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Die philippinische Kirche im RampenlichtErwachet! 1971 | 8. Mai
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Die philippinische Kirche im Rampenlicht
Vom „Awake!“-Korrespondenten auf den Philippinen
ES WAR ein historischer Augenblick, als Papst Paul VI. am 27. November 1970 in Manila seine Düsenmaschine verließ und vom Präsidenten der Philippinen und anderen hohen Persönlichkeiten empfangen wurde. Bis dahin hatte noch kein Papst die Philippinen, ein mehrheitlich katholisches Land seit über vierhundert Jahren, oder irgendein anderes Land im Fernen Osten besucht.
Durch den Papstbesuch zog die katholische Kirche auf den Philippinen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich wie nie zuvor. In einem Hirtenbrief, veröffentlicht von der Konferenz der philippinischen Bischöfe, hieß es, der Papstbesuch sei „ein Anlaß zur kritischen Betrachtung des katholischen Lebens“ und „eine Stunde der Selbstprüfung“. Eine Zeitung schrieb, der Papst besuche eine „Kirche, in der es gärt“, und in der Manila Times vom 13. Juni 1970 konnte man lesen: „Die Herausforderung, der sich die Kirche heute gegenübersieht, ist wahrscheinlich in der 400jährigen Geschichte ihres Bestehens in diesem Inselland ohne Beispiel.“
Warum befindet sie sich in Gärung? Warum die schweren Probleme und die Notwendigkeit einer Selbstprüfung? Es ist aufschlußreich zu erfahren, was in der Presse geschrieben wurde, und zwar größtenteils von Filipinos, die selbst der katholischen Kirche angehören.
Viele in religiöser Hinsicht unwissend
In dem von der römischen Kardinalskongregation für katholisches Missionswesen herausgegebenen Informationsblatt Fides vom 9. Juni 1970 wurde der katholische Geist der Filipinos gelobt, aber es wurde darin auch zugegeben, daß „ein großer Teil der philippinischen Katholiken sehr unwissend sind“. Ferner wurde darin gesagt, daß „ihr Glaube manchmal mehr Aberglaube ist“. Das wurde bestätigt von Kardinal Santos, dem Erzbischof von Manila, der erklärt haben soll: „Das größte Problem, dem sich die Kirche gegenübersieht, ist jedoch die Unwissenheit der Gläubigen, ihre Unwissenheit über die Hauptlehren unseres Glaubens.“
Aber warum ist das so? Warum betrachtet die Kirche sogar ihre „Gläubigen“ als auf religiösem Gebiet unwissend? Auf einen Grund wies Pacifico Ortiz, Rektor der Universität Ateneo in Quezon City hin, indem er erklärte, die Kirche habe nicht genügend Priester, um die fast 38 Millionen Einwohner der Philippinen zu betreuen.
Das Vatikanblatt Fides bestätigte das, indem es schrieb, daß auf den Philippinen auf 5 865 Katholiken nur ein Priester komme, und hinzufügte: „Aber nur etwa die Hälfte der Geistlichen ist seelsorgerisch tätig, dabei wird das Verhältnis zwischen dem Priesternachwuchs und dem Wachstum der Bevölkerung immer schlechter.“ Aus einem Artikel der Manila Times vom 13. Juni 1970 geht hervor daß sehr viele Katholiken, die in Dörfern wohnen, nur einmal im Jahr, wenn überhaupt, einen Priester sehen. Ist der Priestermangel aber die einzige Ursache der großen Unwissenheit auf religiösem Gebiet?
Zu den Reichen gezählt
Der Geistliche Ben A. Carreon brachte diesen Priesterschwund mit dem Papstbesuch in Verbindung, indem er schrieb: „Der Papst mag weinen über die vielen verwaisten Pfarreien im Hinterland, wo Herden ohne Hirten umsonst inständig bitten, ihnen einen Priester zu senden, während in katholischen Lehranstalten Hunderte von Priestern damit beschäftigt sind, den Kindern der oberen Zehntausend Grammatikunterricht sowie Englischunterricht zu geben und ihnen beizubringen, wie man ein erfolgreicher Manager wird.“
In der Presse wurde auch darauf hingewiesen, daß die philippinische Kirche in den Augen des Volkes zu den oberen Zehntausend gehört, die einen großen Teil des Reichtums des Landes in Händen haben.
Das Sunday Times Magazine brachte in seiner Ausgabe vom 15. November 1970 einen Artikel, betitelt „Die Kirche und ihr Reichtum“, aus dem hervorgeht, warum das Volk die Kirche zu den Reichen zählt. Der Verfasser des Artikels behauptet, daß man die katholische Kirche auf den Philippinen ohne weiteres zu „den zehn größten Unternehmen des Landes“ zählen könnte, würde man sie mit einem wirtschaftlichen Unternehmen vergleichen.
Um seine Behauptung zu beweisen, griff er als Beispiel die Erzdiözese Manila, die reichste des Landes, heraus. Er berichtet, daß Mariano Gaviola, Generalsekretär der philippinischen Bischofskonferenz, bestätigt habe, daß die Kirche auf der „Philippine Trust Bank“ Vermögenswerte von 25 bis 30 Millionen Pesos (etwa 6 375 000 bis 7 650 000 Dollar) liegen habe. Außerdem besitze sie einen großen Aktienanteil an der „Bank of the Philippine Islands“, der „San Miguel AG“ und der „Monte de Piedad & Savings Bank“. Zudem ist die Kirche stark beteiligt an einer Radiostation, einer Zeitung, einem Reisebüro und an einem Krankenhaus. Und durch einen Mittelsmann besitzt und betreibt sie Schulen.
Die Unwissenheit auf religiösem Gebiet der katholischen Filipinos ist somit nicht nur dem Priestermangel zuzuschreiben, sondern auch dem Umstand, daß viele Priester mit anderen Dingen beschäftigt sind.
Sie sagen es, aber tun es nicht
Katholiken auf den Philippinen geben zu, daß die Kirche sich noch einem anderen ernsten Problem gegenübersieht. Rodolfo G. Tupas, Mitarbeiter von Sunday Times Magazine, vertritt die Meinung, das größte Problem, dem sich die Kirche gegenübersehe, bestehe darin, nach dem zu handeln, was sie lehre.
Im vergangenen Jahr haben die Bischöfe auf den Philippinen zweimal gegen korrupte Regierungsmitglieder protestiert; aber katholische Beobachter sind der Meinung, daß die Hauptschuld an diesem Problem bei der Kirche liege. Bischof Gaviola erklärte zum Beispiel: „Wenn die Bischöfe Bestechung und Korruption in Regierungskreisen verurteilen und die Verschwendung von Geldern kritisieren, mögen einige Personen sich vielleicht fragen, ob da nicht die Pfanne zum Topf sage, er sei schwarz.“
Die Kolumnistin Carmen Guerrero-Nakpil schrieb am 15. November 1970, die Filipinos seien das, wozu die Kirche sie gemacht habe. Und zwei Wochen später schrieb sie in ihrer Rubrik, die katholische Kirche auf den Philippinen, die das Land lange mitregiert habe, müsse jetzt die Schuld an den sozialen Mißständen und Ungerechtigkeiten im Land auf sich nehmen.
Alfredo Roces schrieb in seiner Rubrik in der Manila Times vom 3. Juni 1970, der Papstbesuch lenke die Aufmerksamkeit auf die Philippinen als ein seit Jahrhunderten katholisches Land; daher müsse man sich fragen: Welche Früchte bringt das Volk hervor? Kardinal Santos gestand: „Die Verhältnisse im Land, seien es die politischen, seien es andere, werfen ein bezeichnendes Licht auf die Kirche.“
Eine Zeitung schrieb: „Ist es reiner Zufall, daß in mehrheitlich katholischen Ländern die Armut und die soziale Ungerechtigkeit besonders groß sind und daß man viel weniger auf Fortschritt bedacht ist als in anderen Ländern und auch später angefangen hat, fortschrittlicher zu werden?“
Das sind keine Vorwürfe, die von Atheisten erhoben werden, sondern das sind aufrichtige Fragen von katholischen Filipinos. Verhältnisse wie in diesem Land bewirken, daß sich Katholiken überall fragen, ob der katholische Glaube eigentlich gute Früchte zeitige.
Aufruf an die Jugend und an die Armen
Solchen Problemen sah sich der Papst während seines dreitägigen Besuches in Manila (27. bis 29. November 1970) gegenüber. Es ist daher nicht überraschend, daß der Papst, der während seines Besuches drei Messen zelebrierte, sich besonders bemühte, mit denen zusammenzukommen, die von der Kirche vernachlässigt worden waren, und mit denen, die sich von der Kirche abgewandt hatten: den Armen und der Jugend.
In der ganzen Christenheit ist es gut bekannt, daß sich die Jugend von der Kirche abwendet, und das ist auch auf den Philippinen so. Während seines Besuches sprach der Papst daher zu den Studenten der St.-Thomas-Universität und lobte die dynamische Kraft der heutigen Jugend.
Die andere Gruppe, die Aufmerksamkeit erforderte, waren die Armen; daher sprach der Papst auch zu ihnen. Im Armenviertel Tondo besuchte er eine zehnköpfige Familie und sagte bei dieser Gelegenheit: „Ich empfinde es als meine Pflicht, hier zu erklären, daß die Kirche euch, die Armen, liebt.“ Durch die folgenden Worte gab er stillschweigend zu, daß die Kirche die Armen in der Vergangenheit vernachlässigt hat: „Daher muß ich auch sagen, daß die Kirche verpflichtet ist, euch Liebe zu erweisen, euch zu helfen und euch in praktischer Weise und mit ihrem großzügigen Dienst beizustehen.“
Der Papst anerkannte somit das Problem, auf das Bischof Gaviola mehrere Monate zuvor hingewiesen hatte, indem er schrieb: „Wenn wir die Arbeiterklasse und die Jugend verlieren, wird die Kirche zerfallen.“ Kann es sein, daß diese Gruppen für die Kirche schon verloren sind, daß man das Scheunentor sozusagen geschlossen hat, nachdem die Pferde bereits durchgegangen waren?
Der Papst traf in Manila ein, als die asiatische Bischofskonferenz, an der Bischöfe aus fünfzehn asiatischen Ländern teilnahmen, im Gange war. Die Themen, die sie behandelte, zeigen, daß sie sich mit den gleichen Problemen auseinandersetzte; das eine Thema lautete: „Die Entwicklung der Völker Asiens“ und das andere: „Die Studentenseelsorge“.
Das Bischofskomitee, das sich mit der Studentenseelsorge befaßte, berichtete, daß „60 Prozent der asiatischen Bevölkerung noch keine 25 Jahre alt“ seien; diese Tatsache trage dazu bei, daß man den wachsenden Aktivismus der asiatischen Studenten mit Besorgnis verfolge. Die Bischöfe faßten auch den Beschluß, daß die katholische Kirche die „Kirche der Armen“ sein sollte. Aber wird ein solcher Entschluß die Armen überzeugen und sie für die Kirche gewinnen, für eine Kirche, die lange zu den Reichen gezählt worden ist?
Ist es der christliche Weg?
Beobachtern fiel es auf, daß man der Sozialarbeit weit größere Bedeutung beimaß als den geistigen Bedürfnissen des Volkes. Der Daily Mirror schrieb in der Ausgabe vom 30. November 1970: „Paul ist modern. Er hat sich auf eine Welt eingestellt, in der der Agnostizismus, wenn nicht gar der Atheismus, immer mehr überhandnimmt, auf eine Welt, in der man die Erwähnung des Namens Gottes für Torheit hält; Paul VI. benutzte in seinen Reden selten altmodisch gewordene katholische Ausdrücke wie Erlösung, Heiligung und Errettung. Dafür benutzte er Wörter, die einen soziologischen Anstrich hatten, wie: Verbrüderung, Eintracht, Zusammenarbeit, dynamische Kraft, soziale Gerechtigkeit, Frieden.“
Doch es erhebt sich die Frage: Ist das der christliche Weg? Jesus sagte, das Königreich der Himmel oder das Königreich Gottes werde die notwendigen Reformen durchführen. Aber Dr. Benito F. Reyes, Präsident der Pamantasan ng Lungsod ng Maynila (Universität Manila), ein Katholik, sagte vor kurzem über die katholische Kirche: „Ihr Ziel ist offenbar nicht mehr der Himmel, sondern weitgehendst die Erde. Sie hat viele große Kirchen und prächtige Altäre, aber wenig Glauben und sehr wenig Liebe.“
Zeigt jedoch die Bibel nicht, daß Christen für Personen sorgen sollten, die in Not sind? Ja, das stimmt, aber man beachte, was die Bibel auch noch sagt: „Die Form der Anbetung, die vom Standpunkt unseres Gottes und Vaters aus rein und unbefleckt ist, ist diese: nach Waisen und Witwen in ihrer Drangsal zu sehen und sich selbst von der Welt ohne Flecken zu bewahren.“ (Jak. 1:27) Sich „selbst von der Welt ohne Flecken“ zu bewahren ist somit ebenfalls eine christliche Forderung. Aber die katholische Kirche ist offensichtlich ein Teil dieser Welt.
Außerdem könnte man die Frage stellen: Haben die ersten Christen die Witwenfürsorge zum Wichtigsten gemacht? Wir lesen in der Bibel, daß Jesus Christus und seine Apostel die körperlichen Bedürfnisse ihrer Mitmenschen nicht ignorierten, aber sie haben nicht den größten Nachdruck auf das Bedienen der Tische gelegt, sondern auf das Lehren des Wortes Gottes. Die Apostel sagten, sie wollten sich lieber „dem Dienst am Worte widmen“. Wie wirkte sich das aus? „Infolgedessen wuchs das Wort Gottes weiterhin.“ — Apg. 6:4, 7.
Ist der katholische Glaube, für den der Papst eintritt, christlich? Katholische Filipinos wie Dr. Benito Reyes, den wir schon einmal zitiert haben, sind anderer Meinung. Reyes schrieb resigniert: „Das Christentum, zu dem wir uns bekennen, ist eine entartete Form der Frömmigkeit, ganz anders als das von seinem göttlichen Stifter gelehrte einfache Christentum, das sich durch Güte und Liebe auszeichnete.“ „Es ist ein falsches und unechtes Christentum ohne Christus. Es kann uns nicht retten, denn es hat keine Kraft dazu. Es kann uns Christus nicht geben, denn es hat ihn nicht mehr.“ Ist das der Glaube, zu dem du dich bekennen möchtest?
Der Papstbesuch lenkte tatsächlich die Aufmerksamkeit auf die katholische Kirche auf den Philippinen. Aber die Selbstprüfung der katholischen Filipinos hat ernste Fragen aufgeworfen, die die Katholiken weltweit für sich beantworten müssen. Wenn die Handlungsweise und die Früchte dieser Religionsgemeinschaft nicht christlich sind, vermag sie dann die Menschen, die sich dazu bekennen, zu Gott zu führen? — Matth. 7:18-20.
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Gewaltige Wasserspeicher der WüsteErwachet! 1971 | 8. Mai
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Gewaltige Wasserspeicher der Wüste
DEN Säulenkaktus, Saguaro genannt, könnte man als riesigen Wasserspeicher bezeichnen. Warum? Wegen der ungeheuren Wassermenge, die diese Wüstenpflanze aufsaugen und speichern kann. In der Wüste gibt es monatelang keine Niederschläge. Aber wenn es dann regnet, saugt der Saguaro so viel Wasser auf, daß er ein Jahr lang oder noch länger davon leben kann. Wenn er sich mit Wasser vollgesaugt hat, mag er etwa fünf Tonnen wiegen.
Eine genaue Untersuchung dieses pflanzlichen Wasserspeichers zeigt, daß er seiner Heimat, der Wüste, vorzüglich angepaßt ist. Dieser Kaktus hat keine lange Pfahlwurzel, sondern ein oberflächliches Wurzelsystem, das in allen Richtungen vom Hauptstamm ausgeht. Mit einer Pfahlwurzel könnte dieser Kaktus sich nicht am Leben erhalten. Wenn es regnet, saugen die oberflächlichen Wurzeln das Wasser so schnell vom Sand auf, wie es herabfällt. Die Haut oder glatte, wachsähnliche äußere Schale ist gefurcht und kann sich ausdehnen wie ein Akkordeon, wenn die Pflanze Wasser aufnimmt. Das Innere dieser wachsähnlichen wasserdichten Schale ist mit einem schwammigen Material gefüllt, das das von den Wurzeln aufgenommene Wasser speichert.
Was verhindert, daß dieser Säulenkaktus zusammensinkt? Der Schöpfer hat ihn mit einem Skelett, bestehend aus sproßähnlichen Stützen oder harten Zellen, versehen, 2,5 bis 5 cm dick, die im Stamm und in den Zweigen zu finden sind. Sie helfen mit, das Wasser in das schwammige Gewebe zu befördern.
Und welche Größe erreicht doch ein solcher Säulenkaktus! Es gibt Saguaros, die bis 15 Meter hoch werden und deren Hauptstamm einen Durchmesser von 60 Zentimetern erreicht. Das Alter einiger dieser Kakteen wird auf mehr als 200 Jahre geschätzt.
Wo kann man diese gewaltigen Wasserspeicher sehen? In der Sonorischen Wüste im Südwesten der Vereinigten Staaten, insbesondere im Säulenkaktus-Reservat in Arizona.
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