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Christliche Reife für das Leben unerläßlichDer Wachtturm 1974 | 15. Mai
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in der christlichen Wahrheit verwurzelt zu sein und in Übereinstimmung damit zu leben. Der Apostel Paulus schrieb in diesem Zusammenhang gemäß Epheser 4:11-15: „Er [Jesus Christus, das Haupt der Christenversammlung] gab einige als Apostel, einige als Propheten, einige als Evangeliumsverkündiger, einige als Hirten und Lehrer, im Hinblick auf das Zurechtbringen der Heiligen für das Dienstwerk, für die Auferbauung des Leibes des Christus, bis wir alle zur Einheit im Glauben und in der genauen Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zum vollerwachsenen Manne, zum Maße des Wuchses, der zur Fülle des Christus gehört; damit wir nicht mehr Unmündige seien, die wie von Wellen umhergeworfen und von jedem Wind der Lehre hierhin und dorthin getrieben werden durch das Trugspiel der Menschen, durch List im Ersinnen von Irrtum, sondern die Wahrheit redend, laßt uns in allen Dingen durch Liebe in den hineinwachsen, der das Haupt ist, Christus.“ Die Reife kann also, außer durch das persönliche Studium und die Anwendung des Wortes Gottes, auch durch das Befolgen der biblischen Belehrung, die christliche Älteste erteilen, gefördert werden.
GEFAHREN FÜR REIFE UND HERANREIFENDE CHRISTEN
13. (a) Kann ein reifer Christ unreif werden? (b) Was kann einem reifen Christen passieren, wenn er nicht auf seinen Wandel achtet?
13 Christen, die einmal die Reife erlangt haben, müssen sich davor hüten, schlecht zu werden oder sich eines Vergehens schuldig zu machen. Wie ein Erwachsener, der kindisch handelt, deswegen nicht wieder ein Kind wird, wird auch ein reifer Christ, der falsch handelt, deswegen nicht unreif. Er kann sich aber verderben und Gottes Gunst verlieren. Alle Christen sollten sich daher die inspirierten Worte zu Herzen nehmen: „Wer daher denkt, er stehe, der sehe zu, daß er nicht falle“ (1. Kor. 10:12).
14. In welchem Sinne sollten Christen wie Unmündige sein und gleichzeitig wie Erwachsene?
14 Wir müssen achtgeben, daß wir unter dem Einfluß der Welt nicht falsch zu denken beginnen und dadurch veranlaßt werden, töricht zu handeln. Die Bibel ermahnt uns: „Werdet nicht kleine Kinder an Verständnisvermögen, sondern seid Unmündige in bezug auf Schlechtigkeit; werdet aber Erwachsene an Verständnisvermögen“ (1. Kor. 14:20). Christen brauchen in bezug auf Schlechtigkeit und im Sündigen bestimmt keine Erfahrung zu haben, und sie sollten auf diesem Gebiet auch keine Erfahrung haben wollen. Wenn es darum geht, unehrlich zu handeln, die Rolle eines Heuchlers zu spielen oder sich auf unsittliche oder perverse Handlungen einzulassen, sollten Christen wie Unmündige sein, unschuldig und unerfahren. Wenn es aber darum geht, Recht und Unrecht zu unterscheiden, sollten sie wie Erwachsene sein, die für das, was recht ist, eintreten und sich nicht durch glatte Reden beeinflussen lassen.
15. Welche Möglichkeiten gibt es, in schlechter Gesellschaft zu sein, und warum kann selbst ein reifer Christ dadurch verdorben werden?
15 Unreine und unsittliche Gedanken können selbst einen reifen Christen verderben. Niemand ist gegen Versuchungen gefeit. Alle müssen gegen die sündigen Neigungen des Fleisches ankämpfen und müssen alles, was die Begierden des Fleisches entfachen könnte, meiden. Es ist deshalb gut, den Rat aus Gottes Wort zu beachten: „Laßt euch nicht irreführen. Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten“ (1. Kor. 15:33). Damit ist gemeint, daß man Ungläubige und Personen, die einen Hang zum Schlechten oder Perversen haben und die auch entsprechend handeln, meiden sollte, das heißt Hurer, Ehebrecher, Homosexuelle, Trinker und Sadisten. Würde das nicht auch bedeuten, daß man solche Leute aus seinen Gedanken ausschließt, sich also nicht dadurch mit ihnen beschäftigt, daß man zum Vergnügen etwas über sie liest oder sie zur Unterhaltung auf dem Fernsehschirm oder auf der Filmleinwand betrachtet? Auch eine vulgäre Sprache und das Erzählen von zweideutigen Witzen oder Geschichten — was in den Augen vieler Weltmenschen als „männlich“ gilt — würde reife Christen schwächen und sich auf diejenigen, die christliche Reife anstreben, nachteilig auswirken. Man sollte diese Dinge meiden, denn Gottes Wort gib uns den ernsten Rat: „Hurerei und jede Art Unreinheit oder Habgier sollen unter euch nicht einmal erwähnt werden, so, wie es sich für Heilige geziemt, auch kein schändliches Benehmen noch törichtes Reden, noch unzüchtige Späße, Dinge, die sich nicht schicken“ (Eph. 5:3, 4; 4:29-31; Kol. 3:5-10).
16. (a) Vor welcher weltlichen Einstellung zu materiellen Dingen sollten wir uns hüten? (b) Warum genügt die Erkenntnis, daß materielle Dinge vergänglich sind, nicht, um die Geldgier zu bekämpfen?
16 Eine weitere Gefahr, der man standhalten muß, ist die unersättliche Geldgier der Welt, verbunden mit der Jagd nach materiellen Dingen. Um diese Gier erfolgreich zu bekämpfen, ist mehr erforderlich als nur die Erkenntnis, daß materieller Reichtum vergänglich ist. Viele Menschen in der Welt wissen genau und geben auch offen zu, daß man mit Geld höchstens die lebenswichtigen, nicht aber die wirklich wertvollen Dinge — wie Freude, eine gute Gesundheit und menschliches Verständnis — kaufen kann. Dennoch verfolgen sie fieberhaft materialistische Ziele. Würde sich ein Christ von diesem Geist anstecken lassen, so würde seine Wertschätzung für geistige Dinge allmählich schwinden, ja selbst sein Glaube könnte dadurch zerstört werden. Die Bibel sagt: „Die Geldliebe ist eine Wurzel von schädlichen Dingen aller Arten, und indem einige dieser Liebe nachstrebten, sind sie vom Glauben abgeirrt und haben sich selbst mit vielen Schmerzen überall durchbohrt“ (1. Tim. 6:10).
17. Was müssen wir tun, um nicht von ungebührenden Sorgen um die zum Leben notwendigen Dinge oder von dem Verlangen nach Reichtum verdorben zu werden?
17 Damit wir nicht in diese Lage kommen, sollten wir im Sinn behalten, daß der geistige Reichtum weit wertvoller ist. Wir sollten uns um die zum Leben notwendigen Dinge nicht ungebührend Sorgen machen, wodurch wir der tröstlichen Gewißheit beraubt würden, daß Jehova Gott für seine Diener sorgt. Jesus Christus bestätigte dies mit den Worten: „Euer himmlischer Vater weiß, daß ihr all diese Dinge [Nahrung, Kleidung und Obdach] benötigt. So fahrt denn fort, zuerst das Königreich und Seine Gerechtigkeit zu suchen, und alle diese anderen Dinge werden euch hinzugefügt werden. Macht euch also niemals Sorgen um den nächsten Tag, denn der nächste Tag wird seine eigenen Sorgen haben“ (Matth. 6:32-34). Ja, wir sollten mit dem zum Leben Notwendigen zufrieden sein. Gottergebenheit, nicht vergänglicher materieller Reichtum, bringt einen immerwährenden Gewinn ein. Durch unsere Gottergebenheit erlangen wir geistige Gesundheit und Zufriedenheit und erhalten die Aussicht auf ewiges Leben (1. Tim. 4:8; 6:6-8).
18. (a) Welche Zweifel mögen im Sinn eines reifen und eines heranreifenden Christen aufkommen? (b) Wie können sich solche Zweifel auf einen Christen auswirken?
18 Auch Zweifel können sich auf reife und auf heranreifende Christen verderblich auswirken. Selbst reife Christen mögen mitunter einen biblischen Gedanken nicht richtig verstehen. Würden sie sich dadurch der inneren Ruhe und des Herzensfriedens berauben lassen, so könnten sie leicht das Wichtigste — den treuen Dienst für Jehova Gott — aus den Augen verlieren. Andere mögen ihre persönliche Ansicht über die Auslegung gewisser Bibeltexte vorbringen. Da die Versammlung des heutigen Volkes Gottes diese Auslegung nicht als Wahrheit anerkennt, beginnen sie, Kritik zu üben und daran zu zweifeln, daß Jehova sein Volk unterstützt. (Vergleiche Johannes 6:53, 66-69; Lukas 12:42-44.) Wieder andere befassen sich zu sehr mit der Einstellung und der Handlungsweise ihrer Glaubensbrüder. Sie schauen auf unvollkommene Menschen, beurteilen dann die ganze Versammlung entsprechend und verlieren deshalb bald die Freude daran, andere über die Wahrheit zu belehren. Sie beginnen daran zu zweifeln, daß die, mit denen sie bisher im Glauben verbunden waren, wirklich Gottes Volk sind. (Vergleiche Kolosser 3:13, 14.)
19. Was kann man tun, wenn man an der Christenversammlung zu zweifeln beginnt?
19 Was kannst du tun, wenn in dir solche Zweifel aufkommen? Bitte Jehova Gott demütig um Weisheit. Du kannst dich darauf verlassen, daß er dir die nötige Weisheit gibt, damit du jeder Prüfung standhalten kannst. Der Jünger Jakobus schrieb: „Wenn es also einem von euch an Weisheit fehlt, so bitte er Gott unablässig, denn er gibt allen großmütig und ohne Vorwürfe zu machen; und sie wird ihm gegeben werden“ (Jak. 1:5). Nimm auch die Hilfe an, die dir die Ältesten in der Versammlung der christlichen Zeugen Jehovas bieten können. Wenn du mit jemandem sprichst, der ein gutes Verständnis des Wortes Gottes hat, werden dir seine sachlichen Äußerungen bestimmt helfen, von deinen Zweifeln frei zu werden und am Dienst für Gott wieder echte Freude zu finden.
20. Was sollten reife und heranreifende Christen tun, da ihnen ewiges Leben in Aussicht steht?
20 Mögen daher alle, die die christliche Reife noch nicht erlangt haben, „zur Reife vorandrängen“ und sich vor dem ungesunden Einfluß der Welt in acht nehmen. Sind wir bereits reife Christen, so wollen wir „weiterhin nach derselben festen Ordnung wandeln“ und uns nicht irgendwie verderben lassen. Wir wollen unsere Reife gut nützen, indem wir ‘uns wie Männer benehmen, stark werden’ und anderen, die noch nach christlicher Reife streben, helfen, sie zu erlangen, so daß wir alle gemeinsam unser endgültiges Ziel erreichen: Gottes Anerkennung, die uns Leben einbringt (Phil. 3:12, 14-16; Gal. 6:1, 2; 1. Kor. 16:13, 14).
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‘Laß deinen Fortschritt kundwerden’Der Wachtturm 1974 | 15. Mai
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‘Laß deinen Fortschritt kundwerden’
1. Kann gemäß den Worten des Apostels Paulus an Timotheus ein geistig reifer Christ Fortschritte machen? Begründe deine Antwort.
WENN ein ergebener Diener Jehovas christliche Reife erlangt hat, heißt das nicht, daß er keine Fortschritte mehr machen könnte. An Timotheus, der ein reifer Christ war, schrieb der Apostel Paulus: „Widme dich weiterhin dem Vorlesen, dem Ermahnen, dem Lehren. ... Sinne über diese Dinge nach; gehe darin auf, damit dein Fortschritt allen Menschen kund werde“ (1. Tim. 4:13-15).
2. Welches Beispiel aus dem täglichen Leben zeigt, daß die Reife nicht das Ende des Fortschritts bedeutet?
2 Daß die Reife nicht das Ende des Fortschritts bedeutet, kann man auch im täglichen Leben beobachten. Gilt ein Familienvater nicht als reifer Mann? Kann er aber durch die Erfüllung seiner väterlichen Pflichten nicht noch an Weisheit zunehmen? Kann er aus seinen Fehlern und aus den Erfolgen und Mißerfolgen anderer nicht lernen? Ganz bestimmt! Er kann auch seinen Vater oder andere ältere Männer um Rat oder Richtlinien bitten, da er weiß, daß sie über eine größere Erfahrung verfügen und mehr wissen als er.
3. Inwiefern können reife Christen weiterhin Fortschritte machen?
3 Ähnlich verhält es sich mit reifen Christen. Durch das Studium und die Anwendung des Wortes Gottes nehmen sie an Erkenntnis, Verständnis und Einsicht zu. Ihr Fortschritt zeigt sich durch einen besseren Geist in der Familie und durch den guten Einfluß, den sie auf andere ausüben. Reife Christen können auch voneinander lernen, denn sie haben unterschiedliche geistige Fähigkeiten. Einige mögen sich durch ihre Erkenntnis auszeichnen. Andere mögen auffallend gütig oder geduldig sein. Wieder andere mögen ein außergewöhnlich gutes Urteils- oder Unterscheidungsvermögen haben, wenn es um Probleme geht. Manche mögen außerordentlich großzügig oder gastfreundlich sein
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