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Sollten wir die ganze Steuer zahlen?Erwachet! 1974 | 8. Juni
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Sollten sich Christen verpflichtet fühlen, die Verantwortung für das zu übernehmen, was die Menschen mit ihren Fahrzeugen tun, und sich daher weigern, in einem Automobilwerk zu arbeiten? Sie wissen, daß viele Menschen durch Autounfälle ums Leben kommen werden. Tragen die Hersteller dafür die Verantwortung, oder liegt die Hauptverantwortung bei den Fahrern?
Ähnlich ist es auch mit den Steuern. Ein großer Teil der Steuergelder, die die Bürger zahlen, wird für militärische Zwecke abgezweigt. Aber wer trägt die Verantwortung, daß das Geld auf diese Weise verwandt wird? Ist es nicht die Regierung?
Das wahre Christentum fördert nicht die Einstellung, daß jeder sich selbst Gesetz ist. Gott räumt den Regierungen die Machtbefugnis ein, die nötig ist, um die Ordnung im Staate aufrechtzuerhalten. Er gesteht ihnen auch das Recht zu, die Geldmittel zu beanspruchen, die notwendig sind, damit sie ihre Aufgaben erfüllen können. Daher ist der Christ verpflichtet, „Cäsars Dinge Cäsar“ zu geben, ganz gleich, wie der „Cäsar“ sie verwendet.
Jesus erklärte ganz deutlich, daß die Steuern zu den „Dingen“ gehören, die dem „Cäsar“ zustehen. Und aus der Bibel ist nirgendwo zu erkennen, daß Christen die Verantwortung für das tragen, was der „Cäsar“ mit seinen, „Dingen“ macht. Johannes der Täufer gab Steuereinnehmern, die das tun wollten, was recht war, nicht den Rat, keine Steuern mehr einzuziehen, sondern sagte ihnen: „Verlangt nicht mehr als die Steuergebühr“ (Luk. 3:13; siehe auch Lukas 19:2-9).
Gottes Gesetze sind wirklich realistisch. Die Bibel gibt eine vernünftige Erklärung darüber, wer welche Verantwortung trägt, und daher sind Christen in den meisten Fällen frei, den öffentlichen Dienst durchzuführen, den Gott ihnen aufgetragen hat (Matth. 24:14).
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Wir beobachten die WeltErwachet! 1974 | 8. Juni
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Wir beobachten die Welt
Umstrittener Wert der Bluttransfusion
◆ In jüngster Zeit fühlen sich immer mehr Ärzte veranlaßt, mit ihren Forschungsergebnissen und Erfahrungen bezüglich der Bluttransfusion an die Öffentlichkeit zu treten. Demnach ist eine Blutübertragung mit mehr Risiken verbunden als bisher allgemein angenommen wurde. Eine der Gefahren ist, daß einem Blutempfänger die Hepatitis, die auch infektiöse Gelbsucht genannt wird, übertragen werden kann. Dr. med. Fabian, der in der Bunten Illustrierten zu diesem Thema Stellung nahm, sagte, es würde aber nur bei etwa 20 Prozent der infizierten Personen eine Gelbfärbung der Haut eintreten, während die restlichen 80 Prozent ihre normale Hautfarbe behielten, „so daß bei ihnen die Krankheit nicht erkannt wird. Ihre Lebererkrankung ist aber genauso ansteckend wie die Gelbsucht. Die offiziell gemeldete Zahl über Hepatitis [in Deutschland zwanzig- bis fünfundzwanzigtausend Erkrankungen] kann ruhig mit vier multipliziert werden. Das entspricht annähernd dem richtigen Wert über die Häufigkeit der gefürchteten Krankheit.“
Zu diesem Thema nahm auch die Neue Apotheken Illustrierte Stellung. Darin konnte man u. a. folgendes lesen: „Bluttransfusionen können auch krank machen. Häufig werden mit dem Spenderblut Viren übertragen, die beim Empfänger des Blutes eine Infektion der Leber (Hepatitis, ansteckende Gelbsucht) verursachen. Die Infektion kann tödlich sein. Allein in den USA erkranken jährlich 30 000 und sterben 1 500 bis 3 000 Menschen an einer ,Transfusions-Hepatitis‘.“
In diesem Zusammenhang weist die erwähnte Zeitschrift auf eine Empfehlung der drei amerikanischen Ärzte Melvin M. Newman, Roger Hamstra und Matthew Block von der Universität Colorado hin, die sie im Journal of the American Medical Association gaben. Sie entdeckten eine Möglichkeit, die Produktion an roten Blutkörperchen stärker anzukurbeln. Sie injizierten nach der Blutentnahme Eisen-Dextran, eine Blutersatzflüssigkeit, die mit Eisen angereichert war. Danach erzeugte der Organismus vier- bis sechsmal mehr rote Blutkörperchen als normalerweise.
Während derartige Erkenntnisse immer mehr zur Vorsicht mahnen, wurde in der Vergangenheit zuweilen deutschen Ärzten von Gerichten absolute Verfügungsgewalt über die Patienten erteilt, auch wenn diese aus Gewissensgründen eine Bluttransfusion ablehnten und bereit waren, die Verantwortung für die Folgen selbst zu übernehmen. In manchen Fällen wurde Angehörigen eine Strafe angedroht, wenn sie der Gewissensentscheidung ihres Angehörigen zustimmen würden und dieser sterben sollte. In bestimmten Fällen haben sogar Richter die Eltern eines Kindes vorübergehend entmündigt, damit der Arzt ihrem Kind das „Allheilmittel“ Blut übertragen konnte.
Der Rauschgifthandel — das große Geschäft
◆ In zunehmendem Maße werden Einzelpersonen, ganze Gruppen, Organisationen, ja sogar Staaten erpreßt. So ergeht es auch den Rauschgiftsüchtigen, die — wie bei einer Gerichtsverhandlung in Nürnberg-Fürth bekannt wurde — für ein Gramm Rauschgift 5 bis 25 Dollar ausgeben müssen. Dabei werden die Methoden, das Geld einzutreiben, immer brutaler. So ist in Stuttgart bekanntgeworden, daß Rauschgiftlieferanten ihre Geldforderungen bei säumigen Schuldnern notfalls von Schlägertrupps eintreiben lassen wollen.
In welche Größenordnung dieses Geschäft eingeordnet werden muß, kann daran erkannt werden, daß allein in den letzten drei Monaten mehr als 100 Tonnen Opium von dem Dreiländereck Thailand, Laos und Birma auf Mauleseln in laotische Grenzdörfer der Provinz Nan (500 Kilometer nördlich von Bangkok) transportiert wurden, von denen die Behörden erst jetzt Kenntnis erhielten, wie thailändische Zeitungen berichten.
Der Trend
◆ Unter dieser Überschrift konnte man in den Nürnberger Nachrichten folgendes lesen:
„Flugzeugentführungen, Geiselnahme, Bankraub, Kindesentführung und Erpressung: nahezu täglich erreichen uns diese Nachrichten. Vielleicht beruhigt sich mancher mit dem Gedanken, daß ihm das nicht passieren werde. Doch diese spektakulären Verbrechen sind nur die Spitze des Eisbergs ,Kriminalität‘. Die Statistik spricht hier eine deutliche Sprache:
Von 1953 bis 1970 nahmen bei uns zu:
Mord und Totschlag einschließlich der Versuche um 185 Prozent;
Raub und räuberische Erpressung um 269 Prozent;
schwerer Diebstahl um 417 Prozent.
Das bedeutet, daß heute in der Bundesrepublik
täglich 9 Morde oder Mordversuche begangen werden;
alle 39 Minuten ein Mensch beraubt wird;
alle 9 Minuten in eine Wohnung eingebrochen wird;
alle 3 Minuten ein Betrug geschieht;
alle 30 Sekunden ein Diebstahl begangen wird.
Mit beängstigend großer Wahrscheinlichkeit kann also jeder von uns von einem Verbrechen betroffen werden.“
Die Demokratie in der Krise
◆ Mit diesem Thema beschäftigte sich der Schwarzwälder Bote und kam zu dem Schluß, daß die Krisen in Großbritannien, Belgien, Italien, Frankreich, Schweden usw. sehr deutlich die Auflösungserscheinungen und Autoritätsverluste der Staaten offenlegen. Als Grund für diese Entwicklung wird vor allem „die Entfesselung der pluralistischen Kräfte“ genannt, die zur „Schwächung des Staates, seiner Institutionen und Repräsentanten“ geführt hat. Die gesellschaftlichen Kräfte hätten sich „zur Herausforderung des Staates formiert und eine gefährliche Eigendynamik entwickelt“, während den Regierungen die Mittel, Methoden und Erfahrungen fehlten, mit den sich ergebenden Problemen in Staat und Wirtschaft fertig zu werden. Es gebe nicht einmal ein verbreitetes Problembewußtsein, geschweige denn Vorstellungen, wie man sich mit Erscheinungen und Auswüchsen der Massendemokratie auseinandersetzen und sie bewältigen könnte.
Wahrlich ein düsteres Bild für die ganze Menschheit! Doch ermunterte Jesus schon vor neunzehnhundert Jahren seine Nachfolger, nicht mutlos zu werden, wenn diese Dinge geschehen sollten, sondern vielmehr zu frohlocken, weil in dieser Situation das Königreich Gottes, um dessen Kommen seine Nachfolger beten, die Regierungen dieser Welt ablösen, die Erde in ein Paradies verwandeln und diejenigen einem ewigen Leben entgegenführen werde, die sich diese wirkliche Herrschaft erwählten.
Alkoholkrankheit
◆ Neben der Drogensucht ist jetzt auch der Alkoholismus zu einer wahren Volkskrankheit geworden. Das geht aus der Zeitschrift Christ in der Gegenwart hervor. Demnach seien zur Zeit mindestens 600 000 Menschen in der Bundesrepublik alkoholkrank. Das ist ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Zunahme der „Alkoholkrankheit“ kann man auch an dem Anwachsen der Gesamtausgaben für alkoholische Getränke in der Bundesrepublik erkennen, die sich von 1961 bis 1972 von 14 auf 28 Milliarden DM erhöht haben. Die Pro-Kopf-Ausgaben stiegen im gleichen Zeitraum von 250 auf 460 DM an.
Eine ähnliche Entwicklung wird auch in den Vereinigten Staaten beobachtet. Wie verlautet, sind dort sogar viele Ärzte Alkoholiker — weit mehr als in jeder anderen Berufsgruppe. Diese Feststellung machte Dr. Charles E. Becker, Chef der Entgiftungsklinik des San Francisco General Hospital.
Kardinal Mindszenty „abgesetzt“
◆ Große Überraschung und auch heftige Proteste hat die Amtsenthebung des im Wiener Exil lebenden Primas von Ungarn, Kardinal Mindszenty, weltweit ausgelöst. Der wegen seiner antikommunistischen Haltung bekannte Kardinal ist nach einer Anfang Februar der Presse vorgelegten Erklärung „nicht freiwillig von seinem Amt als Erzbischof von Esztergom und als Primas der katholischen Kirche in Ungarn zurückgetreten“. In Rom haben, wie die Polizei vermutet, rechtsgerichtete katholische Kreise an die Hausmauern entlang der breiten Via della Consiliazione,
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