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Die Ansicht der Kirche über sexuelle Fragen und die EheErwachet! 1985 | 8. November
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Die päpstliche Entscheidung, die zweifellos am meisten dazu beigetragen hat, den Glauben der Katholiken an die Unfehlbarkeit des Papstes zu untergraben, ist die Enzyklika Humanae vitae Pauls VI. vom Jahre 1968. Sie bestätigt die katholische Lehre, die künstliche Methoden der Empfängnisverhütung verbietet. Die Encyclopædia Britannica schreibt darüber: „Diese Enzyklika rief ablehnende Reaktionen [unter Katholiken] hervor, die man als die heftigsten Angriffe auf die Autorität der päpstlichen Lehre in der Neuzeit beschreiben könnte. Auch seine [Pauls VI.] unnachgiebige Haltung gegenüber dem priesterlichen Zölibat ... hat auf vielen Seiten heftige Kritik hervorgerufen.“
Es ist offenkundig, daß die Ansicht der katholischen Kirche über die Ehe und den priesterlichen Zölibat für Katholiken Probleme geschaffen hat. Warum hat sich die Kirche diese Probleme selbst aufgebürdet? Was hat sie veranlaßt, Priestern und Nonnen die Ehelosigkeit vorzuschreiben und auf dem Dogma der „immerwährenden Jungfräulichkeit Marias“ zu bestehen?
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Der Zölibat — Warum eine Pflicht?Erwachet! 1985 | 8. November
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Der Zölibat — Warum eine Pflicht?
DER Zölibat als Erfordernis für das Priesteramt wird unter Katholiken immer unpopulärer. Als der Papst vor einiger Zeit die Schweiz besuchte, ergab eine Umfrage, daß sich nur 38 Prozent der dortigen Katholiken für den priesterlichen Zölibat aussprachen. Wie eine in den Vereinigten Staaten durchgeführte Umfrage des Gallup-Instituts (1983) zeigte, waren 58 Prozent der Katholiken der Meinung, man solle Priestern das Heiraten erlauben.
Doch wie schon Papst Paul VI. in seiner berühmten Enzyklika Sacerdotalis caelibatus (Priesterlicher Zölibat, 1967), so hat auch Johannes Paul II. das Zölibatsgesetz bestätigt. Warum besteht der Vatikan weiterhin auf diesem unpopulären Gesetz, wenn es doch seinen eigenen Interessen entgegenzustehen scheint? Ist der priesterliche Zölibat ein Erfordernis, das Christus und die Apostel festlegten?
Wo hat er seinen Ursprung?
In der Einleitung zu seiner Enzyklika vom Jahre 1967 gab Papst Paul VI. zu: „Der erste Einwand scheint seinen Ursprung von der höchsten Autorität zu nehmen, vom Neuen Testament, das die Lehre Christi und der Apostel bewahrt. Es verlangt nicht die Ehelosigkeit jener, die dem heiligen Dienst obliegen.“ Ähnlich heißt es in der Catholic Encyclopedia: „Diese Stellen [1. Timotheus 3:2, 12; Titus 1:6] stehen im Widerspruch zu der Behauptung, der Zölibat sei für die Geistlichkeit von Anfang an obligatorisch gewesen. ... Diese Wahlfreiheit scheint während der ganzen Zeit angedauert zu haben, die man als ... die erste Periode der kirchlichen Gesetzgebung bezeichnen könnte, d. i. bis etwa zur Zeit Konstantins und des Konzils von Nizäa.“
Wo hat die Zölibatspflicht für Priester ihren Ursprung, wenn sie nicht von Christus und seinen Aposteln herrührt?
„In alten heidnischen Zeiten hielt man den Zölibat in Ehren“, heißt es in M’Clintock and Strong’s Cyclopædia. Andere Nachschlagewerke zeigen, daß diese „alten heidnischen Zeiten“ bis in das alte Babylon und das alte Ägypten zurückgehen. In der New Encyclopædia Britannica wird gesagt: „Mit der Entstehung der
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