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Möchtest du in einem Paradies leben?Erwachet! 1979 | 22. November
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Möchtest du in einem Paradies leben?
Auf den Gedanken, daß zwischen einem Friedhof und einem weltweiten Paradies ein Zusammenhang besteht, kommt kaum jemand. Behalte diesen Zusammenhang jedoch im Sinn, während du diese Artikel liest.
OHLSDORF, eingeschlossen im Stadtbereich von Hamburg, gleicht einem selbständigen Gemeinwesen, dessen Bevölkerung sich wöchentlich um 220 Personen vermehrt. Zehntausende von Bäumen und Sträuchern sowie Rhododendronbüsche und Blumenrabatten schmücken diesen Ort.
Jedes Jahr pilgern Hunderttausende von Menschen nach Ohlsdorf. Und ich wage zu behaupten, daß Ohlsdorf einerseits einen Besuch wert ist, andererseits aber doch kein Ort ist, an dem man bleiben möchte. Seine über 1 200 000 Bewohner hätten es vorgezogen, nicht in Ohlsdorf zu sein. Ja, obschon Ohlsdorf ein solch schöner Ort ist, möchte niemand hier wohnen. Ohlsdorf ist nämlich ein 400 Hektar großer Friedhof — der größte Friedhof Europas. Wären alle der über 1 200 000 „Einwohner“ in einem Grab von durchschnittlicher Größe bestattet worden, würden ihre Gräber, wenn man eines neben dem anderen angelegt hätte, ein zwei Meter breites und 1 100 Kilometer langes von Hamburg bis nach Wien reichendes Band bilden.
Früher hatte ich mir wenig Gedanken über den Ohlsdorfer Friedhof gemacht. Doch das änderte sich, als ich an einem sonnigen Septembertag dorthin fuhr, um eine Begräbnisansprache für die verstorbene Mutter einer guten Bekannten zu halten. Die Ansprache sollte in Kapelle 10 sein. Ich fragte mich: „Ist denn der Friedhof so groß, daß es dort mindestens 10 Hallen für Trauerfeiern gibt?“ Als ich auf dem Friedhof ankam, machte ich große Augen und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Befand ich mich denn überhaupt auf einem Friedhof oder eher in einem herrlichen Park, in einem Paradies?
Geschichte des Ohlsdorfer „Paradieses“
Wie ist dieses „Paradies“ entstanden? In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reichten die regionalen Bestattungsplätze der verschiedenen Kirchengemeinden von Hamburg nicht mehr aus, und so begann eine Kommission, Vorbereitungen für einen Zentralfriedhof in der Ohlsdorfer Feldmark, ungefähr 10 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, für die Verstorbenen aller Konfessionen zu treffen. Später wurde Ohlsdorf eingemeindet, und der Friedhof wurde so bekannt, daß man von einem verstorbenen Hamburger sagt, er sei in Ohlsdorf.
Johann Wilhelm Cordes, Schöpfer und erster Verwalter des Friedhofs, sagte, daß auf einem Friedhof „Schönheit das Auge entzücken und die Pflanze das Grab verdecken soll“.
Das gelang ihm auch, denn der Ohlsdorfer Friedhof mit seiner Fülle von mannigfaltigen Pflanzen zählt zu den schönsten Friedhöfen, die es gibt. In seiner Gestaltungskonzeption war er Vorbild für eine Reihe ähnlicher Anlagen, die um die Jahrhundertwende in vielen anderen deutschen Städten entstanden.
Den Friedhof schmücken über 300 Arten Laubbäume, 150 Arten Nadelgehölze und unzählige Sträucher und Büsche. Der artenreiche Baumbestand von der amerikanischen über die europäische bis zur asiatischen Konifere (Nadelgehölze) sowie die mannigfaltigen Straucharten, zum Teil mit kleinen Schildern versehen, lassen den Eindruck eines botanischen Gartens aufkommen. Die jährliche Attraktion ist die stets im Juni wiederkehrende Rhododendronblüte. 29 Arten dieser großen Büsche hüllen die „Cordesallee“ zu beiden Seiten in ein atemberaubendes Blütenmeer.
Im Park gibt es auch 2 500 Bänke und 650 Stühle sowie 660 Brunnenanlagen. Auf den Teichen, die über den ganzen Park verstreut sind, tummeln sich Hunderte von Enten und Gänsen sowie schwarze Schwäne. Der Besucher kann sich auf eine dieser Bänke oder einen der Stühle an einem Teich oder an einer Brunnenanlage setzen, um sich zu erholen und sich, besonders im Frühling, das Konzert der „gefiederten Sänger“ anzuhören. Ja, der Frieden und die Ruhe an diesem Ort sind wohltuend. Die Schönheit und das Idyllische dieses Parkfriedhofs erinnerten mich an das Paradies.
Gedanken über das Paradies
Ein Paradies für die Lebenden wäre begrüßenswert, aber warum ein Paradies für die Toten? Zweifellos haben Cordes und andere Friedhofsarchitekten solche Friedhöfe geschaffen, um ihnen den Charakter des Todes und der verzweifelnden Trauer zu nehmen. Der Tod ist tatsächlich der Feind des Menschen, wie die Bibel deutlich zeigt (1. Kor. 15:26). Schönheit kann einem Menschen, dem großes Leid widerfährt, erkennen helfen, daß es sich trotz des erlittenen Verlustes zu leben lohnt. Dennoch vermögen auch die schönsten Friedhofsanlagen den Schmerz, den man nach dem Tod eines lieben Angehörigen empfindet, nicht zu stillen.
Die Zeitschrift Stern schrieb einmal: „Da kommt er zu früh und dort zu spät; aber er kommt bestimmt, und zuletzt gewinnt er immer. Er — das ist der Tod.“ Bedeutet das, daß der Mensch nur die Aussicht hat, einmal in einem solchen Paradies zu sein, wie es der Ohlsdorfer Friedhof ist? Das wäre bestimmt keine tröstliche Hoffnung. Wer möchte schon für immer in einem solchen Paradies sein?
Ich begann darüber nachzudenken, wie merkwürdig es doch ist, daß heute viele bei einem Spaziergang durch einen schönen Park das Gefühl haben, in einem Paradies zu sein, aber die Hoffnung, jemals in einem Paradies zu leben, als Traum abtun. Gehörst du auch zu diesen Menschen? Ja? Nun, warum sollte die Schaffung eines weltweiten Paradieses unmöglich sein, da der Mensch doch über so große technische und schöpferische Fähigkeiten verfügt? Wie wäre es, wenn die ganze Erde ein Paradies wäre, wenn es überall so schön wäre wie im Garten Eden, der im Bibelbericht über Adam und Eva erwähnt wird? Beabsichtigt Gott, der Schöpfer der Erde, das Paradies wiederherzustellen? Und vor allem ist die Frage wichtig: Gibt es stichhaltige Gründe dafür, daß er noch zu unseren Lebzeiten ein weltweites Paradies schaffen wird?
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Die biblische Grundlage der ParadieseshoffnungErwachet! 1979 | 22. November
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Die biblische Grundlage der Paradieseshoffnung
NACH der Bibel begann die Geschichte der Menschheit in einem Garten, einem Paradies, in Eden. Wie sah dieser Garten aus? Wir kennen nicht alle Einzelheiten, aber nach den zuverlässigen biblischen Aufzeichnungen war es ein Garten, in dem „allerlei Bäume“ wuchsen, „begehrenswert für den Anblick und gut zur Speise“ (1. Mose 2:9). Hört sich das nicht gut an? Und wo lag dieser Garten? In 1. Mose 2:10-14 finden wir einige Hinweise:
„Nun war da ein Strom, der von Eden ausging, um den Garten zu bewässern, und von dort aus begann er sich zu teilen, und er wurde gleichsam zu vier Hauptflüssen. Der Name des ersten ist Pischon ... Und der Name des zweiten Stromes ist Gichon; es ist der, der das ganze Land Kusch umfließt. Und der Name des dritten Stromes ist Chiddekel ... Und der vierte Strom ist der Euphrat.“ Die Gelehrten vermuten deshalb, das Paradies habe sich in Vorderasien, da, wo jetzt die östliche Türkei ist, befunden. Gott wollte ursprünglich, daß das Edenparadies ausgedehnt werde, bis es die ganze Erde umspannt hätte (1. Mose 1:28).
Glaubst du, daß es den Garten Eden wirklich gegeben hat? Der Theologe und Bibelübersetzer Hans Bruns schreibt in seinem Kommentar zu diesen Versen: „Die Ströme sollen wohl andeuten: wir haben es hier nicht mit Märchen zu tun, sondern es ist wirklich so auf Erden geschehen.“ Es gibt aber auch noch andere Gründe, warum wir sicher sein können, daß das Paradies existiert hat.
Ein irdisches Paradies — in der Vergangenheit und in der Zukunft
Die Erinnerungen an das Paradies sind erhalten geblieben. In der Septuaginta, der Übersetzung der Hebräischen Schriften ins Griechische (280 v. u. Z.), wird das hebräische Wort für Garten, wenn es in Verbindung mit Eden steht, mit dem Ausdruck paradeisos wiedergegeben. In Althochdeutsch sagte und schrieb man paradis, das unserem neuzeitlichen Paradies in der Schreibweise schon fast gleicht. Ohne Zweifel erzählte Adam seinen Nachkommen in der ihm von Gott gegebenen Sprache von dem Garten bzw. dem Paradies, in dem er gelebt hatte. Es ist vernünftig anzunehmen, daß der Mensch, nachdem er aus dem Paradies vertrieben worden war, die Hoffnung hatte, wieder einmal dorthin zu gelangen. Einige Zeit nach der Sintflut wurden die Menschen infolge der Sprachverwirrung zu Babel in alle Himmelsrichtungen zerstreut und trugen natürlich auch ihre religiösen Kenntnisse in alle Welt. Im Laufe der Zeit haben die verschiedensten Einflüsse wie unterschiedliche Kultur und geographische Verhältnisse den ursprünglichen Bericht über das Paradies verändert, dennoch tauchen im Sagenschatz vieler alter Völker Erinnerungen an das Paradies auf. John Navone schrieb in der kanadischen Zeitschrift Studies in Religion: „Der Glaube an ein Paradies, in dem der Mensch ursprünglich lebte, oder an ein Paradies, in das er schließlich eingehen wird, ist wahrscheinlich in allen Religionen verbreitet.“
In vielen Prophezeiungen über das Verheißene Land und über die Herrschaft des Messias wird die Hoffnung auf ein künftiges Paradies angedeutet. Der Prophet Jesaja sagte zum Beispiel voraus: „Denn Jehova wird Zion gewißlich trösten. ... er wird ihre Wildnis wie Eden machen und ihre Wüstenebene wie den Garten Jehovas.“ Das bedeutete, daß es nicht sein würde wie in einer Wildnis oder in einer Wüste, sondern daß alles grünen und blühen würde wie in einem Paradies. Der Prophet sprach auch davon, daß Häuser gebaut und Weingärten gepflanzt würden und daß die Menschen lange leben und den Ertrag der Erde genießen würden (Jes. 51:3; 65:21-23).
Diese Worte gingen in Erfüllung, als die Israeliten nach 70jähriger Gefangenschaft in Babylon in das Verheißene Land zurückkehrten. Während der Gefangenschaft war dieses Land in einem trostlosen Zustand, doch dann wurde es wie ein Paradies. Aber das war nicht alles. Nach der Bibel sollte sich diese Prophezeiung in einem noch größeren Umfang erfüllen. Fast 800 Jahre danach wiederholte der Apostel Petrus die Prophezeiung Jesajas, die besagt, daß es „neue Himmel und eine neue Erde“ geben wird (2. Petr. 3:13). Gemäß Offenbarung 21:1 sah der Apostel Johannes in einer Vision einen „neuen Himmel und eine neue Erde“ voraus.
Die Prophezeiungen über eine künftige „neue Erde“ beziehen sich natürlich nicht auf einen neuen Erdball. (Siehe Psalm 104:5; Jesaja 45:18.) Die Schaffung einer „neuen Erde“, einer neuen menschlichen Gesellschaft auf der Erde, die Gott völlig hingegeben und an der Förderung seiner Anbetung interessiert ist, wird auch zweifellos Veränderungen auf der buchstäblichen Erde mit sich bringen. Eine solche menschliche Gesellschaft darf mit Recht erwarten, von Gott gesegnet zu werden, was sich auch vorteilhaft auf die buchstäbliche Erde auswirken wird. Während der Begräbnisansprache auf dem Ohlsdorfer Friedhof wies ich auf diese Tatsache hin und zitierte unter anderem Psalm 67:6, 7, wo es heißt: „Die Erde selbst wird bestimmt ihren Ertrag geben; Gott, unser Gott, wird uns segnen. Gott wird uns segnen, und alle Enden der Erde werden ihn fürchten.“
Gemäß der bereits erwähnten Vision in Offenbarung 21 sah Johannes, daß die Regierung der neuen göttlichen Ordnung ihre Aufmerksamkeit der Erde zuwendet. Was wird das zur Folge haben? „Dann hörte ich eine laute Stimme vom Throne her sagen: ,Siehe! Das Zelt Gottes ist bei den Menschen [man beachte, daß hier gesagt wird, Gott sei bei den Menschen, und nicht, die Menschen seien bei Gott im Himmel], und er wird bei ihnen weilen, und sie werden seine Völker sein. Und Gott selbst wird bei ihnen sein. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen‘“ (V. 3, 4). Hört sich das nicht an, als würde auf der Erde wieder ein Paradies erstehen?
In den meisten Kirchen erfährt man allerdings wenig über die biblische Verheißung eines künftigen erdenweiten Paradieses. In der Begräbnisansprache wies ich indessen darauf hin, daß Anbeter des wahren Gottes — sowohl die, die vor Christus, als auch die, die im ersten Jahrhundert nach Christus lebten — etwas von einem irdischen Paradies wußten. Erst später, nachdem der vorausgesagte Abfall vom Christentum begonnen hatte, verlor man die Hoffnung auf die Wiederherstellung des irdischen Paradieses allmählich aus den Augen.
Aufgrund der biblischen Chronologie und der erfüllten Prophezeiungen kann man erkennen, daß die Zeit nicht mehr fern ist, in der Gott eingreifen, das gegenwärtige böse System der Dinge vernichten und es durch die gerechte Herrschaft seines Sohnes, Christus Jesus — durch „neue Himmel“ —, ersetzen wird. Die Menschen, die diese Drangsal überleben, werden den Kern einer „neuen Erde“ bilden. Personen, die jetzt Gott treu dienen, haben die Aussicht, einmal in dem Paradies zu leben. Aber sie haben nicht nur die Aussicht, darin zu leben, sondern sie werden auch bei seiner Errichtung mithelfen dürfen. Möchtest du das auch?
Der Anteil des Menschen an der Wiederherstellung des Paradieses
Das Paradies ist nichts für Menschen, die den Müßiggang lieben, vielmehr wird darin fleißig gearbeitet werden. (Vergleiche Johannes 5:17.) Das Paradies wird von Personen geschaffen, die das Gebot ausführen werden, das Gott den Menschen im Edenparadies gab: sich die Erde zu unterwerfen, sie zu bebauen und zu pflegen. Die Bereitwilligkeit des Menschen, das in Übereinstimmung mit der göttlichen Unterweisung zu tun, und Gottes Segen werden bewirken, daß sich allmählich paradiesische Verhältnisse über die ganze Erde ausbreiten werden (1. Mose 1:28).
Heute gibt es viele Leute, die mit ihrer täglichen Arbeit unzufrieden sind, weil sie so monoton und anscheinend wenig sinnvoll ist, außer daß sie als Broterwerb dient. Wie anders werden die Verhältnisse sein, über die Jesaja prophetisch sagte: „Sie werden Häuser bauen und selbst darin wohnen, sie werden Reben pflanzen und ihre Früchte genießen. Sie bauen nicht, damit ein anderer in ihrem Haus wohnt, und sie pflanzen nicht, damit ein anderer die Früchte genießt. ... Was meine Auserwählten erarbeitet haben, werden sie selber verzehren ... Denn sie sind ein vom Herrn gesegnetes Volk und ebenso ihre Kinder“ (Jes. 65:21-23, Einheitsübersetzung). Solche Verhältnisse werden im künftigen irdischen Paradies herrschen. Kannst du dir vorstellen, wie befriedigend es sein wird, deine Kräfte und deine Fähigkeiten für solch eine Tätigkeit einzusetzen? (Pred. 2:24).
Würde es dir Freude machen, mitzuhelfen, das Paradies wiederherzustellen? Diese Hoffnung haben Jehovas Zeugen. Deshalb erforschen sie die Bibel und ermuntern andere, das gleiche zu tun. Sie wissen, daß nur Menschen, die sich um eine genaue Erkenntnis der Vorsätze Gottes und seiner Erfordernisse zum Erlangen ewigen Lebens bemühen, an dieser schönen Aufgabe mitwirken dürfen. Gib ihnen Gelegenheit, dir zu helfen, mehr über deine Aussicht zu erfahren, einmal in diesem Paradies zu leben.
Wie ihr Anführer, Christus Jesus, der bis zu seinem Tod mit seinen Mitmenschen über sein Königreich und dessen Segnungen sprach, zu denen auch das Paradies zählt, so verbreiten auch sie die ermunternde Botschaft von einem wiederhergestellten irdischen Paradies. Folgende Worte richtete Jesus kurz vor seinem Tod an einen Übeltäter, der neben ihm an einem Marterpfahl hing: „Wahrlich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradiese sein“ (Luk. 23:43)a.
Wie Jesu Beispiel zeigt, sollten wir etwas Gutes nicht für uns behalten, sondern, von Liebe getrieben, es auch anderen mitteilen. Ja wir sind verpflichtet, so vielen Menschen wie möglich etwas über die tröstende Hoffnung eines künftigen Paradieses zu erzählen. Die Begräbnisansprache auf dem Ohlsdorfer Friedhof war eine günstige Gelegenheit dafür. Da jeder von uns früher oder später in die Lage kommt, einen Freund oder einen Angehörigen zu trösten, der über den Verlust eines geliebten Menschen trauert, sind einige der biblischen Gedanken, die in einer solchen Begräbnisansprache dargelegt werden, sicherlich für uns alle von Nutzen.
[Fußnote]
a Über die richtige Wiedergabe dieser Worte, die für uns alle von großer Bedeutung sein können, bestehen nicht geringe Meinungsverschiedenheiten. Eine eingehende Besprechung dieses Textes findet der Leser auf den Seiten 26 bis 28.
[Bild auf Seite 5]
GARTEN EDEN
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Trauernde mit der Paradieseshoffnung tröstenErwachet! 1979 | 22. November
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Trauernde mit der Paradieseshoffnung trösten
„FERNER, Brüder, wollen wir nicht, daß ihr hinsichtlich derer unwissend seid, die im Tode schlafen, damit ihr nicht betrübt seid wie auch die übrigen, die keine Hoffnung haben“, schrieb der Apostel Paulus. Dann führte er Gründe für die Auferstehungshoffnung an und schloß mit den Worten: „Somit fahrt fort, einander mit diesen Worten zu trösten“ (1. Thess. 4:13, 18). Wer eine Begräbnisansprache hält, möchte in erster Linie die Anwesenden trösten. Aber auch jeder einzelne von uns kann andere trösten, die in Trauer um einen Verstorbenen sind. Wie können wir das tun?
Trauer ist eine natürliche menschliche Reaktion. In der Bibel wird von vielen Dienern Gottes berichtet, daß sie voller Trauer über den Tod eines geliebten Menschen waren. Über Joseph lesen wir beispielsweise: „Dann fiel Joseph auf das Angesicht seines [verstorbenen] Vaters und brach über ihm in Tränen aus und küßte ihn“ (1. Mose 50:1). Außerdem lesen wir: „Und die Söhne Israels beweinten Moses [nach dessen Tod] dann in den Wüstenebenen Moabs dreißig Tage lang“ (5. Mose 34:8). Daß nicht nur unvollkommene Menschen trauern, zeigen die Worte in Johannes 11:35, wo berichtet wird, daß ‘Jesus in Tränen ausbrach’, als er zum Grab seines Freundes Lazarus geführt wurde.
Mit Recht trauern wahre Christen um verstorbene Angehörige, Freunde oder Nachbarn. Sie haben diese Menschen liebgehabt und werden sie nun vermissen (Joh. 11:36). Aber zufolge der auf die Bibel gegründeten Hoffnung ‘sind sie nicht betrübt wie die übrigen, die keine Hoffnung haben’. Das heißt, sie lassen sich nicht von Schmerz übermannen oder verlieren nicht völlig die Fassung wie Leute, die die Wahrheit über den Tod und die Auferstehung nicht kennen. Dennoch sollten Christen dafür sorgen, daß ihre Toten in würdiger Weise bestattet und die Hinterbliebenen getröstet werden.
Eine schöne Möglichkeit, die Hinterbliebenen zu trösten, bietet die Beisetzung des Toten. Bei einem Todesfall kann man sich an die Ältesten einer Versammlung der Zeugen Jehovas wenden, damit diese einen qualifizierten Redner bitten, die Begräbnisansprache in der Friedhofskapelle, am Grab oder im Königreichssaal zu halten. Für diese Dienste wird kein Honorar verlangt. Dem Redner, der von den Ältesten der Versammlung gebeten wird, die Aufgabe zu übernehmen, wird es bestimmt gelingen, die Anwesenden zu trösten, denn er hat ein gutes Verständnis des Wortes Gottes. Er ist sich des Ernstes des Anlasses bewußt und vermag nicht nur die Hinterbliebenen zu trösten, sondern auch die übrigen Anwesenden im Glauben zu stärken. Das geschieht, indem er über die wunderbare biblische Hoffnung spricht, das heißt über die Hoffnung auf ein künftiges irdisches Paradies, an dem sowohl die Überlebenden als auch die Verstorbenen, die einmal auferstehen werden, einen Anteil haben werden.
Eine von Jehovas Zeugen durchgeführte Beerdigung beginnt, sofern es gewünscht wird, mit einem Lied. Das gilt besonders für den Fall, daß die Ansprache in einem Königreichssaal der Zeugen Jehovas stattfindet. Bei einer solchen Gelegenheit werden oft Lieder aus ihrem Liederbuch gesungen wie Nummer 53, ein Lied, dem Johannes 11 und 20:18 sowie Offenbarung 20:13 zugrunde liegt und das betitelt ist „Die Auferstehungsfreude“; ferner das Lied 87, das sich an Psalm 55 anlehnt und betitelt ist „Wirf die Bürden auf Jehova!“, das Lied 97, zu dem Jeremia 8:22 die Anregung gegeben hat und dessen Überschrift heißt „Balsam in Gilead“, oder das Lied „Die Auferstehung — Gottes liebevolle Vorkehrung“, dem Jesu Worte aus Johannes 5:28, 29 zugrunde liegen (Nr. 98).
In den meisten Fällen erwähnt der Redner einiges über den Verstorbenen. Vielleicht war dieser in seiner christlichen Treue beispielhaft, hat manche Prüfungen durch das Festhalten an biblischen Grundsätzen erfolgreich bestanden oder hat auf andere Weise bewiesen, daß ihm daran gelegen war, sich bei Gott einen guten Namen zu machen (Pred. 7:1). Die Trauergemeinde mag solche Worte als tröstend empfinden, aber auch als eine Ermunterung, sich weiterhin zu bemühen, ein christliches Leben zu führen.
Wenn es sich bei dem Verstorbenen um einen wahren Christen handelt, wird der Redner das, was die Bibel über die für die Toten bestehende Hoffnung sagt, mit erwähnen, weil es die Hoffnung des Verstorbenen war. Außerdem mag er taktvoll darauf hinweisen, daß alle Menschen Sünder sind und daher der Tod in dem gegenwärtigen System unumgänglich ist. Wir alle, auch der Verstorbene, haben den Tod ererbt (Röm. 5:12; 6:23).
Der Redner weckt in den Hinterbliebenen nicht die Hoffnung, daß sie dem Verstorbenen in irgendeiner Weise helfen könnten, zum Beispiel durch das Lesenlassen von Messen. Durch Zeremonien kann der Tote weder lebendig gemacht noch kann sein Verhältnis zu Gott beeinflußt werden. (Siehe 2. Samuel 12:19-23.) Welch ein Trost ist es, zu wissen, daß die Toten ohne Bewußtsein sind, daß sie nicht gequält werden und nicht leiden müssen! Ein großer Trost ist es auch, zu wissen, daß das künftige Geschick des Verstorbenen in den Händen eines gerechten und liebevollen Gottes liegt, der die Vorkehrung der Auferstehung geschaffen hat (Pred. 9:5, 10; 5. Mose 32:4).
In der auf dem Ohlsdorfer Friedhof gehaltenen Begräbnisansprache wurde auch Psalm 90:10 erwähnt, wo es heißt: „Die Tage unserer Jahre an sich sind siebzig Jahre; und wenn sie zufolge besonderer Kraft achtzig Jahre sind, geht ihr Drang doch nach Ungemach und schädlichen Dingen.“ Die Statistiken geben der Bibel recht. Aus Meyers Enzyklopädischem Lexikon geht hervor, daß die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt knapp 50 bis etwa 60 Jahre beträgt, und zwar in Ländern wie Kenia, Peru und Chile, während sie in Ländern wie Japan, den Niederlanden und Schweden sowie einigen anderen Ländern etwas über 70 (aber doch ziemlich unter 80) Jahre beträgt.
Der eine oder andere vergleicht sein Leben vielleicht mit einem Bankkonto. Bei der Geburt bekommt jeder 25 600 Tage auf sein „Lebenskonto“ gutgeschrieben. Wenn man noch jung ist, erscheint dieses Konto unerschöpflich. Doch schon im Alter von 25 Jahren ist ungefähr ein Drittel dieser Tage abgebucht. Und mit jedem Tag nimmt das „Lebenskonto“ ab. Im Alter von 35 Jahren ist schon die Hälfte abgebucht. Aber so, wie eine plötzliche Rezession oder ein unerwartetes Ereignis den Verlust eines Bankguthabens zur Folge haben kann, so können unerwartete Umstände bewirken, daß auf dem „Lebenskonto“ vorzeitig nichts mehr vorhanden ist. Doch warum ist das Leben so kurz und dazu noch voller ‘Ungemach und schädlicher Dinge’? Oft wird man durch den Tod eines geliebten Menschen veranlaßt, über diese ernste Frage nachzudenken (Pred. 7:2).
Dennoch kann man Trauernde trösten. Man kann sie darauf aufmerksam machen, daß der Schöpfer des Menschen von Ewigkeit zu Ewigkeit ein sinnvolles Leben führt. Wenn der Mensch, wie die Bibel sagt, in Gottes Gleichnis geschaffen wurde, warum ist dann sein Leben so kurz? (1. Mose 1:27). Es fällt einem schwer, das zu begreifen, wenn man weiß, daß Gott, wie die Bibel zeigt, ein Gott der Liebe ist und ein Gott, der ganz offensichtlich am Glück seiner Geschöpfe interessiert ist und will, daß sie zufrieden sind. Welch ein Trost ist es doch, aus der Bibel zu erfahren und auch zu glauben, daß Gott den Tod zunichte machen kann!
Die Bibel gibt wahren Christen die Zusicherung, daß sie dem Gott dienen, „der die Toten lebendig macht“ (Röm. 4:17). Jehova Gott hat verheißen, den Tod zunichte zu machen, indem er die Toten, die im allgemeinen Grab der Menschheit liegen, auferweckt und sie in einem irdischen Paradies leben läßt. Da Gottes Diener diese Hoffnung haben, ist es nicht verwunderlich, daß sie ‘nicht betrübt sind wie die übrigen, die keine Hoffnung haben’ (1. Thess. 4:13).
Die Hoffnung auf ein Paradies
In einer Begräbnisansprache oder auch wenn man einen einzelnen trösten möchte, der um einen Toten trauert, kann man die Aufmerksamkeit auf das Vorhaben lenken, das Gott ursprünglich mit der Erde hatte: Der paradiesische Garten Eden sollte über die ganze Erde ausgedehnt werden (1. Mose 1:28). Wir können sicher sein, daß Gottes Vorsatz nicht vereitelt werden kann und auch nicht vereitelt werden wird. Allerdings ließ er in seiner Weisheit die Unvollkommenheit unter den Menschen bestehen, griff aber dann ein, indem er seinen Sohn auf die Erde sandte, damit er ein Loskaufsopfer bringen würde, und indem er das himmlische Königreich errichtete. Wir können deshalb zuversichtlich sein, daß die ganze Erde zu einem Paradies gemacht werden wird. Die Toten, die dann auf der Erde auferstehen werden, haben Aussicht auf ein weit schöneres Leben, als sie vor ihrem Tod gekannt haben, auf ein friedliches, sinnvolles Leben. Welch ein Trost kann diese Verheißung aus Gottes Wort sein!
Diese Gedanken gingen mir noch durch den Kopf, nachdem ich mich von der Trauerfamilie und den Freunden der Mutter meiner Bekannten verabschiedet hatte. Als ich den paradiesischen Parkfriedhof von Ohlsdorf verließ, dachte ich beglückt an die Hoffnung auf das andere Paradies, das bald Wirklichkeit werden wird — ein irdisches Paradies für die Lebenden, aber an dem sogar die Toten Anteil haben werden.
[Ganzseitiges Bild auf Seite 9]
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„Erwachet!“ rettete ihr das LebenErwachet! 1979 | 22. November
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„Erwachet!“ rettete ihr das Leben
„Ich möchte Euch gern über jemand, der große Wertschätzung für Eure Bemühungen hat, eine Erfahrung berichten“, schreibt ein Königreichsverkündiger aus Louisiana (USA). „Dieser Jemand ist eine ältere amputierte Dame, die von mir die ,Awake!‘-Ausgabe vom 8. Februar [deutsch: ,Erwachet!‘-Ausgabe vom 8. Mai] mit den Artikeln über das Herz bekam. Sie wohnte in einem Wohnwagen im Garten ihres Sohnes in einem ländlichen Gebiet. Zwar war sie erstaunlich selbstgenügsam, aber schon fast eine Woche lang hatte niemand von ihrer Familie nach ihr gesehen. Als wir uns unterhielten, bemerkte ich, daß sie einen sehr kurzen Atem hatte und blaß war, doch sie meinte beharrlich, es sei die Aufregung, mit jemandem sprechen zu können.
Im weiteren Verlauf der Woche mußte ich ständig an diese Frau denken und fühlte mich gedrängt, bei ihr nach dem Rechten zu sehen. Doch als ich dort ankam, war ihr Wohnwagen verschlossen und dunkel. Ich ging zu einem Telefon, und nachdem ich beide Krankenhäuser angerufen hatte, fand ich sie schließlich auf einer Intensivstation. Sie war überrascht, mich zu sehen, und erklärte, daß sie, kurz nachdem ich gegangen war, ,Awake!‘ zu lesen begonnen hatte und die darin beschriebenen Symptome des Herzinfarkts an sich selbst feststellte. Sie sagte, dann sei ihr Sohn gekommen und sie habe ihn gebeten, sie ins Krankenhaus zu bringen, wo ihr Herzinfarkt von Experten behandelt wurde.
Als längere Besuche gestattet waren, brachte ich ihr das ,Wahrheits‘-Buch, und während wir darin lasen, nahm sie alles begeistert auf, was sie lernte.
Ich weiß, daß die Information ihr physisches Leben gerettet hat; vielleicht wird sie — was noch wichtiger ist — auch ihr geistiges Leben retten.“
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