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  • WER IST DAFÜR VERANTWORTLICH?
  • GEMEINE VERLEUMDUNGEN
  • GRAUSAME VERFOLGUNG
  • DIE VERFOLGUNG WIRD VERSCHÄRFT
  • DER GLAUBE DURCH GRAUSAME MISSHANDLUNGEN GEPRÜFT
  • IST DIE RELIGIONSFREIHEIT NICHT ANERKANNT?
  • WAS DU TUN KANNST
Der Wachtturm verkündet Jehovas Königreich 1968
w68 1. 9. S. 517-522

Religiöse Verfolgung wütet in der Vereinigten Arabischen Republik

IM Londoner Daily Telegraph vom 14. April 1967 erschien folgende Meldung: „In Kairo wurde heute bekanntgegeben, daß eine ganze Menge Zeugen Jehovas verhaftet worden seien und im Gefängnis auf ihre Aburteilung oder Deportation warteten. Die Verhaftungen seien auf Veranlassung des Patriarchats der koptischen Kirche vorgenommen worden. ... Eine Kairoer Wochenzeitschrift veröffentlichte eine Aufnahme von 25 der Verhafteten, unter denen sich neun Kinder, vier unter drei Jahren, befanden.“

Demnach setzte im Frühling 1967 die religiöse Verfolgung in der Vereinigten Arabischen Republik (früher Ägypten genannt) wieder ein, und sie wütet immer noch. Belästigungen, Verlust des Arbeitsplatzes, Verhaftungen, Beschlagnahmen, grausame Mißhandlungen, Deportationen und die Einweisung in Konzentrationslager — all das erlebten aufrichtige christliche Familien im vergangenen Jahr in diesem Land. Eine grausame Verfolgung ist entfacht worden und wird durch gemeine Verleumdung weiter geschürt.

WER IST DAFÜR VERANTWORTLICH?

„Die Verhaftungen seien auf Veranlassung des Patriarchats der koptischen Kirche vorgenommen worden“, berichtete die Londoner Zeitung. Ja, die Kirchen der Christenheit sind insbesondere dafür verantwortlich. Sie haben Jehovas Zeugen auf gemeine Art verleumdet und haben die Behörden schon lange aufgefordert, gegen sie vorzugehen. Schon am 17. März 1955 meldete die New Yorker Daily News: „Römisch-katholische und griechisch-orthodoxe Bischöfe forderten die ägyptische Regierung heute auf, das Zweigbüro der amerikanischen Watch Tower Bible and Tract Society in Kairo wegen zionistischer Propaganda zu schließen.“

Schließlich tat dies die Regierung, und am 2. Juni 1960 wurden Jehovas Zeugen in der Vereinigten Arabischen Republik offiziell verboten. Wie reagierten die Kirchen auf dieses Verbot? Die arabische Wochenzeitschrift Sabbah El-Kheir vom 6. April 1967 gibt die Antwort:

„Die Einstellung der ägyptischen Kirche kam unmittelbar nach Erlaß des Verbots der Zeugen Jehovas durch folgende Äußerung zum Ausdruck: ,Wir beglückwünschen den Minister für Sozialwesen ... und die Regierungsbeamten, die die Augen offenhielten und diesen Leuten, die gegen die Religion sind, Uneinigkeit stiften und den Zionismus fördern, das Handwerk legten. Wir hoffen, daß sie auch die übrigen Angehörigen dieser Gesellschaft in ihren Verstecken, wo sie sich heimlich versammeln, aufstöbern und sie für immer aus dem Dasein auslöschen werden.‘“

In der darauffolgenden Woche führte die arabische Zeitschrift Al-Mussawer ein Interview mit dem koptischen Priester Ibrahim Gabra durch, auf dessen Veranlassung Jehovas Zeugen vor acht Jahren verboten worden waren. Er erklärte: „Das Appellationsgericht und der Oberste Gerichtshof bestätigten das Verbot dieser Gesellschaft, das damals aufgrund des Berichts, den ich den Verantwortlichen eingereicht hatte, erlassen worden war.“ Dann stellte der Priester folgende Behauptung auf: „[Jehovas Zeugen] sind Agenten, die der Imperialismus zur Verteidigung Israels gebraucht ... und [sie] rühmen das Werk Dr. Chaim Weizmanns, des ersten israelischen Präsidenten, und seine Bemühungen, Palästina mit Juden zu bevölkern.“ — 14. April 1967.

GEMEINE VERLEUMDUNGEN

Welch schändliche Lügen! Die Behauptung, Jehovas Zeugen seien Agenten der imperialistischen Mächte, die Israel zu verteidigen suchten, ist absurd. Es ist nicht die geringste Spur eines Beweises dafür vorhanden, daß sie Zionisten sind oder den Zionismus irgendwie unterstützen. Im Gegenteil, Jehovas Zeugen lehren, daß die Bemühungen um die Errichtung eines dauerhaften jüdischen Staates im Nahen Osten keine Erfüllung biblischer Prophezeiungen seien.

Im Jahre 1958 hielten Jehovas Zeugen zum Beispiel überall den öffentlichen biblischen Vortrag „Warum der Zionismus fehlschlagen muß“. In einem Artikel, der in der Wachtturm-Ausgabe vom 15. Mai 1958 unter diesem Titel erschien, hieß es unter anderem: „Der Zionismus muß fehlschlagen, weil Jehova nichts damit zu tun hat ... Der Zionismus ist ein Teil dieser alten Welt oder dieses Systems der Dinge und wird deshalb mit ihr in die Vernichtung gehen.“

Auch in der Wachtturm-Ausgabe vom 15. November des letzten Jahres hieß es: „Es ist eine unverkennbare Tatsache, daß das neuzeitliche Israel weder Jesus Christus als Herrn bekennt noch den Namen Jehovas anruft. Der Staat Israel ist kein auf religiöser Grundlage aufgebauter, sondern ein rein politischer Staat ... Gott [handelt] offensichtlich nicht mehr mit den Juden als Nation.“

Es ist also ganz offensichtlich, daß Jehovas Zeugen keine Unterstützer des Zionismus sind. Es ist auch ganz offensichtlich, daß Geistliche sie als Zionisten bezeichneten, um die Behörden der Vereinigten Arabischen Republik gegen sie aufzuhetzen. Wegen dieser gemeinen Verleumdung gerieten Jehovas Zeugen in große Schwierigkeiten. Sie wurden von der Geheimpolizei streng überwacht. Gelegentlich wurden einige festgenommen, ein paar Tage in Haft behalten, geschlagen und dann wieder freigelassen.

Im Herbst und Winter 1966/67 wurde dann der Druck wesentlich stärker. Allein in Alexandria wurden etwa vierzig Zeugen vorgeladen und davor gewarnt, sich weiter zum Bibelstudium zu versammeln oder mit anderen über die Bibel zu sprechen. Man drohte ihnen mit Verhaftung und Konzentrationslager, wenn sie damit nicht aufhören würden.

GRAUSAME VERFOLGUNG

Am 25. März 1967 versammelten sich fünfzehn Personen in einer Privatwohnung in Kairo, um die Feier zum Gedächtnis an den Tod Jesu Christi zu begehen. Plötzlich traten vier Geheimpolizisten und ein Beamter des Kairoer Kriminalamtes ein und befahlen den Anwesenden, an ihrem Platz zu bleiben. Sie führten eine Hausdurchsuchung durch und beschlagnahmten verschiedene bibelerklärende Schriften. Dann wurden alle, außer zwei kleinen Kindern, festgenommen und auf die Polizeistation geführt.

Die Zeugen bewahrten während dieser Vorgänge ihre Ruhe. Sie wußten, daß sie richtig gehandelt hatten, denn sie waren aufgrund des Gebotes Christi zusammengekommen, um seinen Tod zu feiern. (Luk. 22:19) In der Zeitschrift Al-Mussawer vom 14. April 1967 hieß es: „Die Opfer haben einen unbeschreiblich ehernen Mut. Als die Funktionäre, die den Kampf gegen den Zionismus führen, ihre letzte Versammlung sprengten, die in der Nacht des jüdischen Passahs stattfand, zeigte niemand von ihnen Furcht.“

Auf der Polizeiwache wollte man von den Verhafteten erfahren, wie bibelerklärende Schriften vervielfältigt und unter den Zeugen verbreitet werden. Als Samir Yacoub Mikhail, der Redner bei der Gedächtnismahlfeier, sich weigerte, die gewünschten Aussagen zu machen, zog man ihm die Kleider aus, verband ihm Mund und Augen, fesselte ihn an Händen und Füßen und befahl ihm dann, sich auf den Bauch zu legen. Dann wurde er erbarmungslos mit einem Lederriemen geschlagen. Auf die gleiche brutale Art wurde auch der vierundsechzigjährige Nicola George Barghout mißhandelt, obwohl er an Schüttellähmung leidet und seine rechte Hand unaufhörlich zittert.

Mit diesen Methoden ermittelte man schließlich die Namen von drei Personen, von denen man glaubte, sie seien besonders für die Organisation der Tätigkeit der Zeugen Jehovas verantwortlich. Man beschloß, sie ebenfalls zu verhaften. Es wurden vier Beamte beauftragt, sie herbeizubringen. Die Beamten ahnten nicht, welch unangenehme Überraschung ihnen bevorstand.

In dem Bericht der Zeitschrift Al-Mussawer hieß es: „Um fünf Uhr morgens fuhr ein Polizeiwagen zur Verhaftung der anderen Zeugen Jehovas los. An der Kreuzung der Elfi- und Emad-el-Din-Straße stieß er mit einem Obus zusammen.“ Das Unglück war ein solcher Schock für die Männer, daß sie die beabsichtigten Verhaftungen nicht vornahmen, obwohl sie nur einen Häuserblock von der Wohnung zweier Zeugen entfernt waren. Wahrscheinlich glaubten sie, dieses Unglück sei ein Zeichen dafür, daß Gott ihren Plan habe verhindern wollen.

Die dreizehn bereits festgenommenen Zeugen wurden fast zwei Wochen in Haft behalten. Während dieser Zeit erhielten sie nur wenig zu essen und mußten sich in einem kleinen Raum, ohne Betten und ohne jede normale Bequemlichkeit, aufhalten. Nach dreizehn Tagen gaben neun von ihnen der grausamen Mißhandlung nach und unterschrieben eine Erklärung, durch die sie sich verpflichteten, keine Bibelstudienzusammenkünfte mehr zu besuchen und nicht mehr mit anderen über die Bibel zu sprechen. Es handelte sich bei diesen Personen um Frauen, Jugendliche und Neuinteressierte. Sie wurden entlassen, während die vier anderen in Haft behalten wurden.

Diese vier wurden äußerst brutal mißhandelt. Sie wurden mehrmals ausgepeitscht, erhielten sehr wenig zu essen und durften nicht besucht werden. Am 10. Mai fand eine Gerichtsverhandlung statt, aber die vier Angeklagten waren nicht anwesend. Offenbar waren sie so brutal geschlagen worden, daß man sie in diesem Zustand nicht vor Gericht erscheinen lassen wollte. Ihr Anwalt protestierte energisch und verlangte, daß man sie vorführe, sonst wäre das ganze Verfahren nicht rechtmäßig. Er hatte dabei aber keinen Erfolg. Es wurde eine weitere Verhandlung auf den 21. Juni 1967 angesetzt, aber sie hat nie stattgefunden. Die Angeklagten wurden in ein Konzentrationslager eingeliefert.

DIE VERFOLGUNG WIRD VERSCHÄRFT

Inzwischen wurden weitere Zeugen festgenommen, geschlagen und eingesperrt. In Kairo mußten sich eines Morgens Hanna Gad und seine Schwester bei der Polizei melden. Er wurde drei Stunden brutal geschlagen und mißhandelt, weil er sich weigerte, eine Erklärung zu unterschreiben, durch die er sich verpflichtet hätte, kein Zeuge Jehovas mehr zu sein. Um 13 Uhr wurden sie beide entlassen, um ihnen eine letzte Gelegenheit zu geben, sich die Sache nochmals zu überlegen. Am Abend jenes Tages wurde Hanna Gad erneut geholt. Man zog ihm die Kleider aus und schlug ihn sechs Stunden lang fast ununterbrochen, aber er verleugnete seinen Glauben nicht.

In Alexandria drang in der Nacht des 25. April die Polizei in die Wohnung von Dr. Amin Mikhail Fanous und seiner Frau ein, beschlagnahmte bibelerklärende Schriften und nahm die beiden mit auf die Polizeiwache. In derselben Nacht wurden auch Alphonse Michel Takla, seine Frau und sein achtzehnjähriger Sohn abgeholt. Die Männer und auch eine der Frauen wurden ebenfalls brutal geschlagen, weil sie sich weigerten, eine Erklärung zu unterschreiben, durch die sie sich verpflichtet hätten, nicht mehr zum Bibelstudium zusammenzukommen oder mit anderen über die Bibel zu sprechen. Am nächsten Tag wurden alle entlassen.

In der darauffolgenden Woche wurden diese beiden Ehepaare jedoch erneut verhaftet und in die Hadara-Strafanstalt in Alexandria eingeliefert. Am 16. Juni 1967 wurden die Frauen schließlich entlassen, während die Männer in ein Konzentrationslager außerhalb von Kairo überführt wurden. In dieses Lager kamen über zwanzig Zeugen.

Die Festnahme und Verhaftung vieler Zeugen war eine Folge des Ausbruchs des israelisch-arabischen Krieges in der ersten Juniwoche. Bei vielen Zeugen wurden Hausdurchsuchungen vorgenommen, und die Männer wurden festgenommen und ins Konzentrationslager eingeliefert.

DER GLAUBE DURCH GRAUSAME MISSHANDLUNGEN GEPRÜFT

Im Konzentrationslager wurden Jehovas Zeugen grausam mißhandelt, und zwar vor allem, weil sie sich weigerten, in die von den Lagerbeamten befohlenen patriotischen Rufe einzustimmen, wie: „Lang lebe Präsident Gamal Abd el Nasser!“ „Lang lebe die Vereinigte Arabische Republik!“ „Nieder mit Israel!“ usw. Die Zeugen bewiesen anhand der Bibel, warum sie neutral bleiben müßten und sich nicht in politische Angelegenheiten einmischen dürften. Sie erklärten, sie würden als Christen ihre Neutralität verletzen, wenn sie in solche patriotischen Rufe einstimmen würden. — Joh. 17:16.

Noch in derselben Nacht, in der Amin Mikhail Fanous und Alphonse Michel Takla in dem Lager eintrafen, wurden sie grausam geschlagen, weil sie den Befehlen, in die patriotischen Rufe einzustimmen, nicht gehorchten. Amin, schon ein älterer Mann, wurde so heftig auf den Kopf geschlagen, daß ihm schwindelig wurde. Diese brutale, unmenschliche Behandlung der Zeugen wurde zu etwas Alltäglichem.

Bei einer der Torturen mußte sich das Opfer, mit dem Gesicht nach unten, auf den Boden legen und dann die Füße hochhalten. Dann wurde es auf den Rücken und auf die Füße geschlagen. In einem Fall wurde das Opfer so grausam geschlagen, daß ein Gefangener, der zusah, ohnmächtig wurde. Er konnte den Anblick nicht ertragen. Durch diese Mißhandlungen ließen sich sogar einige Zeugen einschüchtern, und sie stimmten schließlich in die patriotischen Rufe ein, um den Schlägen zu entgehen.

Die vielen Zeugen, die jedoch standhaft blieben, bewiesen, daß es im Vertrauen auf Jehova möglich ist, ihm selbst unter solch schweren Prüfungen treu zu bleiben. Der Zeuge, der so grausam geschlagen wurde, daß ein anderer Gefangener ohnmächtig wurde, erklärte zum Beispiel, auf welch wunderbare Weise er gestärkt und getröstet wurde:

„Während ich auf dem Boden lag und geschlagen wurde, betete ich zu Jehova, er möchte mir helfen, diese Qualen zu ertragen. Ich freute mich sehr, daß Jehova, der allmächtige Gott, mir half. Hinterher tauchte ich ein Taschentuch ins Wasser und legte es auf meinen Rücken, um dem Körper die Hitze zu entziehen. Nach drei Tagen fühlte ich mich wieder so wohl, als wäre ich gar nicht geschlagen worden. Das hatte ich nur der Hilfe Jehovas und der Fürsorge der Brüder zu verdanken.“

Ein anderer Zeuge, der vor seiner Ankunft im Konzentrationslager, am 7. Juni, die Versammlungen regelmäßig als reisender Prediger besucht hatte, sagte ebenfalls: „Man konnte noch so gemein sein gegen uns und uns noch so viel schlagen, nach einigen Sekunden spürten wir wieder nichts mehr, obwohl wir weiter geschlagen wurden. Wir spürten, daß Jehova Gott stets mit uns war.“

Ja, Jehova bewies tatsächlich, daß er mit seinen treuen Dienern war; sein Name war für sie ohne Zweifel wie ein starker Turm, zu dem sie hinlaufen konnten, um in Sicherheit zu sein. (Spr. 18:10) Als sie im Lager auf ihn vertrauten, half er ihnen, so daß sie standhaft bleiben konnten. Selbst die heftigen Schmerzen, die die Schläge verursachten, wurden gelindert, so daß sie die brutale Behandlung zur Verwunderung der Lagerbeamten und anderer Gefangener ertragen konnten.

Hunderte von Gefangenen und Beamten im Konzentrationslager erhielten dadurch ein wunderbares Zeugnis. Einer von ihnen sagte zu einem Zeugen: „Ich freue mich, Menschen kennengelernt zu haben, die mich an die ersten Christen erinnerten und die bereit waren, um des Glaubens willen jede Verfolgung auf sich zu nehmen. Ich werde meinen Kindern sagen, ich hätte im Konzentrationslager Menschen kennengelernt, die im wahrsten Sinne Christen seien, nämlich Jehovas Zeugen.“

Die Zeugen wußten genau, daß sie nicht durch ihre eigene Kraft standzuhalten vermochten, sondern nur weil Gott ihnen die Kraft gab. Sie vernachlässigten deshalb das Studium seines Wortes nicht, obwohl man ihnen bei ihrer Ankunft im Lager die Bibel weggenommen hatte. Einer von ihnen erklärte, wie sie es einrichteten, daß sie die stärkende geistige Speise zu sich nehmen konnten:

„Jeden Morgen besprachen wir einen passenden Bibeltext, von dem wir dachten, er würde die Brüder ermutigen. Wir wählten auch stets zwei Bibelkapitel aus, über die wir sprachen. Dann suchten wir uns zu erinnern, was wir aus diesen Kapiteln noch wußten. Wir versammelten uns auch jeden Abend, um eine biblische Ansprache zu hören. Diese täglichen Unterhaltungen und Ansprachen über biblische Themen stärkten uns sehr. Wir ermunterten einander auch mit den Worten in 1. Petrus 5:8, 9, damit wir nicht schwach würden, sondern auf dem Weg zum Leben blieben.“

Am 14. November 1967 wurden die Zeugen schließlich entlassen, nachdem die meisten von ihnen mindestens fünf Monate und einige sogar noch länger eingesperrt gewesen waren. Aber selbst nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatstadt wurden einige von örtlichen Amtspersonen brutal geschlagen, weil sie sich weigerten, eine Erklärung zu unterschreiben, die sie verpflichtet hätte, nicht mehr als Zeugen Jehovas zu wirken. Und obwohl sie nicht mehr im Konzentrationslager sind, werden sie und ihre Mitzeugen bis heute immer noch ständig von Polizeibeamten bedroht und belästigt.

IST DIE RELIGIONSFREIHEIT NICHT ANERKANNT?

Aufgrund dieses Berichts über die religiöse Verfolgung in der Vereinigten Arabischen Republik mag jemand ohne weiteres annehmen, die Religionsfreiheit sei in der Verfassung dieses Landes nicht anerkannt. Das ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil, die Verfassung gewährleistet folgende Rechte:

Artikel 33: Die Wohnung ist unverletzlich. Es dürfen keine Durchsuchungen vorgenommen werden, außer in den im Gesetz angeführten Fällen und in der dort beschriebenen Form.

Artikel 34: Die Glaubensfreiheit ist gewährleistet. Der Staat schützt die Freiheit der üblichen Religions- und Glaubensausübung innerhalb der Schranken der öffentlichen Ordnung und Sittlichkeit.

Artikel 35: Die Meinungs- und Lehrfreiheit ist gewährleistet. Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern und sie innerhalb der Schranken des Gesetzes in Wort oder Schrift, in Bild oder in anderer Form zu veröffentlichen.

Artikel 36: Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung innerhalb der Schranken des Gesetzes ist gewährleistet.

Artikel 37: Alle Ägypter haben das Recht, sich ohne Anmeldung friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

Die Vereinigte Arabische Republik ist auch Mitglied der Vereinten Nationen und hat der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zugestimmt, die allen Menschen das Recht auf Gedanken-, Gewissens-, Rede- und Religionsfreiheit sowie das Recht, sich zu friedlichen Zwecken zu versammeln, einräumt.

Schützt die Vereinigte Arabische Republik tatsächlich die in ihrer Verfassung und in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verbürgten Freiheiten? Oder handelt es sich bei diesen Gewährleistungen nur um wohlklingende Versprechen? Werden Präsident Nasser und seine Regierungsbeamten für die verfassungsmäßig verbürgten Rechte religiöser Minderheiten eintreten? Oder werden sie sich weiter von der offensichtlich falschen Anschuldigung geistlicher Führer, Jehovas Zeugen seien politisch gefährliche Zionisten, beeinflussen lassen?

WAS DU TUN KANNST

Wenn du über die religiöse Verfolgung der Zeugen Jehovas in der Vereinigten Arabischen Republik entsetzt bist, kannst du Präsident Nasser und anderen führenden Persönlichkeiten schreiben, wie du darüber denkst. Manchmal wissen Männer in verantwortlichen Stellungen nicht, wie ungerecht und brutal einige ihrer Untergebenen vorgehen. Du kannst sie auch auf die Tätigkeit der Zeugen Jehovas in deinem Land hinweisen und darauf, daß diese öffentlich durchgeführt wird und keine politische Gefahr ist. Es ist dein Vorrecht, für diese Christen, die wegen ihres religiösen Glaubens in der Vereinigten Arabischen Republik gemein verleumdet und grausam verfolgt werden, einzutreten. Richte deinen Protest an:

Mr. Gamal Abdel Nasser

President of the United Arab Republic

Cairo, U.A.R.

Mr. Hussein El Shaffei

First Vice-President of the United Arab Republic

Cairo, U.A.R.

Mr. Diaeddin Mohamed Daoud

Minister of Social Affairs

Cairo, U.A.R.

Mr. Abdul Mohsen Abul Nur

Minister of Local Administration

Cairo, U.A.R.

Mr. Mahmoud Riad

Minister of Foreign Affairs

Ministry of Foreign Affairs

Cairo, U.A.R.

Mr. Shaarawy Mohamed Gomaa

Minister of the Interior

Ministry of the Interior

Cairo, U.A.R.

Mr. Mohamed Fayek

Minister of National Guidance

Ministry of National Guidance

Cairo, U.A.R.

Mr. Mohamed Abu Nosseir

Minister of Justice

Ministry of Justice

Cairo, U.A.R.

Dr. Sarwat Okasha

Minister of Culture

Ministry of Culture

Cairo, U.A.R.

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