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Mein Lebensziel verfolgendDer Wachtturm 1959 | 1. Oktober
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sogar unsere Haushaltswäsche. Die Zusammenarbeit mit der Versammlung machte uns ebenfalls Freude, denn wir konnten ein gesundes Wachstum beobachten, und wir gewannen jene Brüder so lieb, daß wir sie am liebsten in unser Auslandsgebiet mitgenommen hätten.
Im Spätsommer 1945 war es soweit. Unser Bestimmungsort war Colón in der Republik Panama. Das Besorgen der Pässe, Visa usw. war für uns etwas ganz Neues. In welche Erregung es uns versetzte! Die Gewißheit, daß sich Jehova unser in seiner Organisation immer noch bediente, entschädigte uns dafür, daß wir damals keine Aussicht hatten, wieder zurückzukehren, obwohl ich seither schon wieder zu drei Kongressen nach den Staaten zurückgekehrt bin. Welch theokratischen Empfang bereiteten uns doch die Brüder in unserem neuen Gebiet! Sie behandelten uns, wie wenn wir etwas „Besonderes“ gewesen wären, und waren so freigebig, so gut und so hilfsbereit. In dem jahrelangen Dienst in Verbindung mit ihnen haben sich ihre Aufrichtigkeit und Liebe denn auch als echt erwiesen, und wir haben uns gemeinsam darüber gefreut, zu sehen, wie die Mehrung der Theokratie in diesem Lande mit der Mehrung in den übrigen Ländern Schritt hielt und wie wir ‚den Raum unserer Zelte‘ buchstäblich weit machen mußten, denn ein Königreichssaal nach dem anderen wurde zu klein.
Jedes Gebiet hatte seinen besonderen Reiz, und überall haben wir herzergreifende, freudebringende Erfahrungen gemacht. Würde es dich nicht auch ergreifen, wenn du sehen könntest, wie Menschen, die sich aus Mangel an Unterweisung nie gesetzlich trauen ließen, sobald sie Jehovas Anforderungen kennengelernt haben, ihr Leben in Ordnung bringen und sogar ihre eigenen Kinder Zeugen ihrer legalen Trauung werden lassen? Wärest du nicht auch hoch beglückt, wenn eine Person, der du vor wenigen Jahren die Wahrheit in einer fremden Sprache bringen konntest und die dann Pionier und schließlich Sonderpionier wurde, und dann, begleitet von „Früchten“ ihrer Mühe und Arbeit, zum Landeskongreß „Göttlicher Wille“ käme und dort zu dir sagen würde: „Nun hast du schon elf Enkelkinder, die alle zur Reife gelangt sind und Jehova lobpreisen“? Würdest du dich nicht freuen, wenn jemand, der sich erst vor kurzem Gott hingegeben hat, zu dir käme und sagte: „Ich möchte ein guter Empfehlungsbrief für dich sein, deshalb bitte ich dich, mich noch mehr über Jehovas Willen zu belehren und auch darüber, wie ich ihn tun kann“? Diese Erlebnisse, die sich unzählige Male wiederholen, machen uns glücklich, und wir möchten unser Gebiet nicht mehr verlassen.
Noch etwas. Beim Verfolgen meines Lebenszieles habe ich erkennen können, welches persönliche Interesse die Gesellschaft an ihren Vollzeitdienern hat und wie sehr sie um sie besorgt ist. Das Vorrecht, in einem Missionarheim zu leben, ferner, als eine Familie zusammenzuwirken und zusammen zu leben und durch die Erfahrungen, die uns ein Kreis- und Bezirksdiener, ein Zonen- oder Zweigdiener aus ihren ausgedehnten Arbeitsfeldern erzählen, neu gestärkt zu werden: all dies wäre mir nie zuteil geworden, wenn ich nicht im Vollzeitdienst gestanden hätte. Auch im Falle einer Krankheit braucht man keine Angst zu haben, daß man gezwungen wird, den Dienst aufzugeben. Ich bin überzeugt, daß die Erlaubnis, dort zu bleiben, wo mein Herz ist, nämlich in meinem Auslandsgebiet, ein Faktor war, der wesentlich zu meiner raschen Genesung von einer schweren Krankheit beitrug, die den Aufenthalt in einem Krankenhaus und eine Operation nötig gemacht hatte.
Das vergangene Jahr — das achtundzwanzigste im Pionierdienst — war für mich das gesegnetste Jahr. Mein Sonderurlaub in Verbindung mit meinem gewöhnlichen Urlaub ermöglichte es mir, viele meiner lieben Freunde und Bekannten wieder zu besuchen, denen ich für all die Liebe, Treue, Freigebigkeit und Güte, die sie mir die Jahre hindurch erwiesen haben, selbst Liebe und Dankbarkeit schulde. Der Höhepunkt des Jahres war der große, internationale Kongreß „Göttlicher Wille“. Daß ich als Missionarin dort sein durfte und zu denen gehörte, die als „Zeichen und Wunder“ inmitten der großen Menge der ‚ersehnten Dinge der Nationen‘ kenntlich gemacht wurden (unter denen sich auch meine heute eifrige leibliche Schwester befand), und daß ich in der Wohnung einer Person Aufnahme fand, bei der ich die Freude gehabt hatte, kurz nach meiner Ankunft in Colón ein Studium zu beginnen, die dann geheiratet hatte und nach New York gezogen war und jetzt im theokratischen Dienst eifrig tätig ist, und ferner im Bewußtsein, daß ich mich bemüht habe, Gottes Willen zu tun und mehr darüber zu lernen, fühle ich mich gedrängt, in die Worte des Königs David einzustimmen: Jehova, „du hast das Jahr mit deiner Güte gekrönt“. — Ps. 65:11, NW.
Unmittelbar nach dem Kongreß kehrte ich nach Panama zurück, und als das Flugzeug sanft zur Landung ansetzte, dankte ich Jehova, daß ich wieder wohlbehalten an meinen liebsten Fleck auf Erden — in mein Missionargebiet — zurückkehren durfte, um mein Lebensziel weiter zu verfolgen. Wann beginnst du damit, dein Lebensziel zu verfolgen?
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„Dein Wille geschehe auf Erden“ (19. Teil)Der Wachtturm 1959 | 1. Oktober
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„Dein Wille geschehe auf Erden“ (19. Teil)
Wir sind in unserem Buche „Dein Wille geschehe auf Erden“, von dem wir in dieser Zeitschrift alle vierzehn Tage einen Teil veröffentlichen, nun bis zum 8. Kapitel gekommen, das überschrieben ist: „Das ‚kleine Horn‘ führt Krieg.“ Von diesem Horn, das Weltbedeutung erlangt, ist in Daniels Prophezeiung, Kapitel sieben, die Rede, wo der Prophet Jehovas den schrecklichen Traum beschreibt, den er im ersten Jahre Belsazars, des letzten Königs der babylonischen Weltmacht, hatte. In diesem prophetischen Traum stiegen aus einem durch die vier Winde des Himmels aufgewühlten Meer vier ungewöhnlich wilde Tiere auf. Das erste glich einem Löwen, das zweite einem Bären, das dritte einem Leoparden, und das vierte war von allen anderen verschieden, furchtbar anzusehen und sehr stark. Zwischen den zehn Hörnern des schrecklichen Kopfes stieg ein kleines Horn empor, vor dem drei der anderen Hörner ausgerissen wurden, und „siehe“ — so sagt der Prophet —, „an diesem Horne waren Augen wie Menschenaugen, und ein Mund, der große Dinge redete“. — Dan. 7:2-8.
4. Was stellten — gemäß den Worten des Engels zu Daniel — die vier wilden Tiere dar, und mit welchen anderen Sinnbildern stimmen diese vier Tiere überein?
4 Die heutige Welt kennt den britischen „Löwen“, den amerikanischen „Adler“, den russischen „Bären“, den chinesischen Lung oder „Drachen“ und den „Doppeladler“ des deutschen Kaiserreiches. Doch was schatten die vier verschiedenen Tiere in Daniels Traum geschichtlich vor? Angstvoll fragte Daniel einen Engel, so daß wir heute „Gewißheit über dies alles“ haben können. Daniel sagt uns: „Und er sagte mir, daß er mir die Deutung der Sache kundtun wolle: Diese großen Tiere, deren vier waren, sind vier Könige, die von der Erde aufstehen werden.“ Ach so, dann entsprechen die vier Tiere also den vier Metallen des Standbildes aus dem Traum, den Daniel mehr als fünfzig Jahre zuvor dem König Nebukadnezar gedeutet hatte. (Dan. 7:15-17; 2:31-45) Dennoch wurde der Aufmarsch der Weltmächte, der vom Jahre 607 v. Chr. bis in unsere Zeit hinein gedauert hat, durch zwei vom Himmel gesandte Träume doppelt oder wie durch zwei Zeugen bestätigt.
5. Was veranschaulicht in dieser Vision das Meer, und was stellen die vier Winde dar?
5 Die vier Tiere entstiegen einem aufgewühlten Meer, ähnlich wie Jahrhunderte später der Apostel Johannes in einer Vision ein wildes Tier mit sieben Köpfen und zehn Hörnern aus dem Abgrund des Meeres heraufsteigen sah. Es glich einem Leoparden, hatte aber Füße wie ein Bär und ein Maul wie ein Löwe. (Off. 13:1, 2, NW) In der Symbolik der Bibel stellt das Meer „Völker und Volksmengen und Nationen und Sprachen“ dar, die große Masse der Menschen, die die bewohnte Erde bedecken wie die Wasser den Meeresgrund. Dies sind
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