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  • „Weisheit ist bei den Bescheidenen“
    Der Wachtturm 1962 | 15. Juni
    • der Menschen wurzelt, anzuzweifeln; dennoch ist es fraglich, ob demütig das hebräische Wort richtig wiedergibt. Das Stammwort tsana findet sich in der Bibel nur an dieser Stelle und in Spr. xi. 2 (an anderen Stellen wird anaw mit Demut wiedergegeben). Das Wörterbuch bezieht sich in der Erklärung dieses Wortes auf das Rabbinische Hebräisch, das darunter ‚Bescheidenheit‘ versteht …“ Ist es aber eine „Bescheidenheit“ im Sinne von Schicklichkeit oder Zurückhaltung, wie das Rabbinische Hebräisch es weiter erklärt? Nein, denn aus dem Zusammenhang kann man erkennen, daß in Micha 6:8 und auch in Sprüche 11:2 unter Bescheidenheit nicht Zurückhaltung oder Schicklichkeit zu verstehen ist, sondern das Wissen um die Grenzen, die einem gesetzt sind, das heißt, daß man sein Verhältnis zum Schöpfer genau kennt. Daher gibt die Neue-Welt-Übersetzung (engl.) diesen Text wahrscheinlich als einzige richtig wieder, wenn sie sagt: „Er hat dir gesagt, o Erdenmensch, was gut ist. Und was fordert Jehova von dir zurück, als Gerechtigkeit zu üben und Güte zu lieben und bescheiden zu wandeln mit deinem Gott?“

      BESCHEIDENHEIT UND DEMUT

      Bescheidenheit und Demut sind miteinander nahe verwandt. Das Gegenteil von Demut ist Stolz. Das Gegenteil von Bescheidenheit ist Vermessenheit, Eitelkeit und Überheblichkeit. Das Wort „Demut“ stammt von dem althochdeutschen Wort dio-muotî, das sich aus dio (Knecht, Diener) und einer Ableitung von muot (Mut) zusammensetzt und den Gedanken „Gesinnung eines Dieners“ wiedergibt.

      Die Bescheidenheit könnte als ein Bestandteil der Demut bezeichnet werden, die Demut dagegen als die grundlegende Eigenschaft. Eine demütige Person, die vernünftig, weise und besonnen ist, ist auch bescheiden. Eine demütige Person verschließt sich Anregungen oder einer Kritik gegenüber nicht, eine bescheidene Person dagegen fragt wahrscheinlich: „Wie kann ich mich verbessern? Kannst du mir einen Rat geben?“

      Da Bescheidenheit bedeutet zu wissen, daß einem Grenzen gesetzt sind, ist sie eine Eigenschaft von Personen, die gewissen Einschränkungen unterworfen sind. Das trifft für alle Geschöpfe zu. Für den Schöpfer dagegen gibt es keine Grenzen. Deshalb lesen wir auch nirgends in seinem Wort, daß er bescheiden sei. Wir lesen aber von seiner Demut: „Deine Herablassung [Demut, NW] machte mich groß.“ „Wer ist wie Jehova, unser Gott, der hoch oben thront; der sich herabneigt, um auf die Himmel und auf die Erde zu schauen?“ — Ps. 18:35; 113:5, 6.

      Heißt das, daß Gott unbescheiden wäre? Keineswegs. Es bedeutet lediglich, daß die Bescheidenheit eine Tugend ist, die ihm nicht entspricht. Da die Bescheidenheit ein Bestandteil der Demut ist und Besonnenheit voraussetzt, muß Paulus an sie gedacht haben, als er den Römern den Rat gab: „Denn ich sage … jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern so zu denken, daß er besonnen sei.“ Ja, genauso, wie wir uns selbst lieben müssen, nur nicht zu sehr, müssen wir auch eine gewisse Meinung von uns haben, sie darf nur nicht zu hoch sein. — Röm. 12:3.

      Die Bibel hilft uns den Unterschied zwischen Bescheidenheit und Demut verstehen, indem sie zeigt, daß treue Diener Gottes, die sonst sehr demütig waren, manchmal doch strauchelten, weil sie nicht bescheiden genug waren. Sie mögen sich ihrer Schwachheiten nicht genügend bewußt gewesen sein. Der Apostel Petrus, der doch bestimmt demütig war, dachte wiederholt, er müsse das, was sein vollkommener Meister sagte und tat, verbessern. Er verriet seinen Mangel an Bescheidenheit besonders, als er sagte: „Wenn auch alle Anstoß nehmen, so doch nicht ich.“ Er war demütig, aber nicht bescheiden, sonst wäre er sich der Grenzen, die ihm gesetzt waren, bewußt gewesen. — Mark. 14:29, NW.

      Oft mag ein demütiger Diener Gottes unter dem Druck der Verhältnisse in dieser Beziehung fehlen. Moses, der doch der sanftmütigste Mann auf Erden war, handelte einmal doch vermessen. „Höret doch, ihr Widerspenstigen!“ sagte er, „werden wir euch Wasser aus diesem Felsen hervorbringen?“ Gott nahm diese Verfehlung des Moses ernst: „Weil ihr mir nicht geglaubt habt, mich vor den Augen der Kinder Israel zu heiligen“ — sondern unbescheiden gehandelt und eure eigene Ehre gesucht habt —, „sollt ihr diese Versammlung nicht in das [Verheißene] Land bringen.“ — 4. Mose 20:10, 12.

      GOTT BEGÜNSTIGT BESCHEIDENE

      Warum heißt es aber: „Weisheit ist bei den Bescheidenen“? Weil sich Menschen, die bescheiden, also nicht von sich eingenommen sind, sondern wissen, daß ihnen bestimmte Grenzen gesetzt sind, von Jehova Gott besonders gut gebrauchen lassen. Sie lenken die Aufmerksamkeit nicht von ihm ab, indem sie sich selbst in den Vordergrund stellen. Sie sind auch eher geneigt, ihn um Führung und Kraft zu bitten.

      Wie nicht anders zu erwarten, ist Jesus Christus in dieser Hinsicht das beste Beispiel, das die Bibel anführt. Darum konnte ihm sein Vater auch soviel anvertrauen. Obwohl ihn niemand der Sünde überführen konnte und Gott bestimmt hatte, daß er der einzige Weg zum Vater sein sollte, blieb Jesus stets bescheiden und gab stets seinem Vater die Ehre: „Was heißest du mich gut? Niemand ist gut, als nur e i n e r, Gott.“ „Der Sohn kann nichts von sich selbst tun.“ „Ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ — Luk. 18:18, 19; Joh. 5:19, 30; 8:46; 14:6.

      Moses, der Jesus Christus vorschattete, war im großen ganzen ebenfalls bescheiden. Ja er wußte nur zu gut, daß ihm Grenzen gesetzt waren. (2. Mose 3:11, 12; 4:10-13) Gideon war ebenso eingestellt: „Bitte, mein Herr! womit soll ich Israel retten? Siehe, mein Tausend ist das schwächste in Manasse, und ich bin der Kleinste im Hause meines Vaters.“ König Saul nahm wegen seiner Vermessenheit ein schlimmes Ende. Ursprünglich war er aber bescheiden gewesen: „Wurdest du nicht, als du klein in deinen Augen warst, das Haupt der Stämme Israels? und Jehova salbte dich zum König über Israel.“ — Richt. 6:15, Fußnote; 1. Sam. 15:17.

      Auch König Salomo war anfänglich bescheiden: „Mein Gott, d u hast deinen Knecht zum König gemacht an meines Vaters David Statt, und ich bin ein kleiner Knabe, ich weiß nicht aus- und einzugehen.“ Als Jeremia zum Propheten der Nation bestellt wurde, drückte er sich ähnlich aus: „Ach, Herr, Jehova! siehe, ich weiß nicht zu reden, denn ich bin ein Knabe.“ Beachten wir auch, daß diese Männer von Jehova Gott das, woran es ihnen mangelte, empfingen und von ihm stets gestärkt wurden. — 1. Kön. 3:7; Jer. 1:6, Fußnote.

      Bescheidenheit hilft uns ohne Zweifel, unser Verhältnis zu unserem Schöpfer zu verbessern. Wer von ihm in vermehrtem Maße gebraucht werden möchte, muß bescheiden wandeln mit seinem Gott. Nach dem Amt eines Aufsehers zu trachten ist lobenswert, aber es darf nicht aus Ehrgeiz geschehen, sondern man sollte sich dabei stets der Grenzen bewußt sein, die einem gesetzt sind. — 1. Tim. 3:1.

      BESCHEIDENHEIT MACHT SICH FREUNDE

      Weisheit ist auch bei den Bescheidenen, weil man sich mit ihrer Hilfe Freunde machen und vermeiden kann, daß man andere verletzt. Nichts kann andere so schnell beleidigen wie Unbescheidenheit und nichts soviel Wohlwollen bewirken wie Bescheidenheit. Ein anmaßender Mensch ist geneigt, auf die Rechte anderer überzugreifen, und erweckt dadurch Furcht und Feindschaft. Wer eine übertriebene Meinung von sich hat, fällt anderen auf die Nerven. Wer bescheiden ist, redet nicht zuviel, reißt das Gespräch nicht dauernd an sich und überschreitet nicht die Zeit, wenn er im Rahmen eines bestimmten Programms eine Ansprache halten muß. Er spricht auch nicht in barschem, schroffem Ton oder unnötig laut. Schon seine Stimme verrät Bescheidenheit und Zurückhaltung.

      Wenn wir bescheiden sind, machen wir uns bei unseren Mitmenschen auch nicht unbeliebt, denn wir lassen Neid, Rivalität oder den Gedanken, mit Schulzes Schritt halten zu wollen, weder durch unsere Worte noch durch unsere Handlungen aufkommen. Im Gegenteil, wir sind bescheiden in der Wahl unserer Kleidung, unseres Wagens und unserer Wohnung. Wir brüsten uns nicht mit unseren Leistungen im Geschäftsleben, im Sport, in der Kunst oder im christlichen Predigtdienst. In den Sprüchen wird uns gesagt: „Das Forschen nach Ruhm ist nicht rühmlich.“ „Es rühme dich ein anderer und nicht dein Mund, ein Fremder und nicht deine Lippen.“ Der Bescheidene posaunt seine guten Werke nicht aus, sondern läßt seine Rechte nicht wissen, was seine Linke tut. — Spr. 25:27, van Eß; 27:2; Matth. 6:1-6.

      Bescheidenheit hilft uns sogar, ehrgeizige Rivalen zu besänftigen. Das erlebte Gideon, als die Ephraimiter mit ihm Streit suchten. Er beschwichtigte sie, indem er zu ihnen sagte: „In eure Hand hat Gott die Fürsten von Midian … gegeben, und was habe ich tun können im Vergleich mit euch?“ Gideons Bescheidenheit machte sich bezahlt, denn „ihr Zorn [ließ] von ihm ab, als er dieses Wort redete“. — Richt. 8:1-3.

      BESCHEIDENHEIT EIN SCHUTZ

      Bescheiden sein heißt auch weise sein, weil Bescheidenheit ein Schutz ist. Die Bescheidenheit schützt uns vor den Schlingen des Teufels. Wäre Jesus nicht bescheiden gewesen, dann wäre er den Versuchungen Satans wahrscheinlich erlegen. In der nachapostolischen Zeit gelang es Satan, viele von der christlichen Versammlung in sein Netz zu locken, weil sie nicht bescheiden waren.

      Bescheidenheit schützt uns auch vor weltlichen Versuchungen. Gideon und Jesus ließen nicht zu, daß sie das Volk zum König machte. Wären sie nicht so bescheiden gewesen, hätten sie bestimmt nachgegeben. Bescheidenheit schützt uns ferner vor der Gefahr, die als „die Begierde der Augen und die augenfällige Zurschaustellung der Mittel, die jemand zum Leben besitzt“, bezeichnet wird. — 1. Joh. 2:16, NW.

      Bescheidenheit schützt uns auch vor unseren Schwächen. Sie bewahrt uns vor Mißerfolgen oder Enttäuschungen, die wir erleben könnten, wenn wir unsere Hoffnungen und Ziele zu hoch stecken. Die beiden Jünger, die Jesus baten, in seinem Königreich zu seiner Rechten und zu seiner Linken sitzen zu dürfen, wurden enttäuscht, denn sie mußten sich von Jesus sagen lassen: „Ihr wisset nicht, um was ihr bittet.“ — Mark. 10:38.

      Bescheidenheit bewahrt uns davor, uns von öffentlichem Lob oder Tadel zu sehr beeindrucken zu lassen. Sie erleichtert es Kindern, sich ihren Eltern, den Frauen, sich ihren Männer, und den Gliedern der Versammlung, sich ihrem Aufseher unterzuordnen. Wer bescheiden ist, rühmt sich nicht des morgigen Tages. Er bringt sich auch nicht unnötigerweise in Verlegenheit, indem er sich vielleicht anmaßt, bei einem Gastmahl den ersten Platz einzunehmen, und ihn dann einer geehrteren Person abtreten muß. — Luk. 14:8-10.

      Man kann also zu Recht sagen: „Weisheit ist bei den Bescheidenen“, und Gottes Wort gibt uns manchen guten Rat über die Bescheidenheit. Die Bescheidenheit macht uns zu Menschen, die von ihrem Schöpfer besser gebraucht werden können, sie hilft uns, mit unseren Mitmenschen besser auszukommen, sie schützt uns vor den Verlockungen Satans, der Welt und des Fleisches und bewahrt uns vor unnötigen Enttäuschungen, Mißerfolgen und peinlichen Situationen. Mache dir daher Freunde durch Bescheidenheit. Sei bescheiden!

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    Der Wachtturm 1962 | 15. Juni
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      Ein Zeuge Jehovas aus Ohio berichtete folgendes Erlebnis: „Eines Tages sagte der Abteilungsleiter des Betriebes, in dem ich arbeite, zu meinen Mitarbeitern über mich: ‚Bill B. … ist der einzige zuverlässige Arbeiter in meiner Abteilung, der einzige, dem ich vertrauen kann.‘ Bei einer späteren Gelegenheit, nachdem er erfahren hatte, daß ich ein Zeuge Jehovas bin, sprach er zu den Arbeitern über Ordentlichkeit, Ehrlichkeit und die Leistung des vollen Arbeitspensums. Zum Schluß sagte er: ‚Vielleicht solltet ihr alle zu Bill B.s Religion übertreten, dann würdet ihr vielleicht alle mehr leisten.‘“

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