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  • Der Papst auf Reisen
    Erwachet! 1984 | 8. März
    • Der Papst auf Reisen

      „DER Papst erobert Spanien“, lautete eine Schlagzeile in der spanischen Presse. „Überall Begeisterung für den Papst“, verkündete die Zeitung Sunday New Nigerian, als der Papst Westafrika besuchte. „Papst Johannes Paul II. zelebrierte in einem Fußballstadion eine Messe, zu der sich über eine Million Polen eingefunden hatten“, meldete am 18. Juni 1983 die New York Times.

      Das waren ein paar Pressemeldungen über die Reaktion des Volkes in einigen der 38 Länder, die der Papst im Laufe der vergangenen fünf Jahre auf seinen 20 Reisen besucht hat. Nach einer Schätzung sollen ihn auf seiner 8tägigen Polen-Reise im vergangenen Jahr 18 Millionen seiner Landsleute begrüßt haben. Das ist die Hälfte der Bevölkerung des Landes.

      In vielen Ländern wie in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien machten sich auch Nichtkatholiken auf, um den Papst zu sehen und so ihre Neugierde zu befriedigen. Ein Buchautor schrieb: „Nicht nur Arbeiter jubelten ihm zu und auch nicht nur Katholiken.“

      Der gleiche Autor berichtete: „Ein Minister des britischen Kabinetts [katholisch] schrieb im Mai 1979 im Jargon einer Fanklub-Zeitschrift: ,Der Papst trat auf wie ein großer Star, seine majestätische Erscheinung war hinreißend; er strahlte Autorität und Energie aus.“‘

      Der zum Katholizismus übergetretene Engländer Lord Longford erwähnt in seiner Biographie Papst Johannes Pauls II., der Papst sei im Yankee-Stadion in New York „wie ein Superstar empfangen worden“. Es überrascht daher nicht, wenn man in dem Buch The Pope’s Divisions von Peter Nichols (er steht der katholischen Kirche wohlwollend gegenüber, ist aber selbst kein Katholik) liest: „Die Begeisterung der Massen für das Papsttum ist ein Bestandteil des modernen Lebens geworden.“

      Warum ist dieser Papst so populär? Wie wirken sich seine Besuche auf das Leben der Katholiken aus? Warum sind die Papst-Besuche gerade zu dieser Stunde der Geschichte so notwendig? Welche Botschaft hat der Papst für die Welt? In den folgenden Artikeln werden diese Themen behandelt.

  • Der Papst — Warum so populär?
    Erwachet! 1984 | 8. März
    • Der Papst — Warum so populär?

      „PAPST Johannes Paul II. löste bei seinem Besuch in Spanien einen Sturm des Jubels, der Begeisterung und der Verzückung aus ... Viele sagten, ... der Besuch von Johannes Paul II. habe alle Rekorde des Landes gebrochen“ (ABC, Madrider Tageszeitung).

      Die Popularität des Papstes könnte natürlich ganz einfach erklärt werden: Er ist das geistliche Oberhaupt von über 600 Millionen Katholiken in aller Welt, deshalb ist ihm in fast jedem Land, wo es Katholiken gibt, eine große Zuhörerschaft sicher. Aber das wäre eine allzu große Vereinfachung des Phänomens. Was erklärt denn die Popularität des Papstes zu dieser Stunde der Geschichte?

      „Er verpaßt keine Chance, einen Effekt zu erzielen“

      Es ist vielleicht zum Teil damit zu erklären daß er in jungen Jahren als Schauspieler tätig war. Lord Longford schreibt in seiner autorisierten Biographie Papst Johannes Pauls II.: „Seine Schulkameraden können sich am besten an seine schauspielerischen Leistungen erinnern. Ein zu Besuch weilender Theaterdirektor soll zu ihm gesagt haben: ,Du wirst einmal ein großer Schauspieler werden.“‘ In der Biographie heißt es weiter: „Ganz ohne Zweifel hat die Kunst des gesprochenen Wortes ... Karol Wojtyla [der eigentliche Name des Papstes] von Jugend auf durchdrungen und inspiriert.“

      Wie wirkt sich das auf den Kontakt mit den Menschenmassen aus? Lord Longford fährt fort: „Das sollte sich schließlich in dem erstaunlichen Einfluß zeigen, den er als Papst in verschiedenen Sprachen auf zahllose Millionen in der ganzen Welt haben würde.“ Andrew M. Greeley, ein amerikanischer Jesuit, schrieb: „Er hat die ersten sechs Wochen seines Pontifikats mit dem perfekten Können eines professionellen Schauspielers und Politikers gemeistert. Man kann über seine makellos ausgeführten Auftritte nur staunen.“

      Dieser Papst weiß, wie er an das Gefühl der Massen appellieren muß, um sie zu gewinnen. Als er zum Beispiel einmal in Rom vor einer 200 000köpfigen Menge sprach und „ein kleiner Junge mit Blumen auf ihn zurannte, wollte ein nervöser Monsignore das Kind zurückhalten. Doch der Papst bückte sich und nahm den Bambino in die Arme.“ Greeley fügte hinzu: „,Man merkt‘, sagte jemand zu mir, ,daß er Schauspielunterricht genommen hat. Er verpaßt keine Chance, einen Effekt zu erzielen.‘“ Der Jesuit Greeley sagte bestätigend: „Das stimmt allerdings.“

      Die Supershow, die größte Fiesta aller Zeiten

      Ein weiterer Grund für den Erfolg des Papstes ist sein Talent, mit Menschenmengen umzugehen. In einem Artikel der Zeitschrift Newsweek wurde über den Papst gesagt, er sei „ein talentierter Schauspieler, der es versteht mit Menschenmengen umzugehen wie ein Bühnenkünstler, der sein Publikum fesselt“. Ein Beispiel dafür war seine Ankunft in Mexiko im Jahre 1979. In dem Buch The Man Who Leads the Church wird berichtet, daß er am Flughafen von „einer großen Mariachi-Banda empfangen wurde, die Cielito Lindo, das beliebte mexikanische Volkslied, spielte ... Es war ein Klischee aber niemand störte sich daran. Dieser Papst-Besuch sollte die Supershow werden, die größte Fiesta aller Zeiten. Das Gefühl Johannes Pauls II. für das Spektakuläre war dem seiner Gastgeber ebenbürtig. Er schritt würdevoll die Gangway hinab und sank dann zu Boden, um die mexikanische Erde zu küssen. (Das ist schon eine traditionelle Geste geworden ... Aber sie verfehlt ihre Wirkung nie.)“

      Wie sich das auf die Massen überall in der Welt ausgewirkt hat, wird von dem katholischen Autor Peter Hebblethwaite treffend wie folgt beschrieben: „Welche Botschaften fingen sie von diesem faszinierenden neuen Papst auf? ... Inmitten der Massenbegeisterung, die Johannes Paul II. auf seinen Reisen hervorrief, vergaßen die Menschen einfach, was er wirklich sagte, oder sie kümmerten sich nicht darum. ... Er konnte fast alles sagen, ohne Anstoß zu erregen, weil er in seinem Pontifikat neu war und weil er ein Charisma ausstrahlt, wodurch die Leute von dem, was er eigentlich sagte, abgelenkt wurden.“ Ja, während die Menschenmassen von der Show begeistert sind, entgeht ihnen der Sinn dessen, was der Papst in seinen Reden deutlich sagt. Für manchen liberalgesinnten Katholiken sind seine Predigten aber schwer verdaulich, zu radikal und zu konservativ.

      Ein Partner von Staatsmännern und Politikern

      Außerdem leben wir in einer Zeit, in der die Menschen darauf konditioniert sind, Idole zu haben oder selbst ein Idol zu sein. Und das ist ein weiterer Grund für die Popularität des Papstes. Überall in der Welt haben die Leute ihre Fernseh- und Filmstars, ihre Sporthelden und politischen Messiasse. Warum also nicht auch ein religiöses Idol? Wenn Nichtkatholiken ihren Billy Graham oder ihren San Myung Mun haben, warum sollten dann die Katholiken nicht ihren Johannes Paul II. haben? Falls jemand meint, das sei übertrieben, dann beachte er, was der katholische Autor Hebblethwaite in seinem Buch The Year of the Three Popes schreibt: „Wenn ein neuer Mann Papst wird, beginnt ein Prozeß der Mythologisierung, der nur schwer aufzuhalten ist. Berichte über sein früheres Leben werden veröffentlicht, um zu zeigen, daß er schon lange für das Amt, das er nun erhalten hat, bestimmt war. Über Nacht wird er eine weltbekannte Persönlichkeit, ein Gesprächspartner von Staatsmännern und Politikern sowie von allen möglichen Kirchenführern“ (Kursivschrift von uns).

      Das bedeutet im Klartext: Der Papst gelangt in das Rampenlicht wegen der ständigen Kontakte und der ständigen Kommunikation mit „Staatsmännern und Politikern“. Er wird eine weltbekannte Fernseh-Persönlichkeit. Da er zudem das Oberhaupt eines weltlichen Staates, der Vatikanstadt, ist, wird er von Staatsoberhäuptern und Politikern — sogar in kommunistischen Ländern — mit allen Ehren empfangen. „Obschon die Vatikanstadt ein Ministaat ist, soll sie einflußreicher sein als der italienische Staat“, heißt es in der Encyclopædia Britannica.

      Auch andere Faktoren haben viel zur Popularität des gegenwärtigen Papstes beigetragen. Der katholische Redakteur Rowanne Pascoe gibt folgenden Anhaltspunkt: „Obschon oder vielleicht weil der Papst nicht über Streitkräfte verfügt, kann er als Weltführer bezeichnet werden. In einem Zeitalter politischer Zwerge hat er die moralische Führung in der Welt übernommen.“ Das läßt vermuten, daß die Politiker der Welt sittlich ein so geringes Format haben, daß sich der Papst dagegen wie ein Riese ausnimmt.

      Der Papst, Politik und Polen

      Außerdem ist dieser Papst beim Volk so beliebt, weil er an nationalistische Gefühle appelliert und sich für politische und soziale Themen engagiert. Er hat schon mit verschiedenen Regierungen und politischen Führern die Klingen gekreuzt. Deshalb ist es offensichtlich ein Widerspruch, wenn er von seinem Klerus verlangt, sich aus politischen Konflikten herauszuhalten, in seinen eigenen Reden aber auf politische Streitfragen zu sprechen kommt.

      Über den Papst-Besuch auf den Philippinen berichtet zum Beispiel Lord Longford: „Er warnte dort den regierungsfeindlichen Flügel der Kirche davor, sich in die Politik einzumischen, indem er sagte: ,Ihr seid keine sozialen oder politischen Führer, noch seid ihr Repräsentanten einer weltlichen Macht, sondern ihr seid Priester und Ordensleute.‘ Damit erinnerte er sie an ihre Funktion innerhalb der Gesellschaft.“ In seiner Rede auf der Brasilianischen Bischofskonferenz soll er allerdings gesagt haben, daß sich die Kirche revolutionären sozialen Reformen anschließen könne, politische Gewaltakte dagegen könnten nicht gutgeheißen werden. In den 13 Tagen seiner Brasilien-Reise hat der Papst, wie Longford berichtet, „die Armen aufgefordert, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um von der Regierung die ihnen gebührenden Rechte zu erhalten. Sein Besuch war, wie das Blatt The Universe schrieb, ,eine Anklage gegen die brasilianische Regierung, sträflich nachlässig gewesen zu sein‘.“

      Ein Beispiel für die politische Macht des Papstes ist sein jüngster Polen-Besuch, der nach Presseberichten außerordentlich sorgfältig geplant war und das Ziel hatte, die kritischen politischen und wirtschaftlichen Probleme Polens zu lösen. William Safire schrieb in der New York Times: „Kirche und Staat haben ein geheimes Abkommen getroffen, und der politische Segen, an welchem dem von Moskau ausgewählten polnischen Führer so viel lag, wurde erteilt. ... Die Kirche muß manchmal, um bestehen zu können, mit einem totalitären Regime paktieren.“

      Es gibt noch weitere Beweise dafür, daß der Papst auch aus politischen Motiven nach Polen gereist ist. Präsident Reagan interviewte Kardinal Krol von Philadelphia, der den Papst auf seiner Reise nach Polen begleitet hatte. Was wollte der Präsident wissen? „Reagan wollte vom Kardinal erfahren, wie er die Situation in Polen nach dem Papst-Besuch mit seinen harten politischen Konsequenzen beurteilte“ (Kursivschrift von uns). Wer möchte bestreiten, daß bei den Papst-Reisen die Politik eine gewisse Rolle spielt, was ebenfalls dazu beiträgt, daß der Papst die Massen, wenn auch nicht immer die Regierungen, für sich gewinnt?

      Es ist nützlich, wenn man versteht, warum der Papst so populär ist, aber noch wichtiger ist die Frage: Warum sind seine Reisen gerade jetzt so notwendig gewesen? Welche Botschaft hat er überbracht? Wie wirkungsvoll ist sie? In den folgenden Artikeln werden diese Fragen besprochen.

      [Fußnote]

      a Mariachi ist eine Form der mexikanischen Volksmusik und wird von Ensembles mit 4 bis 20 Mitgliedern gespielt. Die Musiker tragen eine dekorative Rancherotracht und spielen bei Kirchenfesten und bei anderen Gelegenheiten.

      [Bild auf Seite 5]

      Der Papst wird ein Gesprächspartner von Staatsmännern und Politikern

  • Die Reisen des Papstes — Warum notwendig?
    Erwachet! 1984 | 8. März
    • Die Reisen des Papstes — Warum notwendig?

      DER zweite Polen-Besuch war die 20. Pilgerreise, die Papst Johannes Paul II. im Laufe von nur fünf Jahren ins Ausland unternahm. Jahrhundertelang waren die Päpste kaum gereist, deshalb ist die Frage naheliegend: Warum mußte der Papst in so kurzer Zeit so oft unterwegs sein?

      Der Autor Peter Nichols gibt uns einen Hinweis. Über das Konklave, bei dem Johannes Paul II. gewählt wurde, schreibt er: „Sicherlich waren viele der Meinung ..., daß die katholische Kirche vor allem eine feste Hand benötige und daß die lange Zeit der Unsicherheit, der Verwirrung, der Experimente, der Zweifel und der Diskussionen, ganz zu schweigen von den Abweichungen, ... jetzt beendet werden müsse.“

      Auf diese Situation wies auch ein älterer niederländischer Priester hin, der über den Katholizismus in seinem Land sagte: „Es herrscht Verzweiflung. Sowohl Intellektuelle als auch einfache Leute ziehen sich zurück. Die Bischöfe streiten sich in aller Öffentlichkeit. Es ist eine schreckliche Tragödie.“ Über das Problem des Priesternachwuchses sagte er noch: „Diese jungen Leute wollen nicht mehr Priester werden. Sie sind nicht bereit, ihr Vertrauen auf eine Kirche zu setzen, die in einem solch erbärmlichen Zustand ist.“

      Unter dieser Misere leidet die katholische Kirche in den meisten Gebieten der Welt. Die noch vor 30 oder 40 Jahren übliche bedingungslose Treue der Katholiken gegenüber den Geboten ihrer Kirche schwindet immer mehr. Auch gehen immer weniger zur Messe und zur Beichte.

      Ja, im monolithischen Bau der katholischen Kirche sind tiefe Risse zu sehen. Die Uneinigkeit betrifft drei Hauptgebiete: 1. das tägliche Praktizieren der katholischen Moral (Abtreibung, Empfängnisverhütung, Ehescheidung), 2. politische und soziale Reformen und 3. die Theologie, die wichtigsten Lehren der Kirche.

      Gehorchen die Katholiken dem Papst?

      In den vergangenen Jahren sind Abtreibung, Empfängnisverhütung und Ehescheidung in allen Schichten der katholischen Gesellschaft heiß debattiert worden. Kurz vor dem Besuch des Papstes in den Vereinigten Staaten (1979) wurde unter amerikanischen Katholiken eine repräsentative Befragung über ihr Befolgen katholischer Lebensregeln durchgeführt. In dem Buch The Man Who Leads the Church wird berichtet, daß „50 Prozent Abtreibung auf Wunsch tolerieren würden; 53 Prozent waren der Meinung, man solle den Priestern das Heiraten erlauben; 63 Prozent befürworteten die Ehescheidung ..., und 66 Prozent sagten, sie würden es begrüßen, wenn die Kirche die künstliche Empfängnisverhütung guthieße. Besonders in dieser Hinsicht besteht unter den amerikanischen Katholiken eine tiefe Kluft zwischen Handlungsweise und kirchlicher Norm. Sehr viele katholische Ehepaare wenden künstliche Mittel zur Empfängnisverhütung an, ohne daß sie dabei besondere Schuldgefühle haben.“

      Eine ähnliche Einstellung gegenüber der kirchlichen Moral findet man auch in Ländern mit vorwiegend katholischer Bevölkerung. So wird aus Spanien berichtet, daß dort im Jahre 1982 nicht weniger als 47 605 000 Packungen Empfängnisverhütungsmittel verkauft wurden. In katholischen Ländern wird die Abtreibung schon lange praktiziert. Sogar in Irland, einem erzkatholischen Land, zeigen sich die Risse. John Whale schreibt: „Die [irischen] Bischöfe geben zu, daß ,jetzt jedes Jahr mehr als 2 200 Irinnen nach England reisen, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen‘. Es wird vermutet, daß die Dunkelziffer noch weit höher liegt.“

      Eine Frage, die viele Katholiken bewegt, ist die Ehescheidung. Die Kirche lehnt sie ab, und in seinen Reden hat Papst Johannes Paul II. klargemacht, daß es dabei bleibt. Dafür aber kennt die Kirche die manchmal kostspielige und zeitraubende Ehe-Annullierung. Der Autor John Whale berichtet über die Situation in den Vereinigten Staaten: „Wie Erzbischof Edward McCarthy von Miami sagte, ,kann es gar keinen Zweifel geben, daß die Ehescheidung das Hauptproblem ist, dem wir gegenüberstehen‘.“ Warum wenden einige der Oberhirten die strengen Normen der Kirche in diesem Punkt nicht gern an? „Ihnen ist klar, daß sie ihre Ziele sowohl in seelsorgerischer Hinsicht als auch in bezug auf das zahlenmäßige Wachstum der Katholiken nicht erreichen würden, wenn sie in diesem Punkt unnachgiebig wären. Deshalb stellen sie jedes Jahr 30 000 Nichtigerklärungen aus. Darin wird erklärt, daß die in die Brüche gegangene Ehe eigentlich nie bestanden habe ... ,Es ist eine Art gesetzlicher Balanceakt‘, gestand ... ein Geistlicher aus Chicago“ (Kursivschrift von uns).

      In den Vereinigten Staaten zelebrierte vor kurzem ein Kardinal eine Messe für Geschiedene und Getrenntlebende. Die New York Times meldete: „Zum erstenmal ... zelebrierte ein Kardinal eine Messe für geschiedene und getrenntlebende Katholiken.“ Es ist auch bekannt, daß Oberhirten Geschiedene und Wiederverheiratete zu den Sakramenten zulassen. Deshalb braucht man sich nicht zu wundern, daß sich der Papst auf Reisen begeben muß, um seine Leute zur Ordnung zu rufen.

      Ist die Kirche durch Politik gespalten?

      Obwohl die Sprecher des Vatikans immer wieder betonen, daß der Zweck der Papst-Reisen „pastoraler“ Natur sei, sehen viele Kommentatoren es doch anders. In dem Buch The Man Who Leads the Church wird über die Papst-Reisen ausgeführt: „Obwohl immer wieder nachdrücklich erklärt wird, daß es sich bei den Reisen des Papstes um Pilgerfahrten oder um Pastoralvisiten handelt, schloß jede dieser Reisen die Behandlung eines politischen Problems ein.“

      Warum also sind diese Reisen so notwendig? Weil der katholische Klerus in bezug auf politische und soziale Fragen gespalten ist. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Mittelamerika-Reise des Papstes. Ein Journalist überschrieb seinen Artikel über diese Papst-Reise wie folgt: „Politik und Religion auf der Papst-Reise entflochten und voneinander getrennt“. Das zeigte ganz deutlich der Besuch des Papstes in Nicaragua, wo katholische Priester wichtige Regierungsstellen innehaben. Gleichzeitig aber „kritisiert“, wie die New York Times schrieb, der Erzbischof von Managua (Hauptstadt Nicaraguas) „die Regierung heftig“. Ist das keine entzweite Kirche?

      In dem erwähnten Artikel wurde auch berichtet, daß das Hauptziel der Papst-Reise durch Mittelamerika darin bestand, „die katholische Kirche ... gegen Angriffe von innen, d. h. von seiten linker Priester und Ordensschwestern, zu stärken“. Der monolithische und autokratische Bau der katholischen Kirche weist Risse auf, und der Papst versucht nun ähnlich wie der sprichwörtliche niederländische Junge, der einen gebrochenen Deich mit seinen Händen verschließen wollte, auf seinen Reisen in verschiedene Länder, diese Risse zuzustopfen.

      Angriff auf Lehren der Kirche

      Weitere Risse sind im Bau der Kirche entstanden, als katholische Theologen und Priester anfingen, grundlegende Lehren der Kirche anzuzweifeln. Kein Wunder, daß der Benediktinerpater Patrick Granfield die Aufgabe des Papstes, die Einheit des Glaubens zu bewahren, als ungeheuer groß bezeichnet hat, „weil fast jede traditionelle Glaubens- und Morallehre von den Theologen heftig debattiert wird. Dabei geht es um Fragen wie ... Geschlechtsmoral, Empfängnisverhütung, Abtreibung, Ehescheidung und Wiederverheiratung, Zölibat sowie Priestertum der Frau.“

      Schon 1971, als der Papst noch Kardinal Wojtyla war, wies er darauf hin, daß einige Theologen Zweifel gesät hätten, indem sie grundlegende Lehren in Frage ziehen würden wie die Trinität, die Natur Christi, die Gegenwart Christi in der Eucharistie und die Unauflöslichkeit der Ehe. Andere, zum Beispiel der Schweizer Theologe Hans Küng, stellen die im 19. Jahrhundert zum Dogma erhobene päpstliche Unfehlbarkeit in Frage.

      Entzweiung und Zweifel bereiten der katholischen Kirche Qualen. In religiösen Fragen umfaßt das Meinungsspektrum ihrer Geistlichen alles von liberal und progressiv bis zu konservativ und erzkonservativ und auf politischem Gebiet von kommunistisch bis zu faschistisch. Zu alldem kommt noch hinzu, daß immer weniger junge Menschen den Wunsch haben, Priester zu werden oder in ein Kloster einzutreten, was zu einem akuten Priester- und Ordensschwesternmangel geführt hat. Außerdem ist in katholischen Ländern wie Italien, Frankreich und Spanien ein nicht geringer Teil der Bevölkerung kommunistisch. Man braucht sich also nicht zu wundern, daß der Papst auf Reisen gehen und nach dem Rechten sehen muß.

      Welche Botschaft überbringt der reisende Papst den Völkern? Welche Hoffnung übermittelt er der Welt? In unserem letzten Artikel dieser Reihe werden diese Fragen besprochen.

      [Bilder auf Seite 8]

      Der Papst nimmt die Einstellung der Katholiken gegenüber der Ehescheidung, der Empfängnisverhütung und der Abtreibung unter die Lupe

  • Die Botschaft des Papstes — Ist sie die Lösung?
    Erwachet! 1984 | 8. März
    • Die Botschaft des Papstes — Ist sie die Lösung?

      „IN Krakau nehme ich von meinen Landsleuten Abschied, ... und es ist mein Wunsch, daß in Polen unter der Obhut der allerheiligsten Muttergottes von Jasna Gora das Gute wieder machtvoller wird als das Böse.“

      Mit diesen Worten beendete Papst Johannes Paul II. 1983 seine Polen-Reise. Ein Berichterstatter der New York Times kommentierte: „Die Bezugnahme auf das Bild der Schwarzen Madonna von Tschenstochau — Polens Nationalheilige — ist das eigentliche Thema der Papst-Reise gewesen“ (Kursivschrift von uns).

      „Inbrünstige Liebe zur Jungfrau Maria“

      Der katholische Autor Peter Hebblethwaite schreibt: „Auch die Marienverehrung Wojtylas gehört zu den Dingen, die in Polen eine lange Tradition haben. ... Selbst in ganz kurzen Äußerungen spielt er auf Maria an.“ Diese bedeutsame Bemerkung erklärt eine dominierende Facette der Religiosität des jetzigen Papstes — seine Verehrung der Jungfrau Maria unter ihren vielen verschiedenen Manifestationen, die in der katholischen Welt bekannt sind.

      Lord Longford schreibt in seiner autorisierten Biographie des Papstes: „Die Marienfrömmigkeit ist ein grundlegender Bestandteil seines Wesens. ... Man kann sich ihn ohne diese Frömmigkeit gar nicht vorstellen. In dieser Beziehung hält er ohne Zweifel eine geheiligte polnische Tradition hoch. Seine Liebe zur Jungfrau Maria hat ihre Wurzeln in seiner frühen Kindheit.“ Seine Mutter starb, als er noch ein Kind war, und der erwähnte Autor macht deshalb folgende interessante Bemerkung: „Es ist vermutet worden, daß der frühe Verlust der Mutter zu Wojtylas inbrünstiger Liebe zur Jungfrau Maria in späteren Jahren beigetragen hat“ (Kursivschrift von uns). Peter Hebblethwaite kommentiert: „Maria verkörpert das weibliche Element in seinem Leben.“

      Manche Katholiken sind betroffen

      Hebblethwaite gibt jedoch zu: „Manche Katholiken finden diesen Marienkult übertrieben; manche Protestanten lehnen ihn als unbiblisch, als abergläubisch, ja sogar als nahezu gotteslästerlich ab.“ Selbst der mexikanische Bischof Sergio Mendez Arceo kritisierte die übermäßige Marienfrömmigkeit des Papstes; die zahllosen Erwähnungen der Mutter Gottes von Guadalupe „waren ganz einfach zuviel“. Diese Kritik ist noch berechtigter, wenn man bedenkt, daß die Volkskundler diese Madonna („la Morenita“) der „lieben Frau von Tepeyac“ gleichsetzen, die mit der aztekischen Göttin Tonantzin identifiziert wird. Der amerikanische Jesuit Andrew Greeley gibt zu, „daß Maria eines der mächtigsten religiösen Symbole in der Geschichte der westlichen Welt ist ... . Das Mariensymbol verbindet das Christentum direkt mit den alten Religionen der Muttergöttinnen“ (Kursivschrift von uns).

      Wie haben gewisse italienische Katholiken auf den polnischen Katholizismus reagiert? Autor Peter Nichols beschreibt die Reaktion einer Gruppe italienischer Katholiken, die Polen besuchten, um sich dort von der Wiederbelebung des Katholizismus selbst zu überzeugen. „Der erste Schock — sie erlitten noch weitere — war, daß Jesus eine ganz untergeordnete Rolle spielte. ,Zuerst kam die Jungfrau Maria, dann der polnische Papst, und erst als dritter kam Jesus‘, wie die jungen Leute sich ausdrückten.“ Und der, der „über alle Welt ... allein der Höchste“ ist, wurde nicht einmal als vierter erwähnt (Psalm 83:19, katholische Jerusalemer Bibel).

      Wen hob Petrus hervor?

      Das bisher Dargelegte vermittelt uns ein gewisses Verständnis des polnischen religiösen Hintergrundes des jetzigen Papstes und seiner Hauptbotschaft für die Menschheit. Er hämmert seinen Zuhörern die Rolle der „Muttergottes“ als einer Mittlerin zwischen Gott und den Menschen ein. Ist das die richtige Botschaft für die Zeit, in der wir leben? Ist es richtig, daß er so großen Nachdruck auf die Mutter Christi legt? Oder sollte er das verkündigen, was der Apostel Petrus und die ersten Christen als einzige Hoffnung für die Menschen verkündigten, nämlich Gottes Königreich oder Gottes Herrschaft unter Christus?

      Da der Papst der Nachfolger des Apostels Petrus zu sein behauptet, ist die Frage interessant: Was hat Petrus über Maria gesagt? Erklärte er, sie werde die Probleme der Menschen lösen? Benutzte er sie als nationalistisches Symbol? Spielte sie in seiner Anbetung eine wichtigere Rolle als Gott und Christus?

      Wahr ist, daß er Maria in seinen beiden Briefen kein einziges Mal erwähnt. Sie wird nur in 5 der 27 Bücher der Griechischen Schriften erwähnt. Die Evangelisten schreiben respektvoll und wohlwollend über sie, die bescheidene Mutter des Messias, doch keiner bringt auch nur mit einer Silbe Verehrung für sie zum Ausdruck.

      Dagegen wies Petrus klar und deutlich auf die Rolle hin, die Gott spielt. In seinem ersten Brief schrieb er: „Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, denn nach seiner großen Barmherzigkeit hat er uns eine neue Geburt zu einer lebendigen Hoffnung gegeben durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ Und über Jesus sagte er zu Mitgläubigen: „Setzt eure Hoffnung auf die unverdiente Güte, die euch bei der Offenbarung Jesu Christi gebracht wird.“ Die „Offenbarung Jesu Christi“, nicht die der Maria, wird das Ende des gegenwärtigen verderbten Systems der Dinge bedeuten. Durch den reinigenden „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, wird alle Bosheit von der Erde beseitigt werden. Und unter der Königreichsherrschaft Christi, die er vom Himmel her ausübt, werden Recht und Gerechtigkeit wiederhergestellt werden (1. Petrus 1:3, 13; Offenbarung 16:14, 16; 19:11).

      Über dieses Königreich schrieb Petrus: „In der Tat, auf diese Weise wird euch der Eingang in das ewige Königreich unseres Herrn und Retters Jesus Christus reichlich dargereicht werden.“ Diese himmlische Königreichsregierung wird auch alle beseitigen, die den Namen Jehovas lästern und die Erde verschmutzen. Nachdrücklich erklärte Petrus: „Doch gibt es neue Himmel und eine neue Erde, die wir gemäß seiner Verheißung erwarten, und in diesen wird Gerechtigkeit wohnen“ (2. Petrus 1:11; 3:13; Daniel 2:44).

      Die richtige Botschaft und der richtige Mittler

      Die wahre Botschaft für die Völker in unserer Zeit ist weder politisches Engagement noch Nationalismus, noch die Heilighaltung der menschlichen Tradition in Verbindung mit Maria, der „weiblichen Dimension Gottes“, wie Andrew Greeley sie bezeichnet. Die lebenswichtige Botschaft in unserer gefahrvollen Zeit ist die, die Jesus zu verkündigen gebot: „Und diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24:14).

      Jesus forderte seine Nachfolger auf, um dieses Königreich zu beten, indem er sagte: „Ihr sollt daher auf folgende Weise beten: ,Unser Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt. Dein Königreich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf der Erde.“‘ Gebot Jesus seinen Nachfolgern, durch seine Mutter, Maria, um das Kommen des Königreiches Gottes zu beten? Folgende Worte Jesu beantworten diese Frage: „Und worum immer ihr in meinem Namen bittet, das will ich tun, damit der Vater in Verbindung mit dem Sohn [nicht mit der Mutter] verherrlicht werde. Wenn ihr um etwas in meinem Namen bittet, will ich es tun.“ Das zeigt deutlich, daß nur Christus der Mittler zwischen Gott und dem Menschen ist. Der Apostel Paulus bestätigt das mit den Worten: „Denn da ist e i n Gott und e i n Mittler zwischen Gott und Menschen, ein Mensch, Christus Jesus“ (Matthäus 6:9, 10; Johannes 14:13, 14; 1. Timotheus 2:5).

      An wen müssen wir uns also wenden, wenn wir eine verläßliche Zukunftshoffnung für die Menschen und für die Erde haben möchten? An die „Königin von Polen“, wie der Papst so häufig empfahl? Was hat Jesus gesagt? „Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus.“ Ja, ewiges Leben kommt durch Jehova Gott und Christus Jesus, und auch das Königreich haben wir ihnen zu verdanken. Die Erkenntnis über sie erwirbt man sich durch ein Studium des Wortes Gottes, der Bibel, der „heiligen Schriften ..., die dich weise zu machen vermögen zur Rettung durch den Glauben in Verbindung mit Christus Jesus“ (Johannes 17:3; 2. Timotheus 3:15).

      Wir möchten alle aufrichtigen Personen Katholiken und Nichtkatholiken, auffordern sich diese Erkenntnis zu erwerben. Ja, auch du kannst erfahren, was Gottes Königreich ist, und kannst dich auf die rasch herannahende Zeit freuen, in der sich die Verheißung erfüllen wird: „Und er [Gott] wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen.“ Zeugen Jehovas, die in deiner Nähe wohnen, werden dir gern behilflich sein, durch ein unverbindliches und unentgeltliches Heimbibelstudium zu einem Verständnis der Bibel zu gelangen (Offenbarung 21:4).

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