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In welchem Sinne können wir „Nachahmer Gottes“ werden?Der Wachtturm 1974 | 1. Juni
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zum Zorn, das heißt langmütig ist. Der Apostel Petrus wies auf diese anziehende Eigenschaft Gottes mit den Worten hin: „Jehova ist ... geduldig mit euch, weil er nicht will, daß irgend jemand vernichtet werde, sondern will, daß alle zur Reue gelangen“ (2. Petr. 3:9). Wie langmütig war doch Gott gegenüber seinem Volk, der Nation Israel, während der Herrschaft der Könige! Die Bibel sagt: „Jehova, der Gott ihrer Vorväter, sandte durch seine Boten fortgesetzt Warnungen an sie, immer und immer wieder hinsendend, denn er hatte Mitleid mit seinem Volke“ (2. Chron. 36:15).
23 Wir können Gottes Liebe in dieser Hinsicht nachahmen, indem wir uns über die Unzulänglichkeiten anderer nicht aufregen. Oft mag ein Aufseher durch die Gleichgültigkeit oder Nachlässigkeit gewisser Personen so gereizt werden, daß er, wie man so sagt, „aus der Haut fahren“ könnte. Um aber Nachahmer Gottes zu sein, müssen Aufseher geduldig und langmütig oder langsam zum Zorn sein.
24 Besonders im Familienkreis sollten wir langmütig sein. In der Welt ist es üblich, daß Männer keine Geduld haben mit ihren Frauen. Wie angebracht ist daher der Rat, den der Apostel Paulus Christen gibt: „Ihr Männer, liebt eure Frauen weiterhin, und laßt euch nicht gegen sie erbittern.“! (Kol. 3:19). Sehr passend ist auch das, was der Apostel Petrus über die Behandlung der Frauen schrieb: „Ihr Ehemänner, wohnt gleicherweise weiterhin bei ihnen gemäß Erkenntnis, indem ihr ihnen als einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, Ehre zuerkennt, da auch ihr mit ihnen Erben der unverdienten Gunst des Lebens seid, damit eure Gebete nicht behindert werden.“ Die Beachtung dieses Rates ist ebenso wichtig wie die von Gott angeordnete weltweite Verkündigung seiner Königreichsbotschaft (1. Petr. 3:7).
25, 26. (a) Wie hat Gott die Bereitschaft, alles zu ertragen, bekundet? (b) Auf welche Weise können wir diese Eigenschaft Gottes nachahmen?
25 Um vollkommen zu sein, wie Gott vollkommen ist, müssen wir ferner seine Bereitschaft, alles zu ertragen, nachahmen. „Die Liebe ... erträgt alles“, sagt die Bibel (1. Kor. 13:4, 7). Bekundet Gott diese Bereitschaft? Jawohl, denn er hört nicht auf, das zu tun, was recht ist, obwohl es ihn schmerzt und ihn kränkt, wenn seine Geschöpfe falsch handeln (Ps. 78:40, 41). Der inspirierte Apostel Paulus erinnert uns daran, daß „Gott ... die Gefäße des Zornes, die zur Vernichtung passend gemacht sind, mit viel Langmut duldete“. Aus welchem Grund? Aus Liebe und damit er „den Reichtum seiner Herrlichkeit an Gefäßen der Barmherzigkeit kundtun könnte“ (Röm. 9:22, 23).
26 Wenn wir Gottes Liebe nachahmen möchten, müssen wir ebenfalls bereit sein, alles zu ertragen, und dürfen „nicht nachlassen, das zu tun, was vortrefflich ist“ (Gal. 6:9). Die Liebe wird uns helfen, die Botschaft vom Königreich weiter zu predigen trotz der gleichgültigen oder gar feindseligen Haltung der Menschen, mit denen wir sprechen. Es könnte auch sein, daß wir in einem Bethelheim arbeiten, wo bibelerklärende Schriften zur Förderung der weltweiten Verkündigung des Königreiches hergestellt werden. Vielleicht haben wir ständig dieselbe Arbeit zu verrichten; aber die Liebe zu Jehova Gott hilft uns auszuharren, da wir wissen, daß wir dadurch etwas zur Rechtfertigung seines Namens und zur Rettung anderer beitragen sowie unsere Dankbarkeit für all das beweisen können, was er für uns getan hat.
WARUM SICH BEMÜHEN, VOLLKOMMEN ZU SEIN, WIE GOTT VOLLKOMMEN IST?
27, 28. (a) Ist es uns freigestellt, vollkommen zu sein, wie Gott vollkommen ist? (b) Wieso macht es uns glücklich, vollkommen zu sein, wie Gott vollkommen ist?
27 Ein Nachahmer Gottes und vollkommen zu sein, wie er vollkommen ist, setzt also vieles voraus. Beachten wir aber, daß es uns nicht freigestellt ist, „vollkommen“ zu sein. Jesus sagte: „Ihr sollt demnach vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (Matth. 5:48). Ja, wenn wir wahre Christen, „Nachahmer Gottes als geliebte Kinder“, sein möchten, dann müssen wir unbedingt gerecht und rechtschaffen, treu und zuverlässig sein, wir müssen das hassen, was Gott haßt, und müssen Liebe üben, indem wir freigebig sind, zum Vergeben bereit, langmütig und bereit, alles zu ertragen (Eph. 5:1). Vollkommen zu sein, wie Gott vollkommen ist, bringt im Grunde genommen aber keine großen Schwierigkeiten mit sich und fordert auch keine großen Opfer von uns. Im Gegenteil, es wirkt sich für uns zum Guten aus; denn ist Jehova nicht der „glückliche Gott“? (1. Tim. 1:11). Ihn nachzuahmen wird auch uns glücklich machen. Wieso?
28 Wenn wir Jehova nachahmen, erfreuen wir sein Herz, denn er sagt: „Sei weise, mein Sohn, und erfreue mein Herz, damit ich dem, der mich höhnt, eine Antwort geben kann“ (Spr. 27:11). Bestimmt macht es uns glücklich, unseren himmlischen Vater durch unsere Lebensweise erfreuen zu können. Gott nachzuahmen macht uns nicht nur glücklich und gibt uns nicht nur innere Ruhe und Herzensfrieden, sondern es vermittelt uns auch die Hoffnung auf ewiges Leben in seinem neuen System der Dinge. Wir haben also gewiß allen Grund, uns zu bemühen, ‘vollkommen zu sein, wie unser himmlischer Vater, Jehova Gott, vollkommen ist’.
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Benötigen wir eine Priesterschaft?Der Wachtturm 1974 | 1. Juni
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Benötigen wir eine Priesterschaft?
ES BESTEHT kein Zweifel darüber, daß die Menschen Hilfe nötig haben. Krankheiten fordern einen schrecklichen Tribut. Das Verbrechen stellt eine ständig zunehmende Bedrohung dar. Die Unsittlichkeit ist nicht nur die Ursache von Geschlechtskrankheiten, sondern kann auch zu Not und Elend und sogar zu Gewalttätigkeit führen. Viele Menschen sind daher verzagt; sie sind ohne Hoffnung und wissen weder aus noch ein (Luk. 21:25, 26).
Priester gibt es heute zu Tausenden. Sie sind Vertreter verschiedener Religionsorganisationen. Es gibt Priester der einzelnen Richtungen der katholischen Kirche, Priester der Episkopalkirchen und auch buddhistische und Schintopriester sowie andere nichtchristliche Priester. Haben sie die Leiden gemindert und der Flut von Verbrechen, der Unsittlichkeit, den Krankheiten und dem Tod Einhalt geboten?
Viele dieser Priester, besonders Priester der Kirchen der Christenheit, antworten darauf mit Nein, und sie geben ihr Priesteramt zugunsten einer anderen Tätigkeit auf, die sie für wirkungsvoller und befriedigender halten. Jeder von uns kann selbst die Weltsituation untersuchen und sich die Frage beantworten, ob die Priester der Welt dem Volke wirklich genützt haben.
Was erwartet man von einem Priester? Darf man damit rechnen, daß er all die schlechten Verhältnisse, in denen sich die Menschheit befindet, beseitigt? Kein Priester auf Erden ist dazu in der Lage, doch kann er — wenn er ein Priester von rechter Art ist — den Menschen, denen er dient, helfen, zu Gott ein gutes Verhältnis zu bewahren. Er kann ihnen behilflich sein, ihr Leben und ihre Persönlichkeit zu ändern und ein friedliches, achtbares und rechtschaffenes Leben zu führen. Er kann den Menschen helfen, viele der Ursachen des Unheils, unter dem die Menschheit leidet, aus ihrem Leben zu verbannen. Er kann ihnen Hoffnung vermitteln und sie anleiten, ein sinnvolles Leben zu führen.
Wenn wir die Priester der Religionen der Welt betrachten, können wir uns keine richtige
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