Mit Recht wurden somit diese Tage großer Drangsal für Jerusalem „um der Auserwählten willen“ verkürzt.

      27. (a) Erschöpfte sich die Prophezeiung Jesu in der Schilderung über die Zerstörung Jerusalems, oder schaute Jesus darüber hinaus? (b) Warum sagen wir, daß die Zeit, in der Jerusalem von den Nationen zertreten werden sollte, im Jahre 1914 endete?

      27 Aus der Weltgeschichte geht hervor, wie genau Jesus prophezeit hat. Aber die Prophezeiung Jesu erschöpft sich nicht in der Schilderung über die Zerstörung des irdischen Jerusalem, denn über das „Zeichen“ seiner Gegenwart und des „Abschlusses des Systems der Dinge“ war noch mehr zu sagen. Er schaute über die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. hinaus, denn er sagte gemäß Lukas 21:24: „Und Jerusalem wird von den Nationen zertreten werden, bis die bestimmten Zeiten der Nationen erfüllt sind.“ Jesus blickte in die Zeit, da die bestimmten Zeiten der Nationen erfüllt oder zu „Ende“ sein würden. Das bedeutet, daß er das Jahr 1914 u. Z. im Sinn hatte, denn in jenem Jahr endete die Zeit, in der das Recht Jerusalems auf ein messianisches Königreich unter dem bleibenden Erben des Königs David von den Nationen zertreten wurde. Warum sagen wir das, obwohl das wieder aufgebaute Jerusalem im Nahen Osten im Jahre 1914 immer noch unter der Herrschaft der mosleminischen Türken stand? Weil Jehova in jenem Jahr, dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen abgelaufen waren, den bleibenden Erben des Königs David auf den Thron setzte, aber nicht in dem von den Türken beherrschten Jerusalem auf der Erde, sondern im himmlischen Jerusalem. — Hebräer 12:22.

      ERFÜLLUNG AM GEGENBILDLICHEN UNTREUEN JERUSALEM

      28. In welch doppeltem Sinne muß Jesus von der Stadt Jerusalem gesprochen haben, als er auf ihre schreckliche Zerstörung hinwies?

      28 Es ist deutlich zu erkennen, daß Jesus in seiner Prophezeiung nicht nur von der buchstäblichen Stadt Jerusalem sprach, sondern daß er damit auch etwas Größeres veranschaulichen wollte, wovon sie ein Vorbild war, sonst hätte er nicht über ihre Zerstörung, die im Jahre 70 u. Z. erfolgte, gesagt: „Denn dann wird große Drangsal sein, wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird.“ (Matthäus 24:21; Markus 13:19) Jede belesene Person weiß, daß die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. nicht die schlimmste Katastrophe seit Anfang der Welt war; denn war nicht die weltweite Überschwemmung zur Zeit Noahs weit schlimmer? Und was war die Drangsal in Verbindung mit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahre 70 u. Z. im Vergleich zum Ersten und zum Zweiten Weltkrieg in unserem Jahrhundert? Jesus übertrieb nicht, sondern er dachte offensichtlich daran, daß Jerusalem ein prophetisches Vorbild von etwas Größerem wäre, ein warnendes Beispiel, das zeigte, was eine ähnliche Zerstörung für die ganze Welt bedeutete. Er dachte an das gegenbildliche untreue Jerusalem, nämlich an ein neuzeitliches Jerusalem. Und was ist das? Es ist die Christenheit mit ihren Hunderten von einander widersprechenden Religionsgemeinschaften. — 1. Korinther 10:11.

      29. (a) Worauf, außer auf die Vernichtung der Christenheit, bezieht sich die Prophezeiung Jesu noch? (b) Welche Zeitperiode entspricht daher der Zeit, die von dem Tag an, da Jesus seine Prophezeiung äußerte, bis zur Zerstörung Jerusalems dauerte?

      29 Diese Prophezeiung Jesu bezieht sich nicht nur auf die bevorstehende Vernichtung der Christenheit samt ihren Liebhabern aus den Kreisen der Politik, der Geschäftswelt, des Militärs und des Gerichtswesens, sondern auch auf die Ereignisse in der Welt, die unmittelbar zu ihrer endgültigen Vernichtung führen. Die Christenheit durchlebt jetzt, im zwanzigsten Jahrhundert, eine Zeit, die der Zeit entspricht, die von dem Tag an, da Jesus auf dem Ölberg die Prophezeiung äußerte, bis zu dem Tag dauerte, da die Römer Jerusalem und den Tempel zerstörten (70 u. Z.). Für die Christenheit begann die entsprechende Zeitperiode im Jahre 1914, als die „bestimmten Zeiten der Nationen“ abliefen. Man beachte, was seither in der Welt geschehen ist.

      30. Hat die Christenheit seit dem Jahre 1914 all das erlebt, wovon Jesus sagte, es sei der „Anfang der Bedrängniswehen“?

      30 Wie schilderte Jesus den „Anfang der Bedrängniswehen“? Sollte es dann nicht Kriege, Lebensmittelknappheit, Erdbeben und Seuchen geben? (Matthäus 24:7, 8; Markus 13:8; Lukas 21:10, 11) Welche „Kriege“, die im ersten Jahrhundert, zur Zeit der Apostel Christi, geführt wurden, können mit dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg oder mit den übrigen Kriegen, die seit 1945 u. Z., dem Ende des Zweiten Weltkrieges, geführt worden sind, verglichen werden? Waren die Hungersnöte, Erdbeben und Seuchen in den Jahren 33 bis 70 u. Z. schlimmer als die Hungersnöte, Erdbeben und Seuchen, von denen die Christenheit und die übrige Welt seit 1914, dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen zu Ende gingen, heimgesucht worden sind?

      31. (a) Was sollte nach den Worten Jesu seinen Jüngern vor der Zerstörung Jerusalems widerfahren? (b) Wer hat in der heutigen Zeit ähnliches durchgemacht wie die Jünger der damaligen Zeit?

      31 Jesus sagte auch zu seinen Aposteln, daß seine Jünger heftig verfolgt würden, daß man sie der Drangsal überliefern und töten würde, ja daß sie von allen Nationen gehaßt würden; ferner sprach er davon, daß falsche Propheten und falsche Messiasse aufstehen und daß die Menschen in wachsendem Maße die Gesetze Gottes übertreten würden, was zur Folge hätte, daß die Liebe der meisten Glaubensbekenner erkalte; ferner sprach er davon, daß es in jener Zeit für die Christen notwendig sei auszuharren. (Matthäus 24:9-13; Markus 13:9-13; Lukas 21:12-19) Im ersten Jahrhundert, zur Zeit der Apostel, traf alles das ein. Und wie sieht es seit 1914, dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen abliefen, in der Welt aus? Ist die Welt so christlich geworden, daß wahre Jünger Christi nicht mehr verfolgt werden? Gibt es eine religiöse Minderheit, die von allen Nationen „um meines [Christi] Namens willen“ mehr gehaßt wird als Jehovas christliche Zeugen? Wird jemand aus religiösen Gründen mehr verfolgt als die christlichen Zeugen Jehovas seit dem Jahre 1914? Es liegen darüber Tatsachenberichte vor, die jeder einsehen kann.

      32. Welches weitere charakteristische Merkmal sollte die apostolische Zeit bis zum Jahre 70 u. Z. noch aufweisen, und wem war es zuzuschreiben, daß sich die Prophezeiung über dieses charakteristische Merkmal erfüllte?

      32 Die apostolische Zeit bis zum Jahre 70 u. Z. wies noch ein weiteres charakteristisches Merkmal auf. In Jerusalem hatte Jesus zu den Juden, die gegen ihn gewesen waren, gesagt: „Das Königreich Gottes wird von euch genommen und einer Nation gegeben werden, die dessen Früchte hervorbringt.“ (Matthäus 21:43) Die Juden, die unter dem Einfluß falscher Messiasse standen, brachten die Früchte des Königreiches Gottes nicht hervor, denn sie verkündigten die Botschaft von diesem Königreich den Heiden nicht. Sie begannen vor der Zerstörung Jerusalems nicht, die Botschaft zu verkündigen, die Johannes der Täufer bekanntgemacht hatte, nämlich: „Das Königreich der Himmel hat sich genaht.“ Nein, das taten sie nicht, denn Jesus sagte bei seinem letzten Besuch im Tempel in Jerusalem zu den Schriftgelehrten und Pharisäern: „Ihr [verschließt] das Königreich der Himmel vor den Menschen ...! Denn ihr selbst geht nicht hinein, noch erlaubt ihr, daß die hineingehen, die sich auf dem Weg dorthin befinden.“ (Matthäus 23:13) Wem war es denn zuzuschreiben, daß die dynamisch wirkenden Worte Jesu: „Und diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen“ vor dem Jahre 70 u. Z. in Erfüllung gingen? (Matthäus 24:14; Markus 13:10) Es war seinen Jüngern zuzuschreiben, die ‘um seines Namens willen Gegenstand des Hasses aller Nationen’ waren.

      33. Wer predigt seit dem Jahre 1914 dementsprechend die gute Botschaft von Gottes Königreich allen Nationen, und welcher Unterschied besteht zwischen dieser Botschaft vom Königreich und der von der Christenheit verkündigten Botschaft?

      33 Ähnlich ist es seit 1914 u. Z., dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen endeten; auch heute ist es den Menschen, die um meines [Christi] Namens willen Gegenstand des Hasses aller Nationen“ sind, zuzuschreiben, daß die Prophezeiung Jesu über die Verkündigung der guten Botschaft von Gottes Königreich in Erfüllung geht. Sie sind es, die trotz Haß und Verfolgung die gute Botschaft von Gottes messianischem Königreich auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt haben, allen Nationen zu einem Zeugnis. Diese Botschaft lautet anders als die Botschaft vom Reiche Gottes, die die Christenheit seit ihrer Entstehung zur Zeit Kaiser Konstantins (im 4. Jahrhundert) predigt: ein Königreich im Herzen ihrer Hunderte von Millionen zählenden Kirchenmitglieder, ein Königreich „inwendig“ in ihnen, das schließlich realisiert wäre, wenn die ganze Welt zum Glauben der Christenheit bekehrt wäre. Im Gegensatz dazu ist das Königreich, das Jehovas christliche Zeugen seit 1914, dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen abgelaufen waren, verkündigen, eine Regierung, die in jenem Jahr im Himmel errichtet worden ist. Es ist das aufgerichtete Königreich Gottes unter dem bleibenden Erben des Königs David, und es wird allen nationalen Regierungen auf der Erde ein Ende machen und dafür sorgen, daß alle Bewohner der Erde ewig in Frieden und Glück leben können.

      34. (a) Diese internationale Verkündigung des Königreiches ist ein Bestandteil des „Zeichens“ wofür? (b) Welcher Katastrophe sollte diese Verkündigung des Königreiches vorausgehen?

      34 Diese bemerkenswerte Leistung der christlichen Zeugen Jehovas, nämlich die Verkündigung dieser guten Botschaft auf der ganzen bewohnten Erde, allen Nationen zu einem Zeugnis, ist bedeutsam. Sie ist ein deutlich zu sehender Bestandteil des „Zeichens“ für die „Gegenwart“ oder Parusie des regierenden Königs, Jesus Christus, im Geiste. Seit dem Jahr, in dem er im Himmel zur Rechten Gottes auf den Thron erhoben wurde, verkündigen Jehovas christliche Zeugen trotz Weltkriegen und anderer Katastrophen diese Botschaft von Tür zu Tür und mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel; sie verrichten dieses Werk also schon seit über fünfzig Jahren. Folglich muß diese weltweite Verkündigung der Botschaft von Gottes Königreich, das im Begriff ist, die Herrschaft über die Erde zu übernehmen, sehr bald beendet sein. Dieses erdenweite Predigen der Botschaft vom Königreich sollte dem „Ende“ vorausgehen. Die ganze bewohnte Erde hat jetzt die gute Botschaft vom Königreich gehört. Sie ist „allen Nationen“ zu einem Zeugnis gepredigt worden. „Und dann wird das Ende kommen“, sagte Jesus, das Ende dieses Systems der Dinge!

      „DAS ABSCHEULICHE DING, DAS VERWÜSTUNG VERURSACHT“

      35. (a) Welcher Bestandteil des „Zeichens“ bewies, daß die Verwüstung Jerusalems tatsächlich unmittelbar bevorstand? (b) Welche Frage wird hier aufgeworfen, da jene Weltmacht des ersten Jahrhunderts verschwunden ist?

      35 Ein weiterer Bestandteil des „Zeichens“ bietet die Gewähr dafür, daß sich das seit langem erwartete „Ende“ genaht hat. Jesus sagte voraus, es könnten sich in dieser kritischen Zeitperiode noch andere bestürzende Dinge ereignen, doch das bedeutete nicht, daß das Ende unmittelbar bevorstände; aber er sprach von einem unheilverkündenden Vorzeichen, das erkennen ließe, daß die Unglücksstunde bald schlüge und die Verwüstung oder das Ende über alle hereinbräche, die mit der Flucht gezögert hätten. Im ersten Jahrhundert bestand für die Bewohner der römischen Provinz Judäa das Vorzeichen darin, daß Jerusalem von Heeren umlagert wurde und das „abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, dort stand, wo es nicht stehen sollte, nämlich an „heiliger Stätte“. Das war für die Juden, die an Jesus als den Messias glaubten, die Zeit, eilends aus Judäa zu fliehen. Sehen wir indessen heute so ein „abscheuliches Ding, das Verwüstung verursacht“? Wenn es erscheint, bedeutet es für die religiöse Christenheit nichts Gutes, denn sie ist das Gegenbild des untreuen Jerusalem des ersten Jahrhunderts. Diese heilige Stadt, der Mittelpunkt der jüdischen Religion, wurde von den Streitkräften des heidnischen Rom, das nach der biblischen Geschichte die sechste Weltmacht war, verwüstet. Aber diese Weltmacht ist verschwunden.

      36. Warum muß sich das Vorgehen des abscheulichen Verwüsters auf die heute noch bestehende siebente Weltmacht auswirken?

      36 Wie im Jahre 1914, so wird die Weltbühne auch heute noch von der siebenten Weltmacht, der britisch-amerikanischen Doppelweltmacht, beherrscht. Der König oder die Königin von Großbritannien betrachtet sich als Oberhaupt der anglikanischen Kirche, und die Vereinigten Staaten von Amerika sind von ihrem Obersten Bundesgericht als „christliche Nation“ bezeichnet worden; das bedeutet, daß die siebente Weltmacht ein führender Teil der Christenheit ist, und sie verteidigt diese auch zäh. Somit muß sich das Vorgehen des abscheulichen Verwüsters auf alles, was in dieser Weltmacht mit Religion zu tun hat, auswirken.

      37. Was erfahren wir aus Offenbarung 17:9-11, das zeigt, ob die siebente Weltmacht die letzte ist oder nicht?

      37 Im letzten Buch der Heiligen Schrift wird jedoch von einer ACHTEN WELTMACHT gesprochen. Auf interessante Weise berichtet der Apostel Johannes in Offenbarung 17:9-11 über seine Vision von einem wilden Tier, das scharlachrot war und sieben Kopfe und zehn Hörner hatte und auf dem die religiöse Hure, „Babylon die Große“, ritt. Diese Verse lauten: „Hier kommt es auf den Verstand an, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe bedeuten sieben Berge, worauf das Weib sitzt. Und da sind sieben Könige: fünf sind gefallen, einer ist, der andere ist noch nicht gekommen, doch wenn er gekommen ist, muß er eine kurze Weile bleiben. Und das wilde Tier, das war, aber nicht ist, es ist auch selbst ein achter König, aber entstammt den sieben, und es geht hin in die Vernichtung.“

      38. Welche Weltmächte waren in den Tagen des Apostels Johannes bereits „gefallen“, welche Weltmacht „war“ damals, und welche sollte noch „kommen“, und wie lange sollte sie bestehen?

      38 Die sechste Weltmacht hatte den Apostel Johannes, der im ersten Jahrhundert lebte, auf die Strafinsel Patmos verbannt. Die siebente Weltmacht war noch nicht „gekommen“, denn wie die Weltgeschichte bestätigt, „kam“ sie erst im achtzehnten Jahrhundert, als Großbritannien zur führenden Handelsmacht aufstieg und die Beherrscherin der Meere wurde. Die siebente Weltmacht besteht heute also erst etwas mehr als zweihundert Jahre, und das ist im Verhältnis zur sechsten Weltmacht, die fast achtzehnhundert Jahre geherrscht hat, eine „kurze Weile“. Der siebente Kopf des scharlachfarbenen wilden Tieres versinnbildet daher die siebente Weltmacht; die anderen Köpfe stellen die vorangegangenen sechs Weltmächte dar: Ägypten, Assyrien, Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom. Jede dieser sieben Weltmächte hat sich mit der religiösen Hure, „Babylon der Großen“, dem Weltreich der falschen Religion, eingelassen. — Offenbarung 17:1-6, 18.

      39. Warum ist das kommunistische Rußland oder die Ostblockstaaten nicht die achte Weltmacht?

      39 Da von dem wilden Tier gesagt wird, es sei „auch selbst ein achter König“, versinnbildet es eine achte Weltmacht. Damit ist nicht das kommunistische Rußland gemeint oder die Ostblockstaaten, denn Rußland oder die Ostblockstaaten ‘entstammen nicht den sieben’, das heißt den sieben vorangegangenen Weltmächten. Auf die Ostblockstaaten treffen die Worte „das wilde Tier, [das] war, aber nicht ist und doch gegenwärtig sein wird“ nicht zu. — Offenbarung 17:8.

      40. (a) Wer ist also die achte Weltmacht? (b) Wann „war“ diese Weltmacht nicht, und wann war sie wieder „gegenwärtig“?

      40 Wer ist demnach die achte Weltmacht, auf der Babylon, das Weltreich der falschen Religion, bis heute reitet, wie in der Vision des Apostels Johannes die Hure, Babylon die Große, auf dem scharlachfarbenen wilden Tier ritt? Es ist die internationale Organisation für Weltfrieden und internationale Sicherheit. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde sie Völkerbund genannt, und seit dem Zweiten Weltkrieg führt sie die Bezeichnung „Vereinte Nationen“. Diese Organisation für „Weltfrieden und internationale Sicherheit“ wurde 1919, in dem ersten Nachkriegsjahr, gegründet, aber im Jahre 1939, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, verschwand sie im Abgrund, sie wurde aktionsunfähig und damit bedeutungslos. Sie „war“ während des Zweiten Weltkrieges als Mittel zur Erhaltung des Weltfriedens praktisch „nicht“ mehr. Im Jahre 1945, als der Zweite Weltkrieg endete, kam sie aus dem Abgrund herauf, allerdings führte sie jetzt einen anderen Namen: Vereinte Nationen. Seither ist diese Organisation „gegenwärtig“. Die Zahl ihrer Mitgliedstaaten beträgt jetzt 132. Diese Staaten sind alle gerüstet, fünf davon verfügen sogar über Kernwaffen.

      41. Warum sind die Vereinten Nationen keine christliche Organisation, und warum ist sie in den Augen Gottes abscheulich?

      41 Doch warum wird das symbolische wilde Tier, die achte Weltmacht, die heute den Namen Vereinte Nationen führt, mit dem „abscheulichen Ding, das Verwüstung verursacht“, identifiziert? Der Umstand, daß diese Weltmacht mit einem siebenköpfigen wilden Tier verglichen wird, auf dem eine Hure reitet, zeigt, daß sie in den Augen Gottes unrein oder etwas „Abscheuliches“ ist. Sie „entstammt den sieben“ nicht- oder vielmehr unchristlichen Weltmächten und ist daher keine christliche Organisation. Die Hälfte der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen bekennt sich nicht zum Christentum, sondern in dieser politischen Organisation sind Völker der Christenheit mit nichtchristlichen oder heidnischen Staaten vereint. Die Vereinten Nationen sind ein Teil dieser Welt, und da sie „Freunde der Welt“ sind, sind sie auch „Feinde Gottes“. (Jakobus 4:4; Johannes 8:23; 18:36) Die Personen, die diese Organisation religiös verehren, knüpfen messianische Hoffnungen daran, und sie gilt bei der Christenheit als Ersatz für das aufgerichtete messianische Königreich Gottes. Abscheulich!

      42. Wie welche Streitkräfte werden sich die Vereinten Nationen noch als ein „Ding, das Verwüstung verursacht“, erweisen?

      42 Man sagt, die Vereinten Nationen hätten viel Gutes getan. Wieso können sie daher als ein Verwüster bezeichnet werden, als ein „Ding, das Verwüstung verursacht“? Nun, die sechste Weltmacht, das Römische Reich, war bemüht, in ihrem ganzen Herrschaftsbereich den Frieden zu erhalten. Auch im Nahen Osten bemühte sie sich, die Pax Romana aufrechtzuerhalten; aber schließlich kam es doch so weit, daß die römischen Streitkräfte Jerusalem, die heilige Stadt der Juden, verwüsteten. Ähnlich verhält es sich mit der achten Weltmacht, den Vereinten Nationen. Nach den Vorhersagen hat diese noch eine Aufgabe zu erfüllen, ehe sie „in die Vernichtung“ geht. (Offenbarung 17:11) Sie wird sich noch als ein „Ding, das Verwüstung verursacht“, erweisen. Was wird sie verwüsten? Die Antwort gibt uns Offenbarung 17:15-18. Wir lesen:

      43. Wie wird das Verwüstungswerk in Offenbarung 17:15-18 sinnbildlich beschrieben?

      43 „Die Wasser, die du sahst, wo die Hure sitzt, bedeuten Völker und Volksmengen und Nationen und Zungen. Und die zehn Hörner, die du sahst, und das wilde Tier, diese werden die Hure hassen und werden sie verwüsten und nackt machen und werden ihre Fleischteile auffressen und werden sie gänzlich mit Feuer verbrennen. Denn Gott hat es ihnen ins Herz gegeben, seinen Gedanken auszuführen, ja ihren e i n e n Gedanken auszuführen, indem sie ihr Königtum dem wilden Tier geben, bis die Worte Gottes vollbracht sein werden. Und das Weib, das du sahst, bedeutet die große Stadt, die ein Königtum hat über die Könige der Erde.“

      44. Was wird also durch die Vereinten Nationen verwüstet, und was sollten einsichtige Menschen, die zu Gottes Volk gehören möchten, jetzt tun im Hinblick auf das, was verwüstet soll?

      44 Die achte Weltmacht, die Vereinten Nationen, wird zu einem „Ding, das Verwüstung verursacht“, werden, wenn sie Babylon die Große, die symbolische internationale Hure, verwüstet. Im Altertum war Babylon eine Stadt am Euphrat, daher wird Babylon die Große mit einer „großen Stadt“ verglichen. Und da Babylon die Große ein „Königtum hat über die Könige der Erde“, versinnbildet sie das Weltreich der falschen Religion. Einsichtige Menschen sollten dieses Babylon, das Weltreich der falschen Religion, verlassen, und zwar jetzt, ehe es vernichtet wird, damit sie nicht mit ihr umkommen. Unter der Einwirkung des Geistes Gottes ergeht an alle Personen, die zu Gottes Volk gehören möchten, folgende Aufforderung vom Himmel her: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, wenn ihr nicht mit ihr teilhaben wollt an ihren Sünden und wenn ihr nicht einen Teil ihrer Plagen empfangen wollt.“ — Offenbarung 18:1-4.

      45. (a) Sind Personen, die noch einer Kirche der Christenheit angehören, bereits aus Babylon hinausgegangen? Begründe deine Antwort. (b) Warum muß also die Christenheit zusammen mit Babylon der Großen vernichtet werden?

      45 Wir dürfen uns jetzt nicht täuschen lassen. Die Mitglieder der Hunderte von Religionsgemeinschaften der Christenheit dürfen nicht denken, weil sich die Christenheit angeblich zum Christentum bekennt, wären sie bereits aus Babylon der Großen hinausgegangen. Solange sie der Christenheit angehören, gehören sie zu Babylon der Großen und haben an ihren Sünden teil. Wieso? Weil die Christenheit selbst zu Babylon der Großen gehört, ja sie ist sogar der führende Teil dieses Weltreiches der falschen Religion. Ferner ist die Christenheit, die Kriege geführt und Blut vergossen hat, das gegenbildliche untreue Jerusalem, aus dem alle wahren Jünger Jesu fliehen müssen, wenn sie ihr Leben retten möchten. Denn wenn die achte Weltmacht (die Vereinten Nationen) Babylon die Große verwüstet, wird sie auch den tadelnswertesten Teil von Groß-Babylon, die Christenheit, vernichten. Menschen, die in Harmonie mit dem wahren Gott leben möchten und die das Leben lieben, müssen unverzüglich aus der Christenheit fliehen, wie die jüdischen Jünger Jesu Christi aus Judäa und Jerusalem flohen, als sie das „abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, an der Stätte „stehen“ sahen, die den Juden hochheilig war.

      46. Auf welche Weise wurden gottesfürchtige Menschen schon im Jahre 1917 warnend darauf hingewiesen, Babylon die Große zu verlassen?

      46 Seit 1914, dem Jahr, in dem die Zeit der „Gegenwart“ des regierenden Königs, Jesus Christus, begann, werden gottesfürchtige Personen warnend darauf hingewiesen, Babylon die Große zu verlassen, um nicht mit ihr vernichtet zu werden. Schon durch das Buch Das vollendete Geheimnis, das im Juli 1917, nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten von Amerika, von der Volkskanzel-Vereinigung herausgegeben wurde, wurden die Menschen gewarnt. Dieses Buch enthielt einen Vers-für-Vers-Kommentar zur Offenbarung, einschließlich des siebzehnten und achtzehnten Kapitels. Zu Beginn des darauffolgenden Jahres wurde das Buch von der Regierung verboten. Doch vorher, und zwar am Sonntag, dem 30. Dezember 1917, ließ man diese Warnung weit und breit erschallen. Das geschah am Vormittag jenes Tages durch eine gemeinsame Verbreitung des vierseitigen Traktats Der Fall Babylons (Bible Students Monthly, Band 9, Nr. 9). An jenem Sonntagnachmittag, nachdem diese scharf formulierte Flugschrift im ganzen Land verteilt worden war, wurden öffentliche Vorträge über das gleiche Thema gehalten. (Siehe The Watch Tower and Herald of Christ’s Presence vom 15. Dezember 1917, S. 370, unter der Überschrift „30. Dezember — Tag des freiwilligen Dienstes“.)

      47. (a) Was suchten die Bibelforscher schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg zu ermitteln? (b) Was schrieb der Wacht-Turm in der Ausgabe vom September 1921 darüber?

      47 Da das „abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, das neuzeitliche Groß-Babylon (einschließlich der Christenheit) vernichten sollte, suchten die Bibelforscher schon kurz nach dem Weltkrieg zu ermitteln, wer im zwanzigsten Jahrhundert dieses ,abscheuliche Ding“ oder dieser „Greuel“ sein könnte. Nachdem der Völkerbund gegründet worden war und Großbritannien das Mandat über Palästina übertragen worden war, schrieb der Wacht-Turm in der Ausgabe vom September 1921 (Seite 133) unter der Überschrift „Von dem Daniel geredet hat“:

      Wenn wir uns dessen erinnern ... und da ferner das Land Jehova gehört, dann können wir aus all diesen Tatsachen leichthin folgern, daß die erwähnten „Tiere“ [aus Offenbarung, Kapitel 13] keine Ermächtigung haben, einen gewalttätigen sogenannten Sicherheitsdienst über Palästina auszuüben. Der irdische Auftraggeber, der Völkerbund, von dessen Autorität der Britische Gouverneur sein Palästina-Mandat empfangen hat, ist in den Augen Jehovas ein Greuel. Dieser „Greuel“ ist somit nunmehr dort errichtet, w o e r v o n R e c h t s w e g e n n i c h t s e i n s o l l t e. ...

      Beachte dann das weitere bestätigende Zeichen genau als weiteren Beweis dafür, daß wir am Ende des Zeitalters angelangt sind — das Zeichen nämlich, daß der „Greuel der Verwüstung“ an heiliger Stätte aufgerichtet ist, w o e r n i c h t s e i n s o l l t e, in Gottes eigenem Besitztum. Beachte ferner, wie Jerusalem „von Armeen“ buchstäblich belagert ist — den Armeen des „anderen Tieres“. Wer es l i e s t, der merke darauf und wisse, daß wir am Ende der Welt ... sind! ...

      48. Als was erkannte man im Jahre 1926 die internationale Organisation für Weltfrieden und internationale Sicherheit, und bei welchem Anlaß?

      48 Obwohl man Matthäus 24:15 und Markus 13:14 buchstäblich anwandte, erwies sich die Schlußfolgerung, daß damals der Völkerbund der „Greuel der Verwüstung“ (EB) oder „das abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, war, als richtig. Jahre danach erkannte man die internationale Organisation für Weltfrieden und internationale Sicherheit als die in der Bibel vorhergesagte achte Weltmacht. Diese Erkenntnis wurde in dem öffentlichen Vortrag bekanntgegeben, der am Sonntag abend, den 30. Mai 1926 in der Royal Albert Hall in London (England) unter dem Thema „Warum wanken die Weltmächte? — Das Heilmittel“ gehalten wurde. Als der Redner, J. F. Rutherford, Präsident der Watch Tower Bible and Tract Society, auf das Thema „Der Völkerbund vorausgesagt“ zu sprechen kam, erklärte er unter anderem:

      Gott hat die sieben Weltmächte, Ägypten, Assyrien, Babylonien, Medo-Persien, Griechenland, Rom und das Britische Reich, vorausgesagt, und er sagte auch voraus, daß aus dem siebten ein achtes wachsen würde. Auch letzteres wird unter dem Symbol eines wilden Tieres gezeigt, weil es dem Zwecke dient, die Menschen auf Erden zu knechten. Gott sagte seine Geburt, sein kurzes Bestehen und sein ewiges Ende voraus. — Offenbarung 17:10, 11; Jesaja 8:9, 10. (Siehe Wacht-Turm vom 15. August 1926, Seite 247.)

      49. Warum wartete der Überrest der „Auserwählten“ mit seiner Flucht aus Babylon der Großen nicht, bis er diese von Streitkräften umstellt sah?

      49 Der gesalbte Überrest der „Auserwählten“ Jehovas, der den Krieg überlebt hatte, begann somit nach 1918, dem Jahr, in dem der Erste Weltkrieg endete, das „abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, zu sehen und zu begreifen, was für eine Bewandtnis es damit hatte und was sein Auftreten auf der Weltbühne bedeutete. Im Ersten Weltkrieg war er in die Gefangenschaft Groß-Babylons und seiner Liebhaber aus den Kreisen der Politik und des Militärs geraten, und nun folgte er der Aufforderung aus dem Himmel, Babylon zu verlassen. Die gottesfürchtigen Personen, die sich später dem Überrest der „Auserwählten“ Jehovas anschlossen, gehorchten dem göttlichen Gebot ebenfalls und verließen Babylon die Große (wozu auch die Christenheit gehört). Da das Gebiet der Christenheit, des gegenbildlichen untreuen Jerusalem, größer ist als das Gebiet des irdischen Jerusalem und das Gebiet von Palästina — denn es erstreckt sich über die ganze Welt —, warteten die Menschen, die daraus fliehen wollten, nicht, bis sie die Christenheit von den Streitkräften der achten Weltmacht (der internationalen Organisation für Weltfrieden und internationale Sicherheit) umstellt sahen. Die Aufforderung des Engels: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, wenn ihr nicht mit ihr teilhaben wollt an ihren Sünden und wenn ihr nicht einen Teil ihrer Plagen empfangen wollt“ erging schon zu einer Zeit, da sich das noch nicht ereignet hatte.

      50. (a) Wofür war die rechtzeitige Flucht der „Auserwählten“ Jehovas ein Anzeichen, und wem gaben sie dadurch ein gutes Beispiel? (b) Nach welcher Erfahrung des „abscheulichen Dings“ soll Babylon die Große vernichtet werden?

      50 Doch die Tatsache, daß die gesalbten „Auserwählten“ Jehovas die Flucht ergriffen, bevor sich das ereignete, war ein beachtenswertes Anzeichen dafür, daß die Verwüstung der untreuen Christenheit und des übrigen Teils Groß-Babylons nahe bevorstand, daß sie noch zu Lebzeiten der jetzigen Generation fällig war, zur Zeit der achten Weltmacht, die nur kurz, nur „e i n e Stunde“ lang, herrschen sollte. Jehovas „Auserwählte“ gaben der „großen Volksmenge“, bestehend aus Christi „anderen Schafen“, durch ihre rechtzeitige schnelle Flucht ein gutes Beispiel; und vom Jahre 1935 an bis heute haben die Glieder der „großen Volksmenge“ dieses Beispiel nachgeahmt. Es kann jetzt nicht mehr lange dauern, bis die Christenheit und der übrige Teil Groß-Babylons von den Streitkräften des „abscheulichen Dings“ verwüstet werden. Es gilt zu beachten, daß das „abscheuliche Ding“, die achte Weltmacht, Babylon die Große verwüstet, nachdem es aus dem „Abgrund“ heraufgestiegen ist. Die achte Weltmacht in Form des Völkerbundes stürzte beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, im Jahre 1939, in den „Abgrund“ — einen todähnlichen Zustand, einen Zustand der Aktionsunfähigkeit —, und im Jahre 1945 stieg sie als Vereinte Nationen wieder aus dem „Abgrund“ herauf. (Offenbarung 17:8, 11, 12) Das war vor fast dreißig Jahren. Es ist gefährlich, die Flucht noch länger hinauszuschieben!

      WARUM EINE „GROSSE DRANGSAL“, DIE OHNE BEISPIEL IST

      51. (a) Wieso wird die über das gegenbildliche untreue Jerusalem kommende Drangsal tatsächlich eine „große“ Drangsal sein? (b) Was wird mit denen geschehen, die ihre Flucht aus Babylon der Großen aufgeschoben haben?

      51 Die Verwüstung der Christenheit, des gegenbildlichen untreuen Jerusalem unserer Zeit, wird mit zu einer großen Drangsal gehören, „wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird“. (Matthäus 24:21) Die Christenheit hat Gebiete in aller Welt; sie sind weit größer als das Land Israel, dessen Hauptstadt das irdische Jerusalem ist. Das Gebiet Groß-Babylons, das „ein Königtum hat über die Könige der Erde“, ist noch größer als das Gebiet der Christenheit. Wenn die symbolischen „zehn Hörner“ und alle Mächte, die zu dem scharlachfarbenen „wilden Tier“ gehören, anfangen, die religiöse Hure, Babylon die Große, zu hassen und zu verwüsten, wird es im religiösen Bereich zu einer Katastrophe kommen, die ohne Beispiel ist und die sich auf der ganzen Erde auswirken wird. Gott wird die Christenheit ebensowenig schützen wie alles andere, was zu Babylon der Großen gehört, die sittenlos gehandelt und Blutschuld auf sich geladen hat. Die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. war entsetzlich; und da sie ein prophetisches Bild ist, wird auch die Vernichtung des Weltreiches der falschen Religion entsetzlich sein. Religionsanhänger, die der Aufforderung aus dem Himmel, Babylon die Große zu verlassen, dann nicht gefolgt, sondern aus selbstsüchtigen Gründen darin geblieben sind, werden zum Teil für ihre Sünden verantwortlich gemacht und werden mit Recht einen Teil ihrer Plagen empfangen.

      52. (a) Warum wird zur „großen Drangsal“ noch mehr gehören als nur die Vernichtung Groß-Babylons? (b) Was wird die achte Weltmacht tun, nachdem sie als Verwüster gewirkt hat?

      52 Zur „großen Drangsal“ wird aber noch mehr gehören als nur die Vernichtung Groß-Babylons. Diese Vernichtung wird nur der erste Abschnitt davon sein. Die Politiker dieser Welt sowie die Vertreter der Geschäftswelt und der Oberschicht haben mit Babylon der Großen unsittliche Beziehungen gepflegt, um sich zu vergnügen und sich materiell zu bereichern. Sie haben Anteil an ihrer Blutschuld und haben sie in ihrem Widerstand gegen Jehova Gott bestärkt und sie bei der Verfolgung der wahren Jünger Jesu Christi und der Behinderung ihrer Bemühungen, „diese gute Botschaft vom Königreich“ zu einem Zeugnis zu verkündigen, unterstützt. Dafür werden sie Gott Rechenschaft ablegen müssen. Die Politiker unterstützen auch die achte Weltmacht, die Vereinten Nationen, und ihre Länder sind Mitglieder dieser Organisation. Die unchristliche achte Weltmacht leistet Jehovas messianischem Königreich trotzig Widerstand. Sie maßt sich mit der Gutheißung der Geistlichkeit der Christenheit auf der Erde die Stellung an, die Gottes Königreich unter Christus gebührt. Nachdem diese Weltmacht Babylon die Große, der sie in Liebe zugetan gewesen war, verwüstet haben wird, wird sie in voller Gefechtsstärke gegen Jehovas regierenden König, das Lamm, Jesus Christus, einen unheiligen Krieg führen.

      53. Wieso wird das, was in Offenbarung 17:12-14 beschrieben wird, der Höhepunkt der „großen Drangsal“ sein?

      53 Diesen letzten entscheidenden Kampf beschreibt der Apostel Johannes in symbolischer Sprache wie folgt: „Und die zehn Hörner, die du sahst, bedeuten zehn Könige, die noch kein Königtum empfangen haben, aber sie empfangen Gewalt wie Könige [indem sie Mitglieder der achten Weltmacht werden] für e i n e Stunde mit dem wilden Tier. ... Diese werden mit dem Lamm kämpfen, doch wird das Lamm sie besiegen, weil er Herr der Herren und König der Könige ist. Auch die mit ihm Berufenen und Auserwählten und Treuen werden das tun.“ (Offenbarung 17:12-14) Damit, nämlich mit dem „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, Har-Magedon genannt, wird die „große Drangsal“ ihren Höhepunkt erreichen. In Offenbarung 19:11-21 wird dieser weltumfassende Krieg ausführlicher beschrieben.

      54. Mit wie vielen Feinden auf der Erde wird sich Gott, der Allmächtige, dann auf einen Kampf einlassen, und wie wird dieses Blutbad im Vergleich zu jedem früheren Blutbad sein?

      54 In diesen Krieg werden die mehr als drei Milliarden Erdbewohner verwickelt sein. Von der Überschwemmung, die 1 656 Jahre nach der Erschaffung des Menschen, zur Zeit des Patriarchen Noah, stattfand, wurden nicht so viele Menschen betroffen, obwohl sie auch weltweit war. Gott, der Allmächtige, kann in seinem „Krieg des großen Tages“ eine Kraft entfalten, die die Zerstörungskraft aller Kernwaffen der Nationen der Erde bei weitem übertrifft, und er kann sich gleichzeitig mit allen seinen Feinden auf der Erde, die gegen ihn Aufstellung genommen haben, auf einen Kampf einlassen. (Offenbarung 16:13-16) Es scheint ein Blutbad zu werden, wie es auf der Erde noch keines gegeben hat, noch je wieder geben wird. Deshalb überrascht es nicht, daß Jesus, der weit über die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. hinausschaute, sagte: „In der Tat, wenn Jehova die Tage nicht verkürzt hätte, so würde kein Fleisch gerettet werden. Aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er die Tage verkürzt.“ — Markus 13:20.

      55. (a) Wie werden die Tage der Drangsal „um der Auserwählten willen“ verkürzt werden? (b) Wer zieht aus dieser Vorkehrung Nutzen?

      55 Wie durch ein Wunder werden dennoch Menschen „gerettet werden“. Das wird möglich sein, weil Jehova die Zahl der Tage der „großen Drangsal“ „um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat“, verkürzen wird. Er verkürzt die Zahl dieser Tage nicht, indem er seine „Auserwählten“ von der Erde wegnimmt, sondern indem er veranlaßt, daß sie jegliche Partnerschaft mit dem zum Untergang verurteilten System der Dinge lösen, und zwar vor der Zeit, die er für den Beginn der „großen Drangsal“ festgesetzt hat. Auf diese Weise wird Jehova also die Zahl der Tage der Drangsal verkürzen. Er bewirkt nicht nur, daß seine gesalbten „Auserwählten“ in Sicherheit gebracht werden, indem sie unter seinen Schutz gelangen, sondern daß das auch mit der „großen Volksmenge“ geschieht, die aus schafähnlichen „gerechten“ Menschen besteht, die sogar den geringsten der geistigen Brüder Christi Gutes tun. (Matthäus 25:31-40) Nachdem Jehova Gott seine „Auserwählten“ und die „große Volksmenge“ von den bockähnlichen Menschen geschieden haben wird, kann er sein Werk „abkürzen“, das er von seinem Lamm, Jesus Christus, durchführen läßt und das darin besteht, an allen seinen Feinden, die ein Teil des weltumfassenden Systems der Dinge bleiben, Vergeltung zu üben. — Römer 9:28.

      56. Wer war das „Fleisch“ oder die Menschen, die bei der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. gerettet wurden, und zwar trotz welchen für sie ungünstigen Umstandes?

      56 Das wird zur Folge haben, daß auf der Erde „Fleisch“ oder Menschen gerettet werden. Jehova Gott, der Schöpfer, wird nicht zulassen, daß das Menschengeschlecht ausgelöscht wird, weder durch von Menschen hergestellte Kernwaffen noch durch seine himmlischen Streitkräfte, die die Hinrichtung besorgen. Als Jerusalem im Jahre 70 u. Z. zerstört wurde, wurde „Fleisch“ gerettet, indem 97 000 Juden überlebten. Diese 97 000 Juden hatten im Jahre 66 u. Z. gesehen, daß Jerusalem von einem römischen Heer umlagert war. Aber jene kurze Belagerung und das Stehen des „abscheulichen Dinges“ da, wo es nicht stehen sollte, das heißt an heiliger Stätte, gehörten nicht zu ihrer „großen Drangsal“. Die „Drangsal“ zerfiel nicht in zwei Abschnitte. Der Feldherr Cestius Gallus gab ganz unerwartet die Belagerung auf, und der Rückzug des römischen Heeres verwandelte sich bald in eine Flucht, so daß die Juden glückliche Sieger wurden. Aber diese 97 000 Juden überstanden die „große Drangsal“, die im Frühjahr des Jahres 70 u. Z. begann, nur, weil die Zahl der Tage der Drangsal verkürzt wurde. Diese 97 000 überlebten, obwohl sie nicht zu den „Auserwählten“ Jehovas gehörten. Diese Überlebenden mußten jedoch bis zu ihrem Tod irgendwo im Römischen Reich Sklavendienste leisten.

      57. Wer ist das „Fleisch“ oder die Menschen, die in der bevorstehenden „großen Drangsal“ gerettet werden, und was wird über sie gesagt werden?

      57 Die Zahl der Tage der bevorstehenden „großen Drangsal“ wird ebenfalls verkürzt werden, was verbürgt, daß wiederum „Fleisch“ gerettet werden wird. Diesmal wird es sich bei diesem „Fleisch“ aber nicht um Feinde Gottes handeln wie zur Zeit der Zerstörung Jerusalems, als rebellische Juden, die keine Christen geworden waren, überlebten. Diesmal werden alle Feinde Gottes vernichtet werden. Das „Fleisch“, das außer den „Auserwählten“ Gottes gerettet wird, ist die „große Volksmenge“, bestehend aus gehorsamen schafähnlichen Menschen, die das Gebot Gottes befolgt und das zum Untergang verurteilte System der Dinge (einschließlich der Christenheit) verlassen und sich auf seine Seite gestellt hat. Über dieses gerettete „Fleisch“, die „große Volksmenge“, die in Gottes neuer Ordnung unter der tausend Jahre dauernden Herrschaft Christi leben wird, lesen wir: „Das sind die, die aus der großen Drangsal kommen.“ (Offenbarung 7:14) Wie glücklich diese „große Volksmenge“ dann sein wird, die Drangsal überlebt zu haben! Wie barmherzig von Jehova, die Drangsal zu verkürzen!

      DER MESSIAS WARNT VOR FALSCHEN MESSIASSEN

      58, 59. (a) Wieso entsprachen die falschen Christusse, die Jesus vorhergesagt hatte, nicht den Erwartungen, und auf wen mußten die Juden deshalb nach der Zerstörung Jerusalems weiterhin warten? (b) Was sagte Jesus ferner über die Methoden, die diese falschen Christusse anwenden würden?

      58 Jesus wies in seiner Prophezeiung über das „Zeichen“ seiner „Gegenwart“ (Parusie) und des „Abschlusses des Systems der Dinge“ darauf hin, daß vor der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. falsche Christusse kommen würden. Er begann seine Prophezeiung mit diesem Thema, indem er zu seinen Aposteln, die ihn danach gefragt hatten, sagte: „Seht zu, daß euch niemand irreführe; denn viele werden aufgrund meines Namens kommen und sagen: ,Ich bin der Christus‘ und werden viele irreführen.“ (Matthäus 24:4, 5) Diese Männer, die sich als Messiasse ausgaben, erwiesen sich als falsche Messiasse, als Betrüger, denn sie befreiten Jerusalem nicht, ja es kam zu keiner Befreiung. Deshalb mußten die Juden, die nicht glaubten, daß Jesus der Messias gewesen war, nach der Zerstörung Jerusalems weiterhin auf einen Messias warten, der als Mensch käme. Die Christen dagegen, und zwar die Juden- und die Heidenchristen, mußten auf die verheißene „Gegenwart“ (Parusie) des wahren Messias, auf Jesus, den Sohn Gottes, warten. Nachdem Jesus die Zerstörung Jerusalems durch die Römer vorausgesagt hatte, beschrieb er die Methoden, die diese Betrüger anwenden würden, um Personen, die auf den Messias warteten, um sich zu scharen. Er sagte weiter:

      59 „Wenn dann jemand zu euch sagt: ,Siehe! Hier ist der Christus‘ oder: ,Dort!‘, glaubt es nicht. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, selbst die Auserwählten irrezuführen. Siehe! Ich habe euch im voraus gewarnt. Wenn man daher zu euch sagt: ,Siehe! Er ist in der Wildnis‘, geht nicht hinaus; ,Siehe! Er ist in den inneren Gemächern‘, glaubt es nicht. Denn so, wie der Blitz von östlichen Gegenden ausgeht und zu westlichen Gegenden hinüberleuchtet, so wird die Gegenwart [parousia] des Sohnes des Menschen sein. Wo auch immer der Kadaver ist, da werden die Adler versammelt werden.“ — Matthäus 24:23-28.

      60. Aus welchem Grund würde ein falscher Christus „in der Wildnis“ auftreten oder sich „in den inneren Gemächern“ aufhalten?

      60 Jesus, der „Sohn des Menschen“, wußte besser als irgend jemand anders auf der Erde, wie er kommen und wie seine Gegenwart sein würde. Er wäre nicht „hier“ oder „dort“ oder an irgendeinem bestimmten Ort auf der Erde. Er würde nicht an einem abgelegenen Ort, „in der Wildnis“, auftreten, so daß Personen, die auf den Messias warteten, sich dort, von der Obrigkeit des Landes unbemerkt, versammeln müßten, damit er sie ausbilden und mit ihnen einen politischen Umsturz vorbereiten könnte, einen Coup d’etat, worauf sie ihn zum messianischen Herrscher der Welt einsetzen würden. (Apostelgeschichte 5:36, 37; vergleiche 1. Samuel 22:1, 2.) Er würde sich aber auch nicht in „inneren Gemächern“ verborgen halten, so daß sein Aufenthaltsort nur einigen wenigen Auserwählten bekannt wäre und er sich dort unbemerkt und unentdeckt mit anderen gegen die Regierung verschwören könnte, um sie zu stürzen und sich als der verheißene Messias zum Herrscher salben zu lassen. (Vergleiche 2. Könige 9:4-14.) Ganz im Gegenteil, Jesu Ankunft als König und der Beginn der Zeit seiner Gegenwart als König sollten nicht verborgen bleiben.

      61, 62. (a) Inwiefern sollte die Parusie Christi wie ein Blitz sein? (b) Welche Worte, die Jesus hinsichtlich der Bekanntmachung seiner Parusie an seine Apostel richtete, gelten heute seinen Nachfolgern?

      61 Seine Gegenwart oder Parusie sollte eine ähnliche Wirkung haben wie ein Blitz. Aber der Grund, warum er seine Parusie mit dem Blitz verglich, liegt nicht darin, daß der Blitz plötzlich, unerwartet und nur während des Bruchteils einer Sekunde leuchtet. Der wichtige Vergleichspunkt ist nicht das plötzliche und unerwartete Zucken des Blitzes, sondern daß er ein großes Gebiet erhellt, vom östlichen bis zum westlichen Horizont. (Lukas 17:24) Der weithin leuchtende Blitz wird in Psalm 97:4 wie folgt beschrieben: „Seine Blitze erleuchteten das ertragfähige Land; die Erde sah es und wand sich schließlich in Schmerzen.“ Die Bewohner der Erde sollten in bezug auf die Parusie des Sohnes des Menschen nicht im dunkeln tappen. Allen Menschen, von Horizont zu Horizont, sollte das Licht der Erkenntnis über die Parusie des Königs vermittelt werden. Sie sollte für alle erkennbar gemacht werden, wie es ein Blitz ist, der weithin leuchtet. Die Worte, die Christus vor neunzehnhundert Jahren an seine Apostel richtete, gelten heute seinen Nachfolgern, die Kenntnis von seiner unsichtbaren Parusie haben:

      62 „Darum fürchtet euch nicht vor ihnen; denn es ist nichts zugedeckt, was nicht aufgedeckt, und nichts verborgen, was nicht bekanntwerden wird. Was ich euch im Finstern sage, das redet im Licht; und was ihr im Flüsterton hört, das predigt von den Hausdächern.“ — Matthäus 10:26, 27.

      63. (a) Was soll durch das Auftreten dieser vorhergesagten falschen Christusse und Propheten bewirkt werden? (b) Inwiefern gleichen die treuen „Auserwählten“ Adlern, die sich da versammeln, wo ein Kadaver ist?

      63 Durch das Auftreten falscher Christusse und falscher Propheten sollen, ‘wenn möglich, selbst die Auserwählten irregeführt werden’. (Matthäus 24:23-25; Markus 13:21-23) Aber die treuen „Auserwählten“ lassen sich nicht auf ein fruchtloses Unternehmen ein. Sie lassen sich nicht dazu verleiten, dahin und dorthin zu gehen, um einen Menschen, der sich als Messias ausgibt, zu sehen. Sie lassen sich nicht dazu verlocken, einem Menschen, der behauptet, Christus zu sein, und das durch großartige Kundgebungen beweisen will, anzuhangen. (Lukas 17:22, 23) Aufgrund der Heiligen Schrift wissen sie, wohin sie gehen müssen. Sie gleichen Adlern, die ein so scharfes Auge haben, daß sie aus großer Höhe ganz kleine Beutetiere erspähen können. (Hiob 39:27-29) Sie versammeln sich daher um keinen falschen Christus, der ihnen nicht die notwendige geistige Nahrung liefern würde. Wie Adler, die aus großer Höhe einen Kadaver erspähen, mit dem sie ihren Hunger stillen können, und die sich um einen solchen Kadaver versammeln, um sich daran zu sättigen, so erkennen die „Auserwählten“, wo es wahre geistige Nahrung gibt, nämlich bei dem wahren Christus zur Zeit seiner unsichtbaren Parusie, und da versammeln sie sich und erhalten geistige Nahrung. — Lukas 17:37.

      64. (a) Nur wo können falsche Christusse auftreten, und warum? (b) Wo sollte, wie Jesus weiter sagte, nach der Drangsal jener Tage sein Zeichen erscheinen?

      64 Der König Jesus Christus wird bei seiner Parusie nicht an irgendeinem Ort der Erde sichtbar als Mensch auftreten. Doch falsche Christusse tun das; etwas anderes ist solchen Christussen, Menschen aus Fleisch und Blut, auch gar nicht möglich. Ganz anders verhält es sich jedoch mit dem auferstandenen, verherrlichten Herrn Jesus Christus, der jetzt regiert. (1. Timotheus 6:14-16) Auf diese Tatsache lenkte er die Aufmerksamkeit seiner Apostel, als er mit seiner Prophezeiung fortfuhr: „Sogleich nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird sein Licht nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen im Himmel erscheinen, und dann werden sich alle Stämme der Erde wehklagend schlagen, und sie werden den Sohn des Menschen mit Macht und großer Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Und er wird seine Engel mit großem Trompetenschall aussenden, und sie werden seine Auserwählten von den vier Winden her versammeln, von dem einen äußersten Ende der Himmel bis zu ihrem anderen äußersten Ende.“ — Matthäus 24:29-31; Markus 13:24-27.

      „SOGLEICH NACH DER DRANGSAL“ HIMMELSERSCHEINUNGEN

      65. Was meinte Jesus mit der „Drangsal jener Tage“, und traten die von ihm vorhergesagten Ereignisse „sogleich nach“ der „Drangsal“, das heißt unmittelbar danach, ohne Unterbrechung, ein?

      65 Mit den Worten „sogleich nach der Drangsal jener Tage“ bezog sich Jesus offenbar auf die Tage der „großen Drangsal“, die die Römer im Jahre 70 u. Z. über die Stadt Jerusalem im Nahen Osten brachten. Doch wir können die geschichtlichen Aufzeichnungen durchsuchen, soviel wir wollen, dennoch finden wir keine Spur davon, daß die von Jesus beschriebenen Ereignisse „sogleich nach“ der Drangsal eintraten, das heißt unmittelbar danach, ohne Unterbrechung, als hätte eins ins andere gegriffen. „Das Zeichen des Sohnes des Menschen“ erschien nicht unmittelbar nach der „großen Drangsal“, die mit der Zerstörung Jerusalems endete, „im Himmel“, und die römischen Belagerer sowie die übrigen ‘Stämme der Erde schlugen sich nicht wehklagend’, weil sie den Sohn des Menschen sichtbar auf den Wolken des Himmels und mit „Macht und großer Herrlichkeit“ hätten kommen sehen. Nach zuverlässigen Geschichtsberichten belagerten die Römer, nachdem sie die heilige Stadt Jerusalem zerstört hatten, als letztes die jüdische Bergfeste Masada am Westufer des Toten Meeres; und im Jahre 73 u. Z. nahmen sie sie ein; damit war die ganze Provinz Judäa in ihrer Hand. Hatte sich Jesus demnach in dieser Beziehung geirrt?

      66. War Jesus in dieser Beziehung also ein falscher Prophet, oder was ist in Verbindung mit dem Wort „sogleich“ ohne Zweifel falsch?

      66 Nein, Jesus war in dieser Beziehung kein falscher Prophet. Da er von Gottes heiligem Geist inspiriert wurde, konnte er sich nicht irren. Was ist denn die Ursache des Problems? Zweifelsohne das allgemeine Verständnis des Ausdruckes „sogleich nach“. Offenbar bedeutet an dieser Stelle das Wort „sogleich“ dasselbe wie in Johannes 6:21. Dort wird berichtet, daß die Jünger Jesu willens waren, Jesus, der über das Wasser des Meeres von Galiläa geschritten und bis zu ihnen gekommen war, „ins Boot zu nehmen“; darauf wird gesagt: „Und sogleich war das Boot an dem Land, dem sie zusteuerten.“ Gewiß hat es einige Zeit gedauert, bis sie anlegten. Es verhält sich ähnlich wie mit dem Ausdruck „in kurzem“, den wir in Offenbarung 1:1 finden, wo es heißt: „Eine Offenbarung von Jesus Christus, die Gott ihm gab, um seinen Sklaven die Dinge zu zeigen, die in kurzem geschehen sollen.“ Mit dem Ausdruck „in kurzem“ ist die Zeitspanne gemeint, die sich von etwa 96 u. Z., als der Apostel Johannes die Offenbarung empfing, bis ins zwanzigste Jahrhundert erstreckt, die Zeit, in der die Offenbarung in Erfüllung geht. (Vergleiche, welche Zeitdauer mit dem Ausdruck „in kurzem“ gemeint ist, der in Römer 16:20 zu finden ist.)

      67. Wie ist der Ausdruck „sogleich nach“, den Jesus gebrauchte, somit zu verstehen?

      67 Um die prophetischen Worte Jesu gemäß Matthäus 24:29 mit den bekannten Tatsachen in Übereinstimmung zu bringen, müssen wir Jesu Ausdruck „sogleich nach“ so verstehen, daß damit eine Zeitspanne von Jahrhunderten übersprungen wird, die bis in unser zwanzigstes Jahrhundert hineindauert.c In dieser Zeit, das heißt während der Parusie des Sohnes des Menschen, die im Jahre 1914 u. Z. begonnen hat, ist eine Entwicklung zu beobachten und sind Dinge geschehen, die mit dem übereinstimmen, was Jesus in jenem Vers vorhergesagt hat.

      68, 69. (a) Inwiefern läßt die Weltlage seit 1914 erkennen, daß sich das erfüllt, was Jesus über die Himmelskörper vorhersagte? (b) Wieso können die Menschen wegen ihrer Unfähigkeit, aus eigener Kraft aus dieser Lage herauszukommen, mit denen verglichen werden, die in Jesaja 59:9, 10 und in Zephanja 1:17, 18 beschrieben werden?

      68 Die Historiker sind sich darin einig, daß die Menschheit seit dem Jahre 1914 u. Z. die dunkelste Zeit seit ihrem Bestehen durchlebt. Es ist so, als wäre die Sonne am Tag „verfinstert“, als gäbe nachts der Mond „sein Licht nicht“ und als wären in dieser Nacht, in der der Mond nicht scheint, auch die Sterne vom Himmel gefallen und im Dunkel der Nacht verschwunden. Für das zum Untergang verurteilte System der Dinge, einschließlich der Christenheit, leuchtet weder bei Tag noch bei Nacht ein Hoffnungsstrahl für die Zukunft. Die Unfähigkeit der Menschen — sogar der Angehörigen der Christenheit —, einen Weg zu finden, aus eigener Kraft aus der gegenwärtigen Lage, in der sich die Welt befindet, herauszukommen, wird in folgenden alten biblischen Prophezeiungen treffend veranschaulicht:

      69 „Wir hoffen ständig auf Licht, doch siehe! Finsternis, auf Lichtglanz, doch in ständigem Dunkel sind wir fortwährend gewandelt. Wir tasten fortgesetzt wie Blinde an der Wand, und wie die ohne Augen tappen wir fortwährend. Wir sind am hellen Mittag gestrauchelt so wie in der Abendfinsternis; unter den Wohlbeleibten sind wir so wie Tote.“ (Jesaja 59:9, 10) „Und ich [Jehova] will die Menschen in Bedrängnis bringen, und sie werden gewißlich wie Blinde einhergehen; denn wider Jehova haben sie gesündigt. Und ihr Blut wird tatsächlich verschüttet werden wie Staub und ihre Eingeweide wie Dung. Weder ihr Silber noch ihr Gold wird sie am Tage des Zornausbruches Jehovas zu befreien vermögen; sondern durch das Feuer seines Eifers wird die ganze Erde verzehrt werden, denn er wird eine Ausrottung aller Bewohner der Erde, ja eine schreckliche, herbeiführen.“ — Zephanja 1:17, 18.

      70. (a) Wieso kann aufgrund wissenschaftlicher Beobachtungen gesagt werden, daß es scheint, der Himmel habe sein friedliches Aussehen verloren? (b) Inwiefern sind die Kräfte der Himmel erschüttert worden?

      70 Der Himmel scheint sein friedliches Aussehen verloren zu haben. Die heutigen Wissenschaftler erklären, daß riesige atomare Fackeln, die auf der Sonne als Flecken erscheinen, gewaltige Ströme elektrisch geladener Teilchen Tausende von Kilometern in den Weltraum schleudern, die auch die Erde erreichen und sich auf sie auswirken. Unsere Erde wird ständig mit unsichtbaren Kernenergiestrahlen bombardiert, die aus unbekannten Gebieten des Weltraums einströmen. Unsere Radioteleskope fangen die von Sternen einfallende Radiofrequenzstrahlung auf, von Sternen, die auch mit Hilfe der stärksten Teleskope nicht zu sehen sind, die aber dennoch Beweise ihrer Existenz liefern. Sechsmal sind Astronauten auf dem Mond gelandet, und nun meinen einige Militärs, er könne ihnen als militärischer Stützpunkt dienen, von dem aus sie gegen ihre Feinde auf der Erde Krieg führen könnten. Und wenn wir an die Überschallkampfflugzeuge denken und an die interkontinentalen Raketen, die mit Atomsprengköpfen versehen sind, die eine entsetzliche Vernichtungskapazität haben, verstehen wir die schwerwiegende Bedeutung der Worte Jesu noch besser: „Und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden.“ (Matthäus 24:29) Der Mensch hat die Erde verlassen und ist in den Weltraum vorgedrungen und hat das Gleichgewicht in seiner Umwelt gestört.

      71. (a) Inwiefern ist das Meer ein Gebiet geworden, das Gefahren in sich birgt, und wodurch ist die Atmosphäre verschmutzt worden? (b) Auf welche Gefahr wies die Medical News-Tribune von London im Jahre 1970 warnend hin?

      71 Sogar das Meer, das früher eine verborgene Welt war, ist jetzt ein Gebiet geworden, das große Gefahren in sich birgt. Es wimmelt darin von U-Booten, die Menschen gebaut und mit den modernsten Raketen bestückt haben, so daß sie aus der Tiefe des Meeres Tod und Verderben über die wehrlose Bevölkerung des Festlandes bringen können. Außerdem nimmt die Verschmutzung des Meeres immer mehr zu, weil ihm der Mensch seinen Müll, der dem Leben im Meer zum Verhängnis wird, zuführt. Es besteht die Gefahr, daß im Meer bald nichts mehr leben kann, ähnlich wie in dem Toten Meer des Nahen Ostens, dem am tiefsten liegenden Gebiet der Erde. Gleichzeitig verschmutzt der Mensch die Atmosphäre über dem Meer und dem Festland immer mehr mit Rauch, der aus den Schloten der Industrieanlagen entweicht, sowie durch Abgase der Autos und der Flugzeuge, die dem In- und Auslandsverkehr dienen. Die in London erscheinende Medical News-Tribune (Ausgabe vom 27. März 1970) verriet einen guten Weitblick für die Konsequenzen eines solchen Handelns, als sie die Schlagzeile brachte: „Vielleicht wird die Erde im Jahre 1984 ein toter Planet sein“.

      „DAS ZEICHEN DES SOHNES DES MENSCHEN IM HIMMEL“

      72, 73. (a) Wenn nicht unser Planet, die Erde, was wird dann vernichtet, und wie? (b) Was für ein Zeichen in Verbindung mit dem Messias wurde den Juden vor neunzehnhundert Jahren gegeben, und was für ein Zeichen soll dagegen den Bewohnern der Erde gemäß seinen Worten während seiner Parusie gegeben werden?

      72 Unser Planet, die Erde, wird jedoch niemals vernichtet werden, auch nicht durch einen von Menschen entfachten Atomkrieg. Man wird von ihm nie sagen können: „Hier ruht der herrliche Planet Erde.“ Der Schöpfer der Erde wird nie zulassen, daß alles Leben auf ihr stirbt; das bedeutet, daß sie auch nie menschenleer sein wird. Vernichtet wird nur das weltweite System der Dinge, das jetzt auf der Erde besteht. Mit der Vernichtung dieses Systems wird Gott seinen messianischen König, Jesus Christus, und alle seine heiligen Engel beauftragen. Als Jesus als Mensch auf der Erde war und er sich Sohn des Menschen nannte, baten ihn die skeptischen Juden, „sie ein Zeichen vom Himmel sehen zu lassen“ zum Beweis, daß er wirklich der verheißene Messias sei. Aber er antwortete ihnen, daß sie nur ein irdisches Zeichen erhalten würden, „das Zeichen Jonas“. Dieses Zeichen wurde ihnen gegeben, als Jesus Teile von drei Tagen tot „im Herzen der Erde“ war und am dritten Tag auferstand. (Matthäus 16:1-4; 12:39, 40) Aber jetzt, in der Zeit seiner unsichtbaren Parusie im Geist, erhalten die Bewohner der Erde ein „Zeichen ... im Himmel“. Nachdem Jesus gesagt hatte, daß die Kräfte der Himmel erschüttert würden, fuhr er fort:

      73 „Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen im Himmel erscheinen, und dann werden sich alle Stämme der Erde wehklagend schlagen, und sie werden den Sohn des Menschen mit Macht und großer Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen.“ — Matthäus 24:30.

      74, 75. (a) Worauf bezieht sich das Wort „kommen“ in Matthäus 24:30, und wie geht dieses „Kommen“ vor sich? (b) Mit welcher Prophezeiung Daniels steht diese Prophezeiung von dem „Zeichen ... im Himmel“ in Verbindung?

      74 Das bezieht sich nicht auf den Beginn seiner Parusie oder auf seine Ankunft im Geist, sondern auf sein „Kommen“ (griechisch: erchómenon) zur Zeit der ‘großen Drangsal, wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat’. Der Ausdruck „auf den Wolken des Himmels kommen“ weist deutlich darauf hin, daß sein Kommen unsichtbar ist, daß er lediglich seine Aufmerksamkeit auf die Erde richtet und sie seine Kraft mit vernichtender Gewalt wird spüren lassen. Dadurch wird den Erdbewohnern klar, daß diese Vernichtung nicht von Menschen herrührt, sondern vom Himmel, vom verherrlichten Sohn des Menschen, der als Gottes Vertreter amtet. Das steht in Verbindung mit dem Zeichen im Himmel, das der Prophet Daniel sah und wie folgt beschrieb:

      75 „Ich schaute weiter in den Visionen der Nacht, und siehe da! mit den Wolken des Himmels kam gerade einer wie ein Menschensohn; und er erlangte Zutritt zu dem Alten an Tagen, und man brachte ihn nahe heran, ja vor Ihn. Und ihm wurde Herrschaft und Würde und Königtum gegeben, damit die Völker, Völkerschaften und Sprachen alle ihm dienen sollten. Seine Herrschaft ist eine auf unabsehbare Zeit dauernde Herrschaft, die nicht vergehen wird, und sein Königreich eines, das nicht zugrunde gerichtet werden wird.“ — Daniel 7:13, 14.

      76. (a) Wann begann sich diese Vision Daniels zu erfüllen? (b) Wie werden „alle Stämme der Erde“ den Sohn des Menschen „kommen“ sehen, und wer wird dann nicht mit ihnen wehklagen?

      76 Diese Vision Daniels begann sich im Jahre 1914 u. Z. unsichtbar, in den Himmeln, zu erfüllen. Zu Gottes bestimmter Zeit wird deshalb der verherrlichte Sohn des Menschen, bekleidet mit Autorität und Macht, gegen Babylon die Große (einschließlich der Christenheit) und die Nationen auf der Erde, die ihm feindlich gesinnt sind, vorgehen. Die Auswirkungen seines Vorgehens gegen sie, die sie sehen und spüren werden, werden für sie ein „Zeichen ... im Himmel“ sein. „Alle Stämme der Erde“ werden sich angesichts ihrer bevorstehenden völligen Vernichtung „wehklagend schlagen“. Der Überrest der „Auserwählten“ Gottes und die „große Volksmenge“, bestehend aus schafähnlichen Personen, die sich von Babylon der Großen und ihren Liebhabern abgesondert haben, werden nicht mit den von Furcht ergriffenen Stämmen der Erde wehklagen — die das zwar nur aus selbstischen Gründen tun —, denn sie werden zur Rechten des regierenden Königs, Jesus Christus, gestellt worden sein. — Offenbarung 7:9-17; Matthäus 25:31-40.

      ENGEL VERSAMMELN DIE „AUSERWÄHLTEN“

      77. (a) Wer wird bis zu diesem Zeitpunkt versammelt sein, und seit wann werden sie versammelt? (b) Wieso sind sie wie durch einen „großen Trompetenschall“ versammelt worden?

      77 Zu diesem Zeitpunkt wird das, was Jesus danach beschreibt, bereits ausgeführt worden sein, nämlich: „Und er wird seine Engel mit großem Trompetenschall aussenden, und sie werden seine Auserwählten von den vier Winden her versammeln, von dem einen äußersten Ende der Himmel bis zu ihrem anderen äußersten Ende.“ (Matthäus 24:31) Die „Auserwählten“ sind von den Engeln Jesu Christi während seiner Parusie versammelt worden. Im Jahre 1919, im ersten Nachkriegsjahr, begannen die „Auserwählten“, Babylon die Große, in der sie gefangen gewesen waren, zu verlassen und in ihr von Gott empfangenes geistiges Besitztum auf der Erde zurückzukehren, ähnlich wie der Überrest der Juden im Jahre 537 v. u. Z. aus Babylon in seine Heimat zurückkehrte. Seit jener Zeit ist die Botschaft von dem im Himmel aufgerichteten messianischen Königreich Gottes wie mit „großem Trompetenschall“ verkündigt worden, und an die „Auserwählten“ ist die Aufforderung ergangen, entschieden für das himmlische Königreich einzutreten und „diese gute Botschaft vom Königreich“ weltweit zu verkündigen. Wie mit einem Trompetenstoß ist die gute Botschaft in der Richtung der „vier Winde“ bekanntgemacht worden. Sie ist von dem einen äußersten Ende der Himmel bis zu ihrem anderen äußersten Ende zu hören gewesen.

      78. (a) Bei welchen Gelegenheiten konnten die Menschen besonders sehen, daß die Engel die „Auserwählten“ versammelt haben? (b) Wer vor allem hat dies erkannt und entsprechend gehandelt?

      78 Wie durch eine freundliche, einem „großen Trompetenschall“ gleichende Aufforderung haben die Engel des Himmels, die den Sohn des Menschen während seiner Parusie begleiten, seine „Auserwählten“ von allen Teilen der Erde her versammelt. Daß sie versammelt worden sind, kann jeder sehen; ein offenkundiger Beweis dafür sind besonders die großen Kongresse gewesen, die veranstaltet worden sind, angefangen von der Hauptversammlung der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung, die vom 1. bis 8. September 1919 stattfand, bis zu den internationalen Kongressen, die Jehovas Zeugen im Jahre 1973 auf der ganzen Welt unter dem Motto „Göttlicher Sieg“ veranstaltet haben. (Siehe Ankündigung der Kongresse in der ganzen Welt im Wachtturm vom 1. Mai 1973, Seite 288.) Vor allem die „große Volksmenge“ hat erkannt, daß die „Auserwählten“ während der Parusie Christi von den Engeln versammelt worden sind, und auch sie stellt sich auf die Seite des messianischen Königreiches Jehovas und kommt mit den versammelten „Auserwählten“ zusammen und unterstützt sie bei ihrer Arbeit.

      79. Was werden, nach dem zu schließen, was sich von der Prophezeiung Jesu bisher erfüllt hat, die Stämme der Erde nun bald tun?

      79 Das, was sich von der Prophezeiung Jesu über den „Abschluß des Systems der Dinge“ bisher erfüllt hat, ist für seine Jünger ein deutliches Anzeichen dafür, daß die Zeit sehr nahe herbeigekommen ist, da „alle Stämme der Erde“ sich angesichts dessen, was ihnen von seiten des verherrlichten Sohnes des Menschen droht, „wehklagend schlagen“ werden.

      EIN GLEICHNIS, DAS ERKENNEN HILFT, DASS SIE NAHE BEVORSTEHT

      80. Welche Worte, die Jesus an dieser entscheidenden Stelle seiner Prophezeiung äußerte, brauchen wir nur zu beachten, um zu wissen, daß die „große Drangsal“ gefährlich nahe bevorsteht?

      80 Wir brauchen weder Tag noch Stunde, noch genau das Jahr zu wissen, in dem die „große Drangsal“ über das ganze „System der Dinge“ hereinbrechen wird. Wir brauchen nur das zu beachten, was Jesus an dieser entscheidenden Stelle seiner Prophezeiung sagte, um zu wissen, daß dieses Ereignis gefährlich nahe bevorsteht: „Von dem Feigenbaum als Gleichnis lernt nun folgendes: Sobald sein junger Zweig weich wird und er Blätter hervortreibt, erkennt ihr, daß der Sommer nahe ist. Ebenso erkennt auch ihr, wenn ihr alle diese Dinge seht, daß er nahe an den Türen ist. Wahrlich, ich sage euch, daß diese Generation auf keinen Fall vergehen wird, bis alle diese Dinge geschehen. Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden auf keinen Fall vergehen.“ — Matthäus 24:32-35.

      81. Gestützt worauf, können wir, die Angehörigen dieser Generation, erkennen, daß sich die Prophezeiung Jesu über das „Zeichen“ nun bald vollständig erfüllt hat?

      81 Was muß sich von der Prophezeiung Jesu noch erfüllen, damit wir, die wir zu der Generation gehören, die den Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 erlebt hat, erkennen, daß „er nahe an den Türen ist“? Brauchen wir noch mehr Beweise? Wir sind nicht beunruhigt, denn wir werden nicht in Unkenntnis über die Bedeutung dessen gelassen, was sich seit 1914, dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen endeten, auf der Erde ereignet hat. Als vernünftige Personen, die die Bibel mit Verständnis erforschen, sind wir überzeugt, daß die Erfüllung der letzten Einzelheiten der Prophezeiung Jesu über das „Zeichen“ seiner „Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge“ nahe bevorsteht. — Matthäus 24:3.

      82. Wie sollten wir nach den Worten Jesu auf das reagieren, was sich während seiner Parusie in der Welt ereignet?

      82 Bedrückt dich diese Erkenntnis? Raubt sie dir die Lebensfreude? Sie sollte es nicht, und sie tut es auch nicht. Jesus sagte seinen Jüngern, wie sie auf das reagieren sollten, was sich während seiner unsichtbaren Parusie in der Welt ereignen würde. Er erklärte: „Auch wird es Zeichen an Sonne und Mond und Sternen geben und auf der Erde Angst und Bangen unter den Nationen, die wegen des Tosens des Meeres und seiner Brandung weder aus noch ein wissen, während die Menschen ohnmächtig werden vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über die bewohnte Erde kommen; denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann werden sie den Sohn des Menschen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit kommen sehen. Wenn aber diese Dinge zu geschehen anfangen, dann richtet euch auf und hebt eure Häupter empor, denn eure Befreiung naht.“ — Lukas 21:25-28.

      83. Was sollten die „Auserwählten“ und die „große Volksmenge“ jetzt nicht tun, und was bedeutet die Befreiung für sie?

      83 Haben wir, die Angehörigen dieser Generation, gesehen, daß „diese Dinge zu geschehen“ anfingen? Haben wir gesehen, daß sich „diese Dinge“ in den Jahrzehnten nach 1914 u. Z. zugetragen haben? Da wir das alles gesehen haben, gibt es für uns keinen Grund, von „Angst und Bangen“ erfüllt zu sein wie die Nationen. Wir haben keinen Grund, das Joch Groß-Babylons (einschließlich der Christenheit) noch länger zu tragen. Es ist Zeit, uns als freie Anbeter Gottes, des Höchsten, des Souveränen Herrn Jehova, aufzurichten. Es ziemt sich nicht mehr, den Kopf hängenzulassen. Jetzt ist die Zeit gekommen, unser Haupt zu erheben und im hellen Licht der Heiligen Schrift, in der die Prophezeiung Jesu enthalten ist, die Beweise dafür zu erkennen, daß der Menschheit eine verheißungsvolle Zukunft winkt. Diese Beweise lassen nur eine Deutung zu: Die Befreiung ist herbeigekommen! Für Gottes „Auserwählte“ und für die „große Volksmenge“, die mit ihnen Jehova anbetet, bedeutet das Geborgenheit während der bevorstehenden „großen Drangsal“. Wenn wir unter dem Schutz Gottes die „große Drangsal“ überlebt haben werden, wird das gegenwärtige todbringende System der Dinge in Trümmern liegen, aus denen es sich nie mehr erheben wird. Doch für uns beginnt dann das Leben in Gottes unvergleichlichem neuen System der Dinge!

      [Fußnoten]

      a Daniel 9:26, 27 lautet: „Und nach den zweiundsechzig Wochen soll der Messias umgebracht werden, obwohl er kein Verbrechen begangen hat; und er wird, mit dem kommenden Herrscher, die Stadt und das Heiligtum zerstören. Sie werden mit einer Flut zerstört werden, bis hin zum Ende des Krieges, nach festbeschlossenem Verlauf, mit Verwüstungen. Nun wird e i n e Woche für viele einen Bund bestätigen, und in der Hälfte dieser Woche wird mein Schlachtopfer und Trankopfer weggenommen werden. Und im Tempel wird ein Greuel der Verwüstungen sein, und am Ende einer Zeit wird dieser Verwüstung ein Ende gemacht werden“ (The Septuaginta Bible von Charles Thomson).

      b Flavius Josephus, Geschichte des jüdischen Krieges, 2. Buch, 19. Kapitel, Abschnitt 1 bis 7.

      c Siehe Wachtturm vom 1. März 1971, Seite 150 und 151, die Absätze 30 und 31. Da Jesus in der gleichen Prophezeiung gemäß Matthäus 24:36 sagte, daß von „jenem Tage und jener Stunde“, da er käme, um das gegenwärtige System der Dinge zu vernichten, niemand Kenntnis habe, konnte auch niemand sagen, wieviel Zeit mit dem Ausdruck „sogleich nach“ gemeint war, die nach der Zerstörung Jerusalems verstreichen würde. Wir, die wir neunzehnhundert Jahre später leben, verstehen, daß mit jenem Ausdruck eine lange Zeitperiode überbrückt wurde. Wir stellen fest, daß im entsprechenden Vers des analogen Berichts bei Markus das Adverb „sogleich“ vor der Präposition „nach“ nicht erscheint. — Markus 13:24.

  • Der „Sklave“, der noch lebte, als das „Zeichen“ zu sehen war
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 17. Kapitel

      Der „Sklave“, der noch lebte, als das „Zeichen“ zu sehen war

      1. In welcher Hinsicht sollte der Mensch gemäß dem Bericht über die Erschaffung der als Lichter dienenden Himmelskörper wie Gott sein?

      GOTT, der Schöpfer des Menschen, mißt die Zeit. Er wollte, daß auch der Mensch die Zeit messe. Im Schöpfungsbericht, den wir im ersten Kapitel seines inspirierten Wortes finden, lesen wir: „Und Gott sprach weiter: ,Es sollen Lichter in der Ausdehnung der Himmel werden, um eine Scheidung zwischen dem Tag und der Nacht herbeizuführen; und sie sollen als Zeichen und zur Bestimmung von Zeitabschnitten dienen und für Tage und Jahre. Und sie sollen als Lichter in der Ausdehnung der Himmel dienen, um auf die Erde zu leuchten.‘ Und so wurde es. Und Gott ging daran, die zwei großen Lichter zu machen, das größere Licht zur Beherrschung des Tages und das geringere Licht zur Beherrschung der Nacht, und auch die Sterne.“ (1. Mose 1:14-16) In der Heiligen Schrift finden wir daher eine Zeitrechnung der Menschheitsgeschichte, in der nach Zeitabschnitten und Tagen und Jahren gezählt wird.

      2, 3. (a) Wieso reicht die Zeitrechnung der Bibel sogar bis zum Jahre 1914 u. Z.? (b) Was sagte Jesus über sein Kommen zur Zeit der „großen Drangsal“, die während seiner Parusie über die Menschheit hereinbrechen sollte?

      2 Die biblische Zeitrechnung beginnt mit der Erschaffung des Menschen im Garten Eden und reicht bis zu feststehenden Daten der Weltgeschichte. Die Bibel enthält sogar Prophezeiungen, in denen Zeitperioden vorausgesagt wurden, die weit in die Zukunft reichten, bis zu dem Jahr 1914 u. Z., in dem die „sieben Zeiten“, in denen die Nationen ununterbrochen über die Menschheit herrschen konnten, abliefen. (Daniel 4:16, 23, 25, 32; Lukas 21:24) In jenem Jahr begann die Zeit der Parusie oder „Gegenwart“ des verherrlichten Jesus Christus, der im Himmel ist. Jesus sagte, daß es während seiner Parusie eine „große Drangsal“ geben werde, wie es noch nie eine gegeben habe, aber er sagte nicht voraus, an welchem Tag und zu welcher Stunde diese beispiellose Katastrophe über die Menschheit hereinbrechen werde. Er erklärte:

      3 „Von jenem Tage und jener Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel der Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater. Denn geradeso wie die Tage Noahs waren, so wird die Gegenwart des Sohnes des Menschen sein. Denn so, wie sie in jenen Tagen vor der Sintflut waren: sie aßen und tranken, Männer heirateten und Frauen wurden verheiratet bis zu dem Tage, an dem Noah in die Arche hineinging, und sie nahmen keine Kenntnis davon, bis die Sintflut kam und sie alle wegraffte: so wird die Gegenwart des Sohnes des Menschen sein. Dann werden zwei Männer auf dem Felde sein: einer wird mitgenommen und der andere zurückgelassen werden; zwei Frauen werden an der Handmühle mahlen: die eine wird mitgenommen und die andere zurückgelassen werden. Wacht deshalb beharrlich, weil ihr nicht wißt, an welchem Tage euer Herr kommt [griechisch: érchetai].“ — Matthäus 24:36-42; Markus 13:32, 33.

      4. Wie, zu wessen Zeit und in welchen besonderen Tagen sollten die gesellschaftlichen Verhältnisse während der Parusie Jesu sein?

      4 Gemäß dieser Prophezeiung sollten auf der Erde während der unsichtbaren Parusie des Herrn Jesus Christus unter den Menschen die gleichen gesellschaftlichen Verhältnisse herrschen wie zur Zeit Noahs, wie vor der weltweiten Sintflut. Mit dem Ausdruck „die Tage Noahs“ meinte Jesus offensichtlich die „Tage vor der Sintflut“, in denen Noah auf Gottes Geheiß hin die Arche baute. Für die Menschen, die vor der Sintflut lebten, gab es nichts anderes, was etwas Besonderes gewesen wäre und was ihnen als Anzeichen dafür gedient hätte, daß zu Lebzeiten ihrer Generation eine Sintflut käme, und wovon sie hätten Kenntnis nehmen können. Zeitlich wären die besonderen „Tage Noahs“, in denen die Arche gebaut wurde, in die letzten hundert Jahre seines Lebens vor der Sintflut einzuordnen, denn die Sintflut begann im sechshundertsten Jahre Noahs, und über Noah lesen wir: „Noah wurde fünfhundert Jahre alt, und danach wurde Noah der Vater von Sem, Ham und Japhet.“ — 1. Mose 5:32; 7:11.

      5. (a) Welchen weiteren Hinweis darauf, daß die „Tage Noahs“, in denen die Arche gebaut wurde, eine begrenzte Zeit waren, haben wir? (b) Was beweist ein Vergleich mit den „Tagen Noahs“ hinsichtlich der Bedeutung der Parusie?

      5 Einen weiteren zeitlichen Hinweis finden wir in dem Auftrag, den Noah erhielt, seine Frau und seine drei Söhne und die ‘Frauen seiner Söhne’ mit in die Arche zu nehmen. (1. Mose 6:18) Das zeigt, daß die drei Söhne Noahs bereits verheiratet waren, als mit dem Bau der Arche begonnen wurde. Bei der Zeit, in der die Menschen davon Kenntnis nehmen konnten, daß etwas Ungewöhnliches vor sich ging, mochte es sich ungefähr um die letzten fünfzig Jahre vor der weltweiten Katastrophe gehandelt haben. Jedenfalls waren die den Menschen eingeräumten „Tage“, in denen sie „Kenntnis davon“ hätten nehmen oder der Sache hätten Aufmerksamkeit schenken können, ziemlich lang. Da Jesus sagte: „So wird die Gegenwart [parousía] des Sohnes des Menschen sein“, muß auch die unsichtbare Parusie Christi eine längere Zeitspanne sein und kann sich nicht auf den Zeitpunkt beziehen — auf eine gewisse Stunde eines bestimmten Tages —, an dem die „große Drangsal“ beginnt. Diese Ansicht über die Parusie deckt sich mit folgenden Worten Jesu, die wir im analogen Bericht, in Lukas 17:26, lesen: „Übrigens, so, wie es in den Tagen Noahs geschah, wird es auch in den Tagen des Sohnes des Menschen sein.“ Die Tage, in denen Noah die Arche baute, endeten damit, daß er und seine Angehörigen in den gewaltigen Kasten hineingingen, und so wird auch die unsichtbare Parusie Christi, nachdem sie eine Zeitlang gedauert hat, enden, indem sie in einer weltweiten „großen Drangsal“ ihren Höhepunkt erreicht.

      6. (a) In welcher Beziehung würde, wie Jesus sagte, die Zeit seiner Parusie den Tagen Noahs gleichen? (b) Was war also das Verkehrte an der Handlungsweise jener Menschen?

      6 In den Tagen Noahs war die Erde mit Gewalttat erfüllt, und sie war verderbt. (1. Mose 6:11, 12) Das war natürlich tadelnswert, es war verwerflich! Aber Jesus bezog sich nicht darauf, als er erklärte, daß zwischen den Tagen Noahs und den Tagen seiner Parusie oder „Gegenwart“ eine Ähnlichkeit bestehe, sondern er sagte: „Sie aßen, sie tranken, Männer heirateten, Frauen wurden verheiratet bis zu dem Tag, da Noah in die Arche hineinging und die Flut kam und sie alle vernichtete.“ (Lukas 17:27) Die hier erwähnten Dinge sind an und für sich nicht verkehrt. Was taten denn die Menschen damals, was verkehrt war? Sie ließen sich von den Dingen, die zu einem normalen Leben gehören, zu sehr in Anspruch nehmen und schenkten der göttlichen Botschaft, die Noah verkündigte, keinen Glauben; sie nahmen Noah, der durch den Bau der Arche seinen Glauben bewies und für die Wahrhaftigkeit seiner Botschaft bürgte, nicht ernst. (Hebräer 11:7) Daß es das war, was an der Handlungsweise dieser Menschen verkehrt war, zeigte Jesus wie folgt: „Und sie nahmen keine Kenntnis davon, bis die Sintflut kam und sie alle wegraffte.“ — Matthäus 24:39.

      7. (a) Weshalb waren die Menschen, die in der Sintflut umkamen, verurteilt worden? (b) Inwiefern weisen die Menschen seit 1914 das gleiche Merkmal auf?

      7 Die Menschen, die in der weltweiten Sintflut umkamen, waren verurteilt worden, weil sie ungerecht und ohne Glauben waren. Sie waren gottlos. Deshalb hielt Gott „sich nicht davon zurück, eine ehemalige Welt zu strafen, sondern hielt Noah, einen Prediger der Gerechtigkeit, mit sieben anderen in Sicherheit, als er eine Sintflut über eine Welt gottloser Menschen brachte“. (2. Petrus 2:5) Jesu prophetische Worte: „So wird die Gegenwart des Sohnes des Menschen sein“ veranlassen uns, die Handlungsweise und Einstellung der Menschen heute, während seiner Parusie oder unsichtbaren „Gegenwart“, näher zu prüfen. Stellt Jehova bei ihnen den gleichen Mangel an Glauben fest? Lassen sie sich von den Dingen, die zu einem normalen Leben gehören, wie Essen, Trinken, Heiraten und Verheiratetwerden, ebenfalls über Gebühr in Anspruch nehmen, und sind sie gleichgültig gegenüber dem, was eine kleine Gruppe von Menschen sagt und tut, die mit Noah und den sieben übrigen Gliedern seiner Familie verglichen werden könnte? Seit fast sechzig Jahren — von 1914 u. Z. an, dem Jahr, in dem die Parusie Christi begann — verkündigen Jehovas „Auserwählte“, denen sich später eine „große Volksmenge“, bestehend aus schafähnlichen Personen, angeschlossen hat, weltweit die Botschaft vom aufgerichteten Königreich Gottes und vom Herannahen der „großen Drangsal“, aber die Menschen haben diese Botschaft im großen und ganzen nicht beherzigt.

      8. (a) An welchem Tag der letzten Woche gingen Noah und seine Angehörigen endgültig in die Arche, und was geschah danach? (b) Wovor werden wir heute dadurch gewarnt?

      8 Zur Zeit Noahs wurden in der letzten Woche vor der Sintflut die Landtiere und Vögel in die Arche gebracht, die am Leben erhalten werden sollten. Am letzten Tag jener entscheidenden Woche, am siebzehnten Tag des zweiten Monats (nach dem Kalender Noahs) des Jahres 2370 v. u. Z., ging Noah mit seinen sieben Angehörigen in die Arche. „Danach schloß Jehova die Tür hinter ihm zu.“ (1. Mose 7:1-16) Dieses Zuschließen gereichte Noah und seiner Familie zur Rettung, den übrigen Menschen aber, die allzusehr mit sich selbst beschäftigt waren, zum Verderben. Jesus führt das als ein warnendes Beispiel für alle seine Jünger an, die in den Tagen seiner Parusie oder „Gegenwart“ leben würden. Deshalb liegt es uns fern, diese Welt gottloser Menschen, die sich durch Selbstsucht und Achtlosigkeit sowie Unglauben und Gleichgültigkeit auszeichnen, nachzuahmen. Wenn wir achtlos sind und so handeln, daß wir zur Erfüllung der Prophezeiung Jesu beitragen, wird das zur Folge haben, daß wir mitsamt der gottlosen Welt vernichtet werden. Wer nicht wachsam ist, wird an einem Tag und zu einer Stunde, die heute noch unbekannt sind, von der vernichtenden „großen Drangsal“ überrascht werden.

      GETRENNT, UM LEBEN ZU ERLANGEN ODER VERNICHTUNG ZU ERLEIDEN

      9. (a) Wie zeigte Jesus, daß die Menschen nicht wahllos gerettet oder vernichtet werden? (b) In welcher Hinsicht ist es wichtig, scharfsichtig zu sein wie die Adler?

      9 Zu jener Zeit werden die Menschen nicht wahllos gerettet oder vernichtet werden, sondern es wird eine Auslese getroffen werden; sogar Personen, die der gleichen weltlichen Beschäftigung nachgehen — dem Bestellen eines Feldes oder dem Mahlen von Getreide zu Hause —, werden getrennt werden. Jesus sagte: „Dann werden zwei Männer auf dem Felde sein: einer wird mitgenommen und der andere zurückgelassen werden; zwei Frauen werden an der Handmühle mahlen: die eine wird mitgenommen und die andere zurückgelassen werden.“ (Matthäus 24:40, 41) Einige Wochen bevor Jesus diese Prophezeiung äußerte, hatte er etwas Ähnliches gesagt, worauf seine Zuhörer ihn gefragt hatten: „Wo, Herr?“ Darauf hatte er geantwortet: „Wo der Leib ist, da werden auch die Adler versammelt werden.“ (Lukas 17:34-37) Somit handelt es sich bei denen, die „mitgenommen“ werden und so Rettung erlangen, um alle die, die in geistigen Dingen scharfsichtig sind wie Adler und zu dem geistigen Festmahl kommen, das Jehova an dem Ort, an dem sie in Sicherheit sind, bereitet hat. Bei denen, die zur Vernichtung zurückgelassen werden, handelt es sich um Personen, die keine Kenntnis davon nehmen, daß sich die Prophezeiung Jesu erfüllt, die gleichgültig sind und in ihrem Leben nur egoistische Ziele verfolgen. Sie suchen sich selbst, ihre Seele, durch weltliche Mittel am Leben zu erhalten, doch in der „großen Drangsal“, die plötzlich über sie hereinbrechen wird, werden sie ihre Seele verlieren.

      10. Wie betonte Jesus, daß wir nicht wie die Menschen der Welt sein sollten, die zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind?

      10 Wir wagen es nicht, so zu handeln wie die Menschen der Welt, auch nicht wie die Angehörigen der Christenheit, denn sie handeln ähnlich wie die Menschen in den Tagen Noahs, die zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. In unserem Interesse betonte Jesus die Lehre, die man aus seinem Gleichnis ziehen sollte, indem er erklärte: „Wacht deshalb beharrlich, weil ihr nicht wißt, an welchem Tage euer Herr kommt [griechisch: érchetai].“ (Matthäus 24:42) Wenn wir glauben, daß der Herr seit 1914 u. Z. gegenwärtig ist, haben wir um so mehr Grund, wachsam und auf der Hut zu sein, damit wir nicht mit falschen Dingen beschäftigt sind, wenn die „große Drangsal“ hereinbricht.

      11, 12. (a) Warum sagte Jesus seinen Jüngern nicht genau, zu welcher Zeit er käme, um in der „großen Drangsal“ als Jehovas Urteilsvollstrecker zu amtieren? (b) Was würde es gemäß dem Gleichnis Jesu für uns bedeuten, von der „großen Drangsal“ wie von einem Dieb in der Nacht überrascht zu werden?

      11 Der Herr Jesus sagte seinen Jüngern nicht, an welchem Tag und zu welcher Stunde des gewissen Monats und Jahres er komme (griechisch: érchetai) und in der ‘großen Drangsal, wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben habe’, als Jehovas Urteilsvollstrecker amtieren werde. Er läßt keinen seiner Jünger den genauen Zeitpunkt wissen, denn sonst könnten sie sorglos werden und sich bis fast auf die letzte Minute mit weltlichen Dingen beschäftigen und sich dann unmittelbar vor dem ihnen bekannten genauen Zeitpunkt, plötzlich den Schein der Frömmigkeit geben und beginnen, den ihnen von Gott gebotenen Dienst zu verrichten. Nein, er hat uns über den genauen Zeitpunkt im ungewissen gelassen, und dieser Umstand zwingt uns, ständig wachsam zu sein. Wären wir nicht damit beschäftigt, Gott in Reinheit anzubeten, so würden wir schließlich von der „großen Drangsal“ wie von einem Dieb überrascht und würden einen unersetzlichen Verlust erleiden. Daher sagte Jesus:

      12 „Doch erkennt e i n e s, daß der Hausherr, wenn er gewußt hätte, in welcher Wache [der Nacht] der Dieb kommen würde, wach geblieben wäre und nicht in sein Haus hätte einbrechen lassen. Deswegen erweist auch ihr euch als solche, die bereit sind, denn zu einer Stunde, da ihr es nicht denkt, kommt [griechisch: érchetai] der Sohn des Menschen.“ — Matthäus 24:43, 44.

      13. (a) Was bezweckt der Herr damit, daß er seine Jünger im ungewissen darüber läßt, wann er kommt, um im Auftrag Jehovas Vergeltung zu üben? (b) Was müssen wir daher unbedingt tun?

      13 Was bezweckt Jesus also damit, daß er seine Jünger im ungewissen darüber läßt, wann er kommen würde, um im Auftrag Jehovas an diesem System der Dinge — an dessen religiösem und politischem Teil sowie an seiner Gesellschaftsordnung — Vergeltung zu üben oder damit nach dem Recht zu verfahren? Er bezweckt damit, daß alle, die behaupten, Jünger Christi zu sein, beweisen müssen, ob sie echte Christen sind, die ihren Glauben tagtäglich betätigen und stets mit dem Predigen der guten Botschaft von Gottes messianischem Königreich beschäftigt sind und sich fortwährend bemühen, „Jünger aus Menschen aller Nationen“ zu machen, oder ob sie nur Opportunisten sind. Mit anderen Worten: Warten sie so lange, bis sie merken, daß sie nicht mehr länger warten dürfen, und beginnen dann, etwas zu tun, wobei sie sich den Anschein geben, als ob sie in dem Gott wohlgefälligen Werk stets emsig beschäftigt gewesen wären? Da „der Sohn des Menschen“ zu einer Stunde kommt, „da ihr es nicht denkt“, ist es unerläßlich, daß wir zu jeder Stunde wachsam sind und Gott so anbeten und ihm so dienen, wie es unserem Herrn wohlgefällig ist.

      „DER TREUE UND VERSTÄNDIGE SKLAVE“

      14. Welche Frage stellte Jesus nun, durch die seine Zuhörer veranlaßt wurden zu entscheiden, was sie sein wollten?

      14 Der Herr Jesus hatte davon gesprochen, daß seine Jünger wachsam und stets bereit sein müßten. Nun stellte er eine Frage, die jeden seiner Jünger veranlaßte, sich zu prüfen, um festzustellen, ob er dem Messias Jehovas ergeben sei und in dessen Dienst Klugheit, Voraussicht und Unterscheidungsvermögen bekunde. Jeder Jünger konnte selbst entscheiden, was für ein Sklave er sein wollte, als er die Frage hörte, die der Herr stellte: „Wer ist in Wirklichkeit [oder: Wer also ist] der treue und verständige Sklave, den sein Herr über seine Hausknechte gesetzt hat, um ihnen ihre Speise zur rechten Zeit zu geben?“ — Matthäus 24:45.

      15. (a) Warum stellte Jesus die Frage hinsichtlich eines Sklaven, der treu sein würde? (b) Welche Frage erhebt sich in bezug auf die Identität dieses Sklaven, und was wird in Meyers Handbuch über Matthäus hierzu gesagt?

      15 Da Jesus aus den inspirierten Prophezeiungen des Wortes seines Vaters wußte, daß es Empörer geben würde, die vom wahren christlichen Glauben abfallen und den christlichen Dienst aufgeben würden, stellte er mit Recht diese forschende Frage, die einen jeden seiner Jünger anging. Zeigt die Formulierung dieser Frage jedoch, daß er von einer bestimmten Person sprach, von einem seiner Jünger? Oder meinte er damit eine Gruppe von Jüngern? In dem Kritisch exegetischen Handbuch über das Evangelium des Matthäus von Dr. H. A. W. Meyer (1876) wird auf Seite 499 über den Ausdruck „Wer also“ gesagt: „Wer also, der so vorliegenden Nothwendigkeit der Bereitschaft zufolge. Das Gefolgerte selbst erscheint in allegorischer Form, unter dem Bilde des δοῦλος [doulos (Sklave)] die Jünger darstellend, welche der Herr zur Leitung seiner Gemeinde verordnet hat, worin sie treu (1. Kor. 4, 1 f.) und klug sein sollen ...“ Beschränkt man indessen den Ausdruck „Sklave“ auf die zwölf Apostel, leistet man der Lehre von der apostolischen Sukzession oder bischöflichen Sukzession Vorschub, nach der die geschichtliche Reihe der Bischöfe (Aufseher) bis zu den Aposteln eine ununterbrochene Kette bildet, in der jeder Bischof seine Ordination von einem früheren empfangen hat.

      16. Was lesen wir in Markus 13:34-36, das zeigt, ob die „Sklaven“klasse die gesamte Jüngerschaft einschließt oder nur die Aufseher?

      16 Verstehen wir aber den Ausdruck „treuer und verständiger Sklave“ als Bezeichnung der gesamten Jüngerschaft (die Aufseher in der Christenversammlung inbegriffen), so schließt das die Lehre von der „apostolischen Sukzession“ aus, die, wie die Geschichte zeigt, in der Christenheit großen Schaden gestiftet und zu großer Bedrückung geführt hat. Die Worte, mit denen der Jünger Markus Jesu Äußerungen über dieses Thema wiedergibt, zeigen, daß die gesamte Jüngerschaft gemeint ist. Wir lesen in Markus 13:34-36: „Es ist wie ein Mensch, der, als er außer Landes reiste, sein Haus verließ und seinen Sklaven Vollmacht gab, einem jeden seine Arbeit, und dem Türhüter gebot, wachsam zu sein. Wacht also beharrlich, denn ihr wißt nicht, wann der Herr des Hauses kommt [griechisch: érchetai], ob spät am Tage oder um Mitternacht oder beim Hahnenschrei oder frühmorgens, damit er euch, wenn er plötzlich eintrifft, nicht schlafend finde.“

      17. Warum sollte es nicht als abstoßend empfunden werden, daß Jesus seine Jünger mit „Sklaven“ verglich, und wozu sind sie als solche Sklaven verpflichtet?

      17 Man mag es vielleicht als etwas abstoßend empfinden, daß Jesus seine Jünger als „Sklaven“ bezeichnete. Aber er stufte sie mit Recht so ein; über den Grund dafür wird in 1. Korinther 6:20 und 7:23 gesagt: „Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden. Auf jeden Fall verherrlicht Gott in dem aus euch bestehenden Leibe.“ „Ihr seid um einen Preis erkauft worden; werdet nicht mehr Sklaven der Menschen.“ Aber nicht nur der Apostel Paulus äußerte sich in diesem Sinne, sondern auch der Apostel Petrus schrieb an die Christen: „Ihr wißt, daß ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, von eurer fruchtlosen Art des Wandels befreit worden seid, die euch von euren Vorvätern her überliefert wurde, sondern mit kostbarem Blut gleich dem eines makellosen und fleckenlosen Lammes nämlich Christi.“ (1. Petrus 1:18, 19) Demgemäß leitete dieser Jünger Christi seinen zweiten Brief wie folgt ein: „Simon Petrus, ein Sklave und Apostel Jesu Christi.“ Auch Paulus war es keineswegs peinlich, einen seiner Briefe mit den Worten zu beginnen: „Paulus und Timotheus, Sklaven Christi Jesu.“ (Philipper 1:1) Und ein Halbbruder des Herrn begann seinen Brief mit den Worten: „Judas, ein Sklave Jesu Christi, aber ein Bruder des Jakobus.“ (Judas 1) Aus solchen Gründen Sklave zu sein verpflichtet den Christen noch mehr zur Treue.

      18. Warum waren die Israeliten als Volk Knechte Jehovas, und wie verglich er diese Knechte insgesamt mit einer Einzelperson?

      18 Die Jünger Christi hatten nichts dagegen einzuwenden, daß sie Sklaven Christi waren, denn sie wurden deswegen nicht mißhandelt wie das Volk Israel, gegen dessen Mißhandlung wie folgt protestiert wurde: „Ist Israel ein Knecht oder ein in der Hausgemeinschaft geborener Sklave? Wie kommt es, daß er zum Plündergut geworden ist?“ (Jeremia 2:14) Die Israeliten wurden „zum Plündergut“ für die Heiden, weil sie Jehova, dem höchsten Gott, nicht treu gedient hatten. Alle Glieder des Volkes Israel waren Knechte Jehovas, weil Jehova Israel aus dem alten Ägypten erlöst hatte. Als Jehova dem Pharao von Ägypten sein Anrecht auf das Volk Israel bekanntgab, verglich er sein auserwähltes Volk mit einer Einzelperson, indem er sagte: „Israel ist mein Sohn, mein erstgeborener. Und ich sage zu dir: Sende meinen Sohn weg, daß er mir diene.“ — 2. Mose 4:22, 23.

      19. Auf welche Weise sprach Jehova durch Jesaja zum Volk Israel, als wäre es ein einzelner Knecht?

      19 Mehr als siebenhundert Jahre später sprach Jehova zum Volk Israel, als wäre es ein einzelner Knecht; er sagte: „Du aber, o Israel, bist mein Knecht, du, o Jakob, den ich erwählt habe, du Same Abrahams, meines Freundes; du, den ich ergriffen habe von den äußersten Enden der Erde, und du, den ich sogar von ihren entlegenen Teilen hergerufen habe. Und so sprach ich zu dir: ,Du bist mein Knecht; ich habe dich erwählt, und ich habe dich nicht verworfen.‘ “ (Jesaja 41:8, 9) Um deutlich zu zeigen, daß dieser „Knecht“ aus vielen Einzelpersonen bestand, sagte der Schöpfer zum Volk Israel: „ ‚Ihr seid meine Zeugen‘, ist der Ausspruch Jehovas, ,ja, mein Knecht, den ich erwählt habe.‘ ... Und nun höre, o Jakob, mein Knecht, und du, o Israel, den ich erwählt habe. Dies ist, was Jehova gesprochen hat ... ,Habe ich es dich nicht seit jener Zeit persönlich hören lassen und es mitgeteilt? Und ihr seid meine Zeugen.‘ “ — Jesaja 43:10; 44:1-8; siehe auch 42:19, 44:21, 48:20, 49:3, Jeremia 30:10.

      20. Wann wurde das Volk der natürlichen Israeliten verworfen, wer wurde ein geistiges Israel, und warum können die Worte aus Jesaja 43:10 auf dieses Israel angewandt werden?

      20 Zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z., fünfzig Tage nach der Auferstehung Jesu Christi von den Toten, verwarf Jehova Gott das Volk der natürlichen, beschnittenen Israeliten. In den Jahren 50 bis 52 schrieb der christliche Apostel Paulus an seine christlichen Brüder in der römischen Provinz Galatien: „Denn weder Beschneidung ist etwas noch Unbeschnittenheit, sondern eine neue Schöpfung ist etwas. Und alle, die nach dieser Regel des Benehmens ordentlich wandeln werden, über sie komme Frieden und Barmherzigkeit, ja über das Israel Gottes.“ (Galater 6:15, 16) Die Organisation, die in bezug auf eine „neue Schöpfung“ nach dieser Regel ordentlich wandelte, war die wahre Christenversammlung; und nun, da das natürliche Israel verworfen worden war, bildete die Versammlung der Nachfolger Christi „das Israel Gottes“. Es war ein geistiges Israel. Als eine geeinte Versammlung war sie der „Knecht“ Jehovas Gottes und seines Christus. Auf diese Versammlung kann Jesaja 43:10 in übertragenem Sinne angewandt werden: „ ‚Ihr seid meine Zeugen‘, ist der Ausspruch Jehovas, ,ja, mein Knecht.‘ “

      21. (a) Wußte Jesus, wer dieser aus einzelnen Gliedern bestehende „Sklave“ war, obwohl er fragte, wer dieser sei? (b) Welche Frage wird hier in bezug auf die Zeit der Entstehung dieser „Sklaven“klasse aufgeworfen?

      21 Obschon Jesus die Frage, wer der „treue und verständige Sklave“ sei, aufwarf, wußte er doch genau, wer dieser „Sklave“ war. Jesus dachte zweifellos an jenen „Knecht“ Jehovas, an das „Israel Gottes“. Dieser sich aus einzelnen Gliedern zusammensetzende „Knecht“ sollte eindeutig als solcher zu erkennen sein. Mit seinem eigenen Blut hatte sich Jesus dieses Israel Gottes zum Sklaven erkauft, und in dem Gleichnis, das er in seine Prophezeiung einfügte, konnte er es als einen „Sklaven“ bezeichnen, einen Sklaven, der sich aus einzelnen Gliedern zusammensetzen und sich als „treu und verständig“ erweisen würde. Ist anzunehmen, daß diese Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ erst während der „Gegenwart“ oder Parusie Christi, die 1914 begann, ins Dasein kam, da Jesus diesen „Sklaven“ doch in seiner Prophezeiung über das Zeichen seiner „Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge“ erwähnte?

      22. (a) Warum kann die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ nicht erst während der Parusie Christi ins Dasein gekommen sein? (b) Wer sind die „Hausknechte“, denen der „Sklave“ die Speise geben sollte?

      22 Nein; denn in dem Gleichnis schildert Jesus den Herrn des „Sklaven“ als einen Menschen, „der, als er außer Landes reiste, sein Haus verließ und seinen Sklaven Vollmacht gab“. (Markus 13:34) Der „treue und verständige Sklave“ ist also ein Sklave, den sein Herr „über seine Hausknechte gesetzt hat, um ihnen ihre Speise zur rechten Zeit zu geben“. (Matthäus 24:45) Der „Herr“ des „Sklaven“ ging vor mehr als neunzehnhundert Jahren bei seiner Himmelfahrt weg, nachdem er diesem den Auftrag gegeben hatte, den „Hausknechten“ die Speise zu geben. (Matthäus 28:16-20) Zu den „Hausknechten“ gehörten keine Familienglieder des Herrn, sondern sie umfaßten nur das „Hausgesinde“ (H. A. W. Meyer) oder die „Dienerschaft“ (NT 68). Sie waren genauso Sklaven wie der „treue und verständige Sklave“, der den Auftrag erhalten hatte, ihnen die Speise zu geben. Sie bildeten eine Gruppe von Sklaven, die ein und demselben „Herrn“ unterstellt war. Alle waren verpflichtet, „treu und verständig“ zu sein.

      23. (a) Seit wann besteht also diese „Sklaven“klasse? (b) Woraus geht hervor daß dieser „Sklave“ noch lebte, als das „Zeichen“ der Parusie seines Herrn zu sehen war?

      23 Was Jesus in diesem Gleichnis veranschaulichte, wurde vom Jahre 33 u. Z. an, als er wegging, Wirklichkeit; seither besteht diese „Sklaven“klasse, „das Israel Gottes“, die geistgezeugte, gesalbte Versammlung Christi, die schließlich 144 000 Glieder umfassen wird. (Offenbarung 7:4-8; 14:1-3) Aus den geschichtlichen Aufzeichnungen geht hervor, daß zu Beginn der unsichtbaren Parusie des „Herrn“, im Jahre 1914, dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen abliefen, noch ein Überrest dieser „Sklaven“klasse auf der Erde war. Der aus einzelnen Gliedern bestehende „Sklave“ lebte also noch, als das „Zeichen“ der Parusie oder „Gegenwart“ des Herrn zu sehen war.

      ‘IHNEN IHRE SPEISE ZUR RECHTEN ZEIT GEBEN’

      24. Mit welcher Aufgabe wurde jener „Sklave“ betraut, und warum mögen „Hausknechte“ zur Erfüllung dieser Aufgabe herangezogen werden?

      24 In diesem Gleichnis erhielt der „Sklave“ keine Silber„talente“, mit denen er „Geschäfte machen“ sollte. Somit ist hier nicht die Rede von geistigen „Talenten“. Der „Sklave“, der über die Hausknechte seines Herrn gesetzt war, hatte die Pflicht, seinen Mitsklaven ihre Speise zur rechten Zeit zu geben. Sie benötigten ebenso wie der über sie gesetzte „Sklave“ regelmäßig Speise um stets die nötige Kraft zu haben, die Arbeit im Hause des Herrn zu tun. Wäre die Dienerschaft zahlreich, so würde der über sie gesetzte „Sklave“ nicht selbst zu jedem einzelnen hingehen und ihm die Mahlzeit reichen. In diesem Fall wäre es vernünftiger, der „Sklave“ würde lediglich darauf achten, daß die Speise zur Verfügung stände und den „Hausknechten“ oder der „Dienerschaft“ gereicht würde. Das Austeilen der Speise würden dann einige „Hausknechte“ besorgen. Daß die Hausknechte einander die Nahrung reichen sollten, ist also keineswegs abwegig.

      25. Welches war die „rechte Zeit“, zu der die „Sklaven“klasse begann, die „Speise“ auszuteilen, wem teilte sie sie aus, und was hatte dies an jenem Tag zur Folge?

      25 Als zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z., „zur rechten Zeit“, die geistige „Speise“ verfügbar war, erwies sich die eingesetzte „Sklaven“klasse als „treu und verständig“, indem sie die „Speise“ unter dem Einfluß des ausgegossenen Geistes Gottes austeilte. Die etwa 120 Jünger, die die Versammlung bildeten, begannen, unter sich über die „großen Dinge Gottes“ zu reden. Doch jene erste kleine Versammlung behielt diese „Dinge“ nicht für sich. Tausende, die behaupteten, Knechte Jehovas zu sein, und die nach geistiger Speise hungerten, kamen zusammen, um diese „Dinge“ zu hören. Der Apostel Petrus begann als erster, den geistig hungernden Juden und Proselyten, die damals in Jerusalem waren, um das Pfingstfest zu feiern — das zu der Zeit allerdings bereits überholt war —, Speise auszuteilen. Sie hatten den Herzenswunsch, „Hausknechte“ des Herrn Jesus Christus, des Messias, zu werden, und dazu benötigten sie Speise. Diese wurde ihnen zur „rechten Zeit“ von der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ gereicht. Das hatte zur Folge, daß etwa dreitausend von ihnen gläubig wurden, sich taufen ließen und die Gabe des heiligen Geistes empfingen. Nun gehörten auch sie zu den „Hausknechten“ des Herrn, benötigten aber weitere Speise. — Apostelgeschichte 2:1-42.

      26, 27. (a) Wer durfte, als das Werk des Austeilens geistiger Speise ausgedehnt wurde, weiteren voraussichtlichen „Hausknechten“ Speise reichen? (b) Welchem Gebot, das der Herr vor seinem Weggehen gegeben hatte, wurde dadurch entsprochen?

      26 Weniger als dreieinhalb Jahre später bemühte sich die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“, weiteren voraussichtlichen „Hausknechten“ Speise zu reichen. Bei diesen „Hausknechten“ handelte es sich um „Menschen aller Nationen“, um Nichtjuden oder Heiden. Der Apostel Petrus durfte Bahnbrecher sein, und auf göttliche Weisung hin ging er in die Stadt Cäsarea an der Ostküste des Mittelmeeres, um den italischen Hauptmann Kornelius und die anderen, die sich für das Christentum interessierten und die er in seinem Haus versammelt hatte, zu bekehren. (Apostelgeschichte 10:1 bis 11:18) Auf diese Weise wurde den Heiden die Tür weit geöffnet, das heißt die Gelegenheit geboten, „Hausknechte“ des Herrn Jesus Christus, des Messias, zu werden. Die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ hatte zu diesen voraussichtlichen „Hausknechten“ hingehen und ihnen die geistige Speise reichen müssen, damit auch sie geistige Israeliten werden konnten, Glieder des Israels Gottes. Nachdem sie geistige „Hausknechte“ geworden waren, mußten auch sie sich an dem Werk des Austeilens geistiger Speise beteiligen. So wurde der Auftrag erfüllt, den der Herr kurz vor seinem Weggehen gegeben hatte:

      27 „Geht daher hin und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe. Und siehe! ich bin bei euch alle Tage bis zum Abschluß des Systems der Dinge.“ — Matthäus 28:19, 20.

      28. (a) Welche geistige Speise, die heute noch zur Verfügung steht, wurde im ersten Jahrhundert u. Z. besorgt? (b) Benötigen auch wir heute die geistige Speise, von der sich die „Sklaven“klasse am Anfang ernährte?

      28 Um das Austeilen der geistigen Speise für alle Zeiten zu erleichtern, wurden Apostel und Jünger Jesu Christi von Gottes Geist dazu getrieben, die siebenundzwanzig kanonischen Bücher der Christlichen Griechischen Schriften — vom Matthäusevangelium bis zur Offenbarung — zu schreiben. Diese köstliche geistige Speise, die die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ des ersten Jahrhunderts den christlichen „Hausknechten“ austeilte, steht auch den christlichen „Hausknechten“ des zwanzigsten Jahrhunderts zur Verfügung. So hat sich die Zahl der inspirierten Bücher der Heiligen Schrift auf sechsundsechzig erhöht; die vollständige Bibel umfaßt also neununddreißig Bücher in hebräischer und aramäischer Sprache und siebenundzwanzig in der griechischen Umgangssprache des ersten Jahrhunderts. Die inspirierten Christlichen Griechischen Schriften allein genügen nicht, sondern die ganze Bibel ist erforderlich. Im ersten Jahrhundert standen der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ als geistige Speise in schriftlicher Form nur die inspirierten hebräischen und aramäischen Schriften zur Verfügung. Die Speise, von der sich die christlichen „Hausknechte“ am Anfang ernährten, benötigen auch wir heute. Die Glieder der ersten Christenversammlung in Jerusalem sprachen und lasen Hebräisch. Doch für die heutigen Christen sind Übersetzungen der Hebräischen Schriften nötig.

      29. (a) Wie wurde die geistige Speise durch die „Sklaven“klasse nach dem ersten Jahrhundert u. Z. weiter ausgeteilt? (b) Wie begann in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ein Werk, durch das geistige Speise ausgeteilt wurde?

      29 Die Geschichte vermittelt uns kein klares Bild darüber, in welcher Form die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ in den Jahrhunderten nach dem Tode der Apostel des Herrn Jesus Christus bestand und Speise austeilte. Offenbar reichte eine Generation der „Sklaven“klasse die Speise der nachfolgenden Generation weiter. (2. Timotheus 2:2) In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts lebten indessen gottesfürchtige Personen, denen die geistige Speise der Heiligen Schrift sehr viel bedeutete und die den Wunsch hatten, die Bibel nicht nur zur Erbauung zu lesen, sondern um sich davon zu ernähren. Unabhängig von den Kirchen der Christenheit und ihren Sonntagsschulen entstanden Versammlungen, die sich dem Bibelstudium widmeten, und mit der Zeit verstand man die Grundwahrheiten der Heiligen Schrift immer besser. Den aufrichtigen und selbstlosen unter diesen Erforschern der Bibel war daran gelegen, diese lebenswichtige geistige Speise mit anderen zu teilen. Sie hatten den gleichen Geist wie der treue „Sklave“, der über die „Hausknechte“ gesetzt worden war, um ihnen die notwendige geistige „Speise zur rechten Zeit“ zu geben. Sie waren insofern „verständig“, als sie erkannten, daß es damals die rechte Zeit war, die Speise auszuteilen; und sie erkannten auch, wie sie am besten ausgeteilt wird. Deshalb bemühten sie sich, sie auszuteilen.

      30. (a) Welche Gefahr drohte damals der Lehre von dem „Lösegeld für alle“? Doch welcher Verfechter dieser Lehre trat dann „zur rechten Zeit“ auf den Plan? (b) Was veröffentlichte der Redakteur der Zeitschrift The Watch Tower im Jahre 1881 über den „treuen und klugen Knecht“?

      30 Zu den Grundlehren der Bibel gehört die Lehre von dem „Lösegeld für alle“, und damals drohte die große Gefahr, daß Verfechter der Bibelkritik und der Evolutionstheorie diesen wichtigen Bestandteil der geistigen Kost gottesfürchtiger Personen wegnehmen würden. Zu einer Zeit, die, wie man jetzt erkennen kann, die „rechte Zeit“ war, trat ein kompromißloser Verfechter der Lehre von Christi „Lösegeld für alle“ auf den Plan. Dieser Verfechter war die neue Zeitschrift für Freunde der Bibel, Zion’s Watch Tower and Herald of Christ’s Presence (Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi) genannt; die erste Ausgabe erschien im Juli 1879 und hatte eine Auflage von 6 000. Ihr Redakteur und Herausgeber war Charles Taze Russell, der der Bibelstudiengruppe in Pittsburgh (Pennsylvanien) angehörte. Dieser eifrige Christ befaßte sich mit Jesu Gleichnis vom „treuen und klugen Knecht“ (Matthäus 24:45, EB), und er veröffentlichte sein Verständnis darüber im Watch Tower vom November 1881 (Seite 5). Der Artikel war überschrieben „Im Weinberg“, und im viert- und fünftletzten Absatz davon hieß es:

      Wir glauben, daß jedes Glied dieses Leibes Christi entweder direkt oder indirekt an dem gesegneten Werke teilhat, dem Haushalt des Glaubens Speise zur rechten Zeit auszuteilen. „Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen Speise zu geben zur rechten Zeit?“ Ist es nicht diese „kleine Herde“ geweihter Diener, die ihre Weihegelübde treu erfüllen — der Leib Christi —, und ist es nicht der ganze Leib, als einzelne und als Gesamtheit, der dem Haushalt des Glaubens — der großen Menge der Gläubigen — Speise zur rechten Zeit austeilt?

      Glückselig ist jener Knecht (der ganze Leib Christi), den sein Herr, wenn er kommt (gr. elthon), so tuend vorfindet. „Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen.“ Er wird alles ererben.

      31. (a) Hat C. T. Russell jemals beansprucht, der „treue und kluge Knecht“ zu sein? (b) Was hat er alles getan, das beweist, daß er als treues Glied dieser „Knechts“klasse gedient hat?

      31 Das zeigt deutlich, daß der Redakteur und Herausgeber der Zeitschrift Zion’s Watch Tower nicht im geringsten beanspruchte, selbst der „treue und kluge Knecht“ zu sein. Er hat das von sich nie behauptet.a Er blieb jedoch bis zu seinem Tod am 31. Oktober 1916 Redakteur der Zeitschrift Zion’s Watch Tower. Er gründete 1881 die Zion’s Watch Tower Tract Society (Zions Wachtturm-Traktat-Gesellschaft) und veranlaßte im Dezember 1884 ihre Eintragung als Körperschaft nach dem Gesetz des Staates Pennsylvanien. Er verfaßte auch die sechs Bände der Schriftstudien, die er in den Jahren 1886 bis 1904 herausgab; ferner veröffentlichte er viele Broschüren über biblische Themen und war der Urheber des weltbekannten „Photo-Dramas der Schöpfung“, das erstmals im Januar 1914 in den USA und danach in vielen Ländern der Welt vorgeführt wurde. C. T. Russell unternahm auch Weltreisen, auf denen er zahllose öffentliche Vorträge hielt. Er starb auf einer Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten von Amerika. Es kann nicht mit Recht bestritten werden, daß er sich bis zu seinem Tod im Jahre 1916 mit großer Liebe als Glied der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ der Aufgabe gewidmet hat, den Hausknechten des Herrn „ihre Speise zur rechten Zeit“ zu geben.

      32. Wie entstand nach Russells Tod in Verbindung mit seiner Person ein Trend zum Sektierertum? Wann und wie wurde diesem Trend jedoch Einhalt geboten?

      32 Da sich der „Sklave“, den Jesus in seinem Gleichnis erwähnte, nicht auf einen einzelnen Christen bezieht, sondern auf die gesalbte Versammlung der Jünger Christi, gab es diese Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ auch noch nach dem Tode C. T. Russells. Viele Mitarbeiter Russells, erfüllt von Wertschätzung und Dankbarkeit für sein Werk, glaubten jedoch, er wäre der „treue und verständige Sklave“ gewesen. Diese Ansicht wurde klar und deutlich in einem Buch vertreten, das die Volkskanzel-Vereinigung von Brooklyn (New York) im Juli 1917 veröffentlichte. Das Buch hieß The Finished Mystery (Das vollendete Geheimnis); es enthielt einen Kommentar zu den Bibelbüchern Offenbarung, Hesekiel und Hoheslied. Auf der Impressumseite stand: „Ein hinterlassenes Werk von Pastor Russell“. Dieses Buch und diese religiöse Einstellung begünstigten den Trend zur Entwicklung einer religiösen Sekte, die einem Menschen nachfolgte. Diesem Trend zum Sektierertum wurde jedoch durch die Veröffentlichung der Artikel „Der Sohn und Knecht“ und „Der Knecht — gut und böse“, die in der Zeitschrift The Watch Tower vom 1. und 15. Februar 1927 (deutsch: 15. März und 1. April 1927) erschienen, Einhalt geboten. In diesen Artikeln wurde gezeigt, daß sich der in Matthäus 24:45 erwähnte „Knecht“ aus vielen einzelnen Gliedern zusammensetzt. — Jesaja 43:10-12.

      33. Waren die „Hausknechte“ ohne „Speise“, nachdem die Restbestände der von Russell verfaßten Bücher und des Buches Das vollendete Geheimnis verbreitet worden waren?

      33 Im Jahre 1927 wurden die Restbestände der sechs Bände der Schriftstudien von Russell und des Buches Das vollendete Geheimnis verbreitet. Bedeutete das, daß die „Hausknechte“ oder die „Dienerschaft“ des Herrn nun ohne geistige „Speise zur rechten Zeit“ war? Nein, ganz und gar nicht! Warum nicht? Wir werden es gleich erfahren.

      DER „GLÜCKLICHE“ SKLAVE

      34. Wer warf die Frage hinsichtlich des „treuen und verständigen Sklaven“ auf, wer beantwortete sie, und wie?

      34 Warf Jesus die in Matthäus 24:45 aufgezeichnete Frage auf, wer der „Sklave“ sei, der über die „Hausknechte“ seines Herrn gesetzt wurde, um ihnen Speise zu geben, und wie sich dieser „Sklave“ als treu und verständig erweise? Ja, und gemäß dem nächsten Vers (Matthäus 24:46) beantwortet er diese Frage wie folgt: „Glücklich ist jener Sklave, wenn ihn sein Herr bei seiner Ankunft [griechisch: elthon] so tuend findet.“ Der „Sklave“ bewies seine Treue zu seinem Herrn und seine Klugheit dadurch, daß er bis zu dessen Rückkehr die Aufgabe erfüllte, die ihm sein Herr übertragen hatte, nämlich den Hausknechten die „Speise zur rechten Zeit zu geben“. Das sollte für ihn zur Folge haben, daß er bei der Rückkehr seines Herrn sehr glücklich gemacht würde.

      35. (a) Welche stürmische Zeit, die Jesus in seiner Prophezeiung vorhergesagt hatte, überlebte die „Sklaven“klasse im ersten Jahrhundert, und was schrieb Johannes am Ende jenes Jahrhunderts? (b) Welche Frage im Hinblick auf die „Sklaven“klasse erhob sich dementsprechend im Jahre 1914, als die Zeiten der Nationen endeten?

      35 Die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“, die vor neunzehnhundert Jahren gebildet wurde, überlebte die stürmische Zeit, die Jesus gemäß Matthäus 24:4-22, Markus 13:5-20 und Lukas 21:8-24 vorhergesagt hatte. Mehr als fünfundzwanzig Jahre nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer (70 u. Z.) verfaßte der Apostel Johannes die Offenbarung, das Johannesevangelium und drei Briefe. Alles das wurde zum Nutzen der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ geschrieben und diente den „Hausknechten“ des himmlischen Herrn zur Speise. Im Jahre 1914 u. Z. kam für den Überrest der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ die Zeit, in der sich die Prophezeiung Jesu über das Zeichen seiner „Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge“ vollständig oder endgültig erfüllen sollte. Die Ereignisse, die Jesus vorhergesagt hatte, um die Zeit von 33 u. Z. bis 70 u. Z. zu charakterisieren, sind auch seit 1914 u. Z. zu beobachten. Jetzt fragte es sich nur, ob die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ die schwere Zeit überleben würde, die der schweren Zeit entsprach, die die „Sklaven“klasse von 33 bis 70 u. Z. durchgemacht hatte.

      36. Wieso wurde es für die „Sklaven“klasse während des Ersten Weltkrieges schwierig, den „Hausknechten“ „ihre Speise“ zu geben? Was geschah jedoch mit dem Wacht-Turm?

      36 Um den 4./5. Oktober des Jahres 1914, als die Zeiten der Nationen endeten, war der Erste Weltkrieg schon mehr als zwei Monate im Gange. Dieser Krieg war nicht nur für die Menschheit, sondern auch für die „Sklaven“klasse des Herrn etwas Neues. Das, was Jesus für die Zeit nach seiner Himmelfahrt (33 u. Z.) vorhergesagt hatte — Kriege und Kriegsberichte und daß sich Nation gegen Nation und Königreich gegen Königreich erheben würde —, wurde vom Ersten Weltkrieg, der mit großer Grausamkeit geführt wurde und gewaltige Zerstörungen verursachte, weit in den Schatten gestellt. (Matthäus 24:6, 7) Die Verhältnisse und Einschränkungen während des Weltkrieges erschwerten es der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“, den „Hausknechten“ des himmlischen Herrn „ihre Speise zur rechten Zeit zu geben“. Die Situation verschlimmerte sich für sie, und schließlich kamen viele der Hausknechte ins Gefängnis oder in ein Arbeitslager, und Beamte der Watch Tower Bible and Tract Society sowie Mitglieder der Schriftleitung der Zeitschrift The Watch Tower wurden im Sommer 1918 u. Z. in die Bundesstrafanstalt in Atlanta eingeliefert, wo sie eine hohe Freiheitsstrafe verbüßen sollten. Dennoch konnte der Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi weiterhin herausgegeben werden, allerdings nicht mehr in Brooklyn, sondern in Pittsburgh (Pennsylvanien), wo er ursprünglich erschienen war.

      37. In welcher mißlichen Lage befand sich die „Sklaven“klasse am Ende des Ersten Weltkrieges, und welche Fragen erhoben sich nun, diese Klasse betreffend?

      37 In dieser mißlichen Lage befand sich die „Sklaven“klasse als am 11. November 1918 der Erste Weltkrieg endete. Die Verbindung zwischen dem Hauptbüro der Watch Tower Society und deren Zweigorganisationen im Ausland war abgebrochen oder war nur schwer aufrechtzuerhalten. Die biblischen Schriften waren entweder von der Regierung verboten worden, oder ihre Verbreitung war eingestellt worden. Druckplatten, die verwendet worden waren, um Bibeltraktate herzustellen, waren vernichtet worden oder waren verlorengegangen. Welche Aussicht hatte die „Sklaven“klasse des Herrn? Was beschloß sie, in den vor ihr liegenden Nachkriegsjahren zu tun?

      DER HERR DES SKLAVEN KOMMT ZUR BESICHTIGUNG

      38. Was konnte man sich hinsichtlich der Religionsgemeinschaften der Christenheit und hinsichtlich der Christen, die in der ganzen Welt gehaßt wurden, damals mit Recht fragen, da jene Zeit eine Zeit der Besichtigung sein sollte?

      38 Das war zweifellos eine Zeit der Besichtigung für die „Sklaven“klasse des Herrn, und die Tatsachen beweisen, daß der Herr damals zur Besichtigung kam. Gemäß der Prophezeiung aus Maleachi 3:1-5 war das zu erwarten. Die Religionsgemeinschaften der Christenheit hatten sich durch ihre offenkundige Handlungsweise einen Ruf erworben, der ihre Behauptung, Jünger und Sklaven Jesu Christi zu sein, nachteilig beeinflußte. Konnten sie wenigstens durch das, was sie noch bis zum Jahre 1919 taten, beweisen, daß sie die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ des himmlischen Herrn Jesus Christus waren? Er, der Richter, würde dadurch, wie er mit den Hunderten von Religionsgemeinschaften der Christenheit verfahren würde, erkennen lassen, wie er sie beurteilte. Doch wir möchten unsere Aufmerksamkeit jetzt den aufrichtigen Christen zuwenden, die sich mit dem Studium der Bibel befaßten und die wegen ihres Gehorsams gegenüber Christus während des Ersten Weltkrieges verfolgt wurden und um seines Namens willen „Gegenstand des Hasses aller Nationen“ waren. Auch für sie kam die Zeit der göttlichen Besichtigung. Wie beurteilte der Herr sie?

      39. In welcher Stimmung und mit welchen Absichten kehrte gemäß dem Gleichnis Jesu der Herr heim?

      39 Wie kehrte gemäß dem Gleichnis Jesu der Herr, der den Sklaven eingesetzt hatte, zu seinem Haus zurück? Kehrte er in großem Zorn zurück, um das Haus zu zerstören? Oder freute er sich über seine Rückkehr, und kam er, um zu sehen, wie es seiner Dienerschaft in seiner Abwesenheit ergangen war? Er kehrte mit friedlichen Absichten zu seinem Haus zurück. Er kam nicht um den „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, Har-Magedon genannt, zu führen (Offenbarung 16:13-16), sondern er kam, um sich zu vergewissern, ob seine häuslichen Angelegenheiten in Ordnung waren. Hatte der Sklave, den er eingesetzt hatte, seine Aufgabe erfüllt und den „Hausknechten“ die „Speise zur rechten Zeit“ gegeben? Der Herr mußte sich Gewißheit darüber verschaffen.

      40. Was stellte der zurückgekehrte Herr in Verbindung mit dem regelmäßigen Austeilen guter Speise, wonach er sein Urteil fällte, hinsichtlich der verfolgten und gehaßten Christen fest?

      40 Es ging um die Frage: Hat er die Speise — und zwar gute Speise — zur rechten Zeit ausgeteilt? Das war es, wonach der zurückgekehrte Herr den Sklaven beurteilen mußte. Wie stand es mit jener international gehaßten und verfolgten Gruppe von Christen? (Matthäus 24:9) Bis zum Jahre 1919 u. Z. waren diese Christen bestrebt gewesen, dem „Haushalt des Glaubens“ oder den „Hausknechten“ des himmlischen Herrn „Speise zur rechten Zeit“ zu geben. Sie taten das, obwohl sie verfolgt wurden und trotz des Krieges. Es war nicht nur schwierig, regelmäßig geistige Speise auszuteilen, sondern es mußte auch auf die Qualität der Speise geachtet werden. Die Gruppe der gehaßten, verfolgten Christen, die stets bemüht waren, treue Sklaven Jesu Christi zu sein, bestand diese Prüfung. Während der Kriegsjahre hatten sie im Gegensatz zu der Christenheit oder der Heidenwelt, keine Kriegspropaganda im Sinne der Staatsregierungen getrieben. Sie hatten beharrlich die zeitgemäße Botschaft der Bibel gepredigt und sich dafür eingesetzt, daß jeder Christ nach den Grundsätzen der Bibel handeln sollte.

      41. Was beeinflußte den Herrn bei seiner Besichtigung dieser Christen nicht, und woran ist seither zu erkennen, wie er entschieden hat?

      41 Wie beurteilte der himmlische Herr seine gehorsamen Sklaven? Die Tatsache, daß sie in der von Kriegshysterie befallenen Welt unpopulär waren und verfolgt wurden, beeinflußte sein Urteil nicht, denn er hatte ja vorausgesagt, daß sie während seiner unsichtbaren Parusie oder „Gegenwart“ eine schwere Zeit durchmachen würden. Stellte er nun fest, daß sich diese Schar christlicher Sklaven über ihre Unbeliebtheit in der Welt hinwegsetzte und bemüht war, ihrem Herrn wohlzugefallen, indem sie das tat, was sie gemäß seinem Auftrag während seiner Abwesenheit tun sollte? Nach dem zu urteilen, wie er nach seiner Besichtigung, die 1919 begann, entschieden hat, muß er festgestellt haben, daß sie seinen Auftrag erfüllt hatte. Seine Taten, seine Verfahrensweise mit seinen christlichen Sklaven, sprechen lauter als Worte.

      42, 43. (a) Welche Prophezeiung wandte Jesus in der Nacht, in der er verraten wurde, auf seine Apostel an, und wie erfüllte sie sich? (b) Wie erfüllte sich diese Prophezeiung aus Sacharja 13:7 auch dreieinhalb Jahre nachdem Jesus 1914 auf den Thron erhoben worden war?

      42 Wir wollen uns jetzt nochmals kurz mit den Aposteln Jesu befassen. Jesus Christus wurde dreieinhalb Jahre nach seiner Taufe im Jordan im Garten Gethsemane verraten. Er hatte die Prophezeiung aus Sacharja 13:7 angeführt und vorausgesagt, was seinen Aposteln widerfahren würde: „Ihr alle werdet in dieser Nacht meinetwegen zum Straucheln gebracht werden, denn es steht geschrieben: ,Ich will den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden zerstreut werden.‘ Nachdem ich aber auferweckt sein, werde will ich euch nach Galiläa vorangehen.“ (Matthäus 26:31, 32) Noch in der Nacht des 14. Nisan 33 u. Z. zeigte es sich, daß Jesus die Prophezeiung Sacharjas zu Recht auf seine Apostel angewandt hatte, denn aus Matthäus 26:56 geht hervor, was sich abspielte, nachdem Jesus verraten worden war: „Dann verließen ihn alle Jünger und flohen.“ Seine „Schafe“ wurden tatsächlich zerstreut.

      43 Eine Parallele ist in folgendem zu sehen: Im Jahre 1918, dreieinhalb Jahre nachdem im Jahre 1914 die Zeiten der Nationen abgelaufen waren und Christus im Himmel auf den Thron erhoben worden war, wurde am Dienstag, dem 26. März, wie alljährlich das Abendmahl gefeiert. Die Zerstreuung der „Schafe“ des himmlischen Hirten hatte fast ihren Höhepunkt erreicht. Im Watch Tower vom 1. März 1918 hieß es im ersten Absatz des Leitartikels „Zum Gedächtnis unseres Königs“: „Ob das kommende Gedächtnismahl das letzte sein wird, das wir auf der Erde feiern, wissen wir jetzt natürlich nicht; aber wir wissen, daß wir der Erfüllung unserer Hoffnungen um ein Jahr näher gekommen sind. Wenn es dem Herrn gefällt, daß wir das Gedächtnismahl auch noch weitere Jahre feiern, werden wir das gerne tun.“ Die Aussichten wurden noch trüber, als verantwortliche Mitglieder der Watch Tower Society, die sich dem Weiden der „Schafe“ des himmlischen Hirten gewidmet hatten, verhaftet und aufgrund eines ungerechten Gerichtsverfahrens zu einer hohen Freiheitsstrafe verurteilt wurden, die sie in einer Bundesstrafanstalt verbüßen sollten. Damals verstand man nicht, daß das eine Erfüllung von Sacharja 13:7 war.

      44. (a) Welche Hoffnung vermittelte die Prophezeiung Sacharjas, und was bedeutete dies? (b) Wie erfüllte sich dieser Teil der Prophezeiung an den Aposteln Jesu?

      44 Diese Prophezeiung enthielt jedoch auch etwas Hoffnungsvolles. Sie sagte nicht nur voraus, daß der Hirte geschlagen würde und die Schafe zerstreut würden, sondern enthielt auch Jehovas Verheißung: „Und ich werde gewißlich meine Hand auf die zurückwenden, die unbedeutend sind.“ Das bedeutete, daß sich Jehovas Hand den zerstreuten Schafen wieder wohlwollend zuwenden würde. Jesus beruhigte seine Apostel, nachdem er die Prophezeiung über die Zerstreuung der Schafe zitiert hatte, mit den Worten: „Nachdem ich aber auferweckt sein werde, will ich euch nach Galiläa vorangehen.“ (Matthäus 26:32) Das bedeutete, daß er sie nach seiner Auferstehung von den Toten wieder versammeln würde. Das geschah auch, und wir lesen darüber: „Die elf Jünger dagegen gingen nach Galiläa zu dem Berge, wohin Jesus sie bestellt hatte, und als sie ihn sahen, huldigten sie ihm, einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und redete zu ihnen, indem er sprach: ,Mir ist alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben worden. Geht daher hin und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe.‘ “ — Matthäus 28:16-20.

      45. Wie erfüllte sich diese Prophezeiung im Jahre 1919 an der Klasse des treuen „Sklaven“, und wie wurde dieser „Sklave“ glücklich gemacht?

      45 Auch im Jahre 1919 wandte Jehova — seine „Hand auf die zurück ..., die unbedeutend sind“. (Sacharja 13:7) Jesus Christus, der von Jehova eingesetzte Hirte und König, begann die zerstreuten „Schafe“ wieder zu versammeln. Der Herr Jesus kehrte wie der Herr des Sklaven im Gleichnis zu seinem Haus zurück und besichtigte prüfend, wie es darin aussah. Er stellte fest, daß sich eine Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ bemühte, trotz der schwierigen Weltlage den Auftrag zu erfüllen und den „Hausknechten“ des Herrn die geistige Speise zur rechten Zeit zu geben, Speise aus dem inspirierten Worte Gottes. Der Herr bekundete daher sein Wohlwollen, indem er sie wieder versammelte und zu einer gut organisierten „Dienerschaft“ in seinem Haus zusammenschloß. Die achttägige Hauptversammlung, die vom 1. bis 8. September 1919 in Cedar Point (Ohio) stattfand, ließ die Welt erkennen, daß der unsichtbar gegenwärtige Herr Jesus Christus seine treuen „Schafe“ wieder versammelte. Sie zeigte der Welt, wer nach den Ermittlungen des zurückgekehrten Herrn Jesus die Klasse seines „treuen und verständigen Sklaven“ war. Darüber war die „Sklaven“klasse glücklich. Es bedeutete, daß sie im Dienst ihres himmlischen Herrn bleiben durfte.

      46. Wegen welcher Belohnung war der treue „Sklave“, wie Jesus erklärte, „glücklich“?

      46 Der Herr Jesus erklärte, warum der „treue und verständige Sklave“ glücklich war, denn er sagte: „Glücklich ist jener Sklave, wenn ihn sein Herr bei seiner Ankunft [griechisch: elthon] so tuend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über seine ganze Habe setzen.“ — Matthäus 24:46, 47; Lukas 12:42-44.

      ÜBER DIE GANZE HABE DES HERRN GESETZT

      47. Was wird dem treuen „Sklaven“ durch seine Beförderung auferlegt, und inwiefern geht dies Hand in Hand mit der neuen Aufgabe seines Herrn?

      47 Der Herr Jesus pries den „treuen und verständigen Sklaven“ glücklich wegen der Belohnung, die er dafür empfangen sollte, daß er den Auftrag seines Herrn ausgeführt hatte. Er wird befördert, er wird von dem Herrn, dem er so treu gedient hat, mit größerer Verantwortung betraut. Zweifellos ist das so, weil auch seinem Herrn größere Verantwortung übertragen worden ist. Der Herr ging bestimmt nicht auf eine Vergnügungsreise oder zur Erholung fort. Er verfolgte ein wichtigeres Ziel: Er ging fort, um eine höhere Stellung, größere Macht und größere Gewalt zu empfangen. Und wenn wir bedenken, daß sich dieses Gleichnis Jesu auf seine Rückkehr in den Himmel bezieht, wo er nach einer langen Wartezeit, in der er zur Rechten seines Vaters sitzen würde, ein Königreich empfangen sollte, erkennen wir, daß in dem Gleichnis der Gedanke der größeren Verantwortung des Herrn angedeutet wird. Der Herr kehrt, mit einer neuen und größeren Aufgabe betraut, nach Hause zurück. (Hebräer 10:12, 13) Daher ist auch „seine ganze Habe“ wertvoller. Und der „Sklave“, der befördert worden ist, hat ebenfalls teil an den Ehren, die sein Herr empfangen hat.

      48. Warum war der Dienst, den der zurückgekehrte Herr der „Sklaven“klasse übertrug, wichtiger und ehrenvoller als der frühere Dienst?

      48 In der Erfüllung des prophetischen Gleichnisses empfing Jesus Christus, der „Herr“, im Jahre 1914 u. Z., als die „bestimmten Zeiten der Nationen“ endeten, ein himmlisches Königreich. Somit war er, als die Zeit seiner Parusie oder „Gegenwart“ in jenem Jahr begann, gekrönter, regierender König auf dem himmlischen Thron. Als er 1919 zu seiner „Dienerschaft“ zurückkehrte, um zu sehen, wie es um seine „Hausknechte“ stand, verfügte er über eine Königswürde, die er nicht besessen hatte, als er im ersten Jahrhundert hier auf der Erde lebte. Das bedeutete, daß die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ nun einem Herrn diente, der eine höhere Stellung, größere Gewalt und größere Macht hatte als der Herr, dem sie bis dahin gedient hatte. Dadurch wurde ihr Dienst für ihn weit wichtiger. Es war jetzt eine größere Ehre, ihm zu dienen. Und von ihm befördert und dadurch mit größerer Verantwortung betraut zu werden war tatsächlich eine Belohnung.

      49. Was bedeutet es für den „Sklaven“ von seinem zurückgekehrten Herrn „über seine ganze Habe“ gesetzt zu werden, und wozu erhält er dadurch Gelegenheit?

      49 In dem Gleichnis überträgt der Herr vor seiner Abreise einem seiner Diener, von dem er erwartet, daß er sich als ein „treuer und verständiger Sklave“ erweisen wird, eine gewisse Verantwortung. Er setzt diesen Sklaven nur über seine Dienerschaft oder seine Hausknechte und verpflichtet ihn, ihnen ihre Speise zur rechten Zeit zu geben. Wenn der Herr daher bei seiner Rückkehr den Sklaven, mit dem er zufrieden ist, „über seine ganze Habe“ setzt, bedeutet das für den so beförderten Sklaven, daß er größere Aufgaben bekommt. Nun kann er in einem noch größeren Maß zeigen, daß er treu und verständig ist, denn er beaufsichtigt jetzt mehr. Er wird ein hochgeschätzter Sklave.

      50. Wo befindet sich das, was als „seine ganze Habe“ bezeichnet wird, und was ist darunter zu verstehen?

      50 Die in dem Gleichnis erwähnte „ganze Habe“, über die der Herr den für würdig befundenen Sklaven setzt, ist kein Sinnbild seiner ganzen Habe im Himmel. Der verherrlichte Herr Jesus Christus, dem „alle Gewalt“ im Himmel und auf der Erde gegeben worden ist, ist keineswegs unfähig, seine Aufgaben in Verbindung mit seiner „Habe“ im unsichtbaren Himmel, wo ihm seine heiligen Engel dienen, zu bewältigen. Mit dem Ausdruck „seine ganze Habe“, über die die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ gesetzt wird, müssen alle geistigen Dinge auf der Erde, die mit seinem aufgerichteten himmlischen Königreich in Verbindung stehen und ihm gehören, gemeint sein. Es kann damit nicht die Beteiligung an einer Staatsregierung dieser Welt gemeint sein, als ob der König Jesus Christus diesen von Menschen geschaffenen politischen Institutionen vorstehen und sie beherrschen würde. Diese Einrichtungen sind zum Untergang verurteilt. Unter „seiner ganzen Habe“ ist somit die Ausübung einer Funktion zu verstehen, die zur Erfüllung der Prophezeiungen beiträgt, die sich auf die Zeit nach der Aufrichtung des Königreiches im Himmel (1914 u. Z.) beziehen.

      51. Wieso haben die Glieder der Klasse des treuen „Sklaven“ als Gesandte jetzt eine größere Verantwortung als früher, und welches Vorrecht und welche Pflicht haben sie nun in Verbindung mit den Königreichsprophezeiungen?

      51 Als der regierende König, Jesus Christus, im Jahre 1919 u. Z. den Überrest seiner gesalbten Jünger prüfend besichtigte, stellte er fest, daß der eingesetzte „Sklave“ beim Austeilen der Speise an seine „Hausknechte“ treu und verständig handelte. Daher setzte er diese „Sklaven“klasse über seine ganze Habe. Ihre größere Verantwortung bestand jetzt darin, durch ihren Dienst zur Erfüllung der Königreichsprophezeiungen beizutragen, die sich nun verwirklichen sollten. Während all der Jahrhunderte setzte sich die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ aus Personen zusammen, die „Gesandte an Christi Statt“ waren, Gesandte, die die Menschen inständig baten, durch Christus mit Gott versöhnt zu werden. (2. Korinther 5:19, 20) Seit ihrer Einsetzung im Jahre 1919 sind sie jedoch Gesandte des aufgerichteten messianischen Königreiches, und die Botschaft vom Königreich hat eine neue Bedeutung und mehr Gewicht bekommen. (Matthäus 24:14; Markus 13:10) Sie haben das Vorrecht und die Pflicht, bereitwillig als Werkzeuge zu dienen, durch die die Königreichsprophezeiungen verwirklicht werden, die seit dem Jahre 1914 u. Z. ihre endgültige Erfüllung finden. Welch eine Ehre für sie, als Werkzeuge bei der Erfüllung all der Dinge zu dienen, die in der Offenbarung durch eindrucksvolle Sinnbilder und durch die beglückende Botschaft von der Tausendjahrherrschaft Christi vorhergesagt werden!

      52. Inwiefern ist die „Sklaven“klasse dadurch erhöht worden, und wie wird dies in der Offenbarung veranschaulicht?

      52 Alle diese Vorrechte und diese Pflichten, diese höhere Stellung und diese Ehren waren dem Überrest der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ in Aussicht gestellt worden und sind ihm von seinem himmlischen Herrn, dem regierenden König, Jesus Christus, verliehen worden. Kein Wunder, daß er „glücklich“ gepriesen werden kann! Er ist dadurch, daß ihm diese kostbaren Dinge übertragen worden sind, tatsächlich erhöht worden. Dies erinnert an das in Offenbarung 11:11, 12 beschriebene Bild von den „zwei Zeugen“, die von ihren Feinden getötet wurden und deren Leichname auf der breiten Straße der „großen Stadt“ dreieinhalb Tage liegen gelassen wurden und so von jedermann gesehen werden konnten: „Und nach den dreieinhalb Tagen kam von Gott her Geist des Lebens in sie, und sie stellten sich auf ihre Füße, und große Furcht befiel die, die sie sahen. Und sie hörten eine laute Stimme aus dem Himmel zu ihnen sagen: ,Kommt hierherauf.‘ Und sie gingen in der Wolke in den Himmel hinauf, und ihre Feinde sahen sie.“

      53. (a) Warum waren die Vorrechte und Pflichten der „Sklaven“klasse jetzt größer? (b) Wie wurden die „Hausknechte“, auch nachdem die Restbestände früherer Publikationen veräußert worden waren, mit Speise versorgt?

      53 Für die Glieder der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ bedeuteten diese erhabenen Vorrechte und Pflichten mehr Arbeit. Sie mußten mehr Zeit einsetzen und sich um mehr kümmern, ferner benötigten sie größere Produktionsanlagen, damit sie das Werk bewältigen konnten und so die Erfüllung der biblischen Prophezeiungen über dieses Königreichswerk nicht ausblieb. Sie mußten auch ein größeres Feld bearbeiten: alle Gebiete der bewohnten Erde. (Offenbarung 14:6, 7; 10:11) Natürlich mußte den „Hausknechten“ des Herrn weiterhin regelmäßig Speise gegeben werden. Und wie reich besetzt mit geistiger Speise aus der Bibel ist die Tafel stets gewesen, an der sie speisten! Nachdem man die Restbestände der Schriftstudien von C. T. Russell und des Buches Das vollendete Geheimnis im Jahre 1927 veräußert hatte, trat dennoch für diese „Hausknechte“ kein Mangel an geistiger Speise ein. Vom Jahre 1921 an, als das Buch Die Harfe Gottes herauskam, sind neue und zeitgemäße Bücher, Broschüren und Traktate veröffentlicht worden. Im Oktober 1919 erschien sogar eine Begleitzeitschrift zum Wachtturm, die Zeitschrift The Golden Age (Das Goldene Zeitalter, jetzt Erwachet!).

      54. Zur Verwirklichung welcher in der Offenbarung beschriebenen Vision durfte die „Sklaven“klasse durch das zusätzliche Vorrecht, das sie erhielt, beitragen, und wieso wurde sie dadurch vor eine große Aufgabe gestellt, erhielt aber gleichzeitig Hilfe?

      54 Außerdem hat die von ihrem Herrn mit zusätzlichen Vorrechten und Pflichten belohnte Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ zur Verwirklichung der eindrucksvollen Vision beigetragen, die der Apostel Johannes unter Inspiration hatte und die in Offenbarung 7:9-17 beschrieben wird. Vom Jahre 1935 an haben die Glieder der „Sklaven“klasse sehen können, wie diese Vision Wirklichkeit geworden ist. Beglückt sehen sie, wie eine an Zahl unbegrenzte „große Volksmenge“ aus allen Gebieten der Erde Jehova Gott in seinem geistigen Tempel lobpreist und anbetet und ihm sowie seinem Lamm, Jesus Christus, Rettung zuschreibt. Für die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“, die geistigen Israeliten, ist es eine große Aufgabe gewesen, für diese ständig wachsende „große Volksmenge“ zu sorgen, aber sie ist sich dessen bewußt, daß diese schafähnlichen Menschen „aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen“ ein kostbarer Teil „seiner ganzen Habe“ auf der Erde sind. Daher sorgt sie mit Freuden für die geistigen Bedürfnisse dieser „anderen Schafe“. Andererseits wird der „treue und verständige Sklave“ von dieser „großen Volksmenge“ bei der Betreuung der ganzen irdischen „Habe“ des Herrn unterstützt.

      „WENN ABER JENER ÜBELGESINNTE SKLAVE ...“

      55, 56. Warum muß sich jedes Glied der „Sklaven“klasse fortgesetzt als treu und verständig erweisen, und was sagte Jesus in diesem Zusammenhang warnend?

      55 Diese Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ wird bis zum Ende ihres glücklichen Dienstes auf der Erde für den Herrn Jesus Christus arbeiten. Aber heute muß jedes geistgezeugte, gesalbte Glied dieser „Sklaven“klasse auf seinen Wandel achten, damit es sich nicht als unwürdig erweist, weiterhin zu dieser hochbegünstigten Klasse zu gehören. Würde sich ein Glied dieser Klasse nicht mehr als treu und verständig erweisen, wäre es einem Menschen gleich, der sich zu einem „übelgesinnten Sklaven“ entwickelt. Jesus warnte in seinem Gleichnis vor dieser Gefahr mit den Worten:

      56 „Wenn aber jener übelgesinnte Sklave [je] in seinem Herzen sagen sollte: ,Mein Herr bleibt noch aus‘ und anfangen sollte, seine Mitsklaven zu schlagen, und mit den Gewohnheitstrinkern [wörtlich: denen, die sich betrinken] essen und trinken sollte, wird der Herr jenes Sklaven an einem Tage kommen [griechisch: héxei], an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die ihm nicht bekannt ist, und wird ihn mit der größten Strenge bestrafen [wörtlich: er wird ihn auseinanderschneiden] und wird ihm seinen Teil mit den Heuchlern setzen. Dort wird sein Weinen und sein Zähneknirschen sein.“ — Matthäus 24:48-51; Lukas 12:45, 46, Kingdom Interlinear Translation.

      57. (a) Sagte Jesus, der Herr habe von Anfang an einen übelgesinnten Sklaven eingesetzt oder der ursprünglich eingesetzte Sklave habe sich zu einem bösen Sklaven entwickelt? (b) Was zeigte Jesus dadurch, wie er diesen Teil des Gleichnisses einleitete?

      57 Wenn wir diese Worte Jesu genau betrachten, stellen wir fest, daß er nicht sagt, der scheidende „Herr“ habe von Anfang an einen „übelgesinnten Sklaven“ eingesetzt; er sagt auch nicht, der „treue und verständige Sklave“ entwickle sich zu einem bösen oder „übelgesinnten“ Sklaven. Jesus schneidet mit den Worten „wenn aber ... je“ (nach Lukas 12:45) lediglich diese Frage an. Er sagt, wenn der über die Hausknechte gesetzte Sklave, nachdem er in seinem Herzen „böse“ geworden sei, je sagen sollte, sein Herr komme noch lange nicht, und beginne, ungehörig zu handeln, dann würde sein Herr bei seiner Rückkehr so mit ihm verfahren. Er würde mit ihm ganz anders verfahren als mit dem Sklaven, den er über seine ganze Habe setzte. Jesus äußerte also folgenden Gedanken: Angenommen, der eingesetzte Sklave würde böse und handelte untreu und unklug, was würde dann sein Herr, wenn er unerwartet wiederkäme, mit ihm tun? Er würde so handeln, wie Jesus es beschrieb. Jesus sagte nicht, daß sich der ursprünglich eingesetzte Sklave mit Sicherheit oder sehr wahrscheinlich zu einem bösen Sklaven entwickle.

      58. (a) Wie geben andere, neuzeitliche Übersetzungen diesen Text wieder? (b) In welcher Lage befände sich Jesus, wenn sich die von ihm eingesetzte „Sklaven“klasse zu einem bösen Sklaven entwickeln würde?

      58 In einigen neuzeitlichen, etwas freieren Übersetzungen der Worte Jesu kommt dieser Gedanke deutlicher zum Ausdruck. In der Menge-Bibel wird gesagt: „Wenn aber ein solcher Knecht schlecht ist und in seinem Herzen denkt: ,Mein Herr kommt noch lange nicht!‘, und wenn er seine Mitknechte zu schlagen beginnt und mit den Trunkenen ißt und trinkt ...“ (Matthäus 24:48, 49) Ähnlich wird dieser Text in der Übersetzung von Kürzinger wiedergegeben. Nach dem Neuen Testament 1968 lautet dieser Text: „Wenn aber ein unzuverlässiger Diener denkt ...“ Im Neuen Testament von Ludwig Albrecht (1962) heißt es: „Ist aber der Knecht gewissenlos und denkt in seinem Herzen ...“ Jesus sagt nicht mit Bestimmtheit voraus, daß es einen „übelgesinnten Sklaven“ geben werde. Er beschreibt lediglich, wie ein untreuer und unverständiger Sklave denken, sprechen und handeln würde und wie ihn sein Herr bei seiner unerwarteten Rückkehr bestrafen würde. Würde sich der vom Herrn Jesus eingesetzte „Sklave“ zu einem übelgesinnten Sklaven entwickeln, so wäre kein „Sklave“ vorhanden, den der Herr für seine Treue belohnen könnte. Jesus hat nicht zwei Sklavenklassen eingesetzt.

      59. (a) Für was für eine „Sklaven“klasse legte Jesus den Grund? (b) Deuten die Prophezeiungen an, daß die „Sklaven“klasse sich als böse erweisen würde, oder was geht daraus hervor?

      59 Jesus achtete sorgfältig darauf, daß er vor seinem Weggehen vor neunzehnhundert Jahren keinen „Sklaven“ über seine „Hausknechte“ setzte, der schlecht war, übel gesinnt oder nutzlos. Der Bericht in den Christlichen Griechischen Schriften beweist, daß sich die eingesetzte „Sklaven“klasse nicht als böse erwies, und die Prophezeiungen über diese Klasse zeigen, daß nicht zu erwarten war, daß sie sich als böse erweisen oder böse handeln würde. Mit seinen erprobten Aposteln, die sich als treu erwiesen hatten, legte er den Grund für den Aufbau einer Dienerschaft, bestehend aus treuen Sklaven. In Offenbarung 7:3-8 wird vorhergesagt, daß 144 000 geistige Israeliten als „Sklaven unseres Gottes“ versiegelt würden. In Offenbarung 12:17 wird vorhergesagt, daß der Drache, Satan, der Teufel, nachdem er aus dem Himmel hinausgeworfen worden wäre, mit den Übriggebliebenen des „Samens“ des „Weibes“ Gottes, „die die Gebote Gottes halten und das Werk des Zeugnisgebens für Jesus innehaben“, Krieg führen würde. Und in Offenbarung 14:1-4 wird vorhergesagt, daß alle 144 000, „die dem Lamme beständig folgen, ungeachtet, wohin er geht“, mit ihm auf dem Berge Zion stehen. Sie sind „von der Erde erkauft worden“. „Diese wurden als Erstlinge aus den Menschen für Gott und für das Lamm erkauft.“

      60. (a) Sind Personen, die wie „jener übelgesinnte Sklave“ handeln, vom Herrn Jesus als ein solcher eingesetzt worden? (b) Was bilden diese Personen insgesamt?

      60 Wenn es eine Klasse geistgezeugter, gesalbter Christen gibt, die so handelt wie „jener übelgesinnte Sklave“, so ist sie nicht vom Herrn Jesus über seine Hausknechte oder seine „Dienerschaft“ eingesetzt worden. Einzelne Glieder der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ mögen aus selbstsüchtigen Gründen, wie Ehrgeiz, Machtgelüste oder Genußsucht, abfallen. Diese Egoisten mögen zwar einzelne Gruppen bilden, um ihre Ziele zu verfolgen. Insgesamt würden sie jedoch eine einzige Klasse bilden, die von der Klasse des „treuen und verständigen“ Sklaven völlig getrennt wäre.

      61. Ist vernünftigerweise anzunehmen, daß es Fälle gibt, die erkennen lassen, was Jesus mit dem, was er über den „übelgesinnten Sklaven“ sagte, meinte?

      61 Es ist vernünftig, anzunehmen, daß das, was Jesus in einem Gleichnis schildert, entweder auf Einzelfälle oder auf einen allgemeinen Fall zutrifft und erkennen läßt, was er über ein gewisses Verhalten und dessen Ausgang sagen wollte. In diesem Falle wurde gezeigt, daß Jesus einen solchen „übelgesinnten Sklaven“ oder eine solche Art Christen nicht einsetzte, sondern daß es untreuen, unzuverlässigen, nicht vertrauenswürdigen und unverständigen Christen während seiner unsichtbaren Parusie oder Gegenwart so ergehen würde, wie er es schilderte.

      62. Welche Beispiele hierfür könnten besonders aus der Zeit des Ersten Weltkrieges erwähnt werden, und wie wirkte sich dies auf die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ aus?

      62 Kurz nach dem Tod des Redakteurs der Zeitschrift The Watch Tower und des Gründers der Watch Tower Bible and Tract Society im Jahre 1916 u. Z. gab es unter den Gliedern der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung solche Fälle. Einzelne wollten sich über die Bestimmungen der Statuten der Gesellschaft hinwegsetzen und deren Leitung an sich reißen. Es entstanden verschiedene Meinungen darüber, wer die vom Herrn gebilligte Organisation bilde. Die Absichten derer, die die Leitung an sich reißen wollten oder die mit den aufrichtigen Bemühungen, alles entsprechend den Statuten und in Übereinstimmung mit den biblischen Grundsätzen zu regeln, nicht einverstanden waren, wurden vereitelt. Sie fingen an, ‘ihre Mitsklaven zu schlagen’, und zwar durch Worte — gedruckte und gesprochene — sowie durch Gerichtsverfahren. Sie stellten sich, besonders während des Ersten Weltkrieges, auf die Seite der „Gewohnheitstrinker“ dieser Welt, das heißt auf die Seite derer, die in geistigem Sinne Gewohnheitstrinker sind. Das war eine große Belastung für die Organisation, die damals von religiösen Gegnern heftig verfolgt wurde. Die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ kam dadurch in eine schwere Prüfung.

      63. (a) Wieso geht aus Jesu Worten mit Sicherheit hervor, daß es solch einer Gruppe des „übelgesinnten Sklaven“ nicht gelingen würde, die Einheit seines „Haushalts des Glaubens“ zu zerstören? (b) Wie erfüllte sich diese Vorhersage?

      63 Aus dem Gleichnis Jesu ging mit Sicherheit hervor, daß er während seiner Parusie oder Gegenwart nicht zulassen würde, daß es diesen Untreuen, die die Eigenschaften jenes „übelgesinnten Sklaven“ aufwiesen, gelingen würde, die Einheit seines „Haushalts des Glaubens“ zu zerstören oder diesen zu beherrschen oder den Sklaven daran zu hindern, seiner Aufgabe, den „Hausknechten“ des Herrn ihre geistige „Speise zur rechten Zeit“ zu geben, nachzukommen. Zur Zeit seiner Besichtigung bestrafte der Herr diese übelgesinnte Klasse mit größter Strenge, oder — nach der buchstäblichen Bedeutung des griechischen Verbs, das in Matthäus 24:51 gebraucht wird — ‘er schnitt sie entzwei’ (New World Translation, 1971, Fußnote; EB). Er „schnitt“ die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ und die Klasse derer, die sich schlecht benahmen, „auseinander“. Der Beweis hierfür waren die offensichtlichen Unabhängigkeitsbestrebungen der letzteren und die Tatsache, daß sie sich zurückzogen und eigene religiöse Gruppen unter einer Leitung nach ihrem Geschmack bildeten. Jeder, der wissen möchte, wohin ihr Vorgehen geführt hat, hat die Möglichkeit, sich darüber zu informieren.

      64. Mit wem wird der Herr denen, die jenem „übelgesinnten Sklaven“ gleichen, ihr Teil zuweisen? Unter wem möchte er diese keinesfalls sehen?

      64 Eine solche Klasse, die „auseinandergeschnitten“, das heißt abgetrennt wurde, verriet die Merkmale jenes „übelgesinnten Sklaven“, den Jesus beschrieb, und mußte auch die von Jesus erwähnten Folgen tragen; sie könnte, wenigstens in einer gewissen Hinsicht, als Klasse des „übelgesinnten Sklaven“ bezeichnet werden. Jesus sagte im Gleichnis, der Herr würde diesem Sklaven „seinen Teil mit den Heuchlern setzen“. (Matthäus 24:51) In dem analogen Gleichnis, in dem der „Sklave“ ein „Verwalter“ genannt wird, sagte Jesus: „Er wird ... ihm ein Teil mit den Untreuen zuweisen.“ (Lukas 12:46) Der Herr Jesus möchte keinesfalls, daß sich während seiner Parusie oder Gegenwart unter seiner „Dienerschaft“ oder seinen „Hausknechten“ Personen befinden, die nur angebliche Christen sind und die die Eigenschaften jenes „übelgesinnten Sklaven“ aufweisen. Es zeigt sich, daß das Christentum dieser Personen nicht echt ist. Daher gehören sie zu den religiösen Heuchlern der Christenheit. Sie haben die ihnen vom Herrn übertragene Aufgabe nicht treu erfüllt, sie sind darin nicht gewissenhaft, nicht zuverlässig und nicht vertrauenswürdig gewesen. Ihr Platz ist daher bei den untreuen Namenchristen der Christenheit.

      65. Was ist der Grund, weshalb diejenigen, die jenem „übelgesinnten Sklaven“ gleichen, weinen und mit den Zähnen knirschen?

      65 Für die Personen, die die Eigenschaften eines „übelgesinnten Sklaven“ offenbaren, ist es kein geistiger Genuß, unter den Heuchlern und den Untreuen zu sein, und sie müssen dasselbe durchmachen wie diese Heuchler und diese untreuen Religionsanhänger. ‘Dort wird ihr Weinen und ihr Zähneknirschen sein.’ (Matthäus 24:51) Sie werden nicht aus Reue weinen. Es ist keine „gottgemäße Traurigkeit“, die „Reue zur Rettung, die nicht zu bereuen ist“, bewirkt. (2. Korinther 7:10) Sie weinen und knirschen mit den Zähnen vor Ärger und weil sie bitter enttäuscht sind. Sie mögen sich immer noch religiös betätigen, aber ihnen fehlt die Freude und der Segen, die es mit sich bringt, wenn man die Aufgabe des vom Herrn gebilligten Sklaven, der ‘über die ganze Habe des Herrn gesetzt ist’, erfüllt.

      WARNUNG DAVOR, WIE VON EINER SCHLINGE ÜBERRASCHT ZU WERDEN

      66. Mit welchen Worten schloß Jesus gemäß dem Bericht des Lukas seine Prophezeiung über das „Zeichen“, um seine Jünger zu warnen?

      66 Jesus sprach in seiner Prophezeiung über das Zeichen seiner „Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge“ aber nicht nur durch dieses Gleichnis — in dem gezeigt wird, wie es einem „übelgesinnten Sklaven“ ergehen wird — eine Warnung aus, sondern er äußerte seinen Aposteln gegenüber eine direkte Warnung, die allen seinen Jüngern galt; er warnte sie davor, so zu handeln wie ein „übelgesinnter Sklave“. Wie Lukas berichtet, schloß Jesus seine erstaunliche Prophezeiung mit den Worten: „Gebt aber auf euch selbst acht, damit euer Herz niemals durch zuviel Essen und zuviel Trinken und Sorgen des Lebens beschwert werde und jener Tag plötzlich, in einem Augenblick, über euch komme wie eine Schlinge. Denn er wird über alle die kommen, die auf der ganzen Erdoberfläche wohnen. Bleibt also wach und fleht allezeit, damit es euch gelinge, all diesen Dingen, die geschehen sollen, zu entgehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen.“ — Lukas 21:34-36.

      67. Warum ist es jetzt, da die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ über die „ganze Habe“ ihres zurückgekehrten Herrn gesetzt worden ist, von größter Wichtigkeit, daß jeder einzelne diese Warnung beachtet?

      67 Es ist jetzt, da der „treue und verständige Sklave“ des unsichtbar gegenwärtigen Herrn Jesus über dessen „ganze Habe“ gesetzt worden ist, für jeden einzelnen von größter Wichtigkeit, diese Worte zu beherzigen. Der Tag, an dem die „große Drangsal“, die ohne Beispiel sein wird, über die Christenheit, das gegenbildliche untreue Jerusalem, hereinbricht, steht unmittelbar bevor. Wie eine Schlinge, die sich unerwartet zuzieht, wird jener Tag über die Bewohner der Erde hereinbrechen, und alle, die nicht wachsam sind, werden davon überrascht werden, während sie zuviel essen und zuviel trinken und von Sorgen um selbstsüchtige Dinge des Lebens beschwert werden. Der „Tag“, der wie eine Schlinge über sie kommen wird, wird ihnen die Vernichtung bringen. Die Glieder der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ möchten nicht, daß es ihnen so ergeht wie diesen selbstsüchtigen, unachtsamen Personen und denen, die so sind wie „jener übelgesinnte Sklave“.

      68. (a) Was außer der Tatsache, daß es heute den „treuen und verständigen Sklaven“ gibt, beweist, daß wir in der Zeit leben, auf die das „Zeichen“ hindeutet? (b) Um welches Gelingen unsererseits sollten wir deshalb flehen?

      68 Wir haben keinen Grund, uns nicht im klaren darüber zu sein, in welcher Zeit wir leben. Wir haben das getan, was wir gemäß Jesu Gleichnis ‘von dem Feigenbaum und von allen anderen Bäumen’ tun sollten, daher wissen wir, in welcher Zeit wir leben und was uns unmittelbar bevorsteht. Die Erfüllung des prophetischen Gleichnisses vom „treuen und verständigen Sklaven“ nähert sich jetzt ihrem Höhepunkt. Nicht nur die Tatsache, daß es heute die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“ gibt, sondern auch die Tatsache, daß diese Klasse über die ganze Habe des Herrn gesetzt worden ist und daß sie diese Habe verwaltet, ist ein wichtiger Bestandteil des „Zeichens“, das beweist, daß wir in der Parusie, der unsichtbaren Gegenwart, des auf den Thron erhobenen Königs Jesus Christus leben, gleichzeitig aber auch in der Zeit des „Abschlusses des Systems der Dinge“. (Matthäus 24:3) Der Tag, an dem dieses „System der Dinge“, einschließlich der Christenheit, vernichtet wird, wird bald wie eine Schlinge über die Menschen kommen. Deshalb ist es erforderlich, ‘wach zu bleiben’. Allezeit sollten wir flehen, damit es uns „gelinge, all diesen Dingen, die geschehen sollen, zu entgehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen“. — Lukas 21:36.

      [Fußnote]

      a Siehe das Buch Der Krieg von Harmagedon, herausgegeben 1897, Seite 466, unter der Überschrift „Darreichung von Speise an den Haushalt. — Matth. 24:45-51; Luk. 12:42-46.“

  • Die Vernichtung des „Menschen der Gesetzlosigkeit“
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 18. Kapitel

      Die Vernichtung des „Menschen der Gesetzlosigkeit“

      1. Warum haben noch zu keiner Zeit so viele Menschen gefordert, daß der Friede zwischen den Völkern gesichert werde, wie heute?

      NOCH zu keiner Zeit haben so viele Menschen gefordert, daß der Friede zwischen den Völkern gesichert werde, wie heute. Der Grund dafür ist offenbar der Umstand, daß wir im „Atomzeitalter“ leben und fünf Mächte bereits im Besitz von Atomwaffen sind; weitere Staaten werden hinzukommen, sobald auch sie hinter das Geheimnis der Herstellung solcher Waffen kommen und anfangen, sie zu produzieren. Heute droht der Menschheit Tod und Verderben, nicht nur durch landgestützte Raketen, sondern auch durch Raketen-U-Boote, die an verschiedenen strategischen Orten im Meer stationiert sind.

      2. Welche ungewöhnlichen Bestrebungen im Interesse eines internationalen Friedens sind daher heute zu beobachten?

      2 Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß Staatsmänner offenbar ehrliche Anstrengungen machen, einen Atomkrieg zu vermeiden. Angesichts der Gefahr einer Massenvernichtung durch Atomwaffen zeigen sie sich geneigter, einander entgegenzukommen. Länder, die sich bisher feindlich gesinnt waren, sind jetzt bereit, etwas zur Entspannung der Atmosphäre beizutragen. Man gelangt immer mehr zu der Überzeugung, daß alles getan werden sollte, um den Frieden zu festigen. Man hofft zuversichtlich, daß „eine Generation lang Frieden“ herrschen wird. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (1973) mit 34 Teilnehmerstaaten beweist, daß der Trend in der Welt dahin zielt. Man will erreichen, daß die Staaten sich bereit erklären, auf Gewaltanwendung in den zwischenstaatlichen Beziehungen zu verzichten.

      3. (a) Was werden die sich selbst beglückwünschenden Staatsmänner jubelnd ausrufen, wenn sie den Punkt erreicht haben, auf den die politische Entwicklung in der Welt zusteuert? (b) Wessen Tag wird dann kommen, und warum werden die, die dies ausrufen, überrascht sein?

      3 Die politische Entwicklung in der Welt steuert offenbar auf den Punkt zu, an dem die Staatsmänner sich selbst beglückwünschen und jubeln werden: „Friede und Sicherheit!“ Bedeutet es, wenn dieser Zustand mit dem Segen der Vereinten Nationen erreicht sein wird, daß die Menschheit nun eine „Generation lang Frieden“ haben wird? Es gibt in der Bibel Prophezeiungen, in denen etliches darüber gesagt wird. Aus diesen Prophezeiungen geht hervor, daß der Schöpfer des Menschen und der Urheber der Bibel Zeiten und Zeitabschnitte festgelegt hat, in denen sich bestimmte Dinge ereignen sollen, und er hält seine Zeit auch ein. Sein Tag wird kommen! Er wird nicht hinausgeschoben, obwohl es den Weltpolitikern scheinbar gelingen wird, schließlich „Frieden und Sicherheit“ herbeizuführen. Es hängt nicht von Menschen ab, wann sein Tag kommen wird. Gerade die Friedensregelung, zu der die Völker kommen, so daß sie sich berechtigt fühlen auszurufen: „Friede und Sicherheit!“, wird das vorausgesagte Zeichen dafür sein, daß sein Tag bald anbrechen wird. Für die Menschheit wird das, was dieser Tag ihr bringen wird, eine Überraschung sein. Ihre Überraschung wird groß sein, weil sie den Prophezeiungen im Worte Gottes und dem, was Gott durch seine Zeugen hat verkündigen lassen, nicht geglaubt hat.

      4. Was schrieb Paulus an die Christen in Thessalonich über die Zeit, in der der Ruf: „Friede und Sicherheit!“ zu hören wäre?

      4 Vor vielen Jahrhunderten hielten Menschen, die das von Gott inspirierte prophetische Wort erforschten, Ausschau nach dem Anbruch seines Tages. An die damals neu gegründete Christenversammlung in Thessalonich (Mazedonien) schrieb der Apostel Paulus vor neunzehnhundert Jahren einen Brief, in dem er diesen Erforschern der Bibel erklärte: „Was nun die Zeiten und die Zeitabschnitte betrifft, Brüder, braucht euch nichts geschrieben zu werden. Denn ihr selbst wißt sehr wohl, daß Jehovas Taga genauso kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wann immer sie sagen: ,Friede und Sicherheit!‘, dann wird plötzliche Vernichtung sie überfallen wie die Geburtswehe eine Schwangere; und sie werden keinesfalls entrinnen. Ihr aber, Brüder, ihr seid nicht in Finsternis, so daß jener Tag euch so überfalle, wie er Diebe überfallen würde, denn ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages. Wir gehören weder zur Nacht noch zur Finsternis. So laßt uns denn nicht weiterschlafen wie die übrigen, sondern laßt uns wach und besonnen bleiben.“ — 1. Thessalonicher 5:1-6.

      5. (a) Was hatte Jesus für die Zeitperiode, in der Paulus seinen ersten Brief an die Christen in Thessalonich schrieb, vorhergesagt? (b) Was war nach der Ansicht einiger von ihnen damals nahe, und welchen Wunsch hatten sie?

      5 Diesen Brief an die Versammlung in Thessalonich (Mazedonien) schrieb der Apostel Paulus um das Jahr 50 u. Z. Das war ungefähr in der Mitte zwischen den Jahren 33 und 70 u. Z., der Zeitperiode, von der Jesus Christus in seiner Prophezeiung auf dem Ölberg sagte, sie würde daran zu erkennen sein, daß man von „Kriegen und Kriegsberichten“ hören würde, weil in jener Zeit „Nation ... sich gegen Nation“ erheben würde und „Königreich gegen Königreich“. Es wäre also alles andere als eine Friedenszeit. (Matthäus 24:4-7) Dennoch gab es in der Versammlung in Thessalonich in dem Jahr, nachdem Paulus ihr seinen ersten Brief geschrieben hatte, Christen, die sich zu dem Glauben verleiten ließen, „daß der Tag Jehovas hier sei“. Es gibt indes keinen Beweis dafür, daß die Staatsmänner in jener Zeit (50/51 u. Z.) gesagt hätten: „Friede und Sicherheit!“, wie dies nach dem, was Paulus in seinem Brief geschrieben hatte, kurz vor der „plötzlichen Vernichtung“, die über die weltlichen Friedensstifter kommen würde, geschehen sollte. Die Christen in Thessalonich machten eine schwere Zeit durch, weil sie von ihren religiösen Gegnern verfolgt wurden, und sie hatten den Wunsch, augenblicklich in den Himmel genommen zu werden, um von der Drangsal erlöst zu werden und mit dem Herrn Jesus Christus vereint zu sein.

      6, 7. Was schrieb Paulus jenen Thessalonichern, weil er wußte, daß sie ihren Glauben weiterhin unter schwierigen Verhältnissen beweisen müßten?

      6 Um das Jahr 51 u. Z. hielt der Apostel Paulus es daher für ratsam, den Christen in Thessalonich einen zweiten Brief zu schreiben, um ihr geistiges Gleichgewicht wiederherzustellen. Er brachte zum Ausdruck, daß er sich freue, zu sehen, wie sie trotz Verfolgung und Leiden ausharrten und im Glauben stark blieben und fügte dann hinzu: „Dies ist ein Beweis des gerechten Gerichts Gottes und führt dazu, daß ihr des Königreiches Gottes würdig erachtet werdet, für das ihr in der Tat leidet.“ Er bestärkte sie nicht in dem Glauben, daß sie bald von ihren Bedrängern befreit würden, sondern wies auf die künftige „Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht“ hin. Er war sich bewußt, daß sie ihren christlichen Glauben weiterhin unter schwierigen Verhältnissen beweisen müßten, daher schrieb er:

      7 „Gerade zu diesem Zweck beten wir tatsächlich allezeit für euch, daß unser Gott euch seiner Berufung würdig erachte und alles Gute, das ihm gefällt, und das Werk des Glaubens mit Macht vollbringe, damit der Name unseres Herrn Jesus in euch verherrlicht werde und ihr in Gemeinschaft mit ihm, gemäß der unverdienten Güte unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus.“ — 2. Thessalonicher 1:5-12.

      8. Über welchen Gedanken sollten sie sich gemäß den ermahnenden Worten des Paulus nicht aufregen, damit sie in ihren Erwartungen in Verbindung mit der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems nicht enttäuscht würden?

      8 Die Zerstörung des irdischen Jerusalem zu Lebzeiten jener Generation (im Jahre 70 u. Z.) rückte näher, und der Apostel Paulus wollte nicht, daß die Christen in Thessalonich in ihren unbegründeten Erwartungen enttäuscht würden, die sie an die Zeit unmittelbar vor jener Katastrophe, die über die Juden hereinbrechen sollte, oder an die Zeit unmittelbar danach knüpften. Es war ihm klar, daß sie sich in ihrem Denken korrigieren mußten, daher schrieb er ihnen: „Wir bitten euch jedoch, Brüder, in bezug auf die Gegenwart [griechisch: parousía] unseres Herrn Jesus Christus und unser Versammeltwerden zu ihm hin, euch nicht schnell erschüttern und dadurch von eurem vernünftigen Denken abbringen noch euch aufregen zu lassen, weder durch ein inspirierte Äußerung noch durch eine mündliche Botschaft, noch durch einen Brief, angeblich von uns, in dem Sinne, daß der Tag Jehovas hier sei.“ — 2. Thessalonicher 2:1, 2.

      9. Was schrieb Paulus den Thessalonichern in seinem ersten Brief über die Gegenwart Christi und das Versammeltwerden der Christen zu ihm?

      9 Der Apostel Paulus hatte zusammen mit Silvanus (Silas) und Timotheus, seinen Missionsgefährten, die Versammlung in Thessalonich gegründet, und in seinem ersten Brief, den er an diese Versammlung sandte, nachdem er sie hatte verlassen müssen, schrieb er über die „Gegenwart unseres Herrn Jesus Christus und unser Versammeltwerden zu ihm hin“. Wie wir in 1. Thessalonicher 4:14-18 lesen, schrieb er: „Denn wenn wir den Glauben haben, daß Jesus gestorben und wieder auferstanden ist, so wird Gott auch die im Tode Entschlafenen durch Jesus mit ihm bringen. Denn dies sagen wir euch durch Jehovas Wort, daß wir, die Lebenden, die bis zur Gegenwart des Herrn am Leben bleiben, denen keineswegs zuvorkommen werden, die im Tode entschlafen sind; denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes, und die in Gemeinschaft mit Christus Verstorbenen werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die Lebenden, welche überleben, mit ihnen zusammen in Wolken entrückt werden zur Begegnung mit dem Herrn in der Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. Somit fahrt fort, einander mit diesen Worten zu trösten.“

      10, 11. Auf welchen Teil der Prophezeiung Jesu, die der Apostel Matthäus in seinem Bericht über das Leben Christi festgehalten hat, mögen sie aufmerksam gemacht worden sein?

      10 Außer diesem Brief des Apostels Paulus war in jener Zeit noch das Matthäusevangelium im Umlauf, es wurde um 41 u. Z. geschrieben und war in Hebräisch und in dem Griechisch, das im ersten Jahrhundert u. Z. die internationale Umgangssprache war, vorhanden. Es ist durchaus möglich, daß die Versammlung in Thessalonich auf das aufmerksam gemacht wurde, was der Apostel Matthäus von der Prophezeiung, die Jesus auf dem Ölberg geäußert hatte, schriftlich festgehalten hatte. Matthäus schreibt, Jesus habe, nachdem er die Zerstörung der Stadt Jerusalem (die im Jahre 70 u. Z. erfolgte) vorhergesagt habe, erklärt:

      11 „Sogleich nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird sein Licht nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen im Himmel erscheinen, und dann werden sich alle Stämme der Erde wehklagend schlagen, und sie werden den Sohn des Menschen mit Macht und großer Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Und er wird seine Engel mit großem Trompetenschall aussenden, und sie werden seine Auserwählten von den vier Winden her versammeln, von dem einen äußersten Ende der Himmel bis zu ihrem anderen äußersten Ende.“ — Matthäus 24:29-31.

      12. (a) Erwartete Paulus das Versammeltwerden der Christen zu dem himmlischen Christus unmittelbar nach der Zerstörung Jerusalems? (b) Was sollte nach den Worten des Paulus vor dem vernichtenden Tag Jehovas kommen?

      12 Der Apostel Paulus wußte, daß Gottes Auserwählte nicht unmittelbar nach der Zerstörung Jerusalems, die zu Lebzeiten jener Generation erfolgen würde, von den Engeln unter dem verherrlichten Sohn des Menschen versammelt würden, daß also auch die Christen in Thessalonich zu jener Zeit nicht zum Herrn Jesus Christus hin versammelt würden. Er wußte, daß dem vernichtenden „Tag Jehovas“ mehr vorausgehen mußte als die Zerstörung Jerusalems durch die Römer und das Ertönen des täuschenden Rufes der Staatsmänner: „Friede und Sicherheit!“ Was das sein würde, schreibt der Apostel Paulus den Christen in Thessalonich in folgenden Worten: „Laßt euch in keiner Weise von irgend jemandem verführen, denn er wird nicht kommen, es sei denn, der Abfall komme zuerst und der Mensch der Gesetzlosigkeit, der Sohn der Vernichtung, werde geoffenbart.“ — 2. Thessalonicher 2:3.

      13. (a) Was meinte Paulus mit dem Ausdruck „Abfall“ nicht? (b) Wieso wußte Paulus, der selbst der Abtrünnigkeit beschuldigt worden war, was der Ausdruck bedeutete?

      13 Zuerst mußte also ein Abfall kommen. Was meinte der Apostel Paulus mit dem Ausdruck „Abfall“? Meinte er damit lediglich, daß Jünger Christi dem christlichen Glauben gegenüber gleichgültig würden, daß er ihnen nichts mehr bedeute und sie deswegen abfallen würden? Nein! Das Wort bedeutet weit mehr. Der Apostel Paulus wußte das. Man hatte ja auch ihn der Abtrünnigkeit beschuldigt; diesen Vorwurf hatten beschnittene Juden, die keine Christen waren, gegen ihn erhoben. Deshalb hatte die leitende Körperschaft der Christenversammlung Paulus bei seinem letzten Besuch in Jerusalem den Rat gegeben: „Du siehst, Bruder, wie viele Tausende es unter den Juden gibt, die gläubig sind, und sie alle sind Eiferer für das ,Gesetz‘. Sie haben aber gerüchtweise über dich gehört, daß du alle Juden unter den Nationen Abfall von Moses gelehrt habest, indem du ihnen sagest, sie sollen weder ihre Kinder beschneiden noch den feierlichen Bräuchen gemäß wandeln. Was also ist diesbezüglich zu tun? Auf jeden Fall werden sie hören, daß du angekommen bist [griechisch: elélythas]. So tue denn das, was wir dir sagen.“ (Apostelgeschichte 21:18-23) In den Augen der Juden war das, was Paulus in bezug auf Moses lehrte, Abfall vom wahren Glauben.

      14. Was bedeutet das entsprechende griechische Wort buchstäblich, und welche weiteren Bedeutungen hat es erhalten?

      14 Das griechische Wort, das mit „Abfall“ wiedergegeben wird, bedeutet buchstäblich „Abstand“, „Abscheiden“, „Entfernung“. Lukas 8:13 lautet auszugsweise: „... fallen aber in einer Zeit der Erprobung ab [The New English Bible (NE): werden untreu].“ In 1. Timotheus 4:1 lesen wir: „... daß in späteren Zeitperioden einige vom Glauben abfallen werden [NE: untreu werden].“ Nach der Übersetzung von James Moffatt lautet dieser Text: „Gewisse Personen werden sich gegen den Glauben auflehnen.“ In Hebräer 3:12 wird gesagt: „Nehmt euch in acht, Brüder, daß sich nicht in einem von euch jemals ein böses Herz des Unglaubens entwickle, indem er sich von dem lebendigen Gott zurückzieht [NE: indem er dem lebendigen Gott untreu wird].“ „Darum paßt wohl auf, liebe Brüder, daß keiner von euch ein böses und ungläubiges Herz habe und ihr abfallt vom lebendigen Gott“ (Bruns). „... daß ja keiner von euch ein böses Herz habe, das in Unglauben Gott dem Lebendigen den Rücken kehre!“ (Pfäfflin). Für den Griechen im Altertum bedeutete somit das Wort, das in unserer Sprache mit „Abfall“ wiedergegeben wird, nicht nur „Abscheiden“ und „Entfernung“, sondern auch „Abtrünnigkeit“ oder „Auflehnung“. Deshalb gibt es moderne Übersetzungen, die 2. Thessalonicher 2:3 so wiedergeben, daß der Gedanke von „Empörung“ übermittelt wird.

      15. Wie zeigen neuzeitliche Übersetzungen, daß mit dem Wort „Abfall“ etwas sehr Verwerfliches gemeint ist?

      15 Nach dem Neuen Testament 1968 lautet dieser Text: „Erst muß der Aufstand gegen Gott stattfinden. Der böse Mensch muß erscheinen.“ Nach der Übersetzung von Jörg Zink lautet der Text: „Denn zuvor muß die Gottlosigkeit auf der Erde überhandnehmen. Zuvor muß der eigenmächtige, gesetzlose Mensch triumphieren, der ... im Verderben endet.“ Nach der American Translation lautet dieser Text: „Denn vorher kommt es zu der Empörung, und die Verkörperung des Ungehorsams erscheint — er, welcher der Vernichtung geweiht ist.“ Diese verschiedenen Übersetzungen von 2. Thessalonicher 2:3 zeigen, daß mit dem Wort „Abfall“ etwas sehr Verwerfliches gemeint ist.

      ABFALL VON WEM?

      16. (a) Wieso wissen wir, gegen wen sich diese Auflehnung oder Empörung richtet? (b) Was zeigt ob dieser „Mensch der Gesetzlosigkeit“ ein einzelner Mensch ist und ob es sich dabei nur um einen Antichristen handelt?

      16 Gegen wen richtet sich diese Auflehnung, diese Empörung? Von wem werden viele abfallen, oder wem werden sie abtrünnig werden? Die weitere Beschreibung darüber, wie sich diese Empörung entwickeln wird, zeigt deutlich, daß sie gegen Jehova Gott gerichtet ist, vor dessen Tag dieser Abfall kommen soll. Dieser Abfall soll zur Offenbarung des „Menschen der Gesetzlosigkeit, des Sohnes der Vernichtung“, führen. Ist damit ein buchstäblicher Mensch gemeint? Nein, denn für die Erfüllung dieser Prophezeiung war eine lange Zeit erforderlich, und so lange vermag kein Mensch zu leben. Mit dieser Erklärung stimmt die Wiedergabe dieses Textes in der American Translation überein, in der die Ausdrücke „die Verkörperung des Ungehorsams“ und „er, der zur Vernichtung verurteilt ist“ gebraucht werden. Wir stellen fest, daß er nicht als „der Antichrist“ bezeichnet wird. Allerdings zeigt es sich, daß er ein Antichrist ist. Schon um das Jahr 98 u. Z. schrieb der Apostel Johannes über die damalige Zeit: „So sind nun auch viele zu Antichristen geworden ... Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, derjenige, der den Vater und den Sohn leugnet.“ (1. Johannes 2:18, 22) Nicht nur der Sohn Gottes, sondern auch Gott, der Vater, wird geleugnet.

      17. Was bedeutet es, daß dieser Antigott als der „Sohn der Vernichtung“ bezeichnet wird, und wann wird er vernichtet?

      17 Es ist daher richtiger, den „Menschen der Gesetzlosigkeit“ als Antigott zu bezeichnen. Dieser Antigott ist gesetzlos gegenüber Gott, und da er gegen Gott, den Vater, ist, ist er auch gegen Jesus Christus, den Sohn Gottes. Der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ wird, schon ehe er erscheint, „Sohn der Vernichtung“ genannt. Dieser bildliche Ausdruck bedeutet, daß er Vernichtung ererben wird, daß er zur Vernichtung verurteilt ist, daß er „der Vernichtung geweiht ist“. Der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ verdient die Vernichtung; er wird diesem Geschick nicht entgehen. Am „Tag Jehovas“ wird er zu Recht vernichtet werden. Dieser Antigott wird vor jenem Tag geoffenbart.

      18. (a) Was läßt die Tatsache, daß dieser Gesetzlose mit dem „Abfall“ in Zusammenhang steht, hinsichtlich seines Verhältnisses zu Gott erkennen? (b) Standen die natürlichen Juden in den Tagen des Apostels Paulus in einem friedlichen Verhältnis zu Gott, von dem sie abfallen konnten?

      18 Der „Mensch der Gesetzlosigkeit“, den die Vernichtung erwartet, steht in Zusammenhang mit dem vorhergesagten „Abfall“, der Auflehnung, der Empörung gegen Gott. Diese Tatsache läßt mit Sicherheit erkennen, daß der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ ursprünglich mit Gott verbunden war, daß er friedliche Beziehungen zu Gott hatte. Zu der Zeit, da der Apostel Paulus seinen Brief an die Christen in Thessalonich schrieb, hatten die natürlichen, beschnittenen Juden keinen Frieden mit Gott, sie hatten kein harmonisches Verhältnis zu ihm. In Thessalonich waren es die Juden gewesen, die das Volk aufgehetzt hatten, so daß der Apostel Paulus aus jener Stadt und später auch aus Beröa fliehen mußte. (Apostelgeschichte 17:5-15) Paulus schrieb in seinem ersten Brief an die Thessalonicher: „Ihr habt ... dieselben Dinge erlitten wie auch sie [die Versammlungen in Judäa] von seiten der Juden, die sogar den Herrn Jesus und die Propheten getötet und uns verfolgt haben. Überdies gefallen sie Gott nicht, sondern sind gegen die Interessen aller Menschen, da sie versuchen, uns daran zu hindern, zu Leuten von den Nationen zu reden, daß diese gerettet würden, so daß sie das Maß ihrer Sünden allezeit vollmachen. Doch ist sein Zorn schließlich über sie gekommen.“ — 1. Thessalonicher 2:14-16.

      19. In wessen Mitte konnte also der Abfall nur beginnen, und warum dort?

      19 Wo sollte der Abfall sonst beginnen, wenn nicht in der Christenversammlung? Der Apostel Paulus schrieb an die Christen, vertreten durch die Versammlung in Thessalonich: „Paulus und Silvanus und Timotheus an die Versammlung der Thessalonicher in Gemeinschaft mit Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ (2. Thessalonicher 1:1, 2) Diese Christen konnten von Gott abfallen, sie konnten sich gegen Gott auflehnen oder sich gegen ihn empören, weil sie in Gemeinschaft mit ihm und mit Jesus, seinem Messias, waren und die unverdiente Güte und den Frieden Gottes, ihres himmlischen Vaters, durch seinen Sohn Jesus Christus, empfingen. Um wen handelte es sich somit bei diesen Rebellen, die der Christenversammlung angehörten?

      20, 21. (a) Warum würde der Abfall nicht von der jüdischen Nation, sondern von der Christenversammlung ausgehen? (b) Mit welchen Worten warnte Paulus das Presbyterium von Ephesus vor dem kommenden Abfall?

      20 Der Apostel Paulus wies selbst warnend darauf hin, daß der Abfall, die Auflehnung oder die Empörung von Gliedern der Versammlung ausgehen würde, die jetzt Gott gehörte, da er das jüdische Volk nicht mehr als sein auserwähltes Volk anerkannte. Das Volk der natürlichen, beschnittenen Juden bildete nicht mehr die Versammlung Gottes, sondern diese bestand nun aus geistigen Israeliten oder geistigen Juden. Als Paulus, einige Jahre nachdem er seinen zweiten Brief an die Thessalonicher geschrieben hatte, zum letzten Mal nach Jerusalem reiste, kam er auch nach Milet, einer Stadt in Kleinasien. In Milet sprach er zu dem Presbyterium oder der „Ältestenschaft“ der Versammlung des nahe gelegenen Ephesus. Paulus wies in seiner Ansprache an diese Ältesten oder Aufseher auf den kommenden Abfall wie folgt hin:

      21 „Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher euch der heilige Geist zu Aufsehern ernannt hat, um die Versammlung Gottes zu hüten, die er mit dem Blute seines eigenen Sohnes erkauft hat. Ich weiß, daß nach meinem Weggang bedrückende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen werden, und aus eurer Mitte selbst werden Männer aufstehen und verdrehte Dinge reden, um die Jünger hinter sich her wegzuziehen.“ — Apostelgeschichte 20:28-30.

      22, 23. (a) In welchem seiner Briefe warnte auch Petrus vor dem kommenden Abfall, und an wen war dieser Brief gerichtet? (b) Inwiefern hilft uns das, was Petrus in diesem Brief sagt, zu erkennen, wer der gesetzlose „Sohn der Vernichtung“ ist?

      22 Nicht nur der Apostel Paulus, sondern auch sein Mitapostel Petrus war sich bewußt, daß ein Abfall kommen würde. Petrus richtete seinen zweiten und letzten Brief, geschrieben um das Jahr 64 u. Z., „an die, die einen Glauben als ein Vorrecht gleich dem unsrigen erlangt haben, durch die Gerechtigkeit unseres Gottes und des Retters Jesus Christus“.

      23 In seinem Brief führte Petrus dann unter anderem aus: „Prophetie wurde niemals durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern Menschen redeten von Gott aus, wie sie von heiligem Geist getragen wurden. Es gab indes auch falsche Propheten unter dem Volke, wie es auch unter euch falsche Lehrer geben wird. Eben diese werden unauffällig verderbliche Sekten einführen und werden sogar den Gebieter verleugnen, der sie erkauft hat, wodurch sie schnelle Vernichtung über sich bringen. Ferner werden viele ihren Zügellosigkeiten folgen, und ihretwegen wird vom Wege der Wahrheit lästerlich geredet werden. Auch werden sie euch aus Habsucht mit verfälschten Worten ausbeuten. Was aber sie betrifft, nimmt das Gericht von alters her keinen langsamen Verlauf, und ihre Vernichtung schlummert nicht.“ (2. Petrus 1:1, 21 bis 2:3) Das hilft uns, zu erkennen, wer dieser gesetzlose „Sohn der Vernichtung“ ist.

      24, 25. Welche Fragen werden in Verbindung mit den obenerwähnten Worten des Paulus und des Petrus aufgeworfen, um zu ermitteln, wer der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ ist?

      24 Wenn man das bedenkt, was die Apostel Paulus und Petrus über den Abfall gesagt haben, zu welchem Schluß kommt man dann in bezug auf die Identität des „Menschen der Gesetzlosigkeit, des Sohnes der Vernichtung“? Zu den „Ältesten“ oder den „Aufsehern“, die die Versammlung Ephesus vertraten, sagte der Apostel Paulus, daß Männer aufstehen und auf dem Gebiet des Glaubens „verdrehte Dinge“ reden würden. Somit kommen nur die Personen in Betracht, die für die Christenversammlung verantwortlich sind, die dazu eingesetzt oder ernannt worden sind, „die Versammlung Gottes zu hüten“. Wer sind denn die religiösen Führer, die vorgaben, der Versammlung Gottes vorzustehen, die jedoch wie „bedrückende Wölfe“ waren? Wer waren die angeblich christlichen Führer, die ‘die Herde nicht schonten’? Wer waren die führenden religiösen Männer, die aufstanden und „verdrehte Dinge“ redeten, um in der „Versammlung“ „Jünger hinter sich her wegzuziehen“? Wer sind die Männer, die sich — wie die falschen Propheten unter dem ehemaligen Volk Israel — unter den geistigen Israeliten als „falsche Lehrer“ erwiesen haben?

      25 Ja, wer sind die religiösen Führer, die „verderbliche Sekten“ unter denen eingeführt haben, die sich für die Versammlung Gottes halten? Wer sind die Führer dieser Religionsgemeinschaften, die durch Lehre und Praxis den himmlischen „Gebieter verleugnen, der sie erkauft hat“? Welche religiösen Führer haben sich „Zügellosigkeiten“ schuldig gemacht, indem sie sich mit der weltlichen Obrigkeit eingelassen haben? Welche religiösen Führer haben ihren Gemeindemitgliedern ein schlechtes Beispiel gegeben, so daß „vom Wege der Wahrheit lästerlich geredet“ wurde? Welche religiösen Führer haben das Eigentum ihrer Gemeindemitglieder begehrt und haben sie mit „verfälschten Worten“ ausgebeutet?

      DIE IDENTITÄT DES „MENSCHEN DER GESETZLOSIGKEIT“ FESTSTELLEN

      26. Auf wen weist die Geschichte eindeutig hin, und was lesen wir darüber in der Encyclopedia Americana?

      26 Die Geschichte der vergangenen sechzehnhundert Jahre weist eindeutig auf die Geistlichkeit (Klerus) der Christenheit hin. Weiß jemand nicht genau, was mit dem Ausdruck „Geistlichkeit“ der Christenheit gemeint ist? Wenn ja, dann mag ihm folgender Auszug aus dem Werk The Encyclopedia Americana (Ausgabe 1929, Band 7, Seite 90) eine Hilfe sein. Wir lesen dort:

      KLERUS (lateinisch: clericus, griechisch: kleros, Los, Anteil) in der christlichen Kirche der Teil der Gläubigen, der zu gottesdienstlichen Zwecken abgesondert ist. Die Trennung von den Laien wurde schärfer durch die vielen Ämter und Titel, die Privilegien, die Rechte und die geistliche Kleidung oder Standestracht. In der römisch-katholischen Kirche unterscheidet man acht Grade oder Klassen von Klerikern: der einfache Kleriker, vier niedere Weihegrade und drei höhere Weihegrade — Subdiakon, Diakon und Presbyter [d. h. Priester]. ... Die letzten drei gelten als göttliche Institution. Die Aufnahme in den Klerikalstand erfolgt durch den Akt der Tonsur; der Geistliche hat Anspruch auf Amts-, Schutz- und Ehrenrechte, und er übernimmt gewisse Pflichten, die den Laien nicht obliegen. In den protestantischen Kirchen ist die Trennung zwischen Geistlichen und Laien nicht so scharf.

      27. (a) Welche Worte Jesu zeigen, daß es nicht richtig ist, die Glieder der Versammlung in Geistliche und Laien zu trennen? (b) Was schreibt Johannes in der Offenbarung, wodurch er zeigt, daß alle Glieder der Versammlung e i n e Klasse bilden?

      27 Hat Jesus Christus, das Haupt der Christenversammlung, gelehrt, daß seine Jünger in Geistliche und Laien getrennt werden sollten? Weder in den vier Evangelien, Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, noch in der Apostelgeschichte, noch in der Offenbarung wird gelehrt, daß Jesu Jünger in zwei allgemeine Klassen geschieden werden sollten. Jesus lehrte genau das Gegenteil. Im Tempel in Jerusalem sagte er zu seinen Jüngern und zu einer Menge des jüdischen Volkes: „Ihr aber, laßt euch nicht Rabbi nennen, denn e i n e r ist euer Lehrer, während ihr alle Brüder seid. Des weiteren nennt niemand auf der Erde euren Vater, denn e i n e r ist euer Vater, der himmlische. Auch laßt euch nicht ,Führer‘ nennen, denn e i n e r ist euer Führer, der Christus. Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein.“ (Matthäus 23:8-11) Und der Apostel Johannes schreibt in der Offenbarung, die er durch Jesus empfing, daß alle Jünger Jesu Christi Priester seien; er erklärt: „Er hat uns zu einem Königtum, zu Priestern für seinen Gott und Vater gemacht ...“ „Du hast sie zu einem Königtum und zu Priestern für unseren Gott gemacht, und sie werden als Könige über die Erde regieren.“ — Offenbarung 1:6; 5:10.

      28. Wie zeigt auch Petrus in seinem ersten Brief, daß alle Glieder der Versammlung e i n e Klasse bilden?

      28 Auch der Apostel Petrus schreibt an die Christen, daß sie alle Priester wären; wir lesen: „Und laßt euch selbst als lebendige Steine aufbauen als geistiges Haus zu einer heiligen Priesterschaft, um geistige Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind, durch Jesus Christus. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein zu eigen erworbenes Volk, auf daß ihr die Großtaten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat in sein wunderbares Licht.“ — 1. Petrus 2:5, 9, Her.

      29, 30. (a) Was ist mit dem Ausdruck „Loostheil“ gemeint, der in 1. Petrus 5:1-3 (Loch und Reischl) gebraucht und in der Douay-Bibel mit „Klerus“ wiedergegeben wird? (b) Wie wird das entsprechende griechische Wort in neuzeitlichen katholischen Übersetzungen wiedergegeben?

      29 Im ersten Brief des Petrus wird ferner gesagt: „Die Presbyter demnach, welche unter euch sind, ermahne ich, der Mitpresbyter und Zeuge der Leiden Christi, auch als Theilnehmer an der in Zukunft zu enthüllenden Herrlichkeit: weidet die Heerde Gottes, die bei euch ist, indem ihr Aufsicht haltet, nicht erzwungen, sondern freiwillig, Gott gemäß, nicht schmählichen Gewinnes wegen, sondern gerne, und nicht wie G e w a l t h e r r e n über das Loostheil [Douay-Bibel: Klerus], sondern indem ihr Vorbilder werdet der Heerde.“ (1. Petrus 5:1-3, Loch und Reischl, 1899) Mit dem Ausdruck „Loostheil“ (Klerus) ist die ganze Herde der geistigen Schafe Gottes gemeint, und den „Presbytern“, zu denen auch der Apostel Petrus gehörte, wird gesagt, nicht wie Gewaltherren über „das Loostheil“ (Klerus) Aufsicht zu halten. Diese Übersetzung des griechischen Wortes kleros (in der Mehrzahl) in 1. Petrus 5:3 war jedoch unbefriedigend, weshalb moderne katholische Übersetzungen der Bibel dieses griechische Wort anders wiedergeben. Zum Beispiel:

      30 „Spielt nicht die Herren über die euch Anvertrauten, sondern seid Vorbilder für die Herde!“ (Kürzinger). „... nicht als Gewaltherrscher der euch Anbefohlenen, sondern als Vorbilder der Herde“ (Perk). „Spielt nicht den Herrn in den Gemeinden, sondern seid ein Vorbild für die Herde“ (Storr).

      31. Warum ist es im Hinblick auf die Worte Jesu aus Matthäus 23:10-12, 14, 33 angebracht zu fragen, aus welchem Grund gewisse Männer eine Sonderstellung beanspruchen, durch die eine Unterscheidung zwischen „Geistlichen“ und „Laien“ entsteht?

      31 Da die inspirierten Apostel Jesu Christi die Ausdrücke „Priesterschaft“ und „Loostheil“ (Klerus) auf die ganze Herde Gottes anwenden und diese Ausdrücke nicht auf die „Presbyter“ oder „Ältesten“, zu denen der Apostel Petrus gehörte, beschränken, ist es bestimmt nicht unangebracht zu fragen: Wer sind denn diese religiösen Führer der Christenheit, die die Bezeichnung „Priester“ führen und sich „Geistliche“ nennen im Unterschied zu den Gläubigen, die sie als „Laien“ — ein Ausdruck, der in der Heiligen Schrift überhaupt nicht vorkommt — bezeichnen? Was bezwecken diese religiösen Führer mit dieser Sonderstellung? Wozu wollen sie sich machen? Wir sollten daran denken, daß Jesus Christus, als er die jüdischen Schriftgelehrten und Pharisäer tadelnd „Heuchler“ sowie „Schlangen“ und „Natterngezücht“ nannte, auch sagte: „Auch Lehrer sollt ihr euch nicht nennen lassen, denn einer ist euer Lehrer: Christus. Der Größte unter euch soll euer Diener sein. Wer aber sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“ — Matthäus 23:10-12, 14, 33, Her.

      32. Wann begannen die religiösen Führer der Christenheit, sich Geistliche zu nennen, um sich von den „Laien“ zu unterscheiden?

      32 Wann begannen die religiösen Führer der Christenheit, sich Geistliche zu nennen und die Bezeichnung „Priester“ zu führen? In der Enzyklopädie von M’Clintock und Strong (Band 2, Seite 386) wird nach der Überschrift „2. Unterscheidung Geistliche und Laien“ über die Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien folgendes gesagt:

      Die bei den Juden übliche Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien war unter den Christen zuerst unbekannt; erst als „gewisse Männer den evangelischen Standpunkt zugunsten der jüdischen Ansicht aufgaben“, mußte der Gedanke vom allgemeinen christlichen Priestertum aller Gläubigen mehr oder weniger dem Gedanken von dem besonderen Priestertum oder der Geistlichkeit weichen. ... Sogar Tertullian schreibt (in De baptismo, 17. Kapitel, bevor er Montanist wurde): „Auch die Laien haben das Recht, die Sakramente auszuteilen und in der Gemeinde zu lehren. Das Wort Gottes und die Sakramente sind durch die Gnade Gottes für alle und dürfen daher von allen Christen als Mittel der göttlichen Gnade ausgeteilt werden. Aber hier geht es nicht nur um die Frage, was im allgemeinen erlaubt ist, sondern auch darum, was unter den bestehenden Umständen nützlich ist. Wir können hier die Worte des heiligen Paulus anführen: ,Alles ist mir erlaubt, jedoch ist nicht alles von Nutzen.‘ In Anbetracht der Ordnung, auf die in der Kirche gehalten werden muß, mögen die Laien von ihren priesterlichen Rechten, nämlich der Austeilung der Sakramente, nur Gebrauch machen, wenn Zeit und Umstände es erfordern.“ Von der Zeit des Cyprianus an ..., des Vaters des hierarchischen Systems, wurde zwischen Klerus und Laien ganz klar unterschieden; und sehr bald wurde diese Unterscheidung allgemein eingeführt. Vom dritten Jahrhundert an wurde dann die Bezeichnung clerus (kleros, ordo) fast ausschließlich auf den geistlichen Stand angewandt, um ihn vom Laienstand zu unterscheiden. Im Laufe der Entwicklung der römischen Hierarchie wurde der Klerus nicht nur ein besonderer Stand (der noch mit all den apostolischen Regeln und Lehren zu vereinbaren wäre), sondern er wurde mit der Zeit auch als einzige Priesterschaft und als unentbehrlicher Mittler zwischen den Menschen und Gott angesehen.

      33. Wer war der erwähnte Cyprianus, und welches Amt bekleidete er im dritten Jahrhundert in der Versammlung?

      33 In dem Werk The Encyclopedia Americana (Band 8, Seite 368) lesen wir über den erwähnten Thascius Cäcilius Cyprianus, daß er um 200 u. Z. geboren wurde und am 14. September 258 in Karthago (Afrika) starb. „Kurz nach seiner Taufe (246) wurde er zum Priester geweiht und darauf von der Christengemeinde in Karthago zu ihrem Bischof gewählt (248). ... Er tat viel, um die Macht seines Episkopats hervorzuheben und zu stärken. Unter ihm wurden sieben Kirchenversammlungen abgehalten, die letzte im Jahre 256.“ Obwohl dieser afrikanische Bischof als einer der Kirchen„väter“ gilt und von der katholischen Kirche heiliggesprochen wurde, bleibt die Tatsache bestehen, daß er ein Kleriker war und somit einem Stand angehörte, der erst nach dem Tode der Apostel Jesu Christi und der Männer, die mit ihnen zusammengearbeitet hatten, geschaffen wurde.

      34. Was meint die Bibel mit dem Ausdruck „der Mensch der Gesetzlosigkeit“, und warum?

      34 Es war die angeblich „christliche“ Geistlichkeit, die sich in Verbindung mit dem „Abfall“, der „Auflehnung“ oder der „Empörung“ als „der Mensch der Gesetzlosigkeit, der Sohn der Vernichtung“, entwickelte. Offensichtlich ist mit dem Ausdruck „Mensch“ an dieser Stelle der Bibel keine Einzelperson gemeint, sondern eine Gruppe von Personen, die während einer langen Zeit vorhanden ist, deren Zusammensetzung oder einzelne Glieder aber im Laufe der Zeit wechseln. So setzt sich diese Gruppe der „Mensch der Gesetzlosigkeit“, heute aus anderen Personen zusammen als im dritten Jahrhundert.

      ANSPRUCH AUF GÖTTLICHKEIT

      35. Warum überrascht es nicht, daß „der Mensch der Gesetzlosigkeit“ nach Göttlichkeit trachtet, und in welchem Ausmaß tut er es?

      35 Da es sich bei dem „Abfall“ oder der „Empörung“ dieses „Menschen der Gesetzlosigkeit“, der Geistlichkeit, um einen Abfall von Jehova Gott oder eine Empörung gegen ihn handelt, überrascht es nicht, daß dieser „Mensch“ oder diese Personengruppe nach Göttlichkeit trachtet, daß sie sich als Gott zur Schau stellt. Auch Satan, der Teufel, der sich als erster gegen Jehova Gott empörte, machte sich zum Gott; deshalb bezeichnet der Apostel Paulus ihn als den „Gott dieses Systems der Dinge“. (2. Korinther 4:4) Unter dem Einfluß Satans, des Teufels, suchte im Altertum der König von Babylon, der ein Heide war, den Anschein zu erwecken, Jehova Gott, dessen Tempel in Jerusalem stand, gleich zu sein. Wir lesen in Jesaja 14:14, daß der König von Babylon in seinem Herzen sprach: „Ich werde über die Wolkenhöhen aufsteigen; ich werde mich dem Höchsten ähnlich machen.“ Er glaubte, sein ehrgeiziges Ziel erreicht zu haben, als er im Jahre 607 v. u. Z. Jerusalem und den Tempel Jehovas zerstört hatte. Die Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch den König von Babylon, der sich Jehova Gott gleichmachen wollte, war jedoch etwas Geringfügiges im Verhältnis zu dem, was der „Mensch der Gesetzlosigkeit“, die Geistlichkeit, in dem Bereich, der mit Jehova Gott in Verbindung steht, zerstört hat.

      36. Inwiefern handelt diese Personengruppe, „der Mensch der Gesetzlosigkeit“, so, als wäre sie Jehova nicht verantwortlich, und was schrieb Paulus an die Thessalonicher über diesen „Menschen“?

      36 Da er in religiösen Dingen ein gesetzloser Empörer ist, hat er so gehandelt, als wäre er Jehova Gott, dem Höchsten und Allmächtigen, nicht verantwortlich, so, als wäre er über das Gesetz des lebendigen und wahren Gottes erhaben. Der Apostel Paulus übertreibt nicht, wenn er über diese Personengruppe, den „Menschen der Gesetzlosigkeit“, die erstaunliche Prophezeiung äußert: „Er widersetzt sich und erhebt sich über jeden, der ,Gott‘ oder ein Gegenstand der Verehrung genannt wird, so daß er sich in den Tempel d e s GOTTES niedersetzt und sich öffentlich darstellt, daß er ein Gott sei. Erinnert ihr euch nicht, daß ich euch diese Dinge zu sagen pflegte, als ich noch bei euch war?“ — 2. Thessalonicher 2:4, 5.

      37. Auf welchen prominenten Kirchenführer könnte man hinweisen, um zu zeigen, wie sich die Prophezeiung des Paulus erfüllt hat?

      37 Natürlich könnte man, um zu zeigen, wie sich diese Prophezeiung über den „Menschen der Gesetzlosigkeit“, die Geistlichkeit, erfüllt hat, darauf hinweisen, wie ein Mitglied des sogenannt „christlichen“ Klerus gesprochen und gehandelt hat, oder man könnte darauf hinweisen, welche Ansprüche auf Göttlichkeit in bezug auf diesen Kleriker erhoben worden sind. Man könnte zum Beispiel auf den Papst, das Oberhaupt der katholischen Kirche, hinweisen und das zitieren, was in dem kirchlichen Wörterbuch von Lucius Ferrarisb über den Papst oder den Bischof von Rom gesagt wird:

      Der Papst ist von solcher Würde und Erhabenheit, daß er nicht ein einfacher Mensch, sondern gleichsam Gott ist und der Stellvertreter Gottes. ... Darum ist der Papst mit einer dreifachen Krone, als König des Himmels, der Erde und der Hölle, gekrönt. Ja, des Papstes Hoheit und Gewalt erstreckt sich nicht nur über himmlische, irdische und höllische Dinge, sondern auch über die Engel und ist höher als sie, so daß, wenn Engel vom Glauben abirren oder ihm Widersprechendes halten könnten, der Papst sie richten und in den Bann tun könnte. ... Von solcher Würde und Gewalt ist er, daß er ein und denselben Richterstuhl mit Christus einnimmt, so daß, was immer der Papst tut, aus dem Munde Gottes hervorzugehen scheint. ... Der Papst ist gleichsam Gott auf Erden, der einzige Fürst der Gläubigen Christi, der größte König aller Könige, die Fülle der Macht besitzend; welchem die Herrschaft des irdischen und himmlischen Königreiches übergeben ist. ... Der Papst ist von so großer Autorität und Macht, daß er das göttliche Gesetz abändern, erklären und auslegen kann. ... Der Papst kann manchmal das göttliche Gesetz aufheben, indem er dasselbe beschränkt, erläutert ...

      38. Was darf man aber nicht vergessen, wenn man auf einen einzelnen Geistlichen hinweist, und wie hat sich somit diese Prophezeiung über den „Menschen der Gesetzlosigkeit“ erfüllt?

      38 Man darf jedoch nicht vergessen, daß mit dem „Menschen der Gesetzlosigkeit“ kein einzelner Kirchenführer gemeint ist wie der Papst (Bischof von Rom), der griechisch-orthodoxe Patriarch von Athen, der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel (Istanbul) oder ein anderer Oberbischof. Der vorhergesagte „Mensch der Gesetzlosigkeit“ bezieht sich auf eine ganze Personengruppe, auf die gesamte Geistlichkeit der sogenannt christlichen Kirche. Natürlich fällt die Schuld für das, was ein führendes Mitglied der Geistlichkeit oder des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ tut, auch auf alle übrigen Mitglieder des Klerus, und zwar deshalb, weil sie entweder damit einverstanden sind oder weil sie nicht dagegen protestieren oder weil sie ihre Zustimmung geben und weil sie weiterhin diesem Stand angehören. Sie sind für das, was ein Mitglied des Klerus stellvertretend für den ganzen Klerus sagt, mitverantwortlich und an dem, was es tut, mitschuldig. Durch das, was die Geistlichkeit im Laufe der Jahrhunderte getan oder woran sie sich beteiligt hat, ist die Prophezeiung über den „Menschen der Gesetzlosigkeit“ in Erfüllung gegangen.

      39. Wie hat es sich gezeigt, daß sich die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ Jehova „widersetzt“?

      39 Es hat sich gezeigt, daß sich die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ „widersetzt“ hat, indem sie sich zum „Freund“ der Welt gemacht hat, denn gemäß dem, was der Jünger Jakobus unter Inspiration in seinem Brief schrieb, lautet die Regel: „Wißt ihr nicht, daß die Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes.“ (Jakobus 4:4, Her) Wenn „der Mensch der Gesetzlosigkeit“ sich dem inspirierten Worte Gottes widersetzt und es ungültig zu machen sucht, ja sogar bemüht ist, die Bibel den kirchentreuen Gemeindemitgliedern wegzunehmen oder vorzuenthalten, widersetzt er sich Jehova Gott. Er widersetzt sich Jehova Gott, wenn er die Jünger Christi, die — durch Jesus Christus — Jehova Gott mit Geist und Wahrheit anbeten, bekämpft und verfolgt. (Johannes 4:24) Er widersetzt sich dem lebendigen und allein wahren Gott, indem er die Anbetung und Verehrung, die diesem Gott gebührt, von ihm ablenkt und einer Geistlichkeit, die zu hohen Würden emporgestiegen ist, zukommen läßt.

      40. Wie hat sich die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ bemüht, der einzige irdische Gott auf der Weltbühne zu sein, wie das durch das Verhältnis zwischen Kirche und Staat zum Ausdruck kommt?

      40 Die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ möchte auf der Erde der einzige Gott sein, ja sie möchte der Gott der irdischen Götter sein. Ein Beweis dafür sind die Beziehungen der sogenannt christlichen Kirche zum Staat. Bei der engen Verbindung zwischen Kirche und Staat strebte die Geistlichkeit stets danach, den Vorrang zu haben, ihren Willen durchzusetzen. Diese enge Verbindung zwischen Kirche und Staat besteht seit der Zeit Konstantins. Man könnte sie als Vernunftheirat bezeichnen, bei der es der Geistlichkeit vorwiegend um Machtbefugnisse, Ehrenrechte und Schutzrechte geht, um Unterstützung und um andere selbstsüchtige Vorteile. In dem Werk The Encyclopedia Americana (Band 6, Seite 657, 658) wird über das Thema „Kirche und Staat“ gesagt:

      In neuerer Zeit hat zwischen diesen beiden Institutionen selten, wenn überhaupt je, ein vollkommenes Einvernehmen bestanden. Wenn sich nicht etwas Umwälzendes ereignet, wird dieses Ringen allem Anschein nach nie aufhören. Es ist ein heißer Kampf gewesen. Belange von großer Bedeutung haben auf dem Spiel gestanden, und es hat zu einer Polemik von großer Tragweite geführt. Dieses Ringen ist die Ursache von Erhebungen geworden und hat zu einem Schrifttum Anlaß gegeben, in dem es scharf kritisiert wird, so daß es, abgesehen von dem Gebiet des politischen Kampfes ohne Beispiel ist. Nicht selten ging es bei diesem Ringen um rein politische Dinge. ... Unter Konstantin betrat die Kirche die Weltbühne als Mitarbeiterin bei der Aufgabe, die Völker zu kultivieren. Sie wurde als geistliche Macht anerkannt und erwarb allmählich eine irdische Residenz und einen Namen wie ein weltlicher Machthaber. Sie entwickelte sich zu einer Weltmacht. Dieser Erfolg war der Anfang all der vielen nachfolgenden Katastrophen, von denen die Kirche heimgesucht wurde. ... In der Zeit von Konstantin bis Karl dem Großen mischte sich die weltliche Macht, die die Kirche als gesetzliche Institution anerkannte, in deren Verwaltung ein. Von Karl dem Großen an bis kurz vor der Reformation waren Kirche und Staat eng verbunden, und es wurde allgemein anerkannt, daß die geistliche Macht der weltlichen übergeordnet sei.

      41. (a) Auf welcher religiösen Stufe standen die römischen Kaiser, über die sich der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ erheben mußte? (b) Welches religiöse Amt hatte der römische Kaiser inne, und wozu benutzte er dieses in Verbindung mit der abtrünnigen Kirche?

      41 Die Geschichte berichtet, daß die Kaiser des heidnischen Rom göttlich verehrt wurden und daß man ihnen wie einem Gott oder einer Gottheit Weihrauch opferte. Vom vierten Jahrhundert, von der Zeit Kaiser Konstantins des Großen, an gelangten die vom wahren Christentum abgefallenen Bischöfe in ein enges Verhältnis zum Staat und strebten nach Überlegenheit über den göttlich verehrten römischen Kaiser. Kaiser Konstantin setzte sich zum Ziel, das Christentum mit der heidnischen Religion zu verschmelzen, und erklärte die Religion der vom wahren Christentum abgefallenen Bischöfe zur Staatsreligion. Bis zu seinem Tod im Jahre 337 u. Z. führte er den Titel Pontifex maximus, war er also in religiösen Belangen die oberste Instanz; und als Pontifex maximus hatte der noch ungetaufte Konstantin im Jahre 325 u. Z. ein Konzil nach Nizäa einberufen, um einen theologischen Streit zwischen den Bischöfen der Kirche zu schlichten. Er entschied damals zugunsten der heidnischen Trinitätslehre (ein Gott in drei Personen), die von der Mehrheit der Bischöfe vertreten wurde.

      42. Wie und durch wen erhob sich der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ bei der erstbesten Gelegenheit „über jeden, der ,Gott‘ oder ein Gegenstand der Verehrung genannt wird“?

      42 Im Jahre 379c bot sich dem Papst, dem Bischof von Rom, die Gelegenheit. In jenem Jahr legte der „christliche“ Kaiser Gratian Titel und Würde des heidnischen Pontifex maximus ab. Ohne jegliche Gewissensbisse begann nun Papst Damasus, diesen Titel zu führen, und zwar wegen der sakralen Gewalt und des Einflusses in religiösen Belangen, den er dadurch über die ganze Bevölkerung erlangte, die noch größtenteils heidnisch war und diesen heidnischen Titel anerkannte. Das hatte zur Folge, daß der Papst oder Bischof von Rom dem römischen Kaiser in religiösen Belangen überlegen war. Der Papst, das Oberhaupt der katholischen Kirche, beansprucht und führt diesen heidnischen Titel bis auf den heutigen Tag. Der „Mensch der Gesetzlosigkeit“, vertreten durch den Papst, das prominenteste Mitglied des Klerus, erhob sich „über jeden, der ,Gott‘ oder ein Gegenstand der Verehrung genannt wird“. Es ist allgemein bekannt, daß sich die Geistlichen der Christenheit gern mit „Ehrwürden“, „Hochwürden“ und „Hochehrwürden“ anreden lassen. Sie fordern von ihren Gemeinde- oder Kirchenmitgliedern, daß sie ihnen Ehrerbietung erweisen.

      43. In welchen Tempel setzt sich die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ als Gott nieder, und wen zwingt sie, ihre Macht anzuerkennen?

      43 Der „Tempel d e s GOTTES“, in dem sich der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ niedersetzt und sich „darstellt, daß er ein Gott sei“, ist die sogenannte Kirche Gottes. An die wahren Christen des ersten Jahrhunderts schrieb der Apostel Paulus: „Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und daß der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes vernichtet, wird Gott ihn vernichten; denn der Tempel Gottes ist heilig, welcher Tempel ihr seid.“ (1. Korinther 3:16, 17; siehe auch 2. Korinther 6:16.) Von dieser Klasse, die einen geistigen „Tempel“ bildet, sind die Urheber des „Abfalls“ abgesplittert. Diese Abtrünnigen weigern sich, die ursprüngliche, wahre „Tempel“klasse anzuerkennen, und bezeichnen die von ihnen gegründete Versammlung als „Tempel Gottes“. In diesem „Tempel“, bestehend aus Abtrünnigen, setzen sie sich nieder und amtieren als „Geistliche“ im Unterschied zu denen, die sie „Laien“ nennen. Hier stellt sich die Geistlichkeit der Christenheit so dar, als sei sie „ein Gott“. Sie zwingt Politiker, Vertreter der Geschäftswelt und Militärbefehlshaber, ihre Macht anzuerkennen. Wenn Krieg ausbricht, sind Staatsregierungen stets bemüht, sich den Einfluß und die Unterstützung der Geistlichkeit zu sichern.

      DAS „HEMMNIS“ IM ERSTEN JAHRHUNDERT

      44, 45. (a) Was wirkte der Entwicklung und dem Aufkommen des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ im ersten Jahrhundert als „Hemmnis“ entgegen? (b) Welches Beispiel zeigt, wie Johannes gemäß dem, was er in seinem dritten Brief schrieb, als ein solches Hemmnis wirkte?

      44 Der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ ist also schon vor Jahrhunderten offenbar geworden. Aber im ersten Jahrhundert, zur Zeit der wahren Apostel Jesu Christi, war dies noch nicht der Fall. Sein Offenbarwerden stand damals noch bevor. Daher schrieb der Apostel Paulus in seinem Brief, den er um 51 u. Z. an die Christen in Thessalonich sandte: „Und so kennt ihr jetzt das, was als ein Hemmnis wirkt, im Hinblick darauf, daß er zu seiner eigenen bestimmten Zeit geoffenbart wird.“ (2. Thessalonicher 2:6) Diese Christen, die im ersten Jahrhundert lebten, wußten, was Paulus mit dem Ausdruck „Hemmnis“ meinte, denn der Apostel machte es ihnen klar, ja er führte es ihnen deutlich vor Augen. Was wirkte denn damals als „Hemmnis“? Die wahren Apostel Jesu Christi, zu denen auch der Apostel Paulus zählte. Gemeinsam widerstanden sie der Entwicklung und dem Aufkommen des „Menschen der Gesetzlosigkeit, des Sohnes der Vernichtung“. Ein Beispiel hierfür ist das, was der Apostel Johannes an die Christen schrieb, und zwar in seinem dritten und letzten Brief, den er um 98 u. Z. verfaßte:

      45 „Ich schrieb etwas an die Versammlung, aber Diotrephes, der unter ihnen gern den ersten Platz einnimmt, nimmt von uns nichts mit Respekt an. Darum will ich, wenn ich komme, an seine Werke erinnern, die er fortgesetzt tut, indem er mit bösen Worten über uns schwatzt. Und damit nicht zufrieden, nimmt er selbst auch die Brüder nicht mit Respekt auf, und diejenigen, die sie aufnehmen wollen, sucht er daran zu hindern und aus der Versammlung hinauszuwerfen.“ (3. Johannes 9, 10) Jener Diotrephes offenbarte wahrlich Eigenschaften des „Menschen der Gesetzlosigkeit“. Der Apostel Johannes war bestrebt, ihn in Schach zu halten, ihm gegenüber als „Hemmnis“ zu wirken. Andere Apostel handelten in solchen Fällen ähnlich.

      46. Wie wies Paulus die Thessalonicher darauf hin, daß schon damals eine Tendenz zur Bildung der Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ bestand?

      46 Der Apostel Paulus erkannte schon weniger als zwanzig Jahre nach der Gründung der aus Christen bestehenden „Tempel“klasse zu Pfingsten 33 u. Z., daß eine Tendenz zur Bildung des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, des „Sohnes der Vernichtung“, bestand. Deshalb schrieb er an die Versammlung in Thessalonich: „Allerdings ist das Geheimnis dieser Gesetzlosigkeit bereits am Werke, doch nur bis der, der gerade jetzt hemmend wirkt, aus dem Wege geräumt wird.“ — 2. Thessalonicher 2:7.

      47. Warum sprach Paulus davon, daß das „Geheimnis dieser Gesetzlosigkeit“ bereits am Werke sei?

      47 Damals war es verborgen, wer dieser „Mensch der Gesetzlosigkeit“, der kommen sollte, sein würde; seine Identität war ein religiöses Geheimnis. Heute noch gibt es in der Christenheit Bibelkommentatoren, die glauben, bei diesem „Menschen“ handle es sich um eine bestimmte Persönlichkeit männlichen Geschlechts, die sie den Antichristen nennen. In der American Translation wird diese geheimnisvolle Gestalt treffend als „die Verkörperung des Ungehorsams“ bezeichnet. (2. Thessalonicher 2:3) Das stimmt mit der Tatsache überein, daß dieser „Mensch der Gesetzlosigkeit“ keine Einzelperson ist, sondern eine Gruppe von Personen, eine Klasse von Geistlichen, die Jehova gegenüber gesetzlos handelt und als Klasse schon seit Jahrhunderten besteht. Der Apostel Paulus hatte Grund zu sagen, daß „das Geheimnis dieser Gesetzlosigkeit“ zu seinen Lebzeiten bereits am Werke war, nur war seine Gestalt noch nicht so deutlich zu erkennen, daß es als „Mensch“ hätte bezeichnet werden können. Aber es war in der Christenversammlung offensichtlich am Werk und würde sich schließlich so entwickeln, daß es als eine deutlich erkennbare Klasse vorhanden wäre. Aber zur Zeit des Apostels Paulus war das Kommen dieses „Gesetzlosen“ immer noch ein Geheimnis.

      48. Was mußte Paulus den Christen in Korinth schreiben, das beweist, daß das „Geheimnis dieser Gesetzlosigkeit“ bereits am Werke war?

      48 Wenige Jahre nachdem der Apostel Paulus in dem erwähnten Brief über dieses Thema geschrieben hatte, hielt er es für notwendig, der Versammlung in Korinth (Griechenland) etwas zu schreiben, was beweist, daß das „Geheimnis dieser Gesetzlosigkeit“ in der Christenversammlung bereits am Werke war: „Was ich jetzt tue, will ich fernerhin tun, damit ich denen den Vorwand abschneide, die einen Vorwand dafür haben wollen, in dem Amt, dessen sie sich rühmen, ebenso erfunden zu werden wie wir. Denn solche Menschen sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt immer wieder die Gestalt eines Engels des Lichts an. Es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener immer wieder die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen. Ihr Ende aber wird gemäß ihren Werken sein.“ — 2. Korinther 11:12-15.

      49. Wie geht aus dem, was Johannes in der Offenbarung berichtet, hervor, daß das „Geheimnis dieser Gesetzlosigkeit“ im letzten Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts immer noch wirksam war?

      49 Auch im letzten Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts u. Z. war diese Wirksamkeit im religiösen Bereich zu beobachten, durch die falsche Führer, „falsche Apostel“, hervorgebracht wurden. Der Beweis dafür ist das, was der verherrlichte Jesus Christus dem betagten Apostel Johannes in der Offenbarung, die er um 96 u. Z. erhielt, an die „Ältestenschaft“ der Versammlung Ephesus (Kleinasien) zu schreiben gebot. Johannes berichtet über das, was Jesus ihn in der Vision zu tun anwies, wie folgt: „Dem Engel der Versammlung in Ephesus schreibe: Diese Dinge sagt der, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt: ,Ich kenne deine Taten und deine mühevolle Arbeit und dein Ausharren und weiß, daß du schlechte Menschen nicht ertragen kannst und daß du diejenigen auf die Probe stellst, die sagen, sie seien Apostel, es aber nicht sind, und du hast sie als Lügner erfunden. ... Dessenungeachtet halte ich dir entgegen, daß du die Liebe, die du zuerst hattest verlassen hast.‘ “ — Offenbarung 2:1-4; 1. Timotheus 4:14, New World Translation, 1971, Fußnote.

      50. Was schrieb Johannes in seinem ersten Brief über Antichristen, das ebenfalls beweist, daß das „Geheimnis dieser Gesetzlosigkeit“ schon in den Tagen der Apostel am Werke war?

      50 Der betagte Apostel Johannes schrieb kurz vor seinem Tode drei Briefe an die Christen. Was Johannes in seinem ersten Brief schrieb, zeigt ebenfalls, daß schon in den Tagen der Apostel Christi das „Geheimnis dieser Gesetzlosigkeit“ am Werke war: „Kinder, es ist die letzte Stunde, und so, wie ihr gehört habt, daß der Antichrist kommt, so sind nun auch viele zu Antichristen geworden; aus dieser Tatsache erkennen wir, daß es die letzte Stunde ist. Sie sind von uns ausgegangen, aber sie sind nicht von unserer Art gewesen, denn wenn sie von unserer Art gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben. Aber sie sind weggegangen, damit kund werde, daß nicht alle von unserer Art sind. Und ihr habt eine Salbung von dem Heiligen; ihr alle habt Kenntnis. Geliebte, glaubt nicht jeder inspirierten Äußerung, sondern prüft die inspirierten Äußerungen, um zu sehen, ob sie von Gott stammen, weil viele falsche Propheten in die Welt ausgegangen sind.“ (1. Johannes 2:18-20; 4:1; geschrieben um 98 u. Z.) Da diese Antichristen den Sohn Gottes nicht mehr als den Messias oder Christus anerkannten, verwarfen sie auch Gott, den Vater. — 1. Johannes 2:22-24.

      51. Was ist mit dem Ausdruck „der gerade jetzt hemmend wirkt“ gemeint, und wann wurde dieses Hemmnis „aus dem Wege geräumt“?

      51 Aus diesen apostolischen Schriften, die zeigen, daß in den Versammlungen hier und da eine bedenkliche Lage entstanden war, können wir erkennen, wen der Apostel Paulus mit dem Ausdruck „der gerade jetzt hemmend wirkt“ meint. (2. Thessalonicher 2:7) Er meint damit keine Einzelperson, keinen männlichen Angehörigen der ganzen Versammlung Gottes auf der Erde, keinen einzelnen der Apostel, sondern alle wahren Apostel Jesu Christi des ersten Jahrhunderts. Gleich einem Menschen, der aus vielen Gliedern zusammengesetzt ist, so stand die Gesamtheit der Apostel damals — oder, wie Paulus schreibt, „gerade jetzt“ — dem Aufkommen des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, der Gruppe, die sich innerhalb der Christenversammlung entwickelte, um sie zu beherrschen, im Wege. Das, was auf die Entwicklung des „Geheimnisses dieser Gesetzlosigkeit“ „gerade jetzt hemmend“ wirkte, wurde „aus dem Wege geräumt“, als der letzte der wahren Apostel Christi entschlief. Wahrscheinlich war es der Apostel Johannes, der gegen Ende des ersten Jahrhunderts u. Z. starb.

      52. Durch wen wird die Vernichtung des „Sohnes der Vernichtung“ herbeigeführt, und wann?

      52 Die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ wird auch „Sohn der Vernichtung“ genannt. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, daß dieser Gesetzlose von Jehova Gott zur Vernichtung bestimmt ist. Jehova wird das Todesurteil, das er über diesen Gesetzlosen gefällt hat, durch seinen Sohn, den verherrlichten Jesus Christus, vollziehen lassen. Paulus schreibt nun, was geschehen würde, nachdem auch der letzte der Apostel, die „hemmend“ gewirkt hätten, entschlafen wäre: „Dann allerdings wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Geist seines Mundes und zunichte machen durch das Kundwerden seiner Gegenwart.“ — 2. Thessalonicher 2:8.

      53. (a) Warum wird der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ noch in unserer Zeit oder noch in unserer Generation beseitigt? (b) Wofür wird die Vernichtung dieses „Menschen“ ein Beweis sein?

      53 Der Herr Jesus macht den „Menschen der Gesetzlosigkeit“ nicht sogleich zunichte, wenn sich dieser voll und ganz geoffenbart hat, wenn er deutlich zu erkennen ist und sich im „Tempel d e s GOTTES“ niedergesetzt und sich öffentlich so dargestellt hat, als sei er „ein Gott“. Der Apostel Paulus zeigt, daß der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ zur Zeit der „Gegenwart“ oder Parusie des Herrn Jesus zunichte gemacht wird. Das bedeutet, daß das jetzt, noch in unserer Generation, geschieht, denn der Herr Jesus ist seit 1914 u. Z., dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen abliefen, als König „gegenwärtig“. Der Beweis dafür ist das „Zeichen“, das wir jetzt sehen, und wir wissen, daß wir in der Zeit des „Abschlusses des Systems der Dinge“ leben. (Matthäus 24:3 bis 25:46) Somit werden die Angehörigen „dieser Generation“ jetzt, in unserer Zeit, Zeuge davon werden, daß der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ durch den „Geist“ des Mundes des Herrn Jesus beseitigt und dieser „Gesetzlose“ durch das Kundwerden der Gegenwart oder Parusie des Herrn Jesus zunichte gemacht wird. Durch diese Vernichtung wird „kundwerden“, daß der Herr Jesus unsichtbar gegenwärtig ist, daß seine Parusie eine Realität ist. Der „Geist“, die wirksame Kraft, aus seinem Mund wird dem ganzen „Menschen der Gesetzlosigkeit“ ein Ende bereiten.

      BEWEIS FÜR DIE „GEGENWART“ DES GESETZLOSEN

      54. (a) Wann beginnt die Zeit der Gegenwart des „Gesetzlosen“ im Vergleich zu der Zeit der Gegenwart des Herrn Jesus? (b) Wodurch sollte die Zeit der Parusie des „Gesetzlosen“ gekennzeichnet sein?

      54 Nachdem der Apostel Paulus von der „Gegenwart“ des Herrn Jesus gesprochen hat, wendet er sich nun einer Betrachtung der „Gegenwart“ oder Parusie des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ zu. Die Zeit der Gegenwart oder Parusie dieses Gesetzlosen beginnt vor der Zeit oder geht der Zeit voraus, da der Herr Jesus, ausgestattet mit Königsmacht, „gegenwärtig“ ist. Man beachte, was Paulus als Beweis für die Gegenwart des Gesetzlosen anführt. Er schreibt: „Doch ist die Gegenwart [griechisch: parousía] des Gesetzlosen gemäß der Wirksamkeit des Satans mit jeder Machttat und mit lügenhaften Zeichen und Wundern und mit jedem Trug der Ungerechtigkeit für die, die ... zugrunde gehen.“ — 2. Thessalonicher 2:9, 10a.

      55. Wieso wissen wir, daß mit der in 2. Thessalonicher 2:9 erwähnten Parusie nicht Jesu Parusie, sondern die des „Gesetzlosen“ gemeint ist?

      55 Im Neuen Testament 1968 wird dieser Text wie folgt wiedergegeben: „Der Böse wird mit der Macht des Satans kommen. Er wird mit seltsamen Kräften, betrügerischen Zeichen und Wundern auftreten. Bei denen, die zugrunde gehen, wird er allen möglichen Betrug anwenden.“ (2. Thessalonicher 2:9, 10; siehe auch Luther-Bibel, 1964; Pfäfflin; Theodor Schlatter.) Wenn man den Anfang des Verses 9 wörtlich aus dem Griechischen übersetzt, so lautet er: „[Ihn,] dessen Gegenwart ist.“ Aber obschon das Wort „Gesetzloser“ in Vers 9 nicht erscheint, so bezieht sich das Wort „Gegenwart“ oder Parusie doch nicht auf die „Gegenwart“ (parousía) des Herrn Jesus — von der im vorhergehenden Vers (8) gesprochen wird —, sondern auf die „Gegenwart“ des anderen, der besprochen wird, nämlich des Gesetzlosen. Nach der Übersetzung von Rupert Storr lautet der erste Teil des 9. Verses: „Des anderen Ankunft ist vom Satan bewirkt.“ In der Herder-Bibel lautet dieser Text: „Jener kommt in Satanskraft.“ Das griechische Relativpronomen für „dessen“ in Vers 9 deckt sich demnach mit dem Relativpronomen für „den“ in Vers 8, das sich auf den Gesetzlosen bezieht. Eine Verbindung dieser beiden Versteile würde wie folgt lauten: „Dann ... wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird ... [, ihn,] dessen Gegenwart ist ...“

      56. Wer allein kann für die „Gegenwart“ des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ verantwortlich gemacht werden, und warum?

      56 Niemand anders als Satan, der Teufel, ist dafür verantwortlich, daß der Antigott, der „Mensch der Gesetzlosigkeit“, vom Tod der Apostel Christi an bis heute „gegenwärtig“ ist. Doch darf nicht behauptet werden, dieser „Mensch der Gesetzlosigkeit“, der sich aus vielen Personen zusammensetzt, stamme von Jehova Gott, nur weil er sich in den „Tempel d e s GOTTES“ gesetzt hat. Die lange Zeit der „Gegenwart“ dieser „Verkörperung des Ungehorsams“ hat in jeder Hinsicht erkennen lassen, daß sie gemäß einer „Wirksamkeit des Satans“ ist oder von Satan bewirkt worden ist. Der Name Satan bedeutet „Widerstandleistender“, und jeglicher Widerstand, der Jehova Gott sowohl im Himmel als auch auf der Erde geleistet wird, geht von ihm aus, auch der Widerstand, den der „Gesetzlose“ Gott, dem Höchsten, leistet. Die Urheber des „Abfalls“ oder der Empörung wurden bestimmt nicht von Jehova Gott dazu angetrieben, einen „geistlichen Stand“ zu bilden und sich dadurch von den übrigen Gliedern der Gemeinde, die sie „Laien“ nannten, zu unterscheiden. Das war ein Trick Satans, des Teufels, mit dem er darauf abzielte, die ganze Versammlung der Jünger Christi von Jehova Gott abtrünnig zu machen.

      57. Welche Mittel wurden benutzt, um der Geistlichkeit Einfluß zu verschaffen und ihr diesen Einfluß zu erhalten, und was wurde damit bezweckt?

      57 Satan mußte „mit jeder Machttat [JB: Scheinwundern] und mit lügenhaften Zeichen und Wundern und mit jedem Trug der Ungerechtigkeit“ wirken oder operieren, um der sogenannt christlichen Geistlichkeit Einfluß zu verschaffen und ihr diesen Einfluß zu erhalten. Diese Lügen, diese trügerischen Beweise dafür, daß die „Geistlichkeit“ die Unterstützung des Himmels habe, sollten die Gemeindemitglieder zu dem Glauben verleiten, daß die Geistlichen den wahren Gott verträten und von ihm eingesetzt wären, daß sie seine Gutheißung besäßen, von ihm unterstützt würden und daß sie seine Stellvertreter auf der Erde wären. Dadurch wurde der Anschein erweckt, die Geistlichkeit sei abgesondert und eingesetzt für den Dienst am Wort und sie besitze besondere Machtbefugnisse sowie Amts-, Schutz- und Ehrenrechte, die die von ihr geleiteten „Laien“ nicht besäßen.

      58. Warum sind die von der Geistlichkeit gewirkten Machttaten, Zeichen, Wunder usw. auf die Wirksamkeit Satans, nicht auf eine Verbindung mit den Aposteln, zurückzuführen?

      58 Mit diesen Machttaten, Zeichen und Wundern sowie dem Trug der Ungerechtigkeit wurde ein selbstsüchtiges Ziel verfolgt; sie wurden nicht zur Verherrlichung und zum Lobpreis Jehovas gewirkt. Alle diese Äußerungen der Wirksamkeit Satans fielen in die Zeit nach dem Tode der Apostel Christi. Die Apostel hatten echte Machttaten, Zeichen und Wunder gewirkt, weil sie durch Christus den Geist Gottes empfangen hatten. Die Apostel besaßen die Macht und Befugnis, getauften Gläubigen den Geist, verbunden mit seinen verschiedenen Gaben, zu vermitteln, so daß diese in fremden Sprachen sprechen, prophezeien, auslegen, heilen usw. konnten. Nach dem Tode der Apostel Christi wurde der Geist, verbunden mit solchen Wundergaben, nicht mehr verliehen. Und als die Personen, die diese Gaben durch die Apostel empfangen hatten, starben — spätestens im zweiten Jahrhundert u. Z. —, hörten auch diese Wundergaben auf, und von da an wiesen sich die wahren Diener Gottes und die wahre Christenversammlung nicht mehr durch solche Gaben aus. (Apostelgeschichte 8:14-18; 1. Korinther 13:8) Wenn daher jemand nach dieser Zeit „Wunder“ wirkte, so, als besäße er diese „Gaben“, dann hatte er die Kraft dazu nicht von Gott, sondern von Satan empfangen.

      59. (a) Sind all die eindrucksvollen Dinge, auf die in Verbindung mit der Geistlichkeit hingewiesen werden mag, ein Beweis dafür, daß diese Gott dient? (b) Worauf berufen sich wahre Diener Gottes, um nachzuweisen, daß sie von Gott eingesetzt worden sind?

      59 Die Kirchen der Christenheit, die von der Geistlichkeit beherrscht werden, mögen auf die Machttaten, die Zeichen und die Wunder hinweisen, die von Geistlichen im Laufe der Jahrhunderte gewirkt wurden; sie mögen auf die hohe Stellung hinweisen, die die Geistlichen in dieser Welt einnehmen, auf die Achtung und die Ehre, die sie als geistliche Herren genießen, auf ihre glanzvollen Roben, ihre hochtrabenden Titel, ihre prunkvollen Kirchengebäude und Kathedralen, auf ihre eindrucksvollen gottesdienstlichen Zeremonien, auf die Transsubstantiation oder Wandlung von Brot und Wein während der Feier der „Messe“, auf die höhere Bildung ihrer Geistlichen und auf deren Ansehen und Einfluß bei den Regierungen und dem Militär — doch all das sowie die Wirkung, die es auf die „Laien“ hat, beweist, daß die Geistlichkeit der Christenheit, die sich selbst erhöht hat, nicht von Gott ist und ihm nicht dient. Satan, der die Gestalt eines „Engels des Lichts“ annimmt, veranlaßt seine religiösen Diener auf der Erde, „immer wieder die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit“ anzunehmen. (2. Korinther 11:14, 15) Wahre christliche Diener Jehovas weisen sich nicht durch solche Äußerlichkeiten als seine von ihm eingesetzten, anerkannten Diener aus, sondern durch das geschriebene Wort Gottes, das Wort der Wahrheit.

      60. Was ist über die zahlenmäßige Stärke zu sagen, die die Geistlichkeit, die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, in der ganzen Welt erreichte?

      60 Imponierend war die zahlenmäßige Stärke, die die Geistlichkeit, die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, in der ganzen Welt erreichte. Im Jahre 1971, als die Kirchen der Christenheit mit 985 363 400 Mitgliedern eine Höchstzahl erreicht hatten, ging die Zahl der Geistlichen in die Hunderttausende. Nach einer veröffentlichten Statistik hatte die katholische Kirche in jenem Jahr 419 611 Priester für ihre 566 771 600 Kirchenmitglieder.

      61. Für wen hat gemäß den Worten des Paulus der mit allen Raffinessen wirkende Satan diese trügerischen Dinge bestimmt, und warum läßt Gott dies zu?

      61 Wessen Leichtgläubigkeit wird durch solche imponierenden Äußerlichkeiten ausgenutzt? Wer wird durch solche unbiblischen ‘Machttaten und lügenhaften Zeichen und Wunder’ tief beeindruckt und getäuscht? Für wen hat der mit allen Raffinessen wirkende Satan diese Dinge bestimmt? Der Apostel Paulus schreibt, die „Wirksamkeit des Satans“ sei in der Zeit der Gegenwart des „Gesetzlosen“, der Geistlichkeit, „mit jedem Trug der Ungerechtigkeit für die, die zur Vergeltung dafür zugrunde gehen, daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, damit sie gerettet würden. Und darum läßt Gott ihnen eine Wirksamkeit des Irrtums zugehen, damit sie der Lüge glauben, so daß sie alle gerichtet werden, weil sie der Wahrheit nicht glaubten, sondern an der Ungerechtigkeit Gefallen hatten.“ — 2. Thessalonicher 2:10-12.

      62. Schickt Gott den Getäuschten direkt eine „Wirksamkeit des Irrtums“, und was stellt er durch diese „Wirksamkeit des Irrtums“ fest?

      62 Gott schickt diesen Getäuschten nicht direkt eine „Wirksamkeit des Irrtums“. Er läßt sie ihnen zugehen, um festzustellen, was sie eigentlich wollen, und auch, um zu beweisen, daß sie es wirklich so haben wollen. Darauf weist der Apostel Paulus in seinem letzten Brief, den er seinem Missionsgefährten Timotheus schrieb, hin. Paulus erklärt, warum er Timotheus auffordert, das Wort Gottes in der Christenversammlung jederzeit eifrig zu predigen. Er schreibt: „Denn es wird eine Zeitperiode geben, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich nach ihren eigenen Begierden Lehrer aufhäufen werden, um sich die Ohren kitzeln zu lassen; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich dagegen unwahren Geschichten zuwenden.“ (2. Timotheus 4:2-4) Mit Hilfe des inspirierten Wortes Gottes kann man sich während der Gegenwart des „Gesetzlosen“ vor der „Wirksamkeit des Irrtums“ schützen. Aber dadurch, daß Gott die satanische „Wirksamkeit des Irrtums“ zuläßt und so zuläßt, daß sie sogenannten Christen zugeht, prüft er diese, um festzustellen, ob sie „die Liebe zur Wahrheit“ annehmen oder der Lüge den Vorzug geben.

      63. Was wird nun bald geschehen, weshalb die Weltlage für alle Menschen sehr gefährlich ist, und welche Wahl müssen wir jetzt treffen?

      63 Heute, in der noch verbleibenden Zeit der „Gegenwart“ des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, der Geistlichkeit, und der Gegenwart oder Parusie des Herrn Jesus, geht den Menschen mit Gottes Zulassung eine „Wirksamkeit des Irrtums“ zu, die ohne Beispiel ist. Da das Urteil an Personen, die „die Liebe zur Wahrheit“ nicht annehmen und „an Ungerechtigkeit Gefallen“ haben, bald vollzogen wird, ist die Weltlage für alle Menschen gefährlich. Erforscher der Bibel, die geistiges Wahrnehmungsvermögen besitzen, haben das „Zeichen“ der unsichtbaren Gegenwart oder Parusie Christi, das seit 1914 u. Z. sichtbar ist, schon lange gesehen, und sie wissen, daß die Zeit plötzlich dasein wird, in der sich der „Mensch der Gesetzlosigkeit, der Sohn der Vernichtung“, die Geistlichkeit, dem „Kundwerden seiner [Jesu] Gegenwart“ gegenübersehen wird. (2. Thessalonicher 2:8) Was ist also unser Wunsch: mit dem „Gesetzlosen“ vernichtet oder zusammen mit allen, die die Wahrheit lieben, gerettet zu werden?

      DIE VERNICHTUNG DES „MENSCHEN DER GESETZLOSIGKEIT“

      64. Wie hat sich die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ zu einem Teil Groß-Babylons gemacht?

      64 Jahrhundertelang hat die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, die Geistlichkeit, heidnische Lehren, die in der Religion Babylons wurzeln, gelehrt, und sie hat diese heidnischen Lehren und die Überlieferungen von Menschen höher geachtet als die inspirierte Heilige Schrift. Die Geistlichkeit der Christenheit hat Personen, die der biblischen Wahrheit zugetan waren und diese Wahrheit anderen verkündigten sowie in Übereinstimmung damit lebten, bekämpft und verfolgt. Sie hat mit der Welt Freundschaft gepflegt und mit den politischen Herrschern und den Vertretern der Finanzwelt geistige Hurerei (Unsittlichkeit) begangen, auch hat sie kriegführenden Parteien und dem Militär Handlangerdienste geleistet. Dadurch ist sie ein einflußreicher Teil Groß-Babylons, das das Weltreich der falschen Religion versinnbildet, geworden. Ja, die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ gehört mit zu Babylon der Großen und ist am verwerflichsten von allen, die zu der religiösen „großen Hure“ gehören, mit der „die Könige der Erde Hurerei begingen, während die, welche die Erde bewohnen, mit dem Wein ihrer Hurerei trunken gemacht wurden“. — Offenbarung 17:1, 2.

      65. Wie kommt es, daß der „Mensch der Gesetzlosigkeit“, die Geistlichkeit, auf dem „scharlachfarbenen wilden Tier“ reitet, und was erwartet sie von diesem „wilden Tier“?

      65 Da die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, die Geistlichkeit, zu dem religiösen Groß-Babylon gehört, reitet sie auf dem symbolischen „scharlachfarbenen wilden Tier ..., das voll lästerlicher Namen war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte“. Jenes wilde Tier ist ein Sinnbild der heute bestehenden, von Menschen geschaffenen Weltorganisation für Weltfrieden und internationale Sicherheit: der Vereinten Nationen. Dieses „Tier“ ist der symbolische „achte König“, die in der Bibel vorhergesagte achte Weltmacht. (Offenbarung 17:1-11) Es beliebt der Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, der Geistlichkeit der Christenheit, jede von Menschen geschaffene internationale Organisation für Weltfrieden und internationale Sicherheit zu befürworten und dafür einzutreten, ja einer solch unchristlichen Organisation sogar messianische Funktionen zuzuschreiben. Die Geistlichkeit oder der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ erwartet von einer solchen überstaatlichen Organisation, daß sie der Menschheit einen dritten Weltkrieg, einen Atomkrieg, erspare.

      66. Warum wird der „Mensch der Gesetzlosigkeit“, die Geistlichkeit, nicht mehr lange auf diesem „Tier“ reiten, und wie wird dieser Ritt für ihn enden?

      66 Sie wird nicht mehr lange auf diesem symbolischen „scharlachfarbenen wilden Tier“ reiten. Wenn die religiöse Hure, Babylon die Große, verschwinden wird, wird auch die Geistlichkeit oder der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ verschwinden. Was in der Vision, die in der Offenbarung enthalten ist, vorausgesagt worden ist, wird ganz bestimmt eintreten: Die zehn „Hörner“ des symbolischen wilden Tieres, die die politischen Herrscher versinnbilden, werden sich haßerfüllt gegen die unmoralische Reiterin, Babylon die Große, wenden. Ja, die sieben Köpfe, die die Bewegungen des wilden Tieres lenken, werden diese internationale Hure hassen. Sie werden das Tier so lenken, daß es sich gegen sie wendet. Wie werden Leib, Köpfe und Hörner des Tieres mit ihr verfahren? „Diese werden die Hure hassen und werden sie verwüsten und nackt machen und werden ihre Fleischteile auffressen und werden sie gänzlich mit Feuer verbrennen.“ (Offenbarung 17:16) Wenn sie verwüstet und nackt gemacht wird und wenn sie aufgefressen und gänzlich mit Feuer verbrannt wird, wird auch der „Mensch der Gesetzlosigkeit“, die Geistlichkeit, verwüstet, entblößt, verzehrt und zu Asche verbrannt werden.

      67. Warum wird dies für den „Menschen der Gesetzlosigkeit“, die Geistlichkeit, eine Drangsal bedeuten, die in der Tat „groß“ sein wird?

      67 Das wird für die Geistlichkeit, den „Menschen der Gesetzlosigkeit“, eine „große Drangsal“ bedeuten, denn sie ist der beherrschende Teil der Christenheit, des gegenbildlichen untreuen Jerusalem unserer Zeit. Die Zerstörung der buchstäblichen Stadt Jerusalem durch die Römer im Jahre 70 u. Z. war ein Vorbild der Zerstörung, die über die Christenheit und die sogenannt christliche Geistlichkeit, ihre religiösen Führer, kommen wird. Die Drangsal, die über das damalige Jerusalem kam, als der Tempel noch stand und die Priester noch amtierten, war „groß“. Und die Drangsal, die bald über die Christenheit und ihre Geistlichkeit, den „Menschen der Gesetzlosigkeit“, hereinbrechen wird? Es wird die schlimmste Drangsal sein, die die Menschheit je erlebt hat. Darin wird die Geistlichkeit, der „Sohn der Vernichtung“, gänzlich vernichtet werden. — Matthäus 24:15-22; Markus 13:14-20.

      68. Aufgrund welchen historischen Beispiels einer Zerstörung, die vorhergesagt worden war, kann man sich vorstellen, was dies für die religiöse Christenheit bedeuten wird?

      68 Können wir uns vorstellen, was das bedeuten wird? Personen, die vor der ordinierten Geistlichkeit der Christenheit eine ehrfürchtige Scheu haben, können sich nicht vorstellen, daß diese fromm erscheinenden Herren Geistlichen aus dem Dasein ausgelöscht werden, wenn Babylon die Große vernichtet wird; allein der Gedanke daran erscheint ihnen schon frevelhaft. Sie wagen es auch nicht, sich vorzustellen, daß die Kirchen, in denen die Geistlichen amtierten, die den Eindruck erweckten, würdig zu sein, wie ein Gott verehrt zu werden, in Schutt und Asche sinken. Ein solcher Gedanke erscheint ihnen wie eine Entweihung von etwas Heiligem, Geweihtem. Aber so betrachteten im ersten Jahrhundert auch die frommen Juden, die das Christentum nicht annahmen, die Prophezeiung über die Zerstörung der Stadt Jerusalem und ihres heiligen Tempels. Das, was Jesus Christus jedoch prophezeite, als er auf dem Ölberg saß, wurde grauenvolle Wirklichkeit. — Matthäus 24:1, 2.

      69. (a) Als was ist der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ verehrt worden, weshalb seine Vernichtung für viele Religionsanhänger eine furchtbare Überraschung sein wird? (b) Wie wer wird diese Klasse „fallen“ und „sterben“ und wer wird sie hinrichten?

      69 Für die treuen Anhänger des sogenannt christlichen Glaubens wird die Vernichtung der Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, der Geistlichkeit, eine furchtbare Überraschung sein, ein Schock für ihre religiösen Empfindungen. Ein Gott wird sterben, denn von dem „Menschen der Gesetzlosigkeit“ wird gesagt, daß er „sich in den Tempel d e s GOTTES niedersetzt und sich öffentlich darstellt, daß er ein Gott sei“. (2. Thessalonicher 2:4) Jesus Christus stimmte mit den inspirierten Hebräischen Schriften überein, in denen Personen auf der Erde „Götter“, das heißt Mächtige, genannt werden. Ein Beweis hierfür sind seine Worte aus Johannes 10:34-36, die er aus dem 82. Psalm zitierte, der wie folgt lautet:

      „Gott bezieht Stellung in der Gemeinde des Göttlichen; inmitten der Götter richtet er: ,Wie lange werdet ihr fortfahren, mit Ungerechtigkeit zu richten und gegenüber den Bösen Parteilichkeit zu bekunden? ... Seid Richter für den Geringen und den vaterlosen Knaben. Dem Niedergedrückten und dem Minderbemittelten schafft Recht. Sorgt für das Entrinnen des Geringen und des Armen; aus der Hand des Bösen befreit sie.‘

      Sie haben nicht erkannt, und sie verstehen nicht, in Finsternis wandeln sie weiterhin umher, alle Grundfesten der Erde werden zum Wanken gebracht.

      ,Ich selbst habe gesagt: „Ihr seid Götter, und ihr alle seid Söhne des Höchsten. Sicherlich werdet ihr wie Menschen sterben und wie irgendeiner der Fürsten werdet ihr fallen!“ ‘ “

      Die Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, die Geistlichkeit, ist kein unsterblicher Gott, sondern wie ein gewöhnlicher Mensch wird sie sterben, wie der Verräter Judas Iskariot, der ebenfalls „Sohn der Vernichtung“ genannt wurde. (Johannes 17:12) Dieser fürstliche „Mensch der Gesetzlosigkeit“ wird, obwohl er sich „über jeden, der ,Gott‘ oder ein Gegenstand der Verehrung genannt wird“, erhoben hat, wie irgendein anderer untreuer menschlicher Fürst „fallen“; Jehovas Messias wird ihn hinrichten. — Psalm 82:1-7.

      70. Welche Fragen sollten wir uns deshalb jetzt stellen im Hinblick auf das, was Paulus über die „Wirksamkeit des Irrtums“ schrieb?

      70 Deshalb sollten wir uns jetzt unverzüglich einige Fragen stellen: Unterliege ich immer noch dem „Trug der Ungerechtigkeit“, den Satan in Verbindung mit der Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, der Geistlichkeit der Christenheit, wirkt? Bin ich von der „Wirksamkeit des Irrtums“, die Gott denen zugehen läßt, die zugrunde gehen werden, beeinflußt worden, und glaube ich daher immer noch der Lüge? Habe ich „die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen“, und gebe ich deshalb der Lüge den Vorzug und finde Gefallen an der Ungerechtigkeit, die die Geistlichkeit der Christenheit verübt?

      71. Was würde es für uns mit sich bringen, wenn wir in dieser Beziehung jetzt unehrlich gegen uns wären, und an welchem offensichtlich kurz bevorstehenden „Tag“?

      71 Es nützt nichts, wenn man bei der Beantwortung dieser Fragen nicht ehrlich gegen sich ist, wenn man sich selbst betrügt. Ist man nämlich unehrlich gegen sich, so rennt man mit offenen Augen ins Unglück, denn die „Wirksamkeit des Irrtums“ ist, wie der Apostel Paulus sagte, „für die, die ... zugrunde gehen“. Welcher vernünftige Mensch möchte mit den Opfern des Truges zugrunde gehen, wenn das göttliche Urteil an ihnen vollstreckt wird? Die Zeit, da dieses Urteil an allen, die beharrlich der Lüge glauben, vollstreckt wird, ist nahe herbeigekommen. Wir irren uns in dieser Beziehung nicht, denn der „Mensch der Gesetzlosigkeit, der Sohn der Vernichtung“, ist geoffenbart und enthüllt worden. Es ist auch schon ein großer Teil der Zeit der Parusie oder „Gegenwart“ des Herrn Jesus verflossen. Der vorhergesagte „Abfall“ hat seinen Höhepunkt erreicht. Das alles mußte dem Kommen des vernichtenden „Tages Jehovas“ vorausgehen. An jenem Tag wird an dem „Menschen der Gesetzlosigkeit“ das Urteil, das in seinem Namen, „Sohn der Vernichtung“, zum Ausdruck kommt, vollstreckt werden.

      72. Wovor werden wir bewahrt werden, wenn wir uns jetzt von diesem „Menschen der Gesetzlosigkeit“ lossagen?

      72 Das soll uns nicht in Angst versetzen. Es ist eine ernste Warnung, die Gottes Wort ertönen läßt, eine Warnung, der durch die heutigen Verhältnisse und Vorgänge in der Christenheit Nachdruck verliehen wird. Ist es daher nicht höchste Zeit, daß jeder, der die Gesetze Gottes liebt, sich von diesem geoffenbarten „Menschen der Gesetzlosigkeit“ lossagt? Wenn wir das tun, werden wir davor bewahrt werden, mit ihm in der „großen Drangsal“, die der Welt nahe bevorsteht, vernichtet zu werden. — Offenbarung 7:14, 15.

      [Fußnoten]

      a In sieben bedeutenden hebräischen Übersetzungen des 1. Thessalonicherbriefes steht an dieser Stelle „Jehovas Tag“, während es in griechischen Manuskripten aus dem vierten und fünften Jahrhundert sowie in der lateinischen Vulgata an dieser Stelle heißt: „Tag des Herrn“.

      b Prompta bibliotheca canonica, juridicao-moralis, theologica partim ascetica, polemica, rubricistica, historica, Bd. VI, S. 31—35, herausgegeben 1746 von Lucius Ferraris in Bologna (Emilia-Romagna, Italien) Nach einer Abschrift, die in der Columbia-Universität in New York aufbewahrt wird.

      c New Catholic Encyclopedia, Band 6, Seite 706, unter „Gratian“.

  • Für Gottes tausendjähriges Königreich am Leben erhalten
    Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht
    • 19. Kapitel

      Für Gottes tausendjähriges Königreich am Leben erhalten

      1. Was bedeutet es für die menschlichen Regierungen, daß sich Gottes tausendjähriges Königreich unter seinem Messias genaht hat?

      GOTTES tausendjähriges Königreich unter seinem Messias hat sich genaht! Die Verkündigung dieser guten Botschaft beruht auf einer sicheren, zuverlässigen Grundlage: auf dem inspirierten Wort Gottes und den Weltereignissen, die sich seit dem Jahre 1914 u. Z. abspielen. Das Herannahen des tausendjährigen Königreiches bedeutet, daß für die Regierungen unvollkommener und sterblicher menschlicher Herrscher das Ende naht. „In den Tagen dieser Könige“, sagte der inspirierte Prophet Daniel zu Nebukadnezar, dem König von Babylon, „wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nie zugrunde gerichtet werden wird. Und das Königreich selbst wird an kein anderes Volk übergehen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende bereiten, und es selbst wird für unabsehbare Zeiten bestehen.“ — Daniel 2:44.

      2. (a) Welches Ereignis wird durch das Zermalmen der weltlichen Königreiche seinen Höhepunkt erreichen? (b) Was wird dann — obwohl es schwierig sein wird — auf der Erde „gerettet“ werden?

      2 Das Zermalmen dieser von Menschen gegründeten, weltlichen Königreiche wird den Höhepunkt der „großen Drangsal“ bilden, die Jesus, der Messias, vorhergesagt hat, als er die Frage beantwortete: „Wann werden diese Dinge sein, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ (Matthäus 24:3) Da das Zermalmen der gegenwärtigen Königreiche und Republiken dem Beginn seines tausendjährigen Königreiches vorausgehen muß, ging er nicht zu weit, als er diese herannahende Drangsal eine „große Drangsal“ nannte, eine, „wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird“. Diese Drangsal würde so groß sein, daß es schwierig wäre, sie zu überleben, daß es ein Problem wäre, das Menschengeschlecht am Leben zu erhalten. „Tatsächlich, wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.“ (Matthäus 24:21, 22) Nicht nur die „Auserwählten“ sollen gerettet werden, sondern auch anderes „Fleisch“.

      3. (a) Was geschieht mit dem Überrest, nachdem er noch gesehen hat, daß auf der Erde „Fleisch“ am Leben erhalten worden ist? (b) Wodurch werden diejenigen, die die „große Drangsal“ überleben, am Leben erhalten?

      3 Ja, das Menschengeschlecht wird in der herannahenden unvergleichlich „großen Drangsal“ genauso am Leben erhalten werden wie in der weltweiten Flut der Tage Noahs. (Matthäus 24:37-39) Die noch auf der Erde lebenden „Auserwählten“ werden sehen, daß „Fleisch“ gerettet wird, bevor sie den irdischen Schauplatz verlassen, um mit Jesus Christus im himmlischen Königreich, zu dem sie berufen und auserwählt wurden, vereint zu werden. (Offenbarung 17:14; 20:4-6) Von der Geistlichkeit, der Klasse des „Menschen der Gesetzlosigkeit“, wird niemand gerettet werden; auch die Vertreter der Politik, des Militärs und der Geschäftswelt, mit denen sie verbunden war, werden nicht am Leben erhalten werden. Der Überrest der treuen „Auserwählten“ und die schafähnlichen Menschen, die die „große Volksmenge“ bilden und die kompromißlos für Gottes Königreich unter seinem Messias eintreten, werden während der Vernichtung des religiösen Groß-Babylon und in Har-Magedon, dem „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, am Leben erhalten werden. (Offenbarung 7:9-17; 16:13-16; 17:1-16; Matthäus 25:31-46) Nicht durch menschliche Mittel werden sie gerettet werden, sondern allein durch Gottes Macht.

      4, 5. (a) In welchem Psalm wird uns diese Rettung vor Augen geführt, und in wessen Namen äußert sich der Psalmist? (b) Was werden die „Auserwählten“ und die „große Volksmenge“ — wie der Psalmist — nach ihrer Rettung ihrem Retter gegenüber zum Ausdruck bringen?

      4 Diese Rettung wird uns in den inspirierten Worten des 116. Psalms — aus dem der Apostel Paulus in seinem zweiten Brief an die Korinther (4:13) zitiert — deutlich vor Augen geführt. Der Schreiber dieses Psalms hätte im Namen seines ganzen Volkes sprechen können, denn nicht nur sein Leben war in Gefahr, sondern seinem ganzen Volk, dem auserwählten Volk Jehovas, drohte Vernichtung. In der nahen Zukunft werden alle, die Jehovas Königreich unter Jesus Christus unerschütterlich treu bleiben, in Gefahr sein, da ihnen die religiösen und politischen Feinde des messianischen Königreiches Gottes nach dem Leben trachten werden. Da sich diese loyalen, standhaften Verteidiger und Unterstützer des Königreiches Gottes nicht mit fleischlichen Waffen verteidigen, sondern sich nur auf den Schutz Gottes, des Allmächtigen, und seines Messias verlassen, werden sie ihre Rettung Gott, dem Allmächtigen, zuschreiben müssen. Werden sie ihn deswegen lieben? Da er ihre Bitte um Rettung in der Zeit weltweiter Bedrohung des Lebens erhört, wird ihr Herz sie dazu drängen, ihre Liebe zu Gott, ihrem Retter, zum Ausdruck zu bringen, wie der Psalmist es aus einem ähnlichen Grunde tat:

      5 „Gewißlich liebe ich, denn Jehova hört meine Stimme, meine flehentlichen Bitten. Denn er hat sein Ohr zu mir geneigt, und meine Tage hindurch werde ich rufen. Die Stricke des Todes umfingen mich, und die bedrängnisvollen Umstände des Scheols fanden mich. Bedrängnis und Kummer fand ich fortwährend. Dann aber habe ich den Namen Jehovas angerufen: ,Ach Jehova, sorge doch für das Entrinnen meiner Seele!‘ Jehova ist gnädig und gerecht; und unser Gott ist Einer, der Barmherzigkeit erweist. Jehova behütet die Unerfahrenen. Ich war verarmt, und er ging daran, selbst mich zu retten.“ — Psalm 116:1-6.

      6. (a) Was empfand der Psalmist gemäß seinen Worten angesichts des anscheinend unabwendbaren Todes? (b) Welche Äußerung tat er, und warum?

      6 Der Psalmist wollte nicht sterben. Doch sein Tod schien eine beschlossene Sache zu sein. Es war, als hätte der Tod seine „Stricke“ bereits unerbittlich fest um ihn geschlungen, so daß es für ihn kein Entrinnen mehr gäbe. Es war, als befände er sich bereits im Scheol (im allgemeinen Grab der Menschheit), wo er die „bedrängnisvollen Umstände“ der Beschränkung auf den engen Grabesraum empfinden würde. Er war darüber betrübt und bekümmert, daß sein Leben verkürzt werden sollte. Er war hinsichtlich der Lebensweise der Welt unerfahren und konnte sich nicht an Menschen um Hilfe wenden. Er fühlte sich arm, ohne jede irdische Hilfe. Doch halt! Seine Lage war nicht hoffnungslos. Da war ja noch der Gott, den er und das Volk, dem er angehörte, anbeteten. Dieser Gott konnte ihn vor dem Tod und dem Scheol behüten. Er ist gnädig und gerecht, er erweist Barmherzigkeit, er kann für ein Entrinnen sorgen, er kann befreien. Seinen Namen anzurufen müßte Rettung bedeuten. Da der Psalmist diesen Gott kannte, erhob er seine Stimme zu ihm. Er flehte ihn an, und zu seiner Freude neigte ihm Jehova sein Ohr zu. Er hörte seine verzweifelte Stimme, seine flehentlichen Bitten. Er rettete ihn. „Er ging daran, selbst mich zu retten“, rief der demütige Psalmist aus. Wie hätte er sich davon zurückhalten können zu sagen: „Gewißlich liebe ich.“! Ja, so war es!

      7. Warum wird Jehova die „Auserwählten“ und die „große Volksmenge“ erhören, wenn sie ihn in Todesgefahr anrufen, und warum werden sie sagen: „Gewißlich liebe ich.“?

      7 Wenn schließlich der Lärm des „Krieges des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, in unserer Generation verstummt ist und Frieden und Ruhe auf dem Schlachtfeld von Har-Magedon einkehren, werden der Überrest der „Auserwählten“ und die „große Volksmenge“, die zusammen diesen Krieg überlebt haben, zurückblicken und erkennen, welche Rettung Gott, der Allmächtige, für sie bewirkt hat. Sie sind knapp dem Tod entronnen. Welchen anderen Namen als den Namen Jehovas hätten sie anrufen können in der Gewißheit, erhört zu werden, als es eine beschlossene Sache zu sein schien, daß sie eines gewaltsamen Todes sterben sollten? Sie haben ihn nicht umsonst angerufen, denn er war nicht bereit, sie zu dieser Zeit dem Tod preiszugeben, sie in den engen Raum des Scheols hinabsteigen zu lassen. Die Feinde, die sie einschüchtern wollten, sollten in die Vernichtung gehen, nicht aber seine Anbeter, die seinen Namen trotz des Spotts und Hohns der Feinde anriefen. Gott sorgte auf wunderbare Weise dafür, daß sie entrannen. Sie, die hinsichtlich der verderbten Lebensweise der Welt keine Erfahrung hatten, die wie Jesus kein Teil der Welt waren, wurden behütet. Der gnädige, gerechte und barmherzige Gott, Jehova, rettete sie. Was anderes hätten diese Geretteten tun können, als zu Jehova aufzublicken und zu sagen: „Gewißlich liebe ich.“!

      „IN DEN LÄNDERN DER LEBENDEN“ WANDELN

      8. Wozu war der Psalmist entschlossen, nachdem seine Seele vom Tode befreit worden war?

      8 Von einem überwältigenden Gefühl der Erleichterung erfaßt, konnte der einst tief beunruhigte Psalmist jetzt sagen: „Kehre zu deinem Ruheort zurück, o meine Seele, denn Jehova selbst hat dir gegenüber angemessen gehandelt. Denn du hast meine Seele vom Tode befreit, mein Auge von Tränen, meinen Fuß vom Straucheln. Ich will vor Jehova wandeln in den Ländern der Lebenden. Ich hatte Glauben, denn ich ging daran zu reden. Ich selbst war sehr niedergedrückt. Ich meinerseits sprach, als ich in Panik geriet: ,Jeder Mensch ist ein Lügner.‘ “ — Psalm 116:7-11.

      9. (a) Was meinte der Psalmist, als er sagte, jeder Mensch sei ein Lügner? (b) Wovon redete er dann, und waren seine Worte nutzlos?

      9 Da der Psalmist die Befreiung seiner Seele vom Tode erlebt hatte und immer noch unter den auf der Erde Lebenden wandelte, konnte er sich entspannen und seine Seele, sein eigenes Ich, auffordern, an ihren Ruheort zurückzukehren. Er brauchte keine Tränen der Verzweiflung mehr zu vergießen. Sein Fuß war nicht gestrauchelt, so daß er plötzlich zu Tode gestürzt wäre. Einmal war er zwar in Panik geraten, denn es war ihm bewußt geworden, daß jede menschliche Hilfe nutzlos war. Jeder Mensch, der sagte, er könne dem scheinbar hoffnungslos verlorenen Psalmisten helfen, oder der versuchte, ihn zu befreien, erwies sich als Lügner. Alle Menschen schienen ihn zu täuschen. Er verlor den Glauben an die Macht der Menschen, ihn vor dem drohenden Tod zu retten, hielt aber am Glauben an seinen Gott fest. Seine Worte brachten seinen Glauben zum Ausdruck. Wenn ihm niemand anders helfen konnte — sein Gott konnte ihm helfen. Diesen Glauben hatte er, und er redete auch davon, daß Gott ihn befreien werde. Seine Worte erwiesen sich nicht als trügerisch und nutzlos. Er wurde davor bewahrt, zu straucheln und zu Tode zu stürzen, und so war er nun entschlossen, „vor Jehova [zu] wandeln in den Ländern der Lebenden“.

      10. Warum erinnerte sich Paulus an den 116. Psalm, aus dem er gemäß 2. Korinther 4:12-14 zitiert, und welche Eigenschaft hob er dadurch hervor?

      10 An Gott zu glauben ist nie umsonst! Der Apostel Paulus wußte das. Er war sich darüber im klaren, daß seine anstrengende Missionstätigkeit zwar den Menschen, die auf seine Botschaft hörten, zum ewigen Leben verhalf, daß aber dadurch sein Leben verkürzt würde; dennoch hatte er den festen Glauben, daß Gottes Kraft ihn erhalten würde. Er sprach nicht nur vom Leben hier auf der Erde, sondern auch von einer Auferweckung von den Toten während der „Gegenwart“ oder Parusie Christi. Paulus erinnerte sich an den 116. Psalm und schrieb an die Versammlung in Korinth (Griechenland): „Somit ist in uns der Tod am Werk, das Leben aber in euch. Weil wir nun denselben Geist des Glaubens haben wie der, von dem geschrieben steht: ,Ich habe Glauben ausgeübt, darum habe ich geredet‘, so üben auch wir Glauben aus, und darum reden wir, da wir wissen, daß der, der Jesus auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und uns [in denen zur Zeit der Tod am Werk ist] mit euch [in denen gegenwärtig das Leben am Werk ist] zusammen darstellen wird.“ — 2. Korinther 4:12-14; Psalm 116:10.

      11. (a) Wann werden die „Auserwählten“ und die „große Volksmenge“ ebenfalls sagen können: „Jeder Mensch ist ein Lügner.“? (b) Warum wird es für sie dann angebracht sein, an die Worte des Apostels Paulus aus 2. Korinther 4:8-10 zu denken?

      11 Für den Überrest der „Auserwählten“ und ihre loyalen Gefährten, die „große Volksmenge“, wird es in allernächster Zukunft lebensnotwendig sein, am Glauben an Gott festzuhalten, selbst wenn ihr Tod unvermeidlich zu sein scheint. Sie werden zweifellos Glauben bekunden müssen, wenn die irreligiösen weltlichen Mächte gemeinsam ihren letzten Angriff auf sie unternehmen, nachdem der „Mensch der Gesetzlosigkeit“, die Geistlichkeit, beseitigt und der übrige Teil des religiösen Groß-Babylon wie durch Feuer verzehrt worden ist. Dann wird es keine menschliche Instanz geben, an die sie sich um Hilfe wenden könnten, und so könnten sie dann sagen: „Jeder Mensch ist ein Lügner.“ Ja, jede menschliche Hilfe wird sich als nutzlos und vergeblich, als eine Täuschung, erweisen. Sie können aber ihren Glauben an Gott, den Allmächtigen, stärken, indem sie an den Apostel Paulus denken, der, bevor er von seinem Glauben sprach, sagte: „Wir werden auf jede Weise bedrängt, doch nicht bewegungsunfähig eingeengt; wir sind ratlos, doch nicht gänzlich ohne Ausweg; wir werden verfolgt, doch nicht im Stich gelassen; wir werden niedergeworfen, doch nicht vernichtet. Beständig erdulden wir überall an unserem Leibe die Jesus zuteil gewordene todbringende Behandlung, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe kundgemacht werde.“ — 2. Korinther 4:8-10.

      12. Inwiefern werden sie im letzten Teil der „großen Drangsal“ Paulus nachahmen, der aus dem 116. Psalm zitierte, und was werden sie — wie der Psalmist — danach zu sich selbst sagen können?

      12 Im letzten Teil der „großen Drangsal“ werden die „Auserwählten“ und die „große Volksmenge“ den Apostel Paulus unter ähnlichen Umständen nachahmen und beweisen können, daß sie „denselben Geist des Glaubens haben wie der, von dem geschrieben steht: ,Ich habe Glauben ausgeübt, darum habe ich geredet.‘ “ Auch sie können Glauben an Gott ausüben und mit unvermindertem Glauben reden, obwohl sie wissen, daß ihre Lage sehr bedrohlich ist. (2. Korinther 4:13) Kurz nach dem letzten Angriff der irdischen Vertreter Satans, des Teufels, auf das Leben der „Auserwählten“ und der Glieder der „großen Volksmenge“ werden diese sagen können: „Kehre zu deinem Ruheort zurück, o meine Seele, denn Jehova selbst hat dir gegenüber angemessen gehandelt.“ — Psalm 116:7.

      13. Inwiefern handelt Jehova im „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, seinen Anbetern gegenüber „angemessen“ im Gegensatz zu ihren irdischen Feinden?

      13 Inwiefern wird Jehova ‘angemessen handeln’? Indem er gegenüber seinen treuen Anbetern in ihrer großen Bedrängnis so handelt, wie es ihm angemessen erscheint. Im „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, handelt er in voller Übereinstimmung mit seinen kostbaren Verheißungen, die in seinem heiligen Wort zum Nutzen und zum Schutz seiner gehorsamen Diener aufgezeichnet worden sind. „Jehova behütet alle, die ihn lieben, aber alle Bösen wird er vertilgen.“ (Psalm 145:20) Wenn sich seine „Auserwählten“ und die „große Volksmenge“ in der verzweifelten Situation befinden, handelt er auf eine ihrem Glauben, ihrem Gehorsam, ihrer Loyalität und ihrer Ergebenheit angemessene Weise. Er wird für die, „die ihn ernstlich suchen, ein Belohner“. (Hebräer 11:6) Er befreit deshalb ihre Seele von dem Tod, den die irdischen Feinde für sie herbeiführen möchten. Er befreit sie von allem, was sie veranlassen könnte, Tränen zu vergießen, und von allem, was die Feinde tun mögen, um zu bewirken, daß sie straucheln und zu Tode stürzen. Könnte Jehova etwas Angemesseneres tun als das, um sein Wort und seinen Namen zu rechtfertigen und die heimtückischen Feinde vollständig zuschanden werden zu lassen? Nein!

      14. (a) Was für eine Erde wird sich vor denen ausbreiten, die Jehova am Leben erhält, wo wird ebenfalls eine Säuberung vorgenommen werden, und wie? (b) Wozu werden dann diejenigen, die Jehova am Leben erhalten hat, entschlossen sein, um den Zweck ihrer Befreiung nicht zu verfehlen?

      14 Für den Überrest der „Auserwählten“ Gottes und die „große Volksmenge“ bedeutet das, daß sie die „große Drangsal“, in der das ganze gegenwärtige „System der Dinge“ beseitigt wird, im Fleische überleben werden. Vor ihnen werden sich alle Länder der gereinigten Erde ausbreiten. Nachdem die Erde durch die „große Drangsal“ von allen Übeltätern gesäubert worden ist, wird auch das geistige Reich in der unmittelbaren Nähe der Erde gesäubert werden. Wie? Indem der „Drache — die Urschlange —, der Teufel und Satan genannt wird“, und seine Dämonenengel ergriffen, gefesselt und in einen „Abgrund“ geschleudert werden, damit sie die Nationen auf der Erde während der Tausendjahrherrschaft des Messias Jehovas und der 144 000 „Auserwählten“ nicht mehr täuschen und irreführen können. Welch einzigartige Gelegenheit, Dankbarkeit zu bekunden! Die Anbeter Jehovas hätten ebensogut unter den Erschlagenen sein können. Aber nun sind sie hier — am Leben! So können sie beweisen, daß sie entschlossen sind, den Zweck ihrer Rettung vom Tode nicht zu verfehlen. Da sie wie einst der Psalmist befreit worden sind, können sie wie er sagen: „Ich will vor Jehova wandeln in den Ländern der Lebenden.“ (Psalm 116:9) Das können sie nun ungestört, in Freiheit, tun, und ihre Seele hat Ruhe.

      DEN „BECHER GROSSARTIGER RETTUNG“ NEHMEN

      15. Welche Rettung wird auf der Erde bewirkt worden sein, wenn die Tausendjahrherrschaft Christi beginnt, und welchen „Becher“ werden Gottes Loyalgesinnte nehmen?

      15 Wenn also die tausend Jahre beginnen, in denen der Messias über die ganze Erde regieren wird, wird Gott für alle seine Loyalgesinnten auf der Erde eine „großartige Rettung“ bewirkt haben. Stellen wir uns das vor! Sie werden von allen Bösen auf der Erde und im unsichtbaren Reich außerhalb der Erde befreit sein. Nun folgt die Tausendjahrherrschaft des messianischen Königreiches Gottes, während der diese Loyalgesinnten, das heißt diejenigen unter ihnen, die zur „großen Volksmenge“ gehören, für immer auf der gereinigten Erde am Leben erhalten werden. Voller Dankbarkeit sollten sich diese Loyalgesinnten, die überlebt haben, dann veranlaßt fühlen, wie der Psalmist zu sagen: „Was soll ich Jehova vergelten für all seine Wohltaten an mir? Den Becher großartiger Rettung werde ich nehmen, und den Namen Jehovas werde ich anrufen. Meine Gelübde werde ich Jehova bezahlen, ja, vor seinem ganzen Volke.“ — Psalm 116:12-14.

      16. (a) Wer reicht den Loyalgesinnten den „Becher großartiger Rettung“, und wie? (b) Wie werden sie diesen „Becher“ trinken, und was werden sie anrufen?

      16 Ein Becher enthält eine bestimmte Menge eines Getränks, das man trinken oder auch Jehova Gott als Trankopfer ausgießen kann. Er hat seinen Loyalgesinnten auf der Erde den „Becher der großartigen Rettung“ gereicht. Wie? Indem er sie in der „großen Drangsal“ am Leben erhalten hat. Das, was ihnen zum Trinken angeboten wird, ist die „großartige Rettung“. Jehova hat alle seine Rettungstaten für sie durch den himmlischen Messias bewirkt. Die Loyalgesinnten weisen diese Gabe, die „großartige Rettung“, nicht zurück, durch die ihr Leben auf der Erde verlängert wird, so daß es in die gesegnete Zeit hineinreicht, in der der Messias tausend Jahre über die ganze Erde regieren wird. Sie werden diesen „Becher“ dankbar trinken und sich des Lebens „in den Ländern der Lebenden“ erfreuen. Dabei werden sie auch den Namen Jehovas anrufen. Sie werden Jehova durch seinen Messias darum bitten, sie zu segnen und zu leiten, während sie sich bemühen, ihr Leben auf der Erde so zu gestalten, daß es seinem Willen völlig entspricht. Sie werden ihn frei und offen als ihren Gott bezeichnen.

      17. Was wird hinsichtlich der „Gelübde“ geschehen, die Jehovas Loyalgesinnte abgelegt haben mögen, als ihr Leben in Gefahr war?

      17 Haben sie ihm gegenüber irgendwelche Verpflichtungen, das heißt, haben sie in der Zeit, in der ihre Seele in Gefahr war und sie unmittelbar vom Tod bedroht zu sein schienen, Jehova Gott durch Jesus Christus irgendwelche Gelübde abgelegt oder irgendwelche Versprechen gegeben? Wenn ja, dann werden sie ihm diese „Gelübde“, die sie in dem Wunsch abgelegt haben, von ihm gerettet zu werden, gewissenhaft und liebevoll bezahlen, weil er ihren Gelübden entsprechend gehandelt und sie auf der Erde am Leben erhalten hat. Sie werden ihre Gelübde in Jehovas geistigem Tempel bezahlen, denn sie werden das, was sie gelobt haben, „vor seinem ganzen Volke“ tun.

      18. Wie lange wird der Überrest der „Auserwählten“ dies auf der Erde tun?

      18 Auch die noch übriggebliebenen geistgezeugten „Auserwählten“ Gottes werden dies tun, solange sie noch auf der Erde sind, bevor sie den irdischen Schauplatz ihrer Tätigkeit verlassen und mit den anderen der 144 000 Miterben Christi auf seinem himmlischen Thron in Herrlichkeit vereint werden. — Prediger 5:2-6.a

      KOSTBAR IST „DER TOD SEINER LOYALGESINNTEN“

      19. Aufgrund welchen Verhältnisses bat der Psalmist Gott darum, ihn von den Banden des Todes zu lösen, und warum tat er es mit Recht?

      19 Da der befreite Psalmist dem, was sein Gott empfand, eine hohe Bedeutung beimaß, konnte er ausrufen: „Kostbar ist in den Augen Jehovas der Tod seiner Loyalgesinnten. Ach nun, o Jehova, denn ich bin dein Knecht. Ich bin dein Knecht, der Sohn deiner Sklavin. Du hast meine Bande gelöst.“ (Psalm 116:15, 16) Der Psalmist rief die Worte „Ach nun, o Jehova“ flehentlich bittend aus, als er sich in Todesgefahr befand. Damals bat er Gott darum, die Bande, mit denen er vom Tod festgehalten zu werden schien, zu lösen und ihn vom Tod zu befreien. Er bat Jehova Gott um diese Gunst, weil er sein Knecht war, ein Knecht Jehovas in einer zweiten Generation, denn er war der Sohn einer „Sklavin“ Jehovas. Der Psalmist erinnerte Jehova gewissermaßen an seine Verpflichtung, seine Knechte oder Diener am Leben zu erhalten. Und nun, nachdem er dem Tod gegenübergestanden hatte, konnte er davon sprechen, daß Jehova seiner Verpflichtung liebevoll nachgekommen sei.

      20. (a) Zu welchen Personen rechnete sich der Psalmist, und warum war dies keine Anmaßung? (b) Wie kostbar war nach der Ansicht des Psalmisten der Tod eines der „Loyalgesinnten“ Jehovas in dessen Augen?

      20 Der Psalmist rechnete sich selbst zu Jehovas „Loyalgesinnten“, als er mit tiefer Dankbarkeit sagte: „Kostbar ist in den Augen Jehovas der Tod seiner Loyalgesinnten.“ Das war keine Anmaßung von seiten des Psalmisten, denn Jehova bewies, daß er ihn als einen seiner Loyalgesinnten betrachtete, indem er ihn vom Tode errettete. Er ließ ihn nicht sterben, und so wurde es nicht nötig, daß ein levitischer Priester eine Grabrede hielt und die Worte sprach: „Kostbar ist in den Augen Jehovas der Tod seiner Loyalgesinnten.“ Nein, Jehova betrachtete den Tod des Psalmisten als zu kostbar, um ihn zuzulassen. Er befreite daher dessen „Seele“ „vom Tode“. Deshalb wußte nun der Psalmist, wie kostbar der Tod eines Loyalgesinnten in den Augen Jehovas wäre. Der Preis für den Tod seines loyalgesinnten Knechtes war für Jehova gewissermaßen zu hoch. Es wäre zuviel damit verbunden gewesen, wenn er den Tod zugelassen hätte.

      21. (a) Was werden die Loyalgesinnten nach der „großen Drangsal“ mit der entsprechenden Dankbarkeit und Wertschätzung für ihre Rettung sagen? (b) Inwiefern war ihr Tod im Hinblick auf Jehovas Souveränität zu kostbar, als daß er ihn hätte zulassen können?

      21 Auch die „Auserwählten“ und die „große Volksmenge“, deren Leben in der „großen Drangsal“ verschont wird, werden mit der entsprechenden Dankbarkeit und Wertschätzung ausrufen: „Kostbar ist in den Augen Jehovas der Tod seiner Loyalgesinnten.“ (Psalm 116:15) Sie werden erkennen, daß Jehova ihren Tod für zu kostbar hielt, als daß er hätte zulassen können, daß sie in der „großen Drangsal“ von ihren religiösen und ihren weltlichen Feinden umgebracht worden wären. Hätte er zugelassen, daß diese Feinde über sie triumphierten und sie von der Erdoberfläche vertilgten, so hätte dies Schande auf seine universelle Souveränität, seine Herrschaft über Himmel und Erde, gebracht. Er ist der Schöpfer der Erde, und er erschuf die Erde für seine Loyalgesinnten. Wäre er nicht imstande, seine Loyalgesinnten auf der Erde am Leben zu erhalten, wenn sie von ihren gottfeindlichen Gegnern heimtückisch verfolgt und angegriffen werden, so würde der Eindruck entstehen, daß seine Feinde mächtiger wären als er und daß sie das Recht hätten zu bestimmen, wer für immer auf der Erde leben soll. Würden seine Loyalgesinnten in der „großen Drangsal“ durch seine Feinde vernichtet, so würde dadurch seine Herrschaftsgewalt über die Erde, ja seine universelle Souveränität überhaupt in Frage gezogen. Er kann deshalb nicht zulassen, daß die Feinde ihren Tod gewaltsam herbeiführen.

      22. Warum wäre für Jehova der gewaltsame „Tod seiner Loyalgesinnten“ zu kostbar, als daß er ihn zulassen könnte, wenn man seine Anbetung und die Gründung der „neuen Erde“ in Betracht zieht?

      22 Doch das ist nicht alles. Würde Jehova zulassen, daß seine irdischen Feinde in ihrer Vermessenheit den Überrest seiner „Auserwählten“ und die „große Volksmenge“ in der „großen Drangsal“ vernichteten, so wäre das für sie ein momentaner Sieg, über den sich Satan und seine Dämonenengel bestimmt sehr freuen würden. Aber nicht nur das: Würden alle Loyalgesinnten Jehovas eines gewaltsamen „Todes“ sterben, so gäbe es auf der Erde niemand mehr, der ihn als den einen lebendigen und wahren Gott anbetete. Es gäbe niemand mehr, der in den irdischen Vorhöfen seines großen geistigen Tempels Opfer des Lobes sowie Danksagung und heiligen Dienst darbrächte. Auch würde dadurch die Grundlage der „neuen Erde“, die den „neuen Himmeln“ unterstehen wird, beseitigt, bevor die Tausendjahrherrschaft Jesu, des Messias Jehovas, zur bestimmten Zeit beginnen würde. Könnte Jehova Gott, der Höchste und Allmächtige, etwas, was solch bedeutende Auswirkungen hätte, durch den gewaltsamen „Tod seiner Loyalgesinnten“ geschehen lassen? Nein! Ihr Tod unter solchen Umständen, verbunden mit Auswirkungen von universeller Tragweite, wäre in Jehovas Augen „kostbar“, teuer. Er wäre in seinen Augen so kostbar, daß er ihn aus Selbstachtung nicht zulassen könnte.

      23. Was wird in der „großen Drangsal“ in bezug auf Jehovas Souveränität, seinen Namen und die Entscheidung der universellen Streitfrage geschehen, und wie?

      23 In der bevorstehenden „großen Drangsal“ wird Jehova Gott, der Allmächtige, seine universelle Souveränität rechtfertigen und seinen würdigen Namen heiligen sowie dafür sorgen, daß alle seine Feinde erkennen müssen, daß er, Jehova, der Gott seines inspirierten Wortes, der Bibel, ist. Aus diesem triftigen Grund wird er das, was er in seinem unveränderlichen Wort feierlich verheißen hat, tun: Er wird in der „großen Drangsal“, in der die universelle Streitfrage schließlich ein für allemal entschieden werden wird, die Seele seiner Loyalgesinnten auf der Erde ‘vom Tode befreien’. Jehova wird — wie bei dem geduldigen Hiob, den er wegen seiner unerschütterlichen Lauterkeit am Leben erhielt — wiederum beweisen, daß er Menschen auf der Erde haben kann, die selbst unter den schwersten Prüfungen, die Satan, der Teufel, über sie bringen mag, ihre Lauterkeit aus Liebe zu ihm bewahren.

      24. Aus welchen Gründen wird Jehova diese „Loyalgesinnten“ als seine Diener anerkennen, und welche „Bande“ wird er in der kritischen Zeit für sie lösen?

      24 Jehova wird seine „Auserwählten“, die noch auf der Erde sind, und die Glieder der „großen Volksmenge“ als seine Diener anerkennen, weil sie sich ihn zu ihrem Gott erwählt haben und weil er sie durch das sündensühnende Blut seines Hohenpriesters Jesus, des Messias, losgekauft hat. Er wird in der kritischen Zeit ihre flehentliche Bitte erhören und die „Bande“ des gewaltsamen Todes, den die Feinde Jehovas und seines messianischen Königreiches über sie bringen möchten, lösen. Welch zwingender Grund, nie zu vergessen, daß sie Diener Jehovas, ihres himmlischen Gebieters und höchsten Herrn, sind!

      HALLELUJAH!

      25. Mit welchen Worten der Dankbarkeit gegenüber Jehova schloß der Psalmist den 116. Psalm ab?

      25 Bestimmt ist es angebracht, Gott, dem großen Retter und Befreier vom Tode, für seine unverdiente Güte Dank zu sagen. Der Psalmist war von solch tiefer Dankbarkeit ergriffen, daß er seinen schönen Psalm mit den Worten abschloß: „Dir werde ich das Schlachtopfer der Danksagung opfern, und den Namen Jehovas werde ich anrufen. Meine Gelübde werde ich Jehova bezahlen, ja, vor seinem ganzen Volke, in den Vorhöfen des Hauses Jehovas, in deiner Mitte, o Jerusalem. Preiset Jah!“ — Psalm 116:17-19.

      26. (a) Wie zeigte der Verfasser des 116. Psalms, welchen Gott er anbetete? (b) Wie wollte dieser Psalmist seinem Gott gegenüber seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen und das Volk anspornen, Gott zu lobpreisen?

      26 Der Psalmist — ganz gleich, um wen es sich dabei handelte — war ein Anbeter des Gottes, dessen Namen er unter Inspiration in seinem Psalm fünfzehnmal unabgekürzt gebraucht, bevor er mit dem Ausruf abschließt: „Preiset Jah!“ oder in Hebräisch: „Hallelujah!“ Der Psalmist betete diesen Gott in dessen Tempel in der heiligen Stadt Jerusalem an, ganz gleich, ob es der war, den König Salomo erbaut hatte, oder der, den der Statthalter Serubbabel nach Israels Rückkehr aus dem babylonischen Exil errichtet hatte. Der ungenannte Psalmist wollte Gott, seinem Retter, nicht nur persönlich seinen Dank zum Ausdruck bringen, sondern er wollte durch ein Schlachtopfer auf dem Altar Jehovas im Tempelvorhof öffentlich „Danksagung opfern“ und dort den Namen Jehovas vor dessen ganzem Volk anrufen. Möglicherweise war er der erste, der diesen von ihm verfaßten Psalm vortrug, wodurch er einen Beitrag zu dem sogenannten Hallel („Lobpreiset!“), dem Lobgesang der Juden bei besonderen Anlässen, leistete. (Psalm 113 bis 118, 136) Was hätte er in seiner Dankbarkeit Besseres tun können, als alle Anbeter in den Tempelvorhöfen anzuspornen, ‘Jehova zu lobpreisen’, indem er seinen Psalm mit dem Aufruf „Hallelujah!“ abschloß!

      27. (a) Wer hat schon lange vor dem Verfasser des 116. Psalms Jehova Schlachtopfer der Danksagung für die Rettung vom Tode dargebracht? (b) Inwiefern werden die Überlebenden des Endes des gegenwärtigen Systems der Dinge diesem Vorbild entsprechend handeln?

      27 Der Psalmist ist jedoch nicht der einzige, der Jehova ein Schlachtopfer der Danksagung für die Rettung vom Tode darbrachte. Jahrhunderte vorher hatten Noah und seine Angehörigen, die Überlebenden der Sintflut, ähnlich gehandelt. Was taten sie, nachdem sie die Arche auf dem Berg Ararat verlassen hatten, als erstes, obwohl sie keinen Tempelvorhof hatten, in dem sie Gott anbeten konnten? Auf einem neu errichteten Altar brachten sie Jehova ein umfangreiches Schlachtopfer der Danksagung dafür dar, daß er sie in der weltweiten Flut am Leben erhalten hatte. (1. Mose 8:18-22) Welch nachahmenswertes Beispiel dieser acht Menschenseelen, die Gott, der Allmächtige, davor verschonte, mit der „damaligen Welt“ vernichtet zu werden! Diesem prophetischen Vorbild entsprechend, werden auch nach dem herannahenden aufsehenerregenden Ende des gegenwärtigen verderbten Systems der Dinge die Überlebenden — der Überrest der „Auserwählten“ Jehovas und seine Gefährten, die „große Volksmenge“ — ihrem Gott gewissermaßen Schlachtopfer der Danksagung dafür darbringen, daß er sie durch seine Macht am Leben erhalten hat. — Psalm 116:17.

      28. (a) Wo werden die Überlebenden des Endes dieses Systems ihre Schlachtopfer darbringen, und in welchen Jubelruf werden sie ausbrechen, von dem die ganze Erde widerhallen wird? (b) Wie lange werden die geistgezeugten „Auserwählten“ und die „große Volksmenge“ auf der gereinigten Erde zusammen arbeiten?

      28 Diese Überlebenden der größten Drangsal der Menschheitsgeschichte werden unter der Tausendjahrherrschaft Christi ihre Opfer der Danksagung in den irdischen Vorhöfen des geistigen Tempels Jehovas darbringen. In einem Taumel der Freude und des Entzückens werden sie in den Jubelruf „Hallelujah!“ ausbrechen, und die ganze Erde wird davon widerhallen. Welch eine Wonne wird es sein, auf der Erde zu leben, nachdem man den Fängen des Todes entrissen worden ist! Mit einer gegenseitigen Liebe, die der entspricht, die David und sein loyaler Freund Jonathan zueinander hatten, werden der Überrest der „Auserwählten“ Jehovas und die loyale „große Volksmenge“ unter den „neuen Himmeln“ des messianischen Königreiches Gottes friedlich zusammen arbeiten. (2. Petrus 3:13) Sie werden Seite an Seite ihr gemeinsames Werk auf der gereinigten Erde fortsetzen, bis Gottes Zeit dafür gekommen sein wird, den Überrest seiner geistgezeugten „Auserwählten“ abzuberufen, um sie mit dem König Jesus Christus im „himmlischen Jerusalem“ auf ihren Thronen sitzen zu lassen. Wie der Weggang des Überrestes dieser Geistgezeugten vor sich gehen wird, ist aus der Heiligen Schrift nicht ersichtlich. Die „Auserwählten“ wissen jedoch, daß sie in der Hoffnung auf eine himmlische Auferstehung bis zu ihrem Tod im Fleische treu bleiben müssen. — Offenbarung 2:10; Römer 6:5; Hebräer 12:22.

      29. (a) Welches Werk wird die „große Volksmenge“ nach dem Weggang des Überrestes der Geistgezeugten in Verbindung mit der gereinigten Erde fortsetzen? (b) Über wessen Rückkehr wird sie sich freuen und entzückt sein?

      29 Das heißt aber nicht, daß der Segen Jehovas von seinen Anbetern, der „großen Volksmenge“, die in den irdischen Vorhöfen seines geistigen Tempels zurückgelassen werden, weichen würde. Unter der himmlischen messianischen Regierung werden sie ihr Werk, das darin besteht, die gereinigte Erde zu einem reizvollen Paradies der Wonne zu gestalten, fortsetzen. Und wie entzückt werden sie über die Auferstehung der Toten sein, die aus den Gräbern hervorkommen werden, um die kostbare Gelegenheit zu erhalten, ewig auf einer paradiesischen Erde unter der Herrschaft Jehovas, des Souveräns des Universums, zu leben!

      30. (a) Was hilft uns jetzt, dieses herrliche Bild zu sehen, und durch welche Tätigkeit werden die Erdbewohner darauf hingewiesen, daß sie die Aussicht haben, dann dabeizusein? (b) Warum hat nun jeder allen Grund, sein möglichstes zu tun, dies alles zu erleben?

      30 In dem aus Gottes prophetischem Wort hervorstrahlenden Licht können wir jetzt mit unseren Augen des Glaubens dieses herrliche Bild vor uns sehen. Wie wunderbar ist doch der Gedanke, daß eine „große Volksmenge“, die sich jetzt bemüht, Jehova Gott durch Jesus Christus anzubeten und ihm zu dienen, in der bevorstehenden „großen Drangsal“ am Leben erhalten und dann dabeisein wird, wenn diese Dinge geschehen! Welch begeisternde Aussicht! Die Erdbewohner werden darauf hingewiesen, indem „diese gute Botschaft vom Königreich“ jetzt, vor dem Ende des gegenwärtigen Systems der Dinge, „allen Nationen zu einem Zeugnis“ gepredigt wird. (Matthäus 24:14) Diese herrliche Aussicht ist es bestimmt wert, daß wir im Glauben an Jehova Gott und aus Dankbarkeit ihm gegenüber jetzt alles daransetzen, diese Zeit zu erleben. Jeder, der einmal ewig in Glück leben möchte, hat allen Grund, dies jetzt zu tun, denn „Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht“.

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