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Im Gebet zu verharren wird belohntDer Wachtturm 1979 | 1. September
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Im Gebet zu verharren wird belohnt
„Diese alle verharrten einmütig im Gebet“ (Apg 1:14).
1. Was bedeuten die Ausdrücke „verharren“ oder „beharrlich sein“?
DIE Ausdrücke „verharren“ oder „beharrlich sein“ bedeuten, einen bestimmten Weg fortgesetzt und unentwegt zu verfolgen, bis das Ziel erreicht ist. Sie lassen unter anderem auch den Gedanken zu, daß Schwierigkeiten und Widerstand zu überwinden sind, bevor ein Erfolg erzielt wird.
2. Aus welchen Gründen war es für Jesu Jünger angebracht, ‘im Gebet zu verharren’?
2 In Apostelgeschichte 1:14 wird von der kleinen Schar wahrer Nachfolger Jesu passenderweise gesagt: „Diese alle verharrten einmütig im Gebet.“ Sie wußten, daß Jesus auferstanden war, und sie hatten soeben seine Auffahrt zum Himmel miterlebt, doch vieles verstanden sie noch nicht Der verheißene heilige Geist war noch nicht auf sie gekommen, und sie hatten noch keine Kraft empfangen (Apg. 1:8). Sie begriffen noch nicht völlig, weshalb Gott zugelassen hatte, daß ihr geliebter Führer an den schrecklichen Marterpfahl geschlagen worden war. Die für diese Tat verantwortlichen Männer waren immer noch an der Macht, und es gab kein Anzeichen dafür, daß sie eine andere Haltung einnahmen. Ihr unbarmherziger Widerstand hielt an. Daher beteten Jesu Nachfolger, die sich ihrer Notlage bewußt waren, beharrlich zu dem Einen, an den sie glaubten.
3. (a) Wann wurden ihre Gebete erhört, und worauf richteten sie nun nicht mehr ihr Hauptaugenmerk? (b) Wie weit wurde das Zeugnisgeben in jenen frühen Tagen ausgedehnt?
3 Zu Pfingsten wurden ihre glaubensvollen Gebete sicherlich auf eine Weise erhört, die ihre Erwartungen übertraf. Sie verstanden nun, wovon Jesus vor seiner Himmelfahrt zu ihnen gesprochen hatte. Sie richteten ihr Hauptaugenmerk nicht mehr wie zuvor auf ein Datum, was sie durch ihre Frage hatten erkennen lassen: „Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Königreich wieder her?“, sondern konzentrierten sich auf ihre Aufgabe, „Zeugen ... [Jesu zu] sein sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis zum entferntesten Teil der Erde“ (Apg. 1:6-8). Petrus gab an jenem Pfingsttag freimütig und gründlich Zeugnis und erklärte unter anderem: „Diesen Jesus hat Gott zur Auferstehung gebracht, von welcher Tatsache wir alle Zeugen sind“ (Apg. 2:32; siehe auch Apostelgeschichte 2:40; 3:15; 4:33; 5:32).
4. Woran erkennen Jesu Nachfolger heute, daß sie im Gebet verharren sollten?
4 Auch heute sollten wahre Nachfolger Jesu im Gebet zu dem verharren, „der gemäß seiner Kraft, die in uns wirksam ist, über alles hinaus mehr tun kann, als wir erbitten oder erdenken“ (Eph. 3:20).Wenn sie auch ein gutes Verständnis über den Vorsatz Jehovas und seine Verwirklichung erlangt haben, gibt es doch noch vieles, was sie im einzelnen nicht wissen, sowohl was die genaue zeitliche Einordnung künftiger Ereignisse betrifft als auch die Art und Weise, wie sich viele Schriftstellen über das vollständige Ende des Systems Satans erfüllen werden. Dazu zählen prophetische Hinweise auf Jehovas Volk, wie zum Beispiel derjenige aus Jesaja 26:20: „Geh, mein Volk ... Verbirg dich für nur einen Augenblick, bis die Strafankündigung vorübergeht.“
5. (a) Welch zweifache Aufgabe fällt Jehovas Zeugen zu? (b) Was hat die Botschaft von Gottes Königreich in der Welt ausgelöst, und mit welchen Worten wurde das vorhergesagt?
5 Von noch größerer Bedeutung für Jehovas Diener ist die Erkenntnis, daß sie bis dahin ein großes Werk zu verrichten und eine Stellung zu bewahren haben, was allein schon der ihnen von Gott verliehene Name Jehovas Zeugen erkennen läßt (Jes. 43:10-12). Dieses Werk und diese Stellung erfordern Beharrlichkeit und Ausdauer. Die Botschaft von Gottes Königreich handelt auch von der Vernichtung der Nationen und Königreiche der Welt (Jer. 25:15-30). Gottes Königreich „wird alle diese Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende bereiten“. Diese Botschaft ist bei den heutigen Herrschern, die eine nationalistische Haltung an den Tag legen, nicht beliebt. Ihr gemeinsamer Widerstand wird immer mehr offenbar. Sie „haben sich zusammengerottet wie e i n Mann gegen Jehova und gegen seinen Gesalbten [den eingesetzten König Jesus Christus]“ (Ps. 2:2-6; Dan. 2:44).
6. (a) Welche Eigenschaften sind heute erforderlich? (b) Wie sollten wir jede Situation betrachten, und wie ist in dieser Hinsicht für uns gesorgt?
6 Wie die Apostel im ersten Jahrhundert zu sagen: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ erfordert von Gottes Dienern heute viel Mut (Apg. 5:29). Ein solcher Mut und eine solche Freimütigkeit hängen nicht von persönlichen Talenten und Fähigkeiten ab, deren sich nicht viele von uns rühmen können. Mut und Freimütigkeit sind Eigenschaften, die ein klares Verständnis des Vorsatzes Gottes und der in seinem Wort niedergelegten gerechten Maßstäbe und Grundsätze erfordern. Noch nie waren Selbstsucht, Gewalttätigkeit, Korruption und alle Arten von Unreinheit so weit verbreitet wie heute (2. Tim. 3:1-5). In den „letzten Tagen“, in denen wir heute leben, haben wir mit vielen unterschiedlichen Belastungen zu kämpfen. Das bedeutet, daß wir lernen müssen, jede Situation und jedes Problem vom Standpunkt Gottes aus zu sehen. Nur wenn wir uns an ihn wenden, können wir durch sein Wort und mit Hilfe seines Geistes und seiner Organisation die richtige Aufklärung erhalten (Ps. 36:9). Deshalb müssen wir im Gebet verharren und einen echten und starken Glauben — einen siegreichen Glauben — entwickeln. Da Jehova unsere Bedürfnisse kennt, hat er gütigerweise in seinem Wort in bezug auf diese wichtigen Themen für viele zeitgemäße Ermunterungen, Ratschläge und Warnungen gesorgt. Als erstes entsteht die Frage, wer beten darf und unter welchen Bedingungen, falls es solche gibt.
JEHOVA — DER „HÖRER DES GEBETS“
7. (a) Wer ist der „Hörer des Gebets“, und warum mußte sich David oft an ihn wenden? (b) Was kann Personen, die sich unwürdig fühlen, als gute Anleitung dienen? (Ps. 103:8-14).
7 David, ein Diener Jehovas, schrieb unter Inspiration: „O Hörer des Gebets, ja zu dir werden Menschen von allem Fleisch kommen“ (Ps. 65:2). David empfand oft selbst die Notwendigkeit, im Gebet zu verharren, was er in vielen seiner Psalmen zum Ausdruck brachte. Mitunter war es dringend erforderlich, weil seine Feinde ihn erbarmungslos bedrängten, wie Psalm 70:1-5 zeigt. Ein andermal bedingten es seine mitunter schwerwiegenden Schwächen und Fehler. Solltest du dich einmal aus ähnlichen Gründen unwürdig fühlen, zu Gott zu beten, und solltest du denken, er werde dich nicht erhören, so empfehlen wir dir, wiederholt Psalm 51:1-12 zu lesen. Die Worte aus den Versen 9 bis 11 könnten auch eine Grundlage für dein Gebet bilden.
„Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, und tilge selbst alle meine Vergehungen aus. Schaffe in mir auch ein reines Herz, o Gott, und lege einen neuen, einen festen Geist in mich. Wirf mich nicht weg von deinem Angesicht; und deinen heiligen Geist o nimm nicht weg von mir.“
8. Wer darf sich Jehova nahen, und unter welchen Voraussetzungen?
8 Bedeutet der Hinweis, daß „Menschen von allem Fleisch“ zum „Hörer des Gebets“ kommen werden, daß sich jeder, wann immer es ihm beliebt, Gott nahen kann? Nein, in Wirklichkeit verhält es sich so, wie es danach im selben Psalm gesagt wird: „Glücklich ist der, den du [das heißt Jehova] erwählst und herzunahen läßt, damit er in deinen Vorhöfen weile“ (Ps. 65:4). Die Einladung ergeht zwar an alle, doch diejenigen, die sie annehmen, müssen dies in aller Aufrichtigkeit tun. Wenn auch jemandes Glaube zu Beginn nicht stark sein mag, so muß er doch echt sein. „Jehova ist nahe allen, ... die ihn in Wahrhaftigkeit anrufen“ (Ps. 145:18).
9. Warum müssen wir unsere Gebete stets im Namen Jesu an Jehova richten?
9 Überdies müssen wir unsere Gebete im Namen Jesu — auf dem von Gott bestimmten Weg — an Jehova richten (Joh. 14:13, 14). Wir sind dankbar für das Versöhnungswerk, das Christus zugunsten der ganzen Menschheit durchgeführt hat, und schätzen es, daß er jetzt als Gottes Hoherpriester dient, durch den wir uns „mit Freimut der Rede dem Thron der unverdienten Güte [nahen können], damit wir Barmherzigkeit erlangen und unverdiente Güte finden mögen als Hilfe zur rechten Zeit“ (1. Tim. 2:4-6; Hebr. 2:9; 4:14-16).
10. Inwiefern bietet uns der 15. Psalm in dieser Hinsicht eine weitere hilfreiche Anleitung?
10 Aus Psalm 15 können wir erfahren, welche Personen Gott erwählt, wenn wir die inspirierte Antwort auf die Fragen lesen: „O Jehova, wer wird ein Gast sein in deinem Zelt? Wer wird weilen auf deinem heiligen Berge?“ Wir sollten die dort festgelegten Grundsätze als gerecht anerkennen und uns zum Ziel setzen, sie zu befolgen, selbst wenn es uns manchmal nicht gelingt.
11. (a) Für wen wurde die Bibel vor allem geschrieben? (b) Welche Ermunterung ist im Gebet Salomos in 1. Könige 8:41-43 zu finden?
11 Vielleicht sagst du, und zwar zu Recht, daß die Bibel einschließlich der bereits erwähnten Texte hauptsächlich vom Volk Gottes handelt und für das Volk Gottes gilt, besonders für die Christenversammlung, die das geistige Israel, „das Israel Gottes“, bildet (Röm. 15:4; 1. Kor. 10:11; Gal. 6:16). Im Vergleich dazu betrachtest du dich vielleicht wegen deiner früheren Lebensweise und deines völligen Desinteresses an Religion sozusagen als ein Außenseiter oder ein Fremdling. In einer solchen Lage befinden sich heute viele. Resigniere jedoch nicht vorschnell. Denke daran, daß Salomo in den vielen Bitten, die er bei der Einweihung des Tempels Jehova vortrug, auch „den Ausländer, der nicht zu deinem Volk Israel gehört und der tatsächlich deines Namens wegen aus einem fernen Land kommt“, erwähnte. Er betete: „Mögest du [Jehova] ... von den Himmeln, deiner festen Wohnstätte, her hören, und du wollest gemäß allem tun, worum der Ausländer zu dir ruft, auf daß alle Völker der Erde deinen Namen kennenlernen, damit sie dich ebenso fürchten, wie es dein Volk Israel tut“ (1. Kö. 8:41-43).
12, 13. (a) Was schrieb Jesaja unter Inspiration über „Ausländer“? (b) Auf wen und wie können diese Worte angewandt werden?
12 In Jesaja 56:6, 7 wird diesen „Ausländern“ weitere Aufmerksamkeit mit den Worten zuteil:
„Und die Ausländer, die sich Jehova angeschlossen haben, um ihm Dienst zu tun und den Namen Jehovas zu lieben, um ihm zu Knechten zu werden, alle, die den Sabbat beobachten, um ihn nicht zu entweihen, und die an meinem Bunde festhalten, sie will ich dann zu meinem heiligen Berg bringen und sie erfreuen in meinem Hause des Gebets. Ihre Ganzbrandopfer und ihre Schlachtopfer werden zur Annahme auf meinem Altar sein. Denn mein eigenes Haus wird ja ein Haus des Gebets für alle Völker genannt werden.“
13 Welch einladende Worte! Diese „Ausländer“ werden nicht bevormundet, sondern schließen sich Jehova freudig an, weil sie seinen Namen und alles, wofür er steht, lieben. Ihr ganzes Leben (nicht nur jeder siebente Tag) wird zu einer Zeit, in der sie ‘Sabbat halten’, einer Zeit, die Jehova gewidmet ist; dadurch gehen sie, wie der Apostel Paulus in Hebräer 4:1-10 erklärt, in Gottes Ruhe ein. Paulus zeigt auch, inwiefern das Darbringen von ‘Ganzbrandopfern und Schlachtopfern’ eine praktische Anwendung auf getaufte Christen findet, wenn er schreibt:
„Durch ihn laßt uns Gott allezeit ein Schlachtopfer der Lobpreisung darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die eine öffentliche Erklärung für seinen Namen abgeben. Übrigens, vergeßt nicht, Gutes zu tun und die Dinge mit anderen zu teilen, denn solche Schlachtopfer sind Gott wohlgefällig“ (Hebr. 13:15, 16).
14. Was war zur Zeit Jesajas das „Haus des Gebets“, und wovon war es ein Sinnbild?
14 Zur Zeit Jesajas war natürlich der Tempel, den Salomo erbaut hatte, Jehovas „Haus des Gebets“. Dieser Tempel war ein Sinnbild des großen geistigen Tempels Gottes. Im himmlischen Allerheiligsten dieses geistigen Tempels ist Gott persönlich gegenwärtig. Die geistgezeugten Nachfolger Jesu Christi, die noch auf der Erde sind, befinden sich im Heiligen dieses Tempels und auch in dem irdischen Vorhof, der den Priestern vorbehalten ist.
15. (a) Was wird in Offenbarung 7:9-17 über eine „große Volksmenge“ gesagt? (b) Was hat das mit Jehovas Zeugen von heute zu tun?
15 Dem oben Dargelegten entspricht das, was wir in Offenbarung 7 lesen. Nachdem in den Versen 1-8 gezeigt worden ist, daß die Christenversammlung aus insgesamt 144 000 geistigen Israeliten besteht, ist von einer „großen Volksmenge“ die Rede, die ebenfalls Gottes Gunst genießt. Ihre Glieder bringen Gott zum Beweis dafür, daß sie sich ihm hingegeben haben, „Tag und Nacht ... in seinem Tempel heiligen Dienst dar“ (Offb. 7:15). In dieser herrlichen Vision wird gezeigt, daß die internationale „große Volksmenge“ Jehova in seinem Tempel dient, das heißt in dem irdischen Vorhof (der für diejenigen bestimmt ist, die keine geistigen Israeliten sind), also sozusagen im „Vorhof der Heiden“. Die meisten Zeugen Jehovas sind heute Glieder der „großen Volksmenge“ und hoffen, einmal in Gottes Königreich auf einer paradiesischen Erde ewig zu leben. Jesus bezeichnete sie als seine ‘anderen Schafe, die nicht aus dieser Hürde sind’. Wie er weiter sagte, sollten alle seine wahren Schafe heute „e i n e Herde werden unter e i n e m Hirten“ (Luk. 12:32; Joh. 10:16)a.
16. Mit welcher Belohnung können Personen rechnen, die Jehova ernstlich suchen?
16 Schließe dich dieser festgefügten Gruppe wahrer Anbeter Jehovas an. Das wird dich bestimmt sehr glücklich machen. Es wird dir helfen und dich ermuntern, im Gebet zu verharren und am wahren Glauben festzuhalten, und es wird sich lohnen, da Jehova „denen, die ihn ernstlich suchen, ein Belohner wird“ (Hebr. 11:6). Die Notwendigkeit, glaubensvoll im Gebet zu verharren, wird im Lukasevangelium auf interessante Weise hervorgehoben.
17. Inwiefern ist die Erfahrung, die Jakob mit einem Engel machte, ein gutes Beispiel für Beharrlichkeit?
17 An dieser Stelle möchten wir dich an ein außergewöhnliches Beispiel für Beharrlichkeit erinnern, das auch die große Belohnung zeigt. Wir meinen Jakob, der eine ganze Nacht mit einem Engel rang, der sich materialisiert hatte. Obgleich dabei Jakobs Oberschenkel-Gelenkpfanne ausgerenkt wurde, sagte er zu dem Engel: „Ich lasse dich nicht gehen, es sei denn, du segnest mich zuvor.“ Die Worte, die der Engel daraufhin sprach, sollten von bleibender Bedeutung sein: „Dein Name wird nicht länger Jakob genannt werden, sondern Israel, denn du hast mit Gott und mit Menschen gestritten, so daß du zuletzt die Oberhand gewonnen hast.“ Und schließlich segnete er Jakob auch. Jakob strebte also nicht nur fortgesetzt und unentwegt sein Ziel an, sondern er mußte auch buchstäblich darum ringen, und das sogar mit einer körperlichen Behinderung. Er wurde wunderbar gesegnet, denn er sagte: „Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und doch ist meine Seele befreit worden.“ Welch ein vorzügliches Beispiel eines Mannes, der im Gebet verharrte! (1. Mose 32:24 bis 30).
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Das Gebet in den „letzten Tagen“Der Wachtturm 1979 | 1. September
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Das Gebet in den „letzten Tagen“
„Bleibt also wach und fleht allezeit“ (Luk. 21:36).
1. (a) Wo wird im Lukasevangelium zum erstenmal das Gebet oder das „Flehen“ erwähnt? (b) Wie reagierte Jesus auf die Bitte: „Herr, lehre uns beten.“?
SCHON zu Beginn des Lukasevangeliums wird das Gebet erwähnt, und zwar das „Flehen“, das Sacharja an Gott richtete (Kapitel 1, Vers 13). Doch in Kapitel 11 wird dann das Thema Gebet ziemlich ausführlich behandelt. Jesus erfüllte zunächst die Bitte eines seiner Jünger: „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte“ (Luk. 11:1). Er sagte:
„Wann immer ihr betet, so sprecht: ,Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Königreich komme. Gib uns unser Brot für den Tag, so, wie der Tag es erfordert. Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns verschuldet ist; und bringe uns nicht in Versuchung‘“ (Luk. 11:2-4).
2. (a) Inwiefern wird Gottes Name auf diese Weise geehrt, und zwar im Einklang mit welchen Schriftstellen? (b) Welche Situation besteht im Gegensatz dazu in der Welt, und wie wird ihr ein Ende gemacht werden?
2 Beachten wir, daß Jesus auf den Namen seines Vaters ebenso Nachdruck legte, wie dies in 1. Könige 8:41-43 und Jesaja 56:6, 7 getan wird, zwei Schriftstellen, die im vorangehenden Artikel behandelt worden sind. Jehovas Name wird in der heutigen Welt bestimmt nicht geheiligt. Nationalismus, Selbstverherrlichung und Genußsucht sowie die Tatsache, daß sich die Menschen mit einer ‘Form der Gottergebenheit begnügen, sich aber hinsichtlich deren Kraft als falsch erweisen’, und ähnliche Umstände tragen dazu bei, daß Gottes Name geschmäht und entehrt oder völlig ignoriert wird (2. Tim. 3:5). Daher muß Gott das Vaterunser insofern erhören, als er seinen Namen heiligt (Hes. 36:23). Die Schmach wird beseitigt, wenn Gottes Königreich unter Christus Jesus gegen die Nationen und ihre Herrscher vorgeht, was in Psalm 2 anschaulich beschrieben wird.
3. Welche Warnung und welche Verheißung erwähnt Petrus in diesem Zusammenhang?
3 Das wird am Tage Jehovas geschehen, einem Tag, der nun sehr nahe ist, wie die sich erfüllenden biblischen Prophezeiungen deutlich zeigen. Wir sollten daher folgende warnende Worte beachten, die Petrus unter Inspiration niederschrieb:
„Indem ihr die Gegenwart des Tages Jehovas erwartet und fest im Sinn behaltet, durch den die Himmel im Feuer aufgelöst werden und die Elemente vor Gluthitze zerschmelzen werden! Doch gibt es neue Himmel und eine neue Erde, die wir gemäß seiner Verheißung erwarten, und in diesen wird Gerechtigkeit wohnen. Deshalb, Geliebte, da ihr diese Dinge erwartet, tut euer Äußerstes, um schließlich von ihm fleckenlos und makellos und in Frieden erfunden zu werden“ (2. Petr. 3:12-14).
4. Weshalb sind die ersten beiden Bitten im Vaterunser eng miteinander verknüpft, und wozu verhilft uns das im Hinblick auf die anderen Bitten?
4 Wenn sich all das erfüllt hat, wird Gottes Name vollständig gerechtfertigt und geheiligt sein. Deshalb sind die zwei Bitten in Lukas 11:2 eng miteinander verknüpft und stehen im Vaterunser an erster Stelle. Sie handeln von den wirklich großen Ereignissen der Gegenwart und der nahen Zukunft. Sie fest im Sinn zu behalten wird uns zu einer ausgeglicheneren Ansicht über unsere alltäglichen Nöte und Probleme verhelfen, die in dem Gebet danach erwähnt werden. Statt egozentrisch zu werden, was sehr leicht geschehen kann, sollten wir uns fragen: Welche Einstellung und welche Handlungsweise stimmen mit dem in Gottes Wort dargelegten Willen Jehovas überein und werden somit seinen Namen ehren?
BEHARRLICHKEIT WIRD BELOHNT
5. (a) Was ist bei den Personen, die in den Gleichnissen Jesu vorkommen, gewöhnlich der Fall? Nenne ein Beispiel. (b) Von welchen Personen ist in Lukas 11:5-8 die Rede, und welche Rolle spielen sie?
5 Als nächstes berichtet Lukas von einem Gleichnis Jesu, das ein ungewöhnliches Merkmal aufweist. In den meisten Fällen entsprechen die Personen, von denen in einem Gleichnis die Rede ist, genau den durch sie Dargestellten. Wenn wir zum Beispiel das Gleichnis vom verlorenen Sohn aus Lukas 15:11-32 lesen, fällt es uns nicht schwer, zu erkennen, daß der Vater dieses Sohnes durch das, was er sagt und tut, eine treffende Darstellung des himmlischen Vaters ist. Das kann jedoch nicht von dem folgenden Gleichnis Jesu gesagt werden:
„Wer von euch wird einen Freund haben und wird um Mitternacht zu ihm gehen und zu ihm sagen: ,Freund, leihe mir drei Brote, denn ein Freund von mir ist auf einer Reise eben zu mir gekommen, und ich habe nichts, um es ihm vorzusetzen.‘? Und jener gibt von drinnen die Antwort: ,Störe mich nicht weiter. Die Tür ist schon verschlossen, und meine kleinen Kinder sind mit mir im Bett, ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.‘ Ich sage euch: Wenn er auch nicht aufstehen und ihm etwas geben wird, weil er sein Freund ist, wird er bestimmt wegen seiner kühnen Beharrlichkeit aufstehen und ihm das geben, was er benötigt“ (Luk. 11:5-8).
6. Inwiefern steht die Handlungsweise einer in dem Gleichnis erwähnten Person im Gegensatz zu der Handlungsweise des himmlischen Vaters, und was hob Jesus dadurch hervor?
6 In diesem Fall stellen wir fest, daß derjenige, der dem Mangel des Bittenden abhelfen kann, dies zunächst unmißverständlich ablehnt, indem er sagt: „Störe mich nicht weiter.“ Er ist sehr unwillig. Seine Handlungsweise steht in krassem Gegensatz zu der Handlungsweise des himmlischen Vaters. Dadurch tritt der Sinn des Gleichnisses um so deutlicher hervor. Wenn dieser Mann, der mit seiner Familie bereits im Bett lag, bereit gewesen wäre, aufzustehen und seinem Freund das Benötigte zu geben, hätte es seitens des Bittenden keiner „kühnen Beharrlichkeit“ bedurft. Und das war es, was Jesus hervorhob.
7, 8. Wie wird das durch Jesu weitere Worte bestätigt, und inwiefern ist das ein großer Ansporn für uns?
7 Jesus bestätigte dies, indem er mit den Worten fortfuhr: „Demnach sage ich euch: Bittet unablässig, und es wird euch gegeben werden; sucht fortwährend, und ihr werdet finden; klopft unaufhörlich an, und es wird euch geöffnet werden“ (Luk. 11:9). Abschließend brachte er dann eine Gegenüberstellung und sagte: „Wenn nun ihr, obwohl ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird der Vater im Himmel denen heiligen Geist geben, die ihn bitten!“ (Luk. 11:13).
8 Stell dir den Mann vor, der „wegen seiner kühnen Beharrlichkeit“ sogar um Mitternacht das erhielt, was er benötigte. Seine Beharrlichkeit hatte sich gelohnt. Welch ein Ansporn, das in die Tat umzusetzen, was Jesus durch dieses Gleichnis zeigen wollte: Unablässig zu bitten, fortwährend zu suchen und unaufhörlich anzuklopfen! Höre nicht auf zu beten, und werde nicht glaubensschwach, nur weil man dir wegen deiner Beteiligung am Predigen des Königreiches und am Jüngermachen Widerstand entgegenbringt oder weil du in einem geteilten Haus lebst oder weil du gegen eine persönliche Schwäche anzukämpfen hast, die tiefer eingefleischt ist, als du dachtest.
9. Welche Beispiele für Beharrlichkeit im Gebet und im Handeln finden wir in Apostelgeschichte 4:24-30 und Apostelgeschichte 5:41, 42?
9 Ein vortreffliches Beispiel für eine solche Beharrlichkeit im Gebet, die durch entsprechendes Handeln unterstützt wurde, finden wir in den ersten Tagen der Christenversammlung. Beachten wir das in Apostelgeschichte 4:24-30 aufgezeichnete gemeinsame Gebet, das die Jünger sprachen, nachdem Petrus und Johannes berichtet hatten, welche Gegnerschaft ihnen der Sanhedrin entgegengebracht hatte. Von besonderem Interesse ist der Vers 29: „Und nun, Jehova, beachte ihre Drohungen, und gewähre deinen Sklaven, daß sie dein Wort fortgesetzt mit allem Freimut reden.“ Kurze Zeit später wurden alle Apostel nach einer weiteren Verhandlung vor dem Sanhedrin ausgepeitscht. Der Bericht in Apostelgeschichte 5:41, 42 lautet: „Diese nun gingen aus dem Sanhedrin hinweg, voll Freude, weil sie würdig geachtet worden waren, um seines Namens willen in Unehre zu kommen. Und jeden Tag fuhren sie im Tempel und von Haus zu Haus ununterbrochen fort, zu lehren und die gute Botschaft über den Christus, Jesus, zu verkünden.“ Keiner dieser Apostel erlebte eine beharrlichere Gegnerschaft als der Apostel Paulus, von dem die Worte stammen: „Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht“ (Phil. 4:13).
‘DIE NOTWENDIGKEIT, ALLEZEIT ZU BETEN UND NICHT NACHZULASSEN’
10. Was sagte Jesus gemäß dem Lukasevangelium, bevor er durch ein weiteres Gleichnis Nachdruck auf das Gebet legte, und welche zweifache Erfüllung haben seine Worte?
10 Gegen Ende seines irdischen Dienstes gebrauchte Jesus in einem Gleichnis auf noch bemerkenswertere Weise einen Gegensatz, um auf etwas Nachdruck zu legen. Lukas schreibt: „Dann fuhr er [Jesus] fort, in einem Gleichnis über die Notwendigkeit zu ihnen zu reden, daß sie allezeit beten und nicht nachlassen dürften“ (Luk. 18:1). Betrachten wir jedoch zunächst, was der Anlaß dazu war. (Interessanterweise erwähnt Lukas oft den Grund, weshalb Jesus bestimmte Gleichnisse erzählte, wie das aus Lukas 18:9 und 19:11 hervorgeht.) In Lukas 17:22-37 wird berichtet, was Jesus über die Verhältnisse gesagt hatte, die herrschen würden, wenn er „von dieser [der damaligen] Generation verworfen werden“ würde (Luk. 17:25). Jesu Worte, die teilweise mit Matthäus, Kapitel 24 übereinstimmen, erfüllten sich zwar schon einmal in seinen Tagen, in der Zeit bis zum Ende des jüdischen Systems der Dinge, doch erfüllen sie sich in unserer Zeit, der „Zeit des Endes“ des gegenwärtigen Systems der Dinge, in noch größerem Umfang (Dan. 12:4).
11. (a) Inwiefern gleichen die heutigen Verhältnisse denen in den Tagen Noahs und Lots? (b) Auf welchen Umstand machte Jesus besonders aufmerksam, und findet dieser in der heutigen Zeit eine Parallele?
11 Und welche Verhältnisse herrschen unter den Menschen der heutigen Generation? Ja, die Verhältnisse gleichen heute immer mehr denen in den Tagen Noahs, als „Gott die Erde [sah], und siehe! sie war verderbt, denn alles Fleisch hatte seinen Weg auf der Erde verderbt“, und die Erde war „voller Gewalttat“ (1. Mose 6:12, 13). Aber Jesus spielte nicht darauf an, sondern er erwähnte etwas von noch größerer Bedeutung. Was war das? Die Menschen waren damals völlig mit alltäglichen Dingen beschäftigt, sie ‘aßen und tranken, heirateten und wurden verheiratet’, und waren damit ganz zufrieden. Es war „wie ... in den Tagen Lots“, von denen im Bericht außerdem noch gesagt wird, daß die Menschen kauften, verkauften, pflanzten und bauten (Luk. 17:26-29). Statt daß sie wegen der herrschenden Bosheit und Gewalttat besorgt und beunruhigt gewesen wären, waren sie gleichgültig und unbesorgt. Was das große Zeugnis betrifft, das Noah durch den Bau der Arche in Wort und Tat gab, so ‘nahmen sie [die Menschen] keine Kenntnis davon’ (Matth. 24:39; 2. Petr. 2:5). Dasselbe kann bestimmt über die Haltung gesagt werden, die die Menschen im allgemeinen heute besonders gegenüber dem intensiven weltweiten Zeugnis von Gottes Königreich einnehmen, das in Matthäus 24:14 vorausgesagt worden ist. Die Mehrheit interessiert sich einfach nicht dafür; ihre Zeit und Aufmerksamkeit wird durch zu viele andere Dinge in Anspruch genommen. Beachten wir auch, daß Jesus in Verbindung mit den beiden eben erwähnten Zeitspannen darauf hinwies, daß die endgültige Urteilsvollstreckung unerwartet, plötzlich kam, was zur Folge hatte, daß ‘sie alle vernichtet wurden’ (Luk. 17:27, 29).
12. Was können wir aus Lukas 17:31-37 lernen und in die Tat umsetzen?
12 Wir dürfen annehmen, daß du zu den verhältnismäßig wenigen gehörst, die aufgrund der heutigen Weltlage beunruhigt sind und bereitwillig das beachten, was Gottes Wort darüber zu sagen hat. Wenn du die in Lukas 17:31-37 angedeutete Notwendigkeit erkennst, kein Teil des gegenwärtigen Systems der Dinge zu sein und es nicht zu unterstützen, und wenn dir klar wird, daß du nicht mehr versuchen solltest, ‘deine Seele [dein Leben] für dich zu erhalten’, so versäume keine Zeit. Nimm auf der Seite Jehovas und seines Königreiches Stellung. Gib dich Jehova hin, und stelle so dein gegenwärtiges und künftiges Leben in seinen Dienst. Blicke nicht sehnsüchtig auf das, was du zurückgelassen hast. ‘Denke an Lots Frau’ (Luk. 17:32). Reihe dich vielmehr unter diejenigen ein, die, wie Jesus sagte, „kein Teil der Welt sind, so, wie ich kein Teil der Welt bin“ (Joh. 17:14-17).
13. Nenne die wichtigsten Gedanken aus dem Gleichnis in Lukas 18:2-5.
13 Wenden wir uns nun dem Gleichnis in Lukas 18:2-5 zu. Hier tritt wiederum ein Bittsteller auf, diesmal eine Witwe, und auch ein Mann, der ihr in ihrer Notlage helfen kann, ein „Richter, der weder Gottesfurcht noch Respekt vor einem Menschen“ hat. Schließlich sorgt er, wenn auch widerwillig, dafür, daß sie zu ihrem Recht kommt, nur weil, wie er sagt, „diese Witwe mir ständig Mühe macht“. Sie ist zweifellos beharrlich, was uns zeigt, daß wir ‘allezeit beten und nicht nachlassen sollten’.
14. (a) Was wird Gott im Gegensatz zu dem „ungerechten Richter“ gemäß Jesu Worten tun? (b) Was können wir daraus im Hinblick auf den Faktor Zeit lernen?
14 Dieser Richter gleicht dem Mann aus Lukas 11:7, denn wir sehen hier wiederum einen völligen Gegensatz zur Wesensart Gottes. Beachten wir auch, was Gott im Gegensatz zu diesem „ungerechten“ Richter gemäß Jesu weiteren Worten tut: Er wird „seinen Auserwählten ... Recht verschaffen, auch wenn er ihnen gegenüber langmütig ist“, und zwar wird er es „eilends“ tun (Luk. 18:6-8). Aus diesen Worten können wir viel lernen. Wir sollten uns nämlich bemühen, alles — ob es sich um eine persönliche Angelegenheit oder um die Verwirklichung des Vorsatzes Gottes handelt — vom Standpunkt Gottes aus zu betrachten. Petrus erklärte: „Jehova ist hinsichtlich seiner Verheißung nicht langsam, wie es einige für Langsamkeit halten, sondern er ist geduldig mit euch [Gottes Volk], weil er nicht will, daß irgend jemand vernichtet werde, sondern will, daß alle zur Reue gelangen.“ Und Jehova sagte durch den Propheten über die Erfüllung der Vision, die dieser gehabt hatte: „Selbst wenn sie säumen sollte, so harre ihrer; denn sie wird sich bestimmt bewahrheiten. Sie wird sich nicht verspäten“ (2. Petr. 3:9; Hab. 2:3; siehe auch Offenbarung 6:10, 11).
15. Wie ist dies auf persönliche Probleme anzuwenden, und was sollten wir nicht tun?
15 Wir dürfen davon überzeugt sein, daß eine anscheinende Verzögerung in der Erhörung unserer Bitten, die wir wegen persönlicher Probleme vortragen, nicht auf die Unfähigkeit oder den Unwillen Gottes zurückzuführen ist. Wie können wir denn, falls wir wie die Witwe ungerecht behandelt oder verfolgt werden, unseren Glauben daran, daß uns Gerechtigkeit widerfahren wird, beweisen? Dadurch, daß wir unablässig beten und dem Willen Gottes entsprechend handeln. Wenn wir Kompromisse schließen würden, um Verfolgung zu vermeiden, brauchten wir natürlich nicht unablässig zu beten. Wir würden einen Mangel an Glauben verraten und durch unsere Handlungsweise unsere Kennzeichnung als christliche Diener Gottes verlieren (2. Kor. 11:23-27; 2. Tim. 3:12).
16. Wie können wir die in Lukas 18:8 aufgeworfene Frage zu unserem Nutzen als eine persönliche Herausforderung betrachten?
16 Es mag seltsam erscheinen, daß Jesus seine Worte mit der Frage abschloß: „Dessen ungeachtet, wird der Sohn des Menschen, wenn er gekommen ist, wirklich den Glauben auf der Erde finden?“ (Luk. 18:8). Er ließ diese Frage offen. Das scheint zwar anzudeuten, daß dann nicht sehr viel Glaube vorhanden wäre, doch können wir nicht schlußfolgern, daß nirgendwo auf der Erde wahrer Glaube zu finden sei. Wir sollten diese Worte vielmehr als eine persönliche Herausforderung betrachten. Ganz gleich, wie lange wir schon getaufte Diener Jehovas sind, so dürfen wir doch als einzelne den Glauben nicht als etwas Selbstverständliches ansehen (1. Kor. 10:12, 13). Wir müssen nicht nur die Aufforderung aus Lukas 11:9 befolgen und ‘unablässig bitten, fortwährend suchen und unaufhörlich anklopfen’, sondern auch ‘ständig Ausschau halten, wach bleiben und beständig wachen’, was Jesus als eine Notwendigkeit für die heutige Zeit hervorhob. Das verlangt von uns, in jeder Hinsicht beharrlich zu sein, um uns dem Druck von außen, der Gleichgültigkeit und der Gegnerschaft, zu widersetzen und eigene Schwächen zu überwinden (Mark. 13:32-37; 14:38).
17. Worum sollten wir vor allem beten, und wessen Beispiel können wir dabei nachahmen?
17 Bete unablässig im Glauben, damit du dich als treu erweist und nicht zurückweichst (Hebr. 10:39). Bete in einer schweren Prüfung unablässig, daß vor allem Gottes Wille geschehen möge, wie Jesus es in der Stunde seiner größten Not tat (Matth. 26:38-44). Solche Gebete sind Gott wohlgefällig. Er ermöglicht es uns, als Bittende zu zeigen, wie sehr wir an etwas interessiert sind, wie sehr wir es wünschen und ob unser Beweggrund dabei aufrichtig ist. Er ist zwar langmütig, doch wenn er Recht übt, tut er es schnell, sofern die Zeit dafür gekommen ist (Ps. 55:16, 17; Röm. 1:9-12).
‘BLEIBT WACH UND FLEHT ALLEZEIT’
18. (a) Welche treffende Ermahnung gab Jesus am Schluß seiner Prophezeiung? (b) Wie können wir all den Dingen, „die geschehen sollen“, entgehen?
18 In Übereinstimmung mit dem Vorangegangenen berichtet Lukas in seinem Evangelium, wie Jesus im Anschluß an seine Prophezeiung über die damalige und die heutige Zeit vor der Genußsucht warnte, indem er sagte: „... damit euer Herz niemals durch zuviel Essen und zuviel Trinken und Sorgen des Lebens beschwert werde und jener Tag [des endgültigen Gerichts] plötzlich, in einem Augenblick, über euch komme wie eine Schlinge.“ Schließlich sagte er treffend: „Bleibt also wach und fleht allezeit [warum?], damit es euch gelinge, all diesen Dingen, die geschehen sollen, zu entgehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen“ (Luk. 21:34-36). Das heißt nicht, daß wir vom Schauplatz hinweggenommen werden, sondern daß wir vermeiden müssen, in eine Falle zu geraten oder im falschen Lager angetroffen zu werden. Wir müssen daher allezeit ernsthaft beten und uns bemühen, im Einklang mit unseren Gebeten zu handeln, um „vor dem Sohn des Menschen zu stehen“, das heißt seine Anerkennung zu finden.
19. Welche Fragen bezüglich des Gebets können wir uns stellen, und inwiefern ist uns das Beispiel Nehemias eine Hilfe?
19 Angesichts der vielen Mahnungen, beharrlich zu sein und nicht aufzugeben, kannst du dich fragen: „Wie oft bete ich?“ Betest du nur zu bestimmten Zeiten wie vor dem Essen oder in Zusammenkünften? Sind deine Gebete nur Lippendienst und nur eine Sache des Verstandes, oder ‘flehst du allezeit’, und bittest du ernsthaft und von Herzen, manchmal vielleicht mit „unausgesprochenen Seufzern“? (Röm. 8:26). Ganz gleich, worin dein Bedürfnis besteht, kannst du das tun, was Nehemia tat, als er vor dem König stand: Unbemerkt betete er „zu dem Gott der Himmel“ (Neh. 2:4). Sein glaubensvolles Gebet wurde erhört. Wir sollten auch nicht vergessen, daß uns zwar durch die Gebete anderer geholfen werden kann, daß aber ihre Gebete niemals unser Gebet ersetzen können.
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Ein kostbares Verhältnis bewahrenDer Wachtturm 1979 | 1. September
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Ein kostbares Verhältnis bewahren
„Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen“ (Jak. 4:8).
1, 2. (a) Inwiefern gibt Jehova großzügig? (b) In welcher Gefahr steht ein Zweifler, und wie kann man diese Gefahr vermeiden? (c) Kann der Glaube zunehmen, und ist er nur ein verstandesmäßiger Vorgang?
JEHOVA gibt großzügig. Aus dem Lukasevangelium haben wir bereits erfahren, daß Jehova die Bitten derer, die im Gebet verharren und wach bleiben, erhört. Auch andere Bibelschreiber wurden inspiriert, praktischen Rat über die eng verwandten Themen Gebet und Glaube zu geben.
2 Jakobus erinnert zu Beginn seines Briefes zum Beispiel daran, Gott „unablässig“ um Weisheit zu bitten, damit man verschiedene Prüfungen durchstehen kann. Mahnend sagt er: „Er bitte aber unablässig im Glauben, ohne irgendwie zu zweifeln.“ Wer ständig zweifelt, ist ein „unentschlossener Mann [griechisch: „mit geteilter Seele“]“ und empfängt nichts von Jehova. Wir möchten, daß unser Glaube die von Jakobus erwähnte „geprüfte Echtheit“ aufweist, die „Ausharren bewirkt“ (Jak. 1:3-8)a. Unser Glaube mag zwar nicht so groß sein wie der Glaube Abrahams, doch kann er wachsen und sollte immer ungeheuchelt und keine halbe Sache sein. Möge auf uns das zutreffen, was Paulus schrieb: „Euer Glaube wächst überaus, und die Liebe eines jeden und euer aller zueinander nimmt zu.“ Wahrer Glaube ist nicht nur ein verstandesmäßiger Vorgang, sondern wird, wie Paulus ebenfalls schrieb, ‘im Herzen geübt’. Unsere Beweggründe müssen gut sein, was zu guten Werken führt (Röm. 4:20; 10:9, 10; 2. Thess. 1:3).
3. Auf welche Wahrheiten werden wir in Jakobus 4:7, 8 durch Gegenüberstellungen aufmerksam gemacht?
3 Jakobus bestätigte dies, indem er weiter schrieb: „Reinigt eure Hände, ihr Sünder, und läutert euer Herz, ihr Unentschlossenen.“ Zuvor brachte er wie Jesus bestimmte Gegenüberstellungen, um Wahrheiten, die betont werden mußten, zu verdeutlichen: „Unterwerft euch daher Gott; doch widersteht dem Teufel, und er wird von euch fliehen. Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen“ (Jak. 4:7, 8).
4. (a) Durch welches Verhalten kommt man jemandem näher, und wodurch muß man dazu angeregt werden? (b) Heißt Gott eine solche Person nur willkommen, und welche Vorkehrungen hat er zum Nutzen aller bereits getroffen?
4 Diese Worte ermuntern uns zur Entschlossenheit und appellieren auch an unser Herz. Wir könnten zwar aus einem Pflichtgefühl heraus entschlossen und beharrlich sein, doch uns jemandem zu nahen oder ihm näherzukommen bedarf eines viel stärkeren Antriebs, eines Antriebs, der aus dem Herzen kommt und die Bereitschaft auslöst, aus uns herauszugehen und Opfer zu bringen, um das gewünschte enge persönliche Verhältnis zu entwickeln und zu bewahren. Beachten wir, daß Jakobus nicht sagen wollte, Gott bleibe gewissermaßen untätig, bis wir uns ihm genaht hätten, und heiße uns dann willkommen, sondern daß er meinte, Gott werde, wenn wir bestimmte Schritte unternähmen, um uns ihm zu nahen, ebenfalls entsprechend handeln. Wie tut er das? Er hat es bereits getan, u. a. dadurch, daß er uns sein Wort und seinen Sohn als Erlöser gegeben hat, so daß wir als unvollkommene, sündige Menschen uns ihm nahen können. Diese Vorkehrungen stehen allen offen, die mit einem lauteren Beweggrund davon Gebrauch machen möchten.
5. Welche Hilfe empfangen Personen, die sich ‘Gott nahen’ möchten, oftmals durch getaufte Diener Gottes?
5 Richtet Jehova sein Augenmerk aber auch auf den einzelnen? Wodurch wird in vielen Fällen das Herz eines Wahrheitssuchenden berührt? Nicht nur durch die Erkenntnis der Wahrheit, sondern auch durch das aufrichtige und herzliche persönliche Interesse desjenigen, der als Diener Gottes gebraucht wird, um ihm zu helfen (1. Kor. 3:5). Wenn ein Wahrheitssuchender das erstemal eine Zusammenkunft der Zeugen Jehovas besucht, mag er von den Darlegungen nicht allzuviel verstehen, doch er ist wiederum tief beeindruckt von der aufrichtigen Freundlichkeit aller Anwesenden und davon, daß er beachtet und willkommen geheißen wird. Er sieht darin eine Reaktion auf seine Bemühungen, die Wahrheit und den Quell der Wahrheit zu finden, und verspürt, daß Gott sich ihm naht. Während er Fortschritte macht, erlebt er weitere Beweise dafür, daß Gott ihn leitet und segnet, denn Jehova gibt „großmütig und ohne Vorwürfe zu machen“ (Jak. 1:5).
6. Was sollten wir im Sinn behalten, und wie wird das möglich?
6 Während ein Wahrheitssuchender Schritt für Schritt auf dem Weg der Gerechtigkeit geleitet wird, erkennt er, welch ein Vorrecht es ist, als ein Vertreter Jehovas gebraucht zu werden, um anderen zu helfen. Das wird dadurch möglich, daß Jehova seinen Geist in sein Herz ausgießt, so daß er die Frucht dieses Geistes hervorbringt und als ein Beispiel wahrer, gottgemäßer Liebe dienen kann (Gal. 5:22, 23; 1. Joh. 4:11).
SEI WACHSAM UND ENTSCHLOSSEN
7. Was läßt der allgemeine Ton des Jakobusbriefes erkennen?
7 Jakobus schrieb an getaufte Christen, die bereut hatten und bekehrt worden waren. Sie hatten ihre frühere sündige Handlungsweise aufgegeben und sich rückhaltlos Jehova hingegeben, um fortan seinen Willen zu tun. Wie der allgemeine Ton des Jakobusbriefes erkennen läßt, lebten viele nicht ihrer Hingabe gemäß. Sie übersahen die Notwendigkeit, dieses Verhältnis zu Jehova aufrechtzuerhalten.
8. (a) Warum darf man ein Verhältnis zu einem anderen nicht als selbstverständlich betrachten? (b) Worauf war Jakobus bei der Hilfe für solche, die zurückgewichen waren, bedacht?
8 Das Verhältnis zu einem anderen bleibt selten, wenn überhaupt, unverändert; man darf es nicht als selbstverständlich betrachten. Entweder entwickelt es sich weiter, wenn auch nur langsam, und schlägt wie ein Baum immer tiefere Wurzeln, oder es verschlechtert sich und beginnt abzusterben wie die Frucht und das Laub eines Baumes, der anfängt zu verdorren (Ps. 1:1-3). Das war mit der Nation des fleischlichen Israel geschehen. Jakobus war darauf bedacht, daß die geistigen Israeliten, die ebenfalls zurückgewichen waren, wieder genasen, bevor es zu spät war. Er führte ihnen daher in Jakobus 3:13-18 und Jakobus 4:1-6 die Lage sehr deutlich vor Augen, indem er, was die verschiedenen Arten von Weisheit und Freundschaften betrifft, das Wahre dem Falschen gegenüberstellte. Dann folgt in Jakobus 4:7, 8 die bereits erwähnte Aufforderung. Sie gleicht den Aufforderungen, die Jehova gemäß Jesaja 55:6, 7 und Maleachi 3:6, 7 an die fleischlichen Israeliten richtete.
9. (a) Nenne eine Angriffsmethode des Teufels. Wie wendet er sie in der heutigen Zeit an? (b) Wozu fordert uns Petrus im Zusammenhang damit auf?
9 Besteht heute eine ähnliche Situation? Mit Sicherheit leben wir in den vorhergesagten ‘kritischen Zeiten, mit denen man schwer fertig wird’ und in denen für die Menschen überall immer mehr Belastungen und Gefahren auftreten, besonders für wahre Christen, die sich auf dem ‘eingeengten Weg befinden, der zum Leben führt’ (Matth. 7:14; 2. Tim. 3:1-5). Der Teufel benutzt hauptsächlich zwei Angriffsmethoden. Manchmal handelt er, wie Petrus schrieb, „wie ein brüllender Löwe und sucht jemand zu verschlingen“, den er zuvor in Schrecken versetzt und vom Weg abgebracht hat (1. Petr. 5:8). Er bewirkt, daß landesweit oder in mehr oder weniger persönlichen Bereichen bedrohliche Situationen entstehen, und zwar in der Absicht, uns zu zwingen, Kompromisse zu schließen, oder uns zu veranlassen, unsere Stellung, die von unserem christlichen Gewissen und von biblischen Grundsätzen bestimmt wird, völlig aufzugeben. Die Entscheidung schwieriger Fragen hinsichtlich unserer Beschäftigung oder unserer neutralen Haltung kann unseren Lebensunterhalt, ja sogar unser Leben selbst gefährden. Wie bereits erwähnt, entsteht in solchen Situationen die Notwendigkeit, unablässig um Weisheit und Kraft zu bitten, um die entsprechenden biblischen Grundsätze verstehen und anwenden zu können. Deshalb fuhr Petrus mit der Aufforderung fort: „Doch widersteht ihm [dem Teufel], fest im Glauben ... Aber nachdem ihr eine kleine Weile gelitten habt, wird der Gott aller unverdienten Güte ... eure Schulung selbst beenden, er wird euch befestigen, er wird euch stärken“ (1. Petr. 5:9, 10).
10, 11. (a) Nenne eine weitere Angriffsmethode Satans. Wie wendet er sie beispielsweise heute an, und welche Gefahr entsteht dadurch? (b) Im Hinblick worauf sollten wir daher wachsam sein?
10 Die andere Angriffsmethode des Teufels ist heimtückischer. Satan „nimmt immer wieder die Gestalt eines Engels des Lichts an“. Er geht wie eine Schlange vor, nicht um jemand zu erschrecken, sondern um ihn zu täuschen und zu verführen, wie „die Schlange Eva durch ihre List verführte“ (2. Kor. 11:3, 14). Das ist am besten an Satans Bemühen zu erkennen, uns in Unwissenheit darüber zu halten, daß seine Zeit kurz ist. Als Folge des Krieges im Himmel wurde er, der große Drache, nach der Geburt des messianischen Königreiches „zur Erde hinabgeschleudert, ... und [er hat] große Wut ..., da er weiß, daß er nur eine kurze Frist hat“ (Offb. 12:1-12). Wenn er besonders diejenigen, „die die Gebote Gottes halten und das Werk des Zeugnisgebens für Jesus innehaben“, davon überzeugen könnte, daß die „Zeit des Endes“ schließlich doch nicht so kurz ist, hätte er schon halb gewonnen (Offb. 12:17). Viele würden das Gefühl für die Dringlichkeit der Zeit verlieren und nicht mehr hellwach bleiben. Es könnte leicht sein, daß wir in den normalen Beschäftigungen des täglichen Lebens völlig aufgingen. Bestimmt sollten wir diesbezüglich lernen, alles vom Standpunkt Jehovas aus zu betrachten, und versuchen, seinen Zeitbegriff zu verstehen, während wir die Worte des Petrus im Sinn behalten: „Das Ende aller Dinge aber hat sich genaht. Seid daher gesunden Sinnes, und seid wachsam im Hinblick auf Gebete“ (1. Petr. 4:7; 2. Petr. 3:8, 9).
11 Die Worte der Bibelschreiber Jakobus und Petrus sind uns eine große Hilfe und ermuntern uns, auf der Hut zu sein und wach zu bleiben. Sie regen uns an, ein gutes Herz zu bewahren und im Hinblick auf unsere Gebete und unseren Glauben wachsam zu sein.
BETE FÜR PERSONEN, DIE DER HILFE BEDÜRFEN
12. (a) Wie entwickelt Jakobus zum Schluß das Thema Gebet noch weiter? (b) Inwiefern sind die Worte des Jakobus sowohl für Aufseher als auch für Hilfsbedürftige eine gute Anleitung?
12 Am Ende seines Briefes entwickelt Jakobus das Thema Gebet in Verbindung mit Glauben noch weiter, und zwar von einem anderen Gesichtspunkt aus. Ob wir „Ungemach“ erleiden oder „guten Mutes“ sind, wir sollten zu Gott beten oder ihn preisen. Jakobus spricht dann vom Gebet für Hilfsbedürftige. Jemand, der krank ist — offensichtlich jemand, der in geistiger Hinsicht leidet, was ihn seelisch und emotionell belastet —, fordert er auf: „Er rufe die älteren Männer der Versammlung zu sich, und sie mögen über ihm beten.“ Dadurch zeigt der Betreffende, daß er glaubt und daß er weiß, an wen er sich um Hilfe wenden kann. Man wird keinen Arzt rufen, wenn man nicht im geringsten glaubt, daß er einem helfen kann. Beachten wir nun, zu welch vorzüglichem Ergebnis eine solche Handlungsweise führt: „Das Gebet des Glaubens wird dem sich nicht wohl Fühlenden zum Heil sein, und Jehova wird ihn aufrichten. Und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden“ (Jak. 5:13-15). Das ist bestimmt eine gute Anleitung sowohl für Personen, die der Hilfe bedürfen, als auch für Aufseher, die sich bereitwillig gebrauchen lassen sollten, solche Bedürfnisse zu befriedigen.
13. Warum führt Jakobus in diesem Zusammenhang Elia als treffendes Beispiel an?
13 Jakobus hat bei seinen weiteren Worten die Aufseher und andere reife Brüder im Sinn, wenn er sagt: „Das Flehen eines Gerechten hat, wenn es wirksam ist, viel Kraft.“ Als treffenden Beweis führt er das Beispiel Elias an, dessen Gebet, daß „es nicht regnen möge“, erhört wurde, denn tatsächlich regnete es drei Jahre und sechs Monate nicht mehr. Danach betete er erneut, und es regnete wieder. Elia war überdies kein Übermensch, er „war ein Mensch mit Gefühlen gleich den unseren“ (Jak. 5:16-18).
14. Wozu ermuntert Jakobus abschließend?
14 Abschließend ermuntert Jakobus nochmals, hilfsbereit zu sein und wenn möglich sogar denen zu helfen, die „von der Wahrheit weg in die Irre geführt“ worden sind, indem er sagt, daß „der, der einen Sünder vom Irrtum seines Weges zurückführt, seine Seele vom Tode retten und eine Menge von Sünden bedecken wird“ (Jak. 5:19, 20). Welch ein ermunternder Abschluß! Er entspricht der Beschreibung, die Jehova von sich selbst gibt: „Ein Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte und Wahrheit, ... der Vergehung und Übertretung und Sünde verzeiht“ (2. Mose 34:6, 7).
15. Welche zwei Möglichkeiten, Hilfsbedürftigen beizustehen, erwähnt auch Judas?
15 Interessanterweise schließt Judas seinen Brief mit ähnlichen Gedanken, wenn er sagt: „Indem ihr euch selbst an eurem allerheiligsten Glauben erbaut und mit heiligem Geist betet.“ Mit freundlichen, aber eindringlichen Worten betont er ebenfalls die Notwendigkeit, gegenüber Bedürftigen hilfsbereit zu sein: „Fahrt auch fort, einigen, die Zweifel haben, Barmherzigkeit zu erweisen; rettet sie, indem ihr sie aus dem Feuer reißt. Doch erweist anderen weiterhin Barmherzigkeit, und zwar mit Furcht, wobei ihr auch das vom Fleisch beschmutzte innere Kleid haßt“ (Jud. 20-23). Diese Aufforderung richtet sich wiederum an die Reifen. Wenn du einige kennst, die Zweifel haben oder durch eine unreine Handlung zu Fall gekommen sind, dann zeige ihnen nicht vorschnell die kalte Schulter, sondern reiße sie möglichst aus dem Feuer, wobei du darauf achtest, dich nicht selbst zu verbrennen oder dich irgendwie zu verunreinigen.
‘UNSEREN BLICK AUF JESUS GERICHTET HALTEN’
16, 17. Welche Vergleiche zieht Paulus im Hebräerbrief, und zu welchen Ergebnissen kommt er?
16 Die meisten Briefe der Christlichen Griechischen Schriften wurden vom Apostel Paulus geschrieben. Sein Brief an die Hebräer bietet uns viel praktische Hilfe und eine gute Anleitung, um einen echten und starken Glauben zu entwickeln, der ein enges Verhältnis zu Jehova und zu Christus Jesus schafft.
17 In diesem Brief zieht Paulus verständlicherweise viele Vergleiche zwischen den Juden, die das fleischliche Israel bildeten, und den Juden, die die ersten Glieder der Christenversammlung geworden waren, des geistigen Israel, dem später Nichtjuden hinzugefügt wurden. Anhand dieser Vergleiche zeigt Paulus, wie viele Vorteile die hebräischen Christen gegenüber den fleischlichen Israeliten genossen, was aber auch größere Verantwortung mit sich brachte. Wahre Christen können heute, ungeachtet ihrer Herkunft, all das auf sich anwenden und Nutzen daraus ziehen.
18. Wovor wird in diesem Brief wiederholt gewarnt, und auf welchem Ereignis in der Geschichte Israels beruhen diese Warnungen?
18 Paulus erklärt, daß das Gesetz, das den Israeliten durch Engel übermittelt wurde, mit größtem Respekt zu behandeln war, und sagt dann: „Wie werden wir entrinnen, wenn wir eine so große Rettung vernachlässigt haben, die ja durch unseren Herrn [Jesus] verkündigt zu werden begann ... ?“ (Hebr. 2:1-3; Gal. 3:19). Eine ähnliche Ermahnung ist gegen Ende seines Briefes zu finden. Nachdem Paulus die Vorgänge am Berg Sinai geschildert hat, schreibt er: „Denn wenn die nicht entronnen sind, die den abwiesen, der eine göttliche Warnung auf Erden ergehen ließ, werden wir noch viel weniger entrinnen, wenn wir uns von dem abwenden, der von den Himmeln her redet“ (Hebr. 12:25).
19. Welche treffenden und hilfreichen Worte finden wir in Hebräer 3:12-15 und 12:25-29?
19 Hier kommt es darauf an, daß unser Glaube ungeheuchelt ist, damit er die erforderliche geprüfte Echtheit aufweist. Auch das Herz ist daran beteiligt. Nachdem Paulus darauf hingewiesen hat, daß Gott von den Israeliten sagte: „Sie gehen in ihrem Herzen allezeit irre“, ermahnt er uns nachdrücklich mit den Worten: „Nehmt euch in acht, Brüder, daß sich nicht in einem von euch jemals ein böses Herz des Unglaubens entwickle, indem er sich von dem lebendigen Gott zurückzieht.“ Wir können nicht stehenbleiben. Wenn wir uns nicht mit einem stets wachsenden Glauben ‘Gott nahen’, während wir ihn immer besser kennenlernen, besteht die Gefahr, daß wir „durch die trügerische Macht der Sünde verhärtet“ werden und anfangen, uns zurückzuziehen, ohne daß wir bemerken, was geschieht. Wir sollten uns in dieser Hinsicht gegenseitig helfen und ‘einander jeden Tag ermahnen’. Wir werden nur siegen, „wenn wir an der Zuversicht, die wir zu Anfang hatten, standhaft bis ans Ende festhalten“. Diese feste Zuversicht, diesen unerschütterlichen Glauben, müssen wir bewahren, um das „Königreich ..., das nicht erschüttert werden kann“, und seine Segnungen zu ererben (Hebr. 3:10-14; 12:28).
20. Mit welchen Worten ermuntert uns Paulus in diesem Brief auch hinsichtlich des Gebets?
20 Paulus ermuntert uns auch hinsichtlich des Gebets und schreibt: „[Haltet euren] Blick auf den Hauptvermittler und Vervollkommner unseres Glaubens, Jesus, gerichtet. ... Ja, betrachtet genau den, der von Sündern gegen deren eigene Interessen einen solchen Widerspruch erduldete, damit ihr nicht müde werdet und in euren Seelen ermattet.“ Aufgrund dessen, was Jesus durchmachte, kann er mit unseren Schwachheiten mitfühlen, obwohl er selbst ohne Sünde ist, und durch ihn können wir uns dem „Thron der unverdienten Güte“ nahen und Hilfe zur rechten Zeit erlangen (Hebr. 4:15, 16; 12:2, 3).
21. Wo und wie bringt Paulus das Gebet in engen Zusammenhang mit der von Gott stammenden „Waffenrüstung“, und zu welchem Schluß gelangen wir daher?
21 Denken wir schließlich auch daran, daß, wie Paulus an die Epheser schrieb, es zur vollständigen Waffenrüstung Gottes gehört, „bei jeder Gelegenheit im Geiste zu beten“. Und wie Paulus sollten wir für uns und andere beten, damit uns und ihnen „die Fähigkeit zu reden gegeben werde, um mit allem Freimut ... das heilige Geheimnis der guten Botschaft bekanntzumachen“ (Eph. 6:10-20).
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