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Kleine Punkte und ihre Wirkung auf den MenschenErwachet! 1970 | 22. Januar
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Kleine Punkte und ihre Wirkung auf den Menschen
Vom „Awake!“-Korrespondenten an der Elfenbeinküste
BUNTE Lichter und leuchtende Fackeln erhellten das Abenddunkel, als der zurückkehrende siegreiche ägyptische General mit seinem Wagen in das römische Amphitheater jagte. Sein atemberaubender Einzug bildete den Höhepunkt eines langen Umzugs von siegestrunkenen Soldaten in schöner Tracht und eines großartigen Balletts, bei dem sich zur Freude der vor Ehrfurcht schweigenden Zuschauer gewandte Tänzer begeistert drehten. Die Abendluft war erfüllt von wunderbaren Orchesterklängen, einem vollen Chorgesang und dem frohlockenden Schmettern der Trompeten. Triumph der Musik! Dieser Anblick bezauberte die Zuschauer, und sie waren hingerissen von den begeisternden Klängen, die ihre Ohren erfüllten.
Plötzlich wechselt die Szene, und man sieht ein Publikum von jungen Leuten, zumeist junge Mädchen, die zu Tausenden versammelt sind und unbändig kreischen. Einige zittern heftig, andere schluchzen, eine Reihe von ihnen fällt in Ohnmacht, und die meisten sind hysterisch. Auf vier langhaarige Männer auf der Bühne richtet sich die Aufmerksamkeit aller, und die rhythmischen Schläge des Schlagzeugs und der elektrischen Gitarren übertönen das wahnsinnige Getöse.
Das erste war eine würdevolle Freilichtaufführung von Giuseppe Verdis Oper „Aida“ in Verona (Italien). Das zweite war eine Aufführung der Beatles im Shea-Stadion in der Stadt New York. Eine jede dieser Szenen zeigt auf ihre eigene Weise, mit welch einer gewaltigen Macht Musik die Gefühle anspricht. Es besteht kein Zweifel, daß Musik einen starken Einfluß auf die Menschen ausübt und lebhafte Gefühle auslöst, sowohl niedriger als auch edler Art. Ja die Tausende von kleinen Punkten, die auf den Notenblättern zu sehen sind, erzeugen, wenn sie in Töne umgewandelt werden, eine Macht, die der Mensch seit langem anerkennt.
Vorstellungen im Altertum
Schriftsteller des Altertums hatten die abergläubische Vorstellung, Musik könne Menschen unter einen Zauberbann bringen. Viele ihrer Sagen spiegeln diese Meinung wider. Es hieß zum Beispiel, Orpheus habe so wunderbar gespielt, daß seine Musik Landtiere, Vögel und Bäume verzaubert habe und sogar Flüsse gekommen seien, um seinen Melodien zu lauschen. Er soll der Sohn Kalliopes gewesen sein, einer der neun Musen, von denen die Griechen meinten, sie seien die Göttinnen der freien Künste, und von denen unser Wort „Musik“ herrührt. Als Orpheus’ geliebte Frau Eurydike starb, ging er ihr gemäß der Sage in die Totenwelt nach und spielte dort so schön, daß sie der Gott der Unterwelt gehen ließ.
In griechischen Sagen gibt es weitere Beispiele für diesen Aberglauben. Von dem eifersüchtigen und gewalttätigen König des Meeres, Triton, hieß es zum Beispiel, er habe allein durch das Blasen seines magischen Hornes, einer gewundenen Seemuschel, die Wellen beruhigt oder sie zu stürmischer Heftigkeit aufgepeitscht. Die Sirenen waren angeblich Seejungfern, deren Gesang so bezaubernd war, daß vorüberfahrende Seeleute angelockt wurden und an den Klippen zu Tode kamen, da sie der Anziehungskraft der Musik nicht widerstehen konnten. Eines Tages jedoch, so heißt es, sei Orpheus, auf der Laute spielend, vorübergekommen und die Sirenen seien dadurch, daß er sie übertroffen habe, so gedemütigt gewesen, daß sie sich ertränkt hätten.
Da die Musik eine so große Wirkung auf die Gefühle haben kann, hat die falsche Religion die Rolle der Musik in ihren Gottesdiensten zum größten Teil in den Vordergrund gerückt, während sie dem Denken eine untergeordnete Bedeutung gegeben hat. Griechische Chöre waren ein Bestandteil der alten griechischen religiösen Zeremonien, ebenso wie afrikanische Ritualtänze ein wesentlicher Teil der heidnischen Anbetung der Afrikaner sind. Die Steinflöte und gewisse Trommeln werden in manchen Teilen Afrikas heiliggehalten. Beim rituellen Spiel soll die Trommel von den Dschungelgeistern oder dem Elefantengott bewohnt sein.
Musikgeschichte
Es besteht kein Zweifel, daß Musik und erhabene Themen, lange bevor die Menschheitsgeschichte ihren Anfang nahm, unter den Engeln Gottes bekannt waren. Es ist jedoch interessant, daß die ersten Musikinstrumente der Menschen von Jubal, einem Nachkommen Kains, hergestellt wurden. (1. Mose 4:21) Das Verlangen nach Musik zur Beruhigung des Geistes und um bösen Menschen zu helfen, Übles zu vergessen, zeigte sich deutlich dadurch, daß David dem Saul als Harfenspieler dienen mußte. — 1. Sam. 16:14-23, Luther.
Archäologen haben ägyptische Basreliefs und assyrischen Wandschmuck zutage gefördert, auf denen Musiker aus sehr alter Zeit dargestellt sind. In den Palästen Roms war ständig Gesang und Instrumentalmusik zu hören, und es heißt, unter den damaligen wertvollen Instrumenten habe es Flöten, große Leiern und Wasserorgeln gegeben. Im Laufe der Jahrhunderte ist die Musik vielen Änderungen unterworfen gewesen, sowohl zum Besseren als auch zum Schlechteren. Zwar meinen manche Menschen, von dem rhythmischen Tamtam in Afrika sei es ein weiter Weg bis in unsere heutige Zeit gewesen, doch braucht man sich nur einmal einige Kompositionen anzuhören, die heute als volkstümlich gelten, und man wird im Geiste zurück in das primitive Dschungelleben versetzt.
Die spontane Ausdruckskraft der Musik
Obwohl manche Menschen heute die Musik mißbrauchen, hat diese Kunst im Leben der Menschen einen rechtmäßigen Platz. Denke an den spontanen Ausdruck der Freude, als Moses und seine Schar über ihre Befreiung aus der Hand des Pharaos von Ägypten sangen. Durch ein Lied zeigten Debora und Barak ihre Dankbarkeit gegenüber Jehova für den Sieg über ihre Feinde an. Erinnere dich auch an das ergreifende Lied König Davids — seine Klage über den Tod Sauls und seines Freundes Jonathan. Die Heilige Schrift zeigt, daß David ein Mann war, „der auf der Harfe gut spielen“ konnte. — 1. Sam. 16:16, 18, Lu; 2. Mose 15:1-21; Ri. 5:1-31; 2. Sam. 1:17-27.
Ob wir ein Musikinstrument spielen können oder nicht, freuen sich doch die meisten von uns über Musik, und die verschiedenen Ausdrucksformen der Musik befriedigen uns wirklich. Oft kann Musik den mündlichen Ausdruck steigern. Und sie ist sehr abwechslungsreich! Es gibt Musik, die uns zur Tat anspornt, Musik, die beruhigt und einschläfert, Musik, damit wir uns entspannen, Musik zum Tanzen. Und vertonte Erzählungen machen auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck. Manche Menschen singen, weil sie glücklich sind, manche, weil sie traurig sind, und manche, weil sie das Geräusch des fließenden Wassers in der Badewanne oder in der Dusche zum Singen anregt.
Was ist Musik?
Jemand mag ein bekanntes Liedchen singen oder summen, ohne etwas von Noten zu verstehen. Doch ist es etwas ganz anderes, Noten zu lesen und zu schreiben, so daß man die Melodie genau wiedergeben kann. Die in der westlichen Welt bekannteste Tonleiter wird als diatonische Skala bezeichnet. Sie ist in acht Noten aufgeteilt, die in einer gewissen Reihenfolge steigen oder fallen können. Sie fängt mit „C“ an, es folgen zwei Ganztonschritte, dann ein Halbtonschritt, drei Ganztonschritte und noch ein Halbtonschritt: C, D, E, F, G, A, H, C. Diese Töne können um einen Halbton erhöht oder um einen Halbton erniedrigt werden.
Wenn diese Töne in einer gewissen Weise geordnet werden und gewisse Töne eine längere oder kürzere Dauer erhalten, um einem bestimmten Takt oder Rhythmus zu entsprechen, können wir eine begeisternde Tonfolge oder eine quälende Melodie erzeugen. Die Änderung der Tonhöhe bringt eine Melodie hervor, was jeder bestätigen kann, der gehört hat, wenn jemand einen falschen Ton gespielt oder gesungen hat.
Im Orient wird die Tonleiter manchmal in vierundzwanzig Intervalle oder Vierteltöne eingeteilt. Und alte Volksmusik hat meistens eine fünfstufige Tonleiter, wie das auch bei der alten chinesischen und schottischen Musik der Fall ist.
In der Notenschrift werden zur Aufzeichnung der Melodien kleine Punkte mit kurzen senkrechten Strichen verwendet. Diese Punkte oder Noten erhalten in einem System von fünf waagerechten Linien verschiedene Stellungen, wodurch angezeigt wird, welcher Stellung in der Tonleiter jede Note entspricht. Durch die Verwendung verschiedener Notenformen wird gezeigt, wie lang die Töne zu spielen und zu singen sind.
Instrumente bestimmen die Klangfarbe
Wird eine Melodie auf verschiedenen Instrumenten gespielt, so entsteht eine Vielfalt von Klangfarben. Wenn wir eine fröhliche Melodie auf einem Flügel spielen, entsteht ein lieblicher Klang wie bei einer Vogelstimme. Auf dem Fagott wird die Melodie tief und sanft klingen und uns zweifellos Spaß machen! Hören wir diese Melodie auf der Gitarre, so mag ihr Klang in uns den Wunsch wecken, dazu zu tanzen. Ja diese melodische Reihe kleiner Punkte kann je nach dem Instrument, auf dem sie gespielt werden, eine andere Klangfarbe erhalten.
Die verschiedenen Instrumente werden in vier Hauptgruppen eingeteilt: in Saiten-, Holzblas-, Blechblas- und Schlaginstrumente. Bei den Saiteninstrumenten wird der Ton erzeugt, indem die Saiten mit einem Bogen gestrichen oder indem sie gezupft werden. Bei den meisten Holzblasinstrumenten entsteht der Ton dadurch, daß man in einen Hohlraum bläst, wodurch sich ein Rohrblatt bewegt, das sich am Mundstück befindet. Bei den Blechblasinstrumenten sind die Lippen des Bläsers äußerst wichtig, um Musik hervorzubringen. Zu den Schlag- und Tasteninstrumenten gehören das Klavier, der Triangel, das Becken und Trommeln aller Art. Natürlich sind die einzelnen Instrumente innerhalb jeder Gruppe voneinander sehr verschieden.
Einige ungewöhnliche Instrumente sind die aus Seemuscheln hergestellten Hörner, die afrikanischen „sprechenden“ Trommeln aus Holz, die gabelförmige Harfe, an der eine Kalebasse angebracht ist, die als Schallkörper dient, und das Balaphon, ein afrikanisches Xylophon, unter dem sich mehrere Reihen kleiner Kalebassen verschiedener Größen befinden, um die Töne zu erzeugen.
Eines der schönsten aller Instrumente ist jedoch die menschliche Stimme. Obwohl sie vielleicht nicht den großen Tonumfang einer Anzahl anderer Instrumente hat, kann sie, wenn sie geschult wird, eine viel größere Fülle von Gefühlen und weit mehr Nuancen von Empfindungen zum Ausdruck bringen. Und ihr würdigstes Thema ist der Lobgesang für den, der den Menschen und seine wunderbare Stimme erschaffen hat, für den Gott, dessen Name allein Jehova ist.
Wahrlich, die Musik ist eine wunderbare Gabe, und wie andere Gaben ist sie, wenn sie richtig angewandt wird, ein Segen für den, der sie gibt, und für den, der sie empfängt. Wenn sie in Verbindung mit der Zunge gebraucht wird, um das zum Ausdruck zu bringen, was gut, wahr, erfreulich oder geistig auferbauend ist, dann spiegelt sie etwas von der Herrlichkeit und der Majestät des allein wahren Gottes wider, der jedes Lobes würdig ist, das durch die Musik zum Ausdruck gebracht wird.
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Die Prophezeiungen der Bibel entspringen keiner privaten AuslegungErwachet! 1970 | 22. Januar
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„Dein Wort ist Wahrheit“
Die Prophezeiungen der Bibel entspringen keiner privaten Auslegung
MENSCHEN machen manchmal genaue Vorhersagen, die sich auf ihre eigene Deutung bestehender Tendenzen und Umstände stützen, aber oft sind ihre Voraussagen falsch. Das liegt daran, daß die vorhandenen Beweise entweder nicht richtig beurteilt werden oder nicht ausreichen, um eine zuverlässige Vorhersage zu machen. Biblische Prophezeiungen stammen dagegen aus einer untrüglichen Quelle. Der Apostel Petrus schrieb: „Keine Prophezeiung der Schrift [entspringt] irgendeiner privaten Auslegung ... Denn die Prophetie wurde niemals durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern Menschen redeten von Gott aus, so wie sie vom heiligen Geist getragen wurden.“ — 2. Petr. 1:20, 21.
Ja, menschliche Deutungen, wie sich die bestehenden Verhältnisse auf die Zukunft auswirken werden, legen im allgemeinen etwas völlig anderes nahe als die von Gott inspirierten Prophezeiungen. Zum Beispiel fühlten sich die Juden im achten Jahrhundert v. u. Z. in ihren befestigten Städten sicher. Sie überlegten tatsächlich dem Sinne nach: „Niemals wird Jehova zulassen, daß sein Tempel zerstört wird. Und selbst wenn wir von den Chaldäern bedroht werden, wird uns die Militärmacht Ägyptens retten. Schon allein der Bericht, daß eine Streitmacht aus Ägypten kam, veranlaßte ja die Chaldäer, sich von Jerusalem zurückzuziehen. Wir brauchen also kein Unglück von den Babyloniern zu befürchten.“ So betrachteten Menschen die Aussichten für die Zukunft. — Vergleiche Jeremia 5:17; 7:4, 14; 14:13; 37:5-10.
Wie anders lautete jedoch Gottes prophetisches Wort! Durch seinen Propheten Jeremia sagte Jehova: Die Chaldäer werden „deine festen Städte, auf welche du dich verlässest, ... mit dem Schwerte zerstören“. (Jer. 5:17) „So werde ich diesem Hause, welches nach meinem Namen genannt ist, ... ebenso tun, wie ich Silo getan habe“ (Jer. 7:14), wo in Josuas Zeit die Stiftshütte gestanden hatte. (Josua 18:1) „Siehe, das Heer des Pharao, welches euch zu Hilfe ausgezogen ist, wird in sein Land Ägypten zurückkehren. Und die Chaldäer werden wiederkommen und gegen diese Stadt streiten, und sie werden sie einnehmen und mit Feuer verbrennen.“ (Jer. 37:7, 8) So unglaublich diese Worte den Juden auch erschienen sein mögen, sie erfüllten sich. — Jer. 44:2.
Nicht weniger überraschend waren die Prophezeiungen, die Christus Jesus über sechshundert Jahre später über die Zerstörung der Stadt Jerusalem zum Ausdruck brachte, weil sie Jehova untreu war und Seinen Sohn als Messias verworfen hatte. — Matth. 23:37-39; Luk. 19:42-44.
Damit Jesu Nachfolger nicht von dem Verhängnis ereilt würden, das Jerusalem treffen sollte, sagte Jesus zu ihnen: „Wenn ihr ferner die Stadt Jerusalem von Heeren umlagert
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