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Christliche Bescheidenheit — ein Zeichen von WeisheitDer Wachtturm 1984 | 15. April
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zwar vorzügliche Beispiele der Bescheidenheit, doch andere lassen diesbezüglich einen erschütternden Mangel erkennen. Da viele Jugendliche diese Eigenschaft nicht aufweisen, sind sie mit Personen, denen sie Respekt schulden, ungeduldig oder kritisieren die Fehler, die von Angehörigen der älteren Generation gemacht werden. Doch offenbaren Jugendliche Weisheit, wenn sie Drogen nehmen, sich betrinken, sich im Straßenverkehr rücksichtslos verhalten oder einen unmoralischen Lebenswandel führen? Wären solche Jugendlichen bescheiden, so würden sie auf Leute hören, die älter sind als sie, und aus dem guten Rat Nutzen ziehen, den ihnen Menschen mit Lebenserfahrung geben können.
Christliche Bescheidenheit — wirklich weise
14. Warum ist Bescheidenheit in unserem Verhältnis zu Jehova Gott sehr passend?
14 Wer christliche Bescheidenheit bekundet, handelt wirklich weise. Er gelangt vor allem in ein gutes Verhältnis zu Jehova. Ja, Gott fordert von uns, bescheiden mit ihm zu wandeln (Micha 6:8). Außerdem ziemt sich Bescheidenheit für uns nur allzusehr, wenn wir bedenken, welch große Kluft zwischen uns und unserem allmächtigen und ewigen Schöpfer besteht. Für ihn sind die Nationen wie der Staubbelag auf den Waagschalen und wie ein Tropfen, der von einem Eimer fällt (Jesaja 40:15). Bescheidenheit wird uns veranlassen, uns davor zu fürchten, Jehova Gott zu mißfallen, und das ist gewiß „der Weisheit Anfang“ (Psalm 111:10).
15. Inwiefern kann Bescheidenheit eine Hilfe für einen christlichen Bruder sein?
15 Bescheidenheit fördert auch ein gutes Verhältnis zu anderen Zeugen Jehovas. Sie wird einen christlichen Bruder davon abhalten, sich in bezug auf Dienstvorrechte vorzudrängen. Bescheidenheit wird ihm helfen, sich sowohl seiner Grenzen bewußt zu sein als auch der Tatsache, daß es ihm im Vergleich zu anderen auf bestimmten Gebieten an Erkenntnis und Erfahrung mangelt. Sie wird ihn mehr darum besorgt sein lassen, seine geistigen Befähigungen zu verbessern, als darum, das Amt eines Dienstamtgehilfen oder eines Ältesten zu bekleiden. Nutzt er fortgesetzt alle Gelegenheiten, an Erkenntnis zuzunehmen und seinen Glaubensbrüdern zu helfen, so mag es für ihn sogar eine Überraschung sein, wenn er eines Tages für eine verantwortliche Stellung in der Versammlung empfohlen wird und die Ernennung eintrifft. So etwas ist schon öfter als einmal geschehen.
16. Warum handelt eine Christin weise, wenn sie Bescheidenheit bekundet?
16 Ebenso weise handeln die Schwestern in der Versammlung, wenn sie Bescheidenheit bekunden. Das trifft nicht nur auf dem Gebiet der Sittlichkeit zu — so wichtig sie auch ist (1. Timotheus 2:9, 10; Titus 2:3-5). Eine weise Christin, die sich ihrer Grenzen und der ihr in der Versammlung zugeteilten Rolle bewußt ist, wird sich bei ihrem Reden von Bescheidenheit leiten lassen. Sie wird nicht allzu redselig sein und sich davon zurückhalten, Kritik an der Art und Weise zu üben, wie die ernannten Ältesten bestimmte Angelegenheiten behandeln. (Vergleiche Judas 8, 9, 16.)
17, 18. (a) Warum sollten Jugendliche ihren Eltern mit Bescheidenheit begegnen? (b) Welches biblische Beispiel wird hier erwähnt, um zu zeigen, daß es weise ist, den Rat älterer Menschen zu befolgen?
17 Auch bei Jugendlichen ist Bescheidenheit ein Zeichen von Weisheit. Jugendliche machen sich bei anderen beliebt, wenn sie bescheiden sind. Gottes Wort gebietet ihnen zu Recht, ihren Vater und ihre Mutter zu ehren und ihnen „in allem“ zu gehorchen (Kolosser 3:20; Epheser 6:1-3). Sich so zu verhalten und nicht zu denken, sie seien weiser als ihre Eltern, erfordert von Jugendlichen Bescheidenheit. Schuldest du als Jugendlicher deinen Eltern nicht Dank? Sie haben dich in die Welt gesetzt. Von da an bis heute haben sie für deine Nahrung, deine Kleidung, dein Obdach, deine Erziehung, deine Entspannung und deine biblische Unterweisung gesorgt. Solltest du ihnen daher nicht schon aus Respekt mit Bescheidenheit begegnen?
18 Bescheiden zu sein, deine Eltern ins Vertrauen zu ziehen und ihren Rat anzunehmen ist der Weg der Weisheit. Aufgrund ihrer Erfahrung haben sie gewiß mehr Weisheit als du. In der Welt geht es drunter und drüber, nicht wegen eines Mangels an Wissen, sondern mangels echter Weisheit. „Sie haben sogar das Wort Jehovas verworfen, und welche Weisheit haben sie?“ (Jeremia 8:9). Selbst in einer so persönlichen Angelegenheit wie der Wahl deines Lebenspartners handelst du weise, wenn du in Bescheidenheit das Urteil deiner Eltern berücksichtigst, denn sie lieben dich, und ihnen liegen deine Interessen am Herzen. Von ihnen erhältst du weit besseren Rat als von deinen Altersgenossen. Ihr Rat mag zwar nicht schmeichelhaft sein, wird sich aber für dich als besser erweisen. Aus der Bibel geht hervor, daß Rehabeam, ein König des Volkes Israel, den größten Teil seines Königreiches wegen seines Mangels an Bescheidenheit verlor. Er verwarf den Rat der älteren Männer, die die Ratgeber seines Vaters gewesen waren, und entschloß sich, den schmeichlerischen Rat seiner Altersgenossen zu befolgen, den Rat der jungen Männer, die mit ihm aufgewachsen waren. Diese waren genauso unerfahren und kurzsichtig wie er (1. Könige 12:1-24).
19. Inwiefern kann uns Bescheidenheit in unserem Predigtwerk gute Dienste leisten?
19 Christliche Bescheidenheit wird uns auch gute Dienste leisten, wenn wir über den Namen und das Königreich Jehovas Zeugnis ablegen, sei es formell oder informell. Wenn wir mit großer Selbstsicherheit reden, mögen wir zwar einige Zuhörer beeindrucken, aber viele andere abstoßen. Wir sollten stets die Aufmerksamkeit auf Jehova Gott und auf sein Wort lenken und nicht auf uns selbst. In diesem Zusammenhang ist der Rat sehr treffend: „Heiligt den Christus als Herrn in eurem Herzen, stets bereit zu einer Verteidigung vor jedermann, der von euch einen Grund für die Hoffnung verlangt, die in euch ist, doch tut es mit Milde und tiefem Respekt“ (1. Petrus 3:15). Bescheidenheit erleichtert es uns, Milde und tiefen Respekt zu bekunden.
20. (a) Was haben wir bis hierher über Bescheidenheit und über den Mangel an Bescheidenheit gelernt? (b) Welche Frage bleibt noch offen?
20 Aus alldem können wir deutlich erkennen, welch großer Schaden der Menschheit durch Mangel an Bescheidenheit erwachsen ist. Wir haben auch gesehen, daß Bescheidenheit zweifellos der Weg der Weisheit ist. Diese Gedanken sollten uns helfen, Bescheidenheit zu pflegen. Doch was kann uns noch eine Hilfe sein, christliche Bescheidenheit zu pflegen?
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Christliche Bescheidenheit pflegenDer Wachtturm 1984 | 15. April
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Christliche Bescheidenheit pflegen
1. Welche Äußerungen zeigen, daß einige Männer der Welt Bescheidenheit zu schätzen wußten?
BESCHEIDENHEIT ist eine Tugend, die einst von den Weisen der Welt geschätzt wurde. So sagte zum Beispiel einer von ihnen: „Es kommt selten vor, daß ein bescheidener Mensch nicht bei denen beliebt ist, mit denen er Umgang hat, denn niemand beneidet einen Menschen, der anscheinend mit sich selbst nicht zufrieden ist.“ Und ein anderer sagte: „Bescheidenheit ist ein strahlendes Licht; sie bereitet den Sinn auf die Erkenntnis und das Herz auf die Wahrheit vor.“ Ein Mensch, dem es an Bescheidenheit mangelt, ist wahrscheinlich nicht aufgeschlossen.
2. Inwiefern haben gewisse berühmte Männer Bescheidenheit bekundet?
2 Auch einige Männer, die aufgrund ihrer Entdeckungen berühmt wurden, waren bescheiden. So erklärte Albert Einstein einmal: „[Man] gewinnt die Überzeugung, daß sich in den Gesetzen des Universums ein Geist offenbart — ein Geist, der dem des Menschen bei weitem überlegen ist und gegenüber dem wir uns angesichts unserer bescheidenen Kräfte ärmlich vorkommen müssen.“ Und Sir Isaac Newton, den viele für den größten Wissenschaftler aller Zeiten halten, sagte: „Wenn ich weiter als andere geblickt habe, dann deshalb, weil ich auf der Schulter von Giganten stand.“ Die gleiche Einstellung haben offensichtlich einige Chirurgen, die Zeugen Jehovas operiert haben. Nach sehr schwierigen Operationen, die ohne Bluttransfusion erfolgreich durchgeführt wurden, äußerten sie sich gegenüber ihren Patienten, daß nicht den Chirurgen, sondern Gott die Ehre dafür gebühre.
Beispiele der Bescheidenheit
3. (a) Was wird uns helfen, Bescheidenheit zu pflegen? (b) Was ist über Moses und seine Bescheidenheit zu sagen?
3 Was wird uns helfen, die sehr wünschenswerte, ja äußerst notwendige Eigenschaft der Bescheidenheit zu pflegen? All das anzuwenden, was in den beiden vorangegangenen Artikeln über Vermessenheit und Bescheidenheit gesagt wurde, wird uns offensichtlich dabei eine Hilfe sein. Eine weitere Hilfe besteht darin, daß wir berücksichtigen, auf welch machtvolle Weise Jehova durch seine bescheidenen Diener wirkte. Wie hätte sich Gott irgendwelcher Männer bedienen können, die auf Lob ausgewesen wären und die Aufmerksamkeit auf sich selbst statt auf ihren Schöpfer gelenkt hätten! Moses tat das nur einmal, und zwar als er unter großem Druck stand und provoziert wurde — das stimmt. Was ihn das aber kostete! Daß Moses dennoch wirklich bescheiden war, ist daran zu erkennen, daß es ihm anfänglich an Selbstvertrauen mangelte, als er zu Pharao gehen sollte. Außerdem sagt die Bibel: „Moses war bei weitem der sanftmütigste aller Menschen, die es auf der Oberfläche des Erdbodens gab“ (4. Mose 12:3; 2. Mose 4:10-17).
4. Wie zeigten Elihu und Joseph gebührende Bescheidenheit?
4 Auch der junge Elihu gab durch seine Bescheidenheit ein vorzügliches Beispiel. Geduldig wartete er, bis die Älteren — Hiob und seine drei Gefährten — ausgeredet hatten, bevor er sprach. Er spielte nicht den Überlegenen, sondern gab seinem Schöpfer alle Ehre (Hiob 32:4-11, 21, 22; 36:9). Joseph, der Sohn des Patriarchen Jakob, zeigte ebenfalls gebührende Bescheidenheit, als man ihn vor den mächtigen Pharao führte und er gefragt wurde, ob er den Traum des Monarchen deuten könne. Er gab Jehova die Ehre für die Deutung von Träumen (1. Mose 40:8; vergleiche Daniel 2:26-30).
5. Warum war Gideons Bescheidenheit für Jehova Gott bedeutsam?
5 Betrachten wir auch den Fall Gideons. Als er einen Auftrag erhielt, entgegnete er bescheiden, seine Tausendschaft sei die geringste in Manasse und er sei der Kleinste im Hause seines Vaters. Jehova betrachtete Gideon als genau den richtigen Mann, die Midianiter zu besiegen, denn die Ehre für den Sieg sollte allein ihm gehören, nicht Menschen. Nur ein wirklich bescheidener Mann konnte in dieser Situation den richtigen Dienst leisten (Richter 6:14-16; 7:2-7).
6. (a) Warum gefiel Jehova die Bitte des jungen Königs Salomo? (b) Welcher andere junge Diener Jehovas bekundete passende Bescheidenheit, und in welcher Hinsicht? (c) Wie mag sich die Einstellung Elihus, Salomos und Jeremias auf verhältnismäßig junge oder unerfahrene Zeugen Jehovas auswirken?
6 Desgleichen bekundete der junge Salomo Bescheidenheit, als er zum König gemacht wurde. Als Gott ihn in einem Traum fragte, was er sich wünsche, antwortete der bescheidene Salomo: „Ich bin noch ein kleiner Knabe. ... Du sollst deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dein Volk zu richten, um zwischen Gut und Böse zu unterscheiden; denn wer vermag dieses dein schwieriges Volk zu richten?“ Jehova gefiel Salomos Bescheidenheit so sehr, daß er ihm nicht nur Weisheit gab, sondern auch großen Reichtum und Herrlichkeit (1. Könige 3:4-14). Wegen seiner Bescheidenheit machte ihn Jehova zum weisesten aller menschlichen Herrscher. Jeremia offenbarte ähnliche Bescheidenheit im Hinblick auf seine Jugend, als er zum Propheten Jehovas berufen wurde (Jeremia 1:6-8). Bist du ein verhältnismäßig junger oder unerfahrener Zeuge Jehovas? Wenn ja, dann erweist du dich sicherlich als weise, wenn du wie der junge Elihu, der junge Salomo und der junge Jeremia gebührende Bescheidenheit bekundest.
7. Inwiefern gab Paulus durch seine Worte aus 1. Korinther 2:1-5 für Königreichsverkündiger ein vortreffliches Beispiel der Bescheidenheit?
7 Bemerkenswert ist auch die Bescheidenheit des Apostels Paulus. Obwohl er ein sehr gebildeter Pharisäer war und später auf machtvolle Weise von Jehova Gott gebraucht wurde, stellte er seine Vorzüge nicht zur Schau. Er selbst sagte: „So kam ich denn, Brüder, als ich zu euch kam, nicht mit übertriebener Redekunst oder Weisheit, um euch das heilige Geheimnis Gottes zu verkünden. Denn ich beschloß, unter euch nichts zu wissen als Jesus Christus und ihn an den Pfahl gebracht. Und ich kam in Schwachheit und mit Furcht und mit vielem Zittern zu euch; und meine Rede und was ich predigte, bestand nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung von Geist und Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruhe“ (1. Korinther 2:1-5). Einige Zeugen Jehovas kommen aus gebildeten Kreisen. Aber wie Paulus bekunden sie beim Verkündigen der guten Botschaft Bescheidenheit, indem sie das vortreffliche Beispiel des Apostels nachahmen.
8. Inwiefern gab Jesus in bezug auf Bescheidenheit das vorzüglichste und größte Beispiel?
8 Das größte und vorzüglichste Beispiel in bezug auf Bescheidenheit gab natürlich niemand anders als Jesus Christus. Welch ein Gegensatz doch zwischen dem Sohn Gottes und demjenigen besteht, der Satan, der Teufel, wurde! Niemals hat Christus versucht, Jehova Gott gleich zu sein (Matthäus 4:8-10; Philipper 2:5-8). Jesus ist vielmehr völlig damit zufrieden, der Gehilfe und Sprecher seines Vaters zu sein (Sprüche 8:30; Johannes 1:1). Auf der Erde sprach er wiederholt von seiner Unterordnung unter Gott (Johannes 5:19, 30; 7:28; 8:28, 42). Er beanspruchte die Ehre nicht für sich, sondern lenkte die Aufmerksamkeit auf Jehova (Markus 10:18). Und als er seiner schwersten Prüfung unterzogen wurde, zeigte sich seine Einstellung in den Worten: „Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Becher an mir vorüber. Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Matthäus 26:39).
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