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Das Südsee-„Paradies“Erwachet! 1982 | 8. Februar
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Das Südsee-„Paradies“
SANFT im Wind sich wiegende Kokospalmen, Sandstrände, blaugrünes Wasser, fruchtbare Felder und traumhaft schöne mondhelle Nächte — ein Paradies? Das alles und noch mehr gibt es hier in Mikronesien, einer Inselregion des westlichen Pazifiks. In der heutigen schweren Zeit möchten viele Leute „allem entfliehen“ und an irgendeinem schönen Ort in Frieden leben. Wäre eine Südseeinsel der ideale Zufluchtsort?
Mikronesien umfaßt rund 2 000 Inseln (davon sind 97 bewohnt), die über eine Wasserwüste von 7 770 000 km2 verstreut sind. Aus der Luft betrachtet, gleichen sie den einzelnen Gliedern eines kostbaren Smaragdgeschmeides, auf tiefblauem Samt gebettet — dem Meer. Jeder Distrikt hat seine eigene Schönheit, angefangen von den prachtvollen Sonnenuntergängen auf Guam und den Palauinseln bis zu den Palmenhainen und sonnenüberfluteten weißen Stränden Kiribatis; von den smaragdgrünen Bergen und prächtigen Wasserfällen auf Ponape bis zu dem wie mit Edelsteinen übersäten Wasser der Truklagune.
Träumst du davon, in einem Paradies zu leben? Dann schließe dich uns an, und besuche mit uns einige dieser wunderschönen Inseln. Vielleicht kannst du dich entscheiden, welche Art von „Paradies“ dir besonders zusagt.
Palauinseln und Yap
Wir wollen mit den Inseln beginnen, die als die schönsten gelten: den Palauinseln, der westlichsten Inselgruppe der Karolinen.
Vom Flugzeug aus gesehen, bieten diese Inseln einen traumhaft schönen Anblick. Sie sehen aus wie jadefarbene Pilze, hervorgeschossen aus dem blaugrünen Wasser — Wasser, so klar, daß man bis auf den Grund sehen kann, selbst da, wo es neun bis zwölf Meter tief ist. Nach der Landung sieht man sich in seinen Erwartungen keineswegs enttäuscht, sondern das Gegenteil ist der Fall: üppige Vegetation, dichtbewaldete Berge, fruchtbarer Boden, der reiche Ernten an Brotfrüchten, Apfelsinen, Zuckerrohr und anderen Naturerzeugnissen hervorbringt. Die Küste ist mit Mangrovewäldern gesäumt, die einer Unzahl von Meerestieren Schutz bieten. Hier wie auf den übrigen Inseln Mikronesiens fällt einem ganz besonders die STILLE auf.
Aber wir werden auf diesen Inseln nicht verweilen. Vielmehr wollen wir weiter nach Yap — ebenfalls eine ganz besondere Art von „Paradies“ —, einer Insel der Palmenhaine, einem stillen, schönen Ort. Es gibt hier keine asphaltierten Straßen. Der Boden ist fruchtbar, und von Hektik fehlt jede Spur.
Yap ist besonders bekannt wegen seines Steingeldes in der Größe von Mühlsteinen. Mancherorts sind die Straßen buchstäblich mit Geld gesäumt. Heute dient es nicht mehr als Zahlungsmittel, aber es hat immer noch kulturellen Wert. Der Wert des Mühlsteingeldes wird nicht so sehr nach seiner Größe beurteilt als nach seinem Alter und seiner Vergangenheit. Es gibt eine Anzahl „Banken“, die dem Dorf gehören, und links und rechts des Weges, der zu einer solchen „Bank“ führt, sieht man riesige, an die Häuser gelehnte Geldsteine, die in der Mitte durchbohrt sind.
Besonders sympathisch sind auf Yap und den übrigen Inseln Mikronesiens die Kinder mit ihren strahlenden Augen. Sie haben auch recht interessante Namen: „Radio“, „Love Me“ (Hab mich lieb), „Nothing“ (Nichts), „Careless“ (Sorglos), „Twinkle“ (Augenzwinkern) und sogar „Adolf Hitler“. Manche Kinder werden nach dem Namen irgendeines berühmten Besuchers genannt, oder sie erhalten einen Spitznamen.
Möchtest du hier bleiben? Wir wollen lieber auch noch die anderen Inseln besuchen, ehe du dich entscheidest.
Trukinseln, Ponape und Kiribati
Um Zeit zu sparen, verweilen wir nur einige wenige Minuten über der unvergleichlich schönen Truklagune. Diese knapp 50 km breite Lagune ist so groß, daß alle Inseln Mikronesiens darin Platz fänden. Ihr tiefblaues Wasser ist für Tauchsportbegeisterte ein wahres Paradies. Hier gibt es einen historischen Unterwasserfriedhof, wo sich phantastische Wassertiere in Kriegsschiffen, die im Zweiten Weltkrieg gesunken sind, häuslich eingerichtet haben.
Doch schon fliegen wir weiter nach Ponape, einer Insel der östlichen Karolinen. Auf Ponape gibt es viele prachtvolle Wasserfälle. Ferner ist es die höchste Insel der Karolinen (760 m). Hier sind starke Regenfälle die Regel, und die Hügel sind dicht bewaldet. Aber die Wälder werden selten von Menschen aufgesucht, denn die Bevölkerung Ponapes hat sich nur an der Küste angesiedelt.
Die Leute sind ziemlich schüchtern und sprechen eine weiche Sprache. Ihr „Casalelia“ („Willkommen!“) zählt zu den schönsten Grußformen Mikronesiens. Übrigens bewundern die Ponapeaner Frauen mit breiten Hüften. Solltest du zu den eher „stämmigen“ Frauen zählen, dann mag diese Insel ein „Paradies“ für dich sein.
Unweit der Küste Ponapes befindet sich ein faszinierender archäologischer Schatz — die Ruinen der Stadt Nan Matol. Sie wird das „Venedig des Pazifiks“ genannt und wurde aus riesigen Basaltsteinen auf über 100 kleinen Inselchen in einer sumpfigen Lagune errichtet. Bis heute weiß niemand genau, wie oder wann die Stadt gebaut wurde.
Weit im Südosten Mikronesiens liegen die malerischen Gilbertinseln (Kiribati) mit dem Hauptatoll Tarawa. Hier sieht man, was die meisten Leute als echte Südseeinsulaner-Behausungen bezeichnen würden: malerische Grasdächer auf Wänden aus Stämmen der Kokospalme und geflochtenem Palmstroh, zusammengebunden mit Seilen aus der faserigen Hülle der Kokosnuß.
Die Leute sind ungewöhnlich herzlich und gastfreundlich. Ihre Hauptnahrungsmittel sind Kokosnüsse und Brotfrüchte, dazu essen sie sehr viel Meerestiere. Sobald man auf Tarawa landet, kommt eine große Ruhe über einen. Die Gemütlichkeit der Bevölkerung ist ansteckend, und es kann Besuchern passieren, daß sie tatsächlich das Gefühl bekommen, es sei ihnen gelungen, „allem zu entfliehen“.
Im Gegensatz zu fast allen übrigen Inseln Mikronesiens gibt es hier einen Busverkehr. Das ist sehr gut, denn die Entfernungen auf diesem langen, schmalen Atoll sind nicht gering. Erwarte aber nicht, daß die Busse fahrplanmäßig verkehren. Vergiß nicht, wir sind hier in den Tropen!
Die mit Palmen gesäumte Lagune spiegelt am Tag die echten mikronesischen Farben wider, Azurblau und Grün, während nachts Mond und Sterne zum Greifen nahe erscheinen. Das sanfte Plätschern des Meeres zu beiden Seiten des Atolls und das Säuseln des Passats können dich leicht in den Schlaf lullen. Obschon Tarawa am Äquator liegt, sorgt der Passat dafür, daß es mindestens in einigen Monaten des Jahres nicht zu heiß ist.
Hast du dich schon entschlossen, auf welcher dieser exotischen Inseln du Zuflucht suchen möchtest? Bevor du dich endgültig entscheidest, solltest du noch einiges mehr darüber erfahren.
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Probleme im „Paradies“Erwachet! 1982 | 8. Februar
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Probleme im „Paradies“
WIR möchten nicht versäumen, dir vor Augen zu führen, daß es auf diesen Inseln, die zwar paradiesisch schön sind, auch Probleme gibt. Hast du beispielsweise eine Abneigung gegen Insekten? Hoffentlich nicht, denn hier gibt es viele — Stechmücken, Fliegen und auch Ameisen, besonders die kleinen roten Stachelameisen.
Ein weiteres Problem besteht darin, daß wir nicht immer blauen Himmel haben, sondern manchmal auch furchtbare Wirbelstürme. Diese treten überall im westlichen Pazifik auf. In den letzten Jahren haben solche Stürme besonders auf den Marianen schlimm gehaust. Da viele Häuser hier aus Holz sind und nur ein Wellblechdach haben, vermochten sie dem Sturm nicht standzuhalten — der Wind hatte eine solche Kraft, daß er sogar kleine Splitter durch dicke Baumstämme trieb. Allerdings werden jetzt immer häufiger Häuser aus Beton gebaut.
Nebenbei bemerkt, gibt es hier auch mindestens einen tätigen Vulkan, den Mount Pajaros. Ferner darf man die Erdbeben nicht vergessen. Ja, auch Erdbeben sind hier keine Seltenheit. Glücklicherweise sind es meist nur schwache Beben, aber gelegentlich gibt es auch stärkere. Im Jahre 1902 zerstörte ein Erdbeben die Mehrzahl der Betonhäuser in Agana, der Hauptstadt von Guam, und hob die ganze Insel um 60 Zentimeter.
Natürlich kannst du unter einem Moskitonetz schlafen, kannst den Ameisen aus dem Wege gehen, kannst Vorsichtsmaßnahmen gegen Wirbelstürme ergreifen und dich während eines Vulkanausbruchs und während eines Erdbebens vernünftig verhalten. Schwieriger jedoch mag es mit den tropischen Pilzen sein. In dem warmen, feuchten Klima können Kleider und Schuhe über Nacht schimmlig werden. Aber es gibt noch weitere Probleme, die nicht so ohne weiteres zu lösen sind.
Verschmutzung im „Paradies“
Die Luft in Mikronesien ist immer noch herrlich sauber, doch von dem blaugrünen Wasser kann man das nicht immer sagen. Es gibt hier noch keine Müllbeseitigung, und in vielen Distrikten wird der Müll einfach an der Küste abgelagert, damit das Flutwasser ihn wegspüle. Das hat zur Folge, daß die Bevölkerung, die Fische vom Riff ißt, sich Parasiten zuzieht, Ruhr, Durchfall oder ein Magenleiden. Manche werden auch von dem Wasser krank, das sie trinken. Das Trinkwasser stammt in den seltensten Fällen von den kristallklaren Wasserfällen, vielmehr wird häufig das vom Dach herabfließende Regenwasser gesammelt und als Trinkwasser benutzt. An den meisten Orten gibt es aber keine Apotheke, in der man Arznei gegen diese Beschwerden holen könnte.
Zu den zweifelhaften Errungenschaften des 20. Jahrhunderts gehört auch die „Lärmverschmutzung“ — mancherorts ist die friedliche Stille dahin. Auf einer Insel, die einen Umfang von knapp 20 Kilometern hat, hört man Tag und Nacht aus kleinen Lieferwagen laute Diskomusik. Besonders in den wunderschönen mondhellen Nächten fahren diese Wagen, vollgepackt mit jungen Leuten, die zu der Diskomusik singen, bis zum Tagesanbruch auf der Insel hin und her. Jetzt hört man fast auf allen Inseln Diskomusik, sowohl in den kleinen Restaurants als auch in den Hotels, besonders an den Wochenenden, und das bis in die frühen Morgenstunden hinein.
Auf einigen Inseln wird sogar die Landschaft ruiniert, indem der seit undenklichen Zeiten abgelagerte Vogelmist, der zum großen Teil aus Phosphat besteht, abgebaut wird. Auf Nauru und der Nachbarinsel Ocean Island (jetzt Banaba) sowie auf Angaur (Palau) sind schon sehr große Mengen dieses kostbaren Düngers abgebaut worden. Auf Banaba wurde ein solcher Raubbau getrieben, daß die Bevölkerung auf die Barrikaden ging, und ein Skandal wurde aufgedeckt, in den sogar Mitglieder des englischen Unterhauses verwickelt waren.
Auf Nauru geht der Phosphatabbau munter weiter, obwohl man annimmt, daß die Lager bis zum Ende des Jahrhunderts erschöpft sein werden. Wenn nichts unternommen wird, droht Nauru eine häßliche Wüste zu werden.
Unheil im „Paradies“
Der Phosphatabbau bringt den Nauruanern wenigstens Geld. Wie ergeht es aber der Bevölkerung in Distrikten, in denen kein Phosphat abgebaut wird und wo es keine anderen Verdienstmöglichkeiten gibt? Leider ist dort die Armut weit verbreitet. Vielfach haben die Leute auch wenig zu essen. Von einer industriellen Entwicklung kann keine Rede sein; die Bevölkerung lebt zur Hauptsache vom Fischfang.
Auf allen mikronesischen Inseln wird viel Spiritismus getrieben. Der eine oder andere Tourist mag die „Geisterhäuser“, in denen die Geister wohnen sollen, interessant finden, aber die Bevölkerung, die diesem Geisterglauben anhängt, leidet sehr darunter. Die Leute fürchten sich vor den Geistern, denn sie werden gelehrt, daß sie Krankheit und Tod verursachen, wenn sie nicht besänftigt werden. Auch Zauberei wird praktiziert; Liebes- und Haßamulette sind immer noch in Gebrauch.
Ein weiteres Problem ist die Trunkenheit, insbesondere unter den Arbeitslosen. Es kommt oft vor, daß der betrunkene Mann Frau und Kinder schlägt oder daß Verbrechen begangen werden. Erstaunlich ist auch, wie hoch hier die Selbstmordziffer ist. Vor kurzem begingen auf einer kleinen Insel mit 3 000 Einwohnern in nur drei Monaten acht Jugendliche Selbstmord. Um wirklich glücklich zu sein, ist offensichtlich mehr erforderlich, als auf einer schönen Insel zu wohnen.
Ferner leiden die Menschen auch hier wie in anderen Gebieten der Welt unter ihren jahrtausendealten Feinden, Krankheit und Tod. Diese verbreiten Trauer und Schmerz in einem Gebiet, das sonst in mancher Hinsicht ein Paradies ist.
Angst im „Paradies“
Vieles, was sich in der Welt ereignet, flößt der hiesigen Bevölkerung Angst ein. Die Mikronesier sind schon von vier verschiedenen Großmächten regiert worden, und jede hat sie in irgendeiner Weise bedrückt. Im Zweiten Weltkrieg wurde hier erbittert gekämpft, und Spuren dieser Kämpfe sind heute noch auf diesen schönen Inseln zu sehen. Verrostete Rümpfe halb versunkener Schiffe, Überreste abgeschossener Flugzeuge, zerfallende Flakgeschütze, von Pflanzen überwucherte Geschützrohre, die aus muffigen Höhlen hervorschauen, tiefe Löcher in den Feldern und auf den Straßen — alles stumme Zeugen der Schrecken, die diese Inseln vor wenigen Jahrzehnten erlebt haben.
Nach dem Krieg äußerte ein Politiker aus dem Trukdistrikt, in dem eine der schlimmsten und blutigsten Seeschlachten ausgefochten worden war, die Bitte: „Sollten die Vereinigten Staaten je wieder einen Krieg führen wollen, dann bitte nicht mehr im Trukdistrikt!“ Dieser Mann hatte mit eigenen Augen gesehen, daß die Straße, die rings um eine der Inseln führt, vom Blut der Bombenopfer rot gefärbt war und daß die Flutwasser rot von Menschenblut waren. Noch zwei Jahre nach der Schlacht wurde Öl, das von den versenkten Schiffen stammte, an die Küste gespült.
Werden solche Bitten beherzigt? Anscheinend nicht. Auf dem Atoll Kwajalein, das zu den Marshallinseln gehört, sind als Gegengewicht gegen die Präsenz russischer U-Boote, die in der Nähe kreuzen sollen, und der Kriegsschiffe, die die amerikanischen militärischen Einrichtungen ausspionieren möchten, Raketen aufgebaut worden. Weil Guam an einer strategisch wichtigen Stelle im Pazifik liegt, wird es von US-Militärstreitkräften bewacht.
Im Jahre 1946 wurden sich die liebenswürdigen Bewohner Mikronesiens bewußt, daß sie im Atomzeitalter lebten, denn damals machten die Vereinigten Staaten auf Bikini, das zu den Marshallinseln gehört, Atombombenversuche. Wegen der Strahlengefahr darf die Bevölkerung immer noch nicht dahin zurückkehren. Vielleicht muß sie noch viele Jahre warten. England und Frankreich haben ihre Kernwaffen auf anderen lieblichen Inseln im Pazifik ausprobiert.
Vor kurzem löste ein neues Projekt einen Sturm der Entrüstung aus. Japan schlug vor, chemische Abfälle und Atommüll, in Behälter verpackt, in der Nähe von Guam im Pazifik zu versenken. Aber vorläufig wird dieses Projekt nicht verwirklicht werden, weil sich die Regierung von Guam dagegengestellt hat.
Wir möchten nicht mißverstanden werden. Diese Inseln sind wirklich wunderschön, und sie zu besuchen würde dir bestimmt Freude bereiten. Noch immer geht die Sonne über dem blauen Meer auf und hinter den sich sanft im Passat wiegenden Palmen unter. Die mit dunkelgrünem Urwald überkleideten Berge, die tosenden Wasserfälle und die Sandstrände sind immer noch vorhanden. Aber die Probleme — viele davon vom Menschen selbst verursacht — verhindern, daß diese Inseln in jeder Hinsicht ein Paradies sind.
Bedeutet das, daß man nie hoffen kann, einmal in einem echten Paradies zu leben, das landschaftlich wunderschön ist und in dem der Mensch nichts zerstört, in dem alle Menschen von Herzen aneinander interessiert sind und in dem man ein wirklich sinnvolles Leben führen kann?
[Bilder auf Seite 6]
Stachelameisen
Wirbelstürme
Vulkane
[Bilder auf Seite 7]
Nächtlicher Lärm
Raubbau
Spiritismus
[Bilder auf Seite 8]
Trunkenheit
Spuren des Krieges
Alter und Krankheit
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Wird es je ein echtes Paradies geben?Erwachet! 1982 | 8. Februar
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Wird es je ein echtes Paradies geben?
„WAHRLICH, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradiese sein.“ Diese Worte, vor fast 2 000 Jahren gesprochen, lassen erkennen, daß sich der Mensch nicht erst seit heute für das Paradies interessiert. Vom Paradies sprechen die Menschen schon seit langem.
Dieses Versprechen wurde jedoch bei einer anscheinend ungeeigneten Gelegenheit gegeben und einer Person, die offenbar überhaupt keine Aussicht hatte, je im Paradies zu leben. Die Zusicherung stammte von Jesus Christus. Man hatte ihn auf römische Weise an einen Stamm geschlagen, an dem er langsam und qualvoll sterben mußte. Erhalten hatte die Zusicherung ein Verbrecher, der ebenfalls zum Tod am Pfahl verurteilt worden war.
Entsprach diese Verheißung vom Paradies nur einem Wunschdenken? Oder wird die Erde eines Tages wirklich ein Paradies sein? Beachte folgende Tatsachen.
Ein potentielles Paradies
Unser Besuch Mikronesiens hat uns drei wichtige Dinge vor Augen geführt: Die Erde besitzt die Voraussetzungen dafür, ein Paradies zu sein. Diese Inseln sind immer noch atemberaubend schön, obschon der Mensch Raubbau treibt und viele andere Fehler macht. Und wenn auch Tropeninseln einen besonderen Reiz haben, ist es eine Tatsache, daß die Erde überall schön ist. Es gibt so viel Schönheit auf der Erde — man denke nur an die majestätischen Schneeberge, die fruchtbaren Täler, die friedliche Stille der Tundra und an den üppigen tropischen Urwald —, daß einem das Herz vor Dankbarkeit überströmt. Unter geeigneten Bedingungen könnte die ganze Erde ein Paradies sein.
Wir beobachten auch, daß die Erde ein großes Regenerationsvermögen besitzt, so daß sie imstande ist, Wunden, die der Mensch ihr schlägt, zu heilen. In der Truklagune beispielsweise werden die düsteren Rümpfe der gesunkenen Kriegsschiffe von seltsamen Meerestieren besiedelt und wundervoll geschmückt. Wenn die Verschmutzung der Luft, des Wassers und des Bodens aufhört, setzt auf natürlichem Wege eine erstaunliche Regeneration ein.
Außerdem stellen wir fest, daß der Mensch für die Umweltschäden größtenteils selbst verantwortlich ist. Er ist es, der durch Verschmutzung, durch Verbrechen und Gewalttaten, durch Raubbau oder zufolge des Rüstungswettlaufs der Weltmächte seine Umgebung allmählich zerstört. Das ist nicht nur im Pazifik so, sondern überall in der Welt.
Eine Aufgabe der Regierung
Demnach muß sich der Mensch ändern, damit ein echtes Paradies entstehen kann. Seine unrechten Neigungen müssen beherrscht und seine schöpferischen Fähigkeiten in rechte Bahnen gelenkt werden. Das hört sich so an, als wäre es eine Aufgabe für die Regierung, aber die Schwierigkeit besteht darin, daß es noch keiner Regierung gelungen ist, die allmähliche Zerstörung der Erde durch den Menschen aufzuhalten.
In dieser Verbindung ist es interessant, zu wissen, daß die Worte Jesu über das Paradies eine Antwort auf eine Äußerung in bezug auf eine Regierung waren. Der Verbrecher, der neben ihm am Pfahl hing, hatte die über Jesu Kopf angebrachte Inschrift gelesen: „Dieser ist der König der Juden.“ Deshalb sagte er zu Jesus: „Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Königreich kommst.“ Auf diese Bitte hin gab Jesus das Versprechen: „Wahrlich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradiese sein“ (Luk. 23:38-43).
Vermag Jesus als König etwas zu tun, was keinem anderen Herrscher gelingt? Wird er imstande sein, die Erde zu einem echten Paradies zu machen? Ja, denn Jesus ist kein irdischer Herrscher, sondern er regiert vom Himmel aus. Auch kann er sich auf die Macht Gottes stützen.
Wenn wir an die Herkunft und Stellung Jesu denken, können wir das besser begreifen. Aus der Bibel geht hervor, daß Gott durch ihn die Erde und alles Leben darauf schuf (Spr. 8:22-31; Kol. 1:15-17). Jesus versteht daher die Ökosysteme der Erde. Er weiß, wie man mit den Bodenschätzen richtig umgeht. Als er auf der Erde war, führte er die Beherrschung der Naturgewalten vor, indem er einen Windsturm stillte und seinen Nachfolgern, die die ganze Nacht umsonst gefischt hatten, sagte, was sie tun mußten, damit sie viele Fische fingen (Mar. 4:35-41; Joh. 21:4-8). Unter der Herrschaft dieses Königs werden die Menschen weder durch Taifune noch durch Erdbeben, noch durch Vulkanausbrüche geschädigt werden; und alle Ökosysteme werden im Gleichgewicht sein.
Die Menschen werden dann gelehrt werden, miteinander in Frieden zu leben. Über das, was Gott durch Jesu Königsherrschaft bewirken wird, lesen wir in der Bibel: „Er wird gewißlich Recht sprechen unter vielen Völkern und die Dinge richtigstellen hinsichtlich mächtiger Nationen in der Ferne. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden müssen und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht werden sie das Schwert erheben, Nation gegen Nation, auch werden sie den Krieg nicht mehr lernen“ (Mi. 4:3, 4). Unter einer solchen Herrschaft wird unsere schöne Erde nie mehr durch Kriege verheert werden.
Wird das wirklich geschehen?
„Augenblick mal, bitte“, magst du sagen. „Jesus starb, kurz nachdem er die Paradiesesverheißung gegeben hatte.“ Das stimmt, und man könnte meinen, daß aus diesem Grund keine Hoffnung auf eine Erfüllung dieser Verheißung bestehe.
Doch am dritten Tag nach Jesu Tod ereignete sich etwas Wunderbares. Jehova Gott machte ihn wieder lebendig. Das mag vielleicht unglaublich klingen, aber es ist eine gut bezeugte geschichtliche Tatsache. Nach seiner Auferstehung wurde Jesus von rund 500 Personen gesehen (1. Kor. 15:3-22). Das hatte zur Folge, daß die Hoffnung auf ein Paradies unter Christi Herrschaft realisierbar wurde. Das Versprechen, das er dem sterbenden Verbrecher gegeben hatte, konnte eingelöst werden (Apg. 17:31).
Seit jenem bedeutsamen Ereignis ist die Entwicklung unaufhaltsam weitergegangen, und die Zeit wird kommen, da Jesus absolute Macht über die Erde ausüben wird (Dan. 2:44). Es läßt sich beweisen, daß die gegenwärtigen gefährlichen Weltverhältnisse symptomatisch dafür sind, daß diese Zeit unmittelbar bevorsteht.a Daher wird, wie es vorausgesagt wurde, die „gute Botschaft vom Königreich“ unter Christus in allen Ländern der Erde gepredigt, einschließlich der pazifischen Inseln (Mat. 24:14). Viele Menschen, auch solche, die in einer paradiesischen Gegend wohnen, hoffen auf ein echtes, weltweites Paradies. Sie erwarten, daß Gottes Königreich unter Christus das bewirken wird.
Die Bewohner des Paradieses
Aus Jesu Lehren geht hervor, was für Menschen unter seiner Herrschaft im Paradies leben werden. Vor allem betonte er, daß jeder, der dort leben möchte, Gott wahrhaft lieben muß. „Du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Sinn“ (Luk. 10:25-27). Menschen, die Gott so lieben, werden auch allen seinen Geboten gehorchen. Sie werden sich weder betrinken noch unmoralisch handeln; auch werden sie nicht aus purer Selbstsucht und Gewinnsucht Gottes Schöpfung, die Erde, zerstören.
Ferner sagte Jesus zu seinen Nachfolgern: „Dies ist mein Gebot, daß ihr einander liebt, so, wie ich euch geliebt habe. Niemand hat größere Liebe als die, daß einer seine Seele zugunsten seiner Freunde hingebe“ (Joh. 15:12, 13). Jesus opferte sein menschliches Leben aus Liebe zur Menschheit — aus Liebe zu Angehörigen aller Rassen, aller Völker und aller Sprachen. Er lehrte seine Nachfolger, die Interessen anderer den eigenen voranzustellen. Auf der ganzen Welt gibt es bereits Millionen Menschen, die aufrichtig bemüht sind, so zu leben. In einer Gemeinschaft von Menschen, die so eingestellt sind, werden Verbrechen, gedankenlose Lärmverschmutzung und andere ähnliche Probleme bald nicht mehr existieren. Selbst Armut wird nicht lange bestehen, wenn jeder selbstlos am anderen interessiert ist.
Aber vielleicht denkst du jetzt: „Im Paradies gibt es immer eine Schlange. Christi Königreich mag noch so erfolgreich sein, doch bald wird wieder jemand kommen und alles zerstören.“ Das mag so sein, wenn der Mensch versucht, Reformen durchzuführen. Wir aber sprechen von dem, was Gottes himmlische Regierung unter Christus, dem König, erzielen wird. Niemand wird das Paradies zerstören, das durch diese Regierung geschaffen werden wird.
Auch darf man nicht vergessen, daß Gott eine Änderung der Menschen bewirken kann. Saulus von Tarsus war ein fanatischer Gegner des Christentums. Aber als er die christliche Wahrheit annahm, änderte er sich völlig und wurde der christliche Apostel Paulus. Auch heute gibt es Menschen, die sich in einer solchen Weise wandeln (Apg. 22:1-11; Kol. 3:9-14; 1. Thes. 2:5-12).
Ein älterer Bewohner von Nauru zum Beispiel war tieftraurig, weil seine drei Kinder während der japanischen Besetzung der Insel im Zweiten Weltkrieg verhungert waren. Du kannst dir vielleicht vorstellen, welche Gefühle er gegen die Japaner hegte. Aber dann studierte er mit Jehovas Zeugen die Bibel, und als er die Wahrheit von Gottes Königreich unter Christus kennenlernte, änderte er sich. Als ein japanischer Tourist vor kurzem keine Möglichkeit hatte weiterzureisen, nahm er ihn gastfreundlich in sein Haus auf. Er sagte, seit er die Bibel studiere, empfinde er keine Rachegefühle mehr.
Unter dem Einfluß des Königreiches Gottes ändern sich Menschen überall in der Welt. Gewalttätige Personen werden friedlich. Gesetzesübertreter werden gesetzestreu. Verbitterte oder enttäuschte Personen finden Trost und Freude. Ferner erfreuen sich alle Arten von Menschen — solche, die in landschaftlich reizvoller Umgebung leben, und solche, die in Slums leben — eines sogenannten geistigen Paradieses.
Wie ist das zu verstehen? Nun, sie pflegen Gemeinschaft mit wahren Christen, mit Personen, die Jehova Gott in ihrem Leben an die erste Stelle setzen und die von ihm gesegnet werden, Personen, die in Jesus Christus den neuen König der Erde sehen und dafür bekannt sind, daß sie freimütig mit anderen über Gottes Königreich sprechen und Liebe untereinander haben. Sie kennen ‘den Frieden Gottes, der alles Denken übertrifft’, ganz gleich, wo sie wohnen (Phil. 4:7; Eph. 4:20-32). Man versuche sich vorzustellen, wie das Leben auf der Erde sein wird, wenn sie zu einem Paradies geworden ist, in dem nur noch solche Menschen leben.
„Aber nicht jeder wird sich ändern“, magst du einwenden. Das stimmt, indessen werden auch nur Menschen, die bereit sind, sich zu ändern, unter Gottes Königreich leben dürfen. Gott wird ‘die verderben, die die Erde [weiterhin mutwillig] verderben. Die Bibel sagt nachdrücklich: „Nur noch eine kleine Weile, und der Böse wird nicht mehr sein; und du wirst dich sicherlich umsehen nach seiner Stätte, und er wird nicht dasein. Aber die Sanftmütigen selbst werden die Erde besitzen, und sie werden in der Tat ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens“ (Ps. 37:10, 11; Offb. 11:18). Wie glücklich werden diese sanftmütigen Menschen sein!
Eine sichere Hoffnung
Aber sie wären nicht ganz glücklich, wenn sie und ihre Angehörigen immer noch krank würden und sterben müßten. Es ist daher beachtenswert, daß Jesus, als er auf der Erde war, alle Arten von Krankheiten heilte, Dämonen austrieb und sogar Tote auferweckte (Mat. 8:28-32; 11:2-5; Joh. 11:43, 44). Dadurch, daß Jesus durch Gottes Geist Dämonen austrieb, zeigte er, daß er mächtiger ist als die bösen Geistermächte. Im Paradies braucht man sich daher vor Zauberei und Dämonismus nicht zu fürchten. Und dadurch, daß Jesus Kranke heilte und Tote auferweckte, führte er den Menschen deutlich vor Augen, daß Gott vorhat, durch ihn, den neuen König der Erde, die Menschheit für immer von Krankheit und Tod zu befreien (Jes. 25:8).
Der Verbrecher, der neben Jesus am Pfahl hing, wird die Erfüllung des Versprechens Jesu, daß er ‘mit ihm im Paradies’ sein werde, erleben. Natürlich wird er sich ändern und sich Jehovas Normen anpassen müssen, wenn er im Paradies bleiben möchte.
Möchtest du wirklich im Paradies leben? Diese Möglichkeit hast du. Du brauchst aber nicht vom entgegengesetzten Ende der Welt hierher, auf diese tropischen Inseln, zu reisen, um in einem Paradies zu leben. Denn bald wird die ganze Erde ein buchstäbliches und ein geistiges Paradies sein. Bis es soweit ist, kannst du, ganz gleich, wo du wohnst, in einem geistigen Paradies leben.
Warum nicht die Bibel lesen, um dich von der Richtigkeit des Gesagten zu überzeugen? Jehovas Zeugen helfen dir nur zu gern dabei. Vergewissere dich selbst, daß das keine trügerische Hoffnung ist. Mache dich mit all dem vertraut, was Gott von denen fordert, die das Paradies erlangen möchten, und du wirst dabeisein, wenn sich die bemerkenswerte Verheißung erfüllt: „Gott ... wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen“ (Offb. 21:3, 4). Dann wird die ganze Erde ein echtes Paradies sein.
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