-
Der Platz der Versammlung in der wahren AnbetungDer Wachtturm 1961 | 15. Mai
-
-
Der Platz der Versammlung in der wahren Anbetung
„Diese Dinge schreibe ich dir … damit du weißt, wie du dich im Hause Gottes verhalten mußt, das die Versammlung des lebendigen Gottes ist, eine Säule und Stütze der Wahrheit.“ — 1. Tim. 3:14, 15, NW.
1. Durch welche Entwicklung in organisatorischer Hinsicht, die besonders in unserem zwanzigsten Jahrhundert zu Tage tritt, ist die Anbetung Jehovas in den Vordergrund gerückt worden?
DIE Generation des zwanzigsten Jahrhunderts ist Zeuge der Entwicklung von Organisationen nationalen und internationalen Umfangs gewesen, die es in dieser Form noch nie zuvor gab. Organisationen suchen als Vertreter verschiedener Interessen der Geschäftswelt, der Arbeiterschaft, des Bauernstandes, der Konsumenten, der politischen und religiösen Gruppen ihre Kräfte zu vereinen, um auf das Leben der Menschen einen größeren Einfluß ausüben zu können. Unter diesen allen ist eine schnell zunehmende dynamische Gesellschaft christlicher Männer und Frauen hervorgetreten, die nur e i n Ziel verfolgt: von dem Namen, den göttlichen Eigenschaften und dem Vorhaben des Schöpfers, Jehovas Gottes, Zeugnis abzulegen. Die Zahl der Glieder dieser Gesellschaft, die als die Neue-Welt-Gesellschaft der Zeugen Jehovas bekannt ist, nähert sich eilends der Millionengrenze, doch ist nicht ihre Größe oder Zahl das Eindrucksvolle an ihr. Diese Gesellschaft vertritt Männer und Frauen aus allen Ländern und von allen nationalen, rassischen, wirtschaftlichen und anderen Gruppen, die in mindestens 179 Ländern leben und in der Lehre, im Glauben, im Wandel und in ihrer Loyalität gegenüber Jehova und seinem regierenden König, Christus Jesus, geeint sind.
2. Gegen welchen der drei Faktoren, die Jehovas Zeugen einigen, wird manchmal Einspruch erhoben? Aus welchen Gründen?
2 All dies ist ein Beweis der einigenden Kraft des heiligen Geistes und des Wortes Gottes. Wer Jehovas Zeugen kennt, begreift aber auch, daß zu dieser Einheit ein weiterer sehr wichtiger Faktor beigetragen hat, nämlich Organisation. Ihre umfassende Organisation zeigt sich in der Art, wie Jehovas Zeugen ihr Predigtwerk vereint durchführen, große Kongresse veranstalten und in ihren 21 008 Versammlungen in der ganzen Welt an ihren Wandel dieselben Maßstäbe anlegen. Manchmal werden die Leute etwas argwöhnisch, wenn sie sehen, daß eine mächtige Organisation mit der geistlichen Anbetung Gottes verbunden wird. Bisweilen hört man zum Beispiel den Einwand, daß die Gefahr bestehe, überorganisiert zu werden oder einer Organisation statt Gott zu dienen oder diese zu verehren. Einige fragen: „Wird eine ausgedehnte Organisation nicht die Tendenz haben, den freien Fluß des Geistes Gottes und die spontane Äußerung der Liebe unter Gott hingegebenen Christen zu dämpfen?“
3. (a) Weshalb organisierte Jesus nicht eine Versammlung, als er auf Erden war? (b) Wieso wissen wir, daß es Gottes Vorhaben war, daß er eine Versammlung aufbaute?
3 Weil die Versammlung Gottes heute mit der Anbetung Jehovas so sehr verbunden ist, ist es sehr wichtig, daß wir die Antworten auf solche Fragen über die Versammlung in der Bibel zu finden suchen. Man tut gut, den Bibelbericht über die Christenversammlung der Tage der Apostel näher ins Auge zu fassen. Allerdings stimmt das Argument einiger, daß Jesus zur Zeit seines Erdenlebens nicht eine Organisation oder Versammlung aufbaute; aber das bedeutet nicht, daß die Christenversammlung das Produkt einer menschlichen Idee der Apostel gewesen wäre. Jesus wurde unter einem System der Dinge geboren, das von seinem himmlischen Vater durch Mose aufgerichtet worden war. Dieses war immer noch in Kraft, und hätte er eine andere Organisation herangebildet, so wäre er ein Zerstreuer gewesen. Aber Jesus kam, um das Gesetz zu erfüllen, indem er sein eigenes Lebensblut dahingab und dadurch die Grundlage legte, auf der Gott ein neues System der Dinge errichten konnte, das sich auf einen neuen Bund stützte. Mit diesem Gedanken im Sinn sagte Jesus, er werde eine Versammlung auf sich, dem Eckstein, aufbauen. — Matth. 5:17; 16:18; Heb. 8:6, 10-13.
4. Welcher Rat, den Jesus seinen Aposteln gab, deutet darauf hin, daß es unter ihnen eine organisierte Einrichtung geben würde?
4 An diese Versammlung denkend, benutzte Jesus einen Anlaß, um seine Apostel den Grundsatz organisatorischer Führerschaft oder der Aufsicht zu lehren, der Geltung haben würde. Als Jakobus und Johannes um die höchsten Stellungen im Königreich baten, in denen sie Jesus am nächsten zu sein hofften, erwiderte er: „Ihr wißt, daß jene, die über die Nationen zu regieren scheinen, über sie herrschen [sich als Herren benehmen, Me], und ihre Großen üben über sie Gewalt aus. Das ist bei euch nicht so angeordnet, sondern wer immer bei euch groß werden will, soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, muß der Sklave aller sein.“ (Mark. 10:42-44, NW) Das bedeutet nicht, daß es keine Organisation geben sollte, sondern eher, daß bei Jesu Nachfolgern die Anordnung für eine Organisation von Jehova selbst festgelegt würde. — Matth. 5:45, 48.
5. Was war in der Verantwortung inbegriffen, die Jesus den Aposteln, gemäß Matthäus 28:19, 20 und Johannes 21:15-17, gab?
5 Kurz vor seiner Himmelfahrt gebot Jesus seinen Jüngern, hinzugehen und Menschen aus allen Nationen zu Jüngern zu machen, indem sie sie alle Dinge lehren sollten, die er ihnen geboten hatte. (Matth. 28:19, 20, NW) Das schloß ein, daß diese Menschen das herrschende Organisationsprinzip und auch die Notwendigkeit, wie Zweige an einem Weinstock in Einheit mit Christus zu sein, gelehrt werden sollte. (Joh. 15:4-7; 17:20, 21) Jesus zeigte ferner, daß die Apostel, die er belehrte und durch Wort und Beispiel schulte, die bestimmte Pflicht hätten, über das geistliche Wachstum anderer, die auf ihre Lehre hören und sie annehmen würden, zu wachen und sie zu lehren. Man sollte ihnen nicht einfach einige Lehren beibringen und sie dann als unabhängige Gläubige sich selbst überlassen, sondern sollte sie zur Einheit, zu einer Versammlung zusammenbringen, wie Schafe in eine Hürde. Jesus setzte die Apostel zu Hirten ein, wenn er gebot: „Weide meine jungen Lämmer“, „Hüte meine Schäflein“ und „Weide meine Schäflein“. Damit machte er die Apostel in hohem Maße für die Betreuung all derer verantwortlich, die eingesammelt würden. — Joh. 10:1-17; 21:15-17, NW.
DIE VERSAMMLUNG NIMMT GESTALT AN
6, 7. Wie begann die erste Versammlung nach Pfingsten Gestalt anzunehmen, und auf welche Weise wurde sie sorglich gehütet oder beaufsichtigt?
6 Die Tatsache, daß sie Jünger in die Gemeinschaft mit ihnen einsammeln sollten, zeigte sich einige Tage später, zu Pfingsten. Nachdem die neue Versammlung den heiligen Geist als Beweis dafür empfangen hatte, daß sie gegründet worden war, predigten die Apostel vielen Personen und versammelten auch sie. Die ersten dreitausend Gläubigen nahmen nicht bloß eine neue Lehre an und zogen dann ihres Wegs. Sie mußten zusammenbleiben, um aus der Aufsicht der Apostel Nutzen zu ziehen. Wir lesen: „Und sie widmeten sich fortgesetzt der Lehre der Apostel und der Gemeinschaft, den Mahlzeiten und Gebeten.“ — Apg. 2:42, NW.
7 Während die Apostel und andere christliche Gläubige predigten, wurde die Botschaft in viele Länder getragen, und Tausende von Menschen wurden eingesammelt. Wo immer sie waren — in Jerusalem, in den Gebieten von Judäa und Samaria, in Kleinasien, Griechenland, Rom oder an anderen Orten —, verbanden sie sich mit ihren Mitgläubigen und wurden „Ekklesias“ oder Versammlungen. (Apg. 8:1; 11:22; 13:1; 14:23, 26, 27; 16:5; Röm. 16:5; Kol. 4:16; 1. Thess. 1:1; Philem. 2) Die Apostel wußten, daß sie als Hirten diese rasch wachsende Herde nicht allein betreuen konnten; daher schulten sie reife, geeignete Männer, die in der Lehre gut bewandert waren, und setzten sie als Unterhirten, als Aufseher und Dienstamtgehilfen ein, damit sie sich der geistigen Bedürfnisse aller Glieder in den Versammlungen annähmen. Beachten wir, daß zum Beispiel die Versammlung in Antiochien die Dienstleistungen von „Propheten und Lehrern“ erhielt. (Apg. 13:1; 14:23; Tit. 1:5-9; Phil. 1:1) Da die Apostel und die älteren Männer in Jerusalem im Dienste Jehovas die reifsten und erfahrensten waren und von Jesus Vollmacht empfangen hatten, als Hirten zu dienen, war es logisch, daß sie die leitende Körperschaft für alle neuen Versammlungen wurden, und die Erfahrungen, die man in der Versammlung Jerusalem gemacht hatte, konnten gut als Muster oder Beispiel für die anderen dienen. — Apg. 8:14-17; 16:4, 5; 1. Thess. 2:14; 1:6, 7; Heb. 6:12.
8, 9. (a) Als was betrachteten die Apostel Petrus und Paulus die Versammlung? (b) Was sollte, gemäß Hebräer 13:7, 17, die Einstellung aller in der Versammlung gegenüber den Aufsehern sein?
8 Alle Versammlungen in Judäa und Samaria sowie die später in Kleinasien, Griechenland, Rom, Babylon und anderswo gegründeten bildeten in Wirklichkeit die e i n e Versammlung Gottes. (Apg. 9:31) Es war dies eine organisierte Einrichtung, die durch Gottes Geist aufgebaut wurde. Weit davon entfernt, sie für eine menschliche Organisation zu halten, nannte Petrus sie die „Herde Gottes“, und die älteren Männer wurden angespornt, diese Herde fleißig zu „hüten“. Der Apostel Paulus hob den Gedanken hervor, daß dies Gottes Einrichtung sei, als er zu den Aufsehern von Ephesus sagte: „Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der heilige Geist euch zu Aufsehern ernannt hat, damit ihr die Versammlung Gottes hütet.“ Die Versammlung war Gottes Versammlung, und die Aufseher waren dafür verantwortlich, die ihnen Anvertrauten zu lehren, zu schulen und die Aufsicht über sie zu führen. — 1. Pet. 5:1-4; Apg. 20:28, NW; Tit. 1:9; 2:15.
9 Alle Glieder der Versammlungen sollten diese Hütereinrichtung als eine von Gott kommende respektieren und sich ihr unterziehen. Der Apostel Paulus schrieb an die Hebräer: „Gehorcht denen, die euch leiten, und seid unterwürfig, denn sie wachen über eure Seelen als solche, die Rechenschaft ablegen werden, damit sie dies mit Freude und nicht mit Seufzen tun; denn das wäre euch zum Schaden.“ Niemand konnte also mit Recht den Rat oder die Züchtigung, die von einem Aufseher kam, mit den Worten zurückweisen: „Ich diene Gott. Ich bin dir gegenüber nicht verantwortlich, noch hast du mir gegenüber irgendwelche Verantwortung.“ Die Aufseher mußten Rechenschaft ablegen, und um der Versammlung willen sollten sie dies mit Freuden tun. Irgendein anderer Bericht über unabhängig denkende, selbstsüchtige Missetäter würde diesen zum Schaden sein. — 1. Pet. 2:13, 14; Heb. 13:7, 17, NW.
10, 11. (a) Welche Beweise zeigen, daß die sichtbare, irdische Versammlung „Gottes Haus“ war? (b) Welche Wichtigkeit maß Paulus der Versammlung hinsichtlich der Wahrheit bei?
10 In jenen frühen Tagen mögen einige wie folgt argumentiert haben: „Die Versammlung ist nicht so wichtig, wie das Wort und der Geist es sind. Ich werde diesen beiden folgen, erachte es aber nicht für notwendig, mich mit einer Versammlung zu verbinden oder mich einer Organisation unterzuordnen.“ Andere mögen argumentiert haben, die wahre Versammlung Gottes sei eine unsichtbare, geistige Gemeinschaft und brauche sich nicht durch eine sichtbare Versammlung kundzugeben. Aber als der Apostel Paulus an Timotheus über die Einsetzung von Aufsehern in der Versammlung schrieb und bestimmt von der sichtbaren Versammlungseinrichtung auf Erden und nicht von einer himmlischen, geistigen Einrichtung sprach, fügte er bei: „Diese Dinge schreibe ich dir …, damit du weißt, wie du dich im Hause [unter den Hausgenossen] Gottes verhalten mußt, das die Versammlung des lebendigen Gottes ist, eine Säule und Stütze der Wahrheit.“ Ja, diese irdische, sichtbare Versammlung wurde „Haus Gottes“, die „Versammlung des lebendigen Gottes“ genannt, und, weit davon entfernt, von untergeordneter Bedeutung zu sein, war sie eine „Säule und Stütze der Wahrheit“. — 1. Tim. 3:1-15; Heb. 3:4, 6, NW.
11 Nicht die einzelnen Versammlungen, sondern die kollektive Versammlung der Nachfolger Christi wurde mit einem menschlichen Körper verglichen, der viele Glieder hat, die miteinander zusammenarbeiten müssen. In der sichtbaren Versammlung mußten die Christen die Zusammenarbeit miteinander lernen. (1. Kor. 12:4-30) Von einer sichtbaren Versammlung schrieb Paulus, als er sagte: „Gott hat die Betreffenden in der Versammlung eingesetzt“, denn darauf erwähnt er Apostel, Propheten, Lehrer, Gaben der Heilung, verschiedene Sprachen usw., die alle mit dem Dienst und den Werken der Versammlung auf Erden zu tun haben und sich nicht auf einen geistlichen oder himmlischen Zustand beziehen. — 1. Kor. 12:18, 28, NW.
DER ZWECK DER VERSAMMLUNG
12. In welchem Sinne sollten die ersten Christen Fremdlinge sein und in welchem Sinne eine organisierte Gruppe?
12 Welchem Zweck sollte die Versammlung dienen? Dem Zweck, alle Gläubigen zu schulen und zu einigen. Die Christen sollten nicht eine große, unerkennbare, unverbundene Menschengruppe sein, von der jeder seine eigenen Ideen und seine eigene Meinung hinsichtlich der Frage hätte, wem er Untertanentreue schulde; sie sollten sich von dieser Welt abgesondert halten, doch nicht wie zerstreute Fremdlinge in einem fremden Lande wohnen. Obwohl die Christen wie Fremde und in dieser alten Welt zeitweilig Ansässige wären, sollten sie doch wie „lebendige Steine“ sein, „aufgebaut“ zu einem geistigen Hause, „eine heilige Nation, ein Volk zum besonderen Besitztum“. In anderen Worten: sie mußten eingesammelt und zusammengefügt werden, damit sie — auf ganz greifbare Weise — als Gruppe, als Versammlung Anbetung darbringen konnten. — 1. Pet. 2:5-11, NW.
13. Wie deuten drei Bilder, die der Apostel Paulus in seinem Brief an die Epheser gebraucht, darauf hin, daß Christen offensichtlich geeint sein sollten?
13 Ein ähnliches Bild von der Versammlungseinrichtung wurde von Paulus gebraucht, als er erklärte, daß sowohl Israeliten als auch Nichtisraeliten in Christus vereint werden würden, indem sie eine Einheit bildeten und gemeinsame Ziele und Pflichten hätten und von gleicher Bürgerschaft wären. „Gewiß seid ihr daher nicht mehr Fremde und zeitweilig Ansässige, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, und ihr seid aufgebaut worden auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst der Grundeckstein ist. In Einheit mit ihm wächst der ganze Bau, harmonisch zusammengefügt, zu einem heiligen Tempel für Jehova.“ (Eph. 2:19-21, NW) Hier gebraucht Paulus drei verschiedene Bilder von Personen oder Dingen, die zur Einheit organisiert worden sind, damit sie einen gemeinsamen Zweck erfüllen. Erstens erwähnt er „Mitbürger der Heiligen“, was zeigt, daß sie zusammen gewisse Rechte, Vorrechte und Pflichten haben, die ihnen durch die gleiche Bürgerschaft erwachsen. Mit dem Bilde „Hausgenossen Gottes“ zeigt Paulus, auf welche Weise alle gläubigen Christen zu einer Familieneinheit organisiert waren. In jedem Haushalt besteht eine ganz bestimmte Einrichtung der Dinge, und alle müssen das Familienhaupt respektieren und den Maßstäben des Hauses entsprechend leben. Sie ferner mit Bausteinen vergleichend, die, „harmonisch zusammengefügt“, zusammen „aufgebaut“ worden sind, zeigt Paulus die Notwendigkeit einer Versammlung. Im Rahmen der Versammlung könnten diese „Steine“ geformt, poliert und für ihren Zweck geeignet gemacht werden. Nur wenn sie als eine Körperschaft in der Versammlung vereint wären, also nicht, wenn sie sich abzusondern suchten, könnten sie Gottes Tempel sein und zur Förderung der wahren Anbetung dienen, während sie für künftige Aufgaben in der himmlischen Königreichsorganisation geschult würden. — 1. Kor. 3:16, 17; 6:19; 2. Kor. 6:16.
14. Wie konnte die Versammlung die Weisheit Gottes kundtun, wie dies in Epheser 3:10, 11 erwähnt wird?
14 So sollten denn die gesalbten Christen im ersten Jahrhundert Versammler, nicht Zerstreuer sein, die versucht hätten, unabhängig voneinander Gott zu dienen. Da sich Gottes himmlische Einrichtung durch Ordnung und Harmonie auszeichnete, mußte sicherlich die aus den Menschen herausgerufene Gruppe der Diener Gottes auf Erden die gleiche Harmonie an den Tag legen. Wenn die so verschiedenartige Weisheit Gottes durch die Versammlung bekanntgemacht werden sollte, mußte diese Versammlung harmonisch organisiert sein, und ihre Glieder durften sich nicht voneinander absondern, um ihren eigenen Interessen nachzugehen. — 1. Kor. 14:33, 40; Eph. 3:10, 11, NW.
15. Worin bestanden die „Gaben“, die die Versammlung erhielt, und was war deren Zweck?
15 Ein deutliches Bild von der Versammlungsorganisation, die durch Gottes Geist aufgerichtet wurde, und ihrem Zweck wird uns im vierten Kapitel des Briefes gegeben, den Paulus an die Epheser schrieb. Zuerst zeigt Paulus die Pflichten, die jeder gesalbte Christ anderen Gliedern einer Gruppe gegenüber hatte, nämlich: „einander in Liebe“ zu ertragen, sich „ernstlich bemühend, die Einheit des Geistes … zu wahren“. Dann erwähnt er, von Vers 11 an, die organisatorische Vorkehrung hierfür, nämlich die Versammlung mit ihren verschiedenen Aufgaben der Beaufsichtigung und des Lehrens, die sie als Gaben von Christus empfangen hat. „Und er gab einige [Gaben] als Apostel, einige als Propheten, einige als Missionare, einige als Hirten und Lehrer, im Hinblick auf die Schulung der Heiligen für das Dienstwerk, für den Aufbau des Leibes des Christus, bis wir alle hingelangen zu der Einheit im Glauben und zu der genauen Erkenntnis des Sohnes Gottes.“ Dadurch, daß sie mit dem Geiste gesalbt wurden, wurden diese Christen nicht ohne weiteres, wie durch ein augenblickliches Wunder, umgewandelt. Statt dessen führte der Geist sie zur Versammlung, wo sie mit Hilfe des Geistes, des Wortes und der Organisationsvorkehrungen eines Sinnes und für das Dienstwerk geschult werden sollten. — Eph. 4:11-16; 1. Kor. 1:10, NW.
16. Wie half die Versammlung mit, die einzelnen Glieder in Liebe heranzubilden?
16 Dadurch, daß die Gesalbten in der Versammlung Gemeinschaft pflegten, wirkten sie segensreich und empfingen ihrerseits Segen. Hier waren sie öffentlich „harmonisch zusammengefügt“, also nicht bloß in unsichtbarer geistiger Weise. In der Versammlung wurden sie veranlaßt, durch „jedes Gelenk, das das Erforderliche leistet, … gemäß der Funktion jedes einzelnen Gliedes in gebührendem Maße“ mitzuwirken, was „zum Wachstum des Leibes und zu seiner Auferbauung in Liebe“ führte. Die Versammlungsorganisation unterdrückte die Äußerungen der Liebe nicht, noch dämpfte sie diese, noch machte sie sie durch Vorschriften zu etwas bloß Mechanischem, sondern sie schulte und erbaute vielmehr alle in Liebe auf und gab ihnen Gelegenheit, Liebe zu pflegen. — Eph. 4:16; 2. Thess. 1:1-3; Röm. 1:9-13, NW.
DIE VERSAMMLUNG — EINE LEHRORGANISATION
17. Wie sollte die Versammlung auf Einheitlichkeit in der Lehre hinwirken, und inwiefern war dies segensreich?
17 Die Versammlung diente nicht nur dazu, ihre Glieder in der Liebe aufzuerbauen, sondern sie einigte sie auch in ihrer Denkweise und in ihrem Verständnis der Heiligen Schrift. Einige Epheser mögen sich beklagt haben, diese Einrichtung hemme das individuelle und unabhängige Denken und zwinge sie, nur die Gedanken der Apostel anzunehmen, statt frei und unabhängig ihre eigene Auffassung von den verschiedenen Dingen entwickeln zu können. Doch beschränkte diese Einrichtung die Reichweite des Verständnisses der Versammlung nicht auf den engen Standpunkt von nur ein oder zwei Personen. Sie schützte sie vielmehr davor, „jedem Winde der Lehre“ und der „Betrügerei der Menschen“ unterworfen zu werden. Treue Christen betrachteten dies nicht als Taktik einer Art von „Gehirnwäsche“. Sie waren aus der Welt herausgekommen und wollten ihre alte Persönlichkeit ablegen und die neue Persönlichkeit anziehen, die nach Gottes Willen geschaffen wurde. Das einheitliche Lehrprogramm der Versammlung sah dies vor. — Eph. 4:14, 17-24.
18. Welche Argumente sind gebraucht worden, um zu zeigen, daß eine Lehrorganisation unnötig sei, doch was beweist, daß solche Argumente falsch sind?
18 Einige, die lieber von irgendeiner Versammlung unabhängig blieben, mögen argumentiert haben, man könne eine genaue Erkenntnis durch die Gemeinschaft mit Gott und durch seinen Geist erlangen und daher sei eine Lehrversammlung oder Organisation nicht notwendig. Sie mögen sich auf Epheser 1:17, 18 oder 3:16-19 bezogen haben, wo Paulus von Gott schreibt, er gebe den Gläubigen Weisheit und genaue Erkenntnis, und wo er sagt, daß Christus in ihnen wohnen werde und daß sie diese Dinge durch den Geist begreifen würden, oder auf 1. Johannes 2:26, 27 (NW), wo Johannes schreibt: „Ihr benötigt niemand, der euch belehrt; … euch [belehrt] die Salbung von ihm über alles.“ Doch beachte man, daß sich diese Äußerungen in Briefen finden, in denen die Apostel Paulus und Johannes Anweisungen an die Versammlungen sandten, die dazu gebraucht wurden, die Glieder der Versammlung zu belehren. Wenn der Geist alle geistgezeugten Personen direkt belehrt hätte, wäre kein Bedürfnis vorhanden gewesen, diese Briefe an die Versammlungen zu schreiben. — 1. Joh. 1:3, 4.
19, 20. Worin bestehen einige der Wahrheiten, welche die ersten Christen kennenlernten, und wie lernten sie diese kennen?
19 Betrachte einen Augenblick einige der lebenswichtigen Wahrheiten, die die ersten Christen dadurch kennenlernten, daß sie sich mit der Versammlung verbanden. Die Entscheidung der Apostel und der älteren Männer in Jerusalem bezüglich der Anforderungen für nichtjüdische Gläubige wurde brieflich an die Versammlungen gesandt. Die Einzelheiten des heiligen Geheimnisses Gottes bezüglich eines Verwaltungssystems, durch das alle Dinge in dem Christus zusammengebracht und Menschen aus den Nationen zu Miterben Christi bestimmt werden, wurden den Versammlungen in dem Briefe an die Epheser geoffenbart. Die Wahrheiten über den Abfall und das Offenbarwerden des Menschen der Gesetzlosigkeit, über Christi Gegenwart und die Art, wie der Ruf „Friede und Sicherheit!“ den Höhepunkt des Tages Jehovas kennzeichnen würde, wurden denen erklärt, die sich mit den Versammlungen verbanden, in denen die Briefe an die Thessalonicher oder deren Abschriften studiert wurden. — Apg. 15:22-35; 16:4, 5; Eph. 3:3-7; 1. Thess. 1:1; 4:13-18; 5:1-11; 2. Thess. 1:1; 2:2-11.
20 Dadurch, daß die ersten Christen mit einer Versammlung verbunden waren, erfuhren sie etwas aus den Briefen an die Korinther, welche Erklärungen über das Abendmahl des Herrn enthielten, über die Wirksamkeit der geistlichen Gaben und über die Auferstehung. Ja, alle Erklärungen über gewisse Lehren, die sich in den Briefen der Apostel finden, bildeten eine inspirierte Unterweisung, die durch die Glieder der leitenden Körperschaft erteilt wurde, und erreichten die einzelnen gesalbten Christen durch die Versammlung. Nur indem sie sich mit der Versammlung verbanden, konnten sie aus der Tätigkeit der Aufseher einen Nutzen ziehen, die ihnen „in rechter Weise“ dienten und Männer waren, „die an dem zuverlässigen Wort der Lehre“ festhielten. Nur so konnten sie auf anschauliche Weise erkennen, daß kein Unterschied bestand zwischen Griechen und Juden, Beschnittenen und Unbeschnittenen, Fremden, Skythen, Sklaven, Freien, Männern und Frauen. — 1. Korinther, Kapitel 11 — 15; 1. Timotheus, Kapitel 3; Kol. 3:11, NW.
21. Wie behielt die Versammlung ihre Wesensart, und welche Wirkung hatte dies auf die aus vielen Ländern stammenden Gläubigen?
21 Die Versammlung wurde von Gott dazu aufgebaut, seine Vorzüglichkeiten zu verkündigen und seine Weisheit kundzutun. (1. Pet. 2:9) Aus diesem Grunde paßte sich die Versammlung dem Willen Gottes an; sie paßte sich nicht dem Willen und den Bräuchen verschiedener Menschen und ihrer Art zu leben an. (Eph. 4:20-24) Während sich diese Versammlung in vielen Ländern ausbreitete, behielt sie ihre Wesensart, ihre Grundsätze der Tätigkeit, ihre reine Lehre und ihre Einheit. Statt sich von jedem Wind der Lehre und von dem Benehmen von jeder Art den Stempel aufdrücken und sich so formen zu lassen, drückte die Versammlung den mit ihr Verbundenen ihren Stempel auf. Sie mußte rein und heilig bleiben, und deshalb wurde unsittlichen Personen die Gemeinschaft entzogen. (1. Kor. 5:13) Sie mußte die Menschen durch die Wahrheit des Wortes Gottes vereinen, weshalb auch jenen, die Zwiespalt und falsche Lehren einführten, ebenfalls die Gemeinschaft entzogen wurde. (Tit. 3:10; Röm. 16:17) Auf diese Weise behielt die Versammlung ihre organisatorische Wesensart und Form. Die Grundsätze im Denken und Leben, die von der Versammlung gelehrt wurden, drückten den Gläubigen ihren Stempel auf und beeinflußten ihr persönliches Leben, ihr Eheleben, ihr Familienleben und auch das Verhältnis zwischen Sklaven und ihren Herren. — Kol. 3:5; Epheser, Kapitel 5.
22. Welche Rolle spielte die erste Versammlung in der wahren Anbetung?
22 Das sind nur einige der biblischen Beweise, die zeigen, daß die Christenversammlung des ersten Jahrhunderts eine wichtige Rolle im Schulen und Auferbauen der gesalbten Christen spielte. Sie war in der Tat eine Säule und eine Grundlage der Wahrheit. Die Versammlung erwies sich als Gottes Einrichtung, in der christliche Gläubige erkennen lernten, daß sie einander benötigten, und sie gab ihnen eine volle Gelegenheit, Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung zu üben, und lehrte sie auch den Respekt vor der theokratischen Autorität. Sie dämpfte weder Gottes Geist, noch unterdrückte sie die Äußerungen der Liebe, sondern konnte statt dessen durch ihre Lehre und ihr Beispiel alle Glieder der Versammlung in der Liebe und Reife auferbauen, so daß sie für die Wirksamkeit des heiligen Geistes höchst empfänglich wurden.
-
-
Die Versammlung in der Zeit des EndesDer Wachtturm 1961 | 15. Mai
-
-
Die Versammlung in der Zeit des Endes
1, 2. (a) Wie wurde der Abfall der Versammlung vorausgesagt, und womit begann er? (b) Kennzeichnete dies das Ende der Versammlung, so daß sich Gottes Vorhaben nicht verwirklicht hätte?
DIE Christenversammlung war im ersten Jahrhundert stark, geeint und gänzlich der Förderung der reinen Anbetung ergeben. Dieser Zustand sollte aber nicht ununterbrochen durch die Jahrhunderte bis zur Zeit des Endes, in der wir nun leben, andauern. Die Apostel besaßen die Macht, die Versammlung dem Christus untertan zu halten, aber sie sagten voraus, daß, wenn sie, die einem gesetzlosen Vorgehen in der Versammlung hemmend entgegenwirkten, durch den Tod weggenommen sein würden, die Versammlung der Gesetzlosigkeit und falschen Lehren anheimfallen würde. (2. Kor. 10:2-6; 2. Thess. 2:3-12; 2. Tim. 4:3, 4; Apg. 20:29, 30) Jesus sagte dies auch dadurch voraus, daß er die Versammlung der treuen Gläubigen jener Zeit mit dem Samen von rechter Art verglich, den er auf einen Acker säte. Gemäß diesem Gleichnis sollte zugelassen werden, daß der Feind Unkraut, Lolch oder Scheinweizen, pflanzen könnte, das mitten unter dem Weizen bis zur Ernte, zur Vollendung des Systems der Dinge wachsen könnte. Das bedeutete, daß die organisatorische Reinheit der Christenversammlung durch die Zunahme der Zahl der Abtrünnigen getrübt und man sie nicht mehr deutlich erkennen würde. Nicht lange nach dem Tode der Apostel begann dieses falsche Wachstum zu florieren: man nahm menschliche Philosophien und heidnische Lehren an und begann auch heidnische Feiern zu beobachten. Ferner wurden Bündnisse mit dem politischen Staat gemacht, und die Versammlung erhielt den Stempel dieser alten Welt, indem sie von ihr gestaltet und geformt wurde. — Matth. 13:24-30, 37-43.
2 Das bedeutete jedoch nicht, daß der Gedanke einer Versammlung an sich ein Fehlschlag gewesen wäre. Jesus sagte voraus, daß es in den letzten Tagen, in der „Zeit des Endes“, eine Ernte oder Einsammlung der wahren Pflanzung Gottes und eine Wiederherstellung derselben zu einer theokratisch organisierten Versammlung geben würde, die im Leben aller Christen zur Zeit des Endes eine lebenswichtige Rolle spielen würde. Wir werden hier einige Prophezeiungen betrachten, die zeigen, daß dies der Fall sein würde, und werden sie mit den Erfahrungen vergleichen, die Jehovas christliche Zeugen in unserer Zeit gemacht haben.
3. (a) Was würde mit Gottes Dienern in der Zeit des Endes geschehen, wie dies aus dem Gleichnis vom Weizen und Scheinweizen ersichtlich ist? (b) Wie könnten sie das „Licht der Welt“ und eine „Stadt“ „auf einem Berge“ sein?
3 Jesus sagte in seinem Gleichnis von dem Weizen und dem Scheinweizen, daß zur Zeit des Endes der Weizen, die wahre Pflanzung Gottes, in das Vorratshaus eingesammelt und der Scheinweizen gebündelt und aus dem Königreich hinausgeworfen würde, damit er verbrannt werde. „Zu jener Zeit werden die Gerechten leuchten, so hell wie die Sonne im Königreiche ihres Vaters.“ (Matth. 13:43, NW) Das bezieht sich nicht auf den himmlischen Zustand der auferstandenen gesalbten Glieder des Leibes Christi, sondern eher auf den wiederhergestellten irdischen Zustand. Auf Erden würden sie versammelt und leuchten als „Licht der Welt“, während alle abtrünnigen Organisationen oder Pflanzungen aus dem Ort, wo sie beansprucht haben würden, Gottes Kirche zu sein, hinausgeworfen würden. (Dan. 12:3; Phil. 2:15; 1. Pet. 2:9) In bezug auf das Licht sagte Jesus zu seinen Nachfolgern: „Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt kann nicht verborgen sein, wenn sie auf einem Berge liegt.“ (Matth. 5:14, NW) In der Erntezeit sollte eine Einsammlung der geistlichen Brüder Christi zu einer Gruppe oder Versammlung erfolgen, so daß man sie als solche erkennen könnte; sie würden in der Lehre geeint und ein „Licht der Welt“ werden und „leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste“. Ihr Zustand müßte wiederhergestellt werden zu dem gleichen Zustand, in dem sich die organisierte Versammlung im ersten Jahrhundert befand, damit sie eine „Stadt auf einem Berge“ werden könnten.
4. Was wird hinsichtlich des Zustandes des gesalbten Überrests Gottes in Matthäus 24:31, 45-47 und 25:31-46 angezeigt?
4 Die Tatsache ihres Versammeltwerdens wird in Matthäus 24:31 erwähnt, wo erklärt wird, daß zu der Zeit des Endes die Erwählten von den vier Ecken der Erde her versammelt werden sollen. In den Versen 45 bis 47 wird gezeigt, daß sie zu einer Versammlung vereinigt werden sollen, denn ihr Zustand wird mit dem der Diener im Hause eines Herrn verglichen, denen von einem treuen Sklaven zur rechten Zeit Speise gegeben wird. Da in Epheser 2:19 und 1. Timotheus 3:15 die erste Versammlung das „Haus“ oder die „Hausgenossen Gottes“ genannt wird, muß sich dieses Haus des Meisters auf eine organisierte Versammlung beziehen. Es hat sich erwiesen, daß diese Klasse des „Sklaven“ der gesalbte Überrest der Zeugen Jehovas ist, der mit der Watch Tower Bible and Tract Society zusammenarbeitet, die sich damit beschäftigt, den einzelnen Dienern dieses Hauses weltweit geistige Speise auszuteilen. Beachte, daß dieser Sklave über die ganze Habe des Meisters gesetzt würde. Was dies einschließt, wird in Matthäus 25:31-46 hervorgehoben, in dem Gleichnis von den Schafen und den Böcken, wo wir davon lesen, daß eine große Gruppe schafähnlicher Menschen guten Willens die Gunst des Königs Christus Jesus erlangt, weil sie Christi Brüder anerkennt, sie unterstützt und mit ihnen zusammenarbeitet.
ZUM HAUSE JEHOVAS HINAUFZIEHEN
5, 6. (a) Welche Erhöhung des „Hauses“ wird in Jesaja, Kapitel 2, erwähnt, zu der Menschen aus den Nationen strömen, und wie wird das gezeigt? (b) Welche Vorkehrung sollte getroffen werden?
5 Ein weiteres Bild davon, daß der irdische Zustand der gesalbten Diener Gottes in der Zeit des Endes dem einer organisierten Versammlung gliche, die unter dem im Himmel aufgerichteten Zion stünde, ist in Jesaja 2:2, 3 (NW) zu finden: „Und es muß geschehen am Ende der Tage, daß der Berg des Hauses Jehovas hoch über den Bergen fest gegründet werden wird, und er wird gewißlich über die Hügel erhoben werden, und zu ihm sollen alle Nationen strömen. Und viele Völker werden gewißlich hingehen und sagen: ‚Kommt, ihr Leute, und laßt uns zum Berge Jehovas hinaufziehen, zum Hause des Gottes Jakobs; und er wird uns über seine Wege belehren, und wir wollen auf seinen Pfaden wandeln.‘ Denn von Zion wird (das) Gesetz ausgehen.“ Natürlich ist „Zion“ in den Himmeln aufgerichtet, von dem das Gesetz ausgeht. Aber die vielen Menschen aus allen Nationen können nicht in den Himmel strömen, denn sie sind nicht vom Geist gezeugt. Somit muß dieses „Haus Jehovas“, zu dem sie kommen, eine Beziehung zu etwas haben, was sich auf Erden befindet. Zu wem? Zur Versammlung der gesalbten Zeugen Jehovas, die zur Einheit mit dem himmlischen Zion gebracht worden ist. Denkt daran, daß schon gezeigt wurde, daß die Versammlung der Zeit der Apostel Gottes Haus war. (Heb. 3:4, 6) Damit sie dem Berge der Anbetung Gottes entspreche, der alle Macht und Autorität überragt, muß seine Anbetung, dargestellt durch sein Haus, „erhoben“ werden, das heißt, sie muß über alle irdischen Dinge, Organisationen und Interessen erhöht werden.
6 Als Anbeter Gottes, Jehovas, müssen die treuen Nachfolger Jesu eine „Stadt auf einem Berge“ werden. Diese Versammlung der Brüder Christi würde man nicht einfach nur sehen, sondern sie wäre emsig damit beschäftigt, ihr Licht leuchten zu lassen, damit sie für Leute aus allen Nationen sichtbar und zugänglich wäre, so daß sie zu ihr hinströmen könnten. Diese „Stadt“ würde auch Vorkehrungen für die Erziehung und Schulung der Menschen aus den Nationen treffen. „Er wird uns über seine Wege belehren, und wir wollen auf seinen Pfaden wandeln.“ So sagte denn diese Prophezeiung über das „Haus des Gottes Jakobs“ in Wirklichkeit die Erhöhung der Anbetung Jehovas beim Überrest der Tempelklasse, der Versammlung der letzten Tage, voraus. Durch diese reine Anbetung soll Jehova gepriesen und die große Menge der anderen Schafe, die ewiges Leben auf Erden erhalten soll, aus allen Nationen eingesammelt, unterwiesen und geschult werden.
7. (a) Was stellt der Tempel dar, in dem die große Volksmenge Gott so dient, wie es in Offenbarung, Kapitel 7 vorausgesagt worden ist, und weshalb ist dies zutreffend? (b) Wieso stimmt das mit der Prophezeiung Haggais überein?
7 Das sollte zur Zeit des Endes geschehen, was auch in einer anderen Prophezeiung gezeigt wird, die im Buche der Offenbarung aufgezeichnet worden ist. Hier wird enthüllt, daß zuerst die letzten der 144 000 gesalbten Leibesglieder Christi eingesammelt und versiegelt werden sollten und daß der inthronisierte König Christus Jesus die Drangsal gegen Satan und seine Organisation dadurch einleiten würde, daß er Satan aus dem Himmel hinauswerfen würde, worauf eine große Menge Männer und Frauen aus jeder Nation und Sprache herausgesammelt und durch ein ausgedehntes Predigtwerk zum Dienst im Tempel Gottes veranlaßt werden würde. (Off. 7:1-4, 9-17; 14:1-6, NW) Diese sind nicht mit Gottes Geist versiegelt, sind auch nicht „von der Erde erkauft“ worden und können somit nicht mit Christus Jesus in den himmlischen Tempel der auferstandenen Königreichserben eingehen. Dennoch wird erklärt: „[Sie sind] vor dem Throne Gottes, und sie bringen ihm Tag und Nacht heiligen Dienst in seinem Tempel dar.“ Dieser Tempel muß durch eine Anzahl lebendiger „Steine“ auf Erden vertreten werden. Erkennend, daß zu der ersten Versammlung folgendes gesagt wurde: „Der Tempel Gottes ist heilig, und dieser Tempel seid ihr“, können wir verstehen, daß der hier erwähnte Tempel heute durch die Versammlung der gesalbten Nachfolger Christi, die jetzt nur noch aus einem Überrest besteht, vertreten ist. (1. Kor. 3:16, 17; 6:19; 2. Kor. 6:16) Die Glieder der großen Volksmenge werden zum Dienst im Tempel, in der Versammlung, hingeführt. Die Prophezeiungen Jesajas, Kapitel 2, und in der Offenbarung, Kapitel 7, entsprechen daher der Prophezeiung Haggais, die zeigt, daß Gott, nachdem er sein „Haus“ oder den Tempel der Anbetung wiederhergestellt haben wird, die Nationen erschüttern und die „Schätze“, die „Geschätzten“ oder „Ersehnten“ der Nationen in das Haus hineinbringen und dieses mit Herrlichkeit füllen wird. — Hag. 1:7, 8; 2:7-9, NW.
8. Wie wird der Zustand der Versammlung in Jesaja, Kapitel 60, beschrieben, und welche zwei Gruppen werden zu ihr versammelt?
8 Wir finden nicht nur, daß in den Prophezeiungen ein Haus oder ein Tempel als ein Bild der wiederhergestellten Versammlung der Zeit des Endes erwähnt wird, sondern es wird auch eine Stadt erwähnt. In Jesaja, Kapitel 60, gilt der Aufruf, das Licht leuchten zu lassen, der an das himmlische Zion oder Jerusalem ergeht, auch dem wiederhergestellten Überrest. Hier wird die Versammlung des gesalbten Überrests als ein Teil der Stadt angesprochen, die zuerst die letzten der geistlichen Israeliten, der Kinder Zions, einsammelt und dann eine Versammlungsstätte für Menschen aus den Nationen wird. Die Stadt-„Mauern“ werden sogar von „Fremdlingen“ aufgebaut, die dem wiederhergestellten Überrest helfen, indem sie sich der „Herden“ annehmen und „Ackersleute“ und „Weingärtner“ sind. — Jes. 60:4, 9-11; 61:5.
9, 10. Was für eine Organisation sollten wir erwarten, die Jehova in der Zeit des Endes vertritt, und was zeigen die historischen Tatsachen diesbezüglich?
9 Alle diese Prophezeiungen und viele weitere zeigen an, daß es eine Versammlung der Diener Gottes zur Zeit des Endes auf der Erde und eine Wiederherstellung der wahren Versammlung Gottes geben werde, die als ein „Licht der Welt“ hervortreten würde. Besteht heute eine solche Organisation, gebildet aus zwei Gruppen von Menschen, einer kleineren, abnehmenden Gruppe, die die Zusicherung besitzt, Miterbe mit Christus zu sein, und einer rasch zunehmenden Gruppe von Männern, Frauen und Kindern aus allen „Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen“, die die Hoffnung hegen, immerdar auf Erden zu leben?
DIE VERSAMMLUNG KENNZEICHNEN
10 Es zeigt sich deutlich, daß die Gruppe christlicher Männer und Frauen, die jetzt als „Jehovas Zeugen“ bekannt ist, während der mehr als achtzig Jahre, in denen sie Gottes Willen getan hat, die Erfüllung dieser und vieler anderer Prophezeiungen erlebt hat. Dadurch, daß sie versammelt wurden und von 1870 bis 1918 immer mehr Licht über die Wahrheit erhielten, wurden die Auserwählten darauf vorbereitet, daß der Herr Jehova zu seinem Tempel käme. Obwohl sie erwartet hatten, daß mit der Aufrichtung des Königreiches Jehovas, das unter Christus steht, ihr Werk auf Erden beendet wäre und sie in den Himmel aufgenommen würden, begannen sie zu erkennen, daß ihnen weitere Arbeit anvertraut worden war. (Mal. 3:1-4; Matth. 24:45-47) Die gute Botschaft vom Königreich sollte während der Zeit des Endes in der ganzen Welt gepredigt werden, und Gottes gesalbte Diener bedurften einer noch besseren Versammlungsorganisation, um eine große Menge Männer und Frauen über die Wege Gottes zu belehren. — Matth. 24:14; Off. 14:6, 7.
11. Worin bestanden die Tätigkeit und die Erfahrungen der Versammlung der Gesalbten von 1919 bis 1931, und wie wurden sie deutlicher erkennbar?
11 Wie die Geschichte zeigt, war um das Jahr 1918 diese kleine Versammlung von Männern und Frauen durch die heftige Verfolgung während des ersten Weltkrieges gesprengt worden. Aber im Jahre 1919 begann sie sich wieder zu organisieren, und sie wurde zum „Land“ oder zum Zustand der Gunst Gottes wiederhergestellt und begann die Erfüllung der Prophezeiungen Haggais, Jesajas und vieler anderer zu erfahren. Sie brachte ein ausgedehntes Predigtwerk in Gang, das während der folgenden zwölf Jahre nicht nur dazu diente, Gottes Gerichte dieser Welt öffentlich bekanntzugeben, sondern auch dazu, die Überrestglieder der Auserwählten, durch die die Zahl der 144 000 in der Hauptsache vervollständigt wurde, einzusammeln. Bis zu jener Zeit waren die Diener Jehovas von vielen unrichtigen Gedanken bezüglich der Lehre und ihres Verhältnisses zu Jehova und zu Christus Jesus, ihren obrigkeitlichen Gewalten, gereinigt worden. Diese Gruppe wurde klarer erkennbar, indem sie den Namen „Jehovas Zeugen“ erhielt, mit dem die vielen gekennzeichnet wurden, die die eine Knecht-Klasse oder die Versammlung Jehovas auf Erden bilden sollten. — Jes. 43:10-12.
12. (a) Welche Leitung sollte in dieser Versammlung erwartet werden, und weshalb? (b) Welchen Anteil hatten hierbei die reifen Brüder der Versammlung in Allegheny?
12 Diese Versammlung begann nicht nur durch ihren Namen und ihr Werk des Zeugnisgebens erkannt zu werden, sondern auch durch die Art, wie sie geleitet wurde. Gemäß der Prophezeiung sollte es eine Versammlung sein, die Jehovas theokratische Organisation auf Erden, Jehovas Haus oder Tempel, vertrat. Daher mußte sie theokratisch, nicht demokratisch geleitet werden. Auch sollte Jehovas Leitung durch die geistlich Herangereiften in der Versammlung zum Ausdruck kommen, wie es in den Tagen der Apostel der Fall war. Was im ersten Jahrhundert geschah, konnte man auch für die Zeit des Endes erwarten, daß nämlich die reifen Brüder, die als Aufseher dienten, und ihre Gehilfen in der ersten organisierten Körperschaft oder Versammlung die Initiative in der Ausdehnung der wahren Anbetung ergreifen, das Predigtwerk in andere Gebiete ausdehnen und den neueren, jüngeren Versammlungen als Berater und Vorbilder dienen würden. Im Jahre 1879 und schon vorher diente die erste Gruppe des versammelten, wiederhergestellten Überrests in Allegheny, Pennsylvanien, als eine Art von leitender Versammlung, und die dortigen reifen Brüder, die mit Aufsehern anderer Versammlungen zusammenarbeiteten, ergriffen bei der Organisierung die Initiative, um das Predigtwerk auszudehnen und neue Versammlungen heranzubilden. Von dieser Körperschaft älterer Brüder in Allegheny wurde die Zeitschrift, die jetzt als The Watchtower (Der Wachtturm) bekannt ist, in viele Teile der Welt gesandt, und anhand dieser Zeitschrift wurden in allen Versammlungen Bibelstudien durchgeführt. Das diente dazu, alle Mitverbundenen in der Denkweise und im Verständnis der Schrift zu einigen und ihre Predigtmethoden in Einklang miteinander zu bringen.
THEOKRATISCHES VORGEHEN
13. (a) Weshalb war es notwendig, in der Versammlung demokratische Methoden durch theokratische zu ersetzen, und wie wurde das in Jesaja 60:17-22 vorausgesagt? (b) Wie wurde dies von 1919 bis 1938 herbeigeführt?
13 Doch handelten die einzelnen Versammlungen immer noch weitgehend unabhängig und regierten sich selbst, indem sie ihre „Ältesten“ selbst wählten und viele ihrer Studien- und Dienstvorkehrungen nach demokratischer Methode festlegten. Aber wenn eine große Menge Männer und Frauen eingesammelt und über Gottes Willen unterrichtet werden sollte, mußte diese Einrichtung verbessert werden, sonst wären die Unterweisungsmethode und die Maßstäbe für die wahre Anbetung an den verschiedenen Orten je nach der Reife einer Versammlung sehr unterschiedlich gewesen. Die minderwertigeren Aufsichtsmethoden in der Versammlung mußten durch echte, von Gott gelenkte Grundsätze ersetzt werden, wie es in Jesaja 60:17-22 vorausgesagt worden war. Die Watch Tower Society, die den Versammlungen als eine Art von leitender Körperschaft gedient und nun ihr Hauptbüro nach Brooklyn, New York, verlegt und ihr Personal dorthin umgesiedelt hatte, begann schon im Jahre 1919 eine theokratischere Einrichtung in Gang zu bringen, indem sie in jeder Versammlung einen Dienstleiter bzw. Erntewerksvorsteher einsetzte. Das tat sie im Interesse des Werkes der Verbreitung des Golden Age (des Goldenen Zeitalters), um eine wirksamere Beaufsichtigung der weltweiten Predigttätigkeit zu schaffen. Bis Oktober 1932 bemühten sich die Versammlungen in der ganzen Welt, sich immer mehr mit der biblischen Prophezeiung in Übereinstimmung zu bringen, indem sie mit dem „Wahlältesten“-System aufräumten und die reifsten Brüder, die geistiges Unterscheidungsvermögen besaßen, zu Mitgliedern des Dienstkomitees ausersahen, damit diese dem von der Gesellschaft eingesetzten Dienstleiter beiständen. Diese Entwicklung der Dinge war im Jahre 1938 vollendet, als in der ganzen Welt die Versammlungen ihren Wunsch zum Ausdruck brachten, gänzlich unter der Leitung der „Gesellschaft“, der Klasse „des treuen und verständigen Sklaven“, organisiert zu werden, der danach sämtliche Aufseher und deren Gehilfen in den Versammlungen einsetzen und die Leitung über die gesamte Studien- und Predigttätigkeit übernehmen sollte. Das war nicht nur zu dem Zwecke notwendig, Jehovas Heiligtum oder Versammlung der Gesalbten auf Erden in das rechte Verhältnis zu ihm zu bringen, sondern auch deshalb, damit von Gottes Versammlung auf Erden aus richtigerweise die große Volksmenge, die aus den Nationen eingesammelt wurde, damit sie Gottes Willen tue, belehrt und geschult werden könnte.
14, 15. (a) Weshalb wurde es besonders notwendig, daß dieser Wechsel zur theokratischen Form der Leitung bis 1938 vollendet wurde? (b) Was sicherte dies den Gliedern der großen Volksmenge? (c) Was ereignete sich in Wirklichkeit, als die Versammlung der Gesalbten gemäß Jesaja 51:3 bis 52:2 im Jahre 1919 wiederhergestellt wurde?
14 Dieser theokratische Aufbau der Versammlung diente dazu, sie so in den Vordergrund zu rücken, daß die Menschen von ihr etwas über Gottes Wege erfahren konnten. Es geziemte sich nicht, daß die Versammlung der Gesalbten durch demokratische Stimmabgabe gelenkt wurde, so daß die Mehrheit, die vielleicht weitgehend aus unreifen Personen bestand, die Leitung hätte übernehmen können, statt der geistlich reifen Personen, und das war noch unangebrachter, als man die große Volksmenge einzusammeln begann, denn die Menschen aus den Nationen hätten dadurch, daß sie nach und nach die große Mehrheit bildeten, damit beginnen können, die Versammlung gemäß ihrem eigenen Willen zu formen, statt sich selbst nach Gottes Willen formen zu lassen. Die Tatsache, daß Gott in solchen Dingen die Aufsicht führt, ist deutlich erkennbar, und die theokratische Aufsicht funktionierte zu der Zeit, da die „anderen Schafe“ oder die Glieder der großen Volksmenge immer noch in der Minderheit waren, nämlich um das Jahr 1938, vollständig.
15 Dieses Aufsichtsprinzip war notwendig, nicht nur damit man sich des Predigtwerkes richtig annehmen konnte, sondern auch, um alle Glieder der großen Volksmenge dazu zu erziehen, sich während der Zeit des Endes, vor Harmagedon, dem Willen Gottes unterzuordnen, damit sie geschult und tauglich gemacht werden könnten, nach Harmagedon die Säuberung und Verschönerung der Erde auf ordentliche, theokratische Weise in Angriff zu nehmen. Die Versammlung der Gesalbten sollte ein Beispiel oder Muster bilden. Wir erblicken darin die Erfüllung einer anderen Prophezeiung, nämlich derjenigen Jesajas (51:3 bis 52:2), die zeigt, daß mit der Wiederherstellung des gesalbten Überrests zu dessen richtigem Verständnis und Gottesdienst die „neue Erde“ im Jahre 1919 gegründet wurde. Das kennzeichnet den Anfang der Bildung einer Neuen-Welt-Gesellschaft. Diese sollte die große Volksmenge einsammeln und schulen und würde als organisierte Versammlung, die unter dem neuen System der Dinge funktionieren würde, durch jenen Krieg von Harmagedon hindurch am Dasein bleiben, in dem das alte System enden wird. — Siehe „Neue Himmel und eine neue Erde“, S. 320—339.
16. Inwiefern ist es durch die theokratische Einrichtung möglich gewesen, daß die Versammlung ihre Reinheit und das richtige Verhältnis zwischen dem Überrest und der großen Volksmenge bewahrt hat?
16 Obwohl diese wachsende Versammlung oder Neue-Welt-Gesellschaft mehr als 800 000 Männer, Frauen und Kinder aus allen Nationen, Stämmen, Rassen und Völkern versammelt hat, hat sie sich doch nicht nach den Ideen oder Bräuchen gestaltet, die diese Leute früher hatten, sondern sie alle sind nach Gottes Willen geformt worden. Sie sind lernbereit, demütig, liebreich, friedfertig und leben mit allen ihren Mitgläubigen in Frieden. Obwohl ihre Zahl 800 000 übersteigt, so daß sie zu den nun weniger als 14 000 Gesalbten in einem Verhältnis von vierundfünfzig zu eins stehen, sind doch alle diese aus den Nationen Herausgekommenen bereit gewesen, sich von der Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“, dem Überrest, in Gottes Wegen unterweisen zu lassen. Obwohl die Welt, aus der sie gekommen sind, sehr unter dem Einfluß der Selbstsucht und Unsittlichkeit, der Lügen und der Unehrlichkeit, des Atheismus, Spiritismus und vieler anderer gottloser Ideen und Taten steht, haben sich diese Dinge doch nicht in die wahre Anbetung eingeschlichen. Wer heute den Versuch wagen sollte, die Versammlung durch ein unsittliches Benehmen oder falsche Lehren zu verderben, dem wird die Gemeinschaft entzogen, wie das schon in der Versammlung des ersten Jahrhunderts geschah, so daß die Reinheit und Wesensart der Versammlung gewahrt bleiben.
17, 18. (a) Wie ist es denn möglich gewesen, daß sich die Organisation ausgedehnt und Hunderttausende von Menschen in 179 Ländern beaufsichtigt und geschult hat, während doch die Zahl der Überrestglieder Jahr für Jahr abgenommen hat? (b) Welche Schrifttexte sagten dies voraus?
17 Die Einsammlung so vieler Hunderttausender aus allen Ländern erforderte eine Organisation, die sich sehr ausdehnen und dennoch ihren theokratischen Aufbau beibehalten konnte, wie es in Jesaja 54:2, 3 erwähnt wird. Wie aber konnte sich diese kleine Versammlung ausdehnen, wenn doch die Klasse der Gesalbten immer kleiner wurde und viele der noch Übriggebliebenen mit den Jahren ältlich und kränklich wurden? Indem sie den von Paulus erteilten Rat, der in 2. Timotheus 2:1-3 zu finden ist, befolgten und die Glieder der großen Volksmenge heranschulten, damit diese tauglich wurden, um als Aufseher und Lehrer anderer zu amten. Nicht nur sind Tausende von diesen zu Dienern in den Versammlungen herangebildet worden, sondern Tausende sind auch — besonders während der vergangenen zwanzig Jahre — in den Vollzeitdienst eingetreten und sind als Pioniere in abgelegene Gebiete gezogen, während andere besonders dazu geschult wurden, das Werk in neuen Ländern in Gang zu bringen und neue Versammlungen heranzubilden, also sozusagen Tochter-„Städte“ zu bauen, um die Belehrung aus dem Hause Gottes allen Menschen zugänglich zu machen. All dies ist unter der Aufsicht des gesalbten Überrests vor sich gegangen. — Jes. 60:10; 61:4-6.
18 Es gibt viele Versammlungen und sogar ganze Länder, in denen es kein Glied des Überrests gibt. Dennoch können in 179 Ländern Männer und Frauen in mehr als 21 000 Versammlungen zu Gottes „Haus“ kommen, denn alle Aufseher sind durch die Versammlungseinrichtung des „treuen und verständigen Sklaven“ belehrt und geschult worden. Alle Versammlungen stehen unter der Aufsicht örtlicher Aufseher und weiterer Brüder, die die Versammlungen, die Kreise und die Zweigbüros der Gesellschaft besuchen und inspizieren, so daß alle Teile der Organisation mit Gottes Willen in Einklang gehalten werden. So leistet die Klasse der Gesalbten für Gottes Herde Hirtenarbeit.
19. Als was betrachten die Glieder des Überrests und auch die der großen Volksmenge die sich eilends ausdehnende Organisation, und wie betrachten sie ihr Verhältnis zueinander?
19 Obwohl die „große Volksmenge“ immer größer und der Überrest der „kleinen Herde“ gesalbter Nachfolger Christi kleiner wird, herrscht doch vollständige Einheit. Die Glieder der zunehmenden Volksmenge haben nicht versucht, auf Grund ihrer Mehrheit in der Organisation hervorzuragen. Durch ihre Loyalität und ihren Gehorsam gegenüber der theokratischen Einrichtung, die Jehova durch die Versammlung getroffen hat, bekunden die Glieder der „großen Volksmenge“ vor der abnehmenden Gruppe der Gesalbten den größten Respekt. Sie haben nicht das Empfinden, es sollte ihnen irgendwelche Ehre zukommen, weil sie in der Mehrheit sind und heute den größeren Teil des Predigtwerkes tun. Sie erkennen, daß alles zum Ruhme Jehovas geschieht, und auch, daß diese wachsende, einheitliche Versammlung ein greifbares Zeichen dafür ist, daß Jehova seine treuen Gesalbten auf Erden anerkennt. Die Gesalbten ihrerseits hegen auch keinen Widerwillen gegen diese wachsende Volksmenge, die sie an Zahl übertrifft, und ihren jugendlichen, tatkräftigen Eifer. Statt dessen erkennen sie darin die Früchte vieler Jahre harter Arbeit und freuen sich zu sehen, daß diese Mitverbundenen ihrem Beispiel im Eifer, im Gehorsam und in der Loyalität gegenüber Jehova gefolgt sind. „Ihr aber, ihr werdet Priester Jehovas genannt werden; Diener unseres Gottes wird man euch heißen.“ (Jes. 61:6-11) Nur die wahre Versammlung Gottes könnte die Liebe und Einheit zweier solcher Gruppen von Menschen bekunden.
20. (a) Was zeigen die Schrift und die Tatsachen bezüglich des richtigen Zustandes, in dem sich die Diener Gottes in der Zeit des Endes befinden? (b) Zu welcher Handlungsweise werden alle angespornt?
20 So haben wir denn aus dem Beispiel der Christenversammlung des ersten Jahrhunderts und durch die Erforschung vieler Prophezeiungen bezüglich unserer Tage den Beweis dafür erhalten, daß der rechte Zustand der wahren Diener Gottes in der „Zeit des Endes“, also heute, nicht in einer losen Verbindung von Einzelpersonen besteht, die unabhängig voneinander handeln. Statt dessen befindet sich die Versammlung in dem Zustand einer festgeschlossenen Organisation, die geeint und wohl zusammengefügt in der ganzen Welt unter der Aufsicht erfahrener und geistig reifer gesalbter Überrestglieder des geistigen Leibes Christi arbeitet. Alle, die diese Zeitschrift lesen, werden angespornt, sich mit dieser Versammlung, mit Jehovas Zeugen zu verbinden, mit ihnen Gemeinschaft zu pflegen und ihre Lehren, ihre Gottesanbetung, ihre Werke und ihre Versammlungsorganisation mit dem zu vergleichen, was die Bibel darüber sagt. „Kommt, ihr Leute, und laßt uns zum Berge Jehovas hinaufziehen, zum Hause des Gottes Jakobs; und er wird uns über seine Wege belehren, und wir wollen auf seinen Pfaden wandeln.“ Suche zu erkennen, wer das Volk ist, mit dem Gott heute ist, und verbinde dich mit diesem Volke! — Jes. 2:2-4, NW; Sach. 8:20-23.
-