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Das also sind die Philippinen!Erwachet! 1973 | 22. November
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Philippinen im Jahre 1521 besuchte, fand er eine Rasse schlanker, hübscher Menschen vor. Sie hatten eine braune Hautfarbe, und ihr Haar glänzte schwarz. Obwohl die meisten Spanier die Inseln verlassen haben, sind die Nachkommen der früheren Einwohner der Insel immer noch hier. Sie sind es, die den Paß eines Besuchers kontrollieren, die ihn fragen, ob er etwas zu verzollen habe, und die ihn dann mit dem Taxi, dem Bus oder dem „Jeepney“ zu seinem Hotel fahren.
Die Filipinos setzen sich aus mehreren ethnischen Gruppen zusammen. In den Bergen im Norden der Insel Luzon leben die Igoroten oder „Eingeborenen“. Viele von ihnen verehren immer noch ihre eigenen heidnischen Götter, und einige tragen keine Kleidung in westlichem Stil.
Viele Personen, die die Philippinen besuchen, reisen Hunderte von Kilometern über schwer befahrbare Bergstraßen, um ein großartiges Werk dieser Igoroten zu besichtigen. Dort oben haben die Ifugao, einer ihrer Stämme, in einem Gebiet namens Banaue im Laufe von 1 500 Jahren ganze Berghänge als riesige Reisterrassen angelegt, die heute noch bebaut werden. Diese Terrassen sollen sich über eine Länge erstrecken, die dem halben Erdumfang entspricht. Sie sind von den Ifugao mit Hilfe sehr einfacher Werkzeuge und mit viel Geduld gegraben worden. Wirklich ein erstaunliches Meisterwerk der Ingenieurkunst, das sich mit irgendwelchen anderen großen Bauwerken der Nationen des Altertums messen kann!
Doch es gibt noch weitere philippinische Völker. Da sind die herzlichen, gastfreundlichen Bicolanos aus den schönen Gegenden im Süden Luzons und die anmutigen, offenherzigen Cebuanos, die noch weiter im Süden leben. Da sind auch die aufmerksamen und fortschrittlichen Tagalog und die geduldigen und ausdauernden Ilocano. Vielleicht hast du schon einige Ilocano im Norden Luzons kennengelernt, denn sie sind Menschen, die viel reisen.
Die große Vielzahl ethnischer Gruppen kann man auch daran erkennen, daß auf diesen Inseln über achtzig Sprachen und Dialekte gesprochen werden. Solltest du eines Tages die Philippinen besuchen, dann unterhalte dich doch einmal mit den verschiedenen Personen, die du treffen wirst. Stelle fest, woher sie kommen und welche Sitten und Bräuche sie haben.
Verständigung möglich
Aber du magst sagen: „Was? Bei all diesen Sprachen? Du wirst doch nicht erwarten, daß ich sie alle spreche!“
Neben all den gebräuchlichen Sprachen und Dialekten wird im allgemeinen Englisch gesprochen. Das ist auf die Zeit der amerikanischen Herrschaft zurückzuführen. Für jemanden, der Englisch spricht, ist es daher nicht schwierig, sich zu unterhalten, wenn er sich erst einmal an den Akzent gewöhnt hat.
Die Tatsache, daß hier so viele verschiedene Sprachen gesprochen werden, hat dazu beigetragen, daß die Filipinos gute Sprachkenner sind. Ein Filipino, der reist, muß sich darauf einstellen, die Sprache der betreffenden Gegend zu lernen, und die Menschen sprechen im allgemeinen drei oder vier Sprachen fließend.
Ein Missionar der Zeugen Jehovas berichtete von einer dem Bibelstudium gewidmeten Zusammenkunft in der schönen Stadt Zamboanga, die weit im Süden liegt. Sie studierten englische Literatur, und der Vorsitzende des Studiums sprach fast die ganze Zeit über englisch. Dann erhob eine der Anwesenden ihre Hand, um einen Kommentar zu geben, und sprach in Hiligaynon. Jemand anders gab einen Kommentar in Cebuano. Ein weiterer sprach in Tagalog, und wieder ein anderer erklärte seinen Gedanken in Chabacano. Anscheinend verstand jeder, was gesagt wurde, und niemand schien zu bemerken, daß verschiedene Sprachen benutzt wurden.
Was ein Besucher erwarten kann
Falls du die Philippinen zum ersten Mal besuchst, sollten vielleicht einige Dinge erwähnt werden. Wenn du zum Beispiel ein Weißer bist, der Englisch spricht, so bist du ein „Americano“. In Wirklichkeit bist du vielleicht ein Engländer, ein Holländer oder ein Deutscher, doch während du hier bist, wirst du ein „Americano“ sein.
Etwas anderes, was wir erwähnen sollten, ist die außergewöhnliche Gastfreundschaft der Filipinos. Und Gastfreundschaft und Essen sind hier eng miteinander verbunden. Man wird dir wahrscheinlich ein schmackhaftes einheimisches Gericht vorsetzen, wie kari-kari oder lapu-lapu, einen Fisch, der hier vorkommt. Als Imbiß gibt es das immer beliebte pancit oder etwas bibingka. Ein köstliches kaltes Getränk ist halo-halo. Chinesisches Essen ist hier ebenfalls beliebt, und es soll das beste der ganzen Welt sein. Es wird auch häufig amerikanisches oder spanisches Essen zubereitet, falls du dies vorziehst.
In einigen Stadtteilen Manilas sieht man sehr viele Ausländer, und es wird ihnen keine besondere Beachtung geschenkt. Aber an abgelegeneren Orten, wie zum Beispiel auf den Märkten in der Gegend von Cubao und in der alten Stadt Pasig, werden sich die Einheimischen ebenso für dich interessieren, wie du dich für sie interessierst. Westliche Besucher fallen im Fernen Osten tatsächlich etwas auf; das liegt an ihrer ungewöhnlichen Größe und an ihrer hellen Haut. Wenn du dir also in einem kleinen Laden die Waren ansiehst, so sei nicht überrascht, wenn du dich umdrehst und einen Filipino neben dir stehen siehst, der seine eigene Größe mit deiner vergleicht — sehr zum Entzücken seiner Gefährten.
Oder vielleicht versammelt sich eine Schar Kinder um dich und staunt dich mit großen Augen verwundert an. Einige mutigere Jugendliche mögen dir zurufen: „Hi, Joe“ oder „Victory Joe“. Das ist auf die Zeit vor zweieinhalb Jahrzehnten zurückzuführen, als alle amerikanischen Soldaten „Joe“ genannt wurden. Die Truppen waren damals auf den Straßen von Manila sehr beliebt, weil sie kurz zuvor die japanische Besatzungsmacht besiegt hatten.
Was man nicht vergessen darf, ist die Tatsache, daß jeder einfach freundlich ist. Es gibt kaum feindliche Gefühle gegen Ausländer, wie man dies in anderen Ländern spüren mag. Kinder mögen sogar anfangen, deinen Arm zu streicheln, weil sie das Gefühl der weichen Haare auf deiner Haut mögen. Freundlicher kann man doch nicht werden, nicht wahr? Wenn man den Geist erfaßt, der hier herrscht, freut man sich über die Ungezwungenheit, das Fehlen von Spannung und die Freundlichkeit, die hier charakteristisch sind.
Solltest du eines Tages die Philippinen besuchen, dann verlasse doch einmal die Touristengegend! Reise mit dem charakteristischen „Jeepney“ oder mit dem Bus. Sieh dir selbst einmal an, wie der Filipino lebt — nicht mit der Absicht zu kritisieren, sondern nimm vielmehr alles so, wie es hier ist. Die Filipinos sind natürlich anders, aber wenn du bereit bist, sie so zu nehmen, wie sie sind, dann kannst du sicher sein, daß du auf den sonnigen Philippinen herzlich willkommen bist.
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Beachtenswerte DenkmälerErwachet! 1973 | 22. November
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Beachtenswerte Denkmäler
✔ Touristen, die die Philippinen besuchen, sehen gewöhnlich das José-Rizal-Denkmal in Luneta, dem berühmtesten Park in Manila. Viele Besucher gehen jedoch daran vorbei ohne den Hintergrund des Todes von Rizal, dem Nationalhelden der Philippinen, zu kennen. Er wurde 1896 von einem Exekutionskommando an der Stelle erschossen, an der heute sein Denkmal steht. Die Hinrichtung fand in Gegenwart und auf Veranlassung der mächtigen Dominikanermönche statt. Die Mönche waren über Rizals Schriften verärgert, durch die das Unwesen bloßgestellt wurde, das die spanischen Priester auf den Philippinen trieben. Eine seiner Schriften war die Novelle „Noli Me Tangere“, und eine zweite Novelle hatte den Titel „El Filibusterismo“. Gegen den heftigen Widerstand der Geistlichkeit hat der philippinische Kongreß seine beiden Novellen, die das Leben unter der spanischen Herrschaft und die Auswüchse der Geistlichkeit beschreiben in allen Colleges und Universitäten zur Pflichtlektüre bestimmt.
Touristen in Manila sehen auch auf einem Platz das Denkmal von Andres Bonifacio, einem der Helden der philippinischen Revolution, die der über dreihundert Jahre dauernden spanischen Herrschaft in jenem Land ein Ende machte. Rings um den Sockel des Denkmals kann man, in Bronze dargestellt, das Leiden des philippinischen Volkes unter der kirchlich-staatlichen Herrschaft des spanischen Generalgouverneurs sehen. Die Mönche, besonders die Dominikaner, entgingen ihrer Strafe nicht, als die Revolution ausbrach, und viele mußten für ihre Habgier und ihr Blutvergießen mit dem Leben bezahlen.
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