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  • Das Gebet — leeres Ritual oder bedeutungsvolle Kommunikation?
    Erwachet! 1981 | 8. Februar
    • Das Gebet — leeres Ritual oder bedeutungsvolle Kommunikation?

      VOM 1. bis 3. Januar feiern die Japaner ihr wichtigstes Fest, und jedermann ist bemüht, das neue Jahr richtig zu beginnen. In den ersten drei Tagen eines neuen Jahres sucht gewöhnlich über die Hälfte der japanischen Bevölkerung einen Schrein oder Tempel auf, wo um Erfolg und Glück im neuen Jahr gebetet wird.

      Was würden wir erleben, wenn wir diese Japaner einmal begleiteten?

      Am („heiligen“) Brunnen beim Eingang eines Schintoschreins führt ein Japaner eine rituelle Reinigung von Mund und Händen durch. Darauf geht er zum Tempel und wirft Geld in einen großen Opferkasten. Anschließend greift er nach dem dicken, mehrfarbigen Seil der Glocke, die darüber hängt, und zieht daran. Der Holzklöppel schlägt an den Glockenrand und ruft ein mißtönendes Klirren hervor. Der Mann läßt das Seil los und klatscht mehrmals langsam in die Hände, faltet sie und verneigt sich wiederholt. Dann wendet er sich ab und geht weiter. Er hat sein Gebet verrichtet.

      Aber wer hat es gehört? War es nur ein leeres Ritual? Dieser Japaner glaubt aufrichtig, sein Gebet sei gehört worden.

      Bevor er das Tempelgelände verläßt, bahnt er sich durch die Menschenmenge einen Weg zu einem Stand, wo er einen Talisman oder ein Amulett kauft, vielleicht kauft er auch lediglich ein Stück Papier mit chinesischen Schriftzeichen darauf oder einen Pfeil, an dem Amulette hängen.

      Worum hat er gebetet? Wahrscheinlich um Frieden, Sicherheit, Glück und Reichtum. Zum Beispiel sagte ein Schintopriester: „Sie spenden 100, 1 000 oder 10 000 Yen [0,5; 5; 50 US-Dollar], beten aber um Hunderttausende, ja um Millionen Yen. Sie geben wenig, wünschen sich aber viel.“

      Ein großer Teil der Japaner besucht die Tempel nur zu Beginn des neuen Jahres — so wie manche, die sich Christen nennen, auch nur zu Ostern zur Kirche gehen —, die Frommen dagegen suchen regelmäßig die Tempel auf. In vielen Häusern gibt es ein kamidana, ein Holzgestell, das an der Wand angebracht ist und auf dem Schintobilder stehen, und/oder ein butsudana, ein buddhistischer Göttersims. Vor diesen verrichten die Familienglieder ihr Gebet: Sie zünden eine Kerze an und mit der Kerzenflamme etwas Weihrauch. Wenn sie vor dem Göttersims knien, schlagen sie mit einem kleinen Holzstäbchen eine Glocke an und wiederholen immer und immer wieder bestimmt formulierte Gebete oder kleine Stoßgebete wie „Namu-Amida-Butsu“ (Ehre dem Buddha Amida!). Das wird zwanzig Minuten oder sogar mehrere Stunden lang in einem monotonen Singsang wiederholt.

      Wie verhalten sich Japaner, die sich zum Christentum bekennen? Sie gehen möglicherweise in die Kirche, knien sich ein paar Minuten hin und beten still für sich oder im Flüsterton. Einige lesen ihre Gebete aus einem Buch ab. Das sind meist Leute, die häufig die Kirche aufsuchen, um zu beten. Andere dagegen besuchen die Kirche nur, wenn sie in Not sind. Dann gibt es auch Personen, die eine Gebetsschnur benutzen, an der sie die auswendig gesprochenen Gebete abzählen. Zwischendurch mögen sie den Blick kurz auf ein Kruzifix oder auf irgendein Heiligenbild richten.

      Es gibt die verschiedensten Gebetssitten. Zweifellos rufen viele fromme, aufrichtige Personen Gott im Gebet an. Dennoch sollten wir uns fragen: Ist das Gebet eine bedeutungsvolle Kommunikation oder ein leeres Ritual?

  • Ist es von Belang, warum und wie man betet?
    Erwachet! 1981 | 8. Februar
    • Ist es von Belang, warum und wie man betet?

      „OKAMI-SAMAa, hilf mir die Prüfung bestehen! Ich bin ungenügend vorbereitet, so daß alles von dir abhängt.“ Solche Gebete werden, wenn die Zeit der Schulexamen näher rückt, in vielen Tempeln in ganz Japan an Gott gerichtet. Es gibt Großeltern, die für ihre Enkel 10 000 Yen (50 US-Dollar) zahlen, damit ein Jahr lang jeden Tag für sie gebetet wird, daß sie in der Schule gut vorankommen.

      Viele der Schüler, die zu dieser Zeit des Jahres einen Tempel aufsuchen, tun das nicht, weil sie tief religiös sind. „Eigentlich glaube ich nicht an Gott“, sagte ein Schüler. „Ich bete nur zu Gott, wenn ich in Schwierigkeiten bin.“

      Sie handeln entsprechend dem japanischen Sprichwort: „Wenn in Not, stütze dich auf Gott.“

      Doch was geschieht, wenn es diesen jungen Leuten wieder bessergeht? Dann ist Gott gewöhnlich vergessen — bis zum nächsten Mal, wenn sie ihn wieder brauchen.

      Worum wird gebetet?

      Die Leute beten gewöhnlich, weil sie etwas haben möchten. In einem Artikel einer westlichen Zeitschrift wurden einige Gebete von Kindern abgedruckt. Dabei handelte es sich fast durchweg um Bittgebete: „Lieber Gott, ich benötige mehr Taschengeld. Könntest du einen deiner Engel beauftragen, es meinem Vater zu sagen? Ich danke dir.“ „Könntest du unserer Familie bitte etwas Geld schicken?“ „Hilf mir doch bitte in der Schule.“

      In Japan ist es üblich, am Jahresanfang Tempel aufzusuchen und dort zu Ebisu, dem Gott des Reichtums, zu beten. Das tun sehr viele Japaner. In einem der letzten Jahre sind bestimmte Schreine allein in Kioto und Tokio von über drei Millionen Menschen besucht worden, die dort um Geld für die kommenden Monate gebetet haben.

      Wer Schutz vor Unfällen oder vor Unglück sucht, der betet in den Tempeln, die der buddhistischen Gottheit Kwannon, der Göttin der Barmherzigkeit, geweiht sind, sowie an Schintoschreinen.

      Auf den Philippinen beten die Katholiken zu „Santo Niño“, dem „Heiligen Kind“, um Glück. Ein Mann kaufte für seine Santo-Niño-Statue aus Dankbarkeit dafür, daß sie ihm, wie er glaubte, finanzielle Hilfe geleistet hatte, eine 14karätige Goldkrone mit echten Rubinen und Diamanten besetzt.

      Einige Gebete bringen Dankbarkeit zum Ausdruck, doch die überwiegende Zahl sind Bittgebete, in denen um alles mögliche gebetet wird.

      Werden Gebete erhört?

      Einzelne Personen sind überzeugt, daß ihre Gebete um Erfolg oder um Geld erhört wurden, doch eine viel größere Zahl ist enttäuscht. In Tokio beten sehr viele Schüler um Hilfe bei den Aufnahmeprüfungen für eine der privaten höheren Schulen, aber 78 Prozent der Prüflinge fallen durch. Warum werden ihre Gebete nicht erhört?

      Eine fünfköpfige Familie suchte einen Schintotempel auf, um durch Zauber zu erreichen, daß ihr Auto vor einem Unfall bewahrt werde. Als sie vom Tempel wegfuhren, stieß der Wagen gegen einen Brückenpfeiler, und alle fünf Insassen wurden dabei getötet. Warum wurden sie nicht beschützt?

      Zu wem betest du?

      Die japanischen Schüler richten ihre Gebete oft an Michizane Sugawara, der schon seit langem als „Gott des Lernens“ verehrt wird. Sugawara lebte im 9. Jahrhundert und war ein japanischer Dichter und Gelehrter. Nun ist er schon seit tausend Jahren tot. Ist es vernünftig zu glauben, daß er einem Schüler helfen kann, in der Prüfung besser abzuschneiden?

      In Wirklichkeit werden die Gebete der meisten Schüler, die ins Examen gehen und zu Sugawara um Hilfe beten — in Japan sind die Examen sehr streng —, nicht erhört. Das darf uns nicht überraschen. Was uns die Vernunft sagt, stimmt auch mit der Bibel überein: „Was die Toten betrifft, sie sind sich nicht des geringsten bewußt ..., denn es gibt kein Wirken noch Planen, noch Erkenntnis, noch Weisheit in dem Scheol [Grab]“ (Pred. 9:5, 10). Sugawara befindet sich im Scheol und kann daher keinem Schüler helfen, weder einem Schüler, der sich gut auf das Examen vorbereitet hat, noch einem Schüler, der sich schlecht darauf vorbereitet hat.

      Wie steht es mit Gebeten, die man an Bilder richtet, wie an das der buddhistischen Gottheit Kwannon? Die Erfahrung zeigt, daß es in der Welt unzählige Personen gibt, die zu solchen Bildern um Erfolg und Glück beten, aber erfolglos und unglücklich sind. Warum?

      Wenn es schon nutzlos ist, zu einem Verstorbenen zu beten, ist es dann nicht noch viel nutzloser, zu einem Bild zu beten? Natürlich. Auch in diesem Fall ist das, was die Bibel sagt, völlig im Einklang mit der Vernunft. So lesen wir über solche Bilder, daß sie „das Werk der Hände des Erdenmenschen“ sind. „Einen Mund haben sie, aber sie können nicht reden; Augen haben sie, aber sie können nicht sehen; Ohren haben sie, aber sie können nicht hören. Eine Nase haben sie, aber sie können nicht riechen. Hände gehören ihnen, aber sie können nicht tasten. Füße gehören ihnen, aber sie können nicht gehen; sie äußern keinen Laut mit ihrer Kehle. Die sie machen, werden ihnen gleich werden, alle, die auf sie vertrauen“ (Ps. 115:4-8).

      „Hörer des Gebets“

      Bedeuten die erwähnten Tatsachen, daß das Beten vollkommen nutzlos ist? Nein, absolut nicht. Wie der folgende Artikel zeigt, werden tagtäglich aufrichtige Gebete erhört. Allerdings ist es erforderlich, daß man die richtige Person anruft. Wer ist das?

      Müßte es nicht logischerweise jemand sein, der im Gegensatz zu einem Bild oder einem Toten über große Macht und Weisheit verfügt, jemand, der bewiesen hat, daß er an der Menschheit aufrichtig interessiert ist und den Herzenswunsch hat zu helfen? Da kein Mensch so große Macht besitzt, ist es erforderlich, zu einer übermenschlichen Person zu beten. Gibt es eine übermenschliche Person, die mächtiger ist als der Schöpfer aller Dinge?

      Wie die Bibel, so sagt uns auch die Vernunft, daß wir nicht zu irgendeinem Mitmenschen beten sollten noch zu Bildern, zu leblosen Schöpfungen des Menschen, sondern zum lebendigen Schöpfer des Himmels und der Erde.

      Auf welchen der vielen Götter und Geister, die heute verehrt werden, trifft diese Beschreibung zu? Man beachte, wie deutlich dieser Gott in der Bibel identifiziert wird: „Denn dies ist, was Jehova gesprochen hat, der Schöpfer der Himmel, Er, der wahre Gott, der Bildner der Erde und der sie gemacht hat ... ,Ich bin Jehova, und sonst gibt es keinen‘“ (Jes. 45:18).

      Interessiert sich dieser mächtige Schöpfer aber wirklich für die Gebete der Menschen, die er gemacht hat? Oder ist ihm wie den empfindungslosen Göttern so vieler Religionen die Not des Menschen gleichgültig? Von welcher Gefühlstiefe sind doch die folgenden Worte: „O Hörer des Gebets, ja zu dir werden Menschen von allem Fleisch kommen“ (Ps. 65:2).

      In der Bibel wird Jehova Gott somit als der große Hörer des Gebets geschildert. Er lädt alle, die aufrichtig zu ihm beten, ganz gleich, welchem Volk oder welchem Stand sie angehören, ein, zu ihm zu kommen. „Das hört sich gut an“, magst du jetzt sagen. „Beweist denn die Geschichte, daß dies zutreffend ist?“ Ganz gewiß.

      Der geschichtliche Bericht sagt, daß vor ungefähr 3 500 Jahren, also lange vor der Geburt des Konfuzius und des Buddhas, Jehova Gott „das Stöhnen“ seiner Anbeter „hörte“, die als Sklaven in Ägypten lebten. Er erhörte ihre Gebete, indem er ihnen Moses als Befreier sandte (2. Mose 3:6-10).

      Fünfhundert Jahre später konnte König David, sein treuer Diener, wahrheitsgemäß sagen: „Gesegnet sei Jehova, denn er hat die Stimme meiner flehentlichen Bitten gehört“ (Ps. 28:6). Tausend Jahre danach zeigte Jesus Christus, der Sohn Gottes, daß sich sein Vater nicht verändert hatte, indem er verhieß: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bittet, so wird er es euch in meinem Namen geben“ (Joh. 16:23).

      ‘Bittet in meinem Namen’

      Warum sagt die Bibel, daß wir im Namen Jesu zu Gott beten müssen? Warum können wir nicht direkt zu Jehova Gott beten?

      Jehova Gott hat die aufrichtigen Gebete vieler erhört, die nicht wußten, daß sie sich ihm im Namen Jesu Christi nahen sollten. In vielen Fällen beteten solche Personen einfach zu „Gott“, weil sie nicht einmal seinen persönlichen Namen, Jehova, kannten. Viele beteten um eine Erkenntnis Gottes und brachten den Wunsch zum Ausdruck, ihm zu dienen; und unzählige solche Gebete wurden erhört (Apg. 17:26, 27).

      Sobald sich diese aufrichtigen Personen eine Erkenntnis des wahren Gottes erworben hatten, fingen sie an, im Einklang mit dieser Erkenntnis zu beten. Und so, wie sie lernten, den Namen Gottes, Jehova, zu gebrauchen, so lernten sie auch, durch Jesus Christus zu beten. Das ist ein Beweis ihrer Demut, einer Eigenschaft, die Jehova Gott wohlgefällig ist.

      Demut? Ja, denn es erfordert Demut zuzugeben, daß wir sündig und unvollkommen sind. Würden wir es wagen, um eine Audienz bei dem Oberhaupt unseres Landes zu bitten, wenn wir nur in Lumpen gekleidet und ungewaschen wären? So erkennt eine demütige Person auch an, daß sie kein Recht hat, in ihrem unreinen, unvollkommenen Zustand vor Jehova zu treten. Demütige Leute sind daher dankbar, daß der reine und vollkommene Sohn Gottes bereit ist, sie vor seinem Vater zu vertreten. Wir sind dankbar, im Namen Jesu Christi beten zu dürfen.

      Der Ort des Gebets oder die Haltung und die äußere Erscheinung des Betenden sind in den Augen Jehovas unwichtig. Es ist auch nicht notwendig, jemandem, der „heiliger“ sein will als wir, Geld zu geben, damit er für uns bete. Denn in Gottes Augen sind alle Menschen unvollkommen und unrein (Röm. 3:23). Worauf achtet Gott? „Auf diesen also werde ich schauen“, sagt Jehova, „auf den Niedergedrückten und den, der zerschlagenen Geistes ist und der vor meinem Worte zittert“ (Jes. 66:2).

      Bedeutet das, daß wir, wenn wir mehr Geld haben oder wenn wir bei den Examensarbeiten erfolgreich sein möchten, lediglich im Namen Jesu Christi zu Jehova Gott beten müssen? Nein. Ist in der Regel ein Polizist bereit, jemanden beim Übertreten des Gesetzes zu unterstützen? Ähnlich ist es mit Gott, auch er wird dir nicht helfen, es sei denn, du bittest ihn um etwas, was im Einklang mit seinem Willen ist. Würde Gott auch andere Gebete erhören, würde er sich ständig selbst widersprechen.

      „Gemäß seinem Willen“

      In der Bibel wird deutlich gesagt: „Er ... hört [uns], ungeachtet dessen, was wir gemäß seinem Willen bitten“ (1. Joh. 5:14). Das ist so, weil Jehova ein gerechter Gott ist. Ein Beweis dafür sind auch seine Naturgesetze wie das Gesetz der Schwerkraft, denn diesen Gesetzen unterliegt jeder einzelne von uns. Würde Gott gerecht handeln, wenn er eingreifen und bewirken würde, daß du beim Examen besser abschneiden würdest als andere, obwohl du dich weniger gut darauf vorbereitet hättest als sie? Wäre das nicht den anderen Schülern gegenüber ungerecht?

      Die wichtigsten Bitten, die wir Gott vortragen dürfen, hat Jesus Christus in seinem Mustergebet zusammengefaßt. Man beachte die Prioritäten: „Unser Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt. Dein Königreich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf der Erde. Gib uns heute unser Brot für diesen Tag; und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben. Und bringe uns nicht in Versuchung, sondern befreie uns von dem, der böse ist“ (Matth. 6:9-13).

      Jehova Gott erwartet von den Menschen, die zu ihm beten, daß ihnen mehr an seinem Willen und an seinem Vorsatz gelegen ist als an ihren eigenen Zielen und Bestrebungen. Das ist ganz vernünftig, weil Gott weiß, was für uns alle am besten ist. Wir dürfen um materielle Dinge beten, z. B. um unser ‘tägliches Brot’, aber mit keinem Wort wird gesagt, daß wir um Reichtum beten sollten. Reiche kümmern sich gewöhnlich nicht um Gott. Man beachte, daß Gott Gebete wohlgefällig sind, die zeigen, daß der Betende in erster Linie an ihm und an seinem Vorsatz interessiert ist und erst dann an den eigenen Wünschen. Heute wird nur noch selten so gebetet.

      Gibt es Beweise dafür, daß Gott solche Gebete hört und auch erhört? Lohnt es sich eigentlich zu beten?

      [Fußnote]

      a Japanisch für „Gott“.

  • Lohnt es sich zu beten?
    Erwachet! 1981 | 8. Februar
    • Lohnt es sich zu beten?

      GEBETE wie das folgende sind für Gott schon immer annehmbar gewesen: „Lehre mich deine Bestimmungen“ (Ps. 119:68). Zahlreiche Beispiele aus unserer Zeit beweisen, daß Gott viel daran liegt, solche Gebete zu erhören.

      Eine ältere Japanerin opferte täglich vor ihrem kamidana, dem schintoistischen Göttersims, Reis, Wasser und Weihrauch. Eines Tages, als sie die Hände faltete, dachte sie: „Wenn es einen wahren Gott gibt, dann möge er mich doch noch lehren, wer er ist, ehe ich sterbe.“

      Kaum hatte sie ihr Gebet beendet, als die Tür aufging (in Japan ist es Brauch, die Tür zu öffnen und nach dem Wohnungsinhaber zu rufen) und eine Stimme rief: „Entschuldigen Sie bitte!“ Als die ältere Dame zur Haustür ging, sagte ihr die Besucherin höflich, daß sie gekommen sei, um mit ihr über den „wahren Gott“ zu sprechen. Ihr Gebet war erhört worden. Sofort begann sie ein Bibelstudium, durch das sie vieles über den lebendigen Schöpfer und Hörer des Gebets erfuhr.

      Es ist nichts Ungewöhnliches, daß Jehova Gott aufrichtige Gebete um Gotteserkenntnis erhört, ehe der Betende seine Bitte ganz vorgebracht hat. In einem europäischen Land betete ein Mann in seiner Wohnung flehentlich um eine solche Erkenntnis. Da polterte es an seiner Tür. Er lief hin und öffnete sie weit. Jemand war vorbeigegangen und hatte versehentlich mit der Aktentasche dagegen gestoßen.

      Der Wohnungsinhaber sah zwei Männer im Flur und sprach sie an. Er versuchte in der Landessprache zu radebrechen, doch die beiden Männer beherrschten seine Muttersprache. Und außerdem waren die zwei Männer Bibelunterweiser. Sie hatten in dem Haus jemand besuchen wollen, doch der Betreffende war nicht daheim gewesen. Überglücklich vereinbarte der Wohnungsinhaber mit den beiden ein regelmäßiges Bibelstudium. Sein Gebet um Gotteserkenntnis war erhört worden. Gott erhört nicht alle Gebete so schnell, aber Personen, die den aufrichtigen Wunsch haben, ihn und seine Forderungen kennenzulernen, erhört er.

      Hast du den Wunsch, mehr über den wahren Gott, den Schöpfer aller Dinge, kennenzulernen? Wärest du bereit, seinen Willen zu tun, wenn er dir geoffenbart würde? Vielleicht ist diese Zeitschrift die Antwort auf deine Gebete. Wenn du dich mit den Herausgebern dieser Zeitschrift oder mit einem Zeugen Jehovas in Verbindung setzt, kannst du ein Gespräch vereinbaren, bei dem dir deine Fragen über Gott beantwortet werden.

      Es ist Gott auch wohlgefällig, wenn wir ihn bitten, uns zu helfen, seinen Willen zu tun. Der Psalmist David bezeugt, daß solche Bitten erhört wurden: „Ich hoffte ernstlich auf Jehova, und so neigte er sein Ohr zu mir und hörte meinen Hilferuf.“ Warum? Man beachte, worum David gebetet hatte: „Deinen Willen zu tun, o mein Gott, ist meine Lust gewesen“ (Ps. 40:1, 8).

      Ein Mann, der in einem Angestelltenverhältnis stand, wollte eine Schule für christliche Älteste besuchen. Dazu hätte er jedoch Sonderurlaub benötigt. Es war aber gerade zu einer Zeit, in der in seiner Firma sehr viel zu tun war, und er dachte, er würde niemals Urlaub bekommen. Er betete zu Jehova Gott um Führung und Leitung. Dann ging er zum Chef und trug ihm die Bitte vor. Zu seiner Überraschung sagte dieser: „Der Urlaub ist genehmigt; mir scheint, Sie wollen ihn zu einem guten Zweck verwenden.“

      Auf Hokkaido (der nördlichsten der japanischen Hauptinseln) wohnte ein Christ, der gelernter Schreiner war. Er hatte den Wunsch, bei einem Bau für einen christlichen Zweck mitzuhelfen. Zu jener Zeit wurden Tischler dringend benötigt, doch er hatte viele familiäre Verpflichtungen. Seine Frau ermunterte ihn, Jehova zu bitten, ihm zu helfen, sein Problem zu lösen.

      Dieser Mann besaß ein eigenes Geschäft. Er stellte Tofu (ein aus Sojabohnenmilch gewonnener Käse, der in Japan sehr beliebt ist) her und belieferte seine Kunden damit. Die Frage war, wer den Tofu ausfahren würde, wenn er fort wäre. Das Problem löste sich, als ein Mann die Familie besuchte und fragte, ob sie wüßten, wo er eine Arbeit finden könne. „Haben Sie einen Führerschein?“ wurde er gefragt. „Ja“, entgegnete er. „Dann können Sie bei uns anfangen.“

      Wer würde jedoch die Herstellung und das Abpacken des Tofu überwachen? Während der Abwesenheit des Mannes sprangen seine drei Kinder in die Bresche und stellten jeweils am frühen Morgen den Tofu her. Sogar der Fünfjährige arbeitete mit, indem er beim Abpacken des Käses half. Er packte Hunderte von Käsen, ohne daß ihm ein einziger zerbrach, was selbst für einen erfahrenen Erwachsenen schwierig ist.

      Die Frau des Mannes hatte sich vorher etwas Sorgen gemacht wegen einiger gesundheitlicher Probleme, doch während seiner Abwesenheit verschwanden sie. Kurz gesagt: Als der Mann zu Gott betete, weil er den Wunsch hatte, seinen Willen zu tun, und als er dann im Einklang mit seinen Gebeten handelte, verschwand ein Hindernis nach dem anderen.

      Erhörung deiner Gebete

      Werden deine Gebete erhört? Glaubst du, Gott wirklich kennengelernt zu haben? Hat dein Leben den tiefen Sinn, den es haben sollte? Hast du zu Gott gebetet, er möge dir helfen, seinen Willen kennenzulernen und zu tun? Wenn ja, dann werden deine Gebete erhört werden.

      Doch wie wirst du dich verhalten? Nicht jeder, der Gott um Führung bittet, akzeptiert seine Führung, wenn sein Gebet erhört wird. Jesus veranschaulichte das, indem er von einem Mann erzählte, der zu seinem Kind sagte: „Kind, geh heute im Weingarten arbeiten.“ Darauf antwortete das Kind: „Ich will, Herr“, ging aber dann doch nicht hin (Matth. 21:28-32).

      Heute gibt es viele Leute, die sagen, sie würden an Gott glauben, aber nicht bereit sind, seinen Willen zu tun. Sie möchten, daß Gott ihnen dient, und sind nicht daran interessiert, Gott zu dienen. Sie möchten, daß Gott ihnen bei den Schulexamen beisteht, daß er sie zu Geld kommen läßt oder bewirkt, daß ihnen das Glück günstig ist. Sie bitten Gott nicht um Hilfe, um ihm besser dienen zu können; sie bitten ihn nur zu selbstsüchtigen Zwecken um seinen Beistand (Jak. 4:3). Wenn Gott ihre Bitte im Einklang mit seinem Willen erfüllt, verhalten sie sich nicht entsprechend.

      Zählst du indessen zu der Minderheit, die Gott wirklich kennenlernen und ihm wohlgefallen möchte, die den Wunsch hat, daß sein Wille auf der ganzen Erde geschieht? Dann kannst du sicher sein, daß Gott deine Gebete erhören wird. Jehovas Zeugen sind gern bereit, dir zu helfen, mehr über den wahren Gott, den Hörer des Gebets, kennenzulernen. Und du wirst die Erfahrung machen, sofern du dazu bereit bist, daß es sich zu beten lohnt.

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