Bericht aus Nigeria
Kreisversammlung in Ekritam
ALS der Kreisdiener an die Dorfhäuptlinge wegen der Abhaltung einer Versammlung in Ekritam herantrat, lehnten sie ihre Hilfe glattweg ab. Somit wurden Vorkehrungen getroffen, eine Hütte auf dem Eigentum eines Zeugen Jehovas zu errichten, das an das Gelände der schottischen Missionskirche angrenzt. Als die Dorfeinwohner zusahen, wie die Zeugen ernsthaft eine Hütte bauten, protestierten sie gegen die Maßnahme der Häuptlinge. Am Sonnabend wurden die Zeugen eingeladen, die Häuptlinge in der Kirche zu treffen. Sie hatten ihre Meinung geändert. Es wäre nicht recht, Fremden das Willkommen zu verweigern. So baten sie die Zeugen, mit der Hütte auf schottischen Missionsgrund umzuziehen. Die Bautätigkeit wurde verlegt.
Der Sonntag kam und die Arbeit war in vollem Schwung. Der Hauptälteste der Kirche jedoch begann, Schwierigkeiten zu machen. Am Dienstag kam der Bezirksdiener an, und es brauchten nur noch die Sitzgelegenheiten aufgestellt zu werden. Als die Zeugen an jenem Abend von einem öffentlichen Vortrag zurückkehrten, gab man ihnen eine Vorladung zum Eingeborenengericht. Die Zeugen wurden beschuldigt, schottisches Missionseigentum betreten zu haben. Man verlangte £ 25 (DM 294) als Schadenersatz und erließ die gerichtliche Verfügung, daß die Zeugen die Hütte nicht benutzen dürften. Vor Gericht stritt der Kirchenälteste ab, jemals die Erlaubnis gegeben zu haben. Dann wurde vertagt.
Was konnte da getan werden? Eine andere Hütte bauen! Zurück zum alten Platz. Mit Eifer und Tatkraft wuchs eine neue Hütte an einem Tage aus der Erde heraus. Der Kirchenälteste war überwältigt. Von allen Seiten kamen die Dorfbewohner und ermunterten und ermutigten die Zeugen bei ihrer Arbeit. Ankommende Versammlungsbesucher beteiligten sich sofort freiwillig. Am Freitag morgen ging es zum Gericht zurück. Das Gericht aber mußte erst das Missionseigentum besichtigen. Weitere Vertagung! In jener Woche starben dann acht Menschen im Dorf, und die Häuptlinge wurden sehr unruhig. Ganz verrückt gemacht, kam der gegnerische Älteste mit einer neuen Klage wegen Friedensstörung am Sonntag.
Bis fünf Uhr war jeder Platz eingenommen. 1054 Personen waren aus einem Kreis mit einer Höchstzahl von 783 Verkündigern gegenwärtig. Das Dorf war in seinen Grundfesten erschüttert. Gegenüber stand die leere Hütte als stummer Zeuge für religiöse Unduldsamkeit. Am Sonnabend abend waren über tausend Personen bei der Kreistätigkeitsversammlung zugegen. Sonntag wurden 103 getauft, und bis zur Abendversammlung war die Zuhörerschaft auf 1350 angestiegen.
Schließlich wurde der Fall geklärt, und die Zeugen wurden verurteilt, £ 5 wegen Ruhestörung zu bezahlen. Noch mehr Leute starben im Dorf, und die Häuptlinge wurden von Schrecken ergriffen. Die £ 5 wurden gebracht, aber der Gerichtsschreiber wollte sie nicht berühren. Auf zu den Häuptlingen, um an sie zu bezahlen! Aber nein, auch sie wollten das Geld nicht anfassen. Sie bebten vor Furcht, daß ein schreckliches Unheil über das Dorf kommen könnte, wenn sie das Geld nähmen. Noch heute, drei Monate später, ist das Geld in den Händen des Kreisdieners.
Katholischer „Vater“ mit Geheul aus der Stadt gejagt
Als wir in Adagbrasa ankamen, um die Versammlung zu besuchen, hörte ich, daß der katholische „Vater“ Löcher in die Straße von dort nach Warri gegraben hatte. Er wollte etwas Strategie anwenden, den Katholizismus zusammenzuhalten, bevor der Sturm einiger Hundert Zeugen losbrechen würde, die das „Schwert des Geistes“ schwingen. Katholiken wurden gewarnt, von meiner Wohnung fernzubleiben, sich nicht dem Versammlungsplatz zu nähern oder es zu wagen, mit einem Zeugen zu sprechen. Am Abend machten der Direktor und der Lehrer der katholischen Schule Polizeistreife, um zu sehen, ob einer der katholischen Jungen ungehorsam wäre.
Am nächsten Morgen kam der „Vater“ in das Dorf zurück. Am Abend, gerade während einer schönen Dienstversammlung, offenbarte sich die Strategie des „Vaters“. Haufen katholischer Strolche stürzten aus den Büschen hervor, die um die Versammlung herum waren, und schlugen auf Trommeln, schrien und machten soviel Lärm, daß die Sprecher nicht mehr gehört werden konnten. Aber das wirkte wie ein Bumerang. Die Dorfältesten und andere Leute, die anwesend waren, erhoben sich mit Entrüstung und trieben die Strolche aus Wut mit Hieben weg und schreckten sie damit, das ganze katholische Viertel niederzureißen und den Katholizismus aus dem Ort zu jagen. Am Sonnabend morgen machten die Häuptlinge im ganzen Dorf bekannt: „Jehovas Zeugen sind nicht zu stören. Jeder, der sie belästigt, wird empfindlich bestraft und zu fünf Schilling und einer Flasche Gin verurteilt werden.“
Am Spätnachmittag kam der „Vater“ niedergeschlagen wieder in das Dorf, um furchtvoll und verzweifelt seine Religion zusammenzuhalten. Zu dieser Zeit war das Dorf vereinten Herzens für Jehovas Zeugen. Am folgenden Nachmittag war es dem „Vater“ so heiß geworden, daß er es nicht mehr länger aushielt. Als er sich heimlich aus dem Dorf schleichen wollte, stellten sich die Einwohner in einer Reihe auf und stimmten ein Geheul an.