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  • Der Bolekaja — Wagen der Marktfrauen
    Erwachet! 1972 | 22. Juni
    • Der Bolekaja — Wagen der Marktfrauen

      Vom „Awake!“-Korrespondenten in Nigeria

      IN Nigeria gibt es verschiedene Verkehrsmittel. In vielen Gebieten kommt man aber immer noch zu Fuß am sichersten ans Ziel — und gelegentlich auch am schnellsten und bequemsten. Gleich danach kommt der Bolekaja. Dieses Wort stammt aus der Sprache der Joruba und ist die Bezeichnung für ein Fahrzeug, das in Westafrika auch „Mammy-Wagen“ oder eben Wagen der Marktfrauen genannt wird.

      Der Bolekaja ist ein Kleinlastwagen, den man zu einem Omnibus umgebaut hat. In und um Lagos herum, der Hauptstadt Nigerias, wo ich seit fünfundzwanzig Jahren wohne, fahren immer noch viele Leute lieber mit diesem Fahrzeug als mit einem der vielen Stadtbusse und Taxis. „Warum wohl?“ magst du fragen.

      Gründe für die Beliebtheit

      Um mit dem Bus zu fahren, muß man zur Haltestelle gehen, und das mag gelegentlich ziemlich weit sein. Nimmt man den Bolekaja, braucht man das nicht zu tun. Er hält überall, um Fahrgäste zusteigen zu lassen.

      Auch muß der Bolekaja keine bestimmte Linie fahren, daher fährt er Abkürzungen, was während des Berufsverkehrs ein großer Vorteil sein kann. Die Arbeiter machen oft die Erfahrung, daß sie mit dem Bolekaja schneller an ihrer Arbeitsstelle sind als mit dem Stadtbus, der außerdem auch nicht so häufig fährt. Möchte also jemand rechtzeitig an einer bestimmten Stelle sein, bleibt ihm oft nichts anderes übrig, als den Bolekaja zu nehmen.

      Ferner hat der Bolekaja den Vorteil, daß man große Gepäckstücke gegen Entrichtung einer bestimmten Gebühr mitführen darf. In den anderen Bussen ist das nicht erlaubt. Da die Bolekajas zwischen den einzelnen Marktplätzen verkehren, werden sie vielfach von den Marktfrauen benutzt, die auch ihre Waren damit befördern. Das ist der Grund, warum dieses Verkehrsmittel auch „Mammy-Wagen“ oder Wagen der Marktfrauen genannt wird.

      Beschreibung und Betrieb

      Obwohl der Bolekaja weder attraktiv noch ein Luxusfahrzeug ist, hat er sich sogar in einer großen Stadt wie Lagos als das populärste Beförderungsmittel behauptet.

      Dieser Kleinomnibus ist mit Holzbänken ausgestattet. Auf beiden Seiten ist je eine Bank, und in der Mitte sind zwei Bänke Rücken an Rücken, so daß die Fahrgäste den Fahrgästen gegenübersitzen, die auf den Bänken an den Seiten Platz genommen haben. Unter den Bänken kann man das Gepäck verstauen.

      Das Dach ist aus Sperrholz und mit einer Plane bedeckt. Der obere Teil der beiden Seiten ist offen, so daß viel Luft hereinkommen kann. Der Einstieg ist hinten. In den letzten Jahren ist ein verbesserter Bolekaja herausgekommen, der Mauler (Knochenschüttler) genannt wird.

      Jeder Bolekaja hat einen Fahrer und einen Schaffner oder Lehrling, der die Aufgabe hat, hinten aufzupassen. Der Schaffner kann dem Fahrer das Zeichen geben, wenn er anhalten oder abfahren soll, indem er an einem Strick zieht, der mit einer Glocke verbunden ist, die im Fahrerhaus hängt. Wenn der Bus hält, damit Fahrgäste zusteigen können, legt der Schaffner einen Holzkeil unter die Räder. Dadurch wird verhindert, daß das Fahrzeug rückwärts rollt, denn auf die Bremsen kann man sich nicht immer verlassen.

      Der Schaffner sitzt oder steht auf den Stufen, je nachdem, wie voll der Bolekaja ist. Er hat viel zu tun, denn er paßt nicht nur hinten für den Fahrer auf, sondern beaufsichtigt auch die Fahrgäste und kassiert das Fahrgeld. Das ist keine leichte Aufgabe, denn manchmal muß er sich von widerspenstigen Fahrgästen das Fahrgeld erkämpfen. Wegen der häufigen Wortgefechte, zu denen es dabei kommt, führt dieses Verkehrsmittel die Bezeichnung Bolekaja, was bedeutet „Wir wollen es miteinander ausfechten“.

      Natürlich steht die Bezeichnung Bolekaja nicht auf dem Bus. Das ist nur der Spitzname, den er von den Fahrgästen erhalten hat. Alle, die in größeren Ortschaften an der Westküste Afrikas wohnen, sind mit diesem Beförderungsmittel gut vertraut. Auf den Bolekajas und Maulers stehen oft Schlagworte geschrieben wie „Der Mensch denkt, Gott lenkt“, „Mit dem Himmel gibt es keine Telefonverbindung“, „Die Furcht Gottes“, „Kein Geld, keinen Freund“, „Einfachheit ist ein Talent“ usw.

      Von Rechts wegen darf ein Bolekaja 39 Personen befördern, einschließlich Fahrer und Schaffner. Aber der Schaffner preßt so viele Fahrgäste in den Wagen, bis sie wie die Heringe stehen. Es kommt nicht selten vor, daß 45 bis 50 Fahrgäste hineingepfercht werden. In der Stadt beträgt die Geschwindigkeitsbegrenzung 55 km/st, aber nicht selten fährt der Bolekaja 80 bis 95 km/st!

      Häufig läßt auch die Wartung der Bolekajas zu wünschen übrig; nicht nur die Bremsen funktionieren schlecht, sondern manchmal langt das Benzin nicht für eine ganze Fahrt. Wenn die Bremsen versagen, versuchen Schaffner und Fahrer den Schaden an Ort und Stelle zu beheben und lassen die Fahrgäste warten. Ein Fahrgast, der ein anderes Verkehrsmittel benutzen möchte, erhält sein Fahrgeld nicht zurück. Das ist häufig die Ursache, warum es Streit gibt.

      Langjährige Erfahrung damit

      In den vergangenen fünfundzwanzig Jahren bin ich oft mit dem Bolekaja gefahren. Im Jahre 1956 mußte ich aus Lagos weg und in einen Vorort ziehen, der etwa 15 Kilometer von meinem Büro entfernt liegt. Damals verkehrte nur der Bolekaja zwischen diesem kleinen Dorf und Lagos. Um fünf Uhr morgens fuhr der erste Bus weg. Das Dröhnen des Fahrzeugs und das Schreien der Schaffner weckte die Leute, die an der Straße wohnten.

      Etwa um sechs Uhr verließ ich das Haus und ging die paar Minuten bis zur Haltestelle. Ich ging jeweils zur Haltestelle, weil es dann leichter war, auszurechnen, wieviel die Fahrt bis zur letzten Station in Lagos kostete. Die Fahrgäste, die zwischen zwei Haltestellen zustiegen, mußten bezahlen, was der Schaffner errechnete; und Meinungsverschiedenheiten über den Fahrpreis führten häufig zu Streitereien. Eine Fahrt mit dem Bolekaja ist mir noch besonders gut im Gedächtnis.

      Eine Fahrt zur Arbeit

      Es war an einem Montagmorgen. Ich wachte sehr spät auf und rannte, so schnell ich konnte, zur Haltestelle. Dort stand nur ein Bolekaja. Der Fahrer saß auf dem Sitz und hatte schon den Motor eingeschaltet; der Bus war, wie üblich, voll besetzt. Ich hätte keinen Versuch gemacht einzusteigen, hätte nicht der Schaffner, der auf der Stufe des Fahrzeuges saß, mich dazu aufgefordert.

      Ich trat mit einem Fuß auf die Stufe, hielt mich mit der einen Hand an der Holztür fest — in der anderen Hand trug ich die Aktentasche — und spähte in den Wagen, um zu sehen, ob ich noch Platz hätte. In diesem Augenblick gab der Fahrer Gas und fuhr los. Bis ich merkte, daß im Wagen kein Platz mehr war, fuhr der Bus bereits mit 80 bis 95 km/st auf der holprigen Straße dahin!

      Meine Krawatte flatterte im Fahrtwind, und meine Jacke, die ich nicht zugeknöpft hatte, wurde zur Seite geweht. Doch dem Schaffner war das offenbar gleichgültig. Er verlangte, daß ich mein Fahrgeld zahlte, obschon er nach meiner Meinung sehen mußte, daß ich zu Tode stürzen würde, ließe ich die Tür los. Ich sagte aber vorsichtshalber nichts, was einen Streit hätte hervorrufen können. Ich betete im stillen, daß ich nicht vom Bus stürzen möge. Nach einigen Kilometern hielt der Bus, weil einige Fahrgäste aussteigen mußten; so bekam ich einen Sitzplatz und konnte mein Fahrgeld bezahlen.

      Ein Fahrgast, der zugestiegen war und mir gegenüber Platz genommen hatte, wurde ebenfalls aufgefordert zu bezahlen. Er sagte jedoch entschieden, er zahle erst, bevor er aussteige. Ich weiß nicht, warum er sich weigerte zu bezahlen, aber vielleicht war er vor kurzem in einem Bolekaja gefahren, der auf der Strecke liegengeblieben war, so daß er sein Geld, das er ja nicht mehr zurückerhielt, zum Teil umsonst bezahlt hatte.

      Doch der Schaffner beharrte darauf, daß er sofort sein Fahrgeld entrichte. Nachdem sie sich gegenseitig mit einigen wenig schmeichelhaften Worten bedacht hatten, wurden sie handgemein, worauf einige der Fahrgäste Partei ergriffen. Kurz darauf hielt der Fahrer an und mischte sich in den Handel ein. Er forderte den Fahrgast auf zu bezahlen und sagte, wenn er nicht bezahle, werde er an die Luft gesetzt. Der Fahrer und der Schaffner versuchten, den Fahrgast ins Freie zu schieben; nun geschah das Übliche. Es kam zu einer Schlägerei. Alle Fahrgäste mußten warten, während Passanten versuchten, den Streit zu schlichten. Der Fahrgast bezahlte schließlich das Fahrgeld, worauf die Fahrt weiterging. Ich kam jedoch an jenem Tag eine Stunde zu spät zur Arbeit.

      Vor einiger Zeit wurde eine neue Bestimmung erlassen, nach der Bolekajas und Maulers nur noch bis zur Stadtgrenze von Lagos fahren dürfen, weil die Straße, die über die Brücke führt, immer verstopft ist und wegen des Berufsverkehrs in den frühen Morgenstunden. Aber niemand nahm das Verbot ernst, und es wurde auch nie durchgesetzt.

      Solltest du einmal westafrikanische Länder, besonders Nigeria, bereisen, so wirst du bestimmt Bekanntschaft mit dem Bolekaja und dem Mauler machen. Solange es im Land Arme gibt und andere Verkehrsmittel unzureichend sind, wird Bolekaja und Mauler zweifellos weiterhin ein gutes Geschäft sein.

  • Wer war Kains Frau?
    Erwachet! 1972 | 22. Juni
    • Wer war Kains Frau?

      ✔ In der Bibel wird berichtet, daß Kain, nachdem er seinen Bruder Abel getötet hatte, „im Lande der Flüchtlingschaft, östlich von Eden“, wohnte. Und dann heißt es in dem Bericht weiter: „Danach hatte Kain mit seiner Frau Verkehr, und sie wurde schwanger.“ (1. Mose 4:16, 17) Viele Personen, die diesen Bericht lesen, fragen sich, woher Kain seine Frau hatte und wer sie war. Weißt du es?

      Eine junge verheiratete Dänin war bereit, mit einem Prediger der Zeugen Jehovas regelmäßig in ihrer Wohnung die Bibel zu studieren. Ihr Mann sagte, er sei nicht interessiert; daher saß er jeweils still auf der anderen Seite des Zimmers. Es dauerte indessen nicht lange, da stellte er die Frage: „Woher nahm Kain seine Frau?“

      Der Prediger machte auf 1. Mose 5:4 aufmerksam, einen Text, aus dem hervorgeht, daß Adam und Eva Töchter hatten, die im Bibelbericht allerdings nicht mit Namen erwähnt werden. Da Adam und Eva die ersten Menschen waren, die Gott schuf, und da Eva die Mutter aller Lebenden wurde, mußte Kain offensichtlich eine seiner Schwestern, eine der Töchter Adams und Evas, geheiratet haben. (1. Mose 3:20) Diese einfache Erklärung der Bibel überraschte den Mann. Er rief aus: „Ich bin fast acht Jahre beim Militär gewesen und habe vielen Militärgeistlichen diese Frage gestellt. Keiner konnte sie mir beantworten!“ Darauf erklärte er sich bereit, sich am Bibelstudium zu beteiligen; und er hat seither gute Fortschritte gemacht.

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