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Solltest du den Brauch befolgen?Der Wachtturm 1979 | 15. Juni
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ausgezeichnete Gewohnheiten hatten sich doch diese treuen Nachfolger Jesu Christi zu eigen gemacht! Hast du die gleiche Einstellung zu dem christlichen Brauch, die „gute Botschaft“ zu verkündigen?
Wie würdest du also die Frage beantworten: „Solltest du den Brauch befolgen?“? Wenn du weise entscheidest, wirst du dich einer herzlichen Gemeinschaft mit deinen Glaubensbrüdern erfreuen können, während du gleichzeitig deinem Leben mehr Abwechslung und Inhalt gibst. Vor allem aber wirst du dir ein enges und herzliches persönliches Verhältnis zu Jehova aufbauen, der alles zu deiner Freude darreicht. Außerdem wird dir und vielleicht auch anderen, denen du die „gute Botschaft“ verkündigst, dadurch das Vorrecht gewährt, einmal in Gottes gerechter neuer Ordnung leben zu dürfen, wo Jehova durch alle Bräuche, die man dann pflegt, verherrlicht werden wird (1. Kor. 10:31).
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Eine besonnene Frau zeigt ihre SelbstlosigkeitDer Wachtturm 1979 | 15. Juni
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Eine besonnene Frau zeigt ihre Selbstlosigkeit
1, 2. (a) Welche dramatischen Ereignisse aus dem 5. Jahrhundert v. u. Z. werden wir betrachten, und wo sind sie aufgezeichnet? (b) Wer war Ahasverus? (c) Inwiefern wird sich unser Abstecher in die Vergangenheit lohnen?
EIN prächtiger Palast! Er stand in der Stadt Schuschan (Susa). Wer waren seine Erbauer? Wahrscheinlich der persische König Darius I. und sein Sohn Xerxes I. Dekorationsmaterial für das Gebäude war aus weiter Ferne herbeigeschafft worden. Aus einer Inschrift des Darius geht zum Beispiel hervor, daß das Zedernholz vom Libanon stammte, das Gold aus Sardes und Baktrien, das Silber und das Kupfer aus Ägypten und das Elfenbein aus Ländern wie Äthiopien und Indien.
2 Heute sind nur noch einige Ruinen von dem einst prächtigen Palast übrig. Doch anhand des Buches Esther, das zweifellos von dem gottesfürchtigen Hebräer Mardochai geschrieben wurde, können wir dieser königlichen Residenz aus dem frühen 15. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung einen Besuch abstatten. Wir können die dramatischen Ereignisse eines Jahrzehnts (von ungefähr 484 bis 474 v. u. Z.) miterleben, als sich Gottes Volk der Gefahr gegenübersah, möglicherweise aus dem ganzen Persischen Reich ausgerottet zu werden. Es war zur Zeit des Ahasverus (offensichtlich Xerxes I.). Unser Abstecher in die ferne Vergangenheit wird sich lohnen, da solche biblischen Berichte zur Unterweisung gottesfürchtiger Personen aufgezeichnet wurden und damit wir „durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können“ (Röm. 15:4).
SELBSTSUCHT FÜHRT ZU DEMÜTIGUNG
3—5. Was ist unter dem Schloß Schuschan zu verstehen, und was für eine Zusammenkunft findet dort im dritten Jahr der Regierung des Königs Ahasverus statt?
3 Der persische König Ahasverus, dessen Reich von Indien bis Äthiopien 127 Gerichtsbezirke umfaßt, sitzt auf dem Thron im Schloß Schuschan, seiner zeitweiligen Residenz, die mehrere Gebäude innerhalb eines befestigten Areals einschließt. Es ist das dritte Jahr seiner Regierung. Er hat seine Fürsten, Diener, Heeresleute und Edlen zu einer Konferenz einberufen. Die Versammlung dauert 180 Tage, möglicherweise, weil man sich den zahlreichen Beamten anpassen will, die wegen ihrer Pflichten nicht alle zur selben Zeit anwesend sein können (vielleicht lag eine militärische Absicht vor, da der griechische Historiker Herodot davon berichtet, daß König Xerxes im dritten Jahr seiner Regierung eine Versammlung abhielt, um einen Krieg gegen Griechenland zu planen) (Esth. 1:1-4).
4 Zum Abschluß dieser bemerkenswerten Konferenz gibt der König im Schloß Schuschan für alle ein siebentägiges Bankett. Dieses Festmahl findet im Hof des Palastgartens statt. Sehen wir uns den festlichen Rahmen etwas näher an. Zu den vielen Dekorationsstoffen gehören Leinen, Baumwolle, blauer Stoff, der in Schnüren von feinem Gewebe festgehalten wird, und purpurrötlichgefärbte Wolle an silbernen Ringen. Hier stehen Marmorsäulen und Ruhebetten aus Gold und Silber auf einem Pflaster aus Porphyr, Marmor, Perlmutter und schwarzem Marmor (Esth. 1:5, 6).
5 Bei diesem Festessen wird Wein in verschiedenartigen goldenen Gefäßen kredenzt. Die Perser sind dafür bekannt, daß sie trinken. Doch bei diesem Festessen folgt man nicht dem Brauch, Gäste zu nötigen, eine bestimmte Menge zu trinken (Esth. 1:7, 8).
6. Was für eine Frau ist Waschti, und wie zeigt sich das?
6 Irgendwo anders im königlichen Palast veranstaltet die persische Königin Waschti ein Festessen für die Frauen. Heute ist der siebente Tag des königlichen Fests, und der König ist durch den Wein in froher Stimmung. Er beauftragt sieben Hofbeamte, Waschti, die schöne Königin, zu ihm und zu seinen Gästen zu bringen. Aber was ist das? Sie weigert sich anhaltend, das Wort des Königs zu befolgen. Verärgert sucht Ahasverus den Rat von sieben ihm am nächsten stehenden Fürsten, einer Gruppe weiser Männer, die in Rechtsfällen bewandert sind. Der Monarch fragt sie: „Was soll nach dem Gesetz mit Königin Waschti getan werden?“ Diese selbstsüchtige Frau hat sich der Gehorsamsverweigerung schuldig gemacht! (Esth. 1:9-15).
7, 8. (a) Wem hat Waschti unrecht getan, und wozu führt ihr Verhalten? (b) Was können wir deiner Meinung nach aus Waschtis Verhalten lernen?
7 Hört! Als Sprecher der sieben Fürsten stellt Memuchan fest, daß Waschti nicht nur dem König, sondern auch den Prinzen und dem Volk des ganzen Reiches unrecht getan hat. Ihr Verhalten wird bekanntwerden, und alle Frauen, selbst Fürstinnen, werden ihre Männer verachten. Daher schlägt Memuchan vor, der König solle erklären, daß Waschti nicht vor ihn kommen dürfe und daß ihre königliche Würde einer besseren Frau gegeben werde. Dann würden alle verheirateten Frauen ihre Männer ehren (Esth. 1:16-20).
8 Diese Empfehlung sagt Ahasverus zu. Sogleich werden an alle Gerichtsbezirke Schriftstücke gesandt, an jedes Volk in dessen eigener Sprache. Der Erlaß, der nun zu den schriftlichen, unabänderlichen Gesetzen der Meder und Perser zählt, wird dafür sorgen, daß „jeder Ehemann ständig als Fürst in seinem eigenen Haus handle“ (Esth. 1:21, 22). Ihre Gehorsamsverweigerung und ihre Selbstsucht haben Waschti die Krone gekostet. Ihr Verhalten hat zu ihrer Demütigung geführt.
EINE UNTERWÜRFIGE FRAU ERLANGT GUNST
9. Wie soll eine Königin als Ersatz für Waschti ausgewählt werden?
9 Es vergeht einige Zeit, bis sich der Zorn des Ahasverus legt. Dann suchen gemäß der Empfehlung der Diener des Königs besondere Beauftragte in allen Gerichtsbezirken nach hübschen Jungfrauen. Diese Frauen werden in die Burg Schuschan gebracht und der Obhut des Eunuchen Hegai übergeben. Die ausgewählten Jungfrauen sollen Massagen erhalten, und die junge Frau, die Ahasverus am besten gefällt, soll schließlich anstelle Waschtis Königin werden (von der Absetzung Waschtis bis zur Auswahl ihrer Nachfolgerin vergingen ungefähr vier Jahre; diese Verzögerung war anscheinend der Abwesenheit des Königs zuzuschreiben, der gegen die Griechen Krieg führte) (Esth. 2:1-4, 16, 17).
10. (a) Wer ist Mardochai? (b) Wer ist Esther?
10 Mardochai, ein Diener des Königs, ist an der Auswahl der neuen Königin sehr interessiert. Dieser ergebene Jude vom Stamm Benjamin ist ein Nachkomme eines gewissen Kisch, der vom babylonischen König Nebukadnezar zusammen mit König Jojachin (Jechonja) und anderen (im Jahre 617 v. u. Z.) aus Jerusalem ins Exil geführt worden war. Seit einiger Zeit ist Mardochai der Pfleger Hadassas, eines jüdischen Waisenmädchens, dessen Name „Myrte“ bedeutet. Sonst ist sie als Esther (was „frische Myrte“ bedeutet) bekannt; sie ist die Tochter Abichajils, des verstorbenen Onkels Mardochais. Und was für eine liebliche Frau sie doch geworden ist! Sie ist „schön von Gestalt und schön von Aussehen“. Da ein Ersatz für Waschti gesucht wird, überrascht es nicht, daß Esther zu den jüngeren Frauen gehört, die nach Schuschan geholt und der Obhut Hegais übergeben werden (Esth. 2:5-8, 15).
11. Wie verfährt Hegai mit Esther, und was verschweigt Esther, indem sie sich an die Anweisungen Mardochais hält?
11 Esther ist Hegai wohlgefällig, der sich beeilt, ihr die vorgeschriebenen Massagen und die geeignete Speise zu geben. Ja, sie erhält sieben junge Frauen, die ihr im besten Bereich des Frauenhauses dienen. Esther sagt nicht, daß sie eine Jüdin ist; sie hält sich an die Anweisungen ihres Vetters Mardochai, der älter ist als sie. Sechs Monate lang erhalten die ausgewählten Jungfrauen Massagen mit Myrrhenöl und danach sechs Monate mit Balsamöl. Dann geht jede Frau zu Ahasverus hinein und kehrt danach „zum zweiten Frauenhaus“ zurück in die Obhut des Schaaschgas, des Hüters der Nebenfrauen des Königs (Esth. 2:9-14).
12. Welche Charakterzüge weist Esther auf, wie schätzt Ahasverus sie ein, und was ist die Folge?
12 Esther ist selbstlos, sie verläßt sich nicht auf auffälligen Schmuck und erbittet daher nichts, außer dem, was Hegai erwähnt. Während der ganzen Zeit hat sie die Gunst all derer erlangt, die sie sehen. Nun haben wir den Monat Tebeth (Dezember/Januar), den 10. Monat im siebenten Jahr des Ahasverus. Die Spannung steigt, als Esther vor den König geführt wird. Gefällt sie ihm? Ja, tatsächlich gewinnt der persische Herrscher Esther mehr lieb als alle anderen Frauen, und er macht sie an Waschtis Statt zur Königin. Der glückliche König hält für alle seine Fürsten und Diener ein großes Festmahl, „das Festmahl Esthers“. Außerdem gewährt er für die Gerichtsbezirke eine Amnestie (vielleicht den Erlaß von Tribut, die Freistellung vom Militärdienst oder die Freilassung aus dem Gefängnis oder eine Kombination dieser Möglichkeiten). Ahasverus macht fortwährend Geschenke, die sich nur ein reicher Monarch leisten kann. Es ist eine Zeit der Freude (Esth. 2:15-18).
13. (a) Worin bestand Esthers hauptsächlicher Schmuck? (b) Inwiefern ist es für christliche Frauen im 20. Jahrhundert von Nutzen, das Verhalten Waschtis und Esthers zu beurteilen?
13 Eine wirklich unterwürfige Frau hat Gunst erlangt. Esther nimmt jetzt zwar den Platz der persischen Königin ein, doch fügt sie sich den Anweisungen Mardochais (Esth. 2:19, 20). Bei unserem Rückblick können wir uns Esther wahrscheinlich gut als eine hübsche Frau in königlichem Gewand vorstellen. Doch ihr hauptsächlicher ‘Schmuck bestand in der verborgenen Person des Herzens im unvergänglichen Gewand des stillen und milden Geistes, der in Gottes Augen von großem Wert ist’ (1. Petr. 3:3, 4). Christliche Frauen im 20. Jahrhundert haben guten Grund, die Selbstsucht der abgesetzten Waschti zu meiden und die Unterwürfigkeit und Selbstlosigkeit der gottergebenen Esther nachzuahmen.
14. Weshalb freute sich Mardochai besonders darüber, daß Esther Königin wurde?
14 Beachtenswert ist auch, daß große Freude herrschte, als Esther Königin wurde, und bestimmt freute sich auch Mardochai, ihr älterer Vetter, von ganzem Herzen darüber. Er muß gefühlt haben, daß sich dies schließlich für alle Juden in den persischen Provinzen vorteilhaft auswirken würde.
LOYAL, ABER KOMPROMISSLOS
15. Über welches Komplott berichtet Mardochai, und was geschieht mit den Verrätern?
15 Esther ist mit Mardochai in Verbindung geblieben und befolgt seine Anweisungen. Während er im Tor des Königs sitzt, werden Bigthan und Teresch, zwei Hofbeamte (die anscheinend die Tür zu den privaten Gemächern des Königs bewachen), zornig und suchen ständig, an Ahasverus Hand anzulegen. Als Mardochai von der Verschwörung erfährt, berichtet er sogleich Esther davon, die den König in seinem Namen darüber unterrichtet. Das löst eine Untersuchung aus. Bald werden die beiden Verräter hingerichtet, und ihre Leichname an einem Stamm oder Pfahl öffentlich zur Schau gestellt, weil das Verbrechen gegen den König gerichtet war. Mardochai wird nicht belohnt, aber sein Akt der Treue wird in die Chronik aufgenommen (Esth. 2:21-23).
16, 17. (a) Wer ist Haman? (b) Weshalb weigert sich Mardochai, sich vor Haman niederzuwerfen?
16 Mardochai ist zwar loyal und mißt der Regierungsgewalt die richtige Bedeutung bei, doch ist er kompromißlos. Die Zeit vergeht, und Ahasverus ernennt aus irgendeinem Grund einen gewissen wohlhabenden Haman zum Premierminister. Auf königlichen Befehl verbeugen sich im Tor des Palastes alle Diener des Herrschers vor Haman und werfen sich vor ihm nieder. Doch seht Mardochai! Er lehnt es beharrlich ab, sich vor dem neuernannten Premierminister niederzuwerfen. Das macht Haman wütend (Esth. 3:1-5).
17 Weshalb nimmt Mardochai eine so entschiedene Haltung ein? Haman ist ein Agagiter, wahrscheinlich ein Amalekiter königlicher Abstammung. Jehova hat die völlige Ausrottung der Amalekiter befohlen, weil diese Haß gegenüber Gott und seinem Volk zeigten, indem sie die Israeliten in der Wildnis angriffen (2. Mose 17:8, 14-16; 5. Mose 25:17-19; 1. Sam. 15:1-33). Der gottergebene Mardochai lehnt es daher standhaft ab, sich vor Haman niederzuwerfen. Eine Verbeugung würde nicht nur Achtung vor diesem Amalekiter bezeugen, sondern eine Friedensbezeigung und möglicherweise eine Huldigung darstellen. Mardochai ist unnachgiebig, weil es hier um die Bewahrung der Lauterkeit gegenüber Gott geht.
18. Was plant der wütende Haman, Mardochai und den Juden im ganzen Persischen Reich anzutun?
18 Der wütende Haman beginnt nach einer Möglichkeit zu suchen, sowohl Mardochai als auch sein Volk, die Juden, im ganzen Reich zu vernichten. Zu diesem Zweck bedient sich der gewissenlose Agagiter im Monat Nisan, dem ersten Monat des 12. Jahres des Königs Ahasverus, der Wahrsagerei. Er läßt jemand (offensichtlich einen Astrologen) „das Pur, das heißt das Los“, werfen, um festzustellen, welches der günstigste Tag zur Ausrottung des Volkes Jehovas sei (Esth. 3:6, 7).
19, 20. Was sagt Haman zu Ahasverus lügnerisch über die Juden, und was geschieht demzufolge?
19 Haman spricht mit König Ahasverus und stellt die Juden lügnerisch als unerwünschte Personen und Gesetzesübertreter hin. Als wirtschaftlichen Anreiz fügt der Agagiter die Worte hinzu: „So werde geschrieben, daß man sie vernichte; und ich werde zehntausend Silbertalente [einen Wert von mehreren Millionen Dollar] in die Hände derer zahlen, die das Werk tun, damit sie es in den Schatz des Königs bringen“ (Esth. 3:8, 9).
20 Glaubt Ahasverus den falschen Anschuldigungen? Ja. Der König nimmt seinen Siegelring ab, mit dem offizielle Schriftstücke versiegelt werden, und überreicht ihn Haman mit den Worten: „Das Silber wird dir gegeben, auch das Volk, um mit ihm gemäß dem zu tun, was gut ist in deinen eigenen Augen.“ Bald darauf fertigen königliche Sekretäre unter der Leitung Hamans Briefe an, die einen Erlaß über die Vernichtung der Juden enthalten. Der böse Agagiter macht von dem Siegelring Gebrauch, der die Symbole des Monarchen trägt. Er drückt den Ring in Wachs oder in eine andere weiche Substanz auf diesen Dokumenten und macht sie damit rechtskräftig (Esth. 3:10-12).
21. Was soll aufgrund eines königlichen Erlasses den Juden am 13. Adar im 12. Regierungsjahr des Ahasverus widerfahren?
21 Kurze Zeit später werden die Briefe Kurieren übergeben, die schnelle Postpferde reiten. Der Erlaß, der in mehreren Sprachen veröffentlicht und im ganzen Reich verbreitet wird, ermächtigt dazu, die Juden auszurauben und sie zu vernichten. Wann? Am 13. Tag des Wintermonats Adar (Februar/März). Während Ahasverus und Haman zusammensitzen und trinken, herrscht in der Stadt Schuschan, wo es viele Juden gibt, verständlicherweise Bestürzung (Esth. 3:13-15; 9:18).
EINE ZEIT, DIE MUT ERFORDERT
22. Wie reagieren Mardochai und die anderen Juden, als sie von dem Ausrottungsplan erfahren?
22 Als Mardochai von der geplanten Ausrottung erfährt, zerreißt er seine Kleider, legt grobes Sacktuch an, streut als Symbol der Trauer Asche auf sein Haupt und erhebt ein lautes Wehgeschrei. Das drohende Unheil ruft auch unter den Juden in allen Gerichtsbezirken große Trauer hervor. Auch fasten sie, und sicherlich steigen viele Gebete zu Jehova Gott empor (Esth. 4:1-3).
23. Was zu tun, beauftragt Mardochai Esther, doch was könnte ihr zustoßen, wenn sie ungebeten vor den König tritt?
23 Auch Esther schmerzt es sehr. Sie sendet Mardochai Kleider, damit er sein Sacktuch ablege, doch er nimmt die Kleider nicht an. Als Antwort auf eine Anfrage Esthers sendet er ihr eine Abschrift des eben veröffentlichten Gesetzes und beauftragt sie, vor den König zu treten und ihn um Gunst für ihr Volk anzuflehen. Wie lautet ihre Antwort? ‘Jedermann weiß, daß jemand — ob Mann oder Frau —, der ungerufen vor den König tritt, zu Tode gebracht wird. Nur wenn ihm der König das goldene Zepter entgegenreicht, wird er am Leben bleiben. Was mich betrifft, so bin ich schon dreißig Tage nicht mehr zu ihm gerufen worden’ (Esth. 4:4-11). Ja, Esther könnte ihr Leben verlieren, es sei denn, König Ahasverus heißt ihre Gegenwart ausdrücklich gut, indem er ihr sein Zepter entgegenstreckt, den Stab, den er als Symbol seiner königlichen Autorität trägt. Es erfordert bestimmt Mut und Glauben an Jehova, unaufgefordert vor den Monarchen zu treten.
24. Was zu glauben, bringt Mardochai hinsichtlich Esthers königlicher Würde zum Ausdruck?
24 Dennoch antwortet Mardochai: „Bilde dir in deiner eigenen Seele nicht ein, daß die Hausgemeinschaft des Königs etwa eher als alle anderen Juden entrinnen werde. Denn wenn du zu dieser Zeit gänzlich schweigst, wird den Juden von einem anderen Ort her Erleichterung und Befreiung erstehen; was aber dich und deines Vaters Haus betrifft, ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob es nicht für eine Zeit wie diese ist, daß du zur königlichen Würde gelangt bist?“ (Esth. 4:12-14). Mardochai glaubt, daß Esther aus einem besonderen Grund gerade zu dieser Zeit königliche Würde erlangt hat, nämlich zur Befreiung des Volkes Gottes. Wird sie aber Selbstlosigkeit, Mut und Glauben zeigen?
25. Was tun Esther, Mardochai und die Juden in Schuschan, während sie fasten?
25 Esther antwortet Mardochai, indem sie ihn auffordert, alle Juden, die in Schuschan sind, zu versammeln und gemeinsam ihretwegen zu fasten. „Ich werde ebenso fasten“, sagt sie, „und darauf werde ich zum König hineingehen, was nicht gemäß dem Gesetz ist; und wenn ich umkommen soll, so komme ich um.“ Esther wird ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, aber diese besonnene Frau ist entschlossen, im Interesse ihres Volkes mutig und selbstlos zu handeln. So kommt es, daß Esther, Mardochai und die Juden in Schuschan gemeinsam beten und fasten und Jehova Gott darum bitten, sie zu befreien (Esth. 4:15-17).
26. Was zu tun mag Feinden des Volkes Gottes heute gestattet werden, doch was sollten gesalbte Christen und ihre Gott hingegebenen Gefährten deshalb tun?
26 Geistgesalbte Nachfolger Jesu Christi, die geistige Juden sind, sowie ihre Gefährten müssen heute ebenfalls Prüfungen und Feinden mutig gegenübertreten (Röm. 2:28, 29). Jesus Christus, der regierende König, mag zulassen, daß die Feinde der Diener Gottes in ihrem Bemühen, sie zu vernichten, bis zum Äußersten gehen. Gesalbte Christen und ihre Gott hingegebenen Gefährten müssen daher mutig handeln, Gott um Weisheit bitten und einen siegreichen Glauben offenbaren. Wird aber Jehova sein Volk weiterhin unterstützen? Urteile selbst, während die dramatischen Ereignisse aus den Tagen Esthers vor unseren Augen weiter ablaufen.
[Bild auf Seite 13]
„Wenn ich umkommen soll, so komme ich um“ (Esth. 4:16)
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Jehova läßt sein Volk nicht im StichDer Wachtturm 1979 | 15. Juni
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Jehova läßt sein Volk nicht im Stich
„Jehova wird sein Volk nicht aufgeben, noch wird er sein eigenes Erbe verlassen“ (Ps. 94:14).
1, 2. Was sagten der Prophet Samuel und der Psalmist über das Verhältnis Jehovas zu seinem Volk?
„JEHOVA wird sein Volk um seines großen Namens willen nicht im Stich lassen.“ Das sagte der Prophet Samuel. Auch der Psalmist erklärte: „Jehova wird sein Volk nicht aufgeben, noch wird er sein eigenes Erbe verlassen“ (1. Sam. 12:22; Ps. 94:14).
2 Bist du von der Wahrhaftigkeit dieser Worte fest überzeugt? Konnten Esther, Mardochai und die Juden damals davon überzeugt sein, daß Jehova sein Volk nicht im Stich lassen würde? Wir werden sehen.
IM VERTRAUEN AUF JEHOVA HANDELN
3. (a) Was geschieht, als Esther ungebeten vor König Ahasverus tritt? (b) Was ist Esthers Bitte?
3 Heute ist der dritte Tag, seitdem die bedrängten Juden im Persischen Reich zu fasten und zu Jehova zu beten begonnen haben. Die selbstlose Königin Esther hat sich königlich gekleidet. Mutig, da ungebeten, begibt sie sich in den inneren Vorhof des Königshauses. Von seinem Thron aus sieht König Ahasverus die Königin. Wird er sie zum Tode verurteilen? Nein, er streckt ihr das goldene Zepter entgegen, und sie tritt näher und berührt dessen Spitze. Esther hat die Gunst des Königs erlangt. Er fragt sie: „Was hast du, o Königin Esther, und was ist dein Begehren? Bis zur Hälfte des Königtums — es werde dir auch gegeben!“ Als Erwiderung lädt sie Ahasverus und den Premierminister Haman zu einem Festmahl ein. Ihre freundliche Einladung wird angenommen (Esth. 5:1-5).
4. Was verdirbt Haman nach Esthers Festessen die Freude?
4 Später an diesem Tag sind der persische Monarch und Haman, der Agagiter, bei Esthers Weinbankett. Der König fragt Esther: „Was ist dein Gesuch?“ Sie lädt Ahasverus und Haman auch für den nächsten Tag zu einem Festmahl ein. Haman entfernt sich in freudiger Stimmung. Doch als Mardochai, der Jude, der seine Lauterkeit bewahrt, nicht vor ihm erbebt, packt den Amalekiter die Wut, aber er beherrscht sich. Als er sein Haus betritt, ruft er seine Frau und seine Freunde zu sich. Er kann der Versuchung nicht widerstehen und erzählt ihnen prahlerisch, wie ihn Ahasverus über alle Fürsten und Diener des Königs erhöht hat (Esth. 5:6-11).
5. Was empfehlen Hamans Frau und seine Freunde ihm, mit Mardochai zu tun?
5 Haman fährt mit den Worten fort: „Zudem hat Esther, die Königin, niemand mit dem König zu dem Festmahl, das sie bereitet hatte, hereingeholt als mich, und auch morgen bin ich mit dem König zu ihr eingeladen.“ Aber etwas stört den prahlerischen Agagiter sehr, denn er fügt hinzu: „Doch all dies — nichts davon befriedigt mich, solange ich Mardochai, den Juden, im Tor des Königs sitzen sehe.“ Seresch, Hamans Frau, und seine Freunde sind überzeugt, daß sie die Lösung wissen: „Man mache einen Stamm, fünfzig Ellen hoch. Dann, am Morgen, sprich zu dem König, daß man Mardochai daran hänge. Darauf geh mit dem König freudig zum Festmahl.“ Stellen wir uns das vor! Mardochais Leichnam würde an einem 50 Ellen (22 Meter) hohen Stamm hängen. „Gut!“ denkt sich der stolze Haman und läßt den Stamm aufstellen (Esth. 5:12-14).
6. Inwiefern nehmen gesalbte Christen heute eine ähnliche Haltung ein wie Mardochai und Esther?
6 Während wir darauf warten, was sich am folgenden Tag abspielt, haben wir Zeit, über das Verhalten Mardochais und Esthers nachzudenken. Beide vertrauten auf Jehova und baten um seine Leitung. Aus Liebe zu Jehovas Volk setzte Esther sogar ihr Leben aufs Spiel und handelte mutig, indem sie unaufgefordert vor den König trat. Wie Mardochai und Esther zeigen gesalbte Christen heute Liebe für alle Glieder des Volkes Gottes. Und die heutigen Diener Gottes handeln trotz Verfolgung durch religiöse Gegner ebenfalls in absolutem Vertrauen auf Jehova.
DIE HAND JEHOVAS MACHT SICH DEUTLICHER BEMERKBAR
7. Was kann Jehova mit Herrschern tun, damit sein Wille geschieht?
7 Wenn Jehova möchte, kann er Regenten so lenken oder beeinflussen, daß sie seinen Willen tun. Ein inspirierter Spruch lautet daher treffend: „Eines Königs Herz ist wie Wasserbäche in der Hand Jehovas. Wohin immer es ihm gefällt, wendet er es“ (Spr. 21:1; Dan. 2:21). Beachten wir nun, wie sich die Hand des Höchsten in den Tagen Mardochais und Esthers noch deutlicher bemerkbar machte.
8. Was geschieht, als Ahasverus einmal nicht schlafen kann?
8 Ahasverus kann in der Nacht vor dem zweiten Festmahl nicht schlafen, wahrscheinlich weil die Hand Jehovas bereits am Werke ist. Der König folgert möglicherweise, er habe irgend etwas unterlassen, und läßt sich aus dem Urkundenbuch vorlesen. Schließlich vernimmt er den Bericht über die Treue Mardochais, der den geplanten Mordanschlag der beiden Hofbeamten Bigthana (Bigthan) und Teresch aufgedeckt hatte. Der König erfährt indes, daß dieser Treueakt unbelohnt geblieben ist. So beschließt er, Mardochai zu ehren (Esth. 6:1-3).
9. Welche aufwendige Zeremonie empfiehlt Haman, weil er annimmt, er solle geehrt werden?
9 Früh am darauffolgenden Morgen wird der ränkevolle Haman zu König Ahasverus vorgelassen. Aber bevor der Agagiter seine Absicht, Mardochai töten zu lassen, dem König vortragen kann, stellt ihm dieser die Frage: „Was ist dem Manne zu tun, an dessen Ehre der König selbst Gefallen gefunden hat?“ Haman spricht in seinem Herzen: „An wem würde der König mehr Gefallen finden, um ihm Ehre zu erweisen, als an mir?“ Dann sieht Haman sich zweifellos in der Rolle des Hochgeehrten und sagt: ‘Man bringe das Pferd des Königs heraus und setze ihm den königlichen Kopfschmuck auf. [Dem hochmütigen Haman genügt kein gewöhnliches Pferd!] Man kleide den Mann mit des Königs eigener königlicher Tracht. Dann lasse man ihn auf dem Pferd auf dem öffentlichen Platz der Stadt reiten und laut vor ihm ausrufen: „So wird dem Manne getan, an dessen Ehre der König selbst Gefallen gefunden hat“’ (Esth. 6:4-9).
10. (a) Welchen niederschmetternden Schlag erlebt Haman? (b) Wird der Agagiter nach der Ehrung Mardochais von seiner Frau und seinen Freunden getröstet?
10 Ahasverus erwidert: „Rasch, nimm das Gewand und das Pferd, so, wie du gesagt hast, und tue so mit Mardochai, dem Juden, der im Tor des Königs sitzt. Laß nichts unerfüllt bleiben von allem, was du geredet hast.“ Welch ein niederschmetternder Schlag für den stolzen Haman! Doch was bleibt ihm anderes übrig? Sich nicht zu fügen würde den sicheren Tod bedeuten. Es dauert daher nicht lange, bis Mardochai, in ein königliches Gewand gekleidet und auf dem Pferd des Königs sitzend, auf dem öffentlichen Platz reitet und ein gedemütigter Haman vor ihm ausruft: „So wird dem Manne getan, an dessen Ehre der König selbst Gefallen gefunden hat.“ Danach kehrt Mardochai ins Tor des Königs zurück, und Haman eilt trauernd und mit verhülltem Haupt nach Hause. Seine Frau und seine Freunde trösten ihn nicht, sondern sagen: „Wenn Mardochai, vor dem du zu fallen angefangen hast, aus dem Samen der Juden ist, so wirst du wider ihn nicht die Oberhand gewinnen, sondern du wirst bestimmt vor ihm fallen.“ Ja, für die Frau des Agagiters und seine Freunde ist die Tatsache, daß er zu Ehren Mardochais eine öffentliche Zeremonie ausführen mußte, ein Vorzeichen dafür, daß Haman vor diesem Juden in die Knie gehen wird. Kaum hat Haman diese schrecklichen Worte vernommen, da sind auch schon die Hofbeamten des Königs zur Stelle und holen ihn zu Esthers zweitem Festmahl ab (Esth. 6:10-14).
MUTIGE KENNTLICHMACHUNG UND FREIMÜTIGE BLOSS-STELLUNG
11, 12. (a) Was sagt Esther während ihres zweiten Festmahls, dem Ahasverus und Haman beiwohnen, über sich und ihr Volk? (b) Wie reagiert Haman, als er als Verleumder und heimtückischer Verschwörer kenntlich gemacht wird, doch warum läßt sich Esther nicht erweichen?
11 Während des Festmahls stellt Ahasverus die Frage: „Was ist dein Gesuch, o Königin Esther?“ Die Antwort erfordert Mut, doch die Königin sagt: „Wenn ich in deinen Augen Gunst gefunden habe, o König, und wenn es dem König wirklich gut scheint, so werde mir auf mein Gesuch hin meine eigene Seele gegeben und mein Volk auf meine Bitte. Denn wir sind verkauft worden, ich und mein Volk, um vertilgt, getötet und vernichtet zu werden. Wenn wir nun lediglich zu Sklaven und lediglich zu Mägden verkauft worden wären, so hätte ich geschwiegen. Aber die Bedrängnis ist nicht angebracht, wenn sie dem König zum Schaden gereicht“ (Esth. 7:1-4).
12 Was bedeutet das? Nun, Königin Esther ist eine Jüdin, und es ist ein Erlaß ergangen, ihr Volk auszurotten. Ahasverus will wissen, wer dafür verantwortlich ist. Freimütig sagt Esther: „Der Mann, der Widersacher und Feind, ist dieser schlechte Haman.“ Die Königin hat sich fair verhalten, indem sie den Amalekiter, dem der Schreck in die Glieder gefahren ist, in seiner Gegenwart bloßgestellt hat. Mutig hat sie Haman der schweren Verleumdung angeklagt und bewiesen, daß er gegen die Interessen des persischen Monarchen auf heimtückische Weise Pläne geschmiedet hat. In seiner Wut geht der König in den Garten des Palastes. Haman, der weiß, daß er von Ahasverus keine Barmherzigkeit erwarten kann, fällt erschrocken auf das Ruhebett, auf dem sich Esther niedergelassen hat, und bittet um sein Leben. Aber Esther läßt sich nicht erweichen, denn das würde Jehova mißfallen, der die völlige Ausrottung der Amalekiter verkündet hat (Esth. 7:5-8).
13. Was geschieht auf Befehl des Königs Ahasverus mit Haman?
13 Als Ahasverus aus dem Garten zurückkehrt, sieht er den verzweifelten Haman auf dem Ruhebett Esthers und ruft aus: „Soll es etwa bei mir im Hause zu einer Vergewaltigung der Königin kommen?“ Unverzüglich verurteilt der König den bösen Agagiter zum Tode. Schon bald hängt der leblose Körper Hamans an dem Stamm, der für den Juden Mardochai errichtet worden ist. Dann erst legt sich der Grimm des Monarchen (Esth. 7:8-10).
14. Welcher Vergleich zur Neuzeit kann in Verbindung mit Esthers Kenntlichmachung als Jüdin und der mutigen Bloßstellung Hamans als einen Feind des Volkes Gottes gezogen werden?
14 Rückblickend können wir sagen, daß die mutige Esther sich nicht nur als Jüdin zu erkennen gab, sondern auch freimütig Haman als einen Feind des Volkes Gottes bloßstellte. Ähnlich ist es heute. Diejenigen, die nach dem Ersten Weltkrieg gesalbte Nachfolger Jesu Christi wurden, haben sich zusammen mit früher gesalbten mutig als geistige Juden und demzufolge als Zeugen Jehovas zu erkennen gegeben (Jes. 43:10-12). Und sie haben mit Sicherheit Feinde. So hat die Geistlichkeit der Christenheit wie Haman versucht, Jehovas Volk zu vernichten. Doch aufrichtige Christen haben diese haßerfüllten Feinde bloßgestellt, deren Komplott nicht mehr Gelingen haben wird als dasjenige Hamans, des gewissenlosen Amalekiters. Das ist darauf zurückzuführen, daß Jehovas Diener, die sein Wort mit Freimut reden, bei Anschlägen der Feinde und unter Verfolgung von ihm unterstützt werden (Jes. 54:17; Apg. 4:29-31).
KUMMER WANDELT SICH IN FREUDE
15. Was geschieht mit dem Haus Hamans, und in welche Stellung wird Mardochai eingesetzt?
15 Ahasverus übergibt Esther, die dem König von ihrer Verwandtschaft zu Mardochai erzählt hat, das Haus des hingerichteten Haman. Der Monarch zieht seinen Siegelring ab, den er Haman abgenommen hat, und überreicht ihn Mardochai, dem treuen Juden, den er anstelle des Agagiters zum Premierminister macht. Gemäß der Vollmacht, die Esther vom König gewährt worden ist, setzt sie Mardochai über das Haus Hamans ein (Esth. 8:1, 2).
16. Welche Befugnis erteilt Ahasverus zugunsten der Juden auf die Bitte Esthers hin?
16 Noch einmal setzt Esther ihr Leben für ihr Volk aufs Spiel, indem sie unaufgefordert vor den König tritt und weinend ihm zu Füßen fällt. Ahasverus streckt Esther das goldene Zepter entgegen, und sie erhebt sich mit den Worten: ‘Wenn es dem König gut scheint und ich vor ihm Gunst gefunden habe, so lasse er ein Schriftstück abfassen, um den Plan Hamans zu widerrufen. Wie könnte ich es ertragen, das Unglück meines Volkes und die Vernichtung meiner Verwandten mit anzusehen?’ Da die Gesetze der Meder und Perser unabänderlich sind, ermächtigt Ahasverus Esther und Mardochai, in seinem Namen zugunsten der Juden einen offiziellen Gegenerlaß herauszugeben (Esth. 1:19; 8:3-8).
17, 18. (a) Was tut Mardochai für die Juden im ganzen Persischen Reich, und welches Recht wird ihnen in Verbindung mit dem 13. Adar eingeräumt? (b) Wie reagieren die Juden auf den Gegenerlaß?
17 Mit dieser Aktion nimmt der neuernannte Premierminister seine Tätigkeit auf. Am 23. Tag des Monats Siwan (Mai/Juni) werden die Sekretäre des Königs gerufen, und Mardochai diktiert einen Gegenerlaß. Bald wird dieser Erlaß die Juden, das allgemeine Volk und die Staatsbeamten — Satrapen (oder Vizekönige), untergeordnete Statthalter und Fürsten — in den 127 Gerichtsbezirken Persiens erreichen. Mardochai macht die Dokumente mit dem Siegelring des Königs rechtskräftig. Und was besagt das neue Gesetz? König Ahasverus gewährt den Juden das Recht, sich zu versammeln und für ihre Seele einzutreten und alle zu töten, die sie befeinden. Ja, sie werden sich am 13. Adar (Februar/März), dem Tag, an dem ihre Ausrottung geplant war, verteidigen können. Unverzüglich bringen Kuriere in Stafetten auf schnellen Postpferden, denen sie die Sporen geben, den Gegenerlaß in alle Teile des ausgedehnten Reiches (Esth. 8:9 bis 14).
18 Als Mardochai, der Premierminister, den König verläßt, ist er in ein königliches Gewand von blauem Stoff und Linnen gekleidet. Er trägt einen purpurrötlichgefärbten Wollmantel von feinem Gewebe und eine große Goldkrone auf seinem Haupt. Bestimmt hat er allen Grund sich über den Gegenerlaß zu freuen. Ja, es herrscht Freude in Schuschan, und schließlich gibt es für die Juden im ganzen Reich Frohlocken, „ein Festmahl und einen guten Tag“. Darüber hinaus ist der Schrecken vor den Juden auf das Volk gefallen, und viele werden Proselyten (Esth. 8:15-17).
19. Erkennst du, wenn du an Hamans Komplott, den Gegenerlaß und die damit verbundenen Ereignisse denkst, irgendeine Ermunterung für Christen heute?
19 Diese letzten Vorgänge stellen eine Ermunterung für Christen von heute dar. Wie Haman ein Komplott gegen die fleischlichen Juden schmiedete, so haben die religiösen Führer der Christenheit die heutigen geistigen Juden, Christi geistige Brüder, auszurotten versucht. Jesus, der Herrschaftsgewalt über die Erde ausübt, wie Ahasverus über das Persische Reich herrschte, hat solche Versuche zugelassen, doch hat er es seinen gesalbten Nachfolgern auch ermöglicht, als Jehovas christliche Zeugen für ihr Leben einzutreten. Darüber hinaus haben Tausende aufrichtig gesinnte Menschen, die mit den persischen Proselyten in den Tagen Esthers zu vergleichen sind, auf der Seite dieser geistigen Juden Stellung bezogen, indem sie die wahre Anbetung aufgenommen haben (Sach. 8:23; Gal. 6:16).
JEHOVA UNTERSTÜTZT SEIN VOLK
20. Wie ergeht es den Juden und ihren Feinden am 13. und 14. Adar?
20 Die Monate sind vergangen, und wir schreiben den 13. Tag des Monats Adar. Die Juden haben sich in ihren Städten versammelt und legen Hand an die, die ihnen Schaden zuzufügen suchen. Kein Mann hält vor Gottes Volk stand. Ja sogar Regierungsbeamte stehen den Juden bei, da der Schrecken vor Mardochai auf sie gefallen ist. Doch die Juden können diejenigen, von denen sie gehaßt werden, vor allem deswegen niederstrecken, weil sie von Jehova unterstützt werden. Allein in Schuschan, dem Schloß, töten sie 500 Männer, und auch Hamans 10 Söhne finden den Tod. Im ganzen Reich werden 75 000 Feinde vernichtet, doch nirgends legen die Juden Hand an das Plündergut. Im Einklang mit der Bitte Esthers erlaubt König Ahasverus den Juden, in der Hauptstadt Schuschan einen weiteren Tag zu kämpfen, an dem sie noch 300 Männer töten, aber nichts plündern. Die Leichname der 10 Söhne Hamans werden aufgehängt. Nachdem die siegreichen Juden ihre Feinde vernichtet haben, machen sie den 14. Adar in den abgelegenen Bezirken und den 15. Adar in Schuschan zu einem Tag des Festmahls und der Freude (Esth. 9:1-19).
21. Zu welchem jährlichen Fest verpflichtet Mardochai die Juden, und was ist der Zweck des Festes?
21 Jehova hat die Glieder seines Volkes befreit, und sie sollten sich daran erinnern. Somit sendet Mardochai Schriftstücke an die Juden im ganzen Reich. Zu welchem Zweck? Um ihnen die Verpflichtung aufzuerlegen, den 14. und 15. Adar alljährlich als Tage des Festmahls und der Freude zu begehen. Später erhalten sie darüber einen weiteren Brief mit einer Bestätigung von Königin Esther. Dieses Fest der Befreiung wird auch Purim genannt, eine Bezeichnung, die darauf zurückzuführen ist, daß Haman das Pur oder Los werfen ließ, um den günstigsten Tag für die Verwirklichung seines Ausrottungsplans zu bestimmen — ein Plan, der schließlich auf sein eigenes Haupt zurückkam (Esth. 9:20-32).
JEHOVA BEFREIT DIE GERECHTEN
22. Was tut Mardochai, der nun ein hohes Regierungsamt bekleidet, weiterhin für Gottes Volk?
22 Für Esther, Mardochai und die anderen Juden ist die Krise vorbei. Jehova hat sein Volk nicht im Stich gelassen. Im Laufe der Zeit auferlegt König Ahasverus dem Land und den Inseln des Meeres Zwangsarbeit. (Irgendwann während seiner Regierung führte er zum Beispiel viel von den Bauarbeiten, die sein Vater, Darius I., in Persepolis begonnen hatte, zu Ende.) Mardochai nimmt ein hohes Regierungsamt ein, ja das höchste nach dem König. Dieser treue Jude wird von Gottes ergebenem Volk anerkannt und geachtet, er wirkt weiterhin zum Guten des Volkes und redet zu all dessen Nachkommen Frieden (Esth. 10:1-3).
23. Welche vorzüglichen Eigenschaften offenbarten Mardochai und Esther?
23 Mardochai war wirklich ein Mann, der Glauben, Mut und Entschlossenheit zeigte und sich Jehova und Gottes Volk gegenüber als lauter und treu erwies. Esther war eine besonnene Frau, die schwieg, wenn es nötig war, aber zur rechten Zeit auch furchtlos redete. Sie befolgte den Rat Mardochais, auch wenn sie dadurch ihr Leben aufs Spiel setzte. Diese schöne, unterwürfige Frau offenbarte tatsächlich Liebe, Selbstlosigkeit und Treue gegenüber ihrem Volk. Sowohl sie als auch Mardochai vertrauten völlig auf Jehova und suchten im Gebet seine Leitung.
24. Wovon können Gottes Diener aufgrund dessen, wie Gott mit Mardochai, Esther und den anderen Juden handelte, heute überzeugt sein?
24 Gottes Diener von heute haben in Mardochai und Esther gute Vorbilder. Trotz Gegnerschaft und Verfolgung dienen sie Seite an Seite und stehen treu zu Jehova und halten fest zueinander. Ja sie vertrauen darauf, daß Jehova Gott ihnen beistehen und sie befreien wird, wie er auch Esther und Mardochai sowie deren Volk unterstützte und befreite (Phil. 1:27-30). Wahrlich, „viele sind der Unglücksschläge des Gerechten, aber aus ihnen allen befreit ihn Jehova“ (Ps. 34:19). Mögen daher die Lobpreisungen unseres Gottes verkündigt werden, und mögen wir auf ihn vertrauen, denn Jehova läßt sein Volk nicht im Stich.
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